Kategorie: Rezension

Andreas Hoppert: Der Thule-Code

Zu diesem Buch habe ich mich überreden lassen, weil die Handlung in Ostwestfalen-Lippe spielt (wo ich den Großteil meines Lebens verbracht habe) und weil der Autor angeblich spannende Juristenkrimis schreibt. Tja, die Schauplätze waren wirklich der Höhepunkt des Romans, all die Sehenswürdigkeiten rund um Detmold waren so detailliert beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, der Autor hat sogar die Stufen gezählt, die man bis zu den Aussichtspunkten hochsteigen muss. Und einen Reiseführer brauche ich wohl auch nie wieder, wenn ich mal wieder in die Gegend kommen sollte …

Dafür war von Spannung absolut nichts zu finden! Die Hauptfigur, Marc Hagen, ist ein eher erfolgloser Anwalt, der froh ist, als er die Tochter eines Klienten bei ihrer Suche nach Hinweisen ihres verstorbenen Vaters begleiten kann. Mit Papas Rätsel in der Hand, fahren die beiden von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und finden an den angegebenen Punkten Runen, die entschlüsselt werden müssen. Nur gut, dass es genügen Reiseprospekte und Experten gibt, die innerhalb kürzester Zeit die Lösung präsentieren können.

Parallel dazu verfolgt der Leser auf der einen Seite die Bemühungen eines Sicherheitsbeamten, der während eines G8-Gipfels die Staatsoberhäupter vor Demonstranten … und Anschlägen … schützen muss, und auf der anderen Seite gibt es noch eine auf die Nazi-Zeit zurückzuführende Gesellschaft, die den Weltuntergang plant. Diese beiden Handlungsstränge könnten theoretisch für Spannung sorgen, wenn der Autor sie auch richtig ausgebaut hätte.

Immer wenn ich dachte, dass jetzt endlich die Handlung losgeht, gab es einen Sprung in der Geschichte und man bekam rückblickend oder aus dritter Hand erzählt, was passiert ist. So auch bei dem großen Showdown, der wirklich mal ein bisschen für Aufregung hätte sorgen können … „Der Thule-Code“ ist auf jeden Fall ein Krimi zum Abgewöhnen – und wer die schöne Lippische Landschaft genießen möchte, der sollte sich lieber ein langes Wochenende in der Region gönnen und sich selber ein Bild von den Externsteinen, dem Hermann und den anderen Sehenswürdigkeiten (oh, und am besten später am Abend, wenn die ganze Touristen wieder weg sind 😉 ) machen!

[Kurz und knapp] Becky Cochrane: Zimtsterne mit Zuckerkuss

Die letzten Tage war es hier kalt und regnerisch und eigentlich wollte ich mich nur noch mit den Katzen auf dem Sofa einrollen und meine Nase in ein Buch stecken. Und da musste ich immer wieder an „Zimtsterne mit Zuckerkuss“ (so ein blöder deutscher Titel!) denke. Leider steckt der Roman noch in einer der Umzugskisten, aber hoffentlich finde ich den spätestens zur Adventszeit wieder, denn dann ist es die perfekte Lektüre.

Die Buchhänderlin Keelie ist gar nicht glücklich mit ihrem Leben. Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, bei der Arbeit ist sie im Stress, der neue Chef ist ein Idiot und privat hat sie auch nicht gerade viele Dinge, die sie erfreuen. Umso glücklicher fügt es sich, dass Keelie bei der Arbeit von einer Leiter fällt und sich den Fuß bricht. Damit sie nicht allein bleiben muss, nimmt ihre beste Freundin Ivy sie über die Feiertage mit nach Coventry. Dort wohnen die beiden zusammen mit Keelies bestem Freund Evan bei Ivys ungewöhnlicher Großmutter. Und als Keelies Hamster Hamlet krank wird, lernt diese gleich noch den attraktive Tierarzt der Stadt kennen …

So einfach und vorhersehbar die Handlung ist und so sehr es absehbar ist, dass am Ende alle Beteiligten paarweise aus der Geschichte herausgehen, so ist dieser Roman sehr unterhaltsam geschrieben mit witzigen Dialogen und schönen Anspielungen auf Literaturklassiker. Sehr liebevoll und angenehm realistisch beschreibt die Autorin die verschiedenen Charaktere, und auch wenn einem klar ist, dass eine so idyllische Stadt wie Coventry einfach nur in Bücher existiert, so habe ich doch sehr schnell Sehnsucht nach so einem heimeligen Ort bekommen.

Lynsay Sands: Vampire haben’s auch nicht leicht

Vampire haben’s nicht leicht – und mir fällt es überraschend schwer etwas zu diesem Buch zu sagen. Irgendwie bin ich heute fast in zu kritischer Stimmung für so einen Roman …

Nachdem in den ersten vier Romanen der Reihe die Kinder der Vampirin Marguerite Argeneau ihre Lebenspartner gefunden haben (wer dazu etwas mehr wissen will, kann gerne hier gucken), bekommt in „Vampire haben’s auch nicht leicht“ ein Cousin der Familie, Vincent, die Chance auf sein Glück. Vincent ist dem Leser der andern Bücher schon bekannt als amüsanter Schauspieler, der das Leben leicht nimmt, seine Cousins gern neckt und doch immer parat ist, wenn es darum geht jemandem zu helfen.

Doch nun benötigt Vincent Hilfe, denn in seine Produktionsfirma wird von einem Saboteur bedroht. Zum Glück gibt es eine Privatdetektivin, die Bastien Argeneau seinem Cousin empfehlen kann. Jackie arbeitet schon länger mit dem Geschäftsmann zusammen und kennt das Geheimnis der Vampire. Auch wenn sie selber extrem misstrauisch gegenüber den unnatürlichen Wesen ist, leistet sie als Ermittlerin gute Arbeit. Naja, so gute Arbeit leistet sie für Vincent nicht, denn der attraktive Vampir bringt die junge Dame schnell aus dem Gleichgewicht. Nur gut, dass ihr Partner Tiny mitgekommen ist und ihr hilft den Kopf nicht zu verlieren – und auch mal auf ihre Gefühle zu hören. 😉

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden kommt einem recht bekannt vor, wenn man die anderen Romane schon gelesen hat. Im Prinzip geht Lynsay Sands doch immer nach dem gleichen System vor. Allerdings ist es sehr angenehm, dass Jackie schon über Vampire aufgeklärt wurde und recht abgeklärt an das Thema herangeht. Und es gelingt der Autorin in diesem Band deutlich besser den Krimianteil unterzubringen als bei ihren ersten Romanen! Auch wenn ich recht schnell wusste, wer hinter den Sabotageakten steckt, so brachte der Versuch den Täter zu fassen, doch etwas Spannung in den Roman.

Auch wenn ich so langsam das Gefühl habe, dass hier nur wenig Neues kommt (und es mich ärgert, dass schon wieder Marguerite Argeneau als Heiratsvermittlerin bemüht wurde), so konnten mich all die kleinen amüsanten Szenen wieder gut unterhalten, ich mochte die meisten Charaktere sehr gern – und vor allem die neu eingeführten Figuren könnten sich noch interessant weiterentwickeln. So richtig zufrieden bin ich mit „Vampire haben’s auch nicht leicht“ nicht, aber trotzdem hat das Buch für ein paar heitere und entspannende Stunden auf dem Sofa gesorgt – und bestimmt werde ich auch den für Dezember angekündigten Band wieder lesen. 😉

Eeva-Kaarina Aronen: Der Sommer vor meinem Fenster

Vielleicht hatte mich der Klappentext in die Irre geführt, der von einem Sommer erzählt, in dem eine Rundfunkjournalistin dramatische Ereignisse in ihrer Nachbarschaft beobachtet, aber „Der Sommer vor meinem Fenster“ gehörte zu den Romanen, durch die ich mich regelrecht durchquälen musste. Sprachlich schreibt Eeva-Kaarina Aronen sehr schön, ihre Ausdrucksweise kann man anfangs durchaus genießen, doch irgendwann kommt das Gefühl auf, dass die Autorin so gar nicht zu sagen hat. Oder sich zu sehr bemüht das Gesagte malerisch zu verpacken und dem Leser so die Lust am Text nimmt.

Kapitelweise stellt sie die verschiedenen Nachbarn ihrer Hauptfigur Hagar vor, die von der ihnen nachspionierenden Journalistin auch noch lauter Spitznamen verpasst bekommen haben. Bis ich die verschiedenen Beziehungen und Hintergründe verstanden hatte, hatte ich schon gar keine Lust mehr mich mit diesen Personen zu beschäftigen. Und während ich darauf wartete, dass endlich etwas großes passiert, schiebt Eeva-Kaarina Aronen einen Exkurs über die russisch-finnische Vergangenheit ein.

Dieser Part ist überaus faszinierend, mir waren vorher viele Verbindungen nicht bekannt und ich habe interessiert die Entstehung des russischen Kommunismus und seine Folgen für Finnland verfolgt – nur um dann wieder mit Hagar zusammen auf das Straßenfest der kleinen finnischen Gemeinde hinzuarbeiten. Endlich wird aus den vielen vielen Andeutungen, die seit Anfang des Buches gemacht wurden, ein konkretes Ereignis. Aber inzwischen hat die Autorin mich schon längst verloren. Hagar ist mir unsympathisch und die Vorgänge in ihrer Siedlung sind mir egal und die soooo lange aufgebaute Spannung endete für mich mit einem enttäuschenden kleinen „Puff“. Wenn ich wirklich einmal mehr über finnische und russische Geschichte lernen will, dann suche ich mir ein gutes Sachbuch. Von dieser Autorin hingegen werde ich wohl so schnell kein Buch mehr lesen, denn ich fühlte mich einfach nicht gut genug unterhalten, um die Durststrecken zwischen den interessanteren Teilen mühelos durchzuhalten …

Lynsay Sands: Ein Vampir zum Vernaschen

Da mir in den letzten Tagen der aktuelle Band der Reihe um die Ageneau-Vampire von Lynsay Sands in die Hände gefallen ist, möchte ich hier meinen bisherigen Lieblingsteil der Serie (und die damit zusammenhängenden Romane) ein wenig vorstellen.

„Ein Vampir zum Vernaschen“ ist im amerikanischen Original der dritte Band, auch wenn er vom Lyx-Verlag an zweite Stelle veröffentlicht wurde. Im ersten Teil („Eine Vampirin auf Abwegen“) bekommt Lissianna Argeneau von ihrer Mutter zum Geburtstag einen Psychiater „geschenkt“, der die junge Vampirin von ihrer Blutphobie heilen soll. Nach einige amüsanten Verwicklunge kommen sich der Arzt und seine Patientin näher …

Der zweite Teil („Verliebt in einen Vampir“) dreht sich um Lissiannas Bruder Etienne, der von einem Vampirjäger verletzt wurde und in der Leichenhalle der Pathologin Rachel landet. Im Laufe der Ereignisse wird die Ärztin so schwer verletzt, dass Etienne nichts anderes übrig bleibt als Rachel in eine Vampirin zu verwandeln – und natürlich entwickeln auch diese beiden eine Schwäche füreinander.

„Immer Ärger mit Vampiren“ ist der vierte Band und dreht sich um Etiennes und Lissiannas Bruder Bastien, der sich um die Hochzeit seines Bruders Lucern (ja, ich greife vorraus, aber bei diesen Romane ist ein Happy-End nun einmal vorhersehbar 😉 ) kümmern soll. Während Bastien sich als Trauzeuge um eine Menge lästiger Details kümmern darf, wird ihm auch noch die Cousine und Trauzeugin der Braut einquartiert. Nicht gerade eine leichte Situation für den Vampir, der vor seinem Gast Terri verbergen muss, was er in Wirklichkeit ist.

Amüsant sind all diese Romane, wenn auch nicht immer auf dem gleichen Niveau. Doch der Roman „Ein Vampir zum Vernaschen“ hat mich so richtig gut unterhalten. Der dritte Band der Reihe handelt von Lucern, der sein Geld als Autor von Vampir-Liebesromanen verdient. Wobei diese erfolgreichen Romane auf den Liebesgeschichten seiner Geschwister basieren. Da es ihm nicht möglich ist, seiner neuen Lektorin zu erklären, warum er keine Lesereise durchs Land machen kann (da für ihn als Vampir Probleme auftauchen, die sie wohl kaum verstehen könnte), sieht er sich bald von ihr zu einem Treffen mit Liebesroman-Autorinnen gedrängt.

Natürlich bekommt er von seiner Lektorin Kate C. Leever eine besonders intensive Betreuung, damit er schön brav die versprochenen Termine einhält – und sich eine Gelegenheit ergibt, damit sich diese beiden Figuren näher kommen können. In diesem Buch hat die Autorin auf Spannungselemente wie einen Vampirjäger verzichtet und genau genommen plätschert die Handlung vor sich hin, aber gerade das hat Lynsay Sands auch die Gelegenheit geboten wundervoll lustige Szenen einzubauen.

So vorhersehbar die Handlung ist und auch wenn die romantischen und erotischen Elemente ganz nett sind, so sehr habe ich vor allem die Szenen genossen, in denen Lucern hoffnungslos altmodisch dargestellt wird. Es rächt sich einfach, wenn man so viele Jahrzehnte keinen Kontakt zu normalen Menschen hat – und wenn man dann auch noch auf eine Gruppe von Liebesroman-Autorinnen trifft, die einen unter ihre Fittiche nehmen wollen, dann ergeben sich wunderbar komische Momente, die mir auch Mal die Lachtränen in die Augen getrieben haben. 🙂

Nachdem nun alle Geschwister ihre Partner gefunden haben, geht es im nächsten Roman („Vampire haben’s auch nicht leicht“) mit einem Cousin der Familie weiter – und ich vertraue darauf, dass der mir wieder anspruchslose, aber dafür unterhaltsame und heitere Lesestunden bescheren wird.

Nigel McCrery: Kaltes Gift

Mir ist es egal, ob ich einen gemütlichen Kriminalroman oder einen nervenaufreibenden Thriller lese, aber ich mag gern vorher wissen, worauf ich mich mit einem Buch einlasse. Bei „Kaltes Gift“ habe ich eine Geschichte im Stil der klassischen englischen Krimis erwartet und eigentlich auch bekommen. Allerdings hat der Autor zu Beginn zwei Szenen eingebaut, die mich schnell bereuen ließen, dass ich das Buch zum Frühstück begonnen hatte … Der Prolog zeigt dem Leser eine offensichtlich mit der Betreuung ihrer Enkel überforderte Großmutter, die mit der Gartenschere die Kinder verstümmelt. Eine Tat, die schockierend beschrieben wird! Und weiter geht es kurz darauf mit der eigentlichen Handlung – und dem qualvollen Gifttod einer älteren Dame.

Man erfährt schnell, dass die Mörderin Violet Chambers sich regelmäßig das Vertrauen alleinstehender Damen erschleicht und diese umbringt, nachdem sie genügend Wissen gesammelt hat, um ihr Leben übernehmen zu können. Während die Polizei nach dem Auffinden einer Leiche noch rätselt, wie es sein kann, dass Violet Chambers tot vor ihnen liegt und gleichzeitig quitschfidele Postkarten an die Nachbarn schreibt, geht es für den Leser weniger um das „Wie“, sondern um das „Warum“. Natürlich lebt die Mörderin davon, dass sie den Besitz der ermordeten Frauen übernimmt, doch muss noch deutlich mehr hinter ihren Taten stecken, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Nigel McCrery nutzt zwei Perspektiven, um seine Geschichte zu erzählen. Auf der einen Seite die der Mörderin, die selbst nicht mehr über ihre Vergangenheit zu wissen scheint, als der Leser. Und andererseits der Polizist, der aufgrund einer extremen Synästhesie, die dafür sorgt, dass er Geräusche schmeckt, kaum arbeitsfähig ist. Detective Chief Inspector Lapslie wird für diesen Fall aus seiner Beurlaubung zurückgeholt und kann nur dank der Hilfe seiner neuen Mitarbeiterin (deren Stimme nach Zitrone schmeckt >g<) überhaupt die Ermittlungen aufnehmen.

Nicht so gut hat es mir gefallen, dass es innerhalb der Polizeibehörde zu Intrigen kommt. Und auch die beiden sehr grausamen Anfangsszenen hätten meiner Meinung nach nicht sein müssen, da die Geschichte in ihrer Ruhe und voller eindringlicher Bilder sonst sehr gut funktioniert. Aber dafür erzeugt der Autor eine faszinierende Stimmung, beschreibt Lasplies gestörte Sinneseindrücke sehr plastisch und lässt einen zusammen mit den Beteiligten Puzzelstückchen um Puzzelstückchen sammeln, bis sich ein erschreckendes Bild ergibt.

Timothy Carter: Dämonenhunger

Mit „Dämonenhunger“ habe ich ein paar wirklich amüsante Stunden verbracht. Die Geschichte ist einfach zusammengefasst: Der vierzehnjährige Vincent erfährt eines Tages, dass der Weltuntergang kurz bevorsteht. Auch wenn dem Junge klar ist, dass er diese Katastrophe nicht verhindern kann, so will er doch zusammen mit ein paar übernatürlichen Wesen versuchen eine Möglichkeit zu finden, wenigstens einige Menschen zu retten. Doch so ganz freiwillig startet Vincent seinen Teil der Mission nicht, was unter anderem auch an der strengen religiösen Erziehung seiner Eltern liegt.

Der Autor warnt den Leser gleich zu Beginn, dass er sich keine Hoffnungen machen soll: Die Welt wird untergehen und nichts und niemand kann das verhindern! Auch bei der Darstellung seiner Geschöpfe ist Timothy Carter nicht gerade zimperlich mit der märchenhaften Vorstellung seiner Leser umgegangen. Niedliche Feen und zauberhafte Elfen wird man in diesem Roman nicht finden. Dafür muss der arme Vincent damit leben, dass ihn die mythischen Charaktere versklaven, quälen und (zumindest einige von ihnen) nur zu gern mit der Welt untergehen lassen würden.

Der Schreibstil, die Vorhersehbarkeit einiger Handlungselemente und die Tatsache, dass zwar viel Gewalt vorkommt, diese aber den Leser so wenig berührt wie vergleichbare Darstellungen in Trickfilmen, zeigen schon, dass Timothy Carter seine Geschichte als eindeutig Kinder- bzw. Jugendbuch konzipiert hat. Aber ich bin über so einige Stellen gestolpert, die ich so wunderbar böse fand, dass ich mir gut überlegen würde, welchem Kind ich diesen Roman in die Hand drücke.

Mir persönlich hat „Dämonenhunger“ hingegen sehr viel Spaß gemacht. Das Buch war kurzweilig, leicht und amüsant zu lesen und mit genügen Ironie und gesellschaftlichen Seitenhieben versetzt, dass es nicht langweilig wurde. Eine kurze Recherche hat mir verraten, im November in England ein zweites Buch von Timothy Carter erscheinen wird, das wohl in eine ähnliche Richtung (ein Teenager, ein Dämon und ein gefallener Engel) gehen wird. Mal gucken, ob auch dieser Titel den Sprung auf den deutschen Markt schafft. Mich würde es freuen!

Farahad Zama: Mister Alis Hochzeitsagentur für hoffnungslose Fälle

Obwohl der Titel „Mister Alis Hochzeitsagentur für hoffnungslose Fälle“ ein wenig irreführend ist, denn für Mister Ali gibt es keinen Menschen, für den er nicht den passenden Ehepartner finden könnte, gefällt er mir deutlich besser als der Originaltitel „The Marriage Bureau For Rich People“. Und weil ich eine Schwäche für Geschichten aus Indien habe und mich der Titel so ansprach, konnte ich es kaum erwarten meine Nase in das Buch zu stecken. Belohnt wurde ich mit einem bezaubernden Roman voller liebenswerter Figuren, humorvoller Szenen und einem kleinen Blick in die indische Kultur.

Mister Ali ist nach einem Arbeitsleben als Beamter in den Ruhestand getreten und könnte nun zusammen mit seiner Frau seinen Lebensabend genießen. Doch die Untätigkeit macht ihn schier verrückt – und seine Unruhe stört das geregelte Leben seiner Angetrauten – und so beschließt er als Hobby ein Heiratsbüro nach westlichem Vorbild aufzubauen. Eine innovative Idee für die sonst so traditionell bestimmte Suche nach einem Ehepartner. Statt die Eltern oder einen professionellen Heiratsvermittler zu beauftragen gezielt die richtige Person zu finden, bietet Mister Ali eine Kartei an, auf die die Klienten zurückgreifen können. Und was als Hobby begann, wird schnell so erfolgreich, dass Mister Ali dringend eine Sekretärin einstellen muss, die ihm bei der Büroarbeit hilft.

Auch die neue Sekretärin Aruna hat Probleme bei der Suche nach einem Ehemann. Ihre Familie ist, nach einer Erkrankung des Vaters, hoch verschuldet, was dazu führt, dass sie sich keine Hochzeit leisten kann. So leicht und heiter die einzelnen Episoden geschildert sind, so nutzt Farahad Zama dieses Buch, um einem die Augen für die großen und kleinen Probleme Indiens zu öffnen. Da gibt es die Putzfrau der Alis, die die lebenswichtige Operation des Enkels nicht finanzieren kann, oder der politisch aktive Sohn Rehmann, der Mister Ali und seiner Frau so manchem Kummer bereitet.

Mister Ali und seine Hochzeitsagentur gehören zu den wenigen Romanen in den letzten Monaten, die fest in meinen Bestand gewandert sind. Ich habe selten eine so bezaubernde und liebevolle Geschichte gelesen, in der humorvoll ein kleines Stückchen Indien beschrieben wird, ohne dass dabei vor den Missständen im Land die Augen verschlossen wird. Hier bekommt man keine Romantik nach Art der Bollywood-Filme präsentiert, kann aber trotzdem eine schöne Liebesgeschichte genießen, über das Geheimnis einer guten Ehe nachdenken und sich mit der fremdartigen Kultur eines faszinierenden Landes auseinandersetzen.

Eva Dumann: Im Zeichen der Schwäne

Eigentlich bin ich immer sehr misstrauisch, wenn ich erfahre, dass ein Autor/eine Autorin noch nicht einmal alt genug ist, um zu wählen, aber schon ein Buch bei einem Verlag untergebracht hat. Oft genug werden diese Romane nämlich vor allem veröffentlicht, weil man mit dem jungen Alter so gut Werbung machen kann, und weniger, weil die Geschichte so gut ist. Eva Dumann hat „Im Zeichen der Schwäne“ mit vierzehn Jahren geschrieben und angefangen hat sie die Geschichte als Weihnachtsgeschenk für ihren kleinen Bruder. Letztendlich ist ein wirklich unterhaltsames Buch daraus geworden, mit überzeugenden Charakteren und einer Welt, in die man gern noch einmal einen Blick werfen würde.

Die Halbelfe Eolée lebt mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder vor den Mauern der Stadt Arber. Eines Nachts steht ein fremder Junge mit einem geheimnisvollen Schwert vor ihrer Tür und bittet um Schutz vor Soldaten, die ihn verfolgen. Eolées Familie nimmt Pellinor bei sich auf und zieht ihn zwei Jahre lang wie ihren eigenen Sohn groß. Doch dann wird die Sehnsucht des Jungen nach seinem Heimatland Nituria und seiner Familie zu groß und er macht sich auf, um herauszufinden, was aus seinen Lieben geworden ist. Eolée begleitet den Ziehbruder in das Nachbarland und erfährt schnell, was es heißt, wenn ein Land unter einem tyrannischen König zu leiden hat. Die beiden Kinder geraten von einer Schwierigkeit in die nächste und schließen sich bald einer Widerstandsbewegung an, die „Im Zeichen der Schwäne“ gegen den Herrscher vorgeht.

Die größte Schwäche dieses Romans ist wohl, dass Eva Dumann so manches Problem ein wenig leicht für ihre Figuren lösen lässt. So fällt gleich im ersten Kapitel auf, dass Eolées Vater ganz ohne Misstrauen den fremden Pellinor in seine Familie aufnimmt, obwohl dieser in einem friedlichen Land mit einer Waffe vor der Tür steht. Aber die Charaktere sind ihr gut gelungen (überzeugende Jugendliche, ohne pubertäre Nervigkeiten), die von der Autorin geschaffene Welt ist wunderschön beschrieben – und vor allem in den vielen Details hat mich dieses Buch beeindruckt. Gerade der Widerstand und die Mittel mit denen diese Kämpfer vorgehen, sind überzeugend geschildert – und auch die Probleme, die z.B. durch einen harten Winter entstehen können, hat sie wunderbar eingebaut. Da mir der Roman so viel Spaß gemacht hat, hoffe ich sehr, dass die junge Autorin in den nächsten Jahren noch mehr schreiben wird!

Lois McMaster Bujold: Die magischen Messer 1+2

Lois McMaster Bujold ist vor allem für ihre humorvolle Science-Fiction-Reihe um Miles Vorkosigan bekannt geworden. Ihre „Die magischen Messer“-Serie geht in eine ganz andere Richtung. Hier bekommt man eine interessante Mischung aus Fantasy- und Liebesgeschichte geboten. Im erste Teil, „Die Klingen des Lichts“, läuft die junge Fawn vom Hof ihrer Eltern weg. Unverhofft schwanger und sicher, dass der werdende Vater nicht zu seinem Kind stehen wird, hofft sie, dass man ihr in der Stadt abnehmen wird, dass sie eine Witwe ist. So könnte Fawn doch noch eine Anstellung bekommen und ein einigermaßen ehrbares Leben führen.

Aber unterwegs begegnet sie einem Landzehrer, einem unheimlichen und tödlichen Geschöpf, vor dem sie von einem Seenläufer gerettet wird. Die Seenläufer sind der normalen Landbevölkerung unheimlich. Magie sollen sie einsetzen, Leichenfresserei und ähnlich schlimme Taten werden ihnen nachgesagt – allerdings sind sie auch die einzige Waffe gegen die Landzehrer, deren Zahl immer größer wird. Nach diesem Kampf entspinnt sich zwischen der wehrhaften, aber häufig naiven Fawn und dem abgebrühten Dag eine wunderschöne Liebesgeschichte. Ihre wachsenden Gefühle sorgen dafür, dass beide sich mit den Vorurteilen auseinandersetzen müssen, die sie von kein auf gehegt haben.

Im zweiten Teil, „Der magische Dolch“, geht die Geschichte von Fawn und Dag weiter und man erfährt eine Menge über die ungewöhnlichen Seenläufer und ihr Leben. Abgesehen davon, dass die Autorin mit diesen Büchern eine reizvolle fantastische Welt beschreibt, liebe ich den wunderbaren Humor von Lois McMaster Bujold. Vor allem sind diese Bücher für Leser geeignet, die sich auch auf eine wenig actionreiche Erzählweise einlassen könne. Die großen Kämpfe kommen eher zu Beginn der Romane und dann konzentriert sich die Handlung auf kleine Szenen, die die Charaktere und ihr Leben darstellen. Aber die große Gewichtung auf die Liebesgeschichte ist eh eher für romantisch veranlagte Leser gedacht, als für diejenigen, die große Kämpfe und eine Heldensaga suchen. Mir, die ich sowohl Fantasy, als auch Liebesgeschichten gerne mag, haben die Bücher sehr gut gefallen – und sie gehören zu den wenigen, die in den letzten Monaten in meinen festen Bestand gewandert sind, weil ich sicher bin, dass ich sie immer wieder lesen mag.