Angesicht der Büchermassen, die ich gerade in Kartons stecke, und der immer wieder überraschenden Erkenntnis, wie wenige Bücher doch in einen Karton passen, ist es wohl kein Wunder, dass ich zur Zeit immer wieder über die Vor- und Nachteile von eBooks nachdenke. Dieser Umzug wäre so viel einfacher (und günstiger), wenn ich meine Bücher zum größten Teil als Daten auf dem eReader hätte. Vor allem, da ich ja inzwischen auch regelmäßig eBooks lese und auch ein paar Vorteile daran entdeckt habe, würde es sich theoretisch in Zukunft anbieten, in erster Linie Dateien zu kaufen.
Ich mag zum Beispiel, dass ich die Schriftgröße so weit erhöhen kann, dass ich auch in der Dämmerung oder mit müden Augen noch gut lesen kann. Außerdem kann ich mit dem eReader auch Bücher lesen, während ich stricke, weil ich das Buch nicht mit der Hand geöffnet halten muss und mit einem einfachen Tastendruck umblättern kann. (Ja, mein eReader ist so alt, dass er Tasten hat, und ich liebe ihn dafür! So kann ich ihn z.B. auch nutzen, wenn ich mir gerade die Hände eingecremt habe, was ich nicht machen würde, wenn ich über den Bildschirm wischen müsste, oder wenn eine Katze so auf mir liegt, dass ich gerade noch ein Fingerzucken auf die Reihe bekomme, aber keine größere Geste.) Ich habe auch keine Hemmungen, den Reader mit zum Kochen in die Küche oder mit ins Badezimmer zu nehmen, während ich meine gedruckten Bücher lieber nicht irgendwo rumliegen lasse, wo sie Wasserflecken oder Ölspritzer abbekommen könnten.
Trotz all dieser Vorteile sind mir meine gedruckten Bücher aber viel zu wichtig, um auf eBooks umzusteigen. Dabei geht es mir nicht darum, den Hamster in mir zu befriedigen, dem es einfach gefällt, wenn er vor gefüllten Regalen steht, oder mich an besonderen Ausgaben zu erfreuen. Denn – und da muss ich ehrlich sein – so schön ich ein ordentliches Bücherregal finde, so sehen meine Regale selten ordentlich aus (da ich immer zu viele Bücher pro Regalbrett reinstopfen muss), und es ist auch nicht gerade besonders ästhetisch, wenn man von einem Autor vier nicht zueinander passende Ausgaben einer Reihe nebeneinander stehen hat, weil das nun mal die einzige (oder günstigste) Möglichkeit war, die Bücher zu bekommen. Mir geht es vor allem um mein Leseverhalten, das bei gedruckten Büchern nun einmal anders ist als bei eBooks.
Ich lese viel und ich lese schnell, weshalb es gut ist, dass ich häufig Romane mehrfach lese. Es gibt Bücher in meinem Bestand, die ich (unter normalen Umständen) jedes Jahr wieder in die Hand nehme und genieße. Andere fische ich mir gern aus dem Regal, blättere zu meinen Lieblingsstellen und lese die noch einmal, um Erinnerungen aufzufrischen oder einfach eine bestimmte Passage noch einmal zu genießen. Und während ich dieses Blättern bei einem gedruckten Buch in wenigen Sekunden auf die Reihe bekomme, muss ich beim eBook mühsam zwischen Inhaltsverzeichnis (wenn überhaupt vorhanden) und den Kapiteln wechseln und blättern, blättern, blättern, bis ich an der richtigen Stelle bin. So dauert es länger, zu der gesuchten Passage zu kommen, als ich zum Lesen brauche. Das finde ich überaus lästig.
Auch das Nachschlagen von Personennamen (mein Namensgedächtnis ist nun mal grauenhaft) zum Beispiel für Rezensionen ist nervig bei einem eBook – und ich habe keine Lust, beim Lesen vorsichtshalber schon mal jede vorkommende Person zu notieren, nur weil ich sie eventuell in einer meiner Rezensionen erwähnen wollen könnte. (Wer mal drauf achten mag, wird feststellen, dass ich bei eBook-Rezensionen deutlich seltener Nebenfiguren mit Namen benenne als bei gedruckten Büchern. *g*) Überhaupt fällt mir bei eBooks immer wieder auf, wie oft ich normalerweise beim Lesen zurückblättern würde, um etwas nachzuschauen oder eine Passage noch einmal mit dem Wissen um die spätere Handlungsentwicklung zu lesen, und es ärgert mich, dass ich mir dieses Nachschlagen und Genießen bei einem eBook in der Regel verkneife, weil es eben nicht so einfach möglich ist.
Auch merke ich immer wieder, dass ich bei eBooks weniger Geduld habe, wenn ich einen Titel in die Finger bekomme, der etwas mehr Aufmerksamkeit beansprucht. Mir fehlt das Gefühl für den Seitenumfang, für das Voranschreiten der Geschichte und die Ermutigung bei etwas zäheren Passagen, die dadurch entsteht, dass ich sehen kann, dass ich nur noch ein Drittel des Buches vor mir habe und deshalb vermutlich das Ganze bald anziehen wird. Bei Büchern, die mich sehr fordern, nehme ich mir oft eine feste Seitenzahl pro Tag vor, was mit den Prozentzahlen, die mir mein Reader anzeigt, für mich nicht funktioniert. Wenn man dann noch bedenkt, wie wenige „herausfordernde“ Bücher ich im vergleich zu fluffigen Romanen lese, befürchte ich, dass ich auf diese bewussten Herausforderungen ganz verzichten würde, wenn ich auf eBooks umsteigen würde.
Außerdem stelle ich fest, dass ich eBooks viel seltener noch einmal lese. Was – wie ich zugeben muss – auch damit zusammenhängt, dass ich auf meinem Reader mehrere Ordner habe, in denen die Titel alphabetisch nach Autorenname aufgelistet sind. Erst einmal ist diese Auflistung nicht immer korrekt, weil bei manche Dateien der Autorenname nicht richtig angegeben wurde (also nicht so, dass das Gerät den Nachnamen auch eindeutig als solchen erkennt), dann scrolle ich nun einmal nicht so gern durch Listen, um mir Inspiration für meine nächste Lektüre zu suchen, und zwischen den Ordnern zu wechseln ist auch deutlich lästiger als mal eben einen Schritt zur Seite zu machen, um ein anderes Genre im Regal ins Auge zu fassen. Das Ganze wäre vermutlich nicht ganz so schlimm, wenn ich eine Regalansicht mit Covern auf meinem Gerät hätte, aber wirklich reizvoll finde ich so eine Ansicht auch nicht, wie ich dank der diversen Plattformen mit eBook-Angeboten sagen kann.
Zuletzt ist es noch so, dass ich wirklich gerne gedruckte Bücher in den Händen halte. Selbst die dicken Wälzer, die auf Dauer zu schmerzenden Handgelenken führen und die man nur längere Zeit am Stück lesen kann, wenn man sie auf der Sofalehne oder einem Tisch ablegt, finde ich angenehmer als den dünnen Reader zu halten. Dabei ist mein altes Gerät im Vergleich zu neueren Readern sogar verhältnismäßig dick und schwer, aber er liegt trotzdem nicht so gut in der Hand wie die meisten Bücher es tun. Außerdem ich finde es erholsam, wenn ich, nachdem ich jeden Tag Stunden vor dem Bildschirm verbringe, auf Papier blicken kann, statt schon wieder von einem Bildschirm angestrahlt zu werden (selbst wenn mein Reader keinen beleuchteten Bildschirm hat).
So bleibt es wohl auch in Zukunft dabei, dass ich versuche, irgendwie genügend Regalplatz in der Wohnung zu schaffen und bei jedem Umzug über all die Kartons entsetzt bin. Und dabei habe ich bei all den Gedanken zum Thema eBooks nicht mal über Comics, Manga und Spiele geredet, ebensowenig wie über die Tatsache, dass mein Mann nicht nur großteils ähnliche Hobbies hat wie ich, sondern auch noch eine Sammlung von Schallplatten und Brettspielen …