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Patrycja Spychalski: Heute sind wir Freunde

Über dieses Buch bin ich bei Tine gestolpert und war nach ihrer begeisterten Rezension neugierig genug geworden, um „Heute sind wir Freunde“ von Patrycja Spychalski in der Bibliothek vorzumerken. Die Geschichte dreht sich um fünf vollkommen unterschiedliche Schüler, die während eines Unwetters allein in ihrer Schule zurückbleiben und die Nacht dort verbringen. Ich muss gestehen, dass ich die Figuren (und die Grundsituation) anfangs wenig kreativ fand. Gerade die Charaktere lassen sich doch sehr leicht in eine Schublade stecken. Anton ist der Streber, der keine Freunde hat, Leo ist der Coole mit der Lederjacke, Valeska die unnahbare Schöne, die von allen beneidet wird, und Nell und Chris sind die „Normalen“ (wobei beide eine künstlerische Begabung haben).

Obwohl sich die fünf zumindest vom Sehen kenne, haben sie nie zuvor miteinander zu tun gehabt. Aber jeder von ihnen glaubt, dass er die anderen einschätzen kann – und dass sie nichts miteinander gemein haben. Im Laufe der miteinander verbrachten Stunden stellt sich dann natürlich heraus, dass es nicht so einfach ist, sich ein Bild von einem Menschen zu machen. Jeder von ihnen hat Facetten, die die anderen nicht erwartet hätten und die für unerwartete Sympathien sorgen. Dabei lässt die Autorin Patrycja Spychalski jeden der fünf Schüler zu Wort kommen, so dass der Leser auch die Gedanken mitbekommt, die die Teenager – trotz der im Laufe der Zeit aufkommenden Offenheit und Nähe – für sich behalten.

Wie gesagt, ich fand die Figuren etwas arg „schubladig“ dargestellt und die Ausgangssituation auch etwas abgenutzt, aber das ändert nichts daran, dass ich die Geschichte trotzdem sehr süß fand und gern gelesen habe. Die Charaktere werden einem schnell sympathisch (auch wenn Leo mir in der Realität vermutlich schnell auf die Nerven gegangen wäre), haben ihre Schwächen und Stärken und es ist schön mitzuerleben, wie sie sich gegenseitig besser kennenlernen. Auch fand ich es stimmig, dass diese eine Unwetternacht und die Nähe zu den anderen nicht jeden im gleichen Maße beeinflusst. Für Anton und Valeska bieten diese Stunden die Möglichkeit, loszulassen und Dinge auszuprobieren, die sie sich sonst nie wagen würden. Auch für Nell und Chris entstehen durch dieses Unwetter viele Chancen, aber da sie als Figuren nicht so extrem angelegt waren wie die anderen drei Protagonisten, hatte ich das Gefühl, sie würden nur einen Stups bekommen, um danach offener und ein bisschen mutiger durch die Welt zu gehen. Leo hingegen ist in erster Linie jemand, der anstößt und Veränderungen auslöst …

Schön finde ich, dass Patrycja Spychalski es offen gelassen hat, wie es nach dieser Nacht mit den fünf Schülern weitergeht. Obwohl sie sich im Laufe dieser gemeinsam verbrachten Stunden so gut kennengelernt und zum Teil so eine intensive Zeit miteinander verbracht haben, ist allen Beteiligten bewusst, dass ihre frisch aufgekeimte Freundschaft vielleicht gerade mal bis zum kommenden Montag halten wird. Aber selbst wenn es so ist, ist es gut. Und es gibt ja immer noch die Möglichkeit, dass der eine oder andere sein gewohntes Verhalten auch im Alltag abstreifen und die während des Unwetters entdeckten Facetten seiner Persönlichkeit zeigen kann. Mir hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht, nach dem Ende des Romans noch darüber nachzudenken, wie es nach dieser Nacht in der Schule am kommenden Montag mit den fünf Figuren, ihren Eltern und ihrem Verhältnis zu ihren Mitschülern weitergehen könnte.

Oliver Bottini: Im Sommer der Mörder (Louise Bonì #2)

„Im Sommer der Mörder“ von Oliver Bottini ist der zweite Kriminalroman rund um die Polizistin Louise Bonì – und ich muss zugeben, dass ich ganz froh bin, dass ich den ersten Band nicht in der Bibliothek gefunden habe. Denn wenn ich all den Rückblenden glauben darf, dann gab es einige persönliche Probleme für die Protagonistin im ersten Band inklusive des Eingeständnisses, dass sie seit drei Jahren Alkoholikerin ist und etwas dagegen tun muss. Mir fällt es leichter, mich mit einem Charakter anzufreunden, der den Entzug schon hinter sich hat, auch wenn der tagtägliche Kampf gegen die Sucht bleibt.

Die Handlung beginnt in diesem Roman relativ harmlos mit dem Brand eines alten Holzschuppens, in dem ein Bauer nur noch ein paar Heureste lagert. Doch kaum scheint die Freiwillige Feuerwehr den Brand gelöscht zu haben, kommt es zu einer unerklärlichen Explosion und einem Todesfall. Wenig später finden die Ermittler heraus, dass in einem versteckten Keller unter dem Schuppen große Mengen Waffen gelagert wurden – was natürlich zu der Frage führt, wie die Waffen überhaupt an diesen Ort kommen konnten.

Für Louise Bonì ist die Arbeit bei der Soko, die sich um den Waffenfund kümmert, der erste Einsatz nach einer verletzungs- und entzugsbedingten Auszeit und so muss sie nicht nur einen neuen Platz in einem eigentlich vertrauten Umfeld finden, sondern sich auch von Anfang an mit dem Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Dezernaten und Behörden herumschlagen. Wobei sie eigentlich nur indirekt die Folgen dieser Auseinandersetzungen mitbekommt, wenn sie mal wieder gezügelt wird, weil angeblich eine andere Abteilung zuständig ist oder eine andere Dienststelle den ganzen Einsatz übernehmen soll.

Auch werden die Ermittler von dem überraschend großen Interesse von Politikern, BKA und anderen Institutionen überrascht. So kommen Louise Bonì und ihre Kollegen irritierend schnell an Informationen, die andeuten, dass der Waffenfund mit Neonazis in Verbindung steht, während andere Hinweise auf Terroristen und das ehemalige Jugoslawien verweisen. So groß Oliver Bottini seinen Fall rund um die versteckten Waffen in dem alten Holzschuppen aufgebaut hat, so ruhig erzählt er seine Geschichte auch. Der Autor konzentriert sich ebenso auf Louise Bonìs Privatleben wie auf die Darstellung einer (relativ) realistischen Polizeiarbeit. So bekommt man als Leser auch mit, wie lästig die täglichen Besprechungen während der Ermittlungen sind, wie viele Kleinigkeiten den Arbeitsalltag beherrschen (und erschweren) und wie schwierig es sein kann, wenn eine Gruppe unterschiedlicher Menschen unter Druck an einem Fall arbeitet.

Wenn man mal davon absieht, dass mir Louise ein bisschen zu sehr über ihr – vergangenes und zukünftiges – Liebesleben nachdenkt und verflixt oft erwähnt wird, dass diverse Männer ihr auf den Busen starren, fand ich diese fast schon gemächliche und detailverliebte Erzählweise sehr angenehm. Oliver Bottini mischt reale Ereignisse mit fiktiven Elementen und zeichnet so ein erschreckendes, aber (gerade angesichts der Ereignisse in den vergangenen Monaten) wohl auch realistisches Bild davon, wie nah Terror und Gewalt unserem Alltag inzwischen sind. Dabei beschreibt er die verschiedenen Charaktere so genau und – selbst in ihrem teils widersprüchlichem Handeln – so stimmig, dass man ihnen ihr Verhalten und ihre Motive abnimmt.

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass der Autor für mich eine umwerfende Neuentdeckung gewesen ist. Aber ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich mal einen so gut geschriebenen und großen Teils wirklich überzeugenden Kriminalroman in die Hände bekommen habe. Und wenn ich in der Bibliothek noch weitere Bände rund um Louise Bonì finde, werde ich sie mir vermutlich auch ausleihen.

Jessica Kremser: Frau Maier sieht Gespenster

Nach „Frau Maier fischt im Trüben“ und „Frau Maier hört das Gras wachsen“ ist „Frau Maier sieht Gespenster“ von Jessica Kremser der dritte Krimi rund um die ältere Putzfrau. Obwohl sich am Ende des zweiten Bandes angedeutet hat, dass Frau Maier in Zukunft vielleicht weniger allein wäre, hat sich an ihrer privaten Situation in der Zwischenzeit kaum etwas geändert. Sie trauert immer noch ihrer Jugendliebe, dem Fischer-Karli, hinterher, und Elfriede Gruber ist die einzige Person, die sie als eine Freundin bezeichnen würde. Immerhin ist es schön zu sehen, dass sie auch Elfriede sehr ans Herz gewachsen ist und auch der Psychologe Frank Schöning kümmert sich weiter um die alte Dame.

Er ist es auch, bei dem sie – wenn auch nicht ganz freiwillig – durchblicken lässt, dass ihre neue Stelle im Schloss auf der Insel im Chiemsee sie etwas nervös macht. Frau Maier verrät ihm allerdings, dass sie nicht nur die Aussicht auf den neuen Arbeitsplatz so unruhig macht, sondern auch die Tatsache, dass sie sich verfolgt fühlt. Seit einem Kirchenbesuch hört sie eine Stimme, die ihren Namen ruft, obwohl kein Mensch zu sehen ist. Kurz darauf sieht sie auch noch Bewegungen in den Spiegeln im Schloss, ohne dass eine Person zu sehen oder hören ist. Wenig später stolpert Frau Maier über die Leiche eines der Angestellten – und schon steckt sie wieder mittendrin in einer Mordermittlung.

Mir hat dieser dritte Band wieder besser gefallen als der zweite Teil. Frau Maier hört und sieht zwar Gespenster und es gibt immer noch einige Sachen, die ihr Angst machen, aber trotzdem spürt man wieder mehr von der alten Unerschütterlichkeit, die sie in „Frau Maier fischt im Trüben“ so ausgezeichnet hat. Ihre Neugier ist definitiv größer als ihre Angst und so geht sie stetig ihren Weg und steckt ihre Nase auch in Ecken, die eigentlich für sie verboten sind. Es hat mir gefallen zu sehen, wie Frau Maier an ihrem neuen Arbeitsplatz Menschen kennenlernt und Freundschaften schließt – und ebenso hat es mir gefallen mitzuerleben, wie andere Personen Frau Maier wahrnehmen. Obwohl sie immer noch scheu und unsicher ist, wenn es um andere Menschen geht, entwickelt sich Frau Maier in dieser Hinsicht immer weiter und behält dabei doch ihren ganz eigenen Charakter.

Noch schöner ist es, dass Frau Maier endlich – mit über sechzig Jahren – in Kauzing angekommen zu sein scheint. Natürlich macht das die vorhergehenden Jahre nicht ungeschehen, aber ich mochte es, wie sie so langsam entdeckte, wie sehr ihr nicht nur ihr Häuschen und der See Heimat sind, sondern auch der kleine Ort (und sogar seine Bewohner). So geht es in „Frau Maier sieht Gespenster“ zwar schon fast zu sehr darum Ängste zu bekämpfen, aber eben auch darum Vergangenes abzuschließen und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die vor einem liegen und die man genießen mag.

Auch den Kriminalfall fand ich in diesem Band besser als im Vorgänger. Aber vielleicht lag das auch daran, dass es so viele verschiedene Aspekte gab, auf die ich mich beim Lesen konzentrieren konnte, dass ich dieses Mal nicht so kritisch mit der Handlung umging. Außerdem war bei diesem Fall ein anderer Polizist für die Ermittlungen verantwortlich, was dafür sorgte, dass all die unangenehmen Szenen wegfielen, in denen Frau Maier vorgeworfen wird, dass sie verwirrt oder eine Wichtigtuerin ist. So habe ich mich beim Lesen wieder gut unterhalten gefühlt, ich habe geschmunzelt, gebangt und mich gefreut – und genau so muss es sein, wenn Frau Maier einen Fall löst.

Andreas Föhr: Schafkopf (Hörbuch)

„Schafkopf“ ist die zweite Geschichte rund um Kommissar Wallner und Polizeiobermeister Kreuthner von Andreas Föhr und das dritte Hörbuch („Der Prinzessinnenmörder“, „Karwoche“ und „Schwarze Piste“), das ich aus der Reihe höre. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang immer etwas Probleme habe mich zurecht zu finden, weil ich erst einmal wieder Wallners aktuelle Lebensumstände in den richtigen Zusammenhang bringen muss – das ist aber auch der einzige Nachteil, wenn man die Teile in durcheinandergewürfelter Reihenfolge hört. 😉

Zu Beginn der Geschichte findet man Kreuthner in ungewohnter Situation: Er joggt einen Berg hinauf! Natürlich stolpert er kurz darauf über eine Leiche und schon laufen die Untersuchungen mit der gewohnten Mischung aus Kompetenz (auf Seiten Wallners) und bayrischer Individualität (von Kreuthners Seite) an. Wie gewohnt wird die Geschichte auf mehreren Ebenen erzählt. Auf der einen Seite erlebt man die aktuellen Ermittlungen von Wallner und seinem Team – ebenso wie die privaten Szenen zwischen Wallner und seinem Großvater -, auf der anderen Seite gibt es Rückblicke auf Ereignisse, die vor mehreren Jahren passiert sind. Der Großteil dieser Rückblicke dreht sich um das Verschwinden einer jungen Frau vor zwei Jahren. Während ihr Freund die ganze Zeit davon überzeugt war, dass jemand die Kathi entführt hat, denkt ihr Umfeld, dass die Frau davongelaufen ist und sich deshalb nicht mehr gemeldet hat, damit ihr gewalttätiger Freund ihr nicht auf die Spur kommt.

Ich muss gestehen, dieses Mal hat Andreas Föhr mich erwischt und ich bin beim Hören einfach nicht auf die Lösung gekommen. Die vielen involvierten Personen, die alle ihre ganz eigenen Motive für ihre Handlungen haben, die Zeitsprünge und in einem Fall wohl auch der Wunsch, dass diese Person nichts mit der Sache zu tun haben mag, haben dazu geführt, dass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wohin die Geschichte führen wird. Auch fand ich Kreuthner dieses Mal weniger peinlich als in den anderen Bänden der Reihe. Natürlich geht er wieder seinen eigenen Weg und dieser führt ihn immer wieder in Bereiche, die nicht ganz in Ordnung sind, aber die größten Schnitzer, die ihm passieren, waren irgendwie nachvollziehbar und haben bei mir deutlich weniger Fremdscham ausgelöst als sonst. (Aber vielleicht erwarte ich auch inzwischen einfach Schlimmeres von dieser Figur. 😉 )

Der Sprecher Michael Schwarzmeier hat seine Sache gewohnt gut gemacht. Seine Frauenstimmen finde ich zwar oft etwas zu fiepsig, aber da das bei zweien der Figuren gut gepasst hat, hat mich das dieses Mal auch nicht ganz so sehr gestört. 😉 Ansonsten ist es schon sehr angenehm wie individuell er die verschiedenen Charaktere anlegt, so dass man selbst bei einer Kartenrunde voller Bayern (inklusive dem dazu gehörigen Dialekt) jederzeit weiß, wer gerade spricht.

Gregor Weber: Feindberührung (Grewe 1)

Nachdem ich im Januar bei Irina so eine positive Meinung zu „Feindberührung“ von Gregor Weber gelesen habe, bin ich neugierig geworden und habe bei Irinas Leihangebot sofort zugegriffen. Tja, und dann habe ich den Roman in einem Arztwartezimmer angefangen und bin prompt bei einer Vergewaltigungsszene unterbrochen worden. Danach hat es eine Weile gedauert, bis ich wieder zu dem Buch gegriffen habe. Dabei muss ich für diejenigen, die solche Szenen nicht gut verkraften können, betonen, dass ich wirklich im schlimmsten Moment unterbrochen wurde und die Szene am Ende so „gut“ ausgeht wie nur möglich.

Ich muss gestehen, dass mir Gregor Weber vorher weder als Autor, noch als Schauspieler ein Begriff war, und abgesehen davon, dass ich es etwas peinlich finde, dass seine Hauptfigur Grewe (GREgor WEber *hüstel*) heißt, hat mir der Roman sehr gut gefallen. Die Handlung dreht sich um einen ehemaligen Soldaten, der bei einem Bombenanschlag in Afghanistan beide Beine verloren hatte. Dieser Verlust und die Tatsache, dass er dadurch berufsunfähig wird, führten dazu, dass der Mann abstürzte. Er fühlte sich nicht mehr in der Lage mit seiner Familie (Frau und kleiner Sohn) zusammenzuleben, lebte in einer Sozialwohnung, trankt zu viel und dealte für eine örtliche Rockerbande mit Drogen. So ist es kein Wunder, dass bei seiner Ermordung seine Drogengeschäfte und seine Verbindung zu dem „Motorradclub“ im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen.

Geleitet werden die Ermittlungen von Kurt Grewe und Therese Svoboda, denen ein nicht so kleines Team unterstellt ist. Dabei hatte ich – trotz der längeren Pause beim Lesen – nie das Gefühl, ich wüsste nicht, wer wer ist und welche Funktion die Person im Team hat, da die Charaktere angenehm individuell beschrieben wurden. Und zwar nicht durch das Einführen irgendwelcher ungewöhnliche Macken, sondern einfach nur durch kleine und ganz gewöhnliche Eigenheiten, die die Figuren realistisch werden lassen. Bei Grewe kommt das besonders zu tragen, denn ihn lernt man besonders gut kennen. Ich mochte es, dass er so normal war, dass er seine Frau auch nach vielen Jahren Ehe noch liebt und sein Familienleben zwar manchmal chaotisch, aber insgesamt harmonisch verläuft.

Auch die Ermittlungen lesen sich angenehm realistisch. Da wird viel recherchiert, da werden Vermutungen aufgestellt und überprüft, man versucht für alle Möglichkeiten offen zu bleiben, obwohl die Spur zur Rockerbande die stimmigste Lösung zu sein scheint. Unterbrochen werden die Beschreibungen der Polizeiarbeit von Rückblicken, die von den Ereignissen in Afghanistan erzählen, und von einem Soldaten, der nach seinen Erlebnissen dort nicht so recht im Alltag Fuß fassen kann. Durch diese Einschübe wird dem Leser schnell klar, dass hinter dem Mord mehr stecken muss, als eine Auseinandersetzung um Drogen. Aber dieses Wissen mindert die Spannung und die Unterhaltsamkeit dieser Geschichte nicht.

Ganz ehrlich, trotz Irinas positiver Meinung, war ich wirklich überrascht, dass mir „Feindberührung“ so gut gefallen hat. Ich mag den Realismus und die Normalität bei den Charakteren und in der Geschichte – und freu mich schon auf den zweiten Teil der Reihe.

Jessica Kremser: Frau Maier hört das Gras wachsen

„Frau Maier hört das Gras wachsen“ ist der zweite Roman von Jessica Maier rund um die rüstige Putzfrau Frau Maier. Seit dem Ereignissen in „Frau Maier fischt im Trüben“ ist etwas Zeit vergangen und es hat sich einiges verändert. So denkt die alte Dame zum Beispiel immer noch an ihren Fischer-Karli, aber getroffen hat sie den Mann in all den Monaten nicht mehr. Schließlich macht es keinen Sinn einem Mann hinterherzutrauern, der seit Jahrzehnten mit einer anderen Frau verheiratet ist. Dafür bekommt Frau Maier regelmäßig Besuch von dem Polizeipsychologen Frank Schön und Elfriede Gruber, die ihr inzwischen eine gute Freundin geworden ist.

Elfriede ist es auch, die Frau Maier einen Job als Putzfrau im schicken Kurhotel Bergblick verschafft hat, nachdem eines der Zimmermädchen kurzfristig ausgefallen ist. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat Frau Maier Menschen, mit denen sie befreundet ist, und eine Anstellung, die genügend Geld abwirft, dass sie sogar jeden Monat ein bisschen sparen kann. Auf der anderen Seite leidet sie immer noch unter den lebensgefährlichen Ereignissen rund um den von ihr entdeckten Mord – und die Ängste, die sie seitdem begleiten, haben Frau Maier sehr erschüttert.

Deshalb ärgert sie sich auch sehr über ihre eigene Unsicherheit, als sie eines nachts in einem leerstehenden Haus am See den Schein einer Taschenlampe sieht und sich nicht traut nach dem Rechten zu sehen. So ist ihr dieser Moment noch sehr präsent, als sie am nächsten Tag im Hotel erfährt, dass Simone Lenz, eine im Hotel abgestiegende Frau, mitsamt ihrer zehnjährigen Tochter Vivien vermisst wird. Kurz darauf steht fest, dass die labile Frau tot ist, während ihre Tochter weiterhin verschwunden bleibt.

Mir hat auch dieser Band um Frau Maier wieder gut gefallen, aber ich muss gestehen, dass ich an ihr eine gewisse Unerschütterlichkeit vermisst habe, die ihre Ermittlungen in „Frau Maier fischt im Trüben“ geprägt haben. Frau Maier ist immer noch neugierig und hat das Gefühl, dass sie Dinge unternehmen und herausfinden kann, auf die die Polizei nicht kommt (oder nicht tun könnte), aber dabei ist sie häufig sehr unsicher und ängstlich. Auf der anderen Seite ist es schön zu sehen, wie sehr es Frau Maier genießt, dass sie nun Freunde hat und täglich Kontakt mit Menschen, die ihr wohlgesonnen zu sein scheinen. Das ist ein ganz neues und kostbares Erlebnis für die alte Frau und sorgt dafür, dass sie anfängt auf Menschen zuzugehen.

Ich fand es einfach rührend wie sehr Frau Maier zum Beispiel die Kaffee- und Plaudermomente in der Hotelküche genießt oder wie aufgeregt sie ist, als sie eine Kollegen zuhause besucht. Oft genug sorgt ihre Unerfahrenheit im Umgang mit anderen auch dafür, dass sie Anspielungen nicht versteht oder unnötige Gedanken über geführte Gespräche macht, aber auch das fand ich ganz bezaubernd zu verfolgen. So wird deutlich, dass die Ereignisse aus dem ersten Band in ihr sehr viel angestoßen und nicht nur ungeahnte Ängste gebracht haben, sondern auch positive Entwicklungen in ihrem Leben. Das ist es auch, was diesen Roman für mich zu so einer Wohlfühlgeschichte gemacht hatte (vor allem, da ich den Fall stellenweise etwas sehr durchsichtig fand) und dafür sorgt, dass ich wohl in absehbarer Zeit auch den dritten Roman von Frau Maier besorgen und lesen werde. Ich habe diese Figur, ihre kleinen Eigenarten und ihre Liebe zum See wirklich in mein Herz geschlossen.

Renata Petry: Hilgensee

„Hilgensee“ von Renata Petry habe ich in den letzten Tagen nur in die Hand genommen, weil das Buch zu den ältesten SuB-Leichen in meinem Regal gehört. Auf einen historischen Kriminalroman hatte ich eigentlich gar nicht so sehr Lust, aber das Buch reizte mich mehr als die fantastischen Romane, die neben diesem Titel auf dem Regalbrett standen. Überraschenderweise hat sich „Hilgensee“ nach einigen Seiten als unterhaltsamer und sehr entspannender Wohlfühlroman entpuppt – man darf als Leser nur nicht davon ausgehen, dass man es bei diesem Buch mit einem ernsthaften Krimi inklusive einer stimmigen Lösung zu tun hat.

Die Handlung spielt im Jahr 1906 in dem Damenstift „Hilgensee“ und man steigt als Leser (nach einem kurzem Prolog) an dem Tag in die Geschichte ein, an dem Annette (Änne) von Schalck dem Stift beitritt. Die erste Wochen über zweifelt Änne immer wieder an ihrer Entscheidung dem Stift beizutreten, denn ihre Stiftschwestern scheinen nicht sehr viel mit ihr gemeinsam zu haben. Außerdem neigt sie immer wieder dazu in diverse Fettnäpfchen zu treten und dazu findet sie die Vikarin Alwine von Hohenhagen, die ihrer Mentorin ist und ihr das Eingewöhnen erleichtern soll, ziemlich furchterregend.

Als dann auch noch der Hahn des Wirtschaftshofes kopflos in einem Baum hängend und eine ältere Stiftschwester leblos in der Orangerie des Stifts aufgefunden werden, wird Änne – gegen ihrer ausdrücklichen Willen – von Alwine von Hohenhagen und (der über 70 Jahre alten) Gertrud von Rhoda in die Ermittlungen verwickelt. Während die drei Damen versuchen, mehr über die diversen rätselhaften Vorfälle in Hilgensee herauszufinden, freundet sich Änne so langsam mit ihren beiden tatkräftigen Stiftsschwestern an, was zu so einigen amüsanten Szenen führt.

So ist es auf der einen Seite der Humor, der – trotz der Ermordung mehrerer Personen und Tiere – dafür gesorgt hat, dass mir das Buch beim Lesen Spaß gemacht hat. Auch wenn einige Szenen etwas überzogen dargestellt wurden (und man mit schwebenden Heiligen und anderen seltsamen Vorfällen zurechtkommen muss), so gab es viele Momente in der Geschichte, die für sich genommen realistisch wirkten und in der Summe dann dazu geführt haben, dass ich immer wieder beim Lesen vor mich hinkicherte (wobei ich zugeben muss, dass ich zwischendurch beim Lesen etwas übermüdet war und dann leicht zu erheitern bin).

Auch viele der Charaktere – allen voran Alwine und Gertrud – fand ich sehr sympathisch dargestellt. Während Alwine dazu neigt etwas zu kurz angebunden und zu bestimmend zu sein, aber hinter der abweisenden Fassade eine sehr warmherzige Person ist, ist Gertrud eine wunderbare spitzbübische alte Dame voller Lebenserfahrung. Sie ist die treibende Kraft, wenn einer Mitschwester, die dem Alkohol sehr zugetan ist, ein Streich gespielt wird, der sie vom heimlichen Trinken abhalten soll – wobei ich nicht verschweigen will, dass Gertrud zur Stärkung auch immer ein kleines Fläschchen mit sich führt. Und Gertrud ist es auch, die Änne ein wenig die Naivität austreibt und dafür sorgt, dass sie deutlich mehr Rückgrad entwickelt.

Die Krimihandlung kann man bei „Hilgensee“ eigentlich vergessen (vor allem angesichts der Tatsache, dass die Auflösung auch nicht so recht überzeugen kann), abgesehen davon, dass sie die Ausgangssituation für die Freundschaft zwischen Änne, Gertrud und Alwine schafft. Dafür bekommt man einen heiteren und kurzweiligen Roman voller netter zwischenmenschlicher Momente, skurriler Charaktere und appetitanregenden Tee- Cognac- und Plätzchen-Runden (die der Grund sind, warum ich heute Mittag noch Apfelkuchen backen werde, weil ich seit dem Lesen des Buches solchen Hunger darauf habe 😉 ).

Thomas Finn: Schwarze Tränen

„Schwarze Tränen“ von Thomas Finn gehört auch zu den Büchern, auf die ich total neugierig war, die aber trotzdem monatelang auf dem SuB lagen. Vor allem schreckte mich der Faust-Bezug (der mich eigentlich erst auf den Roman aufmerksam gemacht hatte) von einem spontanen lesen ab. Nun habe ich die Geschichte endlich gelesen und befürchte, dass es mir mit Thomas Finn langsam ebenso geht wie mit Kai Meyer. Dessen Romane finde ich eigentlich immer ganz unterhaltsam, aber seine Charaktere liegen mir nicht. Sie berühren mich einfach nicht, ihr Schicksal ist mir egal – und somit bin ich beim Lesen erschreckend wenig neugierig auf den weiteren Verlauf der Handlung, obwohl ich die Geschichte so gerne mögen würde, weil ich die Grundidee wirklich gut finde. Bei den „Chroniken der Nebelkriege“ von Thomas Finn und der Serie rund um „Die Wächter von Astaria“ ging mir das nicht so mit den Figuren, bei „Weißer Schrecken“ schon (wobei mir da auch die Auflösung ganz am Ende nicht so zusagte) – vielleicht sollte ich bei dem Autor bei den Jugendbüchern bleiben?

Bei „Schwarze Tränen“ begleitet man Lukas Faust, Nachfahre des berühmten Doktor Johannes Faust, bei einer abenteuerlichen Reise. Eigentlich war er nur nach Staufen gekommen, um seine Exfreundin zu stellen, die sich mitsamt seinen – nicht ganz redlich erworbenen – Ersparnissen aus dem Staub gemacht hatte. Doch als er Sylvia endlich findet, muss er feststellen, dass sie keine normale junge Frau, sondern ein höllischer Sukkubus ist. Außerdem hat sie ihn gezielt nach Staufen gelockt, was letztendlich dazu führt, dass ihm einige Zauberer auf den Fersen sind und dass Mephisto – selbstverständlich in der Gestalt eines schwarzen Pudels – ihm nicht mehr von der Seite weicht.

Ich mochte eigentlich die Art und Weise, in der Thomas Finn die Geschichte vom Doktor Faust mit den diversen Sagengestalten, berüchtigten Orten und historischen Figuren vermischte und daraus einen modernen fantastischen Roman strickte. Und da Lukas Faust anfangs keine Ahnung von all den übernatürlichen Wesen und Artefakten hat, bekommt er  – ebenso wie der Leser – eine gründliche Einführung in die verschiedenen verwendeten Elemente. Stellenweise war mir das schon ein bisschen viel und sorgte dann für etwas Langeweile beim Lesen, auch wenn es grundsätzlich nicht geschadet hat, dass ich so mein Wissen um deutsche Sagen und Legenden auffrischen konnte.

Neben Lukas (erfolgloser Zauberkünstler und ebenso erfolgloser kleiner Gauner), Mephisto (Teufel in Pudelgestalt) spielen auch noch Abraham (Gelehrter, der vor vielen Jahrhunderten einen Höllenpakt eingegangen ist) und Millepertia (Kräuterkundige, die ebenfalls vor einigen hundert Jahren auf den Teufel hereingefallen ist) eine große Rollen in der Handlung. Dummerweise fand ich den einen oder anderen Charakter zwar interessant, aber keinen von ihnen wirklich sympathisch und die Suche nach weiteren Teufelstränen zog sich auch immer wieder etwas hin. Erst auf den letzten gut 100 Seiten hat Thomas Finn mich mit seiner Geschichte so weit gepackt, dass ich mich gut unterhalten fühlte (und erschreckenderweise hatte die Gothic-Band inklusive Teufelsgeiger dank all der Klischee-erfüllenden Witze eine Menge damit zu tun), aber das hat leider nicht gereicht, dass ich am Ende zufrieden mit dem Roman war.

Erich Kästner: Der kleine Mann

„Der kleine Mann“ von Erich Kästner gehört zu den ersten Büchern, die ich selber gelesen habe und ich habe ihn immer wieder gelesen, weil es einfach eine bezaubernde Geschichte ist. Von vielen (Kinderbuch-)Klassikern kann man ja sagen, dass sie zeitlos sind, aber das trifft auf den „kleinen Mann“ definitiv nicht zu. Genau genommen verfügte die Geschichte schon über einen altmodischen Charme, als ich sie zum ersten Mal gelesen habe, denn sie strotzt vor Figurentypen und Nebenbemerkungen, die einfach in ihre Zeit (das Buch wurde 1963 geschrieben) gehören und heute so nicht mehr erzählt werden würden.

Die Hauptfigur in „Der kleine Mann“ ist Mäxchen Pichelsteiner, ein Junge, der gerade mal fünf Zentimeter groß ist, und der nach dem Tod seiner Eltern von dem Zirkus-Zauberer Jokus von Pokus aufgezogen wird. Gemeinsam mit den beiden Tauben Emma und Minna und dem Kaninchen Alba gehören die beiden zum Zirkus Stilke und reisen so durch alle möglichen Länder. Auch Mäxchens Eltern gehörten zum Zirkus bis sie eines Tages vom Eiffelturm geweht wurden und für immer verschwanden – nur die beiden falschen Zöpfe, die sie in ihrer Rolle als „chinesische“ Akrobaten trugen, wurden einige Zeit später aus dem Meer gefischt. Auch Mäxchen möchte ein Akrobat werden, obwohl Jokus von Pokus ihm immer wieder erklärt, dass er aufgrund seine Größe nie als normaler Artist im Zirkus auftreten kann. So macht ihm der Zauberer immer wieder neue Vorschläge, was für einen Beruf Mäxchen doch ergreifen könnte, während dieser so langen an seinem Traum festhält, bis Jokus eine vielversprechende Idee hat …

Als erwachsener Leser finde ich es natürlich schön zu erleben, dass es nur ein bisschen Nachdenken und Kreativität erfordert, damit Mäxchen doch noch seinen Traumberuf ergreifen kann – auch wenn er dafür ungewöhnliche Wege gehen muss. Als Kind hingegen war es für mich vollkommen selbstverständlich, dass der kleine Mann ein Akrobat werden würde – schließlich war das sein Wunsch. 😉 Auch heute noch mag ich den Einfallsreichtum und die vielen amüsanten Elemente in der Geschichte. Einige Scherze und Anmerkungen sind schon arg altmodisch und würden heutzutage so in keinem (Kinder-)Buch mehr auftauchen, aber das finde ich in erster Linie charmant und nicht unangenehm. Bei der Beschreibung des Tods von Mäxchens Eltern ist mir sogar positiv aufgefallen, wie wenig „Aufwand“ in der Geschichte darum gemacht wurde. Erich Kästner beschreibt kurz was passiert ist, erzählt von der Beerdigung und wie traurig der Junge war – und dann geht die Geschichte weiter.

Überhaupt werden die traurigen oder nachdenklichen Momente eher beiläufig eingeflochten und der Leser kann sich dann selber vorstellen wie es Mäxchen damit wohl ergeht und welche Gedanken und Kümmernisse er wohl haben mag, die er nicht zum Ausdruck bringt. Ich fand es angenehm, mal wieder ein Buch zu lesen, bei dem diese emotionalen Elemente nicht so betont wurden und hatte wirklich nicht das Gefühl, dass dabei die Figurentiefe fehlen oder die Charakterentwicklung zu kurz kommen würde. In einigen Bereichen ist die Geschichte schon etwas einfach gestrickt, aber das fällt bei all dem Humor und den sympathischen Figuren gar nicht auf. 🙂

P.S.: Die Fortsetzung „Der kleine Mann und die kleine Miss“ habe ich natürlich im Anschluss auch wieder gelesen und der Roman ist ebenso hübsch wie der erste Band. 🙂

Lese- und Höreindrücke im Oktober

„Mord im Park“ von Cynthia Harrod-Eagles hatte ich aus der Bibliothek mitgenommen, weil ich auf der Suche nach einem Autor/einer Autorin war, die ich noch nicht kannte und die ich ausprobieren könnte. Ich hatte nicht weiter auf den Klappentext geachtet, nur geschaut, ob es auch wirklich ein Krimi sei, denn darauf hatte ich Lust. Erst nach dem Lesen des Romans habe ich mich etwas über die Autorin und ihre Bill-Slider-Reihe informiert und dabei festgestellt, dass ich den zehnten Roman um diesen Polizisten und den dritten ins Deutsche übersetzten Band gelesen habe. Ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, ich hätte was vermisst oder mir würde Vorwissen fehlen, aber ich vermute, dass mir das Buch mehr Spaß gemacht hätte, wenn mir die Figuren vertrauter gewesen wären.

So ging es mir stellenweise zu viel um das Privatleben der verschiedenen Ermittler, obwohl mir diese Figuren relativ egal waren. Das Opfer hingegen fand ich anfangs sehr interessant, weil es mindestens ein Geheimnis in ihrem Leben zu geben schien. Je mehr man als Leser allerdings über Charlotte „Chattie“ Cornfield erfährt, desto mehr ging mir die Neugier auf die Frau verloren. Und obwohl mir die ruhigen und angenehm objektiven Ermittlungen (es gibt nie nur eine Theorie zum Mord und die Verdächtigen lagen nicht so auf der Hand) zugesagt haben, zog sich die Handlung in der Mitte für meinen Geschmack zu sehr hin.

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Ich bin froh, dass ich es noch geschafft habe „The Cuckoo’s Calling“ von Robert Galbraith (J.K. Rowling) vor dem Ablaufen der Ausleihfrist zu beenden. Auch wenn ich eigentlich in den letzten Wochen viel zu unkonzentriert für diese Art von Kriminalroman war und sich die Geschichte so für mich über mehr als zwei Wochenenden zog. „The Cuckoo’s Calling“ lässt mich nun nicht in solche Begeisterungstürme ausbrechen wie Mila, deren ungewöhnliche Rezension mich überhaupt erst zum Lesen veranlasst hat, aber ich habe den solide geschriebenen Kriminalroman wirklich genossen. Genau genommen habe ich kaum etwas gefunden, worüber ich mich hätte aufregen können und das ist inzwischen wirklich eine Seltenheit, wenn ich Kriminalromane lese. 😉

J.K. Rolling hat es geschafft mit „The Cuckoo’s Calling“ einen interessanten Fall mit überraschend realistisch wirkenden Figuren und einem sympathischen Protagonisten zu erzählen. Ich mochte ihren Umgang mit den verschiedenen Charakteren wirklich, niemand ist einfach nur gut oder böse, sie alle haben ihre Ecken und Kanten und selbst mit der unsympathischten Figuren gibt es Momente, die sie menschlicher wirken lassen. Die Handlung selbst wird sehr ruhig erzählt. Der Detektiv Cormoran Strike nähert sich dem vermeintlichen Selbstmord des Models Lula sehr systematisch und interviewt einen Zeugen nach dem anderen. So bekommt man das Opfer, ihren letzten Tag und ihr Umfeld aus den verschiedenen Perspektiven beschrieben und kann sich seine eigenen Gedanken zu den Motiven der Charaktere und zu ihrem Verhältnis zu Lula machen. Wenn es eine Fortsetzung mit Cormoran gibt, dann werde ich sie auf jeden Fall auch lesen!

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Nachdem ich vor einiger Zeit schon „Schwarze Piste“ von Andreas Föhr gehört hatte, hat mir Natira auch noch „Der Prinzessinnenmörder“ den ersten Teil der Reihe als Hörbuch geliehen. Wie schon bei „Schwarze Piste“ habe ich mich von der Geschichte gut unterhalten gefühlt. Der Kriminalfall war jetzt nicht gerade komplex gestaltet, aber er bot den passenden Rahmen für die beiden gegensätzlichen Protagonisten Leonhard Kreuthner und Clemens Wallner. Ich fand es hier einfacher in die Handlung reinzufinden als bei „Schwarze Piste“, auch weil es der erste Band der Reihe ist und so die Figuren doch etwas mehr eingeführt werden. Dazu hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte einen höheren Wallner-Anteil hatte – und der ernsthaftere Charaktere liegt mir doch etwas mehr als der urigere Kreuthner. Außerdem bin ich froh, dass Opa Manfreds Besessenheit bezüglich Sex (seinem und dem seines Neffen Clemens) sich im Laufe der Reihe gegeben hat, denn das fand ich bei „Der Prinzessinnenmörder“ doch arg häufig erwähnt. Insgesamt keine Serie, die ich aktiv verfolgen würde, aber als Hörbuch sind die einzelnen Fälle doch ganz unterhaltsam. Den Sprecher Michael Schwarzmaier finde ich ebenfalls nicht schlecht, allerdings könnte er für meinen Geschmack ruhig die Dialekte sein lassen – auch wenn die vermutlich vom Autor in die Geschichte geschrieben wurden. 😉