Stephanie Burgis: Scales and Sensibility (Regency Dragons 1)

„It was a truth universally acknowledged that any young lady without a dragon was doomed to social failure.“

Dies ist der erste Satz in „Scales and Sensibility“ von Stephanie Burgis und eigentlich wisst ihr damit über den Ton der Geschichte schon fast alles, was ihr wissen müsst. 😉 Dieser Titel ist die aktuellste Veröffentlichung der Autorin, obwohl sie die erste Version des Manuskripts schon vor vielen Jahren geschrieben hatte. Aber damals hieß es, dass es keinen Markt für fantastische Regency-Romane gäbe, weshalb sich Stephanie Burgis lieber auf andere Ideen konzentrierte. Wenn ich an all die Jahre denke, in denen ich fantastische Regency gesucht habe, frage ich mich, wie irgendein Agent oder Verlag auf die Idee kommen konnte, dass der Markt dafür nicht reif wäre … aber nun gut … „Scales and Sensibility“ wird aus der Perspektive von Elinor Tregarth erzählt, die nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Tante aufgenommen wurde. Elinor sehnt sich nicht nur sehr nach ihren beiden jüngeren Schwestern, die von zwei anderen Verwandten aufgenommen wurden, sondern auch nach einer liebevollen und respektvollen Umgebung. Sowohl ihr Onkel als auch ihre Cousine Penelope lassen Elinor ständig spüren, dass sie nur die arme Verwandte ist und dankbar sein muss, dass sie überhaupt aufgenommen wurde.

Die Tatsache, dass Elinor Penelope bei ihrer ersten Saison helfen soll (obwohl sie selbst bislang kein Debüt hatte) und von ihrer Cousine ebenso schlecht wie die Dienstmädchen behandelt wird, macht es für die junge Frau nicht einfacher. Und dann gibt es da noch den kleinen Drachen Sir Jessamyn, der – wie es sich bei einer Dame der Gesellschaft gehört – dekorativ auf Penelopes Schulter sitzen sollte, aber stattdessen so viel Angst vor seiner Besitzerin hat, dass er regelmäßig seinen Darm auf ihren Kleidern entleert. Als Penelope ihn deswegen beinah verletzt, platzt Elinor der Kragen, was zur Folge hat, dass sie gemeinsam mit Sir Jessamyn das Haus verlässt. Ohne Geld, ohne eine Unterkunft in Aussicht und mit einem (gestohlenen) Drachen auf der Schulter scheint Elinors Schicksal besiegelt, doch dann überrascht Sir Jessamyn die junge Frau mit einer unerwarteten Fähigkeit, und außerdem macht Elinor die Bekanntschaft von Benedict Hawkins, dessen Geldsorgen ihn dazu bringe, dass er die Hand von Penelope gewinnen will. Mit der Hilfe von Sir Jessamyn, und um Benedict bei seinem Vorhaben zu unterstützen, landet Elinor inmitten einer trubeligen Hausparty, bei der sie jederzeit als Hochstaplerin und Diebin eines kostbaren Drachens enttarnt werden könnte. Dazu kommt noch, dass es auch noch andere Gäste bei dieser Gesellschaft gibt, die sich mit ganz eigenen (unlauteren) Motiven dort eingefunden haben.

Mir hat „Scales and Sensibility“ wirklich viel Freude beim Lesen bereitet, auch wenn ich die ganze Zeit sehr mit Elinor mitgelitten habe. Die junge Frau ist eigentlich ein sehr ehrlicher und offenherziger Mensch, und die Scharade, die sie mit allen Anwesenden bei dieser Hausparty spielen muss, gefällt ihr so gar nicht. Aber jedes Mal, wenn sie offen und ehrlich sein will, passiert etwas, das dafür sorgen würde, dass ein anderer Mensch darunter leiden müsste, wenn sie ihre Identität aufdecken würde. Also wird Elinor immer weiter gezwungen, Theater zu spielen und gleichzeitig Wege zu finden, um mit den diversen Erpressungen und Bedrohungen umzugehen und natürlich Benedict bei seinen Bemühungen um Penelopes Hand zu unterstützen. Trotz all dieser unangenehmen Situationen für Elinor ist die Geschichte wirklich lustig und ich habe ständig vor mich hingekichert, während es zu Missverständnissen zwischen den verschiedenen Figuren, etwas zu offenherzigen Aussagen von Elinors Tante und ähnlichen Momenten kam. Doch vor allem mochte ich einige der Charaktere wirklich gern und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Allen voran natürlich Elinor, deren Zuneigung zu ihren Schwestern und Sir Jessamyn wirklich schön zu lesen war, auch wenn sie beides immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hat. Ebenso mochte ich Benedict Hawkins sehr gern, der zwar ein Mitgiftjäger ist, aber nicht nur gute Gründe dafür hat, sondern auch ein freundlicher, ehrbarer und hilfsbereiter Mensch ist. Dazu kommen noch Figuren wie Benedicts bester Freund Cornelius Aubrey, dessen geistesabwesende Gelehrsamkeit vielleicht etwas übertrieben ist, aber für wunderbar amüsante Momente sorgt, oder Elinors Tante, die im Laufe der Geschichte entdeckt, wie befreiend es doch sein kann, einfach nur offen die eigene Meinung zu äußern. Ich mochte diesen Roman wirklich gern und ich habe große Lust, mehr von Elinor, ihren beiden Schwestern (die bislang nur durch Elinors Erinnerungen bekannt sind) und natürlich diese ungewöhnlichen kleinen Drachen und ihre überraschenden Fähigkeiten zu lesen. Zum Glück plant Stephanie Burgis zwei weitere Regency-Dragon-Romane, in denen dann Elinors Schwestern die Protagonistinnen sein werden.

2 Kommentare

  1. Waah, Hilfe, das klingt ja ganz nach einem Buch für mich – dass ich wieder vermehrt hier mitlese, hat auch seine Nachteile … für meinen eh schon überlasteten SUB nämlich … 😉

    • Ach, das ist doch kein Nachteil! Das bietet doch nur die notwendige Motivation, um mal wieder mehr Lesezeit einzuplanen – und das kommt deinem SuB definitiv zu Gute! 😀

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