*seufz* Da sind wir also beim „Hazel“-Roman angekommen … Es ist lustig, dass ich die ganze Serie so gut in Erinnerung hatte und trotzdem jahrelang zwei Ausnahmen erwähnen musste, wenn ich über diese Kriminalromane sprach. Die eine Ausnahme haben wir mit „Von fremder Hand“ schon hinter uns gebracht, die andere ist „Nur wenn du mir vertraust“. Hazel ist eine der Figuren, die ich auf Anhieb mochte und die es in den vorhergehenden Romanen so stimmig gemacht hat, dass Gemma trotz der Tatsache, dass sie eine alleinerziehende Mutter mit einem zeitlich und psychisch sehr anspruchsvollen Job, alles so gut auf die Reihe bekam. Ich weiß nur noch wenige Details zur Handlung in diesem Roman, aber über die Entwicklung, die Hazel hier nimmt, bin ich bis heute verärgert (was natürlich auch damit zusammenhängt, dass die Figur weiterhin als Gemmas Freundin eine Rolle haben wird und mich so immer wieder daran erinnert, dass ich mich hier über sie geärgert habe). Ich bin gespannt, wie ich die Geschichte nach so vielen Jahren beim Lesen empfinde und ob ich vielleicht dieses Mal gnädiger mit Hazel umgehen werde. Wie immer gilt, dass dieser Beitrag voller Spoiler sein wird – wobei sich diese Warnung vermutlich nach acht gemeinsam gelesenen Bänden erübrigt. 😉
Update 12:00 Uhr

Diese Traumverbindung, die ganz am Anfang des Romans angedeutet wird, macht mich ja schon misstrauisch. Es ist lustig zu sehen, auf welche Elemente ich mit deutlicher Ablehnung reagiere – das sind Sachen, die mir sonst gar nicht so extrem auffallen, weil ich einfach drüberweglese statt darüber nachzudenken, dass ich es hier erwähnen könnte. Was Hazels Verhalten angeht, das dazu geführt hat, dass ich diesen Roman so viele Jahre lang nicht noch einmal gelesen habe (mein Buch sieht aus wie neu und lässt sich nicht entspannt aufblättern, weil die Bindung so selten beansprucht wurde *g*), so verzeihe ich ihr mehrere Sachen nicht. 1. gibt sie Gemma das Gefühl, dass sie sich um sie sorgt und deshalb diesen Kurzurlaub vorgeschlagen hat, während sie 2. Gemma eigentlich als Alibi verwendet, um sich mit einem Mann zu treffen, ohne dass ihr Ehemann Tim es erfährt, und 3. dass sie Tim, der bislang – also wenn man von seinem Verhalten in diesem Buch absieht – immer nur als liebenswerter, verständnisvoller und warmherziger Mann dargestellt wurde, so hintergeht. Ich kann verstehen, dass es da eine alte Liebesgeschichte gibt und dass die Versuchung groß ist, aber wenn Hazel schon diesen alten Gefühlen nachgibt, dann würde ich mir wünschen, dass sie mit offenen Karten spielt – statt Tim zu hintergehen und Gemma zu benutzen. Ich glaube, ich kann es Deborah Crombie einfach nicht verzeihen, dass sie mehrere Bücher lang Hazel (und Tim) aufgebaut hat, um das Bild, dass man sich von ihnen gemacht hat, in „Nur wenn du mir vertraust“ einzureißen – und dann in den kommenden Bänden daran zu arbeiten, dieses Bild wieder zu restaurieren, was aber natürlich nur dazu führt, dass es einem leichter fällt die Sprünge zu sehen als das ursprüngliche Muster.
Update 15:00 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich erst einmal meiner Unruhe nachgegeben und meinen restlichen Haushaltskram erledigt. Nachdem das Bad nun geputzt, das Geschirr abgewaschen und die Kochwäsche angeworfen wurde, lauft es auch etwas besser – wenn auch nicht gerade flüssig – mit dem Lesen. Ich finde es interessant, wie viele Charaktere ich auf Anhieb erst einmal nicht leiden kann, obwohl man als Leser noch nicht so viel über sie erfährt. Donald, der recht egozentrisch zu sein scheint und deshalb das Gefühl zu haben scheint, dass er andere Menschen ausnutzen darf. Heather, die aus irgendeinem Grund sauer auf Hazel zu sein scheint. Hazel, deren Verhalten gegenüber Gemma mich in den Wahnsinn treibt, weil sie Gemma nicht nur zu ihrem Wochenende mit Donald mitnimmt, sondern auch weil sie ihr nichts von ihrer Familie oder Vergangenheit erzählt hat, was Gemma in die unangenehme Situation bringt, dass alle davon ausgehen, dass sie mehr über Hazel weiß, als sie tut. Oh, und Alison, deren Motive ich zwar teilweise nachvollziehen kann, deren Gedanken ich trotzdem nicht gern verfolge. Und was soll diese „Tim will nichts von meiner Kindheit wissen“-Aussage von Hazel? Ich glaube, ich bin grundsätzlich in Nörgelstimmung, wenn es um dieses Buch geht, denn ich frage mich sogar bei den „Rückblicken“ wieso jemand einen Stall – trotz regelmäßiger Einschneigefahr im Winter – so baut, dass jemand eine Stunde durch den Schnee schaufeln muss, um die Tiere zu erreichen. Das finde ich unstimmig, da Tiere einfach zu kostbar (sind und) waren, um ihren Tod zu riskieren, weil niemand sie im Winter versorgen kann. Ach ja, ich bin übrigens gerade beim Mord angekommen und gespannt wie Duncans in Aussicht stehende Ankunft auf die Atmosphäre vor Ort auswirkt. Aber bevor ich weiterlese, werde ich erst einmal zwei Riegel Zartbitterschokolade in Milch versenken und es mir damit gut gehen lassen. 😉
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Update Mittwoch, der 11.03.2020
Leider doch kein gemeinsames Lesen heute (vielleicht bekommen wir das ja am kommenden Mittwoch wieder auf die Reihe), dafür ein Update, in dem ich meine Gedanken zu den Kapiteln 9 bis 11 zusammenfasse, damit Sayuri und ich uns auch ohne gemeinsame Lesezeit austauschen können. Ich fürchte, ich bin weiterhin einfach unzufrieden mit allen Beteiligten. Hazel, weil sie mit Donald geschlafen hat, obwohl sie schon beschlossen hatte, dass sie ihre Ehe mit Tim nicht aufs Spiel setzen und Donald abweisen will. Duncan, weil gerade wieder etwas Wichtiges mit Kit los ist und er Gemma nichts davon erzählt (weil er ihren Urlaub nicht stören will … pfffff …) und all die anderen Figuren, weil sie alle vor sich hinbrüten und keiner mit irgendjemandem redet. Callum, weil er Alison das angetan hat – auch wenn es vielleicht notwendig war, damit sie sich keine weiteren Illusionen mehr macht. Gemma, weil sie das Gefühl hat, sie müsse von der Polizei eine Sonderstellung bekommen, weil sie eine Kollegin ist – obwohl sie doch oft genug auf der anderen Seite stand und dann ebensowenig erfreut war, wenn sich jemand in ihre Ermittlungen einmischen wollte.
Ich bin so grumpig, dass es mich nicht mal interessiert, warum John sich ständig aus dem Haus schleicht. Einzig das Verhältnis zwischen Louise und Callum finde ich interessant, ich hätte nicht gedacht, dass er so etwas wie eine Zuflucht für sie darstellt, auch wenn ihr dann aufgeht, dass sie ihn eigentlich kaum kennt. Immerhin muss ich anerkennen, dass sich die ganze Geschichte gut lesen lässt, obwohl ich weiterhin der Meinung bin, dass die Handlung nicht gut geschrieben ist und dass Hazel und Tim vollkommen „out of character“ dargestellt werden. Oh, und ich erinnere mich an so gut wie gar nichts mehr und habe dieses Mal relativ wenig Lust mitzuermitteln, weshalb ich momentan davon ausgehe, dass die Auflösung eine ziemliche Überraschung für mich sein wird. *g*
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Update 29.03. – ich muss zugeben, dass ich diesen Text vor gut einer Woche vorgeschrieben hatte, nachdem ich die Kapitel 12 bis 14 gelesen hatte, und nun musste ich selber erst einmal schauen, welche Meinung ich vor einigen Tagen zu diesem Teil der Geschichte hatte. 😉
Uhhhh, ich bin so frustriert mit diesem Buch und den Charakteren! Sorry, für diese Wiederholungen, aber das ist alles, was mir gerade beim Lesen durch den Kopf geht. Duncan, der doch als Ermittler so aufmerksam ist und ein gutes Gespür für Menschen beweist, ist nicht mal in der Lage festzustellen, dass sein Sohn sich Sorgen macht, weil die Großmutter das Sorgerecht einklagen will und weil Gemma und Hazel nun in einen Mordfall verwickelt sind – und dass auch noch in Schottland, so dass Kit sich nicht persönlich davon überzeugen kann, dass es den beiden Frauen, die ihm am Herzen liegen, gut geht. Mal abgesehen davon, dass Kit seit dem Tod seiner Mutter Angst davor hat, dass Menschen aus seinem Leben verschwinden könnten, ohne dass er sie beschützen oder zumindest von ihnen verabschieden kann!
Tim, der in den vorhergehenden Bänden eher eine farblose, aber sympathische Randfigur war, dreht inzwischen richtig am Rad, weshalb ich von dieser Figur total enttäuscht bin. Er ist so wütend über Hazels Benehmen (was ich auch nur teilweise verständlich finde), dass er nicht nur gegenüber Duncan ein unmögliches Verhalten an den Tag legt, sondern auch anscheinend kein Problem damit hat, dass er seine eigene Tochter ängstigt. Bei jemandem, der seinen Lebensunterhalt als Therapeut verdient, erwarte ich keinen Heiligenschein im Privatleben, aber ein kleines Bisschen Rücksicht gegenüber einem Kleinkind! Boah, das macht mich so wütend – und sorgt natürlich dafür, dass ich weiterhin mit allen beteiligten Figuren sehr ungnädig bin.
Was mich zu Gemma bringt, die sich weiterhin nicht wie eine erfahrene Polizistin verhält, sondern wie ein emotionales Schäfchen, dass auf der einen Seite die Ermittler bedrängt, weil sie unbedingt weiterhin zu Hazel will, und auf der anderen Seite darauf wartet, dass endlich Duncan kommt und alles in die Hand nimmt. Naja, ein bisschen ermittelt sie selber natürlich auch auf eigene Faust, aber in erster Linie, weil sie nicht in der Pension mit ihren Freunden zusammensitzen will, die sie nun als Verdächtige ansehen muss. Übrigens den Freunden, die sie gerade mal gut 36 Stunden kennt und denen sie bislang nicht besonders nahe gekommen ist!
Und dann trifft Duncan ein und sie streiten sich, weil Gemma zu recht sauer ist, weil ihr Liebster sie über die ganze Sache mit Kit im unklaren gelassen hat. Dummerweise glaube ich nicht, dass die Erkenntnis, die er daraus gewinnt, wirklich anhaltende Früchte trägt – wir werden sehen, schließlich muss es ja irgendeinen Grund geben, dass ich immer dachte, dass die beiden eigentlich eine gute Beziehung führen. 😉
Update 02.04. – Kapitel 15 bis 17
An allen Ecken und Enden Drama und ich bin nicht daran interessiert. Das große Geheimnis rund um Johns heimliche Unternehmungen interessiert mich überhaupt nicht – vor allem, da ich davon ausgehe, dass es am Ende nichts groß mit dem Mord an Donald zu tun haben wird. Der kleine Martin hat Dreck am Stecken, aber auch das fühlt sich so gar nicht relevant an … und immer wieder Gemma, die wie eine hilflose Glucke versucht alle zu beschützen, obwohl das so gar nicht zu ihrem sonst so professionellen Auftreten passt und obwohl sie mit den meisten Personen bislang gerade mal ein paar Sätze gewechselt hat. Während Deborah Crombie sonst so gut darin ist kleine Szenen einzuflechten, die selbst die kleinste Nebenfigur zu einem Charakter machen, der einem ans Herz wächst, gibt es hier selbst bei den relevanten Figuren so gar keine Momente, die dafür sorgen, dass ich mich für sie interessiere. Es ist schon irgendwie faszinierend, wie viel bei dieser Geschichte schief gelaufen ist … Das Einzige, was gerade eine vage Neugier in mir weckt, ist die Frage, was Callum wohl weiß, dass ihn jemand ermorden wollte. Allerdings gibt mir diese Entwicklung auch das Gefühl, dass Deborah Crombie selber nicht wusste, wie sie ihre seltsam Geschichte auflösen sollte und nun auf einen Zeugen, dem nicht bewusst ist, dass er den Mörder überführen könnte, zurückgreifen musste. Oh, und obwohl ich vor lauter „ich rege mich über das Verhalten der Charaktere auf“-Ablenkung nicht so richtig aufgepasst habe, denke ich, dass eigentlich nur eine Person die Gelegenheit und die Mittel gehabt hätte beide Taten zu begehen …
Nur noch vier Kapitel – ein Ende ist in Sicht und ich hoffe sehr, dass die kommenden Bände sich so gut lesen lassen, wie ich sie in Erinnerung hatte, während ich kurz davor bin „Nur wenn du mir vertraust“ aus dem Regal zu werfen, weil ich den Teil vermutlich nie wieder lesen werde. 😉
Update 07.04. (Kapitel 18 bis Ende)
Und dann entpuppt sich die einzige Person, die Zugang zu allen „Tatwaffen“ hatte, als Mörderin. Überraschung! Oder auch nicht … Das Motiv ist peinlich, die Auflösung nur durch zwei Männer möglich, die beide aus seltsamen Gründen, den Mund nicht aufgemacht haben … was ist nur in die Autorin gefahren, dass sie dachte, dass das eine erzählenswerte Handlung wäre? Immerhin fühlten sich Gemma und Duncan in den letzten vier Kapiteln fast wieder normal an und die Tatsache, dass Nathan mal wieder kurz vorkam und Kits Leben in die richtige Richtung rücken konnte, hat mich auch gefreut. Außerdem bin ich dieses Mal erst recht spät auf die Auflösung gekommen (unter anderem, weil ich mich nicht intensiver mit der Handlung beschäftigen wollte *g*). Alles in allem bin ich froh, dass wir diesen Roman hinter uns gebracht haben! Wieso hat Deborah Crombie eigentlich nie eine zweite Reihe rund um Nathan angefangen? Die hätte wirklich gut werden können. 😉