Schlagwort: English-Challenge

Tamora Pierce: Tordall and Other Lands

Lange hat es gedauert, aber ich habe es in diesem Monat doch noch geschafft ein englisches Buch zu lesen. (Dank der heutigen Hitze das erste beendete Buch im Juni … *seufz*) „Tordall and Other Lands“ ist eine Kurzgeschichtensammlung von Tamora Pierce, in der – wie ich inzwischen festgestellt haben – Geschichten veröffentlicht wurden, die vorher in anderen Anthologien erschienen waren. So kannte ich die erste Geschichten „Student of Ostriches“ schon aus „Young Warriors“, das ich im September gelesen hatte. Zum Glück gefällt mir die Geschichte von dem Mädchen, das durch die Beobachtung ihrer heimischen Tierwelt kämpfen lernt, so gut, dass sie auch beim zweiten Mal wieder viel Spaß gemacht hat.

Insgesamt beinhaltet diese Anthologie elf Geschichten, die alle mehr oder weniger mit den Tordall-Romanen von Tamora Pierce zu tun haben.. So erkennt man bei „Student of Ostriches“ nur anhand des am Ende vorkommenden Shang-Kriegers, dass die Handlung in der gleichen Welt angesiedelt ist wie die Geschichten von Alanna, Dhana, Keladry und Alianne. „Elder Brother“ und „The Hidden Girl“ haben ihren Ursprung in einem Vorfall, der mit einem der Dhana-Romane in Verbindung steht und zeigen sehr schön, wie es einem Baum ergeht, der aufgrund der magischen Gesetzmäßigkeiten in einen Mann verwandelt wurde.

„Nawat“ hingegen erzählt die Geschichte von Alianne und dem Mann, der eigentlich eine Krähe ist, weiter, und zeigt, wie schwierig es sein kann, wenn man bei einer so unterschiedlichen Herkunft einen gemeinsamen Weg gehen will. Sehr gut gefällt es mir wie die Autorin dabei versucht aus Krähensicht das menschliche Leben zu beurteilen. 😉 Dhanas Drachenmädchen „Kätzchen“ (Kitty) ist die Hauptfigur in „A Dragon’s Tale“ und während es auf der einen Seite frustriert ist, weil es trotz aller Intelligenz nicht mit den Wesen um sich herum kommunizieren kann, beweist „Kätzchen“ am Ende dann doch wieder, dass sie eigentlich noch ein Baby ist.

In „Lost“ spielt ein Darkling, der sich mit einem mathematisch begabten Mädchen anfreundet, eine wichtige Rolle. Überhaupt sind die Darklinge in einigen der Geschichten sehr präsent – und ich mag die kleinen Kreaturen wirklich gern. „Time of Proving“ (spielt auf sehr amüsante Art mit den Werten und Gesetzen zweier sehr unterschiedlichen Gesellschaften), „Plain Magic“ (eine wundervolle schlichte Variante des Jungfrau-wird-Drachen-geopfert-Themas) und „Mimic“ könnten in irgendeiner beliebigen fantastischen Welt spielen, machen aber alle drei wirklich Spaß.

Die letzten beiden Geschichten „Huntress“ und „Testing“ spielen hingegen in unserer Welt und während bei „Huntress“ eine schöne Mischung aus altem Glauben und … hm … „Oberschicht-High-School-Geschichte“ entstanden ist, erzählt „Testing eher von dem Leben und der Perspektive eines jungen Mädchen, das in einem Wohngruppe für Mädchen lebt, in der die Hausmütter vor einige Herausforderungen gestellt werden – ich gestehe, dass ich mich da gefragt habe, was davon Tamora Pierce als Hausmutter wirklich erlebt hat und welche Teile ihrer Fantasie entsprungen sind.

Es gibt ein paar Dinge, die all diese Kurzgeschichten gemeinsam haben: Sie alle sind spannend, berührend und amüsant zu lesen und ich habe sie wirklich genossen. Auf der anderen Seite ist mir die „Moral“ bei Tamora Pierce Kurzgeschichten manchmal etwas zu plakativ angewandt. Was bei ihren Romanen zwar auch immer deutlich zu spüren ist, aber sonst eher mit der Geschichte mitläuft, ist hier zum Teil zu sehr im Vordergrund. Und bei allem Vergnügen hätte ich gern den einen oder anderen Fingerzeig gestrichen, da ich schon beim ersten Mal kapiert hatte, worauf die Autorin hinaus wollte. Trotzdem finde ich jede einzelne Geschichte wirklich lesenswert und es war spannend auch mal etwas „moderneres“ von diese Autorin zu lesen.

Tanya Huff: The Complete Keeper Chronicles

„The Complete Keeper Chronicles“ von Tanya Huff war mein Mai-Buch für meine persönliche English-Challenge. Genauer gesagt waren es drei Romane in einem Sammelband. Wenn jemand von euch nach meiner Rezension auf die Trilogie neugierig geworden sein sollte, dann gebe ich euch einen dringenden Rat: Lest nicht die Inhaltsangabe von Band 2 und 3, denn dann fangt ihr euch böse Spoiler ein! „The Complete Keeper Chronicles“ beinhaltet die Bände „Summon the Keeper“, „The Second Summoning“ und „Long Hot Summoning“. Während der erste Teil sich vor allem um Claire Hansen dreht, spielt bei den anderen beiden Romanen ihre kleinen Schwester Diana eine größere Rolle.

Doch erst einmal zu „Summon the Keeper“: Claire Hansen ist ein Keeper, was bedeutet, dass sie dafür verantwortlich ist, Löcher im „Gewebe“ der Welt zu stopfen. Diese Löcher entstehen zum Beispiel durch besonders böse Taten und können nicht nur das Gleichgewicht der Welt stören, sondern auch dem Bösen Zugang zu unserer Realität verschaffen. Um diese Löcher zu stopfen, muss Claire Magie anwenden, und das tut sie dort, wohin sie gerufen wird. Seit sie die Schule abgeschlossen hat – was vor zehn Jahren war -, lebt sie aus dem Koffer und reist mit ihrem Kater Austin zu den Punkten, an denen sie gebraucht wird.

In „Summon the Keeper“ zieht sie der Ruf nach Kingston. Doch bevor sie den genauen Punkt findet, an dem sie eingreifen soll, landet sie zur Übernachtung in einem vernachlässigtem Hotel. Und als Claire am nächsten Morgen aufwacht, muss sie feststellen, dass sie von nun an für das „Elysian Fields Guest House“ verantwortlich ist, inklusive Dean, dem „Mädchen für alles“, einem unvermietbaren Zimmer mit einer Dame im Dornröschenschlaf und einem der gefährlichsten Kellerräume, die sich ein Keeper nur vorstellen kann. Zum Glück ist der ewig hungrige Austin jederzeit bereit, ihr mit Ratschlägen und frechen Bemerkungen beizustehen.

Tanya Huff meint im Vorwort, dass ihr Versuch, einen witzigen Roman zu schreiben, für sie extrem heraufordernd war, aber meiner Meinung nach ist ihr das wirklich gut gelungen. Trotz des einen oder anderen eher billigen Witzes und einiger vorhersehbarer Wendungen habe ich mich sehr gut beim Lesen amüsiert. Und das nicht nur beim ersten Band der Trilogie, sondern auch bei den weiteren beiden Teilen, obwohl da einige Elemente schon vertraut waren und Austins Humor auf Dauer etwas sehr bauch- und überlegenheitsbewusstseinsgesteuert ist.

Ich mochte die Charaktere, und sogar für die Hölle (*g*) habe ich im Laufe der Geschichte so etwas wie Sympathie empfunden. Doch vor allem – und da muss ich zugeben, dass ich das in „The Second Summoning“ und in „Long Hot Summoning“ etwas vermisst habe – das Hotel hat mich schnell gefangen genommen. Im „Elysian Fields Guest House“ wird einfach alles möglich, und neben der einzigartigen Atmosphäre und der guten Küche tragen auch die verschiedenen Gäste zu einem entspannten Aufenthalt (oder eben ein paar verflixt unterhaltsamen Lesestunden) bei. Wer amüsante Urban-Fantasy mit sympathischen Charakteren, vielen Katzenmomenten und ungewöhnlichen Bösewichten mag, der kann mit „The Complete Keeper Chronicles“ eigentlich nur dann etwas falsch machen, wenn er damit Probleme hat, sehr, sehr schwere Bücher längere Zeit in der Hand zu halten.

Seanan McGuire: Midnight Blue-Light Special (InCryptid #2)

„Midnight Blue-Light Special“ ist der zweite Teil der „InCryptid“-Serie von Seanan McGuire und erfordert meiner Meinung nach zwingend das Vorwissen aus dem ersten Band „Discount Armaggedon“, um die Geschichte in allen Facetten genießen zu können. Hatte ich nach dem Lesen des Reihenauftakts noch gemutmaßt, dass die Serie im zweiten Band etwas weniger gemächlich startet, so muss ich zugeben, dass ich mich da getäuscht hatte. Auch dieser Roman entwickelt sich sehr langsam, aber das hat mich in keiner Weise gestört, weil ich es wirklich unterhaltsam fand, welche Entwicklungen sich seit dem Kampf gegen den Schlangenkult ergeben haben und wie Verity Price und die anderen Figuren mit den aktuellen Ereignissen umgehen – die es wirklich in sich haben.

Für Verity haben sich in den letzten Wochen ein paar kleine, aber entscheidende Dinge geändert. Sie arbeitet zwar immer noch für die „Freakshow“, aber der Club wird inzwischen von einem anderen Besitzer geführt, was das Niveau doch etwas gehoben hat. Außerdem muss Verity immer wieder feststellen, dass ihr Brotjob in der „Freakshow“ und ihre „Nebenbeschäftigung“ als Kryptozoologin ihr nur wenig Zeit lassen, um ihre Karriere als professionelle Tänzerin voranzutreiben. Und während die junge Frau inzwischen immer mehr Freunde unter den „übernatürlichen“ Bewohnern von Manhattan findet, wird gleichzeitig ihr potenzieller Freund Dominic DeLuca misstrauisch von allen beäugt, da er als Mitglied des „Covenant of St. George“ zu den Erzfeinden aller nichtmenschlichen Wesen gehört.

Umso beängstigender ist es, als Dominic eines Abends Verity darüber informiert, dass der „Covenant“ eine Abordnung aus Europa schickt, die seine Arbeit in Manhattan überprüfen soll. Ihm ist dabei durchaus bewusst, dass sein Orden nicht nur Veritys Freunde, sondern auch die junge Frau selbst als jagbares Objekt ansehen wird, da ihrer Familie den „Covenant“ vor einigen Generationen verraten hatte. Aber natürlich kann Verity ihre Aufgabe und ihre Freunde nicht so einfach im Stich lassen – was selbstverständlich zu einigen kritischen Situationen führt.

Ich muss zugeben, dass es am Anfang der Geschichte viel Planung und Hin und Her gibt, weil jeder Beteiligte seine Lieben und seine Freunde aus der Gefahrenzone bringen will und man natürlich überlegen muss, wie sich all die übernatürlichen Wesen vor dem Orden verbergen können. Aber da diese Phase auch eine Menge über Veritys Familie und ihr Umfeld verrät, habe ich mich trotzdem gut unterhalten gefühlt. Für die junge Frau steht vor allem die Frage im Raum, ob sie Dominic vertrauen kann und für welche Seite er sich am Ende entscheiden wird. Denn dass er nicht langfristig sowohl dem Orden dienen als auch eine Beziehung mit ihr führen kann, steht ohne Frage fest.

Doch so richtig gut waren für mich die Passagen, in denen Istas vorkam. Ich mochte die Gothic-Lolita-Waheela (es gibt übrigens mehr zum Thema Waheela auf der Autorinnenseite) schon im ersten Band, und hier hat sie deutlich mehr Szenen, in denen ihr Charakter noch ausführlicher beleuchtet wird. Sehr schön ist da zum Beispiel ein Gespräch zwischen ihr und Veritys Cousine Sarah, während die beiden in der Kanalisation unterwegs sind:

„I realize I wear frilly clothing and impractical shoes, and that by many people’s standards, I am odd, but I am not stupid. […] I am here because Verity is my friend, and would look on me with sadness if I were to allow you to come to harm. Friendship is a rare thing among my people. We do not practice it often, and most of us do not practice it very well. I am hoping to be a better friend to Verity than my brothers and sisters were to me.“ (S. 219)

Auch über Sarah und ihre Spezies erfährt man in diesem Band deutlich mehr – einige Passagen sind sogar aus ihrer Sicht geschrieben. Ich mag den Gegensatz zwischen ihrer gefährlichen Natur und ihrer unsicheren Persönlichkeit, finde es stimmig, dass eine telepathische Rasse „gesichtsblind“ ist, weil sie Personen eben nicht an äußerlichen Aspekten identifizieren, und konnte mir gut vorstellen, wie ermüdend es sein kann, wenn der eigene angeborene Schutzmechanismus dafür sorgt, dass man kaum eine Beziehung aufbauen kann.

So sind es in diesem Buch eher die verschiedenen faszinierenden Charakter, die fantastische und detailliert beschriebene Welt und der Humor als die Handlung an sich, die mich gut unterhalten haben. Aber auch wenn die Geschichte für meinen Geschmack etwas actionreicher hätte sein können (und da zähle ich sogar das dramatische Ende mit dazu), so bin ich definitiv nicht unzufrieden damit, dass dieser Roman sich anders entwickelte, als ich erhofft hatte. Und jetzt bin ich gespannt, wie mir die kommenden Bände der Serie gefallen, in denen nicht mehr Verity, sondern ihre Geschwister im Mittelpunkt stehen.

Rhys Bowen: A Royal Pain

Für meine persönliche English-Challenge habe ich im März „A Royal Pain“ gelesen, nach „Her Royal Spyness“ der zweite Band mit der sympathischen Lady Georgiana. Auch zu Beginn dieses Buches startet die Geschichte sehr gemächlich. Der Leser wird noch einmal in Georgies Welt eingeführt, erfährt, dass sie an 34. Stelle der Thronfolge steht, dass ihre Mutter eine lebenslustige Schauspielerin ist und dass Georgie zwar im repräsentativen Stadthaus der Familie in London lebt, aber so arm ist, dass sie sich als Hausmädchen für besondere Gelegenheiten engagieren lässt.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass Georgie nicht gerade begeistert ist, als die Königin ihr eine bayrische Prinzessin als Hausgast aufs Auge drückt. Aber gegenüber der Königin kann sie schlecht „nein“ sagen – vor allem, da sie befürchten muss, in eine ungewollte Stellung abgeschoben zu werden, wenn die Königin dahinter kommt, unter welchen Umständen Georgie lebt. So muss die junge Lady all ihren Einfallsreichtum zusammenkratzen, um ohne Geld genügend Lebensmittel und Personal aufzubringen, um eine deutsche Prinzessin standesgemäß zu versorgen. 
Aber das ist nicht die größte Herausforderung, der sich Georgie stellen muss. Denn die kleine Prinzessin Hanni hat ganz eigene Vorstellungen von den Vergnügungen, die sie in der fremden Großstadt erleben will. Auch ist die ausländische Dame den britischen Gentlemen nicht abgeneigt und hat ein etwas eigenwilliges Verständnis von Besitz. Als dann noch ein netter junger Mann auf einer Party zu Tode kommt, die von Georgie und Hanni besucht wurde, eine weitere Leiche in einer Buchhandlung auftaucht und das Risiko besteht, dass es zu einem ernsthaften internationalen Zwischenfall kommt, wird Georgie von der Queen aufgefordert eigene Ermittlungen anzustellen.
Eigentlich könnte ich hier jetzt meine Meinung zum ersten Teil reinkopieren und so stehen lassen. Denn auch den zweiten Band fand ich unterhaltsam, wenn auch einigen Kritikpunkten zu nennen sind. Georgie stellt sich nicht mehr gar so unbeholfen an wie in „Her Royal Spyness“, aber es gibt immer noch einige überspitzte Situationen, denen es ein wenig an Realismus mangelt. Dafür mag ich die Figuren – und liebe sämtliche Szenen mit der Queen – und das Setting liegt mir auch. In „A Royal Pain“ sind mir einige Charaktere zwar schon fast zu lebenslustig (bei einer Hausparty überkam mich irgendwann das Gefühl, dass da anscheinend Nacht für Nacht ein hübsches Bettchen-wechsel-dich gespielt wird), aber da sich die Beschreibungen in Grenzen halten und der Fokus der Geschichte doch auf Georgie, ihrem adeligen Gast und den Mordfällen liegt, konnte ich damit leben.
Der Kriminalfall an sich ist nicht gerade herausfordernd (ein paar „dezente“ Hinweise hätten ruhig etwas weniger auffallend platziert werden können), aber er bietet Raum für amüsante Momente, sowie für einige Anspielungen auf Politik und Gesellschaft der 30er Jahre. Schön finde ich auch die Veränderungen, die man nach und nach an Georgie bemerken kann. So sorgt ihre finanzielle Situation dafür, dass sie Erfahrungen macht, die von anderen adeligen Damen nicht geteilt werden und deshalb auch viel kritischer mit ihren Standesgenossen umgeht. Ich bin gespannt, wie Georgie sich weiterhin entwickeln und wie die Autorin mit den kommenden politischen Veränderungen umgehen wird. 

[Kurz und knapp] Juliet Blackwell: Secondhand Spirits (A Witchcraft Mystery)

Auf „Secondhand Spirits“ bin ich durch Kiyas Beitrag gestolpert. Da ich das Buch nach seiner Ankunft im Januar noch gar nicht ins Regal geräumt hatte, sprang es mich am Wochenende vom Wohnzimmertisch an, als ich eine Lektüre für meine English-Challenge suchte. Nachdem der Roman dann erst einmal angefangen war, habe ich ihn an zwei Abenden in zwei Nächten durchgelesen. Um euch eine Vorstellung vom Inhalt zu geben, gibt es hier erst einmal den Klappentext:

„Lily Ivory is not your average witch. Her spell-casting powers tend to draw mischievous spiritis while keeping normal humans at a distance. But now her vintage store could give her a chance to make friends in San Francisco.
Lily hopes for a normal life when she opens Aunt Cora’s Closet. With her magical knack for vintage fashion – she can sense vibrations of the past from clothing and jewelry – her store becomes a big hit.
But when a client is murdered and children start disappearing from the Bay Area, Lily may be the only one who can unravel the crime. She tries to keep her identity a secret while investigating, but it’s not easy – especially under the spells of sexy „mythbuster“ Max Carmichael and powerful witch Aidan Rhodes. Will Lily’s witchy ways be forced out of the closet?“

Für mich war die Geschichte rundum ein „Wohlfühlbuch“, dabei unterscheiden sich weder Lily noch ihre Geschichte, ihre Umgebung oder die fantastischen Elementen in diesem Roman groß von einigen anderen Urban-Fantasy-mit-Krimitouch-Veröffentlichungen, die ich gelesen habe. Aber es gelingt Juliet Blackwell die verschiedenen Figuren wirklich liebenswert und angenehm individuell zu beschreiben. Außerdem beinhaltet ihre magische Welt genau den richtigen Schuss Grusel, während das „normale“ San Francisco etwas abgedrehter ist als eine gewöhnliche amerikanische Stadt und somit einen schönen Ausgleich bildet.

Die Autorin hat wirklich ein Händchen dafür Atmosphäre aufzubauen, so dass nicht nur die Stadt toll beschrieben wird (ich weiß nicht warum, aber bei Geschichten, die in San Francisco spielen, klappt das erstaunlich oft), sondern auch Lilys Geschäft mit Vintage-Kleidern, das Café nebenan oder das viktorianische Haus einer älteren Dame, deren Nachbarschaft lange nicht mehr so sicher ist wie vor einigen Jahrzehnten.

Irgendwie war ich mir anhand des Klappentextes sicher, dass sich Lily im Laufe der Geschichte zwischen zwei Männern entscheiden müsste – was zum Glück nicht der Fall ist! Sie fühlt sich zu Max hingezogen, aber so richtig relevant war der Teil der Geschichte nicht, da sich beide wie vernünftige Erwachsene verhalten und  gerade mal die ersten Kennenlernmomente beschrieben werden (sehr angenehm! 🙂 ). Der andere Typ hingegen ist eine mächtige männliche Hexe und – trotz der Hilfe, die er Lily zukommen lässt – irgendwie dubios (und zwar nicht „irgendwie geheimnisvoll attraktiv dubios“, sondern so richtig schön „der hat doch nichts Gutes vor“-suspekt).

Lily ist mir schnell ans Herz gewachsen. Sie hatte es in ihrem Leben nicht leicht, da sie ihre Fähigkeiten als Hexe bislang immer verbergen musste – worin sie nicht sehr gut ist -, aber die Autorin hat auf ein überdramatische Kindheitserinnerungen verzichtet und stachelt stattdessen die Neugierde des Leser durch Andeutungen und bitter-lustige Szenen an. Der Vintage-Shop ist Lilys erster Versuch irgendwo sesshaft zu werden und das führt zum Teil zu wirklich rührenden Bemühungen. So geht sie jeden Morgen in das Café um die Ecke, in der Hoffnung, dass man sie irgendwann beim Aufgeben der Bestellung danach fragt, ob es das Selbe wie immer sein soll, kann sich aber dann nicht dazu durchringen jeden Tag das Gleiche zu bestellen.

An manchen Stellen finde ich den Humor etwas zu bemüht, so läuft Lilys Vertrauter als Hängebauchschwein durch den Laden, aber das stört nicht, weil es genügend wirklich amüsante Szenen und Ideen in diesem Roman gibt. Und mir gefällt die Idee, dass an Secondhandkleidung noch Stimmungen von den Vorbesitzern zurückbleiben und den Träger (positiv) beeinflussen können. Doch vor allem sorgen diverse unaufgelöste Andeutungen dafür, dass ich möglichst schnell weitere Teile der Reihe (bislang gibt es vier Bände) lesen will und die Leseprobe zum zweiten Band, die am Ende von „Secondhand Spirits“ abgedruckt ist, macht auch Lust.

Seanan McGuire: Discount Armageddon (InCryptid #1)

Da ich für mich beschlossen habe, die English-Challenge um ein Jahr zu verlängern, gibt es auch weiterhin (mindestens) einmal im Monat eine Rezension zu einem englischsprachigem Buch. Für den Januar habe ich von meinen Weihnachtsgeschenken „Discount Armageddon“ gelesen, den ersten Teil der „InCryptid Novels“. Geschrieben hat den Roman Seanan McGuire, deren „October Daye“-Geschichten mir ja schon so gut gefallen, dass ich die nächste Veröffentlichung kaum abwarten kann.

„Discount Armageddon“ spielt in einer weniger düsteren, aber ebenso unbarmherzigen Welt wie die „October Daye“-Bücher. Hauptfigur der Geschichte ist Verity Price, eine Tänzerin mit einem Faible für lateinamerikanische Tänze, die für ihren Lebensunterhalt in einem Striplokal in Manhattan kellnert, welches von einem Bogeyman geführt wird – und dementsprechend auch so einige übernatürliche Gäste bedient. Doch so sehr Verity als Tänzerin Karriere machen will, so ist sie doch dem Familiengeschäft verpflichtet. Die Price-Familie gehörte früher zum „Covenant of St. George“, einem Orden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliches „übernatürliches“ Leben von der Erdoberfläche zu tilgen. Doch dann stellte einer von Veritys Vorfahren die Regeln des Ordens in Frage und statt sich auf die Vernichtung der übernatürlichen Wesen zu konzentrieren, begann er sie zu erforschen. Als Folge davon musste er gemeinsam mit seiner Frau flüchten und sich – ebenso wie seine Nachfahren – vor den Mitgliedern des Covenant verstecken.

Auch Verity ist – ebenso wie der Rest ihrer Familie – eine Kryptozoologin und erforscht aktuell die übernatürliche Gesellschaft Manhattans. Dabei gehört es nicht nur zu ihren Aufgaben so viel wie möglich über die einzelnen Wesen herauszufinden, sondern auch die Menschen (bzw. andere Spezies) zu beschützen, wenn eine der gefährlicheren (und weniger intelligenten) Kreaturen Jagd auf sie macht. So sieht sich Verity auch in der Verantwortung als immer mehr übernatürliche (weibliche) Wesen auf unerklärliche Weise verschwinden, während zur gleichen Zeit ein Mitglied des Covenant in New York auftaucht. Auch wenn Verity relativ schnell davon überzeugt ist, dass Dominic De Luca nichts mit dem Verschwinden der jungen Frauen zu tun hat, so stellt allein seine Anwesenheit in ihrer Stadt eine Gefahr für sie, ihre Familie und die Übernatürlichen dar.

Ich muss gestehen, dass ich den Anfang dieses Romans als etwas sehr gemächlich empfunden habe, aber das liegt vor allem daran, dass Seanan McGuire sich Zeit lässt, um dem Leser Verity, ihre Familie und ihre Welt vorzustellen. Als ich erst einmal in der Geschichte drin war, wollte ich unbedingt wissen wie es weitergeht und habe mich wunderbar amüsiert. Denn neben der Frage, wer für das Verschwinden der verschiedenen Personen verantwortlich ist, stehen vor allem die amüsanten Einfälle der Autorin im Mittelpunkt. Mir hat dabei nicht nur Veritys exzentrischer Hintergrund gefallen (eine Familie, bei der das Kampftraining schon im Krabbelalter auf dem Programm steht und bei der einem die Geschwister zum Training mal eben ein paar tödliche Fallen stellen), sondern auch die kleinen Details wie die wahre Natur der Drachenprinzessinnen, der Duft einer Madhura oder eine Gothic-Lolita-Waheela. Von der extrem religiösen Kolonie sprechender Mäuse in Veritys Apartment will ich gar nicht reden, auch wenn ich den „I Swear, Daddy, I’ll Kiss The Next Man That Walks Through That Door“-Feiertag nicht hätte missen mögen.

Die eine oder andere Wendung der Geschichte fand ich zwar etwas vorhersehbar, aber das hat den Genuss beim Lesen definitiv nicht getrübt. „Discount Armageddon“ ist auf jeden Fall ein vielversprechender Reihenauftakt und ich gehe mal davon aus, dass der nächste Band („Midnight Blue-Light Special“) nicht ganz so gemächlich beginnt, weil die Urban-Fantasy-Welt, in der die InCryptid-Geschichten spielen, ja nun schon vorgestellt wurde. Hier und da hat mich Verity (und ihr Verhältnis zu Männern 😉 ) an Buffy erinnert, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass Seanan McGuire etwas kopiert. Da ich „Buffy“ ja – trotz der Tatsache, dass mir die Schwächen der Serie nur allzu bewusst sind – sehr mag, hat mir das den Spaß beim Lesen nur vergrößert.

Jennifer Carson: Hapenny Magick

Für den letzten Monat der English-Challenge habe ich „Hapenny Magick“ von Jennifer Carson gelesen und mich damit wunderbar unterhalten gefühlt. „Hapenny Magick“ ist ein niedliches Kinderbuch voller liebenswerter Figuren und mit Illustrationen, die ich einfach bezaubernd fand. Ich muss allerdings zugeben, dass die Zeichnungen von P. A. Lewis etwas altmodisch wirken. Für mich eine tolle Erinnerung an Geschichten, die ich als Kind gelesen habe, einer Freundin von mir haben die Zeichnungen hingegen nicht so gut gefallen.

Die Hauptfigur in „Hapenny Magick“ ist die dreizehnjährige Maewyn (Mae) Bridgepost, die seit sieben Jahren unter der zweifelhaften Obhut von Gelbane lebt. Mae ist eine kleine und zierliche Hapenny, hat lange pelzige Ohren und muss sich Tag für Tag um Gelbanes Hühner und Schweine, den Haushalt, das Frühstück und allerlei andere Dinge kümmern. Seit ihre Mutter verschwunden ist, schuftet das Mädchen rund um die Uhr und wird nur allzu oft mit Schlägen und Essensentzug belohnt. Trotzdem läuft sie nicht weg, denn sie hegt immer noch die Hoffnung, dass ihre Mutter wieder nach Hause kommt. Außerdem sollen Trolle in der Nähe unterwegs sein – und Trolle haben Hapennies zum Fressen gern.

Doch einfach ist es für Mae nicht weiterhin bei Gelbane auszuharren, denn seit einiger Zeit passieren seltsame Dinge rund ums Haus und reizen ihren Vormund (es gibt keine weibliche Variante dieses Wortes, oder?) bis zur Weißglut. Und irgendwie hat Mae das Gefühl, dass sie Schuld daran sein könnte, dass die Schweine ständig aus der Weide ausbrechen, die Hühner purpurfarbene Eier legen und bei Gelbane ab und an Hauer zu sehen sind. Als dann auch noch eines Nachts ein sprechender Rabe auftaucht und Mae zum Haus des Zauberer Callum führt, verändert sich ihr ganzes Leben.

Eins kann ich vorneweg sagen: „Hapenny Magick“ ist ein Kinderbuch und dementsprechend vorhersehbar ist auch die Handlung – vor allem da der Klappentext auch noch einen wichtigen Punkt verrät. Trotzdem hatte ich mit Mae einen wunderbaren Tag. Ich habe mit ihr gelitten, wenn Gelbane ihr eine Mahlzeit gestrichen und dafür Extraarbeiten aufgehalst hat, ich habe mich in die ordentlichen, freundlichen und fleißigen Hapennies verliebt und ich mochte Maes neue Bekanntschaften. Im Laufe der Zeit muss Mae lernen für sich einzustehen und dass sie – obwohl sie die kleinste der Hapennies ist – so einige Fähigkeiten hat, mit denen sie für die Gemeinschaft da sein kann.

Jennifer Carson hat so einige Elemente herangezogen, die altvertraut sind. Die Hapennies haben den einen oder anderen hobbitähnlichen Zug, es gibt freundliche Schweine, sprechende Raben, einen weisen Zauberer mit entzückenden Mitbewohnern, einen Riesen mit einem Dorn im Fuß und immer wieder gibt es heimelige Szenen, in denen zum Bespiel Essen eine Rolle spielt. Dabei wirkt es nicht so, als ob die Autorin einfach nur bewährte Versatzstücke zu einer netten Geschichte verquirlt hätte, sondern eher als ob man ein vertrautes und kuscheliges Umfeld betritt, in dem all die Dinge ihren Platz gefunden haben, die man mag.

Mir hat „Hapenny Magick“ so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall die Augen nach der Fortsetzung „Tangled Magick“ aufhalten werde, die auf der letzten Seite des Buches angekündigt wurde. Und dann hoffe ich, dass ich noch einmal so entspannende und heimelige Lesestunden mit Mae verbringen kann.

Seanan McGuire: Ashes of Honor (October Daye 6)

Nachdem ich ein paar Monate eine October-Daye-Pause machen musste, gab es am ersten Novemberwochenende für mich den aktuellen Band der Serie für die English-Challenge. Und da „Ashes of Honor“ schon der sechste Teil der Reihe ist, enthält diese Rezension unvermeidliche Spoiler zum Inhalt – also nur lesen, wenn man den fünften Band schon kennt!

Ein Jahr ist vergangen, seitdem October den Tod ihres Geliebten Connor miterleben musste, und ein Jahr ist vergangen, seitdem sie ihre Tochter Gillian vor die Wahl zwischen der Menschenwelt und ihrer übernatürlichen Herkunft stellen musste. In ihrer Trauer um die beiden ist Toby in den letzten Monaten unverantwortliche Risiken eingegangen – und so langsam geht ihrer Umgebung die Geduld mit ihrem selbstmörderischen Verhalten aus.

Aufgerüttelt wird Toby erst durch einen Auftrag von Etienne, dem Seneschall ihres Lords. Dieser hat gerade erst erfahren, dass er eine Tochter hat – und dass diese vermisst wird. Vor sechzehn Jahren hatte Etienne eine Affäre mit einer Professorin für Folklore und obwohl er sie seit ihrer Trennung im Auge behalten hat, gelang es der Frau ihm zu verschweigen, dass aus dieser Beziehung eine Tochter hervorgegangen ist. Chelsea hat anscheinend die Fähigkeiten ihres Vaters geerbt Türen in andere Räume zu öffnen und so zu teleportieren. Und nun ist Chelsea vor den Augen ihrer Mitschüler verschwunden und ihre Eltern müssen befürchten, dass sie entweder die Kontrolle über ihre Fähigkeiten verloren hat oder gar von jemanden entführt wurde, der mit dem Wechselbalg nichts Gutes im Sinn hat.

Für Toby bietet auch dieser Fall wieder einige Herausforderungen. Erst einmal ist es für sie nicht gerade einfach mit einem Mädchen mitzuhalten, das teleportieren kann (und kaum Kontrolle über diese Fähigkeit hat) und dann erinnert sie Etiennes Situation an ihren eigenen Verlust. Auch wenn Toby aufgrund ihrer besonderen Magie in der Lage war Gillians Leben nach ihrer Entscheidung für die Menschenwelt zu retten, so wird sie ihre Tochter nie wiedersehen. Außerdem bringt Tybalt, der October bei der Suche nach dem Mädchen zur Seite steht, sie immer wieder aus dem Tritt. Ihre Gefühle für den König der Katzen sind im Laufe der Zeit gewachsen, aber noch hat Toby das Gefühl, dass sie Connor verraten würde, wenn sie eine neue Beziehung einging. Erst als Tybalt aufgrund von Intrigen an seinem Hof in Gefahr gerät, bringt es Toby fertig einen Schritt auf ihn zu zu gehen.

Seanan McGuire hat in „Ashes of Honor“ einen sehr großen Schwerpunkt auf Octobers Beziehung zu Tybalt gelegt und ich muss zugeben, dass mir das sehr gefallen hat. Endlich wird Toby gezwungen ein paar Dinge hinter sich zu lassen und sich mit ihren Gefühlen für den König der Katzen auseinanderzusetzen. Das führt nicht nur zu einer Menge Tybalt-Zeit in diesem Roman (und ja, ich habe eine Schwäche für diese Figur!), sondern auch zu einigen neuen Informationen über die beiden Höfe der Katzen  und das dort herrschende Machtverhältnis. Aber auch über die ursprünglichen Herkunftsorte der übernatürlichen Wesen und was die Abwesenheit von Oberon für die Gemeinschaft der Feen bedeutet gibt es so einige neue Informationen, die die Seanan McGuires Fantasywelt wieder ein Stückchen komplexer und interessanter machen.

Ich bin sehr gespannt, wie es nach diesem Band mit der Geschichte weitergeht. Ein bisschen habe ich schon das Gefühl, dass man spürt, dass die Autorin die Handlung konzipierte, als sie noch nicht sicher sein konnte, dass ihr Verlag noch mehr October-Daye-Romane veröffentlichen will. Man könnte „Ashes of Honor“ ganz gut als Ende der Reihe nehmen, denn am Ende geht es mit Tobys Leben ein ganzes Stück aufwärts. Umso gespannter bin ich, was Seanan McGuire für ihre ungewöhnliche Heldin noch auf Lager hat und welche Wendungen für den großen Handlungsbogen in den kommenden drei Romanen noch kommen werden …

Rhys Bowen: Her Royal Spyness

In diesem Monat habe ich gleich zwei englische Bücher angefangen, aber trotz meiner October-Daye-Begeisterung war mir dann doch lieber nach einem britischen Cozy, und so gibt es mal etwas Abwechslung bei meinen English-Challenge-Rezensionen.

Die Geschichte in „Her Royal Spyness“ beginnt eher gemächlich, aber dafür ist sie wirklich unterhaltsam. Hauptfigur in diesem Roman ist Lady Victoria Georgiana Charlotte Eugenie, Tochter des Duke of Glen Garry and Rannoch, genannt Georgie. Georgie entstammt der zweiten Ehe ihres Vaters, was ihr neben einer relativ engen Verwandtschaft zur britischen Königin auch eine mehrfach verheiratete, geschiedene und neu verbändelte Mutter und einen bodenständigen ehemaligen Polizisten als Großvater bescherte. Doch innerhalb ihres engeren Umkreises ist die wenig adelige Verwandtschaft nicht wohlgelitten, und auch Georgie kann nicht viel mit ihrer flatterhaften Mutter anfangen.

Aber genauso wenig sagt der jungen Lady der Lebensstil ihres älteren (Halb-)Bruders zu, ebenso wenig wie sein Plan, sie mit irgendeinem europäischen Prinzen zu verheiraten, so wie es sich nun einmal für eine Adelige an 34. Stelle der Thronfolge gehört. Georgie ist sich sicher, dass die Welt im Jahr 1934 modern genug ist, damit sie sich irgendwie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen kann – auch wenn ihr nur allzu bewusst ist, dass sie nicht gerade die richtige Ausbildung für ein selbstständiges Leben mitbekommen hat. Als dann auch noch ein Mann ermordet in ihrer Badewanne aufgefunden wird und sie und ihr Bruder als Hauptverdächtige in Frage kommen, muss sie all ihren Witz und ihren Mut zusammennehmen und herausfinden, wer den Ausländer getötet hat.

Rhys Bowen hat mit „Her Royal Spyness“ eine wunderbar überspitzte Darstellung der britischen Adelswelt Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffen. Auch wenn die Autorin es hier und da etwas übertreibt, so fand ich Georgie, ihre Verwandtschaft und ihren Freundeskreis sehr unterhaltsam – gerade in den Momenten, in denen den Adeligen bewusst wurde, dass ihre Fähigkeiten und Traditionen nicht sehr viel Gewicht haben in der modernen Welt. Da konnte ich auch damit leben, dass Georgie angeblich noch nie beobachtet hat, wie jemand Feuer entfacht, da das angeblich immer von Dienstmädchen erledigt wurde, die sich vor Georgies Aufwachen ins Schlafzimmer geschlichen haben. Umso erfrischender fand ich es, wie Georgie ihre Fähigkeiten als Hausmädchen erforschte und wie viel Befriedigung ihr ihre kleinen Fortschritte im Haushalten machten. Überhaupt ist ihr Tatendrang angenehm realistisch beschrieben worden, auch wenn so manche Aktion von ihr nicht besonders gut überlegt war.

Der Kriminalfall an sich beginnt erst ungefähr ab der Hälfte des Buches und ist weder komplex noch unvorhersehbar, bringt aber einen notwendigen roten Faden in die Geschichte. So hat es mich auch nicht gestört, dass der Hintergrund des Mordes sehr früh für den Leser feststand, während Georgie noch immer keine Vorstellung von den Beweggründen des Täters hatte und keine Zusammenhänge zu anderen Ereignissen sah, obwohl diese für den Leser auf der Hand liegen. Um so angenehmer fand ich es, dass die Lady keine Person von vornherein als „unverdächtig“ einstuft, selbst wenn dies bedeutet, dass jemand aus ihrem engeren Freundeskreis von ihr misstrauisch beäugt wird.

Alles in allem hat Rhys Bowen mit Georgie und ihrem Umfeld sympathische Figuren geschaffen, die versuchen müssen, einen Platz im Leben zu finden, der ihnen – fern von veralteten gesellschaftlichen Traditionen – ihr Auskommen und vielleicht sogar ein befriedigendes Leben ermöglicht. Die überspitzte Darstellung der Adeligen trägt dabei genauso zum Amüsement des Lesers bei wie all die kleinen kritischen Situationen, die Georgie bewältigen muss, als sie versucht, ohne Wissen ihrer Familie Geld zu verdienen. Dazu kommen noch unterhaltsame Gespräche mit der Queen, die erfrischende Ansichten über ihre Familie zum Besten gibt, einzigartige Methoden hat, um ihre Porzellansammlung zu erweitern, und die – natürlich – keine Hemmungen hat, ihr Umfeld nach Strich und Faden zu manipulieren. Ich bin mir sicher, dass das nicht mein letzter Roman war, den ich über Georgie und ihre „Spionageversuche“ für die Königin gelesen habe.

Tamora Pierce und Josepha Sherman: Young Warriors – Stories of Strength

In diesem Monat habe ich für die English-Challenge „Young Warriors – Stories of Strength“ gelesen. Diese Anthologie wurde von Tamora Pierce und Josepha Sherman herausgegeben und beinhaltet fünfzehn sehr unterschiedliche Kurzgeschichten, in denen „junge Krieger“ eine Rolle spielen. Ich muss zugeben, dass das Buch schon ziemlich lange auf meinem SuB sitzt, da ich nie so recht Lust hatte, mich auf die Geschichten einzulassen.

Dabei gehören zu den beitragenden Autoren so einige, die ich wirklich gerne lese und die mich zum Teil schon seit meiner Teenagerzeit begleiten. Besonders Tamora Pierce und Margaret Mahy mag ich sehr, aber auch Esther Friesner und Mike Resnick – deren Humor mich immer wieder erfreut – gehören zu diesen Autoren. Ein wenig überrascht war ich von der Vielfalt der Themen, weil ich ehrlich gesagt in erster Linie Fantasy-Geschichten erwartet hatte. Stattdessen habe ich Abenteuer im Amazonasgebiet erlebt, bin über eine Art afrikanische Steppe gelaufen und habe mich gemeinsam mit einem Maori gegen ein sagenhaftes Ungeheuer gestellt.

Hier und da habe ich auch „klassische“ Fantasy-Abenteuer erlebt, aber vor allem hielt diese Anthologie die verschiedensten Formen von „Warriors“ für mich bereit: klassische Krieger, die sich im Krieg gegen ein römisches Heer behaupten müssen ebenso wie junge Stammesangehörige, die jahrelang trainieren, um ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen und sich im Kampf bewähren zu können. Aber es gab auch die unauffälligen Krieger, bei denen sich das „Erwachsenwerden“ nicht durch ihre Waffenfähigkeiten, sondern durch die Entscheidungen, die sie (oft unbemerkt von der Gemeinschaft) fällen, bemerkbar macht.

Ich finde es schon sehr reizvoll, wie vielfältig die Auswahl an Kurzgeschichten in dieser Anthologie ist und wie unterschiedlich die verschiedenen Autoren das Thema angegangen sind. Auf der anderen Seite hat es mir diese Vielfalt oft schwer gemacht, weiterzulesen. „Young Warriors“ war für mich kein Buch, dass ich in einem Zug durchlesen konnte – wie ich es auch schon mal bei Kurzgeschichtensammlungen mache, bei denen    sich die einzelnen Geschichten deutlich ähnlicher sind. Jede Geschichte erforderte, dass ich mich auf einen vollkommen anderen Erzählstil, eine andere Zeit, einen anderen Hintergrund einlassen musste, und das fiel mir nicht immer leicht.

Auch die schwankende Qualität der Geschichten hat mich nicht so begeistert. Die einzelnen Handlungen waren zwar in der Regel in sich stimmig, aber manche Schreibstile liegen mir eben doch mehr als andere. Dabei kann ich gar nicht sagen, dass bestimmte Geschichten schlecht waren, sie haben nur häufig meinen momentanen Geschmack nicht getroffen. Auf der anderen Seite war es in den letzten Wochen auch fast unmöglich für mich, ein Buch zu finden, das ich einfach genießen konnte …

Von der Sprache her fand ich die Geschichten gut verständlich, nur hier und da gab es (gerade bei den eher historischen Geschichten) Ausdrücke oder Formulierungen, die ich zwar vom Inhalt, aber nicht vom genauen Wortlaut erfassen konnte. Ansonsten macht es sich – meinem Gefühl nach – bemerkbar, dass sich die Anthologie vor allem an Teenager richtet, was der Verständlichkeit ja in der Regel zuträglich ist.