Schlagwort: Kinder- und Jugendbuch

Caroline Carlson: Der weltbeste Detektiv

Ich weiß nicht mehr, wo ich über „The World’s Greatest Detective“ von Caroline Carlson gestolpert bin, aber ich weiß noch, dass ich die Inhaltsangabe vielversprechend fand. Als ich nun die Gelegenheit hatte, die deutsche Ausgabe zu lesen, habe ich mich sehr gefreut. Die Geschichte dreht sich um den elfjährigen Toby Montrose, der vor einiger Zeit seine Eltern verloren hat und nun von einem Verwandten zum nächsten geschoben wird. Seine letzte Chance, dem Waisenhaus zu entgehen, ist sein Onkel Gabriel Montrose, der als Detektiv arbeitet und gemeinsam mit vielen Konkurrenten in der Schnüfflergasse lebt. Toby tut alles in seiner Macht stehende, damit Onkel Gabriel zufrieden ist, aber er muss Tag für Tag beobachten, wie vor der Tür des berühmten Detektivs Hugo Abercrombie die Klienten Schlange stehen, während bei seinem Onkel nur Rechnungen und Mahnungen eintrudeln. Als Toby es dann auch noch fertig bringt, die einzige potenzielle Klientin seit Wochen zu vergraulen, ist er bereit, alles zu unternehmen, damit er an Geld kommt, um für Onkel Gabriel von Nutzen zu sein.

So setzt Toby alle Mittel in Bewegung, um an dem großen Detektivwettbewerb teilzunehmen, der von Hugo Abercrombie ausgerufen wurde. Während Onkel Gabriel verreist ist, um in einem schon älteren Fall Nachforschungen anzustellen, gelingt es Toby die Anwesenheit seines Onkels in Coleford Manor vorzutäuschen und als „Detektivassistent“ von Onkel Gabriel Teil der Ermittlungen rund um einen fiktiven Mordfall zu werden. Dummerweise stolpert Toby aber schon an seinem ersten Abend in dem Herrenhaus über eine echte Leiche, so dass aus dem spielerischen Wettbewerb eine Angelegenheit um Leben und Tod wird. Zum Glück findet er in der gleichaltrigen Ivy, die auf Coleford Manor lebt und eine begeisterte Detektivin ist, eine Verbündete, die mit ihm gemeinsam die Ermittlungen aufnimmt.

Ich muss zugeben, dass ich mich beim Lesen von „Der weltbeste Detektiv“ wirklich gut unterhalten habe. Ich mochte die vielen verschiedenen (skurrilen) Charaktere, ich mochte Toby und ich konnte mich im Laufe der Zeit sogar mit Ivy anfreunden. Auch war der Kriminalfall rund um den ermordeten Hugo Abercrombie gut erzählt, obwohl die verschiedenen Hintergründe stellenweise etwas arg durchsichtig waren – aber der Roman wurde ja auch für eine jugendliche Zielgruppe geschrieben und ich halte der Autorin wirklich zugute, dass sie trotzdem eine recht solide Krimihandlung konstruiert hat. Was mich aber im Laufe der Zeit immer mehr störte, war die Welt, in der die Geschichte spielte. Ich fand es unstimmig, dass es zwar Polizei gab, aber die Detektive viel mehr bei einem Mord zu sagen hatten. Das Ganze ging so weit, dass die Polizei drei Tage vor den Toren des Herrenhauses warten musste, bis sie endlich hereingelassen wurden (weil die Detektive noch keinen Schuldigen gefunden hatten).

Die Welt fühlte sich stellenweise sehr britisch an und es gibt auch einige Anspielungen auf klassische britische Kriminalromane, aber die Autorin erwähnt in der ganzen Zeit nur drei Länder (inklusive dem, in dem Toby und sein Onkel leben) und alles, was man über das Heimatland von Toby erfährt, ist, dass dort alle Detektivgeschichten mögen und Detektive sein wollen, während im Nachbarland nicht einmal Kriminalromane gelesen werden und man in Land Nummer drei Ausgrabungen machen kann. Die Welt, die Caroline Carlson da geschaffen hat, ist einfach unrund. Sie ist nicht skurril genug, um für sich zu funktionieren, aber auch nicht normal genug, dass man sie als Teil unserer Welt akzeptieren könnte. Diese Unstimmigkeiten haben mich nicht daran gehindert die Geschichte zu genießen – und ich bin mir sicher, dass viele (gerade jugendliche) Leser darüber hinwegsehen können -, aber sie sorgen dafür, dass ich froh bin, dass ich den Roman nur geliehen und nicht gekauft habe.

Diana Wynne Jones und Ursula Jones: The Islands of Chaldea

„The Islands of Chaldea“ ist das Buch, an dem Diana Wynne Jones arbeitete, als sie an Krebs erkrankte. Nach dem Tod der Autorin hat ihre jüngere Schwester Ursula Jones den Roman beendet, wobei sie im Nachwort anmerkt, dass sie keine Ahnung hatte, in welche Richtung ihre Schwester die Geschichte weitergedacht hätte. Sie hat nur versucht, die Hinweise zu finden, die Diana Wynne Jones für ihre Leser in den schon geschriebenen Kapiteln versteckt hatte, und sich überlegt, welche Elemente ihren schon geschriebenen Romanen gerecht würden. Ich muss zugeben, dass ich beim Lesen keine großen Brüche in der Geschichte bemerkt habe, aber es ab einer bestimmten Stelle Szenen gibt, bei denen ich mich frage, ob die noch von Diana Wynne Jones stammen oder nicht. Doch obwohl es wiederkehrend Elemente in Diana Wynne Jones‘ Romanen gibt, lassen sich ihre Handlungsentwicklungen einfach nicht vorhersagen, weil sie den Leser immer wieder zu überraschen wusste. Wenn also nicht irgendwann einmal Ursula Jones verrät, welche Teile von ihr und welche von ihrer Schwester sind, werde ich wohl nie wissen, ob ich mit meinem Verdacht richtig liege oder nicht – und das ist vollkommen in Ordnung so. 😉

Die Handlung in „The Islands of Chaldea“ wird aus der Perspektive der zwölfjährigen Aileen erzählt, die seit ihrem fünften Lebensjahr bei ihrer Tante Beck lebt, die die Weise Frau von Skarr ist. Auch von Aileen wird erwartet, dass sie einmal diese Position übernimmt, wie es die Frauen ihrer Familie seit Jahrhunderten tun. Doch in der Nacht, in der ihre Initiation zur „Weisen Frau“ passieren soll, ist etwas schiefgelaufen, und so ist Aileen sich sicher, dass sie niemals gut genug für eine solch verantwortungsvolle Position sein wird. Noch bevor sie sich von ihrer Enttäuschung erholen kann, muss sie sich mit ihrer Tante und einigen weiteren Personen auf eine Reise begeben, um eine Prophezeiung zu erfüllen. Seit Jahren werden die drei Inseln Skarr. Bernica und Gallis durch eine unsichtbaren Barriere von der Insel Logra getrennt. Die Wirtschaft leidet sehr darunter, dass dadurch der Austausch zwischen den Inseln eingeschränkt wurde. Außerdem wurde der Sohn des Hochkönigs der Inseln – gemeinsam mit seinem Gefolge, zu dem auch Aileens Vater gehörte – vor dem Errichten der Barriere von den Logra geraubt. Seitdem wird er auf der isolierten Insel gefangen gehalten.

Für den Leser gibt es in „The Islands of Chaldea“ eine klassische Quest zu verfolgen. Gemeinsam mit Aileen und ihrer Tante reisen noch ein paar weitere Personen, die sie – gemäß einer alten Prophezeiung – zum Teil erst auf den anderen Inseln aufsammeln müssen. So lernt man die verschiedenen Inseln, ihre Bewohner und ihre Eigenheiten kennen, während Aileen sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt und mehr über sich und ihre Fähigkeiten lernt. Das Ganze macht die grobe Handlungsentwicklung natürlich sehr vorhersehbar, aber das stört mich nicht, wenn die Geschichte so wie hier voller ungewöhnlicher Ideen, skurriler Charaktere und amüsanter Szenen erzählt wird. Allerdings fand ich den Schluss des Romans etwas überhastet und habe mich schon ein bisschen gefragt, was Diana Wynne Jones vielleicht anders gemacht hätte – oder ob sie überhaupt etwas anders gemacht hätte. Insgesamt war „The Islands of Chaldea“ eine wunderbar unterhaltsame und entspannende Lektüre, die ich dank all der skurrilen Ideen sehr genossen habe, während ich regelmäßig beim Lesen vor mich hinkicherte. Und obwohl die vier Inseln von Chaldea nicht so ungewöhnlich für eine Fantasywelt sind, fand ich sie vielversprechend genug, dass ich mir noch ein paar mehr Geschichten von den unterschiedlichen Inseln gewünscht hätte.

Stefan Bachmann: Die Seltsamen

Ich habe keine Ahnung, wo ich über Stefan Bachmanns Titel „Die Seltsamen“ gestolpert bin, aber wer auch immer über das Buch geschrieben hat, hat mich neugierig genug gemacht, dass ich den Roman in der Bibliothek vorgemerkt habe. Ausleihen konnte ich das Buch dann Anfang April und habe es auch zügig durchgelesen. Stefan Bachmann schreibt in einem flüssig zu lesenden Stil und obwohl ich normalerweise mit eher malerischen Formulierungen nichts anfangen kann, haben sie mir hier gefallen – auch weil sie passend und nicht zu übertrieben verwendet wurden. Die Geschichte wird vor allem aus zwei Perspektiven erzählt. Auf der einen Seite lernt man Bartholomew Kettle kennen, einen Jungen, der mit seiner jüngeren Schwester Hettie und seiner Mutter im Feenslum von Bath lebt, und auf der anderen Seite Arthur Jelliby, der Mitglied des Parlaments in London ist und dessen Leben das genaue Gegenteil von Bartholomews zu sein scheint.

Die Welt, die Stefan Bachmann für seine Geschichte entworfen hat, wurde vor vielen Jahren von einem Haufen Feen überrannt, deren Portal aus der Feenwelt damals Bath auslöschte. Nach einem kurzen und heftigen Krieg wurden die Feen besiegt und – da man sie nicht wieder zurückschicken konnte – notgedrungen in die Gesellschaft integriert. Wobei es tagtäglich viele, viele Versuche gibt, die Feen ihrer Magie zu berauben – was dafür sorgt, dass sie am unteren Ende der Gesellschaft leben und als Dienstboten oder in Fabriken für die Menschen arbeiten. Während es unter den Menschen eine gewisse Faszination für Feenmagie gibt (solange das Ganze unter Kontrolle und nicht zu gefährlich ist), gibt es keinerlei Interesse an den wenigen Mischlinge, die aus Beziehungen zwischen Menschen und Feen entstanden sind.

Diese Mischlinge – „Die Seltsamen“ genannt – werden von beiden Seiten als hässlich und wertlos empfunden und nicht selten werden diese Kinder getötet, ohne dass ihre Eltern (in der Regel sind es die Mütter, die sich um sie kümmern) sie schützen könnten. Auch Bartholomew und Hettie sind Mischlingskinder und da sie so gefährdet sind, lässt ihre Mutter die beiden kaum aus der Wohnung. Gerade Hettie, deren gemischte Herkunft unübersehbar ist, kennt nichts anderes als die kleine Wohnung und die Gesellschaft ihres Bruders, während Bartholomew immerhin ab und an vor die Tür oder zumindest auf den Dachboden des Miethauses schleichen kann, weil er nicht ganz so auffällig ist wie seine Schwester.

Da die Mischlingskinder so einen geringen Wert für die Gesellschaft haben, fällt es erst einmal auch gar nicht auf, dass immer wieder Kinder verschwinden und wenig später tot aufgefunden werden. Einzig die Art und Weise, wie die Kinder sterben, sorgt dafür, dass das Thema überhaupt im Parlament angesprochen wird. Für Bartholomew hingegen ist das Verschwinden der Kinder ein sehr beängstigendes Thema – vor allem, nachdem er mitbekommen hat, wie der Nachbarsjunge entführt wurde. Und als dann auch noch Hettie verschwindet, muss er sich auf die Suche nach seiner Schwester (und dem Mörder der anderen Kinder) machen.

Ich muss gestehen, dass ich etwas zwiegespalten bin. Auf der einen Seite finde ich die Welt, die Stefan Bachmann geschaffen hat, sehr spannend. Diese Mischung aus düsteren Feen samt ihrer Magie, einem britischen Reich, in dem die Industrialisierung radikale Spuren hinterlässt (und für so einige Steampunk-Elemente sorgt), und den gegensätzlichen Perspektiven von Bartholomew und Mr. Jelliby finde ich sehr reizvoll. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass nicht alles so schrecklich und düster und hoffnungslos ist. Auch fand ich die Charaktere zwar interessant, aber nicht wirklich sympathisch, obwohl sie sich im Laufe der Geschichte verändern und gerade Mr. Jelliby an seinen Aufgaben wächst.

Außerdem konnte ich zwar die fantastischen Elemente genießen, hatte aber stellenweise das Gefühl, dass der Autor es übertreibt. Ein Beispiel ist da eine Kutsche, die von zwei riesigen Grashüpfern gezogen wird – auch wenn das vielleicht eine skurrile Vorstellung ist, denkt ein Teil von mir, dass das niemand machen würde, weil Grashüpfer nun mal keinen Fortbewegungsrhythmus haben, der mit dem Ziehen einer Kutsche übereinstimmt. So bringen mich solche Elemente immer wieder raus, weil ich sie – selbst in einem so fantastischen und merkwürdigen Umfeld – als unstimmig und unglaubwürdig empfinde. Insgesamt habe ich einen netten Abend mit „Die Seltsamen“ verbracht, glaube aber nicht, dass ich auch noch zur Fortsetzung greifen werde, weil ich einfach nicht neugierig darauf bin, wie es mit Hettie, Bartholomew und Mr. Jelliby weitergeht.

Jennifer Estep: Cold Burn of Magic (Black Blade 1)

Da ich sowohl die „Mythos Academy“- als auch die „Elemental Assassin“-Reihe von Jennifer Estep gern lese, hatte ich mir den ersten Band ihrer neuen Trilogie zu Weihnachten gewünscht. Ich muss gestehen, dass ich nach dem Lesen ein bisschen hin- und hergerissen bin, denn ich habe ein paar Kritikpunkte. Erst einmal fühlt sich die Welt, in der die Protagonistin Lila lebt, wie eine „märchenfixierte“ Version von Gin Blancos Umfeld in den „Elemental Assassin“-Büchern an – inklusive Magie, über die einige Personen verfügen, und Mafia-ähnlichen Familien, die über dem „normalen“ Gesetz stehen und ihre eigenen (häufig kriminellen) Interessen mit allen Mitteln durchsetzen. Außerdem ist Lila natürlich eine Waise … mit einer irgendwie väterlich wirkenden Bezugsperson … die ihr Aufträge vermittelt … Dieses Mal nicht wie bei Gin Mordaufträge, sondern Diebstähle, aber die Ähnlichkeit ist schon unübersehbar.

Dann ist da noch die Tatsache, dass Lila über eine sehr seltene magische Fähigkeit verfügt (wie Gwen Frost in den Mythos-Academy-Büchern) und über eine andere Fähigkeit, die eigentlich geheim bleiben soll, weil sie noch seltener und dazu auch noch sehr mächtig ist. Außerdem wurde Lilas Mutter vor einigen Jahren brutal getötet und sie ist noch lange nicht über den Verlust hinweg – genau wie Gin und Gwen immer noch ihren Müttern/Familien hinterhertrauern. Und wie die beiden anderen Protagonistinnen verliebt sich Lila entgegen aller Vernunft in einen Typen, der ein bisschen geheimnisvoll ist und mit dem sie auf gar keinen Fall eine Beziehung führen sollte. Zuletzt ist da noch die Tatsache, dass Lila eine unglaublich gute Kämpferin ist und als Siebzehnjährige locker mit den erwachsenen Bodyguards einer der einflussreichsten Familien der Stadt mithalten kann, was nicht nur unrealistisch ist – vor allem, da nur einmal überhaupt erwähnt wird, dass sie jemals trainiert -, sondern auch wieder sehr an Gin erinnert. Das sind schon alles mehr als vertraute Elemente bei einer Jennifer-Estep-Geschichte und ich fände es schön, wenn die Autorin sich mal davon lösen würde, weil etwas Abwechslung nun mal nicht schaden kann und ich ihr eigentlich mehr zutraue.

Außerdem erklärt Jennifer Estep auf den ersten 100 Seiten für meinen Geschmack viel zu viel. Nach einer Actionszene am Anfang ist Lila eigentlich nur noch damit beschäftigt, dem Leser die Welt inklusive der „Familien“, des Magiesystems und der Monster, die die Schattenseite der Magie darstellen, vorzustellen und zu erzählen, warum sie sich mit den Monstern gut arrangieren kann und warum sie sich von den Familien fernhält und nichts mit ihnen zu tun haben will. Und natürlich will sie nach dem Verlust der Mutter keine neuen Freunde finden, ist aber eigentlich zu jedem nett, will selbst von einem Pixie mit stinkiger Laune gemocht werden und schließt natürlich total schnell Freundschaften. Bevor ich mich jetzt an jeder Kleinigkeit aufhänge, die mich an dem Roman gestört hat, muss ich noch zugeben, dass ich auch bei der „Mythos Academy“- und bei der „Elemental Assassin“-Reihe sehr viele Kritikpunkte gefunden hatte und trotzdem beide Serien mit großem Genuss gelesen habe. Jennifer Esteps Geschichten finde ich wunderbar entspannend und unterhaltsam und irgendwie mag ich ihre Protagonistinnen wirklich gern, obwohl sie immer zwischen „ein bisschen zu blind bezüglich der Auflösung der Probleme“ und „trotz aller besonderen Fähigkeiten nicht wirklich überzeugend in ihrem Beruf“ schwanken.

Ich lese die kleinen Szenen in den Romanen von Jennifer Estep so gern, in denen es um die Eigenheiten der Figuren oder das Essen geht oder um die typischen Besonderheiten einer Stadt oder um Freundschaft. Mir gefällt die Vorstellung, dass Lila drei Jahre in der hintersten Ecke im Keller einer Bibliothek gelebt hat und ich will auf jeden Fall mehr über die „Monster“ erfahren, die in dieser Welt leben, und hoffe sehr, dass Lila noch einige Begegnungen mit ihnen hat (in denen es nicht um Leben und Tod geht). Es gibt auch immer wieder Passagen, in denen die Autorin mich emotional packt, in denen ich mit den Figuren mitleide oder mich darüber amüsiere, wie sie mit anderen Charakteren interagieren. So sitze ich am Ende – trotz aller Kritikpunkte – wieder da und bin zufrieden mit dem Gelesenen. Ich weiß, dass es einige Leute gibt, die mit Jennifer Estep (gerade mit ihren Mythos-Academy-Büchern) nichts anfangen können, aber für mich sind die Romane der Autorin entspannende Wohlfühlgeschichten voller netter fantastischer Elemente – und so werde ich mir wohl langfristig auch die anderen beiden Bände der Black-Blade-Reihe zulegen.

Holly Webb: Lily (Lily 1)

„Lily“ von Holly Webb ist der erste Band einer vierbändigen Kinderbuchreihe rund um die zehnjährige Lily. Wer die „Rose“-Serie der Autorin kennt, wird in „Lily“ viele vertraute Elemente wiederfinden, da die Geschichte in der selben fantastischen Welt spielt. Allerdings sind seid den Abenteuern, die Rose erlebt hat, einige Jahrzehnte vergangen und in der Zwischenzeit ist in (diesem alternativen historischen) England Magie verboten worden, nachdem der König durch Magie ermordet wurde. Es gibt eine Art Polizei, die der Witwe des Königs unterstellt ist und die jedem Verdacht auf die Anwendung von Magie nachgeht und jeder, der Magie anwendet, wird seiner Fähigkeiten beraubt und inhaftiert. So auch Lilys Vater, der kurz nach ihrer Geburt um eine Audienz bei der Königin ersuchte und danach nie wieder zu seiner Familie zurück kam.

Lilys Mutter ist davon überzeugt, dass ihre Tochter Georgiana dazu berufen ist dafür zu sorgen, dass die Magie in England wieder erlaubt wird, und unterrichtet das Mädchen deshalb von klein auf in allen Arten von Zaubern. Lily hingegen wird von ihrer Mutter vollständig ignoriert und hätte nicht einmal Lesen und Schreiben gelernt, wenn sich nicht ein Dienstmädchen ihrer angenommen hätte. Ihre ganze Kindheit hindurch wünscht sich Lily, dass sie einmal von ihrer Mutter so viel Aufmerksamkeit bekommen würde wie ihre große Schwester, doch mit zehn Jahren muss sie feststellen, dass Georgiana sehr unter den Anforderungen leidet, die die Mutter an sie stellt. Je mehr Lily darüber herausfindet, was ihre Mutter mit Georgie vor hat, desto mehr fürchtet sie um das Leben ihrer Schwester und so flüchten die beiden aus ihrem Elternhaus, um die Pläne ihrer Mutter zu durchkreuzen.

So süß und unterhaltsam ich „Lily“ fand, so haben mich die Handlung und die Charaktere nicht so bewegt wie bei „Rose“. Vielleicht liegt das daran, dass Rose schon mehr in ihrem Leben durchgemacht hat, dass sie weniger naiv war und mehr Angst vor ihren Fähigkeiten und davor, welche Schwierigkeiten man ihr deswegen bereiten könnte, hatte. Lily hingegen entdeckt auf den ersten Seiten dieses Romans, dass auch bei ihr so langsam die Magie erwacht und ist ganz hingerissen von all den Möglichkeiten, die sich nun vor ihr auftun. Obwohl sie oft überfordert ist und ihre Mutter ihr natürlich Angst macht, so hatte ich deutlich seltener das Gefühl, dass Lily wirklich in Gefahr schweben würde. Dafür habe ich die vielen kleinen Momente genossen wie zum Beispiel Lilys und Georgies Erkenntnis, dass sie keine Ahnung davon haben, wie sich junge Damen ihres Standes in der Stadt benehmen müssen, oder die Szenen, die in dem Gebäude spielen, in dem die beiden Schwestern im Laufe der Geschichte Zuflucht und Arbeit finden.

Da ich diese Welt lieber mag, wenn man theoretisch an jeder Ecke über magische Elemente stolpern kann, hoffe ich sehr, dass Lily am Ende erfolgreich sein wird. Ich freue mich auf die weiteren drei Bände, die schon in meinem Regal schlummern. Denn auch wenn mich dieser erste Teil nicht ganz so verzaubert hat wie „Rose“, so erzählt Holly Webb wieder eine wunderbar unterhaltsame und sehr niedliche Geschichte rund um Lily und ihre Schwester, mit liebenswerten Charakteren und liebevollen und amüsanten kleinen Elementen, die mir einfach Spaß machen. Diese fantastischen Kinderbücher ist in meinen Augen einfach perfekt für eine kleine Auszeit in stressigen Zeiten.

Robin Stevens: Murder Most Unladylike (A Murder Most Unladylike Mystery 1)

Die „A Murder Most Unladylike Mystery“-Reihe von Robin Stevens habe ich bei Kiya entdeckt, die den dritten Band der Reihe während des Herbstlesen gelesen hatte (und überhaupt für meinen Geschmack viiiel zu viele interessante Jugendkrimis liest 😉 ). „Murder Most Unladylike“ wird aus der Perspektive von Hazel Wong erzählt, die im Jahr 1934 gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Daisy Wells versucht, einen Mord aufzuklären, der an ihrem Internat Deepdean passiert ist. Genau genommen stolpert Hazel eines Abends in der Turnhalle über die Leiche der Naturwissenschaftslehrerin Miss Bell, doch als sie wenig später gemeinsam mit Daisy und einer Aufsichtsschülerin zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden und niemand – abgesehen von Daisy, die in diesem Schuljahr von Detektivromanen besessen ist – glaubt Hazel.

Da Daisy davon überzeugt ist, dass sie – als Leiterin der „Wells & Wong Detective Society – perfekt dazu geeignet ist, den geheimnisvollen Mord an Miss Bell und das ebenso mysteriöse Verschwinden der Leiche aufzuklären, beginnen die beiden Mädchen, unauffällig im ganzen Internat nach Spuren und Motiven zu suchen. Gemeinsam sammeln sie kleine Informationsbrocken von ihren Mitschülerinnen, und Hazel hält – als Schriftführerin der Society – jeden Gedanken und jedes Detail zu den Ermittlungen in ihren Aufzeichnungen fest. Nach und nach finden die beiden Mädchen immer mehr über die verschiedenen Geheimnisse ihrer Lehrerinnen (und natürlich des Kunstlehrers!) heraus. Und obwohl die beiden – je nach Vorliebe für die verschiedenen Personen – immer mal wieder die Augen vor einem offensichtlichen Hinweis verschließen, macht es sehr viel Spaß, ihre Ermittlungen zu verfolgen und mehr über das Internat, die Gepflogenheiten in dieser Schule, die Lehrerinnen und natürlich die beiden Mädchen zu erfahren.

Anfangs fragt man sich nämlich schon ein bisschen, warum Hazel und Daisy überhaupt so gut miteinander befreundet sind und warum sich Hazel so viel von Daisy gefallen lässt. Aber im Laufe der Zeit erzählt Hazel davon, wie es für sie war, von Hongkong nach Deepdean zu kommen, wie ihr erster Eindruck von Daisy war und wie sie die Mitschülerin immer besser kennenlernte. Daisy kommt nicht zu Wort, aber allein durch die ganzen Dialoge mit Hazel und die lebhafte Schilderung ihrer Gestik und Mimik kann man sich ein sehr gutes Bild von dem selbstbewussten Mädchen machen. Gerade durch ihre Gegensätzlichkeit ergänzen sich die beiden Schülerinnen ganz hervorragend, wenn es um ihre Ermittlungen geht. Ich habe „Murder Most Unladylike“ sehr genossen – und prompt die Fortsetzungen auf den Merkzettel gesetzt -, obwohl ich für meine Verhältnisse sehr viele Tage an dem Roman gelesen habe und zwischendurch stellenweise sogar das (zum Glück vorhandene) Personenregister anschauen musste, um die verschiedenen Lehrerinnen und Schülerinnen wieder zuordnen zu können.

Ich mochte diese Mischung aus erstaunlich stimmigem Kriminalfall an einem Mädcheninternat, der ebenfalls realistischen Beschreibung der Freundschaft zwischen Hazel und Daisy und den Rückblicken, die den Leser über Hazel und ihr neues Leben in England informieren. Für die junge Asiatin gibt es sehr viel Befremdliches in diesem Mädchen-Internat in den 30er Jahren und natürlich begegnet sie auch immer wieder Vorurteilen von Seiten ihrer Mitschülerinnen (kein Wunder, wenn man überlegt, dass zu der Zeit in Groschenromanen asiatische Verbrecherbanden ein großes Thema waren). Umso amüsanter fand ich für mich die Passagen, in denen Hazel erzählt, wie sie dann doch ihren Weg im Internatsalltag und Freundinnen fand, mit denen sie nun ein Zimmer teilt.

Auch wenn mein Geldbeutel nicht so begeistert sein wird, so freue ich mich doch sehr, dass ich noch (mindestens) vier weitere Bände mit Hazel und Daisy vor mir habe. Ich bin gespannt, was für Fälle die beiden Mädchen beim nächsten Mal aufklären müssen und zu welchen ungewöhnlichen (und skrupellosen) Methoden Daisy bei ihren Ermittlungen greifen wird.

Kate Milford: Greenglass House

Nachdem ich mit „Bayou Magic“ im Dezember gerade erst ein richtiges Sommerbuch gelesen hatte, bildete „Greenglass House“ von Kate Milford mit einer Geschichte voller Schnee, Kaminfeuer und heißer Schokolade einen ziemlich starken Kontrast. Im Mittelpunkt der Handlung steht Milo, der Sohn der Betreiber des Greenglass House. Das ist eine Pension, die vor allem von Schmugglern frequentiert wird. Die Geschichte beginnt am ersten Tag der Winterferien und Milo freut sich darauf, dass er und seine Eltern das Haus endlich einmal für sich haben. Denn diese wenigen Tage vor Weihnachten sind traditionell die einzige Zeit des Jahres, in denen sich normalerweise keine Gäste einfinden und in denen es sich die Familie Pine hemmungslos in allen Räumen gemütlich machen kann. Doch bevor Milo mit seinen Eltern in die gewohnte Ferienroutine verfallen kann, trifft auch schon der erste von mehreren unerwarteten Gästen im Greenglass House ein.

Für Milo ist es mehr als irritierend, dass er die sehnsüchtig erwartete Zeit mit seinen Eltern nun nicht mehr genießen kann. Ihn stört nicht nur die Durchbrechung der üblichen Routine, sondern er findet die verschiedenen Gäste auch mehr als seltsam. Jeder von ihnen scheint ein Geheimnis zu hüten, manche scheinen sich zu kennen, ohne dies zugeben zu können, und vor allem kommt es zum ersten Mal, seitdem Milos Eltern die Pension betreiben, zu Diebstählen. Dabei wirkt nicht nur jeder Gast verdächtig, sondern auch die Gegenstände, die entwendet werden, passen nicht in das übliche Beuteschema eines Diebes. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin Meddy entwickelt Milo ein Spiel, das ihnen helfen soll, hinter die geheimnisvollen Vorgänge im Greenglass House zu kommen.

Ich mochte Milo und seine Freundin Meddy sehr gern und ich fand es spannend mitzuerleben, wie Milo sich entwickelte, während er in seiner Rolle als „Negret“ (das ist sein Spiel-Charakter) nicht nur all die Vorgänge im Haus genau beobachtet, sondern auch immer wieder aktiv in die Geschehnisse eingreift. Gemeinsam mit Meddy, die ihn immer wieder zu Aktionen herausfordert, die er sich allein nie getraut hätte, macht sich Milo auf die Suche nach den gestohlenen Gegenständen, bringt die Gäste dazu, abends Geschichten zu erzählen, oder sucht nach Verbindungen zwischen den aktuellen Ereignissen und der Vergangenheit des Hauses als Heim eines der berühmtesten Schmugglers der Region. Und während Milo innerhalb des Hauses viele kleine Abenteuer erlebt, fällt draußen der Schnee in solchen Mengen, dass die unfreiwillige Gemeinschaft innerhalb der Pension gezwungen ist, sich immer enger auf die Pelle zu rücken – egal, ob sie miteinander auskommen oder nicht.

Dabei beschreibt Kate Milford das Haus, die Gäste und das Wetter in wunderschön atmosphärischen Szenen, bei denen deutlich wird, dass der Winter bei aller Schönheit auch Gefahren mit sich bringt, wenn zum Beispiel die Veranda oder die Feuerleiter durch eine Eisschicht kaum noch betretbar sind, der Generator ausfällt oder alle Zugänge zum Greenglass House gesperrt sind. Im Kontrast dazu stehen die Momente, in denen sich Milo hinter dem Weihnachtsbaum versteckt und die Gäste beobachtet, eine heiße Schokolade vor dem Kamin genießt oder sich mit einem Buch einrollt und sich in die Legenden seiner Heimatstadt vertieft. Ich habe es genossen, von all diesen Momenten zu lesen, ebenso wie die Tatsache, dass man mit Milo zusammen das ungewöhnliche Haus immer besser kennenlernt. Denn obwohl Milo dort aufgewachsen ist, bekommt er durch all die Ereignisse eine ganz neue Sicht auf das Greenglass House und die Geschichte, die mit dem Gebäude verbunden ist.

Eine weitere Sache, die die Autorin wunderbar in den Roman eingebaut hat, ist Milos Beschäftigung mit seiner Herkunft. Da er – im Gegensatz zu seinen Eltern – chinesischer Abstammung ist, ist es selbst für Außenstehende offensichtlich, dass er adoptiert wurde. Er liebt seine Eltern und weiß, dass sie ihn lieben, und er möchte eigentlich an seinem Leben nichts ändern. Auf der anderen Seite fragt er sich schon, was mit den Eltern war, die ihn gezeugt haben, warum sie ihn ausgesetzt haben und wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn er mit Menschen aufgewachsen wäre, die ihm allein schon äußerlich ähnlich wären. Dabei hat Milo oft ein schlechtes Gewissen, dass er sich so viel mit seiner Abstammung beschäftigt, obwohl er doch so liebevolle Eltern hat und zufrieden sein könnte.

So sehr ich all die behaglichen Beschreibungen vom Greenglass House mochte, so faszinierend ich die seltsamen Gäste fand und so sehr ich wissen wollte, worauf das Ganze hinausläuft, so muss ich zugeben, dass ich die erste Hälfte hindurch den Roman auch gut aus der Hand legen konnte. Dabei hat mich das Greenglass House nie ganz verlassen, aber die Erzählweise ist anfangs so geruhsam und voller liebevoller Details, dass ich mich nicht gedrängt fühlte, weiterzulesen. All diese Menschen waren schließlich sicher durch all die Schnee- und Eismassen in der Pension eingeschlossen und trotz all der skurrilen Umstände und ungewöhnlichen Diebstähle schien es keine Gefahren für irgendjemanden zu geben. So habe ich mir Zeit mit dem Roman gelassen und mich beim Wiederaufnehmen des Buches jedes Mal wieder über ein Wiedersehen mit den verschiedenen Charakteren gefreut und mich behaglich mit Milo vorm Kamin eingerollt und geschaut, welche neuen Informationen die kommenden Seiten für mich so bereithalten würden. Zum Ende hin zog das Tempo in der Handlung dann etwas mehr an, aber insgesamt erzählt Kate Milford mit „Greenglass House“ eine angenehm entspannte und behagliche Geschichte, die auch gut in kleinen Stückchen genossen werden kann.

Jewell Parker Rhodes: Bayou Magic

Ich bin mir nicht mehr sicher, wo ich über diesen Titel gestolpert bin, aber mir gefiel die Inhaltsangabe von „Bayou Magic“ von Jewell Parker Rhodes ebenso wie die Tatsache, dass die Geschichte in einem Bayou spielt. Protagonistin ist die junge Maddy, die die jüngste von fünf Schwestern ist und die in diesem Sommer alt genug ist, um einige Zeit in Bon Temps bei der Großmutter zu leben. Maddys Familie wohnt in New Orleans und ihre älteren Schwestern haben alle schon ihren Sommer bei der Großmutter hinter sich gebracht und waren gar nicht glücklich mit dem einfachen und ländlichen Leben, dass sie dort führen mussten. Doch Maddy ist anders als ihre Schwestern. Ihr macht es nichts aus, dass es kein Einkaufszentrum in der Nähe gibt und dass die Hütte der Großmutter eher rustikal ist. Sie erinnert dieser Aufenthalt im Bayou an ein Märchen und obwohl sie anfangs Angst davor hatte, genießt sie es die Großmutter besser kennenzulernen und so viel Zeit in der Natur verbringen zu können.

„Bayou Magic“ ist eigentlich ein Sommerbuch, bei dem man beim Lesen spürt wie heiß es im Sommer in Louisiana ist, wie der Schlamm beim Laufen zwischen den Zehen quillt, wie die Insekten um einen herumsirren und wie gut es sich anfühlt, wenn man nach einem langen und aktiven Sommertag abends zur Ruhe kommt, während man ein frischgekochtes Jambalaya isst und die Großmutter Geschichten über den Wassergeist Mami Wata erzählt. Obwohl ich den Schreibstil von Jewell Parker Rhodes etwas gewöhnungsbedürftig fand, macht er die Geschichte auch zu etwas Besonderem. Die Autorin verwendet zum Teil sehr kurze Sätze, so dass die meisten Beschreibungen eher an eine Aufzählung erinnern, doch das macht die Geschichte sehr atmosphärisch, weil es so zu einer Konzentration auf bestimmte Aspekte kommt. Dabei sind es nicht mal gewichtige Elemente in der Handlung, sondern eher die kleinen Dinge, die Maddy auf einmal ins Auge fallen, wie ihr erstes Frühstück in der Hütte der Großmutter oder das Aussehen eines Huhns.

Während dieses Sommers bei der Großmutter entdeckt Maddy, dass sie – ebenso wie die alte Frau – über Magie verfügt. Sie verspürt eine besondere Bindung zum Bayou, sie kann die Glühwürmchen rufen und sie sieht eines Tages unter der Wasseroberfläche eine Meerjungfrau. Doch als ein Unglück passiert, scheinen all die neu entdeckten Fähigkeiten nicht genug zu sein, um das Bayou und seine Bewohner zu retten. Obwohl dieses heranziehende Unglück für den Leser schon von der ersten Erwähnung eines bestimmten Punktes vorhersehbar war, fand ich die Vorhersagbarkeit in der Handlung nicht schlimm. Denn es geht weniger darum herauszufinden was passieren wird, als darum wie Maddy und all die anderen mit der Katastrophe umgehen. Dabei schont die Autorin den Leser nicht, was ich – gerade angesichts all der Kinderbücher, in denen eine wunderbare Wendung in der Geschichte dafür sorgt dass nichts Unumkehrbares passiert – sehr passend fand.

Ich habe Maddy sehr gern ins Bayou begleitet, habe mit ihr zusammen ihren neuen besten Freund Bear und all die anderen Bewohner von Bon Temps kennen und mögen gelernt und ich mochte es, dass Maddys Magie so wenig greifbar war. Als skeptischer Mensch könnte ich sagen, dass all die magischen Vorkommnisse nur in Maddys Fantasie passiert sein könnten. Aber bei so einer Geschichte will ich nicht skeptisch sein, ich will an Meerjungfrauen glauben und an Glühwürmchen und an Magie. Ich will mich davon bezaubern lassen, dass ein zehnjähriges Mädchen einen kleinen Teil der Welt retten kann und dass der erste Schritt dazu die Erkenntnis war, dass es Meerjungfrauen gibt, die nicht blond und hellhäutig sind, sondern die wie Maddy dunkle Haut und schwarze Haare haben.

Stephanie Burgis: Kat, Incorrigible (Kat, Incorrigible 1)

„Kat, Incorrigible“ von Stephanie Burgis ist mal wieder ein Neuzugang, an dem Kiya Schuld ist, nachdem sie den Schuber mit der Trilogie in einem ihrer „Gelesen/Gekauf“-Beiträge erwähnt hatte. Wie man an dem verlinkten Beitrag sehen kann, hat es fast zwei Jahre gedauert, bis ich den Titel von der Merkliste auf meinen (Geburtstags-)Wunschzettel gepackt habe und nach dem Lesen bedauere ich es fast, dass ich da nicht eifriger war – und habe gleich mal die beiden Fortsetzungen bei meinem Buchhändler geordert. *g* Als der Leser Katherine (Kat) Ann Stephenson kennenlernt, versucht die Zwölfjährige sich gerade mitten in der Nacht aus ihrem Elternhaus zu schleichen. Gekleidet in den abgelegten Kleidungsstücken ihres älteren Bruders und mit frischgekürzten Haaren hofft sie, dass sie sich bis London durchschlagen könnte, um sich dort einen Arbeitsplatz zu suchen.

Dummerweise erwischen ihre beiden älteren Schwestern Elissa und Angeline sie und verhindern Kats unbedachten wohldurchdachten Rettungsplan für Elissa. Denn nachdem Kats älterer Bruder Charles mit seinen Verlusten am Spieltisch die Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat, gibt es aus Sicht der Stiefmutter nur eine Rettung: Elissa muss einen sehr reichen Ehemann finden, der gewillt ist, der Familie seiner Braut finanziell beizustehen. Einen passenden Kandidaten hat die Stiefmutter mit Sir Neville auch schon bei der Hand, wobei Kat es alarmierend findet, dass der potenzielle Bräutigam nicht nur alt genug ist, um der Vater ihrer Schwester Elissa zu sein, sondern dass es auch heißt, er hätte seine erste Frau umgebracht.

Nachdem Kats erster Plan an der Aufmerksamkeit ihrer Schwestern scheiterte, denkt sie natürlich über alternative Methoden nach, um Elissa zu retten, und verfällt auf die Magie, die sie – hoffentlich – von ihrer verstorbenen Mutter Olivia geerbt hat. Doch so einfach ist es nicht Magie zu wirken, außerdem ist die Anwendung von Magie in diesem Regency-artigem England überaus verpönt. Und dazu gibt es noch mehrere Parteien, die Kat große Schwierigkeit bereiten, als sie dahinterkommen, dass das Mädchen mit Magie experimentiert. Ich mag ja immer wieder diese Mischung aus sehr geregeltem Gesellschaftsleben, wie man es nun mal in Regencyromanen findet, und den Unberechenbarkeiten, die sich aus der Anwendung von Magie durch ungeübte Protagonisten ergeben.

Außerdem ist Kat eine wunderbare Figur, die – ebenso wie ihre beiden Schwestern – gegen ihre Stiefmutter rebelliert, ihre ganz eigenen Prioritäten hat, wenn es um das Glück ihrer Familie geht, und die doch bei allem Selbstbewusstsein ständig in Situationen landen, in denen sie sich wünscht, sie könnte einfach im Boden verschwinden. Da die Geschichte aus Kats Sicht erzählt wird, hatte ich überraschenderweise die größten Probleme mit ihren beiden Schwestern. Sie nehmen Kat nicht ernst, hören ihr nicht zu und schließen sie regelmäßig aus, weil sie denken, dass Kat zu klein ist, um bestimmte Dinge zu verstehen. Würden die drei Mädchen offen miteinander reden, wären viele Schwierigkeiten viel einfacher zu lösen – allerdings gäbe es dann auch nicht so viele wunderbar amüsante Szenen für den Leser.

Zur Autorin wird im Buch erwähnt, dass sie Jane Austen und Georgette Heyer liebt – und gerade von der letztgenannten Schriftstellerin finde ich viel in „Kat, Incorrigible“ wieder. Es gibt die junge Frau, die sich für den liebenswerten, aber unzuverlässigen Bruder opfern muss, die Liebe zwischen den Schwestern, die sich zwar nicht immer verstehen, aber doch am Ende füreinander da sind, es gibt Wegelagerer, Hausgesellschaften inklusive Klatsch und Tratsch und all die anderen Dinge, die man in einem amüsanten historischen Liebesroman normalerweise findet – nur dass sie hier aus der Perspektive einer Zwölfjährigen geschildert werden, die die Vorstellung von einem Wegelagerer nun einmal deutlich reizvoller findet, als ein steifes Abendessen inmitten von älteren Personen, denen die Etikette wichtiger ist als ein interessantes Gesprächsthema.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht Kat bei all ihren Abenteuern zu folgen. Sie ist eine angenehm eigenwillige Figur und ich mochte es, dass sie grundsätzlich erst einmal misstrauisch ist, wenn jemand ihr sagen will, was sie tun soll. Obwohl sich Kat so viel Mühe gibt, sind ihre Aktionen selten durchdacht, so dass es zu vielen amüsanten – aber selten zu zu überspitzten – Situationen kommt, die ich sehr genossen habe. Ich freu mich schon jetzt darauf, dass ich demnächst die Fortsetzungen in die Finger bekomme und dann weiter verfolgen kann, wie es Kat und ihrer Familie so ergeht.

Jenny Han: To all the boys I’ve loved before

Über „To all the boys I’ve loved before“ von Jenny Han bin ich bei Sunny gestolpert. Genauer gesagt hat ihre Rezension zu dem Hörbuch dafür gesorgt, dass ich mir den Roman in der Bibliothek vormerken ließ, nachdem ich vorher schon etwas drumherum geschlichen war. Oh, und trotz des englischen Titels habe ich die deutsche Übersetzung (von Birgitt Kollmann) gelesen. Die Geschichte wird von der sechzehnjährigen Lara Jean erzählt, deren Leben sich durch die Tatsache, dass ihre große Schwester Margot zukünftig in Schottland studieren wird, sehr verändert. Seit dem Tod der Mutter vor einigen Jahren hat sich Margot immer um alles gekümmert, hatte alle Termine im Blick, hat sich um die Einkäufe, den Haushalt und ihre beiden jüngeren Schwestern gekümmert und dafür gesorgt, dass der Vater als Arzt nicht zu viele Wochenendschichten übernimmt. Doch nun muss Lara Jean versuchen Margots Position auszufüllen und sich allein um die kleine Schwester Kitty und all die anderen anfallenden Verpflichtungen kümmern.

Da ist es nicht gerade hilfreich, dass die fünf „Anti-Liebesbriefe“, die Lara Jean in den vergangenen Jahren an die Jungs geschrieben hat, in die sie einmal verliebt war, aus ihrem Versteck verschwinden und den betreffenden Jungen mit der Post geschickt werden. Denn unter diesen fünf Liebesbriefen war auch einer an den Nachbarjungen Josh, der bis zu Margots Abreise noch der Freund von Lara Jeans großer Schwester war. In ihren Briefen hatte Lara Jean alles aufgeschrieben, was sie an den betreffenden Jungen mochte (und zum Teil, was sie an ihnen nicht leiden konnte), sie war so ehrlich, wie sie nur sein konnte, weil sie ja davon ausging, dass niemand je diese Briefe zu lesen bekäme, und mit dem Schreiben dieser Briefe hat sie jedes Mal mit dem Verliebtsein in diese Person abgeschlossen. Doch nun wissen die Jungen von all den Gefühlen, die Lara Jean für sie hatte, und mehr als einer spricht sie auf das an, was sie in ihrem Brief an ihn geschrieben hat.

Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht Lara Jean dabei zu begleiten, wie sie mit all dem auf einmal aufkommenden Chaos in ihrem Leben umgeht. Lara Jean ist normalerweise ein sehr ängstliches Mädchen, schon die Fahrt zum Einkaufszentrum überfordert sie, weil sie sich ständig ausmalt, was alles passieren könnte, aber nun muss sie sich all den Jungen stellen, die mit ihr über die Briefe reden wollen. Besonders bei Josh ist es ihr peinlich, da sie sich sicher ist, dass er und ihre Schwester Margot doch eigentlich zusammengehören, auch wenn sich Margot von ihm getrennt hat. Um Josh zu zeigen, dass sie überhaupt nicht mehr an ihm interessiert ist, lässt sich Lara Jean auf so manch verrückte Aktion ein und entdeckt dabei Seiten an sich, die sie sich selber nicht zugetraut hätte.

Doch obwohl sich ein Großteil der Handlung um Lara Jean (eher nicht vorhandenes) Liebesleben dreht, ist „To all the boys I’ve loved before“ für mich eher eine Geschichte rund um das Verhältnis der drei Schwestern zueinander und um Lara Jeans Entwicklung, nachdem ihr Leben nicht mehr so von ihrer großen Schwester beeinflusst wird. Auf einmal ist da keine Margot mehr, die sich darum kümmert, dass Lara Jean alles auf die Reihe bekommt, sich um Praktikumsplätze bewirbt oder ähnliche Dinge tut. Jetzt muss sie alles allein hinkriegen und sehr oft ihren ganzen Mut zusammennehmen, um sich einer Herausforderung zu stellen. Dabei scheitert Lara Jean häufig an ihren eigenen Ansprüchen, möchte sie doch eigentlich genauso perfekt sein wie Margot (es zu sein scheint). Jenny Han erzählt Lara Jeans Geschichte voller überraschender Wendungen, witziger Szenen und liebenswerter Figuren, was nicht nur dazu führte, dass ich den Roman an einem Tag durchgelesen hatte, sondern auch dazu, dass ich mich dabei ganz wunderbar amüsiert und wohlgefühlt habe.