Schlagwort: Liebe und Romantik

Laura Whitcomb: Silberlicht

Irgendwie passen „Silberlicht“ und ich nicht so recht zusammen. Der Roman war zwar gut zu lesen und hat mir eigentlich auch zugesagt (oder zumindest dachte ich das beim Lesen), aber ich hatte so einige Kritikpunkte – und ich finde es immer noch nicht so ganz einfach die auszuformulieren. Die Geschichte handelt von Helen, die schon seit 130 Jahren als „Licht“ existiert. Ihr ist bewusst, dass sie mal ein Mensch war und gestorben ist. Es gibt aber zwei Sachen, die sie noch auf der Erde halten. Zum einen ist da ihre Angst vor der Hölle, die sie nach ihrer Überzeugung nach ihrem endgültigen Tod erwartet, und zum anderen ist da die Liebe zur Literatur. Es ist Helen gelungen sich einen Halt im Leben zu suchen, in dem sie sich an Menschen hält, die ihr als „Bewahrer“ dienen.

Diese Menschen teilen ihre Vorliebe für Bücher und Geschichten, sie sind Dichter oder Schriftsteller und Helen versucht ihnen als eine Art Muse beizustehen. Ihr aktueller Bewahrer ist Mr.Brown, ein Englischlehrer an einer Highschool, der seit vielen Jahren schon an einem Buch arbeitet. Mit ihm zusammen geht Helen jeden Tag zur Schule, sie empfindet Zuneigung zu ihm und es fällt ihr schwer sich mit seiner Ehefrau und ihrem gemeinsamen Kinderwunsch abzufinden. Nie hat jemals jemand Helen zu Gesicht bekommen, auch wenn sie manchmal Vorhänge oder Papier in Bewegung versetzt. Doch eines Tages blickt ihr einer von Mr. Browns Schülern ins Gesicht und lächelt sie an.

Helen ist anfangs unglaublich erschrocken, da sie nicht fassen kann, dass da jemand in der Lage ist sie zu sehen. Doch James ist nicht irgendjemand. Auch er ist ein „Licht“, aber ihm ist es gelungen, den Körper eines Jungen in Besitz zu nehmen. Schnell überzeugt er Helen davon, dass auch sie einen Körper finden sollte, der von seiner Seele verlassen wurde und ihr die Möglichkeit bieten würde, endlich wieder etwas zu fühlen. Doch so einfach ist es nicht ein passendes Gefäß für Helen zu finden …

Am Ende des Buches liefen mir die Tränen runter, aber da ich an dem Tag sehr müde und eh emotional angeschlagen war, weiß ich nicht, ob das jetzt nur an der Handlung lag. Denn während des Lesens hatte ich immer das Gefühl, dass die ganze Geschichte einfach nicht richtig ausgereift war. Auf der einen Seite erfährt man anfangs sehr viel über Helens erste Bewahrer und ihrer ersten Schritte als „Licht“ und das macht einen auch ein wenig neugierig auf dieses ungewöhnliche Geschöpf, aber letztendlich hatte ich das Gefühl, dass hier zuviel Raum für die paar wichtigen Informationen genommen wurde. Das ist aber wirklich vor allem nur mein Gefühl, denn wenn ich mir jetzt die Seitenzahl angucke, dann nimmt sich Laura Whitcomb gerade mal bis Seite 24 Zeit dafür.

Als Helen dann James kennenlernt hat mich die Geschichte mehr gefangen genommen, aber trotz der Grundvoraussetzung, dass beide „Licht“ (ich weigere mich hier „Lichter“ zu schreiben, denn das hört sich einfach blöd an) sind, bekommt man hier doch nicht mehr als eine typische amerikanische Romeo-und-Julia-Geschichte geboten. Junge aus der Unterschicht, der in kriminelle Machenschaften verstrickt war, und Mädchen aus der gehobenen Mittelschicht, die in einer superbraven christlichen Familie aufgewachsen ist, können nicht zusammenkommen, da die gesellschaftlichen Unterschiede und der Widerstand des Umfelds so groß ist.

Okay, es ist ein bisschen komplexer, weil es ja nicht nur um die beiden „Wirtskörper“ von Helen und James, sondern auch um die beiden und ihrer Vergangenheit geht. Und um die Tatsache, dass sie sich doch deutlich von den Personen unterscheiden, die sie darstellen müssen, damit sie in ihrer neuen Rolle als „normale Menschen“ überzeugen. Eigentlich ist das auch alles von Laura Whitcomb schön geschrieben worden, die Sprache lässt sich (mal moderner, mal altmodischer) gut lesen, die literarischen Anspielungen haben mir gefallen und eigentlich mochte ich auch Helen und James.

„Eigentlich“ ist allerdings das entscheidende Wort. Denn ich fand das Ganze nicht ausgewogen genug. Auf der einen Seite sind Helen und James erwachsene Menschen gewesen, bevor sie verstarben, auf der anderen benehmen sie sich wie kopflose und egoistische Kinder. Die vielen einsamen Jahrzehnte haben anscheinend dafür gesorgt, dass die beiden nur jemanden finden mussten, der von der gleichen Art ist, damit sie sich sicher sind, dass es für die ewige Liebe reicht und das unwiderstehliche Verlangen haben übereinander herzufallen.

Beide haben mit den Körpern auch die Probleme derjenigen Personen übernommen, die sie nun überzeugend darstellen müssen – und irgendwann wurde es mir für die paar Seiten, aus denen die Geschichte besteht, einfach zuviel. Extreme Religiosität, Drogen und Jugendbanden, zerstörte Familien mit komatösen oder im Gefängnis steckenden Angehörigen und dazwischen die beiden frischverliebten Teenager … Sehr viele Sachen, die angesprochen werden, viel vorhandener Konfliktstoff, aber nichts davon ist richtig ausgearbeitet. Alles wird oberflächlich behandelt und nur angerissen.

Was die Handlung an sich angeht, so kann man letztendlich sagen, dass Helen und James irgendwie was gutes für diese beiden Familien getan haben, aber das Ende ihrer Geschichte ist mir dann schon wieder zu sehr wie in einer klassischen Geistergeschichte und somit zu beliebig. Während mich die Frage, was aus den beiden ursprünglichen Seelen in den beiden Teenagerkörpern wird, mich sehr unbefriedigt zurückgelassen hat. Ich glaube nämlich nicht, dass die Entwicklungen, die James und Helen ausgelöst haben, die Sache zu einem guten Ende führen können. Wie auch immer, das bekommt man als Leser nur angedeutet – und egal in welche Richtung ich es für mich „zuendespinne“, ich bin nicht wirklich glücklich mit dem Buch!

Julia Quinn: Wie verführt man einen Lord?

… oder auch: Cinderella lässt grüßen! Die ersten Seiten hat es Julia Quinn für meinen Geschmack nämlich ein bisschen zu sehr mit der Märchenanlehnung übertrieben – obwohl ich solche „armen Verwandtengeschichten“ (z.B. bei Georgette Heyer *dumdidum*) normalerweise sehr mag. Zum Glück gelang es der Autorin dann die Handlung so weiterzuführen, dass ich sie rundum genießen konnte – und ich liebe das Ende! Aber erst einmal der Reihe nach: Nach „Wie erobert man einen Duke?“ und „Wie bezaubert man einen Viscount?“ ist „Wie verführt man einen Lord?“ der dritte Band der Bridgerton-Reihe und dieser dreht sich um Sophie und den zweiten Bridgerton-Sohn Benedict.

Sophie Beckett ist ein Bankert, das Ergebnis eine Affäre zwischen dem Earl of Penwood und eine Frau aus dem gemeinen Volk. Als ihre Mutter verstarb, wurde das kleine Mädchen von ihrer Großmutter bei dem Earl abgeliefert und lebte von nun an als „Mündel“ und „verwaisten Tochter eines verstorbenen Freundes“ im Hause des Adeligen. Obwohl ihr Vater ihr keinerlei Aufmerksamkeit schenkt, wird Sophie gut erzogen. Erst als der Earl eine Witwe mit zwei Töchtern heiratet, verändert sich ihr Leben drastisch. Der neuen Herrin (mit dem hübschen Vornamen Araminta) ist auf den ersten Blick bewusst, dass das Mädchen die Tochter ihres Mannes ist und verbietet ihr jeglichen Kontakt mit ihren Kindern Posy und Rosamund. Und da sich die beiden Mädchen am Verhalten ihrer Mutter orientieren, wird Sophie in den nächsten Jahren auch kräftig von ihnen gepiesackt.

Nach dem Tod des Earl hofft die böse Stiefmutter … äh … die Countess, dass sie das verhasste Mädchen endlich loswerden könnte, doch der Verstorbene hat testamentarisch für sein Mündel gesorgt. Um nicht in Zukunft auf dem Trockenen zu sitzen, muss sich Araminta mit Sophie arrangieren – und sorgt deshalb dafür, dass das Mädchen ihr als „bessere Zofe“ zu Diensten ist. Als die Londoner Saison anfängt werden Rosamund und – die nicht so hübsche – Posy von ihrer Mutter von einer Veranstaltung zur anderen geführt, während Sophie davon träumt auch nur einmal einen Ball besuchen zu dürfen. Doch eines Abends kommt ihre große Stunde, als eine Verschwörung der Dienstboten dazu führt, dass die junge Frau einen Maskenball im Hause Bridgerton besuchen kann.

Hier erreichen dann die unglaubwürdigen Momente in meinen Augen ihren Höhepunkt, denn welcher Dienstbote (und hier ist es quasi der gesamte Haushalt) würde in dieser Zeit schon so ein Vergehen auf sich nehmen? Aber da es alles so nett beschrieben wurde, kann ich mit diesen Unglaubwürdigkeiten leben – und das erste Zusammentreffen von Sophie und Benedict auf dem Ball genießen. Die junge Dame ist mit einer Halbmaske getarnt und so verliebt sich Benedict erst einmal nur in ihre Augen, ihre Haltung und ihre wunderbare Ausstrahlung. 😉 Wie es mit den beiden weitergeht, will ich eigentlich nicht verraten, aber natürlich ist alles fürchterlich kompliziert und es dauert unendlich lange, bis sie sich gegenseitig ihre Zuneigung gestehen können. Vor allem Sophies Abstammung ist natürlich ein großes Hindernis und würde dafür sorgen, dass sie niemals in der Gesellschaft akzeptiert würde.

Ich weiß, dass sich das jetzt vielleicht nicht so anhört, aber mir gefiel dieser dritte Band noch besser als die ersten beiden. Sophie und Benedict haben sich ganz schnell einen Platz in meinem Herzen erschlichen. Er ist ein wunderbarer romantischer Romanheld, auch wenn er ein bisschen braucht, um den richtigen Weg zu Sophie zu finden – aber was wäre eine solche Liebesgeschichte ohne solche Wirrungen? Und Sophie ist einfach toll. Anfangs ein kleines liebes Mädchen, das nicht verstehen kann, warum die neue Frau im Haus und ihre Kinder so unfreundlich sind, dann eine junge Frau, die versucht das Beste aus jeder Situation zu machen und dabei immer ihren Prinzipien treu zu bleiben. Und wie es sich für einen Bridgerton-Roman gehört, mischt auch Benedicts restliche Familie wieder gewaltig mit, was für wunderbar amüsante Szenen sorgt!

Bislang muss ich zugeben, dass Irinas Julia-Quinn-Empfehlung mir wirklich viel Freude bereitet hat. Der vierte Band „Penelopes pikantes Geheimnis“ ist schon lange gelesen und nun warte ich sehnsüchtig auf den fünften Teil „In Liebe, Ihre Eloise“, der leider erst im Juni veröffentlicht wird. Wie soll ich nur all die Wochen bis dahin überstehen? *g* Oh, und für diejenigen, die meine Georgette-Heyer-Vergleiche vermisst haben: Auch diese Autorin hat gern mittellose und von der Verwandtschaft ausgenutzte Heldinnen in den Mittelpunkt ihrer Bücher gestellt, aber Sophie wäre bei ihr wirklich ein Mündel des Hauses oder das verwaiste Kind eines entfernten Verwandten gewesen. 😉

Julia Quinn: Wie bezaubert man einen Viscount?

Ich hatte ja schon erzählt, dass ich nach dem Genuss von „Wie erobert man einen Duke?“ der Versuchung nicht widerstehen konnte und mir auch noch die folgenden beiden Bände „Wie bezaubert man einen Viscount?“ und „Wie verführt man einen Lord?“ gekauft habe (und ja, „Penelopes pikantes Geheimnis“ ist auch inzwischen – und natürlich ganz zufällig! – in meinen Besitz gelangt). Da mir der erste Teil rund Daphne Bridgerton so viel Spaß gemacht hat und mich an die amüsanten Romane von Georgette Heyer erinnerte, habe ich „Wie bezaubert man einen Viscount?“ auch gleich verschlungen.

Das Buch handelt von Daphnes ältestem Bruder Anthony und Kate, die gerade zusammen mit ihrer jüngeren Schwester in die Gesellschaft eingeführt wird. Üblich ist es nicht, dass zwei Schwestern gleichzeitig das gesellschaftliche Parkett betreten, aber die verwitwete Mutter hat einfach nicht genug Geld, um eine zweite Saison in London zu finanzieren. So hoffen alle, dass die wunderschöne und liebenswerte Edwina einen Mann erobern wird, der in der Lage ist ihre Familie in eine gesicherte finanzielle Situation zu versetzen.

Ob Kate hingegen einen potenziellen Ehemann von ihren Vorzügen überzeugen kann, ist fraglich – und so konzentriert auch sie sich darauf, ihre Schwester so weit wie möglich zur Seite zu stehen. Und ihre Aufgabe erstreckt sich, nach Ansicht der energischen jungen Dame auch darauf, unerwünschte Bewerber um Edwinas Hand zu vergraulen. So auch Anthony Bridgerton, der nicht nur einen Ruf als Schürzenjäger hat, sondern auch unumwunden zugibt, dass Edwina ihm eigentlich recht gleichgültig ist – von der Tatsache abgesehen, dass sie einfach eine passende Ehefrau für einen Mann seiner Position abgeben würde.

Was Anthony allerdings verschweigt, ist die Tatsache, dass der junge Mann seit dem überraschenden Tod seines Vaters vor einigen Jahren nicht nur davon überzeugt ist, dass er selber auch früh sterben wird, sondern auch, dass er keine Ehe führen will, in der sich die Partner so sehr lieben, wie seine Eltern es taten. So richtig überzeugend fand ich Anthonys gesamte Argumentation nicht, eigentlich schien er viel zu vernünftig zu sein, um sich auf solche Ideen zu versteifen, aber nun gut, die Autorin benötigte halt eine konfliktfördernde Grundvoraussetzung.

Natürlich verlieben sich Kate und Anthony auf den ersten Blick in einander – und wollen es beide nicht wahrhaben. Für sie ist er der Schurke, den sie von ihrer Schwester fernhalten muss, während Kate für den Viscount eine viel zu große Versuchung darstellt, da er doch eine Vernunftehe eingehen will. Nachdem sie aber auf einem Ball – vollkommen unverschuldet natürlich – in eine pikante Situation geraten sind, müssen sie heiraten und sich miteinander arrangieren.

Ich muss zugeben, dass der Teil der Handlung rund um Kate, die ihre Schwester beschützen will, mich sehr an Georgette Heyer erinnerte – und mir schon gefallen hat, auch wenn Julia Quinn diesen Part der Geschichte recht flüchtig abgehandelt hat. Und auch mit Anthonys seltsamen Überzeugungen konnte ich gut leben, da der Roman einfach wunderbar unterhaltsam geschrieben ist. Ich mag die amüsanten Dialoge, ich mag die verschiedenen Charaktere und ich liebe die Familie Bridgerton! So war es für mich überhaupt kein Problem eventuell störende Elemente zu ignorieren und mich einfach nur in dieses Buch fallen zu lassen.

Die schwachen Grundvoraussetzungen vergiss man beim Lesen einfach, wenn man verfolgt, wie die beiden Protagonisten mal bissig, mal doppeldeutig miteinander diskutieren, wenn man miterlebt, wie Kates Hund mal wieder für eine gesellschaftliche Katastrophe verantwortlich ist oder wie die Bridgertons zusammen Kricket spielen. Hier kommen die verschiedenen Charaktere ebenso schön zum Tragen, wie die Fähigkeit der Autorin kurzweilige Dialoge zu schreiben, die einem ein beständiges Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Wenn man bereit ist den inneren Kritiker mal abzuschalten, dann bekommt man mit „Wie bezaubert man einen Viscount?“ einfach ein Buch mit Wohlfühlfaktor präsentiert.

Julia Quinn: Wie erobert man einen Duke?

Nach einer Woche, in der ich zu krank zum Lesen war (was für ein ekelhaftes Gefühl!), hatte ich gestern Lust auf etwas leichte Unterhaltung und habe zu „Wie erobert man einen Duke?“ von Julia Quinn gegriffen. Dieser Roman ist der erste in einer ganzen Reihe, die sich um die Familie Bridgerton dreht, und stellt die Vierte der acht Bridgerton-Nachkommen (Anthony, Benedict, Colin, Daphne, Eloise, Francesca, Gregory, Hyacinth) in den Mittelpunkt.

Daphne ist die älteste Tochter der Familie und verbringt im Jahr 1813 schon ihre zweite Saison in London. Die hübsche junge Frau ist nicht gerade der Mittelpunkt der Gesellschaft, sondern wird von den sie umgebenden Männern eher als netter Kumpel als als begehrenswerte Geliebte gesehen. Trotzdem gab es schon Bewerber um ihre Hand, die sie aber allesamt abgelehnt hat. Denn Daphne ist zwar nicht so blauäugig, dass sie auf eine Liebesheirat hofft, aber sie wünscht sich doch eine Zukunft mit einem Mann, den sie mögen und akzeptieren kann – und der dem Alter nach nicht ihr Vater sein könnte!

Da scheint eine Absprache mit Simon Basset, Duke of Hastings, die perfekte Lösung für Daphne zu bieten. Der attraktive junge Mann will den heiratswilligen Töchtern der Gesellschaft (und ihren wesentlich aggressiveren Müttern) deutlich machen, dass er nicht auf der Suche nach einer Frau ist und trotzdem am gesellschaftlichen Leben seiner alten Schulfreunde teilhaben können. So verabredet er mit Daphne, dass sie so tun, als ob sie aneinander interessiert wären. Er wäre so sicher vor den Avancen anderer Damen, die ihn damit in festen Händen vermuten, während Daphne – durch die Tatsache, dass ein Mann sich für sie interessiert – für die anderen Junggesellen deutlich attraktiver würde. Anfangs scheint der Plan der beiden sogar aufzugehen, doch dann entwickelt Daphne für den freundlichen Duke intensivere Gefühle und auch Simon ist von der Frau an seiner Seite bezaubert – doch eine Ehe kann und will der junge Mann trotz all seiner Verliebtheit nicht in Erwägung ziehen.

„Wie erobert man einen Duke?“ gehört zu einer ganzen Reihe von Liebesromanen, die mir Irina empfohlen hat – und die Geschichte war perfekt für einen Samstag, an dem ich einfach nur etwas schöne und entspannende Unterhaltung gesucht habe. Ich liebe ja die Geschichten von Georgette Heyer und so musste es sich auch dieser Regency-Roman gefallen lassen, dass ich ihn mit den Werken einer meiner Lieblingsautorinnen verglichen habe.

Julia Quinn schreibt deutlich direkter als Georgette Heyer es je getan hätte, was auch kein Wunder ist, wenn man überlegt, dass die eine Autorin gerade mal vier Jahre alt war, als die andere im Alter von 72 Jahren verstarb. Aber die Grundstimmung, der Humor und das Gefühl in eine andere Zeit eintauchen zu können, sind bei beiden Autorinnen sehr ähnlich. Die Dialoge von Georgette Heyer finde ich noch amüsanter, aber dafür bekommt man bei Julia Quinn eine Innensicht der Charaktere geboten, die ich sehr genossen habe. Es wird Julia Quinn zwar nicht gelingen Georgette Heyer von meinem ersten Platz unter den Regency-Roman-Autorinnen zu stoßen, aber mir haben die sympathischen Figuren, die unterhaltsame Geschichte und die Darstellung der Zeit so gut gefallen, dass ich Lust auf weitere Romane der Autorin bekommen habe.

Becky Cochrane: A Coventry Wedding

“A Coventry Wedding” ist die Fortsetzung von “Zimtsterne mit Zuckerkuss” („A Coventry Christmas”) und bislang leider noch nicht in Deutschland erschienen – und das Cover ist nicht schön … Hauptfigur dieser Geschichte ist Jandy Taylor. Sie kommt aus wohlhabendem Haus, wohnt in LA und steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem beliebten TV-Serien-Star Hudson Blake. Doch je näher der Termin rückt, desto mehr hat Jandy das Gefühl, dass die Feier nichts mehr mit dem zu tun hat, was Hudson und sie ursprünglich geplant hatten. Die Agentin des Schauspielers und Jandys Mutter haben die Hochzeit in Eigenregie zu einem medienwirksamen Ereignis ausgebaut – und dabei wollte die junge Frau doch nur ganz privat mit ihrem Liebsten zusammen sein.

Kurzentschlossen bittet Jandy um eine Verschiebung der Hochzeit und macht sich auf den Weg zu ihrem Großvater. Er ist der einzige Mensch, bei dem sie nicht das Gefühl hat, er würde irgendwelche großen Erwartungen in sie setzen. Bei ihm kann Jandy einfach sie selbst sein, auch wenn er sie immer damit neckt, dass sie nicht in der Lage wäre, jemals etwas zum Ende zu bringen. Doch als sie auf der Farm des Großvaters ankommt, muss sie feststellen, dass das Gebäude versperrt ist und die Bewohner verreist sind. Um nicht einfach gestrandet zu sein, fährt Jandy weiter – allerdings mit einem uralten Wagen ihres Großvaters, da sie ihr eigenes Auto schon verkauft hat.

So landet sie kurz darauf mit einem defekten Auto, in der Gesellschaft eines fremden Mannes namens Sam und einem ausgesetztem Hund, den die beiden aufgesammelt haben, in Coventry in Texas. Der kleine Ort steht kurz vor dem Godiva-Festival, dem Höhepunkt des Jahres für Touristen und Einheimische. Für Jandy aber entwickelt sich Coventry mit seinen hilfsbereiten und seltsamen Einwohnern für das perfekte Versteck vor einer Pressemeute, die von ihrer Mutter und Hudsons Agentin aufgehetzt, auf der Suche nach der „runaway bride“ sind.

Ich weiß selber nicht, warum ich die Geschichten von Becky Cochrane so mag, aber auch „A Coventry Wedding“ hat mich gut unterhalten. So banal die Handlung ist, so vorhersehbar die meisten Wendungen, so liebevoll werden die verschiedenen Szenen beschrieben. Es gibt kaum einen Charaktere, den ich in Coventry nicht mag, auch wenn ich Jandy manchmal gern ein wenig geschüttelt hätte, damit das Mädel ein bisschen Rückgrad entwickelt. Trotzdem gefällt es mir, dass sie sich für keine verrückte Aktion zu schade ist, wenn es ihren neu gewonnenen Freunden hilft.

Im Gegensatz zu „Zimtsterne mit Zuckerkuss“ gibt es hier keine literarischen Anspielungen, dafür kleine Szenen, die dem Leser Lust auf Kunst machen. Gaaanz zufällig bekommt Jandy die Möglichkeit während des Festivals in einer Galerie zu arbeiten und so flicht die Autorin immer wieder Beschreibungen von gegenständlicher und abstrakter Kunst ein. Mir persönlich kam der Gedanke, dass ich mal wieder zu Pinsel und Farbe greifen sollte. 😉

Insgesamt kann man „A Coventry Wedding“ wohl nur als nette kleine und auch ganz amüsante Geschichte bezeichnen, aber mir hat das Buch einen wunderbar entspannten Nachmittag verschafft – und ich bin sicher, dass ich es im Sommer noch einmal rauskramen werde, wenn ich Lust auf amüsante und etwas vorhersehbare Unterhaltung habe.

Dörthe Binkert: Weit übers Meer

Zwei Dinge sind es, die mich an „Weit übers Meer“ auf Anhieb angesprochen haben: Die Idee zu dem Roman kam der Autorin aufgrund eines Artikels, der ursprünglich im Jahr 1904 in der New York Times erschien und von einer Frau berichtete, die im Abendkleid als Blinder Passagier die Stadt erreichte – und dann noch die Zeit. Ich mag einfach diese Aufbruchstimmung zu Beginn des 20sten Jahrhunderts. Geschichten vor und nach dem Ersten Weltkrieg haben häufig eine ganz besondere Atmosphäre, die mir einfach ein schönes Gefühl beim Lesen vermittelt.

In „Weit übers Meer“ betritt am Abend des 23. Juli 1904 eine wunderschöne Frau in einem edlen weißen Abendkleid die „Kroonland“. Der Überseedampfer fährt von Antwerpen nach New York und hätte schön längst ablegen sollen, doch es kam zu technischen Problemen (wobei ich es schön finde, dass die Autorin den Leser später sogar noch darüber aufklärt, welche Probleme es gab 🙂 ). Noch bevor bekannt wird, dass die Frau im Abendkleid eine Blinde Passagierin ist, berührt sie die Reisenden an Bord auf unterschiedliche Weise.

Aufgrund ihrer eindeutig edlen Herkunft erlaubt ihr der Kapitän die Überfahrt in einer Kabine der Ersten Klasse zu machen und die Abende mit den Passagieren zusammen zu verbringen. So lernt man nicht nur Valentina Gruschkin kennen und erfährt so nach und nach, was sie dazu veranlasst hat, auf so ungewöhnliche Art und Weise die Reise nach Amerika anzutreten, sondern auch viele andere Personen der Ersten Klasse. Henri, ein Bildhauer, der auf dem Weg zur Weltausstellung in St. Louis ist, hängt mit seinen Gedanken immer noch bei seiner Geliebten, die ihn verließ, weil er sie nicht heiraten wollte. Er gehört zu den Charakteren, denen einiger Platz in der Geschichte eingeräumt wird. Aber auch viele kleine Begebenheiten oder Wortwechsel zwischen den verschiedenen Paaren oder Familien tragen dazu bei, dass man sich ein gutes Bild vom Leben dieser Personen – und häufig auch von ihren Wünschen und Träumen – machen kann.

Dörthe Binkert gelingt es sehr schön auf der einen Seite die Atmosphäre auf dem Schiff zu beschreiben, in der die Enge und ein Sturm zu recht schnellen Vertraulichkeiten führen, und auf der anderen Seite die Gesellschaft und die Stellung der Frau in ihr darzustellen. Gerade dieser Kontrast zwischen den althergebrachten Konventionen, den Wünschen, die die Frauen für ihr Leben haben und den Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt, ist wirklich gut zu lesen. Und doch plätschert der ganze Roman ein bisschen vor sich hin …

Es gibt keine wirklichen Höhen oder Tiefen in der Geschichte, keine großen Spannungen und keine Stellen, an denen ich gar mitleiden konnte. Ich fand „Weit übers Meer“ interessant und sehr entspannend, hatte aber auch kein Problem damit das Buch aus der Hand zu legen, um mich an den Abwasch oder eine andere langweilige Tätigkeit zu begeben. Eigentlich ist es der perfekte Roman für meine Mutter, die früher jahrelang nichts gelesen hat, weil sie immer nur für ein paar Seiten am Stück Zeit hatte und beim nächsten Mal schon nicht mehr wusste, worum es ging. Das passiert einem bei „Weit übers Meer“ nicht, dafür stört es eben auch nicht, wenn man nur hier und da einen Abschnitt liest, sich ein bisschen mit dem Leben einer Figur beschäftigt und sich dann einer anderen Beschäftigung widmen muss.

Susan Elizabeth Phillips: Mitternachtsspitzen

Nachdem Soleil vor einigen Wochen eine begeisterte Rezension zu dem Roman „Mitternachtsspitzen“ geschrieben hat, dachte ich, dass ich doch auch mal einen Blick in das Buch werfen sollte. Eine Freundin von mir ist vor ein paar Jahren nach Amerika ausgewandert und hatte mir vorher einen großen Schwung Bücher überlassen. Darunter auch einige Romane von Susan Elizabeth Phillips, die ich dann hintereinander gelesen habe. Doch so gehäuft hat es mich geärgert, dass in jedem Roman ein anfangs unschuldiges Mädchen die Hauptfigur war, und dass diese dann eine Beziehung mit einem (deutlich) älteren und vor allem erfahreneren Mann anfing, der sie in die Geheimnisse der Liebe einwies.

Auch in „Mitternachtsspitzen“ zeigt sich dieses Schema wieder, doch zusätzlich beschlich mich das Gefühl, dass die Autorin sich bei ihren Figuren von Georgette Heyers „Der Page und die Herzogin“ hat inspirieren lassen. Die jungenhafte Kit reist kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg von der familiären Baumwollplantage nach New York, um Baron Cain zu ermorden. Dieser hat nämlich von Kits böser Stiefmutter die Plantage geerbt – und nur sein Tod würde die junge Frau in die Lage versetzen den väterlichen Besitz ihr eigen zu nennen.

Doch der durchschaut schnell, dass sein neuer Stallbursche ein Mädchen ist. Und da das Schicksal ihn sogar zum Vormund der aufmüpfigen Dame gemacht hat, steckt er sie erst einmal in eine Schule, in der sie lernen soll, wie sich eine Lady zu benehmen hat. Drei Jahre später ist aus dem Wildfang eine hinreißende Frau geworden, deren Ausstrahlung auch der erfahrene Baron kaum widerstehen kann. Doch Kit verfolgt weiterhin nur ein Ziel: Wieder in den Besitz der Plantage zu gelangen.

Soleils Begeisterung für das Buch kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Aber ich habe heute einen netten Nachmittag mit Kit und ihrem attraktiven Baron gehabt. Obwohl der Verlauf der Handlung recht vorhersehbar ist und mich so mancher Anfall von Dickköpfigkeit bei den beiden Hauptfiguren zum Kopfschütteln bewegt hat, ist es eine unterhaltsame Geschichte. Doch vor allem haben mir ein paar Nebencharaktere – besonders Veronica – gefallen und bei mir immer wieder für ein Schmunzeln gesorgt.

Achja, noch etwas zum Cover: Meine Güte, hat den niemand in diesem Verlag mal das Buch gelesen, bevor die Umschlaggestaltung ausgewählt wurde? Das ist ein Roman, der kurz nach dem Sezessionskrieg spielt … und die weibliche Hauptfigur ist schwarzhaarig … und in keiner Weise so rosa-blond … und was soll das für eine Geste sein? … und ich mag so belanglose Cover absolut nicht! 😉

Jenna Black: Dämonenkuss (Die Exorzistin 1)

„Dämonenkuss“ ist der Auftakt der Reihe „Die Exorzistin“ von der Autorin Jenna Black. Die Hauptfigur ist die Exorzistin Morgan Kinsley, die in einer Welt, in der Dämonen alltäglich sind, lebt. Dämonen können hier nur in einem menschlichen Wirtskörper existieren, wobei viele Menschen sich den übernatürlichen Wesen für diesen Zweck anbieten. Morgans Bruder ist einer dieser Wirte – mit ein Grund, warum die junge Frau Dämonen hasst, denn mit der Inbesitznahme verschwindet die Persönlichkeit des Menschen.

Doch es gibt auch Dämonen, die unrechtmäßig Besitz von einem Menschen nehmen, und die dann von Exorzisten ausgetrieben werden müssen. Morgan ist eine der Besten in ihrem Job und trotzdem gerät sie gleich zu Beginn des Buches in Gefahr von einem Dämon übernommen zu werden. Zu ihrer großen Überraschung gelingt es dem bösen Wesen aber nicht in sie hineinzufahren, ein Rätsel, dass sie ziemlich beschäftigt. Als sie weiter nachforscht, stellt sich heraus, dass Morgan – ohne es zu wissen – schon längst eine Verbindung zu einem Dämon eingegangen ist.

Eigentlich finde ich die Grundidee zu diesem Roman sehr interessant. Jenna Black hat eine faszinierende Welt geschaffen und das Rätsel, um Morgans Immunität gegen den bösen Dämonen bietet mal einen ganz neuen Ansatz für ein Urban-Fantasy-Buch. Leider strotzt das Buch vor nicht gerade geschickt eingebauten Sexszenen und schlechten Charakterisierungen. Morgan ist nicht nur ihrem Freund Brian verfallen, sondern entwickelt auch für jeden vorbeikommenden Mann Interesse, solange dieser attraktiv ist. Die Exorzistin bleibt ihrem Liebsten zwar treu, lässt sich aber nicht von diversen Fantasien abhalten, die der Leser detailliert teilen darf.

Auch die SM-Spiele des Dämonen Adam und seines Geliebten werden ausführlich beschrieben. Wobei es der Autorin wohl vor allem darum ging wie bei einem Yaoi-Manga Szenen zu entwerfen, die der Leserin gefallen sollen. Doch bei mir führte das Ganze dazu, dass ich so langsam der Sexspielchen überdrüssig wurde. Vielleicht liegt es an Jenna Blacks Unfähigkeit schöne Liebesszenen zu beschreiben, dass sie auf den SM-Bereich ausgewichen ist und zum Dämonenthema passt es ja auch, aber auch hier fehlte es einfach an einer tieferen Charakterisierung. Keine der Personen war mir wirklich sympathisch und zu keinem Moment kam bei mir das Gefühl auf, dass Morgan jemals wirklich in Gefahr war (dabei wird die Exorzistin im Laufe der Geschichte von immer mehr Parteien gejagt). So interessant die Grundidee zu „Dämonenkuss“ ist, ich werde ganz bestimmt keinen weitern Roman dieser Reihe (und Autorin) lesen.

Melissa Bank: Dinge, die Frauen aus Liebe tun

Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Buch mal wieder keine Ahnung habe, wie es zu dem deutschen Titel „Dinge, die Frauen aus Liebe tun“ kam – wobei mir auch keine passende Übersetzung zu „The Wonder Spot“ einfallen würde. 😉 Insgesamt hat mich der Roman an den Film „Familienfest und andere Schwierigkeiten“ erinnert, allerdings konzentriert sich die Handlung nicht auf ein Thanksgiving-Fest, sondern erzählt episodenhaft von Sophies dreizehnten Lebensjahr an verschiedene Abschnitte, die mit ihr und ihren Beziehungen zu tun haben.

Sophie ist geprägt von ihrem jüdischen Elternhaus, auch wenn sie selber mit der Religion recht wenig anfangen kann. Sie ist unsicher, fühlt sich immer ein wenig fehl am Platz und versucht schon von klein auf zu gefallen. Immer wieder will sie die Erwartungen ihrer Umgebung erfüllen, und weiß doch oft gar nicht, wie sie dies tun soll. Ständig scheint sie in Fettnäpfchen zu treten und obwohl sie das Gefühl hat, dass sie sich Mühe gibt, scheitert sie an ihren Vorhaben. Doch vor allem in ihren Beziehungen geht ständig etwas schief – und es dauert Jahre bis Sophie dahinter kommt, dass auch sie Erwartungen an die Männer in ihrem Leben gestellt hat, die diese kaum erfüllen konnten.

Melissa Bank erzählt eine Geschichte, die nicht aufregend ist. Sie zeigt keine ungewöhnliche Frau, der spannende Sachen passieren. Sophie ist diejenige, die mit den interessanten Mädchen am College zusammenwohnt, sie ist die, die in einem faszinierenden Berufsfeld arbeitet, aber dort nur eine kleine Nebenrolle spielt, und sie ist diejenige, die lange Zeit davon träumt, dass es anders wäre. Eigentlich hätte sie gern das aufregende Leben, den perfekten Beruf und die traumhafte Beziehung, die die anderen zu haben scheinen.

So besteht der Reiz dieses Buches weniger in den Dingen, die Sophie passieren, oder in den interessanten Charakteren als in den kleinen Szenen, die dazu führen, dass man sich mit der Hauptfigur identifizieren kann. Oder in den Momenten, die einem das Gefühl geben, dass man zwar immer wieder die gleichen Dummheiten macht, aber letztendlich jedes Mal ein kleines bisschen dazulernt. Ich habe den Roman gern gelesen, ihn unterhaltsam gefunden und auch ein paar Denkanstöße mitgenommen.

Allerdings muss ich zugeben, dass für mich am Ende ein wenig die Luft raus war und mir ein „runderer“ Abschluss lieber gewesen wäre. Auch sind die Zeitsprünge gewöhnungsbedürftig: Melissa Banks erklärt wenig, was sehr stimmig ist, aber dafür muss sich der Leser erst einmal wieder zurechtfinden. Man muss herausfinden, wo sich Sophie gerade befindet, was in der Zwischenzeit geschehen ist, welcher Mann gerade eine Rolle spielt und was mit den ganzen Personen passiert ist, die man früher schon kennengelernt hatte.

Sophie Kinsella: Göttin in Gummistiefeln

Da ich gerade dabei bin, mich durch Tipps diverser Buch-Blogs zu lesen, habe ich die letzten Tage auch Sophie Kinsellas „Göttin in Gummistiefeln“ verschlungen. Und der Roman hat mir einen amüsanten Nachmittag beschwert. Eigentlich hat mir Samanthas Geschichte noch besser gefallen als „Charleston Girl“, aber vielleicht lag das daran, dass ich Beschreibungen von Koch- und Backvorgängen in Büchern einfach grundsätzlich liebe.

Samantha ist eine erfolgreiche Anwältin, die darauf hofft, dass sie in ihrer Kanzlei bald in die Riege der Seniorpartner aufsteigen wird. Doch während sie ihr ganzes Leben auf den Beruf ausgerichtet und schon seit vielen Monaten kein Treffen mehr mit einer Freundin oder gar einen Moment mit ihrer Familie erlebt hat, wird deutlich, dass ihr dieser absolute Einsatz für die Firma und die Erwartungen, die ihre erfolgreiche Mutter an sie stellt, so langsam zuviel wird. Kurz bevor ihr Karrieresprung offiziell verkündet wird, entdeckt Sam, dass sie einen gravierenden Fehler gemacht hat, der einen ihrer Klienten 50 Millionen kosten wird. In Panik rennt sie davon und findet sich einige Stunden später in einem kleinen Dorf wieder, wo sie für die angekündigte Haushaltshilfe gehalten wird. Obwohl Samantha keinerlei Ahnung vom Kochen, Putzen und anderen praktischen Tätigkeiten hat, schlägt sie sich wacker und lernt mit der Hilfe des Gärtners Nathaniel und seiner Mutter einen Haushalt erfolgreich zu schmeißen.

Natürlich ist die Grundsituation so ziemlich an den Haaren herbeigezogen, aber da man in Panik schon mal eine Dummheit macht und eine kleine Notlüge sich schnell in einen verschlingenden Sumpf entwickeln kann, kann ich die Abwegigkeiten in der Handlung verzeihen. Lustigerweise ist der größte Kritikpunkt an dem Buch häufig, dass Samantha sich im Haushalt so absolut unfähig anstellt. Eine intelligente Frau sollte schon in der Lage sein einen Herd anzustellen oder eine Waschmaschine zu bedienen – nur wenn diese Frau ihr ganzes Leben lang jemanden hatte, der das für sie getan hat, dann wird es für mich nicht mehr so abwegig, dass Sam so unfähig ist. Nun gut, ich habe auch erleben müssen, wie ein sehr intelligenter Mann sich als absolut hilflos herausstellte, als es darum ging zum ersten Mal ein paar Nudeln zu kochen – schließlich hatten ihm seine Mutter oder die Mensa diese Arbeit sonst immer abgenommen! *g*

Insgesamt fand ich es wirklich lustig mitzuerleben, wie sich Samantha von der toughen, aber „fremdbestimmten“ Poweranwältin zu einer Frau entwickelt, die zwar noch nicht genau weiß, was sie wirklich will, aber eine Ahnung davon bekommt, was sie ganz bestimmt nicht möchte. Und ich habe (wie schon erwähnt 😉 ) es sehr genossen zu lesen, wie Sam lernt Brot zu backen, wie sie ihre ersten Schritte in der Küche macht oder herausfindet, dass Sex auch mal mehr als sechs Minuten dauern kann. Anspruchsvoll ist dieser Roman bestimmt nicht, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Und beim Lesen hatte ich genau vor Augen, mit wem und wie ich das Buch gern verfilmt sehen würde … *g*