Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Bruce Coville: Die Einhorn-Chroniken 1

Es gibt eine Sache, die mich an „Die Einhorn-Chroniken“ irritiert: Der Band „Das Tor zwischen den Welten“ wird als erster von drei Teilen bezeichnet – und beinhaltet die ersten beiden amerikanischen Bücher „Into the Land of the Unicorns“ und „Song of the Wanderer“. Bislang gibt es bei Scholastic Inc. nur einen dritten Teil der Reihe – weiter Bände kann ich auf der Homepage des Verlags nicht einmal als Ankündigung finden. Allerdings verspricht Amazon.com für 2010 den Titel „The Last Hunt“ als vierten Teil der Reihe … Und nun bin ich ein wenig verwirrt. 😉 Aber immerhin ist es schön mal zu sehen, dass die deutsche Veröffentlichung nicht nur einen halben amerikanischen Roman, sondern gleich zwei Bücher beinhaltet! 🙂

Doch erst einmal ein Wort zum Inhalt: „Das Tor zwischen den Welten“ erzählt von Caras unglaublichen Erlebnissen in einer fantastischen Welt. Als sie eines Tages mit ihrer Großmutter Ivy aus der Bibliothek kommt, fällt dem Mädchen auf, dass sie von einem fremden Mann verfolgt werden. Die beiden flüchten in eine Kirche und als der Fremde sie dort aufspürt, verhält sich die Großmutter sehr merkwürdig. Ivy Morris gibt ihrer Enkelin ein wertvolles Amulett, geht mit ihr in den Glockenturm und beginnt dort zu läuten. Cara soll beim zwölften Glockenschlag mit dem Amulett in der Hand vom Kirchturm springen, um sich so in Sicherheit zu bringen!

Zu ihrer großen Überraschung landet Cara so im märchenhaften Kirin und schnell begegnet sie allerlei fantastischen Gestalten, wie dem Einhorn Lightfoot, dem Dumbeltum und dem Skijum. Aber Kirin hat auch seine Schattenseiten und dazu gehören so boshafte und unheimliche Kreaturen wie die Delfer, die Cara das Ivys Amulett stehlen wollen. Hier in Kirin erfährt das Mädchen von den magischen Fähigkeiten des Schmuckstücks, und dass ihre Großmutter Morris schon häufig in Kirin war und als Freundin der Einhörner gilt. Das ist auch der Grund, warum der Fremde sie und Cara gejagt hat. Denn er gehört zu den Jägern, die seit Jahrhunderten versuchen einen Weg in die magische Welt zu finden, um die Einhörner auszulöschen.

Mir gefiel diese fantastische Geschichte sehr gut. Mit Cara zusammen konnte ich eine klassische Märchenwelt entdecken und habe vor allem den Dumbeltum schnell in mein Herz geschlossen. Auch wenn es für jüngere Leser einige erstaunlich heftige Szenen in diesem Roman gibt, sorgt die märchenhafte Stimmung dafür, dass man Caras Abenteuer in Kirin einfach nur genießen konnte. Allerdings muss ich zugeben, dass ich erst nach der Hälfte des Bandes gemerkt habe, dass mir hier zwei Romane präsentiert werden und das hat mich beim Lesen schon gestört. Denn auf einmal bekam ich innerhalb einer durchgehenden Geschichte wieder all die Dinge erklärt, die ich am Anfang schon einmal erzählt bekommen habe. Ein kleiner Hinweis des Verlages wie z.B. ein Titelblatt für den zweiten Teil, wäre da ganz nett gewesen. >g<

Wer von Bruce Coville schon die Geschichten um den Zauberladen kennt, wird vielleicht ein wenig erstaunt sein, wie sehr sich sein Erzählstil von diesen Romanen unterscheidet. „Das Tor zwischen den Welten“ ist eindeutig ernsthafter und da der Großteil der Geschichte nicht in unserer Welt spielt, wirken Caras Abenteuer auf mich nicht so ungewöhnlich wie die Zauberladen-Bücher. Trotzdem findet man hier ein wunderschönes modernes Märchen voller seltsamer Kreaturen und wirklich rührender Momente, die einem schon mal eine Träne ins Auge treiben können. 😉

Matthew Skelton: Cirrus Flux

Nachdem ich Matthew Skeltons ersten Roman „Endymion Spring“ wirklich mit Begeisterung gelesen hatte, war ich unheimlich gespannt auf sein zweites Werk. „Cirrus Flux – Der Junge, den es nicht gab“ wird ebenso wie „Endymion Spring“ über mehrere Zeitebenen erzählt. Aber hier sind die Zeitsprünge nicht so groß, sondern umfassen gerade mal zwölf Jahre.

Cirrus wächst in einem Waisenhaus in London auf. Man schreibt das Jahr 1783 und während die britischen Schiffe um die Welt reisen und jeden Tag von neuen Entdeckungen berichtet wird, wird Naturwissenschaft und Elektrizität noch wie Magie behandelt. In seinem Heim bekommt Cirrus von all diesen Wundern nichts mit. Mit seinem besten Freund stromert er durch die Gegend, bis ihn eines Tages ein unheimlicher Fremder beobachtet. Schnell findet Cirrus heraus, dass mehr als ein Mann hinter ihm her ist. Verschiedene Parteien glauben, dass der Junge von seinem Vater eine geheimnisvolle Kugel geerbt hat, die den „Atem Gottes“ beinhaltet.

Auch das Mädchen Pandora wird in die Jagd nach der Kugel hineingezogen. Sie lebt ebenso wie Cirrus im Waisenhaus und wird von dem Vorsteher Mr. Chalfont bei der unheimlichen Mesmerismuskünstlerin Madame Orrery in Dienst gegeben. Auch diese Frau ist hinter dem Geheimnis her, das sich in Cirrus Besitz befinden soll – und Pandora versucht alles, um dem Jungen gegen ihre Dienstherrin beizustehen. Während sich die Geschichte anfangs recht gemächlich entwickelt, überschlagen sich zum Ende die Ereignisse. Durch den gesamten Roman ziehen sich Rücksprünge, die dem Leser aufzeigen, wie es dazu kam, dass Cirrus‘ Vater James in den Besitz des „Atem Gottes“ kam – und wieso er sich gezwungen sah, seinen Sohn in die Obhut des Waisenhauses zu geben.

Ich fand diese Mischung aus Magie und Naturwissenschaft und die Atmosphäre, die Matthew Skelton geschaffen hat, wirklich faszinierend. Ein wenig erinnerte mich das Buch an den Film „Prestige“ mit Hugh Jackman, Christian Bale und Michael Cain, aber leider hat es der Autor in meinen Augen nicht geschafft, seinen Figuren genug Raum zu bieten. Die Charaktere sind entweder nett oder böse – und auch wenn ich Cirrus‘ und James‘ Handlungen nachvollziehen kann, so berührte mich ihr Schicksal recht wenig. Einzig Pandora wuchs mir soweit ans Herz, dass ich mit ihr etwas mitfiebern konnte.

Die Bösewichte hingegen waren mir zu motivlos. Okay, Madame Orrery wird mit einer Vergangenheit ausgestattet, die erklären soll, warum diese Frau so kaltherzig ist. Und der Zauberkünstler Leechkraft ist einfach geldgierig, aber so recht reicht mir das als Hintergrund nicht. Ich wünsche mir wirklich, dass sich Matthew Skelton mehr Zeit genommen hätte, um seine Figuren auszuarbeiten und all die Möglichkeiten, die dieses fantastische London bietet, auszuschöpfen. Doch trotz meiner Kritikpunkte habe ich „Cirrus Flux“ gern gelesen – nur eben nicht mit ebenso viel Euphorie wie „Endymion Spring“.

Katja Brandis: Der Sucher

Katja Brandis gehört zu den Autorinnen, deren fantastische Jugendbücher ich immer wieder gern lese. Neben den beiden Trilogien „Kampf um Daresh“ und „Feuerblüte“ gibt es noch einen einzelnen Band, der in ihrer ungewöhnlichen Welt Daresh spielt. „Der Sucher“ konzentriert sich auf Tjeri ke Vanamee, eine Figur, die auch schon in den Trilogien ihre Rolle hatte, und deren Vorgeschichte in diesem Roman erzählt wird.

Tjeri will unbedingt ein Sucher werden und beschließt beim besten Meister seines Volkes zu lernen. Doch der Große Udiko ist von dem Gedanken weniger begeistert und es kostest Tjeri so einiges an Mut und Gewitztheit, bis er den berühmten Sucher dazu bringt ihn auszubilden. Auch ohne das Vorwissen aus den beiden Trilogien kann man Tjeris Weg verfolgen, aber mit den Hintergrundinformationen über das Gildensystem in diesem fanastischen Land, wird die Geschichte des jungen Suchers schon etwas leichter verständlicher.

Schon in den vorhergehenden Büchern mochte ich Tjeri, aber in „Der Sucher“ habe ich ihn richtig ins Herz geschlossen. Während er lernt richtig zu suchen und mehr als das Offensichtliche wahrzunehmen, entspinnt sich ein Abenteuer um die verschiedenen Gilden auf Daresh. Vor allem die Intrigen in der Wasser-Gilde, der Tjeri angehört, bringen den jungen Sucher in Gefahr. Während die ersten Daresh-Geschichten immer aus Sicht der Menschen geschrieben wurden, lässt Katja Brandis in „Der Sucher“ auch eine Katzenfrau zu Wort kommen. Mi’raelas Teil der Geschichte beschreibt, wie es in der Felsenburg, dem Regierungssitz von Daresh, zu einem Kampf um die Macht kommt.

Anfangs fand ich diese Perspektivwechsel etwas verwirrend, denn Tjeri und die Katzenfrau unterscheiden sich nicht nur durch ihr Umfeld sehr voneinander. Aber je mehr sich die beiden Handlungsstränge miteinander verbinden, desto spannender wird die Geschichte – und obwohl ich wusste, dass Tjeri später noch weiter Abenteuer erleben würde (schließlich spielt dieses Buch vor den Daresh-Trilogien), so bangte ich doch ganz schön um das Leben der beiden Hauptfiguren. Für denjenige, der mal einen kleinen Blick nach Daresh werfen möchte, ohne gleich mit einer Trilogie anzufangen, ist „Der Sucher“ wunderbar geeignet. Ein spannender und humorvoller fantastischer Roman, der mit einer stimmig aufgebauten Welt und wirklich sympathischen Charakteren aufwarten kann. Allerdings ist dieser Titel vom Otherworld-Verlag mit 18,95 Euro nicht ganz billig …

Nina Blazon: Der Kuss der Russalka

Den jungen deutschen Zimmermann Johannes verschlägt es im Jahr 1706 nach Russland. Dort gehört er zusammen mit seinem Onkel zu den Handwerkern, die Zar Peter angeheuert hat, um aus dem Sumpf eine neue prächtige Hauptstadt für sein Reich zu erschaffen. Doch die fremden Arbeiter werden von den Einheimischen nicht gern gesehen und so gerät Johannes immer wieder in bedrohliche Situationen.

Als eines Tages die Leiche einer jungen Frau aus der Newa gezogen wird, sind die Russen lieber bereit zu glauben, dass einer der Ausländer das Mädchen getötet hat, als dass sie – wie ihre eigenen Legenden es nahe legen – eine Russalka sei. Johannes ist von der geheimnisvollen Leiche fasziniert, und als sie aus der Werkstatt seines Onkels verschwindet, beginnt er, Nachforschungen über den alten Mythos von den russischen Flussnixen und ihre Macht über das Wasser anzustellen. Doch er dabei gerät er ins Zentrum einer Verschwörung, bei der es um nichts geringeres als die Ermordung des Zaren geht.

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mich an Johannes Leben im historischen St. Petersburg gewöhnt hatte. Aber Nina Blazon beschreibt wirklich ganz wunderbar wie es den ausländischen Handwerkern im Russland dieser Zeit ergangen sein könnte, so dass man schnell versteht, welche Gefahren das Leben in der Fremde für diese Handwerker mit sich brachte. Johannes handelt nicht immer besonders vernünftig, er ist ein impulsiver Mensch, der an seinen Träumen hängt und dessen Gerechtigkeitssinn ihn auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Doch gerade diese Charaktereigenschaften lassen den jungen Mann recht realistisch wirken.

Doch neben dem historischen St. Petersburg übten von allem die Russalka ihren Reiz auf mich aus! Die Naturwesen sind fremdartig dargestellt, überwältigend, schön und auch sehr beängstigend. Vor allem aber haben sie keine Ähnlichkeit mit der klassischen Meerjungfrau oder gar menschliche Züge, die sie weniger überzeugend wirken lassen würden. Wie die Newa können sie lebensspendend und vernichtend sein – und lassen dabei nur ihrer Natur ihren Lauf. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, und ich werde bestimmt noch mehr von der Autorin lesen.

John Green: Eine wie Alaska (Hörbuch)

Obwohl ich eine sehr emotionale Leserin bin, berühren mich Hörbucher normalerweise weitaus weniger. Doch „Eine wie Alaska“ hat zum ersten Mal dafür gesorgt, dass ich so richtig mitgelebt habe und dabei habe ich das Hörbuch sogar wegen des Umzuges für ein paar Wochen unterbrechen müssen. Miles ist ein recht gewöhnlicher Junge mit einem ungewöhnlichen Hobby. Er sammelt die letzten Worte verstorbener Berühmtheiten. Und da er an seinem Wohnort keine Freunde hat und darauf hofft, dass das Leben an einem anderen Ort vielleicht doch noch etwas mehr für ihn parat hält, bittet er seine Eltern darum auf ein Internat gehen zu dürfen.

In Cluver Creek angekommen wird er von seinem Mitbewohner gleich in die kleine Clique rund um Alaska eingeführt und natürlich verliebt sich Miles Hals über Kopf in das unkonventionelle Mädchen – so wie all die anderen Jungen eigentlich auch. Alaska diskutiert und trinkt und raucht, ist von sich und ihren Ansichten überzeugt und bringt die andern mit ihren impulsiven Handlungen regelmäßig in Schwierigkeiten. Und doch gibt es an ihre eine verletzliche Seite, die sich immer wieder zeigt, und die letztendlich auch dazu führt, dass Alaska eines Nachts eine tödliche Dummheit begeht.

Anfangs ist es etwas irritierend, dass die Kapitel wie ein Countdown auf einen bestimmten Tag aufgebaut sind, aber so steigert sich auch die Neugierde darauf, was an zu diesem Zeitpunkt passieren wird (vor allem, wenn man den Klappentext nicht liest, der mal wieder ein bisschen zuviel verrät!). „Eine wie Alaska“ beginnt wie eine leichte und amüsante Schulgeschichte über Teenager, die Grenzen austesten, Streiche spielen, erste Erfahrungen in der Liebe sammeln und versuchen das Leben zu verstehen, in dem sie über Bücher und Philosophien diskutieren.

John Green drückt sich weitaus gehobener aus, als ich es einem durchschnittlichen Jugendlichen zutrauen würde, aber da die Sprache innerhalb der Geschichte stimmig ist, wirkt es nicht unpassend. Der Sprecher Andreas Fröhlich liest selbst die komplexeren Sätze so gut, dass man nie Verständnisprobleme hat, und ihm gelingt es jedem Charakter eine erkennbares Profil zu verschaffen. Miles ist der brave und etwas unsichere Junge, sein Mitbewohner wirkt forsch und Alaska übt sogar auf den Zuhörer einen gewissen Reiz aus.

Für mich war Alaskas Geheimnis recht schnell durchschaubar, aber es hat mich nicht gestört, dass ich das Gefühl hatte mehr zu wissen als die Figuren in dem Hörbuch. Während Miles und sein Mitbewohner noch versuchen mit dem fertig zu werden, was Alaska getan hat, rannen mir die Tränen über’s Gesicht und ich habe so richtig schön mitgelitten. Am Ende der Geschichte hatte ich eine emotionale Achterbahn hinter mich gebracht – und genau so sollte ein richtig gutes Hörbuch sein!

Timothy Carter: Dämonenhunger

Mit „Dämonenhunger“ habe ich ein paar wirklich amüsante Stunden verbracht. Die Geschichte ist einfach zusammengefasst: Der vierzehnjährige Vincent erfährt eines Tages, dass der Weltuntergang kurz bevorsteht. Auch wenn dem Junge klar ist, dass er diese Katastrophe nicht verhindern kann, so will er doch zusammen mit ein paar übernatürlichen Wesen versuchen eine Möglichkeit zu finden, wenigstens einige Menschen zu retten. Doch so ganz freiwillig startet Vincent seinen Teil der Mission nicht, was unter anderem auch an der strengen religiösen Erziehung seiner Eltern liegt.

Der Autor warnt den Leser gleich zu Beginn, dass er sich keine Hoffnungen machen soll: Die Welt wird untergehen und nichts und niemand kann das verhindern! Auch bei der Darstellung seiner Geschöpfe ist Timothy Carter nicht gerade zimperlich mit der märchenhaften Vorstellung seiner Leser umgegangen. Niedliche Feen und zauberhafte Elfen wird man in diesem Roman nicht finden. Dafür muss der arme Vincent damit leben, dass ihn die mythischen Charaktere versklaven, quälen und (zumindest einige von ihnen) nur zu gern mit der Welt untergehen lassen würden.

Der Schreibstil, die Vorhersehbarkeit einiger Handlungselemente und die Tatsache, dass zwar viel Gewalt vorkommt, diese aber den Leser so wenig berührt wie vergleichbare Darstellungen in Trickfilmen, zeigen schon, dass Timothy Carter seine Geschichte als eindeutig Kinder- bzw. Jugendbuch konzipiert hat. Aber ich bin über so einige Stellen gestolpert, die ich so wunderbar böse fand, dass ich mir gut überlegen würde, welchem Kind ich diesen Roman in die Hand drücke.

Mir persönlich hat „Dämonenhunger“ hingegen sehr viel Spaß gemacht. Das Buch war kurzweilig, leicht und amüsant zu lesen und mit genügen Ironie und gesellschaftlichen Seitenhieben versetzt, dass es nicht langweilig wurde. Eine kurze Recherche hat mir verraten, im November in England ein zweites Buch von Timothy Carter erscheinen wird, das wohl in eine ähnliche Richtung (ein Teenager, ein Dämon und ein gefallener Engel) gehen wird. Mal gucken, ob auch dieser Titel den Sprung auf den deutschen Markt schafft. Mich würde es freuen!

Eva Dumann: Im Zeichen der Schwäne

Eigentlich bin ich immer sehr misstrauisch, wenn ich erfahre, dass ein Autor/eine Autorin noch nicht einmal alt genug ist, um zu wählen, aber schon ein Buch bei einem Verlag untergebracht hat. Oft genug werden diese Romane nämlich vor allem veröffentlicht, weil man mit dem jungen Alter so gut Werbung machen kann, und weniger, weil die Geschichte so gut ist. Eva Dumann hat „Im Zeichen der Schwäne“ mit vierzehn Jahren geschrieben und angefangen hat sie die Geschichte als Weihnachtsgeschenk für ihren kleinen Bruder. Letztendlich ist ein wirklich unterhaltsames Buch daraus geworden, mit überzeugenden Charakteren und einer Welt, in die man gern noch einmal einen Blick werfen würde.

Die Halbelfe Eolée lebt mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder vor den Mauern der Stadt Arber. Eines Nachts steht ein fremder Junge mit einem geheimnisvollen Schwert vor ihrer Tür und bittet um Schutz vor Soldaten, die ihn verfolgen. Eolées Familie nimmt Pellinor bei sich auf und zieht ihn zwei Jahre lang wie ihren eigenen Sohn groß. Doch dann wird die Sehnsucht des Jungen nach seinem Heimatland Nituria und seiner Familie zu groß und er macht sich auf, um herauszufinden, was aus seinen Lieben geworden ist. Eolée begleitet den Ziehbruder in das Nachbarland und erfährt schnell, was es heißt, wenn ein Land unter einem tyrannischen König zu leiden hat. Die beiden Kinder geraten von einer Schwierigkeit in die nächste und schließen sich bald einer Widerstandsbewegung an, die „Im Zeichen der Schwäne“ gegen den Herrscher vorgeht.

Die größte Schwäche dieses Romans ist wohl, dass Eva Dumann so manches Problem ein wenig leicht für ihre Figuren lösen lässt. So fällt gleich im ersten Kapitel auf, dass Eolées Vater ganz ohne Misstrauen den fremden Pellinor in seine Familie aufnimmt, obwohl dieser in einem friedlichen Land mit einer Waffe vor der Tür steht. Aber die Charaktere sind ihr gut gelungen (überzeugende Jugendliche, ohne pubertäre Nervigkeiten), die von der Autorin geschaffene Welt ist wunderschön beschrieben – und vor allem in den vielen Details hat mich dieses Buch beeindruckt. Gerade der Widerstand und die Mittel mit denen diese Kämpfer vorgehen, sind überzeugend geschildert – und auch die Probleme, die z.B. durch einen harten Winter entstehen können, hat sie wunderbar eingebaut. Da mir der Roman so viel Spaß gemacht hat, hoffe ich sehr, dass die junge Autorin in den nächsten Jahren noch mehr schreiben wird!

Cynthia Voigt: Jackaroo

Der Roman „Unter der Maske Jackaroo“ hatte mich schon nachhaltig beeindruckt, als ich ihn vor vielen Jahren in der Bibliothek ausgeliehen hatte. Inzwischen habe ich die Neuauflage „Jackaroo“  und kann das Buch heute noch genauso genießen wie als Teenager.

Das Leben der Wirtstochter Gwen ist von Hunger und Armut geprägt, die Adeligen beuten das Land aus und niemand kann etwas dagegen unternehmen. Doch immer häufiger geht das Gerücht von einem Kämpfer um, der gegen die Unterdrückung der Lords angeht. Gwen glaubt nicht an diesen „Jackaroo“, niemand hat je sein Gesicht gesehen und die Wirtstochter ist sich sicher, dass kein Mensch allein all diese Heldentaten begangen haben kann. Doch dann kommt der Tag, an dem Gwen in einer abgelegenen Hütte Jackaroos Maske, Schwert und Mantel findet – und selber in die Identität des Kämpfers für Gerechtigkeit schlüpft.

Angelehnt an den Robin-Hood-Mythos erzählt Cynthia Voigt eine wunderbar bewegende Geschichte von einem eigentlich ganz normalen Mädchen, das seinen Teil dazu beträgt, dass die Welt ein kleines bisschen besser wird. Jeder kann die Maske des Jackaroo anlegen, um das Leben für alle Menschen besser zu machen – und Gwen gehört eben zu denjenigen, die diesen Schritt tun. Die Autorin schreibt so schön, dass man mit der Hauptfigur zusammen die Abenteuer des Jackaroo erlebt. Mit jedem neuen Erlebnis wird Gwen selbstbewusster und ist immer weniger bereit sich ihrem Schicksal als Mädchen zu fügen, einen Mann zu heiraten und die Willkür der Herrschenden einfach hinzunehmen. Am Ende legt man das Buch aus der Hand und hat nicht nur ein paar spannende Stunden mit Gwen verbracht, sondern fühlt sich selber ein kleines bisschen mehr in der Lage seinen eigenen Weg zu finden. 😉

Patricia C. Wrede: Die Drachenprinzessin (Zauberwald-Chroniken 1)

Eine Prinzessin zu sein, ist manchmal gar nicht so leicht – vor allem, wenn man den Erwartungen der Familie nicht entspricht. Und Cimorene entspricht den Vorstellungen ihrer königlichen Eltern so gar nicht: Sie ist weder blond, noch niedlich, noch interessiert sie sich für’s Tanzen und Sticken oder gar für die Prinzen der Nachbarländer. Immer wieder bringt sie die Berater und das Personal ihres Vaters dazu, ihr Dinge beizubringen, die sich für eine Prinzessin nicht gehören. Als sie Fechtunterricht nimmt, wird dieser schnell von ihren Eltern beendet, und so ergeht es ihr auch, als sie Kochen, Zaubern und etwas über Staatskunst lernen will. Letztendlich sind ihre Eltern so verzweifelt über eine so unprinzessinenhafte Tochter, dass sie sie so schnell wie möglich verheiraten wollen (und wenn man den potenziellen Bräutigam mit dem halben Königreich bestechen muss).

Doch als Cimorene hinter den Plan ihrer Eltern kommt, läuft sie weg und beschließt eine Drachenprinzessin zu werden. Bei den Drachen zu leben ist vollkommen akzeptabel für eine Prinzessin – auch wenn man normalerweise dafür entweder von seinem Volk geopfert oder von einem Drachen entführt werden muss. So ist es für Cimorene auch nicht so ganz leicht einen Drachen zu finden, der bereit ist eine so energische Prinzessin aufzunehmen. Doch die Drachendame Kazul ist beeindruckt von Cimorenes Unternehmungsgeist und so beginnt die Prinzessin glücklich das Leben in der Drachenhöhle zu organisieren.

Mit dem Ordnen der Bibliothek und der Schatzkammer und dem Aufräumen und Putzen der Höhle ist Cimorene gut ausgelastet und kochen muss sie für die Drachendame auch noch. Da ist es mehr als hinderlich, dass ständig Prinzen und Ritter vorbeikommen und sie vor Kazul retten wollen. Und auch die Zauberer, die versuchen sich zu dem Gebiet der Drachen Zugang zu verschaffen, werden der Prinzessin schnell lästig.

Patricia C. Wrede hat mit der „Drachenprinzessin“ eine ganz wunderbare Geschichte geschrieben, die junge und alte Leser erfreut. Die amüsante Sicht der Autorin auf die klassische Märchenwelt und Cimorenes energische Art ihr Leben gegen die Traditionen aufzubauen sind mehr als unterhaltsam. Immer wieder stolpert man über kleine Szenen, die in sich so stimmig sind, dass man sich fragt, warum es nicht noch viel mehr Bücher gibt, die Geschichten außerhalb der Klischees zeigen.

Eine so vernünftige und emanzipierte Prinzessin ist nicht nur sympathischer als ein „Fräulein in Nöten“, sondern es macht auch deutlich mehr Spaß ihre Abenteuer bei den Drachen und im Zauberwald zu verfolgen. So ist es kein Wunder, dass ich dieses Buch (und die Fortsetzungen) mindestens einmal im Jahr lese und mich immer wieder an der schlagfertigen Cimorene und all den anderen liebenswerten Charakteren erfreue.