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Was schön war (4): Urlaub und japanisches Filmfestival (1)

In diesem Jahr ist ja alles ein bisschen anders, und so gibt es das japanische Filmfestival „Nippon Connection“ nicht nur im Juni (9. bis 14.) statt im Mai, sondern auch ausschließlich online. Mein Mann hatte schon im Januar seine zwei Wochen Urlaub beantragt und da nun die ganzen Fahrzeiten wegfielen und wir pro Film nur einmal den „Eintrittspreis“ bezahlen mussten, haben wir uns zwei Filme pro Tag vorgenommen. Das ist jetzt nicht soooo viel, aber so konnten wir sicher sein, dass wir uns auch am Ende der Woche noch an alle Filme und die dazugehörigen Details erinnern. 😉

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Los ging die Nippon Connection für uns am Dienstag mit der Dokumentation „Book-Paper-Scissors“ und dem Film „The Journalist“ los. „Book-Paper-Scissors“ wurde von der Regisseurin Nanako Hirose gedreht und porträtiert Nobuyoshi Kikuchi, der sich in den vergangenen 50 Jahre auf die Gestaltung von Buchcovern spezialisiert hat. Der Künstler ist in Japan nicht nur wegen seiner Coverdesigns bekannt, sondern auch für seine Essays, die sich um die Themen Antiquitäten, Kunst, Essen und allgemein das Leben drehen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich einige Details nicht angemessen würdigen konnte, weil ich mit den japanischen Schriftzeichen – die natürlich einen großen Raum bei der Gestaltung von Buchcovern einnehmen – nicht vertraut genug bin, fand ich es sehr spannend, mehr über Nobuyoshi Kikuchi zu erfahren. Der Künstler arbeitet noch (vermeintlich altmodisch) mit Schere und Kleber statt mit einem Bildbearbeitungsprogramm, und ihm bei der Arbeit zuzusehen gab mir das Gefühl, dass ihm dies einen anderen Zugang zu seinen Entwürfen gibt als jemandem, der vollständig auf moderne Techniken setzt und so bei der Arbeit kein haptisches Element miteinbeziehen kann. Neben diesen kleinen Einblicken in seine Arbeitsweise und seine Herangehensweise an ein neues Design zeigt der Film auch, dass auch die Buchindustrie in Japan gerade an einem Scheidepunkt steht und es nicht sicher ist, dass diese liebevoll gearbeiteten und künstlerisch wertvollen Bücher eine langfristige Zukunft haben werden. Alles in Allem war „Book-Paper-Scissors“ eine eher ruhig erzählte und faszinierende Dokumentation über einen Mann und seinen ganz speziellen Kunstbereich, und ich habe diesen Film als meinen persönlichen Start in die Nippon Connection sehr genossen.

Nach einem abendlichen Handwerkerbesuch (der später als erwartet, aber dafür fast genauso fruchtlos wie erwartet war 😉 ) ging es dann weiter mit „The Journalist“, auf den wir uns wegen des Themas und der Tatsache, dass er auf einem Buch (bzw. einer Doku) basiert, sehr gefreut hatten. Der Film dreht sich um die Journalistin Yoshioka und den Beamten Sugihara, die beide aus unterschiedlichen Gründen auf einen Skandal aufmerksam werden, der bis in höchste Regierungskreise reicht. Je weiter ihre Recherchen gehen, desto größer werden die Bedrohungen, die man ihnen entgegenstellt. Wie gesagt, wir hatten uns sehr auf den Film gefreut, weil wir grundsätzlich „Journalisten decken Verschwörungen auf“-Filme mögen und das Thema in Japan noch einmal eine ganz andere Sache ist, wenn man die Gesellschaft und das Verhältnis zwischen Beamten und ihren Vorgesetzten sowie Politikern und Medienschaffenden in Betracht zieht, aber so richtig konnte der Film bei uns nicht zünden. Die Handlung wurde etwas zu langatmig erzählt, die Kameraführung konnte uns auch nicht überzeugen und das Ende war sehr offen … Nach dem Gucken von „The Journalist“ hatten wir auf jeden Fall das Gefühl, dass die Dokumentation, die wir uns für den Mittwochvormittag vorgenommen hatten, definitiv nur besser sein konnte.

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Für den zweiten Tag der Nippon Connection hatten wir uns „i – Documentary Of The Journalist“ und den Anime „Miss Hokusai“ (den wir im vergangenen Jahr wegen Terminüberschneidungen nicht sehen konnten) vorgenommen. „i – Documentary Of The Journalist“ war nicht nur im Vergleich zum Film „The Journalist“ deutlich besser, sondern auch für sich genommen sehr spannend. Der Dokumentarfilmer Tatsuya Mori hat für diesen Film mehrere Monate lang die Journalistin Isoko Mochizuki bei ihrer Arbeit begleitet und damit nicht nur das zweifelhafte Verhalten diverser Politiker der Abe-Regierung entlarvend dargestellt, sondern auch aufgezeigt, wie sehr Journalisten – speziell die recht hartnäckige Mochizuki –  bei ihrer Arbeit von Regierungsseite behindert werden. Der Film ist fast zwei Stunden lang und selten zuvor hatte ich das Gefühl, dass die Zeit beim Sehen einer Dokumentation so schnell verflogen ist, weil es ständig neue Informationen zu verarbeiten und Situationen einzuordnen galt. Das war wirklich interessant und ich würde „i – Documentary Of The Journalist“ definitiv weiterempfehlen – auch deshalb, weil ich in den Tagen, die seit dem Anschauen vergangen sind, immer wieder an den Film denken musste.

„Miss Hokusai“ sollte uns dann am Nachmittag (vor dem nächsten Handwerkerbesuch) etwas Entspannung bringen. Der Anime dreht sich um Ōi Katsushika, die Tochter des Malers Hokusai, die selbst eine hervorragende Künstlerin war und doch ihr Leben lang im Schatten ihres Vaters stand. Der Film erzählt kleine unterhaltsame Episoden und zeigt so eine energische junge Frau, die noch auf der Suche nach ihren Weg als Künstlerin ist. Dabei fand ich es hübsch, dass im Anime immer wieder berühmte Gemälde der beiden Künstler aufgegriffen wurden (wie „Die große Welle vor Kanagawa“ von Hokusai), und fand es interessant, immer wieder Details zum alltäglichen Leben in Japan zu Beginn des 19. Jahrhundert entdecken zu können. Ich mochte „Miss Hokusai“ sehr, aber ich muss auch zugeben, dass mir der Film wohl nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich einige Anspielungen und Aussagen nur deshalb zuordnen konnte, weil ich vorher die (englischen) Wikipedia-Einträge zu Ōi Katsushika und Hokusai gelesen hatte.

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Was am Donnerstagmorgen schön war? Dass der Strom in der Küche nicht über Nacht wieder asugefallen ist! 😉 Ansonsten sind wir mittags mit der Dokumentation „Prison Circle“ in unseren Filmfestival-Tag gestartet, um dann am Abend noch den Film „Extro“ zu schauen. Für „Prison Circle“ hat die Filmemacherin Kaori Sakagami zwei Jahre lang vier Gefangene im Shimane Asahi Rehabilitation Program Center begleitet. Das 2008 gebaute Gefängnis ist eine ungewöhnliche Einrichtung für japanische Verhältnisse, da dort das sogenannte TC-Programm (Therapeutic Circle) angeboten wird. 40 Gefangenen (von über 40.000 in japanischen Gefängnissen einsitzenden Personen) bekommen dort die Möglichkeit, über Gruppentherapie ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und Wege zu finden, um in Zukunft aus schädlichen Verhaltensmustern auszubrechen und nicht wieder auf die schiefe Bahn zu geraten. Obwohl dieses Konzept schon seit vielen Jahrzehnten in anderen Ländern üblich ist, ist es für Japan eine recht revolutionäre Idee, die erst 2006 eingeführt wurde. Dabei haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass die Gefangenen, die das TC-Programm durchlaufen haben, eine um mehr als 50% geringere Chance haben, rückfällig zu werden, als andere Personen, die aus dem Gefängnis entlassen werden. (Wobei das vermutlich zum Teil auch daran liegt, dass nur Personen, die zum ersten Mal verurteilt wurden, an diesem Programm teilnehmen dürfen.)

Nachdem zu Beginn des Films betont wurde, dass es aufgrund von Auflagen und Gesetzen nicht möglich sein würde, Namen zu verraten, Details zu den verschiedenen Verbrechen zu erwähnen, Interviews zu führen oder gar Gesichter zu zeigen, fragte ich mich schon etwas, wie man mit so wenig Material eine zweistündige Dokumentation füllen soll. Aber man bekommt als Zuschauer trotz diverser Verpixelungen sehr viele Informationen über die vier vorgestellten Gefangenen, über die Taten, die sie begangen haben, und die Umstände, die ihren Charakter geformt haben mit. Auch fand ich es spannend, wie viel die Körpersprache und die Bewegungen der verschiedenen Personen über sie und ihren emotionalen Zustand verrieten, obwohl alle Beteiligten durchgehend sehr zurückhaltend waren. Richtig erschreckend fand ich, wie schwer es all diesen Männern fiel, über ihre Gefühle zu reden, und wie wenig sie in der Lage waren, mit Emotionen umzugehen, und zum Schluss hatte ich eine Menge Fragen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Japan (und den Regelungen rund um Kinderheimen). Am Ende kann ich eigentlich nur die Homepage der Nippon Connection zu diesem Film zitieren mit: „[Prison Circle ist ein] berührendes filmisches Plädoyer, das dazu aufruft, die Idee der Resozialisierung ernst zu nehmen“.

Bei meiner Planung der Woche dachte ich, dass wir nach „Prison Circle“ eher Bedarf für einen heiteren Film haben würden, weshalb wir abends dann „Extro“ geschaut haben. Die Mockumentary hatte uns beide beim ersten Anschauen des Programms spontan angesprochen, da er mit einem älteren Hauptdarsteller (damit haben wir in den vergangenen Jahren einfach gute Erfahrungen gemacht) gedreht wurde und sich mit dem japanischen Filmgeschäft beschäftigt. „Extro“ ist eine wunderbare Liebeserklärung an all die Statisten, die Leben in einen Film bringen, und voller großartiger, absurder Szenen, die einfach nur amüsant und unterhaltsam sind. Es gab so viele Anspielungen auf japanische Filme, auf Schauspieler und auch auf ernsthafte Filmdokumentationen, die wirklich toll umgesetzt waren. Dieser Film hat durchgehend Spaß gemacht und auch jetzt noch muss ich einfach grinsen, wenn ich an all die Charaktere und Dialoge denke. Ich würde zu gern einmal das Drehbuch dazu anschauen, um herauszufinden, wie festgelegt die Dialoge waren und wie viel vielleicht von den Schauspielern improvisiert wurde. 😀

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Da dieser Blogbeitrag doch schon recht lang geworden ist und wir noch ein paar Filme sehen wollen, bevor am Sonntagabend die Nippon-Connection endet, gibt es in den nächsten Tagen einen zweiten „Was schön war“-Post mit lauter Filmeindrücken. Ich fürchte, da müsst ihr jetzt wohl durch … 😉

Was schön war (3)

Die ersten drei Wochen auf einer (nicht mehr ganz so) einsamen Insel:
Das erste Kennenlernen der neuen Nachbarn,
die ersten selbstgefertigten Werkzeuge,
der Umzug von einem Zelt in ein Häuschen,
die vielen Besucher auf meiner Insel
und all die anderen Dinge, die zum ersten Mal zu erleben waren.

Was schön war (2)

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Den (für uns) ersten Roller-Derby-Tag der Saison zu erleben
und sehr viel Spaß dabei zu haben,
obwohl wir aus Zeitgründen
nur zwei von den vier Spielen des Tages sehen konnten.

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bei den Damen wird beim Roller Derby eindeutig mehr Tempo an den Tag gelegt
und das Spiel ist deutlich mehr auf Strategie als auf Kraft ausgelegt
– was mir beides definitiv mehr Freude bereitet als die Herren-Variante.
Oh, und die Frankfurterinnen scheinen zum Saisonstart in sehr guter Form zu sein,
was hoffentlich den Rest des Jahres so bleibt! 🙂

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Knapp zwei Stunden Schnee in diesem Winter
und ich habe es sogar geschafft, ihn zu fotografieren. 😉

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Die monatliche Frühstücksverabredung
mit der ehemaligen Nachbarin
und der anschließende Bummel durch die Innenstadt,
bei dem ich überraschenderweise all die Dinge,
die auf meiner Besorgungsliste standen, ergattern konnte.

Was schön war (1)

An einem sonnigen (und viel zu warmen) Januartag
in die Innenstadt fahren und eine Ausstellung besuchen,
bevor diese ihre Pforten schließt.

Aus dieser Perspektive sehe ich den Main sehr selten.

Die Ausstellung „Meisterstücke – Vom Handwerk der Maler“ im Historischen Museum Frankfurt
hatte zwar leider etwas weniger Handwerkshintergründe zu bieten,
als ich mir nach dem Text der Ausstellungsbeschreibung erhofft hatte,
aber es war trotzdem interessant, die verschiedenen Exponate zu sehen.

„Ein Stück von allerhand Wildvögeln“, Andreas Held (vor 1700) / Ein Ausschnitt aus „Verkündigung an die Hirten“, Johann Heinrich Roos (1668) – um mal die Bandbreite der Kunstwerke zu zeigen

„Der Brand der Stadt Frankfurt“, Josef Schmidt (1797)

Kein „Meisterstück“, aber eine der wenigen Frauen, die in dieser Ausstellung einen Platz fand – wenn auch nur, weil Ursula Magdalena Reinheimer einen anderen Maler porträtierte

Immer wieder wurde dabei betont,
dass ein „Meisterstück“ nicht unbedingt auch ein „Meisterwerk“ sein muss,
da der Maler schließlich nicht seine Qualitäten als Künstler damit beweisen sollte,
sondern die Tatsache, dass er sein Handwerk beherrscht
– beide Punkte waren bei dem einen oder anderen Ausstellungstück unübersehbar. 😉

Ganz unten der Malstock, besonders hübsch fand ich die Form der Palette.

Lustigerweise gab es immer wieder Momente,
wo mich die Exponate an meine eigene Ausbildung oder mein Studium erinnerten.
So ein Malstock war das erste Werkzeug, das ich während der Ausbildung angefertigt habe,
und die ganzen – eher technisch anmutenden – Perspektivzeichnungen kamen mir auch überraschend vertraut vor.

Halber Harnisch – Meisterstück des Ätzmalers Hans Keiser im Jahr 1610 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum)

Entwurf einer Hausfassade von einem unbekannten Weißbinder-Meister im Jahr 1738

Was ich besonders nett fand, war, dass nicht nur die Gemälde,
die als Meisterstücke in Frankfurt (und anderen Städten) eingereicht wurden, zu sehen waren,
sondern auch (Meister-)Stücke anderer Schwerpunkte der Malergilden
oder gar anderer Handwerksbereiche.

Schokoladenkuchen im Museumscafé

Abgerundet habe ich dann meinen Musumsbesuch
– ganz traditionell – mit einem Stück Kuchen
und mir wieder einmal vorgenommen,
dass ich doch häufiger all die Museumsangebote der Stadt nutzen möchte.

Was schön war (7)

Ein Geburtstag voller Anrufe und Emails,
voller lieber Wünsche für mein kommendes Lebensjahr
und natürlich auch voller neuer Bücher.

 

Lauter kleine
UFO-Mittagspausen,
die in den vergangenen Tagen dafür gesorgt haben,
dass ich überraschend viel erledigt bekam.

 

An dunklen Dezembernachmittagen
eine Lesestunde einrichten können
mit Tee und Keksen und Adventsbeleuchtung.

Was schön war (6)

Nach so langer Zeit wieder eine funktionierende – da neue – Klingel- und Sprechanlage zu haben
und somit auch endlich ein paar Sachen bestellen zu können,
die wir in den letzten Monaten nicht vor Ort auftreiben konnten.

Sich durch all die CDs wühlen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben,
und sich die Ruhe und Zeit gönnen, um bewusst Musik zu genießen.
(Und der Lage zu sein, direkt nach dem Ausfall der alten Stereoanlage eine neue kaufen zu können.)

Zu sehen, wie viel mehr Ordnung ein simples Regal im Flur in die Wohnung bringt.
(Endlich ein fester Platz für Werkzeug, Schals und Handschuhe und die Einkaufs-Rucksäcke.)

Von der Begleitung nachgereichtes Foto von meinem Burger und meinem Schokokuchen zum Nachtisch. Sehr lecker! 🙂

Die Verabredung am heutigen Abend mit Menschen,
die ich noch nicht so lange kenne, aber sehr sympathisch finde,
in einem Restaurant, das wir neu ausprobieren wollten. 🙂

Was schön war (5)

Rib-eye Steak für ihn, Spinat-Flammkuchen für mich.

Den 13. Hochzeitstag mit leckerem Essen begehen,
gerade weil wir das Feiern dieses Tages bislang
nicht sehr oft auf die Reihe bekommen haben.

Die Forgotten-Circles-Erweiterung für das Gloomhaven-Brettspiel.

Nachschub für die Gloomhaven-Spielrunden bekommen,
auch wenn wir mit den Grundspiel noch lange nicht so weit sind,
dass uns die Herausforderungen und neuen Charaktere ausgehen. *g*

So ein riesiges Bett … *g*

Die erste Nacht im neuen und deutlich breiteren Bett verbracht
und somit die erste Nacht in 18 Jahren erlebt,
in der wir uns umdrehen konnten,
ohne auf dem anderen zu landen. 😉

Was schön war (4): Urlaub und Filmfestival

So richtig schön begann unser Urlaub nicht, nachdem ich am Dienstag unterwegs so richtig heftig den Asphalt geküsst hatte. Ich weiß nicht, ob ich umgeknickt oder ausgerutscht bin oder ob mein Kreislauf mich angesichts eines schwül-regnerischen Tages im Stich gelassen hatte, auf jeden Fall fand ich mich bäuchlings auf der Straße wieder und hatte mir rechts Hand- und Fußgelenk sowie beide Knie angeschlagen. Glücklicherweise half eine Kombination aus Kühlakkus, Bandagen und Schmerzmitteln, mich so weit beweglich zu halten, dass ich trotzdem am nächsten Tag den ersten Film sehen konnte, aber so richtig fit bin ich auch drei Wochen nach dem Sturz noch immer nicht. Das Ganze hat dann dafür gesorgt, dass wir in der zweiten Urlaubswoche ein paar geplante Unternehmungen streichen mussten, was wirklich ärgerlich war, und auch in der vergangenen Woche habe ich alles weiterhin etwas langsamer angehen müssen.

Los ging das japanische Filmfest für mich dann am Mittwochabend mit „Marriage Hunting Beauty“. Da ein als „romantische Komödie“ angekündigter Film für meinen Mann nicht das richtige ist, war ich mit der ehemaligen Nachbarin im Kino. Die Geschichte drehte sich um Takako, die mit Anfang 30 auf einmal den Beschluss fasst, dass sie heiraten will. Dass diese ganze Idee aus einer allgemeinen Unzufriedenheit mit ihrem Leben heraus geboren wurde und von der Vorstellung genährt ist, dass ihre verheiratete Freundin doch viel zufriedener durchs Leben geht, ist von Anfang an unübersehbar. Lustig waren all die kleinen Begegnungen mit „potenziellen Heiratskandidaten“, die Takako über eine App gefunden hatte. Doch besonders hat mir gefallen, dass man Takako und ihre Freundin im Laufe des Films besser kennenlernt und beide merken, dass das Leben der anderen nicht so beneidenswert ist, wie sie immer gedacht haben, und dass es in ihrer eigenen Hand liegt, etwas an den Dingen zu ändern, die sie unzufrieden sein lassen. Ich mochte auch, dass Takako am Ende nicht verheiratet, aber (zumindest für den Moment) sehr zufrieden mit ihrem Leben war. Alles in allem war der Film weniger komisch oder romantisch, als nach der Inhaltsangabe und dem Trailer zu erwarten war, dafür waren die Charaktere wunderbar realistisch dargestellt, was den Film für mich umso sehenswerter gemacht hat.

Am nächsten Tag gab es den Film „Inuyashiki“ für meinen Mann und mich. „Inuyashiki“ ist die Verfilmung einer Mangareihe, die auf Deutsch unter dem Titel „Last Hero Inuyashiki“ veröffentlicht wurde. Zu Beginn lernt man Herrn Inuyashiki kennen. Er ist ein einfacher, zurückhaltender Büroangestellter, der weder bei der Arbeit noch in seiner Familie besonders geschätzt wird. Als Inuyashiki (sehr schön gespielt von Noritake Kinashi) eines Abends in den nahgelegenen Park geht, passiert dort ein seltsames Unglück, das dafür sorgt, dass er (ebenso wie der zum selben Zeitpunkt anwesender Schüler Shishigami) in einen Androiden verwandelt wird. Nach und nach entdeckt er seine neuen Fähigkeiten und setzt diese heimlich dazu ein, anderen Menschen beizustehen. Shishigami hingegen wird von seinen neuen Fähigkeiten (und einer erbarmungslosen Gesellschaft) dazu verführt, sich „unmenschlich“ zu verhalten, so dass es am Ende einen Kampf zwischen Inuyashiki und dem Schüler gibt. Das Ganze war nettes, amüsantes und actionreiches Popcorn-Kino und hat uns gut unterhalten – vor allem, da die Geschichte durch die filmische Umsetzung wirklich profitiert hat, denn der Manga selbst ist etwas langatmig und beinhaltet die eine oder andere Wendung zu viel, um wirklich überzeugen zu können.

Freitag ging es dann weiter mit „The Chaplain“ – ein wirklich großartiger Film, der uns sehr überrascht hat. Eigentlich sind wir nur in den Film gegangen, weil es der letzte Film des Schauspielers Ren Osugi war, bevor dieser im vergangenen Jahr gestorben ist. Die Geschichte dreht sich um einen Seelsorger in einem Gefängnis, in dem Menschen sitzen, die zum Tode verurteilt wurden. Der Regisseur und Drehbuchautor Dai Sako, der nach der Vorführung des Films zu einer Fragerunde zur Verfügung stand, meinte zwar, dass er den Film nicht gezielt als Kritik an der Todesstrafe, die in Japan immer noch üblich ist, gedreht habe, dass es ihm aber mit diesem Film gelungen sei, eine Diskussion in Japan auszulösen. Der ganze Film ist sehr Kammerspiel-artig gedreht, so gut wie alle Szenen finden in einem kleinen Raum statt, wo der Seelsorger (in Anwesenheit eines Wächters) mit den verschiedenen Gefangenen spricht. Das führt zu einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit den verschiedenen Figuren, vor allem, da die Darsteller ihre Sache wirklich großartig machen, was zum Teil umso erstaunlicher ist, weil die Hälfte von ihnen nicht einmal professionelle bzw. erfahrene Schauspieler waren. Überraschend war auch, wie viel Humor trotz des ernsten Themas in dem Film steckte. Ein sehr ruhiger und sehr eindringlicher Film, den ich theoretisch jedem ans Herz legen würde – dummerweise gibt es (noch?) keine DVD-Veröffentlichung. Wenn es noch dazu kommen sollte, wäre das definitiv ein Film, den ich mir anschaffen würde.

Am Samstag hat sich dann die ehemalige Nachbarin zusammen mit einer Freundin zu uns gesellt, um „Room Laundering“ zu sehen. In Japan muss ein Vermieter bzw. Makler potenzielle Interessenten darüber aufklären, wenn es in einer Wohnung schon einmal zu einem Todesfall gekommen ist. Um diesen „Makel“ von der Wohnung zu nehmen, gibt es Menschen, die sich aufs „Room Laundering“ spezialisiert haben und in diese Wohnungen ziehen. Die 20jährige Miko wird von ihrem Onkel Goro zum „Room Laundering“ benutzt, was angesichts der Tatsache, dass sie Geister sehen kann, eine besondere Herausforderung ist. Normalerweise lässt sie die Geister nicht spüren, dass sie sie sehen kann, doch im Laufe des Films gibt sie ihre Distanz gegenüber den Geistern auf und lässt sich von diesen sogar dazu überreden, den Mord an einer jungen Frau aufzuklären. Die Geschichte war eine nette Mischung aus lustigen Momenten (mit den verschiedenen Geistern und dem halbkriminellen Onkel der Protagonistin) und Familiendrama rund um die verschwundene Mutter des Mädchen, aber stellenweise zog sich die Geschichte – gerade bei dem etwas zu vorhersehbaren Familliendrama – etwas hin. Trotzdem habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt und den Film gemocht.

Zum Abschluss haben wir am Sonntag dann – ebenfalls wieder in Begleitung der ehemaligen Nachbarin und ihrer Freundin – noch „Ramen Shop“ geschaut. Das war schon wieder ein Film mit Familiendrama, irgendwie hatten wir wohl in diesem Jahr ein Händchen dafür, obwohl das eigentlich nicht unser Thema ist. Bei „Ramen Shop“ begleitet man den jungen Koch Masato – nach dem plötzlichen Tod seines Vaters – auf der Suche nach der Familie seiner Mutter. Alles was Masato weiß, ist, dass seine Mutter aus Singapur stammte, wo er auch geboren wurde, und dass es zu einem Bruch mit ihrer chinesischstämmigen Familie kam, als sie Masatos japanischen Vater heiratete. Über das Kochen nähert sich Masato seiner Familiengeschichte an, was zu vielen wunderbaren Essensszenen führte, und man konnte vielen Erinnerungen an seine Kindheit und die Gerichte, die ihm seine Mutter gekocht hat, mitverfolgen. Die Verknüpfung von Essen und Familiengeschichte mochte ich, auch wenn es für mich das Drama um die Großmutter in diesem Ausmaß nicht benötigt hätte. Aber es war dem Regisseur Eric Khoo wohl wichtig, nicht nur die Verbindung zwischen Essen und Zusammenhalt in der Familie, sondern auch die schwierige japanische Geschichte inklusive Kriegsgräuel aufzugreifen. (Oh, und wenn ich das gerade richtig sehe, dann läuft der Film auch noch in verschiedenen Kinos in Deutschland und auf DVD ist er auch demnächst erhältlich!)

Dieser Film war dann auch der Abschluss des Festivals, weshalb es davor diverse Preisverleihungen gab. Ich könnte somit nun feststellen, dass ich deutlich lieber den Abschlussfilm als den Eröffnungsfilm schaue, weil die anfänglichen Reden weniger interessant sind als die Preisverleihungen. Insgesamt hat das aber dafür gesorgt, dass wir über drei Stunden in diesem Kino saßen, was grundsätzlich schon zu lang für die beengte Bestuhlung ist und mit schmerzenden Gliedmaßen noch mal ein wenig unangenehmer wurde. Am Ende bin ich regelrecht aus dem Stuhl geschossen, weil ich keine Minute länger meine Knie in der beengten Position halten konnte. *g*

Ansonsten brachte der Urlaub noch einige schöne Momente mit meinem Mann, etwas Spielzeit, gemütliche Treffen mit anderen Leute, leckeres Essen und sehr viel erholsame Stunden (mit Kühlakku) auf dem Sofa. Spannend finde ich, dass es immer in dieser letzten Maiwoche auf einmal richtig heiß wird in Frankfurt – wobei wir in diesem Jahr noch Glück hatten und die Nächte noch relativ kühl waren und die Kinos sich deshalb nicht so extrem aufheizten wie in den vergangenen Jahren. 2020 findet die Nippon Connection ausnahmsweise in einem etwas späteren Zeitraum (9. bis 14. Juni) statt, und ich bin schon gespannt, welche Filme es dann zu sehen geben wird (und wie viele Leute wir bis dahin mit dem Filmfest neu angesteckt haben werden 😉 ).

Was schön war (3)

Zu sehen, wie das kranke Kätzchen
einen Löffel Joghurt aufschleckt,
und dass es nach einer Woche krank sein
zwar noch nicht wieder gesund, aber doch fitter ist.

Die erste heiße Dusche
nach vier Tagen ohne warmes Wasser
und die „Dankeschön“-Blumen von der Nachbarin,
deren Wohnung ich während
der Woche voller Handwerker mitbetreut habe.

Ein Care-Paket
für meinen Mann und mich
voll mit lieben Worten,
Schokolade und Lesestoff.

Eine Woche mit Besuch,
gemütlichen gemeinsamen Stunden,
viel unterwegs sein,
leckerem Essen und den
ersten Roller-Derby-Spielen der Saison.

Was schön war (2): Ein Urlaubswochenende

Ein langes Wochenende
bei meiner ältesten Freundin verbracht.

Trotz Zugausfall, Verspätungen und weiteren Probleme
Glück bei den Bahnfahrten und
insgesamt nicht mehr als eine Stunde Verspätung gehabt.
Dabei entdeckt, wie schön das Reisen im Fahrradabteil ist
– inklusive Beinfreiheit, Ruhe und einer schönen Aussicht.

Viel gesehen und
viele Stunden geredet und
viele „weißt du noch“-Momente erlebt
– nur unterbrochen von leckerem Essen und Getränken.