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Louisa May Alcott: Little Women

Auch „Little Women“ von Louisa May Alcott habe ich in den letzten Tagen im Rahmen der „100 Bücher“-Challenge gelesen (außerdem passte der Anfang so schön zum Adventslesen 😉 ). So wie ich das sehe, werde ich die Challenge mit lauter Re-Reads beenden müssen, denn die restlichen vorgemerkten Titel in der Bibliothek kommen wohl nicht mehr rechtzeitig. Aber ich finde das auch nicht schlimm, denn so bekomme ich die Chance meine Erinnerungen an Klassiker aufzufrischen, die ich vor vielen Jahren gelesen habe und mit denen mich nur noch ein paar Figuren oder einzelne Szenen verbinden. So auch bei dem Roman „Little Women“, den ich das erste Mal mit ungefähr zehn Jahren gelesen habe. Damals war ich hingerissen von den vier unterschiedlichen Schwestern, der liebevollen Mutter und einem Umfeld, das mich in manchen Elementen an die Geschichten von Laura Ingalls Wilder erinnerte.

Da die Bibliothek, aus der ich das Buch geliehen hatte, ein recht übersichtliches Angebot hatte, habe ich die Geschichte in den folgenden Jahren immer wieder gelesen. Und während des Studiums startete ich meinen ersten – und für lange Zeit letzten – Versuch mit einem englischen Hörbuch mit diesem Titel. Ich dachte, es sei einfacher, wenn ich die Handlung schon kenne, bedachte dabei aber nicht, dass die Sprecherin des Hörbuchs ein für mich absolut unverständliches Englisch sprach. *g* Seitdem sind so einige Jahre vergangen und beim erneuten Lesen habe ich in den letzten Tagen gemerkt wie selektiv meine Erinnerungen an das Buch waren.

Ich habe mich zwar an verschiedene Begebenheiten mit den vier Mädchen erinnert und vor allem der Anfang ist mir noch sehr präsent gewesen. Ich mag einfach diese Szene vor dem Kamin, in der man Meg, Jo, Beth und Amy kennenlernt, wie sie darauf warten, dass ihre Mutter von der Arbeit nach Hause kommst, wie sie ihren Vater vermissen, der freiwillig in den Krieg gezogen ist, wie sie darüber lamentieren, dass sie so arm sind, dass sie das Weihnachtsfest nicht richtig feiern können – und wie man doch bei jedem Satz merkt, dass sie doch recht glücklich miteinander sind.

Auch an die sich entwickelnde Freundschaft der vier Mädchen zu dem Nachbarjungen Laurie konnte ich mich gut erinnern, während Lauries Großvater mir überhaupt nicht mehr präsent war – dabei ist das so ein netter alter Herr, der einen doch spürbaren Einfluss auf das Leben der Mädchen hat. Ebenso ging es mir mit dem Vater von Meg, Jo, Beth und Amy – der ist zwar von Anfang an fern, wird aber so häufig erwähnt und hat so einen Einfluss auf das Leben der Mädchen (und ihrer Mutter), dass man sich doch eine ganz gute Vorstellung von ihm machen kann.

Was mich aber immer wieder überraschte, war die moralische Erzählweise der einzelnen Episoden. Da genießen die vier Schwester eine freie Wochen ohne Verpflichtungen und natürlich endet das Ganze damit, dass sie schlecht gelaunt sind, der Haushalt zusammenbricht und all gelernt haben, dass das Leben mit den täglichen Arbeiten deutlich angenehmer ist, weil man so nicht nur in einem gepflegten Umfeld lebt, sondern nach der Arbeit auch die Mußestunden viel mehr genießen kann. Anscheinend habe ich das als Kind/Jugendliche entweder nicht so wahrgenommen oder in der Zwischenzeit erfolgreich verdrängt.

Aber trotz der Lektion, die am Ende eines jeden Kapitels zu erwarten war, hat mir das Buch auch nach so vielen Jahren wieder viel Spaß gemacht. Ich habe die Höhen und Tiefen im Leben der vier Mädchen genossen, gerade weil sie so humorvoll erzählt werden, mochte vor allem Jos unbändigen Charakter und fand all die kleinen Geschichten und Fantastereien, die sie sich tagtäglich ausgedacht haben, ganz großartig. Im Vergleich zu anderen „Klassikern“ finde ich „Little Women“ zwar deutlich angestaubter und viel weniger zeitlos, aber damit kann ich bei so amüsanten kleinen Episoden definitiv leben.

Vorweihnachts-Lese-Challenge am 2. Advent

Am vergangenen Sonntag begann die „Vorweihnachts-Lese-Challenge“ von Ariana für mich mit einem gemütlichen 1. Adventssonntag. In der folgenden Woche habe ich „Den Nächsten, der Frohe Weihnachten zu mir sagt, bringe ich um“ erst einmal nicht weitergelesen. Einer der Vorteile an einer Anthologie ist ja, dass man sie hemmungslos aus der Hand legen kann, wenn man eine Kurzgeschichte beendet hat. 😉 Stattdessen habe ich mir einen Titel rausgesucht, der nicht nur zum „Vorweihnachtslesen“ passt, sondern auch für die „100 Bücher“-Challenge gezählt werden kann.


So habe ich also an den letzten Abenden zu „A Christmas Carol“ von Charles Dickens gegriffen und die Geschichte zum ersten Mal in meinem Leben auf Englisch gelesen. Ich gehöre zu den vielen Menschen, die die Handlung rund um den weihnachtsverachtenden Geschäftsmann Scrooge jedes Jahr wieder lesen (oder in einer der vielen – guten! – Verfilmungen sehen) können. 😉

Ich weiß selber nicht, warum ich bislang nie zum englischen Text gegriffen habe, aber ich fand ihn – trotz des einen oder anderen altmodischen Ausdrucks – gut lesbar. Damit habe ich also meine diesjährige Portion Scrooge schon genossen – ich hoffe trotzdem, dass in diesem Jahr wieder die Verfilmung mit Patrick Stewart im Fernsehn laufen wird …

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Heute habe ich mir wieder viel weihnachtliche Lesezeit vorgenommen und werde nicht nur die zweite Kurzgeschichte von „A Grosvenor Square Christmas“ lesen, sondern auch endlich „Den Nächsten, der Frohe Weihnachten zu mir sagt, bringe ich um“ beenden. Zumindest hoffe ich das, denn nachdem ich inzwischen acht der zwölf Kurzgeschichten gelesen habe und nur eine wirklich unterhaltsam fand, ist die Motivation zum Lesen nicht sehr groß. Auf der anderen Seite möchte ich natürlich auch nicht riskieren eine Perle unter den Weihnachtskurz“thrillern“ zu verpassen! 😉 Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass mich mein seit drei Tagen nicht angeschauter FeedReader und das Aufräumen und Putzen des Kellers, das ich mir für den Nachmittag vorgenommen habe, nicht zu sehr von dieser Anthologie ablenkt. 😉

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Nur noch zwei Kurzgeschichten liegen in der Anthologie vor mir, aber jetzt mache ich erst einmal eine Pause und widme mich dem Keller, damit morgen der Wäschtrockner einfach nur noch reingestellt und angeschlossen werden kann. *hüpf* Es gibt in meinen Augen überraschend viele Probleme mit „Den Nächsten, der Frohe Weihnachten zu mir sagt, bringe ich um“. Erst einmal sind die Geschichten so vielfältig gehalten, dass die meisten Leser vermutlich nur zwei oder so wirklich mögen werden, was in meinen Augen zu wenig ist, wenn man zwölf Geschichten vor sich hat. Dann habe ich das Problem, dass ich unheimlich viele der nicht so abgedrehten Handlungen sehr vorhersehbar finde. Das habe ich zwar auch bei vielen Krimis in Romanlänge, aber da gibt es dann immerhin noch genügend Figuren und „atmosphärische“ Passagen, die mich dann dafür entschädigen können. Bei einer Kurzgeschichte hingegen gibt es dafür nicht gerade viel Raum (und bei denen, die sich den Platz dafür nehmen, fühlt es sich oft so an, als ob da jemand Wörter geschunden hat, statt sich auf die Handlung zu konzentrieren). Bei den „skurrileren“ Geschichten hingegen haben ich oft das Gefühl, dass sich der Autor so sehr darüber gefreut hat, dass er sich etwas total unvorhersehbares und seltsames ausgedacht hat, dass er leider darüber vergaß, dass ein Leser mit seiner Geschichte auch noch etwas anfangen können muss … 😉

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„Den Nächsten, der Frohe Weihnachten zu mir sagt, bringe ich um“ habe ich dann heute doch noch beendet. Die letzten beiden Geschichten waren soweit ganz okay, aber insgesamt würde ich die Anthologie nicht weiterempfehlen. Ich hoffe nur, dass die andere Weihnachtssammlung („Süßer die Schreie nie klingen“) etwas mehr nach meinem Geschmack ist.

Um mich von der nicht ganz so gelungenen Lektüre zu erholen, habe ich mir eben zu Tee und Zitronenkuchen „One Kiss for Christmas“ von Vanessa Kelly gegönnt. Die zweite Geschichte der „A Grosvenor Square Christmas“-Anthologie war einfach nur zuckersüß, entspannend und niedlich. Am Anfang besucht man zusammen mit Nigel Dash einen Ball, auf dem er wieder einmal mit ansehen muss wie die junge Frau, die er liebt, von Verehrern umringt wird. Nachdem ihm ein guter Freund einen kräftigen Stupser gegeben hat, beschließt er, dass er von nun an nicht mehr der geduldige und nette Nigel zu sein, sondern etwas schneidiger und forscher aufzutreten, um die Amelias Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Natürlich ist Amelia ein bisschen verwirrt von dem ungewohnten Auftreten des Mister Dash, während er am Ende seine wahre Natur nicht verleugnen kann und sich immer wieder in Situationen wiederfindet, die zeigen, was für ein gutmütiger Kerl er ist. 😀

Da ich „One Kiss for Christmas“ als einen wirklich süßen und passenden Ausklang für den „Buchteil“ des zweiten Adventssonntags empfinde, werde ich heute wohl nichts mehr lesen. Stattdessen gönne ich mir gleich das Abendessen und teile mir dann den Abend zwischen FeedReader und dem DS auf. Mein schrecklich lieber Mann hat mir nämlich mit „Bravely Default“ ein neues Spiel zum Nikolaustag besorgt, das mir verflixt viel Spaß macht … 😉

Oh, und im Laufe der kommenden Woche werde ich nicht nur zu „Süßer die Schreie nie klingen“ greifen, sondern auch zu „Little Women“, denn schließlich lautet die erste Zeile dieses Klassikers:
„Christmas won’t be Christmas without any presents,“ grumbled Jo, lying on the rug.

Charles Dickens: A Christmas Carol

Mit „A Christmas Carol“ von Charles Dickens habe ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das Buch passt auf der einen Seite ganz wunderbar zu „Vorweihnachts-Lese-Challenge“ und auf der anderen Seite kann ich den Titel für die „100 Bücher“-Challenge anrechnen. Außerdem mag ich die Geschichte sehr gern und lese sie immer wieder mit Vergnügen rund um die Weihnachtszeit. In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal die englische Ausgabe des Textes gelesen und mich dabei sehr an der Sprache erfreut. Dickens gelingt es nicht nur immer wieder wunderschöne kleine Szenen heraufzubeschwören – wie zum Beispiel den Weihnachtsabend bei Scrooge Lehrherrn, an dem zwanzig Paare tanzen und ihren Spaß haben -, sondern auch kleine Dinge so zu beschreiben, dass ich sie wirklich genießen kann.

So richtig ist mir das ziemlich zu Beginn des Textes aufgefallen – nicht nur bei all den Straßenmomenten und der malerischen Beschreibung des Büros, in dem Scrooge seine Geschäfte tätigt, sondern vor allem bei der Passage, in der es um Scrooge Heimkehr und seine Wohnung geht:

„.They were a gloomy suite of rooms, in a lowering pile of building up a yard, where it had so little business to be, that one could scarcely help fancying it must have run there when it was a young house, playing at hide-and-seek with other houses, and have forgotten the way out again.“  (Seite 7 des Originalmanuskripts)

Ich verfolge gern im Rahmen der ersten Heimsuchung die Entwicklung des jungen und bücherbegeisterten Scrooge zum menschenverachtenden Geizhals. Dabei schüttel ich immer wieder amüsiert den Kopf darüber, wie schnell der alte Ebenezer auf den Gedanken kommt, dass er doch am heutigen Weihnachtsabend anders hätte handeln sollen. Dass er dem Weihnachtssänger etwas hätte zukommen lassen oder ein Wort mit seinem Anstellten hätte wechseln sollen, statt in seiner üblichen Humbug-ausrufenden Art Weihnachten als sentimentale Zeitverschwendung abzutun. Dickens erzählt die Geschichte so plakativ wie es eigentlich nur bei Märchen der Fall ist und gerade das passt so hübsch zur Weihnachtszeit. 😉

Bis zum zweiten Geist schaffe ich es immer Tiny Tim zu verdrängen – und nun muss ich eine erschreckende Tatsache beichten: Ich kann Tiny Tim nicht leiden! Dieser kleine Junge, dem Tode geweiht, so christlich denkend und allen Menschen nur das Beste wünschend, ist für mich das unangenehmste Element der Geschichte. An der Stelle, an der Scrooge den kleinen Tim neben seinem Vater im Kreise der Familie sitzen sieht und vom Geist erfährt, dass der Junge das nächste Weihnachtsfest nicht mehr erleben wird, möchte ich Scrooge am Liebsten zurufen, dass er sich zusammenreißen und ein kräftiges „Humbug“ in die Welt hinausschmettern soll. Aber stattdessen fängt der alte Geizkragen an zu zittern und zu klagen und sorgt sich um die Zukunft von Tiny Tim …

Zum Glück kommen kurz darauf die Szenen mit Scrooge Neffen und ich mag die Vorstellung, wie der alte Ebenezer mit Feuereifer bei irgendwelchen „kindischen“ Spielen mitmacht, obwohl ihn niemand sehen oder hören kann. Etwas weniger Eifer hätte ich eigentlich beim Erscheinen des dritten Geistes erwartet, denn wer möchte schon eine Zukunft sehen, die er fürchtet. Aber da Scrooge sich sicher ist, dass diese eine Weihnachtsnacht ihn vollständig verändert hat, ist es wiederum verständlich, dass er die dritte Erscheinung einfach hinter sich bringen will, um dann in ein neues Leben zu starten. Und da ich schon meine Abneigung gegenüber Tiny Tim zum Ausdruck gebracht habe, kann ich gleich noch zugeben, dass ich die Leichenfledderer-Szene in diesem Teil der Handlung mag. 😉

Zum Schluss noch ein Ende voller Truthahn, Kichern, „Ablasshandel“, kindischer Spiele und ähnlich netter Dinge, wobei es mir nach all den Szenen in Puschen und Hausmantel immer schwer fällt, Scrooge in seinem besten Anzug vor mir zu sehen. 😉 Dieses Werk von Dickens ist schrecklich kitschig und doch so schön zu Weihnachten! Trotzdem gibt es für mich nur eine Art, einen Text über diese Geschichte zu beenden:

Bah! Humbug! 

Vorweihnachts-Lese-Challenge am 1. Advent

Mit dem 1. Dezember beginnt Arianas „Vorweihnachts-Lese-Challenge“ und angenehmerweise ist dieser Tag auch gleich ein Adventssonntag. Das bedeutet für mich, dass ich heute so viel Zeit wie möglich mit weihnachtlich-winterlicher Lektüre auf dem Sofa verbringen möchte. Im Laufe des Tages werde ich ein bisschen über die gelesenen Sachen erzählen. Nach dem Frühstück werde ich erst einmal mit „1803 – The Seduction of a Duchess“ von Shana Galen starten. Das ist die erste Kurzgeschichte aus „A Grosvenor Square Christmas“ – die anderen drei Geschichten werde ich mir für die kommenden Adventssonntage aufheben.

Ansonsten habe ich mir noch ein paar weitere Titel bereit gelegt und schaue dann mal, womit ich nach der Kurzgeschichte so weitermache. 🙂 Aktuell warte ich noch darauf, dass der Ciabatta-Teig auf der Heizung fertig gegangen ist, damit ich die Brötchen fürs Frühstück backen kann. Ich bin zwar heute schon vor sieben Uhr aufgestanden, aber dank der Katzen hat sich alles ein bisschen verzögert.

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So viel zu „ich will den ganzen Sonntag mit Lesen verbringen“. Leckeres Frühstück gab es zwar, aber dann kamen mir lauter andere Dinge dazwischen (immerhin habe ich dafür auch schon das erste Weihnachtspaket fertig gepackt und kann es spätestens Mittwoch auf den Weg bringen – was nötig ist, da es auch das Geburtstagsgeschenk für meinen Neffen enthält). Jetzt ist es schon 13:45 Uhr und ich nehme mir nun ein Beispiel an Christie …

… und strecke mich auf dem Sofa aus und lese endlich „1803 – The Seduction of a Duchess“ von Shana Galen. 😉

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The Seduction of a Duchess

Die Kurzgeschichte war wirklich niedlich und unterhaltsam zu lesen. Im Zentrum stand eine 47jährige Witwe, die nach vielen Jahren einen Mann wiedersieht, der sie und ihren Sohn während der französischen Revolution in Sicherheit gebracht hat. Abgesehen vom Weihnachtsball, einem Mistelzweig und etwas Schnee gab es zwar nicht viel weihnachtliches, aber dafür fand ich die ungewöhnliche Konstellation wirklich nett. 🙂

„Den Nächsten, der Frohe Weihnachten zu mir sagt, bringe ich um“


Danach ging es weiter mit der ersten Kurzgeschichte aus „Den Nächsten, der Frohe Weihnachten zu mir sagt, bringe ich um“. Die Geschichte wurde von Petra Busch geschrieben, trägt den Titel „Nur ein Schneehase“ und hat mich nicht so begeistern können. Vor allem die Figur, die Schuld am Tod eines Kindes ist, konnte mich so gar nicht überzeugen und die Entwicklung der Handlung fand ich auch recht vorhersagbar. Mal gucken, wie mir die nächste Geschichte gefällt, vorher koche ich mir aber noch einen Tee und hole ein paar Kekse aus der Küche. 😉

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Inzwischen habe ich sechs der zwölf Kurzgeschichten aus dieser Anthologie gelesen (und gekocht und gegessen und etwas mit meinem Mann geschwatzt). Und nachdem mir auch die zweite Story nicht so recht gefallen hatte und ich überhaupt so langsam mal wieder das Gefühl bekam, dass ich schon zu viele Krimis gelesen habe, weil ich die Auflösungen so schrecklich vorhersagbar finde, konnte mich dann doch noch eine Geschichte gut unterhalten. Bei einer anderen Kurzgeschichte bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll, aber es ist ja schon mal gar nicht so schlecht, wenn einen so etwas noch eine Weile beschäftigt. 😉

Aber jetzt ist für mich heute erst einmal Schluss mit dem „Vorweihnachtslesen“, am kommenden Adventssonntag gibt es dann den nächsten Post zu diesem Thema.

Advent, Advent … Vorweihnachts-Lese-Challenge

Ariana hat sich am Samstag (wohl relativ spontan) eine „Vorweihnachts-Lese-Challenge“ ausgedacht. Da ich gern an solchen entspannten Challenges teilnehme und die Adventszeit für mich eh gemütliche Lesezeit bedeutet, habe ich in den letzten Tagen überlegt, wie ich eine Teilnahme auf die Reihe bekommen könnte. Dabei mangelt es mir nicht an Zeit, sondern an der passenden Lektüre – denn „weihnachtliche“ Geschichten lese ich nur sehr selten.
Dann aber verlinkte Irina in ihrem aktuellen Buchsplitter-Beitrag das kostenlose E-Book „A Grosvenor Square Christmas“ mit vier weihnachtlichen Regency-Kurzgeschichten. Da ich so langsam sowieso wieder Lust auf historische Liebesgeschichten habe, nehme ich die vier Kurzgeschichten mal als Anfang für die Challenge. 
Mein persönliches Ziel für die Challenge lautet, dass ich an jedem Adventssonntag eine dieser weihnachtlichen Kurzgeschichten lesen möchte.
Wenn ich noch weitere „weihnachtliche“ Geschichten in die Finger bekomme, dann werde ich sie auch für die Challenge lesen, aber erst einmal konzentriere ich mich auf die Adventssonntage und diese Liebesgeschichten rund um einen Weihnachtsball.
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Der Vollständigkeit halber kommen hier noch einmal die allgemeinen Regeln für die Challenge:
  • Es geht darum, sich im Advent und an den Weihnachtsfeiertagen immer wieder etwas Zeit zu nehmen und sich mit passender Literatur auf die “stade Zeit” und Weihnachten einzustimmen.
  • Was genau und wie viel gelesen oder gehört wird, bleibt jedem Teilnehmer selbst überlassen – die (Hör-)Bücher sollten nur was mit der Jahreszeit zu tun haben. Man kann sich z. B. ein weihnachtliches Buch vornehmen, in dem man bis zum 24.12. jeden Tag ein Stück liest – so eine Art literarischen Adventskalender. Oder man sucht sich ein oder mehrere (Hör-)Bücher rund ums Thema und liest oder hört sie über die vier Wochen verteilt. Also: keine anstrengenden Vorgaben, keine Zwänge, einfach nur stimmungsvolles, (vor)weihnachtliches Lesen und Hören. 🙂
  • Die Challenge beginnt am 1. Advent (also am 1.12.2013) und endet am zweiten Weihnachtsfeiertag. 
  • Teilnehmen kann jeder, der möchte – Anmeldung bitte per Kommentar zu diesem Post (also bei Ariana unter diesem Post:  „Vorweihnachts-Lese-Challenge“). Das persönliche Leseziel legt jeder Teilnehmer individuell fest, ein (vor)weihnachtliches oder winterliches (Hör-)Buch, das im Challenge-Zeitraum gelesen oder gehört wird, reicht schon aus.
  • Wenn sich außer mir noch ein paar Mitleser für die Challenge finden, gibt es am Ende auch eine Kleinigkeit zu gewinnen …

Wilkie Collins: The Woman in White

„The Woman in White“ von Wilkie Collins hat es mir anfangs nicht so leicht gemacht. Erst gefiel mir die deutsche Übersetzung nicht, dann wurde ich nicht so recht warm mit der Figur des Walter Hartright, und auf Englisch hat sich das Ganze auch noch etwas hingezogen. Trotzdem hat mir die Geschichte sehr gut gefallen, als ich erst einmal in der Handlung drin war (und mich an die etwas langatmige Schreibweise der verschiedenen Figuren gewöhnt hatte). Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven – von denen mir die des alten Familienanwalts Gilmore und die der älteren Schwester der „verfolgten Heldin“ am liebsten waren.

Der Beginn von „The Woman in White“ wird von Walter Hartright berichtet, der sein Auskommen als Zeichenlehrer in London hat und über die Sommermonate etwas knapp bei Kasse ist. So könnte es ihm gerade recht kommen, als ein Freund ihm ein Engagement als Zeichenlehrer im Limmeridge House in Cumberland vermitteln kann – doch der gute Walter ist anfangs etwas unmotiviert und unwillig, auf Reisen zu gehen. Trotzdem nimmt er natürlich den Job an und verabschiedet sich am Abend vor der Abfahrt von seiner Mutter und Schwester, die in einem Cottage vor den Toren Londons leben.

Auf dem Rückweg in die Stadt wird er von einer geheimnisvollen Frau in Weiß angesprochen, die sich zu fürchten scheint und ihn bittet, sie bis London zu begleiten. Nachdem sie sich von ihm getrennt hat, ohne ihm ihren Namen zu verraten – aber dafür weiß er nun, dass sie gute Erinnerungen an Limmeridge House hegt, das sie als Kind besucht hatte – bemerkt er zwei Männer, die auf der Suche nach einer entflohenen Patientin eines Irrenhauses, die vermutlich ganz in Weiß gekleidet ist, sind. Bei seiner Ankunft in Limmeridge House ist er noch ganz erfüllt von diesem Erlebnis und versucht mit der Hilfe von Marian Halcombe (einer seiner beiden Zeichenschülerinnen), mehr über die Unbekannte herauszubekommen.

Aus den alten Briefen ihrer verstorbenen Mutter (Mrs. Fairlie) schließt die junge Frau, dass es sich bei der Dame in Weiß um Anne Catherick handeln muss, die als Kind eine Zeit lang in der örtlichen Schule unterrichtet wurde und die – aufgrund ihres zurückgebliebenen Gemüts und ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit Marians Halbschwester Laura Fairlie – von Mrs. Fairlie unter ihre Fittiche genommen wurde. Nach dieser Entdeckung scheinen aber alle Hinweise erst einmal ausgeschöpft zu sein und Walter und Marian erwarten nicht, dass sie noch mehr über die geheimnisvolle Anne Catherick rausfinden.

Währenddessen verliebt sich Walter in die schöne, sanfte und künstlerisch begabte Laura, die ebenfalls tiefe Gefühle für den Zeichenlehrer empfindet. Doch da er nicht standesgemäß ist und sie vor Jahren auf dem väterlichen Totenbett mit Baron Glyde verlobt wurde, kann aus der Sache natürlich nichts werden. So ist Walter gezwungen, einen persönlichen Notfall vorzuschieben, um von seinem Arbeitgeber (Lauras Onkel Sir Fairlie) vorzeitig aus seinem Engagement entlassen zu werden. Damit wäre die ganze Angelegenheit vermutlich erledigt gewesen, wenn nicht Anne Catherick unvermutet im Dorf aufgetaucht wäre und einen (eigentlich anonymen) kryptischen Brief an Laura geschrieben hätte, in dem sie die junge Frau vor der Heirat mit dem Baron warnt.

Doch da Anne nicht bereit ist, eine klare Aussage zu machen, und wieder verschwindet, bevor Walter und Marian mehr aus ihr herausholen können, und auch nichts Nachteiliges über den Baron herauszufinden ist, heiratet Laura den älteren Edelmann und geht für ein paar Monate auf Hochzeitsreise, während Walter sich von einer Expedition anheuern lässt, um die schöne Laura zu vergessen. Zwischen den beiden unglücklich Liebenden hängt Marian und versucht, für alle das Richtige zu arrangieren, zu trösten, zu schützen und ihrer Schwester so viel Sicherheit wie möglich zu geben. Natürlich stellt sich nach der Hochzeitsreise heraus, dass Baron Glyde ein Schuft ist – ebenso wie sein bester Freund, der italienische Conte Fosco, der ganz zufällig mit Lauras Tante verheiratet ist (die übrigens wegen der Wahl ihres Ehemannes von ihrer Familie verstoßen wurde).

Das war jetzt grob zusammengefasst (und ohne zu sehr zu spoilern) die Handlung des ersten Drittels von „The Woman in White“, die von Walter Hartright sowie dem Familienanwalt der Fairlies und Marian Halcombe erzählt wurde. Dabei gelingt es Wilkie Collins eigentlich sehr gut, im Leser (und in Walter und Marian) die Überzeugung zu wecken, dass Percival Glyde Böses im Schilde führt, aber auch aufzuzeigen, dass allen Beteiligten die Hände gebunden sind, solange sie keinen Beweis für den schlechten Charakter des zukünftigen Bräutigams haben. So kann man sich zwar die ganze Zeit denken, welche Richtung die Handlung jeweils einschlagen wird, aber die Frage, wie es genau dazu kommt, bringt einen dazu, sich intensiv mit der Geschichte zu beschäftigen und immer weiter zu lesen.

„The Woman in White“ war wirklich spannend zu lesen, dabei habe ich oft genug beim Lesen gedacht, dass da nur ein Haufen unfassbar schwafelnder Menschen zu Wort kommt – und so zappelte ich mit den Füßen vor Ungeduld, während jemand abschweift, weil er noch einschieben muss, dass er natürlich unter normalen Umständen niemals jemanden belauschen würde, aber das die einzige Chance zu sein schien, etwas über die Pläne des Barons, über die Beweggründe des Contes und über die Hintergründe dieses oder jenes Moments zu erfahren, obwohl man sich dafür in eine gefährliche und seinem Stand nicht angemessene Position bringen müsste, während das Wetter … *g*, weil ich doch unbedingt erfahren wollte, ob das Dienstmädchen vielleicht eine schlimme Begegnung hatte oder ob es in der Lage war, unbehelligt – aber dafür mit zwei brisanten Briefen in der Tasche – abzureisen. Und ja, das war jetzt ein einziger langer Satz, der hoffentlich verdeutlicht, wie es mir beim Lesen erging.

Aber nicht nur Spannung kommt durch diese ausufernde Erzählweise auf, man lernt auch die Charaktere sehr gut kennen. Bei denjenigen, die einem unsympathisch sind, fühlt sich jeder Absatz endlos an (und unterstreicht nur die unangenehmen Züge des jeweiligen Menschen), bei denjenigen hingegen, die einem sympathisch sind, sorgen diese kleinen Abschweifungen noch mehr dafür, dass sie einem ans Herz wachsen und dass sie mit ihren Stärken und Schwächen mit jedem Bericht ein bisschen realer wirken. Nur die Figur der armen Laura, die als Einzige nicht zu Wort kommt, erschien mir am Ende immer noch etwas farblos, aber damit konnte ich leben. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich durch die „100 Bücher“-Challenge auf das Buch aufmerksam geworden bin. Und wenn ich irgendwann mal etwas mehr Ruhe und Lust auf etwas ausführlichere Lektüre habe, dann lese ich bestimmt noch einen der anderen Titel von Wilkie Collins.

Jacqueline Wilson: The Story of Tracy Beaker

„The Story of Tracy Beaker“ habe ich im Rahmen der „100 Bücher“-Challenge gelesen. Nachdem ein paar Challenge-Teilnehmer andere Titel der Autorin Jacqueline Wilson recht positiv bewertet hatten, dachte ich, dass ich sie auch mal antesten könnte. Leider hatte meine Bibliothek nur diesen Titel im Angebot – und für mich war es nicht die richtige Geschichte. Ich weiß nicht, wie viele Wochen ich benötigt habe, um die ersten 40 von 160 Seiten gelesen zu bekommen – und wenn ich den Roman nicht am 2. August zurück zur Bibliothek bringen müsste, hätte ich ihn wohl immer noch nicht geschafft.

Das Problem bei dieser Geschichte war für mich, dass ich die Hauptfigur einfach nicht leiden konnte. Tracy ist ein zehn Jahre altes Mädchen, das als kleines Kind in ein Kinderheim kam. Auf der einen Seite malt sie sich ständig aus, was ihre Mutter alles beruflich macht und wie sehr sie auf der Suche nach ihr ist, auf der anderen Seite erzählt sie von ihrem Leben bei Pflegefamilien und in Heimen. Dabei hat Tracy schon viele Stationen durchlebt und muss immer wieder erfahren, wie ungerecht das Leben zu einem Pflegekind sein kann.

Obwohl mir Tracy eigentlich leid tun müsste und ich mit ihr zusammen empört bin, wenn sie z. B. von einem Ehepaar wieder zurück ins Heim gegeben wird, weil das Paar ein Baby erwartet, kann ich sie nicht ausstehen. Normalerweise mag ich aufmüpfige, Horrorfilm-liebende und nicht zu angepasste Kinder, aber Tracy geht mir auf die Nerven. Sie ist zwar sehr realistisch dargestellt, aber ich möchte sie nur noch schütteln, wenn sie beteuert, dass sie keine Schuld an irgendetwas hat, oder wenn sie sich ausmalt, wie sie anderen Kindern Angst einjagen könnte, wenn sie nur einen großen Hund hätte, oder … Es gibt unheimlich viele Kleinigkeiten, die dafür sorgten, dass ich Tracy eine Ohrfeige geben wollte, statt weiterzulesen, um herauszufinden, wie es ihr ergeht.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Jacqueline Wilson Tracys Geschichte nicht in Tagebucheinträgen geschrieben hätte. Mit etwas mehr Abstand und ohne Tracys niedergeschriebene Gedanken hätte ich das Mädchen vermutlich sympathischer gefunden. So hat mich am Ende nur Cam – eine Autorin, die über das Kinderheim schreiben wollte und im Laufe der Geschichte Tracy näher kommt – vor einem Abbruch des Buchs gerettet. Sie fand ich vom ersten Augenblick an sympathisch, und als Cam und Tracy anfingen, sich gegenseitig Briefe zu schreiben, konnte ich mich auch mit Tracy etwas aussöhnen.

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört …

„Wer die Nachtigall stört …“ von Harper Lee wurde von mir im Rahmen der „100 Bücher“-Challenge gelesen. Er ist wieder einer dieser Romane, von denen ich schon so viel gehört habe, den ich aber von mir aus vermutlich nicht so schnell gelesen hätte. Ich finde es immer wieder bedauerlich, dass mir inzwischen die Offenheit gegenüber diesen „Klassikern“ fehlt, die ich als Kind hatte. Mit zwölf Jahren hatte ich alle Bereiche in unserer kleinen Stadtbibliothek durch, die mich interessierten, und habe mich danach einfach auf die übrigen Regale gestürzt und systematisch alles angeguckt, das ich nicht kannte. So habe ich in den folgenden Jahren auch viele Klassiker für mich entdeckt und mich quer durch die verschiedenen Stilrichtungen und Zeiten gelesen. Inzwischen – so fürchte ich – habe ich eine Menge vorgefasste Meinungen über viele der Bücher, die man „gelesen haben sollte“ und greife stattdessen in der Regel lieber zu Fast-Food-Geschichten als zu einem Klassiker.

So hätte ich wohl auch nicht so schnell zu „Wer die Nachtigall stört …“ gegriffen, obwohl mir der Roman wirklich gut gefallen hat. Erzählt wird die Geschichte von der (anfangs) sechsjährigen Jean Louise „Scout“ Fink, die gemeinsam mit ihrem vier Jahre älteren Bruder Jem die kleine Stadt Maycomb unsicher macht. Und während ich über die Handlung immer nur gehört hatte, dass es sich um Rassentrennung und die Ungleichbehandlung zwischen Schwarz und Weiß handelt, dreht sich der Roman doch vielmehr um die großen und kleinen Erlebnisse, die Scout und ihr Bruder in ihrer Kindheit haben. Dass dabei auch die Tatsache eine Rolle spielt, dass ihr Vater als Rechtsanwalt – gegen den Widerstand seiner Familie und zum Entsetzen der „ehrbaren“ weißen Bevölkerung – einen Schwarzen verteidigt, fällt anfangs gar nicht so sehr ins Auge, sondern gehört eher zur Charakterbeschreibung von Scouts Vater Atticus Fink.

Erst im zweiten Teil des Buches bekommt man als Leser mehr über den Fall und die Gerichtsverhandlung mit, und hier gelingt es der Autorin, Stück für Stück mit erschreckender Deutlichkeit die Unschuld des Angeklagten aufzuzeigen, während einem weiterhin bewusst ist, dass an diesem Ort und zu dieser Zeit ein Freispruch für einen schwarzen Mann einfach nicht geschehen wird. Ich fand es überraschend angenehm, all diese Geschehnisse durch Scouts Augen zu erleben. Sie saugt zwar in kindlicher Neugier alle Details in sich auf, beschreibt Dinge, die ein Erwachsener vielleicht nicht als relevant empfinden wurde, aber ist doch erst einmal distanziert.

Scout fällt es schwer, das Gesehene und Erlebte zu bewerten, und sie denkt nicht in den gleichen Schubladen wie die Erwachsenen in ihrer Umgebung. Stattdessen scheint sie erst einmal alles hinzunehmen, um es später in einen – für sie logischen – Zusammenhang zu bringen. Das sorgt auf der einen Seite dafür, dass ich mich als Leser nicht so persönlich betroffen fühle und mehr Raum habe, um die treffenden Charakterbeschreibungen und die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Auf der anderen Seite zeigt diese Erzählweise überdeutlich, wie widersinnig eine solch rassistische Haltung ist – und leider auch, wie wenig ein einziger ehrbarer Mann gegen die Tyrannei der Masse bewirken kann.

Abgesehen davon, dass das eine wirklich tolle Art ist, um so eine Geschichte zu erzählen, hat Harper Lee auch ein Händchen für Figuren. Scout und Jem sind neu- und wissbegierige Kinder, und vor allem Scout fällt es oft schwer, all die Wissensbrocken und gesellschaftlichen Regeln richtig zuzuordnen. Die beiden stecken – ebenso wie ihr Freund Dill – voller Einfälle, Herausforderungen und Streiche, ohne dass sie bewusst boshaft handeln würden. Ihr Vater Atticus ist eine wunderbare Figur, auch wenn er sich für mich nicht wirklich real anfühlte, da er mir manchmal einfach zu gut war. Nicht fehlerfrei, aber dafür stoisch, gerecht, höflich und mit genügend Rückgrat, um für seine Überzeugungen einzustehen. Ein Ideal, an dem man sich orientieren kann, aber keine für mich wirklich greifbare Person.

Lucy Maud Montgomery: Anne auf Green Gables

„Anne auf Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery ist für mich mal wieder ein Re-Read und wurde von mir für die „100 Bücher“-Challenge gelesen. Das erste Mal habe ich die Anne-Geschichten als Teenager gelesen, als ich die Bücher von zwei Freundinnen geliehen bekommen hatte. In den folgenden Jahren habe ich die zwar immer mal wieder gelesen, aber da ich die Romane nicht selber hatte, ist das letzte Mal so lange her, dass ich mich nur noch an die Charaktere erinnern konnte und an fast keine Details. Umso schöner war es jetzt, die ganzen kleinen und großen Abenteuer und Katastrophen von Anne noch einmal so erleben zu können, als würde ich die Geschichte zum ersten Mal lesen.

Doch erst einmal zum Inhalt: Auf der Farm Green Gables leben die beiden älteren Geschwister Marilla und Matthew Cuthbert, die eines Tages beschließen, einen zehnjährigen Jungen zu adoptieren, der Matthew bei der Farmarbeit zur Hand gehen kann. Doch statt eines kleinen Jungen wartet eines Tages die rothaarige und fantasiebegabte Anne Shirley auf dem Bahnhof darauf, dass sie abgeholt wird. Ist Marilla anfangs noch wild entschlossen, das Missverständnis aufzuklären und das unerwünschte Mädchen wieder zurück ins Waisenhaus zu schicken, so verfällt auch diese spröde Frau schnell dem sonnigen und plappernden Wesen von Anne.

So engagiert Matthew einen Jungen aus dem Ort für die Farmarbeit und verbringt die folgenden Jahre damit, Anne zu verwöhnen, wenn Marilla bei ihrer Erziehung mal wieder zu streng und sachlich vorgeht. Dabei stellt das rothaarige Mädchen mit all seinen Einfällen das Leben der beiden Geschwister gründlich auf den Kopf – und wenn nicht ihre Fantasie sie in Schwierigkeiten bringt, dann passieren ihr immer wieder Missgeschicke, die sie zutiefst unglücklich machen, weil sie es doch nur gut gemeint hat. So serviert sie ihrer besten Freundin statt des selbstgemachten Johannisbeersafts von Marilla den ebenfalls selbstgebrauten Johannisbeerwein oder verwechselt beim Kuchenbacken aus Versehen die Zutaten … So klein und banal diese Szenen zu sein scheinen, so amüsant werden sie von der Autorin erzählt.

Große, dramatische Ereignisse gibt es kaum, aber viele kleine Momente, die für die junge Anne manchmal das Ende der Welt zu sein scheinen. Aber natürlich erlebt das Waisenmädchen bei den Cuthberts auch viele schöne und unvergessliche Stunden, übersteht abenteuerliche Ereignisse mit ihren Freundinnen oder heimelige und liebevolle Momente auf Green Gables. Mir hat es so viel Spaß gemacht, Annes Aufwachsen auf Green Gables zu verfolgen, dass ich prompt für knapp 2 Euro das Gesamtwerk der Autorin für den Kindle runtergeladen habe und mich frage, warum ich gerade diese Kinderbücher nie nachgekauft habe. Wenn ich endlich mal all die anderen Lesevorhaben für diesen Monat erledigt habe, werde ich wohl nach Avonlea zurückkehren, wieder in Annes Welt abtauchen und herausfinden, wie der neue Nachbar reagiert, wenn er erfährt, dass sie aus Versehen seine Jerseykuh verkauft hat.

Die Frau in Weiß vs. The Woman in White

Für den Mai hatte ich mir für die „Bücher, die man gelesen haben muss“-Challenge „Die Frau in Weiß“ von Wilkie Collins vorgenommen. Dieser viktorianische Schriftsteller gilt als Begründer der „Mystery Thriller“ und auf das Genre habe ich zur Zeit eh gerade Lust. 😉

Pünktlich lieferte mir die Stadtbibliothek „Die Frau in Weiß“ in der ungekürzten Fischer-Klassik-Ausgabe (Fischer Verlag, Oktober 2009), die von Arno Schmidt übersetzt wurde, und dann las ich die ersten Seiten. Und las sie noch einmal … und noch einmal … Dann griff ich zu meinem Reader und guckte, ob ich nicht kurzfristig zum Vergleich eine englische Variante davon finden würde. Zum Glück war das kein Problem und schon konnte ich die beiden Versionen einander gegenüberstellen.

Um den Unterschied für euch deutlich zu machen, zitiere ich hier mal den Anfang der ersten Passage, die von der Hauptfigur Walter Hartright erzählt wird:

„Es war der letzte Tag im Juli. Der endlose heiße Sommer begann sich seinem Ende zu nähern; und wir, müde Pilgrime auf Londons Pflaster, fingen an, von Wolkenschatten über weiten Kornfeldern zu träumen oder frischen Herbstbrisen am Meeresstrand.
     Was speziell mein bescheidenes Selbst anbelangt, so hinterließ mich der scheidende Sommer körperlich in nicht gerade erfreulicher, geistig in lustloser und finanziell in ausgesprochen dürftiger Verfassung. Ich hatte während des vergangenen Jahres meine beruflichen Möglichkeiten nicht so sorgfältig wie sonst ausgeschöpft; eine Unbesonnenheit, infolge derer sich mir die Aussicht eröffnete, den Herbst fein sparsam und abwechselnd in dem kleinen Landhäuschen meiner Mutter in Hampstead und meiner eigenen Stadtwohnung zu verbringen.“

(Wilkie Collins: „Die Frau in Weiß“, Fischer Verlag 2009, S. 10)

„It was the last day of July. The long hot summer was drawing to a close; and we, the weary pilgrims of the London pavements, were beginning to think of the cloud-shadows of the cornfields, and the autumn breezes on the sea-shore.
     For my own poor part, the fading summer left me out of health, spirits, and, if the truth must be told, out of money as well. During the past year I had not managed my professional resources as carefully as usual; and my extravagance now limited me to the prospect of spending the autumn economically between my mother’s cottage at Hampstead and my own chambers in town.“

(Wilkie Collins: „The Woman in White“, Public-Domain-Kindle-Ausgabe)

Ich denke gar nicht mal, dass der Übersetzer Arno Schmidt seine Sache schlecht gemacht hat (wenn man von dem Wort „Pilgrime“ absieht). Und ich finde es auch fies, dass Übersetzer immer nur erwähnt werden, wenn man unzufrieden mit einem Text ist. 😉 Aber in der Übersetzung wirkt dieser Text so viel pompöser – und somit für mich auch weniger flüssig lesbar – als im Englischen. Für manche Erzählweisen scheint das Deutsche, vor allem, wenn man es im direkten Vergleich sieht, einfach nicht gemacht zu sein. Vor allem der zweite Satz wirkt für mich im Englischen viel sympathischer und runder oder habt ihr das Gefühl, dass ich mich da anstelle?

Nach diesem Vergleich werde ich auf jeden Fall auf Englisch weiterlesen, auch wenn ich für die 685 Seiten wohl eine Weile brauchen werde. Im Zweifelsfall kann ich im Mai für die Challenge ja noch eines der vielen Kinderbücher einschieben, schließlich hat mir die Bibliothek auch „Anne auf Green Gables“ ausleihen können. 😉