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So richtig …

… bin ich nach meiner Sommerpause noch nicht wieder da, dabei habe ich theoretisch sogar wieder Lust zum Bloggen (und Kommentieren). Aber so recht will das Schreiben noch nicht wieder klappen – achtzehn angefangene Entwürfe tummeln sich im Dashboard, aber seit Tagen mache ich sie nur auf und wieder zu, ohne ein Wort hinzuzufügen. Ich lese wieder (wenn auch wenig) und hüpfe dabei von Buch zu Buch. Um aber über Bücher schreiben zu können, sollte ich auch mal eins beenden, statt ständig neue anzufangen. Und dann gibt es noch den Feedreader, den ich immer wieder öffne, durchscrolle und mir dann vornehmen, dass ich mich gleich morgen ernsthaft ans Abarbeiten machen werde …

Statt also all die Dinge zu tun, die ich mir für „nach dem Sommer“ vorgenommen habe und auf die ich eigentlich ja auch Lust hätte, wusel ich ziellos durch die Wohnung, wandere mit Tunnelblick an den im Laufe des Sommers entstandenen Kruschelecken vorbei, teste Plätzchenrezepte (hat jemand ein gutes Snickerdoodle-Rezept für mich?), höre mich durch meine CD-Sammlung und schaue Briten dabei zu, wie sie Wohnungen in europäischen Ländern suchen („Escape to the Continent“ bei Netflix).

Ein bisschen hoffe ich ja, dass dieser „ich bekomme nix auf die Reihe“-Beitrag dazu führt, dass ich wieder mit dem Bloggen anfange, aber irgendwie ist der Tag gerade immer kürzer als die To-do-Liste, und die Ablenkungen sind zu groß, um lange bei einer Sache zu bleiben … 😉

September-SuB 2018

Im August habe ich fast gar nicht gelesen und mir dafür einige Buchkäufe gegönnt. Nachdem mein Buchhändler gestern die noch ausstehenden Titel der letzten Monate geliefert hat, habe ich mit dem SuB auch die 70er-Marke geknackt. Mal schauen, ob ich im September genug lese, um den SuB im Zaum zu halten – schließlich brauche ich vor dem Jahresende wieder genügend Platz im Regal, um die dann eintreffenden gehäuften Neuzugänge unterzubringen. 😉

Ich freu mich, dass endlich September ist. Selbst wenn es noch ein paar warme Phasen geben sollte, sorgen die etwas kürzeren Tage und kühleren Nächte dafür, dass ich diese Zeit genießen kann und wieder mehr auf die Reihe bekomme. Die To-do-Liste für die kommenden Wochen ist lang, aber ich bin wild entschlossen auch wieder mehr Zeit mit einem Buch vor der Nase zu verbringen.

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  3. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  4. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)
  5. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  6. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  8. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  9. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  11. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  12. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  13. Stephanie Burgis: Masks and Shadows
  14. Stephanie Burgis: Congress of Secrets
  15. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  16. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  17. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  18. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  19. Jasmine Gower: Moonshine
  20. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  21. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  22. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  23. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  24. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  25. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  26. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  27. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  28. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  29. Rachel Hartman: Seraphina
  30. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  31. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  32. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  33. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  34. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  35. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  36. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  37. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  38. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  39. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  40. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  41. Diana Wynne Jones: Power of Three
  42. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  43. Kelly McCullough: Der Zorn der Klinge
  44. Kelly McCullough: Die erste Klinge
  45. Kelly McCullough: Der Schwur der Klinge
  46. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  47. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  48. Seanan McGuire: The Girl in the Green Silk Gown
  49. Kelly Meding: Stray Magic
  50. Kate Milford: The Boneshaker
  51. Kate Milford: Ghosts of Greenglass House
  52. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  53. Bishop O’Connell: The Stolen
  54. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  55. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  56. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  57. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  58. Cindy Pon: Serpentine
  59. Philip Reeve: Larklight
  60. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  61. John Scalzi: Fuzzy Nation
  62. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  63. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  64. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  65. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  66. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  67. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  68. Charles den Tex: Die Zelle
  69. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  70. Sarah Tolcser: Song of the Current
  71. Tiffany Trent: Unnaturalist
  72. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  73. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  74. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  75. Xinran: Gerettete Wort
  76. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  77. Diane Zahler: Baker’s Magic

70 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Iori Fujiwara: Der Sonnenschirm des Terroristen

„Der Sonnenschirm des Terroristen“ von Iori Fujiwara ist einer dieser Romane, bei denen ich nicht mehr weiß, wo genau er mir untergekommen ist. Irgendwann hatte ich ihn spontan in der Bibliothek vorgemerkt, und da es so lange dauerte, bis mir ein Exemplar zur Verfügung gestellt werden konnte, hatte ich ihn schon wieder vergessen, als die Bereitstellungs-Mail bei mir ankam. Dabei ist „Der Sonnenschirm des Terroristen“ ein solider und unterhaltsamer Krimi, bei dem ich froh bin, ihn gelesen zu haben. Geschrieben hat Iori Fujiwara das Buch schon 1995 (angeblich, um von dem Gewinn durch die Veröffentlichung des Manuskripts seine Spielschulden bezahlen zu können), was man der Geschichte stellenweise auch anmerkt, wenn es um die Lebensumstände des Protagonisten Keisuke Shimamura, die Beschreibungen des Lebens in Japan und die alltäglichen (politischen) Vorgänge geht.

Der Roman beginnt mit einem ganz normalen Vormittag für Keisuke Shimamura und endet mit einer Bombe in einem öffentlichen Park, der mehrere Menschen zum Opfer fallen. Solch ein Ereignis wäre für jede Person traumatisierend, aber Shimamura muss nun befürchten, dass die Polizei (dank einer im Park liegengelassenen Whiskeyflasche) anhand seiner Fingerabdrücke feststellt, dass er eigentlich Shunsuke Kikuchi ist, der viele Jahre als Terrorist gesucht wurde. Während der ’69er Studentenproteste gehörte er zu einer Gruppe von Studenten, die an den Unruhen rund um die Tokyoter Universität beteiligt waren, und im Jahr 1971 wurde er in einen Vorfall verwickelt, bei dem ein Polizist durch eine Autobombe getötet wurde – seit diesem Jahr versteckt sich Shimamura vor den Behörden.

So ist es nicht verwunderlich, dass Shimamura beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln, wer für die Bombe im Park verantwortlich ist. Damit würde er nicht nur seine eigene Unschuld beweisen können, bevor die Polizei ihn in die Finger bekommen kann, sondern vielleicht auch den Grund herausfinden, warum einige Yakuza auf einmal Interesse an seiner Person haben. Da Iori Fujiwara seinen Protagonisten in den Tagen nach dem Bombenattentat durch die verschiedensten Stadtteile Tokyos schickt und mit den unterschiedlichsten Personen Kontakt haben lässt, ergibt sich für den Leser ein spannendes und interessantes Bild von Tokyo zu Beginn der 90er Jahre. Auch ist Shimamura ein faszinierender und trotz seines Alkoholismus ein sympathischer Protagonist, dessen Ermittlungen man gerne folgt. Seine bewegte Vergangenheit, sein unstetes Leben und die verschiedenen Personen, denen Shimamura im Laufe seiner Ermittlungen so begegnet, sorgen für ein atmosphärisches und facettenreiches Bild der japanischen Gesellschaft.

Insgesamt bekommt „Der Sonnenschirm des Terroristen“ so eine gewisse „noir“-Note, die mir wirklich gut gefallen hat und dafür sorgte, dass ich den Roman in einem Zug ausgelesen habe. Ich mochte Shimamura wirklich gern, auch weil er – trotz der Tatsache, dass er mitverantwortlich für den Tod eines Polizisten ist – eine nette Person ist und sich Gedanken um seine Mitmenschen macht. Ich muss allerdings auch zugeben, dass die Auflösung der Geschichte nicht nur sehr offensichtlich war, sondern auch einige Verknüpfungen zu viel beinhaltete. Wenn gefühlt jede vorhandene Person in irgendeiner Beziehung zur Tat, zu den Opfern und den Ermittlern steht, dann wird die Handlung halt doch etwas unglaubwürdig. Das ändert aber nichts daran, dass ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe und es etwas bedauere, dass diese Geschichte der einzige Roman des Autors war, denn ich hätte gern noch mehr von Iori Fujimara gelesen.

Sommerpausenende

Die vergangenen Wochen waren wirklich nicht schön – auch wenn die Zeit mit dem Besuch im August sehr nett war und wir zumindest an den ersten Tage noch einigermaßen erträgliche Temperaturen hatten. Aber insgesamt hatten wir in den vergangenen 3 1/2 Monaten nur vier Tage, an denen die Temperatur in unserer Wohnung (direkt nach dem morgendlichen Lüften) unter 25 Grad sank. An den meisten Tagen lag die Temperatur um die 30 Grad und auch nachts wurde es nicht merklich kühler, da wir schon Wochen vor der „Hitzewelle“ eine tropische Nacht nach der anderen erleben durften.

Ohne mein morgendliches Lüften hätte sich die Wohnung noch weiter aufgeheizt, was der einzige Grund war, warum ich es wochenlang geschafft habe, morgens um vier aufzustehen. Dummerweise sorgte das dafür, dass ich in der Regel mehrere Tage hintereinander nicht mehr als vier bis fünf Stunden Schlaf pro Nacht bekam, was auf Dauer irgendwie nicht so gesund ist (und dazu führte, dass ich auch ohne jeglichen Anlass ständig in Tränen ausbrechen konnte) – vor allem, wenn es mit dem „Mittagsschlaf“ aus irgendeinem Grund (Kindergartenlärm, Baustellenlärm, klingelnde Postboten mit Paketen für die Nachbarn) nicht klappt. Außerdem ist „Mittagsschlaf“ bei über 30 Grad einfach nicht erholsam und dauert nie lange genug, um den fehlenden Nachtschlaf auszugleichen. Anfang August war alles, woran ich denken konnte, nur noch, wie müde ich war. Zu erschöpft, um irgendwas zu tun, zu müde zum Lesen, zu müde zum Denken – selbst Netflix bietet nicht genügend unterhaltsame, anspruchslose Wohlfühlunterhaltung, um so viele Wochen in diesem Zustand zu überbrücken.

Die zur Aufmunterung getroffene Frühstücksverabredung mit der ehemaligen Nachbarin endete überstürzt, weil wir bei jedem Bissen schauen muss, dass wir keine der Wespen, die auf und in allen Lebensmitteln saßen, mitaßen. So extrem habe ich das noch nie erlebt, und dabei bin ich normalerweise relativ gelassen, wenn es um Wespen geht. Überhaupt war das in den letzten Wochen mit den Insekten nicht so schön – was mich immerhin den einzigen Vorteil einer Dachgeschosswohnung im Sommer hat wiederentdecken lassen, da sich die Zahl der Wespen, die den Weg in die Wohnung fanden, in Grenzen hielt. Dafür haben wir vor ein paar Tagen ungebetene „Besucher“ in der Küche entdeckt – drei Monate, in denen kaum gekocht wird, ergeben anscheinend ganz ungeahnte Möglichkeiten für Mehlmotten. Inzwischen ist die Küche frei von Vorräten und Befall. Allerdings hätte ich den gründlichen Sommerendputz doch lieber bei weniger hohen Temperaturen betrieben.

Ich komme schon sonst nicht so gut mit dem Sommer zurecht, aber in diesem Jahr kamen so viele Faktoren zusammen, die das Ganze noch potenziert haben … Ich bin froh, dass das Schlimmste nun wohl vorbei ist (und versuche zu ignorieren, dass für Dienstag und Mittwoch schon wieder Temperaturen um die 30 Grad angekündigt sind) – solange es nachts abkühlt, kann ich auch die warmen Tage ertragen. Seit gestern haben wir sogar tagsüber in unserer Wohnung knapp unter 25 Grad und ich habe in den vergangenen drei Nächten endlich mal wieder richtig schlafen können. Das reicht natürlich nicht, um die Folgen der vergangenen drei Monate auszugleichen, gibt mir aber so langsam das Gefühl, ich könnte mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. Ich habe gestern sogar endlich mal wieder zum Buch gegriffen – was sehr gut ist, wenn man bedenkt, dass ich mir in den vergangenen Wochen die eine oder andere Trostbestellung gegönnt habe. 😉

 

Sommerpause

Ich habe beschlossen, dass mein Blog ab sofort eine Sommerpause einlegt. Der Grund dafür ist, dass ich bei diesen Temperaturen weder lesen noch kommunizieren mag. Bevor die Gradzahlen nicht für ein paar Tage (und Nächte!) am Stück deutlich fallen, kann man mit mir nichts mehr anfangen. Hinzu kommt, dass wir – wie schon erwähnt – Besuch erwarten und mein Mann in den kommenden Wochen auch Urlaub haben wird.

Ich weiß nicht, ob ich bis zum Lese-Sonntag am 19. August wieder aus meiner Pause zurück sein werde – aktuell spricht die (nicht sehr zuverlässige) 14-Tage-Wettervorhersage eher dagegen, aber ihr könnt ja den Lese-Sonntag im Zweifelsfall auch ohne mich abhalten. 🙂

Macht’s gut, bis spätestens im September!

August-SuB 2018

Mein Lesen im Juli war vor allem vom Mangel an Konzentration geprägt: Leichte Lektüre mit einer Schrift, mit der ich auch bei verdunkelter Wohnung und vor Müdigkeit brennenden Augen keine Probleme hatte – es gibt schönere Auswahlkritierien fürs Lesen. 😉 Je heißer es wurde, desto weniger habe ich gelesen und mich stattdessen in meiner Freizeit von Netflix mit Sendungen berieseln lassen, die einfach nur sehr, sehr „nett“ waren (wie „Queer Eye“ oder „Big Dreams Small Spaces“) und definitiv gegen meine chronische schlechte Laune halfen. Für August gibt es keine Lesevorhaben. Ich will einfach nur noch diesen Sommer hinter mich bringen und trotz der Hitze eine gute Zeit mit unserem Besuch und meinem Urlaub habenden Mann verbringen …

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  3. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  4. Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigates 2 – Rubies and Runaways
  5. Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigates 3 – Hounds and Hauntings
  6. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  8. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  9. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  11. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  12. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  13. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  14. Stephanie Burgis: Masks and Shadows
  15. Stephanie Burgis: Congress of Secrets
  16. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  17. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  18. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  19. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  20. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  21. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  22. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  23. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  24. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  25. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  26. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  27. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  28. Rachel Hartman: Seraphina
  29. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  30. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  31. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  32. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  33. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  34. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  35. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  36. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  37. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  38. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  39. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  40. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  41. Kelly McCullough: Der Zorn der Klinge
  42. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  43. Seanan McGuire: The Girl in the Green Silk Gown
  44. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  45. Kelly Meding: Stray Magic
  46. Kate Milford: The Boneshaker
  47. Kate Milford: Ghosts of Greenglass House
  48. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  49. Bishop O’Connell: The Stolen
  50. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  51. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  52. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  53. Cindy Pon: Serpentine
  54. Philip Reeve: Larklight
  55. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  56. John Scalzi: Fuzzy Nation
  57. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  58. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  59. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  60. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  61. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  62. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  63. Charles den Tex: Die Zelle
  64. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  65. Sarah Tolcser: Song of the Current
  66. Tiffany Trent: Unnaturalist
  67. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  68. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  69. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  70. Xinran: Gerettete Wort
  71. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  72. Diane Zahler: Baker’s Magic

62 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Elizabeth Bear: Karen Memory (Karen Memory 1)

Erst bin ich lange Zeit um „Karen Memory“ von Elizabeth Bear rumgeschlichen, weil ich mir nicht sicher war, ob die Geschichte was für mich ist, dann lag der Roman noch einige Monate auf dem Sub, während ich auf die richtige Stimmung wartete. Als ich aber endlich mit „Karen Memory“ anfing, mochte ich den Anfang der Geschichte genauso gern wie beim Lesen von „Madam Damnable’s Sewing Circle“ im vergangenen Frühjahr und habe – weil ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte – mal eben die ersten 90 Seiten am Stück verschlungen. Die Ereignisse werden von Karen Memory erzählt, die als „Schneiderin“ im Hôtel Mon Cherie in Rapid City (das zum Teil an das historische Seattle erinnert) arbeitet. Das Etablissement wird von Madame Damnable geleitet, die den Mädchen für gerade mal 60 Prozent ihrer Einnahmen Kost, Logis und Schutz zur Verfügung stellt.

Karen hat sich bewusst für dieses Leben entschieden, nachdem ihr Vater bei einem Unfall umgekommen war und sie einen Weg finden musste, um zu überleben. Viele Alternativen bietet das Leben in dieser letzten Station vor den Goldgräber-Feldern in Alaska nicht, schon gar nicht zu einer Zeit, die dem Ende unseres 19. Jahrhunderts entspricht und in der ein Menschenleben nicht viel wert zu sein scheint. Aus Karens Perspektive gewinnt man den Eindruck, dass es in Rapid City nur wenige ehrliche Menschen gibt. Sie selbst hat großes Glück gehabt, dass sie bei Madame Damnable gelandet ist, andere Prostituierte arbeiten unter weitaus schlimmeren Bedingungen, und dass in einigen Häusern am Hafen versklavte (ausländische) Frauen angeboten werden, ist zumindest innerhalb des Gewerbes eine bekannte Tatsache.

Als eines Nachts Priya, die dank der Aktivistin Merry Lee aus einem dieser Häuser am Hafen fliehen konnte, vor der Tür des Hôtel Mon Cherie landet, stellen sich Karen und ihre Kolleginnen gegen die Verfolger der beiden Frauen und lösen damit einen Zermürbungskrieg gegen ihr Etablissement aus. Doch nicht nur von Priyas ehemaligem „Besitzer“ Peter Bantle droht Gefahr, sondern auch von einem Serienmörder, der seit einiger Zeit sein Unwesen in Rapid City treibt und es auf Prostituierte abgesehen hat. Vor allem fallen ihm Frauen zum Opfer, die allein in den Straßen arbeiten, doch da er ihre Leichen gezielt vor den Türen der Bordelle der Stadt platziert, fühlt sich niemand, der diesem Gewerbe nachgeht, noch sicher. Nach und nach findet Karen gemeinsam mit Marshal Bass Reeves und seinem indianischen Begleiter Tomoatooah mehr über die Identität des Mörders und die Machenschaften von Peter Bantle heraus.

Es gibt so vieles, was ich an diesem Roman wirklich mochte. Mir gefiel es, die Geschichte aus Karens Perspektive zu verfolgen, weil die junge Frau auf der einen Seite dank ihres Jobs schon erschreckend viel vom Leben gesehen hat, auf der anderen Seite aber ständig neue Erfahrungen macht und dabei viel über sich und über die Situation, in der andere Menschen sich befinden, lernt. Ich mochte das Western-Steampunk-Setting der Geschichte und fand es sehr passend, dass der Schauplatz der Handlung so sehr an Seattle rund um 1900 erinnert, als die Straßen der Stadt aufgeschüttet wurden, um zukünftige Überflutungen zu verhindern, und die Menschen zum Teil zehn Meter Differenz zwischen der Straße und dem Erdgeschoss ihres Hauses überwinden mussten. Ich mochte auch, dass sich die Handlung langsam und realistisch entwickelte. Egal, wie angesehen ein Bordelle sein mag, allen Beteiligten ist bewusst, dass sie keinen Einfluss und kein Ansehen in der Stadt haben und deshalb unter schwierigen Bedingungen vorsichtig agieren müssen.

Erst, als es zu einem dramatischen Vorfall kommt und weder Madame Damnable noch ihre „Mädchen“ viel zu verlieren haben, kann Karen einen Teil ihrer Kolleginnen davon überzeugen, dass es eine Chance gibt, Peter Bantles Pläne zu stören und den Serienmörder zu stoppen. Hier spielt dann auch der Steampunk-Anteil des Romans eine entscheidende Rolle, weil Karen und ihre Mitstreiter einen Weg finden müssen, um gegen eine Übermacht von Männern anzukommen. Ich habe es wirklich genossen, Karens Perspektive durch all die Ereignisse zu folgen, ich habe die verschiedenen Personen, die zum Hôtel Mon Cherie gehören, ebenso ins Herz geschlossen wie Marshal Bass Reeves und Tomoatooah, und ich würde wirklich gern wissen, wie das Leben nach all diesen dramatischen Vorfällen für Karen und ihre Freunde weitergeht – nur gut, dass die Fortsetzung „Stone Mad“ schon erschienen ist.

Tansy Rayner Roberts: Let Sleeping Princes Lie (A Castle Charming 3)

Je länger eine Castle-Charming-Geschichte, desto ernsthafter scheint sie zu sein – so ist es kein Wunder, dass „Let Sleeping Princes Lie“ von Tansy Rayner Roberts mit 134 Seiten der bislang dramatischte Band der Castle-Charming-Geschichten ist. Nach der herbstlichen Ballsaison („Glass Slipper Scandal“) und der winterlichen „Sportsaison“ („Dance, Prince, Dance“) ist nun der Frühling im Königreich Charming herangebrochen und damit auch die Spinnrad-Phase. Jedes Jahr um diese Zeit werden alle Spinnräder eingesammelt und verbrannt und trotzdem tauchen rund ums Schloss lauter Spinnräder auf und bedrohen die Prinzen und die Prinzessin. Für den Reporter Kai, der erst seit wenigen Monaten im Königreich lebt, ist das Ganze anfangs nur eine interessante Story – doch dann versucht er, Prinz Chase vor einem plötzlich auftauchenden Spinnrad zu retten und fällt selbst dem Fluch zum Opfer. Während Kais Freund Dennis, seine Kollegen von der Palastwache und Chase, Cyrus und Camilla Charming verzweifelt einen Weg suchen, um Kai aus seinem Zauberschlaf zu retten, findet sich Kai in einem verzauberten Schloss voller tödlicher Monster wieder.

Gemeinsam mit der wehrhaften L und dem Xix-Prinzen Zuo-lin muss der Reporter ununterbrochen kämpfen, um nicht von diesen unheimlichen Wesen getötet zu werden. Ich mochte die Idee sehr, dass die Personen, die dem Fluch der Spinnräder zum Opfer fallen, nicht einfach nur schlafen, sondern in einem albtraumhaften Schloss Tag für Tag um ihr Leben kämpfen müssen. Dies sorgt – ebenso wie die Enthüllungen rund um den Fluch, der für Kais Entführung und das Schicksal von Königin Ella verantwortlich ist – für eine düstere und bedrückende Atmosphäre, ohne dass Tansy Rayner Roberts vollkommen auf die kleinen amüsanten Szenen verzichtet, die von Anfang an den Ton der Castle-Charming-Geschichten ausgemacht haben. Dazu kommen noch die überraschenden Erkenntnisse rund um den Ursprung des Fluchs und um die Identität von Kais Pflegemutter und einige neue und unvorhersehbare Entwiklungen rund um die Palastwächterin Ziggy, die für eine spannende Weiterführung der Handlung sorgen.

Ich mochte es sehr, wie stimmig die Autorin die Handlung weiterentwickelt hat. Obwohl schon von Anfang in den Geschichten mitschwingt, dass die gesamte Königsfamilie (und somit auch das Königshaus) unter dem Fluch leidet, wird erst in „Let Sleeping Princes Lie“ deutlich, wie viele Geheimnisse und unausgesprochene Vorwürfe damit verbunden sind und wie sehr das Ganze die Königsfamilie beeinflusst hat. Am Ende dieser Geschichte müssen sie nicht nur mit der Vernachlässigung durch den König und die Abwesenheit ihrer Mutter fertigwerden, sondern auch mit all den Dingen, die ihr Vater ihnen bislang vorenthalten hat und die fast alles, was sie bislang über ihrer Familiengeschichte zu wissen glaubten, auf den Kopf stellten. So scheint das Brechen des Fluchs für die Zukunft mehr Probleme aufzuwerfen, als das Leben mit dem Fluch eh schon mit sich brachte. Ich bin wirklich neugierig, wie es im Königreich Charming weitergeht und ob es am Ende doch noch so etwas wie ein Happy End für die Königsfamilie (und die Mitglieder der Palastwache) geben wird – dummerweise wird der vierte Teil der Serie erst im kommenden Jahr veröffentlicht, und so muss ich mich noch eine ganze Weile gedulden.

Sujata Massey: Die Tote im Badehaus (Rei Shimura 1)

„Die Tote im Badehaus“ von Sujata Massey gehört zu den Romanen, die einem wirklich immer unterkommen, wenn man nach Krimis sucht, die in Japan spielen. Die Autorin selbst ist eine deutsch-indische Engländerin, die einen Größteil ihrer Kindheit in Amerika verbracht hat und nach ihrem Studium zwei Jahre in Japan lebte, um dort die Sprache zu lernen – so ist es vermutlich nicht verwunderlich, dass ihre Hauptfigur Rei Shimura, die Handlung aus der Perspektive einer japanischstämmige Amerikanerin erzählt, die zwar ein Verständnis für die japanische Kultur mitbringt, aber doch für Japaner immer eine Ausländerin sein wird.

Rei arbeitet als Englischlehrerin für einen japanischen Konzern, und als sie einen Ort sucht, an dem sie über Neujahr Urlaub machen kann, wird ihr von ihrem Vorgesetzten eine kleine Pension empfohlen. Dort trifft die junge Frau auf eine bunte Mischung von Gästen, vom wohlhabenden japanischen Salaryman mit seiner Frau und seinem schottischen Geschäftsfreund über ein junges japanisches Ehepaar bis zu einer älteren amerikanischen Touristin, die kein Wort japanisch spricht. Schon am ersten Abend wird klar, dass die Gruppe nicht gerade gut miteinander harmoniert, doch dass Rei am nächsten Tag beim Morgenspaziergang über eine Leiche stolpert, hätte sie natürlich trotzdem niemals gedacht. In den folgenden Stunden wird Rei als unfreiwillige Übersetzerin für die Polizei in die ersten Vernehmungen verwickelt, und als sich dann herausstellt, dass die örtliche Polizei in dem Schotten Hugh den Hauptverdächtigen sieht, schnüffelt Rei recht hemmungslos im Leben aller Beteiligten rum, um mehr über die anderen Gäste der Pension und ihre möglichen Motive für einen Mord herauszufinden.

Ich hatte von enthusiastisch lobenden bis „Das war nett zu lesen“-Äußerungen eigentlich alles Mögliche zu „Die Tote im Badehaus“ mitbekommen und kann mich diesen positiven Aussagen leider nicht anschließen. Ein Punkt dabei ist, dass viele Rezensenten, die von diesem Roman angetan waren, betonen, dass es so spannend sei, mehr über den japanischen Alltag und das Leben als Ausländerin in Japan mitzubekommen, aber ich hatte nicht das Gefühl, ich würde besonders viel Neues erfahren. Vor zwanzig Jahren, als das Buch erschien, wäre das bestimmt anders gewesen, aber inzwischen habe ich zu viele Romane gelesen, die in Japan spielen (und von Japanern geschrieben wurden), und zu viele Blogs von Ausländerinnen, die in Japan leben. Auch fand ich den Kriminalfall nicht besonders spannend, da schon früh für mich feststand, dass all die Spuren, die die Autorin in Richtung organisiertes Verbrechen und Industriespionage legte, nur von einer bestimmten Person und einem relevanten Punkt im Leben der ermordeten Frau ablenken sollten.

Dazu kam, dass ich die Protagonistin nicht besonders sympathisch fand, was es mir eh immer schwer macht, mich auf einen auch sonst nicht so spannenden Roman einzulassen. Ich konnte weder die „Beziehung“ zwischen Rei und Hugh (dem schottischen Anwalt) nachvollziehen, noch ihr Verhältnis zu ihrem (schwulen) Mitbewohner Richard. Dieser ist angeblich Reis bester Freund, aber von der Tatsache abgesehen, dass er sich die Wohnung mit ihr teilt und ihre Gäste beschäftigen darf, während sie ermittelt, scheint er absolut keine Rolle in ihrem Leben zu spielen. Ich habe mich beim Lesen regelmäßig über Reis Verhalten und Gedanken aufgeregt, und der einzige Grund, warum ich „Die Tote im Badehaus“ nicht abgebrochen habe, war, dass ich nach all den positiven Rezensionen dachte, dass da noch irgendwas kommen müsste. In Nachhinein kann ich immerhin sagen, dass ich die Autorin ausprobiert und beschlossen habe, dass ich keinen weiteren Roman von ihr lesen muss.

Robin McKinley: Spindle’s End

„Spindle’s End“ von Robin McKinley hatte ich mir ursprünglich für eine Leserunde besorgt, die dann doch nicht zustandekam. Beim Auspacken meiner ganzen Buchkartons fiel mir der Roman dann vor ein paar Wochen wieder in die Hände, und so habe ich ihn nach all den Jahren endlich auch mal gelesen. „Spindle’s End“ ist eine Dornröschen-Variante, und anfangs fand ich die Erzählweise etwas gewöhnungsbedürftig, weil Robin McKinley zu Beginn mehr erklärende Einschübe zum Weltenbau und der Magie einfließen lässt, als ich es von ihren anderen Titeln gewohnt bin. Das ist zwar amüsant zu lesen, sorgt aber auch dafür, dass es ziemlich lange dauert, bis die eigentliche Handlung anfängt.

Die Geschichte spielt in einem Land, in dem so viel Magie präsent ist, dass sie wie eine dicke Staubschicht alles bedeckt und dementsprechend auch viel Einfluss auf alle Lebenwesen und Dinge in diesem Teil der Welt hat. Obwohl die Magie so überpräsent ist, gibt es nur wenige Personen (in der Regel Magier und Feen), die sie bewusst anwenden können. Die Mitglieder des Könighauses gehören nicht zu diesem Personenkreis – denn es ist Gesetz, dass das Land von jemandem regiert wird, der keinerlei Magie besitzt. Bei einem solch magischen Königreich ist es nicht überraschend, dass die Prinzessin und Thronerbin bei ihrer Taufe von einer Fee verflucht wird – ungewöhnlich ist hingegen, dass sie, kurz nachdem der Fluch ausgesprochen wird, von einem Mädchen, das die Gabe hat mit Tieren zu kommunizieren, in Sicherheit gebracht wird.

Dieses Mädchen ist Katriona, aus deren Sicht die Geschichte zu Beginn auch erzählt wird. Katriona ist eine Waise, die von ihrer Tante aufgezogen wurde, welche wiederum in ihrem abgelegenen Heimatort eine der mächtigsten Feen ist. Gemeinsam mit dieser Tante gelingt es ihr, die Identität der Prinzessin geheimzuhalten und das kleine Mädchen als ihre Cousine Rosie aufzuziehen. Rosie entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einer selbstbewussten jungen Frau, die – dank der ungewöhnlichen Ereignisse rund um ihre Taufe – die Gabe hat, mit Tieren zu sprechen. Obwohl die böse Fee, die sie verflucht hat, sie all die Jahre sucht, sorgt Katriona gemeinsam mit ihrer Tante dafür, dass Rosie eine wunderbare (und sehr gewöhnliche) Kindheit erleben kann. Sie steht Rosie auch nicht im Weg, als diese vom Schmied des Ortes zur Pferdeheilerin ausgebildet wird. Doch mit Rosies herannahendem 21. Geburtstag lässt sich ihre Herkunft nicht länger verbergen, und so muss die junge Frau sich – gemeinsam mit einigen ungewöhnlichen Verbündeten – am Ende gegen die böse Fee stellen, um nicht nur ihr eigenes Leben zu retten.

Robin McKinley konzentriert sich in „Spindle’s End“ lange Zeit darauf, von Rosies Heranwachsen zu erzählen und von all den Dingen, die das Mädchen so liebt und die so gar nicht prinzessinnenhaft sind. Ihre Gewöhnlichkeit und die Tatsache, dass sie mit Tieren kommunzieren kann, sind für Rosie der beste Schutz gegen die Suchzauber der bösen Fee, und so gibt es für den Leser viele kleine Szenen mit den wilden und zahmen Tieren der Umgebung, mit den Menschen im Dorf, die natürlich keine Ahnung von Rosies wahrer Herkunft haben, und mit Rosies kleiner „Pflegefamilie“, die das Mädchen liebt, als wäre es ihr Fleisch und Blut. All diese Elemente werden von Robin McKinley so liebevoll erzählt, dass ich sie gern gelesen habe. Gleichzeitig habe ich mich immer wieder gefragt, wie ein solches Mädchen irgendwann einmal in die Rolle einer Prinzessin schlüpfen soll. Doch natürlich hat die Autorin auch dafür am Ende eine stimmige Lösung gefunden.

Ich mochte es sehr, dass es in dieser Dornröschen-Variante zwar die klassischen Elemente wie den Zauberschlaf gab, aber nicht in der vertrauten Märchenversion, sondern als eine Folge des Suchzaubers, den die böse Fee jahrelang einsetzt. Auch gibt es zwar einen Prinzen am Ende der Geschichte, aber nicht für Rosie, die (wenn auch nicht ganz allein) diejenige ist, die selbst gegen die böse Fee kämpft, um sich und ihr Königreich zu retten. Robin McKinleys Dornröschen ist definitiv keine zarte Prinzessin, die in einem von Dornen umringten Schloss auf Rettung wartet, sondern eine mutige junge Frau, die einen ungewöhnlichen und gefährlichen Weg einschlägt, um gegen einen übermächtigen Gegner zu kämpfen und so diejenigen zu retten, die sie liebt.

Ich mochte Rosie ebenso gern wie die vielen Verbündeten, die ihr zur Seite standen. Doch besonders gefallen haben mir all die vielen kleinen, stimmigen Elemente, die sonst in den verschiedenen Dornröschen-Varianten gar keine Beachtung finden. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, welche Folgen ein Fluch hat, der durch eine Spindel ausgelöst werden soll, in einem Land und einer Zeit, in dem die Verarbeitung von Fasern nun einmal zu den überlebensnotwendigen alltäglichen Verrichtungen gehören. Auch wenn ich mich erst auf die ruhigere und ausführliche Erzählweise einlassen musste, habe ich diese Geschichte wirklich genossen – es war schön, mal eine so stimmige Dornröschen-Version zu lesen.