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Seanan McGuire: Indexing

Wer in den letzten Tagen meine Beiträge zu den „7 Days – 7 Books“ gelesen hat, hat ja schon mitbekommen, dass ich von „Indexing“ von Seanan McGuire ganz hingerissen bin. Trotzdem wollte ich noch mal eine ausführlichere Rezension zu dem Titel schreiben, da mir das Buch so viel Spaß gemacht hat. Entstanden ist die Geschichte als Fortsetzungsroman für den Kindle, so dass die einzelnen Kapitel anfangs abgeschlossene Kurzgeschichten erzählen, während im Hintergrund eine komplexere Handlung ihren Anfang nimmt. Die Geschichte spielt in heutiger Zeit und dreht sich um ein Team, das die Aufgabe hat, Märchen daran zu hindern wahr zu werden.

Dieses Team besteht aus Henrietta „Henry“ Marchen, Sloane Winters, Jeffrey „Jeff“ Davis und Andrew „Andy“ Robinson. Jeder von ihnen hat eine Verbindung zur Märchenwelt und engagiert sich aus ganz persönlichen Gründen im Kampf gegen die Geschichten – Geschichten, die in der Realität lange nicht so schön und voller Happy Ends sind, wie es einem weisgemacht wird. So ist Henry ein inaktives Schneewittchen und muss sich schon ihr Leben lang davor fürchten, dass ihr Märchen seinen Anfang nimmt. Sloane hingegen ist eine böse Stiefschwester, die tagtäglich ihre natürlichen Impulse unterdrücken muss, um sich nicht in eine skrupellose Mörderin zu verwandeln, während Jeff ein „Schuhmacher“ ist.

Ich muss gestehen, dass Jeffs Rolle für mich am schwierigsten zu identifizieren war, spontan dachte ich bei seiner Beschreibung an ein potenzielles Heinzelmännchen – am Ende habe ich mir die Mühe gemacht und nach den passenden Informationen aus dem Aarne-Thompson-Index zu schauen, nach dem die Märchenfiguren katalogisiert werden. Innerhalb des Romans werden zwei „Märcheneigenschaften“ von Jeff genannt: 1. er hat das unstillbare Bedürfnis Schuhe anzufertigen und 2. er ist unsagbar ordentlich. Letztendlich steht er wohl für den braven Handwerker, der ja in vielen Märchen eine zwar namenlose, aber entscheidende Rolle spielt. Andy hingegen gehört nicht zu den Märchenwesen, er wurde in die ganze Angelegenheit hineingezogen, als sein Bruder bei einem Dornröschen-Vorfall starb.

Diese vier Ermittler bemerken schon zu Beginn des Romans eine ungewöhnliche Häufung von Vorfällen – vor allem aber gibt es unerklärlicherweise immer mehr Märchenfiguren, die sich als jemand anderes entpuppen, als sie anfangs zu sein scheinen. So stellt sich zum Beispiel eine als „Schneewittchen“ identifizierte junge Frau letztendlich als „Dornröschen“ heraus, was natürlich eine vollkommen andere Vorgehensweise erfordert hätte, um ihr Märchen daran zu hindern wahr zu werden. Während also auf der einen Seite die Gruppe rund um Henry gegen all die Geschichten angehen muss, die erzählt werden wollen, häufen sich auch die persönlichen Probleme der Protagonisten. Je mehr Stress sie haben, je mehr die Märchen nach Verwirklichung drängen, desto mehr müssen auch Henry, Sloane und Jeff aufpassen, dass sie nicht von ihrer Bestimmung eingeholt werden.

„Indexing“ bietet dem Leser keine heile Märchenwelt, sondern eine spannende Geschichte, die voll ist von den düsteren Seiten der diversen Märchen, sowie Leichen und … äh … ich bezeichne es mal als Tieropfer. Auch gibt es viele Disney-Anspielungen, denn – so wird immer wieder betont – wenn eine Märchenvariante erst einmal genügend oft als „richtig“ wahrgenommen wurde, dann ist sie es auch. Außerdem sind mir die Charaktere sehr schnell ans Herz gewachsen, sie sind oft ruppig und unhöflich, aber sie haben auch ihre liebenswerten Seiten und passen während eines Auftrags gut aufeinander auf. Je mehr Seanan-McGuire-Geschichten ich lese, desto mehr „typische Figurentypen“ fallen mir bei ihr zwar auf, aber da ich unter anderem eine Schwäche für ihre Variante einer mörderischen Gothic-Lolita habe, stört mich das nicht.

Neben dem (oft ganz schön schwarzen) Humor und dem kreativen Umgang mit klassischen Märchenmotiven sind es vor allem die überraschenden Einfälle, die dafür gesorgt haben, dass ich den Roman so genossen habe. Manche Wendung ist richtig, richtig böse, aber auf eine Art, die ich als sehr unterhaltsam empfand. Bei anderen habe ich mich einfach nur amüsiert, weil ich die Lösung, die Henry für ein Problem fand, so nie erwartet hätte. Insgesamt kann ich sagen, dass mir „Indexing“ einfach nur Spaß gemacht hat und jeden Pfennig Cent war. Wem die nicht gerade günstige Paperback-Ausgabe aber zu teuer ist, der kann – sofern das passende Lesegerät vorhanden ist – auch auf die Kindle-Ausgabe zurückgreifen, die gerade mal den halben Preis der Printausgabe kostet.

Seanan McGuire: Midnight Blue-Light Special (InCryptid #2)

„Midnight Blue-Light Special“ ist der zweite Teil der „InCryptid“-Serie von Seanan McGuire und erfordert meiner Meinung nach zwingend das Vorwissen aus dem ersten Band „Discount Armaggedon“, um die Geschichte in allen Facetten genießen zu können. Hatte ich nach dem Lesen des Reihenauftakts noch gemutmaßt, dass die Serie im zweiten Band etwas weniger gemächlich startet, so muss ich zugeben, dass ich mich da getäuscht hatte. Auch dieser Roman entwickelt sich sehr langsam, aber das hat mich in keiner Weise gestört, weil ich es wirklich unterhaltsam fand, welche Entwicklungen sich seit dem Kampf gegen den Schlangenkult ergeben haben und wie Verity Price und die anderen Figuren mit den aktuellen Ereignissen umgehen – die es wirklich in sich haben.

Für Verity haben sich in den letzten Wochen ein paar kleine, aber entscheidende Dinge geändert. Sie arbeitet zwar immer noch für die „Freakshow“, aber der Club wird inzwischen von einem anderen Besitzer geführt, was das Niveau doch etwas gehoben hat. Außerdem muss Verity immer wieder feststellen, dass ihr Brotjob in der „Freakshow“ und ihre „Nebenbeschäftigung“ als Kryptozoologin ihr nur wenig Zeit lassen, um ihre Karriere als professionelle Tänzerin voranzutreiben. Und während die junge Frau inzwischen immer mehr Freunde unter den „übernatürlichen“ Bewohnern von Manhattan findet, wird gleichzeitig ihr potenzieller Freund Dominic DeLuca misstrauisch von allen beäugt, da er als Mitglied des „Covenant of St. George“ zu den Erzfeinden aller nichtmenschlichen Wesen gehört.

Umso beängstigender ist es, als Dominic eines Abends Verity darüber informiert, dass der „Covenant“ eine Abordnung aus Europa schickt, die seine Arbeit in Manhattan überprüfen soll. Ihm ist dabei durchaus bewusst, dass sein Orden nicht nur Veritys Freunde, sondern auch die junge Frau selbst als jagbares Objekt ansehen wird, da ihrer Familie den „Covenant“ vor einigen Generationen verraten hatte. Aber natürlich kann Verity ihre Aufgabe und ihre Freunde nicht so einfach im Stich lassen – was selbstverständlich zu einigen kritischen Situationen führt.

Ich muss zugeben, dass es am Anfang der Geschichte viel Planung und Hin und Her gibt, weil jeder Beteiligte seine Lieben und seine Freunde aus der Gefahrenzone bringen will und man natürlich überlegen muss, wie sich all die übernatürlichen Wesen vor dem Orden verbergen können. Aber da diese Phase auch eine Menge über Veritys Familie und ihr Umfeld verrät, habe ich mich trotzdem gut unterhalten gefühlt. Für die junge Frau steht vor allem die Frage im Raum, ob sie Dominic vertrauen kann und für welche Seite er sich am Ende entscheiden wird. Denn dass er nicht langfristig sowohl dem Orden dienen als auch eine Beziehung mit ihr führen kann, steht ohne Frage fest.

Doch so richtig gut waren für mich die Passagen, in denen Istas vorkam. Ich mochte die Gothic-Lolita-Waheela (es gibt übrigens mehr zum Thema Waheela auf der Autorinnenseite) schon im ersten Band, und hier hat sie deutlich mehr Szenen, in denen ihr Charakter noch ausführlicher beleuchtet wird. Sehr schön ist da zum Beispiel ein Gespräch zwischen ihr und Veritys Cousine Sarah, während die beiden in der Kanalisation unterwegs sind:

„I realize I wear frilly clothing and impractical shoes, and that by many people’s standards, I am odd, but I am not stupid. […] I am here because Verity is my friend, and would look on me with sadness if I were to allow you to come to harm. Friendship is a rare thing among my people. We do not practice it often, and most of us do not practice it very well. I am hoping to be a better friend to Verity than my brothers and sisters were to me.“ (S. 219)

Auch über Sarah und ihre Spezies erfährt man in diesem Band deutlich mehr – einige Passagen sind sogar aus ihrer Sicht geschrieben. Ich mag den Gegensatz zwischen ihrer gefährlichen Natur und ihrer unsicheren Persönlichkeit, finde es stimmig, dass eine telepathische Rasse „gesichtsblind“ ist, weil sie Personen eben nicht an äußerlichen Aspekten identifizieren, und konnte mir gut vorstellen, wie ermüdend es sein kann, wenn der eigene angeborene Schutzmechanismus dafür sorgt, dass man kaum eine Beziehung aufbauen kann.

So sind es in diesem Buch eher die verschiedenen faszinierenden Charakter, die fantastische und detailliert beschriebene Welt und der Humor als die Handlung an sich, die mich gut unterhalten haben. Aber auch wenn die Geschichte für meinen Geschmack etwas actionreicher hätte sein können (und da zähle ich sogar das dramatische Ende mit dazu), so bin ich definitiv nicht unzufrieden damit, dass dieser Roman sich anders entwickelte, als ich erhofft hatte. Und jetzt bin ich gespannt, wie mir die kommenden Bände der Serie gefallen, in denen nicht mehr Verity, sondern ihre Geschwister im Mittelpunkt stehen.

Seanan McGuire: Discount Armageddon (InCryptid #1)

Da ich für mich beschlossen habe, die English-Challenge um ein Jahr zu verlängern, gibt es auch weiterhin (mindestens) einmal im Monat eine Rezension zu einem englischsprachigem Buch. Für den Januar habe ich von meinen Weihnachtsgeschenken „Discount Armageddon“ gelesen, den ersten Teil der „InCryptid Novels“. Geschrieben hat den Roman Seanan McGuire, deren „October Daye“-Geschichten mir ja schon so gut gefallen, dass ich die nächste Veröffentlichung kaum abwarten kann.

„Discount Armageddon“ spielt in einer weniger düsteren, aber ebenso unbarmherzigen Welt wie die „October Daye“-Bücher. Hauptfigur der Geschichte ist Verity Price, eine Tänzerin mit einem Faible für lateinamerikanische Tänze, die für ihren Lebensunterhalt in einem Striplokal in Manhattan kellnert, welches von einem Bogeyman geführt wird – und dementsprechend auch so einige übernatürliche Gäste bedient. Doch so sehr Verity als Tänzerin Karriere machen will, so ist sie doch dem Familiengeschäft verpflichtet. Die Price-Familie gehörte früher zum „Covenant of St. George“, einem Orden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliches „übernatürliches“ Leben von der Erdoberfläche zu tilgen. Doch dann stellte einer von Veritys Vorfahren die Regeln des Ordens in Frage und statt sich auf die Vernichtung der übernatürlichen Wesen zu konzentrieren, begann er sie zu erforschen. Als Folge davon musste er gemeinsam mit seiner Frau flüchten und sich – ebenso wie seine Nachfahren – vor den Mitgliedern des Covenant verstecken.

Auch Verity ist – ebenso wie der Rest ihrer Familie – eine Kryptozoologin und erforscht aktuell die übernatürliche Gesellschaft Manhattans. Dabei gehört es nicht nur zu ihren Aufgaben so viel wie möglich über die einzelnen Wesen herauszufinden, sondern auch die Menschen (bzw. andere Spezies) zu beschützen, wenn eine der gefährlicheren (und weniger intelligenten) Kreaturen Jagd auf sie macht. So sieht sich Verity auch in der Verantwortung als immer mehr übernatürliche (weibliche) Wesen auf unerklärliche Weise verschwinden, während zur gleichen Zeit ein Mitglied des Covenant in New York auftaucht. Auch wenn Verity relativ schnell davon überzeugt ist, dass Dominic De Luca nichts mit dem Verschwinden der jungen Frauen zu tun hat, so stellt allein seine Anwesenheit in ihrer Stadt eine Gefahr für sie, ihre Familie und die Übernatürlichen dar.

Ich muss gestehen, dass ich den Anfang dieses Romans als etwas sehr gemächlich empfunden habe, aber das liegt vor allem daran, dass Seanan McGuire sich Zeit lässt, um dem Leser Verity, ihre Familie und ihre Welt vorzustellen. Als ich erst einmal in der Geschichte drin war, wollte ich unbedingt wissen wie es weitergeht und habe mich wunderbar amüsiert. Denn neben der Frage, wer für das Verschwinden der verschiedenen Personen verantwortlich ist, stehen vor allem die amüsanten Einfälle der Autorin im Mittelpunkt. Mir hat dabei nicht nur Veritys exzentrischer Hintergrund gefallen (eine Familie, bei der das Kampftraining schon im Krabbelalter auf dem Programm steht und bei der einem die Geschwister zum Training mal eben ein paar tödliche Fallen stellen), sondern auch die kleinen Details wie die wahre Natur der Drachenprinzessinnen, der Duft einer Madhura oder eine Gothic-Lolita-Waheela. Von der extrem religiösen Kolonie sprechender Mäuse in Veritys Apartment will ich gar nicht reden, auch wenn ich den „I Swear, Daddy, I’ll Kiss The Next Man That Walks Through That Door“-Feiertag nicht hätte missen mögen.

Die eine oder andere Wendung der Geschichte fand ich zwar etwas vorhersehbar, aber das hat den Genuss beim Lesen definitiv nicht getrübt. „Discount Armageddon“ ist auf jeden Fall ein vielversprechender Reihenauftakt und ich gehe mal davon aus, dass der nächste Band („Midnight Blue-Light Special“) nicht ganz so gemächlich beginnt, weil die Urban-Fantasy-Welt, in der die InCryptid-Geschichten spielen, ja nun schon vorgestellt wurde. Hier und da hat mich Verity (und ihr Verhältnis zu Männern 😉 ) an Buffy erinnert, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass Seanan McGuire etwas kopiert. Da ich „Buffy“ ja – trotz der Tatsache, dass mir die Schwächen der Serie nur allzu bewusst sind – sehr mag, hat mir das den Spaß beim Lesen nur vergrößert.

Seanan McGuire: Ashes of Honor (October Daye 6)

Nachdem ich ein paar Monate eine October-Daye-Pause machen musste, gab es am ersten Novemberwochenende für mich den aktuellen Band der Serie für die English-Challenge. Und da „Ashes of Honor“ schon der sechste Teil der Reihe ist, enthält diese Rezension unvermeidliche Spoiler zum Inhalt – also nur lesen, wenn man den fünften Band schon kennt!

Ein Jahr ist vergangen, seitdem October den Tod ihres Geliebten Connor miterleben musste, und ein Jahr ist vergangen, seitdem sie ihre Tochter Gillian vor die Wahl zwischen der Menschenwelt und ihrer übernatürlichen Herkunft stellen musste. In ihrer Trauer um die beiden ist Toby in den letzten Monaten unverantwortliche Risiken eingegangen – und so langsam geht ihrer Umgebung die Geduld mit ihrem selbstmörderischen Verhalten aus.

Aufgerüttelt wird Toby erst durch einen Auftrag von Etienne, dem Seneschall ihres Lords. Dieser hat gerade erst erfahren, dass er eine Tochter hat – und dass diese vermisst wird. Vor sechzehn Jahren hatte Etienne eine Affäre mit einer Professorin für Folklore und obwohl er sie seit ihrer Trennung im Auge behalten hat, gelang es der Frau ihm zu verschweigen, dass aus dieser Beziehung eine Tochter hervorgegangen ist. Chelsea hat anscheinend die Fähigkeiten ihres Vaters geerbt Türen in andere Räume zu öffnen und so zu teleportieren. Und nun ist Chelsea vor den Augen ihrer Mitschüler verschwunden und ihre Eltern müssen befürchten, dass sie entweder die Kontrolle über ihre Fähigkeiten verloren hat oder gar von jemanden entführt wurde, der mit dem Wechselbalg nichts Gutes im Sinn hat.

Für Toby bietet auch dieser Fall wieder einige Herausforderungen. Erst einmal ist es für sie nicht gerade einfach mit einem Mädchen mitzuhalten, das teleportieren kann (und kaum Kontrolle über diese Fähigkeit hat) und dann erinnert sie Etiennes Situation an ihren eigenen Verlust. Auch wenn Toby aufgrund ihrer besonderen Magie in der Lage war Gillians Leben nach ihrer Entscheidung für die Menschenwelt zu retten, so wird sie ihre Tochter nie wiedersehen. Außerdem bringt Tybalt, der October bei der Suche nach dem Mädchen zur Seite steht, sie immer wieder aus dem Tritt. Ihre Gefühle für den König der Katzen sind im Laufe der Zeit gewachsen, aber noch hat Toby das Gefühl, dass sie Connor verraten würde, wenn sie eine neue Beziehung einging. Erst als Tybalt aufgrund von Intrigen an seinem Hof in Gefahr gerät, bringt es Toby fertig einen Schritt auf ihn zu zu gehen.

Seanan McGuire hat in „Ashes of Honor“ einen sehr großen Schwerpunkt auf Octobers Beziehung zu Tybalt gelegt und ich muss zugeben, dass mir das sehr gefallen hat. Endlich wird Toby gezwungen ein paar Dinge hinter sich zu lassen und sich mit ihren Gefühlen für den König der Katzen auseinanderzusetzen. Das führt nicht nur zu einer Menge Tybalt-Zeit in diesem Roman (und ja, ich habe eine Schwäche für diese Figur!), sondern auch zu einigen neuen Informationen über die beiden Höfe der Katzen  und das dort herrschende Machtverhältnis. Aber auch über die ursprünglichen Herkunftsorte der übernatürlichen Wesen und was die Abwesenheit von Oberon für die Gemeinschaft der Feen bedeutet gibt es so einige neue Informationen, die die Seanan McGuires Fantasywelt wieder ein Stückchen komplexer und interessanter machen.

Ich bin sehr gespannt, wie es nach diesem Band mit der Geschichte weitergeht. Ein bisschen habe ich schon das Gefühl, dass man spürt, dass die Autorin die Handlung konzipierte, als sie noch nicht sicher sein konnte, dass ihr Verlag noch mehr October-Daye-Romane veröffentlichen will. Man könnte „Ashes of Honor“ ganz gut als Ende der Reihe nehmen, denn am Ende geht es mit Tobys Leben ein ganzes Stück aufwärts. Umso gespannter bin ich, was Seanan McGuire für ihre ungewöhnliche Heldin noch auf Lager hat und welche Wendungen für den großen Handlungsbogen in den kommenden drei Romanen noch kommen werden …

Seanan McGuire: One Salt Sea (October Daye 5)

Ich weiß, für euch wird es langsam langweilig, aber auch in diesem Monat habe ich für die English Challenge einen October-Daye-Band gelesen. „One Salt Sea“ ist der fünfte Teil der Reihe und dieses Mal geht es für October (Toby) Daye darum eine Krieg zu verhindern. Dabei versucht Toby noch immer mit all den Veränderungen fertig zu werden, die die Handlungsentwicklung in „Late Eclipses“ für sie ganz persönlich mit sich gebracht hat. Doch ein drohender Krieg zwischen dem Feenvolk des Landes und des Wasser ist eindeutig wichtiger als die privaten Probleme der Detektivin – vor allem, da die Luidaeg um Tobys Eingreifen in diesem Fall gebeten hat.

So bringt Toby die (ihr nicht gerade wohlgesonnene) „Queen of Mists“ dazu, sie mit der Suche nach den entführten Kindern der „Undersea Duchy of Saltmist“ zu beauftragen – in der Hoffnung, dass die Wiederbeschaffung der beiden vermissten Söhne ein Ausbrechen des Krieges verhindern kann. Dabei kann Toby dieses Mal nicht auf die Hilfe der Luidaeg zählen, da die Meerhexe sich bei einem Konflikt zwischen dem Land- und dem Wasservolk so neutral wie möglich verhalten muss. Einzig als Kontaktvermittlerin steht sie der Detektivin zur Verfügung und das ist auch notwendig, da Toby bislang kaum Kontakt mit dem Feenvolk des Meeres hatte.

Seanan McGuire gelingt es auch in diesem Band die großen Probleme der Feenwelt anhand der direkten Auswirkung auf Toby und ihre Freunde für den Leser relevanter und spürbarer zu gestalten. So sorgt der bevorstehende Krieg zum Beispiel dafür, dass Connor, mit dem Toby nach seiner Trennung von seiner Frau inzwischen offiziell eine Beziehung hat, zurück nach Saltmist gehen muss. Würde der Krieg ausbrechen, müsste der Selkie gegen Toby und all die anderen, die ihm in seiner Zeit an Land, ans Herz gewachsen sind, kämpfen. Und es wird auch wieder deutlich, dass der Wahnsinn, der „Queen of Mists“ eine große Gefahr für das Landvolk darstellt, denn obwohl sie keine Chance auf einen Sieg hat, ist sie diejenige, die sich am bereitwilligsten in den Krieg stürzen möchte.

Für mich hat dieser Band zwei entscheidende Punkte mit sich gebracht, die die Geschichte wieder sehr spannend gemacht haben: Auf der einen Seite konnte die Autorin hier das eine oder andere lose Ende in Tobys Biografie abschneiden und so den Weg für weitere Entwicklungen bereiten. Auf der anderen Seite bot sich durch die tragende Rolle, die das Meervolk in diesem Roman spielt, eine großartige Möglichkeit, um die fantastische Welt von Seanan McGuire weiter auszubauen. Ich finde es immer wieder faszinierend und spannend, wie es der Autorin gelingt diese Feengesellschaft so fremdartig wirken zu lassen und doch dafür zu sorgen, dass man das Handeln der verschiedenen Personen stimmig und – in gewisser Weise – nachvollziehbar findet. Doch vor allem freue ich mich auf die weiteren Entwicklungen in Tobys Leben (vor allem, da ich – herzloserweise – das Gefühl habe, dass sie nun ein bisschen „Ballast“ losgeworden ist) und kann es kaum erwarten, dass im September die Fortsetzung erscheint.

Seanan McGuire: Late Eclipses (October Daye 4)

„Late Eclipses“ ist der vierte October-Daye-Band und wurde von mir für die English-Challenge gelesen. Ich versuche, die Rezension so spoilerfrei wie möglich zu halten, aber ganz funktioniert das bei einem vierten Band leider nicht mehr. Trotzdem will ich vorher noch eine Bemerkung loswerden, in der Hoffnung, dass die verschiedenen Tybalt-Fans sie lesen: Der König der Katzen hat in diesem Teil der Reihe viele Szenen, die euch wirklich gefallen sollten, also lest schnell weiter! ;D

Gleich zu Beginn dieses Romans wird October an den Hof der „Queen of Mists“ gerufen und von dieser zur Erbin der verstorbenen Fürstin Winterrose, zur „Countess of Goldengreen“ ernannt. So ungewöhnlich diese Ernennung Tobys zur Lady ist, so sehr befürchten Toby und ihre Freunde, dass die Königin mit dieser Ehrung nichts Gutes für October im Sinn hat. Doch dann lässt die Nachricht, dass ihre Freundin Lily schwer erkrankt ist, Toby alle Gedanken an höfische Intrigen vergessen, und die Privatdetektivin begibt sich auf die Suche nach der Ursache für Lilys Zustand. Als eine Undine, die vollständig aus Wasser besteht, müsste Lily eigentlich immun gegen jegliche Krankheit sein, und doch schwinden ihre Kräfte in rasantem Tempo. Kurz darauf erkranken weitere Personen in Tobys Umfeld, während October befürchten muss, dass eine Widersacherin aus ihrer Vergangenheit erneut in San Francisco ihre Untaten treibt.

Für mich ist „Late Eclipses“ der persönlichste Band rund um October Daye. Aufgrund der verschiedenen Ereignisse muss Toby immer wieder an ihren Fähigkeiten und Wahrnehmungen zweifeln, außerdem bangt sie um verschiedene Personen, die ihr sehr nahestehen, während sie sich zusätzlich gegen die Intrigen der „Queen of the Mists“ wehren muss. Das alles führt dazu, dass es zu einigen dramatischen Szenen kommt, in denen der Leser wieder mehr über Toby, ihre Vergangenheit und ihren Freundeskreis erfährt.

Trotzdem fühlt sich die Geschichte nicht überfrachtet an, weil die verschiedenen Handlungsstränge letztendlich alle darauf abzielen, den Leser tiefer in Tobys Geschichte einzuführen. So bekommt man mehr Details zu den Ereignissen, die zu Tobys 14 Jahren als Fisch in Lilys Teich geführt haben, sowie einen kleinen Einblick in das, was Luna und ihrer Tochter Rayseline zu dieser Zeit zugestoßen ist. Es gibt aber auch Rückblicke, in denen Tobys Vater vorkommt, und welche, die das Verhältnis zwischen October und ihrer berüchtigten Mutter Amandine näher beleuchten.

Nach den ersten vier Kapiteln fiel es mir sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen – was dazu geführt hat, dass ich mal eben bis morgens um vier Uhr gelesen habe, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht. Dabei fand ich die eine oder andere Wendung zwar vorhersehbar, aber bei all den faszinierenden Details konnte ich darüber locker hinwegsehen. Vor allem stand in der Regel weniger die Frage im Raum, wer was wie getan hat, sondern wie Toby beweisen kann, dass es so passiert ist (und dass sie keine Schuld an den Vorgängen hat). Mir sind die vertrauten Figuren nur noch mehr ans Herz gewachsen, ich bin hingerissen von der Vielschichtigkeit der fantastischen Welt und sehr gespannt darauf, wie sich die Geschichte nach all den in diesem Band präsentierten Enthüllungen weiter entwickeln wird.

So möchte ich – wie immer nach dem Lesen eines October-Daye-Romans – jetzt am liebsten zum folgenden Roman greifen, aber leider befindet sich der noch nicht in meinem Besitz. Außerdem sollte ich vielleicht so langsam anfangen, die Bücher sorgfältig zu dosieren, denn wenn ich es richtig gesehen habe, dann gibt es gerade nur einen weiteren englischen Titel („One Salt Sea“), während der neueste („Ashes of Honor“) erst für September angekündigt ist. Unabhängig davon, wann die nächsten Bände erscheinen und von mir angeschafft werden: Ich bin mir sicher, dass ich dieser Reihe noch eine ganze Weile treu bleiben werde, denn die Bücher machen mir eine Menge Spaß.

Seanan McGuire: An Artificial Night (October Daye 3)

„An Artificial Night“ ist der dritte October-Daye-Band und wieder muss sich October „Toby“ Daye – Wechselbalg, Privatdetektivin und Ritterin am Hof des Fae-Fürsten Sylvester – verschiedenen übernatürlichen Herausforderungen stellen, die dem Leser die Möglichkeiten bieten, tiefer in Seanan McGuires fantastische Welt einzutauchen. Dabei beginnt die Geschichte ganz harmlos mit einem Kindergeburtstag bei Tobys Freunden Stacy und Mitch, deren jüngster Sohn Andrew seinen vierten Geburtstag feiert. Im Schnellverfahren lernt man als Leser die Kinder der Familie – Cassandra (19), Karen (11), Anthony (9), Jessica (6), Andrew (4) – kennen und erfährt, wie viel sie Toby (deren eigene Tochter Gillian keinen Kontakt mehr zu ihr haben möchte) bedeuten. Doch so harmonisch geht es in der Geschichte natürlich nicht weiter, und so hält der nächste Morgen für Toby einige Schockmomente bereit.

Erst einmal ruft Connor bei Toby an und bittet um eine Verabredung, obwohl sich die beiden aus dem Weg gehen sollten, da sie ihre Gefühle füreinander trotz Connors Ehe mit Sylvesters Tochter nicht im Griff haben. Dann steht auch noch Tobys „Fetch“ (eine Art magischer Doppelgänger, der als „Leiche“ zurückgelassen wird, wenn eines der übernatürlichen Wesen stirbt) – genannt May Daye – vor der Tür und kündet vom baldigen Tod der Privatdetektivin.  Und zuletzt erfährt Toby nicht nur, dass Karen in ein mysteriöses Koma gefallen ist, sondern auch, dass Andrew und Jessica in der Nacht spurlos aus ihren Betten verschwunden sind.

Doch die Kinder von Stacy und Mitch sind nicht die einzigen, die vermisst werden, auch Tybalt – König der Cait Sidhe – bittet October um Hilfe bei der Suche nach vermissten Kindern, ebenso wie Quentin (siehe „A Local Habitation“), dessen menschliche Freundin Katie verschwunden ist. Letztendlich sieht sich Toby gezwungen, die Luidaeg um Hilfe zu bitten, obwohl sie schon tief in der Schuld der mächtigen Meerhexe steht. Doch nur mit der Unterstützung einer der Erstgeborenen, wie die Luidaeg eine ist, kann die Detektivin die Spur der Kinder aufnehmen. Schnell steht fest, dass sie sich dafür in das Reich des „Blind Michael“ begeben muss, dessen Reiter alle hunderte Jahre auf die Jagd nach Kindern gehen, mit denen sie ihre Reihen aufstocken.

Wie schon bei den beiden vorhergehenden Teilen hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass Toby ständig von einem Ort zum anderen unterwegs ist und dabei nicht immer ganz gezielt vorgeht. Aber das gehört wohl zu einer Geschichte von Seanan McGuire dazu, und da die Autorin diese Reisen sehr atmosphärisch beschreibt und immer wieder (neue) Details zu den verschiedenen Figuren und Hintergründen dieser besonderen magischen Welt einbaut, wird es auch nicht langweilig. Im Gegensatz zu dem vorhergehenden Band gibt es hier keinen Kriminalfall, der gelöst werden muss, sondern die gesamte Geschichte dreht sich um Tobys Bemühungen, die Kinder aus der Hand von „Blind Michael“ zu retten. Dabei muss October Daye nicht nur an ihre physischen und psychischen Grenzen gehen, sondern auch in dem ständigen Bewusstsein handeln, dass ihr Tod schon vorhergesagt wurde.

Seanan McGuire beweist bei der Gestaltung von „Blind Michaels“ Reich wieder einmal ein großartiges Händchen für atmosphärische Landschaften. Sein Reich ist abweisend, voller Dornen und Steine und bietet demjenigen, der sich dort hinein verirrt, keinen Schutz und keine Hoffnung. Und die Reiter, die schon seit Jahrhunderten zu seinen Jägern gehören, sind so grausam und so wahnsinnig, wie es nur die Fae sein können. Ich habe diese Variante der „Wilden Jagd“ wirklich genossen – vor allem, da es der Autorin gelingt, durch Toby, ihren Humor, ihren Freundeskreis und Figuren wie die Luidaeg die Geschichte etwas aufzulockern. Auch mag ich es, wie sich die verschiedenen Nebenfiguren im Laufe der Serie immer weiter entwickeln und wie sich ihre Beziehungen zu Toby vertiefen.

Tybalt war mir ja schon bei seinem ersten Auftritt sympathisch (und wenn ich mir die diversen Rezensionen angucke, dann stehe ich damit nicht alleine), aber auch die Luideag gewinnt mit jedem weiteren Band an Tiefe. Und zu Sylvesters Gemahlin Luna (einer dreischwänzigen Kitsune) gibt es in diesem Roman sogar eine ganze Menge Hintergrundinformationen, während mich die kleinen Schnipsel zu der Undine Lily wünschen lassen, dass diese Figur in einem der kommenden Bände noch mehr Raum bekommt.

Auch wenn ich jedes Mal beim Lesen über die eine oder andere Länge in der Handlung stolpere und mir wünsche, dass die Autorin hier und da etwas straffen würde, so mag ich die October-Daye-Serie aufgrund der komplexen Fantasywelt, des souveränen Umgangs mit diversen Mythologien, den liebenswerten Figuren und des Humors wirklich gern und werde mir bestimmt auch die weiteren Bände rund um Toby zulegen. Teil vier habe ich sogar schon im Haus – und nun muss ich mir nur überlegen, ob ich den für die English-Challenge noch etwas aufhebe oder ob ich meiner Neugier nachgebe und das Buch in den nächsten Tagen lese.

Seanan McGuire: A Local Habitation (October Daye 2)

Seit den Ereignissen in „Winterfluch“ sind ein paar Monate vergangen und October (Toby) Daye scheint es inzwischen wieder ganz gut zu gehen. Schon auf den ersten Seiten erfährt man, dass sie als Privatdetektivin in den letzten Wochen gut zu tun hatte, dass sich der kleine Rosenkobold Spike gut bei ihr eingelebt hat und dass sie inzwischen eine Art Freundschaft mit der Luidaeg (im Deutschen wurde sie, wenn ich mich recht erinnere, als Meerhexe bezeichnet) geschlossen hat. Dann bekommt Toby von ihrem Lehnsherrn Sylvester den Auftrag nach Fremont zu fahren und nach seiner Nichte zu gucken, die sich schon länger nicht gemeldet hat. January und er haben regelmäßig Kontakt, auch wenn sie sich aus politischen Gründen nicht gegenseitig besuchen können.

Für Toby erscheint dieser Fahrt erst einmal nur etwas lästig, vor allem, weil sie Quentin (einen von Sylvesters Schützlingen) mitnehmen soll, damit der Junge etwas lernt. Doch kaum in Fremont angekommen, muss die junge Frau feststellen, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist und dass es Todesfälle gegeben hat. Und da weder January noch ihre Angestellten nicht bereit sind mit offenen Karten zu spielen, ist es an Toby mehr über das Ganze herauszufinden. Letztendlich stellt es sich als überaus passend heraus, dass Toby mit ihren besonderen Fähigkeiten (sie ist ein Wechselbalg, d.h. ihr Vater war ein Mensch, ihre Mutter eine Daoine Sidhe) nach Fremont geschickt wurde, denn ihre Erfahrungen als Ermittlerin sind ebenso gefragt wie ihr Gespür für Blut.

Auch in diesem zweiten October-Daye-Band scheint Toby sehr viel Wegstrecke für sehr wenige Informationen hinter sich bringen zu müssen. Doch dieses Mal fährt sie dafür nicht quer durch San Francisco, sondern läuft durch Januarys „Firmengelände“, da die Adelige nicht nur die Verantwortung für ein kleines und unabhängiges Gebiet zwischen zwei Feen-Herzogtümern hat, sondern auch ein erfolgreiches Unternehmen leitet. Trotzdem hatte ich auch dieses Mal (in der Regel) nicht das Gefühl, dass Seanan McGuire die Handlung dadurch künstlich in die Länge zieht, sondern dies als ein Mittel nutzt, um dem Leser die Umgebung und die vielen verschiedenen Figuren vorzustellen.

Außerdem macht Toby – meiner Ansicht nach – in diesem Band einen professionelleren Eindruck, während sie in „Winterfluch“ nicht wie eine erfolgreiche Privatdetektivin handelte. Viele Sachen, die für mich auf der Hand lagen, während Toby im Dunklen tappte, kann ich zu einem großen Teil auf ihre Unwissenheit bezüglich moderner Technik schieben. Die verlorenen Jahre hat sie in der Beziehung nicht einfach aufholen können, stattdessen hat sie sogar mit den eher altmodischen Geräten in ihrem Besitz Probleme bei der Bedienung. Was mich allerdings etwas stört, ist, dass die Luidaeg bei ihrem letzten Gespräch mit Toby einige „seltsame Äußerungen“ von sich gegeben hat, die ich ganz eindeutig als orakelige Warnung verstanden habe. Toby hingegen misst diesen Sätzen so gar keine Bedeutung bei, was ich doch etwas unbedacht finde, wenn man überlegt, dass die Meerhexe ein mächtiges und allwissendes Wesen mit besonderen Fähigkeiten ist.

Was den Kriminalfall angeht, finde ich wirklich, dass Seanan McGuire in „A Local Habitation“ bessere Arbeit geleistet hat als in „Winterfluch“. Zwar war die Identität wieder weit vor der Lösung offensichtlich, aber dafür gab es mehr Details bezüglich der Morde und der Motivationen der verschiedenen Charaktere, die nicht so klar auf der Hand lagen. Auch die Grundidee, die Handlung als einen Mord in einem „geschlossenen“ Raum anzulegen, hat mir gefallen, auch wenn die Autorin das noch besser hätte machen können. Die „Knoten“, die als Lebensraum der mit der realen Welt verbundenen Feengeschöpfe dienen, haben zwar ihre ganz eigenen Gesetze, sind für mich aber als Handlungsort auf Dauer nicht so reizvoll wie die normale Welt.

Insgesamt habe ich mich – trotz einer Länge im Mittelteil – auch von dem zweiten Band rund um October Daye gut unterhalten gefühlt. Die Reihe werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen! Nicht nur, weil mir das Urban-Fantasy-Setting der Autorin gefällt, sondern auch weil ich so einige Charaktere ins Herz geschlossen habe und mehr über sie herausfinden will. Außerdem hoffe ich, dass Seanan McGuire es langfristig auf die Reihe bekommt, dass sie nicht nur gute Ansätze, unterhaltsame Dialoge und sympathische Figuren in ihren Romane nutzt, sondern beweist, dass sie auch den Krimiteil richtig gut hinbekommt.

Mit dem Lesen und Besprechen von „A Local Habitation“ habe ich übrigens die „English“-Challenge abgeschlossen! Wenn ich in diesem Jahr schon sonst nicht so erfolgreich war, so habe ich immerhin eine Herausforderung gemeistert! 😉

Seanan McGuire: Winterfluch (October Daye 1)

Wieder ist Kiya Schuld daran, dass ich zu einem Buch gegriffen habe. Denn ihr Beitrag zu „Rosemary and Rue“ sorgte dafür, dass ich auch endlich mal meine Ausgabe von „Winterfluch“ aus dem SuB zog. Den Roman hatte ich vor über 1 ½ Jahren beim read-a-thon gewonnen und obwohl ich Lust auf die Geschichte hatte, ging sie neben all den anderen Urban-Fantasy-Titeln, die irgendwie dringender zu lesen waren, etwas unter. Ich muss gestehen, dass ich inzwischen sogar vergessen hatte, wie das Buch überhaupt auf meinem SuB gelandet war. Umso schöner ist es, dass ich es jetzt endlich gelesen habe.

„Winterfluch“ ist der erste Teil einer Reihe um October Daye, die in Deutschland leider nicht weiter fortgesetzt wird – allerdings gefallen mir die englischen Cover auch deutlich besser und preislich sind die auch wesentlich erschwinglicher. October (Toby) Daye ist ein Wechselbalg, die Tochter eines Menschenmannes und einer Fae-Braut, und bestreitet ihren Lebensunterhalt als Privatdetektivin. Dabei arbeitet sie auch regelmäßig für die übernatürliche Gemeinde von San Francisco, bis sie eines Tages (im Jahr 1995) bei einer Beschattung von einem mächtigen Fae verzaubert wird.

Vierzehn Jahre vergehen bis Toby den Bann abschütteln kann und in der Zwischenzeit ist in der Welt eine Menge passiert, was die junge Frau nicht so schnell aufholen kann. Während sie sich vor ihren früheren Freunden versteckt und nichts mehr mit den anderen Wechselbälgern oder den Fae zu tun haben will, wird eine alte Bekannte von ihr angegriffen und ermordet. Abgesehen davon, dass Toby durch den Tod der Fürstin Winterrose erschüttert ist und sowieso alles in ihrer Macht stehende getan hätte, um die Hintergründe aufzudecken, zwingt sie auch noch der Todesfluch der Fae zum ermitteln. Denn wenn Toby nicht herausfindet, wer Winterrose umgebracht hat, wird auch sie sterben.

Alles in allem ist die Grundidee von „Winterfluch“ nicht neu. Ich habe in den letzten Jahren so einige Romane mit ähnlichen Figuren und Handlungssträngen gelesen und auch Kiyas Verweis auf die Dresden-Files-Geschichten ist nicht von der Hand zu weisen. Außerdem hatte ich nach mehr als der Hälfte des Buches das Gefühl, dass Toby zwar ständig quer durch San Francisco fährt und Leute aufsucht, aber eigentlich nichts passiert. Dass sie dazu durch das etwas komplizierte Fae-Protokoll gezwungen wird, gibt allerdings eine recht gute Erklärung dafür ab.

Außerdem bietet dies Seanan McGuire die Möglichkeit dem Leser eine ausführliche Einblick in ihre fantastische Welt zu geben. Weitere Probleme ergeben sich dadurch, dass October eigentlich eine besonders gute Privatdetektivin sein soll – so hat sie sich sogar die Ritterwürde verdient – sich aber nicht dementsprechend verhält, aber vielleicht ist das auch eine Folge der 14 – etwas fischigen – Jahre unter dem Bann. Ich bin mir sicher, dass ein solches Leben den Verstand deutlich beeinträchtigt. 😉

Trotz all dieser Kritikpunkte hat mir der Roman gut gefallen. Ich mag die Komplexität von Seanan McGuires fantastischem San Francisco, die stimmige Umsetzung alter (irischer) Märchenelemente und die vielen kleinen Szenen, in denen einem die Charaktere nähere kommen. Dabei fällt mir mal wieder auf, wie oft ich beim Lesen eines Buches die Hauptfigur gern schütteln würde, damit sie etwas vernünftiger agiert (wobei ich Toby schon mochte), und wie oft mir vor allem die Nebenfiguren ans Herz wachsen und dafür sorgen, dass ich gern noch mehr Bände dieser Reihe lesen möchte.

Auch hat es mir gefallen, dass die Autorin geradezu beiläufig auch andere Sagenelemente ins Spiel gebracht hat, so konzentriert sie sich zwar sehr auf die keltische Mythologie, lässt aber auch eine japanische Kitsune auftauchen. Und manche Szenen sind so anrührend geschrieben, dass ich am Ende sogar ein paar Tränen in den Augen hatte (und das lag bestimmt nicht daran, dass ich morgens um halb zwei etwas übermüdet war). Insgesamt gesehen ist „Winterfluch“ für mich auf jede Fall ein vielversprechender Serienauftakt, wenn auch mit der Hoffnung verbunden, dass die Autorin in Zukunft ein paar Längen weniger in ihre Geschichten einbaut.

Und zuletzt gibt es für Kiya noch ein paar Zitate, damit sie die Übersetzung von Tobys Illusionszauber mal anschauen kann:

„Frau Susi hat ein Boot, da kann sie überwintern. Doch warm ist’s darauf nicht, sie friert sich ab den – Hinterm Berg wohnen Zwerg’ in ihren Haus, aus die Maus.“ (S. 177/178 – der Zauber an der Mautstelle)

„Herzkönigin gern Torte backt, am Sommertag und splitternackt.“ (S. 64 – der Zauber vor Winterroses Gebäude) „Herzbube stiehlt die Torte, packt sie ohne Worte.“ (S. 65 – der Zauber vor Winterroses Wohnung)

Auf Englisch finde ich diese kleinen Sprüche dann doch netter …

Oh, und wenn man bei „Winterfluch“ den englischen Originaltitel „Rosemary and Rue“ im Hinterkopf behält, dann schließt sich auf den letzten Seiten sehr schön der Bogen zwischen Titel und Handlung.