Julia Buckley: A Dark and Stormy Murder (A Writer’s Apprentice Mystery)

Anfang des Monats hatte ich mir „A Dark and Stormy Murder“ von Julia Buckley besorgt, nachdem das Buch schon einige Zeit auf meinem Merkzettel stand und ich aktuell große Lust auf gemütliche Kriminalromane habe. Die Geschichte wird aus Sicht von Lena „Lee“ London erzählt, die vor einigen Monaten erst ihr Studium beendet hat und nun auf der Suche nach einem Job ist, mit dem sie ihren Lebensunterhalt finanzieren kann. Lena ist kurz davor zu verzweifeln, als ihre Freundin Allison anruft, um ihr zu erzählen, dass sie Camilla Graham – eine berühmte Autorin, die seit vielen Jahren Lenas Vorbild ist – kennengelernt hat und dass Camilla eine Assistentin sucht. Wenig später macht sich Lena gemeinsam mit ihrem Kater Lestrade auf den Weg nach Blue Lake in Indiana, um probeweise für Camilla zu arbeiten. Schnell lebt sich Lena in Blue Lake ein, freundet sich mit ihrer Arbeitgeberin an, lernt neue Leute kennen und genießt ihren Job – bis sie am Seeufer unterhalb von Camillas Haus über die Leiche eines ermordeten Mannes stolpert.

Ich habe es sehr genossen, „A Dark and Stormy Murder“ zu lesen, obwohl Lenas Leben in Blue Lake ein kleines bisschen zu perfekt war und ich ihre Instant-Verliebtheit in Camillas Nachbarn Sam West nicht so ganz nachvollziehen konnte. Der kleine Ort Blue Lake ist einfach bilderbuchhaft perfekt und wird trotzdem nicht von Touristen überlaufen und Lenas neuer Job ist für sie die Erfüllung eines Traumes, weil sie Camilla Graham beim Schreiben ihres neusten Romans assistieren darf. Obendrein wird Camilla innerhalb kurzer Zeit zu einer (mütterlichen) Freundin für Lena und es gibt gleich zwei attraktive Männer, die um die Aufmerksamkeit der Protagonistin bemüht sind. All das wäre mir normalerweise etwas zu viel, um die Geschichte zu genießen, aber es gelingt Julia Buckley, genügend realistische Elemente in die Handlung einzuflechten, dass ich mich beim Lesen einfach nur wunderbar entspannt und unterhalten gefühlt habe. So trifft Lena zum Beispiel immer wieder Personen, die ihr sympathisch sind und die sie gern besser kennenlernen würde, aber das hindert sie nicht daran, sich zu fragen, ob die jeweiligen Personen vielleicht etwas mit dem Mordfall zu tun haben oder Dinge wissen könnten, die der Polizei bei den Ermittlungen helfen würden.

Auch die Art und Weise, wie Lena (und Camilla) in die Ermittlungen involviert werden, mochte ich, weil die Protagonistin weder glaubt, dass sie es besser machen kann als die Polizei, noch aktiv gegen die Ermittler arbeitet, sondern nur ihre Neugier befriedigt, indem sie Klatsch und Tratsch austauscht oder online Informationen sucht. Und wenn sie dann wirklich über Dinge stolpert, die der Polizei helfen könnten, dann gibt sie diese Informationen auch direkt an den Ermittler weiter. Einzig ihre Haltung gegenüber Sam West, der seit Monaten des Mordes an seiner (verschwundenen) Ehefrau verdächtigt wird, war mir etwas zu extrem, denn es brauchte nur zwei Begegnungen, und schon war Lena nicht nur davon überzeugt, dass Sam vollkommen unschuldig sein muss, sondern sie war auch Hals über Kopf in ihn und seinen rauen Charme verliebt. Immerhin gab es kein großes Drama rund um die Tatsache, dass nicht nur Sam, sondern auch der ermittelnde Polizist Doug Heller an Lena interessiert war, was ich wirklich anerkennen möchte. Wieso können nicht mehr Autor*innen solche Handlungselemente lösen, indem sie ihre Figuren wie vernünftige erwachsene Menschen handeln lassen?! Erschreckend, dass mich das hier so froh gemacht hat, weil das einfach so selten vorkommt.

Ansonsten habe ich noch eine kleinen Kritikpunkt an „A Dark and Stormy Murder“, und der bezieht sich auf das Essverhalten der Protagonistin. Während es auf der einen Seite schön zu lesen war, dass Lena ständig leckeres Essen genießt, hatte sie auf der anderen Seite jedes Mal ein schlechtes Gewissen oder musste daran denken, dass sie ganz bestimmt bald schrecklich dick wird, wenn sie sich weiterhin so schlecht ernährt. Ich muss gestehen, ich habe fast das Gefühl, ich könnte Julia Buckley diesen Punkt nicht wirklich vorwerfen, weil es in unserer verdammten Gesellschaft nun einmal überall verbreitet ist, dass Essen etwas ist, das kein Genuss sein darf und mit schlechtem Gewissen verknüpft ist. Aber ich finde es schrecklich, so etwas in einem ansonsten wirklich wohltuenden Roman zu lesen – so viele Beschreibungen von leckerem Essen, und jede einzelne davon wird mit dem Schuldgefühl der Protagonistin verknüpft. Ich weiß nicht, wie vielen anderen Leser*innen das überhaupt auffällt, aber mich hat das wirklich geärgert.

Allerdings hat mich dieser Punkt nicht so sehr geärgert, dass es mir den Rest der Geschichte verdorben hätte. Ich mochte grundsätzlich die Figuren, ich habe es genossen, Lenas perfekten neuen Alltag mitzuerleben, und mir hat es gefallen, wie Julia Buckley den Kriminalfall konstruiert hat. Ich fand es sogar unterhaltsam, Lenas Arbeitsalltag und all ihre Gedanken rund um Camillas nächsten Roman, „The Salzburg Train“, mitzuverfolgen, auch wenn ich die Passagen aus diesem fiktiven Buch, die an fast jedem Kapitelanfang zu lesen waren, eher schlecht geschrieben fand. Aber das hatte schon wieder seinen ganz eigenen Unterhaltungswert für mich und sorgte dafür, dass ich jedes Kapitel mit einem Grinsen startete, während ich darüber nachdachte, dass Camilla Grahams Bücher für mich nicht geeignet wären. Insgesamt hat mir „A Dark and Stormy Murder“ Lust auf weitere Veröffentlichungen von Julia Buckley gemacht – weshalb ich mir direkt im Anschluss das eBook „The Big Chili“, den Auftakt der „Undercover Dish“-Reihe, gekauft habe, um herauszufinden, ob mir andere Reihen der Autorin auch zusagen könnten.

5 Kommentare

  1. Das klingt nach einem sehr netten Krimi – besonders die Ausgangssituation und das Setting klingen reizvoll. Aber nach dem angesprochenen Kritikpunkt mit dem Essverhalten bin ich mir nicht ganz sicher, ob der etwas für mich wäre. Mein Verhältnis zu Essen ist ohnehin alles andere als entspannt und ich glaube, das brauche ich nicht auch noch in einem Roman.

    • Konstanze

      Ich verstehe auch nicht, wieso die Autorin das so eingebracht hat. Es ist nicht so, als ob all diese Gedanken das Essverhalten der Protagonistin beeinflussen würden. Sie isst ja trotzdem ihren Stapel Waffeln mit Sirup oder eine Extraportion vom Abendessen, weil alles so lecker ist und sie natürlich zur Essenszeit hungrig ist.

      Erschreckenderweise ist Essen in „The Big Chili“ auch wieder etwas, das mit einem schlechten Gewissen verknüpft wird. Die Protagonistin in dem Roman betreibt eine Art Catering und so gibt es auf der einen Seite ständig Beschreibungen von leckerem Essen oder Szenen, in denen sie kocht, aber auf der anderen Seite gibt es auch Passagen, in denen sie sich ein ungesundes Getränk oder Fast Food gönnt – und schon muss die Autorin betonen, dass ihrer Figur bewusst ist, dass das ungesund ist und dass sie das ja nur selten macht und prompt ein schlechtes Gewissen deswegen hat.

      Mich bringt das beim Lesen zum Grummel und ich kann nicht darüber hinwegsehen, allerdings finde ich den Rest des Romans nett genug, um mit diesem Punkt leben zu können. Ich würde die Bücher aber deshalb nicht uneingeschränkt empfehlen.

      • Möglicherweise ist sich die Autorin dessen gar nicht mal so stark bewusst. Dieses Denken ist ja eben in unserer Gesellschaft so selbstverständlich, dass das teilweise wohl schon Automatismen sind.
        Erst seit mir mein problematisches Verhältnis zu Essen und Diäten richtig bewusst geworden ist, fällt mir auch auf, wie sehr das in meiner Familie ständig Thema ist (gefühlt sind meine weiblichen Verwandten permanent auf Diät und ständig am Rechtfertigen, wenn sie bei einer Feier doch mal ein kleines Stück Kuchen essen). Aber daher bin ich in letzter Zeit auch etwas überempfindlich bei dieser Thematik und würde wohl mit dem Punkt in Büchern nicht so gut umgehen können.

        • Konstanze

          Das vermute ich auch und das ist auch der Grund, wieso mir diese Elemente zwar auffallen, ich sie der Autorin aber einigermaßen verzeihen kann. Denn ja, dieses Denken ist so in unserer Gesellschaft verankert, dass jemand schon regelrecht Arbeit investieren muss, um sich dessen bewusst zu werden und davon zu lösen.

          Mir geht es ähnlich wie dir. Wobei meine Essstörung (und die meiner Schwester) schon sehr früh unübersehbar war, ebenso wie es uns bewusst war, dass unsere Mutter die Basis dafür gelegt hat. Aber bis heute werde ich entweder wütend oder bin frustriert, wenn ich auf das Verhalten stoße, dass du von deinen weiblichen Verwandten beschreibst …

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