Schlagwort: Kriminalroman

Catherine Coles: Murder at the Manor (Tommy & Evelyn Christie 1)

„Murder at the Manor“ von Catherine Coles ist der erste Teil einer (bislang) achtteiligen Krimi-Reihe rund um Evelyn und Tommy Christie. Die Handlung spielt in den 1920ern in Yorkshire, und es gelingt der Autorin meiner Meinung nach recht gut, die Atmosphäre klassischer britischer Cozies einzufangen. Die Geschichte wird zum Großteil aus der Sicht von Evelyn erzählt, die vor einigen Jahren Tommy Christie geheiratet hat, der zur Familie des Earl of Northmoor gehört. Dabei wird schon recht früh deutlich, dass weder Evelyn noch Tommy besonders angetan von Tommys Verwandtschaft sind und beide – statt den Beginn der Jagdsaison auf dem Familiensitz zu verbringen – lieber gemütlich zuhause in ihrem kleinen Cottage wären. Als dann der Earl of Northmoor stirbt und schnell der Verdacht im Raum steht, dass er vergiftet worden sein könnte, versucht das Ehepaar mehr über die Personen herauszufinden, die das Wochenende über im Haus waren.

Ich fand „Murder at the Manor“ wirklich sehr nett zu lesen, auch wenn (oder gerade weil?) die Handlung ein bisschen vor sich hinplätschert. Evelyn ist eine sympathische Figur, deren Perspektive ich gern verfolgt habe. Ich mochte, dass sie häufig unsicher ist, weil sie wenig mit den Traditionen von Tommys adeliger Familie anfangen kann, sich aber trotzdem bemüht, all diese Dinge zu respektieren. Und noch mehr mochte ich, dass sie trotz all ihrer Unsicherheit Rückgrat hat und Grenzen setzen kann, wenn eines von Tommys Familienmitglieder zu weit geht. Sehr viele Elemente in der Handlung erinnern an all die Romane von Agatha Christie, in denen im engen Familien- und Freundeskreis ein Mord begangen wird, wobei Catherine Coles‘ Erzählweise – besonders wenn es um zwischenmenschliche Elemente und Evelyns Gedanken zu ihrer eigenen Position als Frau in der Gesellschaft geht – immer wieder verrät, dass dieser Roman erst vor wenigen Jahren geschrieben wurde.

Ein wenig schmunzeln musste ich zum Beispiel bei all den Szenen, in denen Evelyn die Dienstboten zu diversen Themen und Vorfällen befragt und dabei recht gemütlich mit ihnen schwatzt, weil diese Momente so gar nicht mit den Eindrücken zusammenpassen, die ich in den letzten Monaten durch das Lesen von „The Cook’s Tale“ und „Below Stairs“ zum Verhältnis zwischen Dienerschaft und Herrschaft bekommen habe. Aber innerhalb des Romans funktionieren Evelyns Versuche, ein freundschaftliches Verhältnis zu Köchin, Küchenmädchen und Haushälterin aufzubauen, sehr gut, also konnte ich definitiv damit leben. Spannend fand ich es auch, dass Catherine Coles der Polizei keine nennenswerte Rolle in diesem Kriminalroman einräumte. Auf der einen Seite ist es schon wichtig, dass sowohl Tommy als auch Evelyn früher für die Polizei gearbeitet haben, nun aber aufgrund ihrer Verstrickungen mit der Familie nicht in die Ermittlungen einbezogen werden dürfen, auf der anderen Seite gibt es keinerlei Szenen, in denen Polizeiarbeit beschrieben wird.

Auch bei der Auflösung des Falls scheint es weniger wichtig zu sein, belegbare Beweise für die Polizei (und ein späteres Gerichtsverfahren) zusammenzubringen, statt die Unschuld derjenigen zu beweisen, die ohne eigenes Zutun von den Verbrechen profitiert haben. Dann ist da noch all das Beziehungschaos innerhalb von Familie und Freundeskreis, das es aufzuräumen gilt, um den Fall zu klären. Wobei Tommy die Polizei immer informiert, wenn er oder seine Frau etwas Wichtiges für die Ermittlungen erfahren haben, so dass die offiziellen Ermittler zwar nur eine geringe Rolle spielten, aber auch nicht als unfähig oder gar feindlich dargestellt werden. Insgesamt fand ich es überraschend unterhaltsam und entspannend, mit Evelyn (und Tommy) durch das Herrenhaus zu streifen und die Geheimnisse all der anwesenden Personen zu entdecken. Auch wenn ich nicht das Gefühl habe, dass der Roman einen langanhaltenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, so kann ich mir doch gut vorstellen, in Zukunft weitere Geschichten mit Evelyn und Tommy zu lesen (und dabei herauszufinden, wie viel Gin Tonic Tommys Tante Em wohl benötigen wird, um den nächsten Mordfall zu überstehen).

Fiona Longmuir: Looking for Emily

„Looking for Emily“ von Fiona Longmuir war eine spontane Bestellung, die ich in den letzten Tagen getätigt hatte, nachdem ich (mal wieder) auf Twitter über den Titel gestolpert war und den Klappentext sehr ansprechend fand. Die zwölfjährige Protagonistin Lily ist zu Beginn der Geschichte gerade erst mit ihrer Mutter aus der Großstadt in die kleine Küstenstadt Edge gezogen und sie ist nicht glücklich darüber. Edge ist viel zu klein und langweilig, nie passiert etwas in der kleinen Stadt und dann ist da noch die Tatsache, dass Lily niemanden in ihrer Klasse kennt und keine Freunde hat. Erst als sie über ein ungewöhnliches privates Museum stolpert, hat Lily das Gefühl, dass Edge immerhin ein Rätsel für sie zu bieten hat. Versteckt hinter einer unauffälligen Tür zwischen zwei kleinen Fischerhäuschen findet Lily in dem „Museum of Emily“ lauter kleine und alltägliche Dinge, die einmal einem Mädchen namens Emily gehört haben.

Was das Museum nicht zu bieten hat, ist eine Antwort darauf, wieso jemand all diese Dinge sorgfältig aufbewahrt und belabelt hat, und erst recht nicht darauf, wer Emily überhaupt war und was aus ihr geworden ist. Kurz nach der Entdeckung des Museums freundet sich Lily mit ihrer Nachbarin Sam und deren Freund Jay an und gemeinsam versuchen die drei mehr über Emily herauszufinden. Vor allem stürzen sich die Freunde dabei auf das Archiv der örtlichen Bibliothek und natürlich auf all die Schaustücke in Emilys Museum. Was ich etwas seltsam fand, war, dass keines der Kinder auf den Gedanken kam, dass sie mal jemanden nach Emily fragen könnten, der schon länger in Edge lebt. Obwohl es viele Hinweise darauf gab, dass Emily in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren in dem Ort gelebt haben müsste. Natürlich sind die drei wild entschlossen selber herauszufinden, was mit Emily geschehen ist, aber meiner Meinung nach würde es doch auf der Hand liegen bei einem solchen Rätsel auch ältere Anwohner als Informationsquelle heranzuziehen. Aber vielleicht hatte die Autorin das Gefühl, dass sie mit Lily, ihren beiden Freunden, den Lehrerinnen, einer Bibliothekarin, Emily und all den dazugehörigen Familienmitgliedern schon genügend Figuren in ihre Geschichte gepackt hatte.

Außerdem war ich anfangs etwas verwirrt, was die Zeitspanne anging, in der die Handlung passierte, denn immer wenn ich den Eindruck hatte, dass mehrere Tage vergangen waren, gab es einen Satz, der zu sagen schien, dass die gerade gelesenen Sachen an einem einzigen Tag passiert sind. Während ich bei anderen Szenen das Gefühl hatte, das wäre direkt hintereinander passiert, während dann wieder ein Satz kam, der andeutete, dass mehr Zeit vergangen war. Diese Zeitverwirrtheit könnte aber auch an mir gelegen haben, da ich die ersten Kapitel mit relativ viel Abstand gelesen hatte, oder vielleicht lag es daran, dass am Anfang Lilys Passagen von kurzen Kapiteln unterbrochen wurden, in denen Emily von den Ereignissen erzählt, die zu ihrem Verschwinden geführt haben. In der zweiten Hälfte des Buches wurde das auf jeden Fall besser und grundsätzlich hat mich diese Verwirrtheit nicht so sehr gestört, dass sie mich aus der Geschichte rausgebracht hätte.

Insgesamt hat mir „Looking for Emily“ sehr gut gefallen. Ich mochte Lily mit all ihren Ecken und Kanten – sie macht es Sam und Jay nicht immer einfach mit ihr befreundet zu sein – und ich fand es sehr unterhaltsam zu verfolgen wie Lily und die beiden anderen zusammen mehr über Emily herausgefunden haben. Im Laufe der Zeit werden ihre Ermittlungen immer gefährlicher für die drei, was wirklich spannend zu lesen war. Vor allem, da die Protagonistin versucht sich erwachsene Hilfe zu holen und daran scheitert, dass sie nicht ernst genommen wird. Neben den fesselnden Passagen gelingt es Fiona Longmuir ihre Geschichte immer wieder mit amüsanten und heimeligen Elementen aufzulockern und einem beim Lesen die Gewissheit zu vermitteln, dass am Ende alles gut ausgehen wird. Außerdem bin ich – auch nach dem Lesen des Romans – immer noch ganz verliebt in die Idee eines „Museums of Emily“ und all die kleinen Details, die Lily, Sam und Jay über all die alltäglichen Ausstellungsstücke über Emily herausgefunden haben und finde, dass das eine wunderbare Basis für eine Geschichte ist.

Julia Buckley: The Big Chili (Undercover Dish 1)

Nachdem mir „A Dark and Stormy Murder“ von Julia Buckley so gut gefallen hatte, habe ich wenig später auch noch „The Big Chili“ von der Autorin gelesen. „The Big Chili“ ist ein Jahr vor „A Dark and Stormy Murder“ erschienen und der Auftakt der vierteiligen Undercover-Dish-Reihe, die sich um Lilah Drake dreht. (Ich muss gestehen, ich wüsste schon gern, wie viele Serien die Autorin parallel schreibt, wenn ich mir den Veröffentlichungsrhythmus ihrer Bücher so anschaue.) Lilah arbeitet tagsüber für ihre Eltern, die eine Marklerfirma betreiben, und in ihrer Freizeit kocht sie heimlich für eine Handvoll Kunden. Genau genommen für Kunden, die Lilahs Gerichte als ihre eigenen ausgeben, um dafür dann Lob und Anerkennung einzuheimsen. Schwierig wird Lilahs Situation, als eine Frau bei einer Kirchenveranstaltung stirbt, nachdem sie ein Chili probiert hat, das von Lilah gekocht wurde. Auf der einen Seite fleht ihre Kundin sie an, dass sie niemandem verraten soll, dass Lilah das Chili gekocht hat, auf der anderen Seite befürchtet Lilah natürlich, dass ihr Stillschweigen die Ermittlungen beeinträchtigen könnte.

Ich muss zugeben, dass mir dieser Roman von Julia Buckley nicht so gut gefallen hat wie „A Dark and Stormy Murder“, obwohl ich mich insgesamt auch von dieser Geschichte gut unterhalten gefühlt habe. Ich fand die Idee lustig, dass Lilah eine Handvoll Kunden hat, die nicht wissen, dass Lilah ihr heimliches Kochen zu einem kleinen Geschäft ausgebaut hat und dass sie mehrere Personen in ihrem Ort regelmäßig mit Gerichten versorgt. Ebenso amüsant waren die diversen Übergabeaktionen der fertigen Gerichte an abwegigen Orten oder unter ebenso abwegigen Vorwänden. Allerdings fand ich es dann doch etwas zu überzogen, dass Lilah nicht einmal die Polizei in ihr Geheimnis einweiht – vor allem. da sie sich häufiger mit Detective Inspector Jacob „Jay“ Parker unter vier Augen unterhält. Und da ich schon bei den Kritikpunkten bin (und das, bevor ich noch die netten Teile des Romans erwähnt habe): Obwohl es in dieser Geschichte viele schöne Passagen gibt, die sich um das Thema Kochen und Essen drehen, gibt es leider – wie auch schon in „A Dark and Stormy Murder“ – immer wieder Momente, in denen sich die Protagonistin Lilah schlecht fühlt, weil sie (nach einem langen und anstrengenden Tag) Fast Food isst oder weil sie zu einem Softdrink greift. Wie gesagt, es gibt einige Szenen, in denen es einfach nur um genussvolles Essen geht, aber ganz konnte die Autorin ihrer Protagonistin dann doch nicht das schlechte Gewissen ersparen, weil sie sich nicht hundertprozentig gesund ernährt.

Ansonsten fand ich es sehr nett zu verfolgen, wie Lilah ihre Nase in die Angelegenheiten ihrer Freunde und Kunden steckt, wie sie mehr über die verschiedenen Personen herausfindet, obwohl sie doch dachte, dass sie sie gut kennen würde, und wie das dazu führt, dass sie Jay immer wieder Informationen geben kann, über die er noch nicht gestolpert war. Wie schon bei „A Dark und Stormy Murder“ wird die Protagonistin von Anfang an nicht verdächtigt, was ich wirklich angenehm finde. Sie muss auch nicht ihr Geschäft retten oder sonstige Dramen lösen, und Lilah arbeitet die ganze Zeit mit der Polizei zusammen, auch wenn es ihr manchmal unangenehm ist, dass sie Informationen weitergibt. Und während die Protagonistin in dem anderen Roman sich von Anfang an sicher war, dass der Verdächtige Sam West absolut unschuldig sein muss, hat Lilah immer wieder Momente, in denen sie selbst Personen verdächtigt, von denen sie eigentlich glaubt, dass es gute Menschen sind, die niemals einen Mord begehen könnten. Dieses Bewusstsein dafür, dass theoretisch jede dieser Personen mordverdächtigt sein könnte, obwohl sich Lilah gut mit ihnen versteht und sie schon lange kennt, hat mir gut gefallen.

Dieser Mangel an Drama (wobei es in „The Big Chili“ am Ende einen kleines „Beziehungsdrama“ zwischen Lilah und Jay gibt) finde ich wirklich wohltuend bei den Romanen von Julia Buckley, ebenso wie das harmonische Familienumfeld der Protagonistinnen und die vielen kleinen (und häufig amüsanten) Begegnungen mit den verschiedenen Figuren, die Informationen zu den Ermordeten beizutragen haben. Wenn ich von meinem Kritikpunkt rund um die Essensszenen absehe, kann ich die Geschichten rundum genießen. Mir gefällt es einfach, wenn es in einem gemütlichen Kriminalroman nicht erzwungen um die Unschuld der Protagonistin oder ihre Existenz geht und wenn die ermittelnden Polizisten nicht als Feinde behandelt werden. Auch wenn mir die „Liebesgeschichten“, die Julia Buckley sowohl in „The Big Chili“ als auch in „A Dark und Stormy Murder“ eingebaut hat, etwas arg schnell verliefen und es für mich nicht so ganz nachvollziehbar war, wieso sich da nun diese Paare gefunden haben, so muss ich zugeben, dass dies für nette Dialoge zwischen den Protagonistinnen und anderen Personen (Freundeskreis, Familienmitglieder oder eben der potenzielle neue Partner) gesorgt haben. Und da mein Bedürfnis nach Cozys immer noch nicht so ganz vorbei ist, habe ich mir auch noch „Death in a Budapest Butterfly“, den Start der Hungarian-Tea-House-Reihe, von der Autorin besorgt.

 

Julia Buckley: A Dark and Stormy Murder (A Writer’s Apprentice Mystery)

Anfang des Monats hatte ich mir „A Dark and Stormy Murder“ von Julia Buckley besorgt, nachdem das Buch schon einige Zeit auf meinem Merkzettel stand und ich aktuell große Lust auf gemütliche Kriminalromane habe. Die Geschichte wird aus Sicht von Lena „Lee“ London erzählt, die vor einigen Monaten erst ihr Studium beendet hat und nun auf der Suche nach einem Job ist, mit dem sie ihren Lebensunterhalt finanzieren kann. Lena ist kurz davor zu verzweifeln, als ihre Freundin Allison anruft, um ihr zu erzählen, dass sie Camilla Graham – eine berühmte Autorin, die seit vielen Jahren Lenas Vorbild ist – kennengelernt hat und dass Camilla eine Assistentin sucht. Wenig später macht sich Lena gemeinsam mit ihrem Kater Lestrade auf den Weg nach Blue Lake in Indiana, um probeweise für Camilla zu arbeiten. Schnell lebt sich Lena in Blue Lake ein, freundet sich mit ihrer Arbeitgeberin an, lernt neue Leute kennen und genießt ihren Job – bis sie am Seeufer unterhalb von Camillas Haus über die Leiche eines ermordeten Mannes stolpert.

Ich habe es sehr genossen, „A Dark and Stormy Murder“ zu lesen, obwohl Lenas Leben in Blue Lake ein kleines bisschen zu perfekt war und ich ihre Instant-Verliebtheit in Camillas Nachbarn Sam West nicht so ganz nachvollziehen konnte. Der kleine Ort Blue Lake ist einfach bilderbuchhaft perfekt und wird trotzdem nicht von Touristen überlaufen und Lenas neuer Job ist für sie die Erfüllung eines Traumes, weil sie Camilla Graham beim Schreiben ihres neusten Romans assistieren darf. Obendrein wird Camilla innerhalb kurzer Zeit zu einer (mütterlichen) Freundin für Lena und es gibt gleich zwei attraktive Männer, die um die Aufmerksamkeit der Protagonistin bemüht sind. All das wäre mir normalerweise etwas zu viel, um die Geschichte zu genießen, aber es gelingt Julia Buckley, genügend realistische Elemente in die Handlung einzuflechten, dass ich mich beim Lesen einfach nur wunderbar entspannt und unterhalten gefühlt habe. So trifft Lena zum Beispiel immer wieder Personen, die ihr sympathisch sind und die sie gern besser kennenlernen würde, aber das hindert sie nicht daran, sich zu fragen, ob die jeweiligen Personen vielleicht etwas mit dem Mordfall zu tun haben oder Dinge wissen könnten, die der Polizei bei den Ermittlungen helfen würden.

Auch die Art und Weise, wie Lena (und Camilla) in die Ermittlungen involviert werden, mochte ich, weil die Protagonistin weder glaubt, dass sie es besser machen kann als die Polizei, noch aktiv gegen die Ermittler arbeitet, sondern nur ihre Neugier befriedigt, indem sie Klatsch und Tratsch austauscht oder online Informationen sucht. Und wenn sie dann wirklich über Dinge stolpert, die der Polizei helfen könnten, dann gibt sie diese Informationen auch direkt an den Ermittler weiter. Einzig ihre Haltung gegenüber Sam West, der seit Monaten des Mordes an seiner (verschwundenen) Ehefrau verdächtigt wird, war mir etwas zu extrem, denn es brauchte nur zwei Begegnungen, und schon war Lena nicht nur davon überzeugt, dass Sam vollkommen unschuldig sein muss, sondern sie war auch Hals über Kopf in ihn und seinen rauen Charme verliebt. Immerhin gab es kein großes Drama rund um die Tatsache, dass nicht nur Sam, sondern auch der ermittelnde Polizist Doug Heller an Lena interessiert war, was ich wirklich anerkennen möchte. Wieso können nicht mehr Autor*innen solche Handlungselemente lösen, indem sie ihre Figuren wie vernünftige erwachsene Menschen handeln lassen?! Erschreckend, dass mich das hier so froh gemacht hat, weil das einfach so selten vorkommt.

Ansonsten habe ich noch eine kleinen Kritikpunkt an „A Dark and Stormy Murder“, und der bezieht sich auf das Essverhalten der Protagonistin. Während es auf der einen Seite schön zu lesen war, dass Lena ständig leckeres Essen genießt, hatte sie auf der anderen Seite jedes Mal ein schlechtes Gewissen oder musste daran denken, dass sie ganz bestimmt bald schrecklich dick wird, wenn sie sich weiterhin so schlecht ernährt. Ich muss gestehen, ich habe fast das Gefühl, ich könnte Julia Buckley diesen Punkt nicht wirklich vorwerfen, weil es in unserer verdammten Gesellschaft nun einmal überall verbreitet ist, dass Essen etwas ist, das kein Genuss sein darf und mit schlechtem Gewissen verknüpft ist. Aber ich finde es schrecklich, so etwas in einem ansonsten wirklich wohltuenden Roman zu lesen – so viele Beschreibungen von leckerem Essen, und jede einzelne davon wird mit dem Schuldgefühl der Protagonistin verknüpft. Ich weiß nicht, wie vielen anderen Leser*innen das überhaupt auffällt, aber mich hat das wirklich geärgert.

Allerdings hat mich dieser Punkt nicht so sehr geärgert, dass es mir den Rest der Geschichte verdorben hätte. Ich mochte grundsätzlich die Figuren, ich habe es genossen, Lenas perfekten neuen Alltag mitzuerleben, und mir hat es gefallen, wie Julia Buckley den Kriminalfall konstruiert hat. Ich fand es sogar unterhaltsam, Lenas Arbeitsalltag und all ihre Gedanken rund um Camillas nächsten Roman, „The Salzburg Train“, mitzuverfolgen, auch wenn ich die Passagen aus diesem fiktiven Buch, die an fast jedem Kapitelanfang zu lesen waren, eher schlecht geschrieben fand. Aber das hatte schon wieder seinen ganz eigenen Unterhaltungswert für mich und sorgte dafür, dass ich jedes Kapitel mit einem Grinsen startete, während ich darüber nachdachte, dass Camilla Grahams Bücher für mich nicht geeignet wären. Insgesamt hat mir „A Dark and Stormy Murder“ Lust auf weitere Veröffentlichungen von Julia Buckley gemacht – weshalb ich mir direkt im Anschluss das eBook „The Big Chili“, den Auftakt der „Undercover Dish“-Reihe, gekauft habe, um herauszufinden, ob mir andere Reihen der Autorin auch zusagen könnten.

Lesezeit (2) – At Bertram’s Hotel

Meine heutige „Lesezeit“ verbringe ich mit „At Bertram’s Hotel“ von Agatha Christie – einem meiner Lieblings-Miss-Marple-Titel, auch wenn ich den Kriminalfall an sich etwas offensichtlich finde. Aber man erfährt in diesem Roman so viele Kleinigkeiten über Miss Marple, über ihr Leben und über ihre Familie, dass ich das Gefühl habe, dass ich bei jedem erneutem Lesen wieder eine neue kleine Facette über diese Figur mitnehmen kann. Viel Zeit habe ich heute Nachmittag nicht zum Lesen, aber ich habe Lust auch diesen Reread hier zu kommentieren, also gönne ich mir dafür einen weiteren „Lesezeit“-Beitrag.

Links die Taschenbuchausgabe von "At Bertram's Hotel", rechts eine große Tasse mit Milchkaffee und dazwischen liegt ein kleines japanisches KitKat (Geschmacksrichtung Schoko-Orange)

Ich liebe es, wie Agatha Christie in den ersten Absätzen das Hotel und sein (früheres) Klientel vorstellt. Obwohl ich weder die Zeit erlebt habe, noch je solche Personen getroffen habe, kann ich mir trotzdem genau vorstelle, was für Menschen im Bertram’s wohnten. Diese kurze Erwähnung von verwitweten Landadeligen, religiösen Würdenträgern, Schulmädchen, die auf dem Weg von ihrem oder in ihr gehobenes Internat sind, – alles so ehrbar, altmodisch und Edwardianisch, obwohl sich doch sonst alles im Laufe der Zeit verändert hat. Und alle Beschreibungen erfolgen aus der Sicht einer älteren Dame – nicht, weil Miss Marple schon eingeführt wurde, sondern weil einen die Autorin dazu bringt durch die Augen einer älteren, rheumatischen Person das Hotel zu betrachten. Und dementsprechend weiß man auch als Leser, der sonst vielleicht nicht auf solche Details achtet, den höflichen Portier, die von Kohlenfeuern erwärmte Eingangshalle und die bequemen, hohen Sessel, die dort stehen, zu schätzen.

Außerdem finde ich es großartig, wie Agatha Christie von Anfang an klarstellt, dass die altmodische Atmosphäre im Bertram’s nichts anderes als eine Kulisse ist. Ein kleines Gespräch zwischen dem Manager Mr. Humfries und dem zu Gast seienden Colonel Luscombe und schon weiß der Leser, dass das Bertram’s für manche Gäste „Sonderpreise“ einrichtet, weil diese eben zu den Personen gehören, die für die traditionelle, gediegene Atmosphäre sorgen. Und als Kontrast dann die erste Szene mit Jane Marple, die darüber nachdenkt, dass in St. Mary Mead eben nicht alles beim Alten geblieben ist und dass Veränderung nun einmal unabwendbar ist … Ich sollte vermutlich mehr lesen und weniger schreiben, aber genau dies sind diese kleinen Elemente, die ich bei Agatha Christies Geschichten so sehr liebe, und es bereitet mir Freude all diese kleinen Beobachtungen aufzuschreiben, statt sie nur beim Lesen kurz zu registrieren und dann weiterzublättern …

Oh, ich freu mich schon darauf in den nächsten Tagen Zeit mit diesem Buch zu verbringen. 🙂

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Dienstag (05.10.) – Kapitel 6 bis 10

Obwohl in den ersten fünf Kapiteln alle wichtigen Figuren vorgestellt wurden und man einen Eindruck von den ersten Verwicklungen bekommen hat, muss ich gestehen, dass ich in den letzten Tagen eigentlich nur über die Dinge nachgedacht habe, die diese ersten Kapitel von „At Bertram’s Hotel“ über Miss Marple verraten. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mir vorher noch nie Gedanken darüber gemacht habe, dass ihr Vater anscheinend in ihrem Leben keine große Rolle gespielt hat. Was den Verdacht nahelegt, dass er früh verstorben ist, aber wenn ich mich richtig erinnere, gibt es darüber keine Informationen. Stattdessen verweist Jane Marple immer wieder auf Aussagen und Grundsätze ihrer Mutter und den Besuch in Bertram’s Hotel, den sie als vierzehnjähriges Mädchen so sehr genossen hat, verdankte sie einem Onkel. Außerdem habe ich mir – mal wieder – Gedanken über Miss Marples Status gemacht. Jane Marple ist nicht wirklich reich, sie ist darauf angewiesen, dass ihre wohlhabenden Freundinnen oder ihr erfolgreicher Neffe für größere Reisen zahlt und auch der aktuelle Aufenthalt im Bertram’s ist ein Geschenk gewesen. Auf der anderen Seite hat sie gemeinsam mit wirklich reichen und/oder adeligen Mädchen eine Schweizer Mädcheninternat besucht und genug Geld von ihren Eltern geerbt, dass sie nie arbeiten musste und sich sogar immer ein Dienstmädchen leisten konnte.

Ansonsten muss ich zugeben, dass ich die Figur Elvira Blake einfach nicht leiden kann und da ein Großteil der Handlung sich um sie dreht bzw. von ihr ausgelöst wird, ist es wirklich schwierig diese Passagen zu genießen. Umso schöner finde ich es, wie sich Jane Marple bei ihrem Einkauf in „The Army & Navy Shop“ an ihre Tante Helen erinnert und wie diese früher dort Vormittage verbrachte, an denen sie für alle möglichen Gelegenheiten in den kommenden Monaten einkaufte. Durch all diese Erinnerungen an vergangene Zeiten, erfährt man in diesem Buch so unglaublich für über Jane Marples Familie und ihre Kindheit und Jugend. Und dann natürlich noch die Person, deren Vergesslichkeit am Ende zur Auflösung des Falles beitragen wird, Canon Pennyfather. Dieser wird von Agatha Christie so rührend in seiner Hilflosigkeit beschrieben, dass ich am Liebsten jedes Mal dafür sorgen würde, dass er jemanden zur Seite gestellt bekommt, der dafür sorgt, dass er seine Termine, seine Mahlzeiten und alles andere auf die Reihe bekommt. *g*

Grundsätzlich muss ich aber zugeben, dass ich Agatha Christies Romane lieber mag, wenn sich der Kern der Geschichte weniger um „Wer schläft/schlief mit wem?“ dreht …

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Dienstag (12.10.) Kapitel 11 bis 15

Inzwischen wird Canon Pennyfather von seiner Haushälterin vermisst, während Miss Marple sich rundum in London vergnügt. Ich finde es sehr passend, dass ihre Ansicht von Vergnügen keine kulturellen Veranstaltungen oder ähnliches beinhalten, sondern die Suche nach Porzellan und Leinen und natürlich das Auffrischen von Erinnerungen. Letzteres tut sie natürlich, indem sie schaut, ob sie einige der Geschäfte wiederfindet, die sie von früher kennt. Und natürlich versucht sie beim Verlassen des Hotels den Pförtner zu vermeiden, der der Meinung ist, sie müsse unbedingt ein Taxi nehmen statt mit dem Bus oder der U-Bahn zu fahren. *g*

Was mir nicht so gut gefällt, ist, dass Miss Marple schon zum zweiten Mal zufällig über ein Paar stolpert, dass in einem altmodischen Café bzw. Teesalon absolut fehl am Platz ist. Das ist mir doch etwas viel Zufall in einer Stadt wie London und ich hätte es schöner gefunden, wenn Agatha Christie eine bessere Möglichkeit gefunden hätte, um ihre Hinweise in die Geschichte einzustreuen. Aber nun gut, wir hatten ja schon mehr zufällige Begegnungen, ohne die der Krimianteil des Romans überhaupt nicht zustande gekommen wäre, da stören zwei weitere Zufälle auch nicht mehr.

Und ich mag den erfahrenen Polizisten (Chief-Inspector „Father“ Davy), der das Bertram’s auf dem Kieker hat. Für unauffällige, aber fähige Polizisten hat Agatha Christie in ihren Romanen ja eine Schwäche und hier zweifeln sogar die etwas unerfahreneren Untergebenen an der Genialität ihres Vorgesetzten. Was mich auf einen weiteren Punkt bringt, den ich an Miss Marple mag: Sie ist überraschend diskret, obwohl sie doch so viel auszuplaudern scheint. Aber solange etwas nur seltsam ist oder sie das Gefühl hat, dass sie nicht das Recht hat sich einzumischen (zum Beispiel weil jeder Mensch nun einmal seine eigenen Fehler machen muss), behält sie viele Beobachtungen für sich und denkt sich einfach nur ihren Teil. Es ist nicht so, dass sie gar nicht tratschen würde, aber sie ist nie diejenige, die von sich aus Klatsch verbreitet. (Es sei denn, sie ermittelt gerade aktiv, aber das ist dann eher … eine Ausnahmesituation.)

Es bleibt dabei, es ist nicht der beste Kriminalfall, denn sich Agatha Christie da ausgedacht hat, aber ich mag die Idee so eine Geschichte rund um ein Hotel wie das Bertram’s zu spinnen, ich mag all die Informationen rund um Miss Marple und ich mag den ermittelnden Polizisten. Alles in allem fühle ich mich als wieder gut unterhalten.

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Dienstag (19.10.) Kapitel 16 bis 20

So langsam kommt Bewegung in die ganze Angelegenheit! Der arme Canon Pennyfather ist inzwischen wieder aufgetaucht und erinnert sich natürlich an gar nichts und Chief-Inspector Davy wendet sich an einen ganz hohen Finanzmenschen (Auftritt Mr. Robinson – ich finde es schön, dass Agatha Christie immer wieder auf ihn zurückkommt), um mehr über die Hintergründe des Hotels zu erfahren. Alles in allem passiert gar nicht so viel in diesen Kapiteln, abgesehen davon, dass der Chief-Insector Informationen sammelt, noch einmal mit Miss Marple redet (die überlegt, ob sie ihr Herz ausschütten soll, weil sie sich Sorgen um eine junge Frau macht) und Ohrenzeuge eines Mordes wird, gerade als er Miss Marple versichert, dass es keinen Mord geben wird …

Ich bleibe dabei, dass ich es sehr schön finde, wie immer wieder in dem Roman durchschimmert, dass eine Person sich vielleicht nach „der guten alten Zeit“ zurücksehnen kann, dass es aber selbst in einem Hotel wie dem Bertram’s unmöglich ist wirklich die Zeit zurückzudrehen … Oh, und ich liebe die kleine Geschichte, die Miss Marple über ihre Großmutter und einen gemeinsamen Ausflug mit ihr und ihrer Mutter nach Paris erzählt! Ob das wohl auf einer eigenem Erlebnis mit Agatha Christies Großmutter basierte? Eine sehr hübsche Szene! 🙂 Nur noch eine Nachmittags-Leserunde mit dem Buch und dann ist es auch schon wieder vorbei.

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Dienstag (26.10.) Kapitel 21 bis Ende

Kapitel 21 beginnt mit einem Mutter-Tochter-Vergleich, der nicht sehr schmeichelhaft für Elvira ausfällt. Ich glaube, ich hätte es wirklich lieber gemocht, wenn Agatha Christie diesen Charakter sympathischer angelegt hätte, gerade weil es so viele andere Figuren in der Geschichte gibt, die (stellenweise etwas fischig, aber) ungemein charmant sind. Im Kontrast zu diesen Figuren kann Elvira nur verlieren, was bei mir dazu führt, dass ich grundsätzlich das Schlimmste von ihr erwarte – und deshalb auch erwartet hätte, dass Miss Marple weniger Mitleid mit der jungen Frau hätte. Ansonsten finde ich es wunderschön, wie der Chief-Inspector fleißig einen Hinweis nach dem anderen sammelt, immer wieder Bestätigungen für seine Theorien findet und dann am Ende mit Miss Marple redet und zu seiner Überraschung feststellen muss, dass sie – natürlich – sehr viele dieser gesammelten Details schon längst wusste (oder vermutete). Und am Ende der Geschichte bleibt ihr nur so etwas wie Trauer – Trauer für eine Zeit, die schon lange vergangen ist, und für ein Kunstwerk wie „Bertram’s Hotel“.

Ich bleibe dabei, dass das definitiv nicht Agatha Christies bester Roman ist, aber ich mag all die kleinen Elemente rund um Miss Marples Kindheit und um ihre Familie, die in dieser Geschichte erwähnt werden, und ich habe mich auch dieses Mal beim Lesen wieder wunderbar unterhalten gefühlt. 🙂

Livia Day: Dyed and Buried (Fashionably Late 1)

„Dyed and Buried“ von Livia Day (Tansy Rayner Roberts) ist der Auftaktband einer Cozy-Reihe, die in der tasmanischen Hauptstadt Hobart spielt. Ich muss gestehen, dass ich an der ersten Reihe von Cozy-Romanen der Autorin nach den ersten zwei Bänden etwas das Interesse verloren hatte. Aber da ich grundsätzlich gute Erfahrungen mit Tansy Rayner Roberts gemacht habe, die Inhaltsangabe verlockend fand und große Lust auf entspannte Lektüre hatte, hatte ich „Dyed and Buried“ nicht nur schon länger vorbestellt, sondern auch direkt nach Veröffentlichung gelesen. Wobei der Roman mit gerade mal 158 Seiten auch nicht besonders viel Lesezeit beansprucht hat … Das Buch dreht sich um Samantha „Sam“ Sullivan, die vor Kurzem einen neuen Job bei der Boutique „Fashionably Late“ angefangen hat und zu Beginn der Geschichte von ihrer ehemaligen Schulkameradin Jeena fünfzehn Hochzeitskleider kauft, damit diese für das Geschäft upgecycled werden können.

Dummerweise stellt sich wenig später heraus, dass Jeena die Kleider gar nicht hätte verkaufen dürfen – und so müssen Sam und ihre Chefin nicht nur gegenüber einem der berühmtesten Fashion-Magazine erklären, wieso ein Teil der neuen Hochzeitskleid-Kollektion des berühmten Designers Chameleon grün gefärbt wurde, sondern auch herausfinden, wohin Hochzeitskleid Nr. 16 verschwunden ist. Wobei ich betonen muss, dass es überraschend wenig Drama für Sam rund um diesen Vorfall mit den Hochzeitskleidern gibt. Ihre Chefin hatte einen Vertrag mit Jeena, Sam selbst hat nur auf Anweisung gehandelt, und so gibt es keine ernsthaften Drohungen gegenüber „Fashionably Late“. Auf der anderen Seite ist Sam die ganze Angelegenheit sehr unangenehm und natürlich würde sie gern wissen, wieso Jeenas verstorbener Ehemann Ethan diese fünfzehn Hochzeitskleider in seinem Besitz hatte, wer der mysteriöse Designer Chameleon ist und nicht zuletzt wohin das fehlende Hochzeitskleid verschwunden ist.

Dabei mag ich es, dass Sam zwar neugierig ist und die ganze Zeit über Informationen sammelt, aber nicht die treibende Kraft hinter diesen privaten Ermittlungen ist. Ihr wäre es sogar lieber, sie könnte sich aus der ganzen Angelegenheit raushalten, denn sie hat keine Lust, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, nachdem der Skandal über ihren (in mehrfacher Hinsicht) betrügerischen Ex-Mann gerade erst abgeklungen war. Aber da sie sich nicht ganz raushalten kann, nutzt sie alle sich ergebenden Gelegenheiten, um mehr über den verstorbenen Ethan und all die anderen Beteiligten herauszufinden. Dabei muss ich der Autorin zu Gute halten, dass einige Elemente der Geschichte zwar vorhersehbar waren, aber am Ende genügend weitere Wendungen und Enthüllungen zum Vorschein kamen, dass ich die ganze Zeit über an der weiteren Entwicklung der Handlung interessiert blieb. Auch mochte ich den Großteil der Charaktere wirklich sehr, angefangen bei Sam, die wirklich viel Freude an ihrem neuen Job hat, bis zu den Personen, mit denen sie arbeitet, ihrer Schwester und sogar dem ermittelnden Polizisten.

Was mich auf einen Punkt bringt, auf den ich in Cozys ja oft etwas kritisch reagiere, nämlich das Verhältnis zwischen Protagonistin und Polizei. Auch hier ist es so, dass Sam relativ wenig Vertrauen in die Polizei hat, da sie wegen ihres Ex-Mannes gerade erst ein Gerichtsverfahren hinter sich bringen musste, in dem sie angeklagt wurde, an seinen Machenschaften beteiligt gewesen zu sein. Aber statt dass sie die Polizei an sich als Feind betrachtet, nimmt sie zähneknirschend hin, dass sie schon wieder mit Polizisten zu tun hat, und arbeitet so gut sie kann mit ihnen zusammen. Es gibt kein Vorenthalten von Informationen, keine „das kann ich besser als die Profis“-Gedanken, sondern ein vorsichtiges Miteinander, das ich wirklich nett zu lesen fand. Oh, und es gab weder ein Flirten mit dem Polizisten noch seltsam feindseliges Verhalten von Sams Seite oder vonseiten der Ermittler, was ebenfalls sehr erholsam war.

Ich muss gestehen, dass ich Livia Days/Tansy Rayner Roberts‘ fantastische Romane amüsanter finde als ihre Cozys, aber „Dyed and Buried“ hat mir ein paar wirklich entspannte und unterhaltsame Stunden verschafft. Es gab so viele sympathische und sich realistisch anfühlende Charaktere, sehr viele Beschreibungen rund um das Leben in Hobart (und Tasmanien dient ja nun nicht gerade häufig als Kulisse für Romane) und so viele Details rund um Stoffe und Kleidung. Nicht so viele, dass sich jemand, der sich nicht für Mode, Stoffverarbeitung oder Färben interessiert, meiner Meinung nach langweilen würde, aber definitiv genug, um jemanden zu befriedigen, der sehr viel Spaß an solchen Dingen hat. Für 2022 ist schon eine Fortsetzung mit dem Titel „Drop Dead in Red“ angekündigt, und ich bin schon neugierig darauf, wie Sam dann in einen Mordfall rund um eine vor vierzehn Jahren verschollene Filmemacherin und ein rotes Abendkleid verwickelt wird.

Sharna Jackson: High-Rise Mystery

Der Roman „High-Rise Mystery“ von Sharna Jackson stand schon ziemlich lange auf meinem Wunschzettel, bis ich ihn im vergangenen Jahr zu Weihnachten geschenkt bekam. So ist es kein Wunder, dass es inzwischen auch eine deutsche Ausgabe mit dem Titel „Highrise Mystery – Ein Tödlicher Sommer“ und im englischen Original eine Fortsetzung („Mic Drop“) gibt. Erzählt wird die Handlung von der elfjährigen Anika „Nik“ Alexander, die gemeinsam mit ihrer dreizehnjährigen Schwester Norva den Mord an ihrem Nachbarn Hugo Knightley-Webb aufklären will. Die beiden Mädchen interessieren sich schon länger für Kriminalfälle und führen seit fast einem Jahr eine Datei, in der sie alle Vorkommnisse, die sich in dem Hochhaus-Komplex „The Tri“ ereignen, festhalten. So stehen den beiden für ihre Ermittlungen von Anfang an eine ganze Menge Daten über ihre Nachbarn zur Verfügung, und doch haben sie keine Ahnung, wer als potenzieller Mörder in Frage kommt. Deshalb bleibt Nik und Norva nichts anderes übrig, als systematisch zu ermitteln. Als dann noch ihr eigener Vater von der Polizei verdächtigt wird, wird es umso wichtiger, den Mörder zu finden.

Ich habe Nik und Norva auf Anhieb sympathisch gefunden, obwohl die – gerade sehr verliebte – Norva weder für mich noch für die erzählende Nik immer einfach zu ertragen war. Aber ich mochte es, wie gegensätzlich die beiden Schwestern dargestellt waren und wie gut sie sich deshalb ergänzt haben. Nik geht systematisch vor und arbeitet sich Punkt für Punkt durch ihre Ermittlungen, auch wenn das bedeutet, dass sie unangenehme Fragen klären oder gar ihren eigenen Vater verdächtigen muss. Norva hingegen ist deutlich implusiver, emotionaler und scheut auch schon mal davor zurück, das Alibi und Motiv einer Person zu untersuchen, von der sie sicher ist, dass sie unschuldig sein muss. Norvas Einfallsreichtum sorgt allerdings auch dafür, dass die beiden Schwestern manchmal ungewöhnliche Wege bei der Suche nach Informationen gehen, was bedeutet, dass man als Leser ständig über sie schmunzeln kann. Für mich haben sich Nik und Norva mit all ihren Stärken und Schwächen überraschend realistisch angefühlt. Auch ihre Ermittlungsmethoden sind von Sharna Jackson stimmig dargestellt worden. So haben die Schwestern zum Beispiel keinerlei Zugang zu Informationen, die die Polizei hat, wenn man von dem einen oder anderen belauschten Gespräch absieht, und sind in der Regel auf eigene Beobachtungen und die Aussagen ihrer Nachbarn angewiesen.

Dabei würde die Geschichte so nicht funktionieren, wenn die Autorin nicht so eine großartige Kulisse dafür gewählt hätte. The Tri ist ein etwas vernachlässigter Hochhauskomplex in London voller unterschiedlicher Mieter, die definitiv nicht zur Oberschicht gehören. Das Geld für Reparaturen ist knapp, das Treppenhaus riecht nach Urin und es kann schon mal passieren, dass die Aufzüge übers gesamte Wochenende defekt sind, so dass die Bewohner die (mindestens) 22 Stockwerke zu Fuß hochlaufen müssen. Auf der anderen Seite gibt es einen Gemeinschaftsraum, in dem unter anderem Kunst- oder Yogakurse angeboten werden, es wird gemeinsam von den Anwohnern Geld für dringende Projekte gesammelt, und die Hilfsbereitschaft einiger Nachbarn ist wunderbar. Gerade weil Nik und Norva so vertraut mit und so stolz auf ihr Zuhause sind, bietet dieser Hochhauskomplex so einen tollen Hintergrund für diese Kriminalgeschichte und die Ermittlungen von Nik und Norva.

Auch der Kriminalfall ist solide von Sharna Jackson konstruiert worden, und da die erzählende Nik so betroffen von Hugos Tod ist, fühlt es sich von Anfang an wirklich dringlich an, dass sein Mord aufgeklärt wird. Dabei stehen den Schwestern nur eingeschränkte Mittel für ihre Ermittlungen zur Verfügung, aber aus diesen machen sie wirklich das Beste. Immer wieder überarbeiten sie ihre Listen und Tabellen, so dass man auch als Leser einen guten Überblick über den aktuellen Wissenstand und die neusten Informationen hat. Insgesamt hat mir „High-Rise Mystery“ wirklich sehr gut gefallen. Das einzige (und nicht sehr relevante) Problem, das ich beim Lesen hatte, war, dass der eine oder andere Slangausdruck, der in dem Roman verwendet wird, für mich nicht auf Anhieb verständlich war. Ich habe mich aber im Laufe der Zeit recht gut an diese ungewohnten Ausdrücke der Mädchen (und ihres Freundes George) gewöhnt, und angesichts des Alters der Protagonistinnen fand ich es auch definitiv stimmig, dass sie ihre eigene Ausdrucksweise hatten. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung „Mic Drop“  und bin gespannt, wie Nik und Norva dann im Rahmen eines Musikvideo-Drehs in The Tri ermitteln.

J. M. Griffin: Tangled to Death

J. M. Griffin ist (wenn ich nach ihrer Homepage gehen kann) angeblich eine etablierte und erfolgreiche Autorin, allerdings hatte ich noch nie von ihr gehört, bevor ich zu „Tangled to Death“ griff. Und nachdem ich diesen kurzen Roman von ihr gelesen habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich keine weitere Geschichte von ihr lesen werde. Es ist unglaublich, wie lang sich 190 Seiten eines Cozies beim Lesen anfühlen können, wenn man nur noch von allem genervt ist. Protagonistin der Geschichte ist die 24jährige Katie Greer, die vor einem Jahr in eine kleine Stadt in New Hampshire gezogen ist, um dort ein Kunststudio zu eröffnen. Von Anfang an hatte Katie Probleme mit der ältere Flora Middly, die nicht nur der Meinung war, dass Katies „Tangle Art“ keine Kunst sei, sondern auch alles daran setzte, um die Eröffnung des Studios zu verhindern. Als nun Flora erwürgt auf der Bank vor Katies Studio gefunden wird, gehört Katie natürlich zu den Verdächtigen. Katie fürchtet nicht nur die schrecklichen Befragungen durch die Polizei, sondern auch, dass ihre neuen Nachbarn herausfinden, dass sie schon einmal in einen Mordfall verwickelt war.

Obwohl Katie so gar nichts mit der Polizei und dem Mord zu tun haben will, kann sie sich auch nicht beherrschen und steckt natürlich ihre Nase in die Ermittlungen. Was dann der Punkt war, wo ich – nach einem zwar nicht besonders gut geschriebenen, aber ganz netten Anfang – sehr schnell alle Hoffnungen auf eine unterhaltsame Geschichte fahren lassen musste. Ich glaube, ich habe „Tangled to Death“ nur zu Ende gelesen, weil ich dachte, dass es nicht sein kann, dass J. M. Griffin wirklich jedes Element mitnehmen wird, das ich an einem „romantischen Cozy“ hasse. Leider hatte ich mich in dieser Beziehung getäuscht. Der Krimianteil der Handlung ist noch dürftiger, als es der Umfang von 190 Seiten zugelassen hätten. Das Motiv für den Mord ist unglaublich an den Haaren herbeigezogen. Die Tatsache, dass die Autorin auf der einen Seite behauptet, dass in dieser Kleinstadt jeder über jeden tratschen würde und auf der anderen Seite trotzdem niemand wusste, womit die Ermordete ihren Lebensunterhalt bestritt (oder sich wunderte, dass sie ohne erkennbares Einkommen überhaupt überleben konnte), hat mich gleich mehrfach auf die Palme gebracht.

Doch so richtig schrecklich fand ich die Protagonistin Katie und ihren potenziellen „Liebsten“ Detective Jonah Kilbride. Katie ist einer dieser Charaktere, die alle anderen Personen in schrecklich veraltete Schubladen stecken, und äußert regelmäßig Gedanken wie „Nur Frauen verstehen, wie Frauen denken“, „Cops ist ihre Arbeit wichtiger als alles andere“, „alle Cops genießen es, wenn sie andere Menschen einschüchtern können“ und ähnliches. Dieses Schubladendenken plus die unglaublich schrecklichen Erinnerungen, die sie an die Verhöre durch den Polizisten hat, der den Mord an ihren Eltern aufzuklären versuchte, sorgen dafür, dass sie Detective Jonah Kilbride von Anfang an ablehnend gegenübersteht. Dummerweise findet sie ihn aber auch unglaublich attraktiv und ist deshalb ständig stocksauer, weil er seinen Job macht. Was dazu führt, dass sie ihm nur Fragen beantwortet, wenn es ihr passt, ihn ständig aus ihrem Studio wirft und die Hälfte der Zeit Beweismittel unterschlägt, die die Geschichte innerhalb weniger Seiten beendet hätten.

Jonah hingegen benimmt sich von Anfang an wie ein Arschloch, weil er „fühlt“, dass sie ihm was verschweigt. Als er von Katies Vergangenheit erfährt, nennt er sie nicht nur ständig bei ihrem Geburtsnamen – was in ihr schmerzhafte Erinnungen weckt, was sie ihm auch sagt -, sondern scheint es auch noch zu genießen, dass dieser Name bei ihr Unbehagen auslöst. Dazu kommt, dass er sie mehrfach gegen ihren Willen küsst und sie (obwohl er weiß, welche Erfahrungen sie früher mit der Polizei gemacht hat) verbal bedroht. Ich glaube, die Autorin hat Jonah mit diesem Verhalten als besonders „männlich“ darstellen und auf die „wenn er dich neckt, dann mag er dich“-Schiene aufspringen wollen. Für mich hingegen war das Verhalten beider Figuren einfach nur abschreckend, frustrierend und so gar nicht romantisch.

Dass aus Katie und Jonah am Ende auch noch ein Paar wird, lässt sich dann auch nur noch damit erklären, dass sie anscheinend das Gefühl haben, sie dürften nur miteinander Sex haben, wenn sie sich vorher gegenseitig ihre Liebe erklären. Wann und wieso sie sich ineinander verliebt haben, kann mir die Autorin mit ihrer Geschichte aber nicht glaubhaft erklären. Bei all diesen größeren Ärgernissen habe ich das Gefühl, ich müsste die vielen anderen Details, die mich gestört haben, gar nicht mehr erwähnen, auch wenn es davon mehr als genug gab. „Tangled to Death“ war definitiv keine unterhaltsame oder gar vergnügliche Lektüre, und ich kann diesen kurzen Roman nur dann weiterempfehlen, wenn ihr verzweifelt auf der Suche nach einem Cozy sein solltet, über den ihr euch mal so richtig aufregen könnt.

Deborah Blake: Furbidden Fatality (A Catskills Pet Rescue Mystery 1)

Ich habe gerade zu meiner großen Überraschung festgestellt, dass ich noch kein Buch der Autorin Deborah Blake für den Blog rezensiert habe, obwohl ich ihre Urban-Fantasy-Reihe rund um die verschiedenen nordamerikanischen Baba Yagas und ihre „Riders“ sehr gern (und vollständig) gelesen habe. Auf jeden Fall hat mich die Tatsache, dass ich ihre fantastischen Geschichten mag, dazu bewogen, ihrem ersten Versuch, einen Cozy zu schreiben, eine Chance zu geben. Die Geschichte dreht sich um die 29jährige Kari Stuart, die vor einiger Zeit wieder zurück in ihre kleine Heimatstadt in den Catskills gezogen ist. Nach einem Studienabschluss, mit dem sie keinen Job finden konnte, und einer unschönen Scheidung arbeitet sie als Kellnerin im örtlichen Diner. Bevor sie weitere Veränderungen in ihrem Leben vornimmt, möchte sie herausfinden, was sie eigentlich genau für ein Leben führen will – doch dann fallen ihr unverhofft erst ein Millionen-Lottogewinn und dann ein kleines streunerndes Kätzchen in die Hände. Als das örtliche Tierheim die Katze nicht aufnehmen will, weil es hoffnungslos überfüllt ist, erfährt sie von dem privaten Gnadenhof Serenity Sanctuary, der in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Spontan kauft Kari den Gnadenhof und darf sich von nun an nicht nur mit all den Problemen herumschlagen, die mit der Renovierung des Geländes und der Versorgung der vielen Tiere zusammenhängen, sondern auch mit dem städtischen Hundefänger Bill Myers. Dieser behauptet, dass einer von Karis Schützlingen eine Gefahr für die Allgemeinheit sei, und versucht vor Gericht die Einschläferung des Tieres durchzubringen. Während sich Kari noch fragt, wie sie beweisen kann, dass Buster ein freundlicher Hund ist, findet sie die Leiche von Bill Myers auf dem Serenity-Sanctuary-Gelände. Der Hundefänger wurde anscheinend getötet, als er gerade dabei war, ein Loch unter dem Zaun des Hundeauslaufs zu graben. Für den Sheriff gehört Kari damit – ebenso wie Daisy, von der sie den Gnadenhof gekauft hat, – zu den Hauptverdächtigen. Um ihre und Busters Unschuld zu beweisen, beginnt Kari zusammen mit diversen Freundinnen und freiwilligen Helfern des Gnadenhofs Fragen über Bill Myers und seine Arbeit als Hundefänger zu stellen.

Ich muss gestehen, dass „Furbidden Fatality“ mich jetzt nicht umgehauen hat, aber der Roman bietet eine nette und flüssig zu lesende Geschichte, die mich gut unterhalten hat. Ich mochte die verschiedenen Figuren mit all ihren Ecken und Kanten – sogar den Sheriff, der nicht besonders entgegenkommend und den falschen Personen gegenüber zu misstrauisch ist. Es war nett, mal einen relativ realistischen Roman zu lesen, der im Tierschutzbereich spielt und bei dem die Autorin nicht verschweigt, dass ein Großteil der Arbeit nicht im Schmusen von vernachlässigten Tieren, sondern im Beseitigen von Ausscheidungen und ähnlich lästigen Tätigkeiten besteht. Auch hat es mir gefallen, dass Deborah Blake mit der kleinen Katze Queenie zwar ihrer Protagonistin eine „tierische Ermittlerin“ zur Seite stellt, diese aber nichts tut, was man nicht auch von einer „normalen“ Katze erwarten würde. Ich muss gestehen, dass ich bei den ersten Bemerkungen der Autorin zu dem Roman befürchtet hatte, dass man (wie bei den Sneaky-Pie-Brown-Romanen von Rita Mae Brown) Passagen aus Sicht der Katze lesen würde, aber das ist nicht der Fall.

Auch gibt es zwar zwei wirklich sympathische Männer, denen Kari im Laufe der Geschichte begegnet, aber nicht einmal den Hauch einer Liebesgeschichte – was ich unglaublich erholsam bei einem aktuellen Cozy finde. Insgesamt konzentriert sich Deborah Blake, wenn es um den zwischenmenschlichen Teil der Handlung geht, eher auf die Freundschaften (zu anderen Frauen), die Kari zum Teil schon seit langer Zeit begleiten oder die sie im Laufe der Geschichte neu knüpft, und das fand ich wirklich schön zu lesen. Kritisieren könnte ich, dass die Autorin ihre Bösewichte ein bisschen zu offensichtlich gestaltet hat. Wenn eine Figur in dem Roman unsympathisch ist und mehr als einen Auftritt bekommt, kann man als Leserin eigentlich gleich davon ausgehen, dass die Person etwas mit den kriminellen Handlungen rund um Bill Myers zu tun hat. Aber damit konnte ich leben, weil „Furbidden Fatality“ insgesamt wirklich unterhaltsam war und ich angenehm entspannte Stunden mit der Geschichte verbracht habe. Ich denke, ich werde mir auch den zweiten Band (mit dem schrecklichen Titel „Doggone Deadly“) gönnen, wenn dieser im Herbst erscheint.

Harper Lin: Love and Murder in Savannah (The Southern Sleuth 1)

„Love and Murder in Savannah“ von Harper Lin gehört zu den Büchern, über die ich beim Sichten meiner eBook-Bestände gestolpert bin. Ich kann mich nicht mehr erinnern, woher ich den Titel habe, aber ich würde behaupten, dass die beiden Punkte „20er Jahre“ und „Protagonistin kann Geister sehen“ der Grund waren, wieso ich die Geschichte lesen wollte. Rebecca „Becky“ Madeline Mackenzie ist 20 Jahre alt und die Tochter einer gehobenen Südstaaten-Familie, die in Savannah zuhause ist. Was bedeutet, dass sie relativ ungestört in den Tag hineinleben kann, solange sie die Erwartungen ihrer Mutter und der Gesellschaft einigermaßen erfüllt – und natürlich nur bis ein passender junger Mann auftaucht, der sie heiratet. Ungewöhnlich an ihr ist, dass sie von klein auf Geister sehen und mit ihnen reden kann, was mit ein Grund dafür ist, dass sie sich gern auf dem nahegelegenen alten Friedhof aufhält, um Schwätzchen zu halten und zu zeichnen. Von ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit wissen nur ihre beiden besten Freunde (Teddy und Martha), auch wenn Becky diese Kraft immer mal wieder nutzt, um ihren Nachbarn hilfreich zur Seite zu stehen. Erst als bei Marthas Geburtstagsfeier ein junger Mann ermordet wird, muss Becky feststellen, dass nicht alle Geister freundliche Wesen sind, mit denen man unterhaltsame Anekdoten austauschen kann.

Ich muss zugeben, dass diese Geschichte genau genommen nur in die Kategorie „ganz nett“ gehört – vor allem, da der Kriminalfall nicht gerade herausfordernd aufgebaut ist. Aber in der Regel ist „nett“ ja genau das, was man sucht, wenn man zu einem Cozy greift. „Love and Murder in Savannah“ liest sich unterhaltsam, was vor allem an der 20-Jahre-Atmosphäre und dem Südstaaten-Feeling liegt. Becky und ihre Freunde verbringen regelmäßig die Nächte in „Speakeasies“, wo sie tanzen und illegal gebrannten Alkohol trinken. Ansonsten ist Becky vor allem damit beschäftigt, den Plänen ihrer Mutter auszuweichen und sich über ihre unangenehme Cousine Fanny aufzuregen. Außerdem denkt sie regelmäßig darüber nach, wie sie ihre Mutter davon überzeugen kann, dass ihr Bekannter Adam White ein Gentleman ist, obwohl er aus dem Norden stammt und nicht zur oberen Schicht von Savannah gehört. So macht sich Becky anfangs auch vor allem Sorgen um ihre Freundin Martha und den Ruf von Marthas Familie, als bei der Geburtstagsfeier ein Mord geschieht, statt darüber nachzudenken, dass sie ihre Fähigkeiten nutzen könnte, um mehr über die Tat herauszufinden. Ich fand es sehr stimmig, dass die Protagonistin nicht auf den Gedanken kommt, dass sie sich in eine Polizeiermittlung einmischen könnte, sondern aus ihrer begrenzten, privilegierten Perspektive heraus auf den Mord blickt. Erst als sie über genügend seltsame Elemente stolpert, die mit dem Kriminalfall in Verbindung stehen, entwickelt sie etwas mehr Eigeninitiative und überlegt, welcher der bei der Feier Anwesenden verdächtig sein könnte.

Beckys relativ sorglose Sicht auf die Welt führt dazu, dass sich eine gewisse Leichtigkeit durch die Geschichte zieht. Natürlich ist ihr bewusst, dass sie in ihrer gesellschaftlichen und finanziellen Position sehr priviligiert ist, aber ihr persönlicher Alltag wird vor allem von den Kabbeleien mit ihrer Mutter und dem unangenehmen Verhalten ihrer Cousine bestimmt. Wenn Becky über eine Person stolpert, die vermutlich ein Verbrecher ist, dann ist dies für sie nur ein kurzer aufregender Moment, weil sie sich einfach nicht vorstellen kann, dass sie selbst irgendwie in Gefahr sein könnte. Das kann man natürlich kritisch sehen, hat bei mir aber dafür gesorgt, dass sich das Lesen von „Love and Murder in Savannah“ stellenweise wie das Anschauen einer Kriminalkomöde aus den 1930er Jahren anfühlte. Auch wenn dieser Roman leider nicht mit den wunderbaren Dialogen mithalten kann, wie sie zum Beispiel in „Der dünne Mann“ („The Thin Man“) zu finden sind, war die Atmosphäre für mich ähnlich und die Charaktere sympathisch genug, um mir ein paar unterhaltsame Stunden zu liefern und dafür zu sorgen, dass ich mir weitere Titel Autorin anschauen werde.