Schlagwort: Kriminalroman

Beate Sauer: Echo der Toten (Friederike Matthée 1)

„Echo der Toten“ von Beate Sauer ist der erste Kriminalroman rund um Friederike Matthée, die im Jahr 1947 als Polizeiassistentenanwärterin arbeitet. Erst seit wenigen Monaten ist die junge Frau bei der Kölner Polizei, und inzwischen ist ihre Vorgesetzte zu dem Entschluss gelangt, dass Friederike zu weichherzig für diese Arbeit ist. Eine letzte Chance bekommt sie, als der britische Militärpolizist Lieutenant Richard Davies um Unterstützung durch die Weibliche Polizei bittet, um einen Sechsjährigen zu befragen, der einen Mord beobachtet hat. Opfer dieses Mordes ist der Alteisen- und Schwarzmarkthändler Jupp Küppers, und obwohl der Mann illegalen Geschäften nachging und sich damit nicht nur Freunde gemacht haben konnte, finden Richard und Friederike anfangs niemanden, der ein Motiv haben könnte.

Ich mochte sehr, wie Beate Sauer in diesem Kriminalroman die Ermittlungen rund um den Mordfall mit den Beschreibungen des Lebens in Deutschland (bzw. in Köln und der Eifel) im Januar 1947 verknüpfte. Der Leser bekommt durch den Fall, der Friederike und ihren Vorgesetzten durch verschiedene Gesellschaftsschichten führt, einen vielseitigen Einblick in unterschiedliche Lebensgeschichten und Schicksale. Immer wieder kommt bei den beiden Polizisten die Frage auf, was die jeweilige Person, die gerade befragt wird, während des Krieges gemacht hat und welche privaten und politischen Entscheidungen sie wohl gefällt haben mag. Mir gefiel es, wie die Autorin die verschiedenen Schattierungen von Angst, bewusstem Wegsehen, Schuld und Verbrechen dargestellt hat und wie vielseitig und menschlich die Charaktere sind, die in der Geschichte vorkommen. Nur selten gibt es eine Figur, die man in eine Schublade stecken kann. Stattdessen zeigt Beate Sauer die vielen kleinen und großen Entscheidungen und Erlebnisse, die einen einzelnen Menschen formen und mit denen er für den Rest seines Lebens fertig werden muss.

So fand ich den Kriminalfall an sich zwar interessant und solide konstruiert, aber es waren vor allem die Figuren und die Darstellung der Lebensumstände, die dafür gesorgt haben, dass ich den Roman zügig gelesen habe. Allerdings reizten mich die Nebenfiguren fast mehr als die beiden Protagonisten, weil Friederike und Richard zwar grundsätzlich sympatisch und vielschichtig dargestellt wurden, aber eben auch in gewisser Weise zu den „Guten“ gehören mussten, damit sie als Hauptfiguren fungieren können. Friederike ist eigentlich eine Künstlerin, die behütet aufwuchs und sich nun vorwirft, dass sie die Augen vor den Verbrechen der Nazis verschlossen hat. Richard hingegen schwankt zwischen Mitgefühl mit den leidenden Deutschen und Hass auf die Menschen, die zugelassen haben, dass die Nazis an die Regierung kamen und ihre Gräueltaten ungehindert verüben konnten.

Beide Figuren sind stimmig ausgearbeitet, bieten aber weniger überraschende Elemente als die vielen verschiedenen Charaktere, denen sie im Laufe ihrer Ermittlungen begegnen. Trotzdem habe ich ihre Perspektive gern verfolgt und gerade bei Friederike war es immer wieder schön zu beobachten, wie sie von ihrer Neugier getrieben auch mal die Ermittlungen in die eigene Hand nahm (nicht, dass ihr das zugestanden hätte) und Details herausfand, die ein wichtiges Element zum Gesamtpuzzle hinzufügten. Einzig die zwischen den beiden Figuren aufkeimende Beziehung hätte es für mich wirklich nicht gebraucht, obwohl ich zugeben muss, dass die Autorin sich hier sehr zurückgehalten hat und man das Ganze für den Großteil des Romans als beginnende Freundschaft und Respekt gegenüber einem Kollegen lesen könnte. Letzteres hätte mir auch vollkommen gereicht, weil ich dieser Paarbildung in Kriminalromanen ebenso müde bin wie des problembelasteten (skandinavischen) Ermittlers. Die „Problembelastung“ von Friederike und Richard finde ich hier hingegen gut gemacht, da angesichts der Zeit und des Ortes, an dem die Geschichte spielt, alles andere unglaubwürdig gewesen wäre. Insgesamt hat mir der Roman so gut gefallen, dass ich neugierig auf den zweiten Band rund um Friederike bin.

Ovidia Yu: The Frangipani Tree Mystery

„The Frangipani Tree Mystery“ von Ovidia Yu habe ich bei Natira entdeckt, die den Cozy Mystery im vergangenen Oktober beim Herbstlesen gelesen hatte. Nach ihren Anmerkungen zum Buch musste ich den Roman einfach habe und bekam ihn zum Glück zu Weihnachten geschenkt. Schon auf den ersten Seiten habe ich die Erzählerin Chen Su Lin ins Herz geschlossen, deren Sicht auf die Welt mich häufig zum Schmunzeln gebracht hat. Su Lin gilt aufgrund eines Hinkens, das von einer Polioerkrankung übriggeblieben ist, als Unglücksbringerin. Trotzdem sucht sie zu Beginn von „The Fragipani Mystery“ einen Weg, um im Jahr 1936 in Singapur einen Job zu finden, bei dem sie die Fähigkeiten einsetzen kann, die sie an der Missionsschule gelernt hat.

Ich fand den Einstieg in die Geschichte einfach nur wunderbar, bei dem Su Lins Onkel und ihre Lehrerin über ihre Zukunft streiten, während Su Lin dazwischensteht und übersetzen soll und sich sehr gut überlegt, welche Passagen sie wie interpretiert, bevor sie sie in die jeweils andere Sprache überträgt. Diese Zurückhaltung und dieses „diplomatische“ Verhalten prägen Su Lins Erzählstimme, doch zum Glück bekommt man als Leser auch all die Gedanken mit, die sie niemals öffentlich äußern würde. Insgesamt ist Su Lin einfach ein netter Mensch, ohne dabei rückgratlos zu sein. Sie will nicht einfach von ihrer Familie verheiratet werden, auch wenn ihr bewusst ist, dass ihr Onkel Chen nur das Beste für sie im Sinn hat, und sie will nicht den Rest ihres Lebens als Helferin für ihre Großmutter verbringen. Stattdessen versucht sie ihre Beziehungen zu den Lehrerinnen der Missionsschule zu nutzen, um eine richtige Anstellung zu finden. So rutscht sie mehr zufällig in die Rolle der Aufpasserin für die geistig behinderte Tochter des britischen Gouverneurs und ist so in der besten Position, um die Augen nach Hinweisen aufzuhalten, die verraten könnten, wer die schottische Gouvernante der jungen Frau ermordet hat.

Der Krimianteil in „The Frangipani Tree Mystery“ hatte viel von einem klassischen britischen Cozy. Es gibt nur einen Handvoll Menschen, die in den Fall verwickelt sind, und der größte Teil davon gehört der britischen „Oberschicht“ in Singapur an. Was den Roman deutlich von den britischen Cozys unterscheidet, sind sowohl die Perspektive von Su Lin – die als chinesisches Dienstmädchen definitiv nicht in derselben Position ist, wie es eine weiße Ermittlerin (von Stand) wäre, als auch der Schauplatz Singapur. Natürlich gibt es so einige britische Cozys, die nicht auf der britischen Insel spielen, aber normalerweise bekommt man als Leser dieser Romane nicht die Sicht einer einheimischen Erzählerin präsentiert. Durch Su Lins Hintergrundinformationen zum Leben in Singapur gewinnt die Geschichte auf sehr vielen Ebenen, weil sie sich immer wieder Gedanken über das Verhalten der Menschen macht, denen sie begegnet, und wie die verschiedenen Personen mit all den Dingen umgehen, die in der Regel nur jemand verstehen kann, der im selben Kulturkreis und mit derselben Sprache aufgewachsen ist.

So bekommt man als Leser nicht nur sehr viel über das Leben in Singapur zu dieser Zeit mit, sondern kann all die Unterströmungen im Haushalt des Gouverneurs viel besser verstehen. Es geht nicht nur darum, dass die Dienstboten grundsätzlich gegenüber Fragen ihrer Herrschaft oder der Polizei misstrauisch sind, sondern auch darum, dass in solch einem Haushalt aufgrund der unterschiedlichen Herkunft und Aufgabenverteilung auch auf Dienstbotenebene Hierachien herrschen, die Su Lin nicht nur wahrnimmt, sondern auch versteht. Von den Briten, die Su Lin im Laufe des Romans kennenlernt, scheint einzig Chief Inspector Le Froy sich dieser vielen verschiedenen Facetten Singapurs, die sich durch die unterschiedliche Herkunft der Bewohner ergeben, bewusst zu sein. Der Polizist hat sich nicht nur – im Gegensatz zum Großteil seiner Landsleute – bemüht, verschiedene Sprachen zu lernen, um mit den Einheimischen auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sondern er scheint auch ein überraschend gutes Verständnis für die verschiedenen Kulturen zu haben, die das Leben in Singapur prägen. Das alles macht Chief Inspector LeFroy zu einer sehr interessanten Figur, was dazu führte, dass ich die Begegnungen zwischen ihm und Su Lin sehr genossen habe, weil beide auf ihre Weise ungewöhnlich sind.

Was den Kriminalfall selbst angeht, so fand ich viele Elementen relativ offensichtlich. Auf der anderen Seite konnte ich sehr gut damit leben, dass Su Lin nicht ebenso schnell zu den gleichen Schlüssen kam wie ich, weil sie die beteiligten Personen mit einem ganz anderen Blick sah als ein erfahrener Krimileser. 😉 Ich habe die Atmosphäre in „The Fangipani Tree Mystery“ sehr genossen und all die kleinen Einblick in ein Singapur der 1930er Jahre, die ich nur durch die Augen einer einheimischen Erzählerin gewinnen konnte. Ich habe es geliebt, wenn Ovidia Yus Schreibweise mal wieder dafür gesorgt hat, dass ich beim Lesen von Su Lins Gedanken vor mich hinkicherte oder meinem Mann einfach eine Passage vorlesen musste, weil ich die Beschreibung einer Person oder Situation so wunderbar fand. Da es noch zwei weitere Romane mit Su Lin als Protagonistin gibt (und einige andere Kriminalromane aus der Feder der Autorin), freue ich mich jetzt schon darauf, demnächst noch einmal nach Singapur zurückzukehren, um eine weitere Ermittlung von Su Lin und Chief Inspector Le Froy zu verfolgen.

Hideo Yokoyama: 64

Den Roman „64“ von Hideo Yokoyama hatte ich schon einmal im vergangenen Sommer ausgeliehen und dann war es einfach zu heiß, um einen 770-Seiten-Wälzer aufmerksam zu lesen. Da mir der Anfang aber gut genug gefallen und mich neugierig auf die Geschichte gemacht hatte, habe ich das Buch noch einmal in der Bibliothek vormerken lassen und es mir jetzt im Januar vorgenommen. Am Ende stehe ich allerdings da und frage mich, ob sich das Lesen dieses Wälzers gelohnt hat, den es gab sehr viele Aspekte an dem Roman, die nicht meinen Geschmack getroffen haben. Dabei fing die Geschichte recht stimmungsvoll an, indem beschrieben wird, wie Yoshinobu Mikami und seine Frau Minako die Leiche eines jungen Mädchens betrachten, um herauszufinden, ob die Tote ihre Tochter Ayumi ist, die vor einigen Wochen von Zuhause weggelaufen ist. Diese Angst davor, dass Ayumi irgendwann tot aufgefunden werden würde, zieht sich für Mikami und seine Familie durch das gesamte Buch und beeinflusst viele Entscheidungen des ehemaligen Kriminalbeamten und aktuellen Direktors der Pressestelle des Präsidiums der Präfektur D.

Doch erst einmal wird Mikamis Aufmerksamkeit nach seiner Rückkehr zur Arbeit vor allem von der Tatsache gefangen gehalten, dass ein hoher Beamter aus Tokio bei einem in den nächsten Tagen anstehenden Besuch eine Pressekonferenz im Haus von Yoshio Amamiya abhalten will. Für das Präsidium stehen der Name Amamiya und der Fall „64“ (danach benannt, dass er im 64sten Jahr der Shōwa-Ära stattfand) für ihren größten Misserfolg, da es den Ermittlern weder damals noch in den folgenden Jahren gelang, den Entführer und Mörder von Yoshio Amamiyas kleiner Tochter Shoko zu fassen. Gerade mal sieben Tage hat Mikami, um den immer noch trauernden Vater davon zu überzeugen, diesen Besuch zuzulassen. Sein einziges Argument besteht darin, dass die Pressekonferenz auch nach all dieser Zeit vielleicht genügend Aufmerksamkeit weckt, um neue Hinweise auf den damaligen Täter zu bekommen.

Statt des versprochenen Thrillers, bei dem – wenn man den Angaben des Klappentextes glauben darf – der vor vierzehn Jahren passierte Entführungsfall mit dem Verschwinden von Mikamis Tochter in Verbindung steht, bekommt man so eine Geschichte, die sich um die politischen und persönlichen Intrigen innerhalb des Präsidums dreht. Von Anfang an steht fest, dass Mikami als ehemaliger Kriminalbeamter zwischen den Stühlen sitzt, da ihm von den Verwaltungsleuten (wozu auch die Pressestellenmitarbeiter gehören) vorgeworfen wird, dass er Partei für das KUA (Kriminaluntersuchungsamt) ergreift, während seine ehemaligen Kollegen sich sicher sind, dass er ihre sensiblen Arbeitsergebnisse an die Presse „verrät“.

Wenn man den Roman als Studie zum Thema Loyalität sieht, dann hat Hideo Yokoyama ein spannendes Werk geschaffen, bei dem der Leser im Laufe der Zeit mehr über die verschiedenen Beteiligten, ihren Charakter und ihre Motivation erfährt. Immer wieder sehen sich die verschiedenen Figuren vor die Frage gestellt, wem ihre Loyalität gilt, ob sie zu ihrem direkten Vorgesetzten, ihrer Abteilung oder den Polizeiapparat als Gesamtheit stehen sollen. Am Ende steht sogar die Frage im Raum, ob es einen funktionierenden Polizeiapparat überhaupt geben kann, solange es dieses Gegeneinander der verschiedenen Abteilungen gibt – vor allem, wenn dazu noch der Kampf mit der Presse kommt, deren Vertreter theoretisch als Bindeglied zwischen der Polizei und der Bevölkerung dienen könnten.

All das ist grundsätzlich nicht uninteressant zu lesen, trifft aber bei mir eines der Themen, mit denen ich mich bei Unterhaltungsliteratur wirklich ungern beschäftige. Ich hasse Geschichten, die sich vor allem darum drehen, dass Menschen, deren Zusammenarbeit wichtig ist, aus unterschiedlichen Gründen gegeneinander arbeiten, intrigieren und ihre Macht missbrauchen. Es fängt schon damit an, dass Mikami von Anfang an das Gefühl hat, er dürfe nicht zu weit gehen, weil dann vielleicht die nationale (und eher inoffizielle) Suche nach seiner Tochter eingestellt werden könnte. Bei „64“ dreht sich dummerweise fast das ganze Buch um genau diese Thematik und erst kurz vor Schluss erkennt man all die kleinen Hinweise, die in all die Szenen rund um die Intrigen eingebettet sind und die zum Showdown führen, auch wirklich als Fingerzeige.

Normalerweise mag ich dieses Sammeln von kleinen Momenten und Beschreibungen, die einen auf die richtige Fährte führen, aber bei diesem Roman haben mich all diese Machtkämpfe so ermüdet, dass die Geschichte auf den letzten hundert Seiten nur noch hinter mich bringen wollte. Dazu kam noch, dass der dann doch noch vorhandene Krimianteil sich als recht offensichtlich herausstellte, so dass ich nicht mal daraus am Ende Befriedigung ziehen konnte. Grundsätzlich verstehe ich, dass Hideo Yokoyama ein erfolgreicher Autor ist und „64“ ein Bestseller wurde, denn der Autor schreibt wirklich gut und hat ein Händchen für Szenen, die vom ersten oberflächlichen Eindruck ausgehend nach und nach den Kern eines Charakters aufdecken. Aber ich hatte mich auf einen Thriller gefreut und nicht auf eine Studie zum Thema Loyalität und interne Politik in japanischen Polizeiapparaten, und da mich nur ungern mit Letzterem beschäftige, war „64“ nicht die richtige Lektüre für mich.

Livia Day: A Trifle Dead (Café La Femme 1)

Ich habe keine Ahnung mehr, wie „A Trifle Dead“ auf meinen Reader gekommen ist – ich fürchte, es kam während der vergangenen Sommermonate bei mir zu dem einen oder anderen spontanen Angebotskauf. Diese spontane Anschaffung könnte allerdings davon motiviert gewesen sein, dass sich hinter „Livia Day“ die Autorin Tansy Rayner Roberts verbirgt, deren „A Castle Charming“-Titel ich sehr mochte. Auch dieser Cozy rund um Tabitha Darling – stolze Besitzerin eines Hipster-Cafés und eigentlich überhaupt nicht daran interessiert, ihre Nase in einen Mordfall zu stecken – hat sich gut lesen lassen und eine unterhaltsame, skurrile Geschichte geboten. Ein Pluspunkt war dabei der Schauplatz Hobart in Australien, da dieser Handlungsort dem Ganzen eine etwas andere Note verlieh, als sie die für mich üblicheren britischen oder amerikanischen Cozies sonst beherrscht.

Für Tabitha beginnt die Geschichte an dem Tag, an dem im Obergeschoss des Gebäudes, in dem sie ihr Café betreibt, eine Leiche gefunden wird. Anfangs wird noch vermutet, dass der Tote bei einem missglückten Streich (oder gar PR-Gag) der dort wohnenden Band „Crash Velvet“ umgekommen sei. Aber da er erstens an einer Überdosis starb und zweitens nicht an dem Ort sein Leben aushauchte, an dem er gefunden wurde, scheint etwas mehr hinter dem Tod des Mannes zu stecken. Wenig später bringen Polizei und Presse den Toten mit anderen seltsamen Ereignissen in Verbindung, die sich in Hobart zugetragen haben, während Tabitha sich darüber wundert, was ihren Freunden und Familienmitgliedern in den letzten Tagen alles zugestoßen ist. Angetrieben von ihrer Neugier (und der Tatsache, dass sie sehr stolz darauf ist, über jeglichen Klatsch in der Stadt Bescheid zu wissen), versucht Tabitha, mehr über die Vorfälle rund um den mysteriösen „Trapper“ und den Toten herauszufinden.

Dabei ist Tabitha eindeutig keine professionelle Ermittlerin, und gerade das macht „A Trifle Dead“ so nett zu lesen. Tabitha backt wunderbare Leckereien (die Beschreibungen allein machen schon Lust auf eine Kuchenrunde), und während Kunden und Bekannte davon kosten, erfährt die Protagonistin so einige Details über die ungewöhnlichen Vorfälle, die dem „Trapper“ zugeschrieben werden. Unterstützung erhält sie dabei von dem Schotten Stewart, der für einen erfolgreichen Blog schreibt, der sich mit lokalen Ereignissen beschäftigt, während der Polizist (und ehemalige Kollege von Tabithas Vater) Leo Bishop nicht so begeistert davon ist, dass sie ihre Nase in seine Ermittlungen steckt. Während ich sonst eher genervt davon bin, wenn sich in einem Cozy eine Dreiecksgeschichte anbahnt, so fand ich hier das Verhältnis zwischen Tabitha und den beiden Männern, denen ihr Interesse gilt, wirklich nett zu verfolgen. Für Bishop schwärmt sie, seitdem sie ein Teenager ist, aber da er sie nur als Tochter seines verstorbenen Kollegen und (ehemals) beste Freundin seiner kleine Schwester sieht, ist zwischen den beiden nie etwas gelaufen. Stewart hingegen ist vor allem ein netter (und gutaussehender) Kerl, der viel Geduld mit Tabithas Macken aufbringt und sich trotz der Kürze ihrer Bekanntschaft als guter Freund erweist.

Überhaupt entsteht ein Großteil der amüsanten Szenen durch Tabithas Freundes- und Bekanntenkreis und durch die Selbstverständlichkeit, mit der die Autorin die verschiedenen Figuren in ihrer Geschichte auftauchten lässt. Tabithas feste Angestellte im Café ist eine furchteinflößende Person, die kein Verständnis für die Marotten ihrer Chefin hat, ihre ehemals beste Freundin beherrscht mehrere Kampfsportarten und befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen ihren Exfreund, Tabithas Vermieter hat auch diverse exzentrische Eigenarten und ihr Mitbewohner Ceege ist nicht nur ein begeisterter Gamer, sondern tauscht auch gern mit Tabitha Kleidung und Make up. Dabei werden die extremeren Charaktereigenschaften der Figuren eigentlich nur dann betont, wenn es um die Frage geht, ob Tabithas Freunde vielleicht irgendwie in den Fall verwickelt sein könnten.

Ein wenig schade fand ich es, dass der Täter und sein Motiv für mich doch ziemlich früh schon auf der Hand lagen, aber da der Kriminalfall nicht das Wichtigste an der Geschichte ist, konnte ich damit leben. Genau genommen konzentriert sich die Handlung in „A Trifle Dead“ mehr auf die verschiedenen Charaktere rund um Tabitha als auf den Kriminalfall, aber da all diese kleinen Szenen rund um die Beziehungen zwischen Tabitha und ihren Freunden, das Backen (und Essen) und den Schauplatz Hobart so liebevoll geschrieben sind, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Dieser Cozy ist kein absoluter „must read“, aber eine wunderbare Lektüre für entspannte Stunden und hat mir so gut gefallen, dass ich mir auch noch die beiden anderen Teile rund um das „Café La Femme“ besorgt habe.

Iori Fujiwara: Der Sonnenschirm des Terroristen

„Der Sonnenschirm des Terroristen“ von Iori Fujiwara ist einer dieser Romane, bei denen ich nicht mehr weiß, wo genau er mir untergekommen ist. Irgendwann hatte ich ihn spontan in der Bibliothek vorgemerkt, und da es so lange dauerte, bis mir ein Exemplar zur Verfügung gestellt werden konnte, hatte ich ihn schon wieder vergessen, als die Bereitstellungs-Mail bei mir ankam. Dabei ist „Der Sonnenschirm des Terroristen“ ein solider und unterhaltsamer Krimi, bei dem ich froh bin, ihn gelesen zu haben. Geschrieben hat Iori Fujiwara das Buch schon 1995 (angeblich, um von dem Gewinn durch die Veröffentlichung des Manuskripts seine Spielschulden bezahlen zu können), was man der Geschichte stellenweise auch anmerkt, wenn es um die Lebensumstände des Protagonisten Keisuke Shimamura, die Beschreibungen des Lebens in Japan und die alltäglichen (politischen) Vorgänge geht.

Der Roman beginnt mit einem ganz normalen Vormittag für Keisuke Shimamura und endet mit einer Bombe in einem öffentlichen Park, der mehrere Menschen zum Opfer fallen. Solch ein Ereignis wäre für jede Person traumatisierend, aber Shimamura muss nun befürchten, dass die Polizei (dank einer im Park liegengelassenen Whiskeyflasche) anhand seiner Fingerabdrücke feststellt, dass er eigentlich Shunsuke Kikuchi ist, der viele Jahre als Terrorist gesucht wurde. Während der ’69er Studentenproteste gehörte er zu einer Gruppe von Studenten, die an den Unruhen rund um die Tokyoter Universität beteiligt waren, und im Jahr 1971 wurde er in einen Vorfall verwickelt, bei dem ein Polizist durch eine Autobombe getötet wurde – seit diesem Jahr versteckt sich Shimamura vor den Behörden.

So ist es nicht verwunderlich, dass Shimamura beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln, wer für die Bombe im Park verantwortlich ist. Damit würde er nicht nur seine eigene Unschuld beweisen können, bevor die Polizei ihn in die Finger bekommen kann, sondern vielleicht auch den Grund herausfinden, warum einige Yakuza auf einmal Interesse an seiner Person haben. Da Iori Fujiwara seinen Protagonisten in den Tagen nach dem Bombenattentat durch die verschiedensten Stadtteile Tokyos schickt und mit den unterschiedlichsten Personen Kontakt haben lässt, ergibt sich für den Leser ein spannendes und interessantes Bild von Tokyo zu Beginn der 90er Jahre. Auch ist Shimamura ein faszinierender und trotz seines Alkoholismus ein sympathischer Protagonist, dessen Ermittlungen man gerne folgt. Seine bewegte Vergangenheit, sein unstetes Leben und die verschiedenen Personen, denen Shimamura im Laufe seiner Ermittlungen so begegnet, sorgen für ein atmosphärisches und facettenreiches Bild der japanischen Gesellschaft.

Insgesamt bekommt „Der Sonnenschirm des Terroristen“ so eine gewisse „noir“-Note, die mir wirklich gut gefallen hat und dafür sorgte, dass ich den Roman in einem Zug ausgelesen habe. Ich mochte Shimamura wirklich gern, auch weil er – trotz der Tatsache, dass er mitverantwortlich für den Tod eines Polizisten ist – eine nette Person ist und sich Gedanken um seine Mitmenschen macht. Ich muss allerdings auch zugeben, dass die Auflösung der Geschichte nicht nur sehr offensichtlich war, sondern auch einige Verknüpfungen zu viel beinhaltete. Wenn gefühlt jede vorhandene Person in irgendeiner Beziehung zur Tat, zu den Opfern und den Ermittlern steht, dann wird die Handlung halt doch etwas unglaubwürdig. Das ändert aber nichts daran, dass ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe und es etwas bedauere, dass diese Geschichte der einzige Roman des Autors war, denn ich hätte gern noch mehr von Iori Fujimara gelesen.

Sujata Massey: Die Tote im Badehaus (Rei Shimura 1)

„Die Tote im Badehaus“ von Sujata Massey gehört zu den Romanen, die einem wirklich immer unterkommen, wenn man nach Krimis sucht, die in Japan spielen. Die Autorin selbst ist eine deutsch-indische Engländerin, die einen Größteil ihrer Kindheit in Amerika verbracht hat und nach ihrem Studium zwei Jahre in Japan lebte, um dort die Sprache zu lernen – so ist es vermutlich nicht verwunderlich, dass ihre Hauptfigur Rei Shimura, die Handlung aus der Perspektive einer japanischstämmige Amerikanerin erzählt, die zwar ein Verständnis für die japanische Kultur mitbringt, aber doch für Japaner immer eine Ausländerin sein wird.

Rei arbeitet als Englischlehrerin für einen japanischen Konzern, und als sie einen Ort sucht, an dem sie über Neujahr Urlaub machen kann, wird ihr von ihrem Vorgesetzten eine kleine Pension empfohlen. Dort trifft die junge Frau auf eine bunte Mischung von Gästen, vom wohlhabenden japanischen Salaryman mit seiner Frau und seinem schottischen Geschäftsfreund über ein junges japanisches Ehepaar bis zu einer älteren amerikanischen Touristin, die kein Wort japanisch spricht. Schon am ersten Abend wird klar, dass die Gruppe nicht gerade gut miteinander harmoniert, doch dass Rei am nächsten Tag beim Morgenspaziergang über eine Leiche stolpert, hätte sie natürlich trotzdem niemals gedacht. In den folgenden Stunden wird Rei als unfreiwillige Übersetzerin für die Polizei in die ersten Vernehmungen verwickelt, und als sich dann herausstellt, dass die örtliche Polizei in dem Schotten Hugh den Hauptverdächtigen sieht, schnüffelt Rei recht hemmungslos im Leben aller Beteiligten rum, um mehr über die anderen Gäste der Pension und ihre möglichen Motive für einen Mord herauszufinden.

Ich hatte von enthusiastisch lobenden bis „Das war nett zu lesen“-Äußerungen eigentlich alles Mögliche zu „Die Tote im Badehaus“ mitbekommen und kann mich diesen positiven Aussagen leider nicht anschließen. Ein Punkt dabei ist, dass viele Rezensenten, die von diesem Roman angetan waren, betonen, dass es so spannend sei, mehr über den japanischen Alltag und das Leben als Ausländerin in Japan mitzubekommen, aber ich hatte nicht das Gefühl, ich würde besonders viel Neues erfahren. Vor zwanzig Jahren, als das Buch erschien, wäre das bestimmt anders gewesen, aber inzwischen habe ich zu viele Romane gelesen, die in Japan spielen (und von Japanern geschrieben wurden), und zu viele Blogs von Ausländerinnen, die in Japan leben. Auch fand ich den Kriminalfall nicht besonders spannend, da schon früh für mich feststand, dass all die Spuren, die die Autorin in Richtung organisiertes Verbrechen und Industriespionage legte, nur von einer bestimmten Person und einem relevanten Punkt im Leben der ermordeten Frau ablenken sollten.

Dazu kam, dass ich die Protagonistin nicht besonders sympathisch fand, was es mir eh immer schwer macht, mich auf einen auch sonst nicht so spannenden Roman einzulassen. Ich konnte weder die „Beziehung“ zwischen Rei und Hugh (dem schottischen Anwalt) nachvollziehen, noch ihr Verhältnis zu ihrem (schwulen) Mitbewohner Richard. Dieser ist angeblich Reis bester Freund, aber von der Tatsache abgesehen, dass er sich die Wohnung mit ihr teilt und ihre Gäste beschäftigen darf, während sie ermittelt, scheint er absolut keine Rolle in ihrem Leben zu spielen. Ich habe mich beim Lesen regelmäßig über Reis Verhalten und Gedanken aufgeregt, und der einzige Grund, warum ich „Die Tote im Badehaus“ nicht abgebrochen habe, war, dass ich nach all den positiven Rezensionen dachte, dass da noch irgendwas kommen müsste. In Nachhinein kann ich immerhin sagen, dass ich die Autorin ausprobiert und beschlossen habe, dass ich keinen weiteren Roman von ihr lesen muss.

Cherie Priest: I Am Princess X

„I Am Princess X“ von Cherie Priest (mit Illustrationen von Kali Ciesemier) gehört zu den Büchern, um die ich lange herumschlich, um dann festzustellen, dass ich sie doch kaufen muss. Erst saß der Titel sehr, sehr lange auf der Wunschliste, und nun lag er bestimmt sechs Wochen auf dem SuB. Vor allem lag dies daran, dass ich die Inhaltsangabe wirklich spannend fand und Angst hatte, dass der Roman meinen Erwartungen nicht gerecht werden würde. Außerdem hat es mir Spaß gemacht, mir Gedanken um die Auflösung der Geschichte zu machen (und das, bevor ich überhaupt Details der Handlung kannte *g*). „I Am Princess X“ dreht sich um May und Libby, die in der fünften Klasse Freundinnen werden, als sie gemeinsam Zeit vertrödeln müssen, weil sie nicht am Sportunterricht teilnehmen können.

Schon bei ihrer ersten Begegnung denken sie sich zusammen eine Heldin namens Princess X aus, die in einem Geisterhaus wohnt und ein Katana schwingt. In den folgenden Jahren sind May und Libby unzertrennlich und ihre gemeinsam geschaffenen Geschichten (mit Libby als Zeichnerin und May als Autorin) rund um Princess X nehmen einen ganzen Wandschrank in Libbys Schlafzimmer ein. Doch dann sterben Libby und ihre Mutter bei einem tragischen Unglück und ihr Vater verlässt von einem Tag auf den anderen Seattle. Wenig später muss May entdecken, dass ihr nach Libbys Tod nicht mal Princess X geblieben ist, da Libbys Vater alle Erinnerungen an seine Familie hat entsorgen lassen. Drei Jahre später stolpert May auf einmal überall in Seattle über Bilder von Princess X und auch in dem dazugehörigen Online-Comic gibt es Verweise auf Libbys Sturz von der Brücke und Andeutungen, dass Libby vielleicht noch am Leben sein könnte.

So ganz sicher war ich mir anfangs nicht, ob „I Am Princess X“ ein Jugendbuch über eine intensive Freundschaft ist oder gar ein Kriminalroman – am Ende kann ich sagen, dass beides der Fall ist. May verfolgt die in dem Comic versteckten Hinweise mit einer Starrköpfigkeit, die schon fast an Besessenheit grenzt – schließlich hat sie all die Jahre davon geträumt, dass Libby noch am Leben sein möge. Außerdem steht für sie fest, dass all diese Hinweise ganz eindeutig an sie gerichtet sind, weil sie sich auf Dinge beziehen, die die beiden Mädchen in der Vergangenheit gemeinsam erlebt haben. Gemeinsam mit dem Hacker „Trick“ (Patrick), den May kennenlernt, als sich ihr Laptop aufhängt, findet sie nicht nur mehr über die Hintergründe des Online-Comics heraus, sondern auch Details zu den Hinweisen, die der Öffentlichkeit sonst nicht zur Verfügung stehen.

Etwas schwierig fand ich dabei, dass May, obwohl sie eigentlich ein relativ normales und vertrauenswürdiges Mädchen ist (wenn man nach dem Verhalten ihres Vaters geht), sehr schnell bereit ist, Gesetze zu brechen, um an Informationen zu kommen. Es gibt Stellen in der Geschichte, wo ich erwartet hätte, dass sie erst einmal legale Möglichkeiten suchen würde, um an Daten zu kommen, statt gleich über Einbruchswerkzeug und Sicherheitsvorkehrungen in öffentlichen Gebäuden nachzudenken.Trotzdem fühlt sich die Handlung überraschend realistisch an, weil es May und Trick – trotz all der Hilfe, die sie durch „Princess X“ und ihren Verbündeten bekommen – Arbeit und eine Menge Fußwege kostet, um hinter die Geheimnisse des Comics zu kommen. Außerdem ist Trick zwar als Hacker gut genug, um (il)legal Informationen zu beschaffen, aber nicht so gut, dass er dies spurenlos auf die Reihe kriegt. So ziehen die beiden schnell Aufmerksamkeit auf sich, die ihr Leben in Gefahr bringt.

Mir hat „I Am Princess X“ sehr viel Spaß gemacht, obwohl mir einige Elemente schon fast zu schnell gelöst wurden, aber diese Schnelligkeit sorgte auch für durchgehend anhaltende Spannung. Ich mochte die innige Freundschaft zwischen May und Libby, mir gefielen die Geschichten, die sie sich zusammen ausgedacht haben ebenso wie die kleinen Anekdoten am Anfang rund um ihre gemeinsame Zeit. Besonders schön ist es, dass Seiten des Web-Comics im Roman zu sehen sind, auf denen man als Leser gemeinsam mit May nach Hinweisen Ausschau halten kann. Ebenso hat es mir gefallen, dass die Protagonisten relativ normale Charaktere mit Stärken und Schwächen sind, wobei sie – auch wenn sie die eine oder andere falsche Entscheidung treffen – so sympathisch sind, dass ich gern meine Zeit mit ihnen verbracht habe. Selbst die Hintergründe rund um den Unfall, den Libby hatte, erscheinen beim Lesen erstaunlich stimmig – auch wenn ich in Nachhinein den einen oder anderen Aspekt in Frage gestellt habe. Insgesamt hat mir „I Am Princess X“ einen spannenden Nachmittag beschert (und nun überlege ich, ob ich die Augen nach den Titeln der Autorin für Erwachsene aufhalte).

Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigates 1 – Black Cats and Butlers

„Black Cats und Butlers“ von Janine Beacham war eine ziemlich spontane Anschaffung, weil mir erst das hübsche Cover ins Auge fiel und mich dann der Klappentext so ansprach – und nun werde ich mir wohl die beiden bislang veröffentlichen Fortsetzungen auch noch kaufen müssen. 😉 Protagonistin der Geschichte ist Lady Rose Raventhorpe, die zu Beginn des Romans gerade ihren zwölften Geburtstag feiert. Während des Frühstücks liest sie davon, dass in den vergangenen Tagen zwei Butler ermordet wurden. Was dazu führt, dass sie sich nicht nur darüber aufregt, dass niemand den Tod der beiden Dienstboten bislang für erwähnenswert gehalten hätte, sondern auch große Angst um ihren eigenen Butler Argyle bekommt. Argyle ist Rose’s engste Bezugsperson und derjenige, der sie seit ihrer Geburt erzogen hat, da ihr Vater in wichtige politische Geschäfte involviert ist, während ihre Mutter den ganzen Tag damit beschäftigt ist, schön zu sein. Noch bevor der Tag zu Ende geht, wird auch Argyle ermordet, und Rose beschließt, alles dafür zu tun, um den Mörder ihres Butlers zu stellen.

Trotz dieser traurigen Ausgangssituation ist „Black Cats and Butlers“ ein wundervolles Wohlfühlbuch, das ich gar nicht aus der Hand legen wollte, als ich es erst einmal angefangen hatte. Rose ist eine stimmige Protagonistin, die auch keine Hemmungen hat, den Namen ihrer Familie oder ihren Reichtum zu nutzen, wenn sie an Informationen gelangen will. Erst nach Argyles Tod entdeckt sie all die Geheimnisse, die ihr Butler hatte, und schämt sich sehr dafür, dass sie ihn ihr Leben lang als so selbstverständlich angesehen hat. Trotzdem drängt sie nicht diese Scham zu ihren Ermittlungen, sondern die feste Überzeugung, dass ein Mörder gefasst werden muss, dass es zu keinen weiteren Attentaten auf Butler kommen darf und dass eine Raventhorpe alles tun muss, um ihre Stadt zu retten. Denn nicht nur die Morde an den Butlern beunruhigen Rose, sondern auch das allmähliche Verschwinden der Katzenstatuen, die der Legende nach über die Stadt wachen sollen.

Ich mochte nicht nur Rose, sondern auch all die anderen Figuren in dieser Geschichte. Rose‘ (etwas ältere) Freundin Emily, ihr Kleidungsstil und ihre Begeisterung für alles, was unheimlich, düster und schwarz ist, ist großartig. Die ganzen Butler, die Rose während ihrer Ermittlungen kennenlernt – inklusive der dazugehörigen Geheimgesellschaft, die Duelle und die aufbrausenden Temperamente (selbstverständlich nie im Dienst!) – sind nicht nur wundervoll induviduelle Figuren, sondern auch eine großartige Idee. Ich werde nie wieder in Romanen oder Filmen einem Butler begegnen können, ohne mich zu fragen, wie gut er wohl mit dem Schwert ist. 😉 Überhaupt ist die Welt, die Janine Beacham da erschaffen hat, sehr atmosphärisch geworden. Ihre Stadt Yorke verfügt über eine wunderbar viktorianische Atmosphäre und es gibt sehr schöne Beschreibungen der verschiedenen Viertel und Geschäfte, der Katzenstatuen und all der anderen Dinge, die einem Ort Leben verleihen.

Die Prophezeiung rund um das Schicksal von Yorke, wenn die Katzen verschwinden und die Wächter versagen sollten, ist eigentlich das einzige „fantastische“ in der Geschichte. Aber sie zieht sich durch den gesamten Roman und ist ungemein wichtig für die (teilweise sehr düstere) Atmosphäre und dient als Vorausetzung für so viele Elemente. Als Ausgleich dazu gibt es sehr viele amüsante Szene – schließlich ist „Black Cats and Butlers“ immer noch ein Kinderbuch – rund um die verschiedenen Figuren und die Enthüllungen, die Rose während ihrer Ermittlungen macht. Ich mochte es sehr, wie Janine Beacham es geschafft hat, gleichzeitig dafür zu sorgen, dass ich mir Sorgen um Rose, mögliche weitere Opfer und die Stadt machte, während ich mich auf der anderen Seite wunderbar amüsierte und das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte, weil ich mich damit so wohlfühlte und ich wissen wollte, was als Nächstes passiert. Sehr schön war es auch, dass ich – während ich sonst häufig bei „Kriminalromanen“ für Kinder die Auflösung schon lange vor Ende der Geschichte weiß – hier mehr als eine überraschende Wendung bezüglich der möglichen Täter und ihrer Motive erleben durfte. Ich freu mich sehr auf die zwei weiteren Romane mit Rose und den Butlern von Yorke und bin gespannt, wie viele Abenteuer diese ungewöhnliche Detektivin wohl noch erleben wird.

Charlotte MacLeod: Madoc and Janet Rhys 5 – The Wrong Rite (Hörbuch)

„The Wrong Rite“ von Charlotte MacLeod ist die letzte Geschichte rund um Madoc und Janet Rhys. Inzwischen sind die beiden seit sechs Jahren verheiratet und haben eine acht Monate alte Tochter, die mitkommen durfte, als Janet und Madoc nach Wales fliegen, um den 90sten Geburtstag von Madocs Großonkel Sir Caradoc Rhys zu feiern. Während Janet sich etwas erschlagen von all den angeheirateten Verwandten fühlt, die sich zur Geburtstagsfeier versammeln, muss sich Madoc mit der Frage auseinandersetzen, wer in der alten Kapelle auf dem Anwesen ein Schaf geopfert haben könnte und was es mit dem Geist eines Druiden auf sich hat, der im Herrenhaus zu spuken scheint. Nachdem Madocs Verwandtschaft den Tod des Schafes noch zugunsten einer harmonischen Geburtstagsfeier vertuschen kann, kommt es am Abend des Festes zu einem ungewöhnlichen Todesfall, bei dem die örtliche Polizei nur zu gern den Mountie Madoc Rhys als zusätzlichen Ermittler heranzieht.

Wie so oft in ihren Romanen konzentriert sich Charlotte MacLeod auch in „The Wrong Rite“ erst einmal darauf, die beteiligten Personen – in diesem Fall Madocs walisische Familie – und die Umgebung näher vorzustellen. Insgesamt scheint der walisische Teil der Familie Rhys ein kunterbunter und sympathischer Haufen zu sein, auch wenn es natürlich – wie es sich nun einmal für Familienfeiern gehört – Personen gibt, die die Geduld der Anwesenden über das tolerierbare Maß strapazieren. Ich mochte an diesem speziellen Fall, dass Madoc theoretisch mit allen Beteiligten vertraut ist, sich aber im Laufe der Ermittlungen eingestehen muss, dass gemeinsame Kindheitserinnerungen und regelmäßig Treffen bei Familienfeiern nicht ausreichen, um einen Menschen wirklich gut zu kennen.

Wie immer bei einer Charlotte-McLeod-Geschichte habe ich den Humor und die vielen kleinen Szenen, in denen man die verschiedenen Charaktere besser kennenlernt, bei „The Wrong Rite“ sehr genossen. Obwohl sich der Anfang etwas hingezogen hat, weil dieses Mal nicht nur der Leser, sondern auch Janet Rhys all die Personen neu kennenlernte und es deshalb relativ viele erklärende Passagen in der Geschichte gab, habe ich auch diesen relativ langsamen Einstieg gemocht. Für mich reichten die diversen treffenden und nicht selten spitzen Bemerkungen während dieser erklärenden Absätze, um mich gut zu amüsieren und neugierig auf weitere Figuren und Szenen zu bleiben. Am Ende gibt es noch die eine oder andere unvorhersehbare Wendung in der Handlung, bis der Fall zufriedenstellend gelöst und alle Probleme der Beteiligten (natürlich von den Übeltätern abgesehen) beseitigt sind.

William Dufris hat auch dieses Hörbuch in seiner gewohnten Qualität gelesen. Ich musste mich ja beim ersten Hörbuch erst einmal an diesen Sprecher gewöhnen, bin aber inzwischen eigentlich sehr zufrieden mit seiner Art, eine Geschichte zu lesen. Allerdings muss ich schon anmerken, dass es bei „The Wrong Rite“ stellenweise überraschend schwierig, war die ganzen walisischen Rhys-Männer auseinanderzuhalten, weil der Sprecher sie alle (natürlich) mit demselben walisischen Akzent und der selben sanften Stimmlage ausgestattet hat. Was mich mal wieder sehr froh darüber sein ließ, dass Charlotte MacLeod oft genug die Namen der jeweiligen Personen einfließen ließ, dass ich trotzdem den Überblick bei den Dialogen behielt. Ich nehme nur ungern Abschied von Janet und Madoc Rhys, da ich die beiden Protagonisten und ihr Umfeld wirklich gern mag. Auf der anderen Seite bin ich nun auch neugierig auf die letzten mir noch unbekannten Geschichten von Charlotte MacLeod – mal schauen, wann es zeitlich klappt, dass ich mich auf die Ereignisse rund um den „Grub and Stakers“-Gartenclub einlassen kann.

Amanda Cross: Eine feine Gesellschaft (Kate Fransler 3)

Auch „Eine feine Gesellschaft“ von Amanda Cross (eigentlich Carolyn Heilbrun) gehört zu den Krimis, die ich gelesen habe, weil ich herausfinden wollte, ob mir diese Reihe noch gefällt. Da es keine Reihenangaben auf meinen dtv-Ausgaben gibt, habe ich einfach einen Band aus dem Regal gefischt, dessen Klappentext mich ansprach. Schließlich habe ich die Bücher früher mehrfach gelesen, so dass ich auch dann mit den Figuren und ihrer aktuellen Situation zurechtkomme, wenn ich nicht mit dem ersten Band anfange. Die Kriminalromane von Amanda Cross drehen sich alle um die Literaturprofessorin Kate Fransler, die gemeinsam mit ihrem Bekannten (bzw. späteren Ehemann) Reed Amhearst Fälle löst. All diese Fälle spielen im akademischen Milieu, und auf die Lösungen kommt Kate, während sie sich mit den verschiedenen Beteiligten unterhält (wobei in die Gespräche immer wieder literarische Anspielungen und Zitate eingeflochten werden).

Die Handlung von „Eine feine Gesellschaft“ spielt während der Studenten-Demonstrationen im Jahr 1968 (der Roman wurde 1970 erstveröffentlicht) und die Forderungen und Handlungen der Studenten haben die Universität, an der Kate Fransler lehrt, zutiefst erschüttert. Während die Verwaltung und der Lehrkörper noch versuchen, mit all den Veränderungen umzugehen, gibt es gleichzeitig eine Gruppierung unter den Professoren, die im Rahmen der Neuordnung auch das „University College“ abschaffen wollen. Dabei waren es gerade die Studenten des University College (wo ältere und in der Regel berufstätige Studenten Kurse belegen), die sich von den Unruhen ferngehalten und weiter ihre Lehrveranstaltungen besucht haben. Noch bevor dieser Konflikt geklärt werden kann, wird Professor Cudlipp – der Organisator dieser Abspaltungsbestrebungen – auf Kates Verlobungsparty ermordet.

Ich muss gestehen, dass ich eine Schwäche für „akademische“ Krimis habe, und die Zeit, in der die Autorin ihre Geschichte spielen lässt, sehr spannend finde. Auf der anderen Seite sind die Gespräche zwischen Kate und all den anderen Akademikern dank der vielen Anspielungen, Zitate und Abschweifungen häufig nicht gerade flüssig zu lesen. Vor allem ist Kate Fransler eine Anhängerin des Schriftstellers W. H. Auden, was zu einem sehr häufigen Zitieren und Verweisen auf seine Werke führt und stellenweise so gehäuft vorkommt, dass ich den Namen Auden irgendwann kaum noch sehen konnte. Da Carolyn Heilbrun selbst Professorin für englische Literaturwissenschaft war, habe ich mich zwischendurch gefragt, ob sie und ihre Kollegen sich Ende der 60er Jahre wirklich so unterhalten haben oder ob die Autorin die „unterhaltsame“ Überspitzung dieses intellektuellen Austauschs doch etwas übertrieben hat.

Auch gibt es stellenweise Bemerkungen, die ich heutzutage bei einem Autor deutlich kritisieren würde, weil ich sie als sexistisch oder abwertend empfinde, während sie hier amüsant sein sollen. Aber da ich hier das Gefühl habe, dass ich bei diesen Punkten auch die Zeit, in der der Roman geschrieben wurde, und den Stand der damaligen feministischen Debatte oder bei der Auseinandersetzungen mit anderen Kulturen in Betracht ziehen muss, kann ich diese Aussagen nicht so verdammen, wie ich es sonst tun würde. Vor allem, da im restlichen Text deutlich wird, dass Amanda Cross bei diesen Passagen eigentlich den traditionellen Universitätsbetrieb mit all seinem elitären Gehabe an den Pranger stellen und darauf aufmerksam machen will, dass auch solche Institutionen – bei aller Sentimentalität über den Reiz eines solchen geschützten Elfenbeinturms – dringend moderner, offener und gleichberechtiger werden müssen.

Trotz all dieser Kritik an den Dialogen, der Masse an Zitaten und einigen Ausdrücken muss ich zugeben, dass ich mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt habe. Ich mochte die verschiedenen Figuren – gerade weil so viele von ihnen so sehr von ihrem Spezialgebiet besessen sind, dass sie es in fast jedes Gespräch einfließen lassen. Mir gefiel die Selbstironie, mit der viele der Professoren über sich und ihr Fach redeten. Außerdem mochte ich das Verhältnis zwischen den verschiedene Personen inklusive der Offenheit, mit der auch schon mal zugegeben wurde, dass man sein Gegenüber nicht leiden kann. Dazu kommen noch unterhaltsame Elemente wie die subversiven Fahrstühle und ein ungewöhnlicher Fall, bei dem der Leser schon früh die verschiedenen Beteiligten und ihre Standpunkte kennenlernt. Dabei bleibt das Motiv lange Zeit ebenso undurchsichtig wie der Zeitpunkt, an dem die „Mordwaffe“ in den Besitz des Toten gekommen sein könnte, und man darf von diesem Roman am Ende keine klassische Auflösung des Falls erwarten. Nach diesem erneuten Lesen läuft mein Fazit darauf hinaus, dass Amanda Cross zwar nicht gerade zu meine Lieblings-Krimiautorinnen gehört, aber ihre Romane bleiben trotzdem noch eine Weile in meinem Regal, weil sie in meiner „Sammlung“ zu den einzigen ihrer Art gehören und ein interessantes Zeugnis ihrer Zeit darstellen.