Schlagwort: Persönliches

Was schön war (4)

Endlich richtiges Herbstwetter erleben.
Aufwachen und hören, wie der Regen gegen das Fenster klopft.
Zum ersten Mal seit März wieder Socken anziehen,
weil die Zehen kalt werden.

Nach viel zu langer Zeit wieder
mit einer guten Freundin telefoniert
und debei regelmäßige „Telefon-Termine“ verabredet,
damit die Pausen zwischen den Telefonaten in Zukunft
nicht mehr so lang werden.

Das erste Roller-Derby-Spiel seit Saison-Start gesehen –
„unser“ Team spielt zwar in derselben Liga
wie die heutigen Gegner, aber nicht auf demselben Niveau.
Das Zuschauen hat trotzdem Spaß gemacht!

Sommerwetter

Auch wenn es euch vielleicht nicht so vorkommt, so versuche ich mich doch beim Jammern über die Hitze zurückzuhalten. Immerhin ist es seit gestern ein bisschen kühler und heute sollte ich vielleicht sogar tagsüber auch mal die Vorhänge öffnen können, ohne dass die Sonne gleich alles durchheizt. Auch wenn es selbst bei anhaltender Temperaturreduzierung (die leider nicht vorhergesagt wurde) noch eine Weile dauert, bis die Hitze aus den Wänden der Wohnung verschwindet, bin ich über jede kleine Abkühlung des „Sommerwetters“ froh. Und um euch nicht immer nur erzählen, dass es hier verflixt warm ist, gibt es noch ein Bild, das ich Samstagabend von der Küchenfensterbank geschossen habe. 😉

Was schön war (3): Eine Urlaubswoche mit japanischem Filmfestival

Ich hatte ja schon erzählt, dass mein Mann die letzte Mai-/erste Juniwoche Urlaub hat und wir diese Zeit nutzen werden, um möglichst viele Filme bei der Nippon Connection zu sehen. Angefangen hat das Filmfest für uns am Dienstagabend mit dem Eröffnungsfilm „Mori – The Artist’s Habitat“. Ich muss gestehen, dass ich schon das Schlimmste befürchtete, weil sich im vergangenen Jahr die Eröffnungsreden direkt vor dem Film nicht nur endlos hingezogen haben, sondern sich auch extrem wiederholten, da wirklich jeder Redner jeden anwesenden Ehrengast begrüßen, jedem Helfer danken und jede Fördersumme inklusive Quelle aufführen musste. In diesem Jahr war es nicht ganz so schlimm, trotzdem hätte man gut ein Trinkspiel aus den sich wiederholenden Elementen der verschiedenen Reden machen können. 😉 Auch war es ein bisschen schade, dass die wirklich hervorragende Dolmetscherin, die die Redebeiträge der verschiedenen Sprecher im fließenden Wechsel zwischen Japanisch und Deutsch übersetzte, nach dem Film nicht mehr für die Q&A-Runde mit dem Regisseur zur Verfügung stand. Ihre Kollegin war jetzt nicht wirklich schlecht, aber eben nicht genauso gut – so dass man regelmäßig das Gefühl hatte, man würde Details der Antworten verpassen. (Allerdings finde ich es lustig, dass ich inzwischen genügend japanische Wörter erkenne, um festzustellen, dass mir beim Übersetzen etwas vorenthalten wurde.)

Der Film selbst war einfach nur wunderbar! „Mori – The Artist’s Habitat“ dreht sich um einen (fiktiven) Tag im Leben des zu dieser Zeit 94jährigen Malers Morikazu Kumagai (1880 – 1977). Der Maler war nicht nur für seine Kunstwerke berühmt, sondern auch für die Tatsache, dass er die letzten dreißig Jahre seines Lebens nicht mehr sein Grundstück verlassen hat. Seine Zeit verbrachte er wohl vor allem damit, in seinem kleinen Garten die Natur (in erster Linie Insekten und Amphibien, aber auch Vögel und Katzen) zu beobachten – was natürlich auch großen Einfluss auf seine Kunst hatte. Im Film selbst bekommt man von Morikazu Kumagai eigentlicher Kunst relativ wenig mit, wenn man von den regelmäßigen Besuchern absieht, die von dem Maler etwas wollen. Stattdessen wechselt der Film von wunderschönen Naturaufnahmen und sehr ruhigen Momenten, in denen der Maler (gespielt von Tsutomu Yamazaki) sich in seinem Garten aufhält, zu amüsanten – stellenweise schon fast slapstickartigen – Szenen, in denen es um die Familie, die vielen Besucher und das Unverständnis gegenüber der sehr reduzierten Kunst von Morikazu Kumagai geht. Von dem Regisseur (und Drehbuchautor) Shuichi Okita haben wir schon die DVD von „The Woodsman and the Rain“ in unserem Besitz und ich hoffe sehr, dass auch dieser Film demnächst auf DVD zu kaufen sein wird, denn ich bin mir sicher, dass wir auch daran langfristig Freude haben werden.

Der zweite Film, „Destiny – The Tale of Kamakura“, ist eine Manga-Realverfilmung und erzählt eine wirklich wunderschöne und witzige Geschichte voller fantastischer Elemente. Die Handlung dreht sich um den Schriftsteller Masakazu und seine junge Frau Akiko. Direkt nach der Hochzeit zieht Akiko zu Masakazu in den kleinen Ort Kamakura. Die Alterspanne zwischen den beiden ist recht groß, aber es wird von Anfang an deutlich, wie sehr die beiden einander zugetan sind. Erst nach ihrem Umzug findet Akiko heraus, dass Kamakura voller magischer Energie ist – was bedeutet, dass sich allerlei übernatürliche Kreaturen von diesem Ort angezogen fühlen. Während dieses Zusammenleben mit Naturgeistern, Göttern und ähnlichen Wesen für Masakazu eine relativ alltägliche Sache ist, ist Akiko anfangs eher erschrocken über die ungewöhnlichen Nachbarn.

Der Regisseur Takashi Yamazaki gilt als einer der führenden Special-Effects-Experten in Japan, und so ist es kein Wunder, dass dieser Film voller seltsamer Kreaturen und magischer Orte war. Aber für mich waren es vor allem die wunderbaren Charaktere und die vielen kleinen, amüsanten oder berührenden Momente, die den Film zu einem solchen Genuss gemacht haben. Der Großteil der Geschichte spielt in Kamakura und so gibt es viele kleine Szenen, in denen Akiko auf übernatürliche Wesen trifft, wodurch sich ihre anfängliche Angst über Neugier in begeisterte Faszination für all diese magischen Aspekte des Lebens in Kamakura wandelt. Obwohl sich viele dieser magischen Elemente rund um den Tod drehen, ist „Destiny“ kein trauriger Film. So ist es zum Beispiel sehr lustig, als Akiko am Anfang eine Nachbarin von Masakazu kennenlernt und er ihr (mehr oder weniger) behutsam beibringen muss, dass die Dame schon vor einem Jahr verstorben ist. Dieser wunderbare Humor, die ganzen fantastischen Elemente und die wirklich hervorragend ausgewählten Schauspieler haben den Film für mich zu einem Wohlfühlfilm gemacht, der mir – trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden – viel Spaß gemacht hat. Das Ende hätte man zwar etwas raffen und mit ein paar weniger Wiederholungen bei den Effekten erzählen können, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt, der mir dazu einfällt, – was erschreckenderweise bedeutet, dass es einen weiteren Film gibt, bei dem ich auf eine DVD-Veröffentlichung hoffen muss.

Beim dritten Film, den ich in dieser Woche gesehen habe, besteht immerhin nicht die Gefahr, dass ich ihn auch für unsere private Sammlung haben will. „Oh Lucy!“ hatte ich – obwohl die Hauptdarstellerin Shinobu Terajima in diesem Jahr mit dem Nippon Honor Award des Filmfests ausgezeichnet wird – eigentlich nicht auf meinem Plan, aber unsere ehemalige Nachbarin schlug den Film für einen gemeinsamen Kinobesuch vor. Laut Ankündigung sollte „Oh Lucy!“ eine mit „einem außerordentlichen Gespür für komisches Timing“ erzählte Geschichte mit „bezauberndem Gefühlswirrwarr“ sein. Aber ich fand den Film rund um eine einsame und unglückliche Frau, die sich innerhalb kürzester Zeit in ihren amerikanischen Englischlehrer John verliebt, am Ende eher deprimierend.

Weder die Hauptfigur Setsuko (von besagtem Amerikaner für den Unterricht kurzerhand in „Lucy“ umgetauft), noch ihre Nichte (die mit dem Amerikaner liiert ist und mit ihm in die USA verschwindet) oder Setsukos Schwester scheinen am Ende eine Aussicht auf ein einigermaßen gutes Leben zu haben. Alle sind voneinander enttäuscht, zutiefst verletzt und fast noch einsamer als zuvor – selbst wenn Setsuko am Ende einem Menschen begegnet, der ihre Einsamkeit zu verstehen scheint. Da hilft es mir als Zuschauer auch nicht, dass die Besetzung von Shinobu Terajima bis Josh Hartnett (der den John spielt) wirklich gut ausgewählt war und sehr, sehr gute Leistung zeigte oder dass es anfangs wirklich einige amüsante Szenen gab (bei denen allerdings auch oft genug eine deutliche Spur von Fremdscham mitschwang).
(Nachtrag: Sonntag wurde der Film dann – für mich nicht ganz nachvollziehbar, weil ich die anderen Filme deutlich besser fand – noch mit dem Publikumspreis Nippon Cinema Award ausgezeichnet. Aber Geschmäcker sind nun mal sehr unterschiedlich. *g*)

Film Nummer vier war für uns die Dokumentation „Ramen Heads“, die sich vor allem um die Arbeit von Osamu Tomita, eines der besten Ramen-Köche Japans, dreht, aber auch die Schwerpunkte anderer berühmter japanischer Ramen-Köche aufgreift und mehr über die verschiedenen Varianten von Ramen und die unterschiedlichen Herangehensweisen beim Kochen erzählt. Ich muss gestehen, dass ich durch die verschiedenen Filme, Manga und Romane Ramen mit „Wohlfühlessen“ assoziiere, obwohl ich selbst nie japanische Ramen – egal welcher Variante – essen könnte, weil dieses Gericht definitv nicht für Vegetarier geeignet ist. So gab es auch relativ zu Beginn des Films eine Szene, in der man das Geheimnis der berühmten Brühe von Osamu Tomita erfuhr, für die 27 Stunden lang sehr viele unterschiedliche Fleischsorten (inklusive einem vollständigen Schweinekopf, Schweine- und Hühnerfüßen) mit Gemüse gekocht werden, um später mit verschiedenen Sorten Trockenfisch weitergekocht zu werden. Von diesen für mich wenigen appetitlichen Szenen abgesehen war die Dokumentation wirklich spannend, weil es ja nicht nur verschiedene „Grundsorten“ von Ramen (abhängig von der Basis für die Brühe) gibt, sondern auch innerhalb dieser Ramen-Arten verschiedene Herangehensweisen und Philosophien bei den unterschiedlichen Köchen.

Es war nicht nur spannend, mehr über die verschiedenen Köche zu erfahren, sondern auch über die Entstehung von Ramen an sich (vor allem die Erfolgsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg) und die Gedanken, die sich die (moderneren) Köche über ihre Zutaten, den individuellen Touch ihres Restaurants und den Service gemacht haben. Ebenso fand ich es interessant, einen kleinen Einblick darin zu bekommen, wie es wohl für einen Auszubildenden in einem so berühmten Restaurant ist, oder wie das berühmte Schlangestehen von Osamu Tomita für sein Lokal (das gerade mal zehn Sitzplätze hat und bei mir für Beklemmungen sorgen würde) perfektioniert wurde. Da Osamu Tomita vier Jahre in Folge den Preis für den besten Ramen-Kochs Japans gewonnen hat, war diese Perfektionierung auch notwendig – wenn man nicht morgens um 6:30 Uhr seinen Sitzplatz reserviert, wird es schwierig mit dem Essen für diesen Tag. Am Ende des Films habe ich mir fast gewünscht, ich hätte nicht solche Probleme mit Fisch und Fleisch (und Soja) und könnte mir auch mal eine schöne Schale mit Ramen gönnen. 🙂
(Nachtrag: Der Film hat dann auch am Sonntag den Nippon Visions Audience Award gewonnen – beim Thema Essen waren sich die Zuschauer anscheinend schnell einig, dass sie das gut fanden. 😉 )

Am Sonntag haben wir dann noch „Recall“ gesehen, in dem sich die Handlung rund um eine kleine Transportfirma dreht, die in eines Tages in einen Unfall verwickelt wird. Anfangs wirkt es noch so, als ob die Mechaniker der kleinen Firma Akamatsu Schuld daran wären, dass sich ein Reifen von einem fahrenden LKW löste und eine Frau – vor den Augen ihres kleinen Sohnes – erschlug. Aber dann können die Mechaniker nachweisen, dass sie wesentlich gründlicher gearbeitet haben, als es der Gesetzgeber überhaupt von ihnen verlangt hat. Um herauszufinden, was diesen Unfall verursachen hat, und natürlich auch, um seine Transportfirma und somit die Arbeitsplätze seiner 80 Angestellten zu retten, wendet sich der Chef an die Herstellerfirma des LKWs – und obwohl er langjähriger treuer Kunde ist, bekommt er keinerlei Hilfe oder Antworten.

Es ist für den Zuschauer natürlich schnell klar, dass die Herstellerfirma Hope Motors was zu verbergen hat, aber die Frage, ob und wie Akamatsu herausfindet, was die Firma vertuschen will, und ob es ihm gelingt, gegen den mächtigen Konzern (und dessen diverse „Verbündete“) vorzugehen, sorgt für einen sehr fesselnden Film. Die Handlung wird in vielen kurzen und eindringlichen Szenen erzählt und beleuchtet die Motivation der verschiedensten Beteiligten. Dabei war es für mich sehr spannend, dass ich einige Elemente sehr „japanisch“ fand, wie die Ergebenheit gegenüber der Firma, das „Zusammenspiel“ zwischen den diversen Beteiligten oder die Bemühungen, sein Gesicht zu wahren. Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass die Reaktionen bei dem meisten Großkonzernen (auch außerhalb Japans) vergleichbar wären (gerade wenn ich an den einen oder anderen aktuelleren Skandal in der Autodindustrie denke). Ein sehr guter Film mit fantastischen Schauspielern und einer spannenden – wenn auch vielleicht wenig überraschenden – Handlung.

Für sechs Tage Filmfestival scheinen fünf Kinofilme nicht so viel zu sein, aber auf der einen Seite hat uns die Hitze (und der daraus resultierende Schlafmangel) wirklich fertiggemacht und auf der anderen Seite haben wir uns in dieser Urlaubswoche auch relativ viel Restaurantessen gegönnt und die eine oder andere Erledigung auf die Reihe bekommen, so dass wir für unsere Verhältnisse verflixt viel unterwegs waren. Außerdem bedeutet Großstadt nicht unbedingt, dass der Nahverkehr auch optimal läuft, und so konnte es schon mal passieren, dass wir für einen 1 1/2stündigen Film mit An- und Heimfahrt insgesamt fünf Stunden unterwegs waren. Das sorgte bei Christie in den letzten Tagen auch für unangenehm viel Alleinsein und so brauchte sie nach unserer Heimkehr abends immer extra viel Betreuung und Aufmerksamkeit. Da heute der letzte Urlaubstag meines Mannes ist, beginnt für uns morgen wieder der Alltag. Und für das kommende Jahr ist die Urlaubswoche zur Nippon Connection schon wieder fest eingeplant … 🙂

Jahresende

Im vergangenen Jahr dachte ich zum Jahresende noch, dass mein Leben nach dem Umzug vielleicht etwas weniger trubelig würde. So ganz hat das nicht geklappt, denn jedes Mal, wenn wir dachten, dass wir uns etwas erholen könnten, kam irgendetwas dazwischen. Immerhin haben wir endlich das Wohnzimmer vollständig mit Regalen bestückt und auch wenn ich mit Sortieren und Einräumen noch nicht ganz fertig bin, bin ich sehr glücklich, dass ich einen Teil meiner Bücher wieder in Regalen und somit in Griffweite stehen habe. Auch scheint bei uns nun wirklich etwas Ruhe einzukehren, zumindest die vergangene Woche war wunderbar entspannt, und ich hoffe, dass das noch ein bisschen so weitergeht – vor allem, da mein Mann noch sieben Tage Urlaub vor sich hat.

Wie immer an Silvester werden wir den heutigen Abend damit verbringen, zu lesen, zu spielen und zu schwatzen. Wir werden etwas Leckeres essen und hoffen, dass die Leute in unserem neuen Stadtteil nicht zu viel Geld für Feuerwerk ausgegeben haben, damit Christie nicht die halbe Nacht verängstigt in einem Versteck zittern muss.

Ich wünsche euch einen guten Übergang ins neue Jahr und greife noch einmal die Wünsche der letzten Jahre auf:

Ich hoffe, das neue Jahr hält für euch Gesundheit
und viele wunderschöne und unvergessliche Momente parat.
Passt gut auf euch auf, verbringt viel Zeit mit Menschen,
die euch guttun und am Herzen liegen,
und viele Lesestunden mit umwerfenden Büchern!

Dies und Das (5): Weihnachtsgedanken

Auch in diesem Jahr haben mein Mann und ich wieder einen schönen und gemütlichen Weihnachtsabend verbracht. Wir haben uns leckeres Essen gemacht, viel geschwatzt, ein wenig gespielt und natürlich unsere Geschenke geöffnet. Es war genauso, wie wir es gern mögen, und dafür bin ich sehr dankbar.

Ich habe aber auch viel an den 2. Weihnachtsfeiertag vor 16 Jahren denken müssen. Zum Teil liegt das bestimmt daran, dass in den letzten Monaten so einiges in meiner Familie los war, zum Teil aber auch an den ganzen Tweets in den letzten Tagen, in denen auf Sorgentelefonnummern, „wir organisieren Gesellschaft zu Weihnachten“-Aktionen und ähnliches hingewiesen wurde.

Vor 16 Jahren habe ich das letzte Mal Weihnachten mit meiner Familie verbracht. Als ich mich auf den Weg zu meinen Eltern machte, war ich damals sehr glücklich. Ich war frisch verliebt, hatte den ersten guten Job nach dem Studienabschluss, mein Leben lief gerade so richtig gut und ich freute mich auf die Feiertage. Als ich am 2. Feiertag wieder nach Hause fuhr, habe ich die ganzen drei Stunden, die ich bei dichtem Schneetreiben über die Autobahn fahren musste, durchgeheult. Ich fühlte mich unfähig, wertlos und kämpfte gegen das Gefühl an, dass meine Familie bestimmt recht damit hätte, dass mein neuer Freund nicht lange mit mir zusammen sein würde.

Ich weiß, dass meine Familie mich liebhat und auch ich habe sie lieb, aber wir tun einander nicht gut. So liegt es weniger daran, dass wir die Feiertage ungern auf der Straße verbringen, dass ich an Weihnachten nicht zu meinen Eltern fahre, als daran, dass ich mir damals fest vorgenommen habe, dass ich nie wieder in so einem Zustand nach Hause fahren möchte. Seit 15 Jahren verbringen ich also die Weihnachtstage mit dem Menschen, der damals mein „neuer Freund“ war, und seitdem besteht das Jahresende für mich aus einer Reihe von Tagen, in denen wir es uns so gemütlich und schön wie nur irgendwie möglich machen. Wir verbringen diese Zeit miteinander und mit Dingen, die wir gerne tun. Wir schauen Filme, spielen Brettspiele und gönnen dem anderen auch Stunden ganz für sich, um in Ruhe zu Lesen oder Musik zu hören. Es gibt keine überhöhten Erwartungen an den anderen oder an dieses „Familienfest“, sondern nur schöne Stunden zu zweit, die wir sehr genießen. Für dieses ruhige und entspannte Miteinander bin ich sehr dankbar und das macht die Feiertage für mich zu etwas Besonderen – gerade weil sie sich eigentlich nur in ihrer Länge von den meisten Wochenenden, die wir miteinander verbringen, unterscheiden.

Schon wieder Samstag?

Irgendwie habe ich gerade jegliches Zeitgefühl verloren. Es gibt zur Zeit keine Termine, die ich im Auge behalten muss, und meine Tage unterscheiden sich nur dadurch, dass mein Mann an den Wochenenden tagsüber daheim ist und an den Wochentagen eben nicht. Es gibt nichts Dringendes auf der To-do-Liste. Viele Sachen bleiben liegen, weil vorher noch andere Dinge passieren müssen, die nicht in meiner Hand liegen.

So vertreibe ich mir meine Freizeit mit dem Nähen von Vorhängen und fluche dabei kräftig vor mich hin, weil der dreifachgewebte Verdunklungsstoff mit der Hand nicht gut zu nähen ist. Ständig verrutscht der Stoff oder die Nadel zieht Fäden. Aber inzwischen habe ich mich schon von dem Gedanken an gerade Nähte und „schön“ verabschiedet und freue mich stattdessen auf den Tag, an dem alles vor den Fenstern hängt und die Wohnung mit einem Griff vor der Sonnenwärme geschützt werden kann.

Ansonsten lese ich und lese und lese, während mein Mann mir abends mit seiner aktuellen Serie („Iron King“) einen Ohrwurm verpasst, den ich den ganzen Tag nicht wieder loswerde. Wenn ich ehrlich bin, dann mag ich diese entspannten, zeitlosen Tage. Aber sie sorgen auch dafür, dass ich nicht so viel zu erzählen habe …

Da ich die Spiegelung so mag, darf das Foto auch in den Blog.

 

Vorfreude

Vorfreude auf eine Woche mit lieben Besuch, auf nette Gespräche, auf leckeres Essen, auf viele ungewöhnliche Kinofilme und einer Mischung aus viel Unterwegssein und daheim gemeinsam die Füße hochlegen und schwatzen.

Mein Mann hat Urlaub und die To-do-Liste wird für eine Woche zur Seite geschoben, damit wir uns ganz unserem Besuch widmen können.

Ich freu mich sehr darauf!

Was heute schön war …

Café-Frühstück mit der ehemaligen Nachbarin!
(Seitdem wir nicht mehr nebeneinander wohnen, sehen wir uns deutlich häufiger. *g*)

Endlich den großen Bauernmarkt in der Stadt besucht und lauter Leckereien gekauft!
 (Das wollte ich schon seit Jahren, aber normalerweise bin ich samstags nicht in der Nähe.)

Ein neues „Spielzeug“ gegönnt,
damit ich endlich problemlos die Onleihe der Stadtbibliothek nutze kann!

Jetzt lege ich die Füße hoch
und genieße den – gar nicht an eine Großstadt erinnernden – Blick aus dem Fenster. 🙂

Dies und Das (1): Handwerker

In den letzten Wochen hatten wir so einige Erlebnisse mit Handwerkern. So haben die neuen Eigentümer unserer alten Wohnung regelmäßig Handwerker durch unsere Räume geführt, um die kommenden Renovierungen zu besprechen. Spannend fand ich dabei, dass wirklich jeder Handwerker andere Prioritäten bei diesen Vorgesprächen gesetzt hat. Dem einen war es wichtig, dass der Bodenbelag nicht schwimmend verlegt wird, der andere wollte unbedingt, dass beim Streichen eine Spezialfarbe verwendet wird, und wieder einer meinte, dass man vor dem Einzug unbedingt die gesamte Elektrik neu machen sollte. Letzterem würde ich nach unseren Erfahrungen in dieser Wohnung (inklusive der diversen Kabelfunde in den Wänden) zustimmen, aber das ist ja nun nicht mehr meine Angelegenheit.

Dann hatten wir zwei kleinere Aufträge für die neue Wohnung zu vergeben und deshalb zwei Ausschreibungen bei einer Onlineplattform gemacht, die Aufträge an Handwerker vermittelt. Interessant fand ich dabei, dass für das Verputzen eines ca. 35 cm großen Lochs in der Decke der neuen Wohnung, wo anscheinend mal eine befestigte Lampe runtergekracht war (und zu dem der Vermieter nur meinte, dass wir halt eine größere Lampe aufhängen sollten, um das Loch zu verdecken,) Angebote kamen, die zwischen 35 und 285 Euro lagen. Ein einziger Handwerker meinte, er müsste sich das vor Ort anschauen, weil er das anhand der Fotos nicht beurteilen könnte. Unser zweiter Job war die Doppelung einer vorhandenen Steckdose in der Küche, wo es bei den Angeboten auch sehr große Spannen gab. Dass die Unterschiede so extrem sein würden, hätte ich vorher nicht gedacht – vor allem, da alle Anbieter einen sehr ähnlichen Stundenlohn für die Tätigkeit veranschlagt hatten, aber eben den Aufwand an Zeit und Materialien sehr unterschiedlich berechneten.

Interessant war auch die Terminabsprache. Normalerweise ist das kein so großes Problem, weil ich ja zuhause arbeite und den ganzen Tag erreichbar bin. Aber da wir in der neuen Wohnung noch nicht wohnten und ich 1,5 Stunden Fahrt quer durch die Stadt einrechnen musste, brauchte ich schon eine relativ konkrete Uhrzeit und konnte mit einer größeren Zeitspanne als Terminangabe nichts anfangen. Da unsere Aufträge so klein waren, dass die beiden engagierten Handwerker die Besuche nach ihren aktuellen größeren Baustellen eingeschoben haben, konnten wir es dann zum Glück so regeln, dass mein Mann nach der Arbeit zur Wohnung gehen und die Termine wahrnehmen konnte. Auch wenn die verabredeten Termine dann doch wegen „familiärer Notfälle“ prompt jedes Mal noch verschoben wurden, klappte das einigermaßen.

Lustig war auch der Handwerker, der im Auftrag unseres neuen Vermieters die Fensterrahmen streichen sollte. So froh ich bin, dass das noch vor unserem Einzug gemacht wurde (und wir so nicht mit Christie und über längere Zeit offenen Fenstern in der Wohnung jonglieren müssen), so irritiert war ich auch, als der Typ eines Tages anrief und meinte, er sei jetzt im Haus, ob wir ihm eben den Schlüssel geben könnten. Mein Mann arbeitet zwar in relativer Nähe zur neuen Wohnung, kann aber nicht mal eben spontan seinen Arbeitsplatz verlassen, ohne dass es dabei Probleme gibt, die gleich mehrere Kollegen betreffen. Ich frage mich wirklich, wie oft dieser Handwerker mit solch einer „Terminabsprache“ Erfolg hat … Unschön war auch, dass dieser Handwerker nach erfolgter Schlüsselübergabe anscheinend die ganze Wochen, die er im Keller des Hauses zu tun hatte, ungefragt unsere Toilette genutzt hat – und dabei einiges an Dreck in die Wohnung geschleppt hat. Natürlich müssen er und seine Kollegen mal aufs Klo, aber sie hätten fragen können, und vor allem wäre es schön gewesen, wenn die frisch gestrichene und gereinigte Wohnung nicht dabei so von ihnen eingesaut worden wäre. Auch beim Streichen hat der Handwerker dunkelbraune Holzfarbe an den frisch gestrichenen weißen Fensterlaibungen innen und den weißen Holzumrandungen außen hinterlassen, so dass wir deshalb erst einmal unseren Vermieter zur Beauftragung von Nacharbeiten anhalten mussten.

Unsere beiden engagierten Handwerker waren immerhin nett, pünktlich (also, beim jeweils zweiten ausgemachten Termin) und haben gut und zügig gearbeitet. Die Wohnung ist frisch gestrichen – wobei mir für die eine Wand im Wohnzimmer, noch Farbe fehlte, weshalb ich da in den kommenden Wochen noch einmal mit Pinsel und Rolle aktiv werden muss. Auch unsere Küche steht jetzt – trotz aller böse Überraschungen und der deshalb erforderlichen Improvisationen – endlich in der neuen Wohnung. Dass ich am Tag nach dem Aufbau erst einmal den Raum trockenlegen durfte, nachdem Spüle und Waschmaschinenabfluss ausliefen, vergessen wir jetzt einfach mal, dass wir dem Ganzen nach dem vierten Handwerkertermin immer noch nicht richtig trauen und nach jedem Abwasch und jeder Wäscheladung den Fußboden bis in den hintersten Winkel abtasten, ebenso …

Wenn das endlich geklärt ist, müssen wir uns hoffentlich so schnell erst einmal nicht wieder mit Handwerkern auseinandersetzen. Ich wäre froh, wenn endlich diese ganze Termin- und Arbeitsabsprachen vorbei wären, und in Zukunft so schnell kein fremder Mensch mehr durch die Wohnung stapft oder gar den Deckel meiner Toilette oben lässt, wenn er das Bad benutzt hat. 😉

Lebenszeichen aus dem Chaos

Uff … Die vergangenen Wochen waren wirklich anstrengend. Wobei der Umzug am Dienstag eigentlich sehr gut lief, da die engagierten Umzugsleute einfach super waren. Doch trotz aller Bemühungen haben sie es noch nicht geschafft, unsere Küche in der neue Wohnung anzuschließen, so dass wir hier in jedem Raum noch Unter- und Oberschränke stehen haben und kein Zimmer einigermaßen einrichten konnten. Am Montag kommen sie noch einmal wieder und dann klappt es hoffentlich mit meiner Küche und dem Anschluss von Waschmaschine und Trockner, die auch beide dort stehen müssen. So wie die Wohnung geschnitten ist, kommt es uns vor, als ob wir täglich ein lebensgroßes Schiebepuzzle lösen müssten, wenn wir an etwas herankommen wollen, solange die Regale nicht aufgebaut sind.

Die wiederum sind nicht aufgebaut, weil ich die ganze Woche noch in der alten Wohnung beschäftigt war, bis wir gestern Abend dann endlich die Übergabe der Schlüssel hinter uns bringen konnten. Am lästigsten war dabei die ganze Woche über die Fahrerei mit den Öffentlichen, denn eine Strecke kostet 1 1/2 Stunden Zeit, so dass dafür sehr viel Arbeitszeit draufging. Und da es in der Nähe der neuen Wohnung kein so großes Carsharing-Angebot gibt wie bei der alten Wohnung, kam es dann dazu, dass wir z. B. diese Woche mit Bus und Bahn zur alten Wohnung gefahren sind, dort einen Kombi gemietet haben, um diesen mit Kartons und Altpapier vollzupacken, zum Recyclinghof zu fahren, den Wagen wieder abzugeben und – nach etwas Rumrödeln in der alten Wohnung – wieder mit Bus und Bahn den Heimweg anzutreten. In diesen Tagen wäre ein eigenes Auto doch wirklich wieder sehr praktisch gewesen … 😉

Da wir wirklich müde und kaputt sind, werden wir es in den nächsten Tagen etwas langsamer angehen lassen. Schöner wäre es zwar, wenn wir die Kartons jetzt zügig auspacken könnten, aber ohne die Regale, die noch geliefert werden, und ohne montierte Küchenschränke können wir gerade eh nicht so viel tun. Also bleibt es hier noch eine Weile beim Chaos (und der Vorfreude auf das neue Sofa, während wir unsere „Erholungszeit“ auf Küchenstühlen verbringen). Für Christie wird es vermutlich auch besser sein, wenn wir es jetzt etwas langsamer angehen lassen. Die hat nicht nur über ein halbes Kilo in den letzten Wochen abgenommen (was bei gerade mal 3,5 Kilo wirklich viel ist), sondern ist auch noch total unsicher und gerät bei jedem unvertrautem Geräusch in Panik. Sie sucht spürbar Nähe und Sicherheit bei uns und da ist es gut, dass ich nichts mehr in der alten Wohnung zu tun habe, während mein Mann ab morgen wieder arbeiten muss.

Wie immer sind wir wild entschlossen, nicht so schnell wieder umzuziehen – drückt uns die Daumen, dass wir lange in der neuen Wohnung bleiben können! 😉