Kategorie: Uncategorized

Lese-Sonntag im September

Nachdem ich gestern wieder viel zu spät ins Bett gegangen bin und in der Nacht – wie eigentlich immer in der vergangenen Woche – mit sehr seltsamen Träumen beschäftigt war, lasse ich den heutigen Lesetag langsam angehen. Was bedeutet, dass ich hier erst einmal ein Lebenszeichen hinterlasse, um zu signalisieren, dass ich heute wieder dabei bin, und mich dann unter einer Decke auf dem Sofa einrolle und die Nase in „Death Rites“ von Tanya Huff stecke.

„Death Rites“ habe ich gestern schon angefangen, es ist eine von drei Kurzgeschichten aus der „Three Quarters“-Sammlung und die Geschichte erzählt von einem Auftrag, den die beiden Assassinen Vree und Bannon erfüllten, bevor die Handlung in „Fifth Quarter“ überhaupt anfängt. Ich finde es etwas schade, dass das nun die letzten Geschichten rund um die Quarters-Romane sind, die ich noch nicht kenne, aber ich lese Tanya Huff zu gern, als dass ich mir die Anthologie noch aufheben wollen würde. 😉

Update 12:30 Uhr

„Death Rites“ war jetzt keine so besondere Geschichte, aber es war nett Vree und Bannon mal wieder unbelastet von den Ereignissen aus „Fifth Quarter“ zu sehen und ich mag diesen kleinen bösen Touch, den Tanya Huffs Assassinen-Geschichten haben. Ansonsten habe ich den Vormittag mit Wachwerden, Duschen, „Animal Crossing“-Spielen, „Trudes Tier“ (ich liebe diese Filmchen!) und dem Füttern von Christie verbracht. Außerdem habe ich lauter Dinge herangeschleppt, auf die ich heute Lust habe und die nun den Wohnzimmertisch füllen, ohne dass ich weiß, was ich davon als nächstes tun werde.

Es ist irgendwie gerade ganz schrecklich mit mir, ich will so viel auf einmal tun, dass die Entscheidung, was ich nun wirklich mache, immer ziemlich lange dauert. Aber nachdem ich mich gerade wieder mit Agatha-Christie-Ausgaben beschäftigt habe (nachdem mir Kiya einen ziemlichen Schreck eingejagt hat, weil sie meinte, dass die alten – schönen! – englischen Christie-Ausgaben durch eine neue Auflage mit weniger hübschen Cover ersetzt wird), werde ich vermutlich als erstes meine Nase in „The Witness for the Prosecution and Other Stories“ stecken. Das Buch gehört zu einem Stapel von Leihgaben von Natira und ich wollte mich da sowieso endlich mal durcharbeiten.

Ich hoffe nur, dass meine Lektüre nicht davon unterbrochen wird, dass die gerade wild rumtobende Christie vom Regal fällt. Bei ihrem Überschwang ist gerade alles möglich. *g*

Update 16:30 Uhr

In den letzten Stunden habe ich die ersten drei Geschichten aus „The Witness for the Prosecution and Other Stories“ von Agatha Christie gelesen. Ich muss gestehen, dass ich bei „The Witness for the Prosecution“ doch immer auch die Verfilmung von Billy Wilder mit Marlene Dietrich im Hinterkopf habe und deshalb jedes Mal über Agatha Christies Beschreibung dieser Figur stolpere, dabei kannte ich die Kurzgeschichte, bevor ich den Film sah, was normalerweise dazu führt, dass ich mich nur über Unstimmigkeiten bei der Besetzung ärgere, statt dass der Filmcharakter meine Vorstellung vom Buchcharakter überschreibt. Aber Marlene Dietrich war ja auch eine eindrucksvolle Schauspielerin.

„The Red Signal“ und „The Fourth Man“ finde ich beide immer nett zu lesen, aber beide Geschichten sind jetzt nicht so herausragend, dass ich mir ihre Handlung lange merken kann. Ich sitze beim Lesen nur immer da und denke „Wie war das noch?“ und „Ach ja, das war der Knackpunkt und die Geschichte löst sich auf diese Weise auf.“ und dann blättere ich zur nächsten Geschichte. Wobei ich dieses Mal dann doch nicht weitergeblättert habe, sondern das Buch aus der Hand legte und ein Stündchen geschlafen habe. Ich war einfach zu müde, um weiter zu lesen, und habe mich stattdessen der Müdigkeit und Christie, die einen warmen Ruheplatz suchte, ergeben.

Inzwischen fühle ich mich wieder einigermaßen wach, habe eine Kommentarrunde gedreht und wechsel jetzt (schon wieder) das Buch. Ich habe zur Zeit so große Lust mal wieder ein paar Bände einer Reihe am Stück zu lesen und irgendwie klingt auch High Fantasy gerade verlockend, so dass ich jetzt zum zweiten Band der „Codex Alera“-Romane von Jim Butcher greifen werde. „Im Schatten des Fürsten“ habe ich vor einem Jahr schon mal gelesen, hatte dann aber nicht weitergelesen, weil mir noch der fünfte und sechste Teil der Reihe fehlten und ich damals schon darauf gehoffte hatte, ich könnte die folgenden Bände am Stück lesen. Mal schauen, ob es bei diesem Anlauf mit dem Lesen von Band zwei bis sechs klappt oder ob ich irgendwann noch einen Versuch starte und mir dann wirklich die gesamte Reihe (inklusive Teil eins) vornehmen werde.

Update 19:45 Uhr

Hach, ich finde es schön wieder in die Codex-Alera-Welt zurückzukehren. Mit etwas Glück kann ich mir in der kommenden Wochen abends regelmäßig Zeit für die Bücher freischaufeln, dann dürften die fünf Romane nicht allzu viel Zeit brauchen. *g* Dummerweise wurde es dann langsam Zeit das Abendessen vorzubereiten, also habe ich zu „Pint of Murder“ von Alisa Craig (Charlotte MacLeod) gegriffen, während ich Gemüse geschnippelt habe. Diesen Band der „Janet and Madoc Rhys“-Romane habe ich vor vielen Jahren auf Deutsch gelesen und hätte den Band und die weiteren vier Teile der Reihe gern auf Englisch gehabt, aber da sie schon so lange vergriffen sind, habe ich mir jetzt endlich mal die Hörbücher geholt. 

Ich mag die Geschichte, die aus Janets Perspektive erzählt wird und damit beginnt, dass Janets Nachbarin an einer Vergiftung stirbt, die anscheinend durch ihre nicht sachgemäß eingemachten grünen Bohnen verursacht wurde. Doch so natürlich war der Tod der alten Dame kein Unfall und nachdem Janet auch noch über ihren toten Hausarzt stolpert, wird es Zeit die Mounties zu rufen. Und weil ich die Geschichte so sehr genieße, hat mein Mann dann das Kochen der vorbereiteten Suppe übernommen, während ich mich mit dem Hörbuch und meinen Strickzeug wieder auf dem Sofa eingerollt habe. Jetzt flitze ich noch kurz zu den anderen und schaue, wie es ihnen bislang ergangen ist und spätestens vor dem Schlafengehen gibt es hier noch ein Update, um den Lesetag zum Ende zu bringen.

Update 00:00 Uhr

Nach dem Abendessen habe ich noch etwas weitergelesen und dann (nachdem mein Mann den Fernseher angeworfen hat) mir die Zeit mit der aktuellen Demo des neusten „Etrian Odyssey“-3DS-Spiels vertrieben. Wie so oft ist mir dabei nicht aufgefallen wie spät es schon wieder ist, also wird es jetzt – nachdem ich meine abschließende Kommentarrunde schon gedreht habe – wirklich Zeit ins Bett zu hüpfen. Ich wünsche euch einen schönen Start in die neue Woche!

Miss Grumpy

Der gestrige Freitag war kein guter Tag für Christie, denn ich war so gemein und habe sie schon wieder zum Tierarzt verfrachtet. Nachdem ihre Ohrenentzündung eine Woche nach dem letzten Arztbesuch wieder gut abgeheilt war, lief sie in den vergangenen Tagen wieder mit angelegten Ohren rum, schüttelte ständig den Kopf und putzte ihn. Der Tierarzt meinte, dass die Ohren gar nicht so schlimm aussehen würden, dass sie aber wieder entzündet wären. Da das – ebenso wie die Hautprobleme, die wir mit Medikamenten eigentlich gut im Griff haben – mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auf eine Futtermittel-Allergie zurückzuführen ist, werden wir ab der kommenden Woche also wieder mit Futter experimentieren und hoffentlich doch mal eins finden, das sie verträgt und auf das sie nicht allergisch reagiert.

Immerhin hatte Christie mir schon eine halbe Stunde nach der Heimkehr wieder so weit verziehen, dass sie mit mir schmusen wollte, auch wenn ihre Laune noch etwas angeschlagen war. 😉

Theodor Fontane: Unterm Birnbaum (Hörbuch)

Das Hörbuch „Unterm Birnbaum“ von Theodor Fontane ist eine Leihgabe von Ariana und gehört zur „Klassiker Hörbibliothek“ von steinbach sprechende bücher. Von Theodor Fontane kannte ich bislang nur Gedichte („John Maynard“ hat mich beim Auswendiglernen für die Schule damals sehr beeindruckt *g*) und mehr als die Inhaltsangabe wusste ich nicht über „Unterm Birnbaum“, als ich mit dem Hören anfing. Die Handlung dreht sich um Abel Hradschek, der eines Tages in seinem Garten unterm Birnbaum die vermutlich zwanzig Jahre alte Leiche eines französischen Soldaten entdeckt, was ihn zu einem Plan inspiriert, der sein dringendes Schuldenproblem mit einem Schlag lösen soll.

Gemeinsam mit seiner Frau Ursula setzt er das Gerücht in die Welt, dass seine Frau eine größere Geldsumme geerbt hat. So verwundert es die ewig neugierigen und viel zu gut informierten Nachbarn nicht, dass der Kaufmann Hradschek bei einem Besuch des polnischen Reisenden Szulski in der Lage ist, bei diesem die aufgelaufenen Rechnungen zu bezahlen und eine größere Bestellung in Auftrag zu geben. Auch fällt erst einmal kein Verdacht auf Hradschek, als Szulskis Kutsche kurz nach seiner Abreise am Damm verunglückt und seine Leiche nicht gefunden werden kann. Daran ändern auch all die Erzählungen der Nachbarin Jeschke nichts, die Hradschek angeblich mitten in der Nacht bei stürmischem Wetter im Garten graben sah.

Dem Hörer ist natürlich von Anfang an klar, dass Hradschek und seine Frau den Polen umgebracht und sein Geld an sich gebracht haben, und so geht es in dieser Geschichte weniger darum herauszufinden, wer der Mörder ist, sondern ob die Täter mit ihrer Tat am Ende durchkommen. Dabei fängt Theodor Fontane die Reaktionen der Nachbarn ebenso glaubwürdig ein wie die extremen Gewissensbisse von Ursula (die ursprünglich katholisch erzogen wurde und nur für die Hochzeit mit Hradschek zum evangelischen Glauben übertrat). Im Gegensatz zu Ariana, die in ihrer Rezension meinte, dass sie für Hradschek Sympathie empfunden hätte, war es mir relativ egal, ob er mit seiner Tat davonkommen würde oder nicht. Aber ich mochte die Darstellung der Charaktere sehr gern, ebenso fand ich die Beschreibungen, die vom damaligen Leben (die Geschichte spielt so um das Jahr 1830) zeugen, sehr spannend.

Ich fand es faszinierend, welche Verbindung selbst diese relativ einfachen Dorfbewohner in andere Regionen und Städte hatten, welche Güter als Luxus angesehen wurden und welche Gewohnheiten zum Alltag der Menschen gehörten. Auch hat Theodor Fontane die verschiedenen Personen und ihre Motive mit sehr spitzer Feder beschrieben, so dass ich das Gefühl bekam, dass eigentlich keiner von ihnen ohne irgendwelche (bewussten oder unbewussten) Hintergedanken handelte. Dazu kommt noch, dass der Autor mit dieser Geschichte sehr schön zeigt, wie einfach es sein kann, seine Nachbarn zu manipulieren, wenn man ihre Schwächen nur allzu gut kennt. Diese zwischenmenschlichen und historischen Elemente haben mir beim Hören – ebenso wie der verwendete Dialekt – überraschend viel Spaß gemacht, was zum Teil auch an dem Sprecher Wilhelm Götze lag.

Wilhelm Götze hat nicht nur eine angenehme Stimme, sondern seine „altmodische“ Sprechweise (man merkt, dass der 1978 verstorbene Sprecher einer älteren Generation angehörte) passt auch sehr gut zu der Erzählweise von Theodor Fontane. Ich kann nicht beurteilen, ob er den Dialekt des Oderbruchs passend gelesen hat, aber für mich klang seine Aussprache nach stimmigem Plattdeutsch und das hat mir während des Hörens großes Vergnügen bereitet. Auch mochte ich es, dass ich – ohne dass der Sprecher dabei übertrieb – oft schon an der Tonlage von Wilhelm Götze hören konnte, welche Person gerade zu Wort kam, bevor der Name der Figur überhaupt in der Geschichte genannt wurde. So hat Wilhelm Götze definitiv dazu beigetragen, dass mir das Hören von „Unterm Birnbaum“ Spaß gemacht hat, und ich freu mich, dass ich noch zwei weitere ungehörte Hörbücher mit ihm als Sprecher unter den Leihgaben von Ariana habe.

Marianne Macdonald: Das Manuskript (Dido Hoare 1)

Da ich immer wieder gern für mich neue Krimiautorinnen ausprobiere, habe ich mir vor Kurzem „Das Manuskript“ von Marianne Macdonald geschnappt, als Irina das Buch (und die Fortsetzung) loswerden wollte. Die Geschichte dreht sich um die Antiquarin Dido Hoare, die vor einigen Jahren mit ihrem damaligen Mann Davey einen Laden in London eröffnete, um wertige gebrauchte Bücher, Drucke und ähnliches zu verkaufen. Inzwischen ist Dido geschieden und versucht allein, das Geschäft am Laufen zu halten, was nicht gerade einfach ist, da sie auch regelmäßig übers Land fahren muss, um bei Haushaltsauflösungen und ähnlichen Anlässen neue Ware für ihren Laden zu ergattern.

Nach einer solchen Fahrt wird sie eines Nachts von einem anderem Wagen verfolgt und bedrängt. Wenig später erhält ihr Vater Barnabas einen Drohbrief, der andeutet, dass dieser Vorfall mit dem Auto nur ein Anfang war. Als dann noch das Antiquariat von Unbekannten auf den Kopf gestellt wird, ohne dass dabei etwas Nennenswertes gestohlen wird, weiß Dido gar nicht mehr, was sie von all den Vorfällen halten soll. Für Barnabas hingegen steht fest, dass hinter diesen Ereignissen Didos Ex-Mann Davey stecken muss, denn der hat schon immer gern für Unruhe gesorgt.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, was ich von dieser Geschichte halten soll. Auf der einen Seite habe ich das Gefühl, dass die Protagonistin, ihr Vater und der ermittelnde Polizist den diversen Vorfällen nur hinterherrennen, was zwar etwas unbefriedigend ist, aber sich immerhin realistisch anfühlte, weil keiner von ihnen eine Ahnung hat, wieso all die Dinge passieren. Auf der anderen Seite finde ich den Fall an sich – mitsamt der „verbrecherischen“ Hintergründe – nicht besonders glaubwürdig und fast etwas zu groß für einen Roman, der sich um eine relativ unbedeutende Antiquarin dreht.

Auch mit Dido selbst hatte ich das eine oder andere Problem. Angeblich ist sie längst über ihren Ex-Mann hinweg und hasst ihn, weil er sie betrogen und immer wieder hintergangen hat, auf der anderen Seite braucht es nach gerade mal zwei Jahren Trennung (in denen sich die beiden nicht gesehen haben) nur zwei Essenseinladungen, damit sie wieder mit ihm im Bett landet. Und das, obwohl sie ebenfalls vermutet, dass Davey irgendetwas im Schilde führt und dass das für sie nichts Gutes bedeuten kann. Dabei gelingt es Marianne Macdonald nicht, Davey so charmant darzustellen, dass ich es glaubwürdig finde, dass sich ein Mensch nach dem anderen von ihm über den Tisch ziehen lässt. Noch ärgerlicher wird es, als Dido wenig später nach gerade mal einem Tag Bekanntschaft dem ermittelnden Polizisten näher kommt (wobei man das als Leser erst im Nachhinein erfährt). Aber darüber sollte ich mich nach all den anderen „Kriminalromanen“, in denen die „Beziehung“ zwischen Protagonistin und Ermittler nach genau dem gleichen zügigen Schema abläuft, vermutlich gar nicht mehr ärgern.

Ein weitere Punkt, der mich an Dido gestört hat, war ihre Arbeitsmoral. Irgendwie hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass sie es immer nur zufällig geschafft hat, ab und an ihren Laden zu öffnen. Selbst wenn sie morgens „aus Pflichtgefühl“ ihr Geschäft geöffnet hat, dann überkam sie doch regelmäßig die Unlust, Müdigkeit oder einfach nur das Bedürfnis, irgendwo hinzugehen, und schon war das Antiquariat wieder geschlossen. Da ist es mir dann auch egal, ob ständig erwähnt wird oder nicht, dass Dido unglaublich pleite ist, ich kann mir beim besten Wille nicht vorstellen, dass irgendjemand mit diesem Verhalten irgendein Geschäft fünf Jahre über Wasser halten und auch noch davon leben kann. Selbst wenn die Stammkunden an die unregelmäßigen Öffnungszeiten gewöhnt sein sollten und trotzdem immer wieder vorbeikommen, obwohl sie ständig vor verschlossener Tür stehen, dürfte das wohl nicht für ausreichenden Gewinn für ein Geschäft reichen.

Irgendwie werde ich mit diesem Buch immer unzufriedener, je länger ich über die Geschichte und die Figuren nachdenke. Dabei war das Lesen an sich schon nett. Ich konnte den Roman zwar locker aus der Hand legen und hatte nicht gerade das große Bedürfnis weiterzulesen, aber wenn ich die Nase reinsteckte, dann war es irgendwie unterhaltsam und all die Kritikpunkte haben mich nicht so sehr aufgeregt, dass ich ständig versucht war, das Buch aus der Hand zu pfeffern (oder gar meinem armen Mann die ganze Zeit zu erzählen, wie doof das alles doch ist *g*). Da ich den zweiten Band auch noch habe, werde ich den vermutlich auch noch lesen. Aber wenn in der Fortsetzung die Handlungen der Figuren für mich nicht stimmiger dargestellt werden, dann wandern die beiden Bände wohl in den Bücherschrank. Vielleicht findet sie dort jemand, dem sie mehr Vergnügen bereiten.

Diana Wynne Jones: The Ogre Downstairs

„The Ogre Downstairs“ von Diana Wynne Jones gehört zu den Büchern dieser Autorin, die ich bislang noch nicht kannte. Umso mehr habe ich das Lesen dieser Geschichte genossen. Die Handlung dreht sich um Casper, Johnny und Gwinny, deren Mutter (zu Beginn des Romans) seit einem Monat mit einem neuen Mann verheiratet ist. Für ihre Kinder ist der neue Stiefvater nur The Ogre und sie hassen die Veränderungen, die auf seinen Einzug folgten. Nicht nur, dass er seine beiden Söhne Douglas und Malcolm – die bis zu diesem Zeitpunkt in einem Internat untergebracht waren – mit ins Haus brachte, sondern The Ogre mag auch eindeutig keine Kinder. Er verbietet ihnen, rumzulaufen, Lärm zu machen, Musik zu hören und andere Dinge, die normalerweise zu ihrem Alltag gehören, und wenn sie doch mal gegen seine Regeln verstoßen, dann brüllt und droht er.

Da ist es kein Wunder, dass Johnny und Malcolm ziemlich verwundert sind, als The Ogre ihnen eines Tages Chemiebaukästen schenkt – ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass die anderen Kinder sich hingegen gekränkt fühlen, weil sie keine Geschenke bekommen haben. So richtig angetan ist Johnny von dem Geschenk nicht, obwohl man damit wunderbar stinkende Sachen zusammenmixen kann. Doch dann entdecken Johnny, Caspar und Gwinny, dass eine der Zutaten sie fliegen lässt und auch in den anderen Pulvern steckt überraschendes Potenzial für abenteuerliche (und gefährliche) Erlebnisse. Ich gebe zu, dass man meinem Gefühl nach der Geschichte anmerkt, dass sie 1974 erstveröffentlicht wurde. Dabei beziehe ich mich weniger auf das Umfeld, in dem die Kinder leben, als auf die episodenhafte Erzählweise, die ich als sehr typisch für ältere (fantastische) Kinderbücher empfinde. Wobei sich bei der Grundvoraussetzung mit den verschiedenen Mittelchen, die die Kinder ausprobieren, natürlich auch solch eine Erzählweise anbietet, da schließlich jedes ein für sich stehendes Abenteuer birgt.

„The Ogre Downstairs“ bietet nicht nur viele fantastische Ideen rund um den Chemiebaukasten und die Abenteuer, die die Kinder damit erleben, sondern auch eine wunderbare Geschichte über Freundschaft und Familie. Ich mochte es nicht nur, dass ich die Sichtweise der verschiedenen Kinder im Laufe der Geschichte kennenlernte, sondern mir gefielen auch die vielen Szenen, in denen sie sich – wenn auch manchmal eher wiederwillig – gegenseitig halfen. Durch den gemeinsamen „Feind“ und die Notwendigkeit, die Ergebnisse ihrer Experimente geheimhalten zu müssen, ergeben sich tolle Momente, in denen sich unerwartete Verbündete finden, wenn eines der Kinder in Schwierigkeiten steckt. So lernen Caspar, Johnny und Gwinny ihre beiden neuen Brüder Douglas und Malcolm nach und nach besser kennen. Aber da Diana Wynne Jones ein Händchen für realistische Charaktere hat, reicht dies natürlich nicht, um ein harmonisches Zusammenleben zwischen den Kindern zu garantieren, so dass ich einen Teil meiner Zeit nach dem Lesen damit verbracht habe, mir zu überlegen, welches Chaos-Potenzial Johnny und die anderen wohl noch so für die Zukunft mit sich bringen würden.

Allerdings habe ich mich stellenweise beim Lesen auch gefragt, wie ich The Ogre wohl als Kind wahrgenommen hätte. Als erwachsene Leserin sehe ich einen nicht gerade einfach zu nehmenden Mann, der sich aber (zumindest zeitweise) Mühe mit den fünf Kindern gibt und dessen unangenehmere Reaktionen vermutlich vor allem der Überforderung und der Unerfahrenheit im Umgang mit Kindern geschuldet ist. Als Kind hätte ich vermutlich – genauso wie die Protagonisten – nur die beängstigenden Seiten an dem Stiefvater wahrgenommen. Ebenso hätte ich vermutlich die Erschöpfung der Mutter weniger auf die allgemeinen Schwierigkeiten geschoben, die durch den Versuch entstehen, dass die Eltern aus zwei sehr unterschiedlichen Familien eine gemeinsame machen wollen, als auf das Verhalten des neuen Ehemannes. Ich bin mir aber sicher, dass es egal ist, ob man beim Lesen ein gewisses Verständnis für alle Beteiligten aufbringen kann oder nur für die Kinder, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird, denn „The Ogre Downstairs“ ist eine wunderschöne und amüsante Geschichte voller fantastischer Elemente, die mich während des Lesens ständig zum Schmunzeln gebracht hat.

September-SuB 2017

Im August drehte sich bei uns viel um unseren Besuch, die diversen Verabredungen und den Urlaub meines Mannes, was für viele schöne Stunden gesorgt hat. So langsam freue ich mich dann aber doch darauf, dass der September – trotz einer gut gefüllten To-do-Liste – vermutlich nur ganz normalen langweiligen Alltag mit sich bringen wird. „Alltag“ bedeutetet dann hoffentlich auch, dass ich wieder mehr Zeit zum Bloggen und Kommentieren finde – der Feedreader zeigte mir gestern beängstigende Zahlen ungelesener Beiträge an. 😉 Da ich trotz des Besuchs das Lesen nicht ganz lassen konnte, habe ich mich im August zum Großteil auf Kinderbücher und fluffig zu lesende Krimis gestürzt, was dazu geführt hat, dass ich insgesamt 10 Bücher und 4 Kurzgeschichten gelesen und 7 Hörbücher gehört habe.

Was den September angeht, so würde ich gern mal wieder eine Reihe am Stück lesen. Es gibt ja auch noch einige Titel auf meinem SuB, die schon länger aufs Lesen warten und sich dafür anbieten würden (zu denen ich allerdings die ersten Teile mal wieder in die Finger bekommen müsste, wenn ich die Reihe komplett lesen möchte). Außerdem stapeln sich hier ein paar Leihgaben und Manga, die ich eigentlich auch bald lesen will. Irgendwie habe ich schon wieder das Gefühl, der Monat ist ein bisschen zu kurz für all die Dinge, die ich gern hineinstopfen würde. 😉

  1. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  3. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  4. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  6. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  7. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  8. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  9. Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
  10. Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
  11. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  12. Gail Carriger: Waistcoats and Weaponry (Finishing School 3)
  13. Gail Carriger: Manners and Mutiny (Finishing School 4)
  14. Jennifer Carson: Tangled Magick
  15. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  16. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  17. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  18. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  19. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  20. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  21. Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
  22. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  23. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  24. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  25. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  26. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  27. Diana Wynne Jones: The Ogre Downstairs
  28. Sarah Kuhn: Heroine Worship
  29. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  30. Seanan McGuire: Down Among the Sticks and Bones
  31. Bishop O’Connell: The Stolen
  32. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  33. Cindy Pon: Serpentine
  34. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  35. Philip Reeve: Larklight
  36. John Scalzi: Fuzzy Nation
  37. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  38. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  39. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  40. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  41. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  42. Charles den Tex: Die Zelle
  43. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  44. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  45. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  46. Xinran: Gerettete Wort
  47. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

45 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Annie Haynes: Inspector Furnival Mysteries

Im Februar habe ich für 49 Cent ein Bundle mit sieben „Golden Age Mysteries“ von Annie Haynes gekauft, in dem unter anderem die Inspector-Furnival-Krimis der Autorin zu finden waren. Annie Haynes gehört zu den Autorinnen, von denen ich vor diesem eBook-Kauf noch nie gehört hatte, obwohl sie bei demselben Verlag verlegt wurde, der auch die ersten Agatha-Christie-Romane veröffentlichte. Da ich immer neugierig auf Autorinnen bin, die in den 1920er Jahren Kriminalromane schrieben, habe ich mich gefreut, dass ich wieder eine mir unbekannte Krimiautorin entdecken konnte. Die „Inspector Furnival Mysteries“ bestehen aus den drei Titeln „The Abbey Court Murder“ (1923), „The House in Charlton Crescent“ (1926) und „The Crow’s Inn Tragedy“ (1927), und wenn ich nach den Veröffentlichungsdaten gehe, dann war „The Abbey Court Murder“ der zweite Roman, den Annie Haynes je geschrieben hat, während „The House in Charlton Crescent“ der sechste und „The Crow’s Inn Tragedy“ das siebte oder achte Buch der Autorin war. Ich betone diese Veröffentlichungsabstände so sehr, weil ich selten eine solche Entwicklung innerhalb einer Reihe gesehen habe wie bei den „Inspector Furnival Mysteries“.

„The Abbey Court Murder“ dreht sich um den Mord an einem Unbekannten – zumindest gelingt es der Polizei lange Zeit nicht, die Identität des Toten herauszufinden. Dem Leser hingegen ist bekannt, dass Lady Judith Carew den Ermordeten nicht nur vor ihrer Hochzeit kannte, sondern auch an dem Abend seines Todes mit ihm verabredet war und sich, als der tödliche Schuss fiel, in dem Apartment befand, in dem der Mord stattfand. Da Inspector Furnival in dieser Geschichte relativ spät in Erscheinung tritt und sich der Großteil der Handlung um die Folgen des Mordes für Lady Judith Carew und ihren Mann dreht, fühlt sich die Geschichte weniger nach Kriminalroman als nach Liebesdrama an. Auch fand ich, dass von Anfang an der Täter und nur wenig später auch das Motiv recht offensichtlich waren, so dass mich beim Lesen weniger die Frage beschäftigte, wer nun den Mord begangen hat, als die Frage danach, wann und wie der Mörder überführt werden würde. Obwohl der Roman bei mir keinen so besonders großen Eindruck hinterlassen hat, habe ich mich aber gut genug unterhalten gefühlt, um auch noch die anderen beiden Inspector-Furnival-Geschichten zu lesen.

Beim zweiten Band, „The House in Charlton Crescent“ hat Annie Haynes dann schon ein deutlich besseres Händchen beim Entwickeln einer Krimihandlung entwickelt. Die Geschichte beginnt damit, dass die alte Lady Anne Daventry einen privaten Ermittler damit beauftragt, ihr Leben zu beschützen. Sie fürchtet, dass eine ihr nahestehende Person sie umbringen will, möchte aber nicht die Polizei einschalten. Doch obwohl der Ermittler Bruce Cardyn alles in seiner Macht Stehende tut, um die alte Frau zu beschützen, wird sie unter aufsehenerregenden Umständen ermordet – und nur fünf Personen (inklusive Bruce Cardyn) kommen für die Tat in Frage. Auch bei dieser Geschichte gibt es den einen oder anderen auf der Hand liegenden Punkt, aber es gibt genügend offene Fragen, damit man sich beim Lesen seine Gedanken um die Geschehnisse machen kann. Außerdem kommen in „The House in Charlton Crescent“ deutlich mehr Personen vor, die in den Kriminalfall verwickelt sind, so dass Annie Haynes immer wieder schöne Szenen mit den verschiedenen Charakteren einflechten kann, die ihre Persönlichkeit oder ihr soziales Umfeld zeigen.

Auch wenn der Sprung zwischen dem zweiten Band und „The Crow’s Inn Tragedy“ nicht so groß ist wie nach dem ersten Buch, so fand ich den dritten Teil noch ein bisschen raffinierter geschrieben, auch wenn ich grundsätzlich die Einbindung einer mysteriösen Diebesbande, so wie sie hier geschildert wird, eher bei etwas trashigeren Titeln erwarte. Hier dreht sich die Geschichte rund um einen ermordeten Anwalt, der sich zum Zeitpunkt seines Todes in einem verschlossenen Raum befand, sehr kostbaren Diamantschmuck in seiner Obhut hatte und – wenn man die Aussage des Arztes und einiger Zeugen vergleicht – eine Stunde nach seinem Tod noch lebendig gesehen wurde. Ein bisschen schade war es, dass einige Figuren nur eine Nebenrolle spielten, obwohl ich gehofft hatte, dass man auch Szenen aus ihrer Perspektive erleben würde. Aber trotzdem hat es mir großen Spaß gemacht, mir Gedanken um die Hintergründe der verschiedenen Ereignisse zu machen, mitzurätseln und mich zu fragen, wie am Ende der Mörder wohl überführt werden wird.

Insgesamt fand ich die „Inspector Furnival Mysteries“ wirklich unterhaltsam und es war spannend zu sehen, wie die Autorin von Band zu Band immer besser wurde. Ich würde nicht sagen, dass sie – sowohl bei der Schreibweise, als auch bei der Entwicklung des Kriminalfalls – an einige meiner Lieblingsautorinnen (Agatha Christie, Georgette Heyer, Mary Roberts Rinehard u.a.) aus der Zeit heranreicht, vor allem, da es immer wieder Elemente bei diesen drei Kriminalromanen gab, die ich eher bei einer Geschichte von Edgar Wallace erwartet hätte. Aber wenn man etwas Abwechslung zu den vertrauten Autorinnen sucht und Lust auf das besondere Flair der britischen 1920er Kriminalromane hat, dann bieten sich die Inspector-Furnival-Geschichten durchaus an, um ein paar entspannte Lesestunden zu verbringen.

Deborah Feldman: Unorthodox

„Unorthodox“ ist das Debüt der Autorin Deborah Feldman, die in diesem biografischen Roman von ihrer Kindheit und Jugend in einer extremen chassidischen
Gemeinde in Williamsburg (Brooklyn/New York) und ihrem Weg in ein weniger von Religon bestimmtes Leben erzählt. In der Einleitung erklärt Deborah Feldman, wie die Satmarer-Gemeinde gegründet wurde und dass diese streng orthodoxe jüdische Gemeinschaft der Meinung ist, dass der Holocaust eine Strafe Gottes gewesen sei, weil zu viele Juden sich nicht mehr gläubig genug verhalten hätten. Um nun eine weitere Strafe Gottes zu verhindern, unterwerfen sich die Satmarer
überaus strengen, eng gefassten Regeln. Diese Regeln sind auch in Deborah Feldmans Familie das alles bestimmende Element und die Einhaltung der durch den Rebbe aufgestellten Verhaltensvorgaben ist wichtiger als die einzelne Person. Dabei ist „Unorthodox“ keine detaillierte Biografie, sondern ein biografischer Roman, in dem das eine oder andere Element verändert oder zusammengefasst erzählt wurde, um die Identität Dritter zu schützen, was mich stellenweise beim Lesen dazu veranlasst hat, darüber nachzudenken, welche Passagen nun wirklich genau so passiert sein mögen und welche nicht.

Deutlich wird auf jeden Fall in den Kapiteln über die Kindheit der Autorin, dass die lebhafte und neugierige Deborah ständig in der Furcht lebt, dass sie mal wieder ihren Großvater enttäuscht oder dass eine ihrer Tanten mit ihrem Verhalten unzufrieden ist. Trotzdem fällt es ihr schwer, „brav“ zu sein, und sie muss immer wieder Fragen stellen, die von ihren Verwandten und der Gemeinde als unangemessen eingestuft werden, oder ihre Neugier befriedigen, indem sie Bücher liest, die eigentlich verboten sind. Dabei versucht sie selbst bei den Büchern nicht zu rebellisch zu sein und greift eher zu einer englischen Talmud-Übersetzung als zu einem Roman. Doch die englische Sprache gilt als unrein und als Mädchen darf sich Deborah ohnehin nicht mit dem Talmud beschäftigen. Obwohl sie inmitten einer großen Familie aufwächst, hat man das Gefühl, dass nur ihre Großmutter und ihr (geistig behinderter) Vater – innerhalb ihrer wenigen Möglichkeiten – nett zu ihr sind. Allen anderen Familienmitgliedern ist zu gut bewusst, dass Deborahs Verhalten grundsätzlich nicht angemessen ist und dass sie deswegen ständig gerügt werden muss.

Es gibt so einige Szenen in diesem biografischem Roman, die ich wirklich erschreckend fand, obwohl Deborah Feldman immer wieder betont, dass die handelnden Personen nur das Beste wollten. Aber die Vorstellung, dass zum Beispiel ein kranker Mensch keine medizinische Behandlung bekommt, weil der Großvater der Meinung ist, dass der Kranke in einer nicht-chassidischen Einrichtung nicht angemessen untergebracht wäre, macht mich fassungslos. Auch die Tatsache, dass es möglich ist, dass eine Gruppe von Menschen so abgeschlossen in einer modernen Großstadt lebt, ohne dass ein Großteil dieser Personen Zugang zu Nachrichten, Radio, Fernsehen oder gar Zeitungen hat, ist für mich kaum vorstellbar. Noch schlimmer fand ich die Szenen, die von den Hochzeitsvorbereitungen und dem Eheleben der Autorin berichten – sollte nicht gerade eine Gemeinde, deren erklärtes Ziel es ist, dass ihre Mitglieder möglichst viele Kinder bekommen, dafür sorgen, dass die Beteiligten zumindest eine grobe Vorstellung davon haben, wie man überhaupt Kinder zeugt? Stattdessen erzählt Deborah Feldman von monatelangen physischen und psychischen Problemen nach ihrer Hochzeit, während ihr Mann und sie verzweifelt versuchten, die Ehe zu vollziehen.

Für mich ist solch eine Welt, in der strenge religiöse Regeln das Leben beherrschen, sehr fremd. Ich habe zwar früher einige Mitschülerinnen/Kommilitoninnen/Schülerinnen gehabt, die auch in relativ strengen (christlichen/muslimischen) Familien lebten, aber bei diesen gab es keine so umfassende Abschottung von der restlichen Welt. Diese Mädchen/Frauen gingen immerhin auf ein öffentliches Gymnasium, studierten an einer ganz normalen Hochschule oder besuchten zusammen mit Altersgenossinnen aus verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen Weiterbildungsprogramme. So hat mich beim Lesen nicht nur das mir vollkommen fremde religöse Leben fasziniert und befremdet, sondern vor allem die Tatsache erschüttert, dass so eine extreme Abschottung inmitten einer lebendigen und multikulturellen Großstadt möglich ist.

Halo Summer: Aschenkindel – Das wahre Märchen (Hörbuch)

In den vergangenen Monaten bin ich immer wieder auf den diversen Blogs über die Bücher von Halo Summer gestolpert. Irgendwann bin ich dann bei dem Hörbuch von „Aschenkindel – Das wahre Märchen“ schwach geworden, weil ich dachte, dass das eine gute Möglichkeit sei, um den Schreibstil der Autorin kennenzulernen. Schließlich mag ich Märchen und Märchenadaptionen und ein Einzeltitel ist zum Ausprobieren auch weniger riskant als der Auftakt einer Reihe. Dummerweise bin ich aber mit der Geschichte nicht so recht warm geworden, was nicht nur an der – in meinen Augen unausgereiften – Protagonistin und ihrem Schwarm lag.

Aber erst einmal zu den Hintergründen: Die Geschichte von Clairie Farnflee spielt in derselben Welt wie die „Sumpfloch-Saga“ der Autorin, es gibt ein Kaiserreich, das den Großteil der Welt beherrscht, und ein paar wenige kleine Königreiche, die sich bislang noch gegen das Kaiserreich behaupten (oder einfach Glück hatten, dass der Kaiser sie noch nicht erobert hat). In Clairies Heimatkönigreich ist das Leben relativ einfach, Magie spielt keine besonders große Rolle, obwohl es gute Feen gibt (die anscheinend nicht mehr sind als magiebegabte Frauen, die als eine Art Patentante fungieren), Clairie einen Flugwurm hat (den stelle ich mir ein wenig wie einen chinesischen Drachen mit sechs Beinen vor) und es in dem an die Stadt angrenzenden Wald Vampire gibt. Alles in allem also relativ wenig Magie, dafür eine nette und bunte Mischung aus märchenhaften und fantastischen Elementen.

Clairie hat vor sechs Jahren ihren Vater verloren, der ein lebenslustiger Kaufmann war und auf einer seiner Reisen mit seinem Schiff (und leider auch seinem Vermögen) unterging. Seitdem führt die inzwischen Siebzehnjährige ihrer Stiefmutter und den beiden Stiefschwestern den Haushalt. Das Verhältnis zwischen dem „Aschenkindel“ und ihrer Stieffamilie ist zwar nicht besonders gut und Clairie ist den ganzen Tag auf den Beinen, um den Haushalt alleine einigermaßen in den Griff zu bekommen, aber sie hat immerhin Zeit, um Freundschaften zu schließen oder in den Wald zu gehen (wenn auch nur, um unter Lebensgefahr Leckereien für die Stieffamilie zu sammeln). Ihre „gute Fee“ ist anscheinend die einzige, die sich um Clairies Wohlergehen sorgt und somit ist sie es auch, die dem Mädchen eine Einladung zum Ball des Prinzen besorgt. Dummerweise hat Clairie kurz zuvor erst im Wald einen Fremden kennengelernt, der ihr Herz höher schlagen lässt. Warum auch immer ihr Herz das tut … Immerhin geht sie trotzdem auf den Ball und kommt mit dem Prinzen ins Gespräch, obwohl sie ihn aus seiner Kindheit noch als unerträglich verwöhnten Jungen in Erinnerung hat.

Wie gesagt, die Welt, in der das Ganze spielt, fand ich nett (wenn auch stellenweise etwas bemüht, wenn es um „exotische Zutaten“ oder ähnliches ging), auch mochte ich den einen oder anderen Nebencharakter (wie zum Beispiel die gute Fee oder den Prinzen). Nett fand ich auch, dass all die bürgerlichen jungen Frauen erst einmal einen Benimmkurs mitmachen musste, bevor sie auf das Schloss durften – so ein Hauch von Realität tat der Geschichte wirklich gut. Außerdem gab es hier und da Szenen, die ich sogar amüsant fand – erschreckend oft war dabei ein Frettchen oder ein anderes Tier involviert. Aber es gab auch viele Aspekte, die ich an dieser Geschichte als so ungesund und unangenehm empfunden habe, dass ich das Hören immer wieder unterbrechen musste, um mich abzuregen.

Ein Punkt, den ich wirklich schlimm fand, war die Szene, in der der Fremde, in den sich Clairie verliebt hat, ihr gesteht, dass er sie wochenlang heimlich beobachtet hat, um mehr über sie herauszufinden. Einen kurzen Moment lang regt sie sich auf, nur um sich dann auch noch geschmeichelt zu fühlen. Stalking ist nicht romantisch! Da ist es mir egal, welche Motivation dahintersteckt und ob es mit Magie oder auf anderem Weg passiert. Ich will nicht mal wissen, ob er ihr bei seinen Stalkingrunden ins Schlafzimmer gefolgt ist oder nicht – das ist kein akzeptables Benehmen für irgendeinen Menschen! Und wenn das dann auch noch als romantisch dargestellt wird, dann werde ich richtig wütend.

Ich kann ja noch verstehen, dass eine Siebzehnjährige Lust mit Liebe verwechselt, vor allem, da es das erste Mal ist, dass ein Mann ihr zeigt, dass er sie begehrt. Aber wenn sie wirklich so vernünftig wäre, wie es sie selbst ständig über sich sagt (und die Autorin anscheinend mit all den bissigen Bemerkungen in Clairies Gedanken und ihrer Beherrschung des anstrengenden Haushalts zeigen will), dann sollte es ihr bewusst sein, dass Lust keine Entschuldigung für sein Verhalten und keine zuverlässige Basis für eine langfristige Beziehung ist. Vor allem, da der Stalker nicht der einzige Mann ist, der an der Protagonistin interessiert ist, und sein Rivale ist nicht nur deutlich sympathischer, sondern nimmt sich auch die Zeit, die Freundschaft von Clairie zu gewinnen.

Der Stalker erklärt gegen Ende der Geschichte, als er und Clairie sich über das Kaiserreich und die Gefahren für ihr Heimatland unterhalten, dass es doch ein Glück für jedes kleine Königreich sein müsse, wenn das Kaiserreich es annektiere. Denn als Teil des Kaiserreichs würden die Bewohner des kleinen Königreichs von der großen Gemeinschaft der Weltmacht profitieren, es gäbe weniger Armut, die importieren Produkte wären günstiger und überhaupt ginge es allen Menschen besser (vom König vielleicht abgesehen, der nun keinen Einfluss auf sein Land mehr hat). So gut das alles vielleicht klingt, so gibt es doch einen deutlichen Unterschied zwischen einem freiwilligen Zusammenschluss unterschiedlicher Länder, die gemeinsam dafür sorgen wollen, dass es ihnen besser geht, oder der Unterwerfung kleinerer oder technisch angeblich rückständiger Länder, die sich nach der Einverleibung in ein großes Reich den dort herrschenden Regeln und Gesetzen unterwerfen müssen. Spontan fällt mir zumindest kein Beispiel ein, bei dem eines der vielen Länder, die z.B. zu einem der vielen Kolonialreiche gehörten, die in der Vergangenheit existierten, langfristig glücklich mit dieser Politik war. Stattdessen gibt es viele Probleme, die durch eine solche Machtpolitik entstanden sind und die bis heute den diversen ehemaligen Großmächten und den früher von ihnen beherrschten Gebieten Kopfzerbrechen bereiten. Aber was soll’s, „Aschenkindel“ ist ja schließlich ein Märchen und der Stalker der Held der Geschichte, da muss man seine Handlungen und Aussagen ja nicht weiter hinterfragen, oder?

Abendhimmel mit Müllverbrennung

In den letzten Wochen fand ich den Abendhimmel immer so schön, wenn ich rund um den Einbruch der Dunkelheit ins Badezimmer kam. Dummerweise gibt es keine Möglichkeit, den Himmel aus dem Fenster zu fotografieren, ohne das Nachbarhaus und den Schornstein der Müllverbrennung ebenfalls festzuhalten. Aber da das immer noch mehr Himmel ist, als ich von der Straße oder den anderen Räumen aus fotografieren kann, bin ich Samstagabend mal in die Badewanne geklettert, habe die Kamera aus dem Fenster gestreckt und endlich ein Foto gemacht.