Schlagwort: Kriminalroman

Jim Butcher: Death Masks (Dresden Files 5)

Auch diesen Band der „Dresden Files” habe ich für die English-Challenge gelesen, wobei ich in diesem Monat arge Schwierigkeiten hatte, mich überhaupt für ein Buch zu entscheiden. Sowohl die beiden Agatha-Christie-Titel, die ich mir auf Englisch aus der Bibliothek geliehen habe, als auch „Soulless”, welches ich schon so lange lesen will, hätten mich gereizt. Aber da ich gerade ständig so müde bin, habe ich mich für „Death Masks” entschieden. Den Band habe ich vor einigen Monaten auf Deutsch gelesen und erinnere mich deshalb noch an die Geschichte und viele Details, aber das hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan. Oh, und noch etwas: Da das inzwischen der fünfte Dresden-Files-Band ist, kommt diese Rezension natürlich nicht ohne Spoiler aus.

In den ersten Szenen von „Death Masks” befindet sich Harry Dresden auf der Bühne der „Larry Fowler Show” und hegt die schlimmsten Befürchtungen bezüglich dieser Fernsehsendung. Doch da dies der einzige Ort ist, an dem sich sein Informant Mortimer Lindquist mit ihm treffen wollte, muss Harry sich mit der Zauberer-feindlichen Umgebung eines Fernsehstudios auseinandersetzen. Für den Zauberer ist das ein großes Opfer, aber es ist auch seine letzte Hoffnung, mehr über den Aufenthalt seiner – von Vampiren infizierten – Freundin Susan herauszufinden.  Amüsanterweise ist Mortimer nicht der einzige Gast, der an dieser Sendung nur deshalb teilnimmt, um mit Harry Kontakt aufnehmen zu können. Und so sieht sich der ungewöhnliche Zauberer mit Pater Vincent  (Abgesandter des Vatikans) und Dr. Paolo Ortega, Herzog des Roten Hofes der Vampire, konfrontiert.

Während Ortega Harry zu einem Duell herausfordert, welches den Krieg zwischen dem Roten Hof der Vampire und dem Weißen Rat der Zauberer beenden soll (der von Harry Dresden verursacht wurde, als er versuchte, seine Freundin Susan vor den Vampiren zu beschützen), bittet Pater Vincent den Privatdetektiv um Hilfe bei der Suche nach einem gestohlenen Artefakt – welches sich dann auch noch als das Grabtuch von Turin herausstellt. Aber auch Johnny Marcone scheint gerade etwas von Harry zu wollen – oder zumindest schließt der Zauberer dies aus der Tatsache, dass ihm ein paar Handlanger des Chicagoer Verbrecherbosses nach der Fernsehsendung mit Waffen auflauern.

Für mich hat dieser Band nicht nur ein Wiedersehen mit Susan gebracht, sondern auch mit Michael Carpenter, dem „Ritter des Kreuzes“ (wie schon bei dem Text zum zweiten Band gilt: Wenn einer von euch den Begriff kennt, der in der deutschen Übersetzung dafür verwendet wird, dann bitte her damit!). Obwohl ich die Geschichte schon einmal gelesen hatte, ist es nun doch ein ganz schöner Unterschied, wenn man nicht nur weiß, wie Susan von den Vampiren infiziert wurde, sondern auch, welche Rolle Michael vorher schon in Harrys Leben gespielt hat und warum Harry dem Ritter so viel zu verdanken hat. Beim Lesen der deutschen Ausgabe kannte ich nur den ersten Band der Reihe, und dazwischen passiert ja doch einiges.

In „Death Masks“ kommt nicht nur Michael vor, sondern man lernt auch Shiro und Sanya, zwei weitere „Ritter des Kreuzes“, kennen und erfährt den Grund für die Existenz dieses Ordens. Die beiden neuen Ritter mochte ich sehr gern, vor allem den älteren Asiaten Shiro – und dank ihm gab es auch einige sehr bewegende Szenen für mich, bei denen ich das eine oder andere Tränchen verdrücken musste. Insgesamt ist der fünfte Teil der „Dresden Files“ wieder eine eher langsam erzählte Geschichte. Harry muss viel recherchieren und dabei versuchen, eine Balance zwischen den verschiedenen Herausforderungen in seinem Leben zu halten. Hier und da kommt es zwar auch zu ernsthaften Auseinandersetzungen, aber bis zum finalen Kampf in einem fahrenden Zug fühlt sich die Geschichte nicht so actionlastig an und am Ende gibt es noch einen überraschenden Einblick in die Motive eines der Gegner, mit denen sich Harry herumschlagen muss.

Ich glaube, inzwischen mag ich an den Dresden-Files-Romen ihre relative Berechenbarkeit. Harry steht immer vor mindestens zwei Herausforderungen, es gibt ein paar Kämpfe, ein paar ernsthafte Momente, viel Zynismus, einiges zum Schmunzeln und ganz wunderbar fantastische Einfälle. Ich mag es, dass die verschiedenen Personen immer wieder auftauchen, aber nicht in jedem Buch unbedingt dabei sein müssen – und obwohl die Grundstimmung (Harry ist unendlich erschöpft und alles passiert innerhalb schrecklich kurzer Zeit) immer sehr ähnlich ist, bietet jeder Band ein ganz neues Thema und neue interessante Einblicke in Harrys Welt, in das Leben seiner Freunde und die Gesetze und Hintergründe der verschiedenen übernatürlichen Kreaturen und Gemeinschaften. Einen riesigen Nachteil haben diese Bücher allerdings: Nach der letzten Seite habe ich immer sehr große Lust, sofort zum nächsten Band zu greifen!

Thomas B. Morgenstern: Der Milchkontrolleur

Ich mag Bücher, bei denen ich den Eindruck habe, der Autor würde über etwas schreiben, das er kennt. So hat mich wohl vor allem die Tatsache, dass Thomas B. Morgenstern mit seiner Familie einen Bauernhof in den Elbmarschen bewirtschaftet auf das Buch „Der Milchkontrolleur“ neugierig gemacht. Denn die Hauptfigur in diesem Krimi ist der in den Elbmarschen als Milchkontrolleur arbeitende Hans-Georg Allmers. Allmers hat seine Berufswahl anscheinend in erster Linie getroffen, weil er so mit relativ wenig Arbeit ein geregeltes Einkommen hat und sich den Tag frei einteilen kann. Gemeinsam mit seiner – sehr religiösen – Mutter lebt er auf dem Hof der Familie, während sein Bruder Werner inzwischen als Staatsanwalt fern der Landwirtschaft Karriere gemacht hat.

Als die Nachbarin Else Weber mit durchgeschnittener Kehle in einem Graben gefunden wird, gerät das gesamte Dorf in Unruhe. Alle sind sich sicher, dass es Elses unmoralischer Lebenswandel war, der zu ihrer Ermordung geführt hat, trotzdem fragt man sich natürlich, wer der Täter sein könnte. Da Werner Allmers, der mit der Leitung der Ermittlungen betraut wurde, zu recht fürchtet, dass man mit ihm und der Polizei nicht reden würde, schickt seinen Bruder Hans-Georg los, um auf den benachbarten Höfen Klatsch und Tratsch aufzuschnappen.

Allmers ist zwar nicht gerade glücklich darüber, dass er sich von seinem Bruder – zu dem er kein gutes Verhältnis hat – einspannen lassen soll, aber auf der anderen Seite juckt auch ihn die Neugier. Während er seine Nase in die Angelegenheiten der Nachbarn steckt, findet er den einen oder anderen Liebhaber der Ermordeten und noch einigen Dreck, der im Dorf unter den Teppich gekehrt wurde, aber den Mörder kann er so nicht ausfindig machen. Auch die junge Journalistin Susanne, über die er immer wieder stolpert, kann ihm in dieser Hinsicht nicht weiterhelfen, aber dafür kommen sich die beiden im Laufe der Zeit näher.

Ganz ehrlich, „Der Milchkontrolleur“ ist nicht gerade einer der spannensten Romane, die ich je gelesen habe. Der Autor erzählt die Geschichte eher gemächlich und so verbringt man viel Zeit mit Allmers in den Küchen der Nachbarn, liest von dem Kuchen, den er vertilgt, und hört sich mit ihm das Geschwätz auf den Höfen an. Aber so dümpelig der Krimi ist, so sehr haben mich die skurrilen Charaktere in der Geschichte unterhalten. Obwohl Thomas B. Morgenstern hier und da ins Klischee abdriftet, fühlte ich mich oft genug an die Nachbarn meiner Kindheit erinnert. Auch wenn ich nicht so weit im Norden aufgewachsen bin, so erinnern der Sprechrhythmus, die Lebensansichten und viele kleine Details an die „Dorfgemeinschaft“, die mir damals so vertraut war, und so gab es für mich so einige Momente, in denen ich mit einem breiten Grinsen über dem Buch saß.

Obwohl man bei dem Kriminalfall mitraten kann – und ich lange vor der Auflösung einen starken Verdacht bezüglich des Mörders hatte -, sind mir letztendlich recht wenige Details wirklich klar in Erinnerung geblieben, am Ende war da nur das Gefühl einen netten und atmosphärischen Regionalkrimi genossen zu haben. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich seit dem Lesen dieses Romans keinen Apfelsaft mehr trinken kann (dabei hatte ich letztes Jahr gerade so einen unglaublich leckeren naturtrüben Saft gefunden *seufz*), weil es da eine Szene mit Äpfeln und Ratten gibt, die mir seitdem immer vor Augen steht.

Agatha Christie: The Secret of Chimneys

Nachdem meine eigenen Christie-Bücher weiterhin in Umzugskartons schlummern, stille ich meine Lust auf die Autorin eben mit englischen Titeln aus der Bibliothek. Nur blöd, dass ich mit diesem Band nicht noch einen Monat warten wollte, sonst hätte ich mein Buch für die English-Challenge auch schon bei der Hand gehabt. „Die Memoiren des Grafen“ gehört zu den Geschichten von Agatha Christie, die ich immer mal wieder in die Hand nehme, weil ich sie so unterhaltsam finde. Auch wenn die Handlung von so vielen Zufällen geprägt ist, dass ich das einem anderen Krimiautor nicht verzeihen würde, mag ich die Geschichte und die Charaktere so sehr, dass ich die Schwachpunkte hier locker verzeihen kann.

„The Secret of Chimneys“ beginnt in Afrika, wo Anthony Cade auf seinen alten Freund Jimmy McGrath trifft. Während Anthony sein Leben als Reiseführer fristet, ist Jimmy gerade auf dem Weg ins Landesinnere, da er dort auf die Suche nach Gold gehen wird. Diese Goldsuche ist ihm so wichtig, dass er seinen Freund bittet, doch eine Aufgabe für ihn zu übernehmen. Denn der verstorbene Graf Stylptitch, herzoslowakischer Adliger und berühmter Diplomat, hatte Jimmy seine Memoiren zukommen lassen – und wenn dieser sie bis zu einem bestimmten Tag persönlich bei einem Londoner Verlagshaus abgibt, dann bekommt er dafür 1000 Pfund. Gegen ein Viertel der versprochenen Summer macht sich Anthony auf den Weg, im Gepäck nicht nur die Autobiografie des Diplomaten, sondern auch Liebesbriefe einer verheirateten Frau, die ihm ebenfalls von Jimmy anvertraut wurden.

In London hingegen warten mehrere Gruppierungen darauf, dass Jimmy McGrath mit den Memoiren des Grafen eintrifft. Sowohl die herzoslowakische Regierung als auch ihre politischen Gegner sowie die britische Regierung (die mit Herzoslowakien gerade sehr empfindliche Verhandlungen führt) und ebenso eine französische Verbrecherbande wollen in den Besitz dieser Seiten kommen. Während Anthony mit den diversen Angeboten und Diebstahlsversuchen fertig werden muss, versucht er nebenbei, Virginia Revel ausfindig zu machen – die Dame, mit deren Namen die verhängnisvollen Liebesbriefe unterschrieben wurden, die ihm von Jimmy ausgehändigt wurden.

Virginia hingegen bereitet sich auf ein Wochenende auf Chimneys vor, zu dem sie von Lord Caterham und seiner Tochter Eileen (genannt Bundle) geladen wurde. Sie soll ein bisschen Leben in die Wochenendgesellschaft bringen, die vor allem aus herzoslowakischen Adligen, britischen Diplomaten und Finanzmännern bestehen wird. Denn Chimneys wird schon seit Jahrzehnten als inoffizieller Treffpunkt für die Mächtigen und Reihen in Großbritannien genutzt – sehr zum Leidwesen von Lord Caterham, der im Gegensatz zu seinem verstorbenen Bruder so gar nichts mit Politik am Hut hat. Als dann noch ein Mord auf Chimneys geschieht, gerät auch Anthony in Verdacht …

Ich fürchte, ich kenne das Buch einfach zu gut, um eine objektive Meinung dazu zu schreiben. Ich mag Anthony, ich mag Virginia und ich mag den widerwilligen Gastgeber Lord Caterham und seine Tochter (die man übrigens in „The Seven Dials Mystery“ – die einzige Geschichte, bei der ich ständig den deutschen Namen vergesse – wiedersieht). Jedes Mal wieder verfolge ich mit Vergnügen, wie Anthony versucht, seinen Namen reinzuwaschen, Virginia zu helfen und mehr über die verschiedenen Rätsel herauszufinden. Da ist es mir dann auch egal, dass ich recht schnell weiß, wer von den verschiedenen Figuren nicht der ist, der er zu sein vorgibt – und warum sich der Diener des Ermordeten so ungewöhnlich verhält. Ach, verflixt, lest die Geschichte doch einfach selbst – gern auch auf Englisch, denn das klappt prima – und bildet euch eine eigene Meinung! 😉

Neben der Lust auf eine Agatha-Christie-Geschichte trieb mich auch die Neugier auf eventuelle Unterschiede zur Übersetzung an – und ehrlich gesagt, mir sind kaum Sachen ins Auge gesprungen! Wie bei „The Man in the Brown Suit“ hatte ich nicht das Gefühl, dass ich irgendeine Szene nicht kenne, allerdings sind mir diverse Redewendungen aufgefallen, die – meinem Empfinden nach – nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Das ändert nicht viel an der Qualität der Geschichte, lässt aber die Charaktere hier und da lässiger wirken als in „Die Memoiren des Grafen“. Ich denke, ich werde mir noch mal ein paar weitere englische Ausgaben besorgen, wenn ich endlich meine Bücher auspacken kann – und dann vergleiche ich detaillierter.

Agatha Christie: The Man in the Brown Suit

Nachdem ich immer wieder in Texten über die Autorin über die Aussage gestolpert bin, dass Agatha Christies Romane in der deutschen Umsetzung deutlich gekürzt oder verändert wurden, wollte ich mir ein paar Titel der Autorin mal bewusst im Original angucken, um mir ein eigenes Bild davon zu machen. Außerdem passt „The Man in the Brown Suit“ so schön zur English-Challenge und bietet mir die Gelegenheit mal etwas anderes als einen Dresden-Files-Roman dafür zu besprechen.

„Der Mann im braunen Anzug“ ist wohl einer der unbekannteren Romane von Agatha Christie und gehört zu meinen Lieblingsbüchern der Autorin. Hier bekommt der Leser keine Miss-Marple- oder Hercule Poirot-Geschichte präsentiert, denn die Ereignisse drehen sich um die Abenteuer von Anne Beddingfeld. Anne ist die Tochter eines Gelehrten, der sich so sehr für seine anthropologischen Studien interessiert, dass er alles andere darüber vergessen kann. Während Anne ihm den Haushalt führt und gerade so mit dem kargen Einkommen des Vaters über die Runden kommt, bestehen die Höhepunkte ihres Lebens aus dem Lesen von Romanen aus der Leihbücherei und dem wöchentlichen Kinobesuch, wo sie die Episoden rund um die Abenteurerin Pamela genießt. So wundert es einen nicht, dass Anne nach dem Tod ihres Vaters sein Ableben zwar bedauert, darin aber auch die Chance sieht endlich ein aufregendes und abwechslungsreicheres Leben zu führen.

Zum Glück wird sie von einem Geschäftspartner ihres verstorbenen Vaters nach London eingeladen. Dort, so hofft Anne, wird sie eine Anstellung finden, die ihren Hunger nach Aufregung und Romantik befriedigt. Doch so einfach ist es nicht eine Beschäftigung zu finden, die Annes Ansprüchen entspricht – und so stürzt sich die junge Frau lieber auf einen rätselhaften Unfall, den sie in der U-Bahn beobachtet. Bei diesem Unfall stürzte ein – nach Mottenkugeln riechender – Mann unter seltsamen Umständen von der Plattform der Bahn und kommt dabei ums Leben. Ein geheimnisvoller Zettel, dem ebenfalls der Geruch von Mottenkugeln anhaftet, und ein Mord in einem leerstehenden Haus führen Anne auf die Spur eines Verbrecherrings, der vor allem während des Ersten Weltkriegs (die Geschichte wurde von Agatha Christie 1926 veröffentlicht) aktiv war. Und bei all diesen rätselhaften und bedrohlichen Vorfällen scheint ein Mann in einem braunen Anzug involviert zu sein. Ein Mann, der nicht nur Annes kriminalistisches Interesse weckt …

Erzählt werden die Ereignisse in erster Linie aus Annes Sicht, aber auch Tagebucheinträge von Sir Eustace Pedler werden in die Geschichte eingeflochten. Dieser schon etwas ältere Herr ist nicht nur der Besitzer des leerstehenden Hauses, in dem der Mord passierte, sondern er wird auch von der britischen Regierung gebeten ein politisch wichtiges und überaus geheimes Dokument nach Südafrika mitzunehmen. So spielt ein guter Teil der Handlung auf einem Schiff und später in Südafrika, wobei sich der Kreis der handelnden Personen auf einen recht engen Rahmen beschränkt, nämlich Sir Eustace Pedler und seine Angestellten, Anne Beddingfeld, eine wohlhabende Weltenbummlerin, einen attraktiven schweigsamen Mann, der für den Geheimdienst arbeitet, und einen nicht sehr sympathischen Missionar.

Trotz dieses kleinen Kreises gelingt es Agatha Christie ganz wunderbar eine Atmosphäre zu schaffen, die einer Spionagegeschichte und einer Handlung rund um eine Verbrecherbande gerecht wird. Doch vor in erster Linie mag ich die verschiedenen Charaktere, allen voran Anne und Sir Eustace Pedler, denen die Autorin jeweils eine ganz eigene Stimme verleiht. Während Anne ihr Abenteuer in vollen Zügen genießt und nur hier und da bei ihr der Gedanke aufkommt, dass sie sich doch recht blauäugig in so manche Gefahr begibt, scheint der alte Herr nichts und niemanden ernst zu nehmen und trotzdem nie so ganz zufrieden mit dem Benehmen seiner Mitmenschen zu sein. So fragt er zum Beispiel ganz am Anfang der Geschichte den Beamten, der ihn als Kurier nach Südafrika anheuern soll, warum man dafür nicht einfach die britische Post bemühen würde. Eine Briefmarke wäre doch deutlich weniger umständlich zu finden, als eine vertrauenswürdige Person, die den langen Weg nach Afrika auf sich nimmt …

Zwei Absätze finde ich dabei recht typisch für den Erzählstil dieser Geschichte:

„It reminded me forcibly of Episode III in „The Perils of Pamela“. How often had I not sat in the sixpenny seats, eating a twopenny bar of milk chocolate, and yearning for similar things to happen to me! Well, they had happened with a vegeance. And somehow it was not nearly so amusing as I had imagined. It’s all very well on the screen – you have the comfortable knowlege that there’s bound to be an Episode IV. But in real life there was absolutely no guarantee that Anna the Adventuress might not terminate abruptly at the end of any Episode.“ (Anne Beddingfeld, S. 118)

„I am inclined to abandon my Reminiscences. Instead, I shall write a short article entitled „Sectretaries I have had“. As regards secretaries, I seem to have fallen under a blight. At one minute I have no secretaries, at another I have too many. […] Yes, „Secretaries I have had“. No.1, a murder fleeing from justice. No.2, a secret drinker who carries on disreputable intrigues in Italy. No.3, a beautiful girl who possesses the useful faculty of being in two places at once. No.4, Miss Pettigrew, who I have no doubt, is really a particularly dangerous crook in disguise!“ (Sir Eustace Pedler, S. 142)

„The Man in the Brown Suit“ ist ein wunderbar unterhaltsamer Kriminalroman, der vielleicht nicht zu Agatha Christie kompliziertesten oder spritzigsten Geschichten gehört, der mir persönlich aber immer wieder sehr gut gefällt. Ich mag die romantische und abenteuerlustige Anne und bewundere ihre Courage, auch wenn ich nicht so recht nachvollziehen kann, warum sie sich von dem Mann im braunen Anzug so angezogen fühlt. Nun, das könnte aber auch daran liegen, dass er gut aussieht, unhöflich ist und seinen Beschützerinstinkt nicht immer unterdrücken kann …Wer mal einen Roman der Autorin ausprobieren will, der nichts mit Miss Marple oder Hercule Poirot zu tun hat, der könnte eindeutig eine schlechtere Wahl treffen. 😉 Achja, großer Unterschiede zu meiner deutschen Ausgabe habe ich nicht feststellen können, abgesehen davon, dass mir zwei kleine Szenen unvertraut vorgekommen sind. Allerdings habe ich „Der Mann im braunen Anzug“ beim Lesen auch nicht bei der Hand gehabt und konnte so keinen direkten Vergleich anstellen. Oh, und zu meiner eigenen Überraschung (bei Kriminalromanen habe ich einfach immer Angst, dass ich nicht genug Feinheiten mitbekommen würde) lässt sich die Geschichte auch ganz wunderbar im Original lesen.

Jim Butcher: Summer Knight (Dresden Files 4)

Wieder einmal musste ein Dresden-Files-Roman für die English-Challenge daran glauben – auch wenn das für euch vielleicht langsam langweilig wird. 😉 „Summer Knight“ ist der vierte Band rund um den Magier und Privatdetektiv Harry Dresden und ich fürchte, dass ich diesen Text (im Gegensatz zu meinen anderen beiden Dresden-Files-Rezensionen) nicht mehr spoilerfrei halten kann. Also ab hier nicht mehr weiterlesen, wenn man die ersten drei Romane noch nicht kennt!

Harry Dresden hat sein Leben in den letzten Monaten nur einer einzigen Sache gewidmet: Der magischen Forschung, um ein Gegenmittel gegen die Vampirifizierung seiner Freundin Susan zu finden. Die Journalistin hatte sich in „Grave Peril“ in eine offizielle Veranstaltung des Roten Hofs der Vampire erschlichten und wurde aufgrund der folgenden Ereignisse von der Vampir-Fürstin Bianca infiziert. Noch ist Susan kein Vampir, aber wenn sie einmal ihrem Blutdurst nachgeben sollte, dann ist sie verloren. So hat Harry in den letzten Monaten keinen einzigen Auftrag angenommen, kaum gegessen und geschlafen und auch sonst sein Leben vollkommen vernachlässigt, weil er hofft, dass er seine Geliebte noch retten kann. Dabei weiß er nicht einmal, ob es für sie überhaupt noch eine Rettung geben kann, denn Susan hat sich schon lange aus dem Staub gemacht und Harry weiß nur aufgrund ihrer regelmäßig erscheinen Zeitungsartikel, dass sie noch lebt.

Doch nun wird es Zeit, dass der Magier seiner Umwelt wieder mehr Aufmerksamkeit schenkt – und das nicht nur weil die Kündigung seiner Büroräume droht, wenn er nicht so langsam mal die ausstehende Miete bezahlt. Vor allem sollte sich Harry mit der Versammlung des „Weißen Rats“ („White Council“) der Magier beschäftigen, die in Chicago stattfindet. Denn die Magier stecken – dank Harrys eher undiplomatischem Verhalten in „Grave Peril“ – in einem Krieg mit den Vampiren. Doch nicht nur der Krieg, sondern auch eventuelle Folgen für Harry sollen während der Versammlung diskutiert werden. Nachdem Harry als Teenager für den Tod seines Ausbilders verantwortlich war, bezweifeln so einige Magier, dass man ihn überhaupt am Leben hätte lassen dürfen oder ihn gar als Mitglied des „Weißen Rats“ hätte zulassen sollen. Nun könnten die Konsequenzen dafür, dass Harry versuchte einige Menschenleben zu retten, sein, dass der Magier schlimm bestraft wird …

Aber „Summer Knight“ wäre kein Dresden-Files-Roman, wenn die Vampire und der „Weiße Rat“ Harrys einzige Probleme wären: Harrys Feen-Patentante hat die Schuld, die er ihr gegenüber hat, an die Königin des Winterhofs der Sidhe verscherbelt und nun muss der Magier Königin Mab zu Diensten sein. Zu seiner Überraschung möchte diese nur, dass er in seiner Eigenschaft als Privatdetektiv einen Mord untersucht – doch natürlich muss hinter dem Auftrag einer Fee deutlich mehr stecken. So sieht sich Harry schnell zwischen den Fronten des Winter- und des Sommerhofs der Sidhe und muss bei jedem Gespräch, jedem Ermittlungsschritt und jeder seiner Aktionen nicht nur um sein Leben fürchten, sondern auch darum, dass die Feen dafür sorgen, dass er vom „Weißen Rats“ verurteilt wird …

Ich muss zugeben, dass ich bei diesem vierten Band rund um Harry Dresden ein wenig die Action vermisst habe, auch wenn es sehr spannend war mehr über Harrys Jugend, die Magier, ihren „Weißen Rat“, die Feen, die beiden Höfe und all die anderen Dinge, die mit ihnen zusammenhängen, zu erfahren. Auch brachte mir dieser Roman ein Wiedersehen mit den Pixies aus dem ersten Dresden-Files-Buch und  einer Gruppe von Werwölfe aus „Fool Moon“ und gerade bei den letzteren war es schön die Entwicklung zu sehen, die sie seitdem hinter sich gebracht haben.

Aber insgesamt war mir Harry am Anfang zu antriebslos und dann rannte er einen Großteil des Buches hinter Informationen hinterher, ohne wirklich etwas tun zu können. Zwar hat Jim Butcher wieder wundervolle Charaktere in diesem Buch beschrieben – meine größte Überraschung waren dabei die beiden „Mütter“ der Sidhe-Höfe –, aber so sehr wie die anderen Romane konnte mich dieser vierte Band der Reihe nicht mitreißen. Trotzdem hatte ich mit „Summer Knight“ wieder einige wunderbare und sehr unterhaltsame Lesestunden, denn nur weil dieses Buch „nicht so gut“ war, bedeutet das auf keinen Fall, dass es schlecht war.

Nun muss ich mir überlegen, ob ich den fünften Band der „Dresden Files“ noch einmal lese (den hatte ich schon mal aus der Bibliothek geliehen) oder gleich mit dem sechsten weitermache. „Death Masks“ hatte mir gut gefallen und ließ sich auch ohne Vorwissen genießen, aber vielleicht würde ich das Buch mit all den Entwicklungen der letzten Bände ja mit neuen Augen entdecken können. Und wer weiß, vielleicht lese ich für den nächsten Monat ja auch mal einen Titel von einem anderen Autor für die Challenge, auch wenn ich mit den „Dresden Files“ wohl erst aufhören werde, wenn ich alle Romane rund um Harry Dresden genossen habe.

Kerstin Herrnkind: Mein Mann der Mörder

Gleich zu Beginn: Ich will in den Titel immer ein Komma einbasteln, weil es in meinen Augen einfach dahingehört, aber Verlag (und Autorin?) haben das Buch ohne Komma im Titel auf den Markt gebracht – und damit muss ich wohl leben. 😉 Statt einer eigenen Inhaltszusammenfassung gibt es hier den Klappentext, denn dann bekommt ihr eine Vorstellung davon, was ich von dem Roman erwartet hatte:

Von einem Tag auf den anderen zerbricht Xenia Rabes heile Welt: Ihr Mann Tobias hat ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet. Nun ist er auf der Flucht vor der Polizei.
Fassungslos fragt sich Xenia, warum sie von dem Doppelleben ihres Mannes nichts geahnt hat, und geht auf Spurensuche. Wer ist der Mann, den sie so überstürzt geheiratet hat? In Tobias’ Heimatdorf stößt sie auf sein furchtbares Familiengeheimnis. Ist dies der Schlüssel zu seiner Tat? Oder ist es in Wahrheit alles ganz anders?
Xenia fasst einen verhängnisvollen Entschluss …

Nach diesem Klappentext hatte ich eine Geschichte erwartet, in der eine Frau damit fertig werden muss, dass ihr Mann ein Mörder ist. Ich dachte, es ginge darum, wie sie zu verarbeiten versucht, dass der Mensch, den sie geliebt hat, zu einer solchen Tat fähig ist. Umso irritierender waren die Passagen des Romans, in denen man als Leser die Reaktion Xenia Rabes aus der Ich-Perspektive erlebt. Die Frau scheint sich weniger zu fragen, wie es sein konnte, dass sie das Doppelleben ihres Mannes nicht erkannt hatte, als dass sie herausfinden will, warum sie diesen Mann überhaupt geheiratet hat. Sie ist weniger verletzt als wütend, sie will diese Ehe und ihren Mann nur so schnell wie möglich abhaken und wieder zu einem „normalen“ Leben zurückfinden.

Neben diesem Handlungsstrang bekommt der Leser auch noch die Perspektiven diverser anderer Personen mit, die – aufgrund des „Mein Mann ist ein Mörder“-Themas – Kontakt mit Xenia Rabe haben. Dabei beschreibt Kerstin Herrnkind sehr ausführlich den Alltag zweier Polizeireporter, die anfangs Xenia Rabe zu ihrem Mann befragen wollten, und so bekommt der Leser mit, mit welcher Skrupellosigkeit die beiden Männer an Fotos und Informationen kommen, wenn es um Verbrechen geht. Auch gibt es einen kleinen – und sehr zynischen – Einblick in die Arbeit der Polizei und Staatsanwaltschaft. Das alles ist gut und interessant geschrieben, aber ich war das halbe Buch über irritiert über das seltsame Verhalten der verschiedenen Charaktere und die kleinen Unstimmigkeiten in der Geschichte.

Wieso es zu diesen unstimmigen Szenen und Handlungen kommt, wird zwar am Ende von Kerstin Herrnkind aufgeklärt, doch das hat bei mir vor allem dazu geführt, dass ich die Grundidee der Autorin zwar anerkennen kann, mich persönlich davon aber verarscht gefühlt habe. Denn diese Wendung ganz am Ende der Geschichte wirft ein komplett neues Licht auf eine der Personen, die man den ganzen Roman hindurch begleitet hat. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass die Lösungshinweise sehr (für mich anscheinend zu) subtil eingebaut wurden, oder daran, dass ich einfach etwas anderes erwartet habe, aber das Ende hat mich richtig verärgert. Bei einem zweiten Lesen könnte ich vermutlich den geschickten Einbau von Hinweisen bewundern, aber so fühle ich mich von der Autorin gezielt „dumm gehalten“.

Objektiv kann ich die gute Schreibweise, die interessanten Perspektiven und die nicht so ausgelutschte Idee würdigen, aber rein subjektiv habe ich das Gefühl, dass die Autorin gegen eine der Krimi-Grundregeln verstoßen hat, indem sie mich als Leser nicht „mitermitteln“ ließ. Vermutlich würde ich – aufgrund des wirklich gut zu lesenden Stils und der interessanten Charaktere – nach diesem Debütroman auch ein weiteres Buch der Autorin lesen, aber wenn sie auch dann zu einem solchen Kniff greifen würde, um ihrer Handlung einen besonderen Dreh zu geben, dann hätte Kerstin Herrnkind mich als Leserin wohl verloren. Ich gehöre eben doch eher zu den Leuten, die von Krimi-Schriftstellern erwarten, dass sie sich – zumindest grob – an die Regeln des „Detection Club“ halten, die gewährleisten sollen, dass sich der Autor dem Leser gegenüber fair verhält. Und ja, mir ist bewusst, dass diese Geschichte kein Detektiv-Roman ist … 😉

Jim Butcher: Grave Peril (Dresden Files 3)

„Grave Peril“ ist der dritte Teil der Dresden-Files-Romane und hat sich auf Englisch ebenso gut lesen lassen wie schon „Fool Moon“. Wenn das so weitergeht, dann werde ich den Rest der „English“-Challenge mit den Abenteuern von Harry Dresden bewältigen, denn mir machen diese Geschichten wirklich Spaß. In „Grave Peril“ sehen sich der Magier Harry Dresden und der „Ritter des Kreuzes“ Michael (ich habe keine Ahnung, wie der in der deutschen Übersetzung bezeichnet wird, aber das ist meiner Ansicht nach der kürzeste – und treffenste – Begriff dafür) Geisteraktivitäten von ungewohnten Ausmaß gegenüber. Normalerweise können Geister nicht viel Schaden auf Erden anrichten, doch seit zwei Wochen kommt es jede Nacht zu gefährlichen Vorfällen bei denen Geister Menschen bedrohen.

So auch in der Nacht, in der der Roman beginnt: Der Geist von Agatha Hagglethorn spukt in der Säuglingsstation eines Krankenhauses und nur unter Einsatz all ihrer magischen und von Gott verliehenen Kräfte können Harry und Michael das Leben der Neugeborenen retten. Nach zwei Wochen, in denen die beiden jede Nacht ihr Leben riskierten und all ihre Fähigkeiten einsetzen mussten, sind der Magier und der Ritter inzwischen sehr erschöpft und doch haben sie noch immer nicht die Ursache für die bedrohlichen Geistererscheinungen gefunden.

Auch das Privatleben der beiden Männer leidet sehr unter der Unruhe in der Geisterwelt: Während Michaels Frau hochschwanger ist und eigentlich Unterstützung und Hilfe mit den Kindern gebrauchen könnte, hat Harry seine Freundin Susan schon viel zu lange nicht mehr gesehen. Ihr Beziehung besteht zur Zeit fast nur aus Telefonaten, bei denen die Journalistin und der Magier Informationen austauschen, was zu erkennbaren Spannungen zwischen den beiden führt. Doch Harry hat keine Zeit für ein Privatleben, denn neben den Geisteraktivitäten muss er sich auch als Repräsentant des „White Council“ mit einer Einladung der Vampir-Fürstin Bianca beschäftigen. Die Vampirin hat noch eine Rechnung mit Harry offen, seitdem er (im ersten Band der „Dresden Files“) den Tod einer ihrer Anhängerinnen verursacht hatte – und so könnte die Party zu einer unschönen Angelegenheit werden, auch wenn Harry durch den Kodex der Vampire eigentlich geschützt sein müsste.

Trotz des rasanten Auftakts habe ich diesen Harry-Dresden-Roman als deutlich ruhiger empfunden als „Fool Moon“. Harry muss sich zwar immer wieder mit den Geistern und einem damit zusammenhängenden „Albtraum“ herumschlagen, aber vor allem geht es um die Schwierigkeiten zwischenmenschliche Aktivitäten mit den Aufgaben eines Magiers zu verbinden und herauszufinden, was alles hinter dem unheimlichen Spuk steckt. Von der ersten Seite an wird von Jim Butcher betont, wie erschöpft Harry ist und wie sehr seine Magie unter den Kämpfen in den letzten Nächten gelitten hat. Diese Erschöpfung muss dann auch dafür herhalten, dass der Magier die eine oder anderer Verbindung zwischen den verschiedenen Ereignissen übersieht, obwohl sie dem Leser regelrecht ins Auge springt.

Trotzdem fand ich diese Geschichte wieder spannend und gut zu lesen. Der Humor, die wunderbaren Charaktere und die Herausforderungen, mit denen sich Harry und Michael auseinandersetzen müssen, haben mich über den einen oder anderen Schwachpunkt der Handlung locker hinwegsehen lassen. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich durch den schon gelesenen fünften Band wusste, dass entweder in diesem oder im nächsten Teil etwas entscheidendes passieren muss – und die Befürchtung, dass es in diesem Roman (und bei einem ganz bestimmten Ereignis) so kommen würde, hat mich beim Lesen besonders kribbelig gemacht. Uff, ist es blöd, wenn man sich so vage ausdrücken muss, um nichts zu verraten. *g*

Jim Butcher: Fool Moon (Dresden Files 2)

Ich habe in den letzten Monaten aus der Bibliothek den ersten und den fünften Teil der „Dresden Files” aus deutsch ausleihen können – und beide Bücher hatten mir so gut gefallen, dass ich mehr von Jim Butcher lesen wollte. Blöderweise waren das die einzigen beiden Bände, die von dem Autor in der Bibliothek zu bekommen waren. Angesichts der „English“-Challenge (und weil Irina und Natira mir versicherten, dass die Geschichten auch auf Englisch gut zu verstehen sind) habe ich mich im März dann an „Fool Moon“, den zweiten Dresden-Files-Teil, gewagt. Ich muss zugeben, dass die beiden recht hatte! Jim Butchers Englisch ist ganz einfach zu verstehen und so hatte ich das Buch an einem Wochenende ausgelesen. Bevor ich mich aber für den April an den dritten Band der Reihe mache, sollte ich endlich mal die März-Rezension für die Challenge verfassen. 😉

Harry Dresden ist einer der wenigen Menschen, die öffentlich zu ihrer besonderen Begabung stehen. Auch wenn er immer wieder als Spinner abgetan wird, weil er sich als Magier bezeichnet und als solcher auch im Branchenverzeichnis steht, so kann Harry nicht anders als offen mit der übernatürlichen Seite seines Leben umzugehen. Blöderweise bekommt man auf diese Art und Weise aber nur selten einen Job – vor allem, wenn man seine Ansprechpartnerin (Murphy) bei der Chicagoer Polizei so sehr verärgert, dass sie einen seit Monaten nicht mehr für die ungewöhnlichen Kriminalfälle als Berater engagiert hat. So ist Harry mehr als bereit sich mit einer seiner „Zauberschülerinnen“ zu treffen, als diese ihm dafür ein Essen in McAnally’s Pub anbietet. Doch Kim Delaney will im Gegenzug von Harry etwas über einen Zauber wissen, der eindeutig über ihre Fähigkeiten geht und sie in große Gefahr bringen könnte.

Während sich Harry noch darüber Gedanken macht, in was für eine Angelegenheit Kim da geraten ist, meldet sich Murphy nach langer Zeit wieder bei ihm. Die Polizistin beschäftigt sich mit einer Reihe von Morden, bei denen die Opfer aussehen, als wären sie von großen Wölfen zerfleischt worden. Da das FBI schon seine Finger in die Ermittlungen gesteckt hat, befürchtet Murphy, dass die eventuell vorhandene übernatürliche Ursache für die Todesfälle übersehen und deshalb der Täter niemals gestoppt wird. So muss Harry von einem Tag auf den anderen sein Wissen um die verschiedenen Arten von Werwölfen deutlich erweiteren – und legt sich dabei mit dem kriminellen Oberhaupt von Chicago, einer unheimlichen Gang, der Polizei und dem FBI und noch einigen weiteren Parteien an.

Wie schon bei den anderen beiden Dresden-Files-Romanen fand ich den Einstieg in die Geschichte interessant und war neugierig darauf, was sich hinter den Morden verbarg, wurde aber nicht von der ersten Seite an gepackt. Ich mag Harry und die wenigen Leute, die er zu seinen Freunden zählt, ich mag die magische Parallel-Gesellschaft in Chicago und dazu kommt noch, dass Jim Butchers Schreibstil sich (auf deutsch und auf englisch) einfach flüssig lesen lässt. Harry ist ironisch, seine Magie fordert ihre Opfer und lässt sich nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln und viel zu oft wird er von den übernatürlichen Wesen – ebenso wie von der Polizei – in ernsthafte Auseinandersetzungen verwickelt. Erst ab der Mitte der Geschichte bin ich immer so weit in der Handlung drin, dass ich das Buch kaum zur Seite legen mag und dann – wenn möglich – in einem Zug zu Ende lesen.

Aber auch wenn sich die Spannung langsam aufbaut, so führt das bei mir bei diesen Büchern eher dazu, dass ich umso neugieriger auf die weitere Entwicklung werde und mich nicht – wie bei schlechteren Autoren – gelangweilt fühle. Jim Butchers Humor liegt einfach auf meiner Wellenlänge und seine Actionszenen sind packend geschrieben. Doch vermutlich gefällt mir an den Büchern vor allem, dass sie mich an die hardboiled novels von Raymond Chandler, Dashiell Hammet und Cornell Woolrich erinnern. Harry Dresdens Chicago ist eine schmutzige kleine Stadt, in der die Kriminellen mehr zu sagen haben als die vermeintlich „Guten“ und in der man schneller um sein Überleben kämpfen muss, als dem durchschnittlichen Bürger bewusst ist. Der Magier folgt nur seinem eigenen Rechtsempfinden und lässt sich weder von den menschlichen, noch von den übernatürlichen „Ordnungshütern“ vorschreiben was rechtens ist, was mich doch sehr an Philip Marlowe & Co. erinnert – für mich eine der besten Assoziationen, die eine Geschichte und ihr „Held“ in mir wecken können. 😉

Ernst Solèr: Staub im Paradies

Dieses Buch habe ich im Rahmen des sechsten „SuB-Losverfahren“ von Kari gelesen – und ich muss zugeben, dass ich es nicht so schnell aus dem SuB befreit hätte, wenn mir nicht gerade dieser Roman zugelost worden wäre. Dabei weiß ich gar nicht, warum dieser Krimi solange auf dem SuB ruhte. Mit den Büchern vom Grafit-Verlag habe ich viele positive Erfahrungen gemacht und so dick war der Roman ja auch nicht, dass einen der Umfang vom Lesen abgeschreckt hätte.

„Staub im Paradies“ von Ernst Solèr führte mich gleich zweifach ins Ausland: Einmal konnte ich eine Mordermittlung im Zürich miterleben, auf der anderen Seite den Urlaub des Zürcher Kantonspolizisten Fred Staub. Dieser ist mit seiner Familie (Ehefrau, Sohn und Freundin des Sohnes) nach Sri Lanka geflogen, um seine Tochter Anna zu besuchen. Die junge Wissenschaftlerin lebt schon länger in diesem Inselstaat, weil sie in einer Forschungsstation arbeitet, und hat sich inzwischen dort nicht nur gut eingelebt, sondern mit Doktor Tschaggat auch einen einheimischen Arzt als Freund.

Während dieser Urlaub Fred Staub eigentlich mal eine Auszeit von seiner Arbeit als Polizist verschaffen soll, muss dieser kurz nach seiner Ankunft miterleben wie ein Kollege seiner Tochter erschossen wird. Das herbeigerufene Militär ist sich sicher, dass tamilische Rebellen hinter dem Anschlag stecken, doch Staub ist ebenso wie sein Kollege Verasinghe davon überzeugt, dass hinter diesem Mord mehr steckt. Abgesehen davon, dass das Vorgehen nicht dem der Rebellen entspricht, sind die tamilischen Kämpfer in diesem Teil Sri Lankas eigentlich nicht aktiv. So beginnt Fred Staub gemeinsam mit dem einheimischen Polizisten zu ermitteln.

Auch bei der Mordermittlung in Zürich besteht eine Verbindung nach Sri Lanka, da der Tote ein Tamile ist, der gerade erst in die Schweiz eingereist war. Dabei besteht für die Polizisten das größte Problem darin, dass es in Zürich eine große tamilische Gemeinde gibt, die nicht bereit ist bei den Ermittlungen zu kooperieren. Jeder Hinweise, den die Beamten erhalten, scheint nur noch mehr Fragen aufzuwerfen – umso willkommener ist es ihnen, dass sie mit Fred Staub jemanden haben, der in der Heimat des Ermordeten ein paar Erkundigungen anstellen kann.

Ich muss zugeben, dass die Krimihandlung zwar recht vielversprechend anfängt, aber so richtig glücklich war ich damit nicht. Ernst Solèr hat das Potenzial, das ihm die Handlung auf Sri Lanka und die Darstellung der tamilischen Gemeinschaft in der Schweiz geboten hat, leider nicht ausgenutzt – und das Ende war in meinen Augen etwas arg bemüht und für den Leser unbefriedigend. Trotzdem habe ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen, denn ich  mochte die Figuren und die Geschichte ist sehr leicht und humorvoll geschrieben.

Der Autor hat wirklich liebenswerte Charaktere geschaffen und ihm gelingt es schon mit kleinen Szenen die Persönlichkeit einer Figur dazustellen. Fred Staub zum Beispiel ist kein einfacher Mensch, er ist dickköpfig, hat seine ganz eigenen Ansichten und zeigt keinerlei Bereitschaft auf sein Umfeld einzugehen. Trotzdem wächst er einem dank seiner unbändigen Neugierde schnell ans Herz. Seine Familie ist ein wenig ungewöhnlich, die Ehefrau zeigt ein erstaunliches Verständnis für Staubs Marotten, der Sohn ist ein richtiger Looser und dessen neue Freundin zeigt manchmal mehr Energie und Engagement als angebracht zu sein scheint. Und die Polizistin Gret ist voller Leidenschaft für ihren Beruf, auch wenn sie gegen einen kleinen Flirt während einer Befragung nichts einzusetzen hat. Alles in allem fand ich die Charaktere stimmig und recht realistisch beschrieben, sie allen hatten Ecken und Kanten, was sie sympathisch machte.

Neben den Figuren liegt der zweite Schwerpunkt von „Staub im Paradies“ auf der Beschreibung Sri Lankas. Ernst Solèr hat vier Monate dort gelebt und man merkt schnell, wie sehr ihm Land und Leute ans Herz gewachsen sind. Trotz Hitze und Insekten (was mir beides so gar nicht liegt) hat der Autor bei mir Lust geweckt, die Landschaft mit eigenen Augen zu sehen und vielleicht auch einmal die Gastfreundschaft der Menschen zu erleben.

Dieser Roman ist übrigens der vierte Krimi rund um Fred Staub – und wenn mir einer der ersten drei Bände in die Hände fallen sollte, dann werde ich mir den bestimmt auch noch durchlesen. Wobei ich sagen kann, dass man auch ohne Vorkenntnis dieses Buch gut verstehen konnte und ich nicht das Gefühl hatte, ich würde was verpassen. Leider wird es aber keine weiteren Fortsetzungen dieser Reihe geben, da der Autor schon im Sommer 2008 verstorben ist und dieses Buch posthum veröffentlicht wurde.

Agatha Christie: Passenger to Frankfurt

Über „Passenger to Frankfurt“ bin ich in einer der Agatha-Christie-Biografien gestolpert, die ich letztes Jahr gelesen habe. Da stand, dass dies der einzige Roman sei, der nicht ins Deutsche übersetzt worden sei – und natürlich war ich neugierig, was das für eine Geschichte ist. (Inzwischen habe ich übrigens rausgefunden, dass das Buch 2008 ins Deutsche übersetzt wurde, allerdings scheint die Ausgabe nicht mehr erhältlich zu sein.) Auf jeden Fall ist „Passenger to Frankfurt“ kein gewöhnlicher Christie-Roman, obwohl das nicht das einzige Buch ist, in dem sich die Handlung um Spionage dreht. Aber in diesem Buch bezieht sich die Autorin ungewöhnlich oft auf die „jüngste“ Vergangenheit (der Roman erschien 1970) und es fallen einige kritische Bemerkungen zu Politik und Diplomatie.

Hauptfigur dieser Geschichte ist Sir Stafford Nye, ein junger Diplomat, der die großen Hoffnungen, die einst in ihn gesetzt wurden, nicht erfüllt hat. Denn für seinen Beruf verfügt er über einen überaus unpassenden Humor, der ihn zu einem unberechenbaren Gesprächspartner macht, was einem Karriereaufstieg deutlich im Wege steht. Und sein Humor und sein Sinn für absurde Situationen sind es auch, die ihn auf einem Heimflug in Schwierigkeiten bringen. Denn als er in Frankfurt darauf wartet, dass der Nebel in London sich soweit verzieht, dass der Flug weitergehen kann, wird Stafford von einer jungen Frau angesprochen. Diese Dame wurde durch die Zwischenlandung in Frankfurt in große Schwierigkeiten gebracht und benötigt nun Hilfe, um sicher weiter nach England reisen zu können. Von seiner Abenteuerlust angestachelt, lässt sich Sir Stafford Nye dazu überreden ihr seinen ungewöhnlichen Mantel und seinen Pass zu überlassen, damit sie in seine Rolle schlüpfen und so sicher heimkehren kann.

Nach dieser ungewöhnlichen Ausgangssituation zieht sich die Geschichte erst einmal ganz schön hin. Sir Stafford Nye wird bei seiner Heimkehr misstrauisch vom Geheimdienst beäugt, weil er sich in Frankfurt angeblich hat betäuben und ausrauben lassen und weil sein Pass ohne ihn heimgeflogen ist. Die Behörden sind sich nicht sicher, ob der Diplomat nicht vielleicht in unsaubere Geschäfte verwickelt ist – auch wenn der eine oder andere Beamte den Verdacht hegt, dass Stafford harmlos ist und nur sein allseits bekannter Humor ihn in diese Situation gebracht hat. Stafford hingegen versucht mehr über die geheimnisvolle Frau herauszufinden, fragt sich, ob sie heil nach England gekommen ist – und muss feststellen, dass jemand seine Schritte genau im Auge behält. Letztendlich entwickelt sich die Handlung zu einer eher unglaubwürdigen Geschichte rund um eine geheimnisvolle Organisation, die versucht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mehr will ich dazu gar nicht verraten, für den Fall, dass einer von euch das Buch noch lesen will.

Obwohl  immer wieder Szenen und Figuren auftauchen, die ich als sehr typisch für Agatha Christie empfinde – vor allem Staffords Großtante Matilda erinnerte mich an so einige meiner „viktorianischen“ Lieblingsladys in den anderen Krimis-, konnte mich „Passenger to Frankfurt“ nicht so recht überzeugen. Die Handlung zieht sich hin und bei einigen Passagen habe ich mich gefragt, zu welchem Zweck sie überhaupt in das Buch eingebaut wurden. Während anfangs Sir Stafford Nye als Hauptfigur fungierte, wird die Spionagegeschichte letztendlich doch von einem Haufen Politikern und Geheimdienstmitarbeitern beendet – und auch wenn ich mich immer wieder über ein Wiedersehen mit Mr. Robinson (der Mann, der einfach alles über Geld weiß) freue, so sind diese Szenen doch eher langweilig zu lesen. Doch vor allem habe ich mich über die Unglaubwürdigkeit der Geschichte geärgert. Eigentlich gibt es einige interessante Ansätze, wie die geheimnisvolle Begegnung am Flughafen, die faszinierende Spionin und die unheimliche Organisation, aber letztendlich kann Agatha Christie keinen Handlungsstrang überzeugend zuende führen.

Ich bedauere nicht, dass ich „Passenger to Frankfurt“ gelesen habe, denn so habe ich auch diese Seite von Agatha Christies Werk kennengelernt, aber noch einmal werde ich die Geschichte bestimmt nicht lesen. Nur gut, dass ich das Buch aus der Bibliothek ausleihen konnte. Oh, und „Passenger to Frankfurt“ ist mein Februar-Buch für die „I’m in English“-Challenge gewesen.