Statt einer Rezension gibt es heute einen Blick ins Wohnzimmer

Eigentlich wollte ich am Wochenende noch zwei Rezensionen für den Blog beenden, die ich dann in dieser Woche veröffentlicht hätte. Aber da ich/wir in den letzten Tagen damit beschäftigt waren, das Wohnzimmer umzuräumen und allen möglichen Kleinkram zu erledigen, bevor heute unser Besuch eintrifft, habe ich die Texte natürlich nicht auf die Reihe bekommen. Auch den letzten Wohnzimmer-Vorhang habe ich nicht ganz fertigstellen können – ich werde in den kommenden Tagen noch an den letzten Zentimeter Raffband und der unterste Naht arbeiten müssen -, aber immerhin hängen schon mal Vorhänge und das Wohnzimmer sieht jetzt deutlich strukturierter aus.

Wirklich schön ist die Lösung mit dem „Gästebett-Sessel“ nicht, aber das Wohnzimmer ist nun mal der einzige Ort, wo das Ding hinpasst. Mir war es wichtig, dass wir endlich mal eine bequeme Übernachtungsmöglichkeit für Gäste haben. Da kann ich damit leben, dass unser Wohnzimmer noch voller aussieht, als es eh schon ist. Die Kartonwand wird hoffentlich zum Jahresende verschwinden, wenn wir uns dann die nächste Runde Regale leisten können. Bis dahin wird auch mein schon stehendes Regal ziemlich unordentlich aussehen, weil ich da die schon ausgepackten Sachen querbeet reingestopft habe und mit dem Sortieren warten will, bis ich all meine Schätze in einer Großaktion verstauen kann. Ansonsten fehlen nur noch mein Schmetterlingsbild (das über den Tisch mit der Stereoanlage gehört und sich bislang noch in einem der Kartons versteckt) und ein großes Bild über dem Sofa (das ich vermutlich selbst malen werde, wenn ich mich mit mir auf ein Motiv einigen kann *g*).

Da heute Mittag der Besuch eintrifft, weiß ich nicht, wie viel ich mich diese Woche auf meinem und anderen Blogs melden werde. Aber ab und an bin ich bestimmt online … 😉

Sommergeräusche

Am vergangenen Sonntag saß ich nachmittags auf dem Sofa und spielte, während mein Mann versuchte ein Youtube-Video zu schauen. Da wir zu dem Zeitpunkt gerade lüfteten, fluchte er immer wieder vor sich hin, weil er trotz aufgedrehtem Ton an einigen Stellen kaum etwas von seinem Video hören konnte. Neben dem „telefonierenden Nachbarn“, der von Freitagabend bis Montagmorgen mit einer sehr durchdringenden Stimme in der Nachbarwohnung durchgehend zu telefonieren scheint, hörten wir nicht nur den üblichen Verkehrslärm, sondern auch klingelnde Hundehalsbänder, jemanden, der Trompete übte, ein Auto mit Startproblemen, Leute, die sich lauthals und angeregt miteinander unterhielten, und viele andere Geräusche, bei denen ich in der Regel froh bin, dass unsere Fenster den Lärm so gut abhalten.

Spannend finde ich es, dass es in diesem Viertel deutlich lauter ist als in unserem alten Stadtteil, ich den Lärm aber normalerweise nicht so schlimm finde wie in der alten Wohnung. Natürlich stören mich die Baustellen im und hinterm Haus, und wenn der Geräuschpegel dadurch zu hoch wird, kann ich oft nichts anderes tun als abwarten, bis die Handwerker Feierabend machen, bevor ich selbst etwas auf die Reihe bekomme. Aber insgesamt geht mich das alles nicht mehr so viel an wie früher, so dass ich Geräusche allgemein besser ignorieren kann, wenn der Lärm nicht zu ohrenbetäubend ist. In der alten Wohnung war ich die einzige Person, die den ganzen Tag ansprechbar war, was bedeutete, dass jeder Handwerker, jeder Paketbote und jeder andere Mensch, der etwas von der Hausgemeinschaft wollte, bei mir klingelte. Außerdem wohnten wir im Erdgeschoss, so dass es keine Distanz zwischen mir und dem Treiben auf der Straße gab, und die Fenster waren so wenig schallisoliert, dass ich jedes Gespräch, jedes Telefonat Wort für Wort mithören konnte. (Ich bin immer wieder fasziniert davon, welche privaten Details und wichtigen Daten manche Leute quer über die Straße brüllen, weil ihre Verbindung schlecht ist. Datenphishing ist da definitiv nicht mehr notwendig, wenn jeder Zuhörer alles mitbekommen kann.)

In der aktuellen Wohnung hingegen sind diese „persönlicheren“ Geräusche in der Regel gut durch die Fenster gefiltert. Ein Gespräch muss schon etwas erregter verlaufend – wie zum Beispiel die diversen Szenen, in denen die aufgedrehten oder müden Kindergartenkinder von gegenüber auf ihre ungeduldigen und/oder müden Eltern treffen – damit ich es durch die geschlossenen Fenster mithören kann. Ich bekomme auch so noch genug von der Nachbarschaft mit, aber all diese Elemente (vom Baulärm abgesehen) laufen tagsüber als eher lästiges Hintergrundrauschen, während ich mich abends regelmäßig amüsiere (sehr schön sind da z. B. immer wieder die beiden Damen, die sich gegenseitig „Rapunzel“ und „Dornröschen“ nennen Oo) oder es sogar angenehm finde, wenn aus der Ferne Lachen und Gespräche an mein Ohr dringen. Letzteres erinnert mich an meine Kindheit, wenn ich in heißen Nächten nicht schlafen konnte und mich hinterm Vorhang versteckt auf die Fensterbank setzte, um den Nachbarn zuzuschauen, die im Garten nebenan feierten.

Ich finde es faszinierend, welch kleine Veränderungen dazu führen, dass bestimmte Geräusche als Lärm empfunden werden und welche Erinnerungen dafür sorgen können, dass manche Geräusche trotz der nicht unerheblichen Lautstärke als angenehm empfunden werden.

August-SuB 2017

Es hatte sich ja schon Mitte Juli angedeutet, dass ich gerade in einer etwas fahrigen Lesestimmung bin. Ich habe zwar ein paar Bücher beendet, aber die angefangenen Titel stapeln sich weiterhin auf dem Wohnzimmertisch und warten darauf, dass ich in der richtigen Stimmung bin. Immerhin habe ich im vergangenen Monat endlich wieder Hörbücher gehört! Das habe ich seit November 2016 nicht mehr gemacht, weil mein Kopf zu voll war, um mir etwas vorlesen zu lassen. Insgesamt habe ich also im Juli 9 Bücher und 3 Kurzgeschichten gelesen und 4 Hörbücher gehört. Je mehr ich mir das Lesen von Comics und Manga vornehme, desto weniger scheine ich es auf die Reihe zu bekommen, aber vielleicht ändert sich das in den kommenden Wochen auch wieder.

Im August werde ich vermutlich auch nicht so viel zum Lesen kommen. Auf der einen Seite lockt die (im gestrigen Beitrag erwähnte) neue Konsole, auf der anderen Seite werden wir in diesem Monat ziemlich viel (Übernachtungs-)Besuch haben und sind auch so für unsere Verhältnisse viel verabredet. Außerdem gibt es natürlich noch etwas Arbeit zu erledigen und dann sind da noch die Vorhänge fertig zu nähen – und überhaupt wird mir wohl so schnell nicht langweilig. Ich hoffe nur, ich finde zwischendurch Zeit für meine Bücher und den einen oder anderen Blogbeitrag. 😉 (Wobei ich mir den 3. Sonntag im Monat schon markiert habe und wir bislang an dem Tag auch nichts vorhaben, so dass der geplante Lesetag auf jeden Fall mit mir stattfinden kann!)

  1. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  2. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  3. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  4. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  5. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  6. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  7. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  8. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  9. Jim Butcher: Die Befreier von Canea (Codex Alera 5)
  10. Jim Butcher: Der erste Fürst (Codex Alera 6)
  11. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  12. Jennifer Carson: Tangled Magick
  13. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  14. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  15. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  16. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  17. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  18. Kim Harrison: Bluthexe (Rachel Morgan 12)
  19. Kim Harrison: Blutfluch (Rachel Morgan 13)
  20. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  21. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  22. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  23. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  24. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  25. Diana Wynne Jones: The Ogre Downstairs
  26. Sarah Kuhn: Heroine Worship
  27. Claire Legrand: Some Kind of Happiness
  28. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  29. Seanan McGuire: Down Among the Sticks and Bones
  30. Bishop O’Connell: The Stolen
  31. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  32. Cindy Pon: Serpentine
  33. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  34. Philip Reeve: Larklight
  35. John Scalzi: Fuzzy Nation
  36. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  37. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  38. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  39. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  40. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  41. Charles den Tex: Die Zelle
  42. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  43. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  44. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  45. Xinran: Gerettete Wort
  46. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

45 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Neues Spielzeug!

Seitdem ich vor einem Jahr die Videos von der E3 gesehen habe, in denen das neue 3DS-Spiel „Ever Oasis“ vorgestellt wurde, habe ich auf dieses Spiel gewartet. Es wurde zwar von Grezzo entwickelt, aber sowohl der Trailer, als auch die Beschreibungen dazu haben mich sehr an ein paar meiner Lieblingsspiele von Level 5 erinnert. Das letzte Mal habe ich mich so sehr auf ein Spiel gefreut, als „Fantasy Life“ angekündigt wurde – und am Ende habe ich über 300 Stunden mit dem Spiel verbracht und nur aufgehört, weil ich keine weiteren Herausforderungen oder Aufgaben mehr zu lösen hatte.

Dummerweise brach kurz vor Erscheinen von „Ever Oasis“ erst bei meinem 3DS XL das Schiebepad und wenige Tage später ging auch die Konsole von meinem Mann kaputt. Da saß ich nun mit meinem neuen Spiel und konnte nur die Packung bewundern … Nachdem wir gründlich drüber nachgedacht (und einen Blick aufs Urlaubsgeld) geworfen hatten, stand fest, dass wir uns noch ein paar Wochen gedulden und uns dann zwei New 2DS XL besorgen würden. Am Freitag zogen die beiden neuen Geräte dann bei uns ein. Eine weiß-orange Konsole für mich und eine schwarz-türkise für meinen Mann. Der Freitagabend ging zum Teil für den Datentransfer drauf, aber so lange dauerte das zum Glück nicht. Was bedeutet, dass wir gerade in unseren freien Minuten mit dem 2DS vor der Nase rumsitzen und uns darüber freuen, dass wir endlich wieder spielen können

Ich fürchte nur, ich habe meinem Mann zu sehr von „Ever Oasis“ vorgeschwärmt, denn am Samstagabend landete das Spiel dann prompt auch noch in seiner Konsole. (Nur gut, dass es zwei Speicherstände gibt und wir so beide das Spiel spielen können. *g*) Wenn ich mich also in den kommenden Tagen etwas rarer mache, dann könnte es sein, dass ich gerade damit beschäftigt bin, mir eine blühende Oase inmitten einer Wüste voller Chaosmonster aufzubauen. 😉

John Scalzi: Miniatures (Hörbuch)

„Miniatures – The Very Short Fiction of John Scalzi“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von John Scalzi, die dieser im Laufe seiner Autorenkarriere geschrieben hat. Darunter befindet sich nicht nur die erste veröffentlichte Geschichte des Autors, sondern auch ein Gedicht, das er noch zu Collegezeiten geschrieben hat (was man dem Text auch anmerkt). Ich habe die Hörbuchversion der Anthologie gehört und neben John Scalzi (Vorwort und Einleitungen zu den Geschichten) werden die Texte von Luke Daniels, Peter Ganim, Khristine Hvam, Greg Cope White und Fred Berman gesprochen. Dabei musste ich mich an den einen oder anderen Sprecher zwar gewöhnen, wenn eine neue Geschichte anfing, aber insgesamt haben sie alle ihre Arbeit sehr gut gemacht. Auch haben sie meinem Gefühl nach den Humor der verschiedenen Geschichten durch ihre Leistung weiter betont, ohne dass es mir übertrieben vorkam.

Die Spanne der Themen reicht von einem Gespräch mit Pluto, der über seine Herabstufung vom „Planeten“ zum „Zwergplanet“ nicht besonders glücklich ist, über „außerirdische Tiergeschichten“ oder „Verhaltensregeln für Supermarktmitarbeiter beim Kontakt mit außerirdischer Kundschaft“ bis zu den Dingen, die unsere „intelligenten Haushaltsgeräte“ über uns denken. Bei jeder dieser Geschichten ist der Science-Fiction-Anteil unübersehbar und bei jeder habe ich mich sehr über den Einfallsreichtum von John Scalzi gefreut. Ich muss auch gestehen, dass diese Geschichten für mich in die selbe Kategorie fallen wie die Science-Fiction-Anthologiebeiträge, die ich als Teenager gelesen habe und an die ich heute noch Erinnerung habe. Je skurriler und humorvoller, desto länger scheinen SF-Geschichten bei mir hängenzubleiben. Während ich zu den eher gewichtigeren Romanen, die ich zur selben Zeit aus dem Genre gelesen habe, nur noch wenige Wissensfragmente aufrufen kann. Vielleicht liegt es daran, dass humorvolle Geschichten es dem Leser selber überlassen den bitteren Kern hinter den auf den ersten Blick amüsanten Geschehnissen zu entdecken.

Interessant fand ich auch die Einleitungen zu den Geschichten, in denen John Scalzi von der Zeit und der Idee hinter der Handlung erzählt. Ich mag solche kleinen Hintergründe und hier passten sie gut als Übergang zwischen den vielen unterschiedlichen Geschichten. Denn während ich bei einem Buch relativ wenige Probleme damit habe, wenn ich es nach ein paar Seiten wieder aus der Hand lege, so bleibe ich bei einem Hörbuch doch in der Regel länger dabei, und ohne diese Übergänge bestände bei „Miniatures“ eher die Gefahr, dass die verschiedenen Aspekte der Geschichten miteinander verschwimmen und man – trotz der unterhaltsamen Erzählweise und den unterschiedlichsten Grundideen – das Ganze nicht mehr richtig würdigen könnte. Auch so habe ich immer mal wieder eine kleine Pause zwischen den Geschichten eingelegt, wenn ich das Gefühl hatte, es wären zu viele Figuren und Ideen auf einmal, um die sich nun meine Gedanken drehten, damit ich die verschiedenen Handlungen nachklingen zu lassen konnte. Insgesamt habe ich mich gut amüsiert und werde bestimmt irgendwann noch einmal zu diesem Hörbuch greifen und mich von John Scalzis ungewöhnlichen Geschichten unterhalten lassen.

Lee Goldberg: King City (Hörbuch)

Nachdem ich bislang in diesem Jahr keine Hörbücher gehört hatte, habe ich gerade einen richtigen Lauf und bin schon beim vierten Hörbuch in diesem Monat. „King City“ von Lee Goldberg wird nicht jedem Hörer gefallen, denn die Handlung ist unrealistisch, simpel gestrickt und voller amerikanischer Ideale. Wer aber kein Problem mit Geschichten hat, in denen ein guter, aufrechter Polizist gegen eine durch und durch korrupte Stadt antritt, in der sich die Gangster und die Politiker nichts nehmen, der bekommt mit „King City“ ein gut eingelesenes und unterhaltsames Hörbuch. Ich muss gestehen, dass ich mir beim Zuhören immer wieder Clint Eastwood als den Protagonisten Tom Wade vorgestellt habe (und zwar weniger wegen der „Dirty Harry“-Filme als wegen seiner Rolle in „Gran Torino“).

Zu Beginn von „King City“ bekommt man mit, wie der Polizist Tom Wade seine Kollegen wegen Korruption verpfeift und deshalb fast zwei Jahre vom Dienst freigestellt wird. Nachdem der Prozess abgeschlossen ist, gibt es keinen Grund mehr, ihn nicht wieder in den aktiven Dienst zu stellen – doch niemand möchte mit jemandem zusammenarbeiten, der seine eigenen Kollegen an die Justizbehörde meldet. Um Tom Wade auf die eine oder andere Art loszuwerden, bekommt er die neu eingerichtete Polizeistelle in „Darwin Gardens“ (einer Gegend, in der nur die Stärksten überleben) zugeteilt. Gemeinsam mit zwei Kollegen, die gerade erst ihre Ausbildung beendet haben, soll er in dem schlimmsten Viertel der Stadt wieder für Recht und Ordnung sorgen. Dass man mit gerade mal drei Personen keinen Stadtteil abdecken kann, ist dabei sowohl Tom als auch seinen Vorgesetzten bewusst, aber um den viel zu aufrechten Polizisten loszuwerden, ist dem Polizeichef jedes Mittel recht.

Ich gebe zu, ich finde es ab und an sehr erholsam, einer Figur zuzuhören, die voller Ideale und Überzeugungen ist und die zu nicht immer gesetzeskonformen Mitteln greift, um für das Gute zu streiten. Bei „King City“ sind die in der Stadt herrschenden Regeln wirklich extrem. So wird die Südstadt inzwischen nicht mehr auf Stadtplänen ausgewiesen und es gibt auch keine Streifenbeamten oder sonstige Rechtsvertreter, die in diesem Teil der Stadt für Ordnung sorgen. Stattdessen ist es üblich, die Obdachlosen, Verwirrten oder lästige Kriminelle dieser und umliegender Städte in „Darwin Gardens“ abzuladen und darauf zu hoffen, dass sich die mit diesen Personen verbundenen Probleme so von selbst lösen. So kämpft Tom Wade in den ersten Tagen auf seiner neuen Wache vor allem darum, den wenigen alteingesessenen Anwohnern zu zeigen, dass die Polizei wieder präsent ist und von nun an dafür sorgen wird, dass Recht und Ordnung ins Viertel zurückkehren werden. Dass er sich dabei mit dem örtlichen Gangsterboss ebenso wie mit seinen Vorgesetzten anlegt, versteht sich dabei von selbst.

Für etwas Auflockerung in dieser Geschichte sorgt das Verhältnis von Tom Wade zu seinen beiden jungen Kollegen. Der häufig naiv wirkende Billy nimmt anscheinend alles auf die leichte Schulter und findet es eher cool, wenn die Gefahr besteht, dass er angeschossen wird. Die deutlich ernsthaftere Charlotte hingegen ist anfangs überaus empört darüber, dass man sie in diesen Stadtteil abgeschoben hat, obwohl sie die besten Noten auf der Polizeischule hatte. Vor allem ist sie wütend darüber, da ihr nur zu bewusst ist, dass sie diesen Posten der Tatsache zu verdanken hat, dass sie sowohl farbig als auch eine Frau ist. Für sie sind Tom Wades Regelbrüche – selbst wenn sie nachvollziehen kann, warum er sie begeht – nur schwer erträglich. Auf der anderen Seite ist sie gewillt, gegen all die Ungerechtigkeiten, die sie Tag für Tag in „Darwin Gardens“ sieht, vorzugehen. Ich mochte das Verhältnis dieser drei Figuren zueinander und die unterschiedlichen Sichtweisen dieser Charaktere auf die diversen Vorfälle.

Gesprochen wird das Hörbuch von Klaus-Dieter Klebsch, dessen dunkle raue Stimme gut zur Atmosphäre in „King City“ passt. Seine ruhige Erzählweise betont die lakonische Art von Tom Wade, es gelingt dem Sprecher aber auch, den ausführlichen Gedanken, die sich der Protagonist zum Verfall von „Darwin Gardens“ oder zu den Verhaltensweisen der verschiedenen Personen macht, gerecht zu werden. Obwohl es mit einer so tiefen Stimme für einen Sprecher eher schwierig ist, eine Frau darzustellen, hatte ich nie das Gefühl, dass das leichte Anheben der Stimme, das Klaus-Dieter Klebsch in diesen Passagen verwendete, gekünstelt oder unangenehm klingen würde. Insgesamt habe ich mich mit „King City“ wirklich gut unterhalten gefühlt und wenn ich mal wieder Lust auf diese spezielle Art von Geschichte habe, werde ich schauen, ob ich weitere Hörbücher von Lee Goldberg (und mit etwas Glück gesprochen von Klaus-Dieter Klebsch) finde.

Tanya Huff: Fifth Quarter (A Quarters Novel 2)

„Fifth Quarter“ von Tanya Huff gehört zwar zu den „Quarters Novels“, ist aber keine direkte Fortsetzung von „Sing the Four Quarters“. Diese Geschichte spielt viele Jahre nach dem ersten Band und wird vor allem aus der Sicht von Vree erzählt, die gemeinsam mit ihrem Bruder Bannon zu den Assassinen der Armee des Havakeen-Imperiums gehören. Genau genommen sind Vree und Bannon die besten Assassinen in der Sechsten Armee und so ist es selbstverständlich, dass sie den Auftrag bekommen, einen rebellischen Gouverneur zu töten, obwohl er sich in einer gut gesicherten Festung verschanzt hat. Was nach einem Routineauftrag für die Geschwister ausschaut, entpuppt sich schnell als eine ungewöhnliche Falle, die dazu führt, dass Bannons Körper von einer anderen Persönlichkeit übernommen wird. Um zu verhindern, dass ihr Bruder stirbt, zieht Vree seine Seele in ihren eigenen Körper.

Doch zwei Assassinen – egal, wie nah sie sich stehen – sind zu viel für einen Körper, und die einzige Möglichkeit, alles wieder in Ordnung zu bringen, besteht darin, Bannons Körper zurückzuerobern. Aber wie soll Vree den Körper ihres Bruders wieder für ihn zurückbekommen, wenn all ihre üblichen Methoden doch nur dafür sorgen würden, dass Bannons Körper zu Schaden kommt. Die einzige Alternative scheint darin zu bestehen, dass Vree mit dem Körperdieb Gyhard zusammenarbeitet, bis dieser ein anderes Gefäß für seine Seele gefunden hat. So wird Vree gezwungen, alles zurückzulassen, was ihr bislang wichtig war, und ihre Eide gegenüber der Armee zu brechen, um ihren Bruder zu retten. Während die beiden Geschwister darum kämpfen, ihre körperliche (und seelische) Unversehrtheit zurückzubekommen, erheben sich an einem anderen Ort des Imperiums Tote aus ihren Gräbern, um dem Willen eines wahnsinnigen Nekromanten zu dienen.

Ich mag es sehr, wie Tanya Huff die Charaktere in diesem Roman angelegt hat. Sie alle haben ihre Stärken und Schwächen und es wird im Laufe der Geschichte nicht mehr so einfach zu sagen, wer von ihnen „gut“ und wer „böse“ ist. Doch besonders spannend war es, die Entwicklung von Vree und Bannon zu verfolgen. Die beiden Geschwister standen einander immer sehr nah und während Bannon häufig wie ein verwöhnter Egozentriker wirkt, ist Vree so sehr daran gewöhnt, als große Schwester auf ihn aufzupassen, dass sie trotz all seiner Schwächen immer für ihn da ist. Doch die Nähe, die die beiden zwangsweise ertragen müssen, während sie sich Vrees Körper teilen, führt in mehr als einer Hinsicht zu starken Spannungen. Dazu kommt, dass Vree Gyhard im Laufe der Zeit immer besser versteht und sich sogar zu ihm hingezogen fühlen könnte, wenn dieser nicht im Körper ihres Bruders stecken würde.

Obwohl es viele äußere Einflüsse gibt (sie werden von der Armee gesucht, sie müssen gegen wandelnde Toten ankämpfen, sich auf die Suche nach einer entführten Person machen und mit einer unerwarteten Reisebegleitung arrangieren), dreht sich die Handlung vor allem um Vrees innere Konflikte und die Auswirkungen, die diese auf Bannon und Gyhard haben. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto klarer wird einem eigentlich, dass es aus dieser Situation keinen einfachen Ausweg gibt. Und je mehr man sich wünscht, dass es doch irgendwie ein Happy End für alle Beteiligen geben möge, desto mehr fragt man sich als Leser wie das überhaupt möglich sein soll – und kommt immer wieder zu dem Schluss, dass all diese Figuren zu viel durchmachen mussten, um am Ende ihr Leben normal wieder aufnehmen zu können. Ich fand es großartig, wie Tanya Huff die vielen Probleme löst, aber ich frage mich auch, wie es für die verschiedenen Charaktere nach diesen Erlebnissen weitergehen kann. Deshalb würde ich – obwohl „Fifth Quarter“ eigentlich in sich abgeschlossen ist – am liebsten sofort zum nächsten Band greifen, um genau das herauszufinden. Wenn eine Autorin mich dazu bringt, mir so viele Gedanken und Sorgen um fiktive Figuren zu machen, dann hat sie definitiv alles richtig gemacht.

Vorhänge

Da der dreilagige Verdunklungsstoff nicht gut mit der Hand zu nähen ist, benötige ich 
1 Stunde für eine kurze Naht,
2 1/2 Stunden für eine lange Naht,
3 Stunden, um das Raffband ordentlich anzunähen.
Das ergibt insgesamt 120 Arbeitsstunden, um die gesamte Wohnung mit Vorhängen auszustatten.
Wenn ich die Zeit nicht einrechne, die ich zum Abstecken der Nähte benötige …
Immerhin werde ich bis zum Ende dieses Monats wohl endlich die Vorhänge im Wohnzimmer und in der Küche hängen haben, was unser Leben hoffentlich deutlich verbessert, weil das die beiden Räume sind, die zur Zeit die meiste Sonneneinstrahlung im Laufe des Tages abbekommen.

John Scalzi: The Dispatcher (Hörbuch)

„The Dispatcher“ von John Scalzi ist eine Geschichte, die von dem Autor direkt als Hörbuch konzipiert wurde und die im ersten Veröffentlichungsmonat kostenlos bei Audible heruntergeladen werden konnte. Besorgt hatte ich mir das Hörbuch zum Veröffentlichungstermin im Oktober letzten Jahres, aber da ich in den vergangenen Monaten nicht in der Stimmung für Hörbücher war, hat es bis zum vergangenen Freitag gedauert bis ich die kurze Geschichte endlich angefangen habe. Mit 2 Stunden und 18 Minuten ist „The Dispatcher“ perfekt für einen Nachmittag, an dem man in der Stimmung für eine Handlung ist, die mich stark an eine „hardboiled detective novel“ erinnerte, obwohl sie eigentlich – vom Erzählton abgesehen – keine Merkmale dieses Genres aufweist.

Die Geschichte spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Menschen nur noch sterben, wenn sie durch einen natürlich Tod oder Selbstmord getötet werden. Jeder Person, die Opfer eines Mordes wird, wacht kurze Zeit später unbekleidet in ihrer Wohnung auf. Nachdem die Menschen sich sicher waren, dass diese unerwarteten Überlebenden keine Einzelfälle waren, wurden sogenannte „Dispatcher“ ausgebildet, um unter anderem in Krankenhäusern Dienst als professioneller Mörder zu tun. Denn stirbt eine Person während einer OP, so bleibt sie tot, wird sie aber kurz vor ihrem absehbaren Ableben ermordet, dann bekommt sie eine weitere Chance auf eine erfolgreiche medizinische Behandlung. Wirklich beliebt sind die Dispatcher nicht und neben den vorhersehbaren Vorurteilen gibt es weitere Schattenseiten seines Berufs, wie der Protagonist Tony Valdez schnell herausfindet, nachdem ein Kollege von ihm spurlos verschwindet.

Ich fand die Welt, die John Scalzi für diese Geschichte geschaffen hat, sehr spannend, und ebenso faszinierend waren all die Konsequenzen, die sich aus einer Welt ergeben, in der Mordopfer nicht mehr sterben. Und obwohl die Menschen schon seit über acht Jahren mit der wundersamen Tatsache leben, dass Mordopfer nicht sterben, gibt es sehr viele Fragen rund um dieses Phänomen, die noch lange nicht geklärt sind. Dabei bemerkt man vor allem in den Dialogen zwischen Tony und seiner Begleiterin, welche theologischen, ethischen und philosophischen Aspekte die Menschen dank dieser Ereignisse beschäftigen. Doch noch mehr als diese fantastische Grundidee mochte ich den Ton in „The Dispatcher“. Tony gerät gegen seinen Willen in die Ermittlungen rund um das Verschwinden seines Kollegen, und je mehr die Handlung voranschreitet, desto mehr erinnerte mich seine stoische Art, mit den Ereignissen umzugehen, an einen Erzählton, den ich so sonst vor allem aus amerikanischen Detektivgeschichten der 1930er und -40er Jahren kenne und den ich sehr mag.

Gelesen wird das Hörbuch von Zachary Quinto, dessen leicht raue Stimme wunderbar zu der Geschichte passt. Ich muss gestehen, dass ich den Schauspieler bislang in keinem einzigen Film gesehen habe, aber ich bin sehr beeindruckt von seiner Leistung als Hörbuchsprecher. Er verleiht den verschiedenen Figuren Charakter und verändert seine Stimme von Person zu Person ganz leicht, so dass man jede Figur sofort wiedererkennt, ohne dabei das Gefühl zu haben, er würde dabei übertreiben oder gar (bei den weiblichen Charakteren) lächerlich klingen. Allerdings musste ich mich anfangs ein wenig an seine Aussprache gewöhnen, aber das geht mir bei englischen Hörbüchern eigentlich immer so, so dass ich das nicht dem Sprecher ankreiden möchte. Ich muss gestehen, dass mir Zachary Quintos Leistung bei diesem Hörbuch so gut gefallen hat, dass er mein „amerikanischer David Nathan“ werden könnte, wenn ich mehr Hörbücher von ihm in die Finger bekommen könnte. Leider gibt es bei Audible nur einen weiteren Titel, der von ihm eingelesen wurde – und der interessiert mich so gar nicht.

Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion (Darkbeast 2)

„Darkbeast Rebellion“ von Morgan Keyes ist die Fortsetzung des Romans „Darkbeast“, den ich im Dezember  gelesen habe. Der erste Band hat mich beim Lesen nicht vollkommen von den Füßen gerissen, aber ich wollte trotzdem unbedingt wissen, wie es mit Keara und den anderen Charakteren weitergeht. Da dies schon der zweite Band der Reihe ist und die Grundvoraussetzung sehr viel über das Ende des ersten Romans verrät, warne ich lieber vor, dass meine Rezension ab hier Spoiler zum ersten Teil enthält.

Nachdem Keara, Goran und Taggart den Inquisitoren entkommen sind, machen sie sich auf die Suche nach den „Darkers“ – einer Untergrundgruppe von Leuten, die sich ebenfalls weigerten, ihre Darkbeasts zu töten, und die nun anderen zur Flucht verhelfen. Doch als das Mädchen und seine Freunde nach einer langen und mühsamen Reise eine Gruppe finden, bei der sie Unterschlupf bekommen, fühlt sich Keara nicht wohl mit diesen Menschen. Es fällt ihr schwer, Freunde zu finden, während Goran schon nach kurzer Zeit überall beliebt zu sein scheint, und ihr Darkbeast Caw behauptet, dass sich die Bindung zwischen diesen Darkers und ihren Darkbeasts seltsam anfühlt.

Ich muss gestehen, dass mein Hauptproblem mit den Darkbeast-Geschichten die Protagonistin ist. Keara ist ein realistisch gezeichneter Teenager, was ich der Autorin wirklich zugute halte, und sie entwickelt sich im Laufe der Zeit weiter, was schön zu verfolgen ist. Aber trotz aller Fortschritte verfügt sie über eine sperrige Persönlichkeit, sie ist misstrauisch, eifersüchtig, ungeduldig und ihr fehlt in der Regel das Gespür für die Bedürfnisse ihrer Freunde, was für mich schwer zu lesen ist. Obwohl sie sich zum Beispiel Sorgen um Taggarts Gesundheit macht, da der alte Mann die beschwerliche Reise durch Schnee nicht gut verkraftet hat, bekommt man erst spät und in einem Nebensatz mitgeteilt, dass sie sich um Heilkräuter für ihn bemühte, und zu dem Zeitpunkt hat man schon das Gefühl. sie würde sich so sehr um sich selbst drehen, dass ihr egal ist, ob er gut behandelt wird oder nicht. Zum Glück gibt es noch ihr Darkbeast Caw, das ihr immer wieder den Kopf zurechtrückt und versucht, sie zu erziehen, und dessen Gespräche mit Keara einen davon überzeugen, dass sie nicht ausschließlich an sich selbst denkt.

Außerdem fand ich in „Darkbeast Rebellion“ die Welt besser beschrieben als in „Darkbeast“. Hatte ich im ersten Band noch bezweifelt, dass die erwähnten wirtschaftlichen und politischen Aspekte so funktionieren könnten, hatte ich hier nicht das Gefühl, dass irgendwas unausgewogen wäre. Vielleicht lag das nur daran, dass Morgan Keyes dem Leser weniger die Welt vorstellt, sondern un eher einen Blick hinter die Tempel- und Palastmauern gewährt, aber mir kam dieser Teil des Romans dieses Mal deutlich stimmiger vor. Auch mochte ich einen neu eingeführten Charakter sehr gern, der – trotz seiner Stellung in der Welt – eine „gewöhnlichere“ Perspektive beiträgt. Durch ihn begreift man, wie das Leben für diejenigen ist, die ohne zu hinterfragen ihrer Pflicht tun und deshalb nicht einmal auf den Gedanken kommen, dass ein Darkbeast mehr sein könnte als ein lebendes Objekt, dem man all seine negativen Eigenschaften aufbürdet, um sie dann zu einem festgelegten Zeitpunkt zu entsorgen.

Durch diesen neuen Blick auf die Welt, die verschiedenen stimmig wirkenden Figuren und all die Wendungen, die die Handlung im Laufe des Romans nimmt, wurde „Darkbeast Rebellion“ zu einer überraschend spannenden Lektüre. Keara und ihre Freunde müssen – obwohl es anfangs wirkt, als hätten sie einen sicheren Hafen erreicht – diverse Herausforderungen und Gefahren bestehen, während sich sich immer wieder fragen müssen, wie weit sie einander und ihren neuen Bekannten vertrauen können und wo wessen Loyalität liegt. Besonders fesselnd fand ich die letzten Kapitel, in denen es darum geht, dass Keara nicht nur zu einer wichtigen Entscheidung kommen, sondern auch einen Weg finden muss, um ihr Leben mit ihrem Darkbeast, ihre Freundschaft zu ihren Reisegefährten und ihr Verständnis für einen Außenseiter so auf die Reihe zu bekommen, dass sie weder sich noch die anderen gefährdet.