Kategorie: Rezension

Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor

Irgendwie erwische ich momentan ziemlich viele Bücher, die nicht eindeutig einem Genre zuzuordnen sind – so auch „Mord auf ffolkes Manor“, welches im Untertitel als „eine Art Kriminalroman“ bezeichnet wird. Das Buch soll vom Autor als eine amüsante Hommage an die klassischen britischen Kriminalgeschichten gedacht sein und so verwundert es nicht, dass immer wieder auf Agatha Christie und John Dickson Carr verwiesen wird. Übrigens zwei Autoren, deren Geschichten ich wirklich schätze.

So hatte ich von „Mord auf ffolkes Manor“ auch eine Menge erwartet, ganz im Stil eines Agatha-Christie-Romans findet sich der Leser in einem Herrenhaus auf dem Land wieder. Eine Gruppe Personen wurde über die Feiertage vom Schnee von der Außenwelt abgeschnitten, als in diesem kleinen Kreis ein Mord in einem geschlossenen Raum passiert. Doch zum Glück kann aus dem Ort ein pensionierter Polizist herbeigeholt werden, der die Aufklärung des Falles mit Hilfe der übereifrigen Kriminalautorin Evaden Mount in Angriff nimmt.

Schnell steht fest, dass keiner der Anwesenden den verstorbenen Raymond Gentry leiden konnte. Der Mann war von der Tochter des Hauses überraschend zu dieser Veranstaltung mitgebracht worden und hatte es geschafft innerhalb weniger Stunden alle Gäste gegen sich aufzubringen. Über jeden wusste er ein kleines hässliches Geheimnis, und spielte in jedem Gespräch unübersehbar darauf an. So brachte er nicht nur die Gastgeber, sondern auch den örtlichen Geistlichen und den Dorfarzt – zwei ansonsten sehr harmlose und freundliche Männer – gegen sich auf.

Es ist unübersehbar, dass Gilbert Adair seine Vorbilder kennt: Evaden Mount erinnert an Agatha Christies Figur Ariadne Oliver und das gesamte Umfeld weckte sentimentale Gefühle beim Lesen. Und doch fehlt diesem Roman einfach die Kunstfertigkeit, die eine Geschichte von John Dickson Carr oder Agatha Christie ausmacht. Die Figuren wirken flach und leblos und ihre Motive sind einfach nur belanglos und die Dialoge sind schrecklich! Es gibt keinen Austausch zwischen den Figuren, sondern jede Aussage entwickelt sich zu einem endlosen Monolog, bei dem ich mich jedes Mal fragte, warum ich mir das jetzt antun muss.

Der Mord im verschlossenen Raum ist überhaupt nicht Thema dieses Buches und während John Dickson Carr mich mit seinen Geschichten dazu bringt mitzudenken und mich mit dem rätselhaften Fall auseinander zu setzen, fühlte ich mich hier nicht mal dazu animiert mir über das wahrscheinlichste Motiv Gedanken zu machen. Ein Agatha-Christie-Roman hingegen ist nicht nur unterhaltsam und amüsant, sondern auch eine treffende Milieustudie, eine liebevolle, aber auch beinah unbarmherzige Untersuchung der verschiedenen Charaktere – und genau das fehlt bei „Mord auf ffolkes Manor“.

Letztendlich ertappte ich mich die ganze Zeit bei dem Wunsch dieses Buch aus der Hand zu legen und mich kopfüber in meine Kisten zu stürzen, um mir einen meiner Lieblings-Krimiklassiker zu suchen, mit dem ich meine Lesestunden vergnüglicher verbringen könnte. So wandert dieses Buch in nächster Zeit zu einem anderen Besitzer, der hoffentlich mehr Freude damit hat. Und ich verkneife mir zukünftig einen Blick auf weitere Titel von Gilbert Adair zugunsten spannenderer Wohlfühl-Lektüre aus der Feder einer wirklich großen Autorin wie Agatha Christie, deren Romane ich immer wieder genießen kann.

Julia Quinn: Wie erobert man einen Duke?

Nach einer Woche, in der ich zu krank zum Lesen war (was für ein ekelhaftes Gefühl!), hatte ich gestern Lust auf etwas leichte Unterhaltung und habe zu „Wie erobert man einen Duke?“ von Julia Quinn gegriffen. Dieser Roman ist der erste in einer ganzen Reihe, die sich um die Familie Bridgerton dreht, und stellt die Vierte der acht Bridgerton-Nachkommen (Anthony, Benedict, Colin, Daphne, Eloise, Francesca, Gregory, Hyacinth) in den Mittelpunkt.

Daphne ist die älteste Tochter der Familie und verbringt im Jahr 1813 schon ihre zweite Saison in London. Die hübsche junge Frau ist nicht gerade der Mittelpunkt der Gesellschaft, sondern wird von den sie umgebenden Männern eher als netter Kumpel als als begehrenswerte Geliebte gesehen. Trotzdem gab es schon Bewerber um ihre Hand, die sie aber allesamt abgelehnt hat. Denn Daphne ist zwar nicht so blauäugig, dass sie auf eine Liebesheirat hofft, aber sie wünscht sich doch eine Zukunft mit einem Mann, den sie mögen und akzeptieren kann – und der dem Alter nach nicht ihr Vater sein könnte!

Da scheint eine Absprache mit Simon Basset, Duke of Hastings, die perfekte Lösung für Daphne zu bieten. Der attraktive junge Mann will den heiratswilligen Töchtern der Gesellschaft (und ihren wesentlich aggressiveren Müttern) deutlich machen, dass er nicht auf der Suche nach einer Frau ist und trotzdem am gesellschaftlichen Leben seiner alten Schulfreunde teilhaben können. So verabredet er mit Daphne, dass sie so tun, als ob sie aneinander interessiert wären. Er wäre so sicher vor den Avancen anderer Damen, die ihn damit in festen Händen vermuten, während Daphne – durch die Tatsache, dass ein Mann sich für sie interessiert – für die anderen Junggesellen deutlich attraktiver würde. Anfangs scheint der Plan der beiden sogar aufzugehen, doch dann entwickelt Daphne für den freundlichen Duke intensivere Gefühle und auch Simon ist von der Frau an seiner Seite bezaubert – doch eine Ehe kann und will der junge Mann trotz all seiner Verliebtheit nicht in Erwägung ziehen.

„Wie erobert man einen Duke?“ gehört zu einer ganzen Reihe von Liebesromanen, die mir Irina empfohlen hat – und die Geschichte war perfekt für einen Samstag, an dem ich einfach nur etwas schöne und entspannende Unterhaltung gesucht habe. Ich liebe ja die Geschichten von Georgette Heyer und so musste es sich auch dieser Regency-Roman gefallen lassen, dass ich ihn mit den Werken einer meiner Lieblingsautorinnen verglichen habe.

Julia Quinn schreibt deutlich direkter als Georgette Heyer es je getan hätte, was auch kein Wunder ist, wenn man überlegt, dass die eine Autorin gerade mal vier Jahre alt war, als die andere im Alter von 72 Jahren verstarb. Aber die Grundstimmung, der Humor und das Gefühl in eine andere Zeit eintauchen zu können, sind bei beiden Autorinnen sehr ähnlich. Die Dialoge von Georgette Heyer finde ich noch amüsanter, aber dafür bekommt man bei Julia Quinn eine Innensicht der Charaktere geboten, die ich sehr genossen habe. Es wird Julia Quinn zwar nicht gelingen Georgette Heyer von meinem ersten Platz unter den Regency-Roman-Autorinnen zu stoßen, aber mir haben die sympathischen Figuren, die unterhaltsame Geschichte und die Darstellung der Zeit so gut gefallen, dass ich Lust auf weitere Romane der Autorin bekommen habe.

Kerstin Gier: Rubinrot

Lange Zeit habe ich mich mit Händen und Füßen gegen „Rubinrot“ gewehrt, vor allem der Hype um die Fortsetzung hatte mir eigentlich jede Lust auf diese Geschichte genommen. Tja, und dann habe ich doch mal geguckt, ob meine Bibliothek das Buch hat und habe es vorgemerkt. Die Neugierde ist bei mir eben doch größer als der Dickkopf. Irgendwie hatte ich aber immer noch keine Lust es zu lesen, als es hier im Regal lag (abgesehen davon, dass ich noch genügend Romane hier habe, die ich eigentlich ganz schnell abarbeiten sollte). Aber dann ich wolle es auch nicht zurück in die Bibliothek schleppen, ohne einen Blick hineingeworfen zu haben. Zwei Stunden hat es gedauert, dann ich mit der Geschichte durch – und nett waren diese zwei Stunden!

Kerstin Gier erzählt in „Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten“ von Gwendolyn, die zusammen mit ihrer ungewöhnlichen Familie in London lebt. Jeder in ihrer Familie ist sich sicher, dass ihre Cousine Charlotte das seltene Gen geerbt hat, das es ihr erlauben wird, durch die Zeit zu springen. Doch eines Tages ist es Gwendolyn, die sich in einer vergangenen Epoche wiederfindet. Hofft sie anfangs noch, dass das ein Irrtum oder eine einmalige Sache war, muss Gwendolyn schnell lernen, dass sie diejenige ist, die nun die Aufgabe des „Rubin“ bei einer Gruppe von Zeitreisenden übernehmen muss.

Doch während Charlotte ihr Leben lang auf diese ungewöhnliche Tätigkeit vorbereitet wurde, hat Gwendolyn keine Ahnung, was nun von ihr verlangt wird und welches Wissen sie benötigt, um beim Reisen durch die Zeit zu überleben. Aber nicht nur ihre Familie, sondern auch die de Villiers gehören zu den Zeitreisenden – und der attraktive Gideon de Villiers ist nicht gerade erfreut darüber, in Zukunft mit einem absolut unvorbereiteten Mädchen durch die Zeit zu springen.

Durch die ganzen Rezensionen, die ich schon von dem Buch gelesen hatte, bin ich mit bestimmten Erwartungen an diesen Roman herangegangen. Doch statt einer zuckersüßen und kitschigen Liebesgeschichte habe ich eine (zum Glück) erfrischend lustige Handlung mit sympathischen Charakteren und einem interessanten Hintergrund vorgefunden. Mir hat diese Mischung aus Reisen in die Vergangenheit und den Passagen in der heutigen Zeit gefallen – und Gwendolyns beste Freundin Leslie gefällt mir. Sie glaubt nicht nur daran, dass Gwendolyn durch die Zeit reisen kann, sondern versucht sogar ihr mit so vielen Informationen wie möglich zur Seite zu stehen.

Aber vor allem die geheimnisvollen Wächter und der Graf von Saint Germain, der Gründer dieser Gruppe, die sich mit dem Zeitreisen beschäftigt, und seine Absichten machen mich neugierig – auch wenn man sich schon so einige Hintergründe denken kann. Außerdem finde ich Gwendolyn richtig nett und verfolge mit Interesse ihre Erlebnisse, ich mag ihre Freundin Leslie und den guten James und ich habe einige von Gwendolyns Familienmitgliedern ins Herz geschlossen. Oh, und ausnahmsweise hat mir auch das Zeitreise-Thema, mit dem ich normalerweise nicht so glücklich bin, in diesem Roman gefallen.

In Gwendolyns und Gideons Leben geht das Zeitreisen sehr organisiert vor sich. Um unkontrollierte Sprünge zu verhindern und die Ziele der Wächter durchzusetzen, wurde das Zeitreisen schon lange erforscht und Regeln für die Reisenden aufgestellt. Das befreit diese Sprünge in die Vergangenheit von dem üblichen Zeitreisenbalast und bietet der Autorin mehr Raum für die eigentliche Handlung und den Ausbau der Charaktere. Insgesamt hat mir „Rubinrot“ einen schönen und heiteren Nachmittag bereitet und nun warte ich darauf, dass „Saphirblau“ in der Bibliothek ausleihbar ist. 😉

Stephen King: Das Mädchen (Hörbuch)

Um Horror mache ich normalerweise einen Bogen – zumindest behaupte ich das immer, auch wenn diverse Horror-Manga und -Hörspiele in meinen Regalen zu finden sind, ebenso wie einige Romane, die man wohl theoretisch diesem Genre zuordnen kann. Hollys Challenge für das Jahr 2010 habe ich zum Anlass genommen, um mir ein paar Tipps geben zu lassen, welchen Autor ich doch mal ausprobieren sollte. Letztendlich bin ich bei Stephen King gelandet, um auch diese Bildungslücke zu schließen.

„Das Mädchen“ wurde mir als King-Anfänger-Geschichte empfohlen. Doch als Buch kam ich nicht so schnell an die gedruckte Fassung ran, aber dafür bot mir die örtliche Bibliothek eine ungekürzte Hörbuchfassung, die von Franziska Pigulla und Joachim Kerzel gelesen wird. Diese beiden Sprecher mag ich wirklich gerne, also war das eine mehr als akzeptable Alternative für mich.

Stephen King erzählt in „Das Mädchen“ die Geschichte von Trisha, die zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder eine Wanderung durch den Wald macht. Ihre Eltern haben sich vor einiger Zeit scheiden lassen und ihr Bruder kommt damit noch nicht so ganz zurecht. Vor allem belastet ihn der Umzug, der mit der Scheidung einherging, und der Umstand, dass er an seiner neuen Schule der absolute Außenseiter ist. Trisha übersteht das Ganze dank der Devise „Augen zu und durch“, sie versucht zwischen allen Beteiligten zu vermitteln und unterdrückt dabei nicht selten ihre eigenen Gefühle.

Doch bei dieser Wanderung ärgert sie sich darüber, dass ihre Mutter und ihr Bruder so mit Streiten beschäftigt sind, dass keiner von ihnen Trishs Wünsche und Bedürfnisse mitbekommt. So schlägt sie sich zum Pinkeln in die Büsche, ohne den beiden Bescheid zu sagen – und verirrt sich kurz darauf im Wald neben dem Appalachian Trial. Doch statt einfach stehen zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass sie schon gefunden wird, macht sich Trisha auf die Suche nach einem Weg und gerät immer tiefer in unwegsames Gelände.

Ich bin etwas zwiegespalten, wenn es um diese Geschichte geht. Die Grundidee gefällt mir und Stephen King hat sehr schön beschrieben, warum das Mädchen welche Entscheidungen trifft und wie sie dadurch immer tiefer in Schwierigkeiten gerät. Mir hat es gefallen, wie entschlossen und findig Trish mit ihrer Situation umgeht und ich fand es spannend zu verfolgen, wie es ihr allein in der Wildnis geht – und natürlich hat mich die Frage beschäftigt, ob sie überlebt.

Auf der anderen Seite hat der Autor nicht wenige Momente eingebaut, in denen Trish regelrecht philosophiert, in denen sie über Baseballweisheiten, die (nicht vorhandenen) religiösen Ansichten ihres Vaters und ihr Bedürfnis nach einem Gebet nachdenkt – und diese Teile fand ich unglaubwürdig. Hey, das Mädchen ist erst neun Jahre alt (na ja, schon fast zehn und groß für ihr Alter), da beschäftigt einen dieses Thema zwar, aber auf einer ganz anderen Ebene.

Außerdem wurden mir die Versuche künstlich Spannung aufzubauen, indem Trish von einem „ES“, einem „DING“, einem „Gott der Verirrten“ verfolgt wird, zu viel. Ich fand es deutlich aufregender, wie sie sich mit der Realität auseinandersetzen musste. Das Mädchen hat sich in einem Gebiet verirrt, in dem es so gut wie keine Menschen gibt, sie fällt Abhänge hinunter, wird von Wespen zerstochen, bekommt schreckliche gesundheitliche Probleme, weil sie sich von Farnen und Beeren ernährt, hat Angst im Dunklen (zurecht in einem Gebiet, in dem schließlich auch größere Raubtiere leben) und Hunger und Schlaflosigkeit führen zu Halluzinationen. Das sollte doch genug sein, um als Hörer/Leser Angst um die Kleine zu haben!

Ein anderer Punkt hat bei mir gleich zu Beginn zum Schmunzeln geführt und das war Joachim Kerzel. Er und Franziska Pigulla haben ihre Sache sehr gut gemacht – auch wenn ich gern wüsste, nach welchen Kritikpunkten entschieden wurde, wer welches Kapitel liest – , aber Joachim Kerzel ist mir vor allem als Sprecher der John-Sinclair-Hörspiele im Ohr. Und wenn ich dann als erstes diese Ortsangabe und diesen Satz „Juni 1998. Vor dem Spiel. Die Welt hatte Zähne. Und sie konnte damit zubeißen, wann immer sie wollte.“ von ihm vorgetragen bekomme, dann fühle ich mich (auch dank der musikalischen Untermalung, die ebenfalls Ähnlichkeiten aufweist) direkt in die Welt von Jason Dark versetzt. Und so gern ich die John-Sinclair-Hörspiele mag, so kann man von ihnen doch eher weniger behaupten, dass sie sprachliche Qualität besitzen. 😉

Nun gut, dieser Eindruck legte sich im Laufe der Zeit und auch an die regelmäßigen Wechsel zwischen der Männer- und der Frauenstimme habe ich mich schnell gewöhnt. Die beiden Sprecher haben zwar eindeutig andere Schwerpunkte in ihrem Vortrag gehabt, aber eigentlich gefiel mir das sogar. So konnte ich für mich mehr aus dem Text rausholen. Insgesamt muss ich wohl sagen, dass mich „Das Mädchen“ zwar gut unterhalten, aber nicht dazu animiert hat, mehr von King zu konsumieren. Grusel entsteht für mich – auch bei dieser Geschichte – mehr durch die Realität, als durch ein unheimliches „Es“.

Becky Cochrane: A Coventry Wedding

“A Coventry Wedding” ist die Fortsetzung von “Zimtsterne mit Zuckerkuss” („A Coventry Christmas”) und bislang leider noch nicht in Deutschland erschienen – und das Cover ist nicht schön … Hauptfigur dieser Geschichte ist Jandy Taylor. Sie kommt aus wohlhabendem Haus, wohnt in LA und steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem beliebten TV-Serien-Star Hudson Blake. Doch je näher der Termin rückt, desto mehr hat Jandy das Gefühl, dass die Feier nichts mehr mit dem zu tun hat, was Hudson und sie ursprünglich geplant hatten. Die Agentin des Schauspielers und Jandys Mutter haben die Hochzeit in Eigenregie zu einem medienwirksamen Ereignis ausgebaut – und dabei wollte die junge Frau doch nur ganz privat mit ihrem Liebsten zusammen sein.

Kurzentschlossen bittet Jandy um eine Verschiebung der Hochzeit und macht sich auf den Weg zu ihrem Großvater. Er ist der einzige Mensch, bei dem sie nicht das Gefühl hat, er würde irgendwelche großen Erwartungen in sie setzen. Bei ihm kann Jandy einfach sie selbst sein, auch wenn er sie immer damit neckt, dass sie nicht in der Lage wäre, jemals etwas zum Ende zu bringen. Doch als sie auf der Farm des Großvaters ankommt, muss sie feststellen, dass das Gebäude versperrt ist und die Bewohner verreist sind. Um nicht einfach gestrandet zu sein, fährt Jandy weiter – allerdings mit einem uralten Wagen ihres Großvaters, da sie ihr eigenes Auto schon verkauft hat.

So landet sie kurz darauf mit einem defekten Auto, in der Gesellschaft eines fremden Mannes namens Sam und einem ausgesetztem Hund, den die beiden aufgesammelt haben, in Coventry in Texas. Der kleine Ort steht kurz vor dem Godiva-Festival, dem Höhepunkt des Jahres für Touristen und Einheimische. Für Jandy aber entwickelt sich Coventry mit seinen hilfsbereiten und seltsamen Einwohnern für das perfekte Versteck vor einer Pressemeute, die von ihrer Mutter und Hudsons Agentin aufgehetzt, auf der Suche nach der „runaway bride“ sind.

Ich weiß selber nicht, warum ich die Geschichten von Becky Cochrane so mag, aber auch „A Coventry Wedding“ hat mich gut unterhalten. So banal die Handlung ist, so vorhersehbar die meisten Wendungen, so liebevoll werden die verschiedenen Szenen beschrieben. Es gibt kaum einen Charaktere, den ich in Coventry nicht mag, auch wenn ich Jandy manchmal gern ein wenig geschüttelt hätte, damit das Mädel ein bisschen Rückgrad entwickelt. Trotzdem gefällt es mir, dass sie sich für keine verrückte Aktion zu schade ist, wenn es ihren neu gewonnenen Freunden hilft.

Im Gegensatz zu „Zimtsterne mit Zuckerkuss“ gibt es hier keine literarischen Anspielungen, dafür kleine Szenen, die dem Leser Lust auf Kunst machen. Gaaanz zufällig bekommt Jandy die Möglichkeit während des Festivals in einer Galerie zu arbeiten und so flicht die Autorin immer wieder Beschreibungen von gegenständlicher und abstrakter Kunst ein. Mir persönlich kam der Gedanke, dass ich mal wieder zu Pinsel und Farbe greifen sollte. 😉

Insgesamt kann man „A Coventry Wedding“ wohl nur als nette kleine und auch ganz amüsante Geschichte bezeichnen, aber mir hat das Buch einen wunderbar entspannten Nachmittag verschafft – und ich bin sicher, dass ich es im Sommer noch einmal rauskramen werde, wenn ich Lust auf amüsante und etwas vorhersehbare Unterhaltung habe.

P.J. Tracy: Spiel unter Freunden

„Spiel unter Freunden“ ist der erste Krimi, der von dem Mutter-Tochter-Autorenduo „P.J. Tracy“, veröffentlicht wurde – und er hat mir eindeutig Lust auf mehr Romane dieser Art gemacht. 🙂 Zu Beginn findet sich der Leser in einer beschaulichen kleinen Stadt in Wisconsin wieder, wo der Pfarrer in der Nacht aus seinem Verdauungsnickerchen im Pfarrhaus erwacht und bemerkt, dass ein Auto vor seiner Kirche steht. Zu seinem großen Schreck findet er die Besitzer des Wagens tot im Gotteshaus. Das streng christliche Paar wurden brutal erschossen und mit einem Kreuz gezeichnet. Für den örtlichen Sheriff beginnt ein rätselhafter Fall, der schnell ein weiteres Todesopfer fordert.

Kurz darauf springt die Geschichte nach Minneapolis, wo man auf der einen Seite den Alltag der Spieleentwicklerin Grace McBride und auf der anderen Seite die Ermittlungen des Detective Leo Magozzi in mehreren ungewöhnlichen Mordfällen verfolgen darf. Obwohl für den Leser schnell klar ist, dass die Opfer in der Stadt genauso getötet werden, wie Grace und ihre Freunde dies für ein neues Spiel (in dem es um Mordermittlungen geht) geplant haben, und dass es natürlich irgendeine Verbindung zu dem Fall in Wisconsin geben müsste, entwickelt sich eine spannende und unterhaltsame Geschichte aus dieser Grundsituation.

Mit „Spiel unter Freunden“ präsentiert P.J. Tracy einen amerikanischen Kriminalroman, wie ich ihn früher viel und gerne gelesen habe. Klar werden die Verletzungen und die Umstände, die zum Tod geführt haben, beschrieben, aber ohne dass ich dabei jemals das Gefühl bekommen habe, hier wollte mich jemand mit einer Runde extragroßem Ekel schocken. Obwohl ich die ganze Zeit eine Ahnung bezüglich der Lösung und den Ermittlern – nicht nur aufgrund der Informationen, die ich als Leser zusätzlich hatte – einen Schritt voraus war, hatte ich nie den Eindruck, dass die dargestellten Polizisten dumm oder zu verbohrt waren oder erfolgreicher hätten sein können. Zusätzlich ist es den beiden Autorinnen gelungen meine Neugierde auf die Geschichte – und vor allem auf die Personen aufrecht zu erhalten.

Es hat richtig viel Spaß gemacht, die Charaktere kennen zu lernen und mit ihnen diese Geschichte zu erleben. Einige Leser werden vielleicht meinen, dass das Privatleben des Sheriffs und andere Details keinen Nutzen für die Handlung haben (und ich gebe zu, dass das Hörbuch auch hervorragend ohne diese Elemente funktioniert), aber für mich hat es deutlich zum Unterhaltungswert beigetragen. Natürlich wäre es kein Krimi, wenn nicht einige der Personen schon etwas tragisches in ihrem Leben hätten durchmachen müssen, aber P.J. Tracy gelingt es dabei nicht zu sehr zu übertreiben und eher zu betonen, dass diese Menschen trotz ihrer Erlebnisse so normal wie möglich ihren Alltag gestaltet haben und versuchen ihr Leben zu genießen. Naja, zumindest kann man das von allen behaupten – abgesehen vom Mörder!

Noch ein kleiner Nachtrag zur Hörbuchversion: Auch wenn ich schon eine Weile in der dritten CD hänge und nicht weiterkomme, so gefällt mir es mir! Die Geschichte funktioniert trotz der Kürzungen sehr gut und abgesehen davon, dass die Charaktere deutlich weniger detailliert dargestellt sind, vermisse ich nur wenige Szenen. Der Sprecher von „Spiel unter Freunden“ ist Burghart Klaußner. Bei den Männerstimmen finde ich ihn angenehm, bei den meisten Frauenstimmen auch, aber sobald er wie eine „sexy Lady“ klingen will, gruselt es mir! Hoch und quietschig ist einfach nicht verführerisch! Ich wünschte wirklich, dass männliche Hörbuchsprecher mal kapieren, dass eine unverstellte Stimme so viel weiblicher klingen kann als diese Falsettversuche es tun!

Nina Blazon: Im Bann des Fluchträgers (Woran-Saga 1)

Nach „Der Kuss der Russalka“ und „Die Sturmrufer“ habe ich in den letzten Wochen „Im Bann des Fluchträgers“ in Angriff genommen – Nina Blazons erster Erfolg im Bereich Jugend-Fantasy. Währen die Autorin sich (wenn ich nach diesen drei Büchern gehen kann) immer mehr von der klassischen Fantasy entfernte, um eigene oder historische Elemente einzuflechten, fühlte es sich für mich in der umgekehrten Reihenfolge so an, als ob ich mit jedem Roman weiter in vertraute Gewässer vorstoßen würde.

„Im Bann des Fluchträgers“ beginnt an einem verregneten Tag vor einer Burg. Der Junge Ravin kommt aus dem Tjärgwald mit einer erschütternden Botschaft geritten: Sein Bruder Jolon, ein Heiler, hat einen Fluchträger berührt und liegt nun im Sterben. Doch so sehr sich die Königin Jolon verpflichtet fühlt und helfen möchte, so sehr ist sie mit dringenderen Probleme beschäftigt. Das ganze Land hat sich in der letzten Zeit verändert, es wird kälter, stürmischer und die unheimlichen Hallgespenster treten in erschreckender Anzahl auf. Während die Königin zusammen mit Gesandten aus den Nachbarländern versucht die Ursache für diese Veränderungen zu finden und dagegen vorzugehen, kann sie Ravin nur wenig Hilfe bieten.

Immerhin bekommt der Junge von dem Rat der Zauberer den Hinweis, dass vielleicht im Grenzland eine magische Quelle zu finden sei, die Jolon retten könnte. Doch ob es diese Quelle wirklich gibt oder nicht, können die Zauberer nicht sagen, den ihre Existenz wird nur durch Sagen belegt. Ihm wird der (natürlich eher unfähige *g*) Zauberlehrling Darian zur Seite gestellt und die beiden Jungen bekommen von der Königin zwei Regenbogenpferde, die schneller als jedes andere Tier die Strecke bewältigen können. Doch im Grenzland angekommen, müssen die beiden Reisenden entdecken, dass nicht eins der vielen Gerüchte stimmt, die sie bislang über diese Region gehört hatten. Statt dessen geraten sie in einen Krieg zwischen dem Herrschenden und einer kleinen Rebellengruppe und noch bevor Ravin und Darian sich umgucken können, sind sie mitten im Kampfgeschehen.

Wie schon bei „Die Sturmrufer“ kann ich Nina Blazons fantastische Welt wirklich genießen. Ihr gelingt es die (für mich) richtige Mischung aus vertrauten Elementen und ganz eigenen Geschöpfen und Gebräuchen in ihrer Geschichte zu verwenden. So muss ich mir nicht ständig den Kopf zerbrechen, was es jetzt schon wieder mit einer Anspielung, einem Brauch oder einem Volk auf sich hat, finde aber immer wieder kleine ungewöhnliche Dinge, die mein Interesse wecken.

Obwohl Ravin und Darian auf den ersten Blick als „der Naturbursche“ und „der unfähige Zauberlehrling“ sehr klassische besetzt sind, haben mir die beiden ebenso gut gefallen, wie die weiteren Charaktere, die die Autorin im Laufe der Geschichte einführt. Ihre Reaktionen und Beweggründe sind recht realistisch und zum Teil auch sehr vielschichtig und machen sie sympathisch. Allerdings sind sie mir nicht so weit ans Herz gewachsen, dass ich mit ihnen so sehr mitfieberte, dass ich alles um mich herum vergaß.

Dafür haben es mir mal wieder die ungewöhnlichen Nebenfiguren angetan, wie die Feuernymphe, die ihr Herz für Ravin entdeckt, und der Naj (ein Wassergeschöpf), der auf seine ganz eigene Art versucht die Reisenden vor einer Gefahr zu warnen. Nina Blazons Fabelwesen sind angenehm „unmenschlich“, nicht böse, nicht gut, sondern einfach von ihrer Neugier und ihren Instinkten und Bedürfnissen getrieben. Auch gefällt es mir, dass sie für viele Orte, Geschöpfe und Erscheinungen Märchen erfunden hat, die sie geschickt in die Geschichte einflechtet und die meine Fantasie angeregt haben. Obwohl das „überraschende“ Ende für mich etwas zu vorhersehbar war, hat mir das Buch so gut gefallen, dass ich mir gleich den zweiten Teil der Reihe ertauscht habe. 🙂

Isabel Abedi: Whisper

Eigentlich war ich mir ja ganz sicher, dass ich von Isabel Abedi noch nie etwas gelesen hätte. Deshalb habe ich – nach all den lobenden Erwähnungen auf diversen Buchblogs 😉 – mal in der Bibliothek die Augen aufgehalten und mir „Whisper“ geschnappt, als es verfügbar war. Inzwischen habe ich mich durch mehr als zehn Amazon-Seiten geklickt und festgestellt, dass ich von der Autorin schon „Das 99. Schaf“ und „Lucy ist heute Piratin“ kenne. Allerdings wundert es mich nicht, dass ich mich an die Titel kaum noch erinnere, da ich die vor fast fünf Jahren für meinen damaligen Job konsumiert habe.

Immerhin ist „Whisper“ das erst Jugendbuch, dass ich von der Autorin lesen – und ich muss zugeben, dass es mich nicht genug motiviert, um nach weiteren Titel von Isabel Abedi Ausschau zu halten. 274 Seiten und sie zogen sich so lang hin, vor allem, da ich mich nicht traute ein anders Buch parallel zu lesen, denn dann hätte ich „Whisper“ wohl unvollendet zurück in die Bibliothek gebracht. Dabei ist nicht schlecht, nur auch überhaupt nicht gut oder gar mitreißend oder fesselnd oder interessant oder … 😉

Noa (eigentlich Nora, aber den Namen mag sie nicht) will den Sommer mit ihrer Mutter Kat (einer gefeierten Filmschauspielerin) und deren älteren Freund Gilbert (der nicht nur auf Esoterik, sondern auch auf Männer steht) in einem kleinen Haus auf dem Land verbringen. Keiner von ihnen hat sich das neue Feriendomizil schon einmal angesehen, die Vertragsverhandlungen wurden von Kats Assistenten übernommen und so birgt das Haus und der Zustand in dem es ist, vom ersten Moment an so einige Überraschungen für die ungewöhnliche Familie.

Für die notwendigen Renovierungen engagiert Kat David, der zusammen mit seiner Mutter und seinem behinderten Bruder beim örtlichen Wirt wohnt und aushilft. Von Anfang an fühlt sich Noa zu David hingezogen, dabei hatte sie an ihrem fünfzehnten Geburtstag ein Erlebnis, dass ihr das Vertrauen gegenüber Jungs genommen hat. Und auch David ist kein einfacher Typ, aufgrund seiner Familiengeschichte reagiert er auf viele Dinge empfindlich oder gar aggressiv.

Bei einer Seance, die nur ein Spiel sein soll und Gilbert zuliebe abgehalten wird, bekommen die beiden Hinweise auf ein Verbrechen, dass sich vor einigen Jahren in dem Haus zugetragen hatte. Gemeinsam versuchen sie die Informationen des Geistes, Spuren, die sie finden, und Erzählungen von Dorfbewohner auszuwerten und die ganze Geschichte hinter dem Tod der schönen jungen Eliza herauszufinden.

Vielleicht war ich einfach nicht in der Stimmung für eine Geistergeschichte, aber normalerweise ist das für mich kein Grund so wenig in eine Handlung hineinzufinden. Wenn es gut geschrieben ist oder interessante Charaktere vorhanden sind, dann fesselt mich eine Geschichte nach ein paar Seiten. Doch allein schon die Familienkonstellation ging mir auf die Nerven, ebenso Noas Verhältnis zu ihrer Mutter Kat. Natürlich fühlt sich das Mädchen von der egozentrischen und atemberaubend hübschen Schauspielerin vernachlässigt (und wahrscheinlich sogar zu Recht), aber mich hat es genervt davon zu lesen.

Noa, Kat, Gilbert und David sind so klischeebeladen, dass ich nur mit dem Kopf schütteln konnte. Gilbert liest das Gummibärchenorakel, sucht Antworten im Universum, diskutiert mit dem Dorfpfarrer über Geistererscheinungen und ist für Kat und Noa der väterliche Halt im Leben. Und auch David ist in seinem Auftritt als sternensüchtiger Freigeist mit der harten Schale und dem weichen Kern kein besonders origineller Typ. Sogar der Geist Eliza und all die Geschehnisse um sie herum, waren mir gleichgültig, da sie so wenig atmosphärisch beschrieben wurden.

Ich kann kaum glauben, dass Isabel Abedi immer solche Probleme damit hat Stimmungen aufzubauen, aber weder das Dorf, noch das Haus wurden für mich jemals greifbar. Immer wieder geht es Absatz um Absatz um die Renovierungen und Veränderungen an diesem Feriendomizil, aber (obwohl ich eigentlich grundsätzlich jede Passage rund um Handwerk und Handarbeiten liebe) es hat mich absolut nicht interessiert und schien mir nur inhaltslose Füllung der Seiten zu sein. Nachdem nun weder die Charaktere, noch die Umgebung oder gar das „Rätsel“ um Eliza mich interessierten, hat nur mein Dickkopf dafür gesorgt, dass ich das Buch beendet habe.

Nina Blazon: Die Sturmrufer

Nach „Der Kuss der Russalka“ ist „Die Sturmrufer“ der zweite Roman, den ich von Nina Blazon gelesen haben – und er hat mir noch besser gefallen. Vielleicht, weil es eine reine Fantasygeschichte ist, ohne die (wirklich interessanten!) historischen Bezüge, die die Geschichte um die Russalka hatte. Und natürlich habe ich erst danach „Im Bann des Fluchträgers“ (Woran-Saga 1) gelesen und festgestellt, dass „Die Sturmrufer“ in der gleichen Welt angesiedelt sind wie die drei Romane der Woran-Saga. *g*

So, nun aber erst einmal ein bisschen zum Inhalt: Die Küstenstadt Dantar wird seit längerer Zeit von einer Serie verheerender Stürme heimgesucht, die vermutlich keines natürlichen Ursprungs sind. Nach einem dieser magischen Unwetter gelingt es Amber, einer jungen Frau, die in den Bergen aufgewachsen ist, Arbeit bei einer Bergungstruppe zu finden. Zu viert sollen Amber, die Taucherin Sabin, der Navigator Tanijen und der Seiler Inu mit einem Ruderboot auf das Meer fahren und versuchen Ladung aus einem gesunkenen Schiff zu bergen.

Doch statt ihren Auftrag ausführen zu könne, werden sie von einem weiteren Sturm auf eine seltsame Insel im Auge eines Mahlstroms verschlagen. Dort finden sie in einem verlassenen Turm den Grund für die Stürme heraus. Geistererscheinungen und Ungeheuer bedrohen die vier auf diesem verlassenen Eiland und während sie noch einen Weg zurück nach Dantar suchen, müssen sie feststellen, dass wohl nur sie in der Lage sind den bösen Bann zu brechen und ihr Land zu retten.

Was mir an dieser Geschichte gleich ins Auge sprang, ist, dass Nina Blazon ihre fantastische Welt dem Leser ohne große Erklärungen gegenüberstellt. Wie schon bei Katja Brandis finde ich diese Vorgehensweise angenehm stimmig. Denn wenn man in einem Land wohnt, dann sind viele Traditionen und Verhaltensweisen für einen selbstverständlich und man erklärt sie nicht bei jedem Handgriff, damit der dumme Leser auch weiß, worum es geht. 😉 Allerdings hat die Autorin mit Amber eine Figur eingeführt, die an der Küste fremd ist und so kann man mit ihr zusammen die ungewöhnliche Stadt am Meer und ihre Bewohner kennenlernen. Wobei die Erklärungen schön stimmig für die Bergbewohnerin eingeflochten werden und der Leser alle anderen Dinge sich im Laufe der Geschichte selber denken kann.

(Kleine Nebenbemerkung: Der Name Amber, der auch in diesem Buch die Bedeutung Bernstein hat, hat mich allerdings ziemlich gestört. Denn kein anderer Namen hatte ansonsten eine erkennbare Bedeutung oder gehörte eindeutig in den englischen Sprachraum. Achja, es gibt laut Duden auch ein deutsches Amber, aber da fehlt dann die Bernsteinbedeutung … Aber vielleicht bin ich da wieder einmal zu kleinlich und müsste mich konsequenterweise auch über den Namen Sabin(e) aufregen, der schließlich auf den Stamm der Sabiner zurückgeht, die es in dieser fantastischen Welt wohl nicht gegeben hat. 😉 )

Für Amber ist die Zusammenarbeit mit den drei Leuten aus Dantar nicht gerade einfach, da diese eine gemeinsame Vorgeschichte (und Vorurteile gegen die Fremde) haben. Inu und Tanijen waren mal die besten Freunde und sind nun zerstritten, Sabin ist Tanijens Freundin und weiß doch nicht genug über ihn, um ihn vor Dummheiten zu bewahren. Außerdem ist die Taucherin immer noch damit beschäftigt, den Verlust ihres Bruders zu bewältigen, der vor einiger Zeit starb. All diese Probleme sorgen für Zwischentöne, die von Amber und dem Leser erst einmal gedeutet werden müssen. Dabei verwendet Nina Blazon auch das eine oder andere Klischee, diese werden aber so schön in die rätselhafte Handlung und die fantastische Umwelt eingeflochten, dass es wirklich nicht stört.

Vor allem hat mich die Welt gereizt, die die Autorin geschaffen hat. Weder in der Hafenstadt, noch auf der Insel hatte ich das Gefühl, dass es irgendwelche Unstimmigkeiten gäbe. Die Menschen, ihre Traditionen und Gebräuche fühlten sich beim Lesen realistisch an. Und die übernatürlichen Elemente werden so fein eingebaut, dass auch dies sehr schön stimmig wirkt. Die Tatsache, dass für mich so wunderbar schreckliche Geschöpfe wie Hallgespenster, Naj und Dschellar für die Figuren mehr oder weniger alltägliche Erscheinungen waren, ließen mich in diese Welt eintauchen. Und da störte es auch nicht, dass mich die Naj sehr an Nina Blazons Darstellung der Russalka in ihrem Buch über das historische St. Petersburg erinnerte. Ich werde auf jeden Fall irgendwann noch einmal „Die Sturmrufer“ in die Hand nehmen und mich wieder in die Stadt am Meer ziehen lassen. Oh, und wer nun neugierig geworden ist: „Die Sturmrufer“ ist gerade erst als „Die Magier der Winde“ (ja, mal wieder eine Titeländerung *seufz*) von cbt neu aufgelegt worden.

Christoph Marzi: Heaven – Stadt der Feen

Als David auf einem seiner Botengänge für die Buchhandlung „The Owl and the Pussycat“ seinen Weg über die Dächer Londons abkürzt, begegnet er dem Mädchen Heaven. Verstört sitzt sie auf einem Dach und behauptet, dass gerade zwei böse Männer ihr Herz gestohlen hätten. Obwohl David am Verstand des schönen Mädchens zweifelt, ist ihm klar, dass er sich um sie kümmern muss. Kurz darauf bestätigt ein Arzt im Krankenhaus, dass Heavens Herz fehlt und als die beiden Männer wieder auftauchen, die ihr Herz stahlen, flüchtet die beiden. Zusammen versuchen sie herauszufinden, warum Heaven noch am Leben ist – und was es mit den beiden unheimlichen Gestalten auf sich hat, die Jagd auf das Mädchen ohne Herz machen.

„Heaven“ hinterlässt bei mir sehr zwiespältige Gefühle, was vor allem an Christoph Marzis Sprache liegt. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich damit so meine Probleme habe. Der Autor verwendet sehr viele Be- und Umschreibungen, nimmt sich sehr viel Raum für Vergleiche, die poetisch sein sollen – und es nicht immer sind. Und so reißt er mich mit seiner Sprache immer wieder aus der Geschichte heraus. Ein Beispiel hatte ich schon mal hier gezeigt, ein weiteres ist ein Satz wie „Warmes Licht schimmerte in den Fenstern und beleuchtete die klassische alte Holzverkleidung, als glühe dort eine Seele, die aus den Geschichten der früheren und heutigen Besucher geboren worden war.“, denn der macht mich wütend.

Ich weiß, dass einige von euch das märchenhaft finden – und auch, dass es höllischen Spaß macht solche Sätze zu schreiben! 😉 – , aber während mir „Warmes Licht schimmerte in den Fenstern und beleuchtete die klassische alte Holzverkleidung.“ ein schönes Bild vermittelt, Stimmung schafft und dennoch Raum für meine eigene Fantasie lässt, fühle ich mich von dem angehängten Vergleich veralbert (um mal ein härteres Wort zu vermeiden 😉 ). Eine einfache und klare Ausdruckweise kann meiner Meinung nach so viel mehr Stimmung schaffen, als so eine überladene Sprache, die voller verquerer Vergleiche und unstimmiger Bilder ist.

So habe ich auf Seite 17 angefangen dieses Buch auf eine Art zu lesen, die ich mir eigentlich seit Jahren eher abtrainiere. Auf diese Weise bekomme ich die Handlung mit, aber keine stilistischen Feinheiten. Bei „Heaven“ gab es trotzdem noch genügend Schachtelsätze mit blumig-aufgeblasenen Beschreibungen, die mir ins Auge fielen, aber immerhin habe ich mich nicht mehr damit aufgehalten, mich darüber zu ärgern. 😉 Denn inhaltlich fand ich die Geschichte wirklich nett.

Die Grundidee ist nicht schon hundertmal ausgelutscht worden und die Mischung zwischen dem heutigen London und dem Rätsel um das fehlende Stück Himmel über der Stadt und die Vorgänge rund um Heaven wurden schön gemischt. Auch fand ich die Charaktere ganz sympathisch mit all ihren Eigenheiten. Doch vor allem haben mich Nebenfiguren und kleine Elemente am Rande angesprochen. Natürlich gefiel mir als Buchmensch die Buchhandlung „The Owl and the Pussycat“, aber auch der Geist von Sarah Jane Cavendish und der Buchsammler Mr. Merryweather haben mich gerührt.

Von der zum Teil unglaublich übertriebenen Sprache abgesehen habe ich mich gut unterhalten gefühlt und konnte gegen Ende auch die märchenhafte Geschichte genießen. Für mich ist der Roman kein Augenöffner – und auch kein Grund weitere Bücher von dem Autoren zu suchen –, aber ich habe auch nicht das Gefühl meine Zeit mit „Heaven“ vergeudet zu haben. 😉