Da mein Mann seinen letzten Urlaubstag mit Musik und Comics verbringen will, passt es ganz gut, dass heute wieder der dritte Sonntag im Monat und somit ein Lesetag ist. In den letzten drei Wochen habe ich selten Zeit gehabt, um mal etwas länger am Stück zu lesen, was sich auch deutlich in den gelesenen Titeln niedergeschlagen hat. Da am Dienstag wieder Besuch eintrifft, will ich kein neues Buch anfangen, das ich nicht auch heute beenden kann. Was bedeutet, dass es sich anbieten würde, wenn ich zu einem der schon im Juli angelesenen Bücher greifen würde – aber ehrlich gesagt reizen mich diese Titel gerade nicht so sehr. Ich werde einfach in den Tag starten, indem ich so lange in die auf dem Tisch gestapelten Romane reinschnuppere, bis mich eine Geschichte packt.
Das erst einmal als erstes Lebenszeichen von mir zum Lesetag. Der Beitrag wird wie immer im Laufe des Tages ergänzt – ich bin gespannt, wie viele heute noch den Tag entspannt mit Büchern verbringen werden.
Update 10:30 Uhr
Ich bin heute morgen bei „Some Kind of Happiness“ von Claire Legrand hängengeblieben. Die Autorin kenne ich noch nicht, ich fand aber den Klappentext dieses Romans so reizvoll, dass ich ihn unbedingt haben wollte. Protagonistin ist die elfjährige Finley Hart, die den Sommer bei ihren Großeltern verbringen soll, weil ihre Eltern „Probleme haben“. Dummerweise ist sie ihren Großeltern vorher noch nie begegnet, ebensowenig wie all den anderen Verwandten, die den Sommer über ihre Zeit bei den Großeltern verbringen, so dass das Ganze für Finley ziemlich beängstigend ist.
Finley mag ihre Bücher lieber als Menschen, sie fühlt sich in der fremden Umgebung nicht wohl und sie hat Angst, dass jemand ein Blick in ihr Notizbuch wirft, in dem sie all die Geschichten, die sich rund um den magischen Wald „Everwood“ drehen, aufgeschrieben hat. Und während Finley mit all den unguten Gefühlen kämpft, die mit diesem Sommer für sie verbunden sind, wartet der Everwood auf ein entscheidendes Ereignis – das ihn retten oder vernichten kann.
Bislang mag ich die Schreibweise von Claire Legrand sehr gern. Finley ist eine gute Beobachterin und beschreibt sich und ihre Umgebung mit Sätzen, die ich stellenweise als erschreckend stimmig empfinde, gerade dann wenn es um ihr Gefühlsleben geht. Es ist von Anfang an klar, dass Finley Probleme hat, die nicht nur darauf zurückzuführen sind, dass sie den Sommer bei ihr unbekannten Verwandten in einer ebenfalls unbekannten Umgebung verbringen muss, während die Eltern vermutlich darüber nachdenken, ob sie sich scheiden lassen oder nicht. Ebenso zeigt sich von der ersten Seite an, dass Finley alles versucht, damit ihre Umgebung (inklusive ihrer Eltern) nicht mitbekommt, was mit ihr los ist.
Bevor ich weiterlese, wird es Zeit für Frühstück. So langsam habe ich wirklich Hunger!
Update 13:15 Uhr
Heute habe ich beim Frühstück (u.a. mit einem sehr leckeren selbstgebackenen halben Zwiebel-Bier-Bagel) weitergelesen. Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Buch immer wieder innehalten muss, weil ich Finleys Gefühle stellenweise wirklich bedrückend finde. Es gibt in dieser Geschichte viele schöne Szenen, wenn sie sich in ihrer Geschichte rund um den Everwood verliert (Passagen davon gibt es zu Beginn eines jeden Kapitels) oder ihren Cousin und ihre Cousinen besser kennenlernt. Aber es gibt eben auch die Momente, in denen sie niemandem erzählen kann, dass es Tage gibt, an denen sie kaum aufstehen und sich die Zähne putzen kann, an denen sie innerlich (um Hilfe) schreit und ihr doch die Worte fehlen, um jemandem zu erzählen, wie sie sich fühlt, an denen sie so erfüllt von Angst ist, dass sie kaum noch atmen kann. Das berührt mich sehr, gerade weil die Autorin es so stimmig darstellt, aber es ist halt auch nicht einfach zu lesen.
Update 16:30 Uhr
Seit dem letzten Update habe ich etwas im Internet gesurft und ein wenig mit Christie geschmust, die in den letzten zwei Wochen – dank ihrer Ohrenentzündung – verhältnismäßig abweisend war. Es macht halt keinen Spaß zu Schmusen, wenn man jederzeit befürchten muss, dass dieser schreckliche Mensch gleich wieder in oder an den Ohren rumprokelt.
| Zitrone-Melisse-Fruchtaufstrich – unglaublich lecker! |
Ansonsten habe ich relativ konzentriert gelesen. Inzwischen ist wirklich nicht mehr zu übersehen, dass Finley nicht die einzige Person in ihrer Familie ist, die ein Problem hat. Wobei niemand über all die Familiengeheimnisse reden will. Niemand erzählt Finley, warum sie nicht mit den Bailey-Kindern von nebenan spielen darf, warum ihr Vater und seine Mutter seit vielen Jahren nicht mehr miteinander geredet haben und natürlich reden ihre Eltern nicht offen mit Finley darüber, was in ihrer Ehe eigentlich los ist. Das alles führt dazu, dass Finley – der es ja eh schon nicht so gut geht – ständig um Geheimnisse herumschleichen muss und das Gefühl hat, sie wüsste nicht, wie sie sich angemessen verhält, um niemanden gegen sich aufzubringen. Ich muss gestehen, dass ich sehr mit Finley mitleide, wobei es weiterhin wunderschöne Szenen gibt, in denen Finley mit den anderen Kindern Sommerferien-Abenteuer im Wald hinter dem Haus und in dem mit dem Großvater gebautem Baumhaus erlebt. Trotzdem geht es ihr nicht gut, was sich natürlich auch im Everwood niederschlägt …
Da mein Mann jetzt eine Runde mit der Playstation spielen will, muss ich schauen, ob ich weiterhin so intensiv lesen kann oder ob ich erst einmal „Blümchen gieße“.
Update 20:00 Uhr
„Some Kind of Happiness“ wurde zum Ende immer eindringlicher und weil ich den Roman gern noch etwas nachklingen lassen möchte, werde ich zu keinem weiteren Buch mehr greifen.
Nach dem Kochen (mein armer Mann musste sich heute trotz knurrendem Magen gedulden, bis ich meinen Roman beendet hatte) beantworte ich Kommentare und flitze ich bei euch vorbei und schaue, wie es bei euch den Nachmittag über lief. Ansonsten erkläre ich den heutigen Lesetag für mich beendet – es war wieder schön mit euch und ich freu mich schon auf den Lesesonntag im September!
Heutige Mitleser:





