Kategorie: Rezension

Mary Janice Davidson: Weiblich, ledig, untot (Hörbuch)

Elizabeth Taylor, genannt Betsy, hat an ihrem dreißigsten Geburtstag den schlimmsten Tag in ihrem Leben. Nicht die Tatsache, dass sie einen runden Geburtstag hat, macht ihr zu schaffen, sondern es läuft einfach alles schief, was im Leben schief laufen kann. Erst verschläft sie am Morgen, dann wird ihr (aufgrund der Wirtschaftskrise) der Job gekündigt und ihre Feier fällt aus, weil ein Schneesturm das Land überzieht – als sie dann noch von einem Auto überfahren wird, während sie ihre Katze ins warme Haus holen will, ist der Tag verdorben.

Wie sehr dieser Tag schiefgelaufen ist, merkt Betsy aber erst, als sie in einem sehr geschmacklosen Sarg aufwacht und sich in ein billiges pinkfarbendes Kostüm und noch schrecklicheren Schuhen vorfindet. Zu ihrem Schrecken muss sie feststellen, dass sie zu einem Vampir geworden ist. Doch zum Glück ist ihre beste Freundin Jessica bereit sie auch in dieser Darseinsform zu akzeptieren und ihr finanziell unter die Arme zu greifen. Weniger glücklich ist, dass Betsy nun von diversen Vampiren bedrängt wird, die alle eine eigene Vorstellung davon habe, wie Betsys Leben als Untote verlaufen soll.

So komplett begeistert bin ich von Betsy nicht, was vielleicht daran liegt, dass ich ihre Leidenschaft für Designer-Schuhe und –Klamotten nicht teilen kann. Aber der Kontrast zwischen dem Vampirklischee und der oberflächlichen und plappernde Sekretärin ist wirklich amüsant. Doch vor allem hat es mir Nana Spiers Leistung angetan. Die Sprecherin ist für die Synchronisation von Sarah Michelle Gellar (Buffy) und Drew Barrymore bekannt, und ihr gelingt es hervorragend den richtigen Ton für die schnatternde Betsy zu treffen. Aber auch Betsys mitfühlende und fürsorgliche Seite bringt die Sprecherin zum Ausdruck, während ihr Eric Sinclair (ein sehr attraktiver Vampire, der Pläne mit Betsy hat) erstaunlich verführerisch wirkt. Was keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Frauen, die Männerrollen sprechen sollen, doch eher lächerlich klingen. Diese Mischung aus gelungener Lesung und amüsanter und leichter Unterhaltung sorgte auf jeden Fall dafür, dass ich das Hörbuch wirklich genossen habe – und Teil zwei habe ich inzwischen auch schon gehört!

Tanja Wekwerth: Mitternachtsmädchen

Wenn ich ein Buch lese, dann mach ich mir in der Regel ein paar Notizen. Ich halte meine Eindrücke fest oder kommentiere den Roman. Bevor ich dann eine Rezension schreibe, schau ich mich online ein bisschen um und gucke, was andere Leute über das Buch geschrieben haben. Und manchmal frage ich mich, ob ich den gleichen Titel vor der Nase hatte, wie diese Jubelrezensenten (z.B. bei Amazon). Tanja Wekwerths Roman „Mitternachtsmädchen“ hinterlässt bei mir wieder dieses Gefühl, dass ich ein anderes Buch gelesen habe als die anderen.

Laut Klappentext handelt das Buch von den Zwillingen May und April, die kurz nach ihrer Geburt getrennt werden und sich ein Leben lang unvollständig fühlen. Doch der größte Teil dieses Romans dreht sich um Molly. Molly ist in Kilborough geboren und hat schon als Teenager angefangen sich um eine kleine Pension am Rande des Ortes zu kümmern. Vier kleine und gemütliche Zimmer und ein Speisesaal mit einer umwerfenden Ausblick auf das Meer stehen dort den Gästen zur Verfügung. Mit Molly zusammen lernt man den Alltag in der kleinen Pension und die unterschiedlichen Besucher kennen und vor allem gelingt es der Autorin den Leser für die Landschaft, das Meer und den fast magisch wirkenden Speisesaal zu begeistern.

In dieser Pension ist Mary zu Gast, als sie die Zwillinge May und April zur Welt bringt. Von vornherein ist klar, dass die junge Frau nur wieder zurück nach London will – ohne Kinder und ohne die Erinnerung an den Mann, von dem sie diese empfangen hat. Für Molly hingegen sind die Mädchen ein Segen und sie fürchtet den Tag, an dem sie sich von ihnen trennen müsste. Ganz genau hat sie sich schon ausgemalt, wie sie für die Zwillinge in Zukunft sorgen kann. Doch dann gibt Mary eine ihrer Töchter zur Adoption frei …

April geht zusammen mit einem deutschen Ehepaar nach Berlin, doch das ist nur die erste Station auf ihrem Lebensweg. May hingegen bleibt Molly und der Pension erhalten und wagt nur selten eine Reise, die sie von Kilborough wegführt. Während die Schwestern ohne voneinander zu wissen ihr Leben führen, sind beide doch immer auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und dem fehlenden Teil in ihrem Leben.

Mich hat das Buch ein wenig unbefriedigt zurückgelassen. Die Autorin springt zwischen den verschiedenen Personen und bringt so ein wenig Abwechslung in die Geschichte, doch letztendlich dümpelt die Handlung wie ein See an einem windstillen Sommertag. Die Pension wird stimmungsvoll beschrieben und es entsteht eine regelrechte Sehnsucht nach dem Meer beim Lesen – und doch ließ mich der später eintretende Verfall des Gebäudes kalt. Doch vor allem hatte ich ein Problem mit den Charakteren. Molly ist eine nette und etwas einfacher Person, die man schnell ins Herz schließt. Aber sie wird überlagert von all den Figuren, die durch ihren Egoismus, ihren Ergeiz und ihren Selbstbetrug hervorstechen.

Keine der vielen Frauenfiguren hatte ein einigermaßen normales Verhältnis zu einem Mann – oder gar zu ihrem eigenen Körper. Und auch wenn ich es erfrischend fand, dass dieser Roman keine Happy-End-Liebesgeschichte beinhaltete, so wären mir in einigen Passagen weniger erigierende Penisse (und dies ohne Sexzenen!) und dafür mehr Tiefgang doch lieber gewesen. Die „Mitternachtsmädchen“ waren unterhaltsam und die Landschaften wurden sehr stimmungsvoll beschrieben, aber am Ende blieb bei mir vor allem das Gefühl zurück, dass die Autorin selber nicht so recht wusste, was sie mit ihrer Geschichte erzählen wollte.

Sophie Kinsella: Charleston Girl

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara und ihrer Geschichte warm geworden bin. Lara Lingtons Leben läuft in letzter Zeit ziemlich schief: Ihr Freund hat sich von ihr getrennt und sie kommt über diese gescheiterte Beziehung nicht hinweg. Sie hat sich mit ihrer Freundin Natalie zusammen selbständig gemacht, nur damit diese kurz darauf aus einem Urlaub nicht zurückkommt – und Lara nun allein für die Headhunter-Firma zuständig ist. Wobei sie selbstverständlich von der Materie keine Ahnung hat, und darauf vertraute, dass Natalie den relevanten Teil der Arbeit übernehmen würde. Und als Krönung des Ganzen wird Lara seit der Beerdigung ihrer Großtante Sadie auch noch von deren Geist verfolgt. Sadie vermisst ihre Libellenkette und fordert nun von Lara, dass diese ihr die Kette zurückholt.

Da Sadie als Geist ihre Großnichte verfolgen kann, möchte sie auch noch ein bisschen was vom Leben haben. So zwingt sie Lara dazu sich mit einem fremden Mann zu einem Date zu verabreden – und den Abend im perfekten Charleston-Kostüm zu verbringen. Aber auch Einbrüche, Anzeigen bei der Polizei und geplatzte Geschäftsabschlüsse hat Lara ihrer verstorbenen Großtante zu verdanken. Sadie ist wirklich eine wunderbare Figur, auch wenn ich nie im Leben von ihr beeinflusst werden wollte. >g< Ihr gelingt es, dass Lara selbstständiger und sich selbst gegenüber ehrlicher wird. Je lockerer Lara mit der Situation umgeht, je mehr ihr die Meinung der anderen egal wird und je mehr sie das Leben genießen kann, desto komischer wurde das Buch. Und so kann ich nicht behaupten, dass ich meinen Spontankauf bereut habe, denn ich habe mit dem Roman einen sehr vergnüglichen Nachmittag verbracht.

Wie gesagt, ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara warm geworden bin. Anfangs war sie mir zu passiv, zu fixiert auf ihren Ex-Freund und zu sehr in ihr eigenes Unglück vertieft. Doch je mehr Sadie sich in Laras Leben einmischte, desto komischer wurde die Geschichte – und das Ende, das ist so richtig schön! Mit Lachen und Tränchen in den Augen und dem Gefühl, schon lange nicht mehr so was Schönes gelesen zu haben.

Alan Bradley: Flavia de Luce 1 – Mord im Gurkenbeet

Gleich zu Beginn dieses Romans lernt man Flavia de Luces ungewöhnliche Familie kennen – und hätte der spannende Anfang nicht schon Erwartungen geweckt, dann wären die Beschreibungen von Flavias Umfeld und ihrer Leidenschaft für Gifte mir fast ein bisschen zu ausführlich gewesen. So aber wundert man sich nicht, dass die Elfjährige von ihren beiden älteren Schwestern gefesselt in einen Wandschrank gesperrt wurde – und nachdem sie sich befreit hat, einen perfiden Racheplan ausheckt.

Doch bevor sie noch ihre Schwester vergiften kann, findet Flavia eine Leiche im Gurkenbeet. Der unbekannte Mann kann dem Mädchen noch ein rätselhaftes Wort zuflüstern, bevor er sein Leben aushaucht – und schon steckt Flavia kopfüber in den Ermittlungen! Vor allem die Tatsache, dass ihr Vater sich in der Nacht zuvor noch mit dem Fremden gestritten hat, spornt die Hobbydetektivin an. Denn auch wenn in der Familie nicht gerade sehr viel Zuneigung herrscht, so spielt ihr Vater doch eine wichtige Rolle für Flavia.

Der Roman lebt von dem Kontrast zwischen Flavias ungewöhnlicher und nicht gerade liebevoller Familie und dem gemütlichen Dorfleben. Auf ihrem alten Fahrrad Gladys saust Flavia quer durch den Ort und befragt die Bewohner nach dem unbekannten Toten – und ist so der Polizei immer eine Nasenlänge voraus. Doch je mehr das Mädchen über den Mann herausfindet, desto mehr befürchtet sie, dass ihr Vater in seiner Vergangenheit etwas getan haben könnte, dass Anlass für diesen Mord gewesen sein könnte.

Mich hat die Geschichte ein wenig an die Romane von Charlotte MacLeod erinnert: Ein interessanter Kriminalfall, der durch einen Haufen ungewöhnlicher Charaktere zu einer amüsanten und sehr erfrischenden Geschichte wird. Meiner Meinung nach ist das Buch so auch für Leser geeignet, die normalerweise keine Krimis lesen. Denn Flavia und ihr Umfeld sind so herrlich skurril, dass man sich einfach nur daran erfreuen kann. Für den englischsprachigen Raum ist schon eine Fortsetzung angekündigt – und ich glaube nicht, dass ich daran vorbeigehen kann.

Andreas Hoppert: Der Thule-Code

Zu diesem Buch habe ich mich überreden lassen, weil die Handlung in Ostwestfalen-Lippe spielt (wo ich den Großteil meines Lebens verbracht habe) und weil der Autor angeblich spannende Juristenkrimis schreibt. Tja, die Schauplätze waren wirklich der Höhepunkt des Romans, all die Sehenswürdigkeiten rund um Detmold waren so detailliert beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, der Autor hat sogar die Stufen gezählt, die man bis zu den Aussichtspunkten hochsteigen muss. Und einen Reiseführer brauche ich wohl auch nie wieder, wenn ich mal wieder in die Gegend kommen sollte …

Dafür war von Spannung absolut nichts zu finden! Die Hauptfigur, Marc Hagen, ist ein eher erfolgloser Anwalt, der froh ist, als er die Tochter eines Klienten bei ihrer Suche nach Hinweisen ihres verstorbenen Vaters begleiten kann. Mit Papas Rätsel in der Hand, fahren die beiden von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und finden an den angegebenen Punkten Runen, die entschlüsselt werden müssen. Nur gut, dass es genügen Reiseprospekte und Experten gibt, die innerhalb kürzester Zeit die Lösung präsentieren können.

Parallel dazu verfolgt der Leser auf der einen Seite die Bemühungen eines Sicherheitsbeamten, der während eines G8-Gipfels die Staatsoberhäupter vor Demonstranten … und Anschlägen … schützen muss, und auf der anderen Seite gibt es noch eine auf die Nazi-Zeit zurückzuführende Gesellschaft, die den Weltuntergang plant. Diese beiden Handlungsstränge könnten theoretisch für Spannung sorgen, wenn der Autor sie auch richtig ausgebaut hätte.

Immer wenn ich dachte, dass jetzt endlich die Handlung losgeht, gab es einen Sprung in der Geschichte und man bekam rückblickend oder aus dritter Hand erzählt, was passiert ist. So auch bei dem großen Showdown, der wirklich mal ein bisschen für Aufregung hätte sorgen können … „Der Thule-Code“ ist auf jeden Fall ein Krimi zum Abgewöhnen – und wer die schöne Lippische Landschaft genießen möchte, der sollte sich lieber ein langes Wochenende in der Region gönnen und sich selber ein Bild von den Externsteinen, dem Hermann und den anderen Sehenswürdigkeiten (oh, und am besten später am Abend, wenn die ganze Touristen wieder weg sind 😉 ) machen!

[Kurz und knapp] Becky Cochrane: Zimtsterne mit Zuckerkuss

Die letzten Tage war es hier kalt und regnerisch und eigentlich wollte ich mich nur noch mit den Katzen auf dem Sofa einrollen und meine Nase in ein Buch stecken. Und da musste ich immer wieder an „Zimtsterne mit Zuckerkuss“ (so ein blöder deutscher Titel!) denke. Leider steckt der Roman noch in einer der Umzugskisten, aber hoffentlich finde ich den spätestens zur Adventszeit wieder, denn dann ist es die perfekte Lektüre.

Die Buchhänderlin Keelie ist gar nicht glücklich mit ihrem Leben. Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, bei der Arbeit ist sie im Stress, der neue Chef ist ein Idiot und privat hat sie auch nicht gerade viele Dinge, die sie erfreuen. Umso glücklicher fügt es sich, dass Keelie bei der Arbeit von einer Leiter fällt und sich den Fuß bricht. Damit sie nicht allein bleiben muss, nimmt ihre beste Freundin Ivy sie über die Feiertage mit nach Coventry. Dort wohnen die beiden zusammen mit Keelies bestem Freund Evan bei Ivys ungewöhnlicher Großmutter. Und als Keelies Hamster Hamlet krank wird, lernt diese gleich noch den attraktive Tierarzt der Stadt kennen …

So einfach und vorhersehbar die Handlung ist und so sehr es absehbar ist, dass am Ende alle Beteiligten paarweise aus der Geschichte herausgehen, so ist dieser Roman sehr unterhaltsam geschrieben mit witzigen Dialogen und schönen Anspielungen auf Literaturklassiker. Sehr liebevoll und angenehm realistisch beschreibt die Autorin die verschiedenen Charaktere, und auch wenn einem klar ist, dass eine so idyllische Stadt wie Coventry einfach nur in Bücher existiert, so habe ich doch sehr schnell Sehnsucht nach so einem heimeligen Ort bekommen.

Lynsay Sands: Vampire haben’s auch nicht leicht

Vampire haben’s nicht leicht – und mir fällt es überraschend schwer etwas zu diesem Buch zu sagen. Irgendwie bin ich heute fast in zu kritischer Stimmung für so einen Roman …

Nachdem in den ersten vier Romanen der Reihe die Kinder der Vampirin Marguerite Argeneau ihre Lebenspartner gefunden haben (wer dazu etwas mehr wissen will, kann gerne hier gucken), bekommt in „Vampire haben’s auch nicht leicht“ ein Cousin der Familie, Vincent, die Chance auf sein Glück. Vincent ist dem Leser der andern Bücher schon bekannt als amüsanter Schauspieler, der das Leben leicht nimmt, seine Cousins gern neckt und doch immer parat ist, wenn es darum geht jemandem zu helfen.

Doch nun benötigt Vincent Hilfe, denn in seine Produktionsfirma wird von einem Saboteur bedroht. Zum Glück gibt es eine Privatdetektivin, die Bastien Argeneau seinem Cousin empfehlen kann. Jackie arbeitet schon länger mit dem Geschäftsmann zusammen und kennt das Geheimnis der Vampire. Auch wenn sie selber extrem misstrauisch gegenüber den unnatürlichen Wesen ist, leistet sie als Ermittlerin gute Arbeit. Naja, so gute Arbeit leistet sie für Vincent nicht, denn der attraktive Vampir bringt die junge Dame schnell aus dem Gleichgewicht. Nur gut, dass ihr Partner Tiny mitgekommen ist und ihr hilft den Kopf nicht zu verlieren – und auch mal auf ihre Gefühle zu hören. 😉

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden kommt einem recht bekannt vor, wenn man die anderen Romane schon gelesen hat. Im Prinzip geht Lynsay Sands doch immer nach dem gleichen System vor. Allerdings ist es sehr angenehm, dass Jackie schon über Vampire aufgeklärt wurde und recht abgeklärt an das Thema herangeht. Und es gelingt der Autorin in diesem Band deutlich besser den Krimianteil unterzubringen als bei ihren ersten Romanen! Auch wenn ich recht schnell wusste, wer hinter den Sabotageakten steckt, so brachte der Versuch den Täter zu fassen, doch etwas Spannung in den Roman.

Auch wenn ich so langsam das Gefühl habe, dass hier nur wenig Neues kommt (und es mich ärgert, dass schon wieder Marguerite Argeneau als Heiratsvermittlerin bemüht wurde), so konnten mich all die kleinen amüsanten Szenen wieder gut unterhalten, ich mochte die meisten Charaktere sehr gern – und vor allem die neu eingeführten Figuren könnten sich noch interessant weiterentwickeln. So richtig zufrieden bin ich mit „Vampire haben’s auch nicht leicht“ nicht, aber trotzdem hat das Buch für ein paar heitere und entspannende Stunden auf dem Sofa gesorgt – und bestimmt werde ich auch den für Dezember angekündigten Band wieder lesen. 😉

Eeva-Kaarina Aronen: Der Sommer vor meinem Fenster

Vielleicht hatte mich der Klappentext in die Irre geführt, der von einem Sommer erzählt, in dem eine Rundfunkjournalistin dramatische Ereignisse in ihrer Nachbarschaft beobachtet, aber „Der Sommer vor meinem Fenster“ gehörte zu den Romanen, durch die ich mich regelrecht durchquälen musste. Sprachlich schreibt Eeva-Kaarina Aronen sehr schön, ihre Ausdrucksweise kann man anfangs durchaus genießen, doch irgendwann kommt das Gefühl auf, dass die Autorin so gar nicht zu sagen hat. Oder sich zu sehr bemüht das Gesagte malerisch zu verpacken und dem Leser so die Lust am Text nimmt.

Kapitelweise stellt sie die verschiedenen Nachbarn ihrer Hauptfigur Hagar vor, die von der ihnen nachspionierenden Journalistin auch noch lauter Spitznamen verpasst bekommen haben. Bis ich die verschiedenen Beziehungen und Hintergründe verstanden hatte, hatte ich schon gar keine Lust mehr mich mit diesen Personen zu beschäftigen. Und während ich darauf wartete, dass endlich etwas großes passiert, schiebt Eeva-Kaarina Aronen einen Exkurs über die russisch-finnische Vergangenheit ein.

Dieser Part ist überaus faszinierend, mir waren vorher viele Verbindungen nicht bekannt und ich habe interessiert die Entstehung des russischen Kommunismus und seine Folgen für Finnland verfolgt – nur um dann wieder mit Hagar zusammen auf das Straßenfest der kleinen finnischen Gemeinde hinzuarbeiten. Endlich wird aus den vielen vielen Andeutungen, die seit Anfang des Buches gemacht wurden, ein konkretes Ereignis. Aber inzwischen hat die Autorin mich schon längst verloren. Hagar ist mir unsympathisch und die Vorgänge in ihrer Siedlung sind mir egal und die soooo lange aufgebaute Spannung endete für mich mit einem enttäuschenden kleinen „Puff“. Wenn ich wirklich einmal mehr über finnische und russische Geschichte lernen will, dann suche ich mir ein gutes Sachbuch. Von dieser Autorin hingegen werde ich wohl so schnell kein Buch mehr lesen, denn ich fühlte mich einfach nicht gut genug unterhalten, um die Durststrecken zwischen den interessanteren Teilen mühelos durchzuhalten …

Lynsay Sands: Ein Vampir zum Vernaschen

Da mir in den letzten Tagen der aktuelle Band der Reihe um die Ageneau-Vampire von Lynsay Sands in die Hände gefallen ist, möchte ich hier meinen bisherigen Lieblingsteil der Serie (und die damit zusammenhängenden Romane) ein wenig vorstellen.

„Ein Vampir zum Vernaschen“ ist im amerikanischen Original der dritte Band, auch wenn er vom Lyx-Verlag an zweite Stelle veröffentlicht wurde. Im ersten Teil („Eine Vampirin auf Abwegen“) bekommt Lissianna Argeneau von ihrer Mutter zum Geburtstag einen Psychiater „geschenkt“, der die junge Vampirin von ihrer Blutphobie heilen soll. Nach einige amüsanten Verwicklunge kommen sich der Arzt und seine Patientin näher …

Der zweite Teil („Verliebt in einen Vampir“) dreht sich um Lissiannas Bruder Etienne, der von einem Vampirjäger verletzt wurde und in der Leichenhalle der Pathologin Rachel landet. Im Laufe der Ereignisse wird die Ärztin so schwer verletzt, dass Etienne nichts anderes übrig bleibt als Rachel in eine Vampirin zu verwandeln – und natürlich entwickeln auch diese beiden eine Schwäche füreinander.

„Immer Ärger mit Vampiren“ ist der vierte Band und dreht sich um Etiennes und Lissiannas Bruder Bastien, der sich um die Hochzeit seines Bruders Lucern (ja, ich greife vorraus, aber bei diesen Romane ist ein Happy-End nun einmal vorhersehbar 😉 ) kümmern soll. Während Bastien sich als Trauzeuge um eine Menge lästiger Details kümmern darf, wird ihm auch noch die Cousine und Trauzeugin der Braut einquartiert. Nicht gerade eine leichte Situation für den Vampir, der vor seinem Gast Terri verbergen muss, was er in Wirklichkeit ist.

Amüsant sind all diese Romane, wenn auch nicht immer auf dem gleichen Niveau. Doch der Roman „Ein Vampir zum Vernaschen“ hat mich so richtig gut unterhalten. Der dritte Band der Reihe handelt von Lucern, der sein Geld als Autor von Vampir-Liebesromanen verdient. Wobei diese erfolgreichen Romane auf den Liebesgeschichten seiner Geschwister basieren. Da es ihm nicht möglich ist, seiner neuen Lektorin zu erklären, warum er keine Lesereise durchs Land machen kann (da für ihn als Vampir Probleme auftauchen, die sie wohl kaum verstehen könnte), sieht er sich bald von ihr zu einem Treffen mit Liebesroman-Autorinnen gedrängt.

Natürlich bekommt er von seiner Lektorin Kate C. Leever eine besonders intensive Betreuung, damit er schön brav die versprochenen Termine einhält – und sich eine Gelegenheit ergibt, damit sich diese beiden Figuren näher kommen können. In diesem Buch hat die Autorin auf Spannungselemente wie einen Vampirjäger verzichtet und genau genommen plätschert die Handlung vor sich hin, aber gerade das hat Lynsay Sands auch die Gelegenheit geboten wundervoll lustige Szenen einzubauen.

So vorhersehbar die Handlung ist und auch wenn die romantischen und erotischen Elemente ganz nett sind, so sehr habe ich vor allem die Szenen genossen, in denen Lucern hoffnungslos altmodisch dargestellt wird. Es rächt sich einfach, wenn man so viele Jahrzehnte keinen Kontakt zu normalen Menschen hat – und wenn man dann auch noch auf eine Gruppe von Liebesroman-Autorinnen trifft, die einen unter ihre Fittiche nehmen wollen, dann ergeben sich wunderbar komische Momente, die mir auch Mal die Lachtränen in die Augen getrieben haben. 🙂

Nachdem nun alle Geschwister ihre Partner gefunden haben, geht es im nächsten Roman („Vampire haben’s auch nicht leicht“) mit einem Cousin der Familie weiter – und ich vertraue darauf, dass der mir wieder anspruchslose, aber dafür unterhaltsame und heitere Lesestunden bescheren wird.

Nigel McCrery: Kaltes Gift

Mir ist es egal, ob ich einen gemütlichen Kriminalroman oder einen nervenaufreibenden Thriller lese, aber ich mag gern vorher wissen, worauf ich mich mit einem Buch einlasse. Bei „Kaltes Gift“ habe ich eine Geschichte im Stil der klassischen englischen Krimis erwartet und eigentlich auch bekommen. Allerdings hat der Autor zu Beginn zwei Szenen eingebaut, die mich schnell bereuen ließen, dass ich das Buch zum Frühstück begonnen hatte … Der Prolog zeigt dem Leser eine offensichtlich mit der Betreuung ihrer Enkel überforderte Großmutter, die mit der Gartenschere die Kinder verstümmelt. Eine Tat, die schockierend beschrieben wird! Und weiter geht es kurz darauf mit der eigentlichen Handlung – und dem qualvollen Gifttod einer älteren Dame.

Man erfährt schnell, dass die Mörderin Violet Chambers sich regelmäßig das Vertrauen alleinstehender Damen erschleicht und diese umbringt, nachdem sie genügend Wissen gesammelt hat, um ihr Leben übernehmen zu können. Während die Polizei nach dem Auffinden einer Leiche noch rätselt, wie es sein kann, dass Violet Chambers tot vor ihnen liegt und gleichzeitig quitschfidele Postkarten an die Nachbarn schreibt, geht es für den Leser weniger um das „Wie“, sondern um das „Warum“. Natürlich lebt die Mörderin davon, dass sie den Besitz der ermordeten Frauen übernimmt, doch muss noch deutlich mehr hinter ihren Taten stecken, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Nigel McCrery nutzt zwei Perspektiven, um seine Geschichte zu erzählen. Auf der einen Seite die der Mörderin, die selbst nicht mehr über ihre Vergangenheit zu wissen scheint, als der Leser. Und andererseits der Polizist, der aufgrund einer extremen Synästhesie, die dafür sorgt, dass er Geräusche schmeckt, kaum arbeitsfähig ist. Detective Chief Inspector Lapslie wird für diesen Fall aus seiner Beurlaubung zurückgeholt und kann nur dank der Hilfe seiner neuen Mitarbeiterin (deren Stimme nach Zitrone schmeckt >g<) überhaupt die Ermittlungen aufnehmen.

Nicht so gut hat es mir gefallen, dass es innerhalb der Polizeibehörde zu Intrigen kommt. Und auch die beiden sehr grausamen Anfangsszenen hätten meiner Meinung nach nicht sein müssen, da die Geschichte in ihrer Ruhe und voller eindringlicher Bilder sonst sehr gut funktioniert. Aber dafür erzeugt der Autor eine faszinierende Stimmung, beschreibt Lasplies gestörte Sinneseindrücke sehr plastisch und lässt einen zusammen mit den Beteiligten Puzzelstückchen um Puzzelstückchen sammeln, bis sich ein erschreckendes Bild ergibt.