Kategorie: Rezension

Gwenda Bond und Christopher Rowe: The Supernatural Sleuthing Service 1 – The Lost Legacy

Ich habe keine Ahnung, wo ich über die „The Supernatural Sleuthing Service“-Reihe gestolpert bin, aber grundsätzlich reizte mich die Grundidee rund um einen „Kriminalfall“ in einem Hotel für fantastische Wesen. Die Geschichte in „The Lost Legacy“ wird aus der Sicht des elfjährigen Stephen Lawson erzählt, der mit seinem Vater Michael von Chicago nach New York gezogen ist, damit Michael den Arbeitsplatz seiner verstorbenen Mutter übernehmen kann. Stephens Großmutter Nanette (von ihm Chef Nana genannt) war – wie schon viele Lawson-Generationen vor ihr – Küchenchefin im Hotel New Harmonia. Doch das ist alles, was Stephen über Chef Nanas Job und ihre Familie weiß, so dass es eine große Überraschung für ihn ist, als er herausfindet, dass das Hotel New Harmonia einer übernatürlichen Klientel zur Verfügung steht. So muss Stephen nicht nur damit fertig werden, dass es Supernaturals wirklich gibt, sondern auch damit, dass seine Familie väterlicherseits zu den (in ihrem Fall kulinarischen) Rittern gehört, die den Frieden zwischen den verschiedenen übernatürlichen Völkern bewahren. Und dann ist da noch die Tatsache, dass Stephens Mutter kein Mensch war und dass sein Vater deshalb zehn Jahre lang im Exil leben musste.

Während Stephen noch versucht, mit all den Veränderungen in seinem Leben fertigzuwerden, wird ein unersetzbares Artefakt gestohlen und fast alle im Hotel sind sich sicher, dass Stephen der Täter ist. Nun ist es an Stephen, seine Unschuld zu beweisen und dafür zu sorgen, dass er und sein Vater eine Zukunft im New Harmonia haben. Zum Glück gibt es da noch Sofia und Ivan, die nicht nur beschlossen haben, dass sie Stephens neue Freunde sind, sondern auch ihr gesamtes Leben im Hotel verbracht haben und sich deshalb ziemlich gut auskennen mit all den übernatürlichen Gästen und Angestellten. Ich muss gestehen, dass ich das Hotel New Harmonia als Kulisse für diese Geschichte bein Lesen wirklich geliebt habe. Das Hotel an sich fühlt sich ebenso magisch an wie seine Gäste, angefangen bei dem Drachen im Keller über den Aufzug („Please do not engage the elevator in conversation!“) bis zu dem kleinen ländlich wirkenden Dorf auf dem Dach des Gebäudes, in dem die Angstellten leben.

Ebenso mochte ich die Angestellten und Gäste des Hotels, auch wenn nicht alle von ihnen wirklich sympathisch oder gar harmlos waren. Aber es fühlte sich für mich an, als ob Gwenda Bond und Christopher Rowe da eine stimmige bunte Mischung an Charakteren mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansichten versammelt hätten. Doch besonders stach für mich das Verhältnis zwischen Stephen und seinem Vater und die entstehende Freundschaft zwischen Stephen, Sofia und Ivan hervor. Stephen ist natürlich enttäuscht darüber, dass sein Vater ihm zehn Jahre lang nichts über seine Familiengeschichte und die übernatürlichen Wesen, mit denen dieser aufgewachsen war, erzählt hat. Auf der anderen Seite liebt und vertraut er seinem Vater, und daran ändert sich auch nichts. Um so wichtiger ist es natürlich, dass Stephen seinem Vater beweist, dass er unschuldig ist, und dass er dafür sorgt, dass Michael seinen Traumjob als Chefkoch des Hotels behalten kann. Und was die Freundschaft zwischen Stephen und den anderen beiden Kindern angeht, so ist es nicht mal so, dass sich die drei auf Anhieb leiden können, aber Sofia und Ivan sind davon überzeugt, dass Stephen die Wahrheit sagt und nicht der Dieb ist, und das bedeutet, dass sie ihn dabei unterstützen müssen, seine Unschuld zu beweisen.

Ich mochte es sehr, wie Stephen seine beiden Verbündeten im Laufe der Zeit immer besser kennenlernt und die Kinder immer wieder füreinander einstehen. Dabei ist der Umgang der drei miteinander wunderbar offen und respektvoll, auch wenn Sofia Ivan manchmal mit seiner Angst vor Untoten (wie dem Ghoul-Nachtportier) aufzieht. Jeder einzelne der drei hat Macken und Schwachpunkte, aber zu dritt gelingt es ihnen, diese gegenseitig auszugleichen und einander zu helfen. Das alles sorgt dafür, dass man beim Lesen die ganze Zeit das Gefühl hat, dass schon alles gut ausgehen wird, selbst als Stephens Leben in Gefahr gerät oder als am Ende allen drei Kindern droht, dass sie das Hotel verlassen müssen. Außerdem gibt es immer wieder wunderbar amüsante Momente mit all den besonderen Elementen des Hotels – und ich muss gestehen, dass ich in den ersten Kapiteln des Romans nicht gedacht hätte, dass mir der Aufzug so ans Herz wachsen würde. Insgesamt ist „The Supernatural Sleuthing Service 1 – The Lost Legacy“ ein wunderbar kurzweiliger Roman voller fantastischer Elemente, amüsanter Szenen und wirklich sympathischer Charaktere, und ich freue mich jetzt schon auf das Lesen des zweiten (und wohl leider letzten) Teils mit dem Titel „The Sphinx’s Secret“.

Stephanie Burgis: Scales and Sensibility (Regency Dragons 1)

„It was a truth universally acknowledged that any young lady without a dragon was doomed to social failure.“

Dies ist der erste Satz in „Scales and Sensibility“ von Stephanie Burgis und eigentlich wisst ihr damit über den Ton der Geschichte schon fast alles, was ihr wissen müsst. 😉 Dieser Titel ist die aktuellste Veröffentlichung der Autorin, obwohl sie die erste Version des Manuskripts schon vor vielen Jahren geschrieben hatte. Aber damals hieß es, dass es keinen Markt für fantastische Regency-Romane gäbe, weshalb sich Stephanie Burgis lieber auf andere Ideen konzentrierte. Wenn ich an all die Jahre denke, in denen ich fantastische Regency gesucht habe, frage ich mich, wie irgendein Agent oder Verlag auf die Idee kommen konnte, dass der Markt dafür nicht reif wäre … aber nun gut … „Scales and Sensibility“ wird aus der Perspektive von Elinor Tregarth erzählt, die nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Tante aufgenommen wurde. Elinor sehnt sich nicht nur sehr nach ihren beiden jüngeren Schwestern, die von zwei anderen Verwandten aufgenommen wurden, sondern auch nach einer liebevollen und respektvollen Umgebung. Sowohl ihr Onkel als auch ihre Cousine Penelope lassen Elinor ständig spüren, dass sie nur die arme Verwandte ist und dankbar sein muss, dass sie überhaupt aufgenommen wurde.

Die Tatsache, dass Elinor Penelope bei ihrer ersten Saison helfen soll (obwohl sie selbst bislang kein Debüt hatte) und von ihrer Cousine ebenso schlecht wie die Dienstmädchen behandelt wird, macht es für die junge Frau nicht einfacher. Und dann gibt es da noch den kleinen Drachen Sir Jessamyn, der – wie es sich bei einer Dame der Gesellschaft gehört – dekorativ auf Penelopes Schulter sitzen sollte, aber stattdessen so viel Angst vor seiner Besitzerin hat, dass er regelmäßig seinen Darm auf ihren Kleidern entleert. Als Penelope ihn deswegen beinah verletzt, platzt Elinor der Kragen, was zur Folge hat, dass sie gemeinsam mit Sir Jessamyn das Haus verlässt. Ohne Geld, ohne eine Unterkunft in Aussicht und mit einem (gestohlenen) Drachen auf der Schulter scheint Elinors Schicksal besiegelt, doch dann überrascht Sir Jessamyn die junge Frau mit einer unerwarteten Fähigkeit, und außerdem macht Elinor die Bekanntschaft von Benedict Hawkins, dessen Geldsorgen ihn dazu bringe, dass er die Hand von Penelope gewinnen will. Mit der Hilfe von Sir Jessamyn, und um Benedict bei seinem Vorhaben zu unterstützen, landet Elinor inmitten einer trubeligen Hausparty, bei der sie jederzeit als Hochstaplerin und Diebin eines kostbaren Drachens enttarnt werden könnte. Dazu kommt noch, dass es auch noch andere Gäste bei dieser Gesellschaft gibt, die sich mit ganz eigenen (unlauteren) Motiven dort eingefunden haben.

Mir hat „Scales and Sensibility“ wirklich viel Freude beim Lesen bereitet, auch wenn ich die ganze Zeit sehr mit Elinor mitgelitten habe. Die junge Frau ist eigentlich ein sehr ehrlicher und offenherziger Mensch, und die Scharade, die sie mit allen Anwesenden bei dieser Hausparty spielen muss, gefällt ihr so gar nicht. Aber jedes Mal, wenn sie offen und ehrlich sein will, passiert etwas, das dafür sorgen würde, dass ein anderer Mensch darunter leiden müsste, wenn sie ihre Identität aufdecken würde. Also wird Elinor immer weiter gezwungen, Theater zu spielen und gleichzeitig Wege zu finden, um mit den diversen Erpressungen und Bedrohungen umzugehen und natürlich Benedict bei seinen Bemühungen um Penelopes Hand zu unterstützen. Trotz all dieser unangenehmen Situationen für Elinor ist die Geschichte wirklich lustig und ich habe ständig vor mich hingekichert, während es zu Missverständnissen zwischen den verschiedenen Figuren, etwas zu offenherzigen Aussagen von Elinors Tante und ähnlichen Momenten kam. Doch vor allem mochte ich einige der Charaktere wirklich gern und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Allen voran natürlich Elinor, deren Zuneigung zu ihren Schwestern und Sir Jessamyn wirklich schön zu lesen war, auch wenn sie beides immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hat. Ebenso mochte ich Benedict Hawkins sehr gern, der zwar ein Mitgiftjäger ist, aber nicht nur gute Gründe dafür hat, sondern auch ein freundlicher, ehrbarer und hilfsbereiter Mensch ist. Dazu kommen noch Figuren wie Benedicts bester Freund Cornelius Aubrey, dessen geistesabwesende Gelehrsamkeit vielleicht etwas übertrieben ist, aber für wunderbar amüsante Momente sorgt, oder Elinors Tante, die im Laufe der Geschichte entdeckt, wie befreiend es doch sein kann, einfach nur offen die eigene Meinung zu äußern. Ich mochte diesen Roman wirklich gern und ich habe große Lust, mehr von Elinor, ihren beiden Schwestern (die bislang nur durch Elinors Erinnerungen bekannt sind) und natürlich diese ungewöhnlichen kleinen Drachen und ihre überraschenden Fähigkeiten zu lesen. Zum Glück plant Stephanie Burgis zwei weitere Regency-Dragon-Romane, in denen dann Elinors Schwestern die Protagonistinnen sein werden.

Benjamin Read und Laura Trinder: The Midnight Hour

Über „The Midnight Hour“ von Benjamin Read und Laura Trinder bin ich erst vor Kurzem gestolpert, als der dritte Band der Trilogie veröffentlicht wurde. Die Geschichte dreht sich um Emily, die zu Beginn des Romans vor allem ein Problem mit ihrem eigenen aufbrausenden Temperament und ihrer großen Klappe hat. Doch dann verschwindet ihre Mutter, nachdem diese einen geheimnisvollen Brief bekommen hatte, und wenige Tage später kommt auch Emilys Vater nicht mehr zurück von seiner Suche nach Emilys Mutter. Emilys einzige Hoffnung, mehr über den Verbleib ihrer Eltern herauszufinden, besteht darin, den Arbeitsplatz ihres Vaters aufzusuchen: die Night Post. Doch schnell muss sie feststellen, dass dies gar nicht so einfach ist, denn die Night Post befindet sich nicht in dem Teil von London, den Emily Tag für Tag sieht, sondern in der Midnight Hour. Die Midnight Hour ist eine magische Welt, in der ewige Nacht herrscht und die nur zwischen dem ersten und letzten mitternächtlichen Glockenschlag von Big Ben betreten werden kann.

Für Emily ist es ein großer Schock festzustellen, dass es nicht nur eine geheime magische Welt gibt, in der lauter Monster leben, sondern auch, dass ihre Eltern vielfältige Verbindungen zur Midnight Hour haben. Gerüstet mit einem Rücksack voller Sandwiches, einem halbverhungertem Igel und mehr Mut als Verstand, macht Emily sich in der Midnight Hour auf die Suche nach ihren Eltern. Im Laufe ihres Abenteuers muss sie sich mit unglaublich alten Mächten, Vampiren, Werbären und anderen Monstern herumschlagen, findet aber auch ein paar überraschende Verbündete, die ihr helfen, ihre Eltern wiederzufinden. Mir persönlich hat diese magische Parallelwelt, in der all die übernatürlichen Wesen überleben, nachdem unsere Welt für sie zu magiefeindlich geworden ist, gut gefallen. Es gibt so viele amüsante und fantastische Dinge in dieser Welt und vor allem die Night Post (wenn auch nicht unbedingt ihr Leiter) ist einfach großartig. Dabei sparen Benjamin Read und Laura Trinder nicht mit gruseligen oder ekeligen Elemente, übertreiben es aber nicht so sehr, dass es mich beim Lesen abgeschreckt hätte (und ich würde vermuten, dass ich da empfindlicher bin als die meisten Kinder es wären 😉 ).

Ich mochte auch Emily sehr gern. Sie ist unhöflich, impulsiv und unverschämt und reißt ihre Klappe immer viel zu weit auf – aber ihr ist auch bewusst, dass ihr Naturell es anderen Personen nicht einfach macht und dass sie regelmäßig zu weit geht. Auf der anderen Seite helfen ihr all diese Eigenschaften aber auch dabei, nicht den Mut zu verlieren und sich selbst gegen die unheimlichsten Gegner zu behaupten, so dass es oft überraschend amüsant ist, mitzuerleben, wenn Emilys Temperament mal wieder mit ihr durchgeht. „The Midnight Hour“ erzählt eine temporeich und flüssig zu lesende Geschichte, die voller spannender, aber auch amüsanter Momente ist. Ich mochte es, Emily dabei zu begleiten, wie sie die fantastische Welt erkundet, wie sie mehr über sich und ihre Familie herausfindet, wie sie Verbündete findet und sich gegen uralte Mächte stellt, obwohl all dies nicht immer einfach für sie ist. Mir hat es viel Spaß gemacht, diesen Roman zu lesen, und ich freue mich darauf, auch die beiden anderen Bände („The Midnight Howl“ und „The Midnight Hunt“) rund um Emily und die Midnight Hour zu lesen.

Stephanie Burgis: The Raven Heir

„The Raven Heir“ von Stephanie Burgis wird aus Sicht der zwölfjährigen Cordelia erzählt, die gemeinsam mit ihren Geschwistern Giles, Rosalind und Connall, ihrer Mutter und deren Freundin Alys in einer Festung im Wald aufwächst. Ihr ganzes Leben lang hat Cordelia an diesem Ort verbracht und sie sehnt sich danach, endlich die Welt außerhalb der Festung erkunden zu können. Doch ihre Mutter, die eine mächtige Zauberin ist, verbietet es den Kindern, einen Fuß aus der Festung zu setzen. Nicht einmal die Tatsache, dass sich Cordelia in jedes beliebige Tier verwandeln und sich so sicher durch den Wald bewegen kann, kann ihre Mutter dazu bringen, sie aus der Festung zu lassen. Erst als eine Gruppe bewaffneter Männer die Festung angreift, erfahren die Drillinge Cordelia, Giles und Rosalind, dass einer von ihnen ein Recht auf den Thron von Corvenne hat. Doch wer von ihnen es ist, bleibt ein Geheimnis, denn ihre Mutter hat ihnen nie verraten, wer von ihnen als Erstes geboren wurde. Gemeinsam müssen die drei Geschwister aus der Festung fliehen und nicht nur einen Weg finden, ihre eigene Freiheit zu bewahren, sondern auch ihre Lieben aus den Händen der Angreifer zu befreien.

Stephanie Burgis kam auf die Idee zu „The Raven Heir“, als sie über die Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster nachdachte und darüber, wie es den Kindern während dieser Kriege erging. Einige von ihnen wurden jahrelang als Geiseln gehalten und schon als Kleinkinder von ihren Müttern getrennt, während diese alles versuchten, um ihre Kinder zurückzubekommen. All diese Gedanken über Kinder, die zu politischen Schachfiguren wurden, führten dann zu der Geschichte rund um Cordelia und ihre Geschwister, deren Mutter alles versucht, um ihre Kinder zu beschützen. Das hatte zur Folge, dass „The Raven Heir“ überraschenderweise beim Lesen für mich das gleiche Gefühl bereithielt wie „Cart and Cwidder“ von Diana Wynne Jones, und das hatte ich so nicht erwartet. Auch hier spielt die Geschichte in einem Land, das unter dem seit Jahrzehnten andauernden Krieg leidet. Und auf ihrer Flucht lernen Cordelia, Giles und Rosalind nicht nur mehr über das Land, in dem sie leben, sondern auch über sich, ihre Magie und ihre Familie. Alle drei müssen damit fertig werden, dass ihre Mutter solch große Geheimnisse vor ihnen hat, und es ist nicht einfach für die Geschwister zu verstehen, dass ihre Mutter nicht nur eine mächtige Zaubererin ist, sondern auch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen.

Auf der anderen Seite gilt es für Cordelia und die anderen beiden, ihre eigenen Grenzen auszutesten und herauszufinden, wie weit sie mit ihren eigenen Fähigkeiten gehen können. Sie müssen für sich herausfinden, wem sie trauen können und wollen – und welche Dinge ihnen wirklich wichtig sind. So dreht sich ein Großteil der Handlung um die innere Entwicklung der Protagonistin, während sie gemeinsam mit Giles und Rosalind auf der Flucht ist. Das alles führt zu wunderbaren Szenen zwischen den Geschwistern, in denen immer wieder deutlich wird, dass sie sich zwar häufig gegenseitig auf die Nerven gehen, aber doch als Familie immer zusammenstehen. Ich mochte all diese berührenden Momente, die zeigen, wie viel die anderen Cordelia bedeutet, und wie schwer es ihr gerade deshalb manchmal fällt, offen mit ihren Geschwistern zu reden. Daneben gab es aber auch noch eine ganze Reihe von amüsanten Momenten, die die Handlung so weit auflockerten, dass ich trotz aller Bedrohungen für die Geschwister sehr viel Spaß beim Lesen hatte und immer wieder kichern musste. „The Raven Heir“ ist nur der erste Teil einer Trilogie, und ich muss gestehen, dass ich mir im Moment nicht vorstellen kann, in welche Richtung die Geschichte noch gehen soll. Aber egal, welche Abenteuer als nächstes auf die Geschwister warten, ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Cordelia, Giles, Rosalind und natürlich ihrem großen Bruder Connall.

Julie Abe: Eva Evergreen – Semi-Magical Witch

„Eva Evergreen – Semi-Magical Witch“ ist eine wirklich wohltuende Geschichte der Autorin Julie Abe. Die Handlung beginnt an dem Tag, an dem die zwölfjährige Hexe Evalithimus „Eva“ Evergreen ihre Novizen-Quest antreten soll. Dabei läuft gefühlt alles schief, was nur schieflaufen kann, angefangen damit, dass ihr Name nicht auf der Liste der angehenden Novizen steht, bis zu dem Moment, in dem sie auf einem Schiff einschläft und deshalb nicht mitbekommt, an welchem Hafen ihr magisches Reiseticket ihr signalisiert, dass sie aussteigen muss. So landet Eva in der Hafenstadt Auteri, dem Endpunkt der Schiffsroute, und muss hoffen, dass die Bürgermeisterin bereit ist, sie für die Zeit ihrer Novizen-Quest aufzunehmen. Gerade mal einen Monat hat Eva, um zu beweisen, dass sie als Hexe einer Stadt von Nutzen sein kann – und dies, obwohl sie nur über einen Hauch von Magie verfügt und deutlich besser mit Werkzeug umzugehen weiß, als einen Zauber zu wirken.

Mit der Hilfe einiger neugefundener Freund*innen startet Eva in Auteri einen „Semi-Magical Repair Shop“, dessen Mangel an Kundschaft ihr überraschend viel Zeit lässt, um ihre neue Stadt und ihre Bewohner kennenzulernen. Dabei habe ich all die kleinen und größeren Szenen, in denen Eva neue Freunde findet, in denen sie versucht, die Probleme anderer Personen zu lösen und in denen sie hier und da eine kleinere (oder größere) Katastrophe auslöst, sehr genossen. Eva ist eine sympathische Protagonistin, die sich von ihrem Mangel an Magie nicht entmutigen lassen will. Statt großer Zauber setzt sie ihren Einfallsreichtum und ihre Hartnäckigkeit ein, um Probleme zu lösen. Und auch wenn das manchmal schiefläuft, so ist sie doch wild entschlossen, anderen zur Seite zu stehen, hilfreich zu sein und Gutes zu tun, so wie es sich für eine Hexe nun einmal gehört. Ich mochte es auch sehr mitzuverfolgen, wie Eva die Menschen in „ihrer“ Stadt immer besser kennenlernt. Dabei stellt Julie Abe Eva die unterschiedlichsten Personen zur Seite, von der freundlichen Rin über den abenteuerlustigen Davy bis zur abweisenden Charlotte. Und obwohl es Eva anfangs nicht immer leichtfällt, auf diese Menschen zuzugehen, lernt sie sie im Laufe der Zeit mit all ihren Eigenheiten schätzen.

Obwohl relativ früh deutlich wird, dass am Ende der Geschichte eine große Gefahr auf die Stadt Auteri zusteuert, gehört „Eva Evergreen“ eindeutig in die Kategorie „Wohlfühlbücher“. Jeder unangenehme Moment, den Eva erlebt, wird durch eine amüsante Szene (oder einen Streich von Evas Flamefox Ember) oder aber durch ein freundschaftliches/hilfreiches Gespräch mit einer der anderen Figuren aufgelockert. Außerdem habe ich es geliebt, all die kleinen Details rund um das Leben in Auteri zu lesen. Eva landet in einer verlassenen, kleinen Hütte, die traditionell den Hexen der Stadt zur Verfügung steht, und ihr „Laden“ ist nicht mehr als ein Provisorium aus Holzkisten neben einer Konditorei, aber ich mochte es, wie sie aus all diesen Bedingungen das Beste machte. Außerdem gibt es in den Wochen, die sie in der Stadt verbringt, große Vorfreude auf das Lichterfest, für das Auteri berühmt ist. Und es war lustig, von all den Vorbereitungen für das Fest, den kleinen Kabbeleien zwischen einigen Ladenbesitzern und den für diesen Tag geplanten Aktivitäten zu lesen.

Ich bin mir übrigens sicher, dass es kein Zufall ist, dass einige Elemente in „Eva Evergreen – Semi-Magical Witch“ an „Kikis kleiner Lieferservice“ erinnern, und das nicht nur, weil das Oberhaupt der Magier-Gilde den Vornamen Hayato trägt. Aber ich muss zugeben, dass mir dieser Roman – trotz meiner wirklich großen Schwäche für den Film – deutlich besser gefallen hat als der Anime. Eva ist für mich nicht nur die sympathischere Protagonistin, ihre Welt – inklusive der Stadt Auteri – fühlt sich auch wesentlich komplexer und fantastischer an als die von Kiki. Wenn ich eine Sache an „Eva Evergreen“ kritisieren müsste, dann die, dass Julie Abe die gesamte Handlung in gerade mal vier bis fünf Wochen spielen lässt, obwohl ein etwas längerer Zeitraum meinem Gefühl nach stimmiger gewesen wäre. Aber insgesamt habe ich die Geschichte einfach nur rundum genossen, regelmäßig gekichert und mich oft genug voller Spannung gefragt, wie Eva wohl mit einem auftauchendem Problem fertig werden wird. Und ich freu mich sehr darüber, dass mit „Eva Evergreen and the Cursed Witch“ schon ein zweiter Band erschienen ist (auch wenn ich wohl noch ein Jahr auf die Veröffentlichung der Taschenbuchausgabe warten werde).

Livia Day: Dyed and Buried (Fashionably Late 1)

„Dyed and Buried“ von Livia Day (Tansy Rayner Roberts) ist der Auftaktband einer Cozy-Reihe, die in der tasmanischen Hauptstadt Hobart spielt. Ich muss gestehen, dass ich an der ersten Reihe von Cozy-Romanen der Autorin nach den ersten zwei Bänden etwas das Interesse verloren hatte. Aber da ich grundsätzlich gute Erfahrungen mit Tansy Rayner Roberts gemacht habe, die Inhaltsangabe verlockend fand und große Lust auf entspannte Lektüre hatte, hatte ich „Dyed and Buried“ nicht nur schon länger vorbestellt, sondern auch direkt nach Veröffentlichung gelesen. Wobei der Roman mit gerade mal 158 Seiten auch nicht besonders viel Lesezeit beansprucht hat … Das Buch dreht sich um Samantha „Sam“ Sullivan, die vor Kurzem einen neuen Job bei der Boutique „Fashionably Late“ angefangen hat und zu Beginn der Geschichte von ihrer ehemaligen Schulkameradin Jeena fünfzehn Hochzeitskleider kauft, damit diese für das Geschäft upgecycled werden können.

Dummerweise stellt sich wenig später heraus, dass Jeena die Kleider gar nicht hätte verkaufen dürfen – und so müssen Sam und ihre Chefin nicht nur gegenüber einem der berühmtesten Fashion-Magazine erklären, wieso ein Teil der neuen Hochzeitskleid-Kollektion des berühmten Designers Chameleon grün gefärbt wurde, sondern auch herausfinden, wohin Hochzeitskleid Nr. 16 verschwunden ist. Wobei ich betonen muss, dass es überraschend wenig Drama für Sam rund um diesen Vorfall mit den Hochzeitskleidern gibt. Ihre Chefin hatte einen Vertrag mit Jeena, Sam selbst hat nur auf Anweisung gehandelt, und so gibt es keine ernsthaften Drohungen gegenüber „Fashionably Late“. Auf der anderen Seite ist Sam die ganze Angelegenheit sehr unangenehm und natürlich würde sie gern wissen, wieso Jeenas verstorbener Ehemann Ethan diese fünfzehn Hochzeitskleider in seinem Besitz hatte, wer der mysteriöse Designer Chameleon ist und nicht zuletzt wohin das fehlende Hochzeitskleid verschwunden ist.

Dabei mag ich es, dass Sam zwar neugierig ist und die ganze Zeit über Informationen sammelt, aber nicht die treibende Kraft hinter diesen privaten Ermittlungen ist. Ihr wäre es sogar lieber, sie könnte sich aus der ganzen Angelegenheit raushalten, denn sie hat keine Lust, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, nachdem der Skandal über ihren (in mehrfacher Hinsicht) betrügerischen Ex-Mann gerade erst abgeklungen war. Aber da sie sich nicht ganz raushalten kann, nutzt sie alle sich ergebenden Gelegenheiten, um mehr über den verstorbenen Ethan und all die anderen Beteiligten herauszufinden. Dabei muss ich der Autorin zu Gute halten, dass einige Elemente der Geschichte zwar vorhersehbar waren, aber am Ende genügend weitere Wendungen und Enthüllungen zum Vorschein kamen, dass ich die ganze Zeit über an der weiteren Entwicklung der Handlung interessiert blieb. Auch mochte ich den Großteil der Charaktere wirklich sehr, angefangen bei Sam, die wirklich viel Freude an ihrem neuen Job hat, bis zu den Personen, mit denen sie arbeitet, ihrer Schwester und sogar dem ermittelnden Polizisten.

Was mich auf einen Punkt bringt, auf den ich in Cozys ja oft etwas kritisch reagiere, nämlich das Verhältnis zwischen Protagonistin und Polizei. Auch hier ist es so, dass Sam relativ wenig Vertrauen in die Polizei hat, da sie wegen ihres Ex-Mannes gerade erst ein Gerichtsverfahren hinter sich bringen musste, in dem sie angeklagt wurde, an seinen Machenschaften beteiligt gewesen zu sein. Aber statt dass sie die Polizei an sich als Feind betrachtet, nimmt sie zähneknirschend hin, dass sie schon wieder mit Polizisten zu tun hat, und arbeitet so gut sie kann mit ihnen zusammen. Es gibt kein Vorenthalten von Informationen, keine „das kann ich besser als die Profis“-Gedanken, sondern ein vorsichtiges Miteinander, das ich wirklich nett zu lesen fand. Oh, und es gab weder ein Flirten mit dem Polizisten noch seltsam feindseliges Verhalten von Sams Seite oder vonseiten der Ermittler, was ebenfalls sehr erholsam war.

Ich muss gestehen, dass ich Livia Days/Tansy Rayner Roberts‘ fantastische Romane amüsanter finde als ihre Cozys, aber „Dyed and Buried“ hat mir ein paar wirklich entspannte und unterhaltsame Stunden verschafft. Es gab so viele sympathische und sich realistisch anfühlende Charaktere, sehr viele Beschreibungen rund um das Leben in Hobart (und Tasmanien dient ja nun nicht gerade häufig als Kulisse für Romane) und so viele Details rund um Stoffe und Kleidung. Nicht so viele, dass sich jemand, der sich nicht für Mode, Stoffverarbeitung oder Färben interessiert, meiner Meinung nach langweilen würde, aber definitiv genug, um jemanden zu befriedigen, der sehr viel Spaß an solchen Dingen hat. Für 2022 ist schon eine Fortsetzung mit dem Titel „Drop Dead in Red“ angekündigt, und ich bin schon neugierig darauf, wie Sam dann in einen Mordfall rund um eine vor vierzehn Jahren verschollene Filmemacherin und ein rotes Abendkleid verwickelt wird.

Amy Wilson: Lightning Falls

„Lightning Falls“ ist die neuste Veröffentlichung von Amy Wilson und die perfekte Lektüre, um ein paar heimelig-herbstliche Stunden mit einem Buch zu verbringen. Die Protagonistin Valerie wurde vor zehn Jahren von Lord Rory auf dem Friedhof seines Anwesens „Lightning Falls“ gefunden. „Lighning Falls“ ist ein Geisterhaus, und bei den Bewohnern handelt es sich zum Großteil um die verstorbenen Familienmitgliedern und Bediensteten des Hauses. So ist es kein Wunder, dass Lord Rory vor allem damit Geld verdient, dass er sein Haus an Gäste vermietet, die sich gern einmal gepflegt gruseln möchten. Doch Valerie ist anders als die anderen Bewohner des Hauses, denn sie ist ein „Hallowed Ghost“, ein Geist, der altert und Nahrung benötigt und trotzdem durch Wände gehen und sich unsichtbar machen kann. Valerie liebt das Leben in „Lightning Falls“ sehr, und nur manchmal fragt sie sich, wie es überhaupt dazu kam, dass sie als Kleinkind auf dem Friedhof gefunden wurde.

Erst als ein geheimnisvoller Junge auftaucht und behauptet, dass Valerie – genau wie er selbst – aus einer anderen, einer magischen Welt stammt, fängt das Mädchen an, all die Informationen, die es bislang über sein Leben hatte, zu hinterfragen. Nach und nach deckt Valerie diverse kleinere und größere Geheimnisse rund um „Lightning Falls“ und seine Bewohner auf, und am Ende benötigt sie die Hilfe ihrer gesamten Familie, um ihrer aller Existenz zu retten. Diese kleine Zusammenfassung klingt jetzt dramatischer, als die Geschichte rund um Valerie wirklich ist, denn obwohl wirklich das Fortbestehen einer Welt auf dem Spiel steht, liest sich „Lightning Falls“ recht entspannt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht weniger die Gefahr, in der alle schweben, als das Verhältnis zwischen Valerie und ihrer ungewöhnlichen „Pflegefamilie“. Dabei hat Amy Wilson mit dem Geisterhaus, in dem die Protagonistin aufwächst, eine großartige Kulisse für ihre Geschichte geschaffen.

Ich habe es sehr genossen, von all den verschiedenen Geistern, ihren Aufgaben im Haus und ihrem Verhältnis zu Valerie zu lesen. Besonders eng fühlt sich Valerie mit Meg verbunden, die so etwas wie eine Schwester für sie ist. Ich mochte es sehr, dass die Autorin dabei aufzeigt, wie sich das Verhältnis zwischen Valerie und Meg im Laufe der Zeit verändert hat. Denn während Meg als „normaler“ Geist nicht weiter altert, ist Valerie inzwischen zu einem Teenager geworden, was die beiden Mädchen ungefähr gleich alt erscheinen lässt, obwohl Meg jahrelang dabei geholfen hat, Valerie aufzuziehen. Die gegenseitige Unterstützung, die sich Meg und Valerie zukommen lassen, ist einfach wunderschön zu verfolgen. Ebenso hat es mir gefallen, wie Amy Wilson dafür sorgt, dass sich das dunkle und unheimliche Geisterhaus beim Lesen so sehr nach „Zuhause“ anfühlt. Für mich ist „Lighning Falls“ ein Ort, den ich mir als perfekte Unterkunft für ein gemütliches Halloween-Wochenende vorstellen könnte. 😉

Die fantastische Welt Orbis hingegen ist deutlich strahlender, ein magischer Ort voller Farben und wundervoller Dinge – was aber auch dazu führt, dass diese Welt so viel zerbrechlicher wirkt als die, in der Valerie aufgewachsen ist. Ich mochte den Gegensatz zwischen diesen beiden Welten, aber ich muss zugeben, dass sich „Lightning Falls“ für mich – trotz aller Gefahren – deutlich heimeliger anfühlte, weshalb ich die Szenen, die dort spielten, auch etwas mehr genossen habe. So ist es auch das Geisterhaus, das beim Lesen meine Fantasie anregte und dafür sorgte, dass ich mich fast ein bisschen ärgerte, weil sich der Roman so zügig lesen ließ und die Handlung deshalb viel zu schnell vorbei war. Ich wollte „Lighning Falls“ und seine Bewohner einfach nicht verlassen, und ich hätte gern noch viel mehr über Valerie und ihre Zukunft zwischen zwei so unterschiedlichen Welten gelesen. Wenn ihr also auf der Suche nach einem flüssig zu lesenden Wohlfühlbuch voller Geister und anderer fantastischer Elemente seid, bei dem die Geschichte in einem großartigen düsteren Haus spielt und das eine ungewöhnliche Adoptivfamilie zum Thema hat, dann kann ich euch „Lightning Falls“ nur ans Herz legen.

Amy Sparkes: The House at the Edge of Magic

„The House at the Edge of Magic“ gehört zu den vielen Kinderbüchern, die mir so oft bei Twitter untergekommen sind, dass ich doch irgendwann schwach geworden bin. Wobei es kein Wunder ist, dass mich die Geschichte von Amy Sparkes angesprochen hat, denn ich habe ja bekanntermaßen eine Schwäche für magische Häuser und für „Found Family“-Geschichten. Die Handlung dreht sich um Nine, die als Dreijährige von „Pocket“, dem Anführer einer Bande von Taschendieben, gefunden wurde. Glücklich ist sie mit dem Leben als Taschendiebin nicht, aber bevor sie Pocket verlassen kann, muss sie erst genügend stehlen, um auch ohne die Sicherheit der Bande eine Zukunft haben zu können. Eines Tages stiehlt sie ein kleines Ornament – in Form eines Hauses – aus der Tasche einer reichen Lady. Zu Nines Überraschung verwandelt sich dieses Schmuckstück in ein richtiges (und sehr wunderlich aussehendes) Gebäude, als sie den Türklopfer betätigt, und sie erfährt, dass es nun ihre Aufgabe sei, den Fluch einer Hexe zu brechen.

Diese Hexe hat nicht nur das Haus (at the Edge of Magic) verflucht, sondern sorgt auch dafür, dass die Bewohner dieses fantastischen Gebäudes schon seit drei Jahren keinen Schritt vor die Tür gehen konnten. Aber nicht nur diese Nebeneffekte des Fluches quälen den Magier Flabberghast, seinen Haushälter-Troll Eric und ihren Gast Dr. Spoon, es gibt noch so einige andere Nachteile, wie Nine im Laufe der Zeit entdecken muss. Um dafür zu sorgen, dass Nine auch wirklich den Fluch bricht, verspricht Flabberghast ihr ein Juwel, das so kostbar ist, dass es ihr eine sorgenfreie Zukunft verschaffen kann. Was ich an Nine wirklich mochte, ist, dass sie sich von all der Magie nicht einschüchtern und beeindrucken lassen will. Manche Dinge machen ihr Angst und manche Elemente des Fluchs sind einfach nur sehr absurd, aber Nine ist grundsätzlich bereit, es mit allem aufzunehmen, wenn ihr dies eine Verbesserung ihrer Lebensumstände bringt. Dabei muss sie auch damit fertig werden, dass Flabberghast ihr – aus ganz persönlichen Gründen – nicht immer alle notwendigen Informationen zur Verfügung stellt, um die verschiedenen Schritte des fluchbrechenden Zaubers auszuführen.

Ich muss gestehen, dass ich das Buch lange Zeit nur „sehr nett“ fand, wobei „sehr nett“ ja definitiv nichts Schlimmes ist, wenn es um unterhaltsame Kinderbücher geht. Ich habe mich wunderbar über Flabberghast, Eric und all die skurrilen und fantastischen Elemente rund um das magische Haus amüsiert. Ich habe die kleinen Szenen mit Nine und dem Bibliothekar, der fast so etwas wie ein Freund für sie ist, sehr genossen, und ich habe mich keinen Moment lang gelangweilt beim Lesen. Aber so richtig gepackt hat mich die Geschichte lange Zeit nicht, weil „The House at the Edge of Magic“ sich zu wenig von anderen netten, fantastischen Kinderbüchern unterschied, die ich gelesen habe. Dann aber kamen die letzten Kapitel, in denen Nine mehr über die Hexe erfährt, die das Haus und seine Bewohner verflucht hat. Diese Hintergründe sorgten nicht nur dafür, dass ich einige der vorhergehenden Ereignisse aus einer anderen Perspektive sah, sondern auch dafür, dass ich das Ende deutlich berührender fand, als ich erwartet hätte.

Was bedeutet, dass ich mir vermutlich auch die (am Ende des Romans angekündigte) Fortsetzung besorgen werde, wenn ich mitbekomme, wenn diese veröffentlich wird. Ich hoffe, dass Amy Sparkes mich dann ebenso mit ihrer Geschichte berühren kann wie mit dem Ende dieses Romans. Ansonsten muss ich gestehen, dass mich ihre bislang erschienenen Titel wenig reizen, da sie eindeutig für ein noch jüngeres Publikum geschrieben wurden als „The House at the Edge of Magic“. Ansonsten kann ich noch mitteilen, dass es im Oktober eine deutsche Veröffentlichung des Buchs mit dem Titel „Das Haus am Rande der Magie“ geben wird. Falls also jemand, der nicht so gern auf Englisch liest, neugierig auf Nines Abenteuer rund um dieses fantastische Haus geworden ist, gibt es in wenigen Wochen die Chance, trotzdem die Geschichte zu lesen.

L. D. Lapinski: The Strangeworlds Travel Agency

„The Strangeworlds Travel Agency“ von L. D. Lapinski gehört zu den Büchern, um die ich eine ganze Weile herumgeschlichen bin, weil ich mir nicht sicher war, ob es was für mich sein würde. Grundsätzlich mag ich ja fantastische Middle-Grade-Geschichten, aber die Sache mit den vielen verschiedenen Welten und dem Reisen durch Koffer hatte mich etwas abgeschreckt. Als dann aber Anfang des Jahres so viel Werbung rund um den zweiten Titel („The Edge of the Ocean“) gemacht wurde, bin ich doch schwach geworden und kann inzwischen sagen, dass meine Vorurteile sich nicht bestätigt haben- was wohl daran liegt, wie die Autorin die magischen Elemente ihrer Geschichte vorstellt. Nach einem kleinen Einblick in Jonathan Mercators Alltag als Custodian der fantastischen Strangeworlds Society lernt man durch die Augen der zwölfjährigen Flick (Felicity Hudson) die Strangeworlds Travel Agency kennen und erfährt ein bisschen mehr über die Hintergründe des Multiversums und der Spalten (Schism), die – in Koffern eingeschlossen – das Reisen in andere Welten ermöglichen.

Ich mochte Flicks Perspektive sehr gern und fand es schön mitzuerleben, wie sie durch die Bekanntschaft mit Jonathan einen Weg findet, um ihrem doch recht verantwortungsvollen Alltag zu entfliehen. Flicks Leben ist definitiv nicht schlecht, sie liebt ihre Familie und sie versteht, dass ihre Eltern ihr so viele Pflichten aufbürden, weil sie keine andere Wahl haben. Aber natürlich wäre es ihr deutlich lieber, wenn sie sich nicht täglich um die Wäsche, das Essenkochen und andere Sachen kümmern müsste und stattdessen einfach freie Zeit für sich hätte. Flick träumt schon seit Langem davon, Fernreisen zu unternehmen, und Jonathan lässt diesen Traum für sie wahr werden – dafür muss sie nur ein paar Stunden Zeit freischaufeln, in denen sie dann ein ganz besonderes Abenteuer erleben kann. Doch natürlich ist nicht alles rund um die Strangeworlds Society eitel Sonnenschein. Von Anfang an wird deutlich, dass Jonathan mit seiner ererbten Aufgabe ziemlich überfordert ist und dass das Verschwinden seines Vaters mit seltsamen Vorfällen im Multiversum zusammenhängt. Auch gibt es immer wieder Momente, in denen seine Erklärungen und Erzählungen Lücken aufzuweisen scheinen, von denen einem beim Lesen natürlich bewusst ist, dass diese Auslassungen noch gravierende Folgen für ihn und Flick haben werden.

So schwingt selbst bei den heiteren, magischen Momenten immer eine Spur von Bedrohlichkeit mit, die ich persönlich sehr genossen habe. Mir gefiel diese Mischung aus amüsanten Szenen und Andeutungen von drohender Gefahr, ebenso wie der Kontrast aus Flicks sehr pragmatischem Alltag und all den wundervollen und fantastischen Dingen, die sie beim Reisen erleben darf. Dazu kommt noch, dass L. D. Lapinski mit Flick und Jonathan glaubwürdige Figuren geschaffen hat, die grundsätzlich liebenswert, aber definitiv nicht ohne Fehler und Macken sind. Die wachsende Freundschaft zwischen den beiden ist wirklich schön zu verfolgen, ebenso wie das Kennenlernen all der Bekanntschaften, die Flick (und Jonathan) im Laufe der Zeit in den anderen Welten machen. Ich muss gestehen, dass ich sehr hoffe, dass einige dieser Nebenfiguren in den weiteren Bänden noch eine Rolle spielen werden, denn ich habe viele dieser Charaktere ins Herz geschlossen. Insgesamt habe ich mich von „The Strangeworlds Travel Agency“ wirklich gut unterhalten gefühlt, weshalb ich mich schon sehr auf die kommenden beiden Teile der Trilogie freue und gespannt bin, welche Entdeckungen es noch rund um diese ungewöhnliche Society geben wird.

Oh, und auf Deutsch gibt es den ersten und zweiten Band auch schon mit den Titeln „Strangeworlds – Öffne den Koffer und spring hinein!“ und „Strangeworlds – Reise ans Ende der Welt“. Ich verkneife mir an dieser Stelle erneut eine Anmerkung zu den deutschen Titeln … *seufz*

Gail Carson Levine: A Tale of Two Castles

Über die Autorin Gail Carson Levine bin ich schon früher gestolpert, aber bislang haben mich ihre Geschichten nicht gereizt, obwohl märchenhafte Fantasy ja eigentlich genau mein Ding ist. Bei „A Tale of Two Castles“ hat mich dann der Hinweis auf ein zu lösendes Geheimnis rund um einen gestaltwandelnden Oger dazu gebracht, dem Roman eine Chance zu geben. Die Geschichte beginnt damit, dass sich die zwölfjährige Elodie auf den Weg in die Stadt „Two Castles“ macht, weil sie hofft, dass sie dort eine Lehrstelle finden wird. Dabei muss man wissen, dass das „Ausbildungssystem“ in diesem Land ganz traditionell darauf basiert, dass die Lehrlinge ihre Meister für ihre Ausbildung bezahlen. Je mehr Geld jemand zahlen kann, desto kürzer die Ausbildungszeit, je weniger Geld, desto länger. Elodie hat keinerlei Geld, das sie in eine Ausbildung investieren könnte, und hofft, dass sie jemanden findet, der sie ohne Gebühr für zehn Jahre in seinen Dienst nimmt. Genau genommen hofft sie, dass sie eine Stelle als Schauspieler-Lehrling findet, denn davon träumt sie, seitdem ein ehemaliger Schauspieler auf der Farm ihrer Eltern gelandet ist und ihr von seinem früheren Leben erzählt hat.

Doch da ihr Schiff aufgrund einer Flaute aufgehalten wird, kommt Elodie zu spät für die Ausbildungsmesse in Two Castles an und muss froh sein, dass sie kurz darauf einen Platz als Assistentin von Meenore findet. Meenore ist als Drache (Drachen werden mit dem Pronomen IT bzw. ES bzeichnet) berühmt für Geiz und launisches Temperament, doch Elodie findet sich relativ schnell in ihrem neuen Arbeitsumfeld zurecht. Während Meenore den Lebensunterhalt in der Regel mit dem Verkauf von durch die Drachenflamme erhitzten Brot-und-Käse-Leckereien verdient, interessiert ES sich eigentlich vor allem für das Lösen von Rätseln und Verbrechen. So wird Elodie schnell von Meenore in das Rätsel rund um den Oger Count Jonty Um verwickelt, der eigentlich nur auf der Suche nach seinem Lieblingshund ist, während ES vermutet, dass das Leben des Counts in Gefahr ist. Denn der sanftmütige Oger wird vom Stadtvolk wegen der schrecklichen Taten seiner Eltern gefürchtet, und die Tatsache, dass der König seine Tochter mit Count Jonty Um verlobt hat, sorgt dafür, dass die Bevölkerung davon ausgehen muss, dass der Oger in Zukunft auf dem Thron sitzen wird.

Ich muss gestehen, dass ich mit „A Tale of Two Castles“ nicht so ganz glücklich war. Der Roman war nett zu lesen, hat mich aber nicht wirklich gepackt – was man schon allein daran sehen konnte, dass ich für so eine eigentlich locker zu lesende Geschichte über eine Woche Lesezeit gebraucht habe. Es gab so viele unstimmige und unausgewogene Elemente in dem Buch, dass ich mich stellenweise wirklich geärgert habe – gerade weil eigentlich viele dieser Elemente zu den Dingen gehören, die ich an fantastischen Geschichten für Kinder so sehr mag. Auf der einen Seite gab es zum Beispiel sehr viele „häusliche Szenen“ mit Meenore und Elodie, die heimelig, alltäglich und eigentlich schön zu lesen waren, die aber auf der anderen Seite so gar nicht zum „Krimianteil“ der Handlung passten. Gerade in der zweiten Hälfte des Romans, als das Leben des Counts wirklich in Gefahr schwebte, hätte ich einen deutlichen Anzug des Erzähltempos erwartet anstelle weiterer Beschreibungen von Essen und Möbeln.

Ein weiteres Problem war für mich, dass Gail Carson Levine zwar versucht, ein realistisches Bild vom Leben eines armen Mädchens wie Elodie zu zeichnen (so hungert Elodie während der letzten zwei Tage ihrer Schiffsreise und ist bei ihrem Vorsprechen bei den Schauspielern so hungrig, dass sie an nichts anderes denken kann als an den Apfel, der auf dem Tisch liegt). Aber auf der anderen Seite schweben selbst die Personen und Tiere, die im Laufe der Handlung vergiftet oder verletzt werden, nie spürbar in Lebensgefahr. Eine Geschichte, in der niemandem etwas Schlimmes passiert, obwohl die gesamte Stadt der Willkür des Königs ausgesetzt ist, ein Giftmischer sein Unwesen treibt und Spione eines feindlichen Königreiches unterwegs sind, ist für mich als Leser einfach nicht glaubwürdig – selbst wenn die angestrebte Zielgruppe sehr jung sein sollte.

So kam es auch, dass ich die ganze Zeit beim Lesen das Gefühl hatte, die Autorin wüsste selbst nicht so genau, für welches Alter ihre Geschichte sein sollte. Es gab so viele alberne und durchschaubare Elemente, die ich eher bei einer Veröffentlichung für Leseanfänger erwartet hätte, aber eben auch einige Dinge, die eher für Teenager geeignet gewesen wären, weil sie Wissen voraussetzen, über das ein Leseanfänger in der Regel noch nicht verfügt. Alles in allem war ich – obwohl ich zum Beispiel Meenore als Figur sehr mochte – regelmäßig ziemlich irritiert beim Lesen von „A Tale of Two Castles“. Ich weiß nicht, ob diese Probleme auch in anderen Veröffentlichungen von Gail Carson Levine auftauchen oder ob ich einfach nur ein nicht so gutes Buch von ihr in die Finger bekommen habe. Auf jeden Fall werde ich nach diesem ziemlich unbefriedigenden Leseerlebnis wohl so schnell keine weiteren Geschichten von Gail Carson Levine lesen.