Schlagwort: English-Challenge

Julie Campbell: Trixie Belden – The Secret of the Mansion

Neyasha ist Schuld daran, dass ich mir vor ein paar Tagen spontan den ersten Trixie-Belden-Band, „The Secret of the Mansion“, in der Originalausgabe bestellt und gleich gelesen habe. Die Serie gehört zu den ersten Reihen, die ich als Kind gelesen habe, auch wenn ich damals selbst keinen der Romane besaß. Dafür hatte aber meine beste Freundin fast alle Bücher (ebenso wie die Internatsgeschichten rund um die Jungs von der Burg Schreckenstein), und so konnte ich die Geschichten immer wieder lesen. Und auch wenn mir hier und da Ungereimtheiten aufgefallen sind, so war mir als Kind nicht bewusst, dass die Serie für die deutsche Veröffentlichung extrem gekürzt und bearbeitet wurde.

In „The Secret of the Mansion“ lernt man Trixie Belden und ihr Umfeld erst einmal langsam kennen. Die Dreizehnjährige lebt außerhalb des kleinen Ortes Sleepyside (auf Deutsch Lindenberg), und in der Nähe gibt es keine Kinder in ihrem Alter. So liegen sehr lange Sommerferien vor ihr, vor allem, da ihre beiden älteren Brüder Brian und Mart (für mich erst einmal weiterhin Klaus und Martin) in ein Sommercamp gereist sind und Trixie nur der vierjährige Bobby zur Gesellschaft bleibt. Doch so langweilig wie befürchtet werden die Ferien dann doch nicht. Erst macht Trixie die Bekanntschaft von Honey Wheeler (Brigitte Willer), die gerade erst mit ihren Eltern (sowie Gouvernante, Dienstmädchen und Pferdepfleger) in das benachbarte Anwesen gezogen ist, dann entdecken die beiden Mädchen auch noch einen Ausreißer in der Nachbarschaft.

Jim Frayne (der Held meiner Kindheit hieß allerdings Uli Frank) war aus der Obhut seines geldgierigen Stiefvaters ausgerissen und hatte im Haus seines Großonkels Unterschlupf gesucht. Blöderweise war der Großonkel allerdings kurz vor Jims Eintreffen ernsthaft erkrankt und ins Krankenhaus gebracht worden. Da zu befürchten ist, dass der Großonkel verstirbt, bevor er erfährt, dass Jim überhaupt in der Nähe ist (und der Großonkel dem Jungen sagen kann, wo er sein Testament und das – gerüchteweise vorhandene – Vermögen versteckt hat), durchwühlen die drei Kinder in den folgenden Tagen das Haus. Nebenbei gibt es noch viele andere Abenteuer für die beiden Mädchen zu erleben wie zum Beispiel das Reitenlernen für Trixie, einen Vorfall mit einer giftigen Schlange, aufregende Picknicks, Badeunfälle und Honeys erste Fahrradtour.

Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen des Buchs die ganze Zeit erstaunt war, weil ich im Hinterkopf hatte, dass die Geschichte 1948 geschrieben wurde, sie sich aber deutlich moderner anfühlte. Trixie und Honey sind zwar meinem Empfinden nach „unschuldiger“, als es Mädchen heute wären, während Trixie auf der anderen Seite ganz selbstverständlich Aufgaben übernimmt, die eine Dreizehnjährige heute nicht in jeder Familie übertragen bekäme, aber insgesamt fühlte es sich nicht so altmodisch an wie viele andere Serien, die ich kenne und die zur selben Zeit veröffentlicht wurden.

Mir hat „The Secret of the Mansion“ auf jeden Fall viel Spaß gemacht, obwohl ich von all den Namensänderungen etwas verwirrt war, und das Englisch war gut zu verstehen. Es war schön, zu verfolgen, wie Trixie und Honey sich anfreunden, obwohl die beiden Mädchen so unterschiedlich sind, und wie sie gemeinsam versuchen, Uli Jim zu helfen. Auch wenn viele Szenen relativ alltäglich wirken, gibt es doch einige kleine und große Momente, in denen die Mädchen Schwierigkeiten bewältigen müssen oder durch Trixies Impulsivität in die Klemme geraten, so dass es nie langweilig wird. Und am Ende gibt es eine Wendung, die dafür sorgt, dass ich mir am liebsten jetzt sofort den zweiten Band besorgen würde, weil ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wie es weitergeht …

Zuletzt noch eine kuriose Sache: Irgendwie war ich mir als Kind nie sicher, ob die Serie in Deutschland spielt oder in Holland. Ich war mir bis vor kurzem sicher, dass gelegentlich Den Haag als ein Ort, den die Jugendlichen als bei Tagesausflügen mit dem Auto angesteuert haben, in der Serie erwähnt wurde. Nun frage ich mich, ob mir meine Erinnerung da einen Streich spielt oder ob in den alten deutschen Ausgaben wirklich so etwas vorkam. Schließlich gab es bei der Eindeutschung der Reihe die eine oder andere Unachtsamkeit, da wäre das gar nicht so unwahrscheinlich. Auf der anderen Seite kann man in dem Wikipedia-Artikel lesen, dass die Reihe im Deutschen vermutlich in der Nähe der Lüneburger Heide spielen sollte … Vielleicht gibt es unter euch ja Leute, die die alten deutschen Ausgaben bei der Hand haben oder sich noch gut an die Trixie-Belden-Reihe erinnern und meiner Erinnerung auf die Sprünge helfen können.

Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Mislaid Magician …

… Or Ten Years After

Der dritte Band der beiden Autorinnen Patricia C.Wrede und Caroline Stevermer rund um die beiden Cousinen Cecelia und Kate spielt zehn Jahre nach der ungewöhnlichen Hochzeitsreise, die in „The Grand Tour“ beschrieben wurde. Sowohl Cecelia als auch Kate sind immer noch glücklich verheiratet und haben inzwischen einen Stall voller Kinder. Das aber hindert Cecy nicht daran gemeinsam mit ihrem Mann James weiterhin Aufträge von Lord Wellington anzunehmen, der inzwischen zum Premierminister aufgestiegen ist.

Und so liefern Cecy und James ihre vier Kinder bei Kate und Thomas ab, als es darum geht in den Norden zu reisen, um einen vermissten deutschen Ingenieur aufzuspüren. Herr Magus Schellen war im Herbst des Vorjahres verschwunden, als er im Auftrag einer Bahngesellschaft etwas untersuchen sollte. Was genau der Ingenieur (und Magier) untersuchen sollte, ist nicht bekannt – und so müssen Cecy und ihr Mann nicht nur den Verbleib des Deutschen herausfinden, sondern auch Details über seine Arbeit. Doch obwohl der Ausländer nachweislich in der Gegend rund um Stockton war, scheint sich kein Mensch an ihr erinnern oder gar über ihn reden zu wollen.

Kate hingegen hat in der Zwischenzeit mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen. Während ihr neunjähriger Sohn Edward das Kinderzimmer mit Schlangen und anderem Viehzeug überflutet, haben Cecys Zwillinge Eleanor und Arthur einen Spionagezauber gelernt, der es ihnen ermöglicht jederzeit jedes Haushaltmitglied in einer Schale mit Tinte zu sehen. Außerdem fällt überraschend Kates Schwester Georgina bei ihr ein. So verwunderlich es ist, dass Georgy den Beginn der Londoner Saison verpasst, so ist es doch noch beunruhgender, dass die Herzogin anscheinend vor irgendetwas Angst hat, sich aber nicht ihrer Schwester anvertrauen will.

Eine Kindesentführung, geheimnisvolle Zigeuner, ein Spion im Ministerium, ein mysteriöser Turm, Ley-Linien und ihre Beziehung zur Eisenbahn, sowie ein Steinkreis, ein verzauberter Hütehund und andere Aspekte machen „The Mislaid Magician“ wieder zu einer amüsanten und spannenden Lektüre. Dabei hat es mir gefallen, dass in diesem Roman nicht nur Kate und Cecy zu Wort kommen, sondern auch ihre beiden Ehemänner. Aus den Briefen, die sich die vier gegenseitig schreiben, setzt sich die ganze Geschichte auf höchst vergnügliche Weise zusammen. Wobei ich gestehen muss, dass sich die ersten drei Monate (die Einteilung der Kapitel erfolgt monatsweise) ein bisschen hinziehen, während erst einmal die Grundsituation geschaffen wird. Danach aber ist dieses Buch wieder einmal höchst gefährlich, wenn man eigentlich früh schlafen gehen will, da es doch so verlockend ist nur noch eben einen Brief zu lesen oder nur noch eben zu gucken, was die eine der anderen auf ihren Brief antwortet oder wie eine kritische Situation ausgeht oder …

Obwohl Kate und Cecy unübersehbar gereift sind in den Jahren, die seit „The Grand Tour“ vergangen sind, so bleibt doch der vertraute (und humorvolle) Unterton bestehen. Außerdem gelingt es den beiden Autorinnen sehr schön auch die beiden Männer und ihre so unterschiedlichen Charaktere in den jeweiligen Briefen zum Ausdruck zu bringen. Hier merkt man, dass James und Thomas schon seit vielen Jahren eng befreundet sind und deshalb nicht nur offen schreiben können, sondern auch bestimmte Reaktionen des anderen vorhersagen können. Ich mag diesen vertrauten Ton in den Briefen, der trotz der gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu dieser Zeit (Februar bis Juni 1828) dafür sorgt, dass man als Leser viele vertrauliche Details und Gedanken erfährt.

Sprachlich ist auch dieser Band auf Englisch wieder gut zu verstehen gewesen – einzige bei Kleidungsdetails und zwei oder drei Slangausdrücken hatte ich Probleme. Wobei „Probleme“ schon zu hochgegriffen wären, denn die jeweiligen Aussagen habe ich schon verstanden, nur wortwörtlich hätte ich es nicht übersetzen können. Auch wenn der erste Band wohl immer mein Favorit bleiben wird, so habe ich auch diesen letzten Teil der Geschichte rund um Cecelia und Kate genossen und finde es sehr schade, dass keine weiteren Abenteuer der beiden Cousinen auf mich warten. Aber ich werde weiter die Augen nach Geschichten aus der Feder von Patricia C. Wrede (und Caroline Stevermer) aufhalten – ich mag den Humor, die Charaktere und die fantastischen Einfälle wirklich gern!

Seanan McGuire: One Salt Sea (October Daye 5)

Ich weiß, für euch wird es langsam langweilig, aber auch in diesem Monat habe ich für die English Challenge einen October-Daye-Band gelesen. „One Salt Sea“ ist der fünfte Teil der Reihe und dieses Mal geht es für October (Toby) Daye darum eine Krieg zu verhindern. Dabei versucht Toby noch immer mit all den Veränderungen fertig zu werden, die die Handlungsentwicklung in „Late Eclipses“ für sie ganz persönlich mit sich gebracht hat. Doch ein drohender Krieg zwischen dem Feenvolk des Landes und des Wasser ist eindeutig wichtiger als die privaten Probleme der Detektivin – vor allem, da die Luidaeg um Tobys Eingreifen in diesem Fall gebeten hat.

So bringt Toby die (ihr nicht gerade wohlgesonnene) „Queen of Mists“ dazu, sie mit der Suche nach den entführten Kindern der „Undersea Duchy of Saltmist“ zu beauftragen – in der Hoffnung, dass die Wiederbeschaffung der beiden vermissten Söhne ein Ausbrechen des Krieges verhindern kann. Dabei kann Toby dieses Mal nicht auf die Hilfe der Luidaeg zählen, da die Meerhexe sich bei einem Konflikt zwischen dem Land- und dem Wasservolk so neutral wie möglich verhalten muss. Einzig als Kontaktvermittlerin steht sie der Detektivin zur Verfügung und das ist auch notwendig, da Toby bislang kaum Kontakt mit dem Feenvolk des Meeres hatte.

Seanan McGuire gelingt es auch in diesem Band die großen Probleme der Feenwelt anhand der direkten Auswirkung auf Toby und ihre Freunde für den Leser relevanter und spürbarer zu gestalten. So sorgt der bevorstehende Krieg zum Beispiel dafür, dass Connor, mit dem Toby nach seiner Trennung von seiner Frau inzwischen offiziell eine Beziehung hat, zurück nach Saltmist gehen muss. Würde der Krieg ausbrechen, müsste der Selkie gegen Toby und all die anderen, die ihm in seiner Zeit an Land, ans Herz gewachsen sind, kämpfen. Und es wird auch wieder deutlich, dass der Wahnsinn, der „Queen of Mists“ eine große Gefahr für das Landvolk darstellt, denn obwohl sie keine Chance auf einen Sieg hat, ist sie diejenige, die sich am bereitwilligsten in den Krieg stürzen möchte.

Für mich hat dieser Band zwei entscheidende Punkte mit sich gebracht, die die Geschichte wieder sehr spannend gemacht haben: Auf der einen Seite konnte die Autorin hier das eine oder andere lose Ende in Tobys Biografie abschneiden und so den Weg für weitere Entwicklungen bereiten. Auf der anderen Seite bot sich durch die tragende Rolle, die das Meervolk in diesem Roman spielt, eine großartige Möglichkeit, um die fantastische Welt von Seanan McGuire weiter auszubauen. Ich finde es immer wieder faszinierend und spannend, wie es der Autorin gelingt diese Feengesellschaft so fremdartig wirken zu lassen und doch dafür zu sorgen, dass man das Handeln der verschiedenen Personen stimmig und – in gewisser Weise – nachvollziehbar findet. Doch vor allem freue ich mich auf die weiteren Entwicklungen in Tobys Leben (vor allem, da ich – herzloserweise – das Gefühl habe, dass sie nun ein bisschen „Ballast“ losgeworden ist) und kann es kaum erwarten, dass im September die Fortsetzung erscheint.

Seanan McGuire: Late Eclipses (October Daye 4)

„Late Eclipses“ ist der vierte October-Daye-Band und wurde von mir für die English-Challenge gelesen. Ich versuche, die Rezension so spoilerfrei wie möglich zu halten, aber ganz funktioniert das bei einem vierten Band leider nicht mehr. Trotzdem will ich vorher noch eine Bemerkung loswerden, in der Hoffnung, dass die verschiedenen Tybalt-Fans sie lesen: Der König der Katzen hat in diesem Teil der Reihe viele Szenen, die euch wirklich gefallen sollten, also lest schnell weiter! ;D

Gleich zu Beginn dieses Romans wird October an den Hof der „Queen of Mists“ gerufen und von dieser zur Erbin der verstorbenen Fürstin Winterrose, zur „Countess of Goldengreen“ ernannt. So ungewöhnlich diese Ernennung Tobys zur Lady ist, so sehr befürchten Toby und ihre Freunde, dass die Königin mit dieser Ehrung nichts Gutes für October im Sinn hat. Doch dann lässt die Nachricht, dass ihre Freundin Lily schwer erkrankt ist, Toby alle Gedanken an höfische Intrigen vergessen, und die Privatdetektivin begibt sich auf die Suche nach der Ursache für Lilys Zustand. Als eine Undine, die vollständig aus Wasser besteht, müsste Lily eigentlich immun gegen jegliche Krankheit sein, und doch schwinden ihre Kräfte in rasantem Tempo. Kurz darauf erkranken weitere Personen in Tobys Umfeld, während October befürchten muss, dass eine Widersacherin aus ihrer Vergangenheit erneut in San Francisco ihre Untaten treibt.

Für mich ist „Late Eclipses“ der persönlichste Band rund um October Daye. Aufgrund der verschiedenen Ereignisse muss Toby immer wieder an ihren Fähigkeiten und Wahrnehmungen zweifeln, außerdem bangt sie um verschiedene Personen, die ihr sehr nahestehen, während sie sich zusätzlich gegen die Intrigen der „Queen of the Mists“ wehren muss. Das alles führt dazu, dass es zu einigen dramatischen Szenen kommt, in denen der Leser wieder mehr über Toby, ihre Vergangenheit und ihren Freundeskreis erfährt.

Trotzdem fühlt sich die Geschichte nicht überfrachtet an, weil die verschiedenen Handlungsstränge letztendlich alle darauf abzielen, den Leser tiefer in Tobys Geschichte einzuführen. So bekommt man mehr Details zu den Ereignissen, die zu Tobys 14 Jahren als Fisch in Lilys Teich geführt haben, sowie einen kleinen Einblick in das, was Luna und ihrer Tochter Rayseline zu dieser Zeit zugestoßen ist. Es gibt aber auch Rückblicke, in denen Tobys Vater vorkommt, und welche, die das Verhältnis zwischen October und ihrer berüchtigten Mutter Amandine näher beleuchten.

Nach den ersten vier Kapiteln fiel es mir sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen – was dazu geführt hat, dass ich mal eben bis morgens um vier Uhr gelesen habe, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht. Dabei fand ich die eine oder andere Wendung zwar vorhersehbar, aber bei all den faszinierenden Details konnte ich darüber locker hinwegsehen. Vor allem stand in der Regel weniger die Frage im Raum, wer was wie getan hat, sondern wie Toby beweisen kann, dass es so passiert ist (und dass sie keine Schuld an den Vorgängen hat). Mir sind die vertrauten Figuren nur noch mehr ans Herz gewachsen, ich bin hingerissen von der Vielschichtigkeit der fantastischen Welt und sehr gespannt darauf, wie sich die Geschichte nach all den in diesem Band präsentierten Enthüllungen weiter entwickeln wird.

So möchte ich – wie immer nach dem Lesen eines October-Daye-Romans – jetzt am liebsten zum folgenden Roman greifen, aber leider befindet sich der noch nicht in meinem Besitz. Außerdem sollte ich vielleicht so langsam anfangen, die Bücher sorgfältig zu dosieren, denn wenn ich es richtig gesehen habe, dann gibt es gerade nur einen weiteren englischen Titel („One Salt Sea“), während der neueste („Ashes of Honor“) erst für September angekündigt ist. Unabhängig davon, wann die nächsten Bände erscheinen und von mir angeschafft werden: Ich bin mir sicher, dass ich dieser Reihe noch eine ganze Weile treu bleiben werde, denn die Bücher machen mir eine Menge Spaß.

Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: The Grand Tour …

… Or The Purloined Coronation Regalia, being a revelation of matters of High Confidentiality and Greatest Importance, including extracts from the intimate diary of a Noblewoman and the sworn testimony of a Lady of Quality.

Auch in diesem Monat begleiten mich Kate und Cecelia während des Lesens für die English-Challenge. Es sind nur einige Wochen seit den Geschehnissen in „Sorcery and Cecelia“ vergangen und inzwischen sind die beiden liebenswerten Cousinen frisch verheiratet. Ihre gemeinsame Hochzeitsreise soll Cecelia und James, sowie Kate und Thomas quer durch Europa führen, wobei die Reise in Begleitung von Kates Schwiegermutter Lady Sylvia Schofield angetreten wird. So wenig romantisch dies anmutet, so ist es doch weniger ihre Reisegesellschaft, die die beiden frischvermählten Paare in ihrer Zweisamkeit stört als die seltsamen Begebenheiten, die schon in Calais mit dem Besuch der „Lady in Blue“ ihren Anfang nehmen.

Schnell überschlagen sich die Ereignisse und so wird der kleinen Gruppe mit der Ankunft in Frankreich nicht nur ein mysteriöses Artefakt übergeben, sondern sie müssen im Laufe der nächsten Tagen miterleben, wie ihr Diener von einem vermeintlichen Dienstmädchen des Gasthofs überwältigt wird, wie in Lady Schofields Schlafzimmer eingebrochen wird, wie der Erzbischof von Amiens eine Strickstunde gibt und wie ihre Kutsche überfallen wird, wobei einer der Insassen eine Schussverletzung erleidet. Und es sieht nicht so aus, als ob die weiteren Etappen dieser ungewöhnlichen Hochzeitreise geruhsamer verlaufen würden …

Nachdem ich den Briefkontakt zwischen Cecy und Kate im ersten Band so amüsant fand, war es erst einmal gewöhnungsbedürftig, dass mir die Geschichte nun in Tagebuchauszügen (bzw. einem offiziellen Bericht) erzählt wird. So nett es ist, wenn eine Szene aus den unterschiedlichen Perspektiven der beiden beschrieben wird, so fehlte mir doch der emotionale und spontan wirkende Austausch zwischen den Cousinen, der einen großen Reiz des ersten Buches ausgemacht hatte. Aber auch „The Grand Tour“ hat mir unterhaltsame Lesestunden bereitet, während ich auf der einen Seite voller Spannung die nächste skurrile Entwicklung erwartete und auf der anderen Seite mitverfolgen konnte wie Kate und Cecy das Leben als verheiratete Frauen entdeckten.

Vor allem für Kate, die im Alltag immer wieder durch ihr Ungeschick auffällt, bietet dieses Leben so einige Herausforderungen. Allein die Tatsache, dass man von ihr erwartet eine französische Zofe einzustellen, sorgt schon für so einige Beunruhigung bei ihr. Denn abgesehen davon, dass sie noch nie Personal eingestellt hat, traut sie sich ein solch wichtiges Gespräch auch nicht auf französisch zu. Andererseits zeigt sie im Umgang mit ihrem Mann Thomas ein sympathisches Selbstbewusstsein und viel Humor – was mich zu der Frage bringt, was für eine Persönlichkeit sie wohl in ein paar Jahren entwickelt haben wird (geheiratet hat sie übrigens mit 18 Jahren).

Quer durch Europa geht die Reise und bietet viele unterhaltsame Momente, sei es bei den Reisebeschreibungen, den Begegnungen, die die kleine Gruppe in den verschiedenen Städten hat oder beim Umgang der Paare miteinander. Und während Kate des kalten und schmuddeligen Reisens im Herbst schnell müde wird (nie wieder Maultiere!), scheint Cecy die Strapazen bei all den aufregenden und anregenden Ereignissen kaum wahrzunehmen. Ich finde es sehr schön, wie individuell die beiden Cousinen ihre Hochzeitsreise erleben. Außerdem werden immer wieder bekannte Figuren der Zeit (die Reise beginnt im August 1817), politische Ereignisse oder Verweise auf den (vor wenigen Jahren erst beendeten) Kampf gegen Napoleon Bonaparte geschickt in die Handlung eingeflochten, während die Reisegruppe herausfinden muss, was es mit den seltsamen Vorfällen in ganz Europa auf sich hat.

Leider gibt es in diesem Roman kein Nachwort der Autorinnen, in denen sie beschreiben wie es zu dieser Geschichte gekommen ist. Ich wäre schon neugierig darauf gewesen, ob sie die verschiedenen Tagebucheinträge ausführlich aufeinander abgestimmt haben oder ob sie anfangs nach einem groben Gerüst „frei“ geschrieben haben. Oder vielleicht hat nur eine von beiden den Großteil geschrieben, während die andere bei der Feinarbeit dann dabei war … Von diesen ungeklärten Fragen und der fehlenden Spontanität die die Briefe im ersten Band vermittelten, abgesehen, habe ich „The Grand Tour“ wirklich genossen und freue mich schon auf das Wiedersehen mit Kate und Cecelia in „The Mislaid Magician“.

Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer: Sorcery and Cecelia …

… Or The Enchanted Chocolate Pot, being the correspondence of two Young Ladies of Quality regarding various Magical Scandals in London and the Country.

Die English-Challenge begann für mich in diesem Jahr mit „Sorcery and Cecelia“. Das Buch wurde gemeinsam von Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer geschrieben und hat mich wunderbar amüsiert. Die beiden Autorinnen haben 1986 einen spielerischen Briefwechsel begonnen, der als leichte und unterhaltsame Schreibübung gedacht war und aus dem nach sechs Monaten dieser Roman entstand. Jede der Autorinnen erdachte sich einen Charakter, aus dessen Perspektive sie diese Briefe verfasste.

Patricia C. Wrede, die den ersten Brief schrieb, wählte als Hintergrund für diesen Briefwechsel die Zeit nach den napoleonischen Kriegen, versetzte aber die Handlung in eine Parallelwelt, in der Magie ein vertrauter, wenn auch kein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist. Außerdem ist ihrem ersten Brief die verwandtschaftliche Beziehung der beiden Briefschreiberinnen (die beiden Mädchen sind Cousinen) zu entnehmen sowie der Grund für die räumliche Trennung von Cecelia (Patricias Figur) und Kate (Carolines Figur).

So erfährt man von Anfang an, dass Kate in dieser Saison gemeinsam mit ihrer wunderschönen jüngeren Schwester Georgina in London unter der Obhut ihrer Tante Charlotte debütiert, während Cecelia mit ihrer Tante Elizabeth im väterlichen Anwesen auf dem Land bleiben muss. Außerdem gibt es die eine oder andere Andeutung, die dem Leser zeigt, dass die Tanten sich auf der einen Seite nicht gut genug verstehen, um sich während der Saison ein Haus in London zu teilen. Auf der anderen Seite befürchteten die Frauen wohl, dass Kate und Cecelia zusammen so viel anstellen würden, dass ihr Ruf (und der der Familie) für immer ruiniert wäre.

Um die Trennung nun erträglich zu machen und so viele Erlebnisse wie möglich zu teilen, tauschen Kate und Cecy alle paar Tage detaillierte Briefe aus. Während sich die Erzählungen anfangs um die Nachbarn, neue Bekanntschaften von Kate und ähnliche Belanglosigkeiten drehen, tauchen nach und nach immer absonderlichere Ereignisse in den Briefen auf. Kate zum Beispiel erlebt einen sehr unangenehmen Moment, als sie bei einer offiziellen Veranstaltung im „Royal College of Wizards“ in eine magische Falle gerät und sich kurz darauf vor der versammelten Gesellschaft blamiert. Von diesem Zeitpunkt an gerät die junge Frau immer wieder in gefährliche Situationen, muss sich vor den Angriffen einer bösen Zauberin schützen und einem mysteriösen Herzog im Kampf gegen seine Widersacher beistehen (wovon der Herr natürlich erst einmal nicht so begeistert ist!).

Für Cecy hingegen scheint das Leben deutlich langweiliger zu verlaufen, und so ist es ein Glück, dass eine der Nachbarinnen ihre Nichte zu Besuch bekommt. Mit Dorothea freundet Cecy sich schnell an, und als sie dann erfährt, dass die neue Freundin große Angst vor ihrer Stiefmutter hat, weckt dies ihren Beschützerinstikt. Außerdem ist Cecelia schwer damit beschäftigt, mehr über Zauber herauszufinden, seitdem das Hausmädchen einen „charm-bag“ unter der Matratze von Cecys Bruder Oliver gefunden hat – schließlich weiß man nie, wer damit einen Fluch bewirken will! Zusätzlich muss sie sich mit einem seltsamen jungen Mann herumschlagen, der Dorothea hinterherspitzelt, und herausfinden, warum sich der Nachbar Sir Hilary in letzter Zeit so unberechenbar verhält.

Ich muss zugeben, dass ich all diese großen und kleinen Ereignisse in Cecelias und Kates Leben einfach wunderbar fand. Hier und da hatte ich zwar den Eindruck, dass man schon merkt, dass die beiden Autorinnen anfangs selbst nicht wussten, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt, was zwischendurch für kleine Längen sorgte. Aber insgesamt ist durch die ungewöhnliche Entstehungsweise eine überraschende und witzige Geschichte mit sehr sympathischen Charakteren entstanden. Durch ihrer Briefe hat man Cecy und Kate sehr gut kennenlernen können, und durch die gegenseitigen Beschreibungen kamen auch die anderen Figuren nicht zu kurz.

Auch ist es Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer sehr schön gelungen, die Epoche mitsamt bekannter Figuren und Orte (zum Beispiel Lady Jersey und Almack’s) mit einem kleinen Touch Fantasy zu mischen. Dabei ist die Zauberei den Zauberern vorbehalten, auch wenn theoretisch jeder einen kleinen „charm-bag“ herstellen kann. Ohne einen Funken Magie ist die Wirkung allerdings eher zweifelhaft. So tangiert die Zauberei den normalen Alltag der Menschen nicht, ist aber selbstverständlich genug, dass sie zum Leben einfach dazugehört. Cecelia hat dabei für ein Mädchen ihrer Welt erstaunlich wenig Kontakt damit, weil ihre Tante Elizabeth eine große Abneigung gegen alles hegt, was mit Magie zu tun hat.

Das Englisch ist gut verständlich, und obwohl Cecy und Kate sehr eigene Charaktere haben, fällt beim Lesen kaum auf, dass zwei verschiedenen Frauen diese Geschichte geschrieben haben. Aber vielleicht wurde das auch bei der Überarbeitung für eine potenzielle Veröffentlichung etwas angeglichen, auch wenn die beiden Autorinnen im Nachwort behaupten, dass dem nicht so sei. Insgesamt habe ich zwei wunderschöne Abende mit dem Buch verbracht, beim Lesen viel gekichert und mich wunderbar amüsiert. Jetzt muss ich mir nur überlegen, ob ich den zweiten Teil gleich lese oder doch so standhaft bin und das Buch für einen der kommenden Monate aufhebe.

I’m in English … reloaded! – noch eine Challenge für 2012

Ich muss gestehen, dass ich schon vor einigen Wochen beschlossen habe, dass ich die „English-Challenge“ im kommenden Jahr auf jeden Fall für mich weiterführen will. Um so größer war meine Freude, als Katrin und Nina sich nun dazu durchgerungen haben, die Challenge offiziell um ein Jahr zu verlängern.

Somit heißt es auch für das Jahr 2012 jeden Monat ein Buch auf Englisch zu lesen – oder sich ein Strafbuch einzuhandeln, wenn es mit dem Lesen nicht geklappt hat. Näheres zu den Regel kann man bei BuchSaiten oder Libromanie nachlesen (die Links führen direkt auf die Challengeposts). Wer ebenfalls Interesse an der Challenge hat, kann sich noch bis zum 15.01.2012 bei Katrin oder Nina dafür anmelden.

Bei mir hat es in diesem Jahr wirklich sehr gut mit dem monatlichen Buch auf Englisch geklappt. In der Regel habe ich mir dafür das erste Wochenende im Monat „reserviert“ und versucht die jeweilige Rezension bis zum letzten Tag des Monats auf die Reihe zu bekommen. So habe ich jeden Monat ein englisches Buch gelesen – und dank eines guten Händchens bei der Lektüre, musste ich mich in der Regel schon fast zügeln, um nicht gleich den nächsten Band auf Englisch anzufangen. Aber ich hatte da ja auch noch ein paar deutsche Titel auf dem SuB, die gelesen werden wollten. 😉

Mit der English-Challenge und der Themenchallenge von Neyasha bin ich dann für das kommende Jahr auch gut versorgt. Vor allem, da ich mir auch wieder persönliche Leseziele setzen werde …

Jim Butcher: Dead Beat (Dresden Files 7)

Ich kann es einfach nicht lassen, ich mag die Dresden-Files-Romane so gern, dass ich auch in diesem Monat wieder einen davon für die English-Challenge verschlungen habe. „Dead Beat“ ist der siebte Band um den einzigen Magier, der im Chicagoer Telefonbuch steht und sich seinen Lebensunterhalt als Privatdetektiv bzw. Berater der Polizei verdient. Seit den Ereignissen im vorhergehenden Band („Blood Rites“) ist wieder ein Jahr vergangen – und da ich hier nun wirklich keine Spoiler mehr vermeiden kann, sollten nur diejenigen weiterlesen, die zumindest des sechsten Band schon kenne. Verderbt euch nicht die überraschenden Wendungen! 😉

Okay, ein Jahr ist vergangen und Thomas lebt immer noch bei Harry – was für beide nicht gerade einfach ist. Aber als ein Vampir des Weißen Hofes ist es für Thomas fast unmöglich im „normalen“ Leben zu bestehen. Ihm fehlen eindeutig der finanzielle Hintergrund seiner Familie und auch die Verbindungen, die er durch seine Verstoßung durch seine Familie nicht mehr nutzen kann. Auch bei Harry haben die vergangenen Abenteuer deutliche Spuren hinterlassen. Obwohl seine linke Hand nicht amputiert werden musste, ist er doch durch die gravierenden Verbrennungen deutlich behindert.

Auch hat er – seit der Verbrennung bei dem Kampf gegen Mavra (Vampirin des schwarzen Hofes) – Angst davor einen Feuerzauber zu verwenden, was seine Kräfte deutlich einschränkt. Und die Tatsache, dass er mit Thomas nun eine Familie hat und seine Bindungen zu seinen Freunden immer enger werden, stellt auch ein Handicap dar, da ihn die Furcht vor einem möglichen Verlust zögerlich und in gewisser Weise auch ungeduldig und unfreundlich macht. Als wäre das Ganze noch nicht genug, so hat er auch noch gegen den Einfluss des gefallenen Engels Lasciel zu kämpfen.

Dies ist die Ausgangssituation als die Halloween-Nacht naht und Harry von Mavra erpresst wird. Wenn er ihr nicht bis Halloween „The Word of Kemmler“ bringt – und natürlich wird Harry nicht genau mitgeteilt, was das sein könnte -, dann ruiniert Mavra die Polizistin Karrin Murphy. Bei seinen Recherchen findet Harry heraus, dass in den letzten Tagen einige Nekromanten in Chicago aktiv wurden – und einer von ihnen hat es sogar auf Waldo Butters, einen Freund von Harry, der in der Forensik arbeitet, abgesehen. Weitere Ablenkungen entstehen durch eine junge Dame, die eindeutig an Harry interessiert ist und ihn ohne Umstände um ein Date bittet und das Auftauchen des Weißen Rats der Zauberer.

Ohje, es ist gar nicht so einfach einen groben Überblick über diesen Roman zu liefern, da hier sehr viele Sachen zusammenlaufen, die ihren Anfang in den vorhergehenden Büchern hatten. Auf jeden Fall hat mir dieses Buch wieder genauso viel Spaß gemacht wie die anderen Titel dieser Reihe. Es ist kurz vor Halloween und dank der Necromanten bekommt es Harry mit Geistern, Zombies und anderen unerfreulichen Gestalten zu tun. Jim Butcher beschreibt diese Erscheinungen der übernatürlichen Welt wieder sehr atmosphärisch, aber vor allem liebe ich diese Mischung aus Humor, Spannung und sympathischen Charakteren.

Es gibt nur wenige Autoren, die mich während des Lesens regelrecht Aufkreischen lassen vor Lachen oder denen es gelingt, dass ich zwei Absätze zuvor noch über das Schicksal einer Figur ein paar Tränchen verdrückte, nur um dann wieder in ein fröhliches Kichern auszubrechen. Trotz all der übernatürlichen Erscheinungen und der kurzen Zeitspanne, habe ich diesen Titel als relativ dialog- und gedankenlastig empfunden, musste aber auch nicht auf gute Actionszenen verzichten. So war es sehr schön mitzuerleben, wie Harry ein Auto auf einen Feind geworfen hat oder einen ungewöhnlichen Spurt zum Endkampf hinlegen muss.

Noch ein Punkt gefällt mir richtig gut an den „Dresden Files“: Jim Butcher gelingt es hervorragend seine Hinweise so in der Geschichte zu platzieren, dass man zwar ahnt, dass das etwas faul ist oder die eine oder andere Wendung vorhersehen kann (was im richtigen Maße sehr befriedigend für den Leser sein kann), aber nie alles errät. So gibt es immer noch genügend überraschende Elemente in der Handlung, dass ich auf den weiteren Verlauf der Geschichte hinfiebere und es mir sehr sehr schwer fällt das Buch aus der Hand zu legen, wenn ich erst einmal in der Handlung drin bin.

All die Andeutungen und Entwicklungen in „Dead Beat“ haben mal wieder dafür gesorgt, dass ich am liebsten sofort zum achten Band greifen würde. Aber da das Lesen dieser Bücher mir nur dann so richtigen Genuss bereitet, wenn ich zwei Tage komplett darin versinken kann und nicht ständig unterbrechen muss, werde ich mir „Proven Guilty“ noch etwas aufheben. Und wer weiß, vielleicht rezensiere ich ja im nächsten Monat mal keinen Roman von Jim Butcher für die English-Challenge.

Jim Butcher: Blood Rites (Dresden Files 6)

Hach, nach dem fünften Dresden-Files-Band („Death Masks“) musste ich natürlich prompt einen Blick in den sechsten Teil „Blood Rites“ werfen – irgendwie will ich immer sofort wissen, wie es weitergeht. Und schon der erste Satz brachte mich zum Grinsen: „The building was on fire, and it wasn’t my fault.“ Blöderweise kam mir dann meine Vernunft dazwischen (ebenso wie Arbeit, Bibliotheksbücher und andere Dinge), und deshalb habe ich mir diesen Teil dann doch für September aufgehoben. Somit habe ich für die English-Challenge im September wieder einen Dresden-Files-Roman gelesen.

Die Harry-Dresden-Geschichten machen mir einfach Spaß und sind relativ flüssig zu verschlingen (auch wenn ich dieses Mal trotzdem eine ganze Woche gebraucht habe). Nachdem ich mich letzten Monat nach dem ersten Kapitel gezügelt hatte, wollte ich unbedingt wissen, wie Harry überhaupt in das brennende Gebäude gekommen ist und was er da zu suchen hatte. Da das schon der sechste Band der „Dresden Files“ ist, kommt meine Meinung dazu leider nicht ohne Spoiler aus, also überlegt euch gut, ob ihr weiterlesen wollt, wenn ihr die vorhergehenden Teile noch nicht kennt. 😉

„Blood Rites“ beginnt recht actionreich in einer brennenden Schule, aus der der Privatermittler und Magier Harry Dresden für einen Auftraggeber einen ganzen Haufen Welpen retten muss. Und auch wenn es nicht ganz so rasant weitergeht, so zeigt sich doch von Anfang an, dass dies wieder eine der weniger gemächlichen Dresden-Files-Geschichten ist. Ausnahmsweise scheint es Harry zu Beginn des Romans recht gut zu gehen. Er ist ausgeglichen, hat regelmäßige Aufträge, die ihm sein Einkommen sichern, und scheint die Trennung von Susan inzwischen auch gut verarbeitet zu haben. Aber so geruhsam kann sein Leben natürlich nicht weitergehen, und so bekommt er es kurz nach seiner Flucht aus der brennenden Schule gleich mit mehreren Problemen zu tun.

Auf der einen Seite vermittelt ihm Thomas Raith (Vampir des weißen Hofes) einen Job bei einem Filmproduzenten, denn bei den Dreharbeiten zu dessen aktuellem (Porno-)Film sind schon zwei Frauen unter sehr merkwürdigen Umständen umgekommen. Auf der anderen Seite stellt sich heraus, dass eine Gruppe von Vampiren des schwarzen Hofes in Chicago angekommen ist. Bevor diese in der Stadt Fuß fassen können, sieht Harry es als seine Pflicht an, diese Monster zu vernichten. Doch ohne Hilfe kommt er dabei nicht aus, und so muss er nicht nur die Polizistin Karrin Murphy, sondern auch Kincaid (Bodyguard des Archives in „Death Masks“) zur Verstärkung rufen.

So habe ich wieder einiges mehr über Jim Butchers Fantasywelt erfahren, in der es zum Beispiel große Unterschiede zwischen den drei Vampirhöfen (schwarz, weiß und rot) gibt, in denen der Weiße Rat der Zauberer nicht ganz so naiv und „gut“ zu sein scheint, wie man in der Vergangenheit manchmal glaube konnte, und in der manch dämonisches Wesen mehr Ehrgefühl und Herz haben kann als viele der Menschen, denen man so begegnet. Auch hat der Autor die Szenen rund um die Dreharbeiten für amüsante Momente genutzt, und so mancher Darsteller entpuppte sich – spätestens auf den zweiten Blick – als jemand, über den man gern mehr erfahren hätte.

„Blood Rites“ gehört wieder zu den actionreicheren Harry-Dresden-Romanen, trotzdem gibt es einige ruhige und nachdenkliche Momente, die sich dieses Mal vor allem um das Thema Familie drehen. Man erfährt als Leser nicht nur deutlich mehr über den Hintergrund von Karrin Murphy, denn auch Harry, der schon als kleines Kind seine Eltern verlor und bislang immer dachte, dass er ohne jegliche Familie auf der Welt wäre, findet heraus, dass er nicht das einzige Kind seiner Mutter ist. Auch wenn er einige Probleme mit der Identität des neuen Familiemitglieds hat, so macht es ihn auch glücklich, dass es jemanden auf der Welt gibt, mit dem er blutsverwandt ist.

Besonders schön finde ich an dieser Geschichte, dass die Handlung für Harry zwar einige harte Momente beinhaltet (so muss er entdecken, dass einer der wenigen Menschen, denen er absolut vertraut, ihn seit Jahren belogen hat), sein Leben regelmäßig in Gefahr ist und er am Ende dauerhaft von seinem Kampf gegen die schwarzen Vampire gezeichnet ist, aber trotzdem gibt es da positive Veränderungen in seinem Leben, die ihn optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Ich glaube, das ist der erste Dresden-Files-Roman, bei dem ich das Gefühl hatte, das Harry zwar in Zukunft wieder viele Herausforderungen zu bestehen hat, dass er aber dann endlich mal nicht das Gefühl haben wird, dass er solche Dinge immer allein durchstehen muss. Vielleicht täusche ich mich, aber als so „schön“ habe ich vorher kein Romanende in dieser Reihe empfunden.

Agatha Christie: They Came to Baghdad

Ich bin selber ganz erstaunt, dass ich schon wieder einen Spionageroman von Agatha Christie erwischt habe, das war keine bewusste Wahl. Meine Auswahl beschränkte sich im Moment halt auf die Titel, die in der Bibliothek sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zur Verfügung standen, weil ich mal einen detaillierten Vergleich zwischen den Büchern machen wollte. So habe ich einerseits meine Neugierde bezüglich der Veränderungen bei den deutschen Übersetzungen endlich mal gestillt und auf der anderen Seite auch in diesem Monat pünktlich mein Buch für die English-Challenge geschafft.

„They came to Baghdad“ spielt um 1950 und der Leser wird zusammen mit der jungen Victoria Jones in eine klassische Spionagegeschichte rund um eine wichtige Veranstaltung in Bagdad geworfen. Anfangs weiß man nicht viel mehr, als dass sich zwei Herren (Captain Crosbie und Dakin) über die Festsetzung eines Termins unterhalten. Wenn man diese beiden glauben darf, dann könnte dieses Treffen (zu dem wohl auch der amerikanische Präsident erscheinen wird) über Krieg und Frieden entscheiden.

Dementsprechend gibt es nicht nur Parteien, die alles dafür tun wollen, damit diese Veranstaltung reibungslos über die Bühne geht, sondern mindestens eine Gegenpartei, die auch nicht davor zurückschreckt jeden Dahergelaufenen zu ermorden, nur weil er Carmichael, einem von Dakins wichtigsten Mitarbeitern, ähnelt. Dieser ist nämlich im Besitz von Informationen, die für das Treffen entscheidend sein könnten, wenn es dem Mann gelingt rechtzeitig und lebendig in Bagdad einzutreffen.

Während Victoria einzig und allein nach Bagdad reist, weil sie sich innerhalb eines kurzen Treffens in einen Mann verliebt hat, der sich prompt am nächsten Tag von London in den Orient aufmacht, stolpert sie kurz nach ihrer Ankunft in Bagdad über einen Toten. So wird die junge Frau in die Ereignisse rund um das politisch so wichtige Treffen hineingezogen und erlebt einige Abenteuer in dem fremden Land. Obwohl ich die Geschichte recht unterhaltsam finde und mich in dieser englischen Version vor allem Agatha Christies Beschreibungen von Bagdad und den dort lebenden Menschen unterhalten haben, muss ich zugeben, dass es nicht einer der besten Romane der Autorin ist.

Ich habe das Gefühl, dass die Qualität der Handlung immer dann leidet, wenn Agatha Christie ihre Gedanken zum – für sie damals – aktuellen Weltgeschehen mitteilen wollte. So macht dieser Part (der in der deutschen Ausgabe fast komplett weggekürzt wurde!) für mich den größten Reiz an der Geschichte aus, während die Spionagegeschichte ebenso wie die (Liebes-)Geschichte von Victoria vorhersehbar und nicht mehr als „ganz nett“ ist. Einige Elemente haben mich sogar sehr an „Passenger to Frankfurt“ erinnert, vielleicht hatte sie die Grundidee zwanzig Jahre später für ihre „Frankfurt-Geschichte“ noch einmal aufgenommen, auch wenn sie in „They Came to Baghdad“ den Kalten Krieg und nicht Überreste der Nazi-Zeit thematisiert hat und mir die Abenteuer in Bagdad deutlich besser gefallen haben.

Ich muss zugeben, dass ich dieses Buch parallel auf Deutsch und Englisch gelesen habe, weil ich nach dem ersten Kapitel so fassungslos darüber war, wie sehr die deutsche Übersetzung den Text verfälscht. Während die englische Ausgabe lauter atmosphärische Beschreibungen enthält und viele einzelne Wörter, Zitate oder Verse davon zeugen, wie gut sich Agatha Christie im Orient ausgekannt hat, fehlen nicht nur diese Elemente, sondern auch einige – in meinen Augen relevante – Informationen in der deutschen Fassung.

Wer allerdings nicht beide Bücher nebeneinanderliegen hat, wird vermutlich nicht so schnell auf den Gedanken kommen, dass da so gravierende Einschnitte vorgenommen wurden. Ich zumindest habe mich bislang auch mit den deutschen Ausgaben gut unterhalten gefühlt.  Jetzt aber, da ich weiß wie gut die Originalversion verständlich ist und welche gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Versionen bestehen, werde ich wohl meine (so gut wie vollständige *sniff*) Christie-Sammlung auf Dauer durch die englischen Ausgaben ersetzen.