Alle Artikel von Konstanze

Lese-Sonntag im März 2020

Es fühlt sich wieder ein bisschen seltsam an, dass heute schon der dritte Sonntag im März sein soll – aber sowas passiert eben, wenn der Monat an einem Wochenende beginnt. 😉 Nachdem ich in den letzten Tagen versucht habe all den Kram aufzuholen, den ich die ersten beiden Märzwochen wegen einer heftigen Erkältung nicht auf die Reihe bekommen habe, bin ich heute ehrlich gesagt ziemlich müde, obwohl ich meine gestrige Außer-Haus-Verabredung schon (wegen der Warnungen vor Öffentlichen Verkehrsmitteln) abgesagt und einen recht entspannten Samstagnachmittag hatte. Aber grundsätzlich sollte mich die Müdigkeit ja nicht an einem gemütlichen Lese-Sonntag hindern – es könnte nur sein, dass ich zwischendurch für eine Runde Sofaschlaf verschwinde. Ansonsten starte ich jetzt erst einmal mit einer Haushaltsrunde in den Tag und schaue dann, welches meiner angefangenen Bücher mich locken kann. Zu meinem aktuellen Sachbuch („Der Kalte Krieg“ von Odd Arne Westad) werde ich heute wohl nicht greifen, da ich mich darauf ziemlich konzentrieren muss. Aber ich habe noch einen angefangenen Krimi von Charlotte MacLeod („Jodeln und Juwelen“ – und nein, ich weiß nicht, was sich der Verlag bei dem Titel gedacht hat und warum man nicht näher beim englischen Titel „The Gladstone Bag“ gelieben ist) und den Urban-Fantasy-Roman „Storm Cursed“ von Patricia Briggs habe ich ebenfalls noch angelesen hier liegen.

Update 10:15 Uhr

In den vergangenen 2 1/2 Stunden habe ich nicht nur den Abwasch erledigt und meine nächtliche Timeline aufgelesen, sondern auch einen Spaziergang gemacht. Als ich meinen Mann fragte, ob er mit mir rausgehen würde, fing er erst einmal an zu lachen, weil ich prompt an dem Wochenende, an dem ich meine Samstagsverabredung in Mainz abgesagt habe, Spazierengehen wollte. Ein für mich sehr untypisches Verhalten, wie ihr alle inzwischen wissen solltet. 😉 Aber die Sonne scheint so schön und meine Krankenkasse zahlt seit ein paar Monaten mein hochdosiertes Vitamin D nicht mehr, weshalb ich kein Rezept mehr dafür bekomme und so dachte ich mir, ich sollte die menschenleeren Sonntagmorgen-Straßen nutzen, um noch etwas Sonne zu tanken.

Wir sind wirklich kaum einer Menschenseele begegnet und die wenigen Personen auf der Straße (und beim Bäcker) haben alle recht gut Abstand zueinander gehalten (und mich sehr alarmiert angeschaut, als ich dann doch mal husten musste). Jetzt überlege ich, ob ich mir erst einmal Frühstück mache oder ob ich vorher noch eine Runde lese.

Update 13:30 Uhr

Das mit dem Lesen hat bislang noch nicht geklappt, denn erst habe ich mich noch mit Kommentareschreiben abgelenkt und dann falterte mir die Nachricht ins Postfach, dass Bernadette Banner ein neues Video veröffentlicht hat. Seitdem ich die Youtuberin vor über einem Jahr für mich entdeckt habe, freue ich mich ungemein über jedes neue Video und finde es überraschend erholsam ihr dabei zuzuschauen, wie sie historisch(angelehnte) Kleidung per Hand näht. Dass ich dabei eine Menge übers Handnähen und die Konstruktion von Kleidung lerne, ist ein netter Nebeneffekt, aber vor allem höre und schaue ich ihr gern zu und finde es irgendwie befriedigend ein Projekt von der Planung bis zu Fertigstellung zu verfolgen. Da mein Frühstück nicht für ein 40-Minuten-Video reicht, habe ich dann noch zum Strickzeug gegriffen und meinen zweiten Socken angefangen – wobei ich da gerade mit dem Schaft experimentiere, weil ich den beim ersten Socken zwar an der Wade angenehm finde, aber über dem Knöchel zu weit … Na, ich werde sehen, ob ich das besser angepasst bekomme. Jetzt drehe ich erst einmal eine kurze Kommentarrunde (inzwischen sind wir ja doch einige Leute, die heute den Lese-Sonntag genießen) und dann greife ich wirklich zum Buch! *g*

Update 17:00 Uhr

Ich habe es dann doch wirklich endlich geschafft einige Zeit zu lesen und mag mein Buch weiterhin sehr gern. Die Mercy-Thompson-Reihe unterscheidet sich jetzt nicht soooo sehr von anderen Gestaltwandler-Urban-Fantasy-Reihen, obwohl wenn der Romance-Anteil nicht so extrem ist wie bei einigen anderen Serien, aber ich mag den Erzählstil total gern, ich mag den Humor, ich mag die Charaktere und ich mag die immer wieder auftauchenden Überraschungen, die die fantastische Welt inzwischen deutlich erweitert haben. Oh, und ich mag die neue Rolle, die die Werwölfe in ihrem Gebiet inzwischen einnehmen und die dazu führt, dass sie im Prinzip für alle übernatürlichen Dinge verantwortlich sind (oder gemacht werden). Diese neue Rolle ist der Grund, wieso Mercy in den ersten Kapiteln einen Goblin jagt, der vor dem (menschlichen) Gesetzt auf der Flucht ist, zwanzig Mini-Zombie-Ziegen einfangen musste und einen Verbrechenstatort im Haus einer Hexe aufsuchen musste. Obwohl es unübersehbar ist, dass da wieder etwas großes und böses auf Mercy und das Rudel zukommt, kichere ich ständig vor mich hin und fühle mich beim Lesen einfach nur wohl. 🙂

Eine Pause habe ich dann nur eingelegt, weil die Lust auf Kaffee (für die kommenden Wochen habe ich beschlossen, dass ich meine „kein Milchkaffee mehr Zuhause“-Regel aufhebe) und Kuchen zu groß wurde. Neben dem Kuchen habe ich mich wieder mit „Social Media“ beschäftigt, denn – und das finde ich das Schönste an der aktuellen Situation – in meinem Freundeskreis ist es gerade üblich sich täglich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist, dass die anderen versorgt sind, und zu fragen, wie es denn mit der Versorgung und der Situation bei der Arbeit aussieht. Ich weiß, dass viele Menschen die Gefahren, die vom Corona-Virus ausgehen, noch gar nicht richtig einschätzen, weil es eben eine unvorstellbare Sache ist, aber es fühlt sich gut an, dass meine Freunde (und sogar diejenigen in meiner Familie, mit denen ich in den letzten Tagen geredet habe) sich anscheinend an die empfohlenen Verhaltensweisen halten, vorsichtig, aber nicht panisch reagieren und immer wieder Kontakt suchen, um – zumindest aus der Ferne – etwas auf die anderen aufzupassen. 🙂

Update 21:15 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich mich noch ewas online rumgetrieben, „Animal Crossing – New Leaf“ gespielt – zum letzten Mal an einem Lese-Sonntag! – und bin dann in die Küche gewandert, um zu kochen. Zum Essen gab es wenig dekorativen Weißkohl-Eintopf, die Pause zwischen dem letzten Kohl-Eintopf und heute war lang genug, dass er uns wieder schmeckte, aber solangsam wird es Zeit, dass die ersten Frühlingsgemüse-Sorten aus der Region geerntet werden können. (Von unserem Gemüselieferanten gab es heute eine große Ankündigung auf der Homepage, dass er weiter liefern wird – was auch ohne Menschenkontakt organisiert werden kann – und nun überlege ich, ob ich selbst ohne wirklichen Bedarf in der kommenden Woche, eine Solidaritätslieferung mit haltbarem Kram bestelle. *g*)

Zum Essen haben wir „Shin Godzilla“ angefangen und es ist erschreckend wie viele Sätze da vorkommen, die auch auf die aktuelle Situation angewandt werden können, und wie viele Szenen es gibt, in denen (am Anfang des Films) Wirtschaft und Politik die verantwortungslosesten Entscheidungen treffen, weil man ja niemanden vor den Kopf stoßen will und irgendwie glaubt, dass schon alles gut wird, wenn man stillhält … Wenn ich mich richtig erinnere, dann war das auch Natiras erste (und bislang einziger?) Godzilla-Film, nachdem wir den zusammen bei der Deutschlandpremiere auf dem japanischen Filmfest gesehen haben. Oh, und so ein großartiger Ren Osugi als Premierminister – so traurig, dass dieser Schauspieler vor zwei Jahren gestorben ist … Wir werden den Rest des Abends mit diesem Film verbringen, auch wenn ich nebenbei noch eine Kommentarrunde drehen werde, und deshalb war das für heute auch mein letztes Update. Es war schön, dass ihr heute alle dabei gewesen seid, auch wenn die aktuellen Nachrichten uns alle etwas abgelenkt haben. 😉

Passt bitte in den kommenden Wochen alle gut auf euch und eure Lieben auf und wenn jemandem die Decke auf dem Kopf fällt, dann können wir uns gern online treffen und austauschen! (Oder auf einer – fast – verlassenen Insel für diejenigen, die wie ich ab dem kommenden Freitag ihre Zuflucht in „Animal Crossing – New Horizons“ suchen werfen.) 🙂

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Heutige Mitleserin:

Natira
Neyasha
Sunny
animasoul
JED
Sayuri

Sarah Beth Durst: Fire and Heist

Auf der Homepage der Autorin wird „Fire and Heist“ als „Ocean’s Eleven… with were-dragons“ beschrieben, und das reichte mir, um neugierig auf den Titel zu werden. „Fire and Heist“ ist für mich der erste Roman von Sarah Beth Durst, und auch wenn ich definitiv älter bin als die jugendliche Zielgruppe, mochte ich die Geschichte und den Erzählton sehr und habe nach dem Lesen gleich noch ein paar weitere Bücher der Autorin auf die Merkliste gesetzt. Die Handlung wird aus der Sicht der sechzehnjährigen Sky Hawkins erzählt, deren Familie in den vergangenen Wochen eine harte Zeit erlebte. Sky lebt in einer Welt, die theoretisch der unseren entspricht, nur dass neben den Menschen auch Wyvern (oder Wer-Drachen) leben. Ihre Existenz ist nicht nur seit Jahrhunderten bekannt, die Wyvern nehmen auch einen Promi-Status ein, der nicht nur darauf basiert, dass jede Wyvern-Familie sehr, sehr reich ist.

Auch Sky gehört zu den Wyvern, doch der Reichtum ihrer Familie hat sich vor einem Monat deutlich reduziert, nachdem sie dafür bestraft wurden, dass Skys Mutter Anabeth in die Schatzkammer einer anderen Wyvern-Familie einbrach. Dass Wyvern einander bestehlen, ist ganz normal, und der erste Diebstahl signalisiert in ihrer – von Gold besessenen – Gesellschaft das Erwachsenwerden eines Wyvern. Anabeths Vergehen bestand also vor allem darin, dass sie sich hatte erwischen lassen – und da sie seit diesem Einbruch spurlos verschwunden ist, kann Sky sie nicht einmal fragen, was ihre Mutter sich bei ihrem Vorhaben überhaupt gedacht hatte. Stattdessen muss Sky gleichzeitig mit dem Verlust ihrer Mutter, der Ächtung innerhalb der Wyvern-Gesellschaft, dem Ende ihrer Beziehung zu ihrem Freund Ryan und dem verschlossenen Verhalten ihrer Familie fertig werden. Doch Sky ist niemand, der solch eine Situation einfach hinnimmt (zumindest nicht, nachdem sie sich einen Monat Trauer- und Erholungszeit gegönnt hat), weshalb sie beschließt, dass sie als ihren ersten Coup einen Einbruch plant, der sie in genau dieselbe Schatzkammer bringt, in der ihre Mutter erwischt wurde.

Ich mochte die Protagonistin Sky sehr, und ich mochte es, dass ihre ganze Erziehung sie nicht nur dafür qualifiziert, einen Einbruch zu begehen, sondern dass das auch ihr erster Gedanke war, um alles wieder „in Ordnung“ zu bringen, was durch das Verhalten ihrer Mutter kaputtgegangen ist. Aber noch mehr mochte ich, dass Sky von Anfang an klar ist, dass sie alleine so einen Einbruch niemals erfolgreich durchziehen kann und dass sie eine Crew benötigt. Das Zusammenspiel zwischen Sky und den anderen Personen, die ihr bei ihrem Vorhaben helfen, ist wirklich wunderbar. Nicht allen von ihnen kann sie wirklich vertrauen, und doch sind die gemeinsamen Szenen von einem Gefühl der Kameradschaft durchzogen, weil alle wissen, dass sie einander und ihre jeweils besonderen Fähigkeiten benötigen, um heil aus der Sache rauszukommen. Auch die Momente, die man mit Sky und ihrer Familie verfolgen kann, sind wunderbar. Obwohl Sky sich von ihrem Vater und ihren Brüdern im Stich gelassen fühlt, wird deutlich, dass sie sich eigentlich sehr nahe stehen und füreinander da sein wollen – auch wenn sie gerade nicht so recht wissen, wie sie mit ihren eigenen Gefühlen umgehen sollen.

„Fire and Heist“ war für mich ein amüsantes Wohlfühlbuch, das ich kaum aus der Hand legen mochte, weil ich mich immer fragte, was wohl als Nächstes passiert oder wie Sky wohl (mehr oder weniger) heil aus einer Situation wieder herauskommt. Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass die große und überraschende Entdeckung, die Sky bei ihrem Einbruch macht, recht vorhersehbar war, aber das trübte die Handlung für mich nicht, weil ich beim Lesen erst voller Vorfreude auf diesen Moment war und dann so damit beschäftigt war herauszufinden, welche Folgen dies nun für die Protagonistin und ihre Familie haben wird. Alles in allem hat mir dieses Buch wirklich rundum Spaß gemacht, und ich habe sogar die Momente genossen, die sich um Skys und Ryans Beziehung drehten – und wer mich kennt, weiß, wie selten es ist, dass eine Liebesgeschichte in meinen fantastischen Jugendbüchern vor meinen Augen Gnade findet. 😉

Außerdem habe ich bei der Suche nach anderen Titeln der Autorin gesehen, dass eine Übersetzung von „Fire and Heist“ Ende April auf Deutsch erscheinen wird. Wer also nun Lust bekommen hat, diese Geschichte zu lesen, und sich nicht mit (relativ einfachem) Englisch abmühen will, muss nur noch ein paar Wochen auf „Feuer und Gold“ warten.

Hallie Rubenhold: The Five – The Untold Lives of the Women Killed by Jack the Ripper

Auf das Erscheinen der Taschenbuch-Ausgabe von „The Five“ von Hallie Rubenhold habe ich schon gewartet, als die Hardcover-Version noch gar nicht veröffentlicht war, weil ich den Ansatz, den die Historikerin für ihr Buch gewählt hat, einfach großartig finde. „The Five“ dreht sich um die „kanonischen“ fünf Opfer von Jack the Ripper und darum, dass die Faszination darüber, dass man die Identität des Mörders nie aufgedeckt hat, seit über 130 Jahren vollkommen die Tatsache überdeckt, dass da fünf Frauen getötet wurdet, die mehr waren als eine Seitenbemerkung in einem spektakulären Fall. Die Namen von Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary-Jane Kelly kennt wohl jeder, der jemals etwas über den Ripper gelesen hat, doch in all der Berichterstattung über die Mordfälle sind diese Namen nicht mehr als Teil einer Liste von Opfern.

Hallie Rubenhold hingegen hat sich in ihrem Buch auf das Leben dieser fünf Frauen konzentriert, wobei die Autorin damit beginnt, dass sie die Lebensumstände der Menschen in London im Jahr 1887 näher beleuchtet. Um die Tatsache, dass in diesem Jahr das goldene Thronjubiläum von Königin Viktoria gefeiert wurde, kommt man eigentlich kaum herum, wenn man sich mit dieser Zeit beschäftigt. Doch Hallie Rubenhold verweist nicht nur auf die überbordenden Feierlichkeiten, sondern auch darauf, dass in diesem wunderschönen Sommer die große Trockenheit für Missernten sorgte, die – zusätzlich zur schon herrschenden Rezession – viele Menschen vom Land in die Stadt trieben. Doch in den Städten herrschte nicht nur große Arbeitslosgkeit, sondern auch akuter Wohnungsmangel, so dass viele Personen sich gezwungen sahen, unter freien Himmel zu übernachten. Auf dem Trafalgar Square hatte sich ein regelrechtes Lager von obdachlosen Personen gebildet, die in all diesen Menschenmengen irgendwie überleben mussten. Im November 1887 führten die Bemühungen der Obrigkeit, gegen diese Ansammlung „potenzieller Umstürzler“ vorzugehen, zum „Bloody Sunday“, doch damit endeten die Unruhen rund um den Trafalgar Square noch lange nicht.

Auch Mary Ann „Polly“ Nichols war unter denen, die auf dem Trafalgar Square Unterschlupf gefunden hatten. Anhand von Volkszählungsdaten, Zeitungsberichten und Zeugenaussagen von Angehörigen und Bekannten rekonstruiert Hallie Rubenhold das Leben einer Person, die für eine Frau ihrer Zeit und Schicht in den ersten Jahrzehnten ihres Lebens eine relativ sichere Existenz führte. Erst als Polly die finanzielle Absicherung durch ihre Familie verlor, musste sie sich mit schlechtbezahlten Jobs und Betteln über Wasser halten – was dazu führte, dass sie sich regelmäßig keine Unterkunft für die Nacht leisten konnte und auf der Straße übernachtete. Annie Chapman hingegen war die Tochter eines Dienstmädchens und eines Soldaten und profitierte als solche von der Schulausbildung, die die Armee für die Kinder ihrer Soldaten zur Verfügung stellte. Überhaupt hatte Annie lange Zeit immer die besten Vorraussetzungen für ihr Leben, und doch verbrachte sie die Jahre vor ihrem Tod in einem Viertel, das für die Armut seiner Bewohner und seine Gefährlichkeit berühmt war.

Elizabeth Strides Lebensweg hingegen begann auf eine kleinen Bauernhof in Schweden, und obwohl Hallie Rubenhold viele Stationen von Elizabeths Leben nachverfolgen konnte, gibt es relativ wenig Details über sie und über die Personen, die dafür gesorgt haben, dass ihr Leben immer wieder einen unliebsamen Verlauf nahm. Über Catherine „Kate“ Eddowes‘ Leben ist hingegen wieder erstaunlich viel bekannt, von ihrer Kindheit in London (inklusive des Besuchs einer recht angesehenen Schule), den Jahren, die sie nach dem Tod ihres Vaters in der Obhut von Verwandten verbrachte, über die folgenden Jahren, in denen sie gemeinsam mit dem Mann, den sie als ihren Ehemann ansah, durchs Land zog und Balladen u.ä. Schriften vortrug und verkaufte, bis zu ihren letzten Lebensjahren, in denen ihr Verhalten zu einer fast vollständigen Trennung von ihrer Familie gesorgt hatte. Über Mary-Jane Kellys Leben hingegen gibt es so gut wie keine Informationen, und so basiert der Großteil der Dinge, die man heute noch über ihr Leben weiß, auf den Aussagen des Mannes, mit denen sie in den Monaten vor ihrem Tod zusammenlebte. Doch egal, wie viel oder wenig (belegbare) Daten Hallie Rubenhold über diese fünf Frauen zusammentragen konnte, in jedem einzelnen Kapitel wird deutlich, dass jede von ihnen ein Individuum mit ganz persönlichen Vorlieben und Abneigungen war, eine Person, über die es mehr zu erzählen gibt als nur die Umstände ihres Todes.

Ergänzt werden all diese Rechercheergebnisse durch Berichte von Zeitzeugen wie zum Beispiel dem Abgeordneten und Sozialreformer Charles Booth oder Mary Higgs, die sich als obdachlose Frau verkleidete, um aus erster Hand die Lebensumstände der Personen zu erleben, denen sie mit den Wohlfahrtsorganisationen, denen sie angehörte, helfen wollte. Diese Beobachtungen und Erlebnisse zeichnen nicht nur ein klares und häufig erschütterndes Bild vom Leben der ärmsten Bevölkerungsschicht im London dieser Zeit, sondern untermauern auch Hallie Rubenholds Theorie, dass weniger der reale Lebenswandel dieser Frauen, sondern die Vorurteile einer viktorianischen Gesellschaft (inklusive der ermittelnden Polizisten) und das Bedürfnis der Presse nach reißerischen Schlagzeilen dafür sorgten, dass alle Opfer von Jack the Ripper von Anfang an als Prostituierte angesehen wurden. Eine Frau, die ohne Ehemann oder zumindest den Schutz ihrer Familie (über)leben musste, konnte in den Augen dieser Zeit keine ehrbare Frau sein – und so hat sich der Mythos von den „Prostituiertenmorden“ des Jack the Ripper bis in die heutige Zeit gehalten.

Am Ende nehme ich aus „The Five“ nicht nur viele Details über das Leben von Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary-Jane Kelly mit, sondern auch sehr viele Informationen über das Leben in der viktorianischen Zeit. Ich finde es (immer wieder erneut) erschütternd, wie schnell eine Frau nach dem Tod ihres Vaters oder Ehemannes in die Armut abrutschen konnte und wie unmöglich es für Frauen war, sich selbst und eventuelle Kinder zu ernähren. Doch vor allem ist es das Bewusstsein dafür, dass wir uns trotz aller Bemühungen um Gleichberechtigung, fairer Bezahlung und sozialer Absicherung immer noch nicht besonders weit von den Umständen und dem Denken der viktorianischen Zeit entfernt haben, das mich beim Lesen immer wieder innehalten ließ. So hat Hallie Rubenhold meiner Meinung nach nicht nur diesen fünf Opfern von Jack the Ripper mit ihrem Buch ihre Würde zurückgegeben, sondern auch jeder Person gute Argumente geliefert, die sich für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der verschiedenen Geschlechter einsetzt.

Deborah-Crombie-Lesetag (9) – Nur wenn du mir vertraust

*seufz* Da sind wir also beim „Hazel“-Roman angekommen … Es ist lustig, dass ich die ganze Serie so gut in Erinnerung hatte und trotzdem jahrelang zwei Ausnahmen erwähnen musste, wenn ich über diese Kriminalromane sprach. Die eine Ausnahme haben wir mit „Von fremder Hand“ schon hinter uns gebracht, die andere ist „Nur wenn du mir vertraust“. Hazel ist eine der Figuren, die ich auf Anhieb mochte und die es in den vorhergehenden Romanen so stimmig gemacht hat, dass Gemma trotz der Tatsache, dass sie eine alleinerziehende Mutter mit einem zeitlich und psychisch sehr anspruchsvollen Job, alles so gut auf die Reihe bekam. Ich weiß nur noch wenige Details zur Handlung in diesem Roman, aber über die Entwicklung, die Hazel hier nimmt, bin ich bis heute verärgert (was natürlich auch damit zusammenhängt, dass die Figur weiterhin als Gemmas Freundin eine Rolle haben wird und mich so immer wieder daran erinnert, dass ich mich hier über sie geärgert habe). Ich bin gespannt, wie ich die Geschichte nach so vielen Jahren beim Lesen empfinde und ob ich vielleicht dieses Mal gnädiger mit Hazel umgehen werde. Wie immer gilt, dass dieser Beitrag voller Spoiler sein wird – wobei sich diese Warnung vermutlich nach acht gemeinsam gelesenen Bänden erübrigt. 😉

Update 12:00 Uhr

Diese Traumverbindung, die ganz am Anfang des Romans angedeutet wird, macht mich ja schon misstrauisch. Es ist lustig zu sehen, auf welche Elemente ich mit deutlicher Ablehnung reagiere – das sind Sachen, die mir sonst gar nicht so extrem auffallen, weil ich einfach drüberweglese statt darüber nachzudenken, dass ich es hier erwähnen könnte. Was Hazels Verhalten angeht, das dazu geführt hat, dass ich diesen Roman so viele Jahre lang nicht noch einmal gelesen habe (mein Buch sieht aus wie neu und lässt sich nicht entspannt aufblättern, weil die Bindung so selten beansprucht wurde *g*), so verzeihe ich ihr mehrere Sachen nicht. 1. gibt sie Gemma das Gefühl, dass sie sich um sie sorgt und deshalb diesen Kurzurlaub vorgeschlagen hat, während sie 2. Gemma eigentlich als Alibi verwendet, um sich mit einem Mann zu treffen, ohne dass ihr Ehemann Tim es erfährt, und 3. dass sie Tim, der bislang – also wenn man von seinem Verhalten in diesem Buch absieht – immer nur als liebenswerter, verständnisvoller und warmherziger Mann dargestellt wurde, so hintergeht. Ich kann verstehen, dass es da eine alte Liebesgeschichte gibt und dass die Versuchung groß ist, aber wenn Hazel schon diesen alten Gefühlen nachgibt, dann würde ich mir wünschen, dass sie mit offenen Karten spielt – statt Tim zu hintergehen und Gemma zu benutzen. Ich glaube, ich kann es Deborah Crombie einfach nicht verzeihen, dass sie mehrere Bücher lang Hazel (und Tim) aufgebaut hat, um das Bild, dass man sich von ihnen gemacht hat, in „Nur wenn du mir vertraust“ einzureißen – und dann in den kommenden Bänden daran zu arbeiten, dieses Bild wieder zu restaurieren, was aber natürlich nur dazu führt, dass es einem leichter fällt die Sprünge zu sehen als das ursprüngliche Muster.

Update 15:00 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich erst einmal meiner Unruhe nachgegeben und meinen restlichen Haushaltskram erledigt. Nachdem das Bad nun geputzt, das Geschirr abgewaschen und die Kochwäsche angeworfen wurde, lauft es auch etwas besser – wenn auch nicht gerade flüssig – mit dem Lesen. Ich finde es interessant, wie viele Charaktere ich auf Anhieb erst einmal nicht leiden kann, obwohl man als Leser noch nicht so viel über sie erfährt. Donald, der recht egozentrisch zu sein scheint und deshalb das Gefühl zu haben scheint, dass er andere Menschen ausnutzen darf. Heather, die aus irgendeinem Grund sauer auf Hazel zu sein scheint. Hazel, deren Verhalten gegenüber Gemma mich in den Wahnsinn treibt, weil sie Gemma nicht nur zu ihrem Wochenende mit Donald mitnimmt, sondern auch weil sie ihr nichts von ihrer Familie oder Vergangenheit erzählt hat, was Gemma in die unangenehme Situation bringt, dass alle davon ausgehen, dass sie mehr über Hazel weiß, als sie tut. Oh, und Alison, deren Motive ich zwar teilweise nachvollziehen kann, deren Gedanken ich trotzdem nicht gern verfolge. Und was soll diese „Tim will nichts von meiner Kindheit wissen“-Aussage von Hazel? Ich glaube, ich bin grundsätzlich in Nörgelstimmung, wenn es um dieses Buch geht, denn ich frage mich sogar bei den „Rückblicken“ wieso jemand einen Stall – trotz regelmäßiger Einschneigefahr im Winter – so baut, dass jemand eine Stunde durch den Schnee schaufeln muss, um die Tiere zu erreichen. Das finde ich unstimmig, da Tiere einfach zu kostbar (sind und) waren, um ihren Tod zu riskieren, weil niemand sie im Winter versorgen kann. Ach ja, ich bin übrigens gerade beim Mord angekommen und gespannt wie Duncans in Aussicht stehende Ankunft auf die Atmosphäre vor Ort auswirkt. Aber bevor ich weiterlese, werde ich erst einmal zwei Riegel Zartbitterschokolade in Milch versenken und es mir damit gut gehen lassen. 😉

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Update Mittwoch, der 11.03.2020

Leider doch kein gemeinsames Lesen heute (vielleicht bekommen wir das ja am kommenden Mittwoch wieder auf die Reihe), dafür ein Update, in dem ich meine Gedanken zu den Kapiteln 9 bis 11 zusammenfasse, damit Sayuri und ich uns auch ohne gemeinsame Lesezeit austauschen können. Ich fürchte, ich bin weiterhin einfach unzufrieden mit allen Beteiligten. Hazel, weil sie mit Donald geschlafen hat, obwohl sie schon beschlossen hatte, dass sie ihre Ehe mit Tim nicht aufs Spiel setzen und Donald abweisen will. Duncan, weil gerade wieder etwas Wichtiges mit Kit los ist und er Gemma nichts davon erzählt (weil er ihren Urlaub nicht stören will … pfffff …) und all die anderen Figuren, weil sie alle vor sich hinbrüten und keiner mit irgendjemandem redet. Callum, weil er Alison das angetan hat – auch wenn es vielleicht notwendig war, damit sie sich keine weiteren Illusionen mehr macht. Gemma, weil sie das Gefühl hat, sie müsse von der Polizei eine Sonderstellung bekommen, weil sie eine Kollegin ist – obwohl sie doch oft genug auf der anderen Seite stand und dann ebensowenig erfreut war, wenn sich jemand in ihre Ermittlungen einmischen wollte.

Ich bin so grumpig, dass es mich nicht mal interessiert, warum John sich ständig aus dem Haus schleicht. Einzig das Verhältnis zwischen Louise und Callum finde ich interessant, ich hätte nicht gedacht, dass er so etwas wie eine Zuflucht für sie darstellt, auch wenn ihr dann aufgeht, dass sie ihn eigentlich kaum kennt. Immerhin muss ich anerkennen, dass sich die ganze Geschichte gut lesen lässt, obwohl ich weiterhin der Meinung bin, dass die Handlung nicht gut geschrieben ist und dass Hazel und Tim vollkommen „out of character“ dargestellt werden. Oh, und ich erinnere mich an so gut wie gar nichts mehr und habe dieses Mal relativ wenig Lust mitzuermitteln, weshalb ich momentan davon ausgehe, dass die Auflösung eine ziemliche Überraschung für mich sein wird. *g*

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Update 29.03. – ich muss zugeben, dass ich diesen Text vor gut einer Woche vorgeschrieben hatte, nachdem ich die Kapitel 12 bis 14 gelesen hatte, und nun musste ich selber erst einmal schauen, welche Meinung ich vor einigen Tagen zu diesem Teil der Geschichte hatte. 😉

Uhhhh, ich bin so frustriert mit diesem Buch und den Charakteren! Sorry, für diese Wiederholungen, aber das ist alles, was mir gerade beim Lesen durch den Kopf geht. Duncan, der doch als Ermittler so aufmerksam ist und ein gutes Gespür für Menschen beweist, ist nicht mal in der Lage festzustellen, dass sein Sohn sich Sorgen macht, weil die Großmutter das Sorgerecht einklagen will und weil Gemma und Hazel nun in einen Mordfall verwickelt sind – und dass auch noch in Schottland, so dass Kit sich nicht persönlich davon überzeugen kann, dass es den beiden Frauen, die ihm am Herzen liegen, gut geht. Mal abgesehen davon, dass Kit seit dem Tod seiner Mutter Angst davor hat, dass Menschen aus seinem Leben verschwinden könnten, ohne dass er sie beschützen oder zumindest von ihnen verabschieden kann!

Tim, der in den vorhergehenden Bänden eher eine farblose, aber sympathische Randfigur war, dreht inzwischen richtig am Rad, weshalb ich von dieser Figur total enttäuscht bin. Er ist so wütend über Hazels Benehmen (was ich auch nur teilweise verständlich finde), dass er nicht nur gegenüber Duncan ein unmögliches Verhalten an den Tag legt, sondern auch anscheinend kein Problem damit hat, dass er seine eigene Tochter ängstigt. Bei jemandem, der seinen Lebensunterhalt als Therapeut verdient, erwarte ich keinen Heiligenschein im Privatleben, aber ein kleines Bisschen Rücksicht gegenüber einem Kleinkind! Boah, das macht mich so wütend – und sorgt natürlich dafür, dass ich weiterhin mit allen beteiligten Figuren sehr ungnädig bin.

Was mich zu Gemma bringt, die sich weiterhin nicht wie eine erfahrene Polizistin verhält, sondern wie ein emotionales Schäfchen, dass auf der einen Seite die Ermittler bedrängt, weil sie unbedingt weiterhin zu Hazel will, und auf der anderen Seite darauf wartet, dass endlich Duncan kommt und alles in die Hand nimmt. Naja, ein bisschen ermittelt sie selber natürlich auch auf eigene Faust, aber in erster Linie, weil sie nicht in der Pension mit ihren Freunden zusammensitzen will, die sie nun als Verdächtige ansehen muss. Übrigens den Freunden, die sie gerade mal gut 36 Stunden kennt und denen sie bislang nicht besonders nahe gekommen ist!

Und dann trifft Duncan ein und sie streiten sich, weil Gemma zu recht sauer ist, weil ihr Liebster sie über die ganze Sache mit Kit im unklaren gelassen hat. Dummerweise glaube ich nicht, dass die Erkenntnis, die er daraus gewinnt, wirklich anhaltende Früchte trägt – wir werden sehen, schließlich muss es ja irgendeinen Grund geben, dass ich immer dachte, dass die beiden eigentlich eine gute Beziehung führen. 😉

Update 02.04. – Kapitel 15 bis 17

An allen Ecken und Enden Drama und ich bin nicht daran interessiert. Das große Geheimnis rund um Johns heimliche Unternehmungen interessiert mich überhaupt nicht – vor allem, da ich davon ausgehe, dass es am Ende nichts groß mit dem Mord an Donald zu tun haben wird. Der kleine Martin hat Dreck am Stecken, aber auch das fühlt sich so gar nicht relevant an … und immer wieder Gemma, die wie eine hilflose Glucke versucht alle zu beschützen, obwohl das so gar nicht zu ihrem sonst so professionellen Auftreten passt und obwohl sie mit den meisten Personen bislang gerade mal ein paar Sätze gewechselt hat. Während Deborah Crombie sonst so gut darin ist kleine Szenen einzuflechten, die selbst die kleinste Nebenfigur zu einem Charakter machen, der einem ans Herz wächst, gibt es hier selbst bei den relevanten Figuren so gar keine Momente, die dafür sorgen, dass ich mich für sie interessiere. Es ist schon irgendwie faszinierend, wie viel bei dieser Geschichte schief gelaufen ist … Das Einzige, was gerade eine vage Neugier in mir weckt, ist die Frage, was Callum wohl weiß, dass ihn jemand ermorden wollte. Allerdings gibt mir diese Entwicklung auch das Gefühl, dass Deborah Crombie selber nicht wusste, wie sie ihre seltsam Geschichte auflösen sollte und nun auf einen Zeugen, dem nicht bewusst ist, dass er den Mörder überführen könnte, zurückgreifen musste. Oh, und obwohl ich vor lauter „ich rege mich über das Verhalten der Charaktere auf“-Ablenkung nicht so richtig aufgepasst habe, denke ich, dass eigentlich nur eine Person die Gelegenheit und die Mittel gehabt hätte beide Taten zu begehen …

Nur noch vier Kapitel – ein Ende ist in Sicht und ich hoffe sehr, dass die kommenden Bände sich so gut lesen lassen, wie ich sie in Erinnerung hatte, während ich kurz davor bin „Nur wenn du mir vertraust“ aus dem Regal zu werfen, weil ich den Teil vermutlich nie wieder lesen werde. 😉

Update 07.04. (Kapitel 18 bis Ende)

Und dann entpuppt sich die einzige Person, die Zugang zu allen „Tatwaffen“ hatte, als Mörderin. Überraschung! Oder auch nicht … Das Motiv ist peinlich, die Auflösung nur durch zwei Männer möglich, die beide aus seltsamen Gründen, den Mund nicht aufgemacht haben … was ist nur in die Autorin gefahren, dass sie dachte, dass das eine erzählenswerte Handlung wäre? Immerhin fühlten sich Gemma und Duncan in den letzten vier Kapiteln fast wieder normal an und die Tatsache, dass Nathan mal wieder kurz vorkam und Kits Leben in die richtige Richtung rücken konnte, hat mich auch gefreut. Außerdem bin ich dieses Mal erst recht spät auf die Auflösung gekommen (unter anderem, weil ich mich nicht intensiver mit der Handlung beschäftigen wollte *g*). Alles in allem bin ich froh, dass wir diesen Roman hinter uns gebracht haben! Wieso hat Deborah Crombie eigentlich nie eine zweite Reihe rund um Nathan angefangen? Die hätte wirklich gut werden können. 😉

Was schön war (2)

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Italien gegen Dänemark im Nations Cup der Herren

Den (für uns) ersten Roller-Derby-Tag der Saison zu erleben
und sehr viel Spaß dabei zu haben,
obwohl wir aus Zeitgründen
nur zwei von den vier Spielen des Tages sehen konnten.

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bemble Town Roller Girls (Frankfurt) vs. Stuttgart Valley Roller Derby

Bei den Damen wird beim Roller Derby eindeutig mehr Tempo an den Tag gelegt
und das Spiel ist deutlich mehr auf Strategie als auf Kraft ausgelegt
– was mir beides definitiv mehr Freude bereitet als die Herren-Variante.
Oh, und die Frankfurterinnen scheinen zum Saisonstart in sehr guter Form zu sein,
was hoffentlich den Rest des Jahres so bleibt! 🙂

***

Knapp zwei Stunden Schnee in diesem Winter
und ich habe es sogar geschafft, ihn zu fotografieren. 😉

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Die monatliche Frühstücksverabredung
mit der ehemaligen Nachbarin
und der anschließende Bummel durch die Innenstadt,
bei dem ich überraschenderweise all die Dinge,
die auf meiner Besorgungsliste standen, ergattern konnte.

März-SuB 2020

Den Großteil der angefangenen Titel, die ich Anfang Februar noch rumliegen hatte, habe ich zwar in den vergangenen Wochen beendet – überhaupt ist die Lesezeit im Februar eindeutig wieder angestiegen, aber beim SuB hat sich das kaum bemerkbar gemacht. Entweder hielt ich einen der vielen Krimis in der Hand, die ich im Laufe des vergangenen Monats nach ein paar Jahren Pause wieder für mich entdeckt hatte, oder ich steckte die Nase in eines der Sachbücher, die ich im vergangenen Jahr in der Bibliothek vorgemerkt und jetzt erst zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Diese Verzögerungen bei Bibliotheksvormerkungen werfen immer alle meine Pläne über den Haufen – ich bin gespannt, ob ich in diesem Jahr doch noch irgendwann eine Phase haben werde, in der ich mich intensiver meinem Sachbuch-SuB widmen werde. Im März wird das schon mal nicht passieren, weil meine letzte Sachbuchvormerkung aus dem vergangenen Jahr gestern von mir in der Bibliothek abgeholt wurde. Für den dicken Schinken werde ich vermutlich den gesamten Monat benötigen – denn da ich bei Sachbüchern irgendwann zu unkonzentriert werde, um noch alle Daten und Fakten aufnehmen zu könnne, funktionieren die bei mir nur als Zweitbuch. (Oder ist es eher so, dass ich einen Roman als Zweitbuch neben dem Sachbuch benötige? Ach, ihr wisst, was ich meine!)

 

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  4. Kelley Armstrong: A Royal Guide to Monster Slaying
  5. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  6. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (Jumbies 2)
  7. Tracy Baptiste: The Jumbie God’s Revenge (Jumbies 3)
  8. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  9. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  10. Juliet Blackwell: Bewitched and Betrothed (Witchcraft Mystery 10)
  11. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  12. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  14. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Speyness 6)
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  16. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  17. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  19. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  20. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  21. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  22. Patricia Briggs: Storm Cursed (Mercy Thompson 11)
  23. Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons
  24. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  25. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  26. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  27. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  28. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  29. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  30. Sarah Beth Durst: Fire and Heist
  31. Louise Erdrich: The Birchbark House
  32. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  33. Jasmine Gower: Moonshine
  34. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  35. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  36. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  37. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  38. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  39. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  40. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  41. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  42. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  43. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  44. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  45. Rachel Hartman: Seraphina
  46. Michelle Harrison: A Pinch of Magic
  47. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  48. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  49. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  50. Sarah Jean Horwitz: The Dark Lord Clementine
  51. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  52. Tanya Huff: Valor’s Choice (Confederation Novel 1)
  53. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  54. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  55. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  56. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  57. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  58. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  59. Diana Wynne Jones: Power of Three
  60. Diana Wynne Jones: Black Maria
  61. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  62. Diana Wynne Jones: Archer’s Goon
  63. Diana Wynne Jones: Wilkins‘ Tooth
  64. Celine Kiernan: Geisterpfade
  65. Celine Kiernan: Königspfade
  66. Celine Kiernan: Begone the Raggedy Witches (The Wild Magic Trilogy 1)
  67. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  68. R. F. Kuang: The Poppy War
  69. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  70. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  71. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  72. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  73. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  74. Seanan McGuire: This Ain’t Witchcraft (InCryptid 8)
  75. Seanan McGuire: Imaginary Numbers (InCryptid 9)
  76. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  77. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  78. Robin McKinley: Sunshine
  79. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  80. Kelly Meding: Stray Magic
  81. Kelly Meding: Stray Moon
  82. Kate Milford: The Boneshaker
  83. Kate Milford: Bluecrowne
  84. Maya Montayne: Nocturna
  85. Bishop O’Connell: The Stolen
  86. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  87. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  88. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  89. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  90. C.E. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)
  91. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  92. Philip Reeve: Larklight
  93. Kat Richardson: Greywalker
  94. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  95. John Scalzi: Fuzzy Nation
  96. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  97. Barbara Sleigh: Carbonel
  98. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  99. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  100. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  101. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  102. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  103. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  104. Charles den Tex: Die Zelle
  105. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  106. Sarah Tolcser: Song of the Current
  107. Tiffany Trent: Unnaturalist
  108. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  109. Renee Watson: Piecing Me Together
  110. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  111. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  112. Darcie Wilde: A Purely Private Matter (Rosalind Thorne Mystery 2)
  113. Katherine Woodfine: The Jewelled Moth (The Sinclair’s Mysteries 2)
  114. Katherine Woodfine: The Painted Dragon (The Sinclair’s Mysteries 3)
  115. Katherine Woodfine: The Midnight Peacock (The Sinclair’s Mysteries 4)
  116. Xinran: Gerettete Worte
  117. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

117 Titel auf dem SuB zum Monatsanfang

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Ngozi Ukazu: Check, Please! 1 – #Hockey (Comic)

„Check, Please! 1 – #Hockey“ von Ngozi Ukazu ist der erste Sammelband, in dem der Online-Comic der Zeichnerin und Autorin in gedruckter Form veröffentlicht wurde. Ich muss zugeben, dass ich die Online-Veröffentlichung nicht verfolgt habe, auch wenn mir immer wieder positive Erwähnungen des Comics untergekommen sind. Als dann aber der Sammelband erschien, habe ich ihn direkt auf meine Merkliste gesetzt (und inzwischen ist auch der zweite Teil mit dem Titel „Sticks and Scones“ beim Comichändler vorbestellt). Der Titel beinhaltet viele kurze Episoden rund um Eric „Bitty“ Brittle, der zu Beginn des Comics gerade sein erstes Semster an der Samwell University angetreten hat. Eric hat aufgrund seiner Wendigkeit und Schnelligkeit auf dem Eis ein Eishockey-Stipendium erhalten, und obwohl seine bisherigen Erfahrungen mit diesem Sport nicht gerade positiv waren, ist er wild entschlossen, sein Bestes zu geben, da er nur so sein Studium finanzieren kann.

Ich bin ganz verliebt in die Grundidee, dass ein eher zierlich wirkender junger Mann, der in der Vergangenheit als Eiskunstläufer erfolgreich war, nun für ein Stipendium alles für einen Sport gibt, vor dem er eigentlich Angst hat. Eric ist wunderbar enthusiastisch, seine größte Leidenschaft gilt dem Backen, und als Leser bekommt man über seinen Vlog seine Erlebnisse vom Einzug in sein Studentenzimmer bis zum Ende des zweiten Studienjahrs erzählt. Neben Eric spielt natürlich auch noch das Samwell-Eishockey-Team eine große Rolle. Ich mag es sehr, wie verschieden die Spieler sind, die man als Leser besser kennenlernt, und wie sie alle miteinander umgehen. Einen wichtigen Teil in der Geschichte nimmt vor allem Jack Zimmermann ein, der nicht nur der Captain der Mannschaft ist, sondern sich auch vorgenommen hat, Eric von seiner Angst vor Bodychecks zu befreien. Allerdings sorgen Jacks Trainingsmethoden anfangs vor allem dafür, dass Eric ein eher zwiespältiges Verhältnis zu seinem Captain aufbaut, wobei es Ngozi Ukazu gelingt, dass man als Leser trotz Erics Gefühlen Jack recht früh ins Herz schließt und ihm – ebenso wie dem Rest des Teams – alles Gute wünscht.

Denn natürlich dreht sich nicht alles im Leben dieser vielen verschiedenen Studenten um Eishockey, dafür bietet so eine Studienzeit viel zu viele Herausforderungen. Wobei einige dieser Herausforderungen darin bestehen können, dass man die wohlmeindende Unterstützung seiner Freunde überlebt, während andere sich um Elemente wie Erwachsenwerden, Verliebtsein und … ähm … WG-Hygiene drehen können. 😉 Dafür, dass „Check, Please!“ eindeutig ein Comic ist, der mit all seinen amüsanten Episoden für gute Laune beim Lesen sorgt, spricht die Autorin überraschend viele schwierige Themen in der Geschichte an. Die Erwartungen, denen Spitzensportler ausgesetzt sind, sind dabei ebenso ein Thema wie der Druck, den Väter auf ihre sportlichen Söhne ausüben können. Und obwohl Erics Homosexualität für ihn grundsätzlich kein Problem ist, schwingt immer wieder mit, dass es für einen Jungen, der in einer Kleinstadt im Süden der USA aufgewachsen ist, nicht so einfach ist, diese Seite seiner Persönlichkeit offen auszuleben. Umso schöner ist es, von Erics Erlebnissen während der Studienzeit zu lesen und wie er dort das Gefühl hat, ganz er selbst sein zu können und – trotz seiner diversen Eigenarten – auch genauso von seinen Freunden gemocht zu werden.

Die Zeichnungen von Ngozi Ukazu sind recht klar und einfach gehalten, aber sehr charmant und atmosphärisch. Gerade Erics lebhaftes Wesen kommt wunderbar in den einzelnen Darstellungen rüber, aber auch die weniger enthusiastischen Charaktere überzeugen mit ihrer Gestik und Mimik. Bei ihrer Farbpalette beschränkt sich die Zeichnerin in der Regel auf gedeckte Erdtöne, was ich persönlich sehr angenehm finde. Insgesamt bin ich mit diesem Comic wirklich rundum glücklich. Ich habe die verschiedenen Figuren ins Herz geschlossen, ich habe mich großartig über die verschiedenen Erlebnisse, die Eric mit seinen Teamkameraden hat, amüsiert, und wenn ich den Comic in der Hand hatte, konnte ich ihn nur schwer aus der Hand legen, weil ich nur noch eben eine weiter Episode lesen musste. Ich freu mich sehr darüber, dass ich schon in wenigen Wochen den nächsten Band rund um Eric und das Samwell-Eishockey-Team in den Händen halten werde.

Erika Fatland: Sowjetistan – Eine Reise durch …

 … Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan. Nachdem ich im vergangenen Jahr so begeistert von „Die Grenze“ von Erika Fatland war, habe ich mir direkt nach dem Lesen des Titels auch das erste Buch der Autorin in der Bibliothek vorgemerkt. Während sie sich in „Die Grenze“ Russland von außen nähert und schaut, welchen Einfluss das Land (im Laufe der Geschichte bis heute) auf seine Nachbarländer hatte, hat sie sich in „Sowjetistan“ auf die fünf zentralasiatischen Ländern konzentriert, die nach dem Zerfall der Sowjetunion entstanden. Zu Recht merkt die Autorin dabei in ihrem Vorwort an, dass in der Regel nur sehr, sehr wenig über diese fünf Länder bekannt ist – ich glaube, ohne die „Last Week Tonight“-Folge, in der sich John Oliver mit dem turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdimuhamedov beschäftigt, und natürlich „Die Grenze“ hätte ich persönlich fast vergessen, dass diese Länder überhaupt existieren.

Auch in diesem Buch bietet Erika Fatland eine gute Mischung aus historischen Daten und Fakten, Beschreibungen der aktuellen Situation in den verschiedenen Ländern und kleinen persönlichen Szenen rund um die Menschen, die sie im Jahr 2014 auf ihrer Reise getroffen hat. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sie sich intensiver mit den einzelnen Ländern auseinandersetzen konnte, als sie es bei „Die Grenze“ getan hat – was nicht verwunderlich wäre, denn bei „Sowjetistan“ konzentriert sie sich halt auf gerade mal fünf Länder statt auf vierzehn. Bei „Die Grenze“ hatte ich das Gefühl, dass ich langfristig vor allem die kleinen Momente in Erinnerung behalte, die Begegnungen mit den Menschen, das Bild von dem Mann, der in einem Land schlafen ging und in einem anderen Land aufwachte (weil der Grenzzaun mal eben verschoben wurde), und natürlich die Beklemmungen, die einen bei einer solchen Reise begleiten, weil eben nicht jedes dieser Länder human mit Personen umgeht, die sie als Journalisten identifizieren, und weil sich einfach grundsätzlich jede Person in einer Diktatur (oder einem vergleichbaren System) nicht einen Moment des Tages in Sicherheit wiegen kann.

Auch bei „Sowjetistan“ gab es diese Momente für Erika Fatland, die Grenzüberquerungen, bei denen sie fürchten musste, dass man ihr nicht glaubt, dass sie nur eine Studentin und Touristin ist, oder die Gespräche mit den ihr zugewiesenen präsidententreuen Reisebegleitern. Doch dieses Mal bleiben mir wohl vor allem all die Absätze in Erinnerung, die (wieder einmal) zeigen, wie sehr die Sowjetunion mit ihrem Versuch der Gleichmacherei dem Land und den Menschen unter ihrer Herrschaft geschadet hat. Die verseuchten Gebiete in Kasachstan, in denen die UdSSR ihre Atomversuche durchführte, all die verödeten Landstriche, die als Kornkammern der Sowjetunion dienen sollten, aber nicht ohne Grund bis zu diesem Zeitpunkt nur als Heimat von Normaden dienten, willkürlich gezogene Landesgrenzen und natürlich die Menschen, die von einem Moment auf den anderen nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen, in einem dieser kargen Landstriche ausgesetzt wurden, in der Hoffnung, dass man so eine Volksgruppe oder eine Religion ausgelöscht bekommt. Zum Teil sind diese Vorkommnisse schon zwei oder drei Generationen oder länger her, und doch ziehen sich die Spuren, die diese Politik hinterlassen hat, durch das gesamte Buch.

Trotz dieser bedrückenden Sammlung von – historischen und aktuellen – Daten und Fakten liest sich „Sowjetistan“ aufgrund der Erzählweise von Erika Fatland und all den Begegnungen mit freundlichen, liebenswerten und skurrilen Menschen wirklich gut. Viel Szenen sind unterhaltsam und witzig – ich hätte zu gern das Gesicht der Autorin gesehen, als sie sich über den köstlichen Apfel freut, den sie in der für ihre Äpfel berühmten Stadt Alma-Ata bzw. Almaty gekauft hat, nur um dann zu erfahren, dass diese Frucht aus China importiert wurde. All diese kleinen Momente sorgen dafür, dass man neugierig auf die verschiedenen Länder und ihre Bewohner bleibt, auch wenn es einem oft genug die Sprache verschlägt, wenn man von Armut, Verfolgung oder brutalen Brautentführungen liest. Am Ende des Buches bleibt bei mir aber vor allem ein Gedanke hängen: Wie wenig ich doch über all die Länder der ehemaligen Sowjetunion weiß und wie wenig über viele von ihnen in den westlichen Medien berichtet wird. Ein bisschen habe ich diese Wissenslücke durch „Sowjetistan“ (und meine vorherige Lektüre von „Die Grenze“) ändern können, und ich hoffe, dass ich in Zukunft noch auf weitere – gut geschriebene! – Titel stoße, mit denen ich diese Wissenslücke etwas weiter schließen kann.

Seanan McGuire: Come Tumbling Down (Wayward Children)

„Come Tumbling Down“ ist die fünfte Veröffentlichung der Wayward-Children-Geschichten von Seanan McGuire, und bevor man den Band liest, sollte man am Besten die vier vorhergehenden Bücher (oder zumindest „Every Heart A Doorway“ und „Down Among the Sticks and Bones“) gelesen haben. Außerdem fürchte ich, dass diese Rezension nur für die verständlich ist, die die vorhergehenden Romane kennen. Die Handlung von „Come Tumbling Down“ führt den Leser wieder ins Moor, in die Welt, in die Jack Wolcott den Leichnam ihrer Schwester Jill zurückgebracht hat, nachdem diese aufgrund der Ereignisse in „Every Heart A Doorway“ nicht mehr in Eleanor West’s Home for Wayward Children bleiben konnte. Denn der „Tod“ ist im Moor nicht unbedingt ein endgültiger Zustand, und in einer Welt, die zum Teil von (verrückten) Wissenschaftlern und Vampiren beherrscht wird, gibt es viele Möglichkeiten für ein Leben nach dem (ersten) Tod. Doch die Rückkehr ins Moor brachte für Jack mehr Herausforderungen, als sie erwartet hatte, und so steht sie viele Monate später wieder im Keller der Schule, um für sich und ihre Welt um Hilfe zu bitten.

So kommt es, dass sich Christopher, Cora, Sumi und Kade gemeinsam mit Jack und ihrer Liebsten Alexis aufmachen, um gegen Jill und ihren Vampirmeister zu kämpfen und damit nicht nur Jacks Leben (und Verstand) zu retten, sondern gleich das gesamte Moor. Wie schon beim Lesen der anderen Wayward-Children-Bücher ging mir die ganze Zeit die Frage durch den Kopf, wie eine Autorin so viel Inhalt in so wenig Text packen kann, ohne dass es gezwungen, gedrängt oder unstimmig wirkt. Wobei Seanan McGuire in „Come Tumbling Down“ dem Leser Teile des Moors vorstellt, die in „Down Among the Sticks and Bones“ keinerlei Rolle spielten, und so sehr ich diesen Einblick in die weiteren Gebiete des Moors mochte, so hatte ich dieses Mal ein bisschen das Gefühl, dass dieser Teil (inklusive Coras Erlebnissen, die damit zusammenhingen) fast ein bisschen zu kurz kam. Das ist aber auch der einzige (und wirklich sehr kleine) Kritikpunkt, der mir zu diesem Buch einfällt, und insgesamt habe ich es sehr genossen, wieder ins Moor zurückzukehren.

Diese fantastische Welt, in der Jack und Jill ein Zuhause gefunden haben, wirkt selbst auf den zweiten Blick nicht besonders einladend, und auch für die Schwestern war das Moor nicht schon bei ihren ersten Schritten dort die Zuflucht, die es im Laufe der Zeit für sie geworden ist. Besonders für Jack, die von ihren Eltern wie ein kleines hübsches Püppchen ohne eigene Bedürfnisse behandelt worden war, bot das Moor ganz ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten. Sie hat dort einen Ort gefunden, an dem sie die Antworten auf ihre vielen Fragen findet, an dem sie die Grenzen zwischen Leben und Tod überschreiten kann, und an dem sie mit Alexis einen Menschen gefunden hat, der sie so liebt, wie sie ist. Hätte Jill sie nicht nach ihrer Rückkehr ins Moor auf die schlimmste Weise hintergangen, hätte Jack bis zu ihrem (vermutlich gewaltvollen und viel zu frühen) Lebensende glücklich im Moor leben können.

Wie sehr Jack diese unbarmherzige Welt, die direkt aus einem alten Horrorfilm stammen könnte, liebt, wird deutlich, als wir das Moor durch die Augen von Christopher, Sumi, Cora und Kade entdecken. Dabei bekommt der Lesern die Ereignisse in „Come Tumbling Down“ vor allem aus Christophers Sicht erzählt und sogar für ihn, dessen Welt von lebenden Skeletten bevölkert wird, ist das Moor zu düster, zu grausam und zu erbarmungslos. Im Kontrast zu all den schrecklichen Geschehnissen und zu den – für den Leser bislang unbekannten – Bedrohungen, die das Moor zu bieten hat, stehen auf der einen Seite die bedingungslose Liebe und das tiefe Verständnis zwischen Jack und Alexis und auf der anderen Seite Sumis Persönlichkeit.

Da Sumi eines der ersten Opfer in „Every Heart A Doorway“ war, hat man als Leser bislang eigentlich nur einige wenige kurze Eindrücke von ihr bekommen, die auch noch durch die Sicht der jeweils erzählenden Person getrübt waren. In „Come Tumbling Down“ hingegen entfaltet sich Sumis Charakter mit jedem weiteren Kapitel mehr. Es gibt keinen bedrückenden oder gefährlichen Moment, der nicht von Sumi kommentiert und genossen wird – wobei sie häufig beweist, dass sie (auch aufgrund ihrer Erfahrungen mit einer Nonsense-World) eigentlich einen besseren Einblick in die Logik der Welt und die Motivationen der verschiedenen Charaktere besitzt als ihre Freunde. Erstaunlich ist dabei allerdings, dass ihre Freunde immer wieder von Sumis Durchblick verblüfft sind, aber so gibt es immerhin immer wieder überraschende und witzige Momente, die diese großartig geschriebene Geschichte voller Verzweiflung, Sehnsucht, drohendem Wahnsinn und Düsternis aufhellen.

Charlotte MacLeod: Die Familiengruft (Sarah Kelling und Max Bittersohn 1)

In der letzten Woche hatte ich überraschend große Lust auf Rereads und einer der Titel, den ich in den letzten Tagen mal wieder aus dem Regal gezogen habe, war „Die Familiengruft“ von Charlotte MacLeod. Über die Reihe hatte ich vor kurzem erst in dem Beitrag „Spannung ist weiblich“ etwas geschrieben, aber wirklich viel ist zu diesen Romanen der Autorin auf meinem Blog nicht zu finden, weshalb ich die Gelegenheit mal nutze, um etwas über Sarah Kelling, ihre Familie und die Leiche in der Familiengruft zu schreiben. Zu Beginn der Geschichte ist Sarah Kelling noch keine 27 Jahre alt und seit ihrem 18. Lebensjahr mit Alexander Kelling – einem entfernten und fast doppelt so altem Cousin von ihr – verheiratet. Gemeinsam mit Alexanders tyrannischer Mutter Caroline leben die beiden in dem alten Familiensitz im Beacon Hill in Boston, und schnell wird deutlich, dass Sarah mit der Situation nicht besonders glücklich ist.

Abwechslung kommt in ihren recht eintönigen Alltag, als die schon vor Jahrzehnten stillgelegte alte Familiengruft der Kellings geöffnet wird, um Sarahs vor kurzem verstorbenen Großonkel Frederik zu beerdigen, und dort ein Skelett gefunden wird. Schnell wird die unbekannte Leiche als die vor dreißig Jahren verschwundene Nachtclubtänzerin Red Ruby identifiziert, und während die Öffentlichkeit sich vor allem damit beschäftigt, dass Red Ruby ermordet wurde, fragt sich Sarah, warum die Leiche gerade in ihrer Familiengruft gefunden wurde und wieso ihr das Muster der Ziegelsteinmauer, mit der die Gruft entgegen sämtlicher Denkmalschutzbestimmungen verschlossen wurde, so vertraut vorkam. Als sich dann auch noch ihr Mann Alexander besonders erschüttert über den traurigen Fund zeigt und sich herausstellt, dass er die Tänzerin in seiner Jugend gut gekannt hatte, fragt sich Sarah, wie viel sie überhaupt über den Mann weiß, den sie schon ihr Leben lang kennt und liebt, und ob es vielleicht möglich sein kann, dass ihre Familie in den Mord verwickelt war.

„Die Familiengruft“ erschien im Original im Jahr 1979, und es finden sich im Laufe der Reihe immer wieder Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen, Kleidung oder Musik, aber insgesamt wirken die Geschichten rund um Sarah Kelling und ihre alteingesessene Bostoner Familie sehr zeitlos. Während die Kriminalfälle – trotz diverser amüsanter oder skurriler Details – immer solide konstruiert sind und man beim Lesen schön „mitermitteln“ kann, besticht die Serie doch vor allem durch ihre Figuren und die Darstellung der Bostoner Oberschicht. Mit spitzer, aber liebevoller Feder porträtiert die Autorin eine Gesellschaft, deren Mitglieder sich für etwas Besseres halten, obwohl (oder gerade weil) sie aus einem Haufen exzentrischer Personen besteht, deren Geiz legendär ist und deren Kontakt mit der restlichen Bevölkerung der Stadt sich auf Wohltätigkeitsarbeit und das Engagieren von Angestellten zu beschränken scheint. Natürlich verfügt nicht jedes Mitglied dieser alteingesessenen Familien noch über den Wohlstand, den seine Vorfahren angehäuft haben, aber gerade bei den Kellings scheint die Sparsamkeit so ausgeprägt zu sein, dass regelmäßiges Schnorren oder das Auftragen der ererbten Kleidung der Eltern zum Alltag gehört, so dass niemand sagen kann, ob die genügsame Haushaltsführung aus Not oder anerzogenem Geiz geschieht.

Vor dem Hintergrund dieser Familie wirkt Sarahs Leben – ebenso wie ihre Ehe – erstaunlich plausibel, auch wenn man sich heutzutage beim Lesen natürlich fragen muss, wieso eine vernünftige junge Frau jahrelang in solch einer Situation ausharren kann. In „Die Familiengruft“ sorgen die Ereignisse nach dem Fund der Leiche dafür, dass Sarah mehr Rückgrat entwickelt, sich immer wieder gegen ihre Schwiegermutter stellt und darüber nachdenkt, was sie eigentlich vom Leben erwartet. Ich verfolge immer wieder gern, wie Sarah sich gegen ihre Erziehung und das, was in ihrer Familie üblich ist, stellt und wie sie daran arbeitet, dass ihre Ehe mit Alexander auch langfristig weiter funktionieren kann. Obwohl die beiden eine seltsame Beziehung haben und Sarahs Liebe zu Alexander zu einem nicht geringen Teil darauf basiert, dass er als schon erwachsener Mann freundlich und großzügig mit seiner vernachlässigten kleinen Cousine umging, freue ich mich bei jedem erneuten Lesen darüber, wie die beiden sich im Laufe der Geschichte einander annähern.

Max Bittersohn (dessen Name natürlich nicht ohne Grund von mir in der Reihenbezeichnung mitaufgeführt wurde) kommt in diesem Roman relativ wenig vor, auch wenn er eine entscheidende Rolle bei der Lösung des Kriminalfalls spielt. Allerdings fällt schon in diesem Debütroman schnell auf, dass er und Sarah anscheinend die einzigen bodenständigeren Personen in den Geschichten sind – und genau das liefert all die vielen kleinen und amüsanten Szenen, die dafür sorgen, dass ich seit Jahren immer wieder zu den Büchern zurückkehre und die Romane genieße. Wie Sarah immer wieder mit all den Eigenheiten (und Ansprüchen) ihrer exzentrischen Familienmitgliedern fertig werden muss, ist einfach amüsant zu lesen. Eine Familie, deren Mitglieder das Gefühl haben, dass sie über der öffentlichen Meinung stehen und die genügend Geld haben, um jeder ihrer Launen nachgehen zu können, bringt natürlich so einige skurrile Figuren hervor. Dazu kommen dann im Laufe der Zeit noch die einen oder anderen neuen Bekanntschaften, die Sarah so sammelt und die nicht weniger seltsame Eigenarten haben als ihre Familienmitglieder, und so gibt es in diesen Geschichten keinen Mangel an gut geschriebenen und sehr amüsante Szenen, in denen die Autorin die verschiedensten Charaktere aufeinandertreffen und miteinander agieren lässt.