Kategorie: Rezension

Melissa Bank: Dinge, die Frauen aus Liebe tun

Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Buch mal wieder keine Ahnung habe, wie es zu dem deutschen Titel „Dinge, die Frauen aus Liebe tun“ kam – wobei mir auch keine passende Übersetzung zu „The Wonder Spot“ einfallen würde. 😉 Insgesamt hat mich der Roman an den Film „Familienfest und andere Schwierigkeiten“ erinnert, allerdings konzentriert sich die Handlung nicht auf ein Thanksgiving-Fest, sondern erzählt episodenhaft von Sophies dreizehnten Lebensjahr an verschiedene Abschnitte, die mit ihr und ihren Beziehungen zu tun haben.

Sophie ist geprägt von ihrem jüdischen Elternhaus, auch wenn sie selber mit der Religion recht wenig anfangen kann. Sie ist unsicher, fühlt sich immer ein wenig fehl am Platz und versucht schon von klein auf zu gefallen. Immer wieder will sie die Erwartungen ihrer Umgebung erfüllen, und weiß doch oft gar nicht, wie sie dies tun soll. Ständig scheint sie in Fettnäpfchen zu treten und obwohl sie das Gefühl hat, dass sie sich Mühe gibt, scheitert sie an ihren Vorhaben. Doch vor allem in ihren Beziehungen geht ständig etwas schief – und es dauert Jahre bis Sophie dahinter kommt, dass auch sie Erwartungen an die Männer in ihrem Leben gestellt hat, die diese kaum erfüllen konnten.

Melissa Bank erzählt eine Geschichte, die nicht aufregend ist. Sie zeigt keine ungewöhnliche Frau, der spannende Sachen passieren. Sophie ist diejenige, die mit den interessanten Mädchen am College zusammenwohnt, sie ist die, die in einem faszinierenden Berufsfeld arbeitet, aber dort nur eine kleine Nebenrolle spielt, und sie ist diejenige, die lange Zeit davon träumt, dass es anders wäre. Eigentlich hätte sie gern das aufregende Leben, den perfekten Beruf und die traumhafte Beziehung, die die anderen zu haben scheinen.

So besteht der Reiz dieses Buches weniger in den Dingen, die Sophie passieren, oder in den interessanten Charakteren als in den kleinen Szenen, die dazu führen, dass man sich mit der Hauptfigur identifizieren kann. Oder in den Momenten, die einem das Gefühl geben, dass man zwar immer wieder die gleichen Dummheiten macht, aber letztendlich jedes Mal ein kleines bisschen dazulernt. Ich habe den Roman gern gelesen, ihn unterhaltsam gefunden und auch ein paar Denkanstöße mitgenommen.

Allerdings muss ich zugeben, dass für mich am Ende ein wenig die Luft raus war und mir ein „runderer“ Abschluss lieber gewesen wäre. Auch sind die Zeitsprünge gewöhnungsbedürftig: Melissa Banks erklärt wenig, was sehr stimmig ist, aber dafür muss sich der Leser erst einmal wieder zurechtfinden. Man muss herausfinden, wo sich Sophie gerade befindet, was in der Zwischenzeit geschehen ist, welcher Mann gerade eine Rolle spielt und was mit den ganzen Personen passiert ist, die man früher schon kennengelernt hatte.

Katja Brandis: Der Sucher

Katja Brandis gehört zu den Autorinnen, deren fantastische Jugendbücher ich immer wieder gern lese. Neben den beiden Trilogien „Kampf um Daresh“ und „Feuerblüte“ gibt es noch einen einzelnen Band, der in ihrer ungewöhnlichen Welt Daresh spielt. „Der Sucher“ konzentriert sich auf Tjeri ke Vanamee, eine Figur, die auch schon in den Trilogien ihre Rolle hatte, und deren Vorgeschichte in diesem Roman erzählt wird.

Tjeri will unbedingt ein Sucher werden und beschließt beim besten Meister seines Volkes zu lernen. Doch der Große Udiko ist von dem Gedanken weniger begeistert und es kostest Tjeri so einiges an Mut und Gewitztheit, bis er den berühmten Sucher dazu bringt ihn auszubilden. Auch ohne das Vorwissen aus den beiden Trilogien kann man Tjeris Weg verfolgen, aber mit den Hintergrundinformationen über das Gildensystem in diesem fanastischen Land, wird die Geschichte des jungen Suchers schon etwas leichter verständlicher.

Schon in den vorhergehenden Büchern mochte ich Tjeri, aber in „Der Sucher“ habe ich ihn richtig ins Herz geschlossen. Während er lernt richtig zu suchen und mehr als das Offensichtliche wahrzunehmen, entspinnt sich ein Abenteuer um die verschiedenen Gilden auf Daresh. Vor allem die Intrigen in der Wasser-Gilde, der Tjeri angehört, bringen den jungen Sucher in Gefahr. Während die ersten Daresh-Geschichten immer aus Sicht der Menschen geschrieben wurden, lässt Katja Brandis in „Der Sucher“ auch eine Katzenfrau zu Wort kommen. Mi’raelas Teil der Geschichte beschreibt, wie es in der Felsenburg, dem Regierungssitz von Daresh, zu einem Kampf um die Macht kommt.

Anfangs fand ich diese Perspektivwechsel etwas verwirrend, denn Tjeri und die Katzenfrau unterscheiden sich nicht nur durch ihr Umfeld sehr voneinander. Aber je mehr sich die beiden Handlungsstränge miteinander verbinden, desto spannender wird die Geschichte – und obwohl ich wusste, dass Tjeri später noch weiter Abenteuer erleben würde (schließlich spielt dieses Buch vor den Daresh-Trilogien), so bangte ich doch ganz schön um das Leben der beiden Hauptfiguren. Für denjenige, der mal einen kleinen Blick nach Daresh werfen möchte, ohne gleich mit einer Trilogie anzufangen, ist „Der Sucher“ wunderbar geeignet. Ein spannender und humorvoller fantastischer Roman, der mit einer stimmig aufgebauten Welt und wirklich sympathischen Charakteren aufwarten kann. Allerdings ist dieser Titel vom Otherworld-Verlag mit 18,95 Euro nicht ganz billig …

Nina Blazon: Der Kuss der Russalka

Den jungen deutschen Zimmermann Johannes verschlägt es im Jahr 1706 nach Russland. Dort gehört er zusammen mit seinem Onkel zu den Handwerkern, die Zar Peter angeheuert hat, um aus dem Sumpf eine neue prächtige Hauptstadt für sein Reich zu erschaffen. Doch die fremden Arbeiter werden von den Einheimischen nicht gern gesehen und so gerät Johannes immer wieder in bedrohliche Situationen.

Als eines Tages die Leiche einer jungen Frau aus der Newa gezogen wird, sind die Russen lieber bereit zu glauben, dass einer der Ausländer das Mädchen getötet hat, als dass sie – wie ihre eigenen Legenden es nahe legen – eine Russalka sei. Johannes ist von der geheimnisvollen Leiche fasziniert, und als sie aus der Werkstatt seines Onkels verschwindet, beginnt er, Nachforschungen über den alten Mythos von den russischen Flussnixen und ihre Macht über das Wasser anzustellen. Doch er dabei gerät er ins Zentrum einer Verschwörung, bei der es um nichts geringeres als die Ermordung des Zaren geht.

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mich an Johannes Leben im historischen St. Petersburg gewöhnt hatte. Aber Nina Blazon beschreibt wirklich ganz wunderbar wie es den ausländischen Handwerkern im Russland dieser Zeit ergangen sein könnte, so dass man schnell versteht, welche Gefahren das Leben in der Fremde für diese Handwerker mit sich brachte. Johannes handelt nicht immer besonders vernünftig, er ist ein impulsiver Mensch, der an seinen Träumen hängt und dessen Gerechtigkeitssinn ihn auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Doch gerade diese Charaktereigenschaften lassen den jungen Mann recht realistisch wirken.

Doch neben dem historischen St. Petersburg übten von allem die Russalka ihren Reiz auf mich aus! Die Naturwesen sind fremdartig dargestellt, überwältigend, schön und auch sehr beängstigend. Vor allem aber haben sie keine Ähnlichkeit mit der klassischen Meerjungfrau oder gar menschliche Züge, die sie weniger überzeugend wirken lassen würden. Wie die Newa können sie lebensspendend und vernichtend sein – und lassen dabei nur ihrer Natur ihren Lauf. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, und ich werde bestimmt noch mehr von der Autorin lesen.

[Kurz und knapp] Mary Janice Davidson: Süß wie Blut und teuflisch gut (Hörbuch)

Leider fand ich das zweite Hörbuch der Betsy-Taylor-Reihe nicht mehr ganz so unterhaltsam wie „Weiblich, ledig, untot“. Allerdings kann meine Eindruck auch durch die Tatsache getrübt sein, dass für die Hörbuchfassung einige Kürzungen vorgenommen werden musste, die meiner Meinung nach auch spürbar sind. Genau kann ich es nicht sagen, da ich die Bücher nicht gelesen habe.

Betsy hat ein paar Probleme sich an ihr neues Leben als untote Königin der Vampire zu gewöhnen. Doch vor allem irritiert es sie, dass sie finanziell vollständig von ihrer Freundin Jessica abhängig ist. So steht sie eines abends vor der Arbeitsagentur und versucht einen Job zu finden. Sehr hilfreich ist dieser Besuch nicht, aber dafür tröstet sich die Königin der Vampire kurz darauf mit einer Fensterbummel bei Macy’s –und bekommt überraschend eine Stelle in der Schuhabteilung angeboten. Ein himmlischen Angebot für eine Vampirin, die nach Designerschuhen verrückt ist. Doch ein Umzug in eine viel zu große Villa, Eric Sinclair, der darauf besteht, dass sich Betsy um eine Gruppe von Vampirjägern kümmert, und eine Geistererscheinung sorgen dafür, dass ihre Nächte erstaunlich stressig werden.

Nana Spier liefert wieder eine prima Leistung ab, die verschiedenen Figuren sind gut auseinander zuhalten, ohne dass die Sprecherin großartige Stimmenakrobatik hinlegen muss. Und auch Betsys Geplapper lässt sich so gut vorgelesen sehr gut anhören, ohne dass man dabei mit den Gedanken fortschweift. Aber ich habe das Gefühl, dass der rote Faden in diesem Hörbuch fehlt. Die Geschichte springt von einem Handlungsstrang zum nächsten, mal dreht sich alles um die Vampirjäger, dann wieder um den Geist in Betsys Haus oder ihre Jobprobleme. So war das zwar sehr nett anzuhören, aber dieser Teil hat mich nicht so begeistert, dass ich eine weitere CD davon hören müsste. Denn auch eine sehr gute Sprecherin kann eine mangelnde Struktur in der Handlung nicht ersetzen …

Sophie Kinsella: Göttin in Gummistiefeln

Da ich gerade dabei bin, mich durch Tipps diverser Buch-Blogs zu lesen, habe ich die letzten Tage auch Sophie Kinsellas „Göttin in Gummistiefeln“ verschlungen. Und der Roman hat mir einen amüsanten Nachmittag beschwert. Eigentlich hat mir Samanthas Geschichte noch besser gefallen als „Charleston Girl“, aber vielleicht lag das daran, dass ich Beschreibungen von Koch- und Backvorgängen in Büchern einfach grundsätzlich liebe.

Samantha ist eine erfolgreiche Anwältin, die darauf hofft, dass sie in ihrer Kanzlei bald in die Riege der Seniorpartner aufsteigen wird. Doch während sie ihr ganzes Leben auf den Beruf ausgerichtet und schon seit vielen Monaten kein Treffen mehr mit einer Freundin oder gar einen Moment mit ihrer Familie erlebt hat, wird deutlich, dass ihr dieser absolute Einsatz für die Firma und die Erwartungen, die ihre erfolgreiche Mutter an sie stellt, so langsam zuviel wird. Kurz bevor ihr Karrieresprung offiziell verkündet wird, entdeckt Sam, dass sie einen gravierenden Fehler gemacht hat, der einen ihrer Klienten 50 Millionen kosten wird. In Panik rennt sie davon und findet sich einige Stunden später in einem kleinen Dorf wieder, wo sie für die angekündigte Haushaltshilfe gehalten wird. Obwohl Samantha keinerlei Ahnung vom Kochen, Putzen und anderen praktischen Tätigkeiten hat, schlägt sie sich wacker und lernt mit der Hilfe des Gärtners Nathaniel und seiner Mutter einen Haushalt erfolgreich zu schmeißen.

Natürlich ist die Grundsituation so ziemlich an den Haaren herbeigezogen, aber da man in Panik schon mal eine Dummheit macht und eine kleine Notlüge sich schnell in einen verschlingenden Sumpf entwickeln kann, kann ich die Abwegigkeiten in der Handlung verzeihen. Lustigerweise ist der größte Kritikpunkt an dem Buch häufig, dass Samantha sich im Haushalt so absolut unfähig anstellt. Eine intelligente Frau sollte schon in der Lage sein einen Herd anzustellen oder eine Waschmaschine zu bedienen – nur wenn diese Frau ihr ganzes Leben lang jemanden hatte, der das für sie getan hat, dann wird es für mich nicht mehr so abwegig, dass Sam so unfähig ist. Nun gut, ich habe auch erleben müssen, wie ein sehr intelligenter Mann sich als absolut hilflos herausstellte, als es darum ging zum ersten Mal ein paar Nudeln zu kochen – schließlich hatten ihm seine Mutter oder die Mensa diese Arbeit sonst immer abgenommen! *g*

Insgesamt fand ich es wirklich lustig mitzuerleben, wie sich Samantha von der toughen, aber „fremdbestimmten“ Poweranwältin zu einer Frau entwickelt, die zwar noch nicht genau weiß, was sie wirklich will, aber eine Ahnung davon bekommt, was sie ganz bestimmt nicht möchte. Und ich habe (wie schon erwähnt 😉 ) es sehr genossen zu lesen, wie Sam lernt Brot zu backen, wie sie ihre ersten Schritte in der Küche macht oder herausfindet, dass Sex auch mal mehr als sechs Minuten dauern kann. Anspruchsvoll ist dieser Roman bestimmt nicht, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Und beim Lesen hatte ich genau vor Augen, mit wem und wie ich das Buch gern verfilmt sehen würde … *g*

John Green: Eine wie Alaska (Hörbuch)

Obwohl ich eine sehr emotionale Leserin bin, berühren mich Hörbucher normalerweise weitaus weniger. Doch „Eine wie Alaska“ hat zum ersten Mal dafür gesorgt, dass ich so richtig mitgelebt habe und dabei habe ich das Hörbuch sogar wegen des Umzuges für ein paar Wochen unterbrechen müssen. Miles ist ein recht gewöhnlicher Junge mit einem ungewöhnlichen Hobby. Er sammelt die letzten Worte verstorbener Berühmtheiten. Und da er an seinem Wohnort keine Freunde hat und darauf hofft, dass das Leben an einem anderen Ort vielleicht doch noch etwas mehr für ihn parat hält, bittet er seine Eltern darum auf ein Internat gehen zu dürfen.

In Cluver Creek angekommen wird er von seinem Mitbewohner gleich in die kleine Clique rund um Alaska eingeführt und natürlich verliebt sich Miles Hals über Kopf in das unkonventionelle Mädchen – so wie all die anderen Jungen eigentlich auch. Alaska diskutiert und trinkt und raucht, ist von sich und ihren Ansichten überzeugt und bringt die andern mit ihren impulsiven Handlungen regelmäßig in Schwierigkeiten. Und doch gibt es an ihre eine verletzliche Seite, die sich immer wieder zeigt, und die letztendlich auch dazu führt, dass Alaska eines Nachts eine tödliche Dummheit begeht.

Anfangs ist es etwas irritierend, dass die Kapitel wie ein Countdown auf einen bestimmten Tag aufgebaut sind, aber so steigert sich auch die Neugierde darauf, was an zu diesem Zeitpunkt passieren wird (vor allem, wenn man den Klappentext nicht liest, der mal wieder ein bisschen zuviel verrät!). „Eine wie Alaska“ beginnt wie eine leichte und amüsante Schulgeschichte über Teenager, die Grenzen austesten, Streiche spielen, erste Erfahrungen in der Liebe sammeln und versuchen das Leben zu verstehen, in dem sie über Bücher und Philosophien diskutieren.

John Green drückt sich weitaus gehobener aus, als ich es einem durchschnittlichen Jugendlichen zutrauen würde, aber da die Sprache innerhalb der Geschichte stimmig ist, wirkt es nicht unpassend. Der Sprecher Andreas Fröhlich liest selbst die komplexeren Sätze so gut, dass man nie Verständnisprobleme hat, und ihm gelingt es jedem Charakter eine erkennbares Profil zu verschaffen. Miles ist der brave und etwas unsichere Junge, sein Mitbewohner wirkt forsch und Alaska übt sogar auf den Zuhörer einen gewissen Reiz aus.

Für mich war Alaskas Geheimnis recht schnell durchschaubar, aber es hat mich nicht gestört, dass ich das Gefühl hatte mehr zu wissen als die Figuren in dem Hörbuch. Während Miles und sein Mitbewohner noch versuchen mit dem fertig zu werden, was Alaska getan hat, rannen mir die Tränen über’s Gesicht und ich habe so richtig schön mitgelitten. Am Ende der Geschichte hatte ich eine emotionale Achterbahn hinter mich gebracht – und genau so sollte ein richtig gutes Hörbuch sein!

Mary Janice Davidson: Weiblich, ledig, untot (Hörbuch)

Elizabeth Taylor, genannt Betsy, hat an ihrem dreißigsten Geburtstag den schlimmsten Tag in ihrem Leben. Nicht die Tatsache, dass sie einen runden Geburtstag hat, macht ihr zu schaffen, sondern es läuft einfach alles schief, was im Leben schief laufen kann. Erst verschläft sie am Morgen, dann wird ihr (aufgrund der Wirtschaftskrise) der Job gekündigt und ihre Feier fällt aus, weil ein Schneesturm das Land überzieht – als sie dann noch von einem Auto überfahren wird, während sie ihre Katze ins warme Haus holen will, ist der Tag verdorben.

Wie sehr dieser Tag schiefgelaufen ist, merkt Betsy aber erst, als sie in einem sehr geschmacklosen Sarg aufwacht und sich in ein billiges pinkfarbendes Kostüm und noch schrecklicheren Schuhen vorfindet. Zu ihrem Schrecken muss sie feststellen, dass sie zu einem Vampir geworden ist. Doch zum Glück ist ihre beste Freundin Jessica bereit sie auch in dieser Darseinsform zu akzeptieren und ihr finanziell unter die Arme zu greifen. Weniger glücklich ist, dass Betsy nun von diversen Vampiren bedrängt wird, die alle eine eigene Vorstellung davon habe, wie Betsys Leben als Untote verlaufen soll.

So komplett begeistert bin ich von Betsy nicht, was vielleicht daran liegt, dass ich ihre Leidenschaft für Designer-Schuhe und –Klamotten nicht teilen kann. Aber der Kontrast zwischen dem Vampirklischee und der oberflächlichen und plappernde Sekretärin ist wirklich amüsant. Doch vor allem hat es mir Nana Spiers Leistung angetan. Die Sprecherin ist für die Synchronisation von Sarah Michelle Gellar (Buffy) und Drew Barrymore bekannt, und ihr gelingt es hervorragend den richtigen Ton für die schnatternde Betsy zu treffen. Aber auch Betsys mitfühlende und fürsorgliche Seite bringt die Sprecherin zum Ausdruck, während ihr Eric Sinclair (ein sehr attraktiver Vampire, der Pläne mit Betsy hat) erstaunlich verführerisch wirkt. Was keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Frauen, die Männerrollen sprechen sollen, doch eher lächerlich klingen. Diese Mischung aus gelungener Lesung und amüsanter und leichter Unterhaltung sorgte auf jeden Fall dafür, dass ich das Hörbuch wirklich genossen habe – und Teil zwei habe ich inzwischen auch schon gehört!

Tanja Wekwerth: Mitternachtsmädchen

Wenn ich ein Buch lese, dann mach ich mir in der Regel ein paar Notizen. Ich halte meine Eindrücke fest oder kommentiere den Roman. Bevor ich dann eine Rezension schreibe, schau ich mich online ein bisschen um und gucke, was andere Leute über das Buch geschrieben haben. Und manchmal frage ich mich, ob ich den gleichen Titel vor der Nase hatte, wie diese Jubelrezensenten (z.B. bei Amazon). Tanja Wekwerths Roman „Mitternachtsmädchen“ hinterlässt bei mir wieder dieses Gefühl, dass ich ein anderes Buch gelesen habe als die anderen.

Laut Klappentext handelt das Buch von den Zwillingen May und April, die kurz nach ihrer Geburt getrennt werden und sich ein Leben lang unvollständig fühlen. Doch der größte Teil dieses Romans dreht sich um Molly. Molly ist in Kilborough geboren und hat schon als Teenager angefangen sich um eine kleine Pension am Rande des Ortes zu kümmern. Vier kleine und gemütliche Zimmer und ein Speisesaal mit einer umwerfenden Ausblick auf das Meer stehen dort den Gästen zur Verfügung. Mit Molly zusammen lernt man den Alltag in der kleinen Pension und die unterschiedlichen Besucher kennen und vor allem gelingt es der Autorin den Leser für die Landschaft, das Meer und den fast magisch wirkenden Speisesaal zu begeistern.

In dieser Pension ist Mary zu Gast, als sie die Zwillinge May und April zur Welt bringt. Von vornherein ist klar, dass die junge Frau nur wieder zurück nach London will – ohne Kinder und ohne die Erinnerung an den Mann, von dem sie diese empfangen hat. Für Molly hingegen sind die Mädchen ein Segen und sie fürchtet den Tag, an dem sie sich von ihnen trennen müsste. Ganz genau hat sie sich schon ausgemalt, wie sie für die Zwillinge in Zukunft sorgen kann. Doch dann gibt Mary eine ihrer Töchter zur Adoption frei …

April geht zusammen mit einem deutschen Ehepaar nach Berlin, doch das ist nur die erste Station auf ihrem Lebensweg. May hingegen bleibt Molly und der Pension erhalten und wagt nur selten eine Reise, die sie von Kilborough wegführt. Während die Schwestern ohne voneinander zu wissen ihr Leben führen, sind beide doch immer auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und dem fehlenden Teil in ihrem Leben.

Mich hat das Buch ein wenig unbefriedigt zurückgelassen. Die Autorin springt zwischen den verschiedenen Personen und bringt so ein wenig Abwechslung in die Geschichte, doch letztendlich dümpelt die Handlung wie ein See an einem windstillen Sommertag. Die Pension wird stimmungsvoll beschrieben und es entsteht eine regelrechte Sehnsucht nach dem Meer beim Lesen – und doch ließ mich der später eintretende Verfall des Gebäudes kalt. Doch vor allem hatte ich ein Problem mit den Charakteren. Molly ist eine nette und etwas einfacher Person, die man schnell ins Herz schließt. Aber sie wird überlagert von all den Figuren, die durch ihren Egoismus, ihren Ergeiz und ihren Selbstbetrug hervorstechen.

Keine der vielen Frauenfiguren hatte ein einigermaßen normales Verhältnis zu einem Mann – oder gar zu ihrem eigenen Körper. Und auch wenn ich es erfrischend fand, dass dieser Roman keine Happy-End-Liebesgeschichte beinhaltete, so wären mir in einigen Passagen weniger erigierende Penisse (und dies ohne Sexzenen!) und dafür mehr Tiefgang doch lieber gewesen. Die „Mitternachtsmädchen“ waren unterhaltsam und die Landschaften wurden sehr stimmungsvoll beschrieben, aber am Ende blieb bei mir vor allem das Gefühl zurück, dass die Autorin selber nicht so recht wusste, was sie mit ihrer Geschichte erzählen wollte.

Sophie Kinsella: Charleston Girl

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara und ihrer Geschichte warm geworden bin. Lara Lingtons Leben läuft in letzter Zeit ziemlich schief: Ihr Freund hat sich von ihr getrennt und sie kommt über diese gescheiterte Beziehung nicht hinweg. Sie hat sich mit ihrer Freundin Natalie zusammen selbständig gemacht, nur damit diese kurz darauf aus einem Urlaub nicht zurückkommt – und Lara nun allein für die Headhunter-Firma zuständig ist. Wobei sie selbstverständlich von der Materie keine Ahnung hat, und darauf vertraute, dass Natalie den relevanten Teil der Arbeit übernehmen würde. Und als Krönung des Ganzen wird Lara seit der Beerdigung ihrer Großtante Sadie auch noch von deren Geist verfolgt. Sadie vermisst ihre Libellenkette und fordert nun von Lara, dass diese ihr die Kette zurückholt.

Da Sadie als Geist ihre Großnichte verfolgen kann, möchte sie auch noch ein bisschen was vom Leben haben. So zwingt sie Lara dazu sich mit einem fremden Mann zu einem Date zu verabreden – und den Abend im perfekten Charleston-Kostüm zu verbringen. Aber auch Einbrüche, Anzeigen bei der Polizei und geplatzte Geschäftsabschlüsse hat Lara ihrer verstorbenen Großtante zu verdanken. Sadie ist wirklich eine wunderbare Figur, auch wenn ich nie im Leben von ihr beeinflusst werden wollte. >g< Ihr gelingt es, dass Lara selbstständiger und sich selbst gegenüber ehrlicher wird. Je lockerer Lara mit der Situation umgeht, je mehr ihr die Meinung der anderen egal wird und je mehr sie das Leben genießen kann, desto komischer wurde das Buch. Und so kann ich nicht behaupten, dass ich meinen Spontankauf bereut habe, denn ich habe mit dem Roman einen sehr vergnüglichen Nachmittag verbracht.

Wie gesagt, ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara warm geworden bin. Anfangs war sie mir zu passiv, zu fixiert auf ihren Ex-Freund und zu sehr in ihr eigenes Unglück vertieft. Doch je mehr Sadie sich in Laras Leben einmischte, desto komischer wurde die Geschichte – und das Ende, das ist so richtig schön! Mit Lachen und Tränchen in den Augen und dem Gefühl, schon lange nicht mehr so was Schönes gelesen zu haben.

Alan Bradley: Flavia de Luce 1 – Mord im Gurkenbeet

Gleich zu Beginn dieses Romans lernt man Flavia de Luces ungewöhnliche Familie kennen – und hätte der spannende Anfang nicht schon Erwartungen geweckt, dann wären die Beschreibungen von Flavias Umfeld und ihrer Leidenschaft für Gifte mir fast ein bisschen zu ausführlich gewesen. So aber wundert man sich nicht, dass die Elfjährige von ihren beiden älteren Schwestern gefesselt in einen Wandschrank gesperrt wurde – und nachdem sie sich befreit hat, einen perfiden Racheplan ausheckt.

Doch bevor sie noch ihre Schwester vergiften kann, findet Flavia eine Leiche im Gurkenbeet. Der unbekannte Mann kann dem Mädchen noch ein rätselhaftes Wort zuflüstern, bevor er sein Leben aushaucht – und schon steckt Flavia kopfüber in den Ermittlungen! Vor allem die Tatsache, dass ihr Vater sich in der Nacht zuvor noch mit dem Fremden gestritten hat, spornt die Hobbydetektivin an. Denn auch wenn in der Familie nicht gerade sehr viel Zuneigung herrscht, so spielt ihr Vater doch eine wichtige Rolle für Flavia.

Der Roman lebt von dem Kontrast zwischen Flavias ungewöhnlicher und nicht gerade liebevoller Familie und dem gemütlichen Dorfleben. Auf ihrem alten Fahrrad Gladys saust Flavia quer durch den Ort und befragt die Bewohner nach dem unbekannten Toten – und ist so der Polizei immer eine Nasenlänge voraus. Doch je mehr das Mädchen über den Mann herausfindet, desto mehr befürchtet sie, dass ihr Vater in seiner Vergangenheit etwas getan haben könnte, dass Anlass für diesen Mord gewesen sein könnte.

Mich hat die Geschichte ein wenig an die Romane von Charlotte MacLeod erinnert: Ein interessanter Kriminalfall, der durch einen Haufen ungewöhnlicher Charaktere zu einer amüsanten und sehr erfrischenden Geschichte wird. Meiner Meinung nach ist das Buch so auch für Leser geeignet, die normalerweise keine Krimis lesen. Denn Flavia und ihr Umfeld sind so herrlich skurril, dass man sich einfach nur daran erfreuen kann. Für den englischsprachigen Raum ist schon eine Fortsetzung angekündigt – und ich glaube nicht, dass ich daran vorbeigehen kann.