Schlagwort: Kriminalroman

[Übersetzungsirritation] Jean G. Goodhind: Mord nach Drehbuch

„Mord nach Drehbuch“ hatte ich mir gekauft, weil ich dachte, dass es ein unterhaltsamer Krimi sei, den ich gut zwischendurch einschieben könnte. Und nun hänge ich auf Seite 14 und ärgere mich über einen Satz so sehr, dass ich kaum weiterlesen mag. Ich weiß nicht, was sich die Übersetzerin Ulrike Seeberger bei diesem Satz gedacht hat, aber für mich ist der absolut unverständlich!

Es geht um eine ganz bestimmte Situation, Honey Driver, die Hauptfigur des Romans, streitet sich mit einer unsympathischen Schauspielerin, die in einem Film die Rolle der Jane Austen übernehmen soll. Die Schauspielerin ist laut und ordinär und Honeys Streit mit ihr ist in meinen Augen recht kindisch, aber beide wollen halt die Oberhand behalten. Und während die Schauspielerin immer ausfallender wird, versucht eines der Crew-Mitglieder sie zu beruhigen mit den Worten: „Aber, aber Martyna. Beruhige dich bitte, nur mit der Ruhe. Du weißt doch, wer wütend ist, kommt nur schwer in die Rolle hinein.“

Und als Reaktion darauf kommt der Satz, der mich so sehr irritiert.

„Genau“, bestärkte ihn Honey, die entschlossen war, das letzte Wort zu behalten. „Schließlich war Jane Austen zwar eine professionelle Gschaftelhuberin, aber keine professionelle Schlampe!“

Erst einmal musste ich als Norddeutsche nachgucken, was „Gschaftelhuberin“ genau heißen soll –  und habe dabei festgestellt, dass es dafür keine genaue Definition gibt, die für mich einen Sinn in diesen Satz bringt. Und dann habe ich mal über dict.cc geguckt, was da im englischen Original gestanden haben könnte und bin über „eager beaver“ gestolpert. Während „Gschaftelhuberin“ für mich eindeutig einen negativen Beiklang hat, so kann „eager beaver“ in meinen Ohren zwar negativ gemeint sein, muss es aber nicht.

So oder so macht der Satz „Schließlich war Jane Austen zwar eine professionelle Gschaftelhuberin, aber keine professionelle Schlampe!“ für mich einfach keinen Sinn. Was soll dem Leser damit gesagt werden?

Wenn mich ein Satz beim Lesen eines Buches so rausbringt und mich so rätseln lässt, was damit gemeint sein soll, dann habe ich ehrlich gesagt wenig Lust weiterzulesen. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir, vielleicht hängt es damit zusammen, dass dieses Wort für mich als Norddeutsche so wenig geläufig ist. Oder geht es den süddeutschen oder österreichischen Lesern bei diesem Satz ebenso wie mir? Bei mir hat die Übersetzerin mit diesem Satz auf jeden Fall schon mal einen Minuspunkt abbekommen – und wenn sie den Rest des Buches nicht prima hinbekommen hat, dann wird dieser Eindruck wohl erst einmal bestehen bleiben.

Richard Castle: Heat Wave

Der Roman „Heat Wave“ hat seinen Ursprung in der Fernsehserie „Castle“, da dort von der Hauptfigur Richard Castle eine Geschichte mit diesem Titel verfasst wurde – und die Serienmacher es dann für keinen schlechten Marketingtrick hielten, so ein Buch auch tatsächlich zu veröffentlichen. Die Serie kenne ich bislang noch nicht. Aber da Bibendum so ein Fan davon ist und mir Serie und Bücher nahebringen wollte, lieh sie mir sowohl „Heat Wave“ als auch den Folgeband „Naked Heat“. Und weil das Buch so schön dünn ist, hatte ich mir „Heat Wave“ als Einstieg für die „I`m in … English“-Challenge vorgenommen (zumindest nachdem ich mit der Liebesroman-Leihgabe von Irina nicht so recht vorankam 😉 ).

Leider hat mich „Heat Wave“ nicht so ganz überzeugen können. Ich könnte mir vorstellen, dass man als Fan der Serie – wenn ich Bibendums Meinung richtig in Erinnerung habe – Parallelen zwischen den Protagonisten ziehen könnte, aber für mich war das Ganze nur eine nicht besonders spannende Kriminalgeschichte. Die Hauptfiguren von „Heat Wave“ sind die Polizistin Nikki Heat und der Journalist Rook, der einen Hintergrundbericht über die New Yorker Polizei und ihre Arbeit schreibt. Nikki ist eher genervt von ihrem ständigen Begleiter (fühlt sich aber auch von ihm angezogen), während sie ermitteln soll, wer den erfolgreichen Bauunternehmer Matthew Starr ermordet hat. Dieser ist nämlich aus dem sechsten Stockwerk seines Wohnhauses gestürzt – und alle Anzeichen sprechen dafür, dass das kein freiwilliger Flug vom Balkon war. Dabei scheint es auf den ersten Blick keinen Grund für eine solche Tat zu geben. Das Opfer war zwar (erfolg)reich, aber anscheinend ein geachteter Mann, der mit seiner hübschen (und deutlich jüngeren) Ehefrau eine vorzeigbare Ehe führt. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass weder die finanzielle noch die berufliche oder private Situation des Opfers so beneidenswert waren, wie man hätte vermuten können.

Während der Kriminalfall eher Standard ist, gibt es häufig amüsant gemeinte Dialoge zwischen den beiden Protagonisten Nikki und Rook, die in meinen Augen aber nicht immer funktionieren. Denn es gibt schon einen deutlichen Unterschied zwischen einer Geschichte, die als Serienfolge ausreicht, und einem unterhaltsamen und soliden Roman. Und während gute Schauspieler (und eine durchlaufende Hintergrundidee) aus einer durchschnittlichen Krimihandlung (und einem in ähnlicher Form schon diverse Male gehörten Dialog) noch eine unterhaltsame Sache machen können, fehlt bei einem Roman diese ausgleichende Funktion der Schauspieler, und so liegen die Handlungsschwächen offen zutage. Auch hat für mich die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren lange Zeit nicht gestimmt. Vielleicht wäre das anders, wenn ich die Castle-Serie kennen – und mögen – würde, aber so fand ich den „Schlagabtausch“ zwischen Nikki und Rook vorhersehbar und viel zu oft für mich nicht nachvollziehbar.

„Heat Wave“ ist unübersehbar wie eine Serienfolge konzipiert – und das ist für mich kein positives Merkmal. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass ich in den letzten Jahren so viele amerikanische Krimiserien gesehen habe, dass ich inzwischen nicht nur übersättigt bin, sondern in der Regel auch nach der ersten Viertelstunden sagen kann, in welche Richtung die Drehbuchautoren den Plot weitergesponnnen haben. (Hm, das könnte ein Grund dafür sein, dass mein Mann mit mir keine Krimiserien mehr gucken will – oder es ist die Tatsache, dass unserem Gefühl nach die Serien immer schlechter werden. 😉 ) Vermutlich hätte ich kein Problem mit der Klischeehaftigkeit der Figuren und dem nur langsam anlaufenden Kriminalfall, wenn ich mich abends mit abgeschaltetem Gehirn vor den Fernseher setzen würde, aber als Roman hat mich das Ganze einfach nicht packen können. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob Bibendums Bekehrungsversuche zur Fernsehserie nächste Woche Erfolg habrn – und wer weiß, wenn das klappen sollte, dann sehe ich den Roman ja vielleicht auch mit anderen Augen. 😉

Oh, noch ein Nachtrag: Auch wenn ich „Castle“ nicht kenne, so habe ich einige Folgen von „The Mentalist“ (auch keine Serie, die mich begeistert) gesehen und bei dem Verhalten von Nikki und Rook musste ich regelmäßig an die Hauptfiguren dieser Serie denken – was ein weiterer Punkt war, warum ich mit dem Buch nicht warm geworden bin …

Michael Koser: Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen 2 – Das sicherste Gefängnis der Welt

„Das sicherste Gefängnis der Welt“ ist die zweite Folge rund um den genialen Wissenschaftler van Dusen – und wer sich die Kommentare zu der Hörspielproduktion anhört, die man am Ende der CD präsentiert bekommt, der erfährt auch noch so einiges über den Autor, die beiden Regisseure und weitere Hintergründe der Serie. Doch so interessant das alles ist, ich habe vor allem diese wunderbare Geschichte genossen!

Alles beginnt an einem Abend, an dem Professor van Dusen gemeinsam mit ein paar Freunden in einem Restaurant isst. Unter ihnen befindet sich auch der Gefängnisdirektor Ransome und seine Frau, und als van Dusen die Meinung äußert, dass der menschliche Geist in der Lage ist sämtliche Hindernisse zu überwinden, fühlt sich Ransome herausgefordert. So kommt es zu einer ungewöhnlichen Wette: Professor van Dusen erklärt sich bereit eine Woche lang „Gast“ in dem von Ransome geleiteten Gefängnis zu sein.

Dieser Knast gilt als das sicherste Gefängnis der Welt und so ist sich der Direktor sicher, dass die Kerkermauern für den Professor – auch bekannt als „Die Denkmaschine“ – zu einem unüberwindbaren Problem werden. Der Professor hingegen bleibt bei der Meinung, dass ein intelligenter Mensch auch mit so einer Situation fertig wird. So liegt es nun an ihm zu beweisen, dass es ihm auch unter normalen Gefängnisbedingungen gelingt aus der besonders sicheren Todeszelle auszubrechen, um eine Woche später eine weitere Essensverabredung einzuhalten. Schafft der Professor diesen Gefängnisausbruch, so muss Ransome für die Rechnung aufkommen – ansonsten geht das Essen auf die Kosten des Wissenschaftlers …

Die ersten „Van Dusen“-Hörspiele erinnern mich immer an ein Kammerspiel. Es gibt nur wenige Figuren und die Geschichte wird sehr konzentriert präsentiert. Wieder ist es der Reporter Hutchinson Hatch, der dem Zuhörer von den Geschehnissen berichtet – und nur eine kleine Bemerkung am Anfang gibt einen Hinweis darauf, wie es dem Professor letztendlich gelingen könnte, aus seiner Zelle auszubrechen. Ansonsten kann man verfolgen wie van Dusen seine Umgebung (inklusive Ratten und Gefängniskost) erkundet, wie er versucht den Wärter auszuhorchen und wie seine ungewöhnlichen Aktivitäten im Laufe der Woche für nicht wenig Stress bei dem Gefängnisdirektor Ransome sorgen. Alles in allem ist es eine wirklich amüsante Krimifolge, in der es zwar nicht um Leben und Tod geht, bei der die Geschichte trotzdem spannend zu verfolgen ist. Schließlich geht es darum, dass der Professor unter Beweis stellen muss, dass sein Verstand jeder Gefängnismauer überlegen ist!

Michael Koser: Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen 1 – Eine Unze Radium

Ich muss gestehen, mit dieser Rezension möchte ich ein bisschen Werbung für eine ganz wunderbare Hörspiel-Reihe machen. Denn je mehr Leute sich dazu überwinden die CDs zu kaufen, desto größer ist die Chance, dass auch die weiteren Folgen irgendwann gekauft werden können. Ich habe die „Van Dusen“-Hörspiele leider nicht durch die Radioausstrahlungen (die 1978 begannen) kennengelernt, sondern Jahre später von einer Freundin Mitschnitte geliehen bekommen. Nachdem mir diese Radio-Mitschnitte gut gefallen hatten, habe ich natürlich versucht irgendwie selber an die „Van Dusen“-Folgen zu kommen, aber zu der Zeit gab es – unter anderem aufgrund von Rechtsstreitigkeiten – keine Hoffnung auf eine ganz normal käuflich erwerbbare Variante dieser Hörspiele.

Umso schöner war es für mich, als ich herausfand, dass die ersten vier Folgen seit Oktober 2010 auf CD zu bekommen sind – und so stand für mich fest, dass ich die (trotz des nicht gerade günstigen Preises) unbedingt haben musste. Zu Weihnachten gab es also den ersten Teil „Eine Unze Radium“, den wir dann Silvester als krönenden Jahresabschluss gehört haben. Der zweite Teil, „Das sicherste Gefängnis der Welt“ wurde mir übrigens gestern (zusammen mit den beiden „Dead like me“-Staffeln) geliefert und wird hoffentlich am Wochenende gehört.

Doch nun endlich mal zum Inhalt! Die Figur des Professor van Dusen basiert auf Kurzgeschichten des amerikanischen Schriftstellers Jacques Futrelle und wurden von dem Autor Michael Koser für Hörspiele verwendet, die er für den RIAS geschrieben hatte. Dabei hat sich der deutsche Autor nur anfänglich an die Geschichten des „Van Dusen“-Erfinders gehalten und bald eigene Handlungsstränge rund um den genialen Professor, der auch „Die Denkmaschine“ genannt wird, entwickelt. Neben dem Professor, der seine Logik an den diversen rätselhaften Kriminalfällen erprobt, spielt der Reporter Hutchinson Hatch eine große Rolle. Er übernimmt nicht nur die Rolle des Erzählers, sondern trägt auch seinen Teil zur Lösung der Kriminalfälle bei, in dem er Professor van Dusen nicht nur Laufarbeit abnimmt, sondern ihn auch über aktuelle Vorfälle und Klatsch und Tratsch informiert.

In „Eine Unze Radium“ verschwindet genau diese Menge des hochbrisanten Materials aus einem fensterlosen Labor. Abgesehen von Professor Dexter, der wichtige Versuche mit dem Radium vorhat, hat niemand den Raum betreten – und der Professor ist eindeutig nicht der Täter. So macht sich sein Kollege Professor van Dusen daran, herauszufinden wie das Radium aus dem Labor verschwinden konnte, während Professor Dexter im Vorraum mit einer französischen Besucherin über den Ankauf weiteren Radiums verhandelte.

Wer eine Schwäche für Sherlock-Holmes- oder andere klassische Kriminalgeschichten hat, wird zwar schnell auf die Lösung der Falles kommen, aber das ändert nichts daran, dass „Eine Unze Radium“ wunderbar unterhaltsam ist. Die Sprecher – allen voran Friedrich W. Bauschulte als Professor van Dusen, aber auch Klaus Herm als Hutchinson Hatch – leisten sehr gute Arbeit und es ein Vergnügen ihnen zuzuhören. Ich muss aber auch zugeben, dass ich einfach eine Schwäche für Bauschultes Stimme habe. Für mich ist der Sprecher die perfekte Verkörperung eines nicht gerade jungen, aber hellwachen Wissenschaftlers und ich höre ihn einfach zu gerne.

Was die Produktion angeht: Die Tonqualität ist prima! Ansonsten hört man deutlich, dass die „Van Dusen“-Geschichten in den 70er Jahren als Radiohörspiele produziert wurden. Hier bekommt man wunderbare Sprecher geboten, aber es gibt keine extra eingebauten Hintergrundgeräusche, die die Handlung untermalen sollen und keine überwältigenden Musik, die an den spannenden Stellen aufbrandet. Mir persönlich gefällt das sehr gut, auch wenn ich nichts gegen eine gelungene Geräuschuntermalung habe (wobei mir in letzter Zeit auffällt, dass tolle Effekte bei Hörspielen – genauso wie beim Fernsehen – anscheinend als ausreichender Ersatz für eine gute Handlung oder vernünftige Sprecher/Schauspieler angesehen werden). So bekommt man mit „Eine Unze Radium“ ein klassisches Krimihörspiel. Die Handlung könnte noch überraschender und etwas weniger behäbig sein, aber da ich die weiteren „Van Dusen“-Fälle zum Großteil kenne, kann ich versichern, dass sich die Serie positiv weiterentwickelt.

Charlotte Trümpler: Agatha Christie und der Orient – Kriminalistik und Archäologie

Ich hatte das große Glück und konnte durch die örtliche Bibliothek dieses Buch ausleihen, sonst wäre ich wohl nicht so schnell darüber gestolpert. In ihren autobiografischen Werken („Meine gute alte Zeit“ und „Erinnerung an glückliche Tage“) hatte Agatha Christie viel über die Ausgrabungen ihres Mannes Max Mallowan geschrieben und darüber, wieviel Freude es ihr immer bereitet hatte, dass sie dabei sein durfte.

Dabei hat die Autorin ihren eigenen Anteil an seiner Arbeit immer recht nebensächlich beschrieben. Viel mehr als „ich bekam eine Dunkelkammer zugewiesen“, „Elfenbeinschnitzereien lassen sich hervorragend mit meiner Gesichtscreme reinigen“ und „ich bin fasziniert von Keramik“ bekommt man von ihr direkt nicht erzählt. Nur zwischen den Zeilen kann man lesen, wie viel sie zu den Ausgrabungen beigetragen hat – und dies alles, obwohl sie „nebenbei“ weiterhin an ihren Romanen schrieb.

„Agatha Christie und der Orient“ ist als Begleitmaterial zu einer Ausstellung über die Autorin und ihre Arbeit bei den Ausgrabungen ihres Mannes entstanden und wurde vom Scherz Verlag veröffentlicht. Leider ist das Buch nur noch gebraucht zu bekommen, dabei möchte ich es eigentlich jedem ans Herz legen, der sich für die Person Agatha Christies und für Archäologie interessiert. Denn hier bekommt man Einblick in die Ausgrabungen Max Mallowans und in das Leben an einem solchen Ausgrabungsplatz. Das Buch zeigt Bilder von den verschiedenen Orten (und was mir besonders gefiel: Es gibt auch sehr viele Bilder von Agatha Christie bei den Ausgrabungen – was bei der scheuen Autorin ja nun doch ein Glücksfall ist).

Verschiedene Autoren berichten von der Bedeutung der Entdeckungen Max Mallowans für die Archäologie, extrahieren aus den Büchern des Ehepaares Agathas Anteil an diesem Werk ihres Mannes (so hat sie definitiv finanzielle Unterstützung geleistet, hat die Arbeiter medizinisch versorgt, hat Keramiken wieder zusammengesetzt, Elfenbein gereinigt, die Fundstücke fotografiert und für das Wohl aller Beteiligten gesorgt, in dem sie ihre Fantasie nutzte, um zum Beispiel Eclairs mit Büffelmilchsahne zu servieren, damit es den Briten in der Fremde nicht an dem gewohnten Luxus fehlt *g*).

Sehr schön fand ich es auch die Eindrücke von Joan Oates zu lesen, die mit der Autorin befreundet war und sich an so manchen gemeinsamen Einkaufsbummel über den Bazar erinnerte. Auch wird auf den Einfluss ihrer Erlebnisse im Nahen Osten auf ihre Arbeit als Kriminalschriftstellerin hingewiesen, denn nicht nur in „Rächende Geister“ (ein Krimi, der während der 11. Dynastie in Theben spielt und bei dem ihr ein Kollege ihres Mannes bei der Recherche geholfen hatte), sondern auch einige der modernen Titel sind davon sehr geprägt worden. Ich werde nach dieser Lektüre einige Agatha-Christie-Krimis auf jeden Fall mit anderen Augen betrachten.

Dabei habe ich gar nicht mal so viel neues erfahren, wenn man von dem archäologischen Anteil des Buches absieht (ich finde das zwar interessant, beschränke mich da aber normalerweise auf Romane, die in diesem Umfeld spielen 😉 ), aber ich habe eine neue Sicht auf einige Dinge bekommen  – und ich habe die Fotos genossen! So viele alte Abbildungen von den Ausgrabungen, von den Landschaften und von den Menschen. Fotos von Agatha Christie, die zeigen, wie sie die Ausgrabungen wahrgenommen hat, was ihr damals ins Auge gefallen ist und was für sie so wichtig war, dass sie es trotz der hohen Materialkosten abgelichtet hat. Aber auch Bilder, die die Autorin zeigen, wie sie entspannt auf einem Hügel spazieren geht, wie sie neugierig in ein Ausgrabungsloch späht und wie sie mit den anderen in der Wüste an einer Teetafel sitzt. Wer von euch die Möglichkeit hat, der sollte auf jeden Fall einen Blick in das Buch werfen – und wenn er dabei nur die Fotos betrachtet!

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

„Erbarmen“ ist der erste Teil einer Krimireihe rund um Carl Mørck und das Sonderdezernat Q. Jussi Adler-Olsen baut die Handlung aus zwei Perspektiven auf, die von dem Polizisten Carl Mørck und die der Merete Lynggard. Meretes Geschichte beginnt im Jahr 2002, sie ist eine junge und aufstrebende Politikern, sehr hübsch und sehr geheimnisvoll. So erfahrt man gleich zu Anfang, dass sie ihre Position nur unter der Bedingung angenommen hatte, dass sie jeden Abend pünktlich Feierabend machen kann, ohne zu begründen, warum das so notwendig sei.

Carl Mørck Teil startet im Jahr 2007, kurz nachdem der Kriminalbeamte aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Denn dieser war vor einiger Zeit gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Anker und Hardy bei einem Routineeinsatz beschossen worden. Anker starb bei diesem Angriff und Hardy dank der Schussverletzungen nie wieder laufen können. Carl hingegen kam noch recht glimpflich davon, nur eine Narbe ist von diesem Tag zurückgeblieben – und das Gefühl seine beiden Freunde bei diesem Einsatz im Stich gelassen zu haben.

Für den Chef der Mordkommission, Marcus Jacobsen, ist Carls Rückkehr in den Dienst ein Problem. Den der ist zwar ein hervorragender Polizist, aber ein grauenhafter Kollege – und nur Anker und Hardy waren bereit mit ihm zusammenzuarbeiten. Da aber ein im Dienst verletzter Beamter nicht ewig beurlaubt werden kann, gründet Jacobsen kurzerhand das Sonderdezernat Q und überträgt Carl Mørck die Leitung. Damit kommt der Chef der Mordkommission den Wünschen der Politiker nach einer besonderen Abteilung für ungelöste ältere Fälle entgegen, kann auf eine großzügige finanzielle Unterstützung für seine Behörde hoffen und hat Carl auf einen Posten verbannt, an dem er mit keinem anderen zusammenarbeiten muss. Einzig Hafez el-Assad leistet Carl in den Kellerräumen, in denen das Sonderdezernat eingerichtet wurde, Gesellschaft – und der Einwanderer, der eigentlich nur Böden putzen und aufräumen sollte, nimmt schon bald die Organisation von Carls Arbeit in die Hand und sorgt dafür, dass der Kriminalbeamte in dem alten Fall der verschwundenen Politikerin Merete Lyngaard ermittelt.

Ich hatte ja schon einen ersten Eindruck zu diesem Buch geschrieben – und musste den im Laufe des Romans eigentlich nicht revidieren. „Erbarmen“ hat mich sehr gut unterhalten, ich fand es interessant zu verfolgen wie Merete überhaupt verschwand und was für ein Leben hinter dieser erfolgreichen Politikerin stand und fragte mich, was später aus ihrem Bruder Uffe geworden ist. Die Figur des Assad hat mir bis zum Ende die Geschichte „versüßt“, er ist hilfsbereit, patent, hat seinen ganze eigenen Kopf – und obwohl er so ein kommunikativer Mensch ist, merkt man genau, dass da noch so einige Geheimnisse verborgen sind.

So muss ich zugeben, dass mich Carl Mørck und seine Geschichte am wenigsten berührt hat, auch wenn diese Figur nicht unsympathisch ist – und einen wundervollen Gegensatz zu Assad bildet. Aber ansonsten ist Carl einfach nur ein Kriminalroman-Klischee, wie er einem in ständig über den Weg läuft. Auch hat mich Meretes Gefangenschaft erstaunlich wenig berührt, hier und da habe ich mich geschüttelt zum Beispiel bei der Vorstellung so lange Zeit die gleichen Kleidungsstücke tragen zu müssen, ohne sie waschen zu können, oder mich gefragt, ob so viel geistige Gesundheit unter den Umständen wirklich möglich wäre, aber ich ansonsten habe ich nicht sehr um diese Figur gebangt.

Vielleicht, weil mir recht schnell klar war, wer und was hinter der Tat steckte – in meinen Augen hat der Autor die Hinweise nicht gerade dezent gestreut – und das nimmt einem ja doch einiges an Spannung. Aber auch ohne die Angst, dass Merete noch schlimmeres passieren könnte oder einen faszinierenden Ermittler hat mich „Erbarmen“ gut unterhalten. Das lag vor allem an Assad, bei dem ich mich ständig fragte, wie er an manche Informationen herangekommen ist, was er in seiner Vergangenheit wohl gemacht hat und wie sein und Carls Verhältnis sich noch ändern wird. Auch habe ich die Gespräche zwischen ihm und dem Polizisten genossen, in diesen Momenten lief sogar Carl zur Höchstform auf und reizte mich hier und da zum Schmunzeln. Ich habe mir „Schändung“, den zweiten Band um das Sonderdezernat Q schon in der Bibliothek vorgemerkt – und hoffe sehr, dass der wieder so unterhaltsam wird wie „Erbarmen“.

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen – erster Eindruck!

Hier und da konnte man aus meinen Rezensionen ja schon rauslesen, dass ich in den letzten Jahren nicht so ganz glücklich mit den aktuellen Kriminalromanen war. Inzwischen bin ich schon froh, wenn ich einen richtig unterhaltsamen Roman erwische und erwarte schon gar nicht mehr, dass es spannend sein könnte oder ich von der Auflösung am Ende überrascht sein werde. Im Gegenzug ärgere ich mich umso mehr, wenn ich über Autoren stolpere, die ekelerregende Darstellungen auf die Spitze treiben, weil sie – im besten Fall – denken, dass das für Spannung sorgt, oder – im schlimmsten Fall – wissen, dass das Verkaufszahlen bringt.

Das alles hat dafür gesorgt, dass ich immer kritischer an die Romane herangehe, die mit einem fetten „Thriller“ auf den Markt kommen. Und während ich eben beim Frühstück die ersten 100 Seiten von gelesen von „Erbarmen“ gelesen habe hat eine kleine zynische Stimme in meinem Hinterkopf eine Liste abgehakt mit den Dingen, die zu einem skandinavischen Kriminalroman wohl einfach dazugehören:

– Erstklassiger, aber desillusionierter Ermittler? Vorhanden!
– Hat der Ermittler vor kurzem ein traumatisches Erlebnis gehabt? Jupp!
– Ist die Ehe des Ermittlers kaputt? Natürlich!
– Seltsame Mitbewohner oder Nachbarn (keine unbedingt erforderliche Zutat, aber gern verwendet)? Ja, gibt es!
– Hat er Ärger mit Kollegen/dem Vorgesetzten? Auch den Punkt können wir abhaken!

Ich hätte bestimmt noch mehr Dinge gefunden, aber dann kam Assad! Hafez el-Assad ist die Hilfskraft des Kriminalbeamten Carl Mørck und eigentlich soll er nur für Ordnung und Sauberkeit sorgen, doch dafür ist er zu fleißig, zu intelligent und zu integer. Auch bei dieser Figur hat der Autor ein paar Klischees ausgepackt, diese aber so liebevoll verwendet, dass ich darüber hinwegsehen kann. Im Moment finde ich Assad großartig! Ich würde ihn sehr gern engagieren – jetzt sofort und auf der Stelle! Ich bin mir sicher, er hätte im Nu meinen Garten, meinen Haushalt, meine Katzen und meine Arbeit im Griff – oder er würde zumindest dafür sorgen, dass ich diese Dinge besser im Griff hätte. 😉

Es ist nicht so, dass ich nicht neugierig darauf bin, was der Politikerin Merete Lynggaard genau zugestoßen ist, wer der oder die Täter sind oder ob und wie Carl Mørck eine Spur in diesem alten Fall findet, aber jetzt gerade freue ich mich vor allem auf weitere Szenen mit Assad.

Michael Harvey: Preis der Schuld

Seit einiger Zeit bin ich recht erfolglos auf der Suche nach einem spannenden Krimi und auch dieser hat mich nach dem Lesen eher enttäuscht zurückgelassen. Die Geschichte dreht sich um den irischstämmigen Privatdetektiv Michael Kelly, der in Chicago in einer vor neun Jahren passierten Vergewaltigung ermittelt. Normalerweise würde er von so einem Fall die Finger lasse, doch er wurde dieses Mal von seinem alten Partner John Gibbons darum gebeten.

Der inzwischen pensionierte Polizist hatte, bevor er und Michael Partner wurden, bei einer Streifenfahrt eine junge Frau gefunden, die vergewaltigt und danach schwer verletzt auf der Straße zurückgelassen worden war. John gelang es sogar den Täter festzunehmen, doch kurze Zeit später war der schon wieder auf freiem Fuß und dem Beamten wurde von höherer Stelle klargemacht, dass er alles vergessen sollte, was in dieser Nacht geschehen war. Doch jetzt hat das damalige Opfer, Elaine Remington, John aufgesucht, weil sie endlich die Wahrheit über die Geschehnisse aus dieser Nacht wissen will.

Noch bevor Michael Kelly richtig aktiv werden kann, wird John ermordet – und der Privatdetektiv gerät natürlich in den Verdacht damit etwas zu tun zu haben. Unterstützt von der Journalistin Diane Lindsay und seiner alten Freundin Nicole, die inzwischen in einem Labor arbeitet und bereit ist für Michael alte Beweismittel auszuwerten, macht sich der Detektiv auf die Suche nach dem Täter.

Das alles klingt soweit ganz nett, aber richtig glücklich bin ich mit der Geschichte nicht geworden. Wenn meine Recherchen stimmen, dann wurde der Michael Harvey in Amerika schnell mit Raymond Chandler verglichen und ja, es gibt ein paar Dinge, die man auch in den Büchern von Chandler finden würde. Harveys Dialoge und ebenso einige Szenen erinnern sehr an die Marlowe-Krimis und ich fürchte, dass es seine Anspielung auf Chandlers Schulbildung sein soll, wenn der Autor seine Hauptfigur Texte auf Altgriechisch lesen lässt. Mir persönlich ist das dann doch etwas zuviel des Guten …

Außerdem sorgt der Gegensatz zwischen dem Erzählstil einer „hardboiled novel“ und den in dieser Geschichte angewandten modernen Ermittlungstechniken und Labormethoden für eine scheußliche Unstimmigkeit. Da gibt es den alten Mafioso, dem bewusst ist, dass er zu einer ausgestorbenen Art gehört, eine durch und durch korrupte Behörde, in der Akten verschwinden und Beweismaterial manipuliert wird, und lauter Leute, die Rache- und Mordpläne schmieden. Das alles könnte zu einem unterhaltsamen Krimi führen, wenn der Autor es nicht mit der Darstellung eines realistischen und moderne Polizeiapparates und diverser Labortechniken selber widerlegen würde.

Auch Michael Kelly finde ich nicht gerade glaubwürdig gestaltet. Während ich einer Chandler-Figur abnehme, dass sie klaglos aus dem Polizeidienst ausgetreten ist und aufgrund ihres Gerechtigkeitsempfindens bestimmte Entscheidungen trifft, kann ich Michael Harvey diese Charakterzüge an seinem Detektiv nicht abnehmen. Dazu kommt dann noch, dass die „überraschende Auflösung“ von mir schon sehr früh geahnt wurde und lange vor Schluss war mir schon klar, wie die Geschichte ausgehen würde.

Ich gebe zu, dass das ein Problem ist, das ich häufiger mit Krimis habe – vielleicht habe ich inzwischen davon einfach zu viele gelesen oder sie sind nicht mehr für Menschen konzipiert, die beim Lesen mitdenken. Aber wenn eine Geschichte in sich logisch ist und ich mich gut unterhalten gefühlt habe, dann kann ich normalerweise damit leben, dass ich den Täter schon vor der großen Enthüllung kenne. Hier hingegen hat es mich einfach nur ärgerlich gemacht. Immerhin muss ich dem Autor zugute halten, dass sich sein Schreibstil schnell und gut lesen lässt und ich das Buch nach wenigen Stunden durchgelesen hatte.

Francisco González Ledesma: Der Tod wohnt nebenan

„Der Tod wohnt nebenan“ wurde von mir als erste Station der „Weltreise“-Challenge von Natira ausgewählt und führte mich nach Barcelona. Dort hatte der Nachbarschaftsvereins des Viertels eine Feier in einem Abrisshaus geplant. Denn mit diesem Haus würde endgültig die Vergangenheit verschwinden und so sollte man sich noch ein letztes Mal zusammenfinden, um Abschied zu nehmen. Doch vor den schön geschmückten Tischen, die sich unter den Speisen und Getränken regelrecht verbiegen, liegt die Leiche eines Mannes.

Seine Identität ist kein Rätsel, denn er ist den Leuten in der Nachbarschaft bekannt, auch wenn er schon seit vielen Jahren nicht mehr hier wohnt. Omedes war ein kleiner Schläger und Ganove und hat eines Tages mit einem Komplizen eine Bank überfallen. Dabei wurde nicht nur ein Wachmann, sondern auch eine Geisel getötet – besonders tragisch war dabei, dass die Geisel ein gerade mal dreijähriger Junge war. Als der Gauner nun ermordet aufgefunden wird, steht für jeden fest, dass der Vater des getöteten Jungen sich für die inzwischen dreißig Jahre zurückliegende Ermordung seines Kindes gerächt hat. Auch Inspector Méndez geht davon aus, nun muss es ihm nur noch gelingen, David Miralles die Tat nachzuweisen. Und zwar bevor dieser auch noch Omedes Komplizen aufstöbern und töten kann. Oder von diesem ermordet wird, damit Miralles seine Rache nicht vollenden kann.

Was wie ein sehr reizvoller Krimi beginnt, ist eigentlich eher eine Hommage an die katalanische (nicht spanische) Gesellschaft, und zwar an eine Gesellschaft, die aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre zu verschwinden scheint. Inspector Méndez und die Menschen, denen er während seiner Ermittlungen begegnet, trauern der alten Zeit hinterher. Dabei ist ihnen allen bewusst, dass diese Vergangenheit auch ihre Schattenseiten hatte – kein Wunder, wenn man überlegt, dass all diese Menschen während des Franco-Regimes aufgewachsen sind.

Es ist nicht gerade unüblich, dass ein Krimi die gesellschaftskritische Sicht des Autors widerspiegelt, aber Francisco González Ledesma macht das „In der Tod wohnt nebenan“ so plakativ, dass es für mich doch sehr gewöhnungsbedürftig war. Ich bevorzuge dann doch eher die subtile Erzählweise eines Raymond Chandler oder Ross Macdonald. Francisco González Ledesma hingegen neigt zu blumigen Formulierungen, Übertreibungen und Wiederholungen, an die ich mich erst einmal gewöhnen musste – was mir nicht so leicht gefallen ist. Aber so geht es mir häufig mit Autoren, die aus dem spanischen, französischen oder italienischen Sprachraum kommen.

Ein weiteres Problem ergab sich beim Lesen dieses Romans dadurch, dass „Der Tod wohnt nebenan“ schon der neunte Band der „Inspector Méndez“-Reihe ist – aber das erste Buch des Autors, das in Deutschland veröffentlicht wurde. So hatte ich ganz oft das Gefühl, dass mir Hintergründe zu den Personen fehlen, dass der Autor eigentlich Namen oder Beschreibungen hätte liefern müssen und dass ich anfangs eher hilflos auf den ungewöhnlichen Inspector und sein Umfeld losgelassen werde. All das regelt sich im Laufe des Romans, doch wäre der Einstieg in die Geschichte für mich vermutlich deutlich leichter geworden, wenn ich die ersten acht Bücher um diesen Polizisten schon gekannt hätte.

Insgesamt war es für mich schon ein interessantes Buch. Ich habe noch nicht sehr viele katalanische Krimis gelesen und die Anzahl der spanischen Autoren, die mir bislang durch ihre Bücher begegnet sind, kann ich an einer Hand abzählen. So bot mir „Der Tod wohnt nebenan“ – nachdem ich mich an die Erzählweise gewöhnt hatte – einen spannenden und eher melancholischen Einblick in die katalanische Gesellschaft (wenn auch nur durch die Augen dieses einen Autors), eine Vielzahl ungewöhnlicher Charaktere und eine anfangs eher plätschernden, aber letztendlich doch noch reizvolle Kriminalgeschichte.

Simon Brett: Ein Toter kommt selten allein

Ich hatte vor ein paar Jahren die Romane „Mord im Museum“ und „Der Tote im Hotel“ von Simon Brett aus der Bibliothek ausgeliehen – und mich von den Büchern gut unterhalten gefühlt. Seitdem halte ich die Augen auf nach weiteren Titel dieses Autoren und war froh, als ich „Ein Toter kommt selten allein“ in die Hände bekam. Allerdings ist „Ein Toter kommt selten allein“ oder genauer gesagt die Krimi-Serie mit Carole Seddon und Jude Nichols mal wieder ein schönes Beispiel für eine seltsame Veröffentlichungspolitik. Denn wie ich inzwischen herausfand, ist der zuletzt veröffentlichte Titel der erste Teil der Reihe, während die beiden zuerst erschienenen Romane Band 4 und 5 sind.

„Ein Toter kommt selten allein“ lebt von den beiden gegensätzlichen Hauptfiguren. Carole Seddon ist eine frühpensionierte Beamtin, überkorrekt, sehr konservativ und nicht gerade die Herzlichkeit in Person. Sie weiß immer, was sich gehört – und versucht natürlich auch dementsprechend zu handeln. So ist es für sie auch selbstverständlich, dass sie die Polizei ruft, als sie beim morgendlichen Strandspaziergang eine Leiche findet. Was die Polizisten allerdings nicht so ganz verstehen können, ist, dass Carole vor dem Anruf noch ihren Hund baden musste, weil er sonst ihr Häuschen verdreckt hätte. So ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass die Beamten (da sie keine Leiche am Strand finden konnten) Carole eher für eine hysterische Frau halten, die etwas Aufmerksamkeit sucht, statt wirklich nach einem Toten Ausschau zu halten.

Einzig Jude nimmt sie ernst, dabei ist die neue Nachbarin Carole so ungemein suspekt. Sie ist viel zu locker, verrät nicht, womit sie ihr Geld verdient, stellt sich nur mit Vornamen vor und ist überhaupt alles andere als eine respektable Person! Aber sie glaubt Carole und gemeinsam beginnen die beiden Frauen ihre Nase in die Angelegenheiten der Nachbarn zu stecken, um mehr darüber herauszufinden, wer der Tote gewesen sein könnte – und wer ihn ermordet hat! Und da in Fethering, dem kleinen Küstenort, in dem Carole und Jude leben, eine ganz eigene Gesellschaft haust, gibt es so einiges für die beiden Hobbydetektivinnen zu entdecken.

„Ein Toter kommt selten allein“ fällt bei mir in die Kategorie „nett und unterhaltsam, aber nicht besonders spannend“. Carole und Jude sind etwas überzogen, aber sehr liebevoll dargestellt, und durch ihre unterschiedliche Wesensart gibt es immer wieder amüsante Momente zu erleben. Auch der Ort Fethering ist eine Sache für sich – voller arroganter Personen, deren renovierte (Haus-)Fassaden doch nur ein marodes Familienlebern vertuschen soll, und vor allem voller ungeschriebener Regeln, die mir ein – zum Teil fassungsloses – Grinsen beschert haben.

Oft liegt bei diesen eher gemütlichen britischen Krimis ein Vergleich mit Agatha-Christie-Romanen nahe. So gehören auch die Bewohner von Fethering zu einer eher geschlossenen Gemeinschaft, in der jeder die Schwächen des anderen kennt, und wo es vor sehr individuellen Figuren wimmelt. Es gab sogar in der Vergangenheit des Ortes Bemühungen weitere Zuzüge zu verhindern, damit man schön „unter sich“ bleiben kann! Insgesamt fand ich die Auflösung des Mordes und die Hintergründe der Geschichte recht vorhersehbar, was aber nichts am Unterhaltungswert des Romans ändert. Denn unterhaltsam ist die Handlung und ich konnte wunderbar über all die kleinen Szenen schmunzeln, in denen die Spießbürgerlichkeit von Carole und ihren Nachbarn gezeigt wird – und wie sehr Jude mit ihren unkonventionellen Art diese Leute irritiert. Wer also einen anspruchslosen, aber wirklich netten englischen Kriminalroman sucht, wird mit „Ein Toter kommt selten allein“ gut bedient.