Schlagwort: Sachbuch

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: Komisch, alles chemisch!

Da ich immer wieder an den Youtube-Videos von Mai Thi Nguyen-Kim hängenbleibe, habe ich mir vor einigen Wochen ihr Buch „Komisch, alles chemisch! Handys, Kaffee, Emotionen – wie man mit Chemie wirklich alles erklären kann“ vorgemerkt, um zu schauen, ob ich sie in Buchform ebenso informativ und unterhaltsam finde. Vorweg kann ich schon mal eins sagen: Informativ ist das Buch, aber nicht ganz so unterhaltsam wie die Videos – was natürlich auch an den unterschiedlichen Möglichkeiten der verschiedenen Medien liegt und Mais stakkatoartige Sprechweise wirkt für mich besser, als wenn ich einen vergleichbaren Text lese.

Die Autorin hangelt sich in „Komisch, alles chemisch!“ an ihrem persönlichen Tagesablauf entlang, um auf die vielen kleinen und großen alltäglichen Dinge aufmerksam zu machen, bei denen wir mit Chemie zu tun haben, ohne dass es uns in der Regel bewusst ist (oder zumindest ohne dass wir normalerweise darüber nachdenken, welche chemischen Abläufe da gerade passieren). Für mich hätte es diesen persönlichen roten Faden durchs Buch nicht benötigt – vor allem, da der eine oder andere Übergang, ebenso wie einige der Beispiele, doch etwas sehr bemüht wirken. Aber insgesamt sorgt diese „Geschichte“, die die verschiedenen Elemente miteinander verbindet, dafür, dass sich „Komisch, alles chemisch!“ trotz einer Flut von Informationen gut und flüssig lesen lässt (was man ja leider nicht so oft von deutschen Sachbüchern sagen kann).

Ein bisschen habe ich mich beim Lesen gefragt, für wen das Buch eigentlich gedacht ist, weil es – aufgrund der Vielfältigkeit der verschiedenen Beispiele von „Alltagschemie“ – viele Themen nur flüchtig streifen kann. Das hat bei mir angenehmerweise dafür gesorgt, dass ich mir erstaunlich schlau vorkam, weil ich feststellen durfte, dass ich beim Lesen überraschend viel Schulwissen (Chemie war bei mir Abi-Pflichtfach) abrufen konnte, obwohl ich mich damit in den vergangenen Jahrzehnten nicht gezielt beschäftigt habe. Am Ende würde ich sagen, dass „Komisch, alles chemisch!“ eine Art Speed-Dating mit der Chemie ist für Leute, die bislang noch nicht viel mit dem Thema zu tun hatten. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass Mai Thi Nguyen-Kim damit bei dem einen oder anderen Leser, der Chemie bislang abschreckend oder uninteressant fand, Neugier geweckt hat – und das ist schließlich genau das, was sie mit diesem Buch und ihren Videos beabsichtigt.

Erika Fatland: Die Grenze – Eine Reise rund um Russland …

… durch Nordkorea, China, die Mongolei, Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien, die Ukraine, Weißrussland, Litauen, Polen, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen sowie die Nordostpassage. Über „Die Grenze“ von Erika Fatland bin ich bei Helma gestolpert, die das Buch erst auf Twitter und später in ihrem Blog so sehr gelobt hatte, dass ich es spontan in der Bibliothek vorgemerkte. Die Autorin beginnt ihren Reisebericht mit der – im Vergleich zu den restlichen Erlebnissen – überraschend entspannten Seefahrt entlang der Nordostpassage, und schon hier hat mich die Erzählweise der Autorin gut unterhalten. Erika Fatland hat ein Händchen dafür, ihre Reiseerlebnisse inkusive diverser Anekdoten zu den verschiedenen Menschen, denen sie während der Reihe begegnet, mit einer gut lesbaren Zusammenfassung der Historie einer Region zu vermischen. So lernt man nicht nur Land und Leute durch die Augen der Autorin kennen, sondern kann die verschiedenen Erlebnisse auch in einen Zusammenhang mit der Geschichte und der aktuellen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Region bringen.

Das Buch wurde von Erika Fatland in vier Abschnitte („Das Meer“, „Asien“, „Kaukasus“ und „Europa“) unterteilt, wobei die Autorin den letzten Teil ihrer Reise – die Reise entlang der Nordostpassage – als Einleitung ihres Berichts gewählt hat. Doch egal in welchem Gebiet entlang der russischen Grenze sich der Leser mit Erika Fatland bewegt, immer wird deutlich, wie sehr sich diese Grenze im Laufe der Zeit verschoben hat, wie groß Russlands Einfluss auf die Nachbarländer in den vergangenen Jahrhunderten war und wie wenig sich doch daran in den vergangenen Jahren geändert hat, auch wenn es die UdSSR schon lange nicht mehr gibt. Dabei muss man sich nicht einmal ein so gravierendes Beispiel wie die Ereignisse in den letzten Jahren auf der Krim-Halbinsel vor Augen führen. Auch ohne den Einsatz von Soldaten gibt es in „Die Grenze“ viele Beispiele, wie Russland auch heute noch die Länder auf der anderen Seite der Grenze durch seine wirtschaftliche oder politische Macht beeinflusst.

Ich muss gestehen, dass ich erwartet hatte, dass ich den asiatischen Teil des Reiseberichts am spannendsten finden würde, weil ich in der Region nicht besonders bewandert bin, wenn es um die Geschichte der verschiedenen Länder geht. Aber am Ende gibt es eigentlich kein Kapitel, das ich weniger spannend fand als die anderen. Selbst rund um Nordkorea – wo man einfach eingestehen muss, dass jede Person, die jemals in Pjöngjang gewesen ist, dasselbe zu erzählen hat – gab es in „Die Grenze“ so einiges Neues für mich zu entdecken, weil es der Autorin gelungen ist, in Gebiete außerhalb der Hauptstadt zu fahren und diese Erlebnisse dann in ihrem Bericht geschickt mit den historischen Ereignissen zu verknüpfen. Es war wirklich spannend, die verschiedenen Länder zu entdecken und dabei die ganze Zeit die Frage nach ihrer Verbindung zu Russland im Hinterkopf zu halten. Außerdem hat es mir (obwohl einige Berichte wirklich erschütternd waren) viel Freude gemacht, all die verschiedenen Menschen kennenzulernen, denen Erika Fatland während ihrer Reise begegnet ist und die einen Platz in diesem Buch bekommen haben.

Auch wenn ich nach dem Lesen ein wenig überfordert war mit all den Daten und Fakten über die Geschichte dieser vielen verschiedenen Länder, so gibt es doch viele Details und Personen, die einen bleibenen Eindruck bei mir hinterlassen haben. Schuld daran ist die wirklich flüssige und nachvollziehbare Erzählweise von Erika Fatland, der es gelungen ist, einen persönlichen Blick auf all die Menschen, Städte und Landschaften zu werfen, ohne mir als Leser dabei das Gefühl zu geben, sie würde mir ihre Sicht aufdrängen. Selbst bei den Passagen, in denen deutlich wird, dass sie überfordert und übermüdet war und nicht glücklich mit ihrem aktuellen Aufenthaltsort, gelingt es ihr, nicht nörgelig zu klingen, sondern genügend Abstand zu diesem Punkt der Reise aufzubauen, um deutlich zu machen, dass ein Teil dieses Eindrucks eben aufgrund ihrer Verfassung entstanden sein könnte. Ich bin wirklich begeistert von Erika Fatlands Art, ihre Reiseerlebnisse mit der Geschichte der jeweiligen Region zu verbinden und dem Leser so einen (groben) historischen Überblick und gleichzeitig einen persönlichen Blick auf die vielen Länder entlang der russischen Grenze zu bieten. Und weil ich so angetan von „Die Grenze“ war, habe ich gleich noch „Sowjetistan“ von der Autorin in der Bibliothek vorgemerkt, obwohl ich mich im kommenden Jahr doch eigentlich auf die Sachbücher von meinem SuB konzentrieren wollte.

Kristin Hahn/Sigrid Jacobeit: Brennender Stoff – Jüdische Konfektionäre vom Hausvogteiplatz

Ende letzten Jahres habe ich einiges über die Ausstellung „Brennender Stoff“ mitbekommen, und da ich nicht nach Berlin fahren konnte, um sie mir anzuschauen, habe ich mir das Begleitbuch zur Ausstellung besorgt. Leider habe ich mich dann beim ersten Anlesen etwas über die Einleitung geärgert, so dass es einige Zeit dauerte, bis ich das Buch wieder in die Hand nahm, obwohl ich das Thema grundsätzlich wirklich interessant finde (und mir in diesem Jahr auch von Brundhilde Dähn den Titel „Hausvogteiplatz“ besorgt habe, auf den hier oft verwiesen wird). In „Brennender Stoff“ wird die Entwicklung des Hausvogteiplatzes (bzw. der dort vor dem Zweiten Weltkrieg angesiedelten jüdischen Bekleidungsfirmen) beschrieben.

In dem Kapitel „Mode schaffen – Mode zerstören“ wird zum Beispiel von Marian Vatter erläutert, wie es überhaupt dazu kam, dass sich dank des Emanzipationsedikts von 1812, das Juden in den vier Provinzen Brandenburg, Schlesien, Pommern und Ostpreußen Gewerbefreiheit gewährte, so viele jüdische Schneider in Berlin sammelten, und wie diese im Laufe der folgenden Jahrzehnte durch das Zwischenmeistersystem (bei dem Aufträge an kleine Firmen vergeben werden, die wiederum Heimarbeiterinnen beschäftigen) kostengünstig in größeren Mengen Mode produzieren konnten. Diese effizente Herstellungsweise sorgte – ebenso wie die „Anlehnung“ der Designs an Pariser Modelle – für eine Ausweitung des Berliner Modemarktes ins Ausland, so dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Berlin hergestellte Kleidung in Amerika, England, Holland, Russland, Skandinavien und der Schweiz getragen wurde.

Mit „Heimnäherinnen“ geht Paula Hausmann näher auf die Rolle all der Frauen ein, die die (schlecht bezahlte) Grundlage für das Zwischenmeistersystem bildeten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Heimarbeiterinnen im Vergleich zu ihren Kolleginnen in den Konfektionswerkstätten deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen hatten. Sie wurden durch keinerlei Gesetz geschützt, wurden nach Stückzahl und nicht nach Arbeitszeit bezahlt, und wenn ihr Zwischenmeister keine Aufträge hatte, gab es auch kein Einkommen für sie. Außerdem mussten sie sich selbst eine teure Nähmaschine anschaffen, um überhaupt Aufträge als Heimnäherin zu bekommen, denn das Nähen mit der Hand war nach ca. 1850 im Vergleich zur Arbeit mit der Maschine weder schnell genug noch präzise genug.

Die folgenden beiden Kapitel („Vergessene Pioniere vom Hausvogteiplatz“ von Lisa Schellig und „Das Warenhaus N. Israel“ von Siggi Meyhöfer) konzentrieren sich auf die jüdischen Modehäuser Hermann Gerson, Valentin Manheimer und Nathan Israel und ihre Entwicklung von der Gründung Anfang des 18. Jahrhunderts an bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten bzw. den weiteren Verlauf der Geschäfte in den Händen nazitreuer neuer Besitzer/Geschäftsführer. Ein bisschen habe ich hier die Verweise auf das Zwischenmeistersystem und die Heimnäherinnen vermisst, während der Schwerpunkt der Autorinnen sehr auf den Erfolgen und Errungenschaften der Familienunternehmen lag (inklusive der für ihre Zeit sehr fortschrittlichen Versorgung der direkten Angestellten mit Versicherungen und Weiterbildungen).

„Berlin wird Modestadt – Förderung der Mode“ (von Melanie Mengay) dreht sich um die Gründung des „Verein Mode-Museum e. V. Berlin“ und weiterer Organisationen, die sich für eine Zusammenarbeit der verschiedenen Modeindustrien, den Austausch untereinander und Veranstaltungen rund um das Thema bemühten. „Mode und Medien – Eine Symbiose“ (erneut von Marian Vatter) hingegen geht auf das Zusammenspiel zwischen den Konfektionshäusern und dem Theater- bzw. Filmmilieu ein, das sich nicht nur darin äußerte, dass ganze Filme von einzelnen Konfektionären ausgestattet wurden, sondern auch darin, dass berühmte Schauspieler.innen für bestimmte Modehäuser warben. Ich muss gestehen, dass mir die Entdeckung, dass es das Theatergenre „Konfektionsposse“ gab, beim Lesen dieses Kapitels große Freude bereitet hat.

In „Mode und Emanzipation“ geht Sarah Gubitz auf den kurzen Aufschwung der Frauenrechte in den 1920er Jahren ein, als ein gestiegenes Angebot an Arbeitsplätzen für Frauen (gerade im städtischen Umfeld) dem weiblichen Teil der Bevölkerung größere Unabhängigkeit ermöglichte. Die in dieser Zeit erkämpften Rechte und Möglichkeiten für Frauen fielen aber wenig später der Politik der Nationalsozialisten zum Opfer – was sich auch bei einem Vergleich der Modeströmungen in diesen Jahrzehnten zeigt. Das Kapitel „Arisierung“ (von Sandra Zangerl) zeigt die Mechanismen auf, die dazu führten, dass innerhalb von gerade mal sechs Jahren die einfluss- und erfolgreichen jüdischen Konfektionäre vom Hausvogteiplatz vertrieben wurden. Dabei geht die Autorin nicht nur auf die geänderte Gesetzgebung, sondern auch auf die Propaganda der Nationalsozialisten und die Rolle, die zum Beispiel das Archiv der IHK dabei spielte, ein. Abschließend wirft das Kapitel „Die Familie Wolff – Enteignung und Rückführung eines jüdischen Besitzes“ (von Vera Braun und Katharina Giertz) noch einen Blick auf den Versuch von Dina Gold, einer Nachfahrin der Familie Wolff, mehr über das Schicksal ihrer Familie während des Zweiten Weltkriegs herauszufinden, während der Text „Der Hausvogteiplatz nach dem Zweiten Weltkrieg“ (von Jonathan Irrgang) die Entwicklung des Hausvogteiplatzes in der DDR und nach der Wiedervereinigung schildert.

Ich finde das Thema (Berliner) Modegeschichte grundsätzlich interessant, muss aber zugeben, dass ich mit dieser Veröffentlichung nicht immer so ganz glücklich war. Dadurch, dass die Texte von unterschiedlichen Autor.innen verfasst wurden, gibt es deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Kapiteln. Diese zeigen sich nicht nur in der inhaltlichen Aufbereitung der unterschiedlichen Themen, sondern auch in der Sprache und Strukturierung der verschiedenen Beiträge. Besonders bedauerlich fand ich es, dass ich stellenweise über Aussagen gestolpert bin, die mehr von Vorurteilen als von einem aktuellen Wissensstand zum Thema historische Mode zeugten. Was mich aber vor allem geärgert hat, war eine Anmerkung der Herausgeberinnen im Vorwort, in dem darauf verwiesen wurde, dass die Texte „nur“ von Studierenden verfasst wurden (und man deshalb keine zu hohen Ansprüche an die Qualität stellen sollte), während ich mich frage, warum die beiden als Leiterinnen dieses Projekts dann nicht mit den Autor.innen daran gearbeitet haben, dass alle Texte vor ihrer Veröffentlichung inhaltlich und stilistisch ein angemessenes Niveau erreichen.

Barbara Achermann: Frauenwunderland – Die Erfolgsgeschichte von Ruanda

Auf den Titel „Frauenwunderland – Die Erfolgsgeschichte von Ruanda“ von Barbara Achermann bin ich bei Neyasha gestoßen, die das Buch während des Herbstlesens erwähnt hatte. In diesem Sachbuch konzentriert sich die Autorin vor allem darauf, Frauen aus Ruanda vorzustellen, wie die über hundertjährige Zula, die nicht nur die Kolonialzeiten miterlebt hat, sondern auch während des Völkermords unzählige Menschen in ihrem Haus versteckt und so deren Leben gerettet hat. Oder die junge Musikerin Teta, die früh beide Eltern verlor und nun neben der Musik verschiedene Geschäftsideen ausprobiert, um über die Runden zu kommen und für Notfälle ein zweites Standbein parat zu haben. Einige der vorgestellten Frauen haben einflussreiche Positionen wie Espérance Nyirasafari, die zum Zeitpunkt des Interviews als Ministerin für „Gender and Family Promotion“ verantwortlich war (und inzwischen Sport- und Kulturministerin ist), doch fast alle von ihnen haben gemeinsam, dass sie nach dem Völkermord ohne Ehemänner oder Väter dastanden, die ihr Leben bestimmten, und deshalb aus eigener Kraft (und im besten Fall mit anderen Frauen zusammen) einen Weg finden musste, um zu (über)leben.

Mithilfe dieser vielen verschiedenen Frauen beschreibt Barbara Achermann ein Land, das in den vergangenen 20 Jahren unglaubliche Fortschritte erzielt hat, auch wenn man nicht verschweigen darf, dass die autoritäre Regierung in Ruanda alles andere als vorbildlich ist, wenn es um das Thema Menschenrechte, um eine eventuelle Opposition und Ähnliches geht. Was natürlich die Frage aufwirft, wie sehr man die Entwicklung Ruandas loben darf, wenn ihre Schattenseiten in der Unterdrückung (und Ermordung) von Oppositionspolitikern und kritischen Journalisten besteht oder wenn all die schönen sauberen Straßen vermutlich nur deshalb so vorbildlich ausschauen, weil jeder Mensch, der dort Anstoß erregen könnte, inhaftiert wurde. Spannend fand ich auch die Passagen, in denen über die Folgen der unübersehbaren Emanzipierung der Frauen auf die Männer geschrieben wurde und wie schwer es für einen Teil von ihnen ist, dass ihre Frauen nun auch Raum in der Berufswelt einnehmen und über mehr Bildung und Selbstbewusstsein verfügen.

Doch vor allem interessierten mich die verschiedenen Personen, die im Rahmen dieses Buches vorgestellt werden, ebenso wie die Folgen, die dieser (kommerzielle) Erfolg der Frauen auf die gesellschaftliche und politische Situation von Ruanda hatte und bis heute hat. Allerdings liegt mir der Stil, in dem Barbara Achermann die verschiedenen Personen vorstellt, nicht, was natürlich mein ganz eigenes Problem ist. Dieser ganz spezielle journalistische Stil soll dafür sorgen, dass der Journalist den Leser auf seine Reise mitnimmt und ihm so das Recherchierte und Erlebte näherbringt. Doch bei mir führt diese Schreibweise immer nur dazu, dass ich das Gefühl habe, ich würde mindestens ebenso viel über die Befindlichkeiten und Abneigungen des Autors/der Autorin erfahren wie über das eigentliche Thema. Am Ende werde ich dann nur ungeduldig mit dem Buch und mit Barbara Achermann, mit ihrer Sicht auf Afrika, mit den Untertönen, die bei ihren Beschreibungen oft mitschwingen, und wünschte mir, dass das Thema, um das es sich doch eigentlich dreht, mehr Raum in der Veröffentlichung bekommen hätte.

Obwohl ich viele der vorgestellten Frauen vorher nicht kannte, hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, ich hätte so viel Neues über Ruanda erfahren. Dabei muss ich erwähnen, dass ich in den vergangenen Jahren regelmäßig Artikel (zum Großteil aus dem englischsprachigen Raum) gelesen habe, in denen von Unternehmerinnen in Ruanda erzählt wurde und davon, welche Auswirkungen ihr geschäftlicher Erfolg auf das Land hat. Wer aber keinerlei Vorwissen hat, wenn es um dieses Land geht, um die Folgen der Kolonialisierung (durch Deutschland und Belgien), um den Völkermord, der 1994 an den Tutsi begangen wurde, darüber, wie die Rolle der Frau vor gerade mal zwei Jahrzehnten in Ruanda noch ausschaute und wie sehr sich die Frauen in den vergangenen 25 Jahren emanzipiert haben, der ist mit „Frauenwunderland – Die Erfolgsgeschichte Ruandas“ sehr gut bedient. Das Buch bietet einen leicht zu lesenden Einstieg in die Geschichte des Landes, konzentriert sich dann auf all die Frauen, die in den vergangenen Jahren – mithilfe einer autoritären Regierung – zum Motor eines tiefgehenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fortschritts von Ruanda wurden, und lässt auch die Schattenseiten dieser an sich großartigen Entwicklung nicht aus.

Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo: Poor Economics – Plädoyer für ein neues Verständnis von Armut

Ich muss gestehen, dass ich auf „Poor Economics“ aufmerksam wurde, als bekannt wurde, dass der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis an Abhijit V. Banerjee „und seine Frau“ verliehen wird, wie ein englischsprachiges Wirtschaftsmagazin so schön formulierte. Weil es mich wütend gemacht hat, dass Esther Duflo in dieser Schlagzeile nur als Anhängsel erwähnt wurde, habe ich versucht, etwas mehr über die beiden Wissenschaftler und ihre Arbeit herauszufinden. Dabei bin ich über „Poor Economics“ gestolpert, fand, dass das Buch sehr interessant klingt, und habe es deshalb spontan in der Bibliothek ausgeliehen. Dabei muss ich betonen, dass der Titel im Original schon 2011 veröffentlicht wurde, was ich mir beim Lesen immer wieder ins Bewusstsein rufen musste, weil die meisten zitierten Studien vor 2010 stattfanden. Ein bisschen frage ich mich daher schon, welche der dort dargestellten Informationen sich schon wieder als veraltet herausgestellt haben und welche nicht.

Außerdem muss ich zugeben, dass Wirtschaftswissenschaften so gar kein Thema sind, das mich bislang interessiert hat. Ich habe keinerlei Vorbildung in dem Gebiet, was bedeutet, dass das, was die beiden Autoren in ihrem Buch geschrieben haben, für mich vollkommen neue Wissensfelder betrifft. Umso spannender fand ich, dass ich den verschiedenen Kapiteln in „Poor Economics“ problemlos folgen konnte und die verschiedenen Schlüsse, die Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo aus den diversen Studien zogen, nachvollziehbar und stimmig fand. Wobei mich der rein „wirtschaftliche Blick“ der Autoren auf ein Thema beim Lesen regelmäßig irritierte, weil es mir nun einmal fernliegt, eine Gesundheitsmaßnahme, ein Bildungsangebot oder Ähnliches ausschließlich aufgrund von wirtschaftlichen Erfolgen oder bezüglich der effektivsten Nutzung von Ressourcen zu betrachten. Oder weil ich es unstimmig finde auszurechnen, dass ein Mensch pro Jahr, das er mehr in der Schule verbringt, theoretisch x Prozent mehr Lohn in seinem Leben verdienen wird und sich deshalb dieses „Investment“ in Bildung rentiert. Aber ich gebe zu, dass meine Ansicht, dass Bildung sich immer rentiert, auch wenn am Ende kein „finanzieller Mehrwert“ dabei rausspringt, einer sehr priviligierten Sicht auf die Welt entspringt.

In zehn Kapiteln beschäftigen sich Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo mit der Ursache für Armut, mit den Themen Ernährung und Hunger, Gesundheit und Bildung, Familienplanung und Absicherungen/Versicherungen, sowie mit den Möglichkeiten zu sparen und Unternehmensgründung. All diese Kapitel fand ich so gut und verständlich geschrieben, dass auch jemand wie ich, die sich noch nie mit Wirtschaftsthemen beschäftigt hat, die verschiedenen Probeme, ihre Ursachen und ihre (möglichen) Lösungen gut verstand. Viele Punkte werden mit Beispielen belegt, denen die beiden Autoren im Laufe ihrer Forschung begegnet sind, was sie für mich greifbarer machten.

Was mich besonders fasziniert hat, waren die Dinge, die ich so nicht erwartet hätte. Zum Beispiel wird ganz zu Beginn von „Poor Economics“ erwähnt, dass zwar seit Jahrzehnten sehr viel Geld in die Entwicklungshilfe gesteckt wird, es aber keine gut belegte Forschung dazu gab, welche Maßnahmen wirklich spürbaren Einfluss auf das Leben der Menschen hatten. So ist es unumstritten, dass zum Beispiel Menschen in Krisengebieten kurzfristig mit Nahrung und Wasser beliefert werden müssen, aber lange Zeit hat sich niemand die Mühe gemacht herauszufinden, ob die langfristige Ausgabe von Lebensmittelspenden die sinnvollste Art der Unterstützung wäre. (Ich spoilere mal und verrate, dass es spätestens dann unsinnig ist, wenn ein Teil der Lebensmittelspenden in korrupten Regierungskanälen versickert oder aufgrund schlechter Lagerungsmöglichkeiten von Schädlingen vernichtet wird.)

„Die mangelnde Rentabilität der Unternehmungen von Armen erklärt auch, weshalb Mikrokredite offenbar keine radikalen Veränderungen im Leben der Kunden herbeiführen. (…) Wenn die von Armen betriebenen Geschäfte generell unrentabel sind, wird plausibel, warum Kredite, die ihnen die Geschäftsgründung ermöglichen sollen, keine deutliche Verbesserung ihrer Gesamtsituation nach sich ziehen.“ (S. 227)

Erst Mitte der 1990er Jahre wurden (unter anderem von Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo) überhaupt Vergleichsstudien entwickelt, mit denen die Wirksamkeit der verschiedenen Maßnahmen überprüft werden konnten und nicht alle Organisationen und Regierungen waren glücklich mit den Ergebnissen, die bei diesen Studien herauskamen. So ergaben diese Vergleichstudien, dass die beliebten und weit verbreiteten Mikrokredite zwar das Leben derjenigen häufig verbesserten, die sie aufnahmen, dass diese Verbesserung aber relativ gering war, dass nur wenige weitere Menschen davon profitierten und dass selbst bei großzügigen Kreditangeboten in der Regel große Hemmungen bestanden, so einen Mikrokredit aufzunehmen. Zum Teil zeigten diese Vergleichstudien auch auf, dass man gar nicht die Maßnahmen zur Entwicklungshilfe ändern musste, um erfolgreicher zu sein, sondern bestimmte Bedingungen vor Ort. So ist zum Beispiel vielen Landwirten in afrikanischen oder asiatischen Ländern durchaus bewusst, dass sie mit Dünger und besserem Saatgut bessere Ernten einfahren können, aber sie haben kurz vor der Aussaat kein Geld für Dünger und Saatgut.

Dieses Problem könnte theoretisch umschifft werden, wenn sie direkt nach dem Verkauf ihrer Ernte Saatgut und Dünger kaufen würden, aber da zu diesem Zeitpunkt die örtlichen Geschäfte in der Regel diese beiden Produkte nicht anbieten, bleibt den Landwirten nur der Vorsatz, Geld dafür zur Seite zu legen. Doch dieses gesparte Geld wird am Ende nur selten bis zur Saatzeit unangerührt bleiben, weil in armen Haushalten nun einmal regelmäßig (mehr oder weniger ernsthafte) Notfälle auftreten, die Extrakosten verursachen. Wenn aber direkt nach der Ernte diesen Landwirten von Hilfsorganisationen Gutscheine über die gewünschten Produkte (in erster Linie Dünger) angeboten wurden, um ihr Kapital zielbezogen festzulegen, fanden sie in der Regel alternative Möglichkeiten, um mit den Notfällen zwischen Ernte und Saatzeit umzugehen, und so stand ihnen dann zur passenden Zeit der notwendige Dünger zur Verfügung.

Ich muss zugeben, dass dieser „menschliche“ Faktor für mich der faszinierendste Aspekt an den in „Poor Economics“ geschilderten Studienergebnissen war. Am Ende bleibt trotz all der in dem Buch beschriebenen Vergleichsstudien und gewonnenen Erkenntnisse eigentlich auf der einen Seite das Fazit, dass man mit kleinen Maßnahmen schon überraschend viel erreichen kann. Aber auf der anderen Seite steht eben auch die Einsicht, dass man noch immer viel zu wenig über die vielen Faktoren weiß, die Entwicklungshilfe und das Leben der Menschen, die davon eigentlich profitieren sollten, betreffen. Und für mich persönlich steht ein bisschen die Frage im Raum, was sich wohl in den zehn Jahren, die seit der Erstveröffentlichung von „Poor Economics“ verstrichen sind, in diesem Bereich der Forschung noch so getan hat.

Elena Favilli und Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls – 100 außergewöhnliche Frauen

Um „Good Night Stories for Rebel Girls“ von Elena Favilli und Francesca Cavallo bin ich lange Zeit herumgeschlichen, weil ich befürchtete, dass ich nicht in die allgemeinen Lobpreisungen einstimmen können würde. Das Buch stellt 100 außergewöhnliche Frauen vor, wobei jeder einzelnen Person eine Doppelseite gewidmet ist. Diese Doppelseiten bestehen aus einer Dreiviertelseite mit Text (inklusive eines „Zitats“ oder einer hervorgehobenen Passage aus dem Text) und einer Illustration, die die betreffende Frau zeigen soll. Dabei wurden sehr viele unterschiedliche Künstlerinnen für diese Darstellungen engagiert, so dass der Betrachter in den Genuß sehr vieler unterschiedlicher – von abstrakten bis fotorealistischen – Stilrichtungen kommt. Nicht jedes dieser Porträts hat mir gefallen, aber ich mochte die Vielfalt, die man so als Leserin geboten bekam.

Ebenso groß ist auch die Bandbreite bei der Auswahl der vorgestellten Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gebieten, Ländern und Zeiten stammten. So finden sich in „Good Night Stories for Rebel Girls“ Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen, Kriegerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen oder Sportlerinnen aus allen Teilen der Erde, ebenso wie historische oder gar legendäre Figuren, wobei es über letztere so gut wie keine Fakten zu erzählen gibt, sondern nur der Mythos beschrieben wird, der sich um diese Person rankt. Insgesamt überwiegt verständlicherweise die Zahl der Frauen, die in den letzten 150 Jahren lebten. Bei manchen Einträgen habe ich mich gefragt, ob die dargestellte Frau wirklich eine „Vorbildfunktion“ einnehmen kann, aber das hängt vermutlich davon ab, wie man ein Vorbild definiert, und wenn es nur darum geht, dass die jeweilige Person etwas Ungewöhnliches oder Wichtiges erreicht hat oder als eine der ersten Frauen eine bestimmte Position eingenommen hat, dann kann man wohl alle vorgestellten Personen dieser Kategorie zuordnen.

Mein größtes Problem mit dem Buch war die Frage, für welche Zielgruppe es eigentlich gedacht ist. Für erwachsene Leserinnen fand ich die Einträge oft zu unbefriedigend – gerade bei den Frauen, über die ich schon einiges wusste, war ich oft frustriert, weil aus meiner Sicht wichtige Elemente ausgelassen wurden. Welche Dinge wurden also bei Texten zu den Frauen ausgelassen, die ich vor dem Lesen des Buches noch nicht kannte? Außerdem fand ich die Texte unausgewogen, denn auf der einen Seite haben sich die Autorinnen um eine einfache Sprache bemüht, auf der anderen Seite Vokabular verwendet, das man einer jungen Leserin erst einmal ausführlich erklären müsste. Ich verstehe, dass es gerade bei den verschiedenen wissenschaftlichen Fachgebieten eine Herausforderung ist, eine vereinfachte Beschreibung dafür zu finden, aber bei anderen Passagen hatten die Autorinnen anscheinend keine Hemmungen, etwas wegzulassen oder um den betreffenden Punkt drumherum zu schreiben, um eine Information leicht verständlich darzustellen.

Trotz all meiner Kritikpunkte fand ich „Good Night Stories for Rebel Girls“ unterhaltsam zu lesen und wie immer, wenn ich über solch eine Ansammlung von Kurzporträts stolpere, hatte ich ständig das Bedürfnis, nach weiteren Details zu den verschiedensten Frauen zu suchen. Es empfiehlt sich also, neben dem Buch auch gleich einen Onlinezugang bei der Hand zu haben, damit die Liste der nachzuschlagenden Frauen nicht während des Lesens zu lang wird. Nur schade, dass es keine Literaturempfehlungen am Ende des Buches gab, auch wenn das für meinen Geldbeutel vermutlich ganz gut ist. Wer Inspirationen für weitere Recherchen über außergewöhnliche Frauen sucht, ist mit diesem Buch ebenso gut bedient, wie jemand, der eine abwechslungsreiche und interessante Lektüre für eine kurze Pause „zwischendurch“ sucht.

Christopher Skaife: The Ravenmaster – My Life with the Ravens at the Tower of London

Ich folge dem Ravenmaster schon seit einigen Jahren auf Twitter und finde es immer wieder spannend, wenn er von seinen Raben erzählt oder Fotos der schönen Tiere zeigt, weshalb ich natürlich auch neugierig auf sein Buch über sein Leben mit den Raben des Londoner Towers war. „The Ravenmaster“ lässt sich gut lesen, denn Christopher Skaife versteht es, unterhaltsam und interessant zu schreiben, auch wenn man stellenweise schon merkt, dass er als Yeoman Warder seit vielen Jahren tagtäglich mit Touristen zu tun hat und deshalb viele Fakten und Aussagen schon sehr, sehr oft wiederholt hat. Aber das macht das Buch nicht schlecht, es sorgt nur dafür, dass hier und da etwas Routine oder gar Verdruss durchblitzt, wenn es um (lästige) Fragen rund um den Tower geht, die häufig gestellt werden – etwas, das wohl jeder kennt, der schon mal einen Job mit viel Kunden-/Touristenkontakt hatte.

Das Buch beginnt mit dem alltäglichen Morgenprogramm des Ravenmasters und endet mit dem nächtlichen Einsperren der Vögel, wobei Christopher Skaife mit den einzelnen Tagespunkten seiner Arbeit Details über seine Raben, seine Arbeit als Ravenmaster, seine Kindheit oder seine Zeit in der britischen Armee verknüpft. Aber nicht nur solche persönlichen Elemente verflicht der Autor mit seinem Bericht über die Routine als Ravenmaster, sondern auch historische Begebenheiten rund um den Tower und seine Bewohner, die Rolle von Raben in der Literatur und allgemeine Informationen rund um Raben(vögel). Ich mochte diese bunte Mischung aus Biografie, Tätigkeitsbeschreibung und Liebeserklärung an die Raben des Towers, ich habe mich beim Lesen gut amüsiert, habe einiges über Raben gelernt und eine noch viel bessere Vorstellung vom Charakter der beeindruckenden Vögel bekommen als schon über den Twitteraccount des Ravenmasters.

Auch hat es mir gefallen, dass Christopher Skaife nicht verschweigt, dass ihm seine Raben zwar am Herzen liegen und er eine Menge für die intelligenten Vögel tut, dass es aber auch selbst für einen so geduldigen Menschen wie ihn nicht immer einfach ist, Ruhe zu bewahren und sich angemessen zu verhalten. „Seine“ Raben sind keine Haustiere, sondern sehr intelligente Vögel, die immer wieder ihre Grenzen austesten müssen, sensibel auf Ungeduld oder Unruhe reagieren und eventuelles Fehlverhalten nicht so schnell verzeihen. So fand ich die Passagen, die sich direkt um die Tower-Raben drehten, eigentlich am spannendsten, weil ich mir vorher relativ wenig Gedanken darüber gemacht hatte, wie Vögel überhaupt im Tower gehalten werden, wie sich bei Raben zum Beispiel die Rangordung gestaltet und welche Folgen es hat, wenn so viele Raben (im Tower leben immer mindestens sechs von ihnen) so artgerecht wie möglich auf relativ engem Raum zusammenleben.

Das Buch hat mir große Lust gemacht, einmal den Tower und seine (gefiederten) Bewohner zu besuchen und ebenso hätte ich Lust, an einer Führung durch einen der Yeoman Warder teilzunehmen (und mich zu fragen, an welchen Stellen reale historische Begebenheiten erzählt werden und an welchen die Fantasie des Führenden eventuelle reale Ereignisse überlagert). Ich mochte den großteils humorvollen Ton, den Christopher Skaife in seinem Buch anschlägt, ebenso wie seinen liebevoll-spöttischen Blick auf seine Arbeit mit den Touristen und die Geschichten, die tagtäglich rund um den Tower erzählt werden. Auch ist mir aufgefallen, dass ich in den Tagen, nachdem ich „The Ravenmaster“ gelesen hatte, mit deutlich aufmerksamerem Blick die Vögel beobachet hatte, die ich regelmäßig auf und über den anliegenden Häuserdächern zu sehen bekomme. Am Ende war ich doch ein bisschen überrascht, wie sehr mir die Raben des Towers durch die Beschreibungen Christopher Skaifes beim Lesen ans Herz gewachsen sind und wie gern ich diese Vögel mal aus (relativer) Nähe sehen würde.

Sam Maggs: Girl Squads – 20 Female Friendships that Changed History

Von „Girl Squads“ hatte ich schon beim Lese-Sonntag im Januar geschrieben und da ich inzwischen das Buch beendet habe, kann ich nun auch noch etwas mehr darüber erzählen. Sam Maggs hat in dem Band zwanzig Einträge über „Frauengruppen“ gesammelt, die aus historischer Sicht etwas Bemerkenswertes erreicht oder getan haben. Dabei bestehen einige dieser „Gruppen“ zum Teil gerade mal aus zwei Frauen, während sich andere Texte – wie der über die südkoreanischen „Haenyeo“ – um die Arbeit von mehreren Tausend Frauen drehen. Grob eingeteilt wurden die einzelnen Einträge nach den Kategorien „Athlete Squads“, „Political and Activist Squads“, „Warrior Squads“, „Scientist Squads“ und „Artist Squads“, so dass man schon von Anfang an eine Vorstellung davon bekommt, in wieviel unterschiedlichen Bereichen die erwähnten Frauen aktiv waren (oder noch sind).

Mich persönlich hatte die Vorstellung besonders gereizt, dass in diesem Buch nicht einzelne Persönlichkeiten vorgestellt werden, sondern Frauen, die gemeinsam etwas erreicht haben. Dabei musste ich während des Lesens feststellen, dass nur wenige der erwähnten Frauen ihren Weg (und somit das, wofür sie kämpften) gezielt gewählt hatten, während viele aufgrund äußerer Umstände überhaupt erst in ihre Rolle gedrängt wurden. Insgesamt muss ich gestehen, dass ich mit „Girl Squads“ nicht ganz das bekommen hatte, was ich erwartet hatte – unter anderem, weil Personen(gruppen) auftauchten, die ich persönlich nicht als „History Changer“ gesehen hätte, auch wenn ihre Existenz ein interessantes Beispiel für „untypisches“ weibliches Verhalten oder Leben darstellt. Aber trotzdem fand ich jeden einzelnen Eintrag sehr spannend und faszinierend, gerade weil er mir einen Blick auf mir unbekannte Personen(gruppen) oder eine neue Perspektive auf ein Thema gönnte.

Etwas schade fand ich allerdings den Abschnitt über die japanische Frauen-Volleyball-Mannschaft, die 1964 die Olympischen Spiele gewann, da dort meinem Gefühl nach mehr über den männlichen Trainer der Mannschaft (und seine radikalen Trainingsmethoden) als über die Frauen selbst geschrieben wurde. Das widerspricht ja dann doch etwas dem Ziel, ein Sachbuch über die Frauen zu schreiben, deren Leistungen in der Vergangenheit regelmäßig übersehen wurden. Auch geht Sam Maggs recht locker darüber hinweg, dass zum Beispiel die Dahomey-Amazonen sich unter anderem aus Sklavinnen, Kriegsgefangenen, „verschenkten“ Töchtern und ähnlichen Frauen zusammensetzten. Natürlich kann man in den wenigen Seiten, die pro Eintrag in diesem Buch zur Verfügung stehen, nicht besonders detailliert auf solche Umstände eingehen, aber sie kommentarlos zu übergehen, ohne zumindest kurz auf Hintergründe oder allgemein übliche Lebensumstände von Frauen zu dieser Zeit und in diesem Land einzugehen, scheint mir auch nicht der richtige Weg zu sein.

Ansonsten mochte ich es, wie breit gefächtert die verschiedenen Einträge waren. Sam Maggs reist mit „Girl Squads“ quer durch die Zeit und erwähnt Frauen aus den verschiedenen Ecken der Welt – gerade über die Texte, die sich um Personen aus dem asiatischen oder afrikanischen Raum drehten, habe ich mich sehr gefreut, da ich immer noch viel zu selten in „westlichen“ Veröffentlichungen darüber stolpere. So habe ich eine Menge neuer Informationen, Personen und Gruppen kennengelernt und immer wieder juckte es mich in den Fingern, online mehr über Hintergründe, die Zeit oder weitere Lebensumstände der Personen zu recherchieren. Ich mag Bücher, die mich neugierig machen, ohne mich beim Lesen zu frustrieren, weil ich das Gefühl habe, ich werde mit ein paar Stichpunkten abgespeist. Insgesamt hat das Lesen von „Girl Squads“ überraschend lange gedauert, weil ich jedem einzelnen Text die angemessene Aufmerksamkeit widmen wollte – ein Nebeneffekt war dabei, dass es mir mit ein paar Tagen Abstand etwas leichter fiel, über die eine oder andere flapsige Nebenbemerkung der Autorin hinwegzusehen, die ich zugunsten einer stellenweise etwas kritischere Auseinandersetzung mit einem Thema lieber gestrichen gesehen hätte.

Sachbücher 2018

Auch in diesem Jahr habe ich wieder eine Extra-Liste für die gelesenen Sachbücher des Jahres. Selbst ohne die Sachbuch-Challenge hat sich das Ganze zu einer für mich liebgewonnenen Tradition entwickelt. In diesem Jahr hätte ich so gern stolz verkündet, dass ich endlich einige Sachbücher beendet (bzw. noch einmal von vorne angefangen und bis zur letzten Seite gelesen) habe, die aus den verschiedensten Gründen schon seit einigen Jahren darauf warten, aber stattdessen habe ich mich vor allem auf Sachbücher konzentriert, die ich aus der Bibliothek ausgeliehen hatte.

Mal schauen, wie es im kommenden Jahr so mit mir und den Sachbüchern läuft. Die angefangenen Titel habe ich ja immer noch und dazu noch sehr viele Sachbücher, die ich in den letzten Wochen geschenkt bekommen habe und auf die ich mich sehr freue! Ich glaube, ich sollte die Bibliotheksausleihen in dem Bereich mal etwas zurückfahren – mit einem Abgabetermin im Nacken liest es sich gerade nicht so gut, und ich habe Zuhause ja genügend Auswahl.

1. Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft – Geschichten aus einer Welt im Wandel

2. Fumio Sasaki: Das kann doch weg! Das befreiende Gefühl, mit weniger zu leben
Das Buch hatte ich mir aus der Bibliothek ausgeliehen, nachdem ich in einer Rezension dazu die Aussage las, dass die Person jetzt zwar nicht vom minimalistischen Lebensstil überzeugt sei, aber viele Anregungen für sich mitgenommen hätte. Für mich kann ich sagen, dass ich beim Lesen solcher Bücher nur jedes Mal wieder feststelle, dass mein Leben (und mein Kaufverhalten) absolut nichts mit dem dieser „Selbsthilfe“-Autoren gemein hat. Ich rege mich nur über viele der Aussagen auf, weil sie lediglich beweisen, was für unreflektierte und oberflächliche Menschen diese Autoren vor ihrer Entdeckung des Minimalismus waren. Gerade bei diesem Titel hatte ich am Ende auch oft das Gefühl, dass Fumio Sasaki (trotz aller gegenteiligen Beteuerungen) seinen Minimalismus vor allem deshalb so extrem betreibt, weil er damit (so wie früher mit all den angehäuften Sachen) andere Menschen beeindrucken will. Ein bisschen neidisch war ich beim Lesen allerdings auf den „Versteigerungsservice“, den es anscheinend in einigen Tokioter Vierteln gibt – so etwas hätte ich in meiner Stadt auch gern!

3. Christine Westermann: Da geht noch was – Mit 65 in die Kurve
Keine Ahnung, wo ich über das Buch gestolpert bin, aber es klang interessant (und war in der Bibliothek vormerkbar). Christine Westermann erzählt in kleinen Episoden von den Gedanken und Ängsten, die sie mit 65 geplagt haben, und wie sie für sich einen Weg gefunden hat, um wieder offener und optimistischer durchs Leben gehen zu können. Mit ein paar Aussagen konnte ich mich identifizieren, andere fand ich befremdlich – wie es nun mal so ist, wenn man einen kleinen Einblick in ein fremdes Leben bekommt. Vorher hatte ich mir über Christine Westermann als Person keine Gedanken gemacht, sondern nur ihre Freude am Lesen genossen, wenn ich mal über eine Sendung mit ihr gestolpert bin. Nun werde ich mich vermutlich aber jedes Mal, wenn ich sie im Fernsehen sehe, fragen, welche Gedanken sie mit der jeweiligen Aufzeichnung verbindet. *g*

4. Colin Odell und Michelle LeBlanc: Studio Ghibli – The Films of Hayao Miyazaki and Isao Takahata
Um das Sachbuch bin ich schon länger rumgeschlichen, weil ich die meisten Filme aus dem Studio Ghibli sehr mag und mir mehr Hintergrundwissen durch das Buch erhofft hatte. Es war auch sehr interessant, hat mir aber wenig neues Wissen und dafür eher schon bekannte Dinge in Erinnerung gebracht. Wenn man mehrere Ghibli-Filme aufmerksam gesehen hat, dann kann man gar nicht anders, als bestimmte Elemente festzustellen, da braucht es dieses Werk eigentlich gar nicht. Auch fand ich es ein bisschen schwierig, dass die beiden Autoren eindeutig große Ghibli-Fans sind und so alles einfach nur großartig gefunden wurde, während ich mir sicher bin, dass man bei einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema vielleicht doch den einen oder anderen Kritikpunkt finden könnte. Insgesamt hat mir das Buch, das mit gut 150 Seiten recht dünn ist, vor allem große Lust darauf gemacht, meine Ghibli-DVDs rauszukramen und noch einmal zu sehen.

5. Astrid Lindgren und Louise Hartung: Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft

6. Richard Briers: Coward and Company – A Light-hearted and Affectionate Evocation of Noël Coward and his World
In diesem Buch plaudert Richard Briers über Noël Cowards Werdegang, erzählt Anekdoten, die mit Coward in Verbindung gebracht werden, oder von seinen eigenen Begegnungen mit Noël Coward. Man merkt schon sehr deutlich, dass Richard Briers, der selbst Schauspieler war, sehr große Verehrung für Noël Coward empfand, was einerseits nett zu lesen ist, mir aber auch das Gefühl gibt, er hätte komplett unreflektiert sämtliche Anekdoten über Coward in seinem Büchlein versammelt, ohne über die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Geschichte nachzudenken. Insgesamt ist „Coward and Company“ eine amüsante Lektüre, die aber vermutlich noch unterhaltsamer ist, wenn man sich besser mit Noël Cowards Werk und den Künstlern seiner Zeit auskennt als ich.

7. Anne-Ev Ustorf: Wir Kinder der Kriegskinder – Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs
Das Buch war mir empfohlen worden, nachdem ich über Twitter darüber geredet hatte, dass ich einige Erziehungsmethoden meiner Mutter in einem Artikel über einen Erziehungsratgeber, der während der Nazi-Zeit sehr populär war, wiedergefunden hatte. Es gibt einige Aspekte in diesem Buch, wenn es um das Menschenbild der Nazi-Zeit und die Folgen dieser Sicht auf den Menschen und der Kriegserlebnisse auf die nachfolgende Generation geht, die ich interessant fand. Auf der anderen Seite hat es mich schrecklich gestört, dass die Autorin keine Belege oder Zahlen für ihre Behauptungen liefert, sehr viel mit „vermutlich“ und „wahrscheinlich“ arbeitete und immer wieder ihre Familienverhältnisse in das Thema hat einfließen lassen, so dass ich nie beurteilen konnte, ob an ihren Aussagen etwas dran ist oder ob sie da nur eine persönliche Erfahrung verallgemeinert.

Astrid Lindgren und Louise Hartung: Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft

Im vergangenen Jahr habe ich „Ich habe auch gelebt – Briefe einer Freundschaft“ zum Geburtstag bekommen. In diesem Buch wurde ein großer Teil der noch erhaltenen Briefe zwischen Astrid Lindgren und Louise Hartung (wenn auch zum Teil gekürzt) veröffentlicht, wobei die Briefe, die im Original zum Großteil auf Schwedisch (von Astrid Lindgren) und Deutsch (von Louise Hartung) geschrieben wurden, hier natürlich durchgehend übersetzt vorliegen. Kennengelernt haben sich Louise Hartung und Astrid Lindgren im Oktober 1953, als Louise Hartung im Rahmen ihrer Arbeit für das Berliner Jugendamt Astrid Lindgren für eine Rede einlud. Während der drei Tage, die Astrid Lindgren zu diesem Anlass in Berlin war, hat sie bei Louise Hartung gewohnt und die beiden Frauen haben – wenn man nach all den Verweisen in den Briefen auf diese Tage geht – eine intensive Zeit miteinander verbracht.

Ich fand die Briefe sehr faszinierend zu lesen – nicht nur, weil man durch sie sehr viel über Astrid Lindgren als Privatperson erfährt (deutlich mehr, als zum Beispiel durch ihre Tagebucheinträge), sondern auch, weil ich Louise Hartung als eine sehr spannende Person empfand, von der ich vor dem Lesen ihrer Briefe kaum etwas wusste. Es war sehr fesselnd, den Austausch diese beiden Frauen zu verfolgen, wobei die Themenvielfalt von ihrem Privatleben und ihren Gefühlen (Louise Hartung hat für Astrid Lindgren mehr als Freundschaft empfunden) über ihre Arbeit und Reisen bis zu den verschiedenen kulturellen Bereichen reichte. Immer wieder gibt es Verweise auf die damals aktuelle politische Lage, auf Bücher, die sich die beiden Frauen gegenseitig besorgt oder empfohlen haben, und auf die kleinen Alltäglichkeiten, die das Leben der Schreiberinnen ausmachten. Sehr lustig fand ich zum Beispiel mitzuverfolgen, wie die beiden eine Zeitlang fleißig Wein von Deutschland nach Schweden schmuggelten und welche Hindernisse das vor allem für Louise Hartung so mit sich brachte.

Interessant fand ich auch zu sehen, wie unterschiedlich die beiden Frauen waren. In Astrid Lindgrens Briefen kann man immer wieder von Melancholie lesen, von einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung angesichts der politischen Lage der Welt, von dem Bedürfnis, all den Anforderungen, die an ihre Person gestellt werden, gerecht zu werden und von ihrer Flucht in ihr Sommerhäuschen, wo sie Ruhe findet. Louise Hartung hingegen scheint sehr viel kämpferischer auf viele Widerstände reagiert zu haben als die Freundin, sehr viel fordernder gewesen zu sein, egal, ob es um ihr Privatleben oder ihren Beruf ging, und gerade deshalb hat sie wohl auch sehr viel in Bewegung setzen können. Auf der anderen Seite hat auch Louise Hartung eindeutig Zeiten gekannt, in denen sie verzweifelt war – weniger an der Welt, als an Astrid Lindgren, deren zurückhaltendes Verhalten sie wohl immer wieder als Abweisung ihrer Person interpretierte.

Für beide Frauen scheint diese Freundschaft zu Beginn nicht leicht gewesen zu. Während Astrid Lindgren mit den extremen Seiten der Freundin (die sich mal in einer Flut von Geschenken, mal in dem Vorwurf, ihre Gefühle für Louise wären nicht innig genug, äußerten) fertig werden musste, hatte Louise Hartung damit zu leben, dass ihre Liebe nicht auf die gleiche intensive Weise erwidert wurde und dass Astrid Lindgren ihre Freundschaft zwar sehr schätzte, aber nicht bereit war, die anderen Menschen in ihrem Leben zugunsten Louises zu vernachlässigen. Trotzdem haben beide Frauen ihre Freundschaft so sehr geschätzt, dass sie elf Jahre lang erstaunlich häufig und offenherzig Briefe ausgetauscht haben, und gerade in den letzten Jahren scheinen sie auch die Eigenheiten der anderen so weit akzeptiert zu haben, dass sie einander nur noch Unterstützung und Zuneigung entgegenbrachten. Und obwohl beide nicht gerade zurückhaltend in ihren Aussagen über andere Menschen waren, fand ich es auch spannend zu verfolgen, wie spitz einige Bemerkungen waren und wie viel schlagfertiger die Briefe wurden, je vertrauter sich die beiden Frauen waren.

Ich gebe zu, dass es sich auch ein wenig voyeuristisch anfühlt, die Briefe der beiden Frauen zu lesen. Auch wenn einige Schriftstücke von Louise Hartung nicht veröffentlicht wurden, um sie nach ihrem Tod nicht zu sehr bloßzustellen, so erfährt man doch so viel über das Leben, die Gedanken und Wünsche dieser vielseitigen und faszinierenden Frau. Es ist schon spannend, dass ich zu dem Buch griff, weil ich mehr über Astrid Lindgren – die ich aufgrund ihrer Bücher und der wenigen Reden und Artikel, die ich von ihr kenne, als kluge Frau empfinde – erfahren wollte und am Ende vor allem von der mir bis dahin fast unbekannten Louise Hartung so gefesselt war. Egal also, ob man sich für Astrid Lindgren an sich interessiert, Texte über eine ungewöhnliche Freundschaft verfolgen möchte oder grundsätzlich ein Interesse für die vielen Facetten des Lebens zweier Künstlerinnen hat, ich kann diese Briefe wirklich empfehlen. „Ich habe auch gelebt“ ist eine berührende, faszinierend, anregende und sehr fesselnde Lektüre, die mein ganz persönliches kleines Leben definitiv bereichert hat.

Noch etwas zur Aufbereitung der Briefe in der deutschen Ausgabe von Ullstein: Wie schon erwähnt, sind die Briefe ins Deutsche übersetzt, hier und da gibt es Verweise auf den originalen Wortlaut oder darauf, dass ein bestimmter Begriff aus einer zusammen erlebten privaten Situation (wie zum Beispiel einem gemeinsamen Urlaub) entstanden ist. Dazu kommt noch ein Vorwort von Jens Andersen und Jette Glargaard, die die Briefe ausgewählt und herausgegeben haben. Dieses Vorwort gewährt einem schon mal einen groben Überblick über das Leben der beiden Frauen und begründet, warum manche Passagen oder Schriftstücke ausgelassen wurden. Für mich war dies vor allem hilfreich, um Louise Hartungs Arbeit im „Amt“ einzuschätzen, weil ich nicht gerade viel Ahnung von dem Amtsaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und der Rolle des Berliner „Jugendamtes“ in Deutschland hatte.

Zwischen den Briefen findet man immer wieder Fotos von den beiden Frauen, Faksimiles von den Briefen oder Abbildungen von Dingen, die eine Rolle im Austausch zwischen Astrid Lindgren und Louise Hartung spielten, und in einem Nachwort von Antje Rávic Strubel wird noch einmal auf die Beziehung der beiden Frauen eingegangen. Während ich die Fotos sehr schön fand, kam mir das Nachwort ehrlich gesagt etwas überflüssig vor, da ich ja gerade erst diesen intensiven Briefwechsel gelesen und mir ein eigenes Bild gemacht hatte. Richtig geärgert habe ich mich allerdings über die „editorische Notiz“, in der unter anderem darauf verwiesen wird, dass die Fußnoten „für die bessere Lesbarkeit“ ans Ende des Buches gesetzt wurden. Was bitte ist an Endnoten besser lesbar? Keine dieser Anmerkungen war besonders lang (in der Regel gerade mal eine bis zwei schmale Zeilen), und ich hasse es, wenn ich mit zwei Lesezeichen arbeiten muss, um während des Lesens zu den Endnoten blättern zu können. Noch ärgerlicher wird es, wenn ich dann feststelle, dass die Fußnote nur auf eine frühere Anmerkung verweist, die ich noch gut in Erinnerung hatte, und ich deshalb ganz umsonst das Buch aus der Hand legen und blättern musste, während mich ein kurzer Blick zum Seitenende deutlich weniger gestört hätte.