Schlagwort: Cozy

Dorothy Gilman: The Clairvoyant Countess (Madame Karitska 1)

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß, wie sehr ich die „Mrs. Pollifax“-Romane von Dorothy Gilman liebe. Doch andere Bücher der Autorin hatte ich bis vor ein paar Tagen nicht gelesen, weil diese lange Zeit nicht auf Deutsch (als ich noch nicht so viel auf Englisch las) bzw. gar nicht mehr zu bekommen waren. Vor zwei Wochen habe ich dann aber das eBook von „The Clairvoyant Countess“ in die Finger bekommen, und da ich immer noch das Bedürfnis nach erholsamer Lektüre habe und die kurzen Geschichten rund um Madame Karitska perfekt waren, um zwischendurch gelesen zu werden, blieb das Buch auch nicht lange ungelesen liegen.

Emily Pollifax und Madame Marina Karitska scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben, denn während Mrs. Pollifax anscheinend ihr gesamtes Leben in einem ruhigen Vorort ohne große Aufregung verbracht hat, stammt Madame Karitska nicht nur von verarmten russischen Adeligen ab, die vor der Revolution flohen, sondern hat auch von absoluter Armut bis zu großem Luxus die verschiedensten Lebensumstände erlebt. Doch eins haben beide Figuren gemeinsam: Sie verfügen über eine sehr große Bereitschaft, sich auf andere Menschen einzulassen und das Beste aus einer Situation zu machen. Dazu kommt bei Madame Karitska noch, dass sie eine „übernatürliche“ Fähigkeit hat, die es ihr ermöglicht, mehr über einen Menschen zu erfahren, wenn sie einen Gegenstand in den Händen hält, den diese Person lange Zeit über genutzt hat.

So beginnen die Geschichten rund um diese ungewöhnliche Frau damit, dass sie intensiv von einem ganz bestimmten Gebäude träumt, in dem ein Schild mit der Aufschrift „Madame Karitska, Readings“ im Fenster zu sehen ist. Natürlich mietet sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt das dazugehörige Apartment und beginnt eine Karriere als eine Art Hellseherin, die langfristig sogar die Polizei (genauer gesagt Lt. Pruden) bei aktuellen Fällen berät. So bekommt man als Leser mit „The Clairvoyant Countess“ lose zusammenhängende Kurzgeschichten mit eher gemütlichen Kriminalfällen präsentiert, bei denen manchmal nur ein Hinweis auf vorhergehende Ereignisse einen Zusammenhang herstellt, während bei anderen Geschichten frühere Vorkommnisse noch einmal aufgegriffen und weitererzählt werden.

Ich mochte, dass ich bei dem Krimianteil mitraten konnte und dass mir der Großteil der Personen beim Lesen so sympathisch war. Gerade Madame Karitskas Sicht auf andere Menschen und die Welt an sich fand ich sehr angenehm, während Lt. Pruden anfangs wunderbar skeptisch mit der Hellseherin und ihren Fähigkeiten umging, aber als gewissenhafter Polizist nun einmal jedem Hinweise nachgehen musste. Wie auch bei den „Mrs. Pollifax“-Romanen zieht sich ein feiner Humor durch „The Clairvoyant Countess“, den ich sehr genossen habe. Wobei ich auch anmerken muss, dass weder die Art und Weise, in der die Figuren angelegt sind, noch die Länge der jeweiligen Geschichten dazu geeignet sind, besonders intensive oder tiefgehende Handlungen zu erzählen. Dafür bekommt man authentische 70er-Jahre-Atmosphäre, keine Liebesgeschichte (was ich wirklich angenehm fand!) und eine fantastische Protagonistin geboten – alles zusammen ist einfach perfekt, wenn man einfach nur kleine Auszeiten nehmen und sich erholen möchte!

Jana DeLeon: Happily Everlasting 1 – Dead Man Talking

Nachdem mich das Happily-Everlasting-Spin-Off „Better Haunts and Garden Gnomes“ von Michelle M. Pillow so gut unterhalten hatte, habe ich prompt direkt zu „Dead Man Talking“ von Jana DeLeon gegriffen, um zu schauen, ob ich mich damit auch so gut amüsiere. Die Geschichte dreht sich um die Meterologin Zoe Parker, die in den vergangenen sechs Jahren in L.A. gelebt und jede Rückkehr in ihren Geburtsort Everlasting vermieden hat. Doch nun liegt ihre Großtante Sapphire nach einem Sturz im Krankenhaus, und Zoe muss sich nun nicht nur um Sapphire kümmern, sondern auch um den ehemaligen Leuchtturm, in dem die Großtante lebt, um ihre zehn Katzen und um den Geist Cornelius. Außerdem liegt schnell der Verdacht auf der Hand, dass Sapphires Sturz kein Unfall war, sondern dass Einbrecher dabei ihre Hand im Spiel hatten. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Dane Stanton nimmt Zoe die Ermittlungen auf, nachdem das Büro des Sheriffs sich als nicht besonders hilfreich herausgestellt hat.

Tja … Wenn ich ehrlich bin, dann ist „Dead Man Talking“ eigentlich besser geschrieben als „Better Haunts and Garden Gnomes“, aber so richtig gut unterhalten habe ich mich nicht gefühlt. Jana DeLeon bietet dem Leser einen Grund, wieso es Magie in dem kleinen Ort Everlasting gibt (und an anderen Orten nicht), sie hat ihre Figuren deutlich tiefer charakterisiert als Michelle M. Pillow, und der kleine Kriminalfall ist auch besser ausgearbeitet (wenn auch die Lösung wieder ziemlich offensichtlich war). Zoe und Dane werden als wirklich nette Menschen dargestellt, es gibt keine großen Missverständnisse, sondern einen respektvollen Umgang zwischen den beiden, und die beiden reden sogar miteinander, um mehr über die Wünsche und Ziele des anderen herauszufinden. Allerdings fand ich die beiden auch schrecklich langweilig, weil sie so nett waren, so wenige Ecken und Kanten hatten und ihre „Beziehung“ so gar nichts zur Geschichte beizutragen hatte, auch wenn sie durch ihre gemeinsame Vergangenheit immerhin eine stimmige Basis für ihre „Liebesgeschichte“ hatten.

Was mich noch gestört hat, war die Erklärung für die Magie, die in diesem Buch auftaucht. Die Legende mit dem magischen Smaragd, der König Arthur gehört haben soll und der für die Magie im Ort verantwortlich ist, ist schon für sich betrachtet nicht gerade schlüssig. Wenn man dann aber noch die Tatsache im Hinterkopf hat, dass Magie in „Better Haunts and Garden Gnomes“ vererbbar und nicht örtlich begrenzt ist, dass dort viele übernatürliche Personen vorkamen, die in Everlasting keine Rolle spielen, und dass Tante Polly in dem Spin-Off hemmungslos mit Magie um sich wirft und kein Geheimnis daraus macht, dass sie eine Hexe ist, während sie in Everlasting nur als exzentrische Bäckerin erwähnt wird, dann ist das insgesamt so unstimmig, dass ich mich beim Lesen regelrecht geärgert habe.

Ein weiterer Punkt, der mich richtig gefuchst hat, war, wie die Autorin mit den zehn Katzen im Buch umging. Obwohl Zoe auch nach Everlasting zurückkehrt, um sich um die Katzen zu kümmern, werden die Viecher morgens von Dane gefüttert, der gerade Sapphires Küche umbaut, und dann verschwinden die Tiere spurlos für den Rest des Tages (und das, obwohl sie freien Zugang zum gesamten Gebäude haben). Da die Katzen – wie ständig betont wird – so trainiert sind, dass sie das menschliche Klo und sogar die Wasserspülung benutzen (Magie macht’s möglich!), gibt es keine Katzenklos zu reinigen, und abends lässt sich Zoe dann doch dazu herab, selbst Futter zu verteilen. Aber wenn nicht gerade Einbrecher auftauchen, gibt es keine einzige Erwähnung mehr, dass Katzen im Haus sind. Selbst wenn Zoe die Tiere nicht mag, würde ich doch erwarten, dass sie bei all den alltäglichen Dingen, die beschrieben werden, irgendwann mal vorkommen! Man kann nicht mit zehn Katzen in einem Gebäude mit relativ kleiner Grundfläche leben, ohne ständig über eine zu stolpern oder die gesamte Kleidung voller Haare zu haben oder zumindest hier und da mal ein Geräusch zu hören, das andeutet, dass man nicht allein im Haus ist.

Ähnlich ist es auch mit dem Hausgeist, der zwar wichtig für die Geschichte ist und mir grundsätzlich auch sympathisch war, aber die gesamte Handlung hindurch ohne Hosen rumlaufen musste, damit die Autorin ganz am Anfang eine „witzige“ Szene einbauen konnte. So gab es immer wieder Elemente, die mir das Gefühl gaben, dass Jana DeLeon sie für einen einzigen Punkt in der Geschichte lieblos reingestopft hat, ohne darüber nachzudenken, dass sie in der gesamten Handlung funktionieren müssen. Ich habe mich jetzt beim Lesen nicht durchgehend geärgert, aber ich bin immer wieder über solche Dinge gestolpert und es gab sonst nichts, was mich darüber hingeweggetröstet hätte. Selbst ohne diese kleinen Ärgernisse wäre „Dead Man Talking“ nur irgendwie ganz nett gewesen, ohne einen größeren Eindruck zu hinterlassen. Vor allem muss ich aber sagen, dass „Better Haunt and Garden Gnomes“ – trotz aller unübersehbaren Mängel – deutlich charmanter war als dieser Roman. Nach „Dead Man Talking“ bin ich mir sicher, dass ich die Happily-Everlasting-Reihe (trotz wechselnder Autorinnen) nicht weiterlesen werde, während ich den Nachfolger von „Better Haunt and Garden Gnomes“ noch nicht von der Merkliste gestrichen habe.

Charlotte MacLeod: Die Familiengruft (Sarah Kelling und Max Bittersohn 1)

In der letzten Woche hatte ich überraschend große Lust auf Rereads und einer der Titel, den ich in den letzten Tagen mal wieder aus dem Regal gezogen habe, war „Die Familiengruft“ von Charlotte MacLeod. Über die Reihe hatte ich vor kurzem erst in dem Beitrag „Spannung ist weiblich“ etwas geschrieben, aber wirklich viel ist zu diesen Romanen der Autorin auf meinem Blog nicht zu finden, weshalb ich die Gelegenheit mal nutze, um etwas über Sarah Kelling, ihre Familie und die Leiche in der Familiengruft zu schreiben. Zu Beginn der Geschichte ist Sarah Kelling noch keine 27 Jahre alt und seit ihrem 18. Lebensjahr mit Alexander Kelling – einem entfernten und fast doppelt so altem Cousin von ihr – verheiratet. Gemeinsam mit Alexanders tyrannischer Mutter Caroline leben die beiden in dem alten Familiensitz im Beacon Hill in Boston, und schnell wird deutlich, dass Sarah mit der Situation nicht besonders glücklich ist.

Abwechslung kommt in ihren recht eintönigen Alltag, als die schon vor Jahrzehnten stillgelegte alte Familiengruft der Kellings geöffnet wird, um Sarahs vor kurzem verstorbenen Großonkel Frederik zu beerdigen, und dort ein Skelett gefunden wird. Schnell wird die unbekannte Leiche als die vor dreißig Jahren verschwundene Nachtclubtänzerin Red Ruby identifiziert, und während die Öffentlichkeit sich vor allem damit beschäftigt, dass Red Ruby ermordet wurde, fragt sich Sarah, warum die Leiche gerade in ihrer Familiengruft gefunden wurde und wieso ihr das Muster der Ziegelsteinmauer, mit der die Gruft entgegen sämtlicher Denkmalschutzbestimmungen verschlossen wurde, so vertraut vorkam. Als sich dann auch noch ihr Mann Alexander besonders erschüttert über den traurigen Fund zeigt und sich herausstellt, dass er die Tänzerin in seiner Jugend gut gekannt hatte, fragt sich Sarah, wie viel sie überhaupt über den Mann weiß, den sie schon ihr Leben lang kennt und liebt, und ob es vielleicht möglich sein kann, dass ihre Familie in den Mord verwickelt war.

„Die Familiengruft“ erschien im Original im Jahr 1979, und es finden sich im Laufe der Reihe immer wieder Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen, Kleidung oder Musik, aber insgesamt wirken die Geschichten rund um Sarah Kelling und ihre alteingesessene Bostoner Familie sehr zeitlos. Während die Kriminalfälle – trotz diverser amüsanter oder skurriler Details – immer solide konstruiert sind und man beim Lesen schön „mitermitteln“ kann, besticht die Serie doch vor allem durch ihre Figuren und die Darstellung der Bostoner Oberschicht. Mit spitzer, aber liebevoller Feder porträtiert die Autorin eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich für etwas Besseres halten, obwohl (oder gerade weil) sie aus einem Haufen exzentrischer Personen besteht, deren Geiz legendär ist und deren Kontakt mit der restlichen Bevölkerung der Stadt sich auf Wohltätigkeitsarbeit und das Engagieren von Angestellten zu beschränken scheint. Natürlich verfügt nicht jedes Mitglied dieser alteingesessenen Familien noch über den Wohlstand, den seine Vorfahren angehäuft haben, aber gerade bei den Kellings scheint die Sparsamkeit so ausgeprägt zu sein, dass regelmäßiges Schnorren oder das Auftragen der ererbten Kleidung der Eltern zum Alltag gehört, so dass niemand sagen kann, ob die genügsame Haushaltsführung aus Not oder anerzogenem Geiz geschieht.

Vor dem Hintergrund dieser Familie wirkt Sarahs Leben – ebenso wie ihre Ehe – erstaunlich plausibel, auch wenn man sich heutzutage beim Lesen natürlich fragen muss, wieso eine vernünftige junge Frau jahrelang in solch einer Situation ausharren kann. In „Die Familiengruft“ sorgen die Ereignisse nach dem Fund der Leiche dafür, dass Sarah mehr Rückgrat entwickelt, sich immer wieder gegen ihre Schwiegermutter stellt und darüber nachdenkt, was sie eigentlich vom Leben erwartet. Ich verfolge immer wieder gern, wie Sarah sich gegen ihre Erziehung und das, was in ihrer Familie üblich ist, stellt und wie sie daran arbeitet, dass ihre Ehe mit Alexander auch langfristig weiter funktionieren kann. Obwohl die beiden eine seltsame Beziehung haben und Sarahs Liebe zu Alexander zu einem nicht geringen Teil darauf basiert, dass er als schon erwachsener Mann freundlich und großzügig mit seiner vernachlässigten kleinen Cousine umging, freue ich mich bei jedem erneuten Lesen darüber, wie die beiden sich im Laufe der Geschichte einander annähern.

Max Bittersohn (dessen Name natürlich nicht ohne Grund von mir in der Reihenbezeichnung mitaufgeführt wurde) kommt in diesem Roman relativ wenig vor, auch wenn er eine entscheidende Rolle bei der Lösung des Kriminalfalls spielt. Allerdings fällt schon in diesem Debütroman schnell auf, dass er und Sarah anscheinend die einzigen bodenständigeren Personen in den Geschichten sind – und genau das liefert all die vielen kleinen und amüsanten Szenen, die dafür sorgen, dass ich seit Jahren immer wieder zu den Büchern zurückkehre und die Romane genieße. Wie Sarah immer wieder mit all den Eigenheiten (und Ansprüchen) ihrer exzentrischen Familienmitgliedern fertig werden muss, ist einfach amüsant zu lesen. Eine Familie, deren Mitglieder das Gefühl haben, dass sie über der öffentlichen Meinung stehen und die genügend Geld haben, um jeder ihrer Launen nachgehen zu können, bringt natürlich so einige skurrile Figuren hervor. Dazu kommen dann im Laufe der Zeit noch die einen oder anderen neuen Bekanntschaften, die Sarah so sammelt und die nicht weniger seltsame Eigenarten haben als ihre Familienmitglieder, und so gibt es in diesen Geschichten keinen Mangel an gut geschriebenen und sehr amüsante Szenen, in denen die Autorin die verschiedensten Charaktere aufeinandertreffen und miteinander agieren lässt.

Rose Donovan: The Mystery of Ruby’s Sugar (Ruby Dove Mystery 1)

Ich weiß nicht mehr, wie ich über „The Mystery of Ruby’s Sugar“ von Rose Donovan gestolpert bin, was bedeutet, dass ich auch nicht mehr weiß, welche Elemente des Klappentextes mich ursprünglich angesprochen hatten. Das kommt davon, dass ich gern Cozies hamstere, um welche auf Lager zu haben, wenn mir nach diesem Genre ist. 😉 Die Handlung wird aus der Sicht von Fina Aubrey-Havelock erzählt, die gemeinsam mit ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Ruby Dove die Weihnachtstage auf dem Herrensitz Pauncefort Hall verbringt. Doch im Gegensatz zu den restlichen Gästen sind Fina und Ruby nicht eingeladen worden, um eine nette Zeit im Kreis von Familie und Freunden zu verbringen, sondern um ihrer Arbeit als Designerin (Ruby) und Schneiderin (Fina) nachzugehen. Die beiden jungen Frauen finanzieren sich ihr Leben und ihr Studium in Oxford nämlich damit, dass sie reiche Frauen bezüglich ihrer Garderobe beraten und für sie Kleider entwerfen und nähen.

Außerdem ist Ruby auf der Suche nach Papieren, die beweisen sollen, dass die Familie Sykes-Duckworth, in deren Besitz sich Pauncefort Hall befindet, verantwortlich für ein Massaker auf der karibischen Insel St. Kitts war, bei dem ein Verwandter von Ruby ums Leben kam. Als dann Granville Sykes-Duckworth, der älteste Sohn des Hauses, ermordet wird, wollen Ruby und Fina die Tat aufklären, bevor die Polizei in dem eingeschneiten Herrensitz eintreffen kann, damit diese nicht aufgrund der Tatsache, dass das Mordmittel anscheinend Rubys selbstgebrauter Fleckenlöser war, die falschen Schlüsse zieht. Schnell sichern sich Ruby und Fina die Hilfe des Bediensteten Charles, der die beiden mit Informationen über die Familie und Angestellten versorgt.

Ich mochte an „The Mystery of Ruby’s Sugar“ sehr, dass die Geschichte für einen Cozy überraschend politisch ist. Die Handlung spielt Weihnachten 1934 und schon zu Beginn erfährt man, dass einer der Gäste eher links eingestellt ist, während der älteste Sohn des Hauses – ebenso wie einer seiner engsten Freunde – Anhänger des Faschisten Oswald Mosley ist. Und obwohl sich Ruby in der höheren Gesellschaft zu Hause zu fühlen scheint und als Designerin gefragt ist, gibt es natürlich Personen, die ein Problem mit ihrer Hautfarbe haben. Trotzdem ist Ruby nicht die einzige Woman of Color bei dieser Gesellschaft, da auch noch zwei Schwestern aus Indien die Weihnachtstage in Pauncefort Hall verbringen.

Ein bisschen zu viel war für mich, dass sowohl Ruby als auch ihre Freundin Fina eine „Vergangenheit“ haben. Während Ruby sich aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Bemühungen, das Zuckerimperium der Familie Sykes-Duckworth für das Massaker auf St. Kitts zur Verantwortung zu ziehen, in einer kritischen Position befindet, hat Fina das Problem, dass jeder sich bei ihrem Nachnamen an den Mord an ihrem Vater erinnert. Der Mord an sich wäre schon schlimm genug gewesen, doch die Tatsache, dass Finas Bruder für die Tat verurteilt wurde, facht natürlich die Sensationslust Außenstehender noch weiter an. Außerdem bin ich immer wieder über Szenen gestolpert, bei denen ich das Verhalten der verschiedenen Personen unstimmig fand und mich dann darüber grübeln ließen, ob die Autorin sich was dabei gedacht hat oder nur nachlässig war bei der Darstellung von Umgangsformen. Solche Momente haben regelmäßig dafür gesorgt, dass ich den Roman immer wieder aus der Hand legte, und da die Geschichte zwar unterhaltsam, aber nicht so spannend war, dass ich sie unbedingt zeitnah wieder aufnehmen und weiterlesen musste, hat sich das Lesen überraschend lang hingezogen.

Auch das Ende hat mich frustriert, weil der Mörder und sein Motiv zwar enthüllt werden, aber die Lösung, die nach der Entdeckung des Täters von Ruby vorgeschlagen wird, von der unwahrscheinlichen Voraussetzung ausgeht, dass eine Gruppe von Menschen es schafft, der Polizei eine erfundene Geschichte zu erzählen, ohne dass sich einer der Beteiligten verplappert. Insgesamt bin ich am Schluss recht enttäuscht von „The Mystery of Ruby’s Sugar“ gewesen, denn obwohl die Autorin so eine gute Grundidee hatte, ich die Selbstverständlichkeit mochte, mit der nicht-heteronormative Beziehungen dargestellt wurden, und ich die Tatsache begrüßte, dass mehrere Women of Color in der Geschichte vorkamen, konnten mich weder die Erzählweise noch die Auflösung des Romans überzeugen.

Elaine Viets: Shop Till You Drop (A Dead-End Job Mystery 1)

Elaine Viets‘ Roman „Shop Till You Drop“ beinhaltet unglaublich viele Elemente, die ich eigentlich in Kriminalromanen (selbst wenn es „nur“ Cozies sind) nicht mag, und trotzdem habe ich mich beim Lesen großartig amüsiert. Die Protagonistin Helen Hawthorne arbeitet zu Beginn des Romans gerade mal seit drei Wochen bei „Juliana’s“, einem extrem exklusivem Geschäft für Luxus-Mode. Für Helen ist die Boutique eine vollkommen neue Welt, auch wenn sie sich vor ihrer Scheidung selbst bei den teuren Mode-Marke eingekleidet hat. Sie ist fasziniert davon, dass die Geschäftsführerin Christine den Kundinnen einzeln über einen Summer Zugang gewähren muss (und von den Kriterien, die einer Frau das Betreten des Geschäfts verwehren), und lernt bei der Arbeit eine Seite an den Kundinnen kennen, die diese fast durchgehend liebenswert erscheinen lassen, obwohl Helen früher immer Vorurteile gegenüber dieser Art von Frauen hatte.

Denn die Kundinnen von „Juliana’s“ sind in der Regel junge, magere Frauen, deren Schönheit schon lange nicht mehr auf ihren natürlichen Vorraussetzungen basiert, sondern auf der Kunst (zweifelhafter) Schönheitsspezialisten. So gibt Christine nicht nur Rat beim Kauf der passenden Kleidung, um die perfekt modellierte Figur in Szene zu setzen, sondern auch Empfehlungen für nicht lizensierte brasilianische Ärztinnen, die in den USA nicht zugelassene Behandlungen durchführen, oder vermittelt Haushaltsangestellte und weitere Dienste. Was anfangs wie ein erstaunlich freundschaftliches Verhältnis zu all den reichen Kundinnen wirkt, kommt Helen im Laufe der Zeit immer dubioser vor, und als dann Drogen in „Juliana’s“ auftauchen und in einer Gated Community, trotz der theoretisch vorhandenen Bewachung, eine Frau erschossen wird, ist sie fest davon überzeugt, dass ihre Vorgesetzte in mehr als eine illegale Tätigkeit verwickelt ist.

Normalerweise wäre ich beim Lesen schnell total genervt gewesen von dieser Welt, in der so gut wie alle Frauen Schönheits-OPs hinter sich gebracht haben, in der das Leben davon geprägt ist, sich einen reichen Mann zu angeln und bei Laune zu halten und die Augen davor zu verschließen, dass der Sugar Daddy seine Millionen mit illegalen Geschäften gemacht hat. Doch bei „Shop Till You Drop“ lernt man diese Welt durch Helens Augen kennen, und sie findet nicht nur viele Elemente, die im Leben ihrer Kundinnen vollkommen normal sind, ebenso absurd wie ich selbst, sondern sie entwickelt auch eine ernsthafte Zuneigung zu den diversen Stammkundinnen. Durch ihre Perspektive verspürt man eine Mischung aus Mitleid, dass diese Frauen ihren Wert auf ihr Äußeres reduzieren und ihnen die Zeit mit jedem weiteren Lebensjahr davonläuft, und Bewunderung für all die Intelligenz, Willenskraft und den Mut, der sich hinter dem barbiepuppenhaften Äußeren häufig verbirgt.

Auch all die vagen Andeutungen, die man zu Beginn der Geschichte über Helens Vergangenheit und die Ereignisse rund um ihre Scheidung bekommt, hätten mich bei einer anderen Autorin vermutlich schnell genervt, weil trotz all der „auf der Flucht vor dem Gericht“-Bemerkungen nie ernsthaft der Gedanke aufkommt, dass Helen eine Verbrecherin sein könnte, auch wenn ihr aktueller Lebensstil eher zweifelhaft ist. Doch statt mich darüber aufzuregen, habe ich mich dank Elaine Viets‘ Erzählweise wunderbar amüsiert, als Helen endlich enthüllt, wieso sie auf der Flucht vor dem Gericht ist und weshalb sie sich mit unterbezahlter Schwarzarbeit über Wasser hält. Ebenso fand ich es lustig, Helens erste Dating-Versuche nach der Scheidung zu verfolgen, weil dadurch so viele absurde Szenen entstanden, die vollkommen unvorhersehbar waren.

Der Kriminanteil von „Shop Till You Drop“ entwickelt sich nur sehr langsam, aber auch das hat mich nicht gestört, weil man alle Beteiligten gut kennenlernt und Helen von Kapitel zu Kapitel immer mehr Ungereimtheiten und Geheimnisse rund um das „Juliana’s“ und seine Kundinnen entdeckt. Helen ist keine besonders professionelle Ermittlerin, aber sie arbeitet (vor allem gegen Ende) mit der Polizei zusammen und bekommt im Laufe der Geschichte auch überraschende Unterstützung von ihren Nachbarn aus der Wohnanlage, in der sie wohnt. Bei diesem Buch brauchte es für mich keine rasanten Entwicklungen, um stets neugierig auf die weiteren Ereignisse zu bleiben. Ich habe mich wunderbar beim Lesen amüsiert und die Charaktere (vor allem Helens großartige Vermieterin) ins Herz geschlossen. Da die Autorin am Schluss Helens Leben regelrecht aufräumt, muss ich nicht unbedingt sofort zum nächsten Teil der Trilogie greifen, aber wenn ich das nächste Mal Lust auf einen Wohlfühl-Roman mit Krimianteil habe, werde ich wohl herausfinden, welche absurden Situationen Helen bei ihrem nächsten Job in einer Buchhandlung erleben wird.

Ovidia Yu: The Frangipani Tree Mystery

„The Frangipani Tree Mystery“ von Ovidia Yu habe ich bei Natira entdeckt, die den Cozy Mystery im vergangenen Oktober beim Herbstlesen gelesen hatte. Nach ihren Anmerkungen zum Buch musste ich den Roman einfach habe und bekam ihn zum Glück zu Weihnachten geschenkt. Schon auf den ersten Seiten habe ich die Erzählerin Chen Su Lin ins Herz geschlossen, deren Sicht auf die Welt mich häufig zum Schmunzeln gebracht hat. Su Lin gilt aufgrund eines Hinkens, das von einer Polioerkrankung übriggeblieben ist, als Unglücksbringerin. Trotzdem sucht sie zu Beginn von „The Fragipani Mystery“ einen Weg, um im Jahr 1936 in Singapur einen Job zu finden, bei dem sie die Fähigkeiten einsetzen kann, die sie an der Missionsschule gelernt hat.

Ich fand den Einstieg in die Geschichte einfach nur wunderbar, bei dem Su Lins Onkel und ihre Lehrerin über ihre Zukunft streiten, während Su Lin dazwischensteht und übersetzen soll und sich sehr gut überlegt, welche Passagen sie wie interpretiert, bevor sie sie in die jeweils andere Sprache überträgt. Diese Zurückhaltung und dieses „diplomatische“ Verhalten prägen Su Lins Erzählstimme, doch zum Glück bekommt man als Leser auch all die Gedanken mit, die sie niemals öffentlich äußern würde. Insgesamt ist Su Lin einfach ein netter Mensch, ohne dabei rückgratlos zu sein. Sie will nicht einfach von ihrer Familie verheiratet werden, auch wenn ihr bewusst ist, dass ihr Onkel Chen nur das Beste für sie im Sinn hat, und sie will nicht den Rest ihres Lebens als Helferin für ihre Großmutter verbringen. Stattdessen versucht sie ihre Beziehungen zu den Lehrerinnen der Missionsschule zu nutzen, um eine richtige Anstellung zu finden. So rutscht sie mehr zufällig in die Rolle der Aufpasserin für die geistig behinderte Tochter des britischen Gouverneurs und ist so in der besten Position, um die Augen nach Hinweisen aufzuhalten, die verraten könnten, wer die schottische Gouvernante der jungen Frau ermordet hat.

Der Krimianteil in „The Frangipani Tree Mystery“ hatte viel von einem klassischen britischen Cozy. Es gibt nur einen Handvoll Menschen, die in den Fall verwickelt sind, und der größte Teil davon gehört der britischen „Oberschicht“ in Singapur an. Was den Roman deutlich von den britischen Cozys unterscheidet, sind sowohl die Perspektive von Su Lin – die als chinesisches Dienstmädchen definitiv nicht in derselben Position ist, wie es eine weiße Ermittlerin (von Stand) wäre, als auch der Schauplatz Singapur. Natürlich gibt es so einige britische Cozys, die nicht auf der britischen Insel spielen, aber normalerweise bekommt man als Leser dieser Romane nicht die Sicht einer einheimischen Erzählerin präsentiert. Durch Su Lins Hintergrundinformationen zum Leben in Singapur gewinnt die Geschichte auf sehr vielen Ebenen, weil sie sich immer wieder Gedanken über das Verhalten der Menschen macht, denen sie begegnet, und wie die verschiedenen Personen mit all den Dingen umgehen, die in der Regel nur jemand verstehen kann, der im selben Kulturkreis und mit derselben Sprache aufgewachsen ist.

So bekommt man als Leser nicht nur sehr viel über das Leben in Singapur zu dieser Zeit mit, sondern kann all die Unterströmungen im Haushalt des Gouverneurs viel besser verstehen. Es geht nicht nur darum, dass die Dienstboten grundsätzlich gegenüber Fragen ihrer Herrschaft oder der Polizei misstrauisch sind, sondern auch darum, dass in solch einem Haushalt aufgrund der unterschiedlichen Herkunft und Aufgabenverteilung auch auf Dienstbotenebene Hierachien herrschen, die Su Lin nicht nur wahrnimmt, sondern auch versteht. Von den Briten, die Su Lin im Laufe des Romans kennenlernt, scheint einzig Chief Inspector Le Froy sich dieser vielen verschiedenen Facetten Singapurs, die sich durch die unterschiedliche Herkunft der Bewohner ergeben, bewusst zu sein. Der Polizist hat sich nicht nur – im Gegensatz zum Großteil seiner Landsleute – bemüht, verschiedene Sprachen zu lernen, um mit den Einheimischen auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sondern er scheint auch ein überraschend gutes Verständnis für die verschiedenen Kulturen zu haben, die das Leben in Singapur prägen. Das alles macht Chief Inspector LeFroy zu einer sehr interessanten Figur, was dazu führte, dass ich die Begegnungen zwischen ihm und Su Lin sehr genossen habe, weil beide auf ihre Weise ungewöhnlich sind.

Was den Kriminalfall selbst angeht, so fand ich viele Elementen relativ offensichtlich. Auf der anderen Seite konnte ich sehr gut damit leben, dass Su Lin nicht ebenso schnell zu den gleichen Schlüssen kam wie ich, weil sie die beteiligten Personen mit einem ganz anderen Blick sah als ein erfahrener Krimileser. 😉 Ich habe die Atmosphäre in „The Fangipani Tree Mystery“ sehr genossen und all die kleinen Einblick in ein Singapur der 1930er Jahre, die ich nur durch die Augen einer einheimischen Erzählerin gewinnen konnte. Ich habe es geliebt, wenn Ovidia Yus Schreibweise mal wieder dafür gesorgt hat, dass ich beim Lesen von Su Lins Gedanken vor mich hinkicherte oder meinem Mann einfach eine Passage vorlesen musste, weil ich die Beschreibung einer Person oder Situation so wunderbar fand. Da es noch zwei weitere Romane mit Su Lin als Protagonistin gibt (und einige andere Kriminalromane aus der Feder der Autorin), freue ich mich jetzt schon darauf, demnächst noch einmal nach Singapur zurückzukehren, um eine weitere Ermittlung von Su Lin und Chief Inspector Le Froy zu verfolgen.

Livia Day: A Trifle Dead (Café La Femme 1)

Ich habe keine Ahnung mehr, wie „A Trifle Dead“ auf meinen Reader gekommen ist – ich fürchte, es kam während der vergangenen Sommermonate bei mir zu dem einen oder anderen spontanen Angebotskauf. Diese spontane Anschaffung könnte allerdings davon motiviert gewesen sein, dass sich hinter „Livia Day“ die Autorin Tansy Rayner Roberts verbirgt, deren „A Castle Charming“-Titel ich sehr mochte. Auch dieser Cozy rund um Tabitha Darling – stolze Besitzerin eines Hipster-Cafés und eigentlich überhaupt nicht daran interessiert, ihre Nase in einen Mordfall zu stecken – hat sich gut lesen lassen und eine unterhaltsame, skurrile Geschichte geboten. Ein Pluspunkt war dabei der Schauplatz Hobart in Australien, da dieser Handlungsort dem Ganzen eine etwas andere Note verlieh, als sie die für mich üblicheren britischen oder amerikanischen Cozies sonst beherrscht.

Für Tabitha beginnt die Geschichte an dem Tag, an dem im Obergeschoss des Gebäudes, in dem sie ihr Café betreibt, eine Leiche gefunden wird. Anfangs wird noch vermutet, dass der Tote bei einem missglückten Streich (oder gar PR-Gag) der dort wohnenden Band „Crash Velvet“ umgekommen sei. Aber da er erstens an einer Überdosis starb und zweitens nicht an dem Ort sein Leben aushauchte, an dem er gefunden wurde, scheint etwas mehr hinter dem Tod des Mannes zu stecken. Wenig später bringen Polizei und Presse den Toten mit anderen seltsamen Ereignissen in Verbindung, die sich in Hobart zugetragen haben, während Tabitha sich darüber wundert, was ihren Freunden und Familienmitgliedern in den letzten Tagen alles zugestoßen ist. Angetrieben von ihrer Neugier (und der Tatsache, dass sie sehr stolz darauf ist, über jeglichen Klatsch in der Stadt Bescheid zu wissen), versucht Tabitha, mehr über die Vorfälle rund um den mysteriösen „Trapper“ und den Toten herauszufinden.

Dabei ist Tabitha eindeutig keine professionelle Ermittlerin, und gerade das macht „A Trifle Dead“ so nett zu lesen. Tabitha backt wunderbare Leckereien (die Beschreibungen allein machen schon Lust auf eine Kuchenrunde), und während Kunden und Bekannte davon kosten, erfährt die Protagonistin so einige Details über die ungewöhnlichen Vorfälle, die dem „Trapper“ zugeschrieben werden. Unterstützung erhält sie dabei von dem Schotten Stewart, der für einen erfolgreichen Blog schreibt, der sich mit lokalen Ereignissen beschäftigt, während der Polizist (und ehemalige Kollege von Tabithas Vater) Leo Bishop nicht so begeistert davon ist, dass sie ihre Nase in seine Ermittlungen steckt. Während ich sonst eher genervt davon bin, wenn sich in einem Cozy eine Dreiecksgeschichte anbahnt, so fand ich hier das Verhältnis zwischen Tabitha und den beiden Männern, denen ihr Interesse gilt, wirklich nett zu verfolgen. Für Bishop schwärmt sie, seitdem sie ein Teenager ist, aber da er sie nur als Tochter seines verstorbenen Kollegen und (ehemals) beste Freundin seiner kleine Schwester sieht, ist zwischen den beiden nie etwas gelaufen. Stewart hingegen ist vor allem ein netter (und gutaussehender) Kerl, der viel Geduld mit Tabithas Macken aufbringt und sich trotz der Kürze ihrer Bekanntschaft als guter Freund erweist.

Überhaupt entsteht ein Großteil der amüsanten Szenen durch Tabithas Freundes- und Bekanntenkreis und durch die Selbstverständlichkeit, mit der die Autorin die verschiedenen Figuren in ihrer Geschichte auftauchten lässt. Tabithas feste Angestellte im Café ist eine furchteinflößende Person, die kein Verständnis für die Marotten ihrer Chefin hat, ihre ehemals beste Freundin beherrscht mehrere Kampfsportarten und befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen ihren Exfreund, Tabithas Vermieter hat auch diverse exzentrische Eigenarten und ihr Mitbewohner Ceege ist nicht nur ein begeisterter Gamer, sondern tauscht auch gern mit Tabitha Kleidung und Make up. Dabei werden die extremeren Charaktereigenschaften der Figuren eigentlich nur dann betont, wenn es um die Frage geht, ob Tabithas Freunde vielleicht irgendwie in den Fall verwickelt sein könnten.

Ein wenig schade fand ich es, dass der Täter und sein Motiv für mich doch ziemlich früh schon auf der Hand lagen, aber da der Kriminalfall nicht das Wichtigste an der Geschichte ist, konnte ich damit leben. Genau genommen konzentriert sich die Handlung in „A Trifle Dead“ mehr auf die verschiedenen Charaktere rund um Tabitha als auf den Kriminalfall, aber da all diese kleinen Szenen rund um die Beziehungen zwischen Tabitha und ihren Freunden, das Backen (und Essen) und den Schauplatz Hobart so liebevoll geschrieben sind, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Dieser Cozy ist kein absoluter „must read“, aber eine wunderbare Lektüre für entspannte Stunden und hat mir so gut gefallen, dass ich mir auch noch die beiden anderen Teile rund um das „Café La Femme“ besorgt habe.

Paige Shelton: The Cracked Spine (Scottish Bookshop Mystery 1)

Nachdem ich im vergangenen Jahr den ersten Band der Farmers‘-Market-Mysteries gelesen und sehr gemocht hatte, wollte ich unbedingt noch mehr von Paige Shelton kennenlernen. Doch weil ich mich nicht so recht entscheiden konnte, ob ich nun erst mehr über die Landwirtin Becca Robins lese oder eine der anderen Reihen der Autorin ausprobieren wollte, blieb es erst einmal bei dem Vorsatz. Vor ein paar Wochen dann hatte sich Helma dann den zweiten Band der „Scottish-Bookshop-Mysteries“ gegönnt, und ihr Tweet über ihre Neuzugänge hatte bei mir dann die Bestellung von „The Cracked Spine“ ausgelöst. Die Geschichte spielt in Schottland und dreht sich um die Amerikanerin Delaney Nichols, die nach einer spontanen Bewebung auf eine Anzeige eine neue Stelle in einem Antiquariat in Edingburgh antritt. Viel weiß sie über ihren Job nicht, aber ihr neuer Chef Edwin klang am Telefon sehr angetan davon, dass Delaney jahrelang für ein Museum gearbeitet hat und sich nicht nur mit alten Büchern auskennt.

Kaum hat Delaney ihre neuen Kollegen Rosie (inklusive ihrem Hund Hector) und Hamlet kennengelernt, wird die Schwester ihres Chefs ermordet. Das ist nicht nur ein tragischer persönlicher Verlust für Edwin, sondern das Verbrechen bringt auch einen finanziellen Verlust für Delaneys Chef mit sich, da dieser seiner Schwester Jenny ein einzigartiges Buch zur Aufbewahrung überlassen hatte – und nun weiß natürlich keiner, wo dieses Buch geblieben ist. Da Delaney das Gefühl hat, noch nicht so ganz durchschauen zu können, in welchem Verhältnis Edwin, die neuen Kollegen und die Teilnehmer einer seltsamen Auktionen zu Edwins getöteter Schwester standen, macht sie sich selbst auf die Suche nach Hinweisen und Antworten.

Ich muss gestehen, dass ich mit diesem Serien-Auftakt nicht ganz so glücklich war wie im vergangenen Jahr mit „Farm Fresh Murder“. Die Erzählstimme von Delaney lag mir weniger als die von Becca, ebenso fand ich einige der Charaktere, denen die Amerikanerin gleich zu Beginn der Geschichte begegnet, etwas unstimmig. Außerdem habe ich es gehasst, dass die Autorin einen bestimmten Aspekt von Delaneys neuer Arbeit sechzig Seiten lang rausgezögert hat, ohne dass es einen triftigen Grund dafür gab – abgesehen davon, dass sie künstlich Spannung aufbauen wollte, was bei mir aber nicht ankam, weil dieses „mysteriöse Element“ doch ziemlich offensichtlich war. Auch die Auflösung des Falls konnte mich nicht so recht überzeugen. Nachdem Delaney die ganze Zeit von einer Person zur nächsten tappte, auf ihre Intuition hörte und Fragen stellte, ohne dass mir Paige Shelton begreiflich machen konnte, welche Motivation bei ihrer Protagonistin dahintersteckte und warum niemand Delaney Grenzen gesetzt hat, wird der Mörder am Ende aus dem Hut gezaubert und fertig.

Theoretisch gab es ganz viele Personen, die sympathisch hätten sein können, aber keine davon habe ich als Leser gut genug kennengelernt, um irgendeine Beziehung zu ihr aufzubauen. Ich hätte auch mit dem ungewöhnlichen Talent von Delaney gut leben können, wenn die Autorin das unterhaltsamer eingebaut oder dafür gesorgt hätte, dass es für die Ermittlungen relevant gewesen wäre. Auch habe ich den Humor vermisst, den ich in „Farm Fresh Murder“ so mochte, und während ich es bei einer selbstständigen Landwirtin noch einigermaßen verkraften konnte, dass sie ihre Arbeit zugunsten einiger Ermittlungen aufschob, habe ich bei Delaney nicht verstanden, dass sie in ihrer ersten Arbeitswoche nicht einen Arbeitstag hatte, ohne dass sie die Buchhandlung mal eben verließ, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ein bisschen fühlt es sich für mich an, als ob die beiden Bücher unmöglich von der selben Autorin geschrieben worden sein können – und nun frage ich mich ein, ob ich wirklich noch weitere Reihen von Paige Shelton ausprobieren soll oder nicht.

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 2 – Murder Goes Mumming (Hörbuch)

„Murder Goes Mumming“ ist der zweite Band der „Madoc and Janet Rhys“-Serie von Charlotte MacLeod (veröffentlicht unter dem Pseudonym Alisa Craig) und hier führt die Geschichte Janet Wadman und Madoc Rhys in ein abgeschiedenes Haus an der kanadischen Küste. Seit den Ereignisse in „A Pint of Murder“ sind nur wenige Monate vergangen, aber Janet und Madoc haben sich in der Zwischenzeit gut genug kennengelernt, dass der Mountie sich sicher ist, dass er in Janet die Frau fürs Leben gefunden hat. Doch noch bevor er ihr einen Heiratsantrag machen kann, prescht schon seine Mutter (eine weltberühmte Opernsängerin. die wegen eines Auftritts gerade in der Nähe ist,) vor, da sie ihren Sohn verlobt sehen will, bevor sie wieder abreisen muss. So kommt es dazu, dass sich Janet und Madoc wenige Tage vor Weihnachten für alle Beteiligten überraschend verloben und nun vor der Frage stehen, wo sie die Feiertage gemeinsam verbringen können. Zum Glück werden die beiden von „Squire“ Condrycke, einem Bekannten von Madocs Mutter, eingeladen, Weihnachten mit ihm und seiner Familie in einem abgelegenen Haus an der Küste zu verbringen.

Für Madoc, der von seinen Gastgeber aufgrund der Berühmtheit seiner Mutter besondere Aufmerksamkeit erfährt (obwohl er seltsamerweise irgendwie für die Regierung arbeitet, statt ebenfalls Künstler zu sein), wird dieser Aufenthalt unerwartet herausfordernd, als sich herausstellt, dass Janets Ex-Freund ebenfalls anwesend sein wird. Zusätzlich trübt noch der unerwartete Tod der alten Mrs. Condrycke (Squires Schwiegermutter) die weihnachtliche Stimmung – vor allem, da Madoc Beweise dafür findet, dass die alte Dame keines natürlichen Todes gestorben ist. Durch einen Schneesturm vom Rest der Welt abgeschnitten verbringen Janet und Madoc also die Weihnachtstage mit einer Leiche, einer etwas exzentrischen Familie (inklusive einer alten Tante mit übernatürlichen Fähigkeiten) und einem walisischen Butler mit nicht ganz sauberer Weste, während sie herauszufinden versuchen, wer ein Motiv hatte, Mrs. Condrycke zu töten.

Auch wenn Charlotte MacLeod ihre Krimis immer in relativ kleinen Gemeinschaften spielen lässt, so ist dies doch die erste Geschichte (wenn ich mich recht erinnere), in der die Autorin auf die klassische Hausgesellschaft, die durch Wetterbedingungen von der Außenwelt abgeschnitten wurde, zurückgreift. Ich habe die Geschichte wirklich gern gehört und mich so langsam auch an den Sprecher William Dufris gewöhnt. Ich mochte es, wie Janet und Madoc miteinander umgingen – gerade weil ihre Situation durch das Eingreifen von Madocs Mutter doch etwas ungewöhnlich ist – und wie sie gemeinsam auf der Suche nach dem Mörder sind, ohne dass Janet dabei wagemutiger vorgeht, als es für ihren Charakter angemessen wäre, während Madoc – trotz aller Bemühungen, sie zu beschützen – immer wieder einsehen muss, dass seine Verlobte ganz gut auf sich selbst aufpassen kann. Wie immer habe ich auch all die kleinen amüsanten Momente genossen, die Charlotte MacLeod in ihre Geschichten einbaut. Der Humor dieser Autorin liegt mir wirklich, ebenso wie ich es mag, dass sie sich bei ihren Krimis auf Charaktere konzentriert, die trotz diverser Eigenheiten und der einen oder anderen Übertreibung überraschend realistisch wirken.

So macht auch bei „Murder Goes Mumming“ vor allem die Interaktion der verschiedenen Condryckes untereinander einen besonders großen Reiz der Geschichte aus, ebenso wie Janets und Madocs Reaktion auf diese Familie und ihre ganz eigenen Weihnachtsgebräuche. Wobei ich betonen muss, dass auch die Auflösung dieses Mal nicht ganz so offensichtlich war wie bei „A Pint of Murder“. Dass der Täter beim ersten Teil relativ leicht erahnbar war, hatte mich zwar nicht gestört, aber es war nett, dass ich beim Hören der Fortsetzung etwas mehr mitraten konnte. Ich freu mich jetzt schon auf das nächste Madoc-und-Janet-Rhys-Hörbuch, auch wenn ich vermutlich vor dem Weiterhören erst einmal etwas anderes auf den Player packen werden. Schließlich will ich mir die wenigen Geschichten, die ich von Charlotte MacLeod noch neu zu entdecken habe, noch ein bisschen einteilen.

Charlotte MacLeod: Madoc und Janet Rhys 1 – A Pint of Murder (Hörbuch)

„A Pint of Murder“ von Charlotte MacLeod ist der erste Teil der „Madoc und Janet Rhys“-Krimis, die die Autorin unter dem Pseudonym „Alisa Craig“ verfasste. Ich muss gestehen, dass ich eine Weile um dieses Hörbuch herumgeschlichen bin, weil ich die Hörprobe dank des Sprechers William Dufris nicht so verlockend fand. Da mir aber diese Romane in meiner Charlotte-MacLeod-Sammlung fehlen und die Hörbücher die günstigste Variante sind, um an die Geschichten zu kommen, habe ich in den letzten Wochen dann doch zugeschlagen.

Die Handlung beginnt – wie so oft bei einem Charlotte-MacLeod-Krimi – mit einem relativ harmlos wirkenden Todesfall. Die alte Agatha Treadway wird tot auf ihrem Küchenfußboden aufgefunden, nachdem sie anscheinend durch eine unsachgemäß eingemachte Portion Brechbohnen vergiftet wurde. Ihre Nachbarin Janet Wadman hätte den Vorfall als Unfall abgetan, wenn sie nicht genau gewusst hätte, dass Agatha Treadway mehr als vorsichtig beim Einmachen war. Die alte Dame lebte nicht nur schon seit mehreren Jahrzehnten als Selbstversorgerin, nachdem ihr Mann durch eine Lebensmittelvergiftung gestorben war, sie erlaubte auch niemandem, ihr beim Einmachen, Kochen und Backen zu helfen, weil sie sichergehen wollte, dass die Lebensmittel auch korrekt verarbeitet wurden. Als Janet dann noch im Keller der Verstorbenen ein Glas mit Schnibbelbohnen findet, obwohl ihrer Nachbarin immer nur Brechbohnen eingekocht hat, ist sie sich sicher, dass Agatha ermordet wurde. Als es dann noch zu einem weiteren verdächtigen Todesfall kommt, wird Detective Inspector Madoc Rhys von den Mounties herangezogen, um in dieser Angelegenheit zu ermitteln. Er muss schnell feststellen, dass es erstaunlich viele Verdächtige gibt.

Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Janet Wadman und Madoc Rhys und so bekommt man als Leser sowohl die Ansichten einer Person, die mit all den potenziellen Verdächtigen sehr vertraut ist, als auch die eines Außenstehenden, was ich persönlich sehr unterhaltsam fand. Gerade bei Janets Passagen schwingt immer mit, dass man in einer so kleinen ländlichen Gemeinde die Eigenheiten und Macken der Nachbarn sehr gut kennt und gelernt hat, damit umzugehen. So hat Janet auch keine Probleme, die Verwandtschaft ihrer verstorbenen Nachbarin – unabhängig davon, ob ihr jemand sympathisch ist oder nicht – durchgehend verdächtig zu finden und sich darüber Gedanken zu machen, welche Beweggründe jeder für einen Mord an Agatha Treadway gehabt haben könnte. Auch wenn es etwas sehr offensichtlich war, wer die Morde begangen hat, so habe ich es genossen, den Gedankengängen von Janet und Madoc zu folgen und mich wunderbar über all die kleinen humorvollen Szenen amüsiert, die einfach zu einem Charlotte-MacLeod-Roman gehören. „A Pint of Murder“ ist ein gemütlicher Krimi, bei dem der Schwerpunkt eher auf den verschiedenen Charakteren und ihrer Beziehung zueinander liegt als auf der Jagd nach dem Täter. Solch eine Herangehensweise bei einem Krimi mag ich ganz besonders gern, vor allem, wenn eine Autorin so ein gutes Händchen für die Darstellung der verschiedenen Figuren hat und einem als Leser die erzählenden Personen so sympathisch sind.

Leider bin ich mit dem Sprecher William Dufris nicht so glücklich gewesen. Er hat zwar grundsätzlich eine angenehme Stimme, aber seine Betonung des Textes hat es mir stellenweise schwierig gemacht, ihn zu verstehen. Eigentlich dachte ich, dass mein Hörverständnis bei englischsprachigen Hörbüchern inzwischen recht gut wäre, und ich konnte der Handlung auch gut genug folgen, um die Details zu genießen, aber ich habe erschreckend oft einzelne Wörter nicht verstanden oder hatte stellenweise aufgrund der Betonung Mühe, einem Satz zu folgen. (Sehr schön war der Moment, an dem mir aufging, dass die eine Person keine „ducks“, sondern „dogs“ züchtete – mich hatte es nämlich irritiert, dass das Gespräch ständig zwischen Geflügel und Welpen wechselte.) Solche Probleme hatte ich weniger bei den Textpassagen, die im Dialekt geschrieben wurden, wo ich es ja noch verstanden hätte, sondern vor allem bei normalen Dialogen. Auch fand ich die unterschiedlichen Stimmlagen, die William Dufris für die verschiedenen Frauenfiguren verwendete, in der Regel eher unangenehm statt unterhaltsam, auch wenn ich ihm zugestehen muss, dass man so die verschiedenen Figuren gut auseinanderhalten konnte. Da mir die Geschichte insgesamt aber Spaß gemacht hat, werde ich mir trotz des Sprechers auch die vier anderen „Janet und Madoc Rhys“-Hörbücher anhören – und wer weiß, vielleicht gewöhne ich mich ja irgendwann an William Dufris‘ Art, einen Text vorzulesen.