Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Chris D’Lacey: Feuerträne

Über das Buch „Feuerträne“ bin ich bei Natira gestolpert (Natira ist Schuld! 😉 ) und habe es gleich nach dem Lesen der Rezension auf meine Wunschliste setzen. „Feuerträne“ ist ein ganz bezauberndes Kinderbuch, das mir wirklich viel Spaß gemacht hat. Doch während die Inhaltsangabe, der von dem besonderen Drachen Gadzooks die Rede ist, eher einen fantastischen Roman zu versprechen scheint, so ist es erst einmal mehr eine Tiergeschichte.

Der Student David Rain meldet sich auf eine Anzeige, mit der Elizabeth Pennykettle einen Untermieter sucht. Sie bietet ein hübsches kleines Zimmer an und wünscht sich dafür einen ordentlichen und sauberen Bewohner, der Kinder, Katzen und Drachen (!) mögen muss. So sehr sich David doch über die Erwähnung der Drachen in der Anzeige wundert, so sehr leuchtet es ihm ein, als er das Haus von Elizabeth (Liz) betritt. Die Künstlerin fertigt nämlich Drachen aus Ton – und in jedem Zimmer begegnen einem die kleinen zauberhaften Figuren.

Während David die Tondrachen sehr niedlich findet, scheinen für Liz und ihre zehnjährige Tochter Lucy die Figuren etwas ganz besonderes zu sein, aber mit dieser kleinen Marotte kann der Student gut leben. Überhaupt fühlt er sich schnell im Haus der Pennykettles wohl, denn er wird von Liz sehr nett behandelt und von Lucy als „großer Bruder“ eingespannt. So erzählt das Mädchen David auch sehr schnell von ihrem Kummer bezüglich der Eichhörnchen, die früher in der Straße gelebt haben.

Nachdem eine alte Eiche gefällt worden ist, sind alle Eichhörnchen verschwunden. Nur ein Tier kann Lucy noch hin und wieder sehen und Conker – wie sie es nennt – scheint verletzt zu sein. Zusammen versuchen David und Lucy das Eichhörnchen einzufangen, damit sie seine Verletzungen versorgen können. Doch das ist nicht so leicht, dann das scheue Tier geht nicht so schnell in die Falle, Liz und Lucys Kater Bonington könnte für Conker zur Gefahr werden und auch der Nachbar, Henry Bacon, macht Jagd auf jedes Getier, dass seiner Ansicht nach seine Beete zerstören könnte.

Mir haben die Charaktere gefallen, die Chris D’Lacey für seine Geschichte entworfen hat. David ist ein wirklich netter junger Mann, der erstaunlich viel Geduld mit der aufgedrehten Lucy hat, während Liz den ganzen Haushalt zusammenhält, vernünftig und fürsorglich ist – und doch gerade dadurch, dass sie anfangs so gar nicht über das Thema reden will, immer wieder durchklingen lässt, dass mit ihren Drachen etwas Besonderes verbunden ist. Lucy wäre mir im wahren Leben als Mitbewohnerin vermutlich zu anstrengend, denn sie ist zwar ein aufgewecktes, tierliebes und sehr nettes Mädchen, aber auch sehr quirlig und will jede ihrer Ideen jetzt sofort umgesetzt sehen – womit sie auch David ganz schön fordert.

Dem Autor ist es gelungen, dass ich bei dieser niedlichen Tiergeschichte um Conkers Schicksal mitgefiebert habe, dass ich mich im – manchmal etwas chaotischen – Haushalt der Pennykettles wohlgefühlt habe und dass in mir der Wunsch nach einem ganz besonderen kleinen Tondrachen aufkam. Wer von euch also einen solchen Drachen (bitte mitsamt dem kleinen Hauch Magie, der dazu gehört) finden sollte, darf ihn mir gerne zukommen lassen. Ich würde mich zu gern von so einer kleinen Figur auf meinem Fensterbrett inspirieren lassen – auch wenn ich wohl wegen der vier Katzen immer um ihr Leben bangen müsste.

Auch die Erzählweise hat mich angesprochen, obwohl Chris D’Lacey sich einer sehr einfachen und kindgerechten Sprache bedient. Bereichert wird das Buch noch von sehr feinen Zeichnungen von Nora Nowatzyk. Mal von den englischen Namen abgesehen, würde sich das Buch auch sehr gut zum Vorlesen eignen. Die Kapitel sind kurz, die Handlung ist lustig, aufregend, spannend und mitreißend – und ich wollte die ganze Zeit mehr über die Geheimnisse der Drachen wissen! Leider wird meine Neugierde wohl erst im nächsten Band „Eisflamme“ weiter gestillt, der Anfang 2011 als Taschenbuch angekündigt ist.

Rachel Hawkins: Hex Hall 1 – Wilder Zauber

Ich glaube, ich sollte eine neue Kategorie aufmachen und diese mit „Irina ist Schuld“ betiteln! Nach dem Studiums des Lyx-Programms hatte ich das Buch mit einem „Nicht schon wieder eine übernatürliche Schulgeschichte!“ für mich abgehakt – und dann kam Irinas Rezension zu „Wilder Zauber“ und mich plagte die Neugier. Als ich dann am Freitag in einer Buchhandlung auch noch neben einem ganzen Stapel davon darauf wartete, dass ich endlich an der Kasse bezahlen kann, habe ich mich spontan gegen den ausgesuchten Roman und für den ersten Hex-Hall-Band entschieden.

Heute mache ich es mir mal leicht und gebe hier den (gekürzten) Text der Innenklappe des Buches wieder: Die sechzehnjährige Sophie Mercer ist eine Hexe. Doch die Sache mit der Magie hat sie nicht so wirklich im Griff. Als sie einer Mitschülerin mit einem Liebeszauber helfen will, endet dies mit derart katastrophalen Folgen, dass ihre Mutter sie an die Hecate Hall schickt, ein Internat für auffällig gewordenen junge Hexen, Gestaltwandler und Feen. Dort teilt sich Sophie ein Zimmer mit der einzigen Vampirin der Schule.

Kaum ist sie in „Hex Hall“ angekommen, versucht ein Trio dunkler Hexen, sie für ihren Zirkel zu gewinnen, und Sophie verliebt sich Hals über Kopf in den traumhaft gut aussehenden Hexer Archer – den Herzensbrecher von Hex Hall, der aber leider schon vergeben ist. Da werden auf dem Campus einige Hexen angegriffen, und der Verdacht fällt auf Sophies Zimmergenossin Jenna. Doch Sophie ist davon überzeugt, dass Jenna unschuldig ist. [Die restlichen zwei Sätze verraten mir zuviel, also lass ich die mal weg.]

„Wilder Zauber“ hat mich in genau der passenden Stimmung erwischt und ich habe mich sehr gut dabei amüsiert. Kritisch betrachtet ist es wirklich nur eine dieser zahlreichen „übernatürlichen Schulgeschichten“ und einige der Charaktere kommen einem doch sehr vertraut vor, begonnen bei Archer, dem Schwarm aller Mädchen, über die Schulzicke Elodie, die natürlich wunderschön und machtversessen ist, bis zur biestigen Sportlehrerin. Auch waren viele der „überraschenden“ Wendungen in der Handlung für mich sehr vorhersehbar – und das nicht nur, weil ich den Klappentext komplett gelesen hatte. 😉

Aber Rachel Hawkins Humor spricht mich an und so hat mich schon der Prolog zum Schmunzeln gebracht. Obwohl abzusehen war, dass Sophies Liebeszauber bestimmt schief laufen würde, wurden die Folgen dieser gut gemeinten Hexerei so wunderbar überzogen dargestellt, dass ich mich wohlwollend auf die weiteren Kapitel gestürzt habe. Nicht alles, was lustig gemeint war, war wirklich witzig, aber ich habe den Großteil der Zeit mit einem Grinsen im Gesicht über den Seiten gesessen. An vielen Stellen hat mich der Humor sehr an „Buffy“ erinnert – und die Serie war in der Beziehung wirklich toll! -, wobei ich schlecht erklären könnte, warum das so war. Die (manchmal zynischen) Sprüche von Sophie könnte ich mir einfach auch gut aus Buffys oder Willows Mund vorstellen.

Auch die Darstellung der übernatürlichen Wesen hat mir gefallen. Sophie lebt erst einmal wie ein ganz normaler amerikanischer Teenager, bis ihrer Zauberei einfach nicht mehr zu vertuschen ist. Erst dann bekommt sie überhaupt Kontakt mit der magischen Welt und mit ihr zusammen lernt man als Leser die verschiedenen Gestalten und ihre Fähigkeiten kenne. Wobei Sophie zwar sehr unerfahren, aber nicht unwissend ist, denn ihre (menschliche) Mutter hat so viele Bücher wie möglich über Hexen, Zauberer, Gestaltwandler und Magie gesammelt und das Mädchen hat diese Sachbücher intensiv studiert. Aber es besteht doch ein deutlicher Unterschied zwischen theoretischen Wissen und dem Leben in einem Internat für magische Jugendliche, die „auffällig“ geworden sind.

Mir gefällt es, dass diese ganzen Hexen, Gestaltwandler und Feen ganz normale Teenager sind – nur halt mit ein paar Problemen mehr als ein durchschnittlicher Jugendlicher sie hat. So beschreibt die Autorin einen (häufig langweiligen, aber) glaubwürdigen Schulalltag und überzeugende Teenager – mit all den Problemen, die Jugendliche so beschäftigen können, von der ersten Verliebtheit, Stress mit den Lehrern oder Mitschülern und Freundschaften. Auch die Beziehung zwischen Sophie und ihrer Mitbewohnerin Jenna finde ich sehr schön dargestellt. Obwohl Sophie selber mehr als genug Vorurteile gegenüber der Vampirin hat, versucht sie objektiv zu bleiben, als Jenna von den Mitschülern angegriffen wird, und weiterhin eine gute Freundin zu sein. Allerdings finde ich Jenna – so sympathisch die Vampirin ist –als Figur mit all ihren Vorlieben doch etwas übertrieben.

Ein paar Punkte haben mich an dem Buch geärgert wie zum Beispiel Sophies Eltern. Auch wenn nachvollziehbar erklärt, warum ihr Vater sie nie persönlich getroffen hat, so denke ich doch, dass er seine Tochter über seine Stellung in der magischen Welt und den damit für sie verbundenen Gefahren hätte aufklären sollen. Schließlich haben sie sich per Email ausgetauscht – und wenn das zu wenig „privat“ gewesen wäre, dann hätte ich an seiner Stelle zumindest einen langen Brief für meine Tochter bei der Schulleitung der „Hex Hall“ hinterlassen.

Auf der anderen Seite ist Sophies Verhalten innerhalb dieser Situation stimmig. Das Mädchen kommt recht naiv und ahnungslos an diese Schule und muss damit kämpfen, dass scheinbar jeder ihren Vater kennt (und einen Groll gegen ihn hegt). So schwankt sie zwischen Misstrauen und der Hoffnung, sich mit den Mitschülern anfreunden zu können – und reagiert häufig aus Unsicherheit heraus etwas überzogen. Dabei ist ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte schön zu verfolgen, denn je besser sie sich in „Hex Hall“ einlebt, desto selbstbewusster wird sie und desto mehr wagt sie sich.

Ohje, ich weiß nicht, ob jetzt wirklich deutlich wurde, was mir an dem Buch gut gefallen hat, aber abschließend lässt sich sagen: Trotz der „gewöhnlichen“ Grundidee und diverser Kritikpunkte hat mir „Wilder Zauber“ wirklich viel Spaß gemacht! Der Humor liegt ganz auf meiner Wellenlänger, auch wenn mich die verschiedenen Szenen eher zum Schmunzeln als zum Auflachen gereizt haben – und ich werde mir ganz bestimmt auch die Fortsetzung zulegen, wenn sie irgendwann in Deutschland erscheint!

Orange Katze bzw. Kindheitserinnerung gesucht!

Oder genauer gesagt: Ich suche ein Buch, an das ich mich nur noch ganz vage erinnere – es hatte allerdings eine orange Katze auf dem Cover, die auch eine wichtige Rolle in der Geschichte spielte. Vielleicht hat einer von euch eine Idee welchen Titel dieser Roman haben könnte oder von welchem Autor es stammen könnte.

Seit vielen Jahren muss ich immer wieder an dieses Buch denken – und das Lesen von „Die geheime Sammlung“ hat es mir nur noch lebhafter wieder in Erinnerung gerufen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann spielt die Geschichte in England – vermutlich noch während der Kolonialzeit, aber das ist eher geraten.

Hauptfigur dieser Geschichte ist eine Junge – da bin ich mir fast sicher *g* – und ständig kommt eine orange Katze vor. Der Junge wohnt recht unbeaufsichtigt in einem großen Haus und sieht eines Tages in einem Spiegel ein Mädchen. Das Mädchen wird (von einem bösen Zauberer?) gefangen gehalten und natürlich versucht der Junge sie zu befreien. Dazu muss er verschiedenen silberne Gegenstände finden unter anderem einen Teekessel und einen silbernen Fisch (der übrigens von der Katze gefressen wurde, weshalb es ihr möglich ist in den Welten vor und hinter dem Spiegel zu sein).

Wenn ich da nichts durcheinanderbringe – ich habe als Kind eine ganze Menge fantastischer Jugendbücher gelesen – , dann bekommen die beiden unter anderem Hilfe von den vier Winden und anderen übernatürlichen Gestalten.

Einzig an das Ende erinnere ich mich noch ganz gut: Der Vater des Jungen kommt nach langer Zeit wieder nach Hause zurück und eröffnet seinem Sohn, dass er (in Indien, wenn ich mich recht erinnere) wieder geheiratet hat. Und als er dem Jungen seine neue Frau und deren Tochter vorstellt, stellt sich heraus, dass seine neue Schwester das Mädchen aus der Spiegelwelt ist.

Wenn also einer von euch eine Idee hat, was für ein Buch das sein könnte, dann wäre ich über einen Kommentar sehr dankbar! Ich hatte den Roman als Kind ein paar Mal aus der Bibliothek ausgeliehen – und da ich mich heute noch mit einem guten Gefühl daran erinnere, würde ich zu gern schauen, ob ich die Geschichte irgendwie gebraucht auftreiben könnte. Aber dafür benötige ich halt einen Titel, einen Autorennamen oder sonst etwas greifbares.

Polly Shulman: Die geheime Sammlung

„Die geheime Sammlung“ ist ein ganz wunderbares, märchenhaftes – und auch ein wenig altmodisches – Buch von Polly Shulman. Hauptfigur ist Elizabeth, eine Schülerin, die nicht gerade glücklich mit ihrem Leben ist. Vor einigen Jahren starb ihre Mutter, und auch wenn das Mädchen sie sehr vermisst hatte, so hat sie sich in der Zeit danach sehr mit ihrem Vater verbunden gefühlt. Doch inzwischen hat ihr Vater neu geheiratet und so muss Elizabeth nicht nur seine Aufmerksamkeit vermissen, die nun der neuen Frau gilt, sondern auch zugunsten ihrer beiden Stiefschwestern auf viele Dinge verzichten.

Unter anderem bedeutete die Heirat ihres Vaters, dass Elizabeth nun auf eine neue Schule gehen muss. Und da ihre Schwestern beide studieren, musste sie ihren geliebten Ballettunterricht aufgeben, da für diesen kein Geld mehr da war. Außerdem ist ihre beste Freundin gerade nach Kalifornien gezogen – und nun fühlt sich Elizabeth im verschneiten New York ziemlich allein. Einzig der Unterricht bei Mr. Mauskopf, ihrem Lehrer für europäische Geschichte, macht ihr noch Spaß – und so gefällt es ihr sogar, dass sie über die Weihnachtsferien für seinen Unterricht einen Aufsatz über die Gebrüder Grimm schreiben muss.

Der Lehrer ist es auch, der ihr im neuen Jahr einen Nebenjob vermittelt. Dank Mr. Mauskopfs Empfehlung bekommt Elizabeth eine Stelle als „Page“ im „Repositorium der Verleihbaren Schätze“. Das ist eine ungewöhnliche „Bibliothek“, in der die Nutzer die seltsamsten Gegenstände ausleihen können. In den Archiven dieses Gebäudes finden sich Kostbarkeiten, die früher berühmte Persönlichkeiten gehört haben, ungewöhnliche Werkzeuge, wertvolle Teppiche und andere Dinge, von denen ein normaler Mensch kaum zu träumen wagt.

Elizabeth bekommt aber schnell mit, dass sich hinter den Mauern des Repositoriums mehr verbirgt als nur diese kostbaren Gegenstände. Während ihr auf der einen Seite Gerüchte zugetragen werden, die behaupten, dass ein unheimlicher Vogel die Besucher des Repositoriums beobachtet, Gegenstände stielt und auch schon Angestellte entführt hat, bekommt sie auf der anderen Seite hinweise auf geheime Sammlungen, zu denen nur wenige Menschen in dem Repositorium Zugang haben.

Eine dieser Sammlungen beinhaltet magische (und nichtmagische) Schätze aus den Märchen der Gebrüder Grimm, in anderen werden Erfindungen und Gegenstände aufgewahrt, die aus den Romanen der Autorn H.G. Wells oder William Gibson stammen könnten. Doch kaum bekommt Elizabeth offiziell Zugang zu der grimmschen Sammlung, da erfährt sie auch schon, dass wirklich einige der Kostbarkeiten gestohlen wurden.

Neben den Hintergründen des fantastischen „Repositorium der Verleihbaren Schätze“ beschäftig sich Elizabeth auch viel mit ihren neuen Kollegen. Gleich an ihrem ersten Tag hat sie zu ihrer großen Freude feststellen können, dass der beliebte Marc Merritt von ihrer Schule ebenfalls als „Page“ dort arbeitet – und auch mit Aaron, Anjali (und Anjalis jüngerer Schwester Jaya) freundet sich das Mädchen schnell an. Natürlich schwärmt auch Elizabeth für Marc – und benimmt sich deshalb im Laufe des Buches manchmal etwas dümmer, als man es von ihr erwarten sollte, aber alles in allem hat Polly Shulman die verschiedenen Beziehungen sehr schön in die Geschichte eingearbeitet.

Die gesamte Handlung wird aus Elizabeths Perspektive erzählt, und die Schülerin ist – wie es sich für eine klassische Märchenfigur gehört 😉 – ein wirklich nettes, verantwortungsbewusstes und fürsorgliches Mädchen. Überhaupt haben mir all die Anspielungen auf Märchenelemente, -charaktere und –gegenstände ganz wunderbar gefallen. Hier und da plätschert die Handlung objektiv gesehen vielleicht etwas dahin, aber beim Lesen fällt das überhaupt nicht auf, weil man sich an all den kleinen Szenen und fantastischen Einfällen der Autorin erfreuen kann.

Zwei Sachen hingegen sind nicht ganz so schön gelungen: Einmal gibt es eine unübersehbare Unstimmigkeit in der Handlung (die man durch das Streichen des Wörtchens „gestern“ locker hätte beheben können), als sich Mr. Mauskopf im Januar in einem Gespräch mit Elizabeth auf eine Szene bezieht, die sich vor den Weihnachtsferien zugetragen hatte – von der er meint, dass er das „gestern“ gesehen hätte. Nicht schlimm, aber irgendwie bleibt es hängen und hat mich geärgert.

Das andere sind die vielen Zeitsprünge in der Handlung, die man leicht mit einer Leerzeile hätte kenntlich machen können. Da aber der Sprung im Text nur durch einen Absatz kenntlich gemacht wird, muss man sich als Leser erst einmal neu orientieren, wenn man feststellt, dass sich zwischen dem aktuellen Satz und dem davor Ort und Zeit geändert haben. Vielleicht fand man ja die vielen kleinen Abschnitte nicht so schön oder wollte Seiten sparen, aber übersichtlicher – und somit auch angenehmer – wäre es schon gewesen, wenn man diese Sprünge deutlicher gemacht hätte.

Doch beide Punkte sind nun keine so gravierenden Fehler, dass sie mir das Lesevergnügen verleiden konnten. Und Spaß hat mir Elizabeths Geschichte wirklich gemacht. Hier bekommt man vielleicht – im Vergleich zu manch anderem Jugendfantasybuch – keine herzergreifende Liebesgeschichte, keine rasanten Actionsszenen oder kniffelige Herausforderungen für die Charaktere präsentiert, aber dafür wirklich sympathische Figuren, lustige und fantasievolle Einfälle, leise und angenehm realistisch wirkende Beziehungen und viele kleine Momente, die einfach dafür sorgen, dass man sich in der Geschichte wohlfühlt.

Für mich hat dieser Roman etwas angenehm Altmodisches, das mich an viele Jugendbücher erinnert, die ich während meiner Kindheit gelesen habe (uiui, das klingt, als hätte ich das Rentenalter schon erreicht). Das „Repositorium der Verleihbaren Schätze“ hat meine Fantasie angeregt und ein bisschen hoffe ich, dass der Autorin noch einmal eine Idee für ein Roman kommt, der mit diesem wundersamen Ort verbunden ist. „Die geheime Sammlung“ wird auf jeden Fall in mein Regal wandern und in den nächsten Jahren immer mal wieder gelesen werden.

Isabel Abedi: Imago

Nachdem mir „Whisper“ ja so gar nicht zugesagt hatte, haben mir mehrere Leute „Imago“ und „Isola“ von der Autorin ans Herz gelegt – und da „Imago“ bei der Bibliothek vormerkbar war, habe ich beschlossen, dass ich dem Buch eine Chance geben. Anfangs hat mich die Namensgebung der Hauptfigur Wanja etwas irritiert. Denn für mich ist dieser Name eindeutlich ein Männername und so musste ich doch etwas umdenken, um in „Wanja“ ein zwölfjähriges Mädchen mit dunklen Locken und runden Augen zu entdecken.

Wanja lebt mit ihrer Mutter Jo und dem alten dicken Kater Schröder zusammen. Wer ihr Vater ist, weiß Wanja nicht, denn ihre Mutter hat sich schon immer geweigert über ihn zu reden. Auch von Flora, der besten Freundin von Jo, und ihrer Großmutter bekommt das Mädchen keine Informationen – abgesehen davon, dass ihre Großmutter ihr immer wieder „Ganz wie der Vater“ vorwirft, wenn Wanja mal wieder etwas falsch gemacht hat.

Doch eines Tages erhält Wanja eine geheimnisvolle Einladung zu der Ausstellung „Vaterbilder“ – und mit ihr finden sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Jugendliche in der Kunsthalle ein, um diese geheime Ausstellung zu besuchen. Die „Vaterbilder“ bieten den Kindern die Möglichkeit durch ein Bild, das ihnen besonders zusagt, in eine andere Welt zu treten. Für Wanja ist dies die Welt Imago, wo sie auf den zauberhaften Zirkus Anima und den freundlichen Trapezkünstler Taro trifft. Doch das Mädchen betritt diese Welt nicht allein, denn auch Mischa, ein Junge von ihrer Schule, wird von dem Zirkus angezogen.

Mischa gilt an der Schule als Außenseiter – und vor allem Wanjas Freundinnen lästern gern über sein abgerissenes Aussehen und seine Problemfamilie. Doch das Mädchen fühlt sich von dem Jungen angezogen, es scheint sie mehr zu verbinden, als nur ihre gemeinsamen Erlebnisse während der Besuche der „Vaterbilder“. Für die beiden werden die Figuren, die sie im Zirkus Anima kennengelernt haben immer wichtiger – und vor allem Taro scheint einen Platz in ihrem Leben auszufüllen, der sonst eine schmerzliche Leere hinterlässt. Doch nicht alles in diesem fantastischen Land ist wunderschön, denn ein riesiger schwarzer Vogel bedroht Taro und seine Freunde.

Ich muss zugeben, dass ich anfangs noch etwas skeptisch war, da ich das Gefühl hatte, ich wüsste genau, worauf die Handlung hinausläuft (womit ich auch richtig lag *g*). Aber Isabel Abedi hat ihre Geschichte sehr schön erzählt und mir haben nicht nur der Zirkus Anima gut gefallen, sondern auch die Passagen, die in der realen Welt spielen und in denen sich Wanja mit ihren Alltagsproblemen rumschlagen muss. Denn zwischen den einzelnen Besuchen der „Vaterbilder“ liegen oft Wochen und in denen muss sich Wanja nicht nur Gedanken, um das Schicksal von Taro und den anderen aus dem Zirkus machen, sondern sich auch mit Schulproblemen, ihrer (für mich nervigen) Mutter und ihren Freundinnen auseinandersetzen.

Aber ich muss auch sagen, dass mich die Handlung lange Zeit nicht richtig gepackt hat. „Imago“ ist nett und es hat Spaß gemacht das Buch zu lesen, aber wenn man es mir weggenommen hätte, dann wäre es auch okay gewesen. Ich war nicht allzu neugierig auf das Ende, sondern habe lieber einzelne Szenen genossen oder die Stimmung, die sie in mir hervorgerufen haben. Erst am Schluss war ich gespannt darauf, wie Isabel Abedi die Geschichte abschließen würde. Insgesamt habe ich also nicht das Gefühl, dass ich meine Zeit mit dem Roman vergeudet habe, aber so großartig, dass ich ihn noch einmal lesen oder gar besitzen müsste, fand ich ihn auch nicht.

Brian Selznick: Die Entdeckung des Hugo Cabret

Bei diesem Buch könnte ich endlich mal denjenigen entgegenkommen, die gern eine kurze Rezension von mir lesen würden: Es ist toll! Wenn ihr nichts gegen eine Geschichte habt, die ab 10 Jahren gedacht ist, oder gegen eine Erzählweise, die zum Teil aus Text und zum Teil aus Bildern besteht, dann lauft los, besorgt euch das Buch und lasst euch bezaubern!

Aber wie das nun mal so ist, kann ich mich einfach nicht kurzfassen, und deshalb gibt es hier jetzt noch einmal ganz ausführlich meine Meinung. Mit mehr Details zu Hugo und seiner Geschichte, mit Begründungen für mein „Das Buch ist toll“ und vielleicht stört es dann auch nicht, dass ich mal wieder einen so langen Text verfasst habe. 😉 „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ist eine Mischung aus Bildergeschichte und einem Jugendroman – und anfangs musste ich mich erst einmal auf die Erzählweise einlassen. Der Autor Brian Selznick hat mehr als die Hälfte der (mehr als 540) Seiten mit Bleistiftzeichnungen gefüllt, auf denen die Handlung weitergeführt, wird. Dabei fällt auf, dass er ganz oft in seinen Zeichnungen mit filmischen Elementen arbeiten z.B. dem Zoom auf ein Detail in einer großflächigen Szenerie.

Auf der einen Seite wird in diesem Roman die Geschichte des Jungen Hugo erzählt. Dieser ist ein Waisenkind und hat eine Zeitlang bei seinem Onkel mitten im Pariser Bahnhof gelebt. Doch eines Tages verschwand Hugos Onkel spurlos – und damit man ihn nicht auf die Straße setzt, übernimmt der Junge seine Arbeit. So kümmert sich Hugo um die vielen verschiedenen Uhren im Bahnhof und ernährt sich zum Großteil von dem, was er in den Läden im Bahnhof stehlen kann.

Nur eine Sache gibt es, an der Hugos Herz hängt, ein automatischer Mann, um dessen Restauration sich schon sein Vater bemüht hatte. So mopst der Junge nicht nur Lebensmittel in den umliegenden Läden, sondern auch kleine mechanische Teile aus dem Geschäft eines Spielzeugmachers, mit denen er den automatischen Mann fertig reparieren will. Doch dann erwischt ihn der alte Mann beim Stehlen und bekommt, als er die Taschen des Jungen nach weiterer Diebesbeute durchsucht, das Notizbuch von Hugos Vater in die Hände. Hier hatte dieser alle Pläne rund um den mechanischen Mann aufgeschrieben und nach diesen Anleitungen versucht der Junge das technische Wunderwerk wieder in Gang zu bringen. Nur mit Hilfe von Isabelle, der Patentochter des Spielzeugmachers, gelingt es Hugo sein kostbares Notizheft zurück zu bekommen. Doch dafür will das Mädchen mehr über den Jungen und den rätselhaften automatischen Mann erfahren.

Brian Selznick benutzt die Geschichte rund um Hugo, um den Leser in eine Zeit zu führen, als Filme noch Wunderwerke waren. So wird dieser Roman zu einer Hommage an die ersten Filme, die je im Kino gezeigt wurden und den Filmemacher Georges Méliès, dessen Werke die Stummfilmzeit prägten. Es gelingt dem Autor für den Leser fühlbar zu machen, welche Magie damals vom Film ausging und wie unfassbar es für die Zuschauer war, dass dort auf der Leinwand jemand zum Mond reiste oder dass dort ein Zug auf sie zuraste. Immer wieder nimmt Brian Selznick in dem Bildern – die meiner Meinung nach angenehm altmodisch aussehen mit ihren weichen Bleistiftdarstellungen – filmische Elemente auf. Auf der einen Seite den Zoom auf Personen, aber auch Dinge, die laut Hugo einfach in eine gute Filmgeschichte gehören, wie Verfolgungsjagden.

Ich dachte vor dem Lesen dieses Buches, dass ich eigentlich eine Menge über die Entstehung des Films und die Stummfilmzeit weiß, aber es war wirklich spannend noch mehr Details über diese Zeit zu erfahren. Ich habe nicht nur Lust bekommen mal wieder Klassiker mit Harold Lloyd wie „Ausgerechnet Wolkenkratzer!“ zu sehen, sondern auch eine ganze Menge über die Zusammenhänge zwischen Bühnenzauberei, Automaten und der Filmgeschichte gelernt. Meine einzigen Kritikpunkte an dem Taschenbuch sind die enge Bindung (die leider so manches Detail bei den Bildern „frisst“, da ich nicht bereit bin, die mit Gewalt aufzubrechen) und der doch recht übersichtliche Text auf den Seiten.

Fortunato: Die Spur der Drachen (Dragos dunkle Reise 1)

Mit „Dragos dunkle Reise“ präsentiert der Autor Fortunato eine düstere und spannende Trilogie für Jugendliche.

(Entschuldigt bitte diesen Einschub, aber selbst bei einem Kinderbuchautor reizt mich dieses Pseudonym eher zu einem spöttischen Grinsen und es fällt mir schwer, die Person hinter dem Namen ernst zu nehmen. Über das Autorenfoto möchte ich lieber erst gar nichts sagen, aber wer sich mit Suchmaschinen auskennt und neugierig genug ist, wird es schnell auf seiner Homepage finden und sich eine eigene Meinung bilden können. Bestimmt hat sich Thomas Montasser etwas bei dem Bild und dem Pseudonym gedacht – und wer weiß, vielleicht fliegen die Kinder, die ja seine Zielgruppe sind, auf diese Selbstdarstellung des Autors. 😉 )

Doch nun weiter mit „Die Spur der Drachen“! Die Hauptfigur dieses Romans ist der junge Drago. Er gehört zu einer Einwandererfamilie, die aus Illyrien floh, weil dort Krieg herrschte. Aber auch in Venedig ist das Leben für die Fremden nicht einfach. Die Stadt ist nass und kalt und die Einwohner sind den Einwanderern gegenüber nicht gerade wohlgesonnen. So kommt es, dass der Vater mit einem gemieteten Boot gerade mal genug verdient, um seine Familie vor dem Verhungern zu bewahren, während die Mutter aufgrund des unfreundlichen Klimas erkrankt ist.

Drago versucht in dieser schweren Zeit mit ein paar kleinen Gelegenheitsarbeiten und mit Taschendiebstahl etwas Geld zu verdienen. Ihm ist zwar bewusst, dass in diesem historischen Venedig sehr harte Strafen auf ihn warten, wenn er beim Klauen erwischt wird, doch der Junge bangt um das Leben seiner Familie. So ist er auch bereit sich gegen einen finsteren Hehler und seine Handlanger zu behaupten, obwohl er dabei mit seinem Leben spielt. Bei einem seiner Beutezüge lernt Drago den Gelehrten Hannibal Rabe kennen.

Zu seiner großen Überraschung wird der Junge von Rabe engagiert, um ihm in Venedig als Führer zu dienen und kleine Aufträge für ihn auszuführen. Doch was anfangs wie ein großer Glücksfall wirkte, führt dazu, dass Drago in eine unheimliche Geschichte gezogen wird. Hannibal Rabe forscht nach uralter Magie – und er ist nicht der einzige, der sich in Venedig mit diesem Thema auseinandersetzt. So wird Drago schnell zu einem unwissenden Spielball zweier mächtiger Parteien, denen das Leben des Jungen nichts wert zu sein scheint.

Ich muss zugeben, dass ich den Anfang dieses Jugendbuchs etwas verwirrend fand. Man findet sich in einem historischen Venedig wieder, welches sehr überzeugend, aber auch überaus düster geschildert wird. Und so wie Drago anfangs keine Ahnung hat, was in seiner Umgebung vorgeht, so ist man auch als Leser erst einmal nur verwirrt. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr zieht einen die Handlung in ihren Bann. Es entsteht eine faszinierende Mischung aus den atmosphärischen Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze (düstere Gassen, dunkle Kanäle, strahlende Palazzi und das trostlose und doch durch die Familie heimelig wirkende Zuhause von Drago) und der rätselhaften und spannenden Handlung, die voller Magie, Intrigen und Gefahren steckt. Auch Drago und seine Schwester Luzia sind mir ans Herz gewachsen und so habe ich das ganze Buch über gehofft, dass die beiden heil aus der Geschichte herauskommen.

Wenn man sich also erst einmal in diesem fremdartigen historischen Venedig zurechtgefunden und die verschiedenen Personen soweit kennengelernt hat, dass man sie zuordnen kann, erwartete einen eine ungewöhnliche und sehr reizvolle fantastische Geschichte. Oh, und da ich den zweiten Teil auch schon gelesen habe, kann ich jetzt schon sagen, dass die Serie ebenso fantastisch und spannend weitergeht!

Das Hörbuch zu „Die Spur der Drachen“ hat mir hingegen nicht ganz so gut gefallen. Der Sprecher Bernd Reheuser liest die Geschichte sehr „märchenhaft“ und etwas getragen und das passt nicht so gut zu der düsteren und spannenden Handlung. Außerdem hebt seine Art der Betonung die kleinen sprachlichen Mängel des Textes, die mir persönlich beim Lesen nicht so aufgefallen sind, noch hervor. Wer also die Wahl hat, sollte auf jeden Fall zum Roman greifen!

Jenny-Mai Nuyen: Nijura – Das Erbe der Elfenkrone

„Nijura“ lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB. Der Klappentext meiner Ausgabe beginnt mit folgendem Textauszug: „Einen Augenblick lang stand der neue König reglos vor den Elfen. Dann hob er die Hände und schon sich die Kapuze zurück: Die steinerne Krone Elrysjar schmiegte sich um seine Stirn, glänzend wie Sumpföl. Der Regen wusch ihm über das Gesicht, wusch Erde und Schmutz fort und enthüllte das lächelnde Gesichte eines Menschen.“ Danach folgt der eigentliche Klappentext, der mich darüber informiert, dass alle Hoffnungen die Elfen und den Rest der Welt vor der Vernichtung zu bewahren auf der jungen Halbelfe Nill ruhen, und da liegt auch schon der Punkt, der mich so lange vom Lesen abgehalten hat.

Ich fand die Grundvoraussetzung spannend, dass die Krone der Elfen in den Besitz eines Menschen gelangte und dieser nun ihr König wurde, aber wieder einmal eine Halbelfe in der Hauptrolle eines klassischen Fantasyromans zu sehen, schreckte mich doch ab. So langsam reicht es mir mit diesen armen kleinen Waisenkindern, die von den Menschen, bei denen sie aufwachsen, nur missachtet werden. Oh, und wenn die Halbelfen bei den Elfen aufwachsen ist es nicht anders, denn selbst wenn diese wunderbaren Wesen sanft und freundlich sind, so ist das halbmenschliche Geschöpf doch im Vergleich ungelenk und wird sich nie in ihre Kultur einfügen. Doch genug der Vorurteile, vor ein paar Tagen war es endlich soweit, dass ich das Buch in Angriff nahm – und nun bin ich mal wieder zwiegespalten …

Aber erst einmal noch ein paar Worte zum Inhalt: Auch wenn der Klappentext nur von der Halbelfe Nill spricht, so beginnt das Buch aus der Perspektive von Scapa. Der Junge schlägt sich als Dieb in der Kesselstadt durch, einem Ort, in dem von ihrem Volk verstoßene Elfen und die verschiedensten Menschen zusammenleben. Nebeneinander leben wäre vielleicht der bessere Ausdruck, denn die Völker vermischen sich nicht, jeder bleibt für sich und die einzigen Berührungspunkte ergeben sich, weil die Elfen als Hehler für die Verbrecher der Stadt dienen.

Scapa und Arane, ein Mädchen, dass er über alles liebt, versuchen zusammen mit den anderen Straßenkindern die Oberhand über das Gesindel in Kesselstadt zu gewinnen. Sie wollen keine Abgaben mehr an andere zahlen, erhoffen sich mehr Sicherheit und vor allem wollen sie endlich von dem Leben können, was sie sich im Laufe eines Tages so ergaunern. Erst nachdem man den Kampf der Straßenkinder verfolgt hat und Scapa, Arane und ein paar der anderen besser kennen gelernt hat, gibt es nach einer dramatischen Wendung einen Sprung in der Geschichte.

Drei Jahre später und ein Stückchen von Kesselstadt entfernt bekommt man einen kleinen Einblick in Nills Leben. Das Mädchen ist (wie schon im Klappentext angekündig) eine Halbelfe und – wie ich es schon vermutet hatte – sie ist nicht glücklich in ihrem Leben! Sie wird von den anderen Kindern gehänselt, ihre Pflegemutter ist ein Biest und nur der Pflegevater scheint freundliche Gefühle für sie zu hegen. So beschließt der Fürst des Ortes, dass die Halbelfe auch diejenige sein soll, die das seltsame magische Messer (das Nill praktischerweise im Wald gefunden hatte) zum neuen König der Moorelfen bringen soll, denn das Mädchen ist schließlich entbehrlich und niemand im Dort hängt an ihr.

Dieser König ist angeblich ein Mensch und schon seit Jahren verfolgen die Bewohner des Landes besorgt, wie die Grauen Krieger (warum nur will ich hier immer „Graue Reiter“ schreiben? *grübel), die unter seinem Befehl stehen, immer mehr Macht im Reich an sich ziehen und im Namen ihres Königs Gräueltaten verrichten. So will Nills Fürst vorsorgen und deshalb dem König – so als Versuch ihn wohlwollend zu stimmen – das Messer überreichen, von dem man glaubt, das es die einzige Waffe sei, die den Herrscher töten kann. Praktischerweise trifft Nill auf ihrem Weg auch noch auf eine Handvoll „Freier Elfen“, die sowieso in die gleich Richtung wollten und ihr Geleitschutz geben können.

Hört sich meine Inhaltsangabe ein bisschen biestig an? Wenn ja, dann liegt es vielleicht daran, dass ich zwar klassische High-Fantasy-Geschichten wirklich mag, aber mir hier doch ein wenig die eigene Grundidee fehlt. Genauso wie eine fundiert aufgebaute Fantasywelt, wenn ich das noch eben anmerken darf, denn über so einige Details darf man sich keine Gedanken machen, wenn man die Geschichte ohne grummeln erleben will. Trotzdem habe ich „Nijura“ genossen, da Jenny-Mai Nuyen eine schöne Erzählweise hat, die wirklich gut zu lesen ist. Auch hat sie die verschiedenen Charaktere angenehm vielschichtig angelegt.

Ich habe Scapa und seinen Freund Fesco, den Elfen Erijel und die andere Figuren in mein Herz geschlossen – sogar Nill und ihren Lerneifer mochte ich! Keiner der Charaktere ist zu simpel gestrickt, vor allem Scapa wird vor so einige Herausforderungen gestellt, bei denen es um seine Gefühle und Träume geht. Aufgrund der gewählten Perspektiven (Scapa und Nill sind diejenigen, durch deren Augen man hauptsächlich die Geschichte verfolgen kann) bleiben zwar einige Beweggründe zum Beispiel bei Arane offen, aber das führt nur dazu, dass man sich seine eigenen Gedanken zu der Vergangenheit der Personen macht. So haben mich die vielschichtigen und liebenswerten Charaktere über die verschiedenen Unstimmigkeiten oder Klischees getragen und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Obwohl die Geschichte in meinen Augen nur wenige überraschende Wendungen parat hatte, hatte ich das Gefühl, dass das Ende genau den richtigen Abschluss für diese Handlung bildete.

Michelle Harrison: Elfenseele – Zwischen den Nebeln

Mit „Elfenseele – Zwischen den Nebeln“ veröffentlicht der Loewe-Verlag den zweiten Band von Michelle Harrison. Über „Hinter dem Augenblick“ hatte ich ja schon im Dezember geschrieben und da mir das Buch so gut gefallen hatte, musste ich natürlich auch die Fortsetzung lesen! Im ersten Teil stand Tanya im Mittelpunkt, ein Mädchen, dass mit der Gabe gesegnet (oder sollte man besser sagen verflucht) war Feen und Elfen sehen zu können. Aufgrund dieser Fähigkeit geriet sie immer wieder in Schwierigkeiten, lernte aber auch einige Menschen kenne, die ebenfalls die übernatürlichen Wesen sehen konnten – und ihr helfen wollten. Rowan „Red“ Fox zum Beispiel hat Tanya viel darüber beigebracht, wie sie sich vor den Übergriff der Feen und Elfen schützen könnte.

Am Ende von „Hinter dem Augenblick“ gelang es Red nach einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem „kleinen Volk“ sogar das Elfenreich zu betreten, etwas, was sie schon seit über einem Jahr versuchte. Damals musste Red nach einem Autounfall, der ihre Eltern das Leben kostete, mit ihrem kleinen Bruder zusammen in einem Heim leben. Als dort Kinder verschwinden und durch Wechselbälger ersetzt werden, versucht Red alles, um ihren Bruder James zu beschützen – doch vergeblich!

Nachdem James von den Feen geraubt wurde, sammelt seine Schwester so viel Informationen wie möglich über die übernatürlichen Wesen und findet heraus, dass sie vielleicht eine kleine Chance haben könnte, ihren Bruder aus dem Elfenreich zu befreien. Doch dafür muss sie selber in diese magische Welt gelangen. Als ihr das letztendlich gelingt, fällt sie der Heckenhexe in die Hände, die ihre ganz eigenen unheimlichen Pläne mit dem Mädchen hat.

Mir gefiel „Zwischen den Nebeln“ noch besser als der erste Teil, da sich die Autorin noch mehr auf die düsteren Seiten der britischen Volksmärchen konzentriert hat. Zwar wird der eine oder andere Teil von Reds Aufgabe im Feenreich etwas einfach gelöst, aber dafür werden die Charaktere vielschichtiger beschrieben und der Hintergrund des Mädchens wird schön ausgearbeitet. Im Vergleich zu Tanya, deren Leben doch bislang immer sehr glatt verlief, zeigt Red viel mehr unterschiedliche Seiten ihres Charakters. Sie ist durch das Leben auf der Straße misstrauisch geworden, wirkt manchmal hart und erschreckend skrupellos – und wird doch die ganze Zeit nur von ihrer Liebe zu ihrem kleinen Bruder angetrieben.

Auch Tanya und Fabian wird in diesem Buch wieder eine Rolle zugestanden, da neben dem magischen Reich auch wieder das Herrenhaus Elvesden Manor zum Schauplatz der Geschichte wird – und ich sollte noch erwähnen, dass die Handlung auch verständlich ist, wenn man „Hinter dem Augenblick“ nicht gelesen hat, wobei so einige Anspielungen mit diesem Vorwissen eher zu genießen sind. Insgesamt bietet „Zwischen den Nebeln“ eine schöne Mischung aus traurigen Geschehnissen, fantastischen Elemente, niedlichen, bedrohlichen und hilfsbereiten magischen Wesen und vielen kleinen amüsanten Szenen.

Wenn es der Autorin gelingt diese Qualität zu halten (oder gar noch besser zu werden) und weiterhin so schöne und märchenhafte Geschichten zu erzählen, dann freu ich mich jetzt schon auf alle noch kommenden Romane von Michelle Harrison.

Ursula Poznanski: Erebos

„Erebos“ ist der erste Jugendroman der österreichischen Autorin Ursula Poznanski und damit ist ihr auf Anhieb eine wirklich faszinierende Geschichte gelungen! Eher langsam wird man als Leser in die Handlung eingeführt, in dem man erlebt, wie der sechzehnjährige Nick Dunmore auf einmal ständig von seinem besten Freund versetzt wird. Colin hat keine Erklärung dafür, warum er nicht mehr mit Nick abhängen will und sogar das Basketball-Training schwänzt.

So nach und nach kommt Nick dahinter, dass an der Schule eine seltsame DVD rumgeht, die man nur bekommen kann, wenn einem sie einer überreicht. Doch im Gegensatz zu den Raubkopien, die sonst schon mal an der Schule verbreitet wurden, redet niemand über das, was sich auf dieser DVD befindet. Der Schüler ist sich ziemlich sicher, dass die seltsamen Verhaltensänderungen seines Freundes mit dem Geheimnis der DVD zu tun haben – und greift deshalb begierig zu, als ihm auch eine angeboten wird.

Umso enttäuschter ist Nick, als er feststellen muss, dass sich darauf nur ein Rollenspiel mit dem Namen „Erebos“ befindet – und die langen Ladezeiten und der eher langweilige Anfang des Spiels sorgen fast dafür, dass er sich gar nicht näher mit diesem Spiel beschäftigen will. Aber da ist ja immer noch die Frage, warum seine Mitschüler von diesem Rollenspiel so fasziniert sind! Je mehr sich Nick mit „Erebos“ beschäftigt, desto mehr verfällt er diesem ungewöhnlichem Spiel. Schon bald wird ihm klar, dass es absolut einzigartig ist, da die Dialoge erkennen lassen, dass hier keine gewöhnliche Künstliche Intelligenz aktiv ist.

Noch interessanter sind allerdings die Verbindungen zu seinem realen Leben. Nick bekommt schon sehr früh im Spiel Aufträge, die er neben seinem Schulalltag erfüllen muss. Sind diese Aufgaben anfangs noch harmlos, so steigert sich das Risiko mit jedem weiteren Schritt, den der Junge in der virtuellen Realität macht. Bevor es Nick bewusst wird, ist er nicht nur süchtig nach „Erebos“, sondern auch viel tiefer in einen gefährlichen Plan verwickelt, als ihm lieb sein kann.

Ich fürchte, dass der große Schwerpunkt der Geschichte auf das Thema Rollenspiel vielleicht den einen oder anderen Leser abschrecken könnte. Sogar mir, die ich eigentlich sehr gerne Rollenspiele spiele, waren einige Passagen etwas zu lang (vor allem, da mich diese klassische RPG-Variante weniger reizt 😉 ). Doch Ursula Poznanski beschreibt selbst diese eher gezogenen Teile der Geschichte so lebendig und mit so vielen Verbindungen in Nicks reale Welt, dass man sie in einem Zug durchlesen kann – und dabei ständig nach weiteren Hinweisen auf die Identität der anderen Spieler sucht.

Doch vor allem das Wissen, dass irgendetwas an diesem „Spiel“ nicht stimmt, lässt einen gespannt die Geschichte verfolgen. Ich habe das Buch in einem Zug ausgelesen – und zwar nicht nur, weil ich mir dafür extra etwas Zeit genommen hatte, sondern auch weil ich es so spannend fand. Ständig habe ich überlegt, was hinter „Erebos“ steckt, habe gehofft, dass sich Nick aus diese Sucht befreien kann und mich über jedes neue Wissensbröckchen gefreut.

Mir hat es auch sehr gut gefallen, dass die verschiedenen Charaktere angenehm realistisch beschrieben werden. Natürlich passen einige von ihnen in die typischen „Schülertypenschubladen“, aber nur solange bis man sie näher kennenlernt. Dann gelingt es der Autorin jedem von ihnen so persönliche Facetten zu verleihen, dass sie den Leser einfach überzeugen. Auch der Schreibstil passt zu der spannenden Geschichte, obwohl ich die ziemlich kurzen Sätze anfangs erstaunlich gewöhnungsbedürftig fand. Aber trotz der zum Teil gehetzt wirkenden Erzählweise, war es immer gut lesbar – und erzeugte einen gewissen Druck beim Lesen, der die (vor allem gegen Ende) rasante Handlungentwicklung gelungen unterstützt hat. Wie ihr merken könnt, hat mir das Buch sehr gut gefallen – und ich werde auf jeden Fall meine Augen nach weiteren Jugendromanen der Autorin aufhalten!