Kategorie: Rezension

Ursula Poznanski: Erebos

„Erebos“ ist der erste Jugendroman der österreichischen Autorin Ursula Poznanski und damit ist ihr auf Anhieb eine wirklich faszinierende Geschichte gelungen! Eher langsam wird man als Leser in die Handlung eingeführt, in dem man erlebt, wie der sechzehnjährige Nick Dunmore auf einmal ständig von seinem besten Freund versetzt wird. Colin hat keine Erklärung dafür, warum er nicht mehr mit Nick abhängen will und sogar das Basketball-Training schwänzt.

So nach und nach kommt Nick dahinter, dass an der Schule eine seltsame DVD rumgeht, die man nur bekommen kann, wenn einem sie einer überreicht. Doch im Gegensatz zu den Raubkopien, die sonst schon mal an der Schule verbreitet wurden, redet niemand über das, was sich auf dieser DVD befindet. Der Schüler ist sich ziemlich sicher, dass die seltsamen Verhaltensänderungen seines Freundes mit dem Geheimnis der DVD zu tun haben – und greift deshalb begierig zu, als ihm auch eine angeboten wird.

Umso enttäuschter ist Nick, als er feststellen muss, dass sich darauf nur ein Rollenspiel mit dem Namen „Erebos“ befindet – und die langen Ladezeiten und der eher langweilige Anfang des Spiels sorgen fast dafür, dass er sich gar nicht näher mit diesem Spiel beschäftigen will. Aber da ist ja immer noch die Frage, warum seine Mitschüler von diesem Rollenspiel so fasziniert sind! Je mehr sich Nick mit „Erebos“ beschäftigt, desto mehr verfällt er diesem ungewöhnlichem Spiel. Schon bald wird ihm klar, dass es absolut einzigartig ist, da die Dialoge erkennen lassen, dass hier keine gewöhnliche Künstliche Intelligenz aktiv ist.

Noch interessanter sind allerdings die Verbindungen zu seinem realen Leben. Nick bekommt schon sehr früh im Spiel Aufträge, die er neben seinem Schulalltag erfüllen muss. Sind diese Aufgaben anfangs noch harmlos, so steigert sich das Risiko mit jedem weiteren Schritt, den der Junge in der virtuellen Realität macht. Bevor es Nick bewusst wird, ist er nicht nur süchtig nach „Erebos“, sondern auch viel tiefer in einen gefährlichen Plan verwickelt, als ihm lieb sein kann.

Ich fürchte, dass der große Schwerpunkt der Geschichte auf das Thema Rollenspiel vielleicht den einen oder anderen Leser abschrecken könnte. Sogar mir, die ich eigentlich sehr gerne Rollenspiele spiele, waren einige Passagen etwas zu lang (vor allem, da mich diese klassische RPG-Variante weniger reizt 😉 ). Doch Ursula Poznanski beschreibt selbst diese eher gezogenen Teile der Geschichte so lebendig und mit so vielen Verbindungen in Nicks reale Welt, dass man sie in einem Zug durchlesen kann – und dabei ständig nach weiteren Hinweisen auf die Identität der anderen Spieler sucht.

Doch vor allem das Wissen, dass irgendetwas an diesem „Spiel“ nicht stimmt, lässt einen gespannt die Geschichte verfolgen. Ich habe das Buch in einem Zug ausgelesen – und zwar nicht nur, weil ich mir dafür extra etwas Zeit genommen hatte, sondern auch weil ich es so spannend fand. Ständig habe ich überlegt, was hinter „Erebos“ steckt, habe gehofft, dass sich Nick aus diese Sucht befreien kann und mich über jedes neue Wissensbröckchen gefreut.

Mir hat es auch sehr gut gefallen, dass die verschiedenen Charaktere angenehm realistisch beschrieben werden. Natürlich passen einige von ihnen in die typischen „Schülertypenschubladen“, aber nur solange bis man sie näher kennenlernt. Dann gelingt es der Autorin jedem von ihnen so persönliche Facetten zu verleihen, dass sie den Leser einfach überzeugen. Auch der Schreibstil passt zu der spannenden Geschichte, obwohl ich die ziemlich kurzen Sätze anfangs erstaunlich gewöhnungsbedürftig fand. Aber trotz der zum Teil gehetzt wirkenden Erzählweise, war es immer gut lesbar – und erzeugte einen gewissen Druck beim Lesen, der die (vor allem gegen Ende) rasante Handlungentwicklung gelungen unterstützt hat. Wie ihr merken könnt, hat mir das Buch sehr gut gefallen – und ich werde auf jeden Fall meine Augen nach weiteren Jugendromanen der Autorin aufhalten!

Hans Werner Kettenbach: Das starke Geschlecht

In den letzten Jahren habe ich mich irgendwie zu einem „Fast-Food-Leser“ entwickelt und genieße vor allem eher leichte und unterhaltsame Romane, während ich mich als Teenager intensiv mit klassischer Literatur auseinandergesetzt habe. Damals habe ich zwar nicht jedes Buch verstanden (zumindest ist das im Nachhinein mein Eindruck), aber jeder dieser Klassiker hat mich nachhaltig beeindruckt. Doch auch heute stolpere ich immer wieder über Titel, die man eher von Literaturkritikern besprochen als auf den Bestsellerlisten sieht und die eine schöne Abwechslung zur leichten Unterhaltung bieten.

„Das starke Geschlecht“ ist so ein Titel, den ich mir vor allem aus Neugierde auf den Autor zugelegt habe – und nach einem kurzen Blick hinein landete das Buch erst einmal auf dem SuB. Denn statt einer Geschichte über einen Gerichtsstreit oder etwas ähnliches, wie ich es nach dem Klappentext erwartet hatte, bekam ich einen jungen Anwalt und ein recht betagtes Ehepaar, die alle drei ständig mit dem Thema Sex beschäftigt waren. Ohne Karis SuB-Losverfahren hätte ich es wohl auch so schnell nicht wieder aus dem Regal geholt, aber da Irina das Buch für mich nun mal gezogen hatte, musste ich mich da jetzt mal durchkämpfen. Und ein Kampf wurde es, denn ich konnte von der ersten Seite an mit den Figuren nichts anfangen.

Um mal das Positive herauszustreichen: Hans Werner Kettenbach verwendet eine schöne und klare Sprache (von ein paar Ausnahmen abgesehen, die durch die Charaktere, die in dem Moment zu Wort kommen, erklärt werden) und man merkt, dass er ein genauer Beobachter ist, der auch die kleinen Dinge sehr schön und detailliert beschreibt. Auch entdeckt man erst allmählich die vielen verschiedenen Schichten der unterschiedlichen Persönlichkeiten und lernt die Erzählweise des Autors zu schätzen (was leider nicht bedeutet, dass ich sie mag).

Trotzdem werde ich nach „Das starke Geschlecht“ wohl nie wieder zu einem Roman von Hans Werner Kettenbach greifen. Dieses Buch beginnt damit, dass der neunundzwanzigjährige Anwalt Alexander Zabel den Fabrikanten Herbert Klofft in einem Rechtsstreit vertreten muss. Der alte Mann hatte einer langjährige Mitarbeiterin fristlos gekündigt, da diese sich – seiner Meinung nach – durch einen Krankschreibung einen nicht genehmigten Urlaub erschlichen hatte. Erst langsam kommt Alexander dahinter, dass der Fabrikant mit der Klägerin Katharina Fuchs jahrlange ein Verhältnis hatte. Und nur durch die Informationen, mit denen ihn Cilly, die Ehefrau von Herbert versorgt, erfährt Alexander die nötigen Details, die er für die Verteidigung seines Mandanten benötigt.

Doch die Handlung plätscherte dahin und die Anklage gegen den Fabrikanten ist nur ein Vorwand für den Autor um die Beziehungen der verschiedenen Charaktere zueinander zu beleuchten. Leider konnte ich keine dieser Personen auch nur annähernd ausstehen! Ich mochte mich mit ihnen nicht beschäftigen – und das hat sich auch im Laufe der Geschichte nicht geändert. Herbert Klofft ist ein geiler alte Bock, dessen einziges Bedauern der Tatsache gilt, dass er im Alter nicht mehr zum Sex in der Lage ist. Dieser Punkt ist so viel schlimmer als die Krankheit, an der er gerade elend zugrunde geht. Also versucht er nicht nur wieder Gewalt über seine ehemalige Geliebte zu bekommen, sondern bezahlt auch eine Haushälterin und Pflegerin, die ihn regelmäßig animieren soll.

Jedes Detail über sein „Liebesleben“ erzählt er mit Genuss und unter Verwendung einer abstoßend obszönen Sprache seinem Anwalt und wirft bei mir die Frage auf, warum sich Alexander Zabel sowas überhaupt antut. Der ist in meinen Augen sowieso ein Weichei – um es mal freundlich zu umschreiben. Anfangs gefiel es mir, dass der Anwalt gewisse Grundprinzipien hat, die ihm anerzogen wurden und nach denen er auch als Erwachsener lebt. Er ist höflich, freundlich und pflichtbewusst und erst einmal nur ganz nett, aber langweilig. Doch in seiner Beziehung zu der Reporterin Frauke steht er gehörig unter dem Pantoffel und es wurde mir nicht klar, was diese beiden Personen überhaupt verbindet und warum er sich von ihr so viel gefallen lässt.

Außerdem fühlt er vom ersten Augenblick an eine starke sexuelle Anziehung zu Cilly Klofft. Dabei stören mich weder der Altersunterschied von 44 Jahren (er ist 29, sie 73) oder die Beschreibungen ihrer körperlichen Vorzüge (auch wenn ich da schnell an Operationen und Botox denken musste), sondern der Umgang der beiden miteinander und die Art und Weise wie dieser beschrieben wurde. Er fühlt sich fasziniert von dieser Frau – und abgestoßen von seinen eigenen Gefühlen – und sie spielt mit ihm, reizt ihn immer wieder, will ihn verführen und nimmt ihn doch nicht ernst.

Es gab bei diesem Buch kaum ein Kapitel bei dem ich mir nicht gewünscht habe, ich könnte es einfach aus der Hand legen und müsste mich nicht mehr mit diesen unangenehmen Personen beschäftigen. Nicht einmal das Mitleid, das im Laufe der Handlung gegenüber den verschiedenen Figuren aufkam, konnte diese Gefühle mildern. Auf der anderen Seite habe ich den Roman als Herausforderung gesehen, wurde trotzig und war wild entschlossen ihn zum Ende zu bringen. So habe ich mich irgendwann in einer Woche durchgekämpft und zwischendurch sogar über Sex, Liebe, Beziehungen und das Altern nachgedacht – und kann nun behaupten, dass dieser Autor (wenn ich von diesem Titel auf sein Gesamtwerk schließen darf) nichts für mich ist!

Immerhin ist nun der SuB wieder um ein Buch geschrumpft und ich kann für mich endlich diese Runde von Karis Losverfahren abschließen.

Simone Buchholz: Revolverherz

Da demnächst der zweite Teil (mit dem schönen Titel „Knastpralinen“) um die Staatsanwältin Chas Riley bei mir eintreffen wird, dachte ich, dass es an der Zeit sei „Revolverherz“ mal auf meinem Blog vorzustellen. Ich muss gestehen, dass mich das Cover mit der auffälligen Leuchtreklame doch eine Weile vom Lesen abgehalten hat, obwohl mich ein Hamburg-Krimi, der auf dem Kiez spielt, schon sehr reizte.

Aber sehr viel Krimihandlung darf man sich von diesem Roman nicht erwarten, denn vor allem dreht sich das Buch um Chastity „Chas“ Riley – und natürlich um den Hamburger Stadtteil St. Pauli. Als innerhalb kürzester Zeit drei tote Frauen auf dem Kiez gefunden werden, wird Chas mit den Ermittlungen in diesen Fällen beauftragt. Zusammen mit dem Hauptkommissar Faller versucht die junge Frau mehr über die Opfer herauszufinden und zu klären, welche Umstände dafür gesorgt haben, dass sie in das Visier eines Serientäters gelangen konnten.

Dabei hat Chas eigentlich gerade so viel mit ihrem eigenen Gefühlschaos zu tun, dass sie nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf den Fall richten kann. Wie es sich für eine etwas klischeebelastete Krimihauptfigur gehört, hatte auch diese Staatsanwältin keine einfache Jugend. Schon als Kleinkind wurde sie von ihrer Mutter verlassen und an ihrem zwanzigsten Geburtstag fand sie die Leiche ihres Vaters. Der hatte freundlicherweise beschlossen, dass dies der perfekte Tag für einen Selbstmord sei. So vorbelastet hat die gute Chas so einige Bindungsängste – was natürlich nicht besser wird, als sie feststellt, dass sie sich in den deutlich jüngeren Nachbarn „Klatsche“(zu diesem Namen verkneife ich mir lieber einen ausführlichen Kommentar) verliebt hat. Aber auch ein durch ihrer Freundin Carla vermitteltes Date mit einem eher unterkühlten Theaterintendanten bringt weitere Aufregung in Chastitys Leben.

Wenn man jetzt mal guckt, wieviel ich zum Krimi und wieviel ich über die Hauptfigur geschrieben habe, dann bekommt man schon ein ungefähres Gefühl über die Gewichtung in diesem Roman. Wer also reine Krimihandlung haben möchte, der sollte die Finger von diesem Buch lassen. Oh, ebenso alle Personen, die es nicht mögen, wenn etwas in der Ich-Perspektive geschrieben wurde! Denn genau aus dieser Sicht erlebt man die ganze Geschichte – und somit auch hautnah Chas gesamtes Seelenleben mit allen Höhen (eher spärlich vorhanden) und Tiefen (in großen Mengen).

Es gibt wirklich viel, was mich an der Handlung gestört hat. So wusste ich schon beim ersten Erscheinen des Täter, dass dieser der Mörders ist. Auch sucht man den Realismus bei diesen „Ermittlungen“ wohl eher mit der Lupe – zumindest gehe ich stark davon aus, dass eine Staatsanwältin mit dieser Arbeitshaltung, die nur ab und an mal für ein paar Minuten in ihrem Büro auftaucht und sich dafür den restlichen Tag eher treiben lässt, schnell gefeuert würde. Auch ihre „besondere Fähigkeit“ sich in die Psyche des Täters hineinzuversetzen hat mir nur ein müdes Gähnen abgerungen. Sorry, aber ich habe einfach schon zu viele (und zum Teil erschreckend schlechte) amerikanische Profiler-Serien gesehen.

Wahrscheinlich fragt ihr euch jetzt, warum ich überhaupt den zweiten Band lesen werde? Es ist so, dass man jeder Seite anmerkt, dass die Autorin sich in St. Pauli verliebt hat und dieses Buch ist eine einzige Liebeserklärung an diesen Stadtteil. Hier kommen auf einmal Details, die mich fasziniert haben und das Bedürfnis weckten, mit diesem Roman in der Hand ein paar Tage in Hamburg zu verbringen und zu gucken, wie die beschriebenen Ecken wirklich aussehen. Von der eher konservativen Wohngegend über die einschlägigen Viertel bis zum Hafen wird man in dieser Geschichte geführt und empfindet – dank dieser liebevollen Darstellungen – eine gewisse Zuneigung zu diesem Teil der Stadt.

Da sich diese Liebe zu St. Pauli durch das ganze Buch zieht, konnte ich die eher belanglose Krimihandlung ein wenig zur Seite drängen und mich auf diesen Part konzentrieren. So gesehen übte „Revolverherz“ einen gewissen Reiz auf mich aus. Und während ich sonst mit allzu blumigen Beschreibungen nur wenig anfangen kann, empfand ich einige der ungewöhnlichen Vergleich der Autorin als sehr stimmungsvoll. Ebenso wie die Dialoge, die für meinen Geschmack gerade genug Dialekt aufwiesen, um atmosphärisch zu sein, ohne dass die Lesbarkeit darunter litt. So bin ich gespannt, wie Simone Buchholz die zweite Geschichte um Chas Riley angelegt hat und hoffe ein wenig, dass auch dieses Buch eine Liebeserklärung an St. Pauli sein wird – und vielleicht trotzdem etwas mehr Realismus aufzuweisen hat.

Kerstin Gier: Saphirblau

Nach „Rubinrot“ ist „Saphirblau“ der zweite Band der „Liebe geht durch alle Zeiten“-Trilogie von Kerstin Gier. Ich war ja anfangs etwas skeptisch, da ich mit den ganzen hochgejubelten Büchern in letzter Zeit regelmäßig auf die Nase gefallen bin oder zumindest konnte ich die Begeisterung nur selten ohne Einschränkungen teilen. 😉 Aber „Rubinrot“ hat mir wirklich gefallen, da es eine Geschichte mit einem ungewöhnlichen Ansatz und sympathischen Figuren mit erfrischendem Humor erzählt. So habe ich mich natürlich auch gleich nach dem Lesen des ersten Bandes auf in der Bibliothek auf die Vormerkliste für „Saphirblau“ setzen lassen (und freue mich außerdem noch darüber, dass diese Buch auch für Karis YA-Book-Challenge gezählt werden kann *g*).

„Saphirblau“ setzt direkt an die Handlung von „Rubinrot“ an. Gerade mal ein paar Tage ist es her, dass Gwendolyn herausfand, dass sie das Zeitreise-Gen ihrer Familie geerbt hat und nun überschlagen sich die Ereignisse für sie. Nur mühsam kann sich das Mädchen daran gewöhnen, dass sie nun jede Tag vorsichtshalber für ein paar Stunden in die Vergangenheit zu springen hat – und von der Idee, dass sie in dieser Zeit in einem düsteren Kellerraum in dem Gebäude der Wächter ihre Hausaufgaben machen kann, ist sie auch nicht begeistert.

Doch vor allem hier Verhältnis zu Gideon hält Gwen auf Trab. Der junge Zeitreisende küsst sie in dem einen Moment leidenschaftlich, nur um sie kurz darauf wieder von sich zu stoßen. Gwendolyn hat keine Ahnung, wie sie mit so einem Verhalten umgehen soll – und nur langsam kommt sie dahinter, dass sie zwar in Gideon Gefühle weckt, er sich aber noch nicht dazu durchringen kann, ihr zu vertrauen. Denn innerhalb der Gruppe der Zeitreisenden scheint es einen Verräter zu geben, der verhindern will, dass Gideon auch die letzten Blutproben für den geheimnisvollen Chronografen sammeln kann, um damit die Aufgabe des Grafen von Saint Germain zu erfüllen.

Wirklich viele neue Erkenntnisse hat dieser zweite Band der Trilogie nicht gebracht, kritisch betrachtet dient „Saphirblau“ als Bindeglied zwischen dem Auftakt und dem Abschluss von „Liebe geht durch alle Zeiten, ohne die Handlung groß weiter zu bringen. Doch Kerstin Gier hat diesen Roman dazu genutzt, um das Verhältnis zwischen Gwen und Gideon weiter auszubauen, mehr Details über die Gesellschaft der Wächter und ihre Gegenspieler zu verraten und neue Charaktere einzuführen. Einer davon ist der kleine Wasserspeierdämon Xemerius, der sich als erstaunlich nützlich für Gwen erweist.

Was den kleinen Wasserspeier angeht, so bin ich nicht so absolut hingerissen von dem Kerlchen, wie so manch anderer Leser das zu sein scheint. Aber immerhin dienen die Informationen, die er für Gwen besorgt, dem Fortgang der Handlung – und dafür bin ich dem Dämonchen doch sehr dankbar. 😉 So hat mir auch „Saphirblau“ wie schon der erste Teil der Trilogie einen amüsanten und unterhaltsamen Nachmittag beschwert, ohne besonderen Tiefgang, aber mit lustigen Szenen im historischen London, der Erkenntnis, dass Gwen mir ein bisschen unheimlich ist, wenn sie zuviel Punsch getrunken hat >g< und einer Erklärung dafür, was Lucy und Paul bewogen hat, die Gesellschaft der Wächter zu hintergehen, indem sie den ursprünglichen Chronografen stahlen. Kurz gesagt, es war eine nettes Leserlebnis und ich freue mich auf den dritten Teil, auch wenn ich auch den wohl erst wieder aus der Bibliothek ausleihen werde.

Ariana Franklin: Die Teufelshaube

„Die Teufelshaube“ ist Ariana Franklins zweiter Roman um Adelia Aguilar, eine Sizilianerin, die an einer der modernsten Schulen ihrer Zeit Medizin studiert hat und nun in England lebt. All das wäre nicht so besonders, wenn die Geschichten rund um diese energische Frau nicht zur Regentschaft Heinrich II. spielen würden. Im rückständigen England ist es nicht nur absolut unvorstellbar, dass eine Frau als Ärztin arbeitet (mal davon abgesehen, dass es hier so etwas wie eine fundierte Ausbildung in diesem Bereich gar nicht gibt), sondern die Tatsache, dass Adelia sich auch noch auf die Untersuchung von Verstorbenen spezialisiert hat, wäre ein Grund sie als Hexe hinzurichten. Achja, man kann „Die Teufelshaube“ auch ohne Vorwissen aus „Die Totenleserin“ verstehen, aber ich persönlich würde doch empfehlen die Bücher der Reihe nach zu lesen.

Bei „Die Totenleserin“ habe ich mich wirklich gut amüsiert. Adelia war in dem Buch eine toughe Frau, die mit den Sitten in England nur schlecht zurechtkam. Allein die Tatsache, dass sie ihren Begleiter Mansur (ein Sarazene) als Arzt ausgeben musste, damit sie seine Assistentin spielen konnte, ging ihr gehörig gegen den Strich. Aber sie war nun einmal vom sizilianischen König losgeschickt worden, um zusammen mit dem königlichen Ermittler Simon für Heinrich II. eine Reihe von Kindsmorden aufzuklären. Tja, die Sache hat sie dann so gut gemacht, dass Heinrich sie nicht wieder gehen lassen wollte – und nun sitzt Adelia in England fest und versucht sich in „Die Teufelshaube“ irgendwie mit der Situation zu arrangieren.

Natürlich bekommt sie zu Beginn des Buches wieder einen Auftrag aufs Auge gedrückt, dieses Mal geht es um einen erfolgreichen Mordanschlag auf Rosamund Clifford, die Geliebte Heinrich II. und die einzige Frau, mit die Königin sich nicht abfinden kann. Nur wenn es Adelia gelingt nachzuweisen, wer diese Frau vergiftet hat – und vor allem, dass dies nicht im Auftrag der Königin geschah – lässt sich ein Bürgerkrieg in England vermeiden. Doch die Medizinerin ist erstaunlich wenig an diesem Fall interessiert. Gerade erst ist sie Mutter geworden (natürlich ohne einen passenden Ehemann dabei, wie es sich für eine anständige Frau gehören würde) und nun kreisen all ihre Gedanken um ihr Kind.

Tja, und das ist das große Problem an diesem Buch! Im ersten Band war Adelia eine unglaublich neugierige Wissenschaftlerin, die sich in einem Problem verbeißen konnte ohne dabei auf ihre Umgebung – oder gar auf Gefahren für ihr eigenes Leben – zu achten. Nun aber lässt sie sich schon von jeder Kleinigkeit einschüchtern, ist trotzig und passiv und eigentlich nur daran interessiert, wie sie ihren Hintern aus dieser Sache wieder rausbekommt.

Hier bastelt Ariana Franklin zwar auch die eine oder andere stimmungsvolle „Familienszene“ ein, aber überzeugend entwickelt sie Adelia so nicht weiter. Wirklich aktiv ist die Medizinerin nicht an der Lösung des Problems beteiligt, wirkt statt dessen wie ein hilfloses Püppchen, das nach Belieben der verschiedenen Parteien positioniert wird. Ohne die wunderbar kauzigen Nebenfiguren, wie ihre alte Freundin Gyltha oder der Sarazene Mansur (der hier allerdings auch keine so große Rolle spielt) und ein paar wunderbar moderne Nonnen, hätte ich die Geschichtewohl noch lustloser zu Ende gelesen.

Dabei hat die Grundgeschichte wieder sehr viel Potenzial und man kann einfach nicht übersehen wie gründlich die Autorin all die Details recherchiert hat. Das Lebensgefühl der Menschen kommt hervorragend beim Leser an. Die Abhängigkeit der Bevölkerung von der Willkür der Adeligen, das Leben in einem Nonnenklostern, die Hintergründe zu Eheschließungen und anderen Verbindungen, all das ist wirklich gut beschrieben – und die eher moderne Sprache sorgt für eine gute Lesbarkeit. Aber bei all den Details fehlt diesem historischen Kriminalroman einfach eine packende Geschichte.

Ich fand zwar die Intrigen interessant und wieder hatte ich das Gefühl all die verschiedenen Adeligen etwas besser einsortieren zu können – und zu verstehen in welchem Verhältnis sie zueinander stehen und welcher Anlass welchen (Bürger-)Krieg ausgelöst hat, aber der Kriminalfall war mir einfach egal. Nach dem doch deutlich spannenderen Roman „Die Totenleserin“ hatte ich mir wirklich mehr von der Autorin erhofft – und bin letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass mir ein Sachbuch über diese Zeit wohl mehr Vergnügen bereitet hätte als diese Geschichte.

Julia Quinn: Wie bezaubert man einen Viscount?

Ich hatte ja schon erzählt, dass ich nach dem Genuss von „Wie erobert man einen Duke?“ der Versuchung nicht widerstehen konnte und mir auch noch die folgenden beiden Bände „Wie bezaubert man einen Viscount?“ und „Wie verführt man einen Lord?“ gekauft habe (und ja, „Penelopes pikantes Geheimnis“ ist auch inzwischen – und natürlich ganz zufällig! – in meinen Besitz gelangt). Da mir der erste Teil rund Daphne Bridgerton so viel Spaß gemacht hat und mich an die amüsanten Romane von Georgette Heyer erinnerte, habe ich „Wie bezaubert man einen Viscount?“ auch gleich verschlungen.

Das Buch handelt von Daphnes ältestem Bruder Anthony und Kate, die gerade zusammen mit ihrer jüngeren Schwester in die Gesellschaft eingeführt wird. Üblich ist es nicht, dass zwei Schwestern gleichzeitig das gesellschaftliche Parkett betreten, aber die verwitwete Mutter hat einfach nicht genug Geld, um eine zweite Saison in London zu finanzieren. So hoffen alle, dass die wunderschöne und liebenswerte Edwina einen Mann erobern wird, der in der Lage ist ihre Familie in eine gesicherte finanzielle Situation zu versetzen.

Ob Kate hingegen einen potenziellen Ehemann von ihren Vorzügen überzeugen kann, ist fraglich – und so konzentriert auch sie sich darauf, ihre Schwester so weit wie möglich zur Seite zu stehen. Und ihre Aufgabe erstreckt sich, nach Ansicht der energischen jungen Dame auch darauf, unerwünschte Bewerber um Edwinas Hand zu vergraulen. So auch Anthony Bridgerton, der nicht nur einen Ruf als Schürzenjäger hat, sondern auch unumwunden zugibt, dass Edwina ihm eigentlich recht gleichgültig ist – von der Tatsache abgesehen, dass sie einfach eine passende Ehefrau für einen Mann seiner Position abgeben würde.

Was Anthony allerdings verschweigt, ist die Tatsache, dass der junge Mann seit dem überraschenden Tod seines Vaters vor einigen Jahren nicht nur davon überzeugt ist, dass er selber auch früh sterben wird, sondern auch, dass er keine Ehe führen will, in der sich die Partner so sehr lieben, wie seine Eltern es taten. So richtig überzeugend fand ich Anthonys gesamte Argumentation nicht, eigentlich schien er viel zu vernünftig zu sein, um sich auf solche Ideen zu versteifen, aber nun gut, die Autorin benötigte halt eine konfliktfördernde Grundvoraussetzung.

Natürlich verlieben sich Kate und Anthony auf den ersten Blick in einander – und wollen es beide nicht wahrhaben. Für sie ist er der Schurke, den sie von ihrer Schwester fernhalten muss, während Kate für den Viscount eine viel zu große Versuchung darstellt, da er doch eine Vernunftehe eingehen will. Nachdem sie aber auf einem Ball – vollkommen unverschuldet natürlich – in eine pikante Situation geraten sind, müssen sie heiraten und sich miteinander arrangieren.

Ich muss zugeben, dass der Teil der Handlung rund um Kate, die ihre Schwester beschützen will, mich sehr an Georgette Heyer erinnerte – und mir schon gefallen hat, auch wenn Julia Quinn diesen Part der Geschichte recht flüchtig abgehandelt hat. Und auch mit Anthonys seltsamen Überzeugungen konnte ich gut leben, da der Roman einfach wunderbar unterhaltsam geschrieben ist. Ich mag die amüsanten Dialoge, ich mag die verschiedenen Charaktere und ich liebe die Familie Bridgerton! So war es für mich überhaupt kein Problem eventuell störende Elemente zu ignorieren und mich einfach nur in dieses Buch fallen zu lassen.

Die schwachen Grundvoraussetzungen vergiss man beim Lesen einfach, wenn man verfolgt, wie die beiden Protagonisten mal bissig, mal doppeldeutig miteinander diskutieren, wenn man miterlebt, wie Kates Hund mal wieder für eine gesellschaftliche Katastrophe verantwortlich ist oder wie die Bridgertons zusammen Kricket spielen. Hier kommen die verschiedenen Charaktere ebenso schön zum Tragen, wie die Fähigkeit der Autorin kurzweilige Dialoge zu schreiben, die einem ein beständiges Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Wenn man bereit ist den inneren Kritiker mal abzuschalten, dann bekommt man mit „Wie bezaubert man einen Viscount?“ einfach ein Buch mit Wohlfühlfaktor präsentiert.

Bettina Belitz: Splitterherz

 

Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.

Bei dieser Rezi beschränke ich mich mal für die Inhaltsangabe auf den Klapptentext – das gibt mir mehr Raum, um über mein Leseerlebnis zu schreiben. 😉

In letzter Zeit überkommt mich ja immer wieder das Gefühl für bestimmte Geschichten einfach zu alt zu sein. So auch bei Splitterherz … Ellie hat mir auf den ersten 200-300 Seiten das Lesen gründlich vermiest und ich musste mich schon überwinden, um die erste Hälfte des Buches hinter mich zu bringe. Ich kann damit leben, dass eine Hauptfigur ständig heult und sich nicht immer vernünftig verhält, aber dieses Mädchen ist mir wirklich auf die Nerven gegangen und ich musste mir nach einer Pause immer eine Ruck geben, um nicht auf einen anderen Roman auszuweichen.

Okay, es ist wirklich nicht schön, ein Jahr vor dem Abitur die Schule zu wechseln, und es ist nicht schön, seinen Freundeskreis verlassen zu müssen, aber muss sich Ellie deshalb so kindisch verhalten? Vor allem ist ja doch recht schnell klargestellt worden, dass ihre allerbesten Freundinnen auch nicht gerade die Menschen waren, die sie glücklich machten, und dass sie sich ständig verstellen musste, um überhaupt ihre Anerkennung zu erhalten. Einzig die Hoffnung, dass hinter diesem irrationalen Benehmen mehr steckt, als anfangs zu sehen ist, hat mich bei der Stange gehalten. Wobei mich auch hier die von der Autorin gelieferten Hintergründe nicht wirklich befriedigt haben. Okay, Ellie hat einen Grund, warum sie ständig heult und warum es ihr schwer fällt mit andere Menschen Umgang zu haben, aber mir fehlte eine richtige und greifbare Erklärung für diese Fähigkeit.

Dann der Teil, der sich um Colin dreht. Ganz ehrlich, im Prinzip ist die Handlung nun nicht so viel anders aufgebaut als in einer der unzähligen romantischen Vampirgeschichten, die seit ein paar Jahren den Buchmarkt überschwemmen. Aber ich muss zugeben, dass ich die Figur des Colin mochte – und ich mag die Idee, die hinter seinem Charakter steckt. Ich verkneife mir jetzt mal einen Spoiler, denn ich habe mich wirklich geärgert, dass einige Rezensionen schon verraten, was Colin ist! So ist mir doch eine Menge Spannung verloren gegangen und ich habe während des Lesens darauf gewartet, dass dieser Punkt in der Geschichte endlich angesprochen wird.

Aber sich mit Colin auf einen kaum genutzten Mythenbereich zu stützen, damit hat sich Bettina Belitz meine Anerkennung verdient. Ich finde, dass sie diese Grundidee wirklich reizvoll ausgebaut hat – und siehe da, die zweite Hälfte des Buches, hat mir dann auch deutlich besser gefallen! 🙂 Ellie war lange nicht mehr so wehleidig (na ja, sie hatte auch nicht mehr so wirklich viel mit ihren Mitschülern zu tun), dafür war sie damit beschäftigt hinter Colins Geheimnis zu kommen und herauszufinden, warum ihr Vater so ein Problem damit hat, dass sie sich mit Colin trifft. Am Ende gibt es noch einige „Action“ mit spannenden und amüsanten Momenten – und auch wenn ich mit dem Schluss so wie er jetzt ist sehr zufrieden bin, so hat mich die zweite Hälfte mit der Geschichte so sehr versöhnt, dass ich auch Lust auf eine (gut gemachte!) Fortsetzung hätte.

Insgesamt hätte diesem Roman meiner Meinung nach eine kräftige Straffung geholfen und Ellie hätte nicht ganz so ausführlich (und jämmerlich) aufgebaut werden müssen. Dafür gibt es ein paar andere Charaktere (vor allem Colin), die ich interessant oder amüsant fand. Auch ist mir aufgefallen, dass die Autorin mit ihrem Erzählstil sehr schön Stimmungen herbeirufen kann. Ihr Wald ist mal bedrohlich, mal sonnig und wunderschön. Wenn sie ein Gewitter beschreibt, dann kann ich es vor mir sehen – und vor allem die Szenen, in denen wirklich viel los war, haben mir richtig gut gefallen. Mehr davon und weniger Gefühlsduselei – und ich hätte mich mit dem Anfang nicht so schwer getan!

Bruce Coville: Die Einhorn-Chroniken 2

Hatte der Loewe-Verlag im ersten Band der deutschen Veröffentlichung dem Leser zwei amerikanische Romane präsentiert, so bekommt man mit „Die Einhorn-Chroniken 2 – Das Geheimnis des Flüsteres“ die deutsche Version des dritten Teils von Bruce Coville geboten. Wie man dem Nachwort entnehmen kann, hat der Autor acht Jahre gebraucht, um diese Fortsetzung zu schreiben – und überraschenderweise habe ich keinen Bruch zwischen den ersten beiden Geschichten und dieser bemerken können.

Für den Leser schließt die Handlung ziemlich direkt an „Das Tor zwischen den Welten“ an. Caras Großmutter ist gerade erst die Königin der Einhörner geworden und die Bedrohung durch die Jäger, die versuchen die magische Welt Kirin zu erreichen, um die Einhörner zu vernichten, besteht immer noch. So bekommt Cara den Auftrag zusammen mit einer Gruppe aus drei Einhörnern, dem Zwerg Grimwald und dem lustige Skijum in das Tal der Zentauren zu reisen. Der Anführer der Zentauren könnte nämlich ein paar Informationen über den geheimnisvollen Flüsterer haben, der laut einer (leider verstümmelten) Prophezeiung, die sich in den Chroniken der Einhörner befand, für die magischen Geschöpfe eine noch größere Bedrohung darstellt, als es die Jäger sind.

Auch Caras Vater Ian Hunter, der sich inzwischen vollständig von den Jägern und seiner Ahnenfrau Beloved abgewendet hat, ist mit einer wichtigen Mission unterwegs. Während er seiner Tätigkeit als Jäger nachging, hatte Beloved die Seele seiner Frau Martha in das Regenbogengefängnis gesperrt. Doch nun hat Ian von seiner Tochter einen Rubin überreicht bekommen, der als Schlüssel zu diesem übernatürlichen Gefängnis dient – und endlich besteht die Hoffnung, dass es ihm gelingen könnte, seine Frau zu befreien.

Bruce Coville entwickelt die Geschichte genauso märchenhaft weiter, wie sie in „Das Tor zwischen den Welten“ begann. Wunderschöne magische Momente und schreckliche Gefahren werden hier zu einer spannenden und überaus unterhaltsamen Handlung verwoben. Ganz ehrlich, ich mag diese Bücher wirklich gerne! Allerdings gibt es schon ein paar Stellen, die in Anbetracht der Altersempfehlung des Verlages (ab 10 Jahren) ganz schön heftig sind. Die Einhörner werden von den Delfern angegriffen und werden nicht nur schwer verletzt, sondern es gibt auch einen Toten. Auch ein Überfall dieser unheimlichen Rasse auf das Haus der Erdzauberin M’Gama endet für einen der sympathischen Charaktere tödlich.

Doch trotz – oder vielleicht gerade wegen dieser düsteren – Momente, habe ich diesen Roman richtig genossen. Die Handlung ist spannend und voller magischer Details, die einen an klassische Märchen erinnern und einem doch ganz neu und anders vorkommen. Bruce Covilles Erzählstil ist so einfach, wie es sich für ein Kinderbuch gehört, und für mich deshalb auch besonders eindringlich. Seine Charaktere habe ich wirklich ins Herz geschlossen und leide regelrecht mit, wenn wieder einer vor ihnen vor einer schwierigen Entscheidung steht. Dem Autor gelingt es ganz großartig mit Gegensätzen zu spielen, so dass es kein einfaches gut und böse, kein richtig oder falsch in dieser Geschichte gibt. Ich bin auf jeden Fall schon sehr neugierig darauf, wie es mit Cara und der magischen Welt Kirin weitergeht, – und das liegt nicht nur an dem gemeinen Cliffhanger am Ende dieses Bandes.

Jeffery Deaver: Die Menschenleserin

„Die Menschenleserin“ ist der erste Roman, der Kathryn Dance zur Hauptfigur hat. Die Ermittlerin wurde von Jeffery Deaver schon in „Der gehetzte Uhrmacher“ eingeführt und bildete dort einen angenehmen Gegenpol zu dem extrem rational angelegten Wissenschaftler Lincoln Rhyme. Schwerpunkt von Kathryn Dance ist die Kinesik, also das Lesen und Deuten von Körpersprache, und in diesem Bereich ist sie eine anerkannte Expertin. Deshalb bekommt sie auch den Auftrag den hochintelligenten Daniel Pell zu verhören. Dieser hatte vor acht Jahren auf einen Streich eine ganze Familie ausgelöscht – und nur die neunjährige Tochter überlebte diesen Gewaltakt.

Nun kommen neue Beweise ans Licht, die vermuten lassen, dass Daniel Pell auch in andere Mordfälle verwickelt sein könnte. Doch bevor Kathryn den Verbrecher genau studieren kann, gelingt es diesem die Sicherheitsbeamten zu überrumpeln und zu flüchten. Der Ablauf dieser Flucht zeigt, dass der Mörder einen Komplizen gehabt haben muss, der den Ausbruch im Detail vorbereitet hat. Während die Polizei ihr Glück mit Straßensperren versucht, sammelt Kathryn Dance jede Information über Daniel Pells Persönlichkeit, die sie finden kann, und spürt auch die Frauen auf, die früher mit dem charismatischen Verbrecher eine Art Familie gebildet haben.

Für mich ist ein Krimi, der sich darum dreht, dass ein Spezialist sich in die Denkweise eines bestimmten Täters hineinversetzen muss, einfach ein vertrautes Leseerlebnis. Ich weiß ungefähr, was mich bei einem solchen Buch erwartet – und auch wenn es kaum etwas neues zu entdecken gibt, lese ich solche Geschichte immer wieder gern. In „Die Menschenleserin“ konzentriert sich der Autor sehr auf die Arbeitsweise von Kathryn Dance, was zwar recht interessant ist, aber sich auch schnell anfühlt, als ob Jeffery Deaver seitenweise aus einem Lehrbuch zu dem Thema zitieren würde.

Hier habe ich das Gefühl, dass er sich noch sehr umstellen muss, damit er von seiner ersten Reihe rund um Lincoln Rhyme und den Beschreibungen seiner forensischen Arbeit wirklich stimmig auf Kathryn Dance umschwenkt. Während Lincoln sehr sachlich ist und seine Tätigkeit auch viel Raum für ausführliche Erklärungen zur wissenschaftlichen Seite eines Falles bietet, ist Kathryn deutlich emotionaler – und sie muss in ihrem Sachgebiet wesentlich variablere Faktoren berücksichtigen, um zu einem „richtigen“ Ergebnis zu kommen.

Doch trotz der vielen Erklärungen zum Thema Kinesik (die mir zum Teil auch etwas zu simpel daherkamen) entwickelt sich eine spannende Geschichte. Jeffery Deaver erzählt seine Handlung aus verschiedenen Perspektiven, die es dem Leser ermöglichen sich seine eigenen Gedanken zu den verschiedenen Taten und dem eigentlich Hergang zu machen. Auch hat mir Kathryn Dance recht gut gefallen. Die Ermittlerin ist Witwe, hat zwei Kinder und liebevolle Eltern und einen engen Freundeskreis, so dass ihr Umfeld recht harmonisch und „normal“ wirkt. Allerdings hat der Autor so einige privaten Entwicklungen für sie angedeutet, die mir noch nicht so ganz behagen. Aber noch bin ich bereit einfach abzuwarten, was im zweiten Band dieser Reihe davon wirklich umgesetzt wird – und wie der Autor diese Handlungsstränge dann weiterführt.

Achja, beim Lesen dieses Buches ist mir mal wieder aufgefallen, dass ich doch erstaunlich viel über amerikanische Serientäter, Sekten und große Mordfälle weiß. So gibt es hier sehr viele Anspielungen auf Charles Manson, wobei ich die mitgelieferten Erklärungen zu dem Thema eigentlich nicht benötigt hätte. Sollte mir das nun zu denken geben? Oder ist das nur die natürliche Folge davon, dass ich in den letzten zwanzig Jahren einfach verflixt viele Krimis gelesen habe?

Robert Asprin & Jody Lynn Nye: Als Dämon brauchst du nie Kredit

„Als Dämon brauchst du nie Kredit“ ist schon der fünfzehnte Roman aus Robert Asprins Dämonen-Reihe und der dritte Teil, der in Zusammenarbeit mit Jody Lynn Nye entstanden ist. Ich habe diese Bücher vor vielen Jahren für mich entdeckt als humorvolle Fantasy noch relativ neu auf dem deutschen Buchmarkt war und Terry Pratchett noch nicht den Weg in die hiesigen Buchhandlungen geschafft hatte.

Robert Asprins amüsanter Umgang mit den Fantasyklischees hat mich fasziniert und ich habe die verschiedenen Charaktere dieser Reihe wirklich ins Herz geschlossen. Der unfähige Skeeve, der gerade mal zwei Zauber beherrscht, als er zum größten Magier seines Reiches erwählt wird, Aahz, der Dämon aus der Welt Perv, der trotzdem kein „Perverser“, sondern selbstverständlich ein „Perfekter“ ist und all die anderen verrückten Gestalten haben es geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Doch vor allem die wunderbare Situationskomik und die sich rasant entwickelnde Handlung hat dafür gesorgt, dass ich dieser Reihe über all die Jahre hinweg treu geblieben bin.

Dann aber kam eine Zeit, in der Robert Asprin unter solch einer heftigen Schreibblockade litt, dass keine weiteren Geschichten aus seiner Feder flossen. Traurig, aber für mich als Leser akzeptabel. Ein Autor ist schließlich nur ein Mensch und mit Zwang kann man keine solch hinreißenden Handlungen aufs Papier bringen. Aber er war – wie Robert Asprin selber im Nachwort erwähnt – immer noch vertraglich verpflichtet weitere Dämonen-Bände abzuliefern und so kam es zur Zusammenarbeit mit Jody Lynn Nye. Auch wenn schon die letzten Dämonenbücher nicht mehr ganz so lustig waren wie die Anfänge, so beginnt mit dieser Zusammenarbeit für mich das Ende diese witzigen Geschichten.

„Als Dämon brauchst du nie Kredit“ spielt zum größten Teil auf einer Welt, die ein einziges großes Einkaufszentrum (genauer gesagt: eine amerikanische Mall) ist. Als Aahz von Geldeintreibern in die Ecke gedrängt wird, findet er heraus, dass ein Betrüger mit der Identität seines Freundes Skeeve Kreditkartenbetrug begangen hat – und so muss er natürlich sofort loseilen und den Betrüger zur Strecke bringen. Mit von der Partie sind der hochintelligente Troll Chumley und Massha, die inzwischen nicht nur Skeeves Posten als Hofzauberer übernommen hat, sondern auch eine Einkaufsexpertin ist und Aahz durch die Schwierigkeiten einer solchen Welt helfen muss.

Was folgt hat nichts mehr mit den rasanten und amüsanten Geschichten zu tun, die früher für die Dämonen-Reihe standen. Die Magie kommt deutlich zu kurz oder dient nur noch dazu Dinge aus unserer modernen Welt (wie Kreditkartensysteme, Diebstahlsicherungen usw.) nachzuahmen. Aahz, Chumley und Massha stolpern die ganze Handlung hindurch nur mehr oder weniger hilflos hinter einer Ermittlerin hinterher, die ihrerseits schon seit Monaten den Kreditkartenbetrügern auf der Spur ist. Und dann hat es mich massiv gestört, dass in diesem Buch seitenweise vom Shopping berichtet wird!

So bietet dieser Roman keine amüsante und absurde Geschichte, die mich am Ende mit Lachtränen in den Augen zurücklässt, sondern nur endlose Beschreibungen einer glitzernden Einkaufswelt, in der allerlei (mehr oder wenig magische) Wunderdinge zu kaufen sind, die vielleicht den Träumen einer Kaufsüchtigen entsprungen sind, aber mich persönlich überhaupt nicht gereizt haben. Ich vermisse den ursprünglichen Humor der Serie und bin mir sicher, dass Robert Asprin zu diesem Buch nur seinen Namen hergegeben, aber keine Ideen beigesteuert hat. Und Jody Lynn Nye fehlt einfach das gewisse Etwas, dass eine Autorin benötigt, um den Leser mit ihren amüsanten Einfällen zu verzaubern.

Wer jetzt spontan einen Blick auf meinen SuB wirft, wird sehen, dass ich da auch noch die letzten beiden Geschichten liegen habe, die der Dämonen-Reihe zugeordnet werden. Da ich mir sicher bin, dass auch diese Bücher mich enttäuschen werden, wird es etwas Überwindung kostet, damit ich mir diese Romane endlich einmal vornehme. Trotzdem werde ich sie wohl lesen und weiterhin hoffen, irgendwo zwischen all den Seiten einen Funken von Robert Asprin hinreißendem Humor zu entdecken. Und wenn mir das nicht gelingt, dann bleiben mir ja immer noch die alten Bücher aus dieser Reihe und die wunderbaren (ersten beiden) Bände rund um die Chaos-Kompanie.