Alle Artikel von Konstanze

Mary Janice Davidson: Weiblich, ledig, untot (Hörbuch)

Elizabeth Taylor, genannt Betsy, hat an ihrem dreißigsten Geburtstag den schlimmsten Tag in ihrem Leben. Nicht die Tatsache, dass sie einen runden Geburtstag hat, macht ihr zu schaffen, sondern es läuft einfach alles schief, was im Leben schief laufen kann. Erst verschläft sie am Morgen, dann wird ihr (aufgrund der Wirtschaftskrise) der Job gekündigt und ihre Feier fällt aus, weil ein Schneesturm das Land überzieht – als sie dann noch von einem Auto überfahren wird, während sie ihre Katze ins warme Haus holen will, ist der Tag verdorben.

Wie sehr dieser Tag schiefgelaufen ist, merkt Betsy aber erst, als sie in einem sehr geschmacklosen Sarg aufwacht und sich in ein billiges pinkfarbendes Kostüm und noch schrecklicheren Schuhen vorfindet. Zu ihrem Schrecken muss sie feststellen, dass sie zu einem Vampir geworden ist. Doch zum Glück ist ihre beste Freundin Jessica bereit sie auch in dieser Darseinsform zu akzeptieren und ihr finanziell unter die Arme zu greifen. Weniger glücklich ist, dass Betsy nun von diversen Vampiren bedrängt wird, die alle eine eigene Vorstellung davon habe, wie Betsys Leben als Untote verlaufen soll.

So komplett begeistert bin ich von Betsy nicht, was vielleicht daran liegt, dass ich ihre Leidenschaft für Designer-Schuhe und –Klamotten nicht teilen kann. Aber der Kontrast zwischen dem Vampirklischee und der oberflächlichen und plappernde Sekretärin ist wirklich amüsant. Doch vor allem hat es mir Nana Spiers Leistung angetan. Die Sprecherin ist für die Synchronisation von Sarah Michelle Gellar (Buffy) und Drew Barrymore bekannt, und ihr gelingt es hervorragend den richtigen Ton für die schnatternde Betsy zu treffen. Aber auch Betsys mitfühlende und fürsorgliche Seite bringt die Sprecherin zum Ausdruck, während ihr Eric Sinclair (ein sehr attraktiver Vampire, der Pläne mit Betsy hat) erstaunlich verführerisch wirkt. Was keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Frauen, die Männerrollen sprechen sollen, doch eher lächerlich klingen. Diese Mischung aus gelungener Lesung und amüsanter und leichter Unterhaltung sorgte auf jeden Fall dafür, dass ich das Hörbuch wirklich genossen habe – und Teil zwei habe ich inzwischen auch schon gehört!

Tanja Wekwerth: Mitternachtsmädchen

Wenn ich ein Buch lese, dann mach ich mir in der Regel ein paar Notizen. Ich halte meine Eindrücke fest oder kommentiere den Roman. Bevor ich dann eine Rezension schreibe, schau ich mich online ein bisschen um und gucke, was andere Leute über das Buch geschrieben haben. Und manchmal frage ich mich, ob ich den gleichen Titel vor der Nase hatte, wie diese Jubelrezensenten (z.B. bei Amazon). Tanja Wekwerths Roman „Mitternachtsmädchen“ hinterlässt bei mir wieder dieses Gefühl, dass ich ein anderes Buch gelesen habe als die anderen.

Laut Klappentext handelt das Buch von den Zwillingen May und April, die kurz nach ihrer Geburt getrennt werden und sich ein Leben lang unvollständig fühlen. Doch der größte Teil dieses Romans dreht sich um Molly. Molly ist in Kilborough geboren und hat schon als Teenager angefangen sich um eine kleine Pension am Rande des Ortes zu kümmern. Vier kleine und gemütliche Zimmer und ein Speisesaal mit einer umwerfenden Ausblick auf das Meer stehen dort den Gästen zur Verfügung. Mit Molly zusammen lernt man den Alltag in der kleinen Pension und die unterschiedlichen Besucher kennen und vor allem gelingt es der Autorin den Leser für die Landschaft, das Meer und den fast magisch wirkenden Speisesaal zu begeistern.

In dieser Pension ist Mary zu Gast, als sie die Zwillinge May und April zur Welt bringt. Von vornherein ist klar, dass die junge Frau nur wieder zurück nach London will – ohne Kinder und ohne die Erinnerung an den Mann, von dem sie diese empfangen hat. Für Molly hingegen sind die Mädchen ein Segen und sie fürchtet den Tag, an dem sie sich von ihnen trennen müsste. Ganz genau hat sie sich schon ausgemalt, wie sie für die Zwillinge in Zukunft sorgen kann. Doch dann gibt Mary eine ihrer Töchter zur Adoption frei …

April geht zusammen mit einem deutschen Ehepaar nach Berlin, doch das ist nur die erste Station auf ihrem Lebensweg. May hingegen bleibt Molly und der Pension erhalten und wagt nur selten eine Reise, die sie von Kilborough wegführt. Während die Schwestern ohne voneinander zu wissen ihr Leben führen, sind beide doch immer auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und dem fehlenden Teil in ihrem Leben.

Mich hat das Buch ein wenig unbefriedigt zurückgelassen. Die Autorin springt zwischen den verschiedenen Personen und bringt so ein wenig Abwechslung in die Geschichte, doch letztendlich dümpelt die Handlung wie ein See an einem windstillen Sommertag. Die Pension wird stimmungsvoll beschrieben und es entsteht eine regelrechte Sehnsucht nach dem Meer beim Lesen – und doch ließ mich der später eintretende Verfall des Gebäudes kalt. Doch vor allem hatte ich ein Problem mit den Charakteren. Molly ist eine nette und etwas einfacher Person, die man schnell ins Herz schließt. Aber sie wird überlagert von all den Figuren, die durch ihren Egoismus, ihren Ergeiz und ihren Selbstbetrug hervorstechen.

Keine der vielen Frauenfiguren hatte ein einigermaßen normales Verhältnis zu einem Mann – oder gar zu ihrem eigenen Körper. Und auch wenn ich es erfrischend fand, dass dieser Roman keine Happy-End-Liebesgeschichte beinhaltete, so wären mir in einigen Passagen weniger erigierende Penisse (und dies ohne Sexzenen!) und dafür mehr Tiefgang doch lieber gewesen. Die „Mitternachtsmädchen“ waren unterhaltsam und die Landschaften wurden sehr stimmungsvoll beschrieben, aber am Ende blieb bei mir vor allem das Gefühl zurück, dass die Autorin selber nicht so recht wusste, was sie mit ihrer Geschichte erzählen wollte.

Die Katzenbande: Logan

Über Logan hatte ich schon auf Soleils Blog geschrieben. Er ist es auch, dessen schöne Augen für mein altes Blog-Logo herhalten mussten. 🙂

 

 

 

Als Logan zusammen mit seinem Bruder Baltimore bei uns einzog, sah er ziemlich jämmerlich aus. Seine Vorbesitzer hatten ihn an dem Vormittag beim Tierarzt scheren lassen, und so bekamen wir einen nackten und bewusstlosen Kater, der von der Schermaschine nicht wenig Schrammen am Leib hatte. Immerhin hat er so die mehrstündige Fahrt bis zu unserem Zuhause verschlafen, und ihm blieb wenigstens dieser Stress erspart.

Die ersten Stunden in unserer Wohnung verbrachte Logan bewusstlos auf dem Badezimmerfußboden, während immer einer von uns bei ihm lag und ihn wärmte. Während Baltimore sich innerhalb kürzester Zeit wohl fühlte, sahen wir Logan nur, wenn er von Versteck zu Versteck schlich. Ernährt hat er sich in der Zeit von den Trockenfutterbrocken, die wir ihm unter die Kommoden und Schränke geworfen haben, unter die er sich zurückgezogen hatte.

Seine Vorbesitzer hatten ihn scheren lassen, weil der Kater in ihren Augen so wild war. Er würde sich nicht anfassen oder gar bürsten lassen, und wenn man das doch einmal versuchen würde, dann würde einem „das Blut die Arme hinunterlaufen“. Es stimmt schon, dass wir in den vergangenen Jahren die eine oder andere Verletzung von Logan verpasst bekommen haben. Aber nicht, weil unser Kater so wild und aggressiv ist, sondern weil er ein kleiner Angsthase ist, der von einem Moment auf den anderen panisch vom Schoß springt, wenn ihn ein unvertrautes Geräusch aufschreckt.

So nach und nach wuchs sein Fell wieder, und sobald ein paar Millimeter zu sehen waren (und er nicht sofort vor uns weglief), haben wir ihn immer wieder sanft gestreichelt oder mit einer weichen Bürste bearbeitet. Irgendwann war es soweit, dass er ruhig sitzen blieb, wenn ich an ihm vorbeiging. Da habe ich dann angefangen, ihn immer mal wieder spontan hochzuheben und ein Stückchen weiter wieder auf den Boden zu setzen, bevor er noch realisiert hatte, was ich da mit ihm machte.

Inzwischen ist Logan derjenige, der seine Streicheleinheiten besonders energisch einfordert. Mit seinem zarten Maine-Coon-Stimmchen sitzt er neben einem und quietscht so lange, bis man ihn auf den Schoß nimmt und kräftig durchknuddelt. Es vergeht kaum eine Nacht, in der er nicht am Fußende unseres Bettes schläft, und sogar das Bürsten klappt inzwischen prima! Natürlich gefällt es ihm nicht, wenn wir seine ungewöhnlich dichte und schnell filzende Unterwolle bearbeiten, aber in der Regel liegt er geduldig da und lässt sich auch an unangenehmen Stellen das Bürsten gefallen.

Innerhalb unserer Viererbande ist er der heimliche Boss. Während Baltimore und Shandy sich immer mal wieder um die Chefposition raufen, muss Logan nur kurz anzeigen, was er will, und schon hat er seinen Willen durchgesetzt. Ansonsten ist es ihm egal, was die anderen drei so machen, solange er nur seine Ruhe und manchmal einen Spielkameraden hat.

Oh, da wir seinen Namen nach seinem Vermittlungsfoto ausgesucht hatten – und da noch dachten, dass wir einen wilden und unzähmbaren Kater bekommen würden -, heißt er nach der Comicfigur Wolverine. Nun, immerhin die Größe seiner Krallen passt zu seinem Namensgeber, auch wenn sein Gemüt soviel sanfter ist …

 

Sophie Kinsella: Charleston Girl

Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara und ihrer Geschichte warm geworden bin. Lara Lingtons Leben läuft in letzter Zeit ziemlich schief: Ihr Freund hat sich von ihr getrennt und sie kommt über diese gescheiterte Beziehung nicht hinweg. Sie hat sich mit ihrer Freundin Natalie zusammen selbständig gemacht, nur damit diese kurz darauf aus einem Urlaub nicht zurückkommt – und Lara nun allein für die Headhunter-Firma zuständig ist. Wobei sie selbstverständlich von der Materie keine Ahnung hat, und darauf vertraute, dass Natalie den relevanten Teil der Arbeit übernehmen würde. Und als Krönung des Ganzen wird Lara seit der Beerdigung ihrer Großtante Sadie auch noch von deren Geist verfolgt. Sadie vermisst ihre Libellenkette und fordert nun von Lara, dass diese ihr die Kette zurückholt.

Da Sadie als Geist ihre Großnichte verfolgen kann, möchte sie auch noch ein bisschen was vom Leben haben. So zwingt sie Lara dazu sich mit einem fremden Mann zu einem Date zu verabreden – und den Abend im perfekten Charleston-Kostüm zu verbringen. Aber auch Einbrüche, Anzeigen bei der Polizei und geplatzte Geschäftsabschlüsse hat Lara ihrer verstorbenen Großtante zu verdanken. Sadie ist wirklich eine wunderbare Figur, auch wenn ich nie im Leben von ihr beeinflusst werden wollte. >g< Ihr gelingt es, dass Lara selbstständiger und sich selbst gegenüber ehrlicher wird. Je lockerer Lara mit der Situation umgeht, je mehr ihr die Meinung der anderen egal wird und je mehr sie das Leben genießen kann, desto komischer wurde das Buch. Und so kann ich nicht behaupten, dass ich meinen Spontankauf bereut habe, denn ich habe mit dem Roman einen sehr vergnüglichen Nachmittag verbracht.

Wie gesagt, ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich mit Lara warm geworden bin. Anfangs war sie mir zu passiv, zu fixiert auf ihren Ex-Freund und zu sehr in ihr eigenes Unglück vertieft. Doch je mehr Sadie sich in Laras Leben einmischte, desto komischer wurde die Geschichte – und das Ende, das ist so richtig schön! Mit Lachen und Tränchen in den Augen und dem Gefühl, schon lange nicht mehr so was Schönes gelesen zu haben.

Die Katzenbande: Baltimore

Baltimore ist unser unerschütterlicher Fels in der Brandung. Vor über vier Jahren kamen er und sein Bruder Logan in unser Haus. Während Logan eine Weile brauchte, bis er sich wohl fühlte, stapfte Baltimore aus dem Transportkorb, erkundete die Umgebung, haute Shandy eine runter – und machte ihm schnell klar, dass er nun der Boss ist.

 

 

Es hat ein bisschen gedauert, bis er und Shandy sich arrangiert hatten – und es gibt immer noch Tage, an denen es Baltimore genießt, meinen kleinen schwarzen Kater in die Ecke zu treiben und mit unschuldigem Gesichtsausdruck zuzuhören, wie Shandy sich aufregt. Sowieso hat Baltimore diesen niedlichen „Ich mach nichts Böses“-Blick perfektioniert. Seinen Namen hat er von meinem Mann bekommen, der ihn nach der Band „Sir Lord Baltimore“ benannt hat. Und dieser Adelstitel passt auch zu unserem Hübschen … 😀

 

Baltimore liebt Menschen, und er liebt es, von ihnen bewundert zu werden. So ist es kein Wunder, dass er auch der Einzige ist, der jeden Besuch freudig begrüßt und innerhalb von Minuten auf den Schoß springt – und er ist auch derjenige, der eine Kamera sieht und sich in Position wirft, statt so schnell wie möglich zu flüchten. Sogar mit meiner Mutter kommt er gut zurecht, die dazu neigt, unsere Katzen zu verfolgen. So schön es ist, dass sie ihre „Enkelkatzen“ schmusen mag, so sehr versetzt sie dabei die sensibleren unter ihnen in Panik. ;D

Jeden kann dieser Kater um die Pfote wickeln und bei einem so unschuldigen Gesichtsausdruck kann man nicht einmal böse sein, wenn er mal wieder seinen Dickkopf durchsetzt und sich unbedingt auf die Schultern desjenigen legen will, der gerade am Schreibtisch arbeitet. An die tiefen Kratzer haben wir uns schon gewöhnt, an das Gewicht im Nacken auch – und so können wir das Schnurren neben dem Ohr einfach genießen …

Ein Problem gibt es allerdings mit ihm: Seine Vorbesitzer haben ihm immer etwas zu Essen auf den Tisch getan, wenn sie selber gegessen haben – und so glaubt Baltimore, dass es sein gutes Recht sei, mit am Tisch zu sitzen. Immerhin haben wir es inzwischen geschafft, dass er seine Pfoten vom Tisch lässt. Aber sobald Besuch im Haus ist, versucht er wieder, einen Weg zum nächsten Teller zu finden. Natürlich mit einem ganz unschuldigen Gesichtsausdruck …

 

 

Zwischen Christie und ihm besteht inzwischen eine ganz besondere Beziehung, die beiden kann man immer wieder kuschelnd finden, während einer dem anderen den Kopf putzt. Nicht einmal mit seinem Bruder ist er so vertraut, auch wenn die beiden Kater manchmal so zusammengeknotet auf dem Sofa liegen, dass man keine Ahnung mehr hat, wem von beiden welche Pfote gehört. Aber die Jungs raufen einfach zu gern miteinander, als dass sich da so liebevolle Szenen ergeben könnten wie mit unserer Grautigerdame.

Alan Bradley: Flavia de Luce 1 – Mord im Gurkenbeet

Gleich zu Beginn dieses Romans lernt man Flavia de Luces ungewöhnliche Familie kennen – und hätte der spannende Anfang nicht schon Erwartungen geweckt, dann wären die Beschreibungen von Flavias Umfeld und ihrer Leidenschaft für Gifte mir fast ein bisschen zu ausführlich gewesen. So aber wundert man sich nicht, dass die Elfjährige von ihren beiden älteren Schwestern gefesselt in einen Wandschrank gesperrt wurde – und nachdem sie sich befreit hat, einen perfiden Racheplan ausheckt.

Doch bevor sie noch ihre Schwester vergiften kann, findet Flavia eine Leiche im Gurkenbeet. Der unbekannte Mann kann dem Mädchen noch ein rätselhaftes Wort zuflüstern, bevor er sein Leben aushaucht – und schon steckt Flavia kopfüber in den Ermittlungen! Vor allem die Tatsache, dass ihr Vater sich in der Nacht zuvor noch mit dem Fremden gestritten hat, spornt die Hobbydetektivin an. Denn auch wenn in der Familie nicht gerade sehr viel Zuneigung herrscht, so spielt ihr Vater doch eine wichtige Rolle für Flavia.

Der Roman lebt von dem Kontrast zwischen Flavias ungewöhnlicher und nicht gerade liebevoller Familie und dem gemütlichen Dorfleben. Auf ihrem alten Fahrrad Gladys saust Flavia quer durch den Ort und befragt die Bewohner nach dem unbekannten Toten – und ist so der Polizei immer eine Nasenlänge voraus. Doch je mehr das Mädchen über den Mann herausfindet, desto mehr befürchtet sie, dass ihr Vater in seiner Vergangenheit etwas getan haben könnte, dass Anlass für diesen Mord gewesen sein könnte.

Mich hat die Geschichte ein wenig an die Romane von Charlotte MacLeod erinnert: Ein interessanter Kriminalfall, der durch einen Haufen ungewöhnlicher Charaktere zu einer amüsanten und sehr erfrischenden Geschichte wird. Meiner Meinung nach ist das Buch so auch für Leser geeignet, die normalerweise keine Krimis lesen. Denn Flavia und ihr Umfeld sind so herrlich skurril, dass man sich einfach nur daran erfreuen kann. Für den englischsprachigen Raum ist schon eine Fortsetzung angekündigt – und ich glaube nicht, dass ich daran vorbeigehen kann.

Andreas Hoppert: Der Thule-Code

Zu diesem Buch habe ich mich überreden lassen, weil die Handlung in Ostwestfalen-Lippe spielt (wo ich den Großteil meines Lebens verbracht habe) und weil der Autor angeblich spannende Juristenkrimis schreibt. Tja, die Schauplätze waren wirklich der Höhepunkt des Romans, all die Sehenswürdigkeiten rund um Detmold waren so detailliert beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, der Autor hat sogar die Stufen gezählt, die man bis zu den Aussichtspunkten hochsteigen muss. Und einen Reiseführer brauche ich wohl auch nie wieder, wenn ich mal wieder in die Gegend kommen sollte …

Dafür war von Spannung absolut nichts zu finden! Die Hauptfigur, Marc Hagen, ist ein eher erfolgloser Anwalt, der froh ist, als er die Tochter eines Klienten bei ihrer Suche nach Hinweisen ihres verstorbenen Vaters begleiten kann. Mit Papas Rätsel in der Hand, fahren die beiden von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und finden an den angegebenen Punkten Runen, die entschlüsselt werden müssen. Nur gut, dass es genügen Reiseprospekte und Experten gibt, die innerhalb kürzester Zeit die Lösung präsentieren können.

Parallel dazu verfolgt der Leser auf der einen Seite die Bemühungen eines Sicherheitsbeamten, der während eines G8-Gipfels die Staatsoberhäupter vor Demonstranten … und Anschlägen … schützen muss, und auf der anderen Seite gibt es noch eine auf die Nazi-Zeit zurückzuführende Gesellschaft, die den Weltuntergang plant. Diese beiden Handlungsstränge könnten theoretisch für Spannung sorgen, wenn der Autor sie auch richtig ausgebaut hätte.

Immer wenn ich dachte, dass jetzt endlich die Handlung losgeht, gab es einen Sprung in der Geschichte und man bekam rückblickend oder aus dritter Hand erzählt, was passiert ist. So auch bei dem großen Showdown, der wirklich mal ein bisschen für Aufregung hätte sorgen können … „Der Thule-Code“ ist auf jeden Fall ein Krimi zum Abgewöhnen – und wer die schöne Lippische Landschaft genießen möchte, der sollte sich lieber ein langes Wochenende in der Region gönnen und sich selber ein Bild von den Externsteinen, dem Hermann und den anderen Sehenswürdigkeiten (oh, und am besten später am Abend, wenn die ganze Touristen wieder weg sind 😉 ) machen!

Die Katzenbande: Christie

Als ich Christie das erste Mal sah, sah sie erbärmlich aus! Ein klapperdürres, winziges Kätzchen mit verklebten Fell und noch verklebterem kleinem Gesicht. In einem Pappkarton (und für die Dinger hat sie heute eine regelrecht Schwäche) stand sie vor dem Tierheim-Tor, und so wie sie sich benimmt, schätze ich, dass sie die ersten Lebenstage ohne menschlichen Kontakt hinter sich gebracht hat. Im Tierheim hatte man dann anscheinend in einen bestehenden Katzenschnupfen hineingeimpft – und dementsprechend krank war dieses kleine Bündel geworden.

Doch man versicherte mir, dass Christie nicht mehr ansteckend sei. Da sie als einzige in diesem ländlichen Tierheim jung genug war, um nicht unglücklich zu werden, wenn man sie als reine Wohnungskatze hält – und Shandy nach dem Tod seines Bruders dringend neue Gesellschaft brauchte – nahm ich Christie kurz entschlossen mit nach Hause.

Schnell machte mir der kleine Grautiger klar, dass Menschen nur zum Füttern und Bespielt-werden zu gebrauchen sind. Anfassen, schmusen oder gar Nähe suchen war nicht drin, auch wenn sie sich widerwillig ihre verklebten Augen reinigen ließ. Aber sie war bereit, Shandy von seinem Kummer abzulenken – und das war erst einmal das Wichtigste.

Ein paar Jahre später saßen wir mit angehaltenem Atem auf dem Sofa, neben uns ein Besucher (der übrigens zuhause ein paar Ratten als Haustiere gehalten hat 😉 ), und durften miterleben, wie Christie erst unseren Gast gründlich abschnupperte und dann zu uns rüberkrabbelte und mal bei dem einen, mal bei dem anderen auf dem Schoß tretelte, bis sie sich zum Schlafen einrollte.

Seitdem ist unsere kleine Wildkatze deutlich zutraulicher geworden. Auch wenn man immer noch ein wenig aufpassen muss, so kann man das Madamchen streicheln – manchmal wird sogar auffordernd der Bauch entgegengestreckt. Und spätestens wenn es draußen kälter wird, bevorzugt auch sie die Wärme eines Menschen, um ein Nickerchen zu halten. Nur ihre Neigung, die Wäsche (besonders Handtücher) vom Ständer zu ziehen, um darauf zu schlafen, sorgt immer wieder dafür, dass unser inzwischen so gutes Verhältnis manchmal getrübt wird.

Die drei Kater hat Christie gut im Griff – und wenn ihr mal langweilig ist, mischt sie die Jungs auch kräftig auf. Sie ist diejenige, die gern mal vor dem Katzenklo lauert und dem darin beschäftigten Kater einen Klaps verpasst, sodass er vor Schreck mit dem Kopf gegen den Deckel knallt. Und sie ist auch die einzige, der ich es zutrauen würde, dass sie nach all den Jahren in der Wohnung draußen eine Überlebenschance hätte. Aber solange wir in der Stadt wohnen, müssen die vier mit dem Blick aus dem Fenster zufrieden sein …

Achja, ihren Namen hat Christie von Agatha Christie, denn sie ist – so wie die Autorin es war – abenteuerlustig (auch wenn unsere Katze es wohl nie nach Ägypten schaffen wird 😉 ) und doch sehr scheu, wenn es um fremde Menschen geht …

Die Katzenbande: Shandy

So viel „Katze“ habe ich auf meinem Blog ja noch nicht gezeigt, also wird es Zeit das zu ändern. 😉 Als ich zehn Jahre alt war, hielten mich meine Eltern für alt genug, um mich um eine Katze zu kümmern. Obwohl wir sehr weit „draußen“ gelebt hatten, hat leider keiner meiner Freigänger sehr lange überlebt – und so bekam ich mit zwölf meinen ersten Hund. Zwischenzeitlich gelange es mir noch einen Streunerkater anzulocken, aber eine gefährliche Krankheit sorgte dafür, dass er nur noch einen gemütlichen Lebensabend bei uns genießen konnte. Danach gab es erst einmal für sehr lange Zeit keine Katzen mehr in meinem Leben, und ich musste mich mit den Samtpfoten meiner Freundinnen trösten.

Zu meinem 29. Geburtstag habe ich mir dann selber zwei Kätzchen geschenkt. Shandy (dessen Name auf eine Figur der Autorin Charlotte McLeod anspielt) und sein Bruder kamen von der Katzenhilfe, waren mit der Hand aufgezogen worden und hatten in ihrem Leben noch nichts anderes kennengelernt als ein winziges Kinderreisebett. Bei mir zogen sie erst einmal ins Badezimmer (auch damit ich erst einmal das Flohproblem in Griff bekommen konnte) und selbst dieser kleine Raum hat die beiden fast überwältigt.

Die beiden Kater haben sich im Laufe der Zeit prima entwickelt, und durch die Handaufzucht waren sie auch schnell sehr stark auf mich geprägt. Doch nach einem Jahr starb Shadow an falsch behandelten Harnsteinen und auch bei Shandy ging es bald danach mit diesem Problem los. Wir sind jahrelang von Tierarzt zu Tierarzt gezogen, haben ein Spezialfutter nach dem anderen ausprobiert, nur um mitzuerleben, wie unser Katerchen alle paar Wochen wieder erkrankte. Drei von vier Harnsteinsorten, die eine Katze haben kann, hat dieser Kater von diesem speziellen Tierarztfutter bekommen – und erst seitdem wir ausschließlich roh füttern ist Shandy gesund.

Wie sehr ihn (und uns) das Ganze belastet hat, ist uns erst aufgegangen, als der Kater zum ersten Mal gesund und fröhlich durch die Wohnung tobte und mit einer Schnur fangen spielte. Denn gespielt hatte er zu dem Zeitpunkt schon seit Jahren nicht mehr. Aber auch sonst ist unser Shandy ein kleines Sensibelchen. Im Laufe der Zeit ist es zwar besser geworden, aber früher wurde er jedes Mal krank, wenn ich es wagte für mehr als eine Nacht wegzufahren.

 

Noch immer ist er extrem auf mich fixiert und besteht darauf, dass er derjenige ist, der auf meinem Schoß schlafen darf, wenn ich lesend auf dem Sofa sitze. Sollte ihm eine der anderen Katzen zuvorgekommen sein, dann bringt Shandy seine schlechte Laune unübersehbar zum Ausdruck. Ich vermute, dass irgendwo in seiner Ahnenreihe auch eine asiatische Katze mitgemischt hat, denn anders kann ich mir den feinen Knochenbau und die manchmal doch sehr durchdringende Stimme kaum erklären.

Achja, fotografieren lässt sich der Herr auch nur sehr widerwillig, was dazu führt, dass ich entweder „schlechte Laune“-Fotos oder Schlaffotos von ihm habe. Die einen sind nicht sehr vorteilhaft – und auf den anderen sieht man nur eine schwarze Pelzkugel …

[Kurz und knapp] Becky Cochrane: Zimtsterne mit Zuckerkuss

Die letzten Tage war es hier kalt und regnerisch und eigentlich wollte ich mich nur noch mit den Katzen auf dem Sofa einrollen und meine Nase in ein Buch stecken. Und da musste ich immer wieder an „Zimtsterne mit Zuckerkuss“ (so ein blöder deutscher Titel!) denke. Leider steckt der Roman noch in einer der Umzugskisten, aber hoffentlich finde ich den spätestens zur Adventszeit wieder, denn dann ist es die perfekte Lektüre.

Die Buchhänderlin Keelie ist gar nicht glücklich mit ihrem Leben. Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, bei der Arbeit ist sie im Stress, der neue Chef ist ein Idiot und privat hat sie auch nicht gerade viele Dinge, die sie erfreuen. Umso glücklicher fügt es sich, dass Keelie bei der Arbeit von einer Leiter fällt und sich den Fuß bricht. Damit sie nicht allein bleiben muss, nimmt ihre beste Freundin Ivy sie über die Feiertage mit nach Coventry. Dort wohnen die beiden zusammen mit Keelies bestem Freund Evan bei Ivys ungewöhnlicher Großmutter. Und als Keelies Hamster Hamlet krank wird, lernt diese gleich noch den attraktive Tierarzt der Stadt kennen …

So einfach und vorhersehbar die Handlung ist und so sehr es absehbar ist, dass am Ende alle Beteiligten paarweise aus der Geschichte herausgehen, so ist dieser Roman sehr unterhaltsam geschrieben mit witzigen Dialogen und schönen Anspielungen auf Literaturklassiker. Sehr liebevoll und angenehm realistisch beschreibt die Autorin die verschiedenen Charaktere, und auch wenn einem klar ist, dass eine so idyllische Stadt wie Coventry einfach nur in Bücher existiert, so habe ich doch sehr schnell Sehnsucht nach so einem heimeligen Ort bekommen.