Auch wenn das Herbstlesen „offiziell“ nur an den Wochenenden stattfindet, dachte ich mir, dass ich schon heute einen Beitrag dazu schreiben könnte. Schließlich werde ich den Tag wohl vor allem mit einem Buch vor der Nase verbringen und nachtmittags mit meinem Mann wieder eine Brettspielrunde einlegen. Draußen ist es gerade noch regenwolkig und grau und ich freu mich schon darauf heute gemütlich mit einer Decke auf dem Sofa zu lesen. In den letzten Tagen habe ich eigentlich gar nicht sooooo wenig Lesezeit gehabt, wenn man bedenkt, dass ich gut zu tun hatte, aber es hat sich nach „nicht lesen“ angefühlt, weil ich in meinen aktuellen Büchern so langsam vorankomme. Einem Teil von mir ist bewusst, dass das daran liegt, dass ich gerade so gut wie jeden Tag in drei Büchern parallel lese, aber es fühlt sich trotzdem etwas unbefriedigend an. Mal schauen, wie sich das an den kommenden Lesetagen entwickelt. Heute morgen greife ich auf jeden Fall erst einmal zu „Sparrow Hill Road“. Das Buch habe ich vor gut drei Jahren schon mal gelesen, aber da inzwischen die Fortsetzung bei mir eingetroffen ist und eine Geistergeschichte für mich so schön in den Herbst passt, freu ich mich sehr auf ein Wiedersehen mit Rose Marshall.
Update 10:45 Uhr
So richtig kann sich das Wetter gerade nicht zwischen „bewölkt mit drohendem Regen“ und „sonnig“ entscheiden – ersteres wäre mir lieber, aber ich mag auch dieses wechselnde Schauspiel am Himmel sehr gern. 🙂 „Sparrow Hill Road“ hat mich wieder richtig erwischt. Ich liebe gerade diese erste Episode, bei der man als Leser genau weiß, dass der Trucker, den Rose in einem Diner trifft, die nächste Fahrt nicht überleben wird – schließlich ist es ihr Job diejenigen, die auf den Highways sterben, ein Stück zu begleiten. Mit diesem Wissen ist es wirklich herzzerreißend zu lesen, was für ein netter Kerl Larry ist und wie freundlich er sich um ein Mädchen kümmert, dessen vermeintliche Hilflosigkeit er genauso gut ausnutzen könnte.
Da ich zu meinem Frühstück (Porridge mit getrockneten Äpfeln und Zimt) die Hände nicht für mein Buch frei hatte, habe ich online eine Kurzgeschichte von Stephanie Burgis gelesen. Die Autorin hatte „Clasp Hands“ in den vergangenen Tagen auf Twitter verlinkt und ich hatte bislang noch keine Ruhe dafür. Umso mehr habe ich nun heute die Geschichte genossen, in der es um eine kleine Hexe, ihre Mutter und ihre Tanten geht, um Alleinsein und Magie. Sehr atmosphärisch und sehr berührend! 🙂 Da ich nicht direkt von dieser Geschichte zurück zu Rose gehen mag, greife ich erst einmal zu „Ich habe auch gelebt“ – ist ja nicht so, dass ich keine Auswahl bei meinen angefangenen Büchern hätte. *g*
Update 12:45 Uhr
Während mein Mann in den letzten Stunden einen seiner neusten japanischen Monsterfilme („Varan“) genossen hat, habe ich weiter in „Ich habe auch gelebt“ gelesen. Mir fällt es immer schwer das Buch aus der Hand zu legen, weil ich diese beiden Frauen so faszinierend finde. Ein Austausch ist mir heute besonders ins Auge gesprungen, der nicht nur die Charaktere der beiden Freundinnen gut beschreibt, sondern mich auch deshalb berührt, weil ich das Gefühl habe, dass sich in all den Jahren in der Welt viel zu wenig geändert hat.
Astrid Lindgren klagte in einem Brief vom 31. Oktober 1956: „Sonst herrschen kalter Herbst und Blut und Qualen auf der Erde. Ungarn und Ägypten wirbeln von morgens bis abends in meinem armen Kopf herum, schreib mir, was Du von alldem hältst, du Kluge!“ (In Ungarn gab es damals einen Aufstand gegen die sowjetischen Besatzer, der mindestens 20.000 Menschen das Leben kostete, in Ägypten kam es zur Suezkrise.) Louise Hartung antwortete am 5. November 1956: „Astrid – wenn auch Ungarn und Ungarns Unglück unser ganzes Denken ausfüllt, so hilft doch alles nichts, die täglichen Dinge müssen immer weiter getan werden, als sei nichts sonst auf der Welt. Leider kenne ich das seit zu vielen Jahren und weiß, dass man nur dadurch Elend und Qual und Leiden aushalten kann. Wenn ich also nicht klug schwätze und alle möglichen Kombinationen, von denen keine stimmt, von mir gebe, so glaube nicht, dass ich im täglichen Krimskrams untergehe, sondern glaube mir, dass gar nichts anderes hilft, als dass jeder Einzelne eine unbeirrbare Haltung einnimmt, sich dem Guten zuwendet und wo auch immer hilft, wenn einer in Not ist. Was könnte sonst der Einzelne tun als sich zerreiben?“
Jetzt lege ich das Buch aber erst einmal zur Seite und versorge das arme hungrige Kätzchen, das sich zum Glück ganz gut vom gestrigen Tierarzt-Tag inklusive Vollnarkose erholt hat. Jetzt muss Christie sich nur noch Winterspeck anfressen und wir können vorerst zufrieden mit ihrem Zustand sein. Nach dem Füttern geht es erst einmal weiter mit der Brettspielrunde – nachdem wir am vergangenen Sonntag endlich mal wieder „Gloomhaven“ gespielt haben, ist heute „Obsession“ dran. Wirklich schlimm, wenn man so viele Brettspiele hat, die Spaß machen. 😉
Update 16:00 Uhr
Ohje, das war mal wieder eine Brettspielrunde! Dieses Mal habe ich die Familie York gespielt, was bedeutet, dass ich einen „Footman“ extra hatte – was mir aber nichts brachte, weil mein Mann sich schon sehr, sehr früh die gesamten Kammerdiener sicherte. Das wiederum bedeutete, dass ich meine „gehobenen“ männlichen Gäste nicht ausspielen konnte und mich auf die Frauen konzentrieren musste. Die zwar theoretisch auch viel Reputation, Geld und Gäste einbringen konnten, aber ebenfalls nur dann, wenn ich auch das nötige Personal aufbrachte, um sie zu bedienen. Glück beim Ziehen neuer Gäste hatte ich auch nicht (all diese amerikanischen Erbinnen mit dem schlechten Ruf und die jungen Herren, die man in der besseren Gesellschaft eigentlich nicht sehen will! *g*) und erst als meine Familie einen neuen Hengst anschaffte, den sich diverse Gäste anschauen wollten, ging es so langsam mit ihr aufwärts. Leider zu spät, um noch eine Chance auf den Sieg zu haben. 😀
Mir hat das Spielen wieder sehr viel Spaß gemacht. Allerdings bin ich jetzt auch sehr durchgefroren (ohne Heizung wird es eben doch etwas kalt, wenn man so lange stillsitzt, da hilft auch keine heiße Schokolade) und freue mich darauf, dass ich jetzt erst einmal wieder unter der Decke auf dem Sofa verschwinden kann. Bevor ich wieder zu Rose („Sparrow Hill Road“) greife, beantworte ich aber erst einmal Kommentare und drehe eine kleine Online-Runde.
Update 19:30 Uhr
Meine „kleine Online-Runde“ wurde dann doch etwas länger (Twitter ist Schuld!), außerdem habe ich ein wenig mit meinem Mann geschwatzt, die Mahlzeiten für die kommende Woche vorgeplant, ein paar Ideen notiert und die To-do-Liste für morgen bearbeitet. Als Christie sich dann aber an mich heranpirschte und beschloss, dass es Zeit für etwas Ruhezeit auf meiner Sofadecke wäre, habe ich mir doch noch einmal „Sparrow Hill Road“ gegriffen und weitergelesen. Gerade die ersten Geschichten finde ich immer wieder so berührend, dass mir regelmäßig die Tränen in die Augen treten. Aber genau das ist auch der Grund, warum ich dieses Buch nicht am Stück lesen mag, sondern es gern zur Seite lege und die einzelnen Episoden und Figuren noch etwas nachklingen lasse. Jetzt aber wird es Zeit in die Küche zu wandern und das Abendessen zu kochen – vermutlich werde ich mich zwischen 22 und 23 Uhr hier noch einmal melden, bevor es Zeit wird ins Bett zu fallen, um morgen fit genug für die To-do-Liste zu sein. 😉
Update 22:00 Uhr
Seit dem letzten Update habe ich nur gekocht und gegessen, nebenbei etwas „Animal Crossing“ gespielt (das geht ganz gut, während man darauf wartet, dass der Reis gar wird *g*) und am Ende noch etwas die Nase in „Ich habe auch gelebt“ gesteckt. Ich finde es so spannend, welche Details man über das private und berufliche Leben der beiden Frauen erfährt, über die Zeit und über ihre Beziehung zueinander. Die eine (Louise Hartung) wirft der anderen vor, dass sie zu prüde, zu zurückhaltend, zu ängstlich sei, die andere (Astrid Lindgren) sagt, sie kann die Erwartungen der anderen nicht erfüllen, sie fühlt nicht so intensiv, sie kann sich nicht so absolut auf einen Menschen einlassen, nur eine gute Freundin sein … Es ist sehr berührend, wie viel diese Briefe erzählen (obwohl einige besonders „offen“ Briefe von Louise Hartung bewusst nicht veröffentlicht wurden, um die Würde dieser Frau nicht noch so viele Jahre nach ihrem Tod zu verletzten).
Für mich geht es bald ins Bett, aber vorher dreh ich noch eine kleine Runde und schaue, wie der Abend für Helma und Natira endete. Ich habe diesen Lesetag wieder sehr genossen und mich darüber gefreut, dass die beiden mir heute Gesellschaft geleistet haben. 🙂
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Heutige Mitleserinnen:
































Zum Abendessen gab es heute nur Gurkensalat und ein Käsebrot. Nachdem wir gestern gleich drei (wenn auch kleine) Brote gekauft haben, hatten wir beschlossen, dass wir das mit dem Kochen sein lassen, um die Brote auch so frisch wie möglich bewältigt zu bekommen. Außerdem hat das den Vorteil, dass ich mir trotz akuter Kochunlust kein Essen einfallen lassen musste, das ich schnell auf Reihe bekomme. 😉





























