Alle Artikel von Konstanze

Rachel Hore: Der Garten der Erinnerung

Dieses Buch habe ich im Rahmen von Karis fünftem SuB-Losverfahren gelesen und es hat sich als recht angenehme Sommerlektüre herausgestellt. Die Geschichte teilt sich in zwei Handlungen auf. Auf der einen Seite verfolgt man das Leben von Mel, die zu heutiger Zeit in London lebt und dort an einer Universität eine Stelle als Dozentin hat. Der zweite Teil erzählt von Pearl, einer jungen Frau aus Cornwall, die im Jahr 1912 bei einem Brand ihr Zuhause verlor und eine Anstellung als Dienstmädchen in einem Herrenhaus annehmen musste.

Mel hat vor knapp einem Jahr ihre Mutter verloren, die an Krebs starb, und erst vor wenigen Wochen hat sie sich auch noch von ihrem Freund getrennt, da dieser andere Vorstellungen vom gemeinsamen Leben hatte als sie. Emotional ausgelaugt nimmt sich Mel ein Freisemester an der Uni und will die Zeit nicht nur nutzen, um wieder zur Ruhe zu kommen, sondern auch um ein Buch über eine Künstlergemeinschaft aus Cornwall zu schreiben, die zur Zeit des Impressionismus einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte.

Um direkt vor Ort Nachforschungen anstellen zu können, mietet sie von einem Freund ihrer Schwester Chrissie, der vor kurzem ein ehemaliges Herrenhaus in Cornwall geerbt hat, ein kleines Cottage. Dort hängen kleine Zeichnungen an der Wand, die mit P.T. signiert sind und die Mels Neugierde wecken. Zusammen mit ihrem Vermieter Patrick versucht sie mehr über diese Zeichnungen – und die früheren Besitzer des Herrenhauses herauszufinden. Gemeinsam erliegen die beiden dem Charme des Gartens und machen sich daran, das ungepflegte Landstück wieder in altem Glanz auferstehen zu lassen.

Pearls Anteil an diesem Roman ist deutlich geringer als der von Mel. Nur manchmal gibt es ein ganzes Kapitel, in dem erzählt wird, wie es der jungen Frau als Dienstmädchen ergeht. Weitere Hinweise über ihr Leben erhält man hier und da am Ende eines Kapitels, in dem sich die Handlung um Mel drehte, wo man manchmal einen kursiven Absatz findet, der Pearls Gedanken wiedergibt.

Die Handlung in „Der Garten der Erinnerung“ ist sehr vorhersehbar. Auf der einen Seite gibt es da Mel und Patrick, die beide gerade unangenehme Beziehungen hinter sich gebracht haben und nun Trost beieinander finden, auf der anderen Seite das junge Dienstmädchen, das sich für Malerei interessiert und sich in den Erben ihrer Arbeitgeber verliebt. Wie das Ganze endet, kann wohl jeder erraten … Aber ich muss betonen, dass Rachel Hore ihre Geschichte auf eine sehr schöne Weise erzählt. Obwohl die Handlung eher dahinplätschert und es kaum Höhen oder Tiefen gibt, fand ich es sehr nett dieses Buch zu lesen. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf Mel und Patrick, die sich nicht einfach kopfüber für eine neue Beziehung entscheiden können (was bei anderen Bücher dazu führen würde, dass sich daraufhin alles in Wohlgefallen auflöst). Beide haben aufgrund ihrer vergangenen Erfahrungen ein paar Altlasten, die sie erst einmal verarbeiten müssen.

Mel ist extrem misstrauisch, schnüffelt Patrick irgendwann sogar soweit hinterher, dass ich ihr Verhalten kaum noch akzeptieren konnte, und hat ihren Ex-Freund immer noch nicht so ganz überwunden. Ebenso geht es Patrick, der sich immer noch für die ehemalige Verlobte verantwortlich fühlt und der nicht verstehen kann, dass sich Mel daran stört, dass er immer noch für die andere Frau da ist. Auch gibt es immer wieder Dinge, bei denen er Mel ausschließt, was sie natürlich in den Wahnsinn treibt. Doch es gelingt Rachel Hore all dieses am Ende in eine realistische kleine Liebesgeschichte zu verwandeln, sodass man das Buch mit dem befriedigende Gefühl zuklappt, dass man mal eine Geschichte mit ganz normalen Menschen voller Fehler und Schwächen gelesen hat.

Und da das alles so ganz normal ist, ist es auch gut, dass die Autorin noch die zweite Handlung eingeflochten hat, denn so gibt es doch noch ein paar Dinge, auf die man neugierig bleibt und die einen von der Alltäglichkeit der Hauptgeschichte ablenken. „Der Garten der Erinnerung“ ist wohl kein Buch, dass ich ein zweites Mal lesen würde, aber für einen heißen Sommertag, an dem man sich nicht auf eine komplizierte Handlung konzentrieren will und einfach nur eine nette und unterhaltsame Erzählung sucht, ist der Roman gut geeignet.

Brian Selznick: Die Entdeckung des Hugo Cabret

Bei diesem Buch könnte ich endlich mal denjenigen entgegenkommen, die gern eine kurze Rezension von mir lesen würden: Es ist toll! Wenn ihr nichts gegen eine Geschichte habt, die ab 10 Jahren gedacht ist, oder gegen eine Erzählweise, die zum Teil aus Text und zum Teil aus Bildern besteht, dann lauft los, besorgt euch das Buch und lasst euch bezaubern!

Aber wie das nun mal so ist, kann ich mich einfach nicht kurzfassen, und deshalb gibt es hier jetzt noch einmal ganz ausführlich meine Meinung. Mit mehr Details zu Hugo und seiner Geschichte, mit Begründungen für mein „Das Buch ist toll“ und vielleicht stört es dann auch nicht, dass ich mal wieder einen so langen Text verfasst habe. 😉 „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ist eine Mischung aus Bildergeschichte und einem Jugendroman – und anfangs musste ich mich erst einmal auf die Erzählweise einlassen. Der Autor Brian Selznick hat mehr als die Hälfte der (mehr als 540) Seiten mit Bleistiftzeichnungen gefüllt, auf denen die Handlung weitergeführt, wird. Dabei fällt auf, dass er ganz oft in seinen Zeichnungen mit filmischen Elementen arbeiten z.B. dem Zoom auf ein Detail in einer großflächigen Szenerie.

Auf der einen Seite wird in diesem Roman die Geschichte des Jungen Hugo erzählt. Dieser ist ein Waisenkind und hat eine Zeitlang bei seinem Onkel mitten im Pariser Bahnhof gelebt. Doch eines Tages verschwand Hugos Onkel spurlos – und damit man ihn nicht auf die Straße setzt, übernimmt der Junge seine Arbeit. So kümmert sich Hugo um die vielen verschiedenen Uhren im Bahnhof und ernährt sich zum Großteil von dem, was er in den Läden im Bahnhof stehlen kann.

Nur eine Sache gibt es, an der Hugos Herz hängt, ein automatischer Mann, um dessen Restauration sich schon sein Vater bemüht hatte. So mopst der Junge nicht nur Lebensmittel in den umliegenden Läden, sondern auch kleine mechanische Teile aus dem Geschäft eines Spielzeugmachers, mit denen er den automatischen Mann fertig reparieren will. Doch dann erwischt ihn der alte Mann beim Stehlen und bekommt, als er die Taschen des Jungen nach weiterer Diebesbeute durchsucht, das Notizbuch von Hugos Vater in die Hände. Hier hatte dieser alle Pläne rund um den mechanischen Mann aufgeschrieben und nach diesen Anleitungen versucht der Junge das technische Wunderwerk wieder in Gang zu bringen. Nur mit Hilfe von Isabelle, der Patentochter des Spielzeugmachers, gelingt es Hugo sein kostbares Notizheft zurück zu bekommen. Doch dafür will das Mädchen mehr über den Jungen und den rätselhaften automatischen Mann erfahren.

Brian Selznick benutzt die Geschichte rund um Hugo, um den Leser in eine Zeit zu führen, als Filme noch Wunderwerke waren. So wird dieser Roman zu einer Hommage an die ersten Filme, die je im Kino gezeigt wurden und den Filmemacher Georges Méliès, dessen Werke die Stummfilmzeit prägten. Es gelingt dem Autor für den Leser fühlbar zu machen, welche Magie damals vom Film ausging und wie unfassbar es für die Zuschauer war, dass dort auf der Leinwand jemand zum Mond reiste oder dass dort ein Zug auf sie zuraste. Immer wieder nimmt Brian Selznick in dem Bildern – die meiner Meinung nach angenehm altmodisch aussehen mit ihren weichen Bleistiftdarstellungen – filmische Elemente auf. Auf der einen Seite den Zoom auf Personen, aber auch Dinge, die laut Hugo einfach in eine gute Filmgeschichte gehören, wie Verfolgungsjagden.

Ich dachte vor dem Lesen dieses Buches, dass ich eigentlich eine Menge über die Entstehung des Films und die Stummfilmzeit weiß, aber es war wirklich spannend noch mehr Details über diese Zeit zu erfahren. Ich habe nicht nur Lust bekommen mal wieder Klassiker mit Harold Lloyd wie „Ausgerechnet Wolkenkratzer!“ zu sehen, sondern auch eine ganze Menge über die Zusammenhänge zwischen Bühnenzauberei, Automaten und der Filmgeschichte gelernt. Meine einzigen Kritikpunkte an dem Taschenbuch sind die enge Bindung (die leider so manches Detail bei den Bildern „frisst“, da ich nicht bereit bin, die mit Gewalt aufzubrechen) und der doch recht übersichtliche Text auf den Seiten.

Elizabeth Boyle: Betörendes Spiel der Leidenschaft

Die skandalösen Romane, die Rebecca Tate unter falschem Namen veröffentlicht, sorgen für große Aufregung unter den Damen der Gesellschaft. Plötzlich will keine mehr von der den Traualtar geführt werden. Um dem unerhörten Treiben ein Ende zu setzen, wird der attraktive Rafe Danvers mit der Entlarvung der unbekannten Autorin beauftragt. Doch Rebecca will sich ihren Erfolg nicht nehmen lassen. Um den Verdacht von sich abzulenken, verstrickt die hübsche Unruhestifterin Rafe in ein gewagtes Spiel. Dabei wird ihr schnell klar, dass sie in Rafe einen äußerst hartnäckigen Gegner gefunden hat – und einen, dessen Verführungskünsten sie nicht lange widerstehen kann.

„Betörendes Spiel der Leidenschaft“ ist ebenfalls eine Leihgabe von Irina – und ich verkneife mir lieber jegliche Bemerkung zum Thema „Titel, Cover und Inhaltsangaben von (historischen) Liebesromanen“. Die Geschichte spielt im Jahr 1817 und Raphael „Rafe“ Danvers wird von der Gräfin Trottley engagiert, um herauszufinden, wer für die Miss-Darby-Romane verantwortlich ist. Denn nicht nur ihre Tochter, sondern auch alle anderen Debütantinnen haben nach dem Lesen dieser Bücher geschworen, dass sie (aus Trauer um den gefallenen Verlobten von Miss Darby) niemals heiraten würden. So beginnt die Saison nicht mit rauschenden Festen, sondern mit einem Haufen junger Damen, die mit einer Trauerbinde um den Arm zuhause hocken.

Rafe Danvers hat eigentlich gerade besseres zu tun, als auf die Jagd nach einem anonymen Schreiberling zu gehen, denn der Mann verdient sich seinen Lebensunterhalt als Ermittler (in erster Linie für die feine Gesellschaft) – zur Zeit versucht er sogar einen Mörder zu finden. Doch die Gräfin bietet ihm als Belohnung für die Enttarnung des Autors ein eigenes Anwesen und ein eigenes Zuhause ist Rafes heimlicher Traum von der Zukunft. Vor allem, da er regelmäßig aus seiner aktuellen Wohnung schleichen muss, da er nur dann seine Miete bezahlen kann, wenn er mal wieder Außenstände bei seinen Kunden eingetrieben hat. So hofft der Ermittler, dass er Gräfin Trottley innerhalb kürzester Zeit die Person vorstellen kann, die für die Miss-Darby-Romane verantwortlich ist, um dann wieder auf Mörderjagd gehen zu können.

Doch ganz so einfach wird es für Rafe nicht, denn kaum in dem friedlichen Ort Bramley Hollow angekommen, trifft er auch schon auf Rebecca Tate. Und diese ist nicht nur die gesuchte Autorin (was natürlich kein Mensch ahnt), sondern dem erfahrenen Ermittler durchaus gewachsen. Was auch an ihrem – für eine junge Dame aus gutem Hause eher ungewöhnlichen – Lebensweg liegt, denn sie hat einen großen Teil ihres Lebens bei ihrem (inzwischen geistig verwirrten) Onkel in den indischen Kolonien verbracht und musste dort deutlich selbstständiger und gewitzter sein, als man es sonst von einer Dame erwarten würde.

Die „Krimielemente“, die die Autorin Elizabeth Boyle in die Handlung eingewebt hat, fand ich sehr unterhaltsam (wenn sie auch – vom ereignisreichen Ende mal abgesehen – eher am Rande eine Rolle spielten) und auch die Charaktere haben mir wirklich gut gefallen. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich wirklich Mühe gegeben hatte, die Figuren einigermaßen stimmig auszubauen. Rafe ist, ebenso wie Rebecca, in einer sehr ungewöhnlichen Familie aufgewachsen und so lässt sich auch problemlos erklären, warum die beiden nicht besonders gut in die höhere Gesellschaft passen. Mit einem einigermaßen fundierten Hintergrund finde ich solche Persönlichkeiten doch gleich noch reizvoller!

Einen Kritikpunkt muss ich aber noch ansprechen: Die Sprache war in meinen Augen stellenweise grenzwertig schwülstig. Dabei beziehe ich mich weniger auf die eher blumigen Beschreibungen, die Rafe durch den Kopf gehen, wenn er Rebecca betrachtet, sondern auf ganz einfache Wendungen. Allein Rafes erster Auftritt hat bei mir zu einem ungläubigen Lachanfall geführt: „Rafe Danvers besaß die stechenden Augen eines Adlers und eine Kinnpartie, die in einer kastilischen Schmiede geformt und geprägt worden sein musste. Von ihm ging ein loderndes Feuer aus, das sich in seiner Intensität mit der gleißenden Sonne Spaniens messen konnte.“

Diese schwülstigen Worte entstammen nicht etwa von den Lippen eines verliebten und etwas närrischen Teenagermädchens, sie werden als „ganz normale“ Einführung für diesen Charakters verwendet, als er die Gräfin aufsucht, um über seinen neuen Auftrag informiert zu werden. Mit einer klareren Sprache wäre dieses Buch wirklich ein Genuss gewesen, so allerdings würde ich doch – trotz der schönen Geschichte – beim nächsten Liebesroman eher zu einer anderen Autorin greifen.

Frisch eingetroffen: SuB-Zuwachs!

In den letzten Monaten habe ich brav an meinem SuB gearbeitet und auch immer schön mehr gelesen, als ich neu hinzubekommen habe. Aber ganz ehrlich: Die immer größer werdende Leere in meinem Regal machte mich nervös!

Ein Regalboden ist inzwischen ausschließlich mit Hörbüchern und Hörspielen gefüllt, aber trotzdem gab es immer noch genug freie Fläche. Als Erstes wanderten meine Handarbeitssachen mit ins Regal

dann durften die Bibliotheksbücher auch noch einziehen (sonst liegen die nämlich quer vor den anderen Büchern bzw. auf dem Wohnzimmertisch).

Aber selbst mit den liebevoll überlassenen Leihgaben von Irina konnten diese Lücken nicht gefüllt werden!

Doch als buchsüchtiger Mensch habe ich natürlich eine geheime Quelle, auch schlicht „der Chef“ genannt, für meinen Nachschub! Besagter Chef kündigte vor einigen Tagen ein Buchpaket an, allerdings hatte er nur viel zu kleine Versandbehältnisse bei der Hand und hat deshalb freundlicherweise extra für das Verschicken meiner Bücher einen Karton gekauft.

Dank Sendungsverfolgung sah ich, dass meine Lieferung einen Tag lang bei der Post pausierte (wie ich inzwischen weiß, wurde sie dort geflickt), aber heute sollten die Bücher eintreffen. Und da unsere Paketboten unberechenbar sind, bin ich heute nur sehr unwillig kurz aus dem Haus geflitzt, damit ich nicht Gefahr laufen, den Boten zu verpassen. Natürlich kam er dann erst am frühen Abend, aber dafür war mein Karton endlich da!

Nach einem ersten Schreck (ja, das ist wirklich ein Umzugskarton!), habe ich hineingeschaut und festgestellt, dass meine Bücher unter einer dicken Schicht Füllmaterial verborgen waren.

Das Auspacken ist dann immer wie Weihnachten: Man hat eine Ahnung, was darin sein könnte, wird aber auch immer wieder freudig überrascht! Der Chef hatte nicht nur einen Comic („Quintos“) für mich, sondern auch an meine Schwäche für trashige Horror-Hörspiele (John Sinclair) gedacht – und dann waren da natürlich noch die insgesamt 16 neuen Bücher!

Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften
Vanessa Walder: Die Wundernacht des Elfenkönigs
Polly Shulman: Die geheime Sammlung
Thomas Thiemeyer: Der Palast des Poseidon
Craig Russel: Walküre
Michael Rothballer: Götterschild

Awist Ayub: Kick it in Kabul
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Craig Russel: Lennox
Chris D’Lacey: Feuerträne
Timothy Carter: Böser Engel
Rob Thurman: Nachtgeister
Jeff Stone: Schattenfechter
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut
Maria Daniela Raineri: Ti amo heißt Ich liebe dich
Franziska Gehm: Die Vampirschwestern – Der Meister des Drakung-Fu

Mein bester Mitarbeiter …

Während meiner Arbeit am Schreibtisch gibt es jemanden, der immer bereit ist mich zu unterstützen. Baltimore liegt quer über meinen Schultern und rammt mir seine Krallen in den Oberarm, setzt sich mit dem Hintern auf die Maus (und schickt dabei auch gern einmal erst zur Hälfte geschriebene Emails ab), blockiert die Tastatur und tut auch sonst alles, damit ich weiß, dass er immer für mich da ist.

Doch sogar der bester aller Mitarbeiter erliegt irgendwann der Hitze:

Juli-SuB

Der Juni hat zwar den SuB weiter schrumpfen lassen, aber eigentlich habe ich bei dem warmen Wetter meine Nase mehr in Comics gesteckt. So komme ich zwar auf insgesamt 13 Comics (3 Manga und 10 amerikanische Sammelbände), aber nur auf 11 Romane. Außerdem hat die Zeit auch nur für ein Hörbuch (6 CDs) gereicht. Neuzugänge gab es keine, dafür wird der Juli wieder etwas Zuwachs bringen!

A (5)
Robert Asprin: Des Dämons fette Beute
Robert Asprin: Ein Dämon schafft noch keine Ordnung
Jane Austen: Mansfield Park
Jane Austen: Anne Elliot (Neuübersetzung)
Awist Ayub: Kick it in Kabul

B (8)
Sina Beerwald: Die Goldschmiedin
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Ruth Berger: Gretchen – Ein Frankfurter Kriminalfall
Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten
Marie Brennan: Doppelgänger
Marie Brennan: Hexenkrieger
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud

C (7)
Timothy Carter: Böser Engel
Trueman Capote: Frühstück bei Tiffany
Jennifer Chiaverini: Der Weihnachtsquilt
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)
James Collins: Zauberberg für Anfänger
Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten
Deborah Crombie: Wenn die Wahrheit stirbt

D (7)
Chris D’Lacey: Feuerträne
Agnes Desarthe: Mein hungriges Herz
Friedrich Dönhoff: Savoy Blues – Ein Fall für Sebastian Fink
Joe Donnelly: Jack Flint und der Bann des Herzsteins
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Joe Donnelly: Jack Flint und der Raub der Kupferschriften
Rebecca Drake: Still sollst du sterben

F (12)
Jennifer Fallon: Kind der Götter (Das Dämonenkind 2)
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Gayle Forman: Wenn ich bleib
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Earlene Fowler: Tödliche Schatten
Karen Joy Fowler: Der Jane Austen Club
Dick & Felix Francis: Abgebrüht
Peter Freund: Laura und das Siegel des Mondes
Luca di Fulvio: Die Rache des Dionysos

G (5)
Francois Gantheret: Das Gedächtnis des Wassers
Franziska Gehm: Die Vampirschwestern – Der Meister des Drakung-Fu
Michele Giuttari: Rachefeuer
Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (4)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Frederik Hetmann: Zeitenwende
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
Rachel Hore: Der Garten der Erinnerung

I (3)
Greg Iles: Leises Gift
John Irving: Letzte Nacht in Twisted River
Andrea Israel und Nancy Garfinkel: Johannisbeersommer

J (1)
P.D. James: Ein makelloser Tod

K (6)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Jackie Kessler & Caitlin Kittredge: Schatten und Licht – Das Ikarus Projekt
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (5)
Victoria Laurie: M.J. Holliday: Geisterjägerin – Rendezvous um Mitternacht
F. G. Ledesma: Der Tod wohnt nebenan
Marc Levy: All die ungesagten Worte
Michaela Link: Der Spiegel der Kaiserin
Jens Lossau/Jens Schumacher: Der Elbenschlächter

M (6)
Christoph Marzi: Lyra
James McGee: Die Totensammler
Seanan McGuire: October Daye – Winterfluch
Richelle Mead: Dark Swan – Sturmtochter
Kai Meyer: Hex
Boris Meyn: Die Schattenflotte

N (3)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Jo Nesbo: Headhunter
Elle Newmark: Der Granatapfeldieb

P (4)
Renata Petry: Hilgensee
Tamora Pierce: Young Warriors – Stories of Strength
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)

Q (1)
Julia Quinn: Ein hinreißend verruchter Gentleman

R (14)
Irene Radford: Der letzte Kriegsmagier (Die Historie des Drachen-Nimbus 2)
Irene Radford: Der abtrünnige Drache (Die Historie des Drachen-Nimbus 3)
Maria Daniela Raineri: Ti amo heißt Ich liebe dich
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
John Maddox Roberts: Die Feinde des Imperators – Ein Krimi aus dem Alten Rom
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Michael Rothballer: Götterschild (Vermächtnis der Schwerter 3)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Brian Ruckley: Winterwende (Die Welt aus Blut und Eis 1)
Craig Russel: Lennox
Craig Russel: Walküre

S (17)
Régis de Sá Moreira: Das geheime Leben der Bücher
Lynsay Sands: Wer will schon einen Vampir?
Lynsay Sands: Ein Vampir und Gentleman
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Peter Schwindt: Morland 2 – Die Blume des Bösen
Polly Shulman: Die geheime Sammlung
Emma Smith: Der Ruf der Ferne
Ernst Soler: Staub im Paradies
Veronica Stallwood: Böses Spiel in Oxford
Helle Stangerup: Der Brautmaler
Ilka Stitz: Wer Fortuna trotzt
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Jeff Stone: Schattenfechter
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (11)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Heather Terrell: Die Chronik der Nephilim – Auf den Schwingen der Nacht
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 1 – Die Stadt der Regenfresser
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher 2 – Der Palast des Poseidon
Rob Thurman: Nachtgeister
P.J. Tracy: Der Köder
P.J. Tracy: Mortifer
Aino Trosell: Eine grenzenlose Liebe
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

W (7)
Winifred Watson: Miss Pettigrews großer Tag
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Valerie Wilson Wesley: Remember Celia Jones – Ein Fall für Tamara Hayle
Gabriele Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Cornell Woolrich: Der schwarze Engel
Vanessa Walder: Die Wundernacht des Elfenkönigs
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die keusche Braut

X (1)
Xinran: Gerettete Worte

127 Titel
(fett markierte Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind neu hinzugekommen)

Julia Quinn: Penelopes pikantes Geheimnis

„Penelopes pikantes Geheimnis“ ist das vierte der Bridgerton-Bücher von Julia Quinn und handelt von Colin, dem drittältesten Sohn der Familie Bridgerton, und Penelope Featherington, einer Freundin seiner jüngere Schwester Eloise. Bevor ich auf den Inhalt eingehe, muss ich mich (mal wieder) über den deutschen Verlag beschweren. Sowohl der Titel (der im englischen einfach nur „Romancing Mr. Bridgerton“ lautet), als auch der Klappentext verraten den Knackpunkt der Geschichte. Wirklich sehr geschickt …

Die Handlung spielt im Jahr 1824 und zwölf Jahre zuvor erlebte Penelope Featherington ihre erste Saison. Da sie kaum siebzehn Jahre alt war, hätte sich ihre Mutter noch etwas Zeit damit lassen können, vor allem, da Penelope damals nicht nur recht reizlos war, sondern auch noch gut 12 Kilo Babyspeck zuviel auf den Hüften hatte. Bei all diesen Minuspunkten half es auch nicht, dass das Mädchen extrem schüchtern und unbeholfen im Umgang mit anderen Menschen war – und von ihrer Mutter ständig in gelbe Kleider gesteckt wurde, obwohl diese Farbe ihr so gar nicht stand.

Eine Saison nach der anderen stand Penelope also am Rand der Tanzfläche, versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr es sie kränkte, dass sie so wenig beachtet wurde und fand nur Trost in ihrer Freundschaft zu Eloise Bridgerton. Diese hingegen schätzte die Intelligenz und den Humor ihrer Freundin – und da Eloise keine Lust hatte einen ihrer vielen Anbeter zu heiraten, planten die beiden Mädchen zusammen in einem netten Häuschen in Bath alt zu werden, sobald ihr Status als „alte Jungfer“ von der Gesellschaft akzeptiert wurde. Doch bis zu diesem Zeitpunkt spielt die inzwischen 28jährige Penelope auf Bällen die Anstandsdame für ihre jüngere Schwester und ist heilfroh, dass sie sich zu den anderen „älteren“ Frauen zurückziehen darf und nicht mehr am Rande der Tanzfläche auf einen Kavalier warten muss.

Und doch gibt es einen Tanzpartner, der ihr Herz höher schlagen lässt: Colin Bridgerton, der ältere Bruder ihrer Freundin Eloise. In diesen hatte sich Penelope schon vor vielen Jahren verliebt und das Gefühl hatte sich im Laufe der Zeit nur vertieft. Obwohl ihr bewusst war, dass er ihr gegenüber nur genauso freundlich war, wie zu allen anderen Freundinnen seiner Schwestern, genießt sie seine kleinen Aufmerksamkeiten und die Höflichkeit, mit der er sie bei jedem Ball um einen Tanz bat (auch wenn beide wussten, dass er von seiner Mutter geschickt wurde, der das Mädchen am Rande der Tanzfläche leid tat). Auch Colin war – trotz seiner 33 Jahre und den diversen Verkupplungsversuchen seiner Mutter – noch nicht verheiratet und es war allgemein bekannt, dass er regelmäßig auf ausgedehnte Reisen ging, wenn seine Familie zu offensiv versuchte, ihn mit einer Ehefrau zu versorgen.

Zu Beginn dieser Geschichte war Colin gerade erst wieder nach London zurückgekehrt, um auf dem Geburtstagsball seiner Mutter anwesend zu sein. Was weder er noch irgendein anderer Ballbesucher ahnt, ist, dass die ältere – und als exzentrisch verrufene – Lady Danbury gerade auf diesem Ball beschließt, dass sie eine hohe Belohnung für denjenigen aussetzt, der ihr die Identität der geheimnisvollen Lady Whistledown verrät. Denn sie ist es leid, dass sich jeder darüber beklagt, wie langweilig diese Saison doch sei und erhofft sich durch die Jagd nach der beliebten, aber anonym schreibenden, Klatschkolumnistin gute Unterhaltung. Und während sich die feine Gesellschaft gegenseitig verdächtigt, all die pikanten Details, die mit spitzer Feder niedergeschrieben wurden, verfasst zu haben, kommen sich Colin und Penelope näher.

Auch dieses Bridgerton-Buch hat mich wieder wunderbar unterhalten. Obwohl die Geschichte nicht so zauberhaft ist, wie die Aschenputtel-Variante in „Wie verführt man einen Lord?“ und weder Penelope noch Colin so … hm … herausragend sind, wie die anderen Charaktere der Bridgerton-Reihe, mag ich die beiden einfach. Ich finde es bewundernswert mit wieviel Haltung Penelope durch’s Leben geht, wie sie auf einen ruhigen Lebensabend mit der Freundin hofft und versucht etwas Befriedigung in den kleinen glücklichen Momenten in ihren langweiligen Alltag zu finden. Colin hingegen ist keine so dramatische Gestalt wie seine älteren Brüder oder Simon Basset, der mit Colins Schwester Daphne verheiratet ist, aber ein netter Kerl, der es leid ist, dass alle Welt in ihm nur „einen Bridgerton“ und kein Individuum sieht. Für Penelope sind seine „Probleme“ nur Jammern auf hohem Niveau und doch erkennt sie, dass es für ihn fast genauso schlimm ist, dass er kein Aufgabe im Leben hat, wie für sie, dass keiner von ihr mehr als das eher reizlose Äußere wahrnimmt.

Auch wenn mich diese Geschichte nicht so mitgerissen hat, wie es die anderen Bücher taten, so fand ich es doch sehr angenehm mal so ein normales Pärchen verfolgen zu dürfen. Zu sehen wie Colin so nach und nach entdeckt, dass hinter Penelopes unauffälligem Äußeren (wobei sie sich auch da deutlich gemausert hat, seitdem nicht mehr ihre Mutter ihre Kleidung aussucht) ein scharfer Verstand und ein wunderbarer Humor stecken, hat mir gefallen. Ebenso wie Penelopes Einsicht, dass der jahrelang angehimmelte Colin auch nur ein ganz normaler Mann mit Ecken und Kanten – und nicht gerade wenigen Schwächen ist. Sie liebt ihn trotzdem, auch wenn sie anfangs befürchten muss, dass er nicht alle Seiten an ihr respektiert.

Ein wenig schade ist es, dass der restlichen Bridgerton-Familie dieses Mal eine recht kleine Rolle zugebilligt wurde. Colin wohnt eigentlich nicht mehr zuhause und so ist es kein Wunder, dass seine Mutter und seine Geschwister in diesem Roman nur „Gastrollen“ übernehmen. Aber stattdessen habe ich mich über all den Szenen mit der eigenwilligen Lady Danbury gefreut. Niemand will freiwillig etwas mit dieser resoluten Dame zu tun haben und die gesamte Londoner Gesellschaft hat regelrecht Angst vor ihr und ihren spitzen Bemerkungen. Doch da sie Penelope ins Herz geschlossen hat, gibt es viele wunderbare Momente mit diesen beiden Figuren, die mir mindestens ebenso viel Freude bereitet haben, wie die Liebesgeschichte zwischen Penelope und Colin.

Dies und Das (4)

Betten beziehen mit Katzen:

Katze 1 vom Kopfkissen verjagen, das Kissen schütteln und wieder hinlegen. Katze 2 vom Nachthemd vertreiben, Nachthemd zusammenlegen. Katze 1-3 von der Bettdecke pflücken, Bettdecke schütteln, zusammenlegen und wieder hinlegen. Katze 4 vom zweitem Kopfkissen heben, Kissen schütteln und wieder hinlegen. Erleichtert beobachten, dass Katze 1 und 4 genervt von den Aktivitäten sind und ins Wohnzimmer wandern. Katze 2 und 3 freundlicherweise auf die schon gemachte Bettdecke umquartieren und hoffen, dass sie lange genug da liegen bleiben, damit man die zweite Bettdecke schütteln, zusammenlegen und wieder hinlegen kann. Feststellen, dass sich Katze 1 (die doch wiedergekommen ist) in der Zwischenzeit auf das Bettlaken gelegt hat und resigniert die Decke auf die Katze legen … Wenn man dann aus dem Zimmer geht, fragt man sich, warum man das Bett überhaupt gemacht hat, denn nun hat man eine Beule unter der einen Bettdecke und zwei genervte Katzen auf der anderen.

Garten:

Verblühte Pfingstrosen abschneiden ist überraschend angenehm. So eine leichte, weiche und duftige Blüte in der Hand zu haben ist ein wunderschönes Gefühl!

Und ich habe heute die Hecke geschnitten, was mich überraschenderweise nur 2,5 Stunden gekostet hat. Jetzt habe ich einen leichten Sonnenbrand und bin per Du mit den Herren von der Abfallbeseitigung.

Das hat dazu geführt, dass ich heute eine Antwort auf eine Frage bekommen habe, die mich seit meiner Kindheit beschäftigt: Wo gehen die während der Arbeitszeit auf Toilette? (Antwort: Nach einer höflichen Frage bei den Leuten, deren Mülltonne sie gerade leeren wollen … )

Außerdem weiß ich nun, dass der einer der Herren ein gelernter Gärtner ist, aber bei der Abfallbeseitigung mehr verdient. Er wäre auch bereit gewesen mir eben die Hecke zu kürzen, wenn ich eine elektrische Heckenschere gehabt hätte. Aber mit meiner niedlichen mechanischen Heckenschere hätte es ihm zu lange gedauert …

Oh, und ich habe unserem Gartennachbarn die Erlaubnis gegeben unsere Haselnuss etwas zu stutzen, weil sie ihm soviel Licht wegnimmt. Ob ihm bewusst ist, dass die Ecke unseres Gartens so zugewuchert ist, dass er sich erst einmal am Baum vorbei durch das Gestrüpp kämpfen muss? Vielleicht habe ich ja Glück und er stutzt noch mehr, dann kann ich mich in den nächsten Tagen weiter auf die Beete konzentrieren …

Simon Brett: Ein Toter kommt selten allein

Ich hatte vor ein paar Jahren die Romane „Mord im Museum“ und „Der Tote im Hotel“ von Simon Brett aus der Bibliothek ausgeliehen – und mich von den Büchern gut unterhalten gefühlt. Seitdem halte ich die Augen auf nach weiteren Titel dieses Autoren und war froh, als ich „Ein Toter kommt selten allein“ in die Hände bekam. Allerdings ist „Ein Toter kommt selten allein“ oder genauer gesagt die Krimi-Serie mit Carole Seddon und Jude Nichols mal wieder ein schönes Beispiel für eine seltsame Veröffentlichungspolitik. Denn wie ich inzwischen herausfand, ist der zuletzt veröffentlichte Titel der erste Teil der Reihe, während die beiden zuerst erschienenen Romane Band 4 und 5 sind.

„Ein Toter kommt selten allein“ lebt von den beiden gegensätzlichen Hauptfiguren. Carole Seddon ist eine frühpensionierte Beamtin, überkorrekt, sehr konservativ und nicht gerade die Herzlichkeit in Person. Sie weiß immer, was sich gehört – und versucht natürlich auch dementsprechend zu handeln. So ist es für sie auch selbstverständlich, dass sie die Polizei ruft, als sie beim morgendlichen Strandspaziergang eine Leiche findet. Was die Polizisten allerdings nicht so ganz verstehen können, ist, dass Carole vor dem Anruf noch ihren Hund baden musste, weil er sonst ihr Häuschen verdreckt hätte. So ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass die Beamten (da sie keine Leiche am Strand finden konnten) Carole eher für eine hysterische Frau halten, die etwas Aufmerksamkeit sucht, statt wirklich nach einem Toten Ausschau zu halten.

Einzig Jude nimmt sie ernst, dabei ist die neue Nachbarin Carole so ungemein suspekt. Sie ist viel zu locker, verrät nicht, womit sie ihr Geld verdient, stellt sich nur mit Vornamen vor und ist überhaupt alles andere als eine respektable Person! Aber sie glaubt Carole und gemeinsam beginnen die beiden Frauen ihre Nase in die Angelegenheiten der Nachbarn zu stecken, um mehr darüber herauszufinden, wer der Tote gewesen sein könnte – und wer ihn ermordet hat! Und da in Fethering, dem kleinen Küstenort, in dem Carole und Jude leben, eine ganz eigene Gesellschaft haust, gibt es so einiges für die beiden Hobbydetektivinnen zu entdecken.

„Ein Toter kommt selten allein“ fällt bei mir in die Kategorie „nett und unterhaltsam, aber nicht besonders spannend“. Carole und Jude sind etwas überzogen, aber sehr liebevoll dargestellt, und durch ihre unterschiedliche Wesensart gibt es immer wieder amüsante Momente zu erleben. Auch der Ort Fethering ist eine Sache für sich – voller arroganter Personen, deren renovierte (Haus-)Fassaden doch nur ein marodes Familienlebern vertuschen soll, und vor allem voller ungeschriebener Regeln, die mir ein – zum Teil fassungsloses – Grinsen beschert haben.

Oft liegt bei diesen eher gemütlichen britischen Krimis ein Vergleich mit Agatha-Christie-Romanen nahe. So gehören auch die Bewohner von Fethering zu einer eher geschlossenen Gemeinschaft, in der jeder die Schwächen des anderen kennt, und wo es vor sehr individuellen Figuren wimmelt. Es gab sogar in der Vergangenheit des Ortes Bemühungen weitere Zuzüge zu verhindern, damit man schön „unter sich“ bleiben kann! Insgesamt fand ich die Auflösung des Mordes und die Hintergründe der Geschichte recht vorhersehbar, was aber nichts am Unterhaltungswert des Romans ändert. Denn unterhaltsam ist die Handlung und ich konnte wunderbar über all die kleinen Szenen schmunzeln, in denen die Spießbürgerlichkeit von Carole und ihren Nachbarn gezeigt wird – und wie sehr Jude mit ihren unkonventionellen Art diese Leute irritiert. Wer also einen anspruchslosen, aber wirklich netten englischen Kriminalroman sucht, wird mit „Ein Toter kommt selten allein“ gut bedient.

Sophie Kinsella: Sag’s nicht weiter, Liebling!

Klappentext: Emma Corrigan scheint vom Pech verfolgt. Alles in ihrem Leben geht schief, und jetzt auch noch das: Sie sitzt in einem von Turbulenzen geschüttelten Flugzeug und sieht ihr letztes Stündlein gekommen. In Panik legt Emma eine dramatische Lebensbeichte ab: Jedes Geheimnis, jede jemals geäußerte Lüge bricht aus ihr heraus. Zu dumm, das Emmas Sitznachbar alles andere als ein Unbekannter ist …

So ganz stimmt dieser Klappentext nicht, denn für Emma ist der Mann im Flugzeug ein Unbekannter – bis sie am Montag darauf zur Arbeit geht und feststellen muss, dass der Gründer der Firma, der sich jahrelang vom Geschäft zurückgezogen hat, derjenige ist, dem sie auf dem Flug ihr Herz ausgeschüttet hatte. Da zu den gebeichteten Lügen auch eine gefälschte Note in ihrem Abschlusszeugnis gehörte, damit sie die Stelle in der Marketing Abteilung bei Panther Corporation erhält, befürchtet Emma für ihre Zukunft natürlich das Schlimmste.

Doch Jack Harper scheint es viel zu viel Spaß zu machen Emma unauffällig mit all den kleinen Dingen, die er über sie weiß aufzuziehen, als dass sie sich Sorgen um ihre Stellung in der Firma mache müsste. Das macht die Situation für Emma aber nicht einfacher, denn ihr ganzes Leben lang hat sie versucht den Erwartungen der anderen gerecht zu werden. Sie musste sich immer mit ihrer Cousine Kerry vergleichen lassen, hat trotz aller Bemühungen nie einen Job länger behalten können und sie ist so dankbar, dass sich der gutaussehenden Connor für sie interessiert, dass sie sich nicht einmal selber eingestehen kann, dass sie einfach nicht zusammen passen.

Ganz ehrlich, ich habe ein Problem mit Szenen, die dafür sorgen, dass ich mich fremdschäme. Und so hatte ich schon auf der zweiten Seite das Bedürfnis das Buch wieder zuzuklappen, bei Seite 13 habe ich mich unbehaglich auf dem Sofa gewunden und auf Seite 24 habe ich überlegt, ob ich das Buch wirklich noch lesen will, bevor es die Bibliothek wieder zurück haben will. Tja, und ab Seite 29 schlich sich dann so langsam ein Grinsen in mein Gesicht …

Emmas viele kleine Lügen, böse Gedanken und Ängste sind einfach wunderbar … hm … normal – und für einen Unbeteiligten sehr amüsant zu lesen. Dabei reichen ihre „Verfehlungen“ vom Fälschen einer Note über lieb gemeinte Notlügen (wenn sie einer Kollegin erzählt, dass sie ihre selbstgehäkelten Sachen hübsch findet) bis zu kleinen Gemeinheiten (wenn sie die Pflanze einer weiteren Kollegin mit Orangensaft gießt, weil die Frau sie geärgert hat). Und nachdem Emma keine Angst mehr haben muss, dass Jack Harper all diese Geheimnisse gegen sie verwendet und ihr vielleicht sogar kündigt, stellt sie fest wie befreiend es ist, dass es jemanden gibt, dem sie nichts vorspielen muss. Jack kennt all ihre Verfehlungen und geheimen Gedanken und scheint sie trotzdem zu mögen und diese Zuneigung stellt Emmas ganzes Leben auf den Kopf.

Ich fand die beiden Hauptfiguren sehr sympathisch. Emma hat ein Händchen dafür sich mit ihren Notlügen in Schwierigkeiten zu bringen, wobei sie mit all ihren Ängsten und Befürchtungen erstaunlich realistisch wirkt. Von Jack bekommt man erst einmal recht wenig mit, er erzählt nur wenig über seine Person und so muss man zwischen den Zeilen lesen, um sich ein Bild von ihm zu machen. Mir hat es gefallen, dass er nicht einfach höflich über Emmas Beichte im Flugzeug hinwegging, sondern sie immer wieder ein wenig mit all ihren kleinen Geheimnissen aufzog – und so auch dafür sorgte, dass sie diese Dinge letztendlich selber nicht mehr als so schlimm oder peinlich empfand.

Mit „Sag’s nicht weiter, Liebling“ erzählt Sophie Kinsella in meinen Augen eine realistischere Geschichte als mit „Charleston Girl“ oder „Göttin in Gummistiefeln“, allerdings hatte mir die Göttin doch noch etwas besser gefallen als dieser Roman. Trotzdem bietet die Handlung rund um Emma – wenn man erst einmal die ersten Seiten hinter sich gebracht hat – sehr lustige Szenen, anrührende Momente und ein paar sehr unterhaltsame Lesestunden.