Schlagwort: Was schön war

Was schön war (6)

In diesem Jahr gab es bislang viel zu wenig „Was schön war“-Beiträge auf diesem Blog, obwohl ich mir doch so viele schöne Dinge vorgenommen hatte. Ich fürchte, dass ich all die geplanten Ausflügen wohl eher auf das kommende (oder gar das übernächste?) Jahr schieben werde, denn selbst wenn die Temperaturen in den kommenden Wochen wieder erträglich werden, so gibt es in der Nachbarstadt Offenbach gerade das deutschlandweit höchste Neuaufkommen an Covid-19-Erkrankungen und die Straßenbahn, die wir hauptsächlich nutzen, um aus unserem Viertel zu kommen, pendelt nun einmal zwischen Offenbach und Frankfurt hin und her. Deshalb verzichten ich lieber weiterhin auf die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs, wenn es irgendwie geht …

Aber auch ohne Ausflüge und große Erlebnisse gibt es ja schöne Tage, und nachdem ich gestern Abend dasaß und mir durch den Kopf ging, dass ich diesen Samstag wirklich genossen habe, dachte ich mir, dass es vielleicht doch mal wieder Zeit für einen „Was schön war“-Beitrag wäre. 😉

Zum ersten Mal seit Wochen die Nacht durchgeschlafen
und nach dem ersten (sehr späten) Aufwachen
noch bis zum Mittag im Bett gedöst.

Mit dem Ehemann den Nachmittag über
gemeinsam gepuzzelt und nach fast drei Wochen
endlich das Puzzle beendet
und dabei sehr viel Spaß gehabt.

Sputniks mit Ketchup und Parmesan und Mamas uralten Goldrand-Tellern – Kindheit pur! *g*

Nachdem wir vor ein paar Tagen festgestellt hatten,
dass wir beide Lust auf Nudeln mit Ketchup hatten,
gab es nach sehr, sehr langer Zeit mal wieder
„Kindheitsessen“. 😉

Was schön war (5): Urlaub und japanisches Filmfestival (2)

Es ist schon Juni, und bislang habe ich in diesem Jahr nicht mal einen „Was schön war“-Beitrag pro Monat auf die Reihe bekommen, weshalb ihr jetzt mit zwei Posts am Stück leben müsst … 😉

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Nachdem wir an den ersten drei Tagen schon sechs Filme geschaut hatten, ging es am Freitag weiter mit „Ainu – Indigenous People Of Japan“ und dem Film „Dancing Mary“. Dass die japanische Gesellschaft nicht sehr gut mit indigenen Bevölkerungsgruppen umgeht, sollte inzwischen allgemein bekannt sein, und so ist es nicht verwunderlich, dass die japanische Regierung – als sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ernsthafte Besiedlungsbestrebungen auf Hokkaido verfolgte – dafür sorgte, dass die Traditionen, die Religion und die Sprache der Ainu ausstarben. Um das wenige noch erhaltene (und wiederentdeckte) Wissen der Ainu zu erzählen, hat Naomi Mizoguchi gut ein Jahr lang vier ältere Ainu (alle waren Anfang bis Mitte 80) begleitet. Alle vier haben in den vergangenen vierzig Jahren große Bemühungen auf sich genommen, um ihre ursprüngliche Sprache, die sie zum Teil noch in Gesprächen mit ihren Großeltern gehört hatten, neu zu erlernen und die traditionellen und religiösen Elemente, an die sie sich noch erinnern konnten, an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Auch wenn die Geschichte, die diese vier Ainu zu erzählen hatten, nicht neu ist, wenn man sich schon mal damit auseinandergesetzt hat, wie indigene Volksgruppen in den vergangenen Jahrhunderten weltweit die eigene Identität genommen wurde und welchem Rassismus sie ausgesetzt waren, so fand ich die Dokumentation doch sehr berührend. Und die Szenen am Ende, in denen man eine recht große Zahl jüngerer Personen sah, die sich anscheinend für die Kultur der Ainu interessierten, machen Hoffnung für die Zukunft.

Unser Abendfilm „Dancing Mary“ hingegen hat mich etwas ratlos hinterlassen. Irgendwie fand ich den Film weder gut noch schlecht und insgesamt etwas belehrender, als mir lieb war. Der Regisseur Sabu (Hiroyuki Tanaka) ist dafür bekannt, dass er in seinen Geschichten ganz durchschnittliche Charaktere extremen Situationen aussetzt und dabei eine Mischung aus Komik und Melancholie verwendet. In „Dancing Mary“ ist der einfache Stadtverwaltungsbeamte Kenji dafür verantwortlich, dass ein altes Gebäude abgerissen werden soll, in dem der Geist der Tänzerin Mary sein Unwesen treibt. Unterstützt von einer Schülerin, die Geister sehen kann, versucht Kenji, Mary mit ihrem langvermissten Freund wieder zu vereinen. Doch so einfach ist es nicht, einen vor Jahrzehnten verschwundenen erfolglosen Musiker aufzutreiben, wenn die einzigen Hinweise von Geistern kommen können. Dazu kommt noch, dass in der Zwischenzeit Kenjis Vorgesetzte die Yakuza mit ins Spiel gebracht haben, um endlich den Abriss über die Bühne bringen zu können. Es gab immer wieder absurde und amüsante Momente in dem Film, während es gleichzeitig in den eher melancholischen Szenen auch sehr viele „ermahnende“ Elemente gab, die mir ehrlich gesagt einfach zu viel waren. Außerdem bin ich im Nachhinein regelrecht verärgert, weil Mary zwar der Aufhänger der Geschichte war, aber am Ende die Figur war, deren Charakter am wenigsten ausgebaut war. Alles in allem war „Dancing Mary“ ein netter, aber nicht gerade erinnungswürdiger Film.

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Da die Inhaltsbeschreibung des Anime „Yoyo und Nene – Die Magischen Schwestern“ nach netter und fluffiger Unterhaltung klang, dachte ich, dass das der richtige Start in den Samstag sei, bevor wir später am Tag den Film „Mrs. Noisy“ schauen würden. Irgendwie nett und fluffig war die Geschichte auch: Es geht um die Hexe Yoyo aus dem „Königreich der Zauberer“, die durch eine Art Unfall im aktuellen Tokyo landet und nun herausfinden muss, wer mit seinem Fluch die magische und die menschliche Welt durcheinanderbringt. Aber so richtig glücklich war ich mit dem Anime nicht – was vermutlich auch daran lag, dass ich selten mit deutschen Synchronisationen zufrieden bin, mir wäre japanischer Ton mit Untertiteln lieber gewesen. Außerdem gab es heftige Widersprüche und Logiklücken in der Handlung, und wenn es nicht so viele und so große gewesen wären, hätte ich da vermutlich drüber hinweggucken können, aber so muss ich sagen, dass ich mir von dem Film mehr versprochen hatte.

„Mrs. Noisy“ erzählt die Geschichte der Autorin Maki, die nicht nur keine Ideen für eine nächste Veröffentlichung hat, sondern sich auch damit rumschlagen muss, dass ihre neue Nachbarin zu den unmöglichsten Zeiten ihre Futons ausklopft und so ständig Lärm produziert. Als Maki dann ihre Erlebnisse mit der Nachbarin als Kurzgeschichte veröffentlicht, werden diese nicht nur so populär, dass daraus eine ganze Reihe wird, sondern die Öffentlichkeit findet auch heraus, welches Vorbild hinter dem Charakter „Mrs. Noisy“ steckt. So ungefähr klang die Inhaltsangabe auf der Nippon-Connection-Seite, wobei ich das Gefühl hatte, dass dort die tragisch-KOMISCHE Seite des Films sehr betont würde – nur habe ich keine Komik in der Handlung gefunden. Ich war von Anfang an regelrecht wütend auf die Protagonistin Maki, fand die Passagen, die aus Sicht von Mrs. Noisy erzählt wurden, vorhersehbar und das Ende so viel harmonischer, als die tragische Geschichte es verdient hätte. Ich kann die Aussage, die die Regisseurin mit dem Film dem Zuschauer mitgeben wollte, würdigen, aber die Umsetzung hat für mich so nicht gestimmt.

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Sonntag war offiziell der letzte Tag des Filmfestivals, und für uns standen der Anime „Her Blue Sky“ und der Film „Me and My Brother’s Mistress“ an. „Her Blue Sky“ dreht sich um die siebzehnjährige Aoi, die wild entschlossen ist, nach ihrem Schulabschluss ihren kleinen Heimatort in den Bergen zu verlassen und in Tokyo als Musikerin Erfolg zu suchen. Sie will auf gar keinen Fall so enden wie ihre Schwester Akane, die sie in den dreizehn Jahren, die seit dem Tod der Eltern vergangen sind, aufgezogen hat. Vor allem, da Akane damals für Aoi ihren Wunsch begraben hat, gemeinsam mit ihrem Freund – dem Musiker Shinnosuke – nach Tokyo zu gehen. In diesem Sommer aber kehrt nicht nur Shinnosuke für ein Musikfest zurück, sondern Aoi begegnet auch einer jüngeren „Geist“-Version des Musikers und verliebt sich in ihn. „Her Blue Sky“ ist kein großes Kunstwerk, aber ich mochte die recht leise erzählte Geschichte rund um die beiden Schwestern Aoi und Akane. Mir gefiel, wie Akanes Seite der Handlung nur durch kleinen Szenen und Erinnungen, die Aoi mit ihrer Schwester verbindet, erzählt wurde, und ich habe Aoi gern beim „Erwachsenwerden“ verfolgt.

„Me and My Brother’s Mistress“ wird aus der Sicht des Teenagermädchens Yoko erzählt. Seit dem Tod ihrer Eltern sind sie und ihr älterer Bruder Kenji sich sehr nah. Umso erschütterter ist Yoko, als sie herausfindet, dass Kenji ein Verhältnis mit Misa hat, obwohl er mit Kaho verlobt ist und diese bald heiraten wird. Anfangs will Yoko Misa dazu bringen, dass sie sich von Kenji trennt, doch dann kommt sie zu der Überzeugung, dass diese eigentlich viel besser zu ihrem Bruder passen würde als die langweilig wirkende Kaho. Ich mochte diese Geschichte über die drei Frauen rund um Kenji sehr. Die Regisseure Takashi Haga und Sho Suzuki lassen in ihrem Film sehr viel unausgesprochen und bieten so dem Zuschauer die Möglichkeit, das Gesehene selbst zu interpretieren, ohne mir das Gefühl zu geben, dass in der Handlung etwas fehlen würde. Die Darstellerinnen fand ich wirklich gut gewählt und ich mochte den feinen Humor in der Geschichte (und die Freundschaft zwischen Yoko und ihrer chinesischen Klassenkameradin, mit der sie sich regelmäßig berät). Ohne die jeweiligen Punkte direkt anzusprechen, greift „Me and My Brother’s Mistress“ viele verschiedene Themen auf und überlässt es dem Zuschauer, seine Schlüsse daraus zu ziehen.

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Am Montag haben wir dann – dank der Tatsache, dass die bezahlten Filme 24 Stunden lang zur Verfügung stehen, – doch noch eine Dokumentation geschaut. „An Ant Strikes Back“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der für eine der größten Umzugsfirmen Japans arbeitete und jahrelang (auch mit Hilfe einer Gewerkschaft) für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen kämpfte. Dass eine gewisse Ergebenheit gegenüber der Firma in Japan erwartete wird, dürfte genauso allgemein bekannt sein wie der Brauch, dass Arbeitgeber vor ihren Vorgesetzten vor Ort sein und erst nach ihnen den Arbeitsplatz verlassen sollten, wenn sie nicht als faul gelten wollen. Dies finde ich (ebenso wie viele andere Traditionen, die die Verbundenheit des Angestellten mit seinem Arbeitgeber beweisen sollen) schon oft genug seltsam. Wenn man dann aber zu Beginn von „An Ant Strikes Back“ erfährt, wie Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Überstunden und Zahlungen bei Beschädigungen an Fahrzeugen und Arbeitsmaterialien bei dieser Umzugsfirma geregelt wurden, dann scheint es unfassbar zu sein, dass diese Firma überhaupt noch Menschen findet, die für sie arbeiten. Und doch wird in der Dokumentation überzeugend dargestellt, wie sehr die Angestellten von ihren Vorgesetzten und der Firmenpolitik beeinflusst werden (die Ehefrau des Angestellten bezeichnete es an einem Punkt des Films als „Gehirnwäsche“) und wie groß die Not sein muss, um überhaupt in Erwägung zu ziehen, die Hilfe einer unabhängigen Gewerkschaft in Betracht zu ziehen.

Der Regisseur Tokachi Tsuchiya erzählt selbst in seinem Film, dass seine Motivation der Selbstmord eines engen Freundes war, der nicht mehr mit den Bedingungen an seinem Arbeitsplatz leben konnte. Und wenn man mehr Details über die Arbeitsbedingungen in dieser Umzugsfirma erfährt, von dem Rassismus dort hört und den Schikanen, denen der Angestellte ausgesetzt wurde, weil er es gewagt hat, sich an die Gewerkschaft zu wenden und für bessere Bedingungen zu kämpfen, dann scheint es nicht mehr so verwunderlich, dass es in Japan den Begriff „karoshi“ für den Tod aufgrund von Überarbeitung gibt. Umso bewundernswerter ist es, dass dieser eine Angestellten trotz allem seinen Kampf um humanere Arbeitsbedingungen jahrelang durchgehalten hat. Insgesamt fand ich viele der beschriebenen Details wirklich erschütternd und kann nur hoffen, dass sich die japanische Gesetzgebung endlich mal des Problems annimmt und mit strikteren Regeln dafür sorgt, dass Arbeitgeber ihre Angestellten nicht länger so menschenverachtend behandeln dürfen.

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Ich muss schon zugeben, dass ich in diesem Jahr die Festival-Atmosphäre, das gemeinsame Erleben eines Films in einem Kinosaal und all die kleinen Extras rund um die Nippon Connection vermisst haben. Auf der anderen Seite fand ich es schön, dass wir so viel Zeit (und Geld) gespart haben, weil wir nicht mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die Stadt fahren mussten, und dass wir uns frei überlegen konnten, wann wir welchen Film schauen wollten. Wir hätten in einem „normalen“ Jahr beim japanischen Filmfest bestimmt nicht so entspannt so viele Filme geschaut, weil Terminüberschneidungen bei den Filmvorführungen, die schlechte Luft (und Hitze) in den Kinosälen und eben die Fahrzeit einfach dazu führen, dass wir uns gut überlegen müssen, wie viel wir pro Tag auf die Reihe bekommen und welcher Film als erstes wegfallen muss, weil ein anderer – uns wichtigerer – Film zeitgleich in einem anderen Kino läuft. Nach diesem Jahr hoffe ich sehr, dass die Nippon Connection für die kommenden Festivals das Online-Angebot nicht komplett wieder streichen wird, sondern es parallel zum Vor-Ort-Programm anbietet. Eine Mischung aus der Festival-Atmosphäre vor Ort und dem entspannten Nachholen von Filmen, die man nicht während der Kinoaufführung sehen konnte, fände ich wirklich großartig!

Was schön war (4): Urlaub und japanisches Filmfestival (1)

In diesem Jahr ist ja alles ein bisschen anders, und so gibt es das japanische Filmfestival „Nippon Connection“ nicht nur im Juni (9. bis 14.) statt im Mai, sondern auch ausschließlich online. Mein Mann hatte schon im Januar seine zwei Wochen Urlaub beantragt und da nun die ganzen Fahrzeiten wegfielen und wir pro Film nur einmal den „Eintrittspreis“ bezahlen mussten, haben wir uns zwei Filme pro Tag vorgenommen. Das ist jetzt nicht soooo viel, aber so konnten wir sicher sein, dass wir uns auch am Ende der Woche noch an alle Filme und die dazugehörigen Details erinnern. 😉

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Los ging die Nippon Connection für uns am Dienstag mit der Dokumentation „Book-Paper-Scissors“ und dem Film „The Journalist“ los. „Book-Paper-Scissors“ wurde von der Regisseurin Nanako Hirose gedreht und porträtiert Nobuyoshi Kikuchi, der sich in den vergangenen 50 Jahre auf die Gestaltung von Buchcovern spezialisiert hat. Der Künstler ist in Japan nicht nur wegen seiner Coverdesigns bekannt, sondern auch für seine Essays, die sich um die Themen Antiquitäten, Kunst, Essen und allgemein das Leben drehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich einige Details nicht angemessen würdigen konnte, weil ich mit den japanischen Schriftzeichen – die natürlich einen großen Raum bei der Gestaltung von Buchcovern einnehmen – nicht vertraut genug bin, fand ich es sehr spannend, mehr über Nobuyoshi Kikuchi zu erfahren. Der Künstler arbeitet noch (vermeintlich altmodisch) mit Schere und Kleber statt mit einem Bildbearbeitungsprogramm, und ihm bei der Arbeit zuzusehen gab mir das Gefühl, dass ihm dies einen anderen Zugang zu seinen Entwürfen gibt als jemandem, der vollständig auf moderne Techniken setzt und so bei der Arbeit kein haptisches Element miteinbeziehen kann. Neben diesen kleinen Einblicken in seine Arbeitsweise und seine Herangehensweise an ein neues Design zeigt der Film auch, dass auch die Buchindustrie in Japan gerade an einem Scheidepunkt steht und es nicht sicher ist, dass diese liebevoll gearbeiteten und künstlerisch wertvollen Bücher eine langfristige Zukunft haben werden. Alles in Allem war „Book-Paper-Scissors“ eine eher ruhig erzählte und faszinierende Dokumentation über einen Mann und seinen ganz speziellen Kunstbereich, und ich habe diesen Film als meinen persönlichen Start in die Nippon Connection sehr genossen.

Nach einem abendlichen Handwerkerbesuch (der später als erwartet, aber dafür fast genauso fruchtlos wie erwartet war 😉 ) ging es dann weiter mit „The Journalist“, auf den wir uns wegen des Themas und der Tatsache, dass er auf einem Buch (bzw. einer Doku) basiert, sehr gefreut hatten. Der Film dreht sich um die Journalistin Yoshioka und den Beamten Sugihara, die beide aus unterschiedlichen Gründen auf einen Skandal aufmerksam werden, der bis in höchste Regierungskreise reicht. Je weiter ihre Recherchen gehen, desto größer werden die Bedrohungen, die man ihnen entgegenstellt. Wie gesagt, wir hatten uns sehr auf den Film gefreut, weil wir grundsätzlich „Journalisten decken Verschwörungen auf“-Filme mögen und das Thema in Japan noch einmal eine ganz andere Sache ist, wenn man die Gesellschaft und das Verhältnis zwischen Beamten und ihren Vorgesetzten sowie Politikern und Medienschaffenden in Betracht zieht, aber so richtig konnte der Film bei uns nicht zünden. Die Handlung wurde etwas zu langatmig erzählt, die Kameraführung konnte uns auch nicht überzeugen und das Ende war sehr offen … Nach dem Gucken von „The Journalist“ hatten wir auf jeden Fall das Gefühl, dass die Dokumentation, die wir uns für den Mittwochvormittag vorgenommen hatten, definitiv nur besser sein konnte.

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Für den zweiten Tag der Nippon Connection hatten wir uns „i – Documentary Of The Journalist“ und den Anime „Miss Hokusai“ (den wir im vergangenen Jahr wegen Terminüberschneidungen nicht sehen konnten) vorgenommen. „i – Documentary Of The Journalist“ war nicht nur im Vergleich zum Film „The Journalist“ deutlich besser, sondern auch für sich genommen sehr spannend. Der Dokumentarfilmer Tatsuya Mori hat für diesen Film mehrere Monate lang die Journalistin Isoko Mochizuki bei ihrer Arbeit begleitet und damit nicht nur das zweifelhafte Verhalten diverser Politiker der Abe-Regierung entlarvend dargestellt, sondern auch aufgezeigt, wie sehr Journalisten – speziell die recht hartnäckige Mochizuki –  bei ihrer Arbeit von Regierungsseite behindert werden. Der Film ist fast zwei Stunden lang und selten zuvor hatte ich das Gefühl, dass die Zeit beim Sehen einer Dokumentation so schnell verflogen ist, weil es ständig neue Informationen zu verarbeiten und Situationen einzuordnen galt. Das war wirklich interessant und ich würde „i – Documentary Of The Journalist“ definitiv weiterempfehlen – auch deshalb, weil ich in den Tagen, die seit dem Anschauen vergangen sind, immer wieder an den Film denken musste.

„Miss Hokusai“ sollte uns dann am Nachmittag (vor dem nächsten Handwerkerbesuch) etwas Entspannung bringen. Der Anime dreht sich um Ōi Katsushika, die Tochter des Malers Hokusai, die selbst eine hervorragende Künstlerin war und doch ihr Leben lang im Schatten ihres Vaters stand. Der Film erzählt kleine unterhaltsame Episoden und zeigt so eine energische junge Frau, die noch auf der Suche nach ihren Weg als Künstlerin ist. Dabei fand ich es hübsch, dass im Anime immer wieder berühmte Gemälde der beiden Künstler aufgegriffen wurden (wie „Die große Welle vor Kanagawa“ von Hokusai), und fand es interessant, immer wieder Details zum alltäglichen Leben in Japan zu Beginn des 19. Jahrhundert entdecken zu können. Ich mochte „Miss Hokusai“ sehr, aber ich muss auch zugeben, dass mir der Film wohl nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich einige Anspielungen und Aussagen nur deshalb zuordnen konnte, weil ich vorher die (englischen) Wikipedia-Einträge zu Ōi Katsushika und Hokusai gelesen hatte.

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Was am Donnerstagmorgen schön war? Dass der Strom in der Küche nicht über Nacht wieder asugefallen ist! 😉 Ansonsten sind wir mittags mit der Dokumentation „Prison Circle“ in unseren Filmfestival-Tag gestartet, um dann am Abend noch den Film „Extro“ zu schauen. Für „Prison Circle“ hat die Filmemacherin Kaori Sakagami zwei Jahre lang vier Gefangene im Shimane Asahi Rehabilitation Program Center begleitet. Das 2008 gebaute Gefängnis ist eine ungewöhnliche Einrichtung für japanische Verhältnisse, da dort das sogenannte TC-Programm (Therapeutic Circle) angeboten wird. 40 Gefangenen (von über 40.000 in japanischen Gefängnissen einsitzenden Personen) bekommen dort die Möglichkeit, über Gruppentherapie ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und Wege zu finden, um in Zukunft aus schädlichen Verhaltensmustern auszubrechen und nicht wieder auf die schiefe Bahn zu geraten. Obwohl dieses Konzept schon seit vielen Jahrzehnten in anderen Ländern üblich ist, ist es für Japan eine recht revolutionäre Idee, die erst 2006 eingeführt wurde. Dabei haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass die Gefangenen, die das TC-Programm durchlaufen haben, eine um mehr als 50% geringere Chance haben, rückfällig zu werden, als andere Personen, die aus dem Gefängnis entlassen werden. (Wobei das vermutlich zum Teil auch daran liegt, dass nur Personen, die zum ersten Mal verurteilt wurden, an diesem Programm teilnehmen dürfen.)

Nachdem zu Beginn des Films betont wurde, dass es aufgrund von Auflagen und Gesetzen nicht möglich sein würde, Namen zu verraten, Details zu den verschiedenen Verbrechen zu erwähnen, Interviews zu führen oder gar Gesichter zu zeigen, fragte ich mich schon etwas, wie man mit so wenig Material eine zweistündige Dokumentation füllen soll. Aber man bekommt als Zuschauer trotz diverser Verpixelungen sehr viele Informationen über die vier vorgestellten Gefangenen, über die Taten, die sie begangen haben, und die Umstände, die ihren Charakter geformt haben mit. Auch fand ich es spannend, wie viel die Körpersprache und die Bewegungen der verschiedenen Personen über sie und ihren emotionalen Zustand verrieten, obwohl alle Beteiligten durchgehend sehr zurückhaltend waren. Richtig erschreckend fand ich, wie schwer es all diesen Männern fiel, über ihre Gefühle zu reden, und wie wenig sie in der Lage waren, mit Emotionen umzugehen, und zum Schluss hatte ich eine Menge Fragen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Japan (und den Regelungen rund um Kinderheimen). Am Ende kann ich eigentlich nur die Homepage der Nippon Connection zu diesem Film zitieren mit: „[Prison Circle ist ein] berührendes filmisches Plädoyer, das dazu aufruft, die Idee der Resozialisierung ernst zu nehmen“.

Bei meiner Planung der Woche dachte ich, dass wir nach „Prison Circle“ eher Bedarf für einen heiteren Film haben würden, weshalb wir abends dann „Extro“ geschaut haben. Die Mockumentary hatte uns beide beim ersten Anschauen des Programms spontan angesprochen, da er mit einem älteren Hauptdarsteller (damit haben wir in den vergangenen Jahren einfach gute Erfahrungen gemacht) gedreht wurde und sich mit dem japanischen Filmgeschäft beschäftigt. „Extro“ ist eine wunderbare Liebeserklärung an all die Statisten, die Leben in einen Film bringen, und voller großartiger, absurder Szenen, die einfach nur amüsant und unterhaltsam sind. Es gab so viele Anspielungen auf japanische Filme, auf Schauspieler und auch auf ernsthafte Filmdokumentationen, die wirklich toll umgesetzt waren. Dieser Film hat durchgehend Spaß gemacht und auch jetzt noch muss ich einfach grinsen, wenn ich an all die Charaktere und Dialoge denke. Ich würde zu gern einmal das Drehbuch dazu anschauen, um herauszufinden, wie festgelegt die Dialoge waren und wie viel vielleicht von den Schauspielern improvisiert wurde. 😀

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Da dieser Blogbeitrag doch schon recht lang geworden ist und wir noch ein paar Filme sehen wollen, bevor am Sonntagabend die Nippon-Connection endet, gibt es in den nächsten Tagen einen zweiten „Was schön war“-Post mit lauter Filmeindrücken. Ich fürchte, da müsst ihr jetzt wohl durch … 😉

Was schön war (3)

Die ersten drei Wochen auf einer (nicht mehr ganz so) einsamen Insel:
Das erste Kennenlernen der neuen Nachbarn,
die ersten selbstgefertigten Werkzeuge,
der Umzug von einem Zelt in ein Häuschen,
die vielen Besucher auf meiner Insel
und all die anderen Dinge, die zum ersten Mal zu erleben waren.

Was schön war (2)

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Den (für uns) ersten Roller-Derby-Tag der Saison zu erleben
und sehr viel Spaß dabei zu haben,
obwohl wir aus Zeitgründen
nur zwei von den vier Spielen des Tages sehen konnten.

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bei den Damen wird beim Roller Derby eindeutig mehr Tempo an den Tag gelegt
und das Spiel ist deutlich mehr auf Strategie als auf Kraft ausgelegt
– was mir beides definitiv mehr Freude bereitet als die Herren-Variante.
Oh, und die Frankfurterinnen scheinen zum Saisonstart in sehr guter Form zu sein,
was hoffentlich den Rest des Jahres so bleibt! 🙂

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Knapp zwei Stunden Schnee in diesem Winter
und ich habe es sogar geschafft, ihn zu fotografieren. 😉

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Die monatliche Frühstücksverabredung
mit der ehemaligen Nachbarin
und der anschließende Bummel durch die Innenstadt,
bei dem ich überraschenderweise all die Dinge,
die auf meiner Besorgungsliste standen, ergattern konnte.

Was schön war (1)

An einem sonnigen (und viel zu warmen) Januartag
in die Innenstadt fahren und eine Ausstellung besuchen,
bevor diese ihre Pforten schließt.

Aus dieser Perspektive sehe ich den Main sehr selten.

Die Ausstellung „Meisterstücke – Vom Handwerk der Maler“ im Historischen Museum Frankfurt
hatte zwar leider etwas weniger Handwerkshintergründe zu bieten,
als ich mir nach dem Text der Ausstellungsbeschreibung erhofft hatte,
aber es war trotzdem interessant, die verschiedenen Exponate zu sehen.

„Ein Stück von allerhand Wildvögeln“, Andreas Held (vor 1700) / Ein Ausschnitt aus „Verkündigung an die Hirten“, Johann Heinrich Roos (1668) – um mal die Bandbreite der Kunstwerke zu zeigen

„Der Brand der Stadt Frankfurt“, Josef Schmidt (1797)

Kein „Meisterstück“, aber eine der wenigen Frauen, die in dieser Ausstellung einen Platz fand – wenn auch nur, weil Ursula Magdalena Reinheimer einen anderen Maler porträtierte

Immer wieder wurde dabei betont,
dass ein „Meisterstück“ nicht unbedingt auch ein „Meisterwerk“ sein muss,
da der Maler schließlich nicht seine Qualitäten als Künstler damit beweisen sollte,
sondern die Tatsache, dass er sein Handwerk beherrscht
– beide Punkte waren bei dem einen oder anderen Ausstellungstück unübersehbar. 😉

Ganz unten der Malstock, besonders hübsch fand ich die Form der Palette.

Lustigerweise gab es immer wieder Momente,
wo mich die Exponate an meine eigene Ausbildung oder mein Studium erinnerten.
So ein Malstock war das erste Werkzeug, das ich während der Ausbildung angefertigt habe,
und die ganzen – eher technisch anmutenden – Perspektivzeichnungen kamen mir auch überraschend vertraut vor.

Halber Harnisch – Meisterstück des Ätzmalers Hans Keiser im Jahr 1610 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum)

Entwurf einer Hausfassade von einem unbekannten Weißbinder-Meister im Jahr 1738

Was ich besonders nett fand, war, dass nicht nur die Gemälde,
die als Meisterstücke in Frankfurt (und anderen Städten) eingereicht wurden, zu sehen waren,
sondern auch (Meister-)Stücke anderer Schwerpunkte der Malergilden
oder gar anderer Handwerksbereiche.

Schokoladenkuchen im Museumscafé

Abgerundet habe ich dann meinen Musumsbesuch
– ganz traditionell – mit einem Stück Kuchen
und mir wieder einmal vorgenommen,
dass ich doch häufiger all die Museumsangebote der Stadt nutzen möchte.

Was schön war (7)

Ein Geburtstag voller Anrufe und Emails,
voller lieber Wünsche für mein kommendes Lebensjahr
und natürlich auch voller neuer Bücher.

 

Lauter kleine
UFO-Mittagspausen,
die in den vergangenen Tagen dafür gesorgt haben,
dass ich überraschend viel erledigt bekam.

 

An dunklen Dezembernachmittagen
eine Lesestunde einrichten können
mit Tee und Keksen und Adventsbeleuchtung.

Was schön war (6)

Nach so langer Zeit wieder eine funktionierende – da neue – Klingel- und Sprechanlage zu haben
und somit auch endlich ein paar Sachen bestellen zu können,
die wir in den letzten Monaten nicht vor Ort auftreiben konnten.

Sich durch all die CDs wühlen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben,
und sich die Ruhe und Zeit gönnen, um bewusst Musik zu genießen.
(Und der Lage zu sein, direkt nach dem Ausfall der alten Stereoanlage eine neue kaufen zu können.)

Zu sehen, wie viel mehr Ordnung ein simples Regal im Flur in die Wohnung bringt.
(Endlich ein fester Platz für Werkzeug, Schals und Handschuhe und die Einkaufs-Rucksäcke.)

Von der Begleitung nachgereichtes Foto von meinem Burger und meinem Schokokuchen zum Nachtisch. Sehr lecker! 🙂

Die Verabredung am heutigen Abend mit Menschen,
die ich noch nicht so lange kenne, aber sehr sympathisch finde,
in einem Restaurant, das wir neu ausprobieren wollten. 🙂

Was schön war (5)

Rib-eye Steak für ihn, Spinat-Flammkuchen für mich.

Den 13. Hochzeitstag mit leckerem Essen begehen,
gerade weil wir das Feiern dieses Tages bislang
nicht sehr oft auf die Reihe bekommen haben.

Die Forgotten-Circles-Erweiterung für das Gloomhaven-Brettspiel.

Nachschub für die Gloomhaven-Spielrunden bekommen,
auch wenn wir mit den Grundspiel noch lange nicht so weit sind,
dass uns die Herausforderungen und neuen Charaktere ausgehen. *g*

So ein riesiges Bett … *g*

Die erste Nacht im neuen und deutlich breiteren Bett verbracht
und somit die erste Nacht in 18 Jahren erlebt,
in der wir uns umdrehen konnten,
ohne auf dem anderen zu landen. 😉

Was schön war (4): Urlaub und Filmfestival

So richtig schön begann unser Urlaub nicht, nachdem ich am Dienstag unterwegs so richtig heftig den Asphalt geküsst hatte. Ich weiß nicht, ob ich umgeknickt oder ausgerutscht bin oder ob mein Kreislauf mich angesichts eines schwül-regnerischen Tages im Stich gelassen hatte, auf jeden Fall fand ich mich bäuchlings auf der Straße wieder und hatte mir rechts Hand- und Fußgelenk sowie beide Knie angeschlagen. Glücklicherweise half eine Kombination aus Kühlakkus, Bandagen und Schmerzmitteln, mich so weit beweglich zu halten, dass ich trotzdem am nächsten Tag den ersten Film sehen konnte, aber so richtig fit bin ich auch drei Wochen nach dem Sturz noch immer nicht. Das Ganze hat dann dafür gesorgt, dass wir in der zweiten Urlaubswoche ein paar geplante Unternehmungen streichen mussten, was wirklich ärgerlich war, und auch in der vergangenen Woche habe ich alles weiterhin etwas langsamer angehen müssen.

Los ging das japanische Filmfest für mich dann am Mittwochabend mit „Marriage Hunting Beauty“. Da ein als „romantische Komödie“ angekündigter Film für meinen Mann nicht das richtige ist, war ich mit der ehemaligen Nachbarin im Kino. Die Geschichte drehte sich um Takako, die mit Anfang 30 auf einmal den Beschluss fasst, dass sie heiraten will. Dass diese ganze Idee aus einer allgemeinen Unzufriedenheit mit ihrem Leben heraus geboren wurde und von der Vorstellung genährt ist, dass ihre verheiratete Freundin doch viel zufriedener durchs Leben geht, ist von Anfang an unübersehbar. Lustig waren all die kleinen Begegnungen mit „potenziellen Heiratskandidaten“, die Takako über eine App gefunden hatte. Doch besonders hat mir gefallen, dass man Takako und ihre Freundin im Laufe des Films besser kennenlernt und beide merken, dass das Leben der anderen nicht so beneidenswert ist, wie sie immer gedacht haben, und dass es in ihrer eigenen Hand liegt, etwas an den Dingen zu ändern, die sie unzufrieden sein lassen. Ich mochte auch, dass Takako am Ende nicht verheiratet, aber (zumindest für den Moment) sehr zufrieden mit ihrem Leben war. Alles in allem war der Film weniger komisch oder romantisch, als nach der Inhaltsangabe und dem Trailer zu erwarten war, dafür waren die Charaktere wunderbar realistisch dargestellt, was den Film für mich umso sehenswerter gemacht hat.

Am nächsten Tag gab es den Film „Inuyashiki“ für meinen Mann und mich. „Inuyashiki“ ist die Verfilmung einer Mangareihe, die auf Deutsch unter dem Titel „Last Hero Inuyashiki“ veröffentlicht wurde. Zu Beginn lernt man Herrn Inuyashiki kennen. Er ist ein einfacher, zurückhaltender Büroangestellter, der weder bei der Arbeit noch in seiner Familie besonders geschätzt wird. Als Inuyashiki (sehr schön gespielt von Noritake Kinashi) eines Abends in den nahgelegenen Park geht, passiert dort ein seltsames Unglück, das dafür sorgt, dass er (ebenso wie der zum selben Zeitpunkt anwesender Schüler Shishigami) in einen Androiden verwandelt wird. Nach und nach entdeckt er seine neuen Fähigkeiten und setzt diese heimlich dazu ein, anderen Menschen beizustehen. Shishigami hingegen wird von seinen neuen Fähigkeiten (und einer erbarmungslosen Gesellschaft) dazu verführt, sich „unmenschlich“ zu verhalten, so dass es am Ende einen Kampf zwischen Inuyashiki und dem Schüler gibt. Das Ganze war nettes, amüsantes und actionreiches Popcorn-Kino und hat uns gut unterhalten – vor allem, da die Geschichte durch die filmische Umsetzung wirklich profitiert hat, denn der Manga selbst ist etwas langatmig und beinhaltet die eine oder andere Wendung zu viel, um wirklich überzeugen zu können.

Freitag ging es dann weiter mit „The Chaplain“ – ein wirklich großartiger Film, der uns sehr überrascht hat. Eigentlich sind wir nur in den Film gegangen, weil es der letzte Film des Schauspielers Ren Osugi war, bevor dieser im vergangenen Jahr gestorben ist. Die Geschichte dreht sich um einen Seelsorger in einem Gefängnis, in dem Menschen sitzen, die zum Tode verurteilt wurden. Der Regisseur und Drehbuchautor Dai Sako, der nach der Vorführung des Films zu einer Fragerunde zur Verfügung stand, meinte zwar, dass er den Film nicht gezielt als Kritik an der Todesstrafe, die in Japan immer noch üblich ist, gedreht habe, dass es ihm aber mit diesem Film gelungen sei, eine Diskussion in Japan auszulösen. Der ganze Film ist sehr Kammerspiel-artig gedreht, so gut wie alle Szenen finden in einem kleinen Raum statt, wo der Seelsorger (in Anwesenheit eines Wächters) mit den verschiedenen Gefangenen spricht. Das führt zu einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit den verschiedenen Figuren, vor allem, da die Darsteller ihre Sache wirklich großartig machen, was zum Teil umso erstaunlicher ist, weil die Hälfte von ihnen nicht einmal professionelle bzw. erfahrene Schauspieler waren. Überraschend war auch, wie viel Humor trotz des ernsten Themas in dem Film steckte. Ein sehr ruhiger und sehr eindringlicher Film, den ich theoretisch jedem ans Herz legen würde – dummerweise gibt es (noch?) keine DVD-Veröffentlichung. Wenn es noch dazu kommen sollte, wäre das definitiv ein Film, den ich mir anschaffen würde.

Am Samstag hat sich dann die ehemalige Nachbarin zusammen mit einer Freundin zu uns gesellt, um „Room Laundering“ zu sehen. In Japan muss ein Vermieter bzw. Makler potenzielle Interessenten darüber aufklären, wenn es in einer Wohnung schon einmal zu einem Todesfall gekommen ist. Um diesen „Makel“ von der Wohnung zu nehmen, gibt es Menschen, die sich aufs „Room Laundering“ spezialisiert haben und in diese Wohnungen ziehen. Die 20jährige Miko wird von ihrem Onkel Goro zum „Room Laundering“ benutzt, was angesichts der Tatsache, dass sie Geister sehen kann, eine besondere Herausforderung ist. Normalerweise lässt sie die Geister nicht spüren, dass sie sie sehen kann, doch im Laufe des Films gibt sie ihre Distanz gegenüber den Geistern auf und lässt sich von diesen sogar dazu überreden, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären. Die Geschichte war eine nette Mischung aus lustigen Momenten (mit den verschiedenen Geistern und dem halbkriminellen Onkel der Protagonistin) und Familiendrama rund um die verschwundene Mutter des Mädchen, aber stellenweise zog sich die Geschichte – gerade bei dem etwas zu vorhersehbaren Familliendrama – etwas hin. Trotzdem habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt und den Film gemocht.

Zum Abschluss haben wir am Sonntag dann – ebenfalls wieder in Begleitung der ehemaligen Nachbarin und ihrer Freundin – noch „Ramen Shop“ geschaut. Das war schon wieder ein Film mit Familiendrama, irgendwie hatten wir wohl in diesem Jahr ein Händchen dafür, obwohl das eigentlich nicht unser Thema ist. Bei „Ramen Shop“ begleitet man den jungen Koch Masato – nach dem plötzlichen Tod seines Vaters – auf der Suche nach der Familie seiner Mutter. Alles was Masato weiß, ist, dass seine Mutter aus Singapur stammte, wo er auch geboren wurde, und dass es zu einem Bruch mit ihrer chinesischstämmigen Familie kam, als sie Masatos japanischen Vater heiratete. Über das Kochen nähert sich Masato seiner Familiengeschichte an, was zu vielen wunderbaren Essensszenen führte, und man konnte vielen Erinnerungen an seine Kindheit und die Gerichte, die ihm seine Mutter gekocht hat, mitverfolgen. Die Verknüpfung von Essen und Familiengeschichte mochte ich, auch wenn es für mich das Drama um die Großmutter in diesem Ausmaß nicht benötigt hätte. Aber es war dem Regisseur Eric Khoo wohl wichtig, nicht nur die Verbindung zwischen Essen und Zusammenhalt in der Familie, sondern auch die schwierige japanische Geschichte inklusive Kriegsgräuel aufzugreifen. (Oh, und wenn ich das gerade richtig sehe, dann läuft der Film auch noch in verschiedenen Kinos in Deutschland und auf DVD ist er auch demnächst erhältlich!)

Dieser Film war dann auch der Abschluss des Festivals, weshalb es davor diverse Preisverleihungen gab. Ich könnte somit nun feststellen, dass ich deutlich lieber den Abschlussfilm als den Eröffnungsfilm schaue, weil die anfänglichen Reden weniger interessant sind als die Preisverleihungen. Insgesamt hat das aber dafür gesorgt, dass wir über drei Stunden in diesem Kino saßen, was grundsätzlich schon zu lang für die beengte Bestuhlung ist und mit schmerzenden Gliedmaßen noch mal ein wenig unangenehmer wurde. Am Ende bin ich regelrecht aus dem Stuhl geschossen, weil ich keine Minute länger meine Knie in der beengten Position halten konnte. *g*

Ansonsten brachte der Urlaub noch einige schöne Momente mit meinem Mann, etwas Spielzeit, gemütliche Treffen mit anderen Leute, leckeres Essen und sehr viel erholsame Stunden (mit Kühlakku) auf dem Sofa. Spannend finde ich, dass es immer in dieser letzten Maiwoche auf einmal richtig heiß wird in Frankfurt – wobei wir in diesem Jahr noch Glück hatten und die Nächte noch relativ kühl waren und die Kinos sich deshalb nicht so extrem aufheizten wie in den vergangenen Jahren. 2020 findet die Nippon Connection ausnahmsweise in einem etwas späteren Zeitraum (9. bis 14. Juni) statt, und ich bin schon gespannt, welche Filme es dann zu sehen geben wird (und wie viele Leute wir bis dahin mit dem Filmfest neu angesteckt haben werden 😉 ).