Alle Artikel von Konstanze

Sarah Kuhn: Heroine Complex (Heroine Complex 1)

Als Assistentin von Aveda Jupiter hat Evie Tanaka in „Heroine Complex“ von Sarah Kuhn vielleicht nicht den besten Job der Welt, aber sie ist überzeugt davon, dass sie die Beste für genau diesen Job ist. Evies Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Superheldin Aveda allzeit bereit ist, um Dämonen zu vernichten, und dazu gehört auch, dafür zu sorgen, dass Aveda beim Kämpfen gut aussieht. Schließlich gehört einiges an Arbeit dazu, wenn man als Superheld die Erwartungen seiner Fans erfüllen (und weitere Follower in den diversen Social-Media-Bereichen sammeln) will. So steckt Evie all ihre Energie in die Planung von Avedas Trainingsplan, in die Reinigung der diversen Kostüme und in die Betreuung von Avedas stürmischem Seelenleben. Statt sich dann nach Feierabend zu erholen, muss Evie in ihrer Freizeit dafür sorgen, dass ihre sechzehnjährige Schwester Bea zur Schule geht und nicht andauernd über die Stränge schlägt.

So anstrengend Evies Leben in der Regel ist, so zufrieden scheint sie doch mit ihrem Alltag zu sein. Doch als sich Aveda bei einem Kampf verletzt und ihren Verpflichtungen nicht nachkommen kann, bringt sie Evie dazu, für sie einzuspringen. Auf einmal kann sich Evie nicht mehr im Hintergrund verstecken und in Ruhe ihren Aufgaben nachgehen. Stattdessen muss sie so glamourös und mutig wie Aveda sein – und natürlich fällt ihr das nicht gerade leicht. Je mehr Chaos durch Evies Unerfahrenheit als „Superheldin“ entsteht, desto mehr muss Evie sich mit ihrem Leben, ihren Gefühlen und ihrer Freundschaft zu Aveda auseinandersetzen.

Ich fand es spannend, Evie, Aveda und all die anderen Personen rund um diese beiden Frauen kennenzulernen und nach und nach mehr über das Verhältnis dieser Charaktere zueinander zu erfahren. Gerade Aveda scheint anfangs ein richtiges Miststück zu sein, so dass man sich nur wundern kann, dass Evie ihr so treu zur Seite steht. Doch die beiden verbindet eine lange Geschichte und wann immer sich Evie doch mal über die Superheldin Aveda Jupiter aufregt, muss sie an ihre Klassenkameradin Annie denken, die ihr schon vor so vielen Jahren immer zur Seite stand.

Auch fand ich die Welt interessant, die sich Sarah Kuhn für ihre Geschichte ausgedacht hat. Eigentlich unterscheidet sich ihr Amerika so gut wie gar nicht von unserer realen Welt. Nur in San Francisco gab es vor einigen Jahren einen Vorfall, bei dem sich ein großes Dimensionstor öffnete. Durch dieses Tor kamen einige Dämonen nach San Francisco, wo sie sehr schnell starben. Seitdem besitzen einige Bewohner der Stadt übernatürliche Fähigkeiten und es tauchen immer wieder kleine Dimensionstore auf, durch die Scharen von Dämonen – die das Aussehen des ersten Gegenstands, den sie sehen, annehmen – kommen. Aveda, die schon als Mädchen eine Superheldin sein wollte, ist die einzige, die diese Dämonen bekämpft und dafür sorgt, dass sie keinen größeren Schaden in der Stadt anrichten. Doch so beeindruckend ihre Dienste für San Francisco sind, so wenig Beachtung schenkt man ihrem „Superheldenstatus“ in der restliche (dämonenfreien) Welt.

Es gibt so viele kleine Dinge, die ich beim Lesen wirklich mochte. Die Figuren sind realistisch, der Humor liegt mir und all die kleinen Szenen, in denen es um Freundschaft, Beziehungen, Verlust, Liebe und Trauer geht, haben mich berührt, weil es eben wirklich nie so einfach ist, wenn es um Emotionen geht. Doch vor allem fand ich es spannend, Evies Sicht auf „normale“ Dinge zu erleben, die nicht Teil meiner Lebensrealität sein können. So haben sich Evie (die Halbjapanerin ist) und Annie (die Chinesin ist) kennengelernt, weil sich ihre Klassenkameraden über das asiatische Essen lustig gemacht haben, das ihre Eltern den beiden Mädchen eingepackt hatten. Und für beide war es ein augenöffnendes Erlebnis, als sie „The Heroic Trio“ – mit Michelle Yeoh, Maggie Cheung und Anita Mui in den Hauptrollen – im Kino sahen, weil sie zum ersten Mal asiatische Frauen als Heldinnen in einem Film erleben durften. (Überhaupt habe ich all die Erwähnungen von „The Heroic Trio“ gemocht, aber auch wenn ich den Film immer gern gesehen habe, so hat er für mich eben nicht die gleiche Bedeutung wie für diese beiden Protagonistinnen.)

Obwohl immer wieder ernsthaftere Themen eine Rolle spielen, wird die Handlung von Sarah Kuhn leicht und stellenweise mit amüsanten Übertreibungen erzählt. Auch kann ich versichern, dass einen auch längere Pausen beim Lesen nicht rausbringen, obwohl es natürlich ärgerlich ist, wenn man für so ein unterhaltsames Buch fünf Tage benötigt, weil man nicht genug Zeit zum Lesen hat. 😉 Nachdem ich den großen Showdown beim Karaoke-Wettbewerb (und seine Folgen) erlebt habe, kann ich es kaum erwarten, dass der zweite Band („Heroine Worship“) in diesem Sommer erscheint, damit ich schauen kann, wie es mit Evie, Aveda und all den anderen weitergeht.

Holly Black: The Darkest Part of the Forest

Über „The Darkest Part of the Forest“ bin ich vor ein paar Jahren bei Darkstar gestolpert, der eine begeisterte Rezension zu dem Roman geschrieben hatte. Obwohl die Geschichte klang, als würde sie genau in mein Beuteschema fallen, bin ich lange Zeit um das Buch herumgeschlichen. Und als ich den Titel endlich in meinem Besitz hatte, landete er dann erst einmal für über ein Jahr im SuB, weil ich auf die richtige Stimmung dafür wartete. Manchmal ist die Angst, enttäuscht zu werden, eben doch größer als die Hoffnung auf eine großartige Geschichte. 😉

Nachdem ich das Buch jetzt aber endlich gelesen habe, kann ich versichern, dass meine Erwartungen voll erfüllt wurden – und dass Holly Black mit „The Darkest Part of the Forest“ eine ziemlich coole Geschichte erzählt. Den Großteil der Handlung erlebt man aus der Perspektive von Hazel Evans, ein paar weitere Szenen aus der ihres Bruders Ben oder der seines besten Freundes Jack. Sie alle leben in Fairfold, einem kleinen Ort, der deshalb etwas besonderes ist, weil dort nicht nur seit langer, langer Zeit ein gehörnter junger Mann in einem Glassarg im Wald schläft, sondern weil auch sonst täglich die Existenz des Feenvolks zu spüren ist. So ist es für die Anwohner ganz selbstverständlich, dass man Schälchen mit Milch vor die Tür stellt, Talismane zum Schutz trägt und all die anderen Regeln befolgt, die für das Zusammenleben mit dem magischen Volk wichtig sind. Und wenn doch mal jemandem etwas passiert, dann muss es ein Tourist gewesen sein, der nicht wusste, dass man Feen respektvoll behandeln muss.

Während also der ganze Ort damit lebt, dass das Leben ein bisschen gefährlicher, aber eben auch ein bisschen magischer ist als anderswo, ist Hazel schon als kleines Mädchen fest entschlossen, dass sie die Bedrohung, die vom Feenvolk ausgeht, stoppen will. Diese Entschlossenheit hindert sie aber nicht daran – ebenso wie ihr Bruder – in den schlafenden Feenprinzen im Wald verliebt zu sein und davon zu träumen, wie es wäre, wenn er eines Tages erwachen würde. Holly Black mischt gekonnt klassische keltische Mythologie mit Märchenelementen und macht daraus eine Geschichte, die modern ist und düster und voller erschreckender Geheimnisse, aber auch voller Liebe (geschwisterlicher und anderer) und Freundschaft.

Ich mochte es, dass Hazels großer Bruder mit einer Feengabe gesegnet ist – und diese doch eher als Fluch empfindet. Ich fand es spannend zu sehen, wie es Hazel damit ergeht, dass sie diejenige ist, die „normal“ ist und über keine besondere Begabung verfügt – auch wenn es natürlich vorhersehbar war, dass sie gerade deshalb diejenige sein wird, die am Ende all die Verwicklungen und Rätsel auflösen muss. Richtig toll fand ich es, dass es für keinen Beteiligten ein Thema war, dass Ben schwul ist, dass aber trotzdem nicht verschwiegen wurde, dass so eine allgemeine Toleranz unüblich ist. Ich fand es spannend, wie liebevoll die Eltern von Hazel und Ben dargestellt wurden, obwohl sie beim besten Willen nicht die idealen Eltern waren, als die Geschwister sie am dringendsten benötigt hätten. Und auch bei Jack gab es so viele kleine Szenen, die – trotz seiner ungewöhnlichen Herkunft als Wechselbalg – davon zeugten, dass seine (menschliche) Familie für ihn seine richtige Familie ist, auch wenn es für ihn in Fairfold selbst nicht immer einfach ist.

Es gibt so viele größere und kleinere Elemente in der Geschichten, die ich wirklich genossen habe und die auch nach dem Lesen noch nachklingen. Dabei habe ich den – wirklich sehr atmosphärisch und wunderbar düster beschriebenen – fantastischen Anteil der Handlung zwar als sehr spannend empfunden, aber die ganzen zwischenmenschlichen Aspekte fand ich in „The Darkest Part of the Forest“ fast noch wichtiger und noch besser erzählt.

Xinran: Wolkentöchter

„Wolkentöchter“ von Xinran liegt schon sehr, sehr lange auf dem SuB, weil das ein Buch ist, für das ich die richtige Stimmung benötige. Genauer gesagt lag dieses Buch immer wieder auf dem SuB, da es aus einzelnen Geschichten besteht, die davon erzählen, wie in China mit den ungewollten Mädchen umgegangen wurde und wie es den Müttern erging, die ihre Töchter nicht behalten durften. So habe ich das Buch in sehr kleinen Häppchen gelesen und immer wieder aus der Hand gelegt, wenn mir das Thema zu viel wurde. obwohl die Geschichten in einem sachlichen Ton geschrieben wurde, der einen gewissen Abstand zum Beschriebenen erzeugt. Trotzdem empfand ich das Lesen als sehr belastend, weil ich mir bei jeder Geschichte, bei jedem Erlebnis, von dem Xinran erzählte, vorstellte, wie viele Frauen und Säuglinge von den gleichen Bedingungen betroffen waren und wie viel Leid und Tod die Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung (und das seit Jahrhunderten bestehende traditionelle Denken und Wirtschaften im ländlichen China) verursacht hat.

Die Autorin Xinran ist in China geboren und hat in den 80er und 90er Jahren in Nanjing als Radiomoderatorin gearbeitet. Während dieser Tätigkeit hat sie versucht, den Frauen eine Stimme zu geben, die keine Mütter sein durften, weil sie nur eine Tochter zur Welt gebracht haben, oder den Mädchen, die aufgrund ihres Geschlechts eine Schande für die Familie waren. Dieses Unterfangen war aufgrund der Parteipolitik nicht ganz einfach und so bekommt man auch in „Wolkentöchter“ immer wieder Momente mit, in denen Xinran nicht weiter nachfragen durfte, weil sie damit entweder gegen politische Vorgaben oder gegen die „Gebräuche“ der verschiedenen chinesischen Regionen verstoßen hätte. Seit 1997 lebt Xinran mit ihrer Familie in Großbritannien und schreibt über das Leben chinesischer Frauen während und nach der Kulturrevolution. Wobei ich den Eindruck habe, dass sie sich in „Wolkentöchter“ vor allem auf die beiden Jahrzehnte vor der Jahrtausendwende beschränkt, in denen sie als Reporterin in China unterwegs war. Aktuellere Entwicklungen werden erst in den letzten Kapiteln erwähnt bzw. in den Anhängen, in denen es zum Beispiel um die Gesetzeslage rund um Familienplanung und Adoption im Jahr 2002 geht.

Jedes Kapitel enthält ein Erlebnis, das Xinran entweder selbst hatte oder das ihr von der betroffenen Person erzählt wurde. Dabei wird deutlich, dass die Autorin selbst anfangs sehr unwissend und naiv an viele Themen herangegangen ist, weil sie als Städterin nun einmal ganz andere Lebenserfahrungen gemacht hatte als eine Frau, die in großer Armut auf dem Land lebte. So schien es in der Stadt nicht so schlimm gewesen zu sein, wenn man eine Tochter auf die Welt brachte, während dieses Schicksal für eine Frau auf dem Land nicht nur bewies, dass sie wertlos war, sondern auch bedeutete, dass die Familie hungern musste. Oder man musste eben eine andere Lösung finden, um mit dem ungewollten weiblichen Säugling umzugehen, wie Xinran bei einer Reise zu ihrem großen Entsetzen feststellen musste. Es ist schon schlimm, wenn man während des Lesens von „Wolkentöchtern“ über jeden Bericht froh ist, in dem die Eltern sich des ungewollten Mädchens nicht „entledigen“, sondern den Säugling aussetzen oder anonym zur Adoption freigeben. Dabei ist natürlich ungewiss, welches Schicksal auf die ausgesetzten Mädchen wartet und ob sie überhaupt jemanden finden würden, der sich ihrer annehmen und sie vor dem Tod bewahren würde. Aber so gab es für die Kinder wenigstens noch die Hoffnung auf ein Leben.

Dabei kann man die Eltern in einem gewissen Grad sogar verstehen, wenn sie alles taten, damit ihr „einziges“ Kind ein Sohn wird. Denn nur für einen Sohn bekamen sie Land und Getreiderationen zugeteilt, während ein Mädchen keine zusätzliche Versorgung von Regierungsseite bedeutete – und trotzdem Bedarf an Nahrung und Kleidung hatte. Doch natürlich war es für die Eltern – und hier konzentriert sich Xinran vor allem auf die Mütter – nicht leicht, ihre Kinder zu verstoßen oder gar zu töten. Egal, wie sehr das Regime versucht hat, die Menschen in China zu emotionslosen funktionierenden Wesen zu machen, so sind viele von ihnen doch auch Eltern, die Gefühle für ihre Kinder haben und denen einen Kindstötung nicht leicht fällt, selbst wenn die Dorfgemeinschaft und die Familie Druck ausüben und man weiß, dass man ein Mädchen nicht ernähren kann, ohne den Rest der Familie damit zum Hungern zu verurteilen.

So ist es beim Lesen auch immer wieder die Vorstellung von so einem unmenschlichen Regime, die mich fast mehr erschüttert als die einzelnen Schicksale. Wobei ich betonen muss, dass die Unmenschlichkeit sich nicht auf die vergangenen Jahrzehnte beschränkt, sondern – gerade gegenüber der ländlichen Bevölkerung – schon seit Jahrtausenden üblich ist. Eine Regierung, die so strikte Regeln erlässt, dass Menschen gezwungen werden, ihre Neugeborenen zu töten oder auszusetzen, die diejenigen, die versuchen ihre Kinder zu behalten, dazu zwingt, jahrelang auf der Flucht zu sein, immer in Angst zu leben und am Ende vielleicht doch dafür inhaftiert zu werden, dass man einfach nur ein Kind bekommen hat, ist für mich kaum begreiflich. Wobei ich mich frage, warum ich es einfacher zu verstehen finde, dass eine Regierung ihre Bürger in Angst und Schrecken versetzt, finanziell ausbluten lässt und für die eigenen Interessen in den Krieg führt – wie es ja weltweit tagtäglich passiert -, während mich die traditionelle Landvergabe und die Ein-Kind-Politik (und die damit einhergehenden Folgen für die Menschen) so sehr erschüttern. Aber vielleicht liegt das daran, dass ich hier an einem konkreten Beispiel die Folgen eines solchen Systems so greifbar vor Augen habe, während ein allgemein gehaltener Bericht z. B. über Landenteignungen zugunsten von Olympischen Spielen zwar auch erschreckend ist, aber mir nicht im Detail erzählt, welche Folgen das für die früheren Landbesitzer haben wird.

Agatha Christie: Curtain – Poirot’s Last Case

Es ist kein Geheimnis, dass ich die Agatha-Christie-Romane lieber mag, in denen Miss Marple die Hauptfigur ist, aber das hindert mich natürlich nicht daran, einen Hercule-Poirot-Roman zu genießen. Nur bei „Curtain“ ist das mit dem Genuss ein Problem, denn das ist der Kriminalroman der Autorin, den ich am wenigsten genießen kann. Ich finde die Entstehungsgeschichte spannend. Denn der Roman ist während des 2. Weltkriegs geschrieben worden, weil Agatha Christie sichergehen wollte, dass Poirots Geschichte selbst dann einen Abschluss finden würde, wenn sie während des Kriegs sterben würde. Danach ruhte das Manuskript 30 Jahre lang in einem Banksafe, um 1975 (ohne weitere Anpassungen an die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte zu erleben) veröffentlicht zu werden.

Auf den ersten Blick hat die Geschichte alles, was einen guten Agatha-Christie-Roman ausmacht. Die Handlung ist unterhaltsam und spannend, die Autorin beweist wieder ein Händchen für stimmige Figuren (auch wenn man bestimmte Typen sehr häufig in ihren Bücher vorfindet) und die Grundidee ist – ebenso wie die Auflösung – einfach genial. Erzählt wird die Geschichte wieder aus der Sicht von Arthur Hastings, der sich dumm genug anstellt, dass sich der Leser überlegen fühlt, und dann wieder so mit sich beschäftigt ist, dass es mehr als verständlich ist, dass er bestimmten Aspekten keine Beachtung schenkt. Reizvoll finde ich eigentlich auch die Tatsache, dass der Roman wieder in dem Herrenhaus Styles spielt und so einen Bogen schlägt zur ersten Poirot-Geschichte. Denn in Styles haben Hastings und der kleine Belgier sich nach dem Ersten Weltkrieg kennengelernt, während der eine aufgrund einer Verwundung seinen Dienst als Soldat quittieren musste und der andere durch den Krieg gezwungen wurde, sein Heimatland zu verlassen.

Wie so oft konzentriert sich das Geschehen auf einen kleinen Kreis von Personen und alle relevanten Szenen spielen in einem – von der Außenwelt regelrecht abgeschlossen wirkenden – Haus. Dabei wirkt das Ganze wie aus der Zeit gefallen, was nicht nur daran liegt, dass Agatha Christie dieses Mal relativ wenige Verweise auf politische und gesellschaftliche Ereignisse eingebaut hat. In Styles haben sich lauter Menschen versammelt, die – wie es eine der Personen ausdrückt – „versehrt“ sind. Dabei leiden eigentlich nur Hercule Poirot (durch sein Alter) und Mrs. Franklin an körperlichen Einschränkungen, alle anderen Beteiligten sind – auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich ist – „nur“ durch ihr Leben gezeichnet.

Das führt zu dem Punkt, mit dem ich so große Probleme beim Lesen habe: Agatha Christie hat es geschafft, bei dieser Geschichte eine für mich ganz fürchterliche Atmosphäre zu schaffen. Auch wenn auf den ersten Blick alles normal und heiter wirkt (was es selten tut), so ist der Roman durchdrungen von Hilflosigkeit, Trauer, Reue, Desillusionierung und vielen anderen lähmenden oder frustrierenden Emotionen. Etwas Ähnliches hat Agatha Christie schon in anderen Romanen geschaffen, wie zum Beispiel bei „Tod auf dem Nil“ oder „Die Schattenhand“, Doch bei den anderen Büchern wurde die unangenehme Atmosphäre dadurch aufgebrochen, dass der Erzähler ein Außenstehender ist und durch die Ereignisse in der Geschichte wieder an Lebensmut gewinnt oder dass es Nebenfiguren gibt, bei denen man schon während der Handlung erahnen kann, dass es am Ende zumindest für sie zu einem glücklichen Ausgang führen wird. Hier hingegen ist der Erzähler Hastings genauso deprimiert wie all die anderen Beteiligten und dazu kommt, dass er eigentlich jedem Menschen vertrauen will – und sich doch aufgrund der Umstände, gezwungen sieht, jeden Einzelnen zu hinterfragen. (Was ihm, wie ich zugeben muss, nicht liegt und deshalb auch nicht besonders gut gelingt.) Einzig Poirot scheint ungebrochen zu sein – doch bei ihm zeigt es sich dafür, dass selbst der brillanteste Verstand manchmal nicht ausreicht, um einen Verbrecher aufzuhalten.

So finde ich – trotz all der ungewöhnlichen und tollen Ideen, die Agatha Christie in diesem Roman verwendet hat – „Curtain“ nicht wirklich schön zu lesen. Ich kann das Handwerk anerkennen, ich finde auch, dass der Roman nun mal dazu gehört, wenn man Poirots Fälle (oder Agatha Christies Werk) kennenlernen möchte, aber ich kann diese Geschichte nicht so sehr genießen wie all die anderen Romane der Autorin. Es fehlt bei „Curtain“ das ausgleichende Element, es fehlt die vertraute Leichtigkeit, die sonst oft bei Dialogen von Agatha Christie zum Tragen kommt. Ich gebe zu, dass zumindest Letzteres hier angesichts des Endes nicht passend wäre, aber das hindert mich nicht daran, diese helleren oder gar amüsanteren Seiten eines Agatha-Christie-Romans bei diesem Titel zu vermissen.

Dies und Das (1): Handwerker

In den letzten Wochen hatten wir so einige Erlebnisse mit Handwerkern. So haben die neuen Eigentümer unserer alten Wohnung regelmäßig Handwerker durch unsere Räume geführt, um die kommenden Renovierungen zu besprechen. Spannend fand ich dabei, dass wirklich jeder Handwerker andere Prioritäten bei diesen Vorgesprächen gesetzt hat. Dem einen war es wichtig, dass der Bodenbelag nicht schwimmend verlegt wird, der andere wollte unbedingt, dass beim Streichen eine Spezialfarbe verwendet wird, und wieder einer meinte, dass man vor dem Einzug unbedingt die gesamte Elektrik neu machen sollte. Letzterem würde ich nach unseren Erfahrungen in dieser Wohnung (inklusive der diversen Kabelfunde in den Wänden) zustimmen, aber das ist ja nun nicht mehr meine Angelegenheit.

Dann hatten wir zwei kleinere Aufträge für die neue Wohnung zu vergeben und deshalb zwei Ausschreibungen bei einer Onlineplattform gemacht, die Aufträge an Handwerker vermittelt. Interessant fand ich dabei, dass für das Verputzen eines ca. 35 cm großen Lochs in der Decke der neuen Wohnung, wo anscheinend mal eine befestigte Lampe runtergekracht war (und zu dem der Vermieter nur meinte, dass wir halt eine größere Lampe aufhängen sollten, um das Loch zu verdecken,) Angebote kamen, die zwischen 35 und 285 Euro lagen. Ein einziger Handwerker meinte, er müsste sich das vor Ort anschauen, weil er das anhand der Fotos nicht beurteilen könnte. Unser zweiter Job war die Doppelung einer vorhandenen Steckdose in der Küche, wo es bei den Angeboten auch sehr große Spannen gab. Dass die Unterschiede so extrem sein würden, hätte ich vorher nicht gedacht – vor allem, da alle Anbieter einen sehr ähnlichen Stundenlohn für die Tätigkeit veranschlagt hatten, aber eben den Aufwand an Zeit und Materialien sehr unterschiedlich berechneten.

Interessant war auch die Terminabsprache. Normalerweise ist das kein so großes Problem, weil ich ja zuhause arbeite und den ganzen Tag erreichbar bin. Aber da wir in der neuen Wohnung noch nicht wohnten und ich 1,5 Stunden Fahrt quer durch die Stadt einrechnen musste, brauchte ich schon eine relativ konkrete Uhrzeit und konnte mit einer größeren Zeitspanne als Terminangabe nichts anfangen. Da unsere Aufträge so klein waren, dass die beiden engagierten Handwerker die Besuche nach ihren aktuellen größeren Baustellen eingeschoben haben, konnten wir es dann zum Glück so regeln, dass mein Mann nach der Arbeit zur Wohnung gehen und die Termine wahrnehmen konnte. Auch wenn die verabredeten Termine dann doch wegen „familiärer Notfälle“ prompt jedes Mal noch verschoben wurden, klappte das einigermaßen.

Lustig war auch der Handwerker, der im Auftrag unseres neuen Vermieters die Fensterrahmen streichen sollte. So froh ich bin, dass das noch vor unserem Einzug gemacht wurde (und wir so nicht mit Christie und über längere Zeit offenen Fenstern in der Wohnung jonglieren müssen), so irritiert war ich auch, als der Typ eines Tages anrief und meinte, er sei jetzt im Haus, ob wir ihm eben den Schlüssel geben könnten. Mein Mann arbeitet zwar in relativer Nähe zur neuen Wohnung, kann aber nicht mal eben spontan seinen Arbeitsplatz verlassen, ohne dass es dabei Probleme gibt, die gleich mehrere Kollegen betreffen. Ich frage mich wirklich, wie oft dieser Handwerker mit solch einer „Terminabsprache“ Erfolg hat … Unschön war auch, dass dieser Handwerker nach erfolgter Schlüsselübergabe anscheinend die ganze Wochen, die er im Keller des Hauses zu tun hatte, ungefragt unsere Toilette genutzt hat – und dabei einiges an Dreck in die Wohnung geschleppt hat. Natürlich müssen er und seine Kollegen mal aufs Klo, aber sie hätten fragen können, und vor allem wäre es schön gewesen, wenn die frisch gestrichene und gereinigte Wohnung nicht dabei so von ihnen eingesaut worden wäre. Auch beim Streichen hat der Handwerker dunkelbraune Holzfarbe an den frisch gestrichenen weißen Fensterlaibungen innen und den weißen Holzumrandungen außen hinterlassen, so dass wir deshalb erst einmal unseren Vermieter zur Beauftragung von Nacharbeiten anhalten mussten.

Unsere beiden engagierten Handwerker waren immerhin nett, pünktlich (also, beim jeweils zweiten ausgemachten Termin) und haben gut und zügig gearbeitet. Die Wohnung ist frisch gestrichen – wobei mir für die eine Wand im Wohnzimmer, noch Farbe fehlte, weshalb ich da in den kommenden Wochen noch einmal mit Pinsel und Rolle aktiv werden muss. Auch unsere Küche steht jetzt – trotz aller böse Überraschungen und der deshalb erforderlichen Improvisationen – endlich in der neuen Wohnung. Dass ich am Tag nach dem Aufbau erst einmal den Raum trockenlegen durfte, nachdem Spüle und Waschmaschinenabfluss ausliefen, vergessen wir jetzt einfach mal, dass wir dem Ganzen nach dem vierten Handwerkertermin immer noch nicht richtig trauen und nach jedem Abwasch und jeder Wäscheladung den Fußboden bis in den hintersten Winkel abtasten, ebenso …

Wenn das endlich geklärt ist, müssen wir uns hoffentlich so schnell erst einmal nicht wieder mit Handwerkern auseinandersetzen. Ich wäre froh, wenn endlich diese ganze Termin- und Arbeitsabsprachen vorbei wären, und in Zukunft so schnell kein fremder Mensch mehr durch die Wohnung stapft oder gar den Deckel meiner Toilette oben lässt, wenn er das Bad benutzt hat. 😉

Auszeit am Samstag

Nach ein paar wirklich anstrengenden Wochen und all dem Ärger in den letzten Tagen wird es Zeit, sich auf schöne Dinge zu konzentrieren (und zu verdrängen, dass das Thema „Küche“ nach diversen kleineren Überschwemmungen immer noch kein Ende gefunden hat und wir uns heute Mittag wieder mit dem Monteur rumschlagen dürfen).

Am Mittwoch habe ich mich selbst überrascht, als eine eCard bei mir ankam, die ich mir anscheinend vor einiger Zeit geschrieben hatte. Auch wenn ich darin stellenweise wie meine Mutter klinge, habe ich mir wirklich nette Sachen mitgeteilt. Eine schöne Karte hatte ich auch ausgesucht, das Bild zeigt einen wunderschönen Blick auf eine Lichtung in einem Wald. Ich finde es lustig, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann, dass ich mir dieser Karte geschickt hatte, aber es ist auch sehr schön, dass ich mich selbst so nett überraschen kann. 😉

Außerdem werden wir morgen im Durchgangszimmer endlich die beiden (im Dezember gekauften) großen Regale aufbauen und hinstellen können. Den Aufbau der Regale machen wir gemeinsam – einräumen darf mein Mann sie dann erst einmal ganz allein, da dort vor allem sein Kram landen wird. Wenn ich Glück habe, dann bleibt in den Regalen ein bisschen Platz für meine Sachen übrig und ich kann morgen auch noch ein paar Kartons auspacken. Wenn ich kein Glück habe, muss ich warten, bis am Ende der kommenden Woche mein neues Regal eintrifft, um ein paar Bücher auspacken zu können.

Eigentlich hatten wir uns die Regale für heute vorgenommen, aber da wieder ein Handwerkertermin ansteht, haben wir das Ganze um einen Tag geschoben. Während sich mein Mann mit dem Monteur rumschlagen darf, werde ich die Füße hochlegen, eine Tasse Tee genießen und endlich mal wieder zu einem Buch greifen. Ich habe das Bedürfnis nach einer Auszeit und will endlich mal wieder ein paar Seiten lesen.

Charlie N. Holmberg: Magic Bitter, Magic Sweet

Über „Magic Bitter, Magic Sweet“ von Charlie N. Holmberg bin ich vor kurzem HIER gestolpert und weil ich gerade so ein Bedürfnis nach märchenhaften Geschichten hatte, habe ich mir den Roman auch schnell zugelegt und gelesen. Leider war ich nicht ganz so begeistert von der Geschichte, weil sie für mich – trotz gerade mal 306 Seiten – erstaunlich viele Längen hatte. Ich muss aber auch zugeben, dass ich immer nur ein paar Seiten oder ein Kapitel am Stück gelesen habe und dann aus zeitlichen Gründen wieder eine Pause einlegen musste. Wobei mir das Pausieren bei diesem Buch aber auch nicht schwergefallen ist und das zeigt schon, dass mich die Handlung nicht so besonders mitgerissen hat.

Protagonistin der Geschichte ist Maire, die seit ein paar Jahren in Carmine. lebt, wo sie von dem älteren Ehepaar Arrice und Franc aufgenommen wurde. Maire ist eindeutig nicht aus der näheren Region, wie man an ihrem Aussehen erkennen kann, und Maire erinnert sich an nichts aus ihrer Vergangenheit. Zum Glück hat sie aber entdeckt, dass sie eine Begabung dafür hat, Kuchen zu backen – genauer gesagt magische Kuchen, die den Menschen, die sie essen, Gefühle vermitteln können, die von Maire in den Teig miteingebacken wurden. So eröffnet sie mit der Hilfe von Arrice und Franc eine Bäckerei und lebt (abgesehen von dem Verlust ihrer Erinnerung) ganz zufrieden vor sich hin.

Doch dann wird der kleine Ort überfallen und diejenigen Bewohner, die gesund genug dafür sind, werden mitgenommen, um als Sklaven verkauft zu werden. So auch Maire, die bei Allemas landet, der von ihrer Magie weiß und sie zwingt Kuchen für seine Auftraggeber zu bauen. Obwohl die Maire alles versucht, um zu fliehen und dabei immer weiter verletzt wird, muss sie im Laufe des Buches Kuchen backen, die nicht dafür gedacht sind, die Menschen zu erfreuen oder zu unterstützen. Einziger Lichtblick in all dem Leid sind die Besuche eines geheimnisvollen Mannes, der immer wieder vor Maire erscheint und der sie früher gekannt zu haben scheint. Jeder dieser Besuche bringt Maire ein kleines Stück Erinnerung, ebenso wie der eine oder andere Moment mit ihrem „Besitzer“ Allemas, doch je mehr Maire über sich erfährt, desto mehr Fragen hat sie auch.

Das alles klingt eigentlich sehr nett und die ersten Szenen in dem Roman mochte ich auch, aber dann wurde ich immer ungeduldiger mit der Geschichte. Nicht, weil so wenig passierte, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass die Autorin mich künstlich hinhalten würde. Ich fand die meisten „überraschenden“ Wendungen erstaunlich vorhersehbar, außerdem wurde ich mit dem Großteil der Figuren nicht richtig warm. Dabei muss ich zugeben, dass die Grundidee hinter dieser Geschichte wirklich toll ist, aber ich hätte die Idee gern anders umgesetzt gesehen. So war ich beim Lesen vor allem ungeduldig oder genervt, weil ich darauf wartete, dass meine Überlegungen bezüglich der Hintergründe endlich bestätigt oder wiederlegt würden. Als dann auch noch eine weitere Figur (zum Glück nur kurzzeitig) unter Gedächtnisverlust litt, hätte ich den Roman beinah abgebrochen, weil das einfach eine Wendung zu viel für mich war, die sich nach einem „ich muss noch ein paar Kapitel schinden“ von Seiten der Autorin anfühlte.

Das Spannenste an der Geschichte ist für mich, wenn ich ehrlich bin, wie unterschiedlich man die Erzählweise der Autorin, die Figuren und die Handlungsentwicklung wahrnehmen kann, wenn man die oben verlinkte Rezension und meine Meinung miteinander vergleicht. 😉

März-SuB 2017

Der Februar wurde vollkommen von unserem Umzug beherrscht, aber natürlich musste ich während des großen Packens zwischendurch immer wieder eine Arbeitspause einlegen und ein paar Kapitel oder eine Kurzgeschichte lesen. In der vergangenen Woche hatte ich zwar immer noch viel zu tun, aber durch den verschobenen Küchenaufbau konnte ich mir am Montag einige Lesestunden gönnen. Das Ganze hat dazu geführt, dass ich im vergangenen Monat insgesamt 7 Bücher und 9 Kurzgeschichten verschlungen habe. Eigentlich sogar 24 Kurzgeschichten, da eines meiner angefangenen Bücher eine Anthologie war. *g*

Der März wird definitiv mit einem leichten SuB-Zuwachs beginnen. Da ich mir jetzt keine Gedanken mehr um Lieferzeiten und Adresswechsel machen muss, habe ich zwei Romane bestellt, die hoffentlich bald bei mir ankommen. Zum Glück ist es dem Fahrradkurier meines Buchhändlers egal, in welchem Teil der Stadt ich wohne. Er liefert immer bis zur Wohnungstür. 😉 Ansonsten will ich mal schauen, ob ich in den nächsten Wochen nicht nur den SuB ausgepackt, sondern auch ein paar Reihenbände wieder vereint bekomme, damit ich mich dann auf die lang aufgeschobenen Serien in meinem Bestand stürzen kann. Mit ein paar alten Schätzchen konnte ich schon ein Wiedersehen feiern – jetzt brauche ich nur noch etwas ungestörte Lesezeit, um mal wieder ein paar Stunden mit ihnen zu verbringen.

  1. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  3. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  4. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  6. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  7. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  8. Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
  9. Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
  10. Gail Carriger: Curtsies and Conspiracies (Finishing School 2)
  11. Jennifer Estep: Dark Heart of Magic (Black Blade 2)
  12. Jennifer Estep: Bright Blaze of Magic (Black Blade 3)
  13. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  14. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  15. Alex Grecian: The Yard
  16. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  17. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  18. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  19. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  20. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  21. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  22. Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
  23. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  24. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  25. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  26. Diana Wynne Jones: The Islands of Chaldea
  27. Diana Wynne Jones: A Tale of Time City
  28. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  29. Lynn Kurland: Star of the Morning
  30. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  31. Seanan McGuire: Magic for Nothing (InCryptid 6)
  32. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  33. Bishop O’Connell: The Stolen
  34. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  35. Cindy Pon: Serpentine
  36. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  37. Philip Reeve: Larklight
  38. John Scalzi: Fuzzy Nation
  39. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  40. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  41. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  42. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  43. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  44. Charles den Tex: Die Zelle
  45. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  46. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  47. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  48. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child (Frontier Magic 1)
  49. Patricia C. Wrede: Across the Great Barrier (Frontier Magic 2)
  50. Patricia C. Wrede: The Far West (Frontier Magic 3)
  51. Xinran: Gerettete Wort
  52. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

47 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Lebenszeichen aus dem Chaos

Uff … Die vergangenen Wochen waren wirklich anstrengend. Wobei der Umzug am Dienstag eigentlich sehr gut lief, da die engagierten Umzugsleute einfach super waren. Doch trotz aller Bemühungen haben sie es noch nicht geschafft, unsere Küche in der neue Wohnung anzuschließen, so dass wir hier in jedem Raum noch Unter- und Oberschränke stehen haben und kein Zimmer einigermaßen einrichten konnten. Am Montag kommen sie noch einmal wieder und dann klappt es hoffentlich mit meiner Küche und dem Anschluss von Waschmaschine und Trockner, die auch beide dort stehen müssen. So wie die Wohnung geschnitten ist, kommt es uns vor, als ob wir täglich ein lebensgroßes Schiebepuzzle lösen müssten, wenn wir an etwas herankommen wollen, solange die Regale nicht aufgebaut sind.

Die wiederum sind nicht aufgebaut, weil ich die ganze Woche noch in der alten Wohnung beschäftigt war, bis wir gestern Abend dann endlich die Übergabe der Schlüssel hinter uns bringen konnten. Am lästigsten war dabei die ganze Woche über die Fahrerei mit den Öffentlichen, denn eine Strecke kostet 1 1/2 Stunden Zeit, so dass dafür sehr viel Arbeitszeit draufging. Und da es in der Nähe der neuen Wohnung kein so großes Carsharing-Angebot gibt wie bei der alten Wohnung, kam es dann dazu, dass wir z. B. diese Woche mit Bus und Bahn zur alten Wohnung gefahren sind, dort einen Kombi gemietet haben, um diesen mit Kartons und Altpapier vollzupacken, zum Recyclinghof zu fahren, den Wagen wieder abzugeben und – nach etwas Rumrödeln in der alten Wohnung – wieder mit Bus und Bahn den Heimweg anzutreten. In diesen Tagen wäre ein eigenes Auto doch wirklich wieder sehr praktisch gewesen … 😉

Da wir wirklich müde und kaputt sind, werden wir es in den nächsten Tagen etwas langsamer angehen lassen. Schöner wäre es zwar, wenn wir die Kartons jetzt zügig auspacken könnten, aber ohne die Regale, die noch geliefert werden, und ohne montierte Küchenschränke können wir gerade eh nicht so viel tun. Also bleibt es hier noch eine Weile beim Chaos (und der Vorfreude auf das neue Sofa, während wir unsere „Erholungszeit“ auf Küchenstühlen verbringen). Für Christie wird es vermutlich auch besser sein, wenn wir es jetzt etwas langsamer angehen lassen. Die hat nicht nur über ein halbes Kilo in den letzten Wochen abgenommen (was bei gerade mal 3,5 Kilo wirklich viel ist), sondern ist auch noch total unsicher und gerät bei jedem unvertrautem Geräusch in Panik. Sie sucht spürbar Nähe und Sicherheit bei uns und da ist es gut, dass ich nichts mehr in der alten Wohnung zu tun habe, während mein Mann ab morgen wieder arbeiten muss.

Wie immer sind wir wild entschlossen, nicht so schnell wieder umzuziehen – drückt uns die Daumen, dass wir lange in der neuen Wohnung bleiben können! 😉

Luzia Pfyl: Frost & Payne 1 – Die Schlüsselmacherin

„Die Schlüsselmacherin“ ist der erste Teil der „Frost & Payne“-Reihe von Luzia Pfyl und ich habe keine Ahnung mehr, wie der Titel auf meinem eReader gelandet ist. Als erstes muss ich gestehen, dass es mir immer schwer fällt eine Geschichte, die gerade mal 124 Seiten lang ist und nicht für Kinder geschrieben wurde als Roman zu bezeichnen. Wobei dieses Gefühl hier dadurch gefördert wird, dass die Handlung auf mich auch gerade mal wie ein langer Prolog wirkt und bevor es wirklich losgeht, ist das Ganze auch schon zu Ende. Sogar noch schneller zu Ende als nach den Prozentzahlen beim Lesen erwartet, denn auf den letzten Seiten kommt noch eine Menge „das gab es in diesem Roman“, „das erwartet euch im kommenden Roman“, „den zweiten Teil kannst du vorbestellen“ und „es geht darin übrigens um dieses und jenes“ – ohne dass das irgendeinen Mehrwert für den Leser hätte oder mich in irgendeiner Form neugierig auf die Fortsetzung gemacht hätte.

Dabei hat mir die Grundidee von „Die Schlüsselmacherin“ gut gefallen. Die Protagonistin Lydia Frost hat sich gerade als Detektivin selbstständig gemacht, nachdem sie seit ihrer Kindheit von einer – in London sitzenden – Variante der Triaden als Diebin missbraucht wurde. Auch wenn sie Madame Yueh dankbar ist, dass diese sie als kleines Findelkind aufgenommen hat (nachdem die Chinesin sah, wie Lydia ein Schloss knackte), so möchte Lydia doch auf eigenen Füßen stehen und nicht Teil der „Dragons“ sein. Doch die Triaden sind in dieser Steampunk-Welt eine nicht zu unterschätzende Macht und natürlich ist Madame Yueh nicht bereit Lydia einfach so gehen zu lassen. Parallel zu ihrem Ärger mit den „Dragons“ muss Lydia den verschwundenen Ehemann ihrer Klientin Cecilia Payne suchen. Jackson Payne ist ein ehemaliger Pinkerton-Mann, der vor einiger Zeit nach England ausgewandert ist, um bei seiner Frau zu sein, die in London als Wissenschaftlerin tätig ist. Doch dann verschwand die Tochter des Ehepaars und ohne seine Frau darüber zu informieren, machte sich Payne selber auf die Suche nach dem Mädchen.

Soweit ist das alles ganz nett und ich kann auch gut damit leben, dass in dieser Geschichte die Welt nicht besonders gut erklärt wird und sich viele Sachen bezüglich der Steampunk-Aspekte etwas willkürlich anfühlen. Dazu kommt, dass Luzia Pfyls Schreibweise sich zügig lesen lässt und ich zumindest die beiden Protagonisten recht sympathisch fand. Sie haben zwar nicht immer besonders klug gehandelt, aber sie waren nett und interessant genug, dass ich gern mehr über sie erfahren würde. Was mich allerdings davon abhält, sind zwei Punkte. Erst einmal habe ich jedes Mal, wenn ich das eBook wieder zur Hand nahm, einen „ach ja, DAS Buch lese ich gerade“-Moment gehabt, während ich zwischendurch nicht einmal an die Geschichte und die Figuren gedacht habe und mich statt dessen eher noch einmal an das davor gelesene eBook erinnerte. Und dann habe ich zweitens das Gefühl, dass ich keine richtige Geschichte gelesen habe. An dem Punkt, an dem ich langsam neugieriger auf weitere Ereignisse wurde, an dem ich das Gefühl hatte, dass jetzt mal endlich etwas Substanz kommen müsste oder die Handlung vielleicht mal anzieht und mir eine wirkliche Konfrontation (und nein, die Szenen im Park und in der U-Bahn zählen da für mich nicht) bieten müsste, war das Ganze vorbei. Wenn mir bei der letzten Seite die Frage „Das war es?“ in den Sinn kommt statt „Wie geht es wohl weiter?“, dann finde ich das Lesen eines Buches mehr frustrierend als unterhaltsam. Unter solchen Umständen ist es egal wie nett Grundidee und Protagonisten sein mögen, ich lese definitiv nicht weiter …