Schlagwort: Was schön war

Was schön war (4)

Auch wenn ich in den letzten Wochen recht still war,
so gab es doch den einen oder anderen erinnerungswürdigen Moment in meinem Leben.

 

Eine weiße Vase, die mit etwas wild und zerrupft aussehenden Wiesenblumen gefüllt ist und vor einer orangen Wand steht.

Dass die Nachbarin
nach einem Fahrradausflug bei uns klopfte,
um sich mit einem selbstgepflückten Blumenstrauß
für all die angenommenen Päckchen der letzten Monate zu bedanken.

***

Eine Auswahl an indischen Essen. Auf einem Teller im Hintergrund kann man eine Portion Reis mit Tandoori-Chicken, in der Mitte steht ein Teller mit Samosas und Naan, links davon ein Schälchen mit Tamarindsauce und in einer Schale im Vordergrund sieht man Reis mit Mandel-Curry.

Die gemeinsamen Urlaubstage mit meinem Mann,
obwohl wir gar nicht so viel anders gelebt haben
als die vergangenen Monate …
Aber das ständige Kontrollieren des Arbeitslaptops fiel weg,
ebenso wie das Gefluche über den Job. 😉

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Zwei Teller mit Kuchenstücken. Links ein Stück Zitronencreme-Kuchen, der mit bunten Mini-Marshmallows dekoriert ist und rechts ein Stück Minz-Schoko-Torte, die recht unspektakulär aussieht.

Am selben Tag den vollständigen Impfschutz
– dank einer zwei Wochen vorher stattfindenden kurzfristigen J&J-Impfaktion der Stadt –
und den 15. Hochzeitstag feiern zu können … 🙂

Was schön war (3): Japanisches Filmfestival (Teil 2)

Da der Beitrag über das diesjährige japanische Filmfestival in der vergangenen Woche schon lang genug war, gibt es hier jetzt den zweiten Teil mit den Filmen, die wir zwischen Freitag und Montag gesehen hatten.

Was unseren Start in den Freitag anging, so weiß ich immer noch nicht so recht, was ich von „Sayonara TV“ (Regisseur: Koji Hijikata) halten soll. Oder genauer gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll, dass man den Film für den „Nippon Docs Award“ (der für Dokumentationen vergeben wird) bewerten sollte. Denn es wird zwar die ganze Zeit über so getan, als ob der Alltag eines Nachrichtensenders (inklusive prekärer Arbeitsverhältnisse und ethisch fragwürdiger Nachrichtenpräsentation) dokumentiert würde, am Ende wird aber deutlich, dass es keine richtige Dokumentation ist. Und selbst wenn „Sayonara TV“ eine Dokumentation gewesen wäre, würde sich der Film im Vergleich zu „i – Documentary Of The Journalist“, eine Dokumentation über die Arbeit von Isoko Mochizuki, die wir im vergangenen Jahr bei der Nippon Connection gesehen hatten, unbefriedigend und nicht kritisch genug anfühlen. Am Ende bleibt bei mir wirklich nur das Wort „unbefriedigend“ hängen, wenn ich daran denke …

Danach folgte mit „Our 30-Minute Session“ (Regie Kentaro Hagiwara) ein eher entspannter und netter Film über einen extrem introvertierten jungen Mann (Sota), der dank eines alten Walkmans den Geist eines vor einem Jahr verstorbenen und sehr extrovertierten Musikers (Aki) herbeibeschwören kann. Für 30-Minuten-Sequenzen (die Lauflänge einer Kassettenseite) kann Aki Sotas Körper übernehmen. Dies will er nutzen, um nicht nur seine alte Band wieder zusammenzubringen, sondern auch seine Freundin Kana wieder glücklich zu machen. Die Handlung war ziemlich vorsehbar und der Film etwas länger, als ihm gutgetan hat, aber insgesamt war das eine niedliche und ganz unterhaltsame Geschichte. Kein Film, der mir lange in Erinnung bleiben wird, aber ich habe einen netten Abend damit verbracht.

„Ainu Neno An Ainu“ (Regie: Laura Liverani und Neo Sora) ist ein Film, der im Prinzip als Nebenprodukt eines Fotoprojekts über die indigene Bevölkerung Nordjapans entstanden ist. Wir hatten im vergangenen Jahr schon eine Dokumentation („Ainu – Indigenous People Of Japan“) gesehen, die zeigte, wie die heutigen Ainu seit den 1970er Jahren versuchen, ihre Kultur und Sprache wiederzubeleben, nachdem die japanische Regierung ihnen beides seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verboten hatte. In „Ainu Neno An Ainu“ gab es auf der einen Seite ein Wiedersehen mit den älteren Ainu, die wir schon aus der letztjährigen Dokumentation kannten, und auf der anderen Seite kamen überraschend viele jüngere Ainu zu Wort, die heute von ihren Eltern und Großeltern ihre Sprache und Traditionen lernen und sich dafür engagieren, ihre Kultur zu erhalten. Der Aufbau der Dokumentation war nicht ganz so gelungen, das Ganze wirkte etwas willkürlich zusammengestückelt, aber es war schön zu sehen, wie die jüngeren Generationen ihre Identität als Ainu ausleben können und wollen.

Auf den Film „Special Actors“ von dem Regisseur Shinichiro Ueda hatten wir uns eigentlich sehr gefreut, weil die Beschreibung eine amüsante Handlung zu versprechen schien. Die Geschichte dreht sich um den erfolglosen Schauspieler Kazuto, der in stressigen Situationen immer in Ohnmacht fällt – was für seine Karriere natürlich nicht sehr förderlich ist. Auf Anregung seines Bruders lässt sich Kazuto als „Special Actor“ engagieren, um zukünftig auf Beerdigungen die Reihen der Trauergäste aufzufüllen oder ähnliche „alltägliche“ Jobs als Darsteller anzunehmen – und natürlich läuft bei einem der größten Aufträge der Special-Actor-Firma eine Menge schief. Ich habe die Grundidee des Films wirklich geliebt und mochte jeden einzelnen Nebendarsteller, und ich hätte liebend gern einen Film über diese verschiedenen Personen, die für eine ganz besondere Schauspieler-Agentur arbeiten, verfolgt. Womit ich ein riesiges Problem hatte, war der Hauptdarsteller Kazuto Osawa, der mich einfach nicht überzeugen konnte (obwohl ich gelesen habe, dass die Figur Kazuto auf persönlichen Problemen und Erfahrungen des Schauspielers basiert).

Nachdem wir von Dienstag an zwei Filme pro Tag gesehen hatten, waren wir am Sonntag ein bisschen film-müde und hatten uns auf „his“ von dem Regisseur Rikiya Imaizumi beschränkt. „his“ erzählt die Geschichte von Shun und Nagisa, die während ihrer Studienzeit eine Beziehung hatten. Jahre später lebt Shun als Selbstversorger zurückgezogen in einem kleinen Dorf, als Nagisa ihn gemeinsam mit seiner kleinen Tochter aufsucht. Nachdem Nagisas Versuch in einer heterosexuellen Beziehung zu leben gescheitert ist, streitet er nun vor Gericht mit seiner Ex-Frau um das Sorgerecht für die Tochter. Es war schön zu verfolgen, wie die beiden Männer sich wieder näherkamen und wie selbstverständlich Nagisas Tochter Shun als Familienmitglied akzeptierte. Und es gab wunderbare Szenen mit der (überalterten) Dorfgemeinschaft, die deutlich weniger Probleme mit der Homosexualität der beiden Männer hatte, als Shun und Nagisa erwartet hätten. Insgesamt mochte ich es, dass der Film weniger auf Drama setzte, als darauf zu zeigen welche alltäglichen Probleme es mit sich bringt, wenn man in Japan nicht der vermeintlichen Norm entspricht. Dabei wurde es auch wunderbar vermieden, einem der Charaktere Schuld für das Scheitern einer Beziehung, die Probleme beim Aufziehen eines kleinen Kindes oder ähnliches zuzuschieben. Stattdessen wurde versucht, den vielen verschiedenen Perspektiven gerecht zu werden, ohne das Leben der Figuren zu bewerten. Der Film ist übrigens auch Gewinner des Nippon Cinema Award, der von den Zuschauern vergeben wird.

Um das Filmfest bis zum letzten Tag auszunutzen, hatten wir dann am Sonntagabend noch einen Film für den Montag gebucht, dessen Beschreibung sich ganz amüsant anhörte. In „The Stormy Family“ (Regie: Masahide Ichii) treffen sich die vier Geschwister der Suzuki-Familie, um eine Trauerfeier für ihre vor zehn Jahren nach einem Banküberfall spurlos verschwundenen Eltern abzuhalten. Im Rahmen der Trauerfeier werden alte Konflikte und Kränkungen wieder hervorgeholt und gemeinsam über die Frage nachgedacht, wieso ihr Vater damals eine Bank überfallen hat. Es gab ein paar skurril-amüsante Momente in der Geschichte, aber insgesamt konnte uns der Film nicht so recht überzeugen, da die Handlung – trotz der eigentlich ganz reizvollen Ausgangsidee – recht vorhersehbar und wenig ungewöhnlich war.

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Insgesamt waren also die Filme, die wir in diesem Jahr gesehen haben, von eher gemischter Qualität. Aber ich muss zugeben, dass die Tatsache, dass wir selten vorhersagen können, ob ein Film unseren Erwartungen entsprechen wird oder nicht, auch einer der spannenderen Aspekte der Nippon Connection für mich ist.

Was schön war (2): Japanisches Filmfestival (Teil 1)

Da ich es in den letzten Jahren immer schön fand, wenn ich hier auf dem Blog etwas zu den Filmen nachlesen konnte, die wir während vergangener „Nippon Connections“ gesehen haben, sammle ich hier mal meine Eindrücke zu den gesehenen Filmen. Da auch in diesem Jahr das Festival donline stattfand, haben wir wieder eine Menge gesehen, was dafür sorgte, dass die Qualität der verschiedenen Filme sehr unterschiedlich war. *g*

Unser Start-Film war in diesem Jahr „It’s a Summer Film!“, eine wunderbar amüsante und leicht absurde Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Liebeserklärung ans Filmemachen, die unter der Regie von Sôshi Masumoto gedreht wurde. Die Handlung begleitet die Schülerin Barefoot, die gemeinsam mit zwei Freundinnen den Sommer über einen Samuraifilm dreht, weil sie so frustriert davon ist, dass der Filmclub an ihrer Schule nur Liebesfilme produziert. Es war einfach wunderbar lustig zu verfolgen, wie Barefoot die verschiedenen Mitschüler dazu bringt, ihr bei ihrem Dreh zu helfen. Allein die Szenen rund um Rintaro, der ihr Hautpdarsteller sein soll, obwohl er sich dazu definitiv nicht in der Lage sieht, haben mich mehrfach schallend zum Lachen gebracht. Es hat einfach Spaß gemacht, diese Gruppe von Schülern zu begleiten, die all ihre Energie und ihren Einfallsreichtum in die Verwirklichung von Barefoots Traum stecken. Und es gibt so großartige Frauenfiguren und Frauenfreundschaften in diesem Film. Ich weiß nicht, ob es die leicht absurden Elemente in dem Film benötigt hätte, aber sie haben mich definitiv nicht gestört. Insgesamt mochte ich die Geschichte und die verschiedenen Charakteren sehr gern – „It’s a Summer Film!“ war für mich der perfekte Start in eine Woche voller japanischer Filme.

Unser zweiter Film des Tages war „Shiver“ – der im Prinzip nichts anderes war als ein ca. 1 1/2 Stunden langes Musikvideo des Taiko-Ensemble Kodo, das in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Koshiro Hino und dem Regiesseur Toshiaki Toyoda entstanden ist. Da ich Taiko-Trommeln wirklich gern höre und es immer wieder beeindruckend finde, den Musikern zuzuschauen, war das ein schön entspannter Ausklang für den ersten Nippon-Connection-Tag. (Mein Mann hat dann im Laufe der Woche noch die beiden Filme „Wolf’s Calling“ und „The Day of Destruction“ von Toshiaki Toyoda gesehen und war von beiden Werken nicht so angetan, da die kritischen Botschaften beider Filme eigentlich nur mit Anmerkungen des Regisseurs in die gezeigten Szenen reininterpretiert werden konnten. Filme, für die man erst einmal eine Interpretationsanleitung benötigt, sind eindeutig nicht unser Ding. 😉 )

Am Mittwoch sind wir dann mit „Under the Open Sky“ (Regie Miwa Nishikawa) in den Filmtag gestartet. Den Film haben wir ausgewählt, obwohl uns das Thema nicht so ansprach, weil wir den Hauptdarsteller Koji Yakusho immer wieder großartig finden. Die Handlung dreht sich um den ehemaligen Yakuza-Gangster Mikami, der nach dreizehn Jahren Haft fest entschlossen ist, seinen Weg in die Gesellschaft zurückzufinden. Dabei macht es ihm die Gesellschaft aber nicht leicht, denn natürlich sind die Vorurteile und Hindernisse, denen der Ex-Häftling begegnet, kaum zu überwinden. „Under the Open Sky“ ist eine leise erzählte – und trotz des einen oder anderen amüsanten Moments –  melancholische Geschichte über einen Mann, dem es schwer fällt, sich in der heutigen Gesellschaft zurechtzufinden, und über eine Gesellschaft, die es ihm schwer macht, seine kriminelle Lebensweise hinter sich zu lassen. Der gesamte Film lebt von der intensiven schauspielerischen Leistung von Koji Yakusho, die es einem während des Zuschauens auch leichter macht, über die zum Teil etwas sehr klischeebehafteten Elemente der Handlung hinwegzusehen.

Nach dem eher bedrückenden Film haben wir uns später am Tag noch die Dokumentation „Koshien – Japan’s Field of Dreams“ gegönnt, in der es um Highschool-Baseball geht – was ja eigentlich so gar nicht mein Thema ist. Aber ich fand es faszinierend, diesen Film über zwei Highschool-Baseball-Teams und ihre Trainer zu verfolgen, die beide unbedingt zum 100. Jubiläum am Koshien (dem Tunier, das den Höhepunkt der Highschool-Baseball-Saison bildet) teilnehmen wollten. Dabei zeigte die Regisseurin Ema Ryan Yamazaki zwei sehr unterschiedliche Trainer, von denen der eine sehr traditionsbehaftet und der andere offen für neue Methoden ist, was ich sehr spannend fand. Bei den Spielern selbst wurde deutlich, wie sehr der Sport ihr Leben prägt und welchen unglaublichen Einfluss die Trainer auf sie haben. Dabei gab es so viele Momente, die – für mich immer noch befremdliche – Elemente einer traditonellen japanischen Gesellschaft zeigten, aber auch die Stellen, an denen die Traditionen sich nicht gut in unsere moderne Welt transportieren lassen und wo inzwischen neue Wege gesucht werden müssen. Diese Auseinandersetzungen mit der Suche nach neuen Methoden und das Setzen des Schwerpunkts auf die Beziehungen zwischen Trainern und Spielern haben die Dokumentation für mich zu einem wirklich lohnenden Film gemacht.

Der Donnerstag startete mit einem Film, auf den wir uns beide sehr gefreut hatten, nachdem wir die Beschreibung im Programm gelesen hatten. „Beyond the Infinite Two Minutes“ ist ein Low-Budget-Projekt der Theatergruppe EUROPE KIKAKU, und große Teile der Handlung wurden ohne Schnitt gedreht. Da es eine Zeitreise-Geschichte ist, gibt es so einige Szenen, die natürlich seperat gedreht wurden, aber bei der Haupthandlung kann man eigentlich ganz gut verfolgen, dass da sehr viele Teile der Geschichte am Stück gedreht wurde. Die Handlung rund um den Cafébesitzer Kato, dessen privater Fernseher zwei Minuten in die Zukunft „schauen“ kann, während sein Café-Fernseher zwei Minuten in die Vergangenheit „sieht“, war sehr amüsant, ziemlich absurd und hat uns großen Spaß gemacht. Der Theaterhintergrund der Schauspieler war definitiv spürbar, ebenso die Vertrautheit, mit der sie miteinander umgingen. Der Film hat nicht umsonst den „Nippon Visions Audience Award“ (für Newcomer-Filme) gewonnen!

Da wir bei der Planung davon ausgingen, dass ein Zeitreise-Film vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern würde, hatten wir uns für den Nachmittag entspannte und leichte Unterhaltung vorgenommen. Mit dem Film „Can’t Stop the Dancing“ von Regisseur Shinobu Yaguchi haben wir genau das dann auch gefunden. Die Geschichte rund um die ehrgeizige Büroangestellte Shizuka, die nach dem Besuch eines Jahrmarkt-Hypnotiseurs anfängt zu singen und zu tanzen, sobald sie Musik hört, war zwar weniger Musical, als wir erwartet hatten, bot uns aber dafür ein wunderbar lustiges Roadmovie (mit gut platzierten Musical-Nummern). Ich mochte die Entwicklung, die die Protagonistin im Laufe des Films durchmachte, ebenso wie ihre Mitstreiterin wider Willen, und es war lustig einen altvertrauten Schauspieler (Akira Takarada) als alternden Hypnotiseur in den Film zu entdecken. Alles in allem hatten wir wirklich sehr viel Spaß mit diesem unterhaltsamen Film. 🙂

Was schön war (1)

Eine Zusammenstellung aus vier Screenshots des Spiels Story of Seasons - Pioneers of Olive Town, die alle eine überwucherte waldige Fläche und Gebäuderuinen zeigen.

Ein neuer Anfang auf Opas vernachlässigtem Bauernhof.
Die ersten Flächen roden und bebauen,
das Haus und die Ställe renovieren
und natürlich das Sammeln von vielen verschiedenen Dingen …

 

Ein weißer Unterteller mit drei goldbraunen Schokosplitter-Haferflocken-Mandel-Keksen, rechts sieht man eine gestreifte Tasse mit Kakao und einer großen Menge Mini-Marshmallows darauf

Ein Nachmittag mit frisch gebackenen Keksen
und Mini-Marshmallows für meinen heißen Kakao.

 

Ein gehäkelter Streifen, der ein Muster aus dunkelbrauner, mittelbrauner und weißer Wolle zeigt, das so ausschaut, als ob die drei Farben miteinander verwebt wären. Drei Wollknäule und eine Häkelnadel.

Mir Zeit nehmen für ein neues Handarbeitsprojekt
(eine gehäkelte Decke für meinen Mann),
zu sehen wie es langsam Form annimmt
(und in der Lage zu sein, all die anderen angefangenen Projekte
währenddessen zu ignorieren *g*).

Was schön war (6)

In diesem Jahr gab es bislang viel zu wenig „Was schön war“-Beiträge auf diesem Blog, obwohl ich mir doch so viele schöne Dinge vorgenommen hatte. Ich fürchte, dass ich all die geplanten Ausflügen wohl eher auf das kommende (oder gar das übernächste?) Jahr schieben werde, denn selbst wenn die Temperaturen in den kommenden Wochen wieder erträglich werden, so gibt es in der Nachbarstadt Offenbach gerade das deutschlandweit höchste Neuaufkommen an Covid-19-Erkrankungen und die Straßenbahn, die wir hauptsächlich nutzen, um aus unserem Viertel zu kommen, pendelt nun einmal zwischen Offenbach und Frankfurt hin und her. Deshalb verzichten ich lieber weiterhin auf die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs, wenn es irgendwie geht …

Aber auch ohne Ausflüge und große Erlebnisse gibt es ja schöne Tage, und nachdem ich gestern Abend dasaß und mir durch den Kopf ging, dass ich diesen Samstag wirklich genossen habe, dachte ich mir, dass es vielleicht doch mal wieder Zeit für einen „Was schön war“-Beitrag wäre. 😉

Zum ersten Mal seit Wochen die Nacht durchgeschlafen
und nach dem ersten (sehr späten) Aufwachen
noch bis zum Mittag im Bett gedöst.

Mit dem Ehemann den Nachmittag über
gemeinsam gepuzzelt und nach fast drei Wochen
endlich das Puzzle beendet
und dabei sehr viel Spaß gehabt.

Sputniks mit Ketchup und Parmesan und Mamas uralten Goldrand-Tellern – Kindheit pur! *g*

Nachdem wir vor ein paar Tagen festgestellt hatten,
dass wir beide Lust auf Nudeln mit Ketchup hatten,
gab es nach sehr, sehr langer Zeit mal wieder
„Kindheitsessen“. 😉

Was schön war (5): Urlaub und japanisches Filmfestival (2)

Es ist schon Juni, und bislang habe ich in diesem Jahr nicht mal einen „Was schön war“-Beitrag pro Monat auf die Reihe bekommen, weshalb ihr jetzt mit zwei Posts am Stück leben müsst … 😉

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Nachdem wir an den ersten drei Tagen schon sechs Filme geschaut hatten, ging es am Freitag weiter mit „Ainu – Indigenous People Of Japan“ und dem Film „Dancing Mary“. Dass die japanische Gesellschaft nicht sehr gut mit indigenen Bevölkerungsgruppen umgeht, sollte inzwischen allgemein bekannt sein, und so ist es nicht verwunderlich, dass die japanische Regierung – als sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ernsthafte Besiedlungsbestrebungen auf Hokkaido verfolgte – dafür sorgte, dass die Traditionen, die Religion und die Sprache der Ainu ausstarben. Um das wenige noch erhaltene (und wiederentdeckte) Wissen der Ainu zu erzählen, hat Naomi Mizoguchi gut ein Jahr lang vier ältere Ainu (alle waren Anfang bis Mitte 80) begleitet. Alle vier haben in den vergangenen vierzig Jahren große Bemühungen auf sich genommen, um ihre ursprüngliche Sprache, die sie zum Teil noch in Gesprächen mit ihren Großeltern gehört hatten, neu zu erlernen und die traditionellen und religiösen Elemente, an die sie sich noch erinnern konnten, an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Auch wenn die Geschichte, die diese vier Ainu zu erzählen hatten, nicht neu ist, wenn man sich schon mal damit auseinandergesetzt hat, wie indigene Volksgruppen in den vergangenen Jahrhunderten weltweit die eigene Identität genommen wurde und welchem Rassismus sie ausgesetzt waren, so fand ich die Dokumentation doch sehr berührend. Und die Szenen am Ende, in denen man eine recht große Zahl jüngerer Personen sah, die sich anscheinend für die Kultur der Ainu interessierten, machen Hoffnung für die Zukunft.

Unser Abendfilm „Dancing Mary“ hingegen hat mich etwas ratlos hinterlassen. Irgendwie fand ich den Film weder gut noch schlecht und insgesamt etwas belehrender, als mir lieb war. Der Regisseur Sabu (Hiroyuki Tanaka) ist dafür bekannt, dass er in seinen Geschichten ganz durchschnittliche Charaktere extremen Situationen aussetzt und dabei eine Mischung aus Komik und Melancholie verwendet. In „Dancing Mary“ ist der einfache Stadtverwaltungsbeamte Kenji dafür verantwortlich, dass ein altes Gebäude abgerissen werden soll, in dem der Geist der Tänzerin Mary sein Unwesen treibt. Unterstützt von einer Schülerin, die Geister sehen kann, versucht Kenji, Mary mit ihrem langvermissten Freund wieder zu vereinen. Doch so einfach ist es nicht, einen vor Jahrzehnten verschwundenen erfolglosen Musiker aufzutreiben, wenn die einzigen Hinweise von Geistern kommen können. Dazu kommt noch, dass in der Zwischenzeit Kenjis Vorgesetzte die Yakuza mit ins Spiel gebracht haben, um endlich den Abriss über die Bühne bringen zu können. Es gab immer wieder absurde und amüsante Momente in dem Film, während es gleichzeitig in den eher melancholischen Szenen auch sehr viele „ermahnende“ Elemente gab, die mir ehrlich gesagt einfach zu viel waren. Außerdem bin ich im Nachhinein regelrecht verärgert, weil Mary zwar der Aufhänger der Geschichte war, aber am Ende die Figur war, deren Charakter am wenigsten ausgebaut war. Alles in allem war „Dancing Mary“ ein netter, aber nicht gerade erinnungswürdiger Film.

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Da die Inhaltsbeschreibung des Anime „Yoyo und Nene – Die Magischen Schwestern“ nach netter und fluffiger Unterhaltung klang, dachte ich, dass das der richtige Start in den Samstag sei, bevor wir später am Tag den Film „Mrs. Noisy“ schauen würden. Irgendwie nett und fluffig war die Geschichte auch: Es geht um die Hexe Yoyo aus dem „Königreich der Zauberer“, die durch eine Art Unfall im aktuellen Tokyo landet und nun herausfinden muss, wer mit seinem Fluch die magische und die menschliche Welt durcheinanderbringt. Aber so richtig glücklich war ich mit dem Anime nicht – was vermutlich auch daran lag, dass ich selten mit deutschen Synchronisationen zufrieden bin, mir wäre japanischer Ton mit Untertiteln lieber gewesen. Außerdem gab es heftige Widersprüche und Logiklücken in der Handlung, und wenn es nicht so viele und so große gewesen wären, hätte ich da vermutlich drüber hinweggucken können, aber so muss ich sagen, dass ich mir von dem Film mehr versprochen hatte.

„Mrs. Noisy“ erzählt die Geschichte der Autorin Maki, die nicht nur keine Ideen für eine nächste Veröffentlichung hat, sondern sich auch damit rumschlagen muss, dass ihre neue Nachbarin zu den unmöglichsten Zeiten ihre Futons ausklopft und so ständig Lärm produziert. Als Maki dann ihre Erlebnisse mit der Nachbarin als Kurzgeschichte veröffentlicht, werden diese nicht nur so populär, dass daraus eine ganze Reihe wird, sondern die Öffentlichkeit findet auch heraus, welches Vorbild hinter dem Charakter „Mrs. Noisy“ steckt. So ungefähr klang die Inhaltsangabe auf der Nippon-Connection-Seite, wobei ich das Gefühl hatte, dass dort die tragisch-KOMISCHE Seite des Films sehr betont würde – nur habe ich keine Komik in der Handlung gefunden. Ich war von Anfang an regelrecht wütend auf die Protagonistin Maki, fand die Passagen, die aus Sicht von Mrs. Noisy erzählt wurden, vorhersehbar und das Ende so viel harmonischer, als die tragische Geschichte es verdient hätte. Ich kann die Aussage, die die Regisseurin mit dem Film dem Zuschauer mitgeben wollte, würdigen, aber die Umsetzung hat für mich so nicht gestimmt.

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Sonntag war offiziell der letzte Tag des Filmfestivals, und für uns standen der Anime „Her Blue Sky“ und der Film „Me and My Brother’s Mistress“ an. „Her Blue Sky“ dreht sich um die siebzehnjährige Aoi, die wild entschlossen ist, nach ihrem Schulabschluss ihren kleinen Heimatort in den Bergen zu verlassen und in Tokyo als Musikerin Erfolg zu suchen. Sie will auf gar keinen Fall so enden wie ihre Schwester Akane, die sie in den dreizehn Jahren, die seit dem Tod der Eltern vergangen sind, aufgezogen hat. Vor allem, da Akane damals für Aoi ihren Wunsch begraben hat, gemeinsam mit ihrem Freund – dem Musiker Shinnosuke – nach Tokyo zu gehen. In diesem Sommer aber kehrt nicht nur Shinnosuke für ein Musikfest zurück, sondern Aoi begegnet auch einer jüngeren „Geist“-Version des Musikers und verliebt sich in ihn. „Her Blue Sky“ ist kein großes Kunstwerk, aber ich mochte die recht leise erzählte Geschichte rund um die beiden Schwestern Aoi und Akane. Mir gefiel, wie Akanes Seite der Handlung nur durch kleinen Szenen und Erinnungen, die Aoi mit ihrer Schwester verbindet, erzählt wurde, und ich habe Aoi gern beim „Erwachsenwerden“ verfolgt.

„Me and My Brother’s Mistress“ wird aus der Sicht des Teenagermädchens Yoko erzählt. Seit dem Tod ihrer Eltern sind sie und ihr älterer Bruder Kenji sich sehr nah. Umso erschütterter ist Yoko, als sie herausfindet, dass Kenji ein Verhältnis mit Misa hat, obwohl er mit Kaho verlobt ist und diese bald heiraten wird. Anfangs will Yoko Misa dazu bringen, dass sie sich von Kenji trennt, doch dann kommt sie zu der Überzeugung, dass diese eigentlich viel besser zu ihrem Bruder passen würde als die langweilig wirkende Kaho. Ich mochte diese Geschichte über die drei Frauen rund um Kenji sehr. Die Regisseure Takashi Haga und Sho Suzuki lassen in ihrem Film sehr viel unausgesprochen und bieten so dem Zuschauer die Möglichkeit, das Gesehene selbst zu interpretieren, ohne mir das Gefühl zu geben, dass in der Handlung etwas fehlen würde. Die Darstellerinnen fand ich wirklich gut gewählt und ich mochte den feinen Humor in der Geschichte (und die Freundschaft zwischen Yoko und ihrer chinesischen Klassenkameradin, mit der sie sich regelmäßig berät). Ohne die jeweiligen Punkte direkt anzusprechen, greift „Me and My Brother’s Mistress“ viele verschiedene Themen auf und überlässt es dem Zuschauer, seine Schlüsse daraus zu ziehen.

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Am Montag haben wir dann – dank der Tatsache, dass die bezahlten Filme 24 Stunden lang zur Verfügung stehen, – doch noch eine Dokumentation geschaut. „An Ant Strikes Back“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der für eine der größten Umzugsfirmen Japans arbeitete und jahrelang (auch mit Hilfe einer Gewerkschaft) für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen kämpfte. Dass eine gewisse Ergebenheit gegenüber der Firma in Japan erwartete wird, dürfte genauso allgemein bekannt sein wie der Brauch, dass Arbeitgeber vor ihren Vorgesetzten vor Ort sein und erst nach ihnen den Arbeitsplatz verlassen sollten, wenn sie nicht als faul gelten wollen. Dies finde ich (ebenso wie viele andere Traditionen, die die Verbundenheit des Angestellten mit seinem Arbeitgeber beweisen sollen) schon oft genug seltsam. Wenn man dann aber zu Beginn von „An Ant Strikes Back“ erfährt, wie Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Überstunden und Zahlungen bei Beschädigungen an Fahrzeugen und Arbeitsmaterialien bei dieser Umzugsfirma geregelt wurden, dann scheint es unfassbar zu sein, dass diese Firma überhaupt noch Menschen findet, die für sie arbeiten. Und doch wird in der Dokumentation überzeugend dargestellt, wie sehr die Angestellten von ihren Vorgesetzten und der Firmenpolitik beeinflusst werden (die Ehefrau des Angestellten bezeichnete es an einem Punkt des Films als „Gehirnwäsche“) und wie groß die Not sein muss, um überhaupt in Erwägung zu ziehen, die Hilfe einer unabhängigen Gewerkschaft in Betracht zu ziehen.

Der Regisseur Tokachi Tsuchiya erzählt selbst in seinem Film, dass seine Motivation der Selbstmord eines engen Freundes war, der nicht mehr mit den Bedingungen an seinem Arbeitsplatz leben konnte. Und wenn man mehr Details über die Arbeitsbedingungen in dieser Umzugsfirma erfährt, von dem Rassismus dort hört und den Schikanen, denen der Angestellte ausgesetzt wurde, weil er es gewagt hat, sich an die Gewerkschaft zu wenden und für bessere Bedingungen zu kämpfen, dann scheint es nicht mehr so verwunderlich, dass es in Japan den Begriff „karoshi“ für den Tod aufgrund von Überarbeitung gibt. Umso bewundernswerter ist es, dass dieser eine Angestellten trotz allem seinen Kampf um humanere Arbeitsbedingungen jahrelang durchgehalten hat. Insgesamt fand ich viele der beschriebenen Details wirklich erschütternd und kann nur hoffen, dass sich die japanische Gesetzgebung endlich mal des Problems annimmt und mit strikteren Regeln dafür sorgt, dass Arbeitgeber ihre Angestellten nicht länger so menschenverachtend behandeln dürfen.

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Ich muss schon zugeben, dass ich in diesem Jahr die Festival-Atmosphäre, das gemeinsame Erleben eines Films in einem Kinosaal und all die kleinen Extras rund um die Nippon Connection vermisst haben. Auf der anderen Seite fand ich es schön, dass wir so viel Zeit (und Geld) gespart haben, weil wir nicht mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die Stadt fahren mussten, und dass wir uns frei überlegen konnten, wann wir welchen Film schauen wollten. Wir hätten in einem „normalen“ Jahr beim japanischen Filmfest bestimmt nicht so entspannt so viele Filme geschaut, weil Terminüberschneidungen bei den Filmvorführungen, die schlechte Luft (und Hitze) in den Kinosälen und eben die Fahrzeit einfach dazu führen, dass wir uns gut überlegen müssen, wie viel wir pro Tag auf die Reihe bekommen und welcher Film als erstes wegfallen muss, weil ein anderer – uns wichtigerer – Film zeitgleich in einem anderen Kino läuft. Nach diesem Jahr hoffe ich sehr, dass die Nippon Connection für die kommenden Festivals das Online-Angebot nicht komplett wieder streichen wird, sondern es parallel zum Vor-Ort-Programm anbietet. Eine Mischung aus der Festival-Atmosphäre vor Ort und dem entspannten Nachholen von Filmen, die man nicht während der Kinoaufführung sehen konnte, fände ich wirklich großartig!

Was schön war (4): Urlaub und japanisches Filmfestival (1)

In diesem Jahr ist ja alles ein bisschen anders, und so gibt es das japanische Filmfestival „Nippon Connection“ nicht nur im Juni (9. bis 14.) statt im Mai, sondern auch ausschließlich online. Mein Mann hatte schon im Januar seine zwei Wochen Urlaub beantragt und da nun die ganzen Fahrzeiten wegfielen und wir pro Film nur einmal den „Eintrittspreis“ bezahlen mussten, haben wir uns zwei Filme pro Tag vorgenommen. Das ist jetzt nicht soooo viel, aber so konnten wir sicher sein, dass wir uns auch am Ende der Woche noch an alle Filme und die dazugehörigen Details erinnern. 😉

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Los ging die Nippon Connection für uns am Dienstag mit der Dokumentation „Book-Paper-Scissors“ und dem Film „The Journalist“ los. „Book-Paper-Scissors“ wurde von der Regisseurin Nanako Hirose gedreht und porträtiert Nobuyoshi Kikuchi, der sich in den vergangenen 50 Jahre auf die Gestaltung von Buchcovern spezialisiert hat. Der Künstler ist in Japan nicht nur wegen seiner Coverdesigns bekannt, sondern auch für seine Essays, die sich um die Themen Antiquitäten, Kunst, Essen und allgemein das Leben drehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich einige Details nicht angemessen würdigen konnte, weil ich mit den japanischen Schriftzeichen – die natürlich einen großen Raum bei der Gestaltung von Buchcovern einnehmen – nicht vertraut genug bin, fand ich es sehr spannend, mehr über Nobuyoshi Kikuchi zu erfahren. Der Künstler arbeitet noch (vermeintlich altmodisch) mit Schere und Kleber statt mit einem Bildbearbeitungsprogramm, und ihm bei der Arbeit zuzusehen gab mir das Gefühl, dass ihm dies einen anderen Zugang zu seinen Entwürfen gibt als jemandem, der vollständig auf moderne Techniken setzt und so bei der Arbeit kein haptisches Element miteinbeziehen kann. Neben diesen kleinen Einblicken in seine Arbeitsweise und seine Herangehensweise an ein neues Design zeigt der Film auch, dass auch die Buchindustrie in Japan gerade an einem Scheidepunkt steht und es nicht sicher ist, dass diese liebevoll gearbeiteten und künstlerisch wertvollen Bücher eine langfristige Zukunft haben werden. Alles in Allem war „Book-Paper-Scissors“ eine eher ruhig erzählte und faszinierende Dokumentation über einen Mann und seinen ganz speziellen Kunstbereich, und ich habe diesen Film als meinen persönlichen Start in die Nippon Connection sehr genossen.

Nach einem abendlichen Handwerkerbesuch (der später als erwartet, aber dafür fast genauso fruchtlos wie erwartet war 😉 ) ging es dann weiter mit „The Journalist“, auf den wir uns wegen des Themas und der Tatsache, dass er auf einem Buch (bzw. einer Doku) basiert, sehr gefreut hatten. Der Film dreht sich um die Journalistin Yoshioka und den Beamten Sugihara, die beide aus unterschiedlichen Gründen auf einen Skandal aufmerksam werden, der bis in höchste Regierungskreise reicht. Je weiter ihre Recherchen gehen, desto größer werden die Bedrohungen, die man ihnen entgegenstellt. Wie gesagt, wir hatten uns sehr auf den Film gefreut, weil wir grundsätzlich „Journalisten decken Verschwörungen auf“-Filme mögen und das Thema in Japan noch einmal eine ganz andere Sache ist, wenn man die Gesellschaft und das Verhältnis zwischen Beamten und ihren Vorgesetzten sowie Politikern und Medienschaffenden in Betracht zieht, aber so richtig konnte der Film bei uns nicht zünden. Die Handlung wurde etwas zu langatmig erzählt, die Kameraführung konnte uns auch nicht überzeugen und das Ende war sehr offen … Nach dem Gucken von „The Journalist“ hatten wir auf jeden Fall das Gefühl, dass die Dokumentation, die wir uns für den Mittwochvormittag vorgenommen hatten, definitiv nur besser sein konnte.

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Für den zweiten Tag der Nippon Connection hatten wir uns „i – Documentary Of The Journalist“ und den Anime „Miss Hokusai“ (den wir im vergangenen Jahr wegen Terminüberschneidungen nicht sehen konnten) vorgenommen. „i – Documentary Of The Journalist“ war nicht nur im Vergleich zum Film „The Journalist“ deutlich besser, sondern auch für sich genommen sehr spannend. Der Dokumentarfilmer Tatsuya Mori hat für diesen Film mehrere Monate lang die Journalistin Isoko Mochizuki bei ihrer Arbeit begleitet und damit nicht nur das zweifelhafte Verhalten diverser Politiker der Abe-Regierung entlarvend dargestellt, sondern auch aufgezeigt, wie sehr Journalisten – speziell die recht hartnäckige Mochizuki –  bei ihrer Arbeit von Regierungsseite behindert werden. Der Film ist fast zwei Stunden lang und selten zuvor hatte ich das Gefühl, dass die Zeit beim Sehen einer Dokumentation so schnell verflogen ist, weil es ständig neue Informationen zu verarbeiten und Situationen einzuordnen galt. Das war wirklich interessant und ich würde „i – Documentary Of The Journalist“ definitiv weiterempfehlen – auch deshalb, weil ich in den Tagen, die seit dem Anschauen vergangen sind, immer wieder an den Film denken musste.

„Miss Hokusai“ sollte uns dann am Nachmittag (vor dem nächsten Handwerkerbesuch) etwas Entspannung bringen. Der Anime dreht sich um Ōi Katsushika, die Tochter des Malers Hokusai, die selbst eine hervorragende Künstlerin war und doch ihr Leben lang im Schatten ihres Vaters stand. Der Film erzählt kleine unterhaltsame Episoden und zeigt so eine energische junge Frau, die noch auf der Suche nach ihren Weg als Künstlerin ist. Dabei fand ich es hübsch, dass im Anime immer wieder berühmte Gemälde der beiden Künstler aufgegriffen wurden (wie „Die große Welle vor Kanagawa“ von Hokusai), und fand es interessant, immer wieder Details zum alltäglichen Leben in Japan zu Beginn des 19. Jahrhundert entdecken zu können. Ich mochte „Miss Hokusai“ sehr, aber ich muss auch zugeben, dass mir der Film wohl nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich einige Anspielungen und Aussagen nur deshalb zuordnen konnte, weil ich vorher die (englischen) Wikipedia-Einträge zu Ōi Katsushika und Hokusai gelesen hatte.

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Was am Donnerstagmorgen schön war? Dass der Strom in der Küche nicht über Nacht wieder asugefallen ist! 😉 Ansonsten sind wir mittags mit der Dokumentation „Prison Circle“ in unseren Filmfestival-Tag gestartet, um dann am Abend noch den Film „Extro“ zu schauen. Für „Prison Circle“ hat die Filmemacherin Kaori Sakagami zwei Jahre lang vier Gefangene im Shimane Asahi Rehabilitation Program Center begleitet. Das 2008 gebaute Gefängnis ist eine ungewöhnliche Einrichtung für japanische Verhältnisse, da dort das sogenannte TC-Programm (Therapeutic Circle) angeboten wird. 40 Gefangenen (von über 40.000 in japanischen Gefängnissen einsitzenden Personen) bekommen dort die Möglichkeit, über Gruppentherapie ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und Wege zu finden, um in Zukunft aus schädlichen Verhaltensmustern auszubrechen und nicht wieder auf die schiefe Bahn zu geraten. Obwohl dieses Konzept schon seit vielen Jahrzehnten in anderen Ländern üblich ist, ist es für Japan eine recht revolutionäre Idee, die erst 2006 eingeführt wurde. Dabei haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass die Gefangenen, die das TC-Programm durchlaufen haben, eine um mehr als 50% geringere Chance haben, rückfällig zu werden, als andere Personen, die aus dem Gefängnis entlassen werden. (Wobei das vermutlich zum Teil auch daran liegt, dass nur Personen, die zum ersten Mal verurteilt wurden, an diesem Programm teilnehmen dürfen.)

Nachdem zu Beginn des Films betont wurde, dass es aufgrund von Auflagen und Gesetzen nicht möglich sein würde, Namen zu verraten, Details zu den verschiedenen Verbrechen zu erwähnen, Interviews zu führen oder gar Gesichter zu zeigen, fragte ich mich schon etwas, wie man mit so wenig Material eine zweistündige Dokumentation füllen soll. Aber man bekommt als Zuschauer trotz diverser Verpixelungen sehr viele Informationen über die vier vorgestellten Gefangenen, über die Taten, die sie begangen haben, und die Umstände, die ihren Charakter geformt haben mit. Auch fand ich es spannend, wie viel die Körpersprache und die Bewegungen der verschiedenen Personen über sie und ihren emotionalen Zustand verrieten, obwohl alle Beteiligten durchgehend sehr zurückhaltend waren. Richtig erschreckend fand ich, wie schwer es all diesen Männern fiel, über ihre Gefühle zu reden, und wie wenig sie in der Lage waren, mit Emotionen umzugehen, und zum Schluss hatte ich eine Menge Fragen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Japan (und den Regelungen rund um Kinderheimen). Am Ende kann ich eigentlich nur die Homepage der Nippon Connection zu diesem Film zitieren mit: „[Prison Circle ist ein] berührendes filmisches Plädoyer, das dazu aufruft, die Idee der Resozialisierung ernst zu nehmen“.

Bei meiner Planung der Woche dachte ich, dass wir nach „Prison Circle“ eher Bedarf für einen heiteren Film haben würden, weshalb wir abends dann „Extro“ geschaut haben. Die Mockumentary hatte uns beide beim ersten Anschauen des Programms spontan angesprochen, da er mit einem älteren Hauptdarsteller (damit haben wir in den vergangenen Jahren einfach gute Erfahrungen gemacht) gedreht wurde und sich mit dem japanischen Filmgeschäft beschäftigt. „Extro“ ist eine wunderbare Liebeserklärung an all die Statisten, die Leben in einen Film bringen, und voller großartiger, absurder Szenen, die einfach nur amüsant und unterhaltsam sind. Es gab so viele Anspielungen auf japanische Filme, auf Schauspieler und auch auf ernsthafte Filmdokumentationen, die wirklich toll umgesetzt waren. Dieser Film hat durchgehend Spaß gemacht und auch jetzt noch muss ich einfach grinsen, wenn ich an all die Charaktere und Dialoge denke. Ich würde zu gern einmal das Drehbuch dazu anschauen, um herauszufinden, wie festgelegt die Dialoge waren und wie viel vielleicht von den Schauspielern improvisiert wurde. 😀

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Da dieser Blogbeitrag doch schon recht lang geworden ist und wir noch ein paar Filme sehen wollen, bevor am Sonntagabend die Nippon-Connection endet, gibt es in den nächsten Tagen einen zweiten „Was schön war“-Post mit lauter Filmeindrücken. Ich fürchte, da müsst ihr jetzt wohl durch … 😉

Was schön war (3)

Die ersten drei Wochen auf einer (nicht mehr ganz so) einsamen Insel:
Das erste Kennenlernen der neuen Nachbarn,
die ersten selbstgefertigten Werkzeuge,
der Umzug von einem Zelt in ein Häuschen,
die vielen Besucher auf meiner Insel
und all die anderen Dinge, die zum ersten Mal zu erleben waren.

Was schön war (2)

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Den (für uns) ersten Roller-Derby-Tag der Saison zu erleben
und sehr viel Spaß dabei zu haben,
obwohl wir aus Zeitgründen
nur zwei von den vier Spielen des Tages sehen konnten.

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bei den Damen wird beim Roller Derby eindeutig mehr Tempo an den Tag gelegt
und das Spiel ist deutlich mehr auf Strategie als auf Kraft ausgelegt
– was mir beides definitiv mehr Freude bereitet als die Herren-Variante.
Oh, und die Frankfurterinnen scheinen zum Saisonstart in sehr guter Form zu sein,
was hoffentlich den Rest des Jahres so bleibt! 🙂

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Knapp zwei Stunden Schnee in diesem Winter
und ich habe es sogar geschafft, ihn zu fotografieren. 😉

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Die monatliche Frühstücksverabredung
mit der ehemaligen Nachbarin
und der anschließende Bummel durch die Innenstadt,
bei dem ich überraschenderweise all die Dinge,
die auf meiner Besorgungsliste standen, ergattern konnte.

Was schön war (1)

An einem sonnigen (und viel zu warmen) Januartag
in die Innenstadt fahren und eine Ausstellung besuchen,
bevor diese ihre Pforten schließt.

Aus dieser Perspektive sehe ich den Main sehr selten.

Die Ausstellung „Meisterstücke – Vom Handwerk der Maler“ im Historischen Museum Frankfurt
hatte zwar leider etwas weniger Handwerkshintergründe zu bieten,
als ich mir nach dem Text der Ausstellungsbeschreibung erhofft hatte,
aber es war trotzdem interessant, die verschiedenen Exponate zu sehen.

„Ein Stück von allerhand Wildvögeln“, Andreas Held (vor 1700) / Ein Ausschnitt aus „Verkündigung an die Hirten“, Johann Heinrich Roos (1668) – um mal die Bandbreite der Kunstwerke zu zeigen

„Der Brand der Stadt Frankfurt“, Josef Schmidt (1797)

Kein „Meisterstück“, aber eine der wenigen Frauen, die in dieser Ausstellung einen Platz fand – wenn auch nur, weil Ursula Magdalena Reinheimer einen anderen Maler porträtierte

Immer wieder wurde dabei betont,
dass ein „Meisterstück“ nicht unbedingt auch ein „Meisterwerk“ sein muss,
da der Maler schließlich nicht seine Qualitäten als Künstler damit beweisen sollte,
sondern die Tatsache, dass er sein Handwerk beherrscht
– beide Punkte waren bei dem einen oder anderen Ausstellungstück unübersehbar. 😉

Ganz unten der Malstock, besonders hübsch fand ich die Form der Palette.

Lustigerweise gab es immer wieder Momente,
wo mich die Exponate an meine eigene Ausbildung oder mein Studium erinnerten.
So ein Malstock war das erste Werkzeug, das ich während der Ausbildung angefertigt habe,
und die ganzen – eher technisch anmutenden – Perspektivzeichnungen kamen mir auch überraschend vertraut vor.

Halber Harnisch – Meisterstück des Ätzmalers Hans Keiser im Jahr 1610 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum)

Entwurf einer Hausfassade von einem unbekannten Weißbinder-Meister im Jahr 1738

Was ich besonders nett fand, war, dass nicht nur die Gemälde,
die als Meisterstücke in Frankfurt (und anderen Städten) eingereicht wurden, zu sehen waren,
sondern auch (Meister-)Stücke anderer Schwerpunkte der Malergilden
oder gar anderer Handwerksbereiche.

Schokoladenkuchen im Museumscafé

Abgerundet habe ich dann meinen Musumsbesuch
– ganz traditionell – mit einem Stück Kuchen
und mir wieder einmal vorgenommen,
dass ich doch häufiger all die Museumsangebote der Stadt nutzen möchte.