Schlagwort: Märchen

Soman Chainani: The School for Good and Evil

In den letzten Wochen habe ich richtig viel Glück mit Romanen, die auf ungewöhnliche Weise mit Märchenmotiven umgehen. Nach „Indexing“ habe ich am letzten Wochenende „The School for Good and Evil“ von Soman Chainani gelesen. Das Buch reizte mich schon länger, nachdem es im letzten Jahr auf diversen Blogs aufgetaucht war, denn die Grundidee klang gut – und Märchenthemen kann ich ja eh schwer widerstehen.

„The School for Good and Evil“ dreht sich um zwei Mädchen, die in dem idyllischen Dorf Gavaldon aufgewachsen sind. Während die hübsche Sophie mit ihren goldenen Locken, blauen Augen und ihrem zarten Teint einer Märchenprinzessin entspricht, ähnelt Agathas Äußeres eher einer klassischen Hexe – was noch dadurch unterstrichen wird, dass sie mit ihrer Mutter auf dem Friedhof lebt und nicht gerade viel mit anderen Menschen anfangen kann. Trotzdem haben sich die beide Mädchen miteinander angefreundet, vor allem aufgrund Sophies unablässigen Bemühungen um Agatha.

Sophie ist sich nämlich sicher, dass sie beide auserwählt sind, um von dem „School Master“ entführt zu werden. Sie würde in dem legendären Internat alles erlernen, was eine Prinzessin benötigt, um Teil eines Märchens zu werden, während Agatha in dem „bösen“ Teil der Schule die Ausbildung zur Hexe einschlagen könnte. Doch Agatha glaubt eigentlich nicht, dass die legendäre „School for Good and Evil“ wirklich existiert – und selbst wenn es sie geben sollte, so versucht sie doch alles, damit Sophie nicht entführt wird. Natürlich scheitert Agatha – und findet sich kurz darauf mit Sophie in dem Internat wieder. Doch während Sophie im „bösen“ Teil landet, soll Agatha im „guten“ Teil der Schule ihre prinzessinenhaften Facetten ausarbeiten.

Soman Chainani spielt in diesem Roman ganz wunderbar mit den diversen Märchenthemen und zeigt deutlich, dass „gut“ und „böse“ nicht immer so einfach zu definieren sind. In beiden Teilen der Schule finden sich sympathische und unsympathische Schüler, und obwohl von den Lehrern stets das Konkurrenzdenken unter den Jugendlichen geschürt wird, entstehen immer wieder unerwartete und zerbrechliche Freundschaften. Dabei ist jedem Einzelnen die ganze Zeit über bewusst, dass nur einige Wenige von ihnen zu entscheidenden Märchenfiguren werden wird. Der Großteil von ihnen wird sich mit einem Leben als Handlanger, helfende Tierfigur oder einer vergleichbaren namenlosen Rolle begnügen müssen.

Einzig Agatha hält lange Zeit an dem Gedanken fest, dass sie mit Sophie aus der Schule flüchten muss, damit sie wie früher als Freundinnen in Gavaldon leben können. Doch Sophie arbeitet lieber daran, alle davon zu überzeugen, dass sie in der falschen Seite der Schule gelandet ist, dass sie gut ist und dass sie als (potenzielle) Prinzessin natürlich ihren Prinzen finden muss. All das führt zu einigen amüsanten Szenen, aber auch zu erschreckenden und traurigen Momenten, denn das Leben an der „School for Good and Evil“ ist – wie im Märchen – brutal und oft erbarmungslos.

Neben Sophies und Agathas Bemühungen um ihre Freundschaft, um Sophies Prinzen und um ihr Überleben an der Schule steht auch noch das Geheimnis des „School Master“ im Raum. Er war es, der die beiden Mädchen in die Schule gebracht hat, obwohl sie nicht aus der Märchenwelt stammen. Und niemand weiß, ob er gut oder böse ist und welche Absichten er mit den diversen Herausforderungen und Regeln verfolgt. Ich muss zugeben, dass ich nicht von jeder Wendung überrascht war, aber es gab genügend Momente, in denen ich die Einfälle und Entwicklungen, die Soman Chainani in die Geschichte einbaute, als ungewöhnlich genug empfand, um mich wunderbar unterhalten zu fühlen.

Ich mag die ganzen bösen Wendungen, die diversen Versuche der Charaktere, die Regeln der Schule zu umgehen und die oft entlarvenden Aussagen der diversen Figuren, die zeigen, dass die hinreißende Prinzessin nicht immer die Gute in der Geschichte ist, während die furchterregende Hexe manchmal einfach nur eine liebevolle Umarmung benötigen würde. Am Ende verändert sich die Schule, und ich muss zugeben, dass ich sehr gespannt bin, wie es nun dort weitergeht. Was dazu führt, dass ich wohl in absehbarer Zeit die Fortsetzung bestellen muss, um mehr Zeit mit Sophie und Agatha verbringen zu können … 😀

Diane Zahler: Princess of the Wild Swans

Eigentlich wollte ich mir nach „A True Princess“ ja etwas Zeit lassen, bevor ich „Princess of the Wild Swans“ lese, aber dann waren die Neugier und der Bedarf nach einer „schönen“ Lektüre doch zu groß. Gleich vorweg kann ich sagen, dass mir „Princess of the Wild Swans“ von allen drei Diane-Zahler-Romanen bislang am wenigsten gefallen hat – wobei das nicht heißt, dass mir die Geschichte gar nicht gefallen hätte. Ich fand sie nur nicht ganz so bezaubernd wie die anderen Märchen und hatte das Gefühl, dass hier weniger passiert, da sich die Handlung auf einen Zeitraum von wenigen Wochen beschränkt. Letzteres war zwar auch bei „A True Princess“ der Fall, aber dort reisten die Figuren immerhin währenddessen in ein anderes Königreich. 😉

„Princess of the Wild Swan“ basiert unübersehbar auf dem Märchen „Die wilden Schwäne/Die sechs Schwäne“, wobei ich das Gefühl habe, dass die Autorin sich sehr von der irischen Version hat inspirieren lassen – überhaupt ist dieses Märchenmotiv unglaublich verbreitet. In diesem Roman von Diane Zahler wächst die mutterlose Prinzessin Meriel mit ihrem Vater und ihren fünf Brüdern in einem Schloss auf, an dessen Fuß ein herzförmiger See liegt, welcher angeblich ein Tor zur Feenwelt ist. Erzogen wird Meriel von einer Gouvernante, doch das verwöhnte Mädchen möchte lieber all die Dinge lernen, mit denen sich seine Brüder beschäftigen, statt der ehe weiblichen Tätigkeiten wie Sticken und Nähen.

An dem Tag, an dem die Geschichte beginnt, kommt der König von einer Reise nach Hause, im Schlepptau eine neue Ehefrau, die überaus überrascht ist, dass ihr Gemahl nicht nur eine verwöhnte kleine Tochter hat (die keine Gefahr für einen eventuellen eigenen Sohn darstellen würde, da sie nicht erbberechtigt wäre), sondern auch fünf gesunde Söhne. Während Meriel die Stiefmutter auf den ersten Blick nicht leiden kann, sind ihre Brüder weniger misstrauisch gegenüber der schönen Frau – doch keine 48 Stunden später sind die Königssöhne aus dem Schloss verschwunden (angeblich abgereist, um eine Schule zu besuchen), während auf dem See fünf hübsche Schwäne schwimmen.

Dank der Hexe Riona – die mit Meriels Bruder Cullan befreundet war – findet Meriel heraus, dass es nur eine Möglichkeit gibt, den Fluch zu brechen, der auf ihren Brüdern liegt. Dabei helfen ihr nicht nur Riona, sondern auch Rionas Bruder Liam, die Mutter der beiden Geschwister und viele Bewohner des zum Schloss gehörigen Städtchens. Ich muss zugeben, dass ich die Szenen in der Hütte von Riona und ihrer Familie sowie die kleinen Einblicke in das Stadtleben sehr gemocht habe. Auf der anderen Seite war die Handlung schon sehr vorhersehbar, vor allem da sich die Autorin sehr an die märchenhafte Vorlage hält und die Prinzessin schweigend und unter Zeitdruck aus Brennnesseln Hemden anfertigen muss, während die böse Stiefmutter keinen Verdacht schöpfen kann.

So gab es im Vergleich zu den anderen Romanen weniger überraschende und magische Momente in „Princess of the Wild Swans“, stattdessen ein Gefühl von Hektik, da es keine zwei Tage dauert, bis die Prinzen verzaubert werden und Meriel dann nur wenige Wochen Zeit hat, um ihr Material herzustellen und zu nähen. Aufgelockert werden diese „Handarbeitsszenen“ durch Lieder und Geschichten, die der Prinzessin von Riona und Liam erzählt werden, durch die wachsende Freundschaft zwischen den drei Figuren, durch gefährliche Momente, die sie an dem See erleben, und durch weitere Charaktere, die im Laufe der Handlung hinzukommen. Und obwohl ich eigentlich Geschichten mag, in denen das Handarbeiten eine gewisse Rolle spielt, fand ich diese Szenen hier nicht so schön beschrieben. So fühlt sich das Ganze für mich nicht rund genug an, um am Ende das Buch so zufrieden weglegen zu können wie bei den anderen beiden Märchen.

Die am Ende des Buches vorhandene Vorschau auf die nächste Geschichte, „Sleeping Beautys Daughters“, macht mich dafür jetzt schon neugierig auf die nächste Märchenadaption von Diane Zahler. 😉

Diane Zahler: A True Princess

Nach „The Thirteenth Princess“ zogen recht schnell die beiden anderen Märchenadaptionen von Diane Zahler bei mir ein, aber das Lesen hatte ich mir noch etwas aufgehoben. Am Wochenende war es dann so weit, dass ich dringenden Bedarf nach einer Anti-Nörgel-Wohlfühl-Lektüre hatte und zu „A True Princess“ gegriffen habe. Während „The Thirteenth Princess“ ganz klar auf den zertanzten Schuhen basierte, lässt sich die Handlung von „A True Princess“ nicht so eindeutig einem Märchen zuordnen.

Die Hauptfigur Lilia wurde als kleines Kind in einem Körbchen den Fluss hinuntertreibend gefunden. Der Bauer, der das Mädchen fand, brachte es nicht übers Herz, sie weiter der Natur zu überlassen, und nahm sie mit nach Hause zu seiner neuen Frau Ysla und seinen beiden Kindern Karina und Kai. Sehr gut wird Lilia von Ysla nicht behandelt, aber sie fühlt sich trotzdem auf dem Hof wohl. Für Karina ist Lilia ihre kleine Schwester und auch mit dem gleichaltrigen Kai verbringt das Mädchen schöne Stunden, während die beiden die Schafe des Hofes hüten. Doch als Ysla Jahre später schwanger wird, möchte sie Lilia als Dienstmädchen an den Müller des Ortes verkaufen. Da dieser dafür bekannt ist, dass er nicht nur seine eigenen Kinder misshandelt, reißt Lilia aus – und prompt schließen sich ihr Karina und Kai an. Zu dritt machen sie sich auf in das nördliche Königreich, aus dem Lilia vermutlich stammt, um vielleicht mehr über die Herkunft des Mädchens herauszufinden.

Doch um weiter in den Norden zu gelangen, müssen die drei durch einen Elfenwald reisen. Eigentlich eine relativ ungefährliche Sache, wenn man sich an ein paar Regeln hält – doch natürlich ist es dann doch nicht so einfach und endet damit, dass Kai unter den Bann der Elfenprinzessin gerät. Um den Bruder und Freund zu retten, müssen Karina und Lilia im Schloss des nördlichen Königreichs ein Juwel finden. Eine Aufgabe, die ihnen dadurch etwas erleichtert wird, dass die beiden jungen Frauen als Dienstmädchen im Schloss eine Anstellung finden. Aber nicht nur die Rettung von Kai steht im Vordergrund dieser märchenhaften Geschichte, auch die Frage um Lilias Herkunft, der rätselhafte Prinzessinnen-Test, dem sich im Schloss regelmäßig die potenziellen Bräute für den Prinzen unterziehen müssen, und Karinas Gefühle für einen warmherzigen Ritter in Blau spielen eine große Rolle.

Wie so oft bei Kinderbüchern sind viele der Wendungen in diesem Roman für einen erwachsenen (oder auch nur aufmerksamen) Leser vorhersagbar, aber das ändert nichts daran, dass diese Geschichte einfach nur wunderbar ist. Diane Zahler kombiniert verschiedene Sagen- und Märchenelemente (die wilde Jagd, den durch einen Zauber geblendeten Kai, die Prinzessin auf der Erbse, vom Feenvolk geraubte Kinder/Wechselbälger) zu einer ganz bezaubernden Handlung mit sympathischen Protagonisten, amüsanten und bewegenden Momenten und natürlich einem spannenden Finale. Vom Gefühl her erinnert mich „A True Princess“ sehr an „Die gewöhnliche Prinzessin“. Aber das macht das Buch für mich nur umso schöner, da es die Hoffnung in mir weckt, dass ich auch diesen Titel in den kommenden Jahren immer wieder mit dem gleichen Vergnügen lesen kann.

Dabei fällt es mir wirklich schwer zu benennen, warum mir die Romane von Diane Zahler so gut gefallen. Auf der einen Seite schreibt die Autorin in einem klaren und schlichten Stil, der sich nicht nur gut lesen lässt, sondern auch zu einer so klassisch-märchenhaften Geschichte passt. Auf der anderen Seite hat jeder ihrer Charaktere – trotz einer gewissen Märchen- und Kinderbuch-Klischeehaftigkeit – Ecken und Kanten, die ihn sympathisch wirken lassen. Sehr niedlich wird zu Beginn von „A True Princess“ zum Beispiel beschrieben, wie unfähig Lilia doch am Herd ist und welch eine Qual es für ihre „Pflegefamilie“ ist, dass der tägliche Frühstücksbrei kaum essbar ist. Diane Zahler gelingt es hervorragend, eine Mischung aus Realismus und märchenhaften Elementen zu schaffen, die einen mit den Figuren mitleiden lässt, ohne dass man auf das Gefühl verzichten müsste, dass am Ende alles gut wird. Denn auch wenn sich die Autorin auf die eher düsteren Seiten der nordischen Mythologien bezieht, bleibt „A True Princess“doch eine Wohlfühlgeschichte, bei der man nie zweifelt, dass Lilia mitsamt ihren Freunden auf ein glückliches Ende zusteuert.

Letztendlich hat mir „A True Princess“ sogar noch besser gefallen als „The Thirteenth Princess“, da die Geschichte sich nicht auf ein einziges Märchenthema konzentriert. Zu schade, dass ich nur noch einen Titel („Princess oft the Wild Swans“) der Autorin auf dem SuB liegen habe und bis zum August warten muss, bis der nächste märchenhafte Roman von ihr als Taschenbuch erscheint. Ich werde versuchen, mir die Geschichte noch etwas aufzuheben, auch wenn ich es kaum erwarten kann, wieder in eine so süße, unterhaltsame, fesselnde und doch so angenehm vertraut wirkende Handlung einzutauchen, wie ich sie bislang bei diesen Märchenvarianten gefunden habe.

Diane Zahler: The Thirteenth Princess

Nachdem ich heute „The Thirteenth Princess“ von Diane Zahler ausgelesen hatte, habe ich gleich mal die anderen Bücher der Autorin auf meinen Wunschzettel gesetzt – dies nur, um mal anzudeuten, wie gut mir die Geschichte gefallen hat. Ich habe ja eh eine Schwäche für Märchen-Neuerzählungen, aber eine Variante der „Zertanzten Schuhe“ ist mir vorher noch nicht untergekommen, weshalb ich besonders gespannt auf diesen Roman war.

Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Zita, die als eine Art Dienstmädchen im Schloss lebt – und doch eigentlich die dreizehnte Prinzessin ist. Schon als kleines Mädchen bekommt Zita von der Köchin und der Haushälterin stückchenweise die Geschichte ihrer Eltern erzählt. Der König und die Königin heirateten aus Liebe, und die Geburt ihres ersten Kindes schien die Krönung dieser innigen Verbindung zu sein. Um seine Tochter Aurelia vor einem eventuellen Fluch zu schützen – schließlich weiß man ja, dass so etwas ständig schönen und geliebten Prinzessinnen passiert -, verbannte der König sogar jegliche Magie aus seinem Reich, vertrieb sämtliche Hexen und Zauberer und lebte erst einmal glücklich mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter.

Doch als auch in den kommenden Jahren nur Mädchen das Licht der Welt erblickten, reagierte der König mit jedem weiteren Kind immer ungnädiger. Nach Tochter Nummer zwölf entschied er, dass nun Schluss sein müsste – bis zu dem Tag, an dem ein anderer Monarch samt seiner vier Söhne zu Besuch kam und der König seiner inzwischen arg erschöpften großen Liebe noch eine weitere Schwangerschaft zumutete, in der Hoffnung, dass endlich ein Sohn das Licht der Welt erblicken würde. Doch statt des heiß ersehnten Thronfolgers wurde Zita geboren, während ihre Mutter – von den Strapazen der vielen Schwangerschaften erschöpft – verstarb. In seiner Wut und Trauer verbannte er die jüngste seiner Töchter, der er den Tod der Mutter zum Vorwurf machte, zum Personal.

Nachdem Zita herausgefunden hat, dass auch sie eine Prinzessin ist, versucht sie immer wieder, Kontakt zu ihren Schwestern aufzunehmen. Allen dreizehn Mädchen ist bewusst, dass sie sich weder vom König noch von den Dienstboten erwischen lassen dürfen, versuchen aber trotzdem, so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen. So wächst im Laufe der Jahre die Zuneigung zwischen den Schwestern, während Zita weiterhin von dem „normalen“ Leben der Prinzessinnen ausgeschlossen ist. Trotzdem bekommt sie natürlich mit, dass es immer wieder zu seltsamen Vorfällen kommt, wenn ein Prinz im Schloss weilt, und einige Zeit später beschleicht eine geheimnisvolle Krankheit ihre zwölf älteren Schwestern. Zita versucht daraufhin alles, um die Prinzessinnen zu retten.

Diane Zahler hat mit Zita nicht nur eine wirklich sympathische und überzeugende Figur erschaffen, sondern auch ein paar sehr schöne Wendungen in die Handlung eingebaut, die das klassische Märchen stimmig ausschmücken, ohne sich allzu viele Freiheiten mit der Grundgeschichte zu erlauben. Doch vor allem gefällt mir das Verhältnis der dreizehn Schwestern zueinander. Trotz aller Schwierigkeiten möchten die Mädchen einander nahe sein und so viel wie möglich miteinander teilen. Dabei beschreibt die Autorin sehr stimmig, wie sehr sich Zita nach der Aufmerksamkeit und Liebe ihres Vaters sehnt, während ihre Schwestern gern ein etwas weniger reglementiertes und freieres Leben genießen würden. Doch trotzdem sind sie nicht neidisch aufeinander, sondern teilen stattdessen, was sie haben.

Auch für die männlichen Figuren hat Diane Zahler eine schöne Lösung gefunden: So steht Zita ein gewitzter und warmherziger Stallbursche zur Seite, so dass sie nicht ganz ohne einen Verbündeten losziehen muss, um ihre Schwestern zu retten. Und auch der Soldat, der am Ende den Zauber bricht, der über die zwölf Prinzessinnen gewoben wurde, wird stimmig in die Geschichte eingeflochten. Einzig seine Gefühle für Aurelia scheinen mir etwas arg tief zu sein, wenn man bedenkt, dass die beiden nicht einmal ein Wort miteinander gewechselt haben – aber dafür ist es dann eben doch wieder ein Märchen.

Zusätzlich wird die Geschichte durch diverse atmosphärische Beschreibungen bereichert. Sowohl das Schloss mitsamt der Folgen, die durch den Bau über einem Fluss entstehen, wird detailliert beschrieben, als auch kleinere Örtlichkeiten mitsamt ihrer Besonderheiten und stimmungsvollen Details. Insgesamt habe ich mich sehr wohl gefühlt mit „The Thirteenth Princess“ und habe das Lesen dieser bezaubernden Geschichte nur unterbrochen, wenn es wirklich unbedingt sein musste.

Jennifer Carson: Hapenny Magick

Für den letzten Monat der English-Challenge habe ich „Hapenny Magick“ von Jennifer Carson gelesen und mich damit wunderbar unterhalten gefühlt. „Hapenny Magick“ ist ein niedliches Kinderbuch voller liebenswerter Figuren und mit Illustrationen, die ich einfach bezaubernd fand. Ich muss allerdings zugeben, dass die Zeichnungen von P. A. Lewis etwas altmodisch wirken. Für mich eine tolle Erinnerung an Geschichten, die ich als Kind gelesen habe, einer Freundin von mir haben die Zeichnungen hingegen nicht so gut gefallen.

Die Hauptfigur in „Hapenny Magick“ ist die dreizehnjährige Maewyn (Mae) Bridgepost, die seit sieben Jahren unter der zweifelhaften Obhut von Gelbane lebt. Mae ist eine kleine und zierliche Hapenny, hat lange pelzige Ohren und muss sich Tag für Tag um Gelbanes Hühner und Schweine, den Haushalt, das Frühstück und allerlei andere Dinge kümmern. Seit ihre Mutter verschwunden ist, schuftet das Mädchen rund um die Uhr und wird nur allzu oft mit Schlägen und Essensentzug belohnt. Trotzdem läuft sie nicht weg, denn sie hegt immer noch die Hoffnung, dass ihre Mutter wieder nach Hause kommt. Außerdem sollen Trolle in der Nähe unterwegs sein – und Trolle haben Hapennies zum Fressen gern.

Doch einfach ist es für Mae nicht weiterhin bei Gelbane auszuharren, denn seit einiger Zeit passieren seltsame Dinge rund ums Haus und reizen ihren Vormund (es gibt keine weibliche Variante dieses Wortes, oder?) bis zur Weißglut. Und irgendwie hat Mae das Gefühl, dass sie Schuld daran sein könnte, dass die Schweine ständig aus der Weide ausbrechen, die Hühner purpurfarbene Eier legen und bei Gelbane ab und an Hauer zu sehen sind. Als dann auch noch eines Nachts ein sprechender Rabe auftaucht und Mae zum Haus des Zauberer Callum führt, verändert sich ihr ganzes Leben.

Eins kann ich vorneweg sagen: „Hapenny Magick“ ist ein Kinderbuch und dementsprechend vorhersehbar ist auch die Handlung – vor allem da der Klappentext auch noch einen wichtigen Punkt verrät. Trotzdem hatte ich mit Mae einen wunderbaren Tag. Ich habe mit ihr gelitten, wenn Gelbane ihr eine Mahlzeit gestrichen und dafür Extraarbeiten aufgehalst hat, ich habe mich in die ordentlichen, freundlichen und fleißigen Hapennies verliebt und ich mochte Maes neue Bekanntschaften. Im Laufe der Zeit muss Mae lernen für sich einzustehen und dass sie – obwohl sie die kleinste der Hapennies ist – so einige Fähigkeiten hat, mit denen sie für die Gemeinschaft da sein kann.

Jennifer Carson hat so einige Elemente herangezogen, die altvertraut sind. Die Hapennies haben den einen oder anderen hobbitähnlichen Zug, es gibt freundliche Schweine, sprechende Raben, einen weisen Zauberer mit entzückenden Mitbewohnern, einen Riesen mit einem Dorn im Fuß und immer wieder gibt es heimelige Szenen, in denen zum Bespiel Essen eine Rolle spielt. Dabei wirkt es nicht so, als ob die Autorin einfach nur bewährte Versatzstücke zu einer netten Geschichte verquirlt hätte, sondern eher als ob man ein vertrautes und kuscheliges Umfeld betritt, in dem all die Dinge ihren Platz gefunden haben, die man mag.

Mir hat „Hapenny Magick“ so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall die Augen nach der Fortsetzung „Tangled Magick“ aufhalten werde, die auf der letzten Seite des Buches angekündigt wurde. Und dann hoffe ich, dass ich noch einmal so entspannende und heimelige Lesestunden mit Mae verbringen kann.

Robin McKinley: Rose Daugther

Nach dem Märchen-Tag (und dem ganzen Schreiben über Robin McKinley) und da ich dringend noch ein November-Buch für die English-Challenge benötigte, habe ich am letzten Wochenende zu „Rose Daugther“ gegriffen. Der Roman entstand zwanzig Jahre nach „Die Schöne und das Ungeheuer“ und ist ebenfalls eine Neuerzählung dieses Märchens. Aber diese Version zeigt deutlich, wie sehr sich die Sicht der Autorin innerhalb dieser Zeit auf das klassische Märchenmotiv verändert hat.

Die Geschichte beginnt mit den Kindheitserinnerungen von Beauty. Ihre Mutter stirbt als die Kleine fünf Jahre alt ist, aber sie erinnert sich noch immer genau an das Parfüm, welches die schöne und beliebte Frau immer umgeben hat. Auf der Suche nach der Blume, die einen solchen Duft hervorbringt, entwickelt das kleine Mädchen eine Schwäche für Gärten. Aber nicht nur als Quelle für Blumen, sondern auch als ruhiger Zufluchtsort vor all den Dingen, die von ihr erwartet werden, und vor dem Trubel in ihrem wohlhabenden Elternhaus, genießt sie die Nähe der Blumen.

Nach dem Tod der Mutter wird jede Zauberei vom Vater verflucht und von der Familie fern gehalten, da er den Wahrsagern und Hexen vorwirft, dass sie seine Frau vor dem Unglück nicht gewarnt haben. Und während irgendwann wieder der Alltag einzieht, träumt Beauty regelmäßig einen schrecklichen Albtraum, in dem sie einen langen Korridor entlangläuft an dessen Ende ein Ungeheuer auf sie wartet, und ruft beim Aufwachen nach ihrer Mutter. Einzig im Garten, wo sie heimlich unter der Anleitung eines alten Gärtners den richtigen Umgang mit Pflanzen lernt, fühlt sie sich wohl.

Nicht nur in dieser Beziehung unterscheidet sich Beauty sehr von ihren beiden älteren Schwestern: Lionheart, die älteste, ist sehr mutig, während Jeweltongue, die mittlere, besonders redegewandt und klug ist. Aber beide Schwestern gehen nicht sehr gnädig mit ihrer Umwelt um und so ist es Beauty, die die „ausgedienten“ Pferde und Jagdhunde von Lionheart in bessere Hände vermittelt und die verängstigte Dienstboten tröstet, wenn diese Opfer von Jeweltongues spitzer Zunge wurden.

Kurz vor der Doppelhochzeit von Lionsheart und Jeweltongue mit zwei angesehenen Adeligen wird bekannt, dass ihr Vater pleite ist (auch aufgrund der Tatsache, dass er in den letzten Jahren keine Geschäfte mehr mit Magiekundigen gemacht hat). Die Männer brechen die Verlobungen, die Dienstboten laufen davon und die Schwestern geben ihr Bestes, um mit der Situation fertig zu werden. Lionsheart übernimmt die Küche, Jeweltongue kümmert sich um den restlichen Haushalt und Beauty versorgt den Vater, der zusammengebrochen ist, und versucht einen Überblick über die finanzielle Lage zu bekommen. Letztendlich bleibt ihnen nur der Umzug in ein kleines Häuschen auf dem Land, welches den Schwestern von einer alte Frau vererbt wurde.

Falls ihr jetzt das Gefühl habt, ich hätte hier eine endlose Inhaltsangabe geschrieben: Die bisher aufgeführte Handlung findet auf den ersten 25 Seiten des Buches statt und ich finde es großartig, wie es Robin McKinley gelingt die Familie und ihre Eigenarten hier so klar zu charakterisieren. Aber man bekommt auch einen guten Einblick in diese Welt, in der Kräuterhexen, Zauberer, Wahrsager und Astrologen zum normalen Alltag gehören und in der die in Märchen und Sagen erzählten Geschichten etwas sind, was der Großmutter (oder deren Großmutter) passiert ist und was deshalb im Kern auf jeden Fall wahr sein muss, auch wenn es inzwischen mehrere Varianten einer Erzählung gibt.

Longchance heißt der kleine Ort, in dem die drei Schwestern mit ihrem Vater landen, und angeblich gab es vor langer, langer Zeit dort mal eine Schlacht zwischen Zauberern, was dazu führt, dass sich keine Kräuterhexe an diesem Ort ansiedelt, weil die Überreste der Vergangenheit zu Albträumen und anderen unangenehmen Dingen führen. Aber das „Rose Cottage“, welches die Schwestern geerbt haben, besitzt einen ganz eigenen Charme und zu ihrer Überraschung findet Beauty ein große Anzahl dorniger Büsche im Garten des Häuschen, welche sich als wunderbar duftende Rosen herausstellen und zu denen sie eine ganz besondere Bindung entwickelt. So ist es auch ihre Liebe zu Rosen, die dazu führt, dass ihr Vater nach einer unglückseligen Reise in die alte Heimatstadt, einem Schneesturm und dem lebensrettenden Aufenthalt in einem verzauberten Schloss, seine jüngste Tochter einem schreckenserregenden Biest überlassen muss …

Diese Variante ist deutlich „fantasylastiger“ als „Die Schöne und das Ungeheuer“, so hat Beauty zum Beispiel die Gabe Pflanzen und Blumen wachsen zu lassen, ihre Mutter hatte einen kleinen übellaunigen Hausdrachen und in dieser Welt existieren Rosen normalerweise nur in den Gärten von Zauberern, denn nur mit Magie bringt man sie zum Blühen. Aber gerade diese liebevollen fantastischen Einfälle machen für mich diese Variante des Märchens zu etwas besonderem. Und auch der Schluss, der ein wenig von der klassischen Version abweicht, ist so wunderbar – und in meinen Augen so viel stimmiger -, dass es sich allein schon deshalb lohne würde, diesen Roman zu lesen.

Es fällt mir wirklich schwer konkreter auf die ganzen schönen Elemente dieses Buches einzugehen. Am einfachsten lässt sich für mich der Unterschied zwischen „Die Schöne und das Ungeheuer“ und „Rose Daughter“ zusammenfassen, wenn ich es so beschreibe:

„Die Schöne und das Ungeheuer“ ist ein wunderschönes Märchen mit liebenswerten Figuren, die für eine solche Geschichte angenehm realistische Züge haben. Aber durch das ganze Buch zieht sich eine Harmonie, die mich ein wenig an einen Disney-Zeichentrickfilm erinnert. Bei „Rose Daughter“ fühle ich mich viel mehr an einen Ghibli-Anime erinnert. Es gibt unheimlich viele vertraute Elemente, die man aber mit ganz neuen Augen entdecken kann. Die Handlung bekommt ganz neue Facetten, die Magie gehört zum Alltag der Menschen und hat doch nichts von ihrem Zauber verloren, der ganze Roman ist von einer ganz besonderen Atmosphäre durchdrungen und dann nimmt sich Robin McKinley immer wieder Freiheiten in dieser „Neuerzählung“ heraus, die ihre Version zu etwas ganz eigenständigem machen.

Am Ende habe ich nicht das Gefühl, dass das Paar den Rest ihres Lebens in einer rosaroten märchenhaften Glückseligkeit verbringen wird, sondern dass Beauty und ihr Beast in Zukunft Höhen und Tiefen vor sich haben, die sie – so wie jedermann – gemeinsam durchstehen müssen. Und diese Vorstellung finde ich deutlich realistischer und damit auch viel schöner als die märchenhafte Variante …

Oh, und was das Englisch angeht, so schreibt Robin McKinley wirklich gut verständlich, aber durch Beautys Liebe zur Gärtnerei kam ich hier und da doch an  meine Grenzen, wenn es um die Bezeichnungen von Pflanzen ging. Die muss man aber jetzt auch nicht unbedingt alle komplett verstehen, um der Handlung problemlos folgen zu können, abgesehen davon, dass ich es nicht immer so einfach finde, wenn es z.B. darum geht den passenden Baumnamen im Deutschen zu finden, da einem die diversen Wörterbücher da gerne mehrere Varianten anbieten.

Patricia C. Wrede: Die Drachenprinzessin (Zauberwald-Chroniken 1)

Eine Prinzessin zu sein, ist manchmal gar nicht so leicht – vor allem, wenn man den Erwartungen der Familie nicht entspricht. Und Cimorene entspricht den Vorstellungen ihrer königlichen Eltern so gar nicht: Sie ist weder blond, noch niedlich, noch interessiert sie sich für’s Tanzen und Sticken oder gar für die Prinzen der Nachbarländer. Immer wieder bringt sie die Berater und das Personal ihres Vaters dazu, ihr Dinge beizubringen, die sich für eine Prinzessin nicht gehören. Als sie Fechtunterricht nimmt, wird dieser schnell von ihren Eltern beendet, und so ergeht es ihr auch, als sie Kochen, Zaubern und etwas über Staatskunst lernen will. Letztendlich sind ihre Eltern so verzweifelt über eine so unprinzessinenhafte Tochter, dass sie sie so schnell wie möglich verheiraten wollen (und wenn man den potenziellen Bräutigam mit dem halben Königreich bestechen muss).

Doch als Cimorene hinter den Plan ihrer Eltern kommt, läuft sie weg und beschließt eine Drachenprinzessin zu werden. Bei den Drachen zu leben ist vollkommen akzeptabel für eine Prinzessin – auch wenn man normalerweise dafür entweder von seinem Volk geopfert oder von einem Drachen entführt werden muss. So ist es für Cimorene auch nicht so ganz leicht einen Drachen zu finden, der bereit ist eine so energische Prinzessin aufzunehmen. Doch die Drachendame Kazul ist beeindruckt von Cimorenes Unternehmungsgeist und so beginnt die Prinzessin glücklich das Leben in der Drachenhöhle zu organisieren.

Mit dem Ordnen der Bibliothek und der Schatzkammer und dem Aufräumen und Putzen der Höhle ist Cimorene gut ausgelastet und kochen muss sie für die Drachendame auch noch. Da ist es mehr als hinderlich, dass ständig Prinzen und Ritter vorbeikommen und sie vor Kazul retten wollen. Und auch die Zauberer, die versuchen sich zu dem Gebiet der Drachen Zugang zu verschaffen, werden der Prinzessin schnell lästig.

Patricia C. Wrede hat mit der „Drachenprinzessin“ eine ganz wunderbare Geschichte geschrieben, die junge und alte Leser erfreut. Die amüsante Sicht der Autorin auf die klassische Märchenwelt und Cimorenes energische Art ihr Leben gegen die Traditionen aufzubauen sind mehr als unterhaltsam. Immer wieder stolpert man über kleine Szenen, die in sich so stimmig sind, dass man sich fragt, warum es nicht noch viel mehr Bücher gibt, die Geschichten außerhalb der Klischees zeigen.

Eine so vernünftige und emanzipierte Prinzessin ist nicht nur sympathischer als ein „Fräulein in Nöten“, sondern es macht auch deutlich mehr Spaß ihre Abenteuer bei den Drachen und im Zauberwald zu verfolgen. So ist es kein Wunder, dass ich dieses Buch (und die Fortsetzungen) mindestens einmal im Jahr lese und mich immer wieder an der schlagfertigen Cimorene und all den anderen liebenswerten Charakteren erfreue.