Ashley Weaver: Murder at the Brightwell (Amory Ames 1)

Über „Murder at the Brightwell“ von Ashley Weaver bin ich über Twitter gestolpert und da das Buch als „Wohlfühlroman“ und amüsanter Krimi bezeichnet wurde, habe ich mir spontan das eBook runtergeladen und gelesen. Die Handlung spielt im Jahr 1932 und die Geschichte wird aus der Perspektive von Amory Ames erzählt, einer noch relativ jungen Dame der Gesellschaft, die seit fünf Jahren mit Milo Ames verheiratet ist. Dass es mit ihrer Ehe nicht zum Besten steht, erfährt man schon auf den ersten Seiten. Milo ist ein Lebemann, der die vergangenen Monate ohne seine Frau an der Riviera verbracht und sich dort – wenn man den Gesellschaftsseiten der Zeitungen glauben darf – gut amüsiert hat. Trotz dieser Entfremdung zwischen Milo und Amory wird deutlich, dass es doch immer noch zwischen den beiden funkt, auch wenn sie anscheinend nicht wissen, wie sie ihre Ehe retten sollen.

So ganz sicher ist sich Amory auch nicht, ob sie ihre Ehe noch retten will, und so hat sie keine Hemmungen, gemeinsam mit ihrem ehemaligen Verlobten Gil Trent in ein Hotel an der See zu fahren, als dieser sie darum bittet. Dabei hat Gil nichts Romantisches im Sinn, sondern das Wohl seiner kleinen Schwester Emmeline, die sich gerade erst mit Rupert Howe verlobt hat. Gil ist sich sicher, dass Rupert Emmeline nicht liebt und definitiv nicht der richtige Mann für seine kleine Schwester sein wird. So hofft er, dass Amory, die früher einen gewissen Einfluss auf Emmeline hatte, seine Schwester davon überzeugen kann, dass Rupert nicht gut genug für sie ist. Doch bevor Amory überhaupt die Gelegenheit hat, den in dem Hotel am See versammelten Freundeskreis von Gil, Emmeline und Rupert besser kennenzulernen, wird Rupert ermordet und Gil als vermeintlicher Mörder verhaftet. Nun geht es für Amory nicht mehr darum, Emmeline vor dem gleichen Fehler zu bewahren, den sie selbst vor Jahren begangen hat, sondern zu beweisen, dass Gil nicht der Täter ist.

Ein Punkt, den ich an „Murder at the Brightwell“ sehr mochte, ist, dass Amory und der ermittelnde Inspector Jones sehr respektvoll miteinander umgehen. Man hat bei beiden das Gefühl, dass sie anerkennen, dass ihr Gegenüber intelligent ist und dass es ihnen beiden darum geht, dass der Mörder überführt wird. Das ändert natürlich nichts daran, dass Inspector Jones fest davon überzeugt zu sein scheint, dass Gil der Mörder ist, während Amory ebenso fest davon überzeugt ist, dass ihr ehemaliger Verlobter einer solchen Tat nicht fähig wäre. So kommt es, dass Amory gemeinsam mit Milo, der überraschend im Hotel auftaucht, anfängt zu ermitteln. Ich mochte das Zusammenspiel zwischen Amory und Milo sehr, gerade weil die beiden sich die ganze Zeit nicht sicher waren, was der andere empfindet, während es gleichzeitig für den Leser offensichtlich ist, dass die beiden noch Gefühle füreinander haben, sich aber nicht trauen, diese dem anderen einzugestehen, weil sie Ablehnung fürchten.

Der Kriminalfall selbst ist sehr klassisch aufgebaut. Es gibt eine überschaubare Gruppe, die mit dem Opfer bekannt war, und auf den ersten Blick gibt es keinen offensichtlichen Grund dafür, dass jemand Rupert ermorden wollen würde. Gemeinsam mit Amory, die als Außenseiterin dazukommt, lernt man als Leser die verschiedenen Personen und ihre Beziehungen zueinander kennen, was wirklich nett zu lesen ist – wobei ich hier anmerken muss, dass ich die Nebencharaktere nicht so prägnant fand, dass ich auf Anhieb die verschiedenen Personen problemlos zuordnen konnte. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt und eifrig mitgeraten, wer denn welchen Grund gehabt haben könnte, um zum Mörder zu werden. Ab dem zweiten Mord wurden die Hintergründe zwar dann offensichtlicher, aber insgesamt hat Ashley Weaver einen soliden Kriminalfall konstruiert.

Mir hat „Murder at the Blightwell“ gut gefallen, denn auch wenn die Probleme von Amory und Milo mit einem anständigen Gespräch hätten geklärt werden können, konnte ich die Beziehung der beiden angesichts der Persönlichkeiten der beiden Figuren und der Zeit, in der die Geschichte spielt, so akzeptieren. Ein bisschen haben mich die beiden an Nick und Nora Charles („Der dünne Mann“) erinnert, nur dass Amory nicht über das gleiche Selbstbewusstsein wie Nora verfügt und somit Probleme mit der Lebensweise ihres Mannes hat, statt mit ihm mitzuhalten und ihn regelmäßig herauszufordern. Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn sich Amory im Laufe der folgenden Bände noch weiter entwickeln und langfristig selbstbewusster mit Milos Verhalten umgehen würde. Alles in allem habe ich mich mit diesem Cozy gut amüsiert und habe schon mal den zweiten Teil der Reihe auf den Merkzettel gesetzt.

Was schön war (5)

Rib-eye Steak für ihn, Spinat-Flammkuchen für mich.

Den 13. Hochzeitstag mit leckerem Essen begehen,
gerade weil wir das Feiern dieses Tages bislang
nicht sehr oft auf die Reihe bekommen haben.

Die Forgotten-Circles-Erweiterung für das Gloomhaven-Brettspiel.

Nachschub für die Gloomhaven-Spielrunden bekommen,
auch wenn wir mit den Grundspiel noch lange nicht so weit sind,
dass uns die Herausforderungen und neuen Charaktere ausgehen. *g*

So ein riesiges Bett … *g*

Die erste Nacht im neuen und deutlich breiteren Bett verbracht
und somit die erste Nacht in 18 Jahren erlebt,
in der wir uns umdrehen konnten,
ohne auf dem anderen zu landen. 😉

August-SuB 2019

Nachdem ich mich im zweiten Quartal mit den Neuanschaffungen etwas zurückgehalten hatte, trafen im Juli nicht nur lauter Vorbestellungen bei mir ein, sondern auch die eine oder andere spontane Buchbestellung. Zum Glück war meine Leselust – dank des gemeinsamen Deborah-Crombie-Lesens mit Sayuri – auch wieder da, so dass ich insgesamt genügend gelesen habe, um den SuB trotzdem im Vergleich zum Vormonat ein kleines Bisschen schrumpfen zu lassen. 😉

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  4. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)
  5. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  6. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  7. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  8. Rhys Bowen: Royal Blood (Royal Spyness 4)
  9. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  10. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Speyness 6)
  11. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  12. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  13. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  14. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  15. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  16. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  17. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  18. Jim Butcher: Brief Cases (Anthologie)
  19. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  20. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  21. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  22. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  23. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  24. Roshani Chokshi: Aru Shah and the End of Time
  25. Louise Erdrich: The Birchbark House
  26. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  27. Jasmine Gower: Moonshine
  28. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  29. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  30. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  31. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  32. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  33. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  34. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  35. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  36. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  37. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  38. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  39. Rachel Hartman: Seraphina
  40. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  41. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  42. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  43. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  44. Tanya Huff: Valour’s Choice (Confederation Novel 1)
  45. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  46. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  47. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  48. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  49. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  50. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  51. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  52. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  53. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  54. Diana Wynne Jones: Power of Three
  55. Celine Kiernan: Geisterpfade
  56. Celine Kiernan: Königspfade
  57. Celine Kiernan: Begone the Raggedy Witches (The Wild Magic Trilogy 1)
  58. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  59. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  60. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  61. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  62. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  63. Seanan McGuire: This Ain’t Witchcraft (InCryptid 8)
  64. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  65. Seanan McGuire: Deadlands – Boneyard
  66. Kelly Meding: Stray Magic
  67. Kelly Meding: Stray Moon
  68. Kate Milford: The Boneshaker
  69. Bishop O’Connell: The Stolen
  70. Ellen Oh und Elsie Chapman (Hrsg.): A Thousand Beginnings and Endings (Anthologie)
  71. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  72. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  73. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  74. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  75. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  76. Sarah Prineas: Winterling (Summerlands 1)
  77. Sarah Prineas: Summerkin (Summerlands 2)
  78. Sarah Prineas: Moonkind (Summerlands 3)
  79. Philip Reeve: Larklight
  80. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  81. John Scalzi: Fuzzy Nation
  82. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  83. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  84. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  85. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  86. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  87. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  88. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  89. Charles den Tex: Die Zelle
  90. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  91. Sarah Tolcser: Song of the Current
  92. Tiffany Trent: Unnaturalist
  93. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  94. Catherynne M. Valente: Space Opera
  95. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  96. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  97. Xinran: Gerettete Wort
  98. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

92 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Sayantani Dasgupta: The Serpent’s Secret (Kiranmala and the Kingdom Beyond 1)

„The Serpent’s Secret“ von Sayantani Dasgupta ist der erste Band der dreiteiligen Reihe „Kiranmala and the Kingdom Beyond“. Die Geschichte beginnt an Kiran(mala)s zwölftem Geburtstag, als sie von der Schule nach Hause kommt und ihre Eltern verschwunden sind. Auf einer nicht beendeten Geburtstagskarte informiert ihre Mutter sie darüber, dass dies der Tag sei, an dem sie von einem Fluch eingeholt worden wären, dass Kiran eine Prinzessin sei (so wie ihre Eltern es ihr seit Jahren erzählen) und dass sie den Prinzen trauen soll. Kurz darauf klopfen wirklich zwei junge Prinzen an Kirans Tür und retten sie vor einem Rakkhosh. Gemeinsam reisen die drei ins Kingdom Beyond, einem magischen Königreich, in dem die Prinzen Neel und Lal zuhause sind und in dem auch Kiran und ihre Eltern geboren wurden.

Im Laufe ihrer Reise erfährt Kiran nicht nur mehr über das magische Königreich, aus dem sie stammt, sondern auch über ihre leiblichen Eltern und die beiden Menschen, die sie aufgezogen haben. Dabei erlebt sie eine sehr abenteuerliche Reise, voller Monster, Flüche, Rätsel und Reime, und all diese Elemente basieren auf indischen Mythen. Ich habe es sehr genossen, diesen Teil der Geschichte zu lesen, denn das Königreich ist voller Seltsamkeiten und Überraschungen, voller märchenhafter Elemente und Gefahren, die Kiran und die Prinzen bestehen müssen. Auf der anderen Seite gab es zwei Dinge, die ich an „The Serpent’s Secret“ sehr schade fand: Obwohl Kiran anfangs sagt, dass sie kein Mädchen sei, das den Jungs hinterherschaut, lässt sie sich ständig von Neels Gegenwart ablenken. Ihre Gefühle ihm gegenüber schwanken die ganze Zeit zwischen Bewunderung und Ablehnung, und das finde ich wirklich anstrengend zu lesen.

Außerdem nimmt sich niemand die Zeit, Kiran mal genau über die aktuelle Situation aufzuklären und über die Dinge, die sie beachten oder vor denen sie sich in Acht nehmen muss. Unter den Umständen ist es kein Wunder, dass sie ständig Fehler macht, die ihr dann natürlich vorgeworfen werden. So schwankt sie durchgehend zwischen „ich muss etwas tun, um die Menschen zu retten, die mir am Herzen liegen“ und „ich bin darauf angewiesen, dass ein Prinz mich und die meinen rettet, weil ich keine Ahnung von dieser Welt habe“. Ganz ehrlich, ein intelligentes Mädchen, das sich seit Jahren mit Bogenschießen beschäftigt hat, hätte eine deutlich bessere Rolle in dieser Geschichte verdient, wenn denn nur einmal einer der Einheimischen richtig mit ihm geredet hätte. Dabei ist es vermutlich nicht so unwahrscheinlich, dass zwei pubertierende Jungen nicht in der Lage sind, richtig zu kommunizieren (vor allem, wenn ihr Gegenüber nicht nur weiblich, sondern auch noch in einer verschmähten Welt aufgewachsen ist), aber die Geschichte hätte halt von einem etwas weniger klischeehaften Verhalten der Figuren deutlich profitieren können. Am Ende muss ich leider sagen, dass mir „The Serpent’s Secret“ lange nicht so gut gefallen hat, wie ich anhand all der fantastischen indischen Elemente erwartet hätte, so dass ich nicht nur die Reihe nicht weiterlesen, sondern auch den Roman aus meinem Bestand aussortieren werde.

Lila Bowen: Wake of Vultures (The Shadow 1)

„Wake of Vultures“ von Lila Bowen (Delilah S. Dawson) ist der erste Teil der Shadows-Serie und spielt in einem Western-Setting. Die sechzehnjährige Protagonistin Nettie Lonesome ist ein Halbblut, und da sie bei einem Paar Alkoholiker aufgewachsen ist, die sie wie eine Sklavin behandeln, weiß sie nicht viel über ihre Herkunft. Der einzige Mensch, der sie in all den Jahren freundlich behandelt hat, ist Monty, einer der Cowboys der Nachbarfarm. Monty hat kein Problem damit, dass Nettie lieber kein Mädchen wäre, und so behandelt er sie wie einen Jungen, nennt sie Nat und bringt ihr alles über das Zähmen von Mustangs bei, das er weiß.

Eines Nachts trifft Nettie auf der Farm einen fremden Mann, der sie bedroht, und um sich selbst zu schützen, ersticht sie ihn mit einem Stück Holz. Doch statt einer Leiche bleiben von dem Fremden nur seine Habseligkeiten, vier Zähne und ein Haufen schwarzer Sand zurück. Für Nettie ist das der entscheidende Anstoß, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie schneidet sich die Zöpfe ab und heuert als Ranch-Hand an. Doch obwohl sie jetzt das selbstbestimmte Leben führt, von dem sie immer geträumt hat, muss sie nun fürchten, dass sie als entlaufene Sklavin gesucht wird. Und dann ist da auch noch die Aztecan-Frau, die verletzt in der Prärie gefunden wird und von Pia Mupitsi erzählt, einem legendären Ungeheuer, das ihr Kind geholt hat. Auf einmal scheint Netties ganze Welt voller Monster zu sein, die es zu bekämpfen gilt. Doch so, wie nicht jeder Mensch automatisch gut ist, ist auch nicht jedes Monster automatisch böse.

Nettie ist kein einfacher Charakter, sie ist dickköpfig, häufig undankbar und kommt mit Pferden deutlich besser zurecht als mit Menschen. Ihr Leben lang hat man ihr gesagt, was sie nicht ist. Sie ist nicht weiß, sie ist kein Mann und sie ist nichts wert. Umso schöner war es, Nettie zu begleiten, während sie herausfindet, was sie ist und was sie vom Leben erwartet. Je länger sie auf eigenen Beinen steht, je mehr sie über die Welt und die Menschen und Monster, die sie bevölkern, erfährt, desto mehr findet sie über ihre Fähigkeiten und Stärken heraus. Die Autorin selbst bezeichnet Nettie als Trans-Charakter, wobei ich es dann unstimmig finde, dass Nettie sich bin zum Ende des Buches selbst als „sie“ bezeichnet. Auf der anderen Seite wäre es für eine Figur, die in einem 1870er Western-Setting lebt, vermutlich schwierig, eine Bezeichnung für sich zu finden, die „ich fühle mich weder als Junge noch als Mädchen“-beinhaltet, vor allem, da Nettie unter Weißen aufwuchs und nicht in einem der Stämme der Native Americans, die mehr als zwei Geschlechtsbezeichnungen in ihrer Sprache haben.

Mir gefiel an „Wake of Vultures“ nicht nur die Protagonistin und wie sie sich im Laufe der Geschichte ihren ganz eigenen Raum erobert, sondern auch die unbarmherzige Welt, in der Wasser knapp und ein Leben nicht viel wert ist. In dieses Setting passen Harpyien, Werwölfe und Zwerge ebenso gut wie die diversen anderen Monster, die Nettie im Laufe des Romans kennenlernt. Delilah S. Dawson mischt für ihre fantastische Western-Welt die verschiedensten Mythen und lässt die unterschiedlichsten Gestalten eine Nische in diesem trockenem und heißen Landstrich finden, obwohl man sich beim Lesen ständig fragt, wie überhaupt irgendein Lebewesen dort überleben kann. „Wake of Vultures“ erzählt keine schöne Geschichte, es gibt viele ekelhafte Elemente durch die Lebensbedingungen ebenso wie durch die Kämpfe, die Nettie bestreiten muss, aber der Roman bietet auch eine wunderbar selbstbewusste Protagonistin, ungewöhnliche Freundschaften und immer humorvolle Szenen, die eine kleine Erholung von all den düsteren Dingen in dieser Welt bieten.

Deborah-Crombie-Lesetag (3)

Genau genommen wird das hier nicht ein Beitrag für den heutigen Tag, sondern im Prinzip ein „Sammelbeitrag“ für die kommenden Tage, die Sayuri und ich dafür nutzen, um in ihrer Mittagspause (meine Frühstückspause 😉 ) gemeinsam den dritten Band der Kincaid-und-James-Krimis von Deborah Crombie zu lesen. An „Und ruhe in Frieden“ habe ich relativ wenig Erinnerungen, aber das ist der Teil der Reihe, der bei mir am ehesten ein „Elizabeth George“-Gefühl auslöst – vielleicht wegen des Umfelds, in dem der Mord passiert ist. Ich kann wirklich nicht genau sagen warum, aber das ist der Gedanke, der mir als erstes zu diesem Titel in den Sinn kommt. Mal schauen, ob mir das auch heute noch so geht oder ob ich dieses Mal beim Lesen gar nicht mehr verstehen kann, wo der Vergleich herkommt. *g*

Auch beim dritten Band halten wir uns mit Spoilern nicht zurück und somit sollten diejenigen, die diesen Krimi noch für sich entdecken wollen, diesen Beitrag lieber nicht lesen.

Update 15:00 Uhr

In „Und ruhe in Frieden“ bekommt der Leser erst einmal einen Prolog präsentiert, in dem beschrieben wird, wie Julia Asherton miterleben muss wie ihr kleiner Bruder Matthew in einem Bach ertrinkt. Die eigentliche Handlung beginnt dann mit Duncan Kincaid, der zu einem Mord gerufen wird, bei dem das Opfer Connor Swann ertrunken in einem Kanal gefunden wird. Seine Frau Julia scheint die einzige Person zu sein, die seinen Tod nicht betrauert, während ihre Eltern sehr erschüttert sind von dem Tod ihres Schwiegersohns. Ich finde es spannend, wie Deborah Crombie auf der einen Seite das Bild des netten, lebenslustigen und beliebten Connors zeichnet und auf der anderen Seite seine Frau stehen lässt, die meint, dass ihr Mann ein Schwein war und sie ihn verachtet hatte. Was sie natürlich – auch aufgrund des Prologs – sehr verdächtig wirken lässt. 😉

Was ich nicht so schön finde, ist Kincaids Haltung zu dem Fall. Er reist nur wiederwillig an, weil ihm der Fall als Gefälligkeit seines Chefs gegenüber Sir Gerald Asherton übertragen wurde. Er scheint so gar nicht neugierig auf die Menschen zu sein (abgesehen von Julia, die ihm aufgrund ihrer Ausstrahlung zu beeindrucken scheint) und scheint anfangs vor allem damit beschäftigt zu sein sich über das unbehagliche Wetter Gedanken zu machen als über den Fall, der vor ihm liegt. Gemma ist im Vergleich dazu angenehm professionell, beschäftigt sich mit den Unterlagen der örtlichen Kollegen, befragt nebenbei den Wirt des örtlichen Pubs und bleibt mit ihrer Konzentration bei den Ermittlungen, obwohl sie sich in der Gesellschaft der Ashertons unwohl fühlt. Ich habe mich beim Lesen ein bisschen gefragt, ob Deborah Crombie anfangs einfach Probleme hatte aus männlicher Perspektive zu schreiben. Es gab schon in den vorhergehenden beiden Büchern immer wieder Momente, die ich unstimmig in Bezug auf Duncans Charakter fand und die sich vor allem um seinen Umgang mit Frauen drehten (auch hier gibt es wieder eine seltsame Flirtszene mit einer Frau in der Gerichtsmedizin). Trotz dieser Elemente mag ich Duncan Kincaid, aber ich mag ihn in den späteren Büchern lieber, als diese spontane Anziehung zwischen ihm und anderen Frauen als Gemma nur noch von Sympathie und potenzieller Freundschaft zeugt und nichts anderes andeutet.

Für heute war es das schon mit meiner „Und ruhe in Frieden“-Pause, morgen gibt es hier dann ein Update, wenn ich weiterlese.

Dienstag 13:00 Uhr

Ich finde es lustig, dass ich gestern nach dem Lesen zwar weiter über „Und ruhe in Frieden“ nachgedacht habe, aber nicht über den gelesenen Teil, sondern über die Dinge, an die ich mich noch erinnere. Was erschreckend wenig ist, obwohl normalerweise nach wenigen Kapiteln wieder Erinnerungen an die Handlung auftauchen, wenn ich einen Roman schon mal gelesen hatte. Ich habe nur die ganze Zeit ein vages Gefühl, dass ich einen Teil der Handlung, der sich um Julia drehte, nicht so befriedigend fand. Mal schauen, ob sich dieses vage Gefühl in der heutigen Frühstückspause schon bestätigt oder ob ich mich im Laufe meiner Lesezeit an ein paar mehr Sachen erinnern kann. *g*

Update 14:30 Uhr

Für heute war es das schon wieder mit meiner Frühstücks-Lese-Pause. 😉 Ich mag, wie so langsam die eine oder andere Unstimmigkeit zum Vorschein kommt und wie Gemma und Duncan sich ihre Gedanken zu den verschiedenen Beteiligten machen. Spannend finde ich auch die vielen Facetten, die der ermordete Connor gehabt zu haben scheint. Ich glaube, der Connor, der für seine Freundin Sharon kocht und mit ihrer kleinen Tochter Hayley spielt, der Connor, der sich anscheinend nach einer Familie und liebevoller Gesellschaft sehnt, dieser Connor ist mir am Liebsten. Aber natürlich wird diese Seite von Connor nicht der Grund dafür gewesen sein, dass er umgebracht wurde …

Und um meine Sammlung an „relativ unbedeutende Nebenfiguren, die von Deborah Crombie in einer kleinen Szene vorgestellt werden und beim Leser hängenbleiben“ zu erweitern: Mir war der Galerist sehr sympathisch, der Julias Bilder ausstellt. Er ist zwar kein treuer Ehemann, aber er scheint ein netter Mensch zu sein, der sich Mühe gibt andere Personen nicht zu verletzen, der sich keine Illusionen über sich und seine Fähigkeiten macht und der sich freut, wenn ein Bild von jemandem gekauft wird, der sich darin verliebt hat. Ebenso habe ich den Pastor ins Herz geschlossen, dessen Leidenschaft für die Landschaftsgeschichte seiner Region etwas größer zu sein scheint als die Lust auf das Schreiben von Predigten. Diese Figuren bilden einen deutlichen Kontrast zu der Familie Asherton, die trotz ihrer Hilfsbereitschaft und Höflichkeit gegenüber Duncan und Gemma kühl und abweisen wirken.

Oh, und noch eine Bemerkung zu Gemma: Ich wusste noch, dass Gemma ihre Schwäche für klassische Musik erst im Laufe der Romanreihe entwickelt, hatte aber komplett vergessen, dass ein Besuch in der Oper (zur Bestätigung von Sir Geralds Alibi) diese Liebe ausgelöst hat. Das war eine schöne Szene, ebenso wie der Moment am Küchentisch, als sie Duncan ihr neues Wissen über La Traviata erzählt. 🙂

Morgen geht es hier weiter, für heute muss ich erst einmal mit „Und ruhe in Frieden“ aufhören.

Mittwoch 14:45 Uhr

Eine der letzten Szenen, die ich gestern gelesen habe, war die Befragung von Tommy Godwin und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass diese Person – trotz der Lässigkeit gegenüber Gemma – der Grund für den Tod von Connor ist. Irgendwo zwischen Tommy und den Asherton liegt die Lösung des Falls, auch wenn mir gerade spontan nur ein Grund einfällt und der scheint mir nicht wichtig genug für einen Mord.

Außerdem frage ich mich, ob diese seltsame Anziehung zwischen Duncan und Julia von Deborah Crombie nur deshalb eingebracht wurde, um zu erklären wieso Julia sich Duncan gegenüber stellenweise öffnet, obwohl Julia grundsätzlich als zurückhaltender Mensch beschrieben wird. Als ob es zwischen ihrem Protagonisten und den diversen weiblichen Nebenfiguren nur dann zu einem offenen Austausch kommen kann, wenn sich beider einer gewissen Anziehung bewusst sind. Während Gemma natürlich als Frau (und Mutter) das notwendige Fingerspitzengefühl hat, um mit Männern und Frauen zu reden, ohne dass da etwas mitschwingen muss. Was so auch nicht stimmt, denn bei Gemma schwingt gerade bei Frauen, die schön oder gebildet sind, etwas mit, das stark an Eifersucht erinnert, nur dass sie diese unschönen Regungen in der Regel unterdrückt.

Inzwischen haben Duncan und Gemma rausgefunden, dass überraschend viel Personen mit Connor am Abend seines Todes noch Kontakt hatten, auch wenn sie immer noch nicht wissen, was Connor an diesem Tag so sehr beschäftigt hat. Ich höre für heute erst einmal auf zu lesen, denn die letzten 50 Seiten des Romans würde ich gern am Stück konsumieren und da Sayuri in den letzten Tagen nicht so viel zum Lesen gekommen ist, will ich das Buch nicht so viel vor ihr beenden …

Dienstag, 06.08.

Da Sayuri gerade wirklich viel um die Ohren hat, haben wir beschlossen, dass wir die letzten Seiten von „Und ruhe in Frieden“ nicht gemeinsam lesen werde. Also habe ich heute Abend den Krimi beendet und sitze nun ein bisschen grummelig da. Auf der einen Seite kann ich gut damit leben, dass Duncans „Beziehung“ zu Julia von der Autorin als Katalysator benutzt wurde, um Duncan einen Übergang von seinem „Single-Darsein, nachdem mich meine Ex-Frau so verletzt hat“ zu einer potenzielle Beziehung mit Gemma zu bieten. Auf der anderen Seite hasse ich Kriminalfälle, bei denen es letztendlich nur darum geht, wer vor vielen, vielen Jahren mit wem geschlafen hat. Ich hatte auf jeden Fall recht, dass Tommy in gewisser Weise in die Ursache für den Mord involviert war. Oh, und der Mord könnte auch nur unterlassene Hilfeleistung gewesen sein, weil wohl nie bewiesen werden kann, ob Connor absichtlich ins Wehr gestoßen wurde oder ob die beteiligte Person „nur“ keine Hilfe geholt hat, als Connor zu ertrinken drohte.

Es ist irgendwie lustig, dass ich die Bücher immer noch sehr gern mag, aber bei einem so aufmerksamen Wiederlesen eine Menge Punkte finde, die mich ärgern oder bei denen ich der Meinung bin, dass Deborah Crombie das besser hätte lösen können.

Mit „Das verlorene Gedicht“ geht es vermutlich in der kommenden Woche los – das hängt ein wenig davon ab, ob und wie Sayuri das gemeinsame Lesen einrichten kann. Da ich den Band in sehr guter Erinnerung habe, bin ich gespannt, ob ich da auch so viele Elemente zum Bekritteln finde oder ob ich die Geschichte rundum genießen kann. (Wobei ich mich jetzt schon daran erinnere, dass ich das Mordmotiv in dem Roman auch nicht so prickelnd fand, aber an alles andere habe ich wirklich gute Erinnerungen! *g*)

Lese-Sonntag Juli 2019

Ganz „traditionell“ fange ich diesen Beitrag wieder an mit: Heute ist wieder der dritte Sonntag im Monat und somit Lese-Sonntag. 😉 Ich hänge gerade ein bisschen zwischen zwei Büchern, da ich am Freitagabend den zweiten Band von „The Apprentice Witch“ beendet hatte und gestern nach der Frühstücksverabredung mit der ehemaligen Nachbarin zu kaputt war, um ein neues Buch anzufangen. Eigentlich darf ich mich über den Sommer nicht beschweren, da es relativ wenige richtig heiße Tage hintereinander gab und dafür relativ viele Phasen, in denen es zumindest nachts kühl genug war, um die Wohnung auf annehmbare Temperaturen zu bekommen, aber der gestrige schwül-heiße Tag hat mich wirklich fertig gemacht. Deshalb gab es also gestern ab dem Nachmittag nur noch die Switch und eine Runde Renovierungssendungen für mich und ich muss mich nun für einen neuen Roman entscheiden.

In Reichweite liegen „Brief Cases“ von Jim Butcher (eine Anthologie mit Harry-Dresden-Geschichten, die ich schon seit ein paar Tagen anfangen möchte), „Urban Shaman“ von C. E. Murphy (Urban Fantasy zum Ausprobieren, ob ich die Autorin auch in diesem Genre mag,) und „When Death Comes Stealing“, den ersten Tamara-Hayles-Krimi von Valerie Wilson Wesley. Letzterer ist meine aktuelle Wartezimmerlektüre und es wäre schön, wenn ich darin mal mehr als ein paar Seiten am Stück lesen würde, auch wenn der wirklich kurze Roman, dann wohl innerhalb einer Stunde beendet wäre und ich mir neue Wartezimmerlektüre suchen müsste. *g*

Ich schau gleich mal, ob mich eines der drei Bücher packt und wenn nicht, dann habe ich da ja noch einen SuB mit reichlich Auswahl und einen Leihbücher-Stapel voller (japanischer) Geschichten. Ansonsten haben mein Mann und ich für den heutigen Vormittag eine Gloomhaven-Runde geplant und ein bisschen im Haushalt rumwuseln darf ich auch noch, aber erst einmal lese ich ein wenig. 🙂

Update 10:30 Uhr

Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr ich mich ablenken lasse, wenn ich doch eigentlich lesen will. Unter anderem habe ich heute morgen die aktuelle Sendung mit der Maus (rund um den Mond) gesehen, da für meinen Mann der Fernseher zu seiner „Wachwerde“-Zeit gehört. Ein bisschen habe ich inzwischen aber auch in „Urban Shaman“ gelesen und nach einem etwas holprigen Start, weil die Ausgangsszene doch etwas arg unglaubwürdig war (die Protagonistin sieht aus einem landenden Passagierflugzeug heraus eine Frau, die von einer Hundemeute gejagt und von einem Mann mit einem Messer auf einem Parkplatz gestellt wird), finde ich die Geschicht doch nett. So ganz weiß ich noch nicht, was ich von den mythologischen Elementen halte (der Mann mit dem Messer soll Cernunnos sein), die Protagonistin Joanne Walker (Walkingstick) ist halb Cherokee, halb Irin (und hat laut Klappentext schamanische Fähigkeiten, auch wenn sie das noch nicht weiß, was ich aber als Erklärung für die Flugzeugfenster-Sache nehme). Bislang gefällt mir das Verhältnis, dass sich zwischen Joanne und dem Taxifahrer Gary, der sie vom Flughafen aus zu dem Parkplatz gefahren hat, am Besten an dem Buch. Gary ist ein alter Mann, der in seiner Jugend Football gespielt hat und immer noch die dementsprechende Figur aufweist, der vor einigen Jahren seine Frau verloren hat und der ständig stichelnde Bemerkungen macht. Trotzdem steht er Joanne zur Seite, als sie sich auf diese seltsame Suche nach der unbekannten Frau macht, die vielleicht vor einem Messerstecher gerettet werden muss. Ich mag gut geschriebene und konstruierte Urban Fantasy, aber selbst wenn ich den Weltenbau noch nicht überzeugend finde, so kann mich eine UF-Geschichte auch gut unterhalten, wenn mir die Charaktere – in all ihrer Grumpigkeit – sympathisch sind. Ich bin gespannt, ob mich der Weltenbau im Laufe der Geschichte mehr überzeugt, halte beim Lesen aber auch im Hinterkopf, dass das der Debütroman der Autorin ist. 😉

Jetzt aber erst einmal Frühstück und „Gloomhaven“ …

Update 13:00 Uhr

Ein Brute allein im Dungeon …

Genau genommen wurde es erst einmal nur „Gloomhaven“ und ich muss zugeben, dass diese heutige Brettspielrunde überraschend frustrierend war. Normalerweise macht es mir nichts aus, wenn wir mehrere Anläufe für ein Szenario benötigen, aber nach den heutigen drei Anläufen brauchte ich erst einmal eine Pause. Wir haben heute das erste Solo-Szenario von meinem Brute gespielt, was bedeutet, dass ich mit meinem Charakter allein ins Dungeon gegangen bin, während mein Mann die Steuerung der Gegner übernommen hat. Zwei Punkte haben dabei gleich mehrfach zu meinem Scheitern geführt: 1. hat der Brute beim Spiel am vergangenen Wochenende ein Level dazu gewonnen, was dafür sorgt, dass die Gegner deutlich schwerer geworden sind, und 2. ist mein Brute ein Teamspieler, der heftigen Schaden bei den Monstern verursacht und viel Schaden einsteckt, der dann von den Teammitgliedern wieder geheilt wird. Das mit dem Schadeneinstecken hat er dieses Mal auch hinbekommen, aber mit nur einer einzige Möglichkeit zu heilen und Gegner, die dank hoher Schildzahlen nur schwer zu töten waren, war mein Brute immer schon besiegt, bevor er den zweiten von drei Räumen überhaupt durchquert hatte. Es gibt theoretisch die Möglichkeit die Schwierigkeit dieses Solo-Szenarios runterzusetzen, wir überlegen noch, ob wir dass dann für die nächste Spielrunde machen oder nicht. Ich fände es auf jeden Fall schade, wenn ich meinen Brute mit so einem frustrierenden Gefühl in Rente schicken würde und er hat nur noch eine einzige Aufgabe zu bewältigen, bevor er in den Ruhestand gehen muss.

Knäcke mit Gurke und Möhrenstücken

Jetzt aber erst einmal Frühstück – heute bin ich ungewöhnlich hungrig *g* – und weiter in „Urban Shaman“ lesen.

Update 15:00 Uhr

In der Zwischenzeit habe ich mein Frühstück gegessen, weitergelesen und etwas Zeit in der Küche verbracht. Bislang finde ich „Urban Shaman“ ganz unterhaltsam, auch wenn ich den „übernatürlichen Bereich“ etwas willkürlich gestaltet finde und mich die Magie noch nicht so recht überzeugt. Dafür mag ich die Charaktere immer mehr – auch wenn eine interessante Figur gerade ermordet aufgefunden wurde. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und welche Überraschungen die Handlung für mich noch bereit hält. Trotz der einen oder anderen Schwäche ist es ein nettes Buch und wenn der Roman bis zum Ende sein Niveau hält (oder vielleicht sogar besser wird), werde ich mir die Fortsetzungen der Reihe wohl auch mal anschauen.

Ansonsten ist es heute ein extrem ruhiger Lese-Sonntag, denn Ariana ist die einzige Person, die noch mitmacht. Keine Ahnung, ob die anderen heute anderes zu tun haben, einfach nur keine Lust hatten oder ob sie Probleme mit meinem Blog haben. Ariana zumindest meinte, dass sie den heutigen Blogpost erst über den Direktlink, den ich ihr per Twitter gegeben habe, hätte aufrufen können und vorher hätte sie keinen Beitrag für den heutigen Tag gefunden, obwohl sie meinen Blog mit mehrere Browser aufgerufen hatte. Ich finde es immer etwas frustrierend, wenn es ein Problem zu geben scheint und es gibt keinen Hinweis darauf, was das verursacht …

Update 17:45 Uhr

Zwischendurch habe ich „Urban Shaman“ kurz verlassen und stattdessen den Comic „Mysticons“ von Kate Leth (Autorin) und Megan Levens (Zeichnerin) gelesen. Von dem selben Team hatte ich schon „Spell on Wheels“ gelesen und sehr gemocht, weshalb ich vor einiger Zeit diesen Comic auf die Merkliste gepackt hatte. Jetzt nach dem Lesen fühle ich mich ein bisschen unbefriedigt, denn die Zeichnungen waren zwar nett und die Charaktere waren mir sympathisch, aber ich habe das Gefühl, dass mir irgendwie eine Vorgeschichte oder Hintergrundwissen fehlt. Alles in allem eine nette Lektüre, aber nicht gut genug, um auch noch den zweiten Band lesen zu wollen.

Comic und Kekse am Nachmittag

Die Handlung in „Urban Shaman“ nimmt langsam Fahrt auf, die Geschichte macht mir immer noch viel Spaß (auch wenn eine Frau, die ein Nahtod-Erlebnis und zum ersten Mal beeindruckende „magische“ Fähigkeiten eingesetzt hatte, für mein Gefühl nicht ganz so energisch die Existenz übernatürlicher Elemente leugnen müsste, aber das führt immerhin immer wieder zu amüsanten Szenen). Ansonsten genieße ich sehr, dass es bislang keine Liebesgeschichte gibt (auch wenn sie ein interessantes Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten hat und ich fürchte, dass da (langfristig) noch etwas kommen könnte). Doch vor allem dreht sich die Handlung um die Wilde Jagd, um die Akzeptanz von Joannes ererbten Fähigkeiten und darum denjenigen zu stoppen, der in den letzten Wochen einigen Menschen in der Stadt ermordet hat.

Bis zum Abendessen ist es noch etwas hin (den Salat habe ich schon heute Mittag vorbereitet, das Fladenbrot habe ich heute Nachmittag gebacken, das Servieren wird dann mein Mann übernehmen 😉 ) und ich stecke einfach weiter meine Nase in mein Buch.

Update 21:15 Uhr

Fladenbrot, Feta und Gurkensalat mit Joghurt-Dill-Sauce

Seit dem letzten Update gab es noch ein paar Kapitel in „Urban Shaman“, das Abendessen und eine Runde „Animal Crossing“. Bei „Animal Crossing“ sammel ich seit einiger Zeit etwas gezielter die Fotos meiner Nachbarn (genau genommen seit dem Zeitpunkt, an dem wir die Amiibo-Karten hatten, mit denen man sich gezielt neue Nachbarn ins Dorf einladen kann). Es dauert immer einige Zeit, bis die Freundschaft mit den Nachbarn so intensiv genug ist, dass sie einem ein Foto schenken, aber das sorgt dafür, dass ich auch nach über sechs Jahren noch eine Art „Ziel“ im Spiel habe. Wie man auf dem Bild sehen kann, habe ich bald alle Fotos von vogelartigen Nachbarn – die Hühner und Hähne sind schon vollständig, die Entenfotos musste ich in einem anderen Raum lagern. *g*

Da ich heute nur noch etwas bis zum Schlafengehen lesen werde (mal schauen, ob ich den Roman heute noch beenden kann), ist dies mein letztes Update für heute. Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und für Ariana hoffe ich, dass sie in den letzten Stunden ihres Lesemarathons noch gut durchhält. *g*

Heutige Mitleserin:

Ariana

Sarah Prineas: The Lost Books – The Scroll of the Kings

Seitdem mir die „The Magic Thief“-Reihe von Sarah Prineas vor einigen Jahren so gut gefallen hat, halte ich immer die Augen nach neuen Veröffentlichungen der Autorin offen. Leider gibt es relativ wenige (und vor allem keine aktuellen) Informationen auf ihrer Homepage, so dass es immer ein Glücksspiel ist, ob und wann ich bei meiner Suche über neue Titel stolpere. Bei „The Lost Books – The Scroll of the Kings“ wüsste ich zum Beispiel gern, ob das der Auftakt einer neuen Reihe ist oder ein für sich stehendes Buch. Ich kann zumindest sagen, dass es auch als Einzelband wunderbar funktioniert, auch wenn ich gern noch mehr über den Protagonisten Alex(andren) und die verlorenen Bücher lesen würde.

Zu Beginn des Buches arbeitet Alex als Assistent für Master Farnsworth, den Bibliothekar der Dowager Duchess Purslane. Doch als Master Farnsworth stirbt (und Alex ist sich sicher, dass ein ganz bestimmtes Buch für den Tod des Bibliothekars verantwortlich ist), muss sich der Junge eine neue Stellung suchen. Er ist nicht nur (angehender) Bibliothekar mit Leib und Seele, sondern auch wild entschlossen, dem Geheimnis der gefährlichen Bücher auf die Spur zu kommen. So gibt er sich der Königin gegenüber als sein verstorbener Meister aus und übernimmt – probeweise – die Bibliothek des Schlosses. Auch hier befinden sich so einige gefährliche Bücher, und Alex muss nicht nur herausfinden, was diese Titel zur tödlichen Lektüre macht, sondern auch darum kämpfen, seinen Posten als Schlossbibliothekar zu behalten. Aber er ist nicht der Einzige, der mit Herausforderungen konfrontiert wird, die ein bisschen zu groß für ihn zu sein scheinen. Auch Queen Kenneret – die sich sicher ist, dass ihr neuer Bibliothekar nicht der ist, der er vorgibt zu sein – stehen in „The Lost Books – The Scroll of Kings“ einige Kämpfe bevor, die über die Zukunft des Landes entscheiden können.

Ich fand es spannend, mir beim Lesen Gedanken darüber zu machen, was wohl vor sechzig Jahren passiert ist, dass alle Bibliotheken geschlossen und bestimmte Bücher weggesperrt wurden. Ebenso spannend fand ich es, gemeinsam mit Alex mehr über diese gefährlichen Bücher herauszufinden und über die Dinge, die diese Bücher zu so einer Gefahr werden lassen. Doch vor allem habe ich es genossen, durch Alex‘ Augen die Schlossbibliothek zu entdecken, mir Gedanken über den Zustand der Bücher zu machen und mich mit ihm zu ärgern, wenn er entdeckt, dass jemand sein mühsam erstelltes Katalogsystem durcheinandergebracht hat. Ich mochte den Beschützerinstinkt, den Alex gegenüber den Büchern hatte, und ich mochte seine kurz angebundene und zielstrebige Art, die zu einigen amüsanten Dialogen führte, weil kaum ein anderer Mensch mit seiner „Unhöflichkeit“ umgehen konnte. Ebenso gefielen mir die Passagen, die aus Kennerets Sicht geschrieben waren, weil die junge Königin nach gerade mal vier Monaten im Amt immer noch auf der Suche nach dem richtigen Weg für sich ist. Kenneret arbeitet hart und ist sich der Tatsache bewusst, dass sie als Königin für die schweren Entscheidungen im Land verantwortlich ist, aber um diese zu fällen, muss sie erst einmal herausfinden, wer ein vertrauenswürdiger Berater ist und wer ihr die notwendigen Informationen für ihre Beschlüsse besorgen kann.

Ich habe wirklich eine Schwäche für die eigensinnigen und intensiven Charaktere, die Sarah Prineas für ihre Bücher schafft, und genieße ihre Romane sehr. Ihre Geschichten leben für mich von diesen ganz besonderen Figuren, den ungewöhnlichen Ideen hinter ihren Romanen und von all den kleinen Szenen, in denen man die Charaktere besser kennenlernt und sie ein Stückchen bei ihrem Alltag begleitet. Letzteres macht es schwierig, die Handlung so zusammenzufassen, dass man nicht zu viel verrät, denn auf den ersten Blick scheint nicht so viel in ihren Geschichten los zu sein. Aber ich brauche nicht viele Szenenwechseln oder eine sich über einen langen Zeitraum entwickelnde Handlung, wenn mich diese kleinen Szenen amüsieren und mich mit vielen ungewöhnlichen Details versorgen, die meine Fantasie anregen und in mir den Wunsch wecken, ich könnte ein bisschen Zeit in dieser Welt verbringen, und die mir zeigen, dass sich die Charaktere stetig weiterentwickeln. So ist es wohl nicht überraschend, dass ich gern noch mehr Geschichten über Alex, Kenneret und die vielen verschiedenen Bücher in ihrer (oder anderen) Bibliothek(en) lesen würde, auch wenn die Handlung in „The Lost Books – The Scroll of the Kings“ ein befriedigendes Ende bietet.

James Nicol: The Apprentice Witch

Ich mag Geschichten mit Hexen, ich mag Geschichten, die mir etwas zum Schmunzeln geben, und ich mag Geschichten, die mich beim Lesen an andere Geschichten denken lassen, die mir früher schon gefallen haben. „The Apprentice Witch“ von James Nicol erfüllt all diese Punkte, und beim Lesen musste ich an „Kikis kleiner Lieferservice“, „The Worst Witch“, „Little Witch Academia“ und viele andere Geschichten denken, die ich gerne mag. Trotz all der Szenen, die mich an andere Dinge erinnert haben, ist „The Apprentice Witch“ ein ganz eigener wunderbarer Roman, den ich sehr genossen habe. Die Handlung dreht sich um Arianwyn Gribble, die zu Beginn des Buches kurz vor ihrer Abschlussprüfung zur Hexe ist. Dabei müssen die Hexen in dieser „modernen“ Welt (es gibt Züge, Autos, Telefone und diverse technische Elemente rund um die Magie – es fühlt sich insgesamt nach der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an) sich einer Messung durch den „evaluation gauge“ unterziehen. Als die fünfzehnjährige Arianwyn an der Reihe ist, gibt es Probleme mit dem Gerät, und so wird ihr der Aufstieg zu einer Hexe mit abgeschlossener Ausbildung verweigert.

Trotzdem bekommt sie einen ersten Posten als „Apprentice Witch“ in dem kleinen Städtchen Lull am Rande des Landes Hylund, direkt neben dem Großen Wald, der – Legenden zufolge – voller magischer Kreaturen sein soll. Da das Städchen sehr klein ist und es in den vergangenen Jahrzehnten ganz ohne eigene Hexe ausgekommen ist, geht man davon aus, dass Arianwyn dort nicht über Probleme stolpern wird, die sie nicht bewältigen kann. Doch natürlich trifft die junge Hexe noch vor ihrer Ankunft in Lull auf eine Herausforderung, mit der sie kaum fertig wird. Das ist natürlich nur der Anfang einer ganzen Reihe von Vorfällen, die sie immer wieder an die Grenzen ihres Wissens und Könnens bringen und dafür sorgen, dass der Bürgermeister Mayor Belcher die neue Hexe in der Stadt von Anfang an misstrauisch im Auge behält.

Ich mochte vor allem die kleinen Szenen, die beschreiben, wie Arianwyn in Lull ankommt, das Spellorium (ihren Zauberladen) in Besitz nimmt und sich mit Salle, der Nichte der Wirtsleute in Lull, anfreundet. Aber auch die kleinen Auseinandersetzung mit magischen Wesen (die sich zum Beispiel in menschlichen Häusern eingenistet haben und dort Unfug anrichten) habe ich gern verfolgt – vor allem, da Arianwyn regelmäßig denkt, sie hätte eine Situation im Griff, und dann passiert irgendeine Kleinigkeit, die zu absolutem Chaos führt. Das bietet nicht nur viele amüsante Momente für den Leser, sondern Arianwyn die Möglichkeit, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Denn so einfach ist es für Arianwyn nicht, zum ersten Mal auf eigenen Füßen zu stehen und die Verantwortung für die magische Versorgung einer ganzen Stadt zu übernehmen (auch wenn sie sich jederzeit an ihre Vorgesetzte Miss Delafield wenden kann).

Bei all der Magie und den größeren und kleineren Herausforderungen für Arianwyn ist „The Apprentice Witch“ doch vor allem eine wunderbar liebevoll erzählte Geschichte über das Erwachsenwerden einer jungen Hexe, die sich mit ihren Stärken und Schwächen auseinandersetzen muss, die Freunde findet und Verantwortung übernimmt. Ich mochte Arianwyn sehr, ebenso wie ihre Freundin Salle und Miss Delafield. Ich habe mich wunderbar über die ganzen Vorfälle rund um Arianwyns Job amüsiert und mit ihr mitgefiebert, wenn es darum ging, ihren Nachbarn bei ihren kleinen und größeren Problemen zu helfen. Und auch wenn ich die eine oder andere Frage zum Weltenbau habe, so gefiel mir Hylund mit seiner Mischung aus Magie und Technik. „The Apprentice Witch“ ist für mich ganz eindeutig ein Wohlfühlbuch und am Ende wollte ich das Städtchen Lull, Arianwyn und all ihre Nachbarn gar nicht mehr verlassen (und habe mir direkt nach dem Zuklappen des Buches gleich den zweiten Band bestellt).

Deborah-Crombie-Lesetag (2)

Da Sayuri und ich beide bis zum Nachmittag relativ wenig zu tun haben, haben wir beschlossen, dass wir heute mit unserem „Deborah Crombie lesen“ weitermachen. Ich hatte ja schon am Montag die ersten Seiten in „Alles wird gut“, dem zweiten Kincaid-und-James-Roman, gelesen und mich darüber gefreut, dass Gemma James in diesem Band eine größere Rolle spielt. Außerdem ist mir das Opfer Jasmine Dent sympathisch – soweit ich das anhand der kurzen Szenen mit ihr (und der Art und Weise wie die Menschen, die mit ihr bekannt waren, über sie reden) beurteilen kann. Wie schon am Montag gilt auch hier: Wer keine Spoiler zu der Krimireihe lesen möchte, sollte diesen Beitrag einfach ignorieren.

Die Handlung beginnt in „Alles wird gut“ relativ gemächlich. Am Anfang gibt es eine Szene mit Jasmine, die darüber nachdenkt, dass es doch ganz gut sei, dass sie den Gedanken an Selbstmord aufgegeben hat. Durch sie wirft man einen ersten Blick auf die Menschen, die in ihrem Leben eine Rolle spielen, nur um kurz darauf – aus der Perspektive von Duncan Kincaid – ihre Leiche zu finden. Da Jasmine Krebs und nur noch wenige Wochen zu leben hatte, geht ihre Pflegerin anfangs von einem natürlichen Tod aus, während Duncan ein komisches Gefühl hat. Durch Jasmines Freundin Margaret erfahren sie von den Selbstmordplänen (und der Verwerfung derselben durch Jasmine), so dass Duncan eine rechtliche Handhabe für eine Obduktion bekommt.

Für den Leser steht natürlich von Anfang an fest, dass Jasmine ermordet wurde, aber es scheint so gar keinen Verdächtigen oder gar ein Motiv zu geben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Opfer eh nicht mehr lange zu leben hatte. Gemma wird von Duncan zu den Ermittlungen (anfangs inoffiziell) zugezogen und lernt ihn so mal von einer etwas emotionaleren und privateren Seite kennen (was zum Glück die eine oder andere Illusion über ihren Vorgesetzten zerstört und ihr zeigt, dass er deutlich mehr Schwächen hat, als sie bislang geahnt hatte). Ich mag, dass ihre Perspektive deutlich zeigt, wenn er ihrer Meinung nach Mist gebaut hat, auch wenn sie das ihm – der nun einmal ihr Vorgesetzter ist und den sie noch nicht besonders gut kennt – nicht direkt sagen kann.

Oh, und ich fand auch die kleine Szene zwischen Duncan und seinem Nachbarn sehr berührend. Die beiden wohnen zwar im selben Haus und waren beide – auf ihre Weise – mit Jasmine befreundet, hatten aber vorher kaum etwas miteinander zu tun. Und dann gibt es da diese eine Szene, in der die beiden zusammen Rosen pflanzen und sich zum ersten Mal ein bisschen unterhalten – dieses vorsichtige und höfliche „Annähern“ über die gemeinsame Trauer war schön beschrieben. Dafür, dass ich schon am Montag etwas über diesen Part geschrieben hatte, ist mir doch noch ganz schön viel erzählenswertes eingefallen. Ich greife jetzt erst einmal wieder zum Buch und steige heute bei Seite 110 wieder in die Geschichte ein.

Update 10:45 Uhr

Mir fällt beim Lesen gerade auf, dass es bestimmte Typen gibt, die Deborah Crombie immer wieder aufgreift wie zum Beispiel den arroganten Schönling aus reichem Haus (der aber keinen Pfennig besitzt, weil seine Familie ihn am Gängelband führt). Überhaupt scheint sie – wenn ich mich recht erinnere – in den ersten Romanen gewisse Vorurteile gegen Menschen mit viel Geld zu haben. Auf der anderen Seite gibt es hier schon so einige Szenen, die für mich so typisch für die Kincaid-und-James-Romane sind, wie zum Beispiel die Befragung einer ehemaligen Nachbarin von Jasmine. Ein kurzes Zusammentreffen zwischen Kincaid und dieser alten Frau und schon hat man das Gefühl eine genaue Vorstellung von ihrem Charakter zu haben, gerade diese Momente mit Figuren, die man spontan ins Herz schließt, mag ich sehr. Ebenso wie die Passagen, die man aus Gemmas Perspektive verfolgt, in denen man immer wieder gut sehen kann, dass sie zwischen Minderwertigkeitskomplexen aufgrund ihrer Herkunft (ihre Familie macht es ihr auch nicht leicht, da sie ihre Berufswahl überhaupt nicht verstehen können und glücklicher wäre, wenn sie wie ihre Schwester Friseurin geworden wäre) und Selbstbewusstsein/Authorität aufgrund ihres Berufes und der damit schon erbrachten Leistungen schwankt.

Bevor ich weiterlesen kann, muss ich mich erst einmal ein bisschen um die To-do-Liste kümmern, auch wenn ich lieber weiter Zeit mit dem Buch auf dem Sofa verbringen würde. Ich erinnere mich an überraschend viele Details aus „Alles wird gut“ – nur nicht an den Mörder! Mal schauen, ob meine Erinnerung daran wiederkommt, bevor die Geschichte aufgelöst wird, oder nicht. 😉

Update 14:45 Uhr

Möhren, Gurken-Knäcke und Milchkaffee – so langsam hatte ich richtig Hunger. *g*

Zum „Frühstück“ gab es dann die letzten Seiten von „Alles wird gut“ für mich. Ich bin mir nicht so sicher, was ich von der Auflösung halte. Eigentlich hatte man als Leser alle notwendigen Informationen zur Lösung – vor allem, wenn man darüber nachdachte, wer überhaupt eine Gelegenheit gehabt hätte Jasmine mit einer Überdosis Morphium zu ermorden -, aber ich fand das Motiv recht unbefriedigend. Wieso sollte jemand nach so vielen Jahren, wenn man eh schon weiß, dass die Person in wenigen Wochen an einer wirklich scheußlichen Krankheit sterben wird, einen Menschen ermorden? Nicht, dass ich grundsätzlich verstehen würde, was jemanden zum Mord treibt 😉 , aber nach so langer Zeit so zu handeln und als Grund anzugeben, dass man es nicht ertragen hätte, dass Jasmine ihren Frieden mit ihrem Tod und ihrer Krankheit gemacht hätte. Das ist für mich der unstimmigste Part an der Geschichte. Von diesem Teil abgesehen, habe ich mich mit „Alles wird gut“ wieder sehr wohl gefühlt. Gemma und Duncan bekommen so langsam die für sie typischen Charakterzüge verliehen und es ist schön mitzuerleben, wie sie sich besser kennenlernen und zu facettenreicheren Figuren werden, als sie in „Das Hotel im Moor“ waren. Aber vor allem habe ich die kleinen Szenen genossen, für die Deborah Crombie einfach ein Händchen hat und in denen eine Person mit wenigen Sätzen so dargestellt wird, dass man das Gefühl hat, man würde sie mit all ihren Ecken und Kanten kennenlernen und ins Herz schließen. Diese kleinen (Neben-)Figuren, sind diejenigen, die man auch nach dem Lesen noch ein Weilchen mit sich trägt und die der Grund sind, warum der Kriminalteil einem selbst dann stimmig vorkommt, wenn man das Motiv des Täters nicht so ganz nachvollziehbar findet. 😉

Ich werde jetzt erst einmal abwarten bis auch Sayuri den Roman beendet hat und dann schauen wir mal, wann wir den nächsten (fast) freien Tag zum gemeinsamen Lesen finden. Immerhin kann ich sagen, dass durch diese beiden Lesetage in dieser Woche meine Leselust endlich zurückgekommen ist und ich neben dem nächsten Deborah-Crombie-Roman noch ein paar weitere Bücher aus dem Regal gezoge habe, für die ich mir in den nächsten Tagen Zeit nehmen möchte. 🙂