Schlagwort: Lois McMaster Bujold

Lese-Eindrücke Juni und Juli 2026

Im Juni und Juli fand ich es überraschend schwierig, mich für ein Buch zu entscheiden, was bedeutete, dass ich mich vor allem auf Reihen(fortsetzungen) konzentriert habe. Außerdem habe ich im Juli so wenig gelesen, dass die paar Lese-Eindrücke hier auch noch reinpassen.

Lois McMaster Bujold: The Sharing Knife – Complete Series

Nach dem aktuellsten „Penric & Desdemona“-Band hatte ich Lust auf mehr Geschichte von Lois McMaster Bujold, wollte aber nicht zu den Vorkosigan-Romanen greifen, weil das definitiv dazu geführt hätte, dass ich die ganze Serie am Stück gelesen hätte. Also startete ich einen Reread der beiden deutschen „Die magischen Messer“-Bände, die sich in meinem Regal befanden – nur um dann die beiden Romane nach den ersten Absätzen auszusortieren und mir den englischen Sammelband als eBook zu besorgen, weil ich die deutsche Übersetzung nicht mehr lesen mochte. Die Komplettausgabe der „Sharing Knife“-Serie beinhaltet die vier Romane „Beguilement“, „Legacy“, „Passage“ und „Horizon“ plus die Novella „Knife Children“ und erzählt die Geschichte von Dag (ein Lakewalker) und Fawn (eine Farmerin – eine Bezeichnung, die für jeden Menschen, der kein Lakewalker ist, verwendet wird). Die beiden verlieben sich ineinander, nachdem sie gemeinsam gegen eine „Malice“ (ein magisches Wesen, dass seiner Umgebung sämtliche Lebensenergie aussaugt) gekämpft haben. Dummerweise gibt es bei den Farmern keinen Platz für Dag und bei den Lakewalkern keine Zuflucht für Fawn, so dass sich das Paar gezwungen sieht, einen ganz eigenen – neuen – Weg einzuschlagen, um sich ein gemeinsames Leben aufbauen zu können. Ich mochte die Geschichte so sehr, dass ich die über 1800 Seiten in gerade mal sechs Tagen gelesen habe. Fawn und Dag bekämpfen im Laufe der Zeit weitere Malices, lernen mehr über die Kultur des jeweils anderen, finden eine Menge neuer Verbündeter und Freunde, und das alles ist durchzogen mit dem für Lois McMaster Bujold typischen Humor. Ich freu mich sehr darüber, dass ich nun alle Bände der Reihe in meinem Besitz habe und bin mir sicher, dass ich sie in Zukunft regelmäßig erneut lesen werde.

Haylock Jobson: Heretical Fishing 1-5 – A Cozy Guide to Annoying the Cults, Outsmarting the Fish, and Alienating Oneself

„Heretical Fishing“ von Haylock Jobson war ein weiterer Versuch von mir, im Juni einen Isekai-Roman zu finden, der mich gut unterhält, und ich muss zugeben, dass ich Band 1 wirklich amüsant und ungewöhnlich fand. Zu Beginn der Geschichte wird der Protagonist „Fischer“ von einem LKW überfahren, nachdem er zum ersten Mal in seinem Leben einen entspannten Nachmittag mit Angeln verbracht hat. Das führt dazu, dass er sich nach seinem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, in der das „System“ offensichtlich defekt ist (und ihm lauter Fehlermeldungen präsentiert). Er beschließt, dass er nicht im klassischen Isekai-Stil sein zweites Leben verbringen will, sondern sich lieber aufs Angeln konzentrieren möchte. Ich fand es anfangs lustig zu lesen, dass Fischer so besessen vom Angeln ist, dass es ihm auch vollkommen egal ist, dass das in dieser Welt als Häresie gilt, und wie er ständig seine neuen Nachbarn dazu bringen will, seine Fischgerichte zu probieren. Und da ich das Ganze so nett fand, habe ich mir auch noch den zweiten Band besorgt, wo der Humor dann etwas ermüdend wurde, aber am Ende die Handlung so weit anzog, dass ich auch noch die Fortsetzung las – mit der es mir wieder genauso erging, dass ich den Humor ermüdend fand, aber dann am Schluss neugierig genug auf den weiteren Verlauf der Geschichte war … Bei Band 4, den ich im Juli gelesen habe, war ich dann so weit, die Reihe abzubrechen, allerdings hatte ich dummerweise auch Band 5 schon auf dem eReader … Die Grundidee ist nett, die ersten Bände fand ich unterhaltsam, und ich fand es schön, dass Fischers Einfluss dafür sorgte, dass all seine Nachbarn magische Kräfte entwickelten und Zugang zum System bekamen. Aber der eher alberne und sich ständig wiederholende Humor, der sehr viel darauf basierte, dass sich die Figuren gegenseitig Streiche spielten, ging mir doch überraschend schnell auf die Nerven. Keine Reihe, die ich fortsetzen werde, auch wenn der fünfte Band (natürlich) wieder auf eine Art und Weise endete, die eine interessante Weiterführung der Geschichte mit sich bringen könnte.

L. D. Lapinski: The Whispering World (Artezans 2)

Ich sehe gerade, dass es schon zwei Jahre her ist, seitdem ich den ersten Band rund um die Artezans von L. D. Lapinski gelesen habe, und frage mich nun, wieso Fortsetzungen so oft bei mir auf dem SuB liegenbleiben … Immerhin habe ich in diesem Jahr endlich den zweiten Teil „The Whispering World“ gelesen und fand ihn mindestens ebenso nett wie den Auftaktband der Reihe. Da dieses Mal die magische Welt, zu der die Zwillinge Ed und Elodie gehören, nicht vorgestellt werden muss, zieht die Handlung in diesem Roman deutlich schneller an als in „The Forgotten Magic“. Zu Beginn der Geschichte erleiden die beiden Kinder mit ihren Vätern Schiffbruch und landen auf einer kleinen (und zum Glück von Magie-Nutzern bewohnten) Insel. Nachdem die kleine Familie froh ist, dass sie so viel Glück im Unglück hatten, müssen sie schnell feststellen, dass es auf der Insel nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht. Ich mochte es, all die verschiedenen Personen auf der Insel kennenzulernen, mitzuverfolgen, wie Ed und Elodie einen neuen Freund finden und wie sich die drei dann gegenseitig unterstützen, als sie gegen eine Gruppe von Personen angehen müssen, die ihre Magie stehlen will. Und ich bin sehr, sehr neugierig darauf, wie die Geschichte zu Ende geht, weshalb ich den dritten Band der Reihe inzwischen auf dem SuB habe und fest davon ausgehe, dass ich ihn in diesem Herbst lesen werde.

Rachel Morgan: Hearts & Honey Light (The Charmed Leaf Legacy 4)

Ich habe die „The Charmed Leaf Legacy“-Serie von Rachel Morgan wirklich ins Herz geschlossen und freue mich schon jetzt auf den nächsten Band, der im November erscheinen soll. „Hearts & Honey Light“ dreht sich mit Kazrian Rowanwood und Lucie Fields um zwei Figuren, die schon in den vorherigen Bänden eine Rolle spielten. Lucie ist eine junge (menschliche) Frau, die eine Ausbildung als Konditorin in dem Teehaus von Kazrians Großmutter gemacht hat, und Kazrian ist ein Fae Lord, der in den vergangenen Jahren fern seiner Familie am Hof der Königin gelebt und dort seine Magie gewirkt hat. Doch nun hat ihn seine Großmutter nach Hause gerufen, weil sie in Bloomhaven ein Café eröffnen will und Kazrian sich um die von Magie hervorgerufenen Fehlfunktionen in dem Gebäude kümmern soll. Was natürlich bedeutet, dass Lucie und Kazrian so einige Zeit miteinander verbringen müssen, obwohl sie ihm vor einigen Jahren das Herz gebrochen hat, als sie ihm mitteilte, dass sie keine Gefühle für ihn hegen würde. Was natürlich nicht stimmte, obwohl sie gute Gründe für diese Lüge hatte … Ich mochte es sehr, mitzuerleben, wie die beiden Figuren sich wieder neu kennenlernen und sich so nach und nach ihren Gefühlen füreinander stellen müssen. Ich muss zugeben, dass ich den Grund für einen Teil der magischen Probleme in dem Café etwas zu auf der Hand liegend fand, und auch die Hintergründe zu Kazrians Gegenspieler war mir etwas zu offensichtlich. Aber da ich den Rest der Handlung so süß fand und bei dieser Reihe sicher sein kann, dass den Figuren nichts Schlimmes passiert, selbst wenn die Geschichte so einiges Potenzial für Drama und Unglück bietet, konnte ich damit leben.

C. A. Moss: How I Became a Therapist in Another World 1-4

Ein weiterer Versuch mit einer Isekai-Serie, dieses Mal im Juli und beworben mit den Worten „A light novel-inspired, LGBT-inclusive four-part novella series about one thing every angsty anime series and fantasy novel could use: Therapy.“ Diese vier Bände (die zusammen gerade mal um die 420 Seiten umfassen) werden alle aus der Sicht von Lavender erzählt, einer Therapeutin, die sich nach ihrem Tod in einer fantastischen Welt wiederfindet, wo die Bewohner von Dämonen geplagt werden. Dabei sind diese Dämonen nichts anderes als ein für alle sichtbarer Ausdruck der psychischen Probleme, die die jeweilige Person (Mensch, Ork oder Elf gleichermaßen) plagen. Weshalb Lavender auch in ihrem zweiten Leben ihr Wissen als Therapeutin nutzt, um ihren Nachbarn zu helfen, ihre Dämonen zu besiegen. Außerdem gibt es da noch die attraktive Köchin in dem Wirtshaus, in dem Lavender aushilfsweise als Bedienung arbeitet, und das Rätsel um die Herkunft der Dämonen (und um den Ursprung dieser fantastischen Welt). C. A. Moss nimmt sich viel Zeit, um Lavenders neues Leben aufzubauen und die verschiedenen Personen, die sie im Laufe der folgenden Monate kennenlernt, vorzustellen. Was dazu führt, dass die Geschichten – trotz ihrer Kürze – etwas vor sich hin dümpeln. Immerhin ließ sich die Handlung so aber auch gut in kleinen Abschnitten lesen, wenn mein Kopf gerade sehr voll war und ich einfach nur ein paar Minuten in der Gesellschaft von ein paar schrecklich netten Charakteren verbringen wollte. Die Fortsetzungen (also Band 5 bis 10) habe ich deshalb im August auch noch gelesen und fand vor allem den zweiten Sammelband („Herbs and Harmonies“) sehr nett – gerade weil ab Band 5 andere Protagonist*innen als Lavender eine Rolle spielen. „The Dark Lord’s Army Wants You!“ hatte hingegen ein paar sehr amüsante Ideen, aber mir waren die unterschiedlichen Geschichten, die sich zwar um verschiedene Personen drehen, die aber alle zu derselben Armee gehören, thematisch fast schon zu ähnlich. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass ich die Serie zu genau der richtigen Zeit für mich entdeckt hatte, dass ich bei einem erneuten Lesen aber nicht mehr so ganz nachvollziehen können werde, was mich in diesem Sommer daran gereizt hatte.

Lese-Eindrücke Mai 2026 (Teil 1)

Die Tatsache, dass ich in diesem Jahr versuche, meiner ungelesenen eBooks etwas Herr zu werden, hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich ziemlich viel gelesen habe, sondern auch dafür, dass ich mir sehr viele neue Bücher gekauft habe. Im Mai war meine Impulskontrolle in der Beziehung nicht sehr ausgeprägt, weshalb hier in diesem Monat so einige Reihen erwähnt werden. Außerdem habe ich so viel gelesen, dass ich die Lese-Eindrücke für Mai lieber in zwei Teilen veröffentliche.

Lois McMaster Bujold: Darksight Dare (Penric & Desdemona 16)

Der aktuellste „Penric & Desdemona“-Band war genauso amüsant wie all die anderen davor – wobei ich es angenehm fand, dass ein nicht geringer Teil der Handlung aus der Perspektive einer neu eingeführten Person erzählt wurde. Das bedeutete nicht nur, dass all die Dinge, die für Penric inzwischen vollkommen normal sind, von dieser Person ganz anders wahrgenommen wurden, sondern auch, dass wir als Leser*innen eine weitere Beziehung zwischen einem Menschen und einem Dämonen miterleben konnten. Das war ein guter Ansatz, um einer so lange laufenden Reihe einen erfrischenden Dreh zu geben. Ich hoffe sehr, dass Lois McMaster Bujold noch so einige Bände mit Penric und Desdemona schreiben wird – ich habe wirklich viel Spaß mit der Reihe.

Zoe Chant: Bun in a Million (Virtue Shifters 13)

Der aktuellste Band der Virtue-Shifter-Reihe bietet eine sehr süße Fake-Dating-Geschichte zwischen der Architektin Sabrina und dem Kaninchen-Gestaltwandler Luke, wobei ich es auch hier wieder einmal bevorzugt hätte, wenn sich das Kennenlernen der beiden Figuren länger hingezogen hätte und nicht auf „Fated Mate – also sind drei Tage genug, um sich für einander zu entscheiden“ hinausgelaufen wäre. Immerhin habe ich inzwischen erfahren, dass der Unterschied zwischen den ersten Virtue-Shifter-Bänden (mit deutlich längerer Kennenlernphase und interessanterer Hintergrundgeschichte) und den aktuellen Bänden dieser Reihe an den Bedingungen liegen, die mit dem geteilten Pseudonym einhergehen. Das führt dazu, dass es demnächst eine Reihe unter einem anderen Pseudonym der Autorin C.E. Murphy geben wird, die in derselben Stadt spielt und komplexere Geschichten beinhalten wird.

Marissa Doyle: Countess of Shadows (The Ladies of Almack’s Omnibus 1)

Von Marissa Doyle mochte ich die Leland-Sisters-Romane sehr gern, hatte die Autorin aber in den letzten zehn Jahren aus den Augen verloren, bis ich im Mai über die „Ladies of Almack’s“-Reihe stieß. Dieser Band beinhaltet die Geschichten „The Forgery Furore“, „The Vanishing Volume“ und „Lyrics and Larceny“, und zusammen umfassen sie gerade mal 326 Seiten. Ich muss zugeben, dass ich die Geschichten rund um Annabel Chalfont (Countess of Fellbridge) nicht so bezaubernd fand wie die um die Leland-Schwestern, aber sie waren nett genug, um irgendwann mehr davon zu lesen. Die Grundidee ist, dass die Ladies of Almack’s nicht nur den Ton in der gehobenen Gesellschaft angeben, sondern alle auch eine (jeweils unterschiedliche) besondere magische Begabung haben, die ihnen hilft, im Geheimen Probleme zu lösen. Dabei reichen in dieser Sammlung die Probleme von gefälschten Vouchers für Almack’s über eine nicht erhältliche Fortsetzung eines beliebten Romans bis zum Diebstahl von Juwelen. Allein schon die Kürze der jeweiligen Geschichten sorgt dafür, dass die Herausforderungen sich jedes Mal recht schnell auflösen. Aber es ist nett und entspannend zu lesen, ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sich mit jedem Band ein bisschen besser in ihrer neuen Reihe zurechtfand, und die kleinen Anmerkungen zu den historischen Hintergrunden am Ende der jeweiligen Episode waren teilweise überraschend interessant..

Miles English: Scarred/Illusionist/Nightmares/Benighted (Bog Standard Isekai 1-4)

Bei meiner Suche nach weiteren Isekai-Geschichten, die mich gut unterhalten könnten, bin ich über „Bog Standard Isekai“ (der seltsame Reihentitel wird im Laufe des ersten Bands erklärt) gestolpert, was dazu führte, dass ich in vier Tagen 2500 Seiten gelesen habe, weil mich die Reihe nicht so recht losließ. Der Protagonist Mark stirbt als erwachsener Mann in unserer Welt und wird als junger Teenager in einem fantastischen Reich wiedergeboren – dummerweise passiert das in einem abgelegenen kleinen Ort im Sumpf, der gerade von Untoten überrannt wurde. Nach einigen Tagen voller traumatischer Erlebnisse wird Mark gerettet, aber damit sind die Gefahren noch nicht vorbei. Die „Bog Standard Isekai“-Geschichten sind deutlich brutaler als die Isekai-Veröffentlichungen, die ich sonst bevorzuge, aber das macht für mich auch ihren Reiz aus. Mark gehört zu den Isekai-Protagonisten, deren Fähigkeiten überproportional besser sind als die der anderen Bewohner dieser fantastischen Welt. Aber es gelingt Miles English, das Ganze nicht nur mit Marks Wissen aus seinem früheren Leben zu begründen, sondern auch mit den vier einflussreichen und mächtigen Personen, die ihn aus dem Dorf im Sumpf gerettet hatten und sich deshalb für sein weiteres Leben und seine Ausbildung verantwortlich fühlen. Den Ausgleich für Marks Fähigkeiten bieten all die Gefahren, mit denen er sich herumschlagen muss, und die physisch und psychisch ihre Spuren hinterlassen. Beim Lesen hat mich die Handlung immer wieder an das Videospiel „Diablo III“ erinnert, das sich genauso düster und hoffnungslos anfühlte wie diese Welt (und mit dem ich vor einigen Jahren erschreckend viele Stunden verbracht habe). Mit seinen Adoptiveltern und all den Freunden, die er findet, ist Mark immerhin nicht alleine mit all den Herausforderungen – was einen dringend nötigen Ausgleich zu den Schlachten und ähnlichen Ereignissen bildet. Ich habe keine Ahnung, wie lang die Reihe werden wird, kann aber sagen, dass ich den fünften Band direkt vorbestellt hatte, nachdem ich mit Band vier fertig war – und nun bin ich sehr gespannt darauf, wie der Kampf gegen die jahrtausendealte böse Königin des Nachbarreichs verlaufen wird und ob damit die Reihe zu einem Ende findet oder nicht …

Murphy Lawless: OctoBEARfest/Partridge in a Bear Tree (Renaissance Shifters 1+2)

Nachdem ich mit den „Bog Standard Isekai“-Romanen so viel Düsteres gelesen hatte, brauchte ich eine etwas fluffigere Lektüre und befreite deshalb „OctoBEARfest“ vom eReader. Die „Renaissance Shifters“-Reihe ist ein Ableger der Virtue-Shifters-Romane und die Geschichten drehen sich um die Bären-Gestaltwandler-Brüder (bzw. in Band 2 um seine Cousine) von Steven aus „Hold My Bear“. Auch wenn C. E. Murphy hier nicht unter dem geteilten Pseudonym Zoe Chant schreibt, sondern als Murphy Lawless, so folgen die Geschichten doch demselben Schema wie die Virtue-Shifter-Romane. Aber es sind süße und amüsante Geschichten, perfekt zum Entspannen (oder um sich von einer etwas aufreibenderen Lektüre zu erholen). Die Reihe wird mit fünf Bänden abgeschlossen sein und alle Teile spielen entweder rund um eine Brauerei mit angeschlossenem Pub oder einen am selben Ort stattfindenden Mittelaltermarkt. Während ich mir bei den Beziehungen oft wünschte, dass die Autorin sich bei diesen Liebesromanen mehr Zeit mit der Kennenlernphase lassen würde, kann ich mich über den Humor in diesen Geschichten wirklich nicht beschweren. Ich kichere beim Lesen die ganze Zeit vor mich hin, was dann auch der Grund ist, wieso ich immer wieder zu diesen Gestaltwandler-Romanen zurückkehre.

[Figurenkabinett] Miles Nailsmith Vorkosigan

Miles und ich habe uns an einem – für mich etwas einsamen – Abend in einer Buchhandlung kennengelernt. Es war einer dieser schönen Sommertage, an denen die Kollegen schon alles erledigt hatten und ich nur noch in der Abendschicht darauf warten konnte, dass sich vielleicht doch ein Kunde meiner erbarmt und ein Buch kauft. Zum Glück sah ich dann im Regal diesen Roman mit dem abgrundhässlichem Cover. Schon beim Auspacken der Neuerscheinungen hatte ich mich gefragt, wie ich dieses Buch jemals verkaufen sollte. An diesem Abend beschloss ich, einfach mal reinzulesen und zu gucken, wie die Geschichte so ist.

Dabei benötigte es nur wenige Seiten von „Der Kadett“ von Lois McMaster Bujold, um von Miles absolut hingerissen zu sein. Der junge Mann, dem ich da begegnete, hatte trotz extrem widriger Umstände eine Menge Haltung und Durchsetzungskraft. Er gehört zu den Charakteren, deren aberwitzige Ideen sich in dem Moment, in denen sie sie äußern, überaus stimmig und logisch anhören. Und wenn Miles sich für etwas begeistert, dann möchte man gleich mit ihm zusammen in die Schlacht ziehen und die Welt verändern. Obwohl er immer wieder von Selbstzweifeln geprägt ist, sind das Gefühle, die er nur mit sich und den Personen ausmacht, die ihm sehr nahe stehen. Etwas, das ihn realistisch, aber nicht wehleidig werden lässt – obwohl er auch dazu gute Gründe gehabt hätte. Außerdem scheint er jede Person ernst zu nehmen, unabhängig von Aussehen, Geschlecht und Rasse, was ihn zu einem hervorragenden Anführer und Diplomaten macht.

Miles Vorkosigan wurde sehr von der militärischen Gesellschaft geprägt, in der er aufgewachsen ist – und diese militärische Gesellschaft wurde geprägt von der Zeit, in der der Planet Barrayar keinen Kontakt zu anderen Planeten hatte, was dazu führte, dass Barrayar ein wenig hinterwäldlerisch wirkt. Obwohl Miles sich aufgrund eines Giftgasanschlags, der auf seine Mutter verübt wurde, als diese schwanger war, mit diversen körperlichen Problemen herumschlagen muss, möchte er unbedingt zum Militär gehen – wie sich das für einen Mann seines Standes gehört. Ihm ist bewusst, dass die Aufnahmeprüfung für die Militärakademie nicht allein mit seinem überlegenen Intellekt zu schaffen sein wird, aber er hätte nie erwartet, dass er – wortwörtlich! – schon an der ersten Hürde scheitern würde.

So findet er sich schnell in einem „Erholungsurlaub“ auf dem Heimatplaneten seiner Mutter Cordelia wieder, statt seine militärische Ausbildung anfangen zu dürfen. Aber Miles wäre nicht Miles, wenn er nicht sogar auf dem überaus zivilisierten Planeten Beta in Schwierigkeiten geraten würde. So stolpert er über einen verzweifelten Raumpiloten, der droht, mit seinem Raumschiff auf den Planeten zu stürzen, wenn jemand versuchen sollte, es ihm wegzunehmen, und mischt sich in die Angelegenheit ein. Nach einer erstaunlich kurzen und überraschenden Verhandlung endet es damit, dass Miles sich in Besitz eines alten Raumschiffs sieht, für eine kleine Mannschaft verantwortlich ist und dringend eine Möglichkeit finden muss, um Geld zu verdienen, damit er den Schiffskredit abbezahlen kann.

Miles‘ Unfähigkeit, sich aus schwierigen Situationen rauszuhalten, seine Hyperaktivität, seine ausgesprochen hohe Intelligenz und die Loyalität, die seine Leute – wider besseres Wissen – für ihn empfinden, sorgen für überaus amüsante Geschichten. Miles erlebt in verschiedenen (militärischen, privaten und diplomatischen) Missionen die unglaublichsten Dinge, steht im Laufe seines Lebens an der Spitze einer Söldnerarmee und sitzt immer wieder zwischen den Stühlen, wenn es um seine Treue zu seinem Kaiser und seiner Welt geht und um die Entscheidungen, die er bei seinen Reisen treffen muss.

Lois McMaster Bujold hat es mir im Laufe der Zeit ermöglicht, Miles von seiner Geburt (genau genommen sogar vom Kennenlernen seiner Eltern) an zu begleiten. Ich habe miterlebt, wie er mit all seinen körperlichen Beeinträchtigungen haderte, wie er sich das erste Mal verliebte, wie er dazu neigte, ständig Verantwortung für Dinge zu übernehmen, die nicht in seiner Hand lagen, und mich köstlich darüber amüsiert, wie jedes seiner Vorhaben eine unheimliche Eigendynamik entwickelte. Jeden Roman beginne ich – auch beim wiederholten Lesen – mit einer großen Neugier auf die Welt und die Figuren, die mir dort begegnen. Im Laufe der Geschichte werde ich immer atemloser und aufgedrehter vor Spannung und Lachen, und am Ende bin ich nach dem Lesen eines Miles-Vorkosigan-Romans immer vollkommen fertig, weil das Tempo der Handlung immer weiter anzieht und ich so mitgefiebert habe. Dabei sind die Geschichten nicht nur spannend und lustig, sondern auch voller kritischer Sichtweisen auf Rollenklischees – auch oder gerade in der Science Fiction – oder gesellschaftliche Traditionen.

Es gibt eigentlich nur ein einziges Problem, wenn man Miles Abenteuer erleben möchte:
Die fürchterliche Veröffentlichungspolitik der Autorin und der Verlage!

Ich kann verstehen, dass Lois McMaster Bujold ihre Geschichten nicht chronologisch schreibt, aber es ist fast unmöglich, den Überblick über die Reihenfolge der Romane und zusätzlich erschienenen Kurzgeschichten zu behalten. Der Heyne-Verlag hat mal versucht, die Bücher und Geschichten chronologisch in Sammelbänden zusammen zu fassen, aber nicht einmal diese Ausgabe ist vollständig. Wer also nun Interesse an Miles entwickelt hat, darf sich entweder einen ersten Einblick verschaffen, in dem er versucht, gebraucht „Der junge Miles“ (Heyne-Sammelband mit den ersten beiden Miles-Geschichten) oder „Der Kadett“ (scheußliches Cover, so ein scheußliches Cover!) aufzutreiben, oder indem er sich durch das verwirrende englischsprachige Angebot wühlt. 😉

Lois McMaster Bujold: Die magischen Messer 1+2

Lois McMaster Bujold ist vor allem für ihre humorvolle Science-Fiction-Reihe um Miles Vorkosigan bekannt geworden. Ihre „Die magischen Messer“-Serie geht in eine ganz andere Richtung. Hier bekommt man eine interessante Mischung aus Fantasy- und Liebesgeschichte geboten. Im erste Teil, „Die Klingen des Lichts“, läuft die junge Fawn vom Hof ihrer Eltern weg. Unverhofft schwanger und sicher, dass der werdende Vater nicht zu seinem Kind stehen wird, hofft sie, dass man ihr in der Stadt abnehmen wird, dass sie eine Witwe ist. So könnte Fawn doch noch eine Anstellung bekommen und ein einigermaßen ehrbares Leben führen.

Aber unterwegs begegnet sie einem Landzehrer, einem unheimlichen und tödlichen Geschöpf, vor dem sie von einem Seenläufer gerettet wird. Die Seenläufer sind der normalen Landbevölkerung unheimlich. Magie sollen sie einsetzen, Leichenfresserei und ähnlich schlimme Taten werden ihnen nachgesagt – allerdings sind sie auch die einzige Waffe gegen die Landzehrer, deren Zahl immer größer wird. Nach diesem Kampf entspinnt sich zwischen der wehrhaften, aber häufig naiven Fawn und dem abgebrühten Dag eine wunderschöne Liebesgeschichte. Ihre wachsenden Gefühle sorgen dafür, dass beide sich mit den Vorurteilen auseinandersetzen müssen, die sie von kein auf gehegt haben.

Im zweiten Teil, „Der magische Dolch“, geht die Geschichte von Fawn und Dag weiter und man erfährt eine Menge über die ungewöhnlichen Seenläufer und ihr Leben. Abgesehen davon, dass die Autorin mit diesen Büchern eine reizvolle fantastische Welt beschreibt, liebe ich den wunderbaren Humor von Lois McMaster Bujold. Vor allem sind diese Bücher für Leser geeignet, die sich auch auf eine wenig actionreiche Erzählweise einlassen könne. Die großen Kämpfe kommen eher zu Beginn der Romane und dann konzentriert sich die Handlung auf kleine Szenen, die die Charaktere und ihr Leben darstellen. Aber die große Gewichtung auf die Liebesgeschichte ist eh eher für romantisch veranlagte Leser gedacht, als für diejenigen, die große Kämpfe und eine Heldensaga suchen. Mir, die ich sowohl Fantasy, als auch Liebesgeschichten gerne mag, haben die Bücher sehr gut gefallen – und sie gehören zu den wenigen, die in den letzten Monaten in meinen festen Bestand gewandert sind, weil ich sicher bin, dass ich sie immer wieder lesen mag.