Schlagwort: Fantasy

Kalynn Bayron: This Poison Heart (und This Wicked Fate)

„This Poison Heart“ (und die Fortsetzung „This Wicked Fate“) von Kalynn Bayron hatte ich schon im April gelesen, aber ich wollte hier unbedingt noch eine Rezension zu dem Titel hinterlassen. Die Handlung wird aus der Sicht der siebzehnjährigen Briseis (Brie) erzählt, die gemeinsam mit ihren beiden Adoptivmüttern in New York lebt. So lange Brie sich erinnern kann, hat sie so etwas wie einen „grünen Daumen“ – nur dass ihr Daumen so grün ist, dass sie selbst verdorrte Pflanzen innerhalb von Sekunden wieder zur üppigen Blüte bringen kann. In den vergangenen Jahren ist ihre Macht über Pflanzen so stark geworden, dass sie jede Minute des Tages aufpassen muss, um nicht ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil sich zum Beispiel Alleebäume auf sie zubewegen oder sich ein verdorrter kleiner Vorgarten mal eben in einen üppig wuchernden Dschungel verwandelt. Erst als Brie von ihrer leiblichen Tante ein Herrenhaus auf dem Land erbt, erfährt sie, dass ihre Pflanzenmagie eine Fähigkeit ihrer Geburtsfamilie ist, hinter der sich mehr verbirgt, als sie jemals hätte ahnen können.

Kalynn Bayron vermischt in „This Poison Heart“ eine ganze Menge von Themen von Botanik über griechische Mythologie bis zur der Frage, was eine Familie eigentlich ausmacht. Es gibt immer wieder dramatische oder bedrohliche Szenen, wenn Brie mit gefährlichen Pflanzen zu tun hat oder mit Personen, die ihre Fähigkeiten ausnutzen wollen. Aber was bei mir den stärksten Eindruck hinterlassen hat, ist Bries Verhältnis zu Pflanzen und ihre Faszination, wenn es um die Hege und Pflege des zum Herrenhaus gehörenden Giftgartens sowie um die (medizinische oder magische) Verwendung der dort wachsenden Pflanzen geht. Diese Passagen sind in der Regel deutlich ruhiger und eher alltäglich. Sie bieten Brie die Möglichkeit, in ihrem neuen Zuhause anzukommen und es zu genießen, dass sie endlich einmal ihrer Pflanzenmagie freien Lauf lassen kann, und das ist sehr schön zu lesen.

Auch fand ich es sehr nett mitzuverfolgen, wie Brie sich im Laufe der Zeit mit Karter, einem Jungen aus dem Ort, anfreundet und mit Marie, einer jungen Frau aus der Nachbarschaft, jemanden kennenlernt, mit dem sie sich mehr als Freundschaft vorstellen kann. Doch natürlich bleibt es nicht lange so harmonisch, dafür gibt es zu viele Geheimnisse rund um die Verbindung von Bries Geburtsfamilie zu der legendären Medea. Außerdem gibt ein einige Personen, die hinter diesen Geheimnissen und Bries Magie her sind und die keinerlei Skrupel haben, wenn es um das Erreichen ihrer Ziele geht. Das alles führt dazu, dass „This Poison Heart“ nach so einigen dramatischen Ereignissen mit einem Cliffhanger endet und die Geschichte erst mit Bries weiteren Erlebnissen in „This Wicked Fate“ einen Abschluss findet. Während ich diese Mischung aus griechischer Mythologie und Fantasyelementen in der Geschichte sehr unterhaltsam fand und mich die spannenderen Passagen sehr fesselten, fand ich das offene Ende ein bisschen frustrierend.

Immerhin war „This Wicked Fate“ schon erschienen, so dass ich relativ zeitnah weiterlesen konnte, wobei ich dann feststellte, dass sich die beiden Romane für mich überraschend unterschiedlich angefühlt haben. Die Handlung in „This Poison Heart“ hat sich eher gemächlich entwickelte, da sich Kalynn Bayron Zeit nahm um Brie, ihre Familienverhältnisse und die mit ihrem Erbe verbundenen Elemente vorzustellen. Außerdem gab es – abgesehen von der Identität der drahtziehenden Person, die wirklich früh auf der Hand lag, – die eine oder andere Überraschung in der Geschichte, die mich neugierig auf die weitere Entwicklung machte. Insgesamt fühlte sich dieser erste Band trotz Bries Pflanzenmagie (und ein paar anderer übernatürlicher Figuren) weniger fantastisch an als „This Wicked Fate“. In dem zweiten Teil ist Brie mit einigen anderen Personen in Europa unterwegs, um die Dinge, die am Ende von „This Poison Heart“ geschehen sind, wieder in Ordnung zu bringen, was zu einer durch und durch von Göttern und Magie durchsetzten fantastischen Handlung führt, die ich so zu Beginn des ersten Teils nicht erwartet hatte. Ich habe mich auch damit sehr gut unterhalten gefühlt, aber es hätte mir noch ein kleines bisschen besser gefallen, wenn Bries Leben etwas „alltäglicher“ geblieben wäre und wir stattdessen noch mehr über ihren neuen Wohnort und ihr Erbe gelernt hätten.

Kalynn Bayron: You’re Not Supposed to Die Tonight

Ich fürchte, es macht sich gerade bei meinen Rezensionen bemerkbar, dass ich versuche, vor dem Jahresende all die Titel zu besprechen, zu denen ich eigentlich schon vor Monaten etwas schreiben wollte. „You’re Not Supposed to Die Tonight“ habe ich im Juli gelesen, und es ist wirklich das perfekte Buch für eine Sommernacht, in der einen die Hitze nicht schlafen lässt. Die Geschichte dreht sich um Charity Curtis, die seit Jahren während der Sommerferien im Camp Mirror Lake arbeitet. Camp Mirror Lake ist ein ganz besonderes „Ferienlager“, in dem sich die Gäste für eine Nacht fühlen dürfen, als wären sie Teil der Handlung eines Horrorfilms. Die Mitarbeiter von Camp Mirror Lake sind dabei sowohl für die special effects zuständig, mit denen die Gäste geschockt werden, als auch als „Schauspieler*innen“ unterwegs, die dafür sorgen, dass es eine Art Handlung gibt, die die Gäste durch eine Nacht voller Schrecken führt.

Dabei verkörpert Charity in diesem Jahr zum ersten mal das final girl, was nicht nur bedeutet, dass sie jede Nacht die Hauptrolle in der jeweiligen Horrorgeschichte spielt, sondern auch für das richtige Timing all der verschiedenen Schreckmomente für die Gäste verantwortlich ist. Doch in der Nacht, in der die Romanhandlung beginnt, beschleicht Charity der Verdacht, dass jemand anders im Hintergrund die Fäden zieht und nicht jede Blutlache künstlich erzeugt wurde. Gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern versucht Charity, mehr über die unheimlichen Gerüchte rund um den Mirror Lake herausfinden, und natürlich tun sie alles, um irgendwie ihre Zeit im Camp zu überleben. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn eine Person nach der anderen verschwindet, während ein geheimnisvoller Angreifer es auf sie und ihre Freunde abgesehen hat.

Kalynn Bayron hat mit „You’re Not Supposed to Die Tonight“ eine Horrorgeschichte für Jugendliche geschrieben – was den Roman perfekt für Personen wie mich macht, die normalerweise keinen (Slasher-)Horror konsumieren. Es gibt sehr viele Anspielungen auf Horrorfilme, die auch für mich gut verständlich (und oft genug sogar zuordbar) waren und die ich unterhaltsam fand. Überhaupt habe ich es sehr genossen, in der ersten Hälfte des Buchs von Charitys Begeisterung für dieses Camp zu lesen und von all den (praktischen und künstlerischen) Aspekten, die in die Gestaltung einer solchen Horrornacht für die Gäste einfließen. Ich mag solche „hinter den Kulissen einer Veranstaltung“-Momente in Romanen, und hier sorgte das zusätzlich dafür, dass anfangs nicht genau greifbar war, was nur „Show-Horror“ und was eine aktuelle Bedrohung für die Charaktere war. Außerdem bot dies der Autorin genügend Platz, um die Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren und ihre unterschiedlichen Eigenschaften vorzustellen.

In der zweiten Hälfte ging es für Charity und die anderen dann nur noch darum, zu überleben und mehr über ihre/n Gegner herauszufinden, was die Handlung in eine ganz neue Richtung lenkte. Es gibt einige drastische Szenen, aber nichts davon war so heftig, dass es mir beim Lesen zu viel wurde. Ich war vor allem neugierig darauf, ob (und wenn ja, wie) die jeweiligen Charaktere aus Situationen herauskommen würden, in denen ihr Leben auf dem Spiel stand. Dabei muss ich zugeben, dass ich die eine oder andere Wendung recht vorhersehbar fand, da Kalynn Bayron einige (mehr oder weniger dezente) Hinweise in die vorhergehenden Kapiteln eingebaut hatte. Was mich hingegen überrascht hat, war die Wendung am Ende der Geschichte, und ich bin mir bis heute nicht sicher, was genau ich davon halten soll. Ich denke, es wäre mir lieber gewesen, wenn die Autorin auf diese eine letzte Entwicklung verzichtet hätte. Das wäre dann meinem Gefühl nach auch passender für das Genre gewesen. Auf der anderen Seite ist dieses Ende stimmig, wenn ich all die (weniger realistischen) Elementen in der zweiten Hälfte des Romans in Betracht ziehe, so dass es vielleicht doch der richtige Abschluss für diese Geschichte war.

Insgesamt finde ich es schwierig, eine klare Empfehlung für „You’re Not Supposed to Die Tonight“ auszusprechen. Es gab sehr viele Elemente, die ich bei diesem Roman genossen habe, obwohl ich normalerweise keine Horror-Leserin bin. Ich lese den Schreibstil von Kalynn Baron sehr gern, ich mag, wie sie LGBTQIA+- und Schwarze Charaktere in ihre Geschichten einbaut, und dieser Horrorroman bot mir ein paar überraschend unterhaltsame Lesestunden. Aber wer sich auf dieses Buch einlässt, sollte damit leben können, dass sich die erste und die zweite Hälfte der Geschichte ziemlich unterschiedlich anfühlen. Mir persönlich lagen die realistischeren und alltäglicheren Details rund um die Arbeit in einem solchen „Themen-Champ“ mehr als die sich eher „übernatürlich“ anfühlenden Passagen rund um die Motive, die hinter den Angriffen auf die Camp-Mirror-Lake-Mitarbeiter standen. Wer aber mit diesen sehr unterschiedlichen Schwerpunkten leben kann oder wer eine Schwäche für Slasher-Filme und dementsprechende Anspielungen hat, wird meiner Meinung nach mit „You’re Not Supposed to Die Tonight“ viel Spaß habe.

Lese-Eindrücke November 2024

Nachdem ich in den ersten zwei Novemberwochen so gut wie gar nicht gelesen hatte, habe ich es in der zweiten Monatshälfte immerhin noch geschafft, mich in ein paar Bücher zu vertiefen und dementsprechend auch ein paar Lese-Eindrücke zu sammeln.

W.R. Gingell: The Clockwork Magician (The Two Monarchies 4)

Erst einmal ging es für mich weiter mit der „Two Monarchies“-Serie von W.R. Gingell, und ich muss zugeben, dass mir dieser Band nicht so gut gefallen hat wie all die anderen zuvor. Das lag vor allem daran, dass der Protagonist Peter mir entsetzlich auf die Nerven ging. Das war schon so, als er nur eine Nebenfigur in „Blackfoot“ war, aber da spielte er keine so große Rolle und die Geschichte wurde aus Annabels Perspektive erzählt, was sein Verhalten erträglicher machte. Auf der anderen Seite lagen meine Probleme mit „The Clockwork Magician“ daran, dass es fast durchgehend um das Thema Zeitreise und die dahinterstehende Magietheorie ging – und ich bin weder ein Fan von Zeitreisegeschichten, noch verfügte ich beim Lesen über die notwendige Geduld und Konzentration, um mich mit Magietheorie zu beschäftigen. Außerdem wusste ich durch die ganzen Andeutungen in den vorhergehenden Romanen schon, wie Peters Geschichte enden wird, was dazu führte, dass ich nicht einmal darauf neugierig war. Lieber hätte ich die Ereignisse aus der Perspektive der Person gelesen, die von Peter in die ganze Angelegenheit hineingezogen wurde, das hätte es vermutlich für mich amüsanter gemacht. Nur gut, dass beim nächsten Band der Serie Annabels Freundin Isabella im Mittelpunkt steht, die ich bislang bei jedem ihrer Auftritte sehr mochte!

Lyssa Kay Adams: The Bromance Book Club

Auf der Suche nach einem netten, unterhaltsamen Roman, der von mir nicht viel Denkfähigkeit erfordert, bin ich bei „The Bromance Book Club“ gelandet. Die Geschichte beginnt damit, dass der Baseballspieler Gavin Scott von seiner Frau Thea um die Scheidung gebeten wird. Er ist total verzweifelt und will alles tun, um seine Ehe zu retten, und zum Glück eilen ihm einige andere Männer (u.a. aus seinem Team) zur Hilfe. Diese anderen Männer sind Mitglieder eine Buchclubs, in dem sie Liebesromane lesen, weil diese in der Regel von Frauen für Frauen geschrieben werden und sie so herausfinden können, was die Frauen in ihrem Leben wirklich wollen. Ich muss zugeben, dass mir Gavin und Thea als Figuren ziemlich egal waren, außerdem fand ich es ziemlich nervig, dass die beiden nicht nur ständig auf die körperlichen Vorzüge des anderen fixiert waren, sondern auch im Rahmen des Liebesromanlesens lauter Klischees reproduziert wurden, die mich irritierten. Aber es gab auch so einige Szenen mit den Buchclub-Mitgliedern, die ich überraschend amüsant oder gar berührend fand. Alles in allem kein Roman, den ich weiterempfehlen würde (wo kommen all die guten Bewertungen dafür her?!), aber ich ärgere mich jetzt auch nicht übermäßig über die damit verbrachte Zeit.

W.R. Gingell: Masque (The Two Monarchies 5)

Wie erwartet hat mir dieser Band wieder deutlich besser gefallen als „The Clockwork Magician“! In „Masque“ ermittelt Isabelle in einer Reihe von rätselhaften (und vermutlich magisch ausgeführten) Morden, was zu einem überraschend spannenden fantastischen Kriminalroman führt. Eigentlich wollte Isabelle nur ihren Vater, der der Abgesandte der neuen Königin von New Civet ist, unterstützen, während dieser mit dem Nachbarland einen Kooperationsvertrag aushandelt. Aber da sie nicht nur diejenige ist, die während eines Balls das erste Opfer des Mörders entdeckt, sondern dieses Opfer auch noch ihr Kindheitsfreund war, mischt sie sich – entgegen aller Vorbehalte des örtlichen Anführers der Wache – in die Ermittlungen ein. Ich fand es nicht nur überaus unterhaltsam, aus Isabelles Sicht die ganze Geschichte zu verfolgen, sondern habe mich auch darüber amüsiert, dass W. R. Gingell es geschafft hat, diese Handlung in eine „Beauty and the Beast“-Variante einzubetten. Besonders unterhaltsam war, dass das dazu führte, dass Isabelle einen nicht unerheblichen Teil der Handlung als Gefangene der Wache verbringt – und diese Zeit erst reicht nutzt, um mehr über die Morde und die verschiedenen Verdächtigen herauszufinden. Oh, und dann gibt es da noch die Liebesgeschichte mit dem Anführer der Wache … Jetzt finde ich es wieder sehr schade, dass ich nur noch einen einzigen Teil der Reihe vor mir habe, freue mich aber darüber, dass dieser Band dann aus der Perspektive von Isabelles jüngerer Schwester erzählt wird.

Zayaan Schroeder: A Grumpy Witch’s Guide to Finding Love (Hemlock Harbor 1)

Ein Fall von „ich mag den Titel, ich mag (oft genug) paranormal romance – mal schauen, was das für eine Geschichte ist“. „A Grumpy Witch’s Guide to Finding Love“ dreht sich um die Hexe Zoe und den Werwolf Daniel. Zoe ist vor einiger Zeit von ihrem Coven verbannt worden, weshalb ihre Magie kurz davor ist zu verschwinden, während Daniel gerade erst (nach einem Vorfall mit seiner Familie) von London in die kleine amerikanische Hafenstadt Hemlock Harbor gezogen ist. Beide fühlen sich von Anfang an zueinander hingezogen, aber natürlich gibt es Gründe, wieso sie dieser Anziehung nicht nachgeben können. Puhhh … Ich mochte die Grundidee, ich mochte sehr viele der (Neben-)Figuren, ich kann im Prinzip sagen, dass ich all die Urban-Fantasy-Elemente in der Geschichte mochte, auch wenn die nicht immer besonders gründlich/logisch ausgearbeitet wurden. Eigentlich war sogar die Liebesgeschichte ganz nett zu lesen, abgesehen davon, dass mich (mal wieder) die ganzen Szenen, in denen sich Zoe und Daniel über die körperlichen Vorzüge der anderen Person Gedanken machten, ebenso wie der größte Teil der Sexszenen genervt haben. Das alles gab mir das Gefühl, dass für die beiden Protagonisten die Persönlichkeit des anderen eher Nebensache neben all den sexy Äußerlichkeiten war. Vor allem aber wäre es eher nach meinem Geschmack gewesen, wenn all der Aufwand der Autorin, der in die unterschiedlichen Beschreibungen von Muskelpaketen und sexy Körperteilen geflossen ist, stattdessen in Weltenbau und stimmigere Fantasyelemente investiert worden wären.

T. Kingfisher: A Sorceress Comes to Call

„A Sorceress Comes to Call“ von T. Kingfisher (Ursula Vernon) habe ich im August gelesen und ertappe mich bis heute immer wieder dabei, dass ich an die Geschichte zurückdenke. Der Roman ist grob an das Märchen „Die Gänsemagd“ angelehnt, doch statt von einer Prinzessin zu erzählen, die auf dem Weg zu ihrer Hochzeit von ihrer Zofe betrogen wird, dreht sich die Geschichte um die 14jährige Cordelia. Cordelia lebt zusammen mit ihrer Mutter, der Zauberin Evangeline, und schon von der ersten Seite an wird deutlich, dass Cordelia in keinem normalen oder gar gesunden Umfeld aufwächst. Seit vielen Jahren gehört zum Beispiel „obedient“ sein zu ihrem Leben – was in diesem Fall bedeutet, dass Evangeline die Kontrolle über Cordelias Körper übernimmt, während das Mädchen nur hilflos zuschauen kann. Nur während ihrer Ausritte mit Evangelines Pferd Falada fühlt sich Cordelia, als wäre sie der steten Beobachtung ihrer Mutter entkommen, und so sind diese Stunden – ebenso wie die dabei stattfindenden seltenen Treffen mit ihrer ehemaligen Schulfreudin Ellen – die einzigen Höhepunkte in ihrem Leben. Nach einem Vorfall in Cordelias Heimatort beschließt Evangeline, dass es Zeit wird, sich einen vermögenden Ehemann zu suchen, und so lädt sie sich (gemeinsam mit Cordelia) in das Haus des älteren Squire Samuel Chatham und seiner Schwester Hester ein.

Erzählt wird die Geschichte sowohl aus Cordelias als auch aus Hesters Sicht, und während Cordelias Perspektive fast schon schmerzhaft zu verfolgen ist, habe ich mich bei Hesters Kapiteln großartig amüsiert. Hester ist eine selbstbewusste ältere Frau mit so einigen Wehwechen und einem scharfen Verstand. Von Anfang an steht für sie fest, dass Evangeline (die von ihr in Gedanken nur als „Doom“ bezeichnet wird) eine Bedrohung für ihren Bruder Samuel darstellt. Dabei geht es ihr nicht darum, ihre Position im Haushalt ihres Bruders zu sichern, sondern sein Vermögen (und sein Leben) vor einer offensichtlich gierigen und gefährlichen Person zu beschützen. Außerdem sieht Hester ziemlich schnell all die kleinen Anzeichen, die davon zeugen, dass Cordelia von ihrer Mutter misshandelt wird. Beides führt dazu, dass sich – wie es sich für einen T.-Kingfisher-Roman gehört – eine ungewöhnliche Gruppe voller sehr individueller Persönlichkeiten rund um Hester (und Cordelia) sammelt, die alles in ihrer Macht stehende tun, um gegen Evangeline und ihre Zauberkräfte anzugehen.

Ich liebe all die vielen verschiedenen älteren und sehr pragmatischen Frauen in T. Kingfishers Romanen, und mit Hester und ihrer besten Freundin Imogene hat die Autorin ein ganz besonders wunderbares Duo davon geschaffen. All die gemeinsamen Teestunden mit diesen beiden Frauen, in denen sie Informationen sammeln, Strategien planen und ihren Verbündeten Anweisungen geben, stehen im starken Kontrast zu den eher gruseligen und zum Teil ziemlich dramatischen Szenen rund um Evangelines Magie. Ich muss zugeben, dass diese Teestunden der Teil des Romans ist, der den stärksten Eindruck bei mir persönlich hinterlassen hat, weil ich den Austausch zwischen all den verschiedenen Figuren so mochte – obwohl es auch schön zu lesen war, wie Cordelia mit der Hilfe von Hester und dem Dienstmädchen Alice immer mehr das Verhalten ihrer Mutter hinterfragt und im Laufe der Zeit anfängt, eigenständig zu denken und zu handeln. Aber Geschichten, in denen misshandelte junge Frauen lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, sind halt deutlich weniger ungewöhnlich, als Geschichten rund um ältere, selbstbewusste Frauen, die ihre Freundschaften, ihren Pragmatismus und ihre Lebenserfahrung nutzen, um die Personen in ihrem Umfeld zu beschützen.

„A Sorceress Comes to Call“ ist in vielen Bereichen düsterer als die anderen Märchen-Neuerzählungen, die ich bislang von T. Kingfisher gelesen habe. Aber trotz der unheimlichen Elemente bietet dieser Roman wieder eine großartige Mischung aus realistischen und sehr sympathischen Charakteren, skurrilen Situationen und ungewöhnlichen fantastischen Elementen. Außerdem gibt es in dieser Geschichte wieder so viele Sätze und Aussagen, die auch noch Wochen nach dem Lesen in mir nachklingen und die mich nachdenklich gemacht haben. Ich mag es sehr, dass die Autorin es immer wieder schafft, dass ich mich beim Lesen wunderbar amüsiere, während sie mir gleichzeitig so viele Denkanstöße zu den verschiedensten unerwarteten Themen präsentiert. Unter diesen Umständen bin ich auch immer wieder gern bereit, mich auf die eher düsteren Geschichten (oder gar Horror-Veröffentlichungen) von T. Kingfisher einzulassen.

Linda Urban: Almost There and Almost Not

Die Geschichte in „Almost There and Almost Not“ wird von der elfjährigen California Poppy erzählt, die zu Beginn des Romans von ihrer Tante Isabelle bei der ihr bislang unbekannten Tante Monica abgeladen wird. Relativ schnell wird deutlich, dass Californias Vater sie – ohne Vorwarnung – bei Isabelle einquartiert hatte, weil er für unbestimmte Zeit unterwegs sein würde. Ebenso rasch wird deutlich, dass California für Tante Isabelle nur eine lästige Verantwortung war, die sie so schnell wie möglich – und ohne mit California darüber zu reden – an jemand anderen weiterreichen will. Obwohl sie sich sicher ist, dass auch ihr Aufenthalt bei Monica nur eine Zwischenstation sein wird, fängt California gemeinsam mit ihrer Tante an, die Unterlagen, die Monicas verstorbener Ehemann über seine Vorfahrin Eleanor Fontaine gesammelt hatte, zu sichten. Darunter befindet sich auch ein Buch aus dem Jahr 1922 über das richtige Verfassen von Briefen, das California dazu inspiriert, Briefe an diverse Personen zu schreiben, die zusammen mit den Ereignissen, die von den Leser*innen direkt verfolgt werden können, nach und nach ein klares Bild von Californias Vergangenheit heraufbeschwören.

Außerdem sieht California regelmäßig nicht nur den Geist von Eleanor Fontaine, sondern auch einen ungewöhnlichen kleinen Hund im Garten von Tante Monica, der ihr immer wieder Papierschnipsel bringt, die im Zusammenhang mit Eleanors Leben stehen. Diese fantastischen Elemente sorgen immer wieder für wunderbare Momente zum Schmunzeln, was einen schöner Ausgleich zu Californias aktuellem Leben bildet, das sich unsicher und fragil anfühlt. So ganz kann California nicht verstehen, wieso ihr Vater sie einfach bei Tante Isabelle geparkt hat, und sie hat das Gefühl, dass sie Schuld daran ist, weil ihr Verplappern zu dem Official Meeting an ihrer Schule geführt hat. Was genau bei diesem Termin in der Schule besprochen wurde und wieso er überhaupt nötig war, wird erst im Laufe der Geschichte enthüllt (und ist nicht so schlimm, wie ich ursprünglich befürchtet hatte).

Aber es war für mich ziemlich frustrierend zu lesen, wie selten die Erwachsenen in Californias Leben mit ihr reden und wie viel über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Trotzdem habe ich dieses Buch wirklich genossen, weil California so eine berührende – und manchmal wunderbar biestige – Protagonistin ist, die versucht, sich so gut wie möglich in einer für sie ganz schön herausfordernden Welt zurechtzufinden. Parallel zu Californias Vergangenheit erfahren die Leser*innen auch immer mehr über Eleanor und ihre Lebensgeschichte, die wesentlich ungewöhnlicher war, als nach ihrem ersten Auftreten in dem Roman zu erahnen ist. Je häufiger Eleanor in der Geschichte vorkam, desto mehr wuchs sie mir ans Herz, und ich fand es wunderbar zu verfolgen, wie sie und California im Laufe der Zeit so etwas wie Freundinnen wurden (auch wenn das bei einem Geist, der sich nur bruchstückhaft an das vorherige Treffen erinnert, vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist).

Alles in allem war „Almost There and Almost Not“ eine wirklich berührende Geschichte, die ich wirklich gern gelesen habe. Ich habe über die diversen amüsanten Momente gelacht, ich habe mit California um ihre Mutter getrauert, ich habe gespannt auf all die kleinen Enthüllungen rund um Eleanor gewartet und musste immer wieder schlucken, wenn neue Details rund um Californias Vergangenheit zum Vorschein kamen. Als erwachsene Leserin hätte ich mir manchmal gewünscht, dass Linda Urban die erwachsenen Nebenfiguren vielleicht ein bisschen mehr ausgearbeitet hätte. Aber auf der anderen Seite ist das eine Geschichte, die sich um eine Elfjährige dreht und die für ein Publikum geschrieben wurde, das ungefähr Californias Alter hat und für das die Erwachsenen in der Handlung deshalb auch weniger Gewicht haben als für mich. Außerdem hat mich dies definitiv nicht davon abgehalten, diesen Roman zu genießen und am Ende mit Tränen in den Augen aus der Hand zu legen, um direkt zu schauen, was Linda Urban sonst noch für Bücher geschrieben hat.

Ann Sei Lin: Rebel Skies

„Rebel Skies“ ist der Debütroman von Ann Sei Lin und der Auftakt einer Trilogie (deren Abschlussband gerade erschienen ist). Die Geschichte in „Rebel Skies“ wird zum Großteil aus der Perspektive von Kurara erzählt, die – gemeinsam mit ihrem Kindheitsfreund Haru – seit Jahren als Küchenmädchen in dem Himmelsschloss Midori lebt und arbeitet. Das Leben in Midori ist hart, aber da das Dorf, aus dem Kurara und Haru stammen, von Shikigami (die in diesem Buch vor allem riesige Tiere, die aus Papier und Magie geschaffen wurden, sind) zerstört wurde, müssen die beiden dankbar für die Zuflucht sein, die sie dort gefunden haben. Doch an dem Tag, an dem die Handlung für die Leser*innen beginnt, wird das im Himmel schwebende Schloss Midori von einem Drachen-Shikigami angegriffen, und Kurara begegnet dem Crafter Himura, der ihr eröffnet, dass die Magie, die es ihr ermöglicht, Papier zu beeinflussen, eine Crafter-Fähigkeit ist und dass er sie darin ausbilden kann.

Himuras Bereitschaft, Kurara unter seine Fittiche zu nehmen, und die Tatsache, dass Haru auf der Flucht vor dem Drachen schwer verletzt wurde, sorgen in den folgenden Tagen für so einigen Aufruhr in Kuraras Leben. Sie ist wild entschlossen, alles dafür zu tun, um Haru zu helfen, und wenn das bedeutet, dass sie auf einem Schiff, das Shikigami jagt, arbeiten und dabei den Umgang mit ihrer Magie meistern muss, dann ist das eben der Weg, den sie einschlägt. Doch dieser Weg bringt so einige Enthüllungen mit sich, die Kurara an all den Dingen zweifeln lassen, die ihr über ihre Kindheit erzählt wurden, und in ihr die Frage aufkommen lässt, ob es überhaupt richtig ist, Shikigami zu jagen – selbst wenn diese für unglaubliche Zerstörungen im Kaiserreich Mikoshima verantwortlich sind.

„Rebel Skies“ beinhaltet eine wunderbare Mischung aus vertrauten (japanischen) Elementen und überraschenden Ideen, die von Ann Sei Lin zu einer ungewöhnlichen Geschichte verwoben wurden. Mir gefiel die Idee mit den Shikigami-Wesen aus Papier, die auf der einen Seite immer wieder die Bewohner von Mikoshima bedrohen und auf der anderen Seite für die Crafter so etwas wie nützliche Haustiere sein können. Die Welt, die die Autorin für ihren Roman geschaffen hat, ist nicht gerade komplex, aber sie ist so gestaltet, dass es sich beim Lesen nach einer Welt anfühlt, die eine schon lange Geschichte voller Kriege, Kolonisation und Machtspiele innerhalb der verschiedenen Klassen hinter sich hat. Kurara ist dieser Welt ziemlich ausgeliefert. Sie hat keine Besitztümer, keine Beziehungen, und ihr einziger Freund benötigt dringend ihre Hilfe, statt dass er ihr zur Seite stehen kann.

Aber Kurara lernt nach Verlassen des Schloss Midori so viel über sich und ihre Fähigkeiten, sie findet neue Freund*innen und stolpert immer wieder über neue Fragen und Rätsel, nach deren Antworten sie noch suchen muss, dass ich das überraschend spannend zu lesen fand. Ich bin sehr neugierig darauf, wie sich die Ereignisse in „Rebel Fire“ und „Rebel Dawn“ noch entwickeln und was das dann für Kurara und die Personen in ihrem Umfeld bedeutet. Ich bin mir sicher, ich weiß, was es mit den Shikigami auf sich hat, aber ich bin gespannt auf die Hintergründe und welche Auswirkungen all die Enthüllungen auf die politische Situation in Mikoshima mit sich bringen werden. So schade es ist, dass ein Roman, der mich so gut unterhalten hat, so lange auf meinem SuB lag, so schön ist es auch, dass ich nun die Chance habe, direkt die anderen beiden Bände zu lesen.

Lese-Eindrücke Oktober 2024 (Teil 2)

Da mir mein Beitrag mit Lese-Eindrücken aus dem Oktober ein bisschen zu lang wurde, habe ich ihn für die Veröffentlichung zweigeteilt. Wer den ersten Teil sucht, wird HIER fündig.

Kate Williams: For Better or Cursed (The Babysitters Coven 2)

Im Oktober habe ich auch den ersten und zweiten Teil der „The Babysitters Coven“-Bücher gelesen und obwohl ich mich eigentlich gut unterhalten gefühlt habe, glaube ich nicht, dass ich mir auch noch den dritten Band besorgen werde. Während ich bei „The Babysitters Coven“ die erste Hälfte hindurch das Gefühl hatte, ich würde neben den fantastischen und den ernsthafteren Elementen zu viel Teenie-Drama lesen, strotzte „For Better or Cursed“ vor Erwachsenen, die nicht zuhörten und ihren Job nicht richtig erledigten. Da es aber ihr Job war, sich um die Sitter zu kümmern, die in unsere Welt eindringende Dämonen bekämpfen, fand ich das entsetzlich frustrierend zu lesen. Erschreckenderweise war dieses Mal Protagonistin Esme die – zumindest im Rahmen der Umstände – vernünftigste Person in der Geschichte. Und während sie versuchte, all die verschiedenen herausfordernden Dinge in ihrem Leben auf die Reihe zu bekommen und immer wieder diejenigen um Hilfe bat, die sie unterstützen sollten, wurden ihre Probleme entweder ignoriert oder durch die Verantwortlichen in ihrem Umfeld verschlimmert. Da halfen weder die diversen amüsanten Szenen rund um die unterschiedlichen magischen Fähigkeiten (oder Missgeschicke) noch die wohltuenden Momente, in denen es um die Freundschaft zwischen Esme und ihre besten Freundin Janis ging. Wie schon beim ersten Band mochte ich das Ende von „For Better or Cursed“ wirklich, aber ich glaube nicht, dass ich noch einmal so viele frustrierende Kapitel lesen möchte, nur um dann die Auflösung der ganzen Situation endlich genießen zu können.

W.R. Gingell: Staff and Crown (The Two Monarchies 3)

Wie schon „Blackfoot“ wird auch „Staff and Crown“ aus der Perspektive von Annabel erzählt. Allerdings sind inzwischen fast drei Jahre seit den Ereignissen in der magischen Schlossruine vergangen, und so findet sich Annabel zu Beginn der Geschichte in einer Finishing School wieder, wo sie angemessen damenhaftes Benehmen lernen soll, bevor sie offiziell der gehobenen Gesellschaft vorgestellt wird. Ihr zur Seite steht dabei Isabelle (die ich schon sehr mochte, als sie einen Auftritt in „Spindle“ hatte). Diese ist nicht nur in Adelskreisen aufgewachsen, sondern hat auch als Tochter eines Diplomaten viele unschätzbare Erfahrungen gemacht, von denen Annabel in den nächsten Monaten profitieren soll. Ich will hier nicht zu viel zu Annabels Situation schreiben, weil das ein Spoiler für die Reihe wäre, aber ich habe mich großartig dabei amüsiert, wie die beiden jungen Frauen die Regeln ihrer Schule immer wieder so verbiegen, dass sie ihre eigenen Ziele verfolgen können, während gleichzeitig die Schule von Spionen der Revolutionären und der Monarchisten infiltriert wird und es zu diversen Entführungsversuchen kommt. Weder Annabel noch Isabella verfügen über (nennenswerte) Magie, aber mit all ihrem Einfallsreichtum und ihren Beziehungen brauchen sie auch keine Magie, um gegen die diversen Gruppierungen anzukommen. Ich hatte sehr viel Spaß an den kleineren und größeren Abenteuern, die die beiden erlebten, vor allem, da das alles in einer wunderbaren Mischung aus klassischen Schulszenen, politischen Intrigen und (Gegen-)Spionage-Elementen stattfand. Inzwischen habe ich auch die letzten drei Bände der Reihe auf meinem eReader und der einzige Grund, wieso ich zwischendurch noch was anderes lese, besteht darin, dass ich mir die Geschichte so langsam ein bisschen einteilen will, damit ich länger etwas davon habe. 😉

Hafsah Faizal: A Tempest of Tea (Blood and Tea 1)

Ich gebe zu, dass ich „A Tempest of Tea“ vor allem deshalb vorbestellt hatte, weil ich das Cover so sehr mochte. Aber natürlich hätte ich das nicht gemacht, wenn ich nicht auch den Klappentext reizvoll gefunden hätte. Heist-Geschichten mag ich eigentlich und eine Mischung aus Teestube und nächtlicher verbotener „Blutbank“ für Vampire klang ungewöhnlich genug, um mich neugierg zu machen. Allerdings zog sich die erste Hälfte des Romans dann ziemlich hin. Ich fand es schwierig zu lesen, dass die fünf Personen, die an dem Diebstahl beteiligt waren, wild entschlossen waren, einander übers Ohr zu hauen. Ich mag es lieber, wenn bei einer solchen Geschichte alle – wenn auch vielleicht widerwillig/gezwungenermaßen – an einem Strang ziehen, selbst wenn es am Ende zu einem „Verrat“ innerhalb der Gruppe kommt. Außerdem fand ich es schade, dass die Planung des Coups im Prinzip in einer Nacht passierte (auch wenn es danach noch ein paar – mehr oder weniger amüsante – Szenen mit Vorbereitungen gab). Spannender wurde die Geschichte dann, als es wirklich mit dem Diebstahl losging und dabei einige der Dinge enthüllt wurden, die die Charaktere voreinander verborgen hatten. Das letzte Drittel des Roman habe ich dann an einem Stück gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Am Ende kann ich sagen, dass ich die erste Hälfte zwar nicht genossen habe, ich aber nach dem letzten Kapitel neugierig auf die weitere Entwicklung der Handlung bin. Dazu kommt, dass ich die Welt, die sich Hafsah Faizal für „A Tempest of Tea“ ausgedacht hat, wirklich faszinierend finde. Ich werde mir also irgendwann auch noch die Fortsetzung besorgen – allerdings hat die auf Englisch noch keinen Erscheinungstermin, während der zweite Band auf Deutsch für Oktober 2025 angekündigt wird.

Helenka Stachera: Fin and the Memory Curse

Nachdem „Fin and the Memory Curse“ von Helenka Stachera fast zwei Jahre auf meinem SuB lag, habe ich das Buch in diesem Oktober endlich gelesen. Dabei habe ich den Roman so sehr genossen, dass ich überlege, mir nun auch noch die Debütveröffentlichung („The Ice Whisperers“) der Autorin zu besorgen, obwohl Eiszeit-Geschichten mich – selbst wenn sie fantastisch sind – wenig interessieren. „Fin and the Memory Curse“ spielt im Jahr 1866 und wird aus der Perspektive von Fin erzählt, die vor elf Jahren in Zeitungspapier eingewickelt und in der Gesellschaft eines Jack Russell Terriers auf den Stufen von Ma Stump gefunden wurde. Gemeinsam mit zwei weiteren Waisenkindern (George und Snot) wird sie von Ma Stump aufgezogen und lernt schnell, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Als sie eines Tages Blutegel, die sie frisch für einen Apotheker gefangen hat, abliefern soll, begegnet sie Lady Worth, die in Fin ihre verloren geglaubte Nichte Magdalena Kaminski erkennt.

So findet sich Fin von einem Tag auf den anderen in einem Schloss am Rande des Marschlands wieder und muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sie von einer adeligen polnischen Familie abstammt, die vor ca. 25 Jahren in England Fuß gefasst hat. Es ist nicht so ganz einfach für Fin, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, obwohl ihre Cousine Emily und ihr – gerade erst aus Polen angereister – Cousin Eryk wirklich nett zu sein scheinen. Aber ihre Tante Lady Worth ist eine kühle und abweisende Person, die in allen Belangen auf den unheimlichen Arzt Doktor Hunt hört, und dann ist da noch der Fluch, der seit Jahrhunderten auf der Familie liegt. Was den Fluch – und eventuellen Schutz davor – angeht, so will ich nicht zu viel verraten, aber Helenka Stachera hat sich dafür von den Legenden ihres polnischen Vaters inspirieren lassen.

So lernt Fin eine Menge von ihrem Cousin Eryk über die wahre Natur des Fluchs, die Personen, die damit verbunden sind, und all die Schutzmaßnahmen, die in seinem polnischen Dorf gegen solch ein übernatürliches Böse angewandt wurden. Ich mochte diese unheimlichen Elemente in der Geschichte sehr, aber noch mehr mochte ich es, wie Fin sich damit auseinandersetzt. Sie verspürt anfangs verständlicherweise keinerlei Loyalität gegenüber einer Familie, die sie nicht kennt, während sie sich gleichzeitig nach der – nicht immer gewaltfreien, aber immerhin vertrauten – Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, sehnt. Doch die Freundschaft, die zwischen Fin, Eryk und Emily entsteht, und die Erkenntnis, dass dieser Fluch nicht nur in der Vergangenheit schon so viel Unglück verursacht hat, sondern auch in Zukunft Personen darunter leiden werden, wenn nicht jemand dem Ganzen ein Ende bereitet, sorgen bei Fin für überraschend große Motivation, gegen diesen Fluch vorzugehen. Und Fin ist – gerade weil sie nicht von der seit langer Zeit in der Familie der Kaminskis verbreitenden Legende beeinflusst wurde – genau die richtige Person, um den Fluch zu brechen.

Es ist nicht einfach für Fin, sich in ihrer neuen Familie zurechtzufinden, aber ich habe gern verfolgt, wie sie die verschiedenen Familienmitglieder kennenlernte und für sich herausfand, wer nicht nur vertrauenswürdig ist, sondern mit wem sie auch in Zukunft verbunden sein will. Außerdem gefiel es mir, dass Fin zwar den Kaminskis eine Chance geben will, aber nicht das Gefühl hat, sie müsse dankbar sein oder sich gar vollständig verstellen, um den Erwartungen von Lady Worth gerecht zu werden. Dabei hat Helenka Stachera ein wirklich gutes Händchen für all die kleinen Dinge, die für Fin zu überwältigend sind, während sie die ersten Tage im Haus ihrer Familie verbringt. Fin hat keine einfache Vergangenheit, und sie sieht nicht ein, dass sie sich dafür schämen soll. All das hat dafür gesorgt, dass ich ihre Perspektive wirklich gern verfolgt habe. „Fin and the Memory Curse“ ist ein wunderbar atmosphärischer Roman voller unheimlicher Elemente und Bedrohungen und voller sympathischer Charaktere, die ihr Bestes geben, um die Personen in ihrem Umfeld zu beschützen – und er hat mir einfach Spaß gemacht.

Kalyn Josephson: Ravenfall

Es ist lustig, dass „Ravenfall“ von Kalyn Josephson fast ein Jahr auf meinem SuB lag, weil ich im vergangenen Herbst einfach nicht in der Stimmung für das Buch war, nur damit ich es dann in diesem Jahr am letzten Herbstlesen-Samstag verschlingen konnte. Ich finde es immer wieder spannend, wie groß der Einfluss ist, den die richtige Stimmung auf mein Leseverhalten hat. Die Handlung in diesem Roman wird abwechselnd von Anna und Colin erzählt und spielt in dem Inn „Ravenfall“, das von Annas Familie betrieben wird. Dabei verfügen so gut wie alle Personen in Annas Familie über magische Fähigkeiten, aber während die anderen „nützliche“ Fähigkeiten haben, kann die dreizehnjährige Anna – wenn sie eine Person berührt – nur sehen, wie jemand stirbt (vorausgesetzt, dass die berührte Person schon einmal Zeuge eines Todesfalls war).

Der vierzehnjährige Colin hingegen kommt auf der Suche nach seinem älteren Bruder Liam nach Ravenfall. Vor wenigen Tagen erst mussten Colin und Liam miterleben, wie ihre Eltern in einem Motel ermordet wurden. Liam ist nach der Tat den Mördern hinterhergejagt, während Colin allein entscheiden musste, wie es für ihn weitergeht. Da er seit diesem Tag von Liam nichts mehr gehört hat und ihre Eltern ihnen von Kindesbeinen an eingetrichtert haben, dass sie sich in Ravenfall treffen würden, wenn irgendwann einmal etwas passieren würde, hat sich Colin auf den Weg zum Inn gemacht. In Ravenfall angekommen, muss Colin so einige Dinge über seine Eltern (und sich selbst) lernen, die ihn überraschen, aber nichts davon hilft ihm, Liam zu finden. Zeitgleich wird deutlich, dass an Samhain – das nur noch wenige Tage entfernt ist – etwas Großes passieren wird, das nicht nur Colin, sondern alle Bewohner des Inns in Lebensgefahr bringen wird.

Trotz all der unheimlichen Details rund um den Tod von Colins Eltern, seine Angst um seinen Bruder Liam und die Bedrohung, der Colin, Anna und ihre Familie gegenüberstehen, habe ich die Geschichte rundum genossen. Es gibt so viele amüsante und heimelige Elemente, die die unheimlichen Szenen ausgleichen, und diese Mischung sorgt dafür, dass der Roman nie langweilig wird. Das Inn Ravenfall hat eine ganz eigene Persönlichkeit, die sich durch jede einzelne Szene, die in dem Gebäude spielt, zieht. So hilft das Haus seinen Bewohnern an allen Ecken und Enden, benötigt aber auch Aufmerksamkeit und Anerkennung und ist dabei in der Lage, über lange Zeit einen Groll gegen eine Person zu hegen. Annas Familie mit all ihren Fähigkeiten ist rundum magisch, und ich fand es spannend, mehr über all die Details, die damit verbunden waren, herauszufinden.

Überhaupt mochte ich die Figuren in dieser Geschichte wirklich gern. Anna und Colin sind wunderbare, facettenreiche Charaktere, und es war schön, ihre aufkeimende Freundschaft mitzuverfolgen. Annas eigentlich sehr liebevolle Familienmitglieder sind großartig, auch wenn sie nicht sehr gut darin sind, Anna das Gefühl zu geben, dass weder sie als Person noch ihre Fähigkeiten unwichtig sind. Dazu kommen noch die vielen kleinen fantastischen (keltischen) Elemente, die den magischen Teil von Annas (und Colins) Welt ausmachen und die ich sehr genossen habe. Viele dieser Figuren und Fähigkeiten kenne ich schon aus anderen fantastischen Romanen, aber Kalyn Josephson hat immer wieder einen Weg gefunden, um diese übernatürlichen Wesen auf eine ungewöhnliche Art in ihre Geschichte einzubauen, was ich wirklich zu schätzen wusste.

All diese vielen verschiedenen Elemente haben aus „Ravenfall“ einen Roman gemacht, bei dem ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie es wohl weitergeht – und ich muss zugeben, dass das mit dem Ende des ersten Bandes nicht vorbei war. Ich bin wirklich gespannt, was für ungewöhnliche Ideen Kalyn Josephson noch für das Inn und seine Bewohner hat, ich bin neugierig was für Abenteuer Anna und Colin noch erleben werden, und ich bin gespannt, ob die Autorin noch mehr über Annas verschiedene (bislang nur wenig erwähnte) Familienmitglieder zu erzählen hat und was für Überraschungen (und Fähigkeiten) die dann zur Handlung beizutragen haben. Nur gut, dass es schon zwei weitere Bände („Hollowthorn“ und „Witchwood“) gibt, auch wenn der dritte Teil gerade erst als Hardcover erschienen ist und noch keine Taschenbuchausgabe angekündigt wurde.

Lese-Eindrücke Oktober 2024 (Teil 1)

Im Oktober habe ich vor allem Bücher von meiner „Herbstliste“ gelesen, die aus all den eher unheimlichen Geschichten bestand, die ich in meinem SuB finden konnte. Außerdem hatte ich versucht, ein paar ältere Titel von meinem eReader zu lesen, um da mal einen besseren Überblick über meinen Bestand zu bekommen. Daran bin ich dann aber gescheitert, da ich nach „Wolfskin“ unbedingt noch weiteren Bände der „The Two Monarchies“-Reihe anschaffen und lesen musste. *g*

Und da ich zu so vielen Büchern auch was zu erzählen hatte, gibt es in diesem Monat den Lese-Eindruck-Beitrag in zwei Teilen. Teil 2 verlinke ich HIER, wenn er erschienen ist.

Ali K. Mulford/K. Ellen Morrison: Pumpkin Spice & Poltergeist (Maple Hollow 1)

„Pumpkin Spice & Poltergeist“ war eine „sapphic paranormal cozy mystery rom-com“, die wirklich viele nette (fantastische) Elemente beinhaltete. Die Geschichte dreht sich um Jordyn, die eine Hexe und eine von zwei Apothekerinnen in Maple Hollow ist, und Harlow, die gerade erst in Maple Hollow angekommen ist und nun als Barista in dem Café ihrer Schwester arbeitet. Während Jordyn immer noch um ihre vor einem Jahr verstorbene Ex-Freundin Lou trauert, hat Harlow das Gefühl, dass sie in ihrem Leben bislang immer nur gescheitert ist und nie etwas richtig machen kann. Als Jordyn den Geist von Lou beschwört und diese erst wieder gehen will (oder kann), wenn Jordyn eine neue Beziehung eingegangen ist, sieht Jordyn sich gezwungen, Harlow um ein Date zu bitten. Natürlich ist von Anfang an klar, dass die beiden Frauen ein gutes Paar wären, ebenso wie schnell deutlich wird, dass hinter Lous Tod mehr als ein Unfall steckt. So besteht die Geschichte zum Großteil aus wirklich niedlichen Szenen mit zwei unbeholfenen, aber sehr aneinander interessierten Frauen und dem einen oder anderen – nicht gerade dezent eingestreuten – Hinweis auf einen Kriminalfall. Dazu kommen noch sehr viele fantastische und überraschend ungewöhnliche Elemente rund um die magische Gemeinschaft von Maple Hollow, und ich habe mich (trotz der Tatsache, dass relativ schnell offensichtlich war, wer hinter Lous Ableben steckte) wirklich gut unterhalten gefühlt. Kein Roman, dessen Details lange im Gedächtnis bleiben, aber trotzdem ein Titel, an den ich mich gern erinnere.

Phil Hickes: The Whispering Walls (Shadowhall Academy 1)

Da ich von Phil Hickes die Aveline-Jones-Romane sehr mochte, musste ich mir natürlich auch seinen neuesten Titel besorgen. „The Whispering Walls“ dreht sich um Lilian Jones, die zu Beginn der Geschichte ihr erstes Jahr an der Internatsschule „Shadowhall“ beginnt. Die Schule befindet sich in einem ehemaligen Herrenhaus, das kalt, zugig und voller unheimlicher Geräusche ist, und gleich in ihrer ersten Woche wird Lilian erzählt, dass eine ehemalige Schülerin in den Wänden des Gebäudes spuken soll. Da sie befürchten muss, dass dieser Geist eine ihrer Zimmergenossinnen bedroht, macht sich Lilian (gemeinsam mit ihren neu gewonnenen Freundinnen) auf, um mehr über die gruselige Vergangenheit der Schule herauszufinden. Ich fand das Buch wirklich nett und fühlte mich beim Lesen gut unterhalten. Aber ich muss auch Kiya recht geben, die während des ersten Herbstlesen-Sonntags meinte, dass Phil Hickes hier sehr auf vertraute Grusel-Elemente gesetzt hat, statt wie bei seinen Aveline-Jones-Büchern etwas sehr Eigenes zu schaffen. Außerdem habe ich es zwar sehr genossen, von den Freundinnen, die Lilian in der Schule findet, zu lesen, aber diese enge Bindung zwischen den Schülerinnen sorgte auch dafür, dass die Ereignisse sich nicht so richtig unheimlich anfühlten. Insgesamt war die Geschichte unterhaltsam genug, dass ich die Reihe fortsetzen werde, aber sie ist deutlich weniger gruselig und ungewöhnlich als die Aveline-Jones-Romane.

W.R. Gingell: Wolfskin (The Two Monarchies Prequel)

„Wolfskin“ ist ein Roman, der in derselben Welt wie die anderen „The Two Monarchies“-Geschichten spielt, und (sehr entfernt) an „Rotkäppchen“ angelehnt wurde. Genau genommen dreht sich die Geschichte um Rose, die als Lehrling bei der örtlichen Hexe Akiva aufgenommen wird. Schnell findet sie heraus, dass der Wald, in dem Akivas Häuschen steht, magisch ist und Akiva zu den Wächter*innen des Waldes gehört. Außerdem lernt Rose, dass es sich bei dem großen Wolf, der in dem Wald lebt, eigentlich um einen verfluchten Mann handelt. Die Handlung selbst zieht sich über mehrere Jahre hin, in denen Rose mehr über Magie herausfindet, den Wolf (Bastian) besser kennenlernt und miterlebt, dass immer wieder Wächter*innen des Waldes angegriffen werden oder verschwinden. Ich fand die Lösung hinter diesen Angriffen/Morden ziemlich offensichtlich, aber trotzdem habe ich mich gut von Rose und ihren Abenteuern unterhalten gefühlt. W.R. Gingells Erzählweise in den „The Two Monarchies“-Romanen erinnert mich (nach „Spindle“) auch dieses Mal an Diana Wynne Jones‘ Art, eine Geschichte zu erzählen. Immer wieder mäandert die Handlung ein wenig vor sich hin, ohne dass es je langweilig würde, weil es so viele kleine und größere Momente rund um die Magie des Waldes oder Rose und all die Personen, die sie im Laufe der Zeit kennenlernt, gibt.

W.R. Gingell: Blackfoot (The Two Monarchies 2)

Da ich „Wolfskin“ so gern gelesen hatte, habe ich dann gleich auch noch zu „Blackfoot“ gegriffen. „Blackfoot“ spielt nach den Ereignissen von „Spindle“ und wird aus der Perspektive von Annabel erzählt, die bei einer unheimlichen Hexe aufwächst und deren bester Freund Peter ist. Peter kommt anfangs nicht so unglaublich sympathisch rüber, weil er nicht nur davon überzeugt ist, dass er einfach alles weiß, sondern auch keine Wertschätzung für seine Magie empfindet und stattdessen von technischen Erfindungen fasziniert ist. Annabel hingegen verfügt über keinerlei Magie, abgesehen davon, dass sie in ihren Gedanken ihren schwarzen Kater – der Titel-gebende Blackfoot – sprechen hören kann, wobei Blackfoot sich sowieso nur selten wie eine normale Katze benimmt und es ziemlich klar ist, dass es an ihm und nicht an Annabel liegt, dass die beiden miteinander kommunizieren können. Nach einem Vorfall mit Annabels böser „Pflegemutter“ suchen Annabel, Peter und Blackfoot in einer nahegelegenen Schlossruine Schutz. Doch ein Zauber, der auf dem Schloss liegt, sorgt dafür, dass die drei das Gelände nicht mehr verlassen können. So müssen sie mehr über die Geschichte und die Magie des Schlosses herausfinden, während sie gleichzeitig von einem unheimlichen Gegner gejagt werden und das Schloss ein überraschendes Eigenleben zu entwickeln scheint. Auch das Lesen von „Blackfoot“ hat bei mir Erinnerungen an diese ganz bestimmte wunderbare Art von altmodischen und ungewöhnlichen Fantasygeschichten geweckt, wie sie DWJ geschrieben hat. Ich mag diese Art von Romanen so gerne – überrascht es da jemanden, dass ich mir spontan auch noch den dritten Teil („Staff and Crown“) gegönnt habe? *g*