Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Kerstin Gier: Saphirblau

Nach „Rubinrot“ ist „Saphirblau“ der zweite Band der „Liebe geht durch alle Zeiten“-Trilogie von Kerstin Gier. Ich war ja anfangs etwas skeptisch, da ich mit den ganzen hochgejubelten Büchern in letzter Zeit regelmäßig auf die Nase gefallen bin oder zumindest konnte ich die Begeisterung nur selten ohne Einschränkungen teilen. 😉 Aber „Rubinrot“ hat mir wirklich gefallen, da es eine Geschichte mit einem ungewöhnlichen Ansatz und sympathischen Figuren mit erfrischendem Humor erzählt. So habe ich mich natürlich auch gleich nach dem Lesen des ersten Bandes auf in der Bibliothek auf die Vormerkliste für „Saphirblau“ setzen lassen (und freue mich außerdem noch darüber, dass diese Buch auch für Karis YA-Book-Challenge gezählt werden kann *g*).

„Saphirblau“ setzt direkt an die Handlung von „Rubinrot“ an. Gerade mal ein paar Tage ist es her, dass Gwendolyn herausfand, dass sie das Zeitreise-Gen ihrer Familie geerbt hat und nun überschlagen sich die Ereignisse für sie. Nur mühsam kann sich das Mädchen daran gewöhnen, dass sie nun jede Tag vorsichtshalber für ein paar Stunden in die Vergangenheit zu springen hat – und von der Idee, dass sie in dieser Zeit in einem düsteren Kellerraum in dem Gebäude der Wächter ihre Hausaufgaben machen kann, ist sie auch nicht begeistert.

Doch vor allem hier Verhältnis zu Gideon hält Gwen auf Trab. Der junge Zeitreisende küsst sie in dem einen Moment leidenschaftlich, nur um sie kurz darauf wieder von sich zu stoßen. Gwendolyn hat keine Ahnung, wie sie mit so einem Verhalten umgehen soll – und nur langsam kommt sie dahinter, dass sie zwar in Gideon Gefühle weckt, er sich aber noch nicht dazu durchringen kann, ihr zu vertrauen. Denn innerhalb der Gruppe der Zeitreisenden scheint es einen Verräter zu geben, der verhindern will, dass Gideon auch die letzten Blutproben für den geheimnisvollen Chronografen sammeln kann, um damit die Aufgabe des Grafen von Saint Germain zu erfüllen.

Wirklich viele neue Erkenntnisse hat dieser zweite Band der Trilogie nicht gebracht, kritisch betrachtet dient „Saphirblau“ als Bindeglied zwischen dem Auftakt und dem Abschluss von „Liebe geht durch alle Zeiten, ohne die Handlung groß weiter zu bringen. Doch Kerstin Gier hat diesen Roman dazu genutzt, um das Verhältnis zwischen Gwen und Gideon weiter auszubauen, mehr Details über die Gesellschaft der Wächter und ihre Gegenspieler zu verraten und neue Charaktere einzuführen. Einer davon ist der kleine Wasserspeierdämon Xemerius, der sich als erstaunlich nützlich für Gwen erweist.

Was den kleinen Wasserspeier angeht, so bin ich nicht so absolut hingerissen von dem Kerlchen, wie so manch anderer Leser das zu sein scheint. Aber immerhin dienen die Informationen, die er für Gwen besorgt, dem Fortgang der Handlung – und dafür bin ich dem Dämonchen doch sehr dankbar. 😉 So hat mir auch „Saphirblau“ wie schon der erste Teil der Trilogie einen amüsanten und unterhaltsamen Nachmittag beschwert, ohne besonderen Tiefgang, aber mit lustigen Szenen im historischen London, der Erkenntnis, dass Gwen mir ein bisschen unheimlich ist, wenn sie zuviel Punsch getrunken hat >g< und einer Erklärung dafür, was Lucy und Paul bewogen hat, die Gesellschaft der Wächter zu hintergehen, indem sie den ursprünglichen Chronografen stahlen. Kurz gesagt, es war eine nettes Leserlebnis und ich freue mich auf den dritten Teil, auch wenn ich auch den wohl erst wieder aus der Bibliothek ausleihen werde.

Bettina Belitz: Splitterherz

 

Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.

Bei dieser Rezi beschränke ich mich mal für die Inhaltsangabe auf den Klapptentext – das gibt mir mehr Raum, um über mein Leseerlebnis zu schreiben. 😉

In letzter Zeit überkommt mich ja immer wieder das Gefühl für bestimmte Geschichten einfach zu alt zu sein. So auch bei Splitterherz … Ellie hat mir auf den ersten 200-300 Seiten das Lesen gründlich vermiest und ich musste mich schon überwinden, um die erste Hälfte des Buches hinter mich zu bringe. Ich kann damit leben, dass eine Hauptfigur ständig heult und sich nicht immer vernünftig verhält, aber dieses Mädchen ist mir wirklich auf die Nerven gegangen und ich musste mir nach einer Pause immer eine Ruck geben, um nicht auf einen anderen Roman auszuweichen.

Okay, es ist wirklich nicht schön, ein Jahr vor dem Abitur die Schule zu wechseln, und es ist nicht schön, seinen Freundeskreis verlassen zu müssen, aber muss sich Ellie deshalb so kindisch verhalten? Vor allem ist ja doch recht schnell klargestellt worden, dass ihre allerbesten Freundinnen auch nicht gerade die Menschen waren, die sie glücklich machten, und dass sie sich ständig verstellen musste, um überhaupt ihre Anerkennung zu erhalten. Einzig die Hoffnung, dass hinter diesem irrationalen Benehmen mehr steckt, als anfangs zu sehen ist, hat mich bei der Stange gehalten. Wobei mich auch hier die von der Autorin gelieferten Hintergründe nicht wirklich befriedigt haben. Okay, Ellie hat einen Grund, warum sie ständig heult und warum es ihr schwer fällt mit andere Menschen Umgang zu haben, aber mir fehlte eine richtige und greifbare Erklärung für diese Fähigkeit.

Dann der Teil, der sich um Colin dreht. Ganz ehrlich, im Prinzip ist die Handlung nun nicht so viel anders aufgebaut als in einer der unzähligen romantischen Vampirgeschichten, die seit ein paar Jahren den Buchmarkt überschwemmen. Aber ich muss zugeben, dass ich die Figur des Colin mochte – und ich mag die Idee, die hinter seinem Charakter steckt. Ich verkneife mir jetzt mal einen Spoiler, denn ich habe mich wirklich geärgert, dass einige Rezensionen schon verraten, was Colin ist! So ist mir doch eine Menge Spannung verloren gegangen und ich habe während des Lesens darauf gewartet, dass dieser Punkt in der Geschichte endlich angesprochen wird.

Aber sich mit Colin auf einen kaum genutzten Mythenbereich zu stützen, damit hat sich Bettina Belitz meine Anerkennung verdient. Ich finde, dass sie diese Grundidee wirklich reizvoll ausgebaut hat – und siehe da, die zweite Hälfte des Buches, hat mir dann auch deutlich besser gefallen! 🙂 Ellie war lange nicht mehr so wehleidig (na ja, sie hatte auch nicht mehr so wirklich viel mit ihren Mitschülern zu tun), dafür war sie damit beschäftigt hinter Colins Geheimnis zu kommen und herauszufinden, warum ihr Vater so ein Problem damit hat, dass sie sich mit Colin trifft. Am Ende gibt es noch einige „Action“ mit spannenden und amüsanten Momenten – und auch wenn ich mit dem Schluss so wie er jetzt ist sehr zufrieden bin, so hat mich die zweite Hälfte mit der Geschichte so sehr versöhnt, dass ich auch Lust auf eine (gut gemachte!) Fortsetzung hätte.

Insgesamt hätte diesem Roman meiner Meinung nach eine kräftige Straffung geholfen und Ellie hätte nicht ganz so ausführlich (und jämmerlich) aufgebaut werden müssen. Dafür gibt es ein paar andere Charaktere (vor allem Colin), die ich interessant oder amüsant fand. Auch ist mir aufgefallen, dass die Autorin mit ihrem Erzählstil sehr schön Stimmungen herbeirufen kann. Ihr Wald ist mal bedrohlich, mal sonnig und wunderschön. Wenn sie ein Gewitter beschreibt, dann kann ich es vor mir sehen – und vor allem die Szenen, in denen wirklich viel los war, haben mir richtig gut gefallen. Mehr davon und weniger Gefühlsduselei – und ich hätte mich mit dem Anfang nicht so schwer getan!

Bruce Coville: Die Einhorn-Chroniken 2

Hatte der Loewe-Verlag im ersten Band der deutschen Veröffentlichung dem Leser zwei amerikanische Romane präsentiert, so bekommt man mit „Die Einhorn-Chroniken 2 – Das Geheimnis des Flüsteres“ die deutsche Version des dritten Teils von Bruce Coville geboten. Wie man dem Nachwort entnehmen kann, hat der Autor acht Jahre gebraucht, um diese Fortsetzung zu schreiben – und überraschenderweise habe ich keinen Bruch zwischen den ersten beiden Geschichten und dieser bemerken können.

Für den Leser schließt die Handlung ziemlich direkt an „Das Tor zwischen den Welten“ an. Caras Großmutter ist gerade erst die Königin der Einhörner geworden und die Bedrohung durch die Jäger, die versuchen die magische Welt Kirin zu erreichen, um die Einhörner zu vernichten, besteht immer noch. So bekommt Cara den Auftrag zusammen mit einer Gruppe aus drei Einhörnern, dem Zwerg Grimwald und dem lustige Skijum in das Tal der Zentauren zu reisen. Der Anführer der Zentauren könnte nämlich ein paar Informationen über den geheimnisvollen Flüsterer haben, der laut einer (leider verstümmelten) Prophezeiung, die sich in den Chroniken der Einhörner befand, für die magischen Geschöpfe eine noch größere Bedrohung darstellt, als es die Jäger sind.

Auch Caras Vater Ian Hunter, der sich inzwischen vollständig von den Jägern und seiner Ahnenfrau Beloved abgewendet hat, ist mit einer wichtigen Mission unterwegs. Während er seiner Tätigkeit als Jäger nachging, hatte Beloved die Seele seiner Frau Martha in das Regenbogengefängnis gesperrt. Doch nun hat Ian von seiner Tochter einen Rubin überreicht bekommen, der als Schlüssel zu diesem übernatürlichen Gefängnis dient – und endlich besteht die Hoffnung, dass es ihm gelingen könnte, seine Frau zu befreien.

Bruce Coville entwickelt die Geschichte genauso märchenhaft weiter, wie sie in „Das Tor zwischen den Welten“ begann. Wunderschöne magische Momente und schreckliche Gefahren werden hier zu einer spannenden und überaus unterhaltsamen Handlung verwoben. Ganz ehrlich, ich mag diese Bücher wirklich gerne! Allerdings gibt es schon ein paar Stellen, die in Anbetracht der Altersempfehlung des Verlages (ab 10 Jahren) ganz schön heftig sind. Die Einhörner werden von den Delfern angegriffen und werden nicht nur schwer verletzt, sondern es gibt auch einen Toten. Auch ein Überfall dieser unheimlichen Rasse auf das Haus der Erdzauberin M’Gama endet für einen der sympathischen Charaktere tödlich.

Doch trotz – oder vielleicht gerade wegen dieser düsteren – Momente, habe ich diesen Roman richtig genossen. Die Handlung ist spannend und voller magischer Details, die einen an klassische Märchen erinnern und einem doch ganz neu und anders vorkommen. Bruce Covilles Erzählstil ist so einfach, wie es sich für ein Kinderbuch gehört, und für mich deshalb auch besonders eindringlich. Seine Charaktere habe ich wirklich ins Herz geschlossen und leide regelrecht mit, wenn wieder einer vor ihnen vor einer schwierigen Entscheidung steht. Dem Autor gelingt es ganz großartig mit Gegensätzen zu spielen, so dass es kein einfaches gut und böse, kein richtig oder falsch in dieser Geschichte gibt. Ich bin auf jeden Fall schon sehr neugierig darauf, wie es mit Cara und der magischen Welt Kirin weitergeht, – und das liegt nicht nur an dem gemeinen Cliffhanger am Ende dieses Bandes.

Kerstin Gier: Rubinrot

Lange Zeit habe ich mich mit Händen und Füßen gegen „Rubinrot“ gewehrt, vor allem der Hype um die Fortsetzung hatte mir eigentlich jede Lust auf diese Geschichte genommen. Tja, und dann habe ich doch mal geguckt, ob meine Bibliothek das Buch hat und habe es vorgemerkt. Die Neugierde ist bei mir eben doch größer als der Dickkopf. Irgendwie hatte ich aber immer noch keine Lust es zu lesen, als es hier im Regal lag (abgesehen davon, dass ich noch genügend Romane hier habe, die ich eigentlich ganz schnell abarbeiten sollte). Aber dann ich wolle es auch nicht zurück in die Bibliothek schleppen, ohne einen Blick hineingeworfen zu haben. Zwei Stunden hat es gedauert, dann ich mit der Geschichte durch – und nett waren diese zwei Stunden!

Kerstin Gier erzählt in „Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten“ von Gwendolyn, die zusammen mit ihrer ungewöhnlichen Familie in London lebt. Jeder in ihrer Familie ist sich sicher, dass ihre Cousine Charlotte das seltene Gen geerbt hat, das es ihr erlauben wird, durch die Zeit zu springen. Doch eines Tages ist es Gwendolyn, die sich in einer vergangenen Epoche wiederfindet. Hofft sie anfangs noch, dass das ein Irrtum oder eine einmalige Sache war, muss Gwendolyn schnell lernen, dass sie diejenige ist, die nun die Aufgabe des „Rubin“ bei einer Gruppe von Zeitreisenden übernehmen muss.

Doch während Charlotte ihr Leben lang auf diese ungewöhnliche Tätigkeit vorbereitet wurde, hat Gwendolyn keine Ahnung, was nun von ihr verlangt wird und welches Wissen sie benötigt, um beim Reisen durch die Zeit zu überleben. Aber nicht nur ihre Familie, sondern auch die de Villiers gehören zu den Zeitreisenden – und der attraktive Gideon de Villiers ist nicht gerade erfreut darüber, in Zukunft mit einem absolut unvorbereiteten Mädchen durch die Zeit zu springen.

Durch die ganzen Rezensionen, die ich schon von dem Buch gelesen hatte, bin ich mit bestimmten Erwartungen an diesen Roman herangegangen. Doch statt einer zuckersüßen und kitschigen Liebesgeschichte habe ich eine (zum Glück) erfrischend lustige Handlung mit sympathischen Charakteren und einem interessanten Hintergrund vorgefunden. Mir hat diese Mischung aus Reisen in die Vergangenheit und den Passagen in der heutigen Zeit gefallen – und Gwendolyns beste Freundin Leslie gefällt mir. Sie glaubt nicht nur daran, dass Gwendolyn durch die Zeit reisen kann, sondern versucht sogar ihr mit so vielen Informationen wie möglich zur Seite zu stehen.

Aber vor allem die geheimnisvollen Wächter und der Graf von Saint Germain, der Gründer dieser Gruppe, die sich mit dem Zeitreisen beschäftigt, und seine Absichten machen mich neugierig – auch wenn man sich schon so einige Hintergründe denken kann. Außerdem finde ich Gwendolyn richtig nett und verfolge mit Interesse ihre Erlebnisse, ich mag ihre Freundin Leslie und den guten James und ich habe einige von Gwendolyns Familienmitgliedern ins Herz geschlossen. Oh, und ausnahmsweise hat mir auch das Zeitreise-Thema, mit dem ich normalerweise nicht so glücklich bin, in diesem Roman gefallen.

In Gwendolyns und Gideons Leben geht das Zeitreisen sehr organisiert vor sich. Um unkontrollierte Sprünge zu verhindern und die Ziele der Wächter durchzusetzen, wurde das Zeitreisen schon lange erforscht und Regeln für die Reisenden aufgestellt. Das befreit diese Sprünge in die Vergangenheit von dem üblichen Zeitreisenbalast und bietet der Autorin mehr Raum für die eigentliche Handlung und den Ausbau der Charaktere. Insgesamt hat mir „Rubinrot“ einen schönen und heiteren Nachmittag bereitet und nun warte ich darauf, dass „Saphirblau“ in der Bibliothek ausleihbar ist. 😉

Nina Blazon: Im Bann des Fluchträgers (Woran-Saga 1)

Nach „Der Kuss der Russalka“ und „Die Sturmrufer“ habe ich in den letzten Wochen „Im Bann des Fluchträgers“ in Angriff genommen – Nina Blazons erster Erfolg im Bereich Jugend-Fantasy. Währen die Autorin sich (wenn ich nach diesen drei Büchern gehen kann) immer mehr von der klassischen Fantasy entfernte, um eigene oder historische Elemente einzuflechten, fühlte es sich für mich in der umgekehrten Reihenfolge so an, als ob ich mit jedem Roman weiter in vertraute Gewässer vorstoßen würde.

„Im Bann des Fluchträgers“ beginnt an einem verregneten Tag vor einer Burg. Der Junge Ravin kommt aus dem Tjärgwald mit einer erschütternden Botschaft geritten: Sein Bruder Jolon, ein Heiler, hat einen Fluchträger berührt und liegt nun im Sterben. Doch so sehr sich die Königin Jolon verpflichtet fühlt und helfen möchte, so sehr ist sie mit dringenderen Probleme beschäftigt. Das ganze Land hat sich in der letzten Zeit verändert, es wird kälter, stürmischer und die unheimlichen Hallgespenster treten in erschreckender Anzahl auf. Während die Königin zusammen mit Gesandten aus den Nachbarländern versucht die Ursache für diese Veränderungen zu finden und dagegen vorzugehen, kann sie Ravin nur wenig Hilfe bieten.

Immerhin bekommt der Junge von dem Rat der Zauberer den Hinweis, dass vielleicht im Grenzland eine magische Quelle zu finden sei, die Jolon retten könnte. Doch ob es diese Quelle wirklich gibt oder nicht, können die Zauberer nicht sagen, den ihre Existenz wird nur durch Sagen belegt. Ihm wird der (natürlich eher unfähige *g*) Zauberlehrling Darian zur Seite gestellt und die beiden Jungen bekommen von der Königin zwei Regenbogenpferde, die schneller als jedes andere Tier die Strecke bewältigen können. Doch im Grenzland angekommen, müssen die beiden Reisenden entdecken, dass nicht eins der vielen Gerüchte stimmt, die sie bislang über diese Region gehört hatten. Statt dessen geraten sie in einen Krieg zwischen dem Herrschenden und einer kleinen Rebellengruppe und noch bevor Ravin und Darian sich umgucken können, sind sie mitten im Kampfgeschehen.

Wie schon bei „Die Sturmrufer“ kann ich Nina Blazons fantastische Welt wirklich genießen. Ihr gelingt es die (für mich) richtige Mischung aus vertrauten Elementen und ganz eigenen Geschöpfen und Gebräuchen in ihrer Geschichte zu verwenden. So muss ich mir nicht ständig den Kopf zerbrechen, was es jetzt schon wieder mit einer Anspielung, einem Brauch oder einem Volk auf sich hat, finde aber immer wieder kleine ungewöhnliche Dinge, die mein Interesse wecken.

Obwohl Ravin und Darian auf den ersten Blick als „der Naturbursche“ und „der unfähige Zauberlehrling“ sehr klassische besetzt sind, haben mir die beiden ebenso gut gefallen, wie die weiteren Charaktere, die die Autorin im Laufe der Geschichte einführt. Ihre Reaktionen und Beweggründe sind recht realistisch und zum Teil auch sehr vielschichtig und machen sie sympathisch. Allerdings sind sie mir nicht so weit ans Herz gewachsen, dass ich mit ihnen so sehr mitfieberte, dass ich alles um mich herum vergaß.

Dafür haben es mir mal wieder die ungewöhnlichen Nebenfiguren angetan, wie die Feuernymphe, die ihr Herz für Ravin entdeckt, und der Naj (ein Wassergeschöpf), der auf seine ganz eigene Art versucht die Reisenden vor einer Gefahr zu warnen. Nina Blazons Fabelwesen sind angenehm „unmenschlich“, nicht böse, nicht gut, sondern einfach von ihrer Neugier und ihren Instinkten und Bedürfnissen getrieben. Auch gefällt es mir, dass sie für viele Orte, Geschöpfe und Erscheinungen Märchen erfunden hat, die sie geschickt in die Geschichte einflechtet und die meine Fantasie angeregt haben. Obwohl das „überraschende“ Ende für mich etwas zu vorhersehbar war, hat mir das Buch so gut gefallen, dass ich mir gleich den zweiten Teil der Reihe ertauscht habe. 🙂

Isabel Abedi: Whisper

Eigentlich war ich mir ja ganz sicher, dass ich von Isabel Abedi noch nie etwas gelesen hätte. Deshalb habe ich – nach all den lobenden Erwähnungen auf diversen Buchblogs 😉 – mal in der Bibliothek die Augen aufgehalten und mir „Whisper“ geschnappt, als es verfügbar war. Inzwischen habe ich mich durch mehr als zehn Amazon-Seiten geklickt und festgestellt, dass ich von der Autorin schon „Das 99. Schaf“ und „Lucy ist heute Piratin“ kenne. Allerdings wundert es mich nicht, dass ich mich an die Titel kaum noch erinnere, da ich die vor fast fünf Jahren für meinen damaligen Job konsumiert habe.

Immerhin ist „Whisper“ das erst Jugendbuch, dass ich von der Autorin lesen – und ich muss zugeben, dass es mich nicht genug motiviert, um nach weiteren Titel von Isabel Abedi Ausschau zu halten. 274 Seiten und sie zogen sich so lang hin, vor allem, da ich mich nicht traute ein anders Buch parallel zu lesen, denn dann hätte ich „Whisper“ wohl unvollendet zurück in die Bibliothek gebracht. Dabei ist nicht schlecht, nur auch überhaupt nicht gut oder gar mitreißend oder fesselnd oder interessant oder … 😉

Noa (eigentlich Nora, aber den Namen mag sie nicht) will den Sommer mit ihrer Mutter Kat (einer gefeierten Filmschauspielerin) und deren älteren Freund Gilbert (der nicht nur auf Esoterik, sondern auch auf Männer steht) in einem kleinen Haus auf dem Land verbringen. Keiner von ihnen hat sich das neue Feriendomizil schon einmal angesehen, die Vertragsverhandlungen wurden von Kats Assistenten übernommen und so birgt das Haus und der Zustand in dem es ist, vom ersten Moment an so einige Überraschungen für die ungewöhnliche Familie.

Für die notwendigen Renovierungen engagiert Kat David, der zusammen mit seiner Mutter und seinem behinderten Bruder beim örtlichen Wirt wohnt und aushilft. Von Anfang an fühlt sich Noa zu David hingezogen, dabei hatte sie an ihrem fünfzehnten Geburtstag ein Erlebnis, dass ihr das Vertrauen gegenüber Jungs genommen hat. Und auch David ist kein einfacher Typ, aufgrund seiner Familiengeschichte reagiert er auf viele Dinge empfindlich oder gar aggressiv.

Bei einer Seance, die nur ein Spiel sein soll und Gilbert zuliebe abgehalten wird, bekommen die beiden Hinweise auf ein Verbrechen, dass sich vor einigen Jahren in dem Haus zugetragen hatte. Gemeinsam versuchen sie die Informationen des Geistes, Spuren, die sie finden, und Erzählungen von Dorfbewohner auszuwerten und die ganze Geschichte hinter dem Tod der schönen jungen Eliza herauszufinden.

Vielleicht war ich einfach nicht in der Stimmung für eine Geistergeschichte, aber normalerweise ist das für mich kein Grund so wenig in eine Handlung hineinzufinden. Wenn es gut geschrieben ist oder interessante Charaktere vorhanden sind, dann fesselt mich eine Geschichte nach ein paar Seiten. Doch allein schon die Familienkonstellation ging mir auf die Nerven, ebenso Noas Verhältnis zu ihrer Mutter Kat. Natürlich fühlt sich das Mädchen von der egozentrischen und atemberaubend hübschen Schauspielerin vernachlässigt (und wahrscheinlich sogar zu Recht), aber mich hat es genervt davon zu lesen.

Noa, Kat, Gilbert und David sind so klischeebeladen, dass ich nur mit dem Kopf schütteln konnte. Gilbert liest das Gummibärchenorakel, sucht Antworten im Universum, diskutiert mit dem Dorfpfarrer über Geistererscheinungen und ist für Kat und Noa der väterliche Halt im Leben. Und auch David ist in seinem Auftritt als sternensüchtiger Freigeist mit der harten Schale und dem weichen Kern kein besonders origineller Typ. Sogar der Geist Eliza und all die Geschehnisse um sie herum, waren mir gleichgültig, da sie so wenig atmosphärisch beschrieben wurden.

Ich kann kaum glauben, dass Isabel Abedi immer solche Probleme damit hat Stimmungen aufzubauen, aber weder das Dorf, noch das Haus wurden für mich jemals greifbar. Immer wieder geht es Absatz um Absatz um die Renovierungen und Veränderungen an diesem Feriendomizil, aber (obwohl ich eigentlich grundsätzlich jede Passage rund um Handwerk und Handarbeiten liebe) es hat mich absolut nicht interessiert und schien mir nur inhaltslose Füllung der Seiten zu sein. Nachdem nun weder die Charaktere, noch die Umgebung oder gar das „Rätsel“ um Eliza mich interessierten, hat nur mein Dickkopf dafür gesorgt, dass ich das Buch beendet habe.

Nina Blazon: Die Sturmrufer

Nach „Der Kuss der Russalka“ ist „Die Sturmrufer“ der zweite Roman, den ich von Nina Blazon gelesen haben – und er hat mir noch besser gefallen. Vielleicht, weil es eine reine Fantasygeschichte ist, ohne die (wirklich interessanten!) historischen Bezüge, die die Geschichte um die Russalka hatte. Und natürlich habe ich erst danach „Im Bann des Fluchträgers“ (Woran-Saga 1) gelesen und festgestellt, dass „Die Sturmrufer“ in der gleichen Welt angesiedelt sind wie die drei Romane der Woran-Saga. *g*

So, nun aber erst einmal ein bisschen zum Inhalt: Die Küstenstadt Dantar wird seit längerer Zeit von einer Serie verheerender Stürme heimgesucht, die vermutlich keines natürlichen Ursprungs sind. Nach einem dieser magischen Unwetter gelingt es Amber, einer jungen Frau, die in den Bergen aufgewachsen ist, Arbeit bei einer Bergungstruppe zu finden. Zu viert sollen Amber, die Taucherin Sabin, der Navigator Tanijen und der Seiler Inu mit einem Ruderboot auf das Meer fahren und versuchen Ladung aus einem gesunkenen Schiff zu bergen.

Doch statt ihren Auftrag ausführen zu könne, werden sie von einem weiteren Sturm auf eine seltsame Insel im Auge eines Mahlstroms verschlagen. Dort finden sie in einem verlassenen Turm den Grund für die Stürme heraus. Geistererscheinungen und Ungeheuer bedrohen die vier auf diesem verlassenen Eiland und während sie noch einen Weg zurück nach Dantar suchen, müssen sie feststellen, dass wohl nur sie in der Lage sind den bösen Bann zu brechen und ihr Land zu retten.

Was mir an dieser Geschichte gleich ins Auge sprang, ist, dass Nina Blazon ihre fantastische Welt dem Leser ohne große Erklärungen gegenüberstellt. Wie schon bei Katja Brandis finde ich diese Vorgehensweise angenehm stimmig. Denn wenn man in einem Land wohnt, dann sind viele Traditionen und Verhaltensweisen für einen selbstverständlich und man erklärt sie nicht bei jedem Handgriff, damit der dumme Leser auch weiß, worum es geht. 😉 Allerdings hat die Autorin mit Amber eine Figur eingeführt, die an der Küste fremd ist und so kann man mit ihr zusammen die ungewöhnliche Stadt am Meer und ihre Bewohner kennenlernen. Wobei die Erklärungen schön stimmig für die Bergbewohnerin eingeflochten werden und der Leser alle anderen Dinge sich im Laufe der Geschichte selber denken kann.

(Kleine Nebenbemerkung: Der Name Amber, der auch in diesem Buch die Bedeutung Bernstein hat, hat mich allerdings ziemlich gestört. Denn kein anderer Namen hatte ansonsten eine erkennbare Bedeutung oder gehörte eindeutig in den englischen Sprachraum. Achja, es gibt laut Duden auch ein deutsches Amber, aber da fehlt dann die Bernsteinbedeutung … Aber vielleicht bin ich da wieder einmal zu kleinlich und müsste mich konsequenterweise auch über den Namen Sabin(e) aufregen, der schließlich auf den Stamm der Sabiner zurückgeht, die es in dieser fantastischen Welt wohl nicht gegeben hat. 😉 )

Für Amber ist die Zusammenarbeit mit den drei Leuten aus Dantar nicht gerade einfach, da diese eine gemeinsame Vorgeschichte (und Vorurteile gegen die Fremde) haben. Inu und Tanijen waren mal die besten Freunde und sind nun zerstritten, Sabin ist Tanijens Freundin und weiß doch nicht genug über ihn, um ihn vor Dummheiten zu bewahren. Außerdem ist die Taucherin immer noch damit beschäftigt, den Verlust ihres Bruders zu bewältigen, der vor einiger Zeit starb. All diese Probleme sorgen für Zwischentöne, die von Amber und dem Leser erst einmal gedeutet werden müssen. Dabei verwendet Nina Blazon auch das eine oder andere Klischee, diese werden aber so schön in die rätselhafte Handlung und die fantastische Umwelt eingeflochten, dass es wirklich nicht stört.

Vor allem hat mich die Welt gereizt, die die Autorin geschaffen hat. Weder in der Hafenstadt, noch auf der Insel hatte ich das Gefühl, dass es irgendwelche Unstimmigkeiten gäbe. Die Menschen, ihre Traditionen und Gebräuche fühlten sich beim Lesen realistisch an. Und die übernatürlichen Elemente werden so fein eingebaut, dass auch dies sehr schön stimmig wirkt. Die Tatsache, dass für mich so wunderbar schreckliche Geschöpfe wie Hallgespenster, Naj und Dschellar für die Figuren mehr oder weniger alltägliche Erscheinungen waren, ließen mich in diese Welt eintauchen. Und da störte es auch nicht, dass mich die Naj sehr an Nina Blazons Darstellung der Russalka in ihrem Buch über das historische St. Petersburg erinnerte. Ich werde auf jeden Fall irgendwann noch einmal „Die Sturmrufer“ in die Hand nehmen und mich wieder in die Stadt am Meer ziehen lassen. Oh, und wer nun neugierig geworden ist: „Die Sturmrufer“ ist gerade erst als „Die Magier der Winde“ (ja, mal wieder eine Titeländerung *seufz*) von cbt neu aufgelegt worden.

Christoph Marzi: Heaven – Stadt der Feen

Als David auf einem seiner Botengänge für die Buchhandlung „The Owl and the Pussycat“ seinen Weg über die Dächer Londons abkürzt, begegnet er dem Mädchen Heaven. Verstört sitzt sie auf einem Dach und behauptet, dass gerade zwei böse Männer ihr Herz gestohlen hätten. Obwohl David am Verstand des schönen Mädchens zweifelt, ist ihm klar, dass er sich um sie kümmern muss. Kurz darauf bestätigt ein Arzt im Krankenhaus, dass Heavens Herz fehlt und als die beiden Männer wieder auftauchen, die ihr Herz stahlen, flüchtet die beiden. Zusammen versuchen sie herauszufinden, warum Heaven noch am Leben ist – und was es mit den beiden unheimlichen Gestalten auf sich hat, die Jagd auf das Mädchen ohne Herz machen.

„Heaven“ hinterlässt bei mir sehr zwiespältige Gefühle, was vor allem an Christoph Marzis Sprache liegt. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich damit so meine Probleme habe. Der Autor verwendet sehr viele Be- und Umschreibungen, nimmt sich sehr viel Raum für Vergleiche, die poetisch sein sollen – und es nicht immer sind. Und so reißt er mich mit seiner Sprache immer wieder aus der Geschichte heraus. Ein Beispiel hatte ich schon mal hier gezeigt, ein weiteres ist ein Satz wie „Warmes Licht schimmerte in den Fenstern und beleuchtete die klassische alte Holzverkleidung, als glühe dort eine Seele, die aus den Geschichten der früheren und heutigen Besucher geboren worden war.“, denn der macht mich wütend.

Ich weiß, dass einige von euch das märchenhaft finden – und auch, dass es höllischen Spaß macht solche Sätze zu schreiben! 😉 – , aber während mir „Warmes Licht schimmerte in den Fenstern und beleuchtete die klassische alte Holzverkleidung.“ ein schönes Bild vermittelt, Stimmung schafft und dennoch Raum für meine eigene Fantasie lässt, fühle ich mich von dem angehängten Vergleich veralbert (um mal ein härteres Wort zu vermeiden 😉 ). Eine einfache und klare Ausdruckweise kann meiner Meinung nach so viel mehr Stimmung schaffen, als so eine überladene Sprache, die voller verquerer Vergleiche und unstimmiger Bilder ist.

So habe ich auf Seite 17 angefangen dieses Buch auf eine Art zu lesen, die ich mir eigentlich seit Jahren eher abtrainiere. Auf diese Weise bekomme ich die Handlung mit, aber keine stilistischen Feinheiten. Bei „Heaven“ gab es trotzdem noch genügend Schachtelsätze mit blumig-aufgeblasenen Beschreibungen, die mir ins Auge fielen, aber immerhin habe ich mich nicht mehr damit aufgehalten, mich darüber zu ärgern. 😉 Denn inhaltlich fand ich die Geschichte wirklich nett.

Die Grundidee ist nicht schon hundertmal ausgelutscht worden und die Mischung zwischen dem heutigen London und dem Rätsel um das fehlende Stück Himmel über der Stadt und die Vorgänge rund um Heaven wurden schön gemischt. Auch fand ich die Charaktere ganz sympathisch mit all ihren Eigenheiten. Doch vor allem haben mich Nebenfiguren und kleine Elemente am Rande angesprochen. Natürlich gefiel mir als Buchmensch die Buchhandlung „The Owl and the Pussycat“, aber auch der Geist von Sarah Jane Cavendish und der Buchsammler Mr. Merryweather haben mich gerührt.

Von der zum Teil unglaublich übertriebenen Sprache abgesehen habe ich mich gut unterhalten gefühlt und konnte gegen Ende auch die märchenhafte Geschichte genießen. Für mich ist der Roman kein Augenöffner – und auch kein Grund weitere Bücher von dem Autoren zu suchen –, aber ich habe auch nicht das Gefühl meine Zeit mit „Heaven“ vergeudet zu haben. 😉

Pierdomenico Baccalario: Will Moogleys Geisteragentur

Mit „Unheimlichkeiten aller Art“ beginnt eine neue Reihe von Pierdomenico Baccalario, die sich um „Will Moogleys Geisteragentur“ dreht. In dieser Agentur kann man Geister für jede Gelegenheit mieten. Egal, ob man seine Nachbarn vergraulen möchte oder aus anderen Gründen übernatürlichen Beistand benötigt, Will Moogley hat die unterschiedlichsten Geister im Angebot. Schon seit sehr langer Zeit sind die Moogleys in diesem Bereich aktiv und hatten sich mit der Geisteragentur mal einen sehr guten Namen gemacht.

Doch unter der Leitung von Wills Onkel Alvin lief es nicht mehr so gut – und nach einige Fehlschlägen ist Will inzwischen fast so weit, dass er über eine Schließung der Agentur nachdenkt. Zum Glück hat sein oberpeinlicher, aber bester Freund Topper die grandiose Idee sich um einen Auftrag der erfolgreichen Hotelkette „Scary Inn“ zu bemühen. Diese haben in der Stadt Ghostville ein altes verlassenes Haus gekauft und wollen es zu einem luxuriösen Spukhotel umbauen. Natürlich benötigt man für so eine Aufgabe ganz besondere Geister! Aber Will ist natürlich nicht der Anwärter auf diesen ganz besonderen Job …

Mir hat dieser erste Band von „Will Moogleys Geisteragentur“ wirklich ganz wunderbar gefallen. Abgesehen von ein paar etwas schwereren Wörtern ist die Geschichte definitiv für Leser ab neun Jahren – und eine etwas ältere Winterkatze natürlich ebenfalls 😉 – geeignet. Will lebt im 29sten Stockwerk eines alten Hochhausees in Manhattan, ernährt sich von Lieferpizza und Schokoladenpudding *lecker* und lebt mit einem Papagei („Haltdieklappe“) und einer Schildkröte (na ja, eigentlich zwei, aber die eine lebt nicht mehr … ) zusammen.

Der Junge ist nicht gerade ein besonders großer Menschenfreund, sogar sein bester Freund Tupper muss immer wieder unter Wills Scherzen leiden. Doch trotzdem gelingt es Pierdomenico Baccalario Will so sympathisch darzustellen, dass man ihm wirklich den Hotelauftrag gönnen würde. Doch so einfach ist es für Will nicht, seiner Firma mal wieder eine bessere Reputation zu verleihen. So entwickelt sich eine wirklich lustige Geschichte um den „Alltag“ in einer Geisteragentur. Besonders die liebevollen Details, wie die Entlohnung der Geister mit selbstgebrautem Ektoplasma, den Eigenheiten, der verschiedenen Charaktere und den seltsamen Dinge, die für eine Anrufung zum Beispiel gebraucht werden, lassen die Seiten nur so vorbeifliegen (na ja, der geringe Umfang, der bei einem Kinderbuch zu erwarten ist, trägt auch etwas dazu bei *g*). Auch die Illustrationen von Matteo Piana haben mir gut gefallen. Seine Zeichnungen, vor allem seine Figuren, erinnern an italienische Trickfilme, währen die Hintergründe mit auffallenden Schraffuren Atmosphäre schaffen.

Michelle Harrison: Elfenseele – Hinter dem Augenblick

Solange sie denken kann, ist Tanya in der Lage Feen und Elfen zu sehen (ich bin mir nicht ganz sicher, ob die deutsche Übersetzung da wirklich dem Original entspricht, aber ich verwendet mal weiter die im Buch verwendeten Begriffe). Als sie ein Kind war, fanden ihre Eltern es noch niedlich, wenn sie ihnen von all den unsichtbaren Gestalten erzählte, doch je älter Tanya wird, desto mehr Ärger bekommt sie durch diese Fähigkeit.

Die Elfen haben angefangen sie zu piesacken, um das Mädchen daran zu hindern den anderen von ihnen zu erzählen – und je mehr Schabernack diese Wesen treiben, desto wütender wird ihre Mutter darüber, dass Tanya soviel kaputt macht und die Schuld dann immer auf nichtexistierende Gestalten schiebt. So ist es kein Wunder, dass Tanya dazu verdonnert wird, die Ferien bei ihrer Großmutter zu verbringen, in einem alten und fast verfallenen Haus in den Tiefe der Grafschaft Essex.

Auch hier wimmelte es von Elfen und Kobolden, was das Leben für Tanya nicht einfacher macht. Doch nach einigen unheimlichen Vorfällen beschließt sie zusammen mit Fabian, dem Sohn des Verwalters, mehr über die übernatürlichen Wesen herauszufinden – genauso wie über das geheimnisvolle Verschwinden der Morwenna Bloom, die vor 50 Jahren in den Henkerswald hinter dem Anwesen von Tanyas Großmutter ging und nach diesem Tag nie wieder gesehen wurde.

Michelle Harrison ist mit „Elfenseele“ ein wirklich spannender und unterhaltsamer Jugendroman gelungen. Auch wenn man meinen könnte, dass die dreizehnjährige Tanya vielleicht im Laufe der Zeit besser mit den Elfen hätte umgehen können, so bezaubern mich die verschiedenen Wesen und ihre unterschiedlichen Eigenschaften. So unangenehm es sein muss, wenn ein „Abflussbewohner“, ein lurchartiger Elfe, einem ständig glitzernde Sachen aus dem Badezimmer stahl, so nett ist die Idee einer Herdfee, die dafür sorgt, dass der Tee immer warm ist. Letztere würde ich gern einladen bei mir zu wohnen – auch wenn die vier Katzen wohl zuviel für sie sein müssten. 😉

Aufbauend auf den verschiedenen (britischen) Feensagen spinnt die Autorin eine fantastische Geschichte rund um die dreizehn Schätze des Feenreichs, die Menschen, die die übernatürlichen Wesen sehen können, Wechselbälger und den Übergang in das magische Reich. Auch wenn sich die Handlung eher langsam entwickelt, so hat es mir gefallen, dass ich nur selten vorhersagen konnte, in welche Richtung die Geschichte gehen würde. Und obwohl Michelle Harrison am Ende sehr viele verschiedene Hinweise zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpft hat, so bleibt noch genug zu erzählen für eine (hoffentlich ebenso gelungene) Fortsetzung. Die ist übrigens für den englischsprachigen Markt schon angekündigt und soll im Januar unter dem Titel „Thirteen Curses“ erscheinen. 🙂