Eine weitere Woche „Social Distancing“, eine weitere Woche mit gemeinsamer abendlicher Lesezeit.
Sehr viel habe ich am Wochenende nicht gelesen, aber ich bin mit „The Goblin Emperor“ von Katherine Addison doch ein Stückchen weitergekommen. Ich mag den Protagonisten Maia so gern, ebenso wie die Personen, die ihm … nicht nahe stehen … eher in einem engen Dienstverhältnis zu ihm stehen. Es ist großartig, wie Katherine Addison Maias Situation beschreibt, seine Versuche sich wie ein Herrscher zu benehmen und doch nicht gleichgültig oder grausam zu sein und immer wieder der Wunsch, er könnte einen leichteren Weg gehen, er hätte jemandem, dem er durch und durch vertrauen kann, und es wäre nicht er, der diesen Job übernehmen musste. Es wird mit jeder Seite klar, dass Maias Position ihm ein unglückliches und einsames Leben bescheren wird, obwohl man ihm so sehr wünscht, dass es ihm mal gut gehen würde und er jemanden finden könnte, der für ihn da ist. Aber gerade deshalb liest sich Maias Geschichte so gut, weil er eben ein Charakter ist, der sich wissentlich auf dieses Erbe einlässt, weil ein unerfahrender Herrscher für das Land so viel weniger schlimm ist als ein politisch erfahrener, aber skrupelloser Usurpator …
(Eine Stunde später)
Was ich bei dieser doch eigentlich recht ruhig erzählten Geschichte wirklich faszinierend finde, ist, dass ich nie Probleme habe in die Handlung reinzufinden und trotz vieler anderer Gedanken im Kopf immer sofort wieder bei Maia und seinen Erlebnissen bin. Vermutlich liegt das daran, dass mich dieser Charakter wirklich berührt. Als ich gerade eine Szene las, in der eine ältere Adelige, die zwar zur Familie seines Vaters gehört, aber keinerlei Beziehung zu Maia hat, zustimmte mit ihm einmal die Woche zu Abend zu essen, wären mir vor Erleichterung fast die Tränen gekommen. Diese Frau wird ihm zwar keine Freundin sein (können), aber immerhin eine Person, mit der er auf relativer Augenhöhe kommunizieren und so etwas wie ein familiäres Verhältnis aufbauen kann … Wie ihr seht, beschäftigt mich Maias Schicksal sehr, obwohl ich mich noch relativ gut an die Geschichte erinnere. Aber es sind die kleinen Szenen mit ihm, die mich so sehr berühren, die Momente, in denen er sich unzulänglich vorkommt oder in denen er nicht weiß, wie er mit einer anderen Person kommunizieren soll, oder sogar die, in denen er feststellt, dass er sich nicht mehr wie Maia benimmt, sondern wie sein Vater … Morgen geht es weiter!
Dienstag (07. April)
Heute hatte ich leider keine Zeit, um weiter in „The Goblin Emperor“ zu lesen, dafür freue ich mich umso mehr auf diese abendliche Lesestunde. Obwohl mein eigenes Leben durch die Selbstisolation eigentlich kaum anders verläuft als mein normaler Alltag, finde ich es so langsam doch etwas anstrengend, dass mein Mann so einen seltsamen Rhythmus hat (er geht drei Stunden später zur Arbeit und kommt irgendwann zwischen 14 und 16 Uhr nach Hause). Mir fehlen vier Stunden, in denen ich ungestört meinen Kram erledigen kann, und während ich meine Pflichten noch gut auf die Reihe bekomme, vermisse ich ein bisschen die Nachmittagsstunden, in denen ich mir sonst regelmäßig ungestörte Lesezeit gönnen konnte. das ist alles kein großes Drama, aber eben etwas, das ich inzwischen deutlich wahrnehme … Aber zurück zu meinem Buch: Je nachdem wie gut ich mich heute konzentrieren kann, komme ich heute Abend oder morgen mit dem Roman zum Ende. Im Moment kann ich mir noch gar nicht vorstellen zu einer anderen Geschichte zu wechseln – mal schauen, was mir dann so in die Finger fällt. 😉
(Gegen 21 Uhr)
Gegen Ende der Geschichte gibt es einen großen Staatsbesuch von Maias Großvater, der nicht nur der Herrscher der Goblins ist, sondern auch seit über fünfzig Jahren sein Reich nicht verlassen hatte. Ich mag wie die Autorin diese Figur aufbaut, auf der einen Seite erfährt man, dass dieser Mann seine Tochter wie eine Handelsware behandelte als es um ihre Ehe ging, auf der anderen Seite steht natürlich die Frage im Raum wie Maias Mutter so eine aufmerksame und liebevolle Frau werden konnte, wenn ihr Zuhause genauso lieblos gewesen wäre wie der Hof, an dem Maias Vater herrschte. Als Maias Großvater dann eintrifft, habe ich das Gefühl, dass sich dieser Widerspruch stimmig aufklärt und am Ende kann man all die Szenen mit dem alten Mann einfach nur noch genießen. Außerdem gibt es natürlich noch die diversen Intrigen gegen Maia und – kurz vom Ende – die dazugehörigen Aufklärungen, wobei ich es mag, dass Katherine Addison weniger bei den dramatischen Ereignissen verharrt, als dass sie die Folgen betont, die die folgenden Verhandlungen, Bestrafungen und Veränderungen bei Hofe für Maia mit sich bringen. Jetzt lege ich erst einmal eine Lesepause ein (die Nook-Brüder haben nur noch bis 22 Uhr geöffnet und ich möchte heute noch ein bisschen Geld verdienen 😉 ), aber ich denke, ich werde das Buch vor dem Schlafengehen noch beenden.
Mittwoch (8. April)
Ich habe „The Goblin Emperor“ wirklich gestern noch beendet und mich gefreut, dass die Zukunft für Maia … nun … nicht rosig aussieht, aber auch nicht mehr so schlimm wie am Anfang. Es gab so viele Figuren in diesem Buch, die ich mochte, das war einfach nur schön zu lesen. 🙂 Für heute Abend greife ich erneut auf eine vertraute Geschichte zurück, die ich zum ersten Mal im englischen Original lese: „A Murder Is Announced“ von Agatha Christie. Ich mag die Handlung und die Figuren sehr, auch wenn ich vermutlich ein wenig anders denken würde, wenn all diese Charaktere meine direkten Nachbarn wären. 😉
(Eine Stunde später)
Da ich heute Abend immer wieder abgelenkt wurde, bin ich noch nicht so weit in dem Roman gekommen, aber inzwischen wurden alle relevanten Personen in dem kleinen Ort Chipping Cleghorn vorgestellt und die improvisierte „Mörderparty“ hat begonnen. Ich finde es lustig, dass das der einzige Agatha-Christie-Roman ist, bei dem ich – trotz diverser gesehener Romanverfilmungen – immer die Besetzung einer bestimmten TV-Verfilmung vor Augen habe. Es ist der Film von 1985 mit Joan Hickson als Miss Marple und ich mag nicht nur Joan Hickson in dieser Rolle, sondern finde die gesamten Charaktere überraschend passend besetzt. Ansonsten ist dieser einer der Romane, die mir als erstes einfallen, wenn es um die Darstellung „lesbischer Paare“ in Büchern geht, ohne dass die Autor.innen jemals explizit sagen, dass es sich bei den beiden zusammenlebenden Frauen um ein Paar handelt. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass ich bei Agatha Christie das Gefühl habe, dass die Autorin schon relativ deutlich zeigt, ob zwei zusammenlebende Frauen in ihren Romanen als Paar oder eben nur als Mitbewohnerinnen dargestellt werden, ohne dass sie jemals näher auf die Beziehung dieser Frauen eingeht.
Donnerstag (9. April)
Heute gab es tagsüber keine Lesezeit für mich (ich hatte kräftig verschlafen und dank der anhängenden wirren Träume habe ich den Vormittag über auch deutlich weniger auf die Reihe bekomme als geplant), also geht es jetzt für mich mit der „Mörderparty“ in „A Murder Is Announced“ weiter. Und da mir heute erst aufgegangen ist, dass morgen ein Feiertag ist: Wollt ihr morgen auch gemeinsam lesen und was ist mit Oster-Montag?
(Ein knappes Stündchen später)
Heute klappt es nicht so recht mit dem Lesen – ich bin unkonzentriert und mein Mann ist sehr kommunikativ … Mal schauen, ob ich mir morgen tagsüber Lesezeit einräumen kann – ein paar Sachen stehen noch auf der To-do-Liste, die ich heute eigentlich schon erledigt haben wollte, aber so viele sind das nicht.
Freitag (10. April)
Ich habe heute Nachmittag ein bisschen in einen Urban-Fantasy-Roman („Greywalker“) reingeschnuppert, den ich vor einiger Zeit schon mal angelesen hatte, war aber nicht so recht in der Stimmung für diese Art von Geschichte. Also geht es heute Abend mit meinem gemächlichen „A Murder Is Announced“ weiter – inzwischen ist nicht nur der erste Mord geschehen, sondern der ermittelnde Polizist hat schon einen ersten Eindruck von den beteiligten Personen gewonnen (und sein Patenonkel hat ihm schon von seiner älteren Dame, die ein besseres Gespür für Mordermittlungen hat als er, vorgeschwärmt).
(Eine Stunde – und ein paar geschriebene Kommentare 😉 – später)
Ich glaube, was ich gerade beim Lesen meines Krimis vor allem genieße, sind die Nebenbemerkungen, in denen die Charaktere über ihre Nachbarn urteilen, und all die kleinen Unstimmigkeiten in den Aussagen, die eigentlich schon sehr, sehr früh die Person entlarven, die den Mord begangen hat, die man aber normalerweise überliest, weil nun einmal Aussagen verschiedener Personen unterschiedlich ausfallen. Ich bin mal wieder sehr hingerissen von Agatha Christies Erzählweise, muss aber auch zugeben, dass die Tatsache, dass mein Mann gerade auf dem Fernseher „Animal Crossing“ spielt mich nicht wenig ablenkt – und den Wunsch weckt selber das Spiel wieder anzuwerfen. 😉
Ich wünsche euch also weiterhin schöne und hoffentlich entspannte Osterfeiertage! 🙂 Sehen wir uns am Montag wieder hier?
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Gemeinsam lesen mit …
Neyasha
Kiya

















