Alle Artikel von Konstanze

Marina Heib: Puppenspiele

Beim Inhalt begnüge ich  mich ausnahmsweise mal wieder mit dem Klappentext des Romans:

Eine rote Narbe über dem Herzen und ein Spiegel in der Hand. Ein Serienkiller veranstaltet eine besonders grausame Inszenierung mit seinen jungen Opfern. Welche Botschaft steckt dahinter? Christian Beyer und sein Team decken ein skrupelloses Spiel um Geld und wissenschaftlichen Fortschritt auf, das seinen tödlichen Tribut fordert.

Ich habe mir den Krimi „Puppenspiele“ in der Bibliothek  mitgenommen, weil ich auf mehreren Seiten recht lobende Worte zu dem Titel gelesen hatte und neugierig war. Im Moment habe ich große Lust auf Kriminalromane und ebenso große Lust, mal wieder einen deutschen Autor für mich neu zu entdecken. Obwohl „Puppenspiele“ schon der vierte Band um Hauptkommissar Christian Beyer ist, hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Handlung und kam gut mit dem eingespielten Team der „Soko Bund“ zurecht. Außerdem hat mir die klare und zum Teil schon fast zu direkte Sprache der Autorin gefallen.

Auch fand ich die kleinen Momente, in denen deutsche Städte beschreiben wurden, angenehm atmosphärisch und stimmig. Die vielen Perspektivwechsel fielen für mich unter „gewohntes Stilmittel“ und gaben nicht nur Einblick in die Arbeit der Ermittler, sondern auch in die Ansichten und Gedanken anderer Personen, die (mal mehr, mal weniger) in den Fall verwickelt waren, so dass sich die Geschichte aus vielen kleinen Puzzlestückchen zusammensetzte. Soweit alles schön und gut, aber trotz der positiven Punkte an diesem Krimi habe ich mich regelrecht durch diesen Roman gequält und mich dabei ertappt, dass ich lieber eine zufällig laufende Kirchendoku (normalerweise gar nicht mein Thema) im Fernsehen verfolgt habe als weiter zu lesen.

Das lag nicht nur daran, dass die Handlung für mich viel zu schnell schrecklich vorhersehbar war, sondern auch, dass ich mit dem Thema und seiner Umsetzung durch die Autorin inzwischen nichts mehr anfangen kann. Vermutlich liegt es wirklich an mir und ich habe einfach schon zu viele Kriminalromane gelesen, die sich um hochintelligente Serienmörder, skrupellose Geschäftsmenschen, Familiengeheimnisse aus der Vergangenheit und ähnliche Elemente drehen. Aber ich habe so die Nase voll von diesem – auch hier nicht konsequent durchgezogenen – Tätertypus, diesen konstruierten Geschichten und diesen an den Haaren herbeigezogenen Motiven, dass bei mir einfach keine Spannung aufkam.

Die diversen kleinen Hinweise waren für mich einfach viel zu offensichtlich gestreut, und so lag die Lösung auf der Hand, lange bevor einem die verschiedenen Nebenstränge offiziell die Antwort auf die ganzen Fragen gegeben haben. Und während ich über solche durchschaubaren Plots normalerweise hinwegsehen kann, wenn mir ein Autor zumindest die Charaktere nahebringen kann, so fehlte mir in „Puppenspiele“ genau das. Die verschiedenen Figuren waren mir nicht unsympathisch, stellenweise waren sie sogar interessant konzipiert, aber sie haben mich nicht berührt. Es war mir vollkommen egal, was aus ihnen wurde – sogar als es um das Schicksal eines zehnjährigen Mädchens ging …

Ich glaube, „Puppenspiele“ gehört zu den Kriminalromanen, die einen als erfahrener und kritischer Krimileser einfach nicht überzeugen können. Marina Heib schreibt wirklich nicht schlecht, aber der von ihr genutzte Handlungsaufbau und die verwendeten Stilmittel sind (für mich) inzwischen so ausgelutscht, dass einfach keine Spannung aufkommen wollte. Und wenn die Handlung einen schon nicht mitreißen kann, dann ist es umso bedauerlicher, dass einem die verschiedenen Charaktere nicht nahegebracht werden. Das Lesen dieses Romans war für mich wie das Angucken einer beliebigen amerikanischen Krimiserie – da braucht es auch nur einen bestimmten Kamerazoom, und schon kann ich meinen Mann erzählen, wer der Täter war und welche zwei möglichen Motive in Frage kommen … 😉

SuB-Zuwachs im September

Auch in diesem Monat gibt es wieder etwas Zuwachs für meinen SuB. Gestern klingelte der Paketbote und brachte mir folgenden Lesestoff für die kommenden Wochen.

1. Michelle Harrison: Elfenseele – Jenseits der Ferne
(Der dritte Teil der „Elfenseelen“-Reihe – und ich muss mich arg zurückhalten, um nicht alles stehen und liegen zu lassen und diesen Band zu verschlingen.)

2. Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund
(Auch hier der dritte – und abschließende – Teil einer Reihe, auf den ich mich schon sehr gefreut habe. Allerdings fürchte ich, dass ich vor dem Lesen meine Erinnerungen an die Geschehnisse aus „Gegen die Zeit“ wieder auffrischen muss.)

3. Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod
(Ein holländischer Krimi für meine aktuelle Krimi-Leselust.)

4. Sharon Ashwood: Höllenherz
(Schon der vierte Teil der Reihe – irgendwie habe ich das Gefühl, dass die in einem erstaunlich schnellen Rhythmus rausgebracht werden. Aber vermutlich liegt das an meinem etwas gestörtem Zeitempfinden. 😉 )

5. Julia Quinn: Das geheime Tagebuch der Miss Miranda
(Da ich ja die Bridgerton-Romane von der Autorin so liebe und auch von „Just Like Heaven“ nicht enttäuscht war, freu ich mich schon sehr auf dieses Buch. Bestimmt ist es perfekt für den nächsten Nachmittag mit richtig herbstlichem Regenwetter, der unbedingt mit Tee und Katze auf dem Sofa verbracht werden muss.)

6. Kathryn Miller Haines: Ein Schlachtplan für Miss Winter
7. Kathryn Miller Haines: Miss Winter lässt nicht locker
(Die beiden Bücher habe ich schon vor einer Weile auf meine Wunschliste gesetzt und dann aus den Augen verloren, bis mich Natira mit einer unschuldigen Frage in einem Kommentar daran erinnerte. Zum Glück hat mir jemand die beiden Roman kurzfristig besorgen können – und so werde ich damit demnächst meine Krimilust mit diesen Geschichten aus der Zeit des zweiten Weltkriegs stillen.)

Kleine Freuden – Der Bibliotheksbesuch am Freitagvormittag

Ich habe am Freitag tolle Beute aus der Bibliothek mitgebracht:

Vor allem freue ich mich auf „Blutstein“, da ich gerade anscheinend eine Theorin-Phase habe.

Dann bin ich mit einer anderen Bibliotheksnutzerin ins Gespräch bekommen und habe ihr drei meiner „bewährten“ Krimiautorinnen empfohlen (unter anderem Deborah Crombie), weil sie etwas suchte, das nicht zu blutig, nicht zu vorhersehbar und nicht aus der Region ist. Ein bisschen sentimental bin ich da schon geworden, weil es sich anfühlte wie die Kundengespräche früher im Buchhandel … Im Gegenzug habe ich von ihr Petros Markaris in die Hand gedrückt bekommen – ich bin jetzt schon gespannt auf den Autor.

Für den Nachmittag habe ich mir dann noch vom Bäcker neben der Bibliothek etwas mitgebracht und den Arbeitstag dann mit Tee, Blaubeermuffin und „Blutstein“ ausklingen lassen. 🙂

Johan Theorin: Nebelsturm

Gerade weil ich „Nebelsturm“ vor „Öland“ gelesen habe, kann ich sagen, dass man diese Roman wirklich unabhängig voneinander lesen kann. Aber da ich schon wusste, welche Figuren in „Nebelsturm“ vorkommen, wurde mir am Ende von „Öland“ auch ein wenig die Spannung genommen. Wer also einen Blick in diese Krimis werfen will, dem empfehle ich die richtige Reihenfolge. Außerdem hatte ich bei „Nebelsturm“ das Gefühl, dass man sich noch stärker auf die gemächliche Erzählweise des Autors einlassen muss. Die zählt in meinen Augen übrigens zu den großen Stärken von Johan Theorin, aber ungeduldigeren Lesern ist das Erzähltempo vermutlich zu langsam.

Wie in „Öland“ wird auch die Handlung in „Nebelsturm“ aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei die – gerade erst auf den Åludden-Hof auf Öland gezogene – Familie von Joakim und Katrine Westin im Mittelpunkt steht. Das Ehepaar will die zum Hof gehörenden Häuser liebevoll renovieren, so wie sie es schon mit ihrem früheren Haus gemacht hat, und hofft, dass sie ihren beiden Kindern auf der Insel ein schöne Umgebung bieten könnten. Doch bevor sie noch richtig Fuß in ihrem neuen Heim fassen können, kommt es zu seltsamen Vorkommnissen und einem Todesfall.

Parallel zu ihrem Erzählstrang erfährt der Leser noch die tragische Geschichte des Hofes und der dazugehörigen beiden Leuchttürme. Diese Vergangenheit wirft schnell ihren Schatten auf das Leben der jungen Familie. Verschlimmert wird das Ganze auch noch dadurch, dass Katrines Mutter vor einigen Jahren dort gelebt hat und für ihre Tochter einige Schauergeschichten über den Hof aufgeschrieben hat. Zuletzt verfolgt man noch die Sicht von Tilda, einer jungen Polizistin, die gerade ihre neue Arbeit auf der Insel angetreten hat und deren verwandtschaftliche Beziehungen zu der Insel ihr einen ganz eigenen Einblick in die Geschehnisse geben.

Wie schon erwähnt, so ist das Erzähltempo von Johan Theorin in diesem Roman recht gemächlich. Die Spannung entsteht nicht aus nervenzerreißenden Geschehnissen, sondern aus dem Spiel zwischen atmosphärischen Beschreibungen der Insel, kleinen Schauerelementen und Geistergeschichten und den vielen kleinen Geheimnissen der verschiedenen Personen. Ich muss zugeben, dass ich beim Lesen ständig zwischen „das ist doch alles Einbildung“ und „also doch Geister auf dem Åludden-Hofes“ schwankte. Besonders hat es mir gefallen, dass jede Beschreibung von der Person gefärbt wurde, aus deren Sicht man die jeweilig Szene las – und so konnte man sich nie sicher sein, dass das Erzählte auch wirklich „wahr“ war.

Wer klassische Ermittlungen verfolgen will, sollte von Johan Theorins Bücher wohl lieber die Finger lassen. Aber wer sich auf eine atmosphärische Handlung mit leichten Anklängen einer Geistergeschichte, ungewöhnliche Hauptfiguren, eine eher unaufgeregte Erzählweise und eine klare und direkte Sprache einlassen kann, der bekommt mit „Nebelsturm“ einen Roman, der einen auch nach einigen Monaten noch nicht ganz losgelassen hat. Richtig perfekt ist „Nebelsturm“ übrigens an einem richtig kalten Wintertag, wenn draußen der Schnee stürmt – also eindeutig ein Fall für die Weihnachtswunschliste!

David Chandler: Die Metropole der Diebe (Ancient Blades 1)

Nach einem Prolog, in dem man den Zauberer Hazoth, den Kämpfer Bikker und einen geheimnisvollen dritten Mann kennenlernt und erfährt, dass diese drei eine vernichtenden Intrige gegen die Freie Stadt Ness planen, findet sich der Leser auf den Straßen von Ness wieder. Hier verdient sich der junge Malden seinen Lebensunterhalt als Dieb und Einbrecher. Dabei gerät er unwissentlich dem Meister der Diebe in die Quere, in dem er bei einem Kaufmann einbricht, der unter dem Schutz der Diebesgilde steht.

Nun wird Malden vom Meister der Diebe zwangsrekrutiert und nur wenn er eine riesige Geldsumme erlangen kann, kann er sich von dieser Verpflichtung freikaufen. Während der Dieb noch nach einer Lösung für seine missliche Situation sucht, bekommt er die Chance einen kostbaren Gegenstand aus dem Schloss des Burggrafen zu stehlen. Dabei lernt er nicht nur die Zauberin Cythera sondern auch den Ritter Sir Croy kennen, der gerade erst seiner Hinrichtung entkommen konnte. Bevor Malden noch weiß wie ihm geschieht, steckt er inmitten einer gefährlichen Geschichte rund um Liebe, Intrigen und den Kampf um Freiheit.

David Chandler hat mit „Die Metropole der Diebe“ einen klassische Fantasyroman geschaffen, der flüssig zu lesen und wirklich unterhaltsam ist. Dabei ist es für mich aber unübersehbar, dass dieses Buch das Debüt des Autors ist. Obwohl David Chandler einige wirklich reizvolle Ideen hat, gibt es sehr viele Logikprobleme bei seiner Beschreibung der Stadt und der Lebensweise der diversen Figuren. Abgesehen davon hat es mich wirklich gestört, dass Malden, der in einem Hurenhaus aufgewachsen ist, sich nicht nur das Diebeshandwerk selber beigebracht hat, sondern auch noch Lesen und Schreiben. Da frage ich mich wirklich, woher der Junge in einer solchen mittelalterlichen Welt überhaupt den Lesestoff (abgesehen von den nötigen Anleitungen) dafür in die Finger bekommen hat.

Außerdem gibt es nur sehr wenige Unterschiede in der Ausdrucksweise der verschiedenen Charaktere. Egal, ob es sich um den Dieb Malden, die gebildete Zauberin Cythera , den Meister der Diebe oder den Kämpfer Bikker handelt, alle Figuren drücken sich sehr ähnlich aus, was ich doch recht unglaubwürdig finde, vor allem angesichts der unterschiedlichen Hintergründe und „Bildungswege“. Die einzigen Unterschiede entstehen durch kleine Charaktermerkmale, wie zum Beispiel die sehr schwärmerische Liebe des etwas naiven Ritters Sir Croy, dessen Idealismus und weltfremde Sicht auf das Leben sich auch in seiner blumigen und übertriebenen Wortwahl zum Ausdruck kommt.

Aber ich will nicht nur meckern, denn von diesen Kritikpunkten abgesehen ist „Die Metropole der Diebe“ ein netter und unterhaltsamer Fantasyroman, der mit einigen sympathischen Figuren, ein paar gelungenen Actionszenen und amüsanten Momenten aufwarten kann. Insgesamt ist die Geschichte zwar nicht innovativ, aber das Buch hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich bestimmt einen Blick in den angekündigten zweiten Teil, „Das Grab der Elfen“, werfen werde, in der Hoffnung, dass David Chandler dann die „Kinderkrankheiten“ seines Debütromans hinter sich lassen wird.

Johan Theorin: Öland

Nachdem ich im Frühjahr „Nebelsturm“ von Johan Theorin gelesen hatte und begeistert war, habe ich mir vor einiger Zeit von Bibendum den Debütroman des Autors ausgeliehen. „Öland“ spielt auf der gleichnamigen Insel und gehört zu einem Quartett von Titeln, das der Autor rund um diesen Handlungsort geplant hat. Die Romane sind unabhängig voneinander lesbar, aber trotzdem würde ich empfehlen, die Reihenfolge einzuhalten, damit einem nicht die eine oder andere Wendung in der Handlung vorweggenommen wird.

Nach einem kurzem Prolog, in dem man verfolgen kann, wie ein kleiner Junge für einen verhängnisvollen Ausflug den großelterlichen Garten verlässt, wird die Handlung in „Öland“ aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt. Auf der einen Seite kann man miterleben, wie Julia Davidson nach über zwanzig Jahren immer noch nicht den Verlust ihres Sohnes Jens verkraftet hat. Nur unwillig reist sie von Götborg nach Öland, nachdem ihr Vater Gerlof behauptet, dass er neue Hinweise auf das Schicksal des Kindes bekommen hat. Doch erst einmal auf der Insel angekommen, muss sie sich dem stellen, was damals passiert ist – und so auch endlich versuchen, mit der Vergangenheit abzuschließen.

Gerlof hingegen quält nicht nur die Frage nach dem Verbleib seines Enkels, ihm geht es auch darum, zu erfahren, warum jemand nach all den Jahren auf ihn zugekommen ist, um ihm einen wichtigen Hinweis zu überreichen. Dem alten Mann geht es darum, die Wahrheit herauszufinden, Gerüchte und Vermutungen zu hinterfragen und endlich mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen. Obwohl ihm seine Tochter unterstellt, dass er sich mit seinen Ermittlungen in den Vordergrund spielen will, wird deutlich, dass ihm nun, da sein Körper aufgrund seiner Altersgebrechen nicht mehr recht funktionieren will, seine Gedanken keine Ruhe lassen. Während Julia anfangs schrecklich passiv ist, kommt mir Gerlof wie ein Terrier vor, der sich in etwas verbissen hat und einfach nicht mehr loslassen kann. Unterstützt wird er dabei von zwei alten Freunden, die ihm mit ihren Erinnerungen und ihrem Wissen um die einheimischen Bewohner der Insel zur Seite stehen.

Die dritte Perspektive führt den Leser hingegen in die Vergangenheit, wobei schon der Prolog deutlich macht, dass es eine enge Verbindung zwischen diesem Erzählstrang und dem Verschwinden des Kindes gibt. Im Jahr 1936 beginnt die Geschichte rund um Nils Kant, als sein kleiner Bruder beim Schwimmen ertrinkt, und in den folgenden Jahren kann der Leser ein gewalttätiges Ereignis nach dem anderen rund um den seltsamen jungen Mann verfolgen. Bei all den Vorfällen ist es kein Wunder, dass die Alteingesessenen auch Jahrzehnte danach noch Nils Kant als die Wurzel allen Übels ansehen und die Gerüchte um seine Taten nicht verstummen.

Johan Theorin nimmt sich viel Zeit, um diese Geschichte und eine besondere Öland-Atmosphäre aufzubauen. Ich habe beim Lesen regelrecht gespürt, dass diese Insel und die dort lebenden Menschen ihren ganz eigenen Rhythmus haben. Und dieser Rhythmus wird nicht nur beim Erzählen von Geistergeschichten und Sagen deutlich, sondern auch bei den „Ermittlungen“ von Julia und Gerlof. So entwickelt sich die Handlung sehr gemächlich, ohne dass ich mich dabei je gelangweilt hätte. Stattdessen habe ich mir meine eigenen Gedanken um die Geschehnisse gemacht, das Gefühl von herbstlicher Ruhe genossen, vor meinem inneren Auge gesehen, wie verlassen so ein Ort wirken kann, wenn er hauptsächlich aus Sommerhäusern besteht, und mir dabei eingebildet, den eisigen Wind zu spüren, der den nahenden Winter ankündigt.

Und da ich „Nebelsturm“ vor „Öland“ gelesen habe, konnte ich mir einen Vergleich zwischen den Büchern beim Lesen nicht ganz verkneifen. „Nebelsturm“ wirkt viel mehr wie eine Geistergeschichte und lässt den Leser in einem viel höheren Maße darüber im Unklaren, was wirklich ist und welche Eindrücke nur auf Einbildung oder Hörensagen basieren. Dafür ist die Handlung auch komplexer und – trotz der einen oder anderen Länge – spannender. Aber trotz dieses Vergleichs fand ich „Öland“ sehr unterhaltsam und spannend zu lesen.

Ich liebe Johan Theorins Fähigkeit, Atmosphäre zu erzeugen, bin hingerissen von der Insel (und einigen ihrer Bewohner) und bekomme beim Lesen Sehnsucht nach einer Auszeit in einer so ursprünglichen Umgebung (wobei ich natürlich die Sommerhäuser ignorieren müsste *g*). Obwohl ein spürbarer Qualitätssprung zwischen „Öland“ und „Nebelsturm“ vorhanden ist, habe ich den Debütroman des Autors wirklich gern gelesen. Und nun muss ich unbedingt die Augen nach „Blutstein“, dem dritten Öland-Roman, aufhalten.

[Kulinarisches] Zucchini-Rosmarin-Reis-Pfanne

Ein tiefer Teller mit Reis, Zucchini und Feta in Tomatensauce.

Nachdem die Abende in den letzten Tagen doch langsam kälter werden, ist es wieder Zeit für ein herzhaftes Essen, das irgendwie auch ein wenig an den vergangenen Sommer erinnert. Entstanden ist das Gericht vor einigen Jahren, als ich eine Alternative zu einer – von einer Freundin heißgeliebten – Fertigmischung suchte. Mir persönlich schmeckt meine Version deutlich besser, da sie mehr Tomatengeschmack hat als die Wasser-und-Fertigpulver-Variante.

Ein tiefer Teller mit Reis, Zucchini und Feta in Tomatensauce.

[Edit: Foto am 31.10.2015 ausgetauscht wegen neuer Kamera, besserem Licht in der Küche und neuem Geschirr. ;)]

Zutaten für zwei bis drei Personen:

ca. 300 g Zucchini (gewürfelt oder in Scheiben)
200 g Reis
2-3 TL Rosmarin
500 ml passierte Tomaten
ca. 250 ml Gemüsebrühe
2 EL Tomatenmark
Salz
Pfeffer
Zucker (eine Prise)
Öl zum Anbraten
100 g Feta (gewürfelt)

Die Zucchini leicht anbraten, dann den Reis in die Pfanne geben und mitbraten, bis dieser glasig geworden ist. Jetzt die Brühe, die passierten Tomaten, das Tomatenmark und den Rosmarin hinzugeben, alles gut vermischen und bei leichter Hitze köcheln lassen, bis der Reis gar ist. Dabei immer wieder umrühren, damit nichts ansetzt. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken – nicht zu viel Salz verwenden, weil der Feta ja ebenfalls salzig ist. Zuletzt den gewürfelten Feta dazugeben und leicht anschmelzen lassen. Je nach Vorliebe kann man den Feta dabei unterrühren oder über dem Essen schmelzen lassen, beides ist sehr lecker.

[Figurenkabinett] Gretchen Grau

Schon seit ein paar Monaten habe ich das Bedürfnis mal wieder meine Gretchen-Grau-Bücher zu lesen, aber natürlich ruhen die – ebenso wie meine anderen Schätze – immer noch in Kartons. Also habe ich mir gedacht, wenn ich schon nicht die Romane lesen kann, dann stelle ich euch eine meiner Lieblingshexen eben mal in einem Figurenkabinett vor. Dabei ist mir dann sogar aufgefallen, wie lange ich schon eine Schwäche für ungewöhnliche Fantasy-/Märchenfiguren habe, denn die Gretchen-Grau-Geschichten habe ich das erste Mal 1987 gelesen.

Gretchen Grau ist eine ganz gewöhnliche Haus- und Herdhexe, aber wenn man miterlebt, welche Probleme sie mit ihren magischen Fähigkeiten bewältigt, dann bekommt man das Gefühl, dass die „großen“ Hexen in solch schwierigen Situationen doch deutlich eingeschränkter in ihren Möglichkeiten wären. Gemeinsam mit ihrer eigenwilligen Großmutter Maudie kümmert sich die junge Hexe um das Gut von Wilhelm Sturmhaub, während Großmutters Kater Chingachgook auf alles ein aufmerksames Auge behält.

Bei meinem ersten Zusammentreffen mit Gretchen musste ich miterleben, wie Großmutter Maudie eine kleine Spottdrossel mit einem Besen jagte, während sie ihren Kater lauthals aufforderte endlich diesen lästigen Vogel zu fressen. Zum Glück für alle Beteiligten mischte sich Gretchen ein, fand heraus, dass sich hinter der Spottdrossel der Barde Colin Liedschmied verbarg und zwang ihre Großmutter den Sänger wieder zurückzuverwandeln. Auch wenn sie diese gute Tat fast bereut hätte, nachdem sie herausfand, dass dieser ein Lied über Gretchens geliebte Schwester gesungen hatte, welches die Tugend der – aus Sicht ihrer Familie glücklich verheirateten – jungen Frau in Verruf bringt. Und da Colin solche boshaften Gerüchte über Bernsteinwein verbreitet hat, wird er von Gretchen dazu verdonnert gemeinsam mit ihr herauszufinden, was in der Ehe ihrer Schwester los ist.

Ich mag Gretchen, weil sie nicht nur ihre – von anderen magisch Begabten gern als eingeschränkt angesehenen – Fähigkeiten mit viel Fantasie einsetzt, sondern auch weil sie vor keiner Herausforderung zurückschreckt. Irgendeine Lösung findet Gretchen für ein Problem immer, auch wenn ihr Umfeld der intelligenten und tatkräftigen jungen Frau oft nicht folgen kann. Passend zu ihren „häuslichen“ Fähigkeiten ist ihre praktische Art und sie würde einem vermutlich schon etwas auf die Nerven fallen, wenn sie nicht auch sehr loyal gegenüber ihrer Familie und ihren Freunden wäre und Sinn für Humor hätte.

Die Autorin Elizabeth Ann Scarborough lässt Gretchen und Colin allerlei Abenteuer erleben, bis die beiden herausfinden, was es mit Bernsteinweins seltsamer Flucht mit einem Zigeuner auf sich hatte und die Schwestern wieder vereint sind. Und dabei werden die Hexe und der Barde – trotz ihres sehr unterschiedlichen Wesens – gute Freunde. Doch bei einem Band hat es Elizabeth Ann Scarborough nicht belassen und so kann man in vier Teilen von Gretchen und ihrer Familie lesen, in ihre fantastische Welt abtauchen und dabei lauter skurrilen Figuren begegnen.

Lustigerweise fällt mir jetzt erst, da ich diesen Beitrag schreibe auf, dass Gretchen und