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Fortunato: Die Spur der Drachen (Dragos dunkle Reise 1)

Mit „Dragos dunkle Reise“ präsentiert der Autor Fortunato eine düstere und spannende Trilogie für Jugendliche.

(Entschuldigt bitte diesen Einschub, aber selbst bei einem Kinderbuchautor reizt mich dieses Pseudonym eher zu einem spöttischen Grinsen und es fällt mir schwer, die Person hinter dem Namen ernst zu nehmen. Über das Autorenfoto möchte ich lieber erst gar nichts sagen, aber wer sich mit Suchmaschinen auskennt und neugierig genug ist, wird es schnell auf seiner Homepage finden und sich eine eigene Meinung bilden können. Bestimmt hat sich Thomas Montasser etwas bei dem Bild und dem Pseudonym gedacht – und wer weiß, vielleicht fliegen die Kinder, die ja seine Zielgruppe sind, auf diese Selbstdarstellung des Autors. 😉 )

Doch nun weiter mit „Die Spur der Drachen“! Die Hauptfigur dieses Romans ist der junge Drago. Er gehört zu einer Einwandererfamilie, die aus Illyrien floh, weil dort Krieg herrschte. Aber auch in Venedig ist das Leben für die Fremden nicht einfach. Die Stadt ist nass und kalt und die Einwohner sind den Einwanderern gegenüber nicht gerade wohlgesonnen. So kommt es, dass der Vater mit einem gemieteten Boot gerade mal genug verdient, um seine Familie vor dem Verhungern zu bewahren, während die Mutter aufgrund des unfreundlichen Klimas erkrankt ist.

Drago versucht in dieser schweren Zeit mit ein paar kleinen Gelegenheitsarbeiten und mit Taschendiebstahl etwas Geld zu verdienen. Ihm ist zwar bewusst, dass in diesem historischen Venedig sehr harte Strafen auf ihn warten, wenn er beim Klauen erwischt wird, doch der Junge bangt um das Leben seiner Familie. So ist er auch bereit sich gegen einen finsteren Hehler und seine Handlanger zu behaupten, obwohl er dabei mit seinem Leben spielt. Bei einem seiner Beutezüge lernt Drago den Gelehrten Hannibal Rabe kennen.

Zu seiner großen Überraschung wird der Junge von Rabe engagiert, um ihm in Venedig als Führer zu dienen und kleine Aufträge für ihn auszuführen. Doch was anfangs wie ein großer Glücksfall wirkte, führt dazu, dass Drago in eine unheimliche Geschichte gezogen wird. Hannibal Rabe forscht nach uralter Magie – und er ist nicht der einzige, der sich in Venedig mit diesem Thema auseinandersetzt. So wird Drago schnell zu einem unwissenden Spielball zweier mächtiger Parteien, denen das Leben des Jungen nichts wert zu sein scheint.

Ich muss zugeben, dass ich den Anfang dieses Jugendbuchs etwas verwirrend fand. Man findet sich in einem historischen Venedig wieder, welches sehr überzeugend, aber auch überaus düster geschildert wird. Und so wie Drago anfangs keine Ahnung hat, was in seiner Umgebung vorgeht, so ist man auch als Leser erst einmal nur verwirrt. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr zieht einen die Handlung in ihren Bann. Es entsteht eine faszinierende Mischung aus den atmosphärischen Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze (düstere Gassen, dunkle Kanäle, strahlende Palazzi und das trostlose und doch durch die Familie heimelig wirkende Zuhause von Drago) und der rätselhaften und spannenden Handlung, die voller Magie, Intrigen und Gefahren steckt. Auch Drago und seine Schwester Luzia sind mir ans Herz gewachsen und so habe ich das ganze Buch über gehofft, dass die beiden heil aus der Geschichte herauskommen.

Wenn man sich also erst einmal in diesem fremdartigen historischen Venedig zurechtgefunden und die verschiedenen Personen soweit kennengelernt hat, dass man sie zuordnen kann, erwartete einen eine ungewöhnliche und sehr reizvolle fantastische Geschichte. Oh, und da ich den zweiten Teil auch schon gelesen habe, kann ich jetzt schon sagen, dass die Serie ebenso fantastisch und spannend weitergeht!

Das Hörbuch zu „Die Spur der Drachen“ hat mir hingegen nicht ganz so gut gefallen. Der Sprecher Bernd Reheuser liest die Geschichte sehr „märchenhaft“ und etwas getragen und das passt nicht so gut zu der düsteren und spannenden Handlung. Außerdem hebt seine Art der Betonung die kleinen sprachlichen Mängel des Textes, die mir persönlich beim Lesen nicht so aufgefallen sind, noch hervor. Wer also die Wahl hat, sollte auf jeden Fall zum Roman greifen!

Laura Kalpakian: Café Eden

Vor einiger Zeit habe ich euch mal gefragt, was für ein Buch ihr bei diesem Klappentext erwarten würdet. Und die meisten waren (wie ich auch) nach dem Lesen der Inhaltsangabe davon ausgegangen, dass man in „Café Eden“ die Geschichte einer Frau verfolgen könnte, die nach einer schwierigen Kindheit und/oder unglücklichen Beziehungen Erfüllung in ihrem eigenen Café findet. Meiner Erwartung nach hätte die Handlung sich spätestens ab der Hälfte des Buches um das Café herum entwickelt und dort hätte man vielleicht sogar etwas über die regelmäßigen Besucher erfahren und über die Freundschaften, die sich entwickeln.

Stattdessen bekommt man in diesem Buch eine Familiensaga präsentiert, bei der sich die Rezepte, die später einmal im „Café Eden“ serviert werden, wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen. Das Ganz beginnt im Jahr 1926 in einer Mormonen-Gemeinde in Utah, wo die sechsjährige Eden zu Schule geht. Und schon in der ersten Szene bekommt man mit, dass sich das kleine Mädchen bei Problemen lieber an ihre Tante Afton als an die Mutter wendet. Denn während Edens Mutter den ganzen Tag betrunken ihren Tagträumen nachhängt, ist ihre Tante eine gläubige Mormonin, die nicht nur ihre eigen Familie erfolgreich „verwaltet. Bei ihr lernt Eden auch die ersten Schritte in der Küche, damit das Mädchen in der Lage ist sich und die beiden kleineren Geschwister zu versorgen.

Vor jedem Kapitel gibt es eine „Momentaufnahme“ die kurz die Lebensgeschichte einer Person oder wichtige Ereignisse aus ihrem Leben erzählen. All diese Menschen haben in irgendeiner Weise mit Eden und ihrer Familie zu tun – und am Ende des dazugehörigen Kapitels wird dann noch ein Rezept präsentiert, das mit dieser Person in Verbindung gebracht wird. Die Idee ist eigentlich ganz nett, macht das Buch aber etwas anstrengend zu lesen. Da springt man von den Erlebnissen eines chinesischen Kindes zu der Befreiung einer jungen Sklavin zur „Vernunftehe“ einer Banditentochter oder dem Schicksal einer italienischstämmigen Witwe und muss sich jedes Mal neu auf zurechtfinden.

Zwar steht Eden eigentlich immer der Mittelpunkt der Geschichte, doch bei so vielen Menschen, die Einfluss auf ihr Leben genommen haben, habe ich im Laufe des Romans immer wieder dagesessen und musste überlegen, welche Person hier schon wieder erwähnt wird und welche Verbindung zwischen ihr und Eden besteht und an welchen Stellen es schon mal Hinweise auf diesen Menschen gab. Dabei wäre das Leben der jungen Mormonin auch ohne diese Einschübe interessant zu lesen gewesen.

Eden ist von klein auf eine ungewöhnlich selbständige junge Frau. So meldet sie sich freiwillig als der Zweite Weltkrieg beginnt und verbringt die Kriegstage in London. Und da sie nach dem Krieg nicht (wie es sich für ein braves Mormonen-Mädchen gehören würde) als Hausfrau und Mutter niederlassen will, studiert sie und findet schließlich eine Stelle als Sekretärin in einer großen Bank. Auch als sie sich dann verliebt und dem Film-Ranch-Besitzer Matt March heiratet, verläuft ihr Leben nicht gerade langweilig.

Einzig die Nebenbemerkungen bei den Rezeptseiten, die von Anfang an klarstellen, dass diese Gerichte später in Edens Café serviert werden, deuten an, dass diese Frau irgendwann einmal ein Café eröffnet wird. Doch wie es dazu kommt, bleibt bis kurz vor Schluss des Romans unklar. Dabei spielt Essen in Edens Leben durchaus eine wichtige Rolle. Anfangs weil ihre Eltern nicht in der Lage sind, die drei Kinder regelmäßig mit Mahlzeiten zu versorgen, dann gibt es die Szenen innerhalb der Großfamilie, bei denen groß aufgetischt wird, und auch während der Kriegszeit erlebt Eden Hungerphasen ebenso wie seltene kulinarische Köstlichkeiten wie eine Apfeltarte während eines Bombenangriffs.

Doch obwohl ständig vom Essen die Rede ist und die Autorin immer wieder betont, dass man neben einem guten Rezept für das Kochen vor allem Fingerspitzengefühl und etwas Kreativität benötigt, fühlte ich mich beim Lesen nicht wirklich von all den Beschreibungen berührt. Bei anderen Büchern passiert es mir, dass ich mir ständig das Wasser im Munde zusammenläuft, ich laufe während des Lesens in die Küche und gucke, ob ich noch Zutaten für bestimmte Gerichte im Haus habe, ich stürze mich vor lauter Schokoladenlust auf die letzte Schokoreserve meines Mannes oder plane eine Kochorgie für das nächste Wochenende. Doch hier habe ich einfach nur gelesen, fand es ganz nett, aber niemals mitreißend.

Und das lag gewiss nicht nur daran, dass die traditionelle amerikanische Küche recht wenig Gerichte für eine Vegetarierin bereithält – sogar Bill Bufords (für mich eher ekelhafte, aber dafür enthusiastische) Beschreibungen seiner Tätigkeit in einer italienischen Metzgerei in dem Buch „Hitze“ haben bei mir mehr Begeisterung und Lust auf’s Kochen ausgelöst, als Laura Kalpakians Beschreibungen einer angeblich köstlichen Nachspeise.

Genauso ging es mir auch mit Edens Geschichte, es fehlte der Funken, der einen mit den Personen mitfühlen lässt. Dabei hat die Autorin viele liebevolle Details in die Handlung eingebaut und mit Eden einen interessanten Charakter geschaffen. Da dieser Roman mehr als 50 Jahre umspannt, bekommt man nicht nur einen Einblick in Erlebnisse dieser ungewöhnlichen Frau, sondern auch in die amerikanische Geschichte. Wobei ich vor allem den Part rund um die Filmgeschichte (Stummfilmzeit, amerikanische Western und die Anfänge der italienischen Westernzeit) mit Neugierde gelesen habe.

Alles in allem hat es etwas gebraucht bis ich mich an die Erzählweise gewöhnt hatte und mich zwischen all den Charakteren zurechtfand und erst ab der Mitte des Buches wurde die Geschichte dicht genug erzählt, dass ich mich mit der Handlung wohlfühlte und ein persönlicheres Interesse für die Figuren entwickelte. Trotz der insgesamt interessanten Geschichte finde ich es immer noch schade, dass es die Autorin nicht geschafft hat, mich mit all ihren Beschreibungen und Rezepten zu begeistern. Das ständige Gefühl beim Lesen, dass da noch ein Unglück in der Luft schwebt und das noch etwas gravierendes passieren muss, damit Eden irgendwann ihr Café eröffnet, kann ich der Autorin zwar nur zum Teil anlasten, da der Klappentext ja nicht aus ihrer Feder stammt – aber das ändert nichts daran, dass ich mich darüber etwas geärgert habe.

Eine kleine Weltreise

Natira hatte die Idee sich für das zweite Halbjahr 2010 eine kleine „Weltreise“ aus ihrem TuB zusammenzustellen. Und da ich ja fast jede Idee aufgreife, die mich zum SuB-Abbau bringt, schließe ich mich ihr gerne an.

 

Weltreise vom 01.07.2010 bis 31.12.2010
5 Bücher = 5 Länder

Frankreich
„Das Paris-Kochbuch“ von Danyel Couet

Italien
„Camorrista“ von Giampaolo Simi

Spanien
„Der Tod wohnt nebenan“ von Francisco González Ledesma

China
„Gerettet Worte“ von Xinran

Indien
„Der Ruf der Ferne“ von Emma Smith

Als ich eben mein SuB-Regal anguckte, um mich für fünf Titel zu entscheiden, ist mir mal wieder aufgefallen, wie gerne ich doch Bücher lese, die in anderen Ländern spielen.

Eine Übersicht über diese Weltreise-Challenge habe ich bei meiner Challenge-Unterseite eingefügt. Abgesehen von Karis YA-Challenge (bei der mir die Bedingung, dass die Bücher im Jahr 2010 erschienen sein sollen, das erfolgreiche Abschließen anscheinend unmöglich macht) sieht es eigentlich ganz gut aus mit all meinen Vorhaben für dieses Jahr.

Sommergarten

Mit leichter Beunruhigung haben wir in den letzten Wochen miterlebt, wie unser Garten immer bunter wurde. So wunderschön der Anblick ist, so sehr ist uns doch bewußt, dass das Unkrautjäten zwischen all der Pracht schwierig wird. Vor allem, da wir uns immer noch nicht so sicher sind, was da eigentlich unerwünscht ist, und was sich langfristig als wunderschöne kleine Blume entpuppen könnte. 😉

Auch beunruhigt mich der Zustand einiger Pflanzen, denn so schön die Rosen blühen, so gibt es doch an den meisten Sträuchern mehr totes Holz als Blüten. Also muss ich unbedingt herausfinden, ob ich die noch so umsorgen kann, dass das Ganze nächstes Jahr wieder gesünder aussieht … Wenn jemand von euch einen guten Buchtipp zum Thema Garten oder Rosen hat, dann bitte her damit!

Bei einigen Pflanzen bin ich mir auch absolut nicht sicher, was für Blumen es sind, wer also eine der abgebildeten Blüten identifizieren kann, der darf mir sehr gern den Namen mitteilen. *g*

Doch bei all den Gedanken, die sich um den Garten drehen, finde ich es einfach nur wunderschön, dass wir diesen Anblick genießen können!

Juni-SuB

Im Mai habe ich meinen SuB schön weiter abgebaut. Insgesamt habe ich 18 Bücher und zwei Manga gelesen und 12 Hörbuch-CDs gehört. Dafür habe ich keine SuB-Neuzugänge gehabt, da die beiden Bücher, die ich mir gekauft habe, gleich an dem Tag gelesen wurden, an dem sie bei mir eintrafen.

A (3)
Robert Asprin: Des Dämons fette Beute
Robert Asprin: Ein Dämon schafft noch keine Ordnung
Jane Austen: Mansfield Park

B (8)
Sina Beerwald: Die Goldschmiedin
Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
Ruth Berger: Gretchen – Ein Frankfurter Kriminalfall
Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten
Marie Brennan: Doppelgänger
Marie Brennan: Hexenkrieger
Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud

C (6)
Trueman Capote: Frühstück bei Tiffany
Jennifer Chiaverini: Der Weihnachtsquilt
Eoin Colfer: Das Zeit-Paradox (Artemis Fowl)
James Collins: Zauberberg für Anfänger
Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten
Deborah Crombie: Wenn die Wahrheit stirbt

D (5)
Barbara Demick: Die Kinogänger von Chongjin
Friedrich Dönhoff: Savoy Blues – Ein Fall für Sebastian Fink
Joe Donnelly: Jack Flint und der Bann des Herzsteins
Joe Donnelly: Jack Flint und der Dämon der Schlangen
Rebecca Drake: Still sollst du sterben

F (11)
Jennifer Fallon: Kind der Götter (Das Dämonenkind 2)
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
Francecso de Fillipo: Gezeichnet
Gayle Forman: Wenn ich bleib
Alan Dean Foster: Echsenwelt
Alan Dean Foster: Die Stimme des Nichts
Earlene Fowler: Tödliche Schatten
Karen Joy Fowler: Der Jane Austen Club
Peter Freund: Laura und das Siegel des Mondes
Luca di Fulvio: Die Rache des Dionysos

G (4)
Francois Gantheret: Das Gedächtnis des Wassers
Michele Giuttari: Rachefeuer
Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin
Sandra Grimm: Der heimtückische Hühnermord

H (4)
Karola Hagemann: Jung stirbt, wen die Götter lieben
Frederik Hetmann: Zeitenwende
Frederike Hieronymi: Silla – Tochter der Wölfin, Die Prophezeiung
Rachel Hore: Der Garten der Erinnerung

I (1)
Greg Iles: Leises Gift

J (1)
P.D. James: Ein makelloser Tod

K (5)
Elisabeth Kabatek: Laugenweckle zum Frühstück
Tom Kahn: Das Tibet-Projekt
Jörg Kastner: Die Tulpe des Bösen
Celine Kiernan: Schattenpfade
Clara Kramer: Eine Handbreit Hoffnung

L (3)
F. G. Ledesma: Der Tod wohnt nebenan
Marc Levy: All die ungesagten Worte
Michaela Link: Der Spiegel der Kaiserin

M (9)
Christoph Marzi: Lyra
James McGee: Die Totensammler
Seanan McGuire: October Daye – Winterfluch
Kai Meyer: Hex
Kai Meyer: Die Sturmkönige 1 – Dschinnland
Kai Meyer: Die Sturmkönige 2 – Wunschkrieg
Kai Meyer: Die Sturmkönige 3 – Glutsand
Boris Meyn: Die Schattenflotte
Thomas B. Morgenstern: Der Milchkontrolleur

N (2)
Melissa Nathan: Mit Milch und Zucker
Elle Newmark: Der Granatapfeldieb

P (5)
Bernd Perplies: Tarean 3 – Ritter des Ersten Lichts
Renata Petry: Hilgensee
Tamora Pierce: Young Warriors – Stories of Strength
Tamora Pierce: Bloodhound (The Legend of Beka Cooper #2)
Tamora Pierce: Melting Stones (Circle Reforge)

R (10)
Irene Radford: Der letzte Kriegsmagier (Die Historie des Drachen-Nimbus 2)
Irene Radford: Der abtrünnige Drache (Die Historie des Drachen-Nimbus 3)
Jennifer Rardin: Man lebt nur ewig
Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen
John Maddox Roberts: Die Feinde des Imperators – Ein Krimi aus dem Alten Rom
Silvia Roth: Querschläger
Michael Rothballer: Tausendsturm (Vermächtnis der Schwerter 1)
Michael Rothballer: Feuerzwinger (Vermächtnis der Schwerter 2)
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik 1 – Der Name des Windes
Brian Ruckley: Winterwende (Die Welt aus Blut und Eis 1)

S (12)
Régis de Sá Moreira: Das geheime Leben der Bücher
Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade
Jens Schumacher: Ambigua – Der Sternstein von Mogonthur
Alexander Schwarz: flip rouge
Peter Schwindt: Morland 2 – Die Blume des Bösen
Emma Smith: Der Ruf der Ferne
Ernst Soler: Staub im Paradies
Veronica Stallwood: Böses Spiel in Oxford
Helle Stangerup: Der Brautmaler
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde

T (8)
Amy Tan: Der Geist der Madame Chen
Charles den Tex: Die Zelle
Thomas Thiemeyer: Nebra
Thomas Thiemeyer: Chroniken der Weltensucher – Die Stadt der Regenfresser
P.J. Tracy: Der Köder
P.J. Tracy: Mortifer
Aino Trosell: Eine grenzenlose Liebe
Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten

W (5)
Winifred Watson: Miss Pettigrews großer Tag
Lauren Weisberger: Die Party Queen von Manhattan
Valerie Wilson Wesley: Remember Celia Jones – Ein Fall für Tamara Hayle
Gabriele Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld
Cornell Woolrich: Der schwarze Engel

X (1)
Xinran: Gerettete Worte

103 Titel
(fett markierte Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind neu hinzugekommen)

Mary Balogh: Diesen Sommer bin ich dein

„Diesen Sommer bin ich dein“ gehört zu den Empfehlungen von Irina – und sie hat mit dem Roman bei mir ins Schwarze getroffen! Hach, die Geschichte war lustig und gleichzeitig zum Heulen schön, vor allem, da sie so leise und wenig reißerisch erzählt wird …

Kit Butler, Viscount Ravensberg, benimmt sich wahrlich nicht wie ein Gentleman und so sieht ihn Lauren Edgeworth zum ersten Mal, als er sich in der Öffentlichkeit mit drei Männern prügelt und dann ein Milchmädchen küsst. Lauren hingegen ist durch und durch eine Lady, sie fühlt sich von dem anstößigen Verhalten des Viscount schockiert, bewahrt ansonsten jederzeit ihre Würde und ist die Ehrbarkeit in Person. Doch ganz so einfach ist ihr Leben bislang nicht verlaufen, denn vor gerade mal einem Jahr stand Lauren vor dem Altar, um Neville Wyatt, Earl of Kilbourne, zu heiraten – doch dann platze die totgeglaubte und vor der Familie verheimlichte Frau des Bräutigams in die Kirche.

Für Lauren wurde die Situation in Newbury Abbey daraufhin unerträglich, denn nun hatte sie nicht nur das Glück des wiedervereinten Paares tagtäglich vor Augen, sondern musste auch damit leben, dass ihr Neville eigentlich die ganze Zeit eine andere Frau geliebt hat. Doch verlassen konnte sie sein Zuhause auch nicht ohne weiteres, da sie als Pflegetochter der Familie aufwuchs. Nur gut, dass sie vor einigen Wochen eine Einladung ihrer Tante nach London annehmen konnte, um dieser in den Monaten vor ihrer Niederkunft Gesellschaft zu leisten.

Auch Kit steht gerade vor einem Problem: Seine Großmutter feiert ihren fünfundsiebzigsten Geburtstag und anlässlich dieser Feier möchte Kits Vater die Verlobung seines Sohnes mit der Nachbarstochter bekannt geben. Doch da die Dame die ehemalige Zukünftige seines verstorbenen Bruders ist und Kit auch sonst ein Problem mit dieser geplanten Feier hat, plant er in den nächsten sechs Wochen eine Frau zu finden, die er seiner Familie als seine Verlobte vorstellen kann. Und damit diese Aufgabe zu einer richtigen Herausforderung wird, geht Kit mit seinen Freunden eine Wette ein, dass es die ehrbare und abweisende Lauren Edgeworth sein soll, die er in den nächsten Wochen erobert.

So sieht sich Lauren auf einmal den Aufmerksamkeiten des verrufenen Viscount Ravensberg ausgesetzt. Während sein Verhalten sie empört, reizt es sie jedoch auch mal gegen die Ratschläge ihrer Verwandtschaft zu handeln. Vor allem die Tatsache, dass man ihren Wunsch nach Einsamkeit und ein Leben als alte Jungfer nicht akzeptiert und ihr einen potenziellen Heiratskandidaten nach dem anderen vor die Nase setzt, empört sie so sehr, dass sie einen ungewohnten Widerspruchsgeist in sich entdeckt. Schließlich willigt sie ein mit Kit zusammen zu seiner Familie zu reisen und sich als seine zukünftige Braut auszugeben, in der Hoffnung, dass sie nach einer zweiten misslungenen Verlobung ein ruhiges und unabhängiges Leben in Bath führen kann. Doch so ganz einfach ist es nicht diese vorgetäuschte Verbindung ohne Probleme vor der gesamten Verwandtschaft aufrecht zu erhalten – vor allem, da es sich Lauren zur Aufgabe gemacht hat, Kit mit seiner Familie zu versöhnen, während er ihr den abenteuerlichsten und amüsantesten Sommer ihres Lebens bereiten will.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe kein Problem mit Sexszenen in historischen Liebesromanen, solange sie schön geschrieben sind (und über die anderen kann ich hinweglesen). Aber in der letzten Zeit ist mir der Verdacht gekommen, dass ich die Geschichten ohne Sex bevorzuge, da dann mehr Raum für die Charaktere und ihr Kennenlernen, für Wortgefechte und Freundschaft da ist. Mary Balogh hingegen lässt sich mit ihrer Handlung viel Zeit und findet so in meinen Augen die richtige Balance zwischen diesen beiden „Schwerpunkten“. Lauren und Kit lernen sich langsam kennen, obwohl für den Viscount die Zeit drängt. Und je mehr die beiden sich kennenlernen, desto mehr sind sie voneinander fasziniert, desto mehr freunden sich die beiden miteinander an.

Ich fand es wunderschön diese Beziehung zwischen den beiden zu verfolgen und mit Laurens Augen zu sehen, dass hinter Kits heiteren und unbekümmerten Fassade ein Mensch mit ganz eigenen Problemen steckt. Kit hingegen fühlt sich von Lauren würdevoller Haltung herausgefordert und doch lernt auch er nach einiger Zeit, dass hinter ihrem kühlen und gefassten Wesen der Wunsch steckt, einmal das Leben unbekümmert genießen zu können. Gerade die gemeinsamen Unternehmungen der beiden haben mich amüsiert. Ganz kleine Dinge, die für ein Kind ganz normal wären, wie eine kleine Kletterpartie in einen Baum, und die doch so ungehörig sind für eine Dame der Gesellschaft und deshalb unglaublichen Mut von Lauren fordern.

Auch die anderen Charaktere fand ich eigentlich durchweg sympathisch, selbst die unangenehmen Personen hatten doch Seiten, die einen berührten. Bei der Gelegenheit muss ich dann doch noch einmal auf Georgette Heyer verweisen, die es ganz wunderbar versteht hassenswerte Figuren wirklich reizvoll zu gestalten – und an ihren Herzog von Avon und seine Familie erinnerten mich auch Kits Nachbarn und die Verlobte seines verstorbenen Bruders. Ohje, ich kann es nicht ändern, dieser Vergleich muss einfach sein. 😉

Alles in allem hat mir „Diesen Sommer bin ich dein“ durchgehend gefallen und ich finde einfach keinen Kritikpunkt. Ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, habe gelacht, geschmunzelt, geweint oder einfach nur eine Szene genossen. Die Geschichte ist richtig schön – und nur die Tatsache, dass anscheinend nur noch Ausgaben mit diesen schrecklichen Covern, auf denen in wallende Gewänder gekleidete Personen in gliedmaßenverrenkenden Stellungen zu sehen sind, zu kaufen sind, hält mich gerade davon ab meinen Wunschzettel mit Romanen von Mary Balogh zu füllen.

Laura Kalpakian: Café Eden – meine Erwartungen

Der Realität ihrer Kindheit entflieht Eden Douglass, in dem sie sich schon früh der Kunst des Kochens und Backens widmet. Auch später, als sie an die falschen Männer gerät, ist die Küche ihr Zufluchtsort. Doch erst als sie endlich ihr Leben in beide Hände nimmt und das „Café Eden“ eröffnet, erfährt sie wahre Unabhängigkeit – und Glück. Und eines Tages kann vielleicht doch die Liebe in ihr Leben treten …

In dem Beitrag Eine Klappentextfrage! hatte ich gefragt, was für Erwartungen ihr anhand der Inhaltsangabe an diese Buch habt – und zum großen Teil stimmten eure Vorstellungen mit meinen überein. Ich war auch davon ausgegangen, dass Eden viel Pech im Leben gehabt hatte, dass sie vielleicht eine (oder mehrere) unglückliche Liebesgeschichten erlebt und sich dann verletzt zurückgezogen hatte. Doch eines Tages ergreift sie die Gelegenheit und eröffnet ein Café – und dieser Ort wird dann zum Mittelpunkt der Geschichte. Ich hatte erwartet, dass zumindest die Hälfte der Handlung in diesem Café stattfindet (und nicht nur das letzte Kapitel). Ein bisschen wie in „Chocolat“, wo die Chocolaterie zum Zentrum des Geschehens wird und wo sich Freunde finden und man Einblicke in die Lebensgeschichten der Figuren bekommt. Und ich war davon ausgegangen, dass ich im Laufe des Romans eine schöne Liebesgeschichte präsentiert bekomme …

Bevor ich die Besprechung zu dem Buch einstelle, gehe ich erst einmal auf eure Kommentare zum anderen Beitrag ein:

Eden ist keine introvertierte Person – und auch kein Mauerblümchen.

Es geht in der Geschichte sehr viel ums Essen, aber es wird nicht sinnlich über Gewürze und das Kochen geschrieben.

Edens Kindheit verläuft problematisch und doch nicht, denn ihre Eltern sind zwar nicht gerade geeignet Kinder aufzuziehen, aber dafür gibt es eine große Familie, die sich in alles einmischt und dafür sorgt, dass das Mädchen dann doch in gesicherten Umständen aufwächst.

Es gibt keinen besonderen Punkt, an dem Eden feststellt, dass ein Café sie glücklich machen könnte. Sie muss nur irgendwann eine Möglichkeit finden, um sich und ihre Familie ernähren zu können.

„Café Eden“ ist keine Selbstverwirklichungs- und Selbstfindungsgeschichte, auch wenn Eden lange Zeit auf der Suche nach dem richtigen Leben für sich ist. Sie ist sich nur einer Sache sicher: Sie will nicht so leben wie ihre weibliche Verwandtschaft, sie erwartet mehr vom Leben als eine brave mormonische Ehefrau mit einem Haufen Kinder zu sein.

Das Café eröffnet sie mit ungefähr fünfzig Jahren – und ich persönlich würde nur wenige der Rezepte aus dem Buch nachkochen wollen, was auch damit zusammenhängt, dass ich nun mal kein Fleisch esse.

Außerdem gab es mehr als einen „guten Geist“ im Hintergrund, doch vor allem hat Eden von ihrer Tante Afton das Kochen gelernt.

Ich finde nicht, dass Eden richtig leiden muss, auch wenn es traurige Momente in ihrem Leben gibt – allerdings kann mein mangelndes Mitgefühl mit ihr auch an der Erzählweise liegen.

In diesem Buch gibt es vor jedem Kapitel ein Rezept, es gibt Zutaten und kochende Frauen, aber es ist weniger ein emotionaler Roman oder gar eine seichte Geschichte.

Genau genommen ist „Café Eden“ nämlich eine Familien-Saga, aber das verrät einem nicht die Inhaltsangabe des Verlags. Erst wenn man das Buch in den Händen hält, dann fällt einem das Zitat des „Top Magazins“ auf, in dem dieser Punkt erwähnt wird.

Lisa Kleypas: Roulette des Herzens

Nachdem Irina es sich zur Aufgabe gemacht hat, mich von einigen ihrer Lieblingsautorinnen zu überzeugen, wird es hier in den nächsten Wochen vermehrt Texte zu Liebesromanen geben. Den Anfang macht „Roulette des Herzens“ von Lisa Kleypas – und ich muss zugeben, dass ich die Cover der „Historical Gold“-Hefte des Cora-Verlags nicht besonders schön finde. 😉 Aber dafür hat mir die Handlung wirklich gut gefallen und darauf kommt es schließlich an.

Hauptpersonen dieser Geschichte sind die etwas naive aber erfolgreiche Schriftstellerin Sara Rose Fielding und der berüchtigte Derek Craven. Sara ist ein Mädchen vom Land, wurde aber von ihren etwas älteren Eltern zur Unabhängigkeit erzogen. Sie hat ihren ganz eigenen Willen und verdient sich mit dem Schreiben von Romanen etwas dazu. Dabei geht es ihr weniger um das Geld, dass sie für ihre Werke bekommt, auch wenn es ihr und ihren Eltern zu so manch kleiner Annehmlichkeit verhilft, Sara hat einfach das Bedürfnis zu schreiben.

Ungewöhnlichweise beschäftigt sich Sara in ihren Romanen mit Prostitution und anderen Dingen, die eine ehrbare Dame nicht kennen sollte. Für ihr nächstes Projekt ist es erforderlich, dass die Autorin Recherchen in den Spielhöllen Londons betreibt, denn nur wenn sie vor Ort erfahren hat, wie es dort zugeht, kann sie ihre Geschichten auch authentisch anlegen. Doch so behütet wie Sara aufgewachsen ist, kommt ihr nicht in den Sinn, dass sie sich bei all ihren Unternehmungen auch mal in Gefahr bringt – obwohl sie zur Sicherheit eine kleine Pistole mit sich führt.

Und die benutzt sie auch, als sie eines Abends mitbekommt, wie zwei Männer mit Messern in der Hand über einen anderen herfallen. Das Opfer ist Derek Craven, Besitzer eines der bekanntesten und erfolgreichsten Clubs in London, und zum Dank erlaubt er Sara in seiner Spielhölle Nachforschungen anzustellen. Im Laufe der Zeit fühlt sich Derek von Sara immer mehr angezogen, obwohl sie mit einem jungen Mann aus ihre Heimatdorf so gut wie verlobt ist. Deshalb hält sich der berüchtigte Clubbesitzer immer wieder vor Augen, dass er aufgrund seiner Herkunft (Sohn einer Prostituierten aus den Slums) und seines nicht legalen Gewerbes für Sara nicht in Frage kommt – und natürlich kann man eine solche unschuldige und ehrenwerte Frau nicht zu seiner Geliebten machen!

Ich fand Sara und Derek sehr klischeebeladen. Da ist auf der einen Seite eine etwas naive, aber intelligente und warmherzige Frau und auf der anderen Seite ein Mann, der trotz seiner schrecklichen Kindheit und den Verbrechen, die er begangen hat, doch eigentlich ein großzügiger Mensch ist, der sich nach Liebe sehnt. Aber da es Lisa Kleypas gelingt diese beiden Personen – ebenso wie die diversen Nebencharaktere – wirklich schön und stimmig zu beschreiben, konnte ich über all die Klischees und die Vorhersehbarkeit der Handlung hinwegsehen.

Es war lustig mitzuverfolgen, wie Sara Dereks Club auf den Kopf stellt, wie seine Angestellten sie behüten und beschützen – und doch keine Hemmungen haben, sie in für eine ehrenwerte Dame kritische Situationen zu bringen, wenn es Sara bei ihren Recherchen hilft. Das naive Mädchen vom Land findet sich erstaunlich gut zwischen den Prostituierten, den Gaunern und Spielern zurecht und ignoriert alle Unverschämtheiten von Dereks Seite. Denn so unsicher wie er ihr gegenüber ist, verhält er sich eher wie ein trotziger Junge denn wie ein gestandener Geschäftsmann – und dementsprechend reagiert auch Sara auf seine Versuche sie wieder loszuwerden.

Abgesehen von der Vorhersehbarkeit der einzelnen Handlungsstränge habe ich nur einen Kritikpunkt: Die Geschichte ist nicht ausgewogen genug aufgebaut! Es gibt immer wieder Szenen, die ich als unnötig oder zu weitschweifig erzählt fand. Andere Entwicklungen hingegen wurden doch eher rasant abgefertigt, sodass ich mich fragte, warum die Autorin überhaupt diese Wendung in die Handlung eingebaut hat. Aber trotz dieser kleinen Mängel habe ich mich beim Lesen wirklich gut unterhalten gefühlt und mit Sara und Derek eine amüsante Zeit verbracht.

Simone Buchholz: Knastpralinen

Im März hatte ich hier auf dem Blog „Revolverherz“, den ersten Band rund um die Staatsanwältin Chas Riley, vorgestellt. Schon bei diesem Roman von Simone Buchholz hatte ich kräftig kritisiert, dass die Kriminalgeschichte unglaubwürdig, durchschaubar und wenig realistisch ist. Aber dafür hatten mich die schöne Sprache der Autorin und die wundervoll atmosphärischen Beschreibungen von Sankt Pauli mit der schwachen Geschichte ausgesöhnt. Also habe ich mir an diesem Wochenende den zweiten Teil, „Knastpralinen“, vorgenommen, der damit anfängt, dass in der Elbe kurz hintereinander zwei sorgfältig verklebte Plastikbeutel gefunden werden, in denen sich jeweils ein Kopf und die Hände und Füße eines Mannes befinden.

So muss Chastity Riley nicht nur einen Prozess gegen eine Bande von Mädchenhändern, sondern auch noch die Mordermittlungen im Fall der getöteten Männer führen. Doch leider fehlen der Polizei jegliche Hinweise auf den oder die Täter, was sich auch nicht ändert, als ein dritter (diesmal vollständiger) Ermordeter in der Elbe gefunden wird. Neben den beruflichen Problemen kämpft Chas auch noch mit ihrer Beziehung zu dem fünfzehn Jahr jüngeren „Klatsche“ und muss sich um ihre Freundin Carla kümmern, die in ihrem eigenen Café nach Feierabend vergewaltigt wurde.

Mit all diesen Zutaten müsste sich doch ein spannender Krimi schreiben lassen, aber auch „Knastpralinen“ versagt in dieser Hinsicht. Ebenso wie Chas Riley haben mich die Morde an den verschiedenen Männern kalt gelassen, aber nicht nur dieser Fall war mir egal, auch die verschiedenen Hauptfiguren. Selbst Carla, die ich in „Revolverherz“ ins Herz geschlossen hatte, war mir recht gleichgültig – obwohl ich sonst bei dem Thema Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen doch recht empfindlich bin.

Das Mordmotiv wurden einem hier auf dem Silbertablett präsentiert ebenso wie der Täter! Ich hasse es, wenn ich einen Krimi lese und der Autor den Mörder so in die Geschichte einbaut, dass man das Gefühl hat, er wird die ganze Zeit mit einem Scheinwerfer und blinkenden Weihnachtsbaumketten beleuchtet, damit man auch ja nicht verpasst, dass hier eine verdächtige Person rumläuft! Das war es also mit der Hoffnung, dass Simone Buchholz den Krimianteil bei ihrem zweiten Chas-Riley-Buch besser macht.

Doch es gab ja zwei Dinge, die mir bei „Revolverherz“ gefallen hatten, einmal die Sprache und dann die Atmosphäre. Die ungewöhnliche und doch klare Sprache ist geblieben und die habe ich auch in „Knastpralinen“ wieder würdigen können. Doch gelingt es Simone Buchholz mit diesem Roman nicht bei mir eine Sehnsucht nach Sankt Pauli auszulösen. Die Geschichte spielt in einem sehr heißen Sommer, was ein Grund dafür ist, dass alle Bewohner der Stadt träger und langsamer sind. Aber diese Trägheit hat sich auch auf mich als Leser gelegt. Ein heißer Tag in der Großstadt, das kenne ich, das hasse ich – und das fühlte sich beim Lesen nicht anders an als ein Tag in Köln, in Frankfurt, in München, in … Nur ganz selten gelingt es der Autorin etwas zu beschreiben, das sich für mich von anderen Städten abhebt.

Diese Passagen sind zwar dann so gut gelungen, dass sie in meiner Erinnerung haften blieben, wie das Kaffeetrinken am Sonntagmorgen auf der Straße, ein angsteinflößender Schuster oder ein kurzer Moment unter einem Leuchturm, aber diese wenigen Szenen reichen nicht, um mich für den Rest des Buches zu entschädigen. Ich glaube nicht, dass ich noch einen weitere Roman rund um Chas Riley lesen werde – und da mich die anderen Titel, die Simone Buchholz bislang veröffentlicht hat, auch nicht reizen, war es das wohl erst einmal für mich mit der Autorin.