Kategorie: Rezension

Pierdomenico Baccalario: Will Moogleys Geisteragentur

Mit „Unheimlichkeiten aller Art“ beginnt eine neue Reihe von Pierdomenico Baccalario, die sich um „Will Moogleys Geisteragentur“ dreht. In dieser Agentur kann man Geister für jede Gelegenheit mieten. Egal, ob man seine Nachbarn vergraulen möchte oder aus anderen Gründen übernatürlichen Beistand benötigt, Will Moogley hat die unterschiedlichsten Geister im Angebot. Schon seit sehr langer Zeit sind die Moogleys in diesem Bereich aktiv und hatten sich mit der Geisteragentur mal einen sehr guten Namen gemacht.

Doch unter der Leitung von Wills Onkel Alvin lief es nicht mehr so gut – und nach einige Fehlschlägen ist Will inzwischen fast so weit, dass er über eine Schließung der Agentur nachdenkt. Zum Glück hat sein oberpeinlicher, aber bester Freund Topper die grandiose Idee sich um einen Auftrag der erfolgreichen Hotelkette „Scary Inn“ zu bemühen. Diese haben in der Stadt Ghostville ein altes verlassenes Haus gekauft und wollen es zu einem luxuriösen Spukhotel umbauen. Natürlich benötigt man für so eine Aufgabe ganz besondere Geister! Aber Will ist natürlich nicht der Anwärter auf diesen ganz besonderen Job …

Mir hat dieser erste Band von „Will Moogleys Geisteragentur“ wirklich ganz wunderbar gefallen. Abgesehen von ein paar etwas schwereren Wörtern ist die Geschichte definitiv für Leser ab neun Jahren – und eine etwas ältere Winterkatze natürlich ebenfalls 😉 – geeignet. Will lebt im 29sten Stockwerk eines alten Hochhausees in Manhattan, ernährt sich von Lieferpizza und Schokoladenpudding *lecker* und lebt mit einem Papagei („Haltdieklappe“) und einer Schildkröte (na ja, eigentlich zwei, aber die eine lebt nicht mehr … ) zusammen.

Der Junge ist nicht gerade ein besonders großer Menschenfreund, sogar sein bester Freund Tupper muss immer wieder unter Wills Scherzen leiden. Doch trotzdem gelingt es Pierdomenico Baccalario Will so sympathisch darzustellen, dass man ihm wirklich den Hotelauftrag gönnen würde. Doch so einfach ist es für Will nicht, seiner Firma mal wieder eine bessere Reputation zu verleihen. So entwickelt sich eine wirklich lustige Geschichte um den „Alltag“ in einer Geisteragentur. Besonders die liebevollen Details, wie die Entlohnung der Geister mit selbstgebrautem Ektoplasma, den Eigenheiten, der verschiedenen Charaktere und den seltsamen Dinge, die für eine Anrufung zum Beispiel gebraucht werden, lassen die Seiten nur so vorbeifliegen (na ja, der geringe Umfang, der bei einem Kinderbuch zu erwarten ist, trägt auch etwas dazu bei *g*). Auch die Illustrationen von Matteo Piana haben mir gut gefallen. Seine Zeichnungen, vor allem seine Figuren, erinnern an italienische Trickfilme, währen die Hintergründe mit auffallenden Schraffuren Atmosphäre schaffen.

Dörthe Binkert: Weit übers Meer

Zwei Dinge sind es, die mich an „Weit übers Meer“ auf Anhieb angesprochen haben: Die Idee zu dem Roman kam der Autorin aufgrund eines Artikels, der ursprünglich im Jahr 1904 in der New York Times erschien und von einer Frau berichtete, die im Abendkleid als Blinder Passagier die Stadt erreichte – und dann noch die Zeit. Ich mag einfach diese Aufbruchstimmung zu Beginn des 20sten Jahrhunderts. Geschichten vor und nach dem Ersten Weltkrieg haben häufig eine ganz besondere Atmosphäre, die mir einfach ein schönes Gefühl beim Lesen vermittelt.

In „Weit übers Meer“ betritt am Abend des 23. Juli 1904 eine wunderschöne Frau in einem edlen weißen Abendkleid die „Kroonland“. Der Überseedampfer fährt von Antwerpen nach New York und hätte schön längst ablegen sollen, doch es kam zu technischen Problemen (wobei ich es schön finde, dass die Autorin den Leser später sogar noch darüber aufklärt, welche Probleme es gab 🙂 ). Noch bevor bekannt wird, dass die Frau im Abendkleid eine Blinde Passagierin ist, berührt sie die Reisenden an Bord auf unterschiedliche Weise.

Aufgrund ihrer eindeutig edlen Herkunft erlaubt ihr der Kapitän die Überfahrt in einer Kabine der Ersten Klasse zu machen und die Abende mit den Passagieren zusammen zu verbringen. So lernt man nicht nur Valentina Gruschkin kennen und erfährt so nach und nach, was sie dazu veranlasst hat, auf so ungewöhnliche Art und Weise die Reise nach Amerika anzutreten, sondern auch viele andere Personen der Ersten Klasse. Henri, ein Bildhauer, der auf dem Weg zur Weltausstellung in St. Louis ist, hängt mit seinen Gedanken immer noch bei seiner Geliebten, die ihn verließ, weil er sie nicht heiraten wollte. Er gehört zu den Charakteren, denen einiger Platz in der Geschichte eingeräumt wird. Aber auch viele kleine Begebenheiten oder Wortwechsel zwischen den verschiedenen Paaren oder Familien tragen dazu bei, dass man sich ein gutes Bild vom Leben dieser Personen – und häufig auch von ihren Wünschen und Träumen – machen kann.

Dörthe Binkert gelingt es sehr schön auf der einen Seite die Atmosphäre auf dem Schiff zu beschreiben, in der die Enge und ein Sturm zu recht schnellen Vertraulichkeiten führen, und auf der anderen Seite die Gesellschaft und die Stellung der Frau in ihr darzustellen. Gerade dieser Kontrast zwischen den althergebrachten Konventionen, den Wünschen, die die Frauen für ihr Leben haben und den Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt, ist wirklich gut zu lesen. Und doch plätschert der ganze Roman ein bisschen vor sich hin …

Es gibt keine wirklichen Höhen oder Tiefen in der Geschichte, keine großen Spannungen und keine Stellen, an denen ich gar mitleiden konnte. Ich fand „Weit übers Meer“ interessant und sehr entspannend, hatte aber auch kein Problem damit das Buch aus der Hand zu legen, um mich an den Abwasch oder eine andere langweilige Tätigkeit zu begeben. Eigentlich ist es der perfekte Roman für meine Mutter, die früher jahrelang nichts gelesen hat, weil sie immer nur für ein paar Seiten am Stück Zeit hatte und beim nächsten Mal schon nicht mehr wusste, worum es ging. Das passiert einem bei „Weit übers Meer“ nicht, dafür stört es eben auch nicht, wenn man nur hier und da einen Abschnitt liest, sich ein bisschen mit dem Leben einer Figur beschäftigt und sich dann einer anderen Beschäftigung widmen muss.

Michelle Harrison: Elfenseele – Hinter dem Augenblick

Solange sie denken kann, ist Tanya in der Lage Feen und Elfen zu sehen (ich bin mir nicht ganz sicher, ob die deutsche Übersetzung da wirklich dem Original entspricht, aber ich verwendet mal weiter die im Buch verwendeten Begriffe). Als sie ein Kind war, fanden ihre Eltern es noch niedlich, wenn sie ihnen von all den unsichtbaren Gestalten erzählte, doch je älter Tanya wird, desto mehr Ärger bekommt sie durch diese Fähigkeit.

Die Elfen haben angefangen sie zu piesacken, um das Mädchen daran zu hindern den anderen von ihnen zu erzählen – und je mehr Schabernack diese Wesen treiben, desto wütender wird ihre Mutter darüber, dass Tanya soviel kaputt macht und die Schuld dann immer auf nichtexistierende Gestalten schiebt. So ist es kein Wunder, dass Tanya dazu verdonnert wird, die Ferien bei ihrer Großmutter zu verbringen, in einem alten und fast verfallenen Haus in den Tiefe der Grafschaft Essex.

Auch hier wimmelte es von Elfen und Kobolden, was das Leben für Tanya nicht einfacher macht. Doch nach einigen unheimlichen Vorfällen beschließt sie zusammen mit Fabian, dem Sohn des Verwalters, mehr über die übernatürlichen Wesen herauszufinden – genauso wie über das geheimnisvolle Verschwinden der Morwenna Bloom, die vor 50 Jahren in den Henkerswald hinter dem Anwesen von Tanyas Großmutter ging und nach diesem Tag nie wieder gesehen wurde.

Michelle Harrison ist mit „Elfenseele“ ein wirklich spannender und unterhaltsamer Jugendroman gelungen. Auch wenn man meinen könnte, dass die dreizehnjährige Tanya vielleicht im Laufe der Zeit besser mit den Elfen hätte umgehen können, so bezaubern mich die verschiedenen Wesen und ihre unterschiedlichen Eigenschaften. So unangenehm es sein muss, wenn ein „Abflussbewohner“, ein lurchartiger Elfe, einem ständig glitzernde Sachen aus dem Badezimmer stahl, so nett ist die Idee einer Herdfee, die dafür sorgt, dass der Tee immer warm ist. Letztere würde ich gern einladen bei mir zu wohnen – auch wenn die vier Katzen wohl zuviel für sie sein müssten. 😉

Aufbauend auf den verschiedenen (britischen) Feensagen spinnt die Autorin eine fantastische Geschichte rund um die dreizehn Schätze des Feenreichs, die Menschen, die die übernatürlichen Wesen sehen können, Wechselbälger und den Übergang in das magische Reich. Auch wenn sich die Handlung eher langsam entwickelt, so hat es mir gefallen, dass ich nur selten vorhersagen konnte, in welche Richtung die Geschichte gehen würde. Und obwohl Michelle Harrison am Ende sehr viele verschiedene Hinweise zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpft hat, so bleibt noch genug zu erzählen für eine (hoffentlich ebenso gelungene) Fortsetzung. Die ist übrigens für den englischsprachigen Markt schon angekündigt und soll im Januar unter dem Titel „Thirteen Curses“ erscheinen. 🙂

Amber Kizer: Meridian – Dunkle Umarmung

Da es schon genügend Rezensionen gibt, die detailliert auf den Inhalt von „Meridian“ eingehen, gibt es hier von mir nur den Klappentext (sonst wird diese Rezi eindeutig zu lang zum Lesen! 😉 ).

„Mein Name ist Meridian. Ich gehöre leider nicht zu den Menschen, die man gerne zu Geburtstagsfeiern einlädt – denn obwohl ich es ganz sicher nicht will, muss ich mein Leben mit dem Tod teilen. Ich bin eine Fenestra: Durch mich gelangen die Seelen der Verstorbenen in den Himmel. Aber davon wusste ich nichts, bis ich sechzehn Jahre alt wurde – und plötzlich in großer Gefahr schwebte.“

Wie schon mal erwähnt, hatte ich bei der Beschreibung im Verlagskatalog das Gefühl, dass „Meridian“ eher keine Geschichte für mich ist. Ich bin so langsam ein wenig übersättigt, wenn es um solche Jugendromane geht. Dann habe ich dann so viele positive Rezensionen gelesen und Details erfahren, dass ich neugierig auf den Roman wurde. Letztendlich hinterlässt mich das Buch zwiegespalten, was wohl auch an meiner Art zu Lesen liegt.

Wenn ich lese, dann nehme ich eine Geschichte auf der einen Seite mit dem Verstand und auf der anderen Seite mit dem Gefühl war – und lese ich ganz privat für mich, dann erlaube ich meinem Gefühl gern die Oberhand zu übernehmen. Häufig ist ein Roman für mich dann richtig „gut“, wenn ich die Handlung miterleben kann. Da ist es mir dann auch egal, ob die Ausdrucksweise nicht ganz stimmig ist oder ob kleine Widersprüchlichkeiten vorhanden sind – und erst mit ein paar Tagen Abstand bin ich dann in der Lage ein objektives Urteil über das Buch abzugeben.

Bei „Meridian“ hatte ich ein paar Momente, wo das Gefühl über den Verstand siegte, aber dies hielt nie sehr lange an, da es einfach zu viele Unstimmigkeiten in der Geschichte gibt. Mich reizt die Grundidee sehr! Die Idee von einer Fenestra, die den Seelen nach dem Tod den Übergang ermöglicht, und viele andere Details haben mich wirklich angesprochen. Sehr schön fand ich auch die ganzen Szenen in der Küche und die Atmosphäre im Haus der Tante. Bei den ganzen Patchworkdecken zuckte es in meinen Fingern endlich wieder mit dem Nähen anzufangen, und dass die Tante ihre „Seelenreste“ über das Handarbeiten verarbeitet, gefiel mir auch. Aber ich muss zugeben, dass man mich mit gut geschriebenen Küchen- und/oder Handarbeitsszenen eh schnell auf seine Seite ziehen kann.

Was mich allerdings im Laufe des Romans immer wieder ärgerte, waren die ganzen „Issos“. Das sind die Dinge, bei denen eine Autor einfach sagt „Das ist eben so!“ ohne einen Hintergrund oder eine Erklärung zu bieten. Viele Dinge, die Amber Kizer vielleicht hatte erzählen wollen, musste ich mir selber zusammenreimen – doch selbst hier durfte man nicht zu genau hinschauen, da einen dann wieder die Unstimmigkeiten ansprangen.

Dabei hätte man all diese Dinge so leicht umgehen oder erklären können! Anfangs empfand ich Meridians Kindheit als einen guten Auftakt für diese Geschichte. Und mit ihr zusammen war ich als Leser ganz verwirrt auf dem Weg zu Meridians Tante, hoffte auf Aufklärung und war neugierig darauf, was mir die Geschichte zu bieten hat. Doch dann kam der Brief von Meridian Mutter, in der sie „erklärt“, warum sie ihre Tochter so abrupt wegschicken müsse. Allein dieser Brief hat mich schon unzufrieden zurückgelassen … Auf der einen Seite meint die Mutter, dass sie ihre Tochter liebt, sie so lange wie möglich hätte bei sich behalten wollen, dass es ihr leid täte, dass sie eine anständige Ausbildung durch die Tante verhindert hätte – und dass es sie immer gewundert hätte, dass Meridian nie gefragt hätte, warum ständig Tiere in ihrer Nähe sterben.

Um jetzt mal wohlwollend damit umzugehen, kann ich nun behaupten, dass die Mutter, die Fähigkeiten der Tochter ignoriert hätte, um die Tatsache zu verdrängen, dass sie Meridian an ihrem sechzehnte Geburtstag wegschicken müsse. Doch wenn dem so ist, dann frage ich mich, warum das Mädchen von den Eltern nie liebevoll behandelt wurde. Denn laut Meridian hat nur ihr kleiner Bruder sie manchmal umarmt und wie einen normalen Menschen behandelt.

Dann lese ich, dass eine Fenestra 106 Jahre alt wird, wenn sie nicht vorher eines unnatürlichen Todes stirbt. Unter diesen Umständen hätte ich spätestens beim 104 Geburtstag der Tante darauf bestanden, dass Meridian ausgebildet wird. Denn das die Zeit nicht reichen würde, wenn man den sechzehnten Geburtstag von Meridian (und 106sten der Tante!) abwartet, sollte wohl für alle Beteiligten erkennbar gewesen sein. Die Frage, warum eine Fenestra nicht älter wird, wird übrigens nicht beantwortet. Was mich dann doch wieder zu einem gequälten „Warum?“ veranlasst!

Und allein die Dummheit der Tante, die (wenn man sich mal das Tagebuch anguckt) jeden Unfall, jeden ungeklärten Todesfall einer Fenestra auf die bösen Aternocti schiebt, aber nicht in der Lage ist eine Verbindung zwischen diesen Bösewichten und dem unheimlichen Reverend der örtlichen Gemeinde zu ziehen, treibt mich die Wände hoch. Ich meine, wie viele Hinweise braucht man denn noch, wenn man schon zusehen muss, wie der Ort sich verändert, wie die Alteingesessenen vertrieben werden, wie die Tante quasi ein Berufsverbot auferlegt bekommt – und wie der Reverend anscheinend für den Tod eines Kindes, brennende Häuser und ähnliche wunderbare Entwicklungen verantwortlich ist?

Lustigerweise hat mir das Buch trotz des Ärgers über die Unstimmigkeiten irgendwie doch gefallen. Ich werde es bestimmt irgendwann noch einmal lesen, auch wenn mir dabei wohl durchgehend Gedanken durch den Kopf schießen werden, die sich darum drehen, wie man diese Geschichte stimmig erzählen könnte. Und einer Fortsetzung stehe ich auch nicht so abgeneigt gegenüber, werde diese dann aber wohl eher aus der Bibliothek ausleihen …

Bruce Coville: Die Einhorn-Chroniken 1

Es gibt eine Sache, die mich an „Die Einhorn-Chroniken“ irritiert: Der Band „Das Tor zwischen den Welten“ wird als erster von drei Teilen bezeichnet – und beinhaltet die ersten beiden amerikanischen Bücher „Into the Land of the Unicorns“ und „Song of the Wanderer“. Bislang gibt es bei Scholastic Inc. nur einen dritten Teil der Reihe – weiter Bände kann ich auf der Homepage des Verlags nicht einmal als Ankündigung finden. Allerdings verspricht Amazon.com für 2010 den Titel „The Last Hunt“ als vierten Teil der Reihe … Und nun bin ich ein wenig verwirrt. 😉 Aber immerhin ist es schön mal zu sehen, dass die deutsche Veröffentlichung nicht nur einen halben amerikanischen Roman, sondern gleich zwei Bücher beinhaltet! 🙂

Doch erst einmal ein Wort zum Inhalt: „Das Tor zwischen den Welten“ erzählt von Caras unglaublichen Erlebnissen in einer fantastischen Welt. Als sie eines Tages mit ihrer Großmutter Ivy aus der Bibliothek kommt, fällt dem Mädchen auf, dass sie von einem fremden Mann verfolgt werden. Die beiden flüchten in eine Kirche und als der Fremde sie dort aufspürt, verhält sich die Großmutter sehr merkwürdig. Ivy Morris gibt ihrer Enkelin ein wertvolles Amulett, geht mit ihr in den Glockenturm und beginnt dort zu läuten. Cara soll beim zwölften Glockenschlag mit dem Amulett in der Hand vom Kirchturm springen, um sich so in Sicherheit zu bringen!

Zu ihrer großen Überraschung landet Cara so im märchenhaften Kirin und schnell begegnet sie allerlei fantastischen Gestalten, wie dem Einhorn Lightfoot, dem Dumbeltum und dem Skijum. Aber Kirin hat auch seine Schattenseiten und dazu gehören so boshafte und unheimliche Kreaturen wie die Delfer, die Cara das Ivys Amulett stehlen wollen. Hier in Kirin erfährt das Mädchen von den magischen Fähigkeiten des Schmuckstücks, und dass ihre Großmutter Morris schon häufig in Kirin war und als Freundin der Einhörner gilt. Das ist auch der Grund, warum der Fremde sie und Cara gejagt hat. Denn er gehört zu den Jägern, die seit Jahrhunderten versuchen einen Weg in die magische Welt zu finden, um die Einhörner auszulöschen.

Mir gefiel diese fantastische Geschichte sehr gut. Mit Cara zusammen konnte ich eine klassische Märchenwelt entdecken und habe vor allem den Dumbeltum schnell in mein Herz geschlossen. Auch wenn es für jüngere Leser einige erstaunlich heftige Szenen in diesem Roman gibt, sorgt die märchenhafte Stimmung dafür, dass man Caras Abenteuer in Kirin einfach nur genießen konnte. Allerdings muss ich zugeben, dass ich erst nach der Hälfte des Bandes gemerkt habe, dass mir hier zwei Romane präsentiert werden und das hat mich beim Lesen schon gestört. Denn auf einmal bekam ich innerhalb einer durchgehenden Geschichte wieder all die Dinge erklärt, die ich am Anfang schon einmal erzählt bekommen habe. Ein kleiner Hinweis des Verlages wie z.B. ein Titelblatt für den zweiten Teil, wäre da ganz nett gewesen. >g<

Wer von Bruce Coville schon die Geschichten um den Zauberladen kennt, wird vielleicht ein wenig erstaunt sein, wie sehr sich sein Erzählstil von diesen Romanen unterscheidet. „Das Tor zwischen den Welten“ ist eindeutig ernsthafter und da der Großteil der Geschichte nicht in unserer Welt spielt, wirken Caras Abenteuer auf mich nicht so ungewöhnlich wie die Zauberladen-Bücher. Trotzdem findet man hier ein wunderschönes modernes Märchen voller seltsamer Kreaturen und wirklich rührender Momente, die einem schon mal eine Träne ins Auge treiben können. 😉

Susan Elizabeth Phillips: Mitternachtsspitzen

Nachdem Soleil vor einigen Wochen eine begeisterte Rezension zu dem Roman „Mitternachtsspitzen“ geschrieben hat, dachte ich, dass ich doch auch mal einen Blick in das Buch werfen sollte. Eine Freundin von mir ist vor ein paar Jahren nach Amerika ausgewandert und hatte mir vorher einen großen Schwung Bücher überlassen. Darunter auch einige Romane von Susan Elizabeth Phillips, die ich dann hintereinander gelesen habe. Doch so gehäuft hat es mich geärgert, dass in jedem Roman ein anfangs unschuldiges Mädchen die Hauptfigur war, und dass diese dann eine Beziehung mit einem (deutlich) älteren und vor allem erfahreneren Mann anfing, der sie in die Geheimnisse der Liebe einwies.

Auch in „Mitternachtsspitzen“ zeigt sich dieses Schema wieder, doch zusätzlich beschlich mich das Gefühl, dass die Autorin sich bei ihren Figuren von Georgette Heyers „Der Page und die Herzogin“ hat inspirieren lassen. Die jungenhafte Kit reist kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg von der familiären Baumwollplantage nach New York, um Baron Cain zu ermorden. Dieser hat nämlich von Kits böser Stiefmutter die Plantage geerbt – und nur sein Tod würde die junge Frau in die Lage versetzen den väterlichen Besitz ihr eigen zu nennen.

Doch der durchschaut schnell, dass sein neuer Stallbursche ein Mädchen ist. Und da das Schicksal ihn sogar zum Vormund der aufmüpfigen Dame gemacht hat, steckt er sie erst einmal in eine Schule, in der sie lernen soll, wie sich eine Lady zu benehmen hat. Drei Jahre später ist aus dem Wildfang eine hinreißende Frau geworden, deren Ausstrahlung auch der erfahrene Baron kaum widerstehen kann. Doch Kit verfolgt weiterhin nur ein Ziel: Wieder in den Besitz der Plantage zu gelangen.

Soleils Begeisterung für das Buch kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Aber ich habe heute einen netten Nachmittag mit Kit und ihrem attraktiven Baron gehabt. Obwohl der Verlauf der Handlung recht vorhersehbar ist und mich so mancher Anfall von Dickköpfigkeit bei den beiden Hauptfiguren zum Kopfschütteln bewegt hat, ist es eine unterhaltsame Geschichte. Doch vor allem haben mir ein paar Nebencharaktere – besonders Veronica – gefallen und bei mir immer wieder für ein Schmunzeln gesorgt.

Achja, noch etwas zum Cover: Meine Güte, hat den niemand in diesem Verlag mal das Buch gelesen, bevor die Umschlaggestaltung ausgewählt wurde? Das ist ein Roman, der kurz nach dem Sezessionskrieg spielt … und die weibliche Hauptfigur ist schwarzhaarig … und in keiner Weise so rosa-blond … und was soll das für eine Geste sein? … und ich mag so belanglose Cover absolut nicht! 😉

Diane Setterfield: Die dreizehnte Geschichte

„Die dreizehnte Geschichte“ ist Diane Setterfields Debütroman und wanderte 2007 direkt auf die Bestsellerlisten. Die Geschichte handelt von der Buchhändlerin und Hobbybiografien Margaret Lea, die die einmalige Gelegenheit bekommt, die Lebensgeschichte der gefeierten Schriftstellerin Vida Winter zu verfassen. Die Autorin hatte von Anfang an Stillschweigen über ihren familiären Hintergrund bewahrt und jahrelang in den verschiedenen Interviews immer wieder neue Geschichten über ihr Leben erfunden. Doch nun beschließt Vida, dass es an der Zeit die Wahrheit über ihre Herkunft und ihre Vergangenheit zu erzählen.

Obwohl Diane Setterfield sich viel Zeit nimmt, um ihre Handlung zu erzählen, habe ich mich mit diesem Roman sehr wohl gefühlt. Die Autorin hat eine wundervolle Hommage an die Klassiker des 19. Jahrhunderts, wie „Jane Eyre“ oder „Die Frau in Weiß“ geschaffen. So nimmt Diane Setterfield viele vertraute Motive auf – und bemüht auch den Zufall nicht gerade selten -, um eine im besten Sinne altmodische Geschichte zu erzählen.

Zwischen den beide Hauptfiguren Vida und Margaret entsteht ein angenehmer Kontrast, der dafür sorgte, dass ich durchgehend neugierig auf die Handlung blieb (auch wenn so manche Wendung für mich vorhersehbar war). Vida beginnt ihre Geschichte bei ihren Großeltern, deren seltsame Liebe den Grundstein legte für die Erlebnisse und das Elend ihrer Nachkommen, und die die Ursache für die Geschehnisse rund um die Zwillinge Adeline und Emmeline Angelfield bildeten.

Nachdem Vida schon so viele Jahrzehnte Lügengeschichten über ihr Leben gesponnen hat, fällt es der Autorin selber schwer zwischen Wahrheit und Märchen zu unterscheiden. Und es wird deutlich, wie belastend es für sie ist in ihre Vergangenheit zurückzugehen. Doch durch Margarets wissenschaftliche Neugier, die dafür sorgt, dass die junge Frau jeden Teil der Erzählung erst durch Fakten aus Archiven und Kirchenregistern belegt haben muss, bevor sie eine solch ungeheuerliche Geschichte glauben kann, wird auch für den Leser die Handlung realer. Oh, und Margaretes Liebe zu Büchern, ihre Arbeit in dem Antiquariat des Vaters und der Zuflucht, die sie in ihren Romanen findet, haben mich wirklich sehr angesprochen.

Mit „Die dreizehnte Geschichte“ von Diane Setterfield bekommt man einen wirklich ungewöhnlichen Roman zu lesen. Aus einer Hommage an die viktorianischen Klassiker hat die Autorin eine spannende Geschichte mit faszinierenden Charakteren und unverhofften Wendungen geschaffen, die mich hervorragend unterhalten hat.

Matthew Skelton: Cirrus Flux

Nachdem ich Matthew Skeltons ersten Roman „Endymion Spring“ wirklich mit Begeisterung gelesen hatte, war ich unheimlich gespannt auf sein zweites Werk. „Cirrus Flux – Der Junge, den es nicht gab“ wird ebenso wie „Endymion Spring“ über mehrere Zeitebenen erzählt. Aber hier sind die Zeitsprünge nicht so groß, sondern umfassen gerade mal zwölf Jahre.

Cirrus wächst in einem Waisenhaus in London auf. Man schreibt das Jahr 1783 und während die britischen Schiffe um die Welt reisen und jeden Tag von neuen Entdeckungen berichtet wird, wird Naturwissenschaft und Elektrizität noch wie Magie behandelt. In seinem Heim bekommt Cirrus von all diesen Wundern nichts mit. Mit seinem besten Freund stromert er durch die Gegend, bis ihn eines Tages ein unheimlicher Fremder beobachtet. Schnell findet Cirrus heraus, dass mehr als ein Mann hinter ihm her ist. Verschiedene Parteien glauben, dass der Junge von seinem Vater eine geheimnisvolle Kugel geerbt hat, die den „Atem Gottes“ beinhaltet.

Auch das Mädchen Pandora wird in die Jagd nach der Kugel hineingezogen. Sie lebt ebenso wie Cirrus im Waisenhaus und wird von dem Vorsteher Mr. Chalfont bei der unheimlichen Mesmerismuskünstlerin Madame Orrery in Dienst gegeben. Auch diese Frau ist hinter dem Geheimnis her, das sich in Cirrus Besitz befinden soll – und Pandora versucht alles, um dem Jungen gegen ihre Dienstherrin beizustehen. Während sich die Geschichte anfangs recht gemächlich entwickelt, überschlagen sich zum Ende die Ereignisse. Durch den gesamten Roman ziehen sich Rücksprünge, die dem Leser aufzeigen, wie es dazu kam, dass Cirrus‘ Vater James in den Besitz des „Atem Gottes“ kam – und wieso er sich gezwungen sah, seinen Sohn in die Obhut des Waisenhauses zu geben.

Ich fand diese Mischung aus Magie und Naturwissenschaft und die Atmosphäre, die Matthew Skelton geschaffen hat, wirklich faszinierend. Ein wenig erinnerte mich das Buch an den Film „Prestige“ mit Hugh Jackman, Christian Bale und Michael Cain, aber leider hat es der Autor in meinen Augen nicht geschafft, seinen Figuren genug Raum zu bieten. Die Charaktere sind entweder nett oder böse – und auch wenn ich Cirrus‘ und James‘ Handlungen nachvollziehen kann, so berührte mich ihr Schicksal recht wenig. Einzig Pandora wuchs mir soweit ans Herz, dass ich mit ihr etwas mitfiebern konnte.

Die Bösewichte hingegen waren mir zu motivlos. Okay, Madame Orrery wird mit einer Vergangenheit ausgestattet, die erklären soll, warum diese Frau so kaltherzig ist. Und der Zauberkünstler Leechkraft ist einfach geldgierig, aber so recht reicht mir das als Hintergrund nicht. Ich wünsche mir wirklich, dass sich Matthew Skelton mehr Zeit genommen hätte, um seine Figuren auszuarbeiten und all die Möglichkeiten, die dieses fantastische London bietet, auszuschöpfen. Doch trotz meiner Kritikpunkte habe ich „Cirrus Flux“ gern gelesen – nur eben nicht mit ebenso viel Euphorie wie „Endymion Spring“.

Jenna Black: Dämonenkuss (Die Exorzistin 1)

„Dämonenkuss“ ist der Auftakt der Reihe „Die Exorzistin“ von der Autorin Jenna Black. Die Hauptfigur ist die Exorzistin Morgan Kinsley, die in einer Welt, in der Dämonen alltäglich sind, lebt. Dämonen können hier nur in einem menschlichen Wirtskörper existieren, wobei viele Menschen sich den übernatürlichen Wesen für diesen Zweck anbieten. Morgans Bruder ist einer dieser Wirte – mit ein Grund, warum die junge Frau Dämonen hasst, denn mit der Inbesitznahme verschwindet die Persönlichkeit des Menschen.

Doch es gibt auch Dämonen, die unrechtmäßig Besitz von einem Menschen nehmen, und die dann von Exorzisten ausgetrieben werden müssen. Morgan ist eine der Besten in ihrem Job und trotzdem gerät sie gleich zu Beginn des Buches in Gefahr von einem Dämon übernommen zu werden. Zu ihrer großen Überraschung gelingt es dem bösen Wesen aber nicht in sie hineinzufahren, ein Rätsel, dass sie ziemlich beschäftigt. Als sie weiter nachforscht, stellt sich heraus, dass Morgan – ohne es zu wissen – schon längst eine Verbindung zu einem Dämon eingegangen ist.

Eigentlich finde ich die Grundidee zu diesem Roman sehr interessant. Jenna Black hat eine faszinierende Welt geschaffen und das Rätsel, um Morgans Immunität gegen den bösen Dämonen bietet mal einen ganz neuen Ansatz für ein Urban-Fantasy-Buch. Leider strotzt das Buch vor nicht gerade geschickt eingebauten Sexszenen und schlechten Charakterisierungen. Morgan ist nicht nur ihrem Freund Brian verfallen, sondern entwickelt auch für jeden vorbeikommenden Mann Interesse, solange dieser attraktiv ist. Die Exorzistin bleibt ihrem Liebsten zwar treu, lässt sich aber nicht von diversen Fantasien abhalten, die der Leser detailliert teilen darf.

Auch die SM-Spiele des Dämonen Adam und seines Geliebten werden ausführlich beschrieben. Wobei es der Autorin wohl vor allem darum ging wie bei einem Yaoi-Manga Szenen zu entwerfen, die der Leserin gefallen sollen. Doch bei mir führte das Ganze dazu, dass ich so langsam der Sexspielchen überdrüssig wurde. Vielleicht liegt es an Jenna Blacks Unfähigkeit schöne Liebesszenen zu beschreiben, dass sie auf den SM-Bereich ausgewichen ist und zum Dämonenthema passt es ja auch, aber auch hier fehlte es einfach an einer tieferen Charakterisierung. Keine der Personen war mir wirklich sympathisch und zu keinem Moment kam bei mir das Gefühl auf, dass Morgan jemals wirklich in Gefahr war (dabei wird die Exorzistin im Laufe der Geschichte von immer mehr Parteien gejagt). So interessant die Grundidee zu „Dämonenkuss“ ist, ich werde ganz bestimmt keinen weitern Roman dieser Reihe (und Autorin) lesen.

SuB-Losverfahren – Horst Eckert: Königsallee

Um meinen SuB ein wenig zu verkleinern, habe ich an Karis aktuellem SuB-Losverfahren teilgenommen. Gilfaen hatte für mich die Nummer 55 gewählt, was sich als „Königsallee“ von Horst Eckert herausstellte. Der Krimi ruht schon eine Weile auf meinem SuB. Auf der einen Seite finde ich die Regionalkrimis aus dem Grafit-Verlag immer wieder spannend zu lesen, auf der anderen Seite hatte ich in den letzten Monaten recht wenig Lust auf eine Geschichte, die sich um Artnapping, organisiertes Verbrechen und interne Ermittlungen dreht.

Und so ist es auch nicht erstaunlich, dass ich mich in die Handlung ein wenig einlesen musste. Horst Eckert hat es mir auch nicht leichter gemacht, denn nach einem kurzen Prolog, der in einem kleinen osteuropäischen Land spielt, hüpft die Geschichte nach Düsseldorf. Dort lernt der Leser den Polizisten Jan Reuter und diverse andere Personen kennen, aus deren Perspektive der Kriminalfall erzählt wird. Bedauerlicherweise ist keiner der Charaktere tiefer beschrieben worden und die ständigen Stereotype gingen mir schnell auf den Geist. Für die Anspielungen bezüglich der städtischen Politiker, den Prominenten und den Örtlichkeiten zu verstehen kenne ich Düsseldorf zu wenig. Vielleicht hätten diese Details den Krimi interessanter gemacht. Aber so konnte mich die Geschichte allein nicht überzeugen.

Schon früh erfährt man als Leser, dass ein kleiner osteuropäischer Präsident/Verbrecher sich nach Deutschland absetzen und dort ein neues Imperium aufbauen will. Mit diesem Hintergrundwissen ist man der Polizei, die in Düsseldorf bei verschiedenen Verbrechen ermittelt, ein gutes Stückchen voraus – was nicht gerade zur Spannung beiträgt. Während Kriminaloberkomissar Jan Reuter noch versucht eine Verbindung zwischen einem Kunstraub und einer kriminellen Größe der Düsseldorfer Unterwelt herzustellen, wird sein Informant Robby ermordet. Kurz darauf wird auch die Leiche von Robbys Freundin, der Tochter eines Richters (der als zukünftiger Innenminister gehandelt wird) gefunden.

Daraus entwickelt sich ein Krimi rund um das Organisierte Verbrechen, korrupte Politiker und bestechliche Polizisten. Doch aufgrund der sprunghaften Erzählweise, der mangelnden Herausforderung für den Leser und den depremierenden Figuren entwickelt sich aus diesen klassischen Zutaten keine spannende Geschichte. Ein Großteil der Wendungen sind vorhersehbar und keine einzige Person ist wirklich sympathisch. Der einzige Mensch, der anscheinend keinen Dreck am Stecken hat, wird so besserwisserisch dargestellt, dass man mit ihm eigentlich auch nichts zu tun haben will.

Großen Spaß hat mir das Buch nicht gemacht, aber ich bin froh, dass der Roman durchgelesen ist. Mein SuB ist wieder ein kleines Stückchen geschrumpft und das ist immer schön zu sehen. 😉