„This Poison Heart“ (und die Fortsetzung „This Wicked Fate“) von Kalynn Bayron hatte ich schon im April gelesen, aber ich wollte hier unbedingt noch eine Rezension zu dem Titel hinterlassen. Die Handlung wird aus der Sicht der siebzehnjährigen Briseis (Brie) erzählt, die gemeinsam mit ihren beiden Adoptivmüttern in New York lebt. So lange Brie sich erinnern kann, hat sie so etwas wie einen „grünen Daumen“ – nur dass ihr Daumen so grün ist, dass sie selbst verdorrte Pflanzen innerhalb von Sekunden wieder zur üppigen Blüte bringen kann. In den vergangenen Jahren ist ihre Macht über Pflanzen so stark geworden, dass sie jede Minute des Tages aufpassen muss, um nicht ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil sich zum Beispiel Alleebäume auf sie zubewegen oder sich ein verdorrter kleiner Vorgarten mal eben in einen üppig wuchernden Dschungel verwandelt. Erst als Brie von ihrer leiblichen Tante ein Herrenhaus auf dem Land erbt, erfährt sie, dass ihre Pflanzenmagie eine Fähigkeit ihrer Geburtsfamilie ist, hinter der sich mehr verbirgt, als sie jemals hätte ahnen können.
Kalynn Bayron vermischt in „This Poison Heart“ eine ganze Menge von Themen von Botanik über griechische Mythologie bis zur der Frage, was eine Familie eigentlich ausmacht. Es gibt immer wieder dramatische oder bedrohliche Szenen, wenn Brie mit gefährlichen Pflanzen zu tun hat oder mit Personen, die ihre Fähigkeiten ausnutzen wollen. Aber was bei mir den stärksten Eindruck hinterlassen hat, ist Bries Verhältnis zu Pflanzen und ihre Faszination, wenn es um die Hege und Pflege des zum Herrenhaus gehörenden Giftgartens sowie um die (medizinische oder magische) Verwendung der dort wachsenden Pflanzen geht. Diese Passagen sind in der Regel deutlich ruhiger und eher alltäglich. Sie bieten Brie die Möglichkeit, in ihrem neuen Zuhause anzukommen und es zu genießen, dass sie endlich einmal ihrer Pflanzenmagie freien Lauf lassen kann, und das ist sehr schön zu lesen.
Auch fand ich es sehr nett mitzuverfolgen, wie Brie sich im Laufe der Zeit mit Karter, einem Jungen aus dem Ort, anfreundet und mit Marie, einer jungen Frau aus der Nachbarschaft, jemanden kennenlernt, mit dem sie sich mehr als Freundschaft vorstellen kann. Doch natürlich bleibt es nicht lange so harmonisch, dafür gibt es zu viele Geheimnisse rund um die Verbindung von Bries Geburtsfamilie zu der legendären Medea. Außerdem gibt ein einige Personen, die hinter diesen Geheimnissen und Bries Magie her sind und die keinerlei Skrupel haben, wenn es um das Erreichen ihrer Ziele geht. Das alles führt dazu, dass „This Poison Heart“ nach so einigen dramatischen Ereignissen mit einem Cliffhanger endet und die Geschichte erst mit Bries weiteren Erlebnissen in „This Wicked Fate“ einen Abschluss findet. Während ich diese Mischung aus griechischer Mythologie und Fantasyelementen in der Geschichte sehr unterhaltsam fand und mich die spannenderen Passagen sehr fesselten, fand ich das offene Ende ein bisschen frustrierend.
Immerhin war „This Wicked Fate“ schon erschienen, so dass ich relativ zeitnah weiterlesen konnte, wobei ich dann feststellte, dass sich die beiden Romane für mich überraschend unterschiedlich angefühlt haben. Die Handlung in „This Poison Heart“ hat sich eher gemächlich entwickelte, da sich Kalynn Bayron Zeit nahm um Brie, ihre Familienverhältnisse und die mit ihrem Erbe verbundenen Elemente vorzustellen. Außerdem gab es – abgesehen von der Identität der drahtziehenden Person, die wirklich früh auf der Hand lag, – die eine oder andere Überraschung in der Geschichte, die mich neugierig auf die weitere Entwicklung machte. Insgesamt fühlte sich dieser erste Band trotz Bries Pflanzenmagie (und ein paar anderer übernatürlicher Figuren) weniger fantastisch an als „This Wicked Fate“. In dem zweiten Teil ist Brie mit einigen anderen Personen in Europa unterwegs, um die Dinge, die am Ende von „This Poison Heart“ geschehen sind, wieder in Ordnung zu bringen, was zu einer durch und durch von Göttern und Magie durchsetzten fantastischen Handlung führt, die ich so zu Beginn des ersten Teils nicht erwartet hatte. Ich habe mich auch damit sehr gut unterhalten gefühlt, aber es hätte mir noch ein kleines bisschen besser gefallen, wenn Bries Leben etwas „alltäglicher“ geblieben wäre und wir stattdessen noch mehr über ihren neuen Wohnort und ihr Erbe gelernt hätten.
