Alle Artikel von Konstanze

Sam Maggs: Girl Squads – 20 Female Friendships that Changed History

Von „Girl Squads“ hatte ich schon beim Lese-Sonntag im Januar geschrieben und da ich inzwischen das Buch beendet habe, kann ich nun auch noch etwas mehr darüber erzählen. Sam Maggs hat in dem Band zwanzig Einträge über „Frauengruppen“ gesammelt, die aus historischer Sicht etwas Bemerkenswertes erreicht oder getan haben. Dabei bestehen einige dieser „Gruppen“ zum Teil gerade mal aus zwei Frauen, während sich andere Texte – wie der über die südkoreanischen „Haenyeo“ – um die Arbeit von mehreren Tausend Frauen drehen. Grob eingeteilt wurden die einzelnen Einträge nach den Kategorien „Athlete Squads“, „Political and Activist Squads“, „Warrior Squads“, „Scientist Squads“ und „Artist Squads“, so dass man schon von Anfang an eine Vorstellung davon bekommt, in wieviel unterschiedlichen Bereichen die erwähnten Frauen aktiv waren (oder noch sind).

Mich persönlich hatte die Vorstellung besonders gereizt, dass in diesem Buch nicht einzelne Persönlichkeiten vorgestellt werden, sondern Frauen, die gemeinsam etwas erreicht haben. Dabei musste ich während des Lesens feststellen, dass nur wenige der erwähnten Frauen ihren Weg (und somit das, wofür sie kämpften) gezielt gewählt hatten, während viele aufgrund äußerer Umstände überhaupt erst in ihre Rolle gedrängt wurden. Insgesamt muss ich gestehen, dass ich mit „Girl Squads“ nicht ganz das bekommen hatte, was ich erwartet hatte – unter anderem, weil Personen(gruppen) auftauchten, die ich persönlich nicht als „History Changer“ gesehen hätte, auch wenn ihre Existenz ein interessantes Beispiel für „untypisches“ weibliches Verhalten oder Leben darstellt. Aber trotzdem fand ich jeden einzelnen Eintrag sehr spannend und faszinierend, gerade weil er mir einen Blick auf mir unbekannte Personen(gruppen) oder eine neue Perspektive auf ein Thema gönnte.

Etwas schade fand ich allerdings den Abschnitt über die japanische Frauen-Volleyball-Mannschaft, die 1964 die Olympischen Spiele gewann, da dort meinem Gefühl nach mehr über den männlichen Trainer der Mannschaft (und seine radikalen Trainingsmethoden) als über die Frauen selbst geschrieben wurde. Das widerspricht ja dann doch etwas dem Ziel, ein Sachbuch über die Frauen zu schreiben, deren Leistungen in der Vergangenheit regelmäßig übersehen wurden. Auch geht Sam Maggs recht locker darüber hinweg, dass zum Beispiel die Dahomey-Amazonen sich unter anderem aus Sklavinnen, Kriegsgefangenen, „verschenkten“ Töchtern und ähnlichen Frauen zusammensetzten. Natürlich kann man in den wenigen Seiten, die pro Eintrag in diesem Buch zur Verfügung stehen, nicht besonders detailliert auf solche Umstände eingehen, aber sie kommentarlos zu übergehen, ohne zumindest kurz auf Hintergründe oder allgemein übliche Lebensumstände von Frauen zu dieser Zeit und in diesem Land einzugehen, scheint mir auch nicht der richtige Weg zu sein.

Ansonsten mochte ich es, wie breit gefächtert die verschiedenen Einträge waren. Sam Maggs reist mit „Girl Squads“ quer durch die Zeit und erwähnt Frauen aus den verschiedenen Ecken der Welt – gerade über die Texte, die sich um Personen aus dem asiatischen oder afrikanischen Raum drehten, habe ich mich sehr gefreut, da ich immer noch viel zu selten in „westlichen“ Veröffentlichungen darüber stolpere. So habe ich eine Menge neuer Informationen, Personen und Gruppen kennengelernt und immer wieder juckte es mich in den Fingern, online mehr über Hintergründe, die Zeit oder weitere Lebensumstände der Personen zu recherchieren. Ich mag Bücher, die mich neugierig machen, ohne mich beim Lesen zu frustrieren, weil ich das Gefühl habe, ich werde mit ein paar Stichpunkten abgespeist. Insgesamt hat das Lesen von „Girl Squads“ überraschend lange gedauert, weil ich jedem einzelnen Text die angemessene Aufmerksamkeit widmen wollte – ein Nebeneffekt war dabei, dass es mir mit ein paar Tagen Abstand etwas leichter fiel, über die eine oder andere flapsige Nebenbemerkung der Autorin hinwegzusehen, die ich zugunsten einer stellenweise etwas kritischere Auseinandersetzung mit einem Thema lieber gestrichen gesehen hätte.

Ovidia Yu: The Frangipani Tree Mystery

„The Frangipani Tree Mystery“ von Ovidia Yu habe ich bei Natira entdeckt, die den Cozy Mystery im vergangenen Oktober beim Herbstlesen gelesen hatte. Nach ihren Anmerkungen zum Buch musste ich den Roman einfach habe und bekam ihn zum Glück zu Weihnachten geschenkt. Schon auf den ersten Seiten habe ich die Erzählerin Chen Su Lin ins Herz geschlossen, deren Sicht auf die Welt mich häufig zum Schmunzeln gebracht hat. Su Lin gilt aufgrund eines Hinkens, das von einer Polioerkrankung übriggeblieben ist, als Unglücksbringerin. Trotzdem sucht sie zu Beginn von „The Fragipani Mystery“ einen Weg, um im Jahr 1936 in Singapur einen Job zu finden, bei dem sie die Fähigkeiten einsetzen kann, die sie an der Missionsschule gelernt hat.

Ich fand den Einstieg in die Geschichte einfach nur wunderbar, bei dem Su Lins Onkel und ihre Lehrerin über ihre Zukunft streiten, während Su Lin dazwischensteht und übersetzen soll und sich sehr gut überlegt, welche Passagen sie wie interpretiert, bevor sie sie in die jeweils andere Sprache überträgt. Diese Zurückhaltung und dieses „diplomatische“ Verhalten prägen Su Lins Erzählstimme, doch zum Glück bekommt man als Leser auch all die Gedanken mit, die sie niemals öffentlich äußern würde. Insgesamt ist Su Lin einfach ein netter Mensch, ohne dabei rückgratlos zu sein. Sie will nicht einfach von ihrer Familie verheiratet werden, auch wenn ihr bewusst ist, dass ihr Onkel Chen nur das Beste für sie im Sinn hat, und sie will nicht den Rest ihres Lebens als Helferin für ihre Großmutter verbringen. Stattdessen versucht sie ihre Beziehungen zu den Lehrerinnen der Missionsschule zu nutzen, um eine richtige Anstellung zu finden. So rutscht sie mehr zufällig in die Rolle der Aufpasserin für die geistig behinderte Tochter des britischen Gouverneurs und ist so in der besten Position, um die Augen nach Hinweisen aufzuhalten, die verraten könnten, wer die schottische Gouvernante der jungen Frau ermordet hat.

Der Krimianteil in „The Frangipani Tree Mystery“ hatte viel von einem klassischen britischen Cozy. Es gibt nur einen Handvoll Menschen, die in den Fall verwickelt sind, und der größte Teil davon gehört der britischen „Oberschicht“ in Singapur an. Was den Roman deutlich von den britischen Cozys unterscheidet, sind sowohl die Perspektive von Su Lin – die als chinesisches Dienstmädchen definitiv nicht in derselben Position ist, wie es eine weiße Ermittlerin (von Stand) wäre, als auch der Schauplatz Singapur. Natürlich gibt es so einige britische Cozys, die nicht auf der britischen Insel spielen, aber normalerweise bekommt man als Leser dieser Romane nicht die Sicht einer einheimischen Erzählerin präsentiert. Durch Su Lins Hintergrundinformationen zum Leben in Singapur gewinnt die Geschichte auf sehr vielen Ebenen, weil sie sich immer wieder Gedanken über das Verhalten der Menschen macht, denen sie begegnet, und wie die verschiedenen Personen mit all den Dingen umgehen, die in der Regel nur jemand verstehen kann, der im selben Kulturkreis und mit derselben Sprache aufgewachsen ist.

So bekommt man als Leser nicht nur sehr viel über das Leben in Singapur zu dieser Zeit mit, sondern kann all die Unterströmungen im Haushalt des Gouverneurs viel besser verstehen. Es geht nicht nur darum, dass die Dienstboten grundsätzlich gegenüber Fragen ihrer Herrschaft oder der Polizei misstrauisch sind, sondern auch darum, dass in solch einem Haushalt aufgrund der unterschiedlichen Herkunft und Aufgabenverteilung auch auf Dienstbotenebene Hierachien herrschen, die Su Lin nicht nur wahrnimmt, sondern auch versteht. Von den Briten, die Su Lin im Laufe des Romans kennenlernt, scheint einzig Chief Inspector Le Froy sich dieser vielen verschiedenen Facetten Singapurs, die sich durch die unterschiedliche Herkunft der Bewohner ergeben, bewusst zu sein. Der Polizist hat sich nicht nur – im Gegensatz zum Großteil seiner Landsleute – bemüht, verschiedene Sprachen zu lernen, um mit den Einheimischen auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sondern er scheint auch ein überraschend gutes Verständnis für die verschiedenen Kulturen zu haben, die das Leben in Singapur prägen. Das alles macht Chief Inspector LeFroy zu einer sehr interessanten Figur, was dazu führte, dass ich die Begegnungen zwischen ihm und Su Lin sehr genossen habe, weil beide auf ihre Weise ungewöhnlich sind.

Was den Kriminalfall selbst angeht, so fand ich viele Elementen relativ offensichtlich. Auf der anderen Seite konnte ich sehr gut damit leben, dass Su Lin nicht ebenso schnell zu den gleichen Schlüssen kam wie ich, weil sie die beteiligten Personen mit einem ganz anderen Blick sah als ein erfahrener Krimileser. 😉 Ich habe die Atmosphäre in „The Fangipani Tree Mystery“ sehr genossen und all die kleinen Einblick in ein Singapur der 1930er Jahre, die ich nur durch die Augen einer einheimischen Erzählerin gewinnen konnte. Ich habe es geliebt, wenn Ovidia Yus Schreibweise mal wieder dafür gesorgt hat, dass ich beim Lesen von Su Lins Gedanken vor mich hinkicherte oder meinem Mann einfach eine Passage vorlesen musste, weil ich die Beschreibung einer Person oder Situation so wunderbar fand. Da es noch zwei weitere Romane mit Su Lin als Protagonistin gibt (und einige andere Kriminalromane aus der Feder der Autorin), freue ich mich jetzt schon darauf, demnächst noch einmal nach Singapur zurückzukehren, um eine weitere Ermittlung von Su Lin und Chief Inspector Le Froy zu verfolgen.

Lese-Sonntag im Februar 2019

Heute ist wieder der dritte Sonntag im Monat und somit Lese-Tag! Bei mir wird es heute neben den Lesestunden, die ich mir einräumen werde, etwas weniger berechenbar zugehen als sonst, da wir gegen Mittag meine Schwägerin erwarten, die über Nacht bleiben wird. Allerdings bedeutet dies auch, dass mein Mann heute mehrere Stunden mit seiner Schwester unterwegs sein wird, was von mir definitiv für ungestörte Lesezeit genutzt wird. 😉 Da ich in der Woche kaum Zeit gefunden habe mich in die amüsant-absurde Welt des Mocklore-Universums zu verlieren, werde ich weiter in „Splashdance Silver“ von Tansy Rayner Roberts lesen. Von dem Buch hatte ich beim „Faschingslesen von Lyne und Neyasha“ am vergangenen Sonntag schon erzählt und ich freu mich darauf weiter darin zu lesen. Ansonsten liegt auch noch „The Ravenmaster“ von Christopher Skaife in Reichweite – ich folge dem Ravenmaster des Tower of London schon seit einigen Jahren auf Twitter und bin immer wieder hingerissen von seinen Rabenfotos und seiner Vertrautheit mit den Vögeln.

Update 10:00 Uhr

Seit dem Aufstehen habe ich nur wenig Zeit mit Lesen verbringen können, aber ich die Passagen, die ich gelesen habe, fand ich wieder wunderbar absurd und amüsant. Aktuell begleitet ich eine Reisegruppe, die von einer Songwitch/Piraten-Prinzessin angeführt wird und zu der noch ihr Biograf, ein ergeizloser Dieb mit einer Schubkarre voller Silber, ein verräterischer Schwertkämpfer, ein (aktuell sichtbares) Mitglied der unsichbaren Armee, ein (ehemaliger) Pirat/Gargoyle/Monster und ein grünes geflügeltes Schaf gehören. Diese bunte Gruppe ist gerade auf einem Geister-Piratenschiff und steht kurz davor drei Göttinnen zu treffen, die nicht gerade den besten Ruf haben. 😉

Außerdem habe ich festgestellt, dass ich gestern wohl nicht sehr viel Zeit in der Küche verbracht habe. Zumindest hatte ich ziemlich erfolgreich verdrängt, dass da noch Wäsche auf mich wartet, die endlich mal zusammenfalten sollte, und auch eine Runde Abwasch wäre noch fällig. Aber beides kann warten, bis mein Mann und seine Schwester unterwegs sind. Die letzten Tage waren recht gut gefüllt und so langsam sorgt das dafür, dass ich zu viel im Kopf habe, um automatisch meinen Alltagskram auf die Reihe zu bekommen.

Update 12:45 Uhr

Nach dem Schreiben meines letzten Updates hat mein Mann mich etwas abgelenkt, da er während seines Frühstücks auf NHK World eine japanische Dokumentation über die Kodama Whorl Snail gefunden hat und die war wirklich sehr spannend. Die Schnecke stammt anscheinend ursprünglich von Hokkaido, ist aber auch deutlich weiter im Süden auf den Ogasawara-Inseln zu finden und es ist faszinierend zu sehen, wie sehr sich die Schnecke allein auf der Insel Minami Iwo-To von ihrer Ursprungsform in Hokkaido unterscheidet, weil sie sich deutlich den fünf unterschiedlichen Ebenen angepasst hat. Ich wünschte, wir hätten ein detailliertes Programm von dem Sender, da stolpern wir immer wieder über spannende Dokus, aber leider nur zufällig, weil es immer nur grobe Programmüberblicke gibt, die nicht viel zu den gesendeten Sachen aussagen. (Immerhin hat mein Mann noch rechtzeitig entdeckt, dass es da heute auch eine Doku über „The Songs of Studio Ghibli“ gibt – was wir dann aufnehmen werden. *g*)

Und dann traf auch schon unser Besuch ein und wir haben uns gegenseitig auf den neusten Stand gebracht und die Zeit bis zum Aufbruch der beiden mit Schwatzen verbracht. Ich hoffe, mein Mann und seine Schwester haben heute viel Spaß. Während seine Schwester regelmäßig ihre Fußballmannschaft im Stadion anfeuert, kommt mein Mann – dank des Gewinns von VIP-Karten – heute zum ersten Mal in den Genuß von Stadion-Atmosphäre und dabei kann er mit Fußball nicht mal etwas anfangen. 😉 Ich werde jetzt erst einmal eine kleine Online-Runde drehen, dann das Gästebett fertig machen und dann für den Rest des Nachmittags mit meinen Büchern aufs Sofa fallen.

Update 15:30 Uhr

Von der Hausherrin kritisch inspiziertes Gästebett.

Uff, dieses Wetter ist unglaublich. Da sich unsere Wohnung bei Sonnenschein schnell aufwärmt, haben wir seit ein paar Tagen tagsüber die Heizung nicht an und das im Februar! Um mal das Positive daran zu sehen: Ich bin gespannt, wie hoch dann im kommenden Jahr die Nebenkostenrückerstattung ausfällt. Ansonsten habe ich inzwischen alles noch anstehende an Haushalt inklusive Abwasch geschafft, das Gästebett gerichtet und mir einen Milchkaffee gekocht, der den „Glückskeksen“ Gesellschaft leisten darf, die ich heute mitgebracht bekommen habe.

Da ich heute Abend Essen mitgebracht bekomme, kann ich mich nun wirklich für den Rest des Tages einmuckeln und in Ruhe lesen. Was bedeutet, dass ich jetzt erst einmal zu „The Ravenmaster“ greife und mir von ihm etwas über die Raben im Tower of London erzählen lasse.

Oh, und weil ich gerade mit einer für mich neuen Art des Kaffeekochens experimentiere, lasse ich hier mal ein Foto davon da:

Wer braucht schon einen Kaffeefilter, wenn man auch improvisieren kann?

Die Lösung mit kleinem Sieb und Baumwolltaschentuch funktioniert überraschend gut, geht schneller als das Kochen von Espresso mit der kleinen Kanne, ich verbrauche weniger Espressopulver und kann genau die Menge kochen, die ich auch benötige. *g*

Update 18:45 Uhr

Die Stunden seit dem letzten Update habe ich vor allem mit „The Ravenmaster“ verbracht, während ich parallel dazu eine Zeitlang meiner Pflicht als Katzenmöbel nachkam. 😉 Bislang fand ich Christopher Skaifes Buch über seine Arbeit sehr unterhaltsam und informativ. Er erzählt halt von seinem Arbeitsalltag, von den Raben, von der langen Geschichte und vom Leben des Towers. Man merkt, dass ihm die Vögel am Herzen liegen und dass er es gewöhnt ist tagtäglich mit vielen Menschen über seinen Job und die Tiere zu reden. Grob orientiert sich der Aufbau seines Buches – soweit ich das bislang sagen kann – an seinem Tagesablauf, aber er mäandert beim Erzählen ein bisschen durch verschiedene Themengebiete, was das Ganze wirklich gut lesbar macht. Vor allem mag ich es, dass er diverse Dinge anspricht, über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe wie zum Beispiel die Füchse, die sie im Tower genauso rumtreiben wie in jedem anderen Bereich von London.

Da die beiden „Fußballfans“ gerade auf dem Rückweg sind und mir mein Abendessen (Pizza vom besten Italiener des Viertels) mitbringen werden, aktualisiere ich jetzt mal meinen Beitrag und drehe dann bis zum Essen eine kleine Blogrunde und schaue, ob sich im Laufe des Nachmittags bei den anderen was getan hat. 🙂

Update 21:15 Uhr

Bei sehr leckerer Pizza und einem kleinen Mitbringsel (eine grüne „Milchschnitte“ mit Pistazien) aus der VIP-Lounge habe ich mir erst einmal von meiner Schwägerin und meinem Mann von ihrem Nachmittag erzählen lassen. Und da die beiden sehr viel zu erzählen hatten, habe ich nach dem Essen auch noch zum Strickzeug gegriffen. Als es so schien, als ob der Erzählfluss etwas versickern würde, gab es noch das abendliche „Blümchen gießen“, was sich ebenfalls gut als Begleitung eignet, wenn einem sehr viel erzählt wird. 😉 Zusammengefasst kann ich sagen, dass die beiden wohl kein einziges Tor mitbekommen haben, weil sie relativ wenig Zeit mit Blick aufs Fußballfeld verbracht haben und stattdessen ausführlich die verschiedenen und sehr leckeren Gänge des Buffets gewürdigt haben. (Die Erkenntnis des Tages ist anscheinend, dass man, wenn man sich viel zu voll fühlt, weil man Donauwelle auf all die anderen Gänge gestopft hat, nur eine Runde Frankfurter Würstchen benötigt, um das Völlegefühl in den Griff zu bekommen. Oo)

Für mich ist das hier heute das letzte Update des Tages, statt zum Buch werde ich wieder zum Strickzeug greifen und noch etwas die Gesellschaft genießen. Vielleicht schaffe ich vor dem Schlafengehen noch eine kleine Runde – ansonsten schaue ich morgen Mittag, wie es euch in den letzten Stunden des Tages gegangen ist. Es war auf jeden Fall schön, dass sich heute so viele am Lesetag beteiligt haben! Ich hoffe, ihr hattet alle einen schöne Sonntag und könnt einen guten Start in die Woche genießen! 🙂

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Heutige Mitleserin:

Natira
Kiya
Ariana
Sayuri
Sunny

Seanan McGuire: In an Absent Dream (Wayward Children)

Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass ich das Buch dank einer Vormerkung relativ zeitnah zum Veröffentlichungstermin Anfang Januar bekommen würde, aber am Ende hat es bis zur zweiten Februar-Woche gedauert, bis ich den neusten Band der Wayward-Children-Bücher von Seanan McGuire in den Händen hielt. „In an Absent Dream“ erzählt die Geschichte von Katherine Lundy, bevor sie ihren Platz in „Eleanor West’s School for Wayward Children“ fand. Für diejenigen, die „Every Heart a Doorway“ gelesen haben, ist Lundy eine alte Bekannte, aber man benötigt definitiv kein Vorwissen, um „In an Absent Dream“ genießen zu können.

Zu Beginn erzählt Seanan McGuire von Katherines Elternhaus und den Problemen, die sie mit den anderen Kindern bekam, weil ihr Vater der Leiter der örtlichen Grundschule war. Statt sich nach Freunden zu sehnen, die mit der Position ihres strengen Vaters leben konnten, hat Katherine sich in Bücher vergraben und davon geträumt, dass sie eines Tages als Bibliothekarin ihren Lebensunterhalt verdient. So langweilig und ruhig ihre Grundschulzeit anfangs verlief, so radikal änderte sich ihr Leben, als sie mit acht Jahren in den Sommerferien über eine Tür zum Goblin Market stolpert. Der Goblin Market ist eine Welt, in der die Bewohner vom Handel miteinander leben und in der das Leben einigen wenigen festen Regeln folgt. Jeder Besucher lernt noch vor Betreten dieser Welt diese Regeln, da der Weg zum Goblin Market damit geschmückt ist. Diese Regeln lauten:

  1. Ask for nothing
  2. Names have power
  3. Always give fair value
  4. Take what is offered and be grateful
  5. Remember the curfew

Und natürlich gibt es da noch die wichtigste Regel von allen, auch wenn sie nicht offziell als solche benannt wurde: Be sure!

Für Lundy bedeuten diese Regeln Sicherheit. Sie lernt schnell, was auf dem Goblin Market von ihr erwartet wird, wie sie für ihre täglichen Bedürfnisse aufkommen kann, und sie findet – im Gegensatz zu der Welt, in die sie geboren wurde – mit Moon schnell eine gute Freundin. Doch der Goblin Market erwartet, dass die Personen, die sich ihm anschließen, sich ihres Entschlusses wirklich sicher sind und bietet so den Kindern, die sich in ihn „verirren“, die Möglichkeit, ihn bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag zu besuchen. Nach jeder Rückkehr zu ihrer leiblichen Familie ist sich Lundy sicherer, dass der Goblin Market die Welt ist, in der sie für den Rest ihres Lebens sein möchte. Doch bevor sie sich endgültig dafür entscheiden kann, muss sie sich sicher sein, dass sie in ihrer alten Welt keine Schulden und Verpflichtungen zurücklässt.

Seanan McGuire spannt die Handlung in „In an Absent Dream“ über zehn Jahre, was für gerade mal gut zweihundert Seiten sehr viel Zeit ist. So bekommt man als Leser auch nur die Momente erzählt, die wichtig für Lundys Charakterentwicklung und für ihre Entscheidungsfindung sind. Stellenweise fand ich es schade, dass man so wenig von den Abenteuern erfuhr, die Lundy im Goblin Market erlebte. Ich hätte diese Welt gern noch besser kennengelernt inklusive all der Gefahren, die dort existieren, und den Personen, mit denen sich die Protagonistin dort anfreundet. Aber die Geschichte dreht sich nun einmal nicht um all die verschiedenen Abenteuer, sondern um Lundys Entwicklung, um die Entscheidungen und Wendungen, die dazu geführt haben, dass sie am Ende in der Schule für Wayward Children landete.

Diese Entscheidungen zu verfolgen, führen – wie so oft in den Wayward-Children-Titeln – zu bittersüßen Lesemomenten. Ich habe die Passagen über die Eigenheiten und Händler des Goblin Markets gemocht und fand es wunderbar zu verfolgen, wie Lundys Verständnis dieser Welt von Besuch zu Besuch wuchs. Auf der anderen Seite war von Anfang an klar, dass am Ende irgendetwas passieren wird, das dafür sorgt, dass Lundy in der Schule für „Wayward Children“ landet und dass ihre Liebe zum Goblin Market und ihre Freundschaft zu Moon sie nicht davor bewahren würden, einen entscheidenden Fehler zu machen. Spannend fand ich es auch, dass in dieser Geschichte Lundy nicht die erste Person aus ihrer Familie ist, die den Weg in den Goblin Market findet, so dass ihr Wechsel zwischen den Welten in gewisser Weise reibungsloser verläuft, als dies bei einer anderen Vorgeschichte der Fall gewesen wäre.

Auch fand ich es faszinierend, dass man durch die zweite Perspektive auf den Goblin Market (so kurz die auch angerissen wird) eine kleine Vorstellung davon bekommt, wieso jemand dieser scheinbar so gerechten Welt den Rücken kehren würde, während Lundy den Markt nur als einen Ort wahrnimmt, in dem Fairness das oberste Gebot ist und stattdessen darunter leidet, dass es in unserer Welt alles andere als fair zugeht. Ich finde es traurig, dass ich diese negative Sicht auf den Goblin Market ein klein wenig nachvollziehen kann, bewundere es aber auch wieder, dass Seanan McGuire mit gerade mal ein paar Zeilen solch eine Reaktion bei mir auslösen kann. So oder so klingen die Geschichten und Figuren aus den Wayward-Children-Romanen immer noch eine Weile in mir nach und ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Januar und die Veröffentlichung von „Come Tumbling Down“.

Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)

Die Anthologie „Dreadful Young Ladies and Other Stories“ habe ich mir ziemlich „blind“ gekauft, nachdem ich den Roman „The Girl Who Drank the Moon“ so wundervoll fand. Lustigerweise stellte ich dann beim Aufschlagen des Buchs fest, dass ich die erste Geschichte schon online gelesen und sehr genossen hatte (und die letzte Geschichte hatte ich schon in einer anderen Ausgabe als Einzelband gekauft). „Dreadful Young Ladies and Other Stories“ beinhaltet die Geschichten „Mrs. Sorensen and the Sasquatch“, „Open the Door and the Light Pours Through“, „The Dead Boy’s Last Poem“, „Dreadful Young Ladies“, „The Taxidermist’s Other Wife“, „Elegy to Gabrielle – Patron Saint of Healers, Whores and Righteous Thives“, „Notes of the Untimely Death of Ronia Drake“, „The Insect and the Astronomer: A Love Story“ und „The Unlicensed Magician“, wobei die einzelnen Geschichten -. von der letzten abgesehen, die 113 Seiten lang ist – einen Umfang von zwanzig bis dreißig Seiten haben.

Die Geschichten sind thematisch alle sehr unterschiedlich, obwohl sie alle märchenhaft-fantastische Elemente beinhalten. Und jede von ihnen beweist, wie gut Kelly Barnhill mit Worten umgehen und was für eindringliche Atmosphären sie mit ihren Sätzen erschaffen kann. Von der Handlung scheinen die Geschichten nicht sehr viel gemeinsam zu haben und doch habe ich in jeder einzelnen eine Variante von Liebe gefunden, die ich mal bezaubernd, mal erschreckend und dann wieder faszinierend fand. Obwohl weder „The Girl Who Drank the Moon“, noch „The Witch’s Boy“ frei von grausamen und schrecklichen Elementen waren, fand ich diese Anthologie häufig deutlich düsterer als die beiden von mir gelesenen Romane der Autorin. Ich muss zugeben, dass mir persönlich die Geschichten mehr lagen, die zwar trotz all der skurrilen Elemente und Entwicklungen eine „einfacher“ zu erfassende Handlung boten – nachgeklungen haben aber alle Geschichten und Charaktere in mir, und sie haben dafür gesorgt, dass mir auch ein paar Tage nach dem Lesen immer wieder Szenen oder Figuren in den Sinn kamen.

„The Unlicensed Magician“ war die Geschichte, die mich am ehesten noch an die bislang gelesenen Romane erinnerte – wahrscheinlich, weil die Länge einer Novelle einfach eine andere Erzählweise möglich macht als eine klassische Kurzgeschichte, aber ich fand es faszinierend, wie sehr sich der Umfang bei Kelly Barnhill auf die Schreibweise auswirken kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass ihr Kurzgeschichten mehr Raum zum Experimentieren ermöglichen und deshalb dort mehr Unterschiede bei der Erzählweise zu finden sind. Ich mochte zum Beispiel sehr, wie man bei „Open the Door and the Light Pours Through“ anfangs von den Dingen liest, die sich ein Ehepaar gegenseitig in Briefen anvertraut – und von denen, die sie für sich behalten und vor dem Partner/der Partnerin geheimhalten, bis sich immer mehr unheimliche Begebenheiten in die Geschichte schleichen.

Doch vor allem fasziniert es mich bei Kelly Barnhill immer wieder, wie sie vertraut wirkende Sachen vermischt, wie sie märchenhafte Elemente in einen anderen Rahmen setzt oder eben reale Dinge auf fantastische Weise weiterspinnt. Am Ende war ich dann manchmal schon fast etwas erschrocken darüber, wie unterhaltsam ich zum Beispiel „Notes of the Untimely Death of Ronia Drake“ fand, obwohl die Autorin weder mit Ronia Drake noch mit den Personen in ihrem Umfeld zimperlich umging. Ich fand es spannend, mich auf die verschiedenen Geschichten, Welten und Figuren einzulassen, und ich habe die Sprache und Atmosphäre jedes Mal wieder genossen. Nicht alle Geschichten haben mir gleich gut gefallen, aber das ist bei Anthologien ja eigentlich grundsätzlich der Fall. Ich fand die, die mir nicht so zusagten, aber immerhin faszinierend, und es war auch da interessant zu sehen, wie Kelly Barnhill die Geschichte aufbaute und welche überraschenden Elemente sie dieses Mal wieder verwendete. Solange ihr nicht erwartet, dass „Dreadful Young Ladies and Other Stories“  mit Varianten von „The Girl Who Drank the Moon“ aufwartet, sondern euch gern auf sehr unterschiedliche, manchmal amüsante, häufig düstere Geschichten voller skurriler Elemente einlassen mögt, solltet ihr einen Blick in die Anthologie werfen.

Faschingslesen mit Lyne und Neyasha

Lyne und Neyasha verbringen an diesem Wochenende zwei Lese-Tage miteinander und nachdem ich die Ankündigung dazu gesehen hatte, wollte ich mich gern anschließen, auch wenn der gestrige Tag schon verplant war. Aber heute klappt es mit ein paar Lesestunden, die ich hoffentlich zum Großteil mit dem „Mocklore Box Set“ von Tansy Rayner Roberts verbringen werde. Obwohl die Autorin mit ihrem Humor und all den fantastischen Elementen in ihren Geschichten genau meinen Geschmack trifft, dauert es doch etwas bis ich die insgesamt 1356 Seiten gelesen habe. Vor allem, da ich aktuell gerade erst beim ersten Roman („Splashdance Silver“) bin und mich die Mocklore-Welt stellenweise noch etwas verwirrt. Aber es gibt eine „Songwitch“ und Piraten und Magie und skrupellose Schwertkämpfer und sie alle sind hinter dem Schatz eines verstorbenen, legendären Piratenkapitäns her.

Update 14:30 Uhr

Heute läuft bei mir und meinem Mann alles etwas langsamer, da wir beide so müde sind. Das ist auch der Grund dafür, dass die heutige Brettspielrunde ausfällt (und die Tatsache, dass mein Mann sich die Switch geschnappt hat und CivVI spielt 😉 ). Dafür muss ich zugeben, dass meine aktuelle Lektüre perfekt für einen etwas müden Lesetag ist, an dem ich keiner komplizierten Handlung folgen mag und mich nur entspannen will, während alle anderen angefangenen Bücher gerade etwas mehr Aufmerksamkeit benötigen. So werde ich wohl noch eine Weile weiter auf der Suche nach dem Piratenschatz sein und all die absurden und seltsamen Einfälle von Tansy Rayner Roberts genießen. Zuletzt habe ich gelernt, dass die Fauna in dem Mocklore-Universum zu schnellen und unerwarteten Mutationen neigt und die dort lebenden Bergziegen deshalb beschlossen, dass sie, wenn sie schon irgendwann mutieren, gezielt bestimmte Elemente als Schwerpunkt setzen. Was irgendwie gegen eine unerwartete Mutation spricht, aber zu sehr praktischen Ergebnissen geführt hat, was nun der Grund ist, warum einer der Nebencharaktere in einer Kutsche unterwegs ist, die auf den Rücken von vier riesigen Bergziegen getragen wird.

Und dann sind da noch die tanzenden Feuergeister und ihr heißer Talentwettbewerb oder die frisch an die Macht gekommene Kaiserin (die schon die vierte Person ist, die in diesem Jahr diese Position innehat, aber im Gegensatz zu ihren Vorgängern will sie nicht mit beiden Händen das Gold der Schatzkammer verprassen, bis sie von ihrem Nachfolger ermordet wird, sondern ist fest entschlossen, die Position zu behalten und Geld aufzutreiben, um die geleerte Schatzkammer wieder zu füllen). Alles sehr seltsam und sehr lustig und obwohl die Hälfte der vorkommenden Personen Piraten (oder Diebe, Betrüger usw.) sind und die andere Hälfte ebenfalls auf der Suche nach dem verlorenen Piratenschatz, gab es noch kein einziges Schiff in der Geschichte. 😉

Update 19:45 Uhr

Dafür, dass ich heute auch viel auf Twitter unterwegs war und zwischendurch ein Nachmittagsschläfchen eingelegt hatte, bin ich ganz schön weit in meinem Buch gekommen. Aber ich werde noch eine ganze Weile damit zu tun haben. Eigentlich ist es ja auch „nur“ mein Nebenbei-Buch für die Stunden, die ich unterwegs bin oder zu müde und unkonzentriert für eines der anderen angefangenen Bücher. Nur gut, dass ich inzwische weiß, dass dieses Parallellesen langfristig doch auch dafür sorgt, dass ich all die Titel, die ich eigentlich sofort lesen will, fertig gelesen bekomme. 😉

Ansonsten ist inzwischen der stürmische Dauerregen des Tages einem wunderschönen Nachthimmel gewichen und ich sitze geduscht im Pyjama auf dem Sofa und warte darauf, dass das Abendessen (ein „Rübli-Auflauf“) aus dem Ofen kommt. Sehr viel werde ich nach dem Essen wohl nicht mehr auf die Reihe bekommen – vor allem, da ich früh ins Bett muss, um morgen früh meinen „Handwerkerdienst“ anzutreten, wenn im Keller gewerkelt wird. Mal schauen, wie das so wird, wenn wir ein paar Stunden weder Wasser noch Heizung haben …

Ich wünsche euch auf jeden Fall noch einen schönen Abend und einen entspannten Start in die Woche. Danke an Lyne und Neyasha für den Lesetag! Es war heute sehr gemütlich mit euch! 🙂

Was schön war (2): Ein Urlaubswochenende

Ein langes Wochenende
bei meiner ältesten Freundin verbracht.

Trotz Zugausfall, Verspätungen und weiteren Probleme
Glück bei den Bahnfahrten und
insgesamt nicht mehr als eine Stunde Verspätung gehabt.
Dabei entdeckt, wie schön das Reisen im Fahrradabteil ist
– inklusive Beinfreiheit, Ruhe und einer schönen Aussicht.

Viel gesehen und
viele Stunden geredet und
viele „weißt du noch“-Momente erlebt
– nur unterbrochen von leckerem Essen und Getränken.

Cindy Pon: Serpentine

„Serpentine“ von Cindy Pon liegt schon ein paar Jahre auf meinem SuB, nachdem ich den Roman damals nach einem kurzen Anlesen erst einmal zur Seite gelegt hatte, weil ich nicht in der richtigen Stimmung dafür war. Da ich in den letzten Tagen große Lust auf ein asiatisches Setting hatte (vermutlich ist mein Mann mit seiner „Rebellen vom Liang Shan Po“-BluRay Schuld daran), habe ich endlich „Serpentine“ aus dem Regal gezupft und fast in einem Rutsch durchgelesen. Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht der sechzehnjährigen Skybright, die, solange sie denken kann, als Kammerzofe für die gleichaltrige Zhen Ni arbeitet. Genau genommen sind Zhen Ni und Skybright zusammen aufgewachsen, nachdem eine Dienerin kurz vor Zhen Nis Geburt ein neugeborenes ausgesetztes Mädchen fand. Doch so sehr Zhen Ni immer betont, dass sie in ihrer Dienerin eine Schwester sieht, so sehr ist Skybright doch bewusst, dass ihre Stellung deutlich niedriger ist und dass sie ihr Leben lang abhängig von Zhen Ni sein wird.

Beide Mädchen gehen davon aus, dass sie wissen, was die Zukunft für sie bereithalten wird. Zhen Ni wird – wenn sie denn endlich ihre Periode bekommt – an einen reichen und einflussreichen Mann verheiratet, während Skybright Zhen Ni nach der Hochzeit in den neuen Haushalt folgen und weiterhin ihren Pflichten als Zofe und getreue Freundin nachgehen wird. Keine von beiden kann sich vorstellen, dass ihre Beziehung einmal weniger eng sein könnte als in all den Jahren des Heranwachsens, und doch gibt es in dem Sommer, in dem der Roman spielt, Ereignisse, die dafür sorgen, dass die Mädchen Geheimnisse voreinander haben. Vor allem Skybright ist sich sicher, dass sie die Tatsache, dass sie sich auf einmal in der Nacht zur Hälfte in eine Schlange verwandelt, niemals jemandem preisgeben darf, wenn sie nicht von den Menschen, die ihr nahestehen, als Dämon gejagt werden will. Und auch ihre Gefühle für den im benachbarten Kloster aufgewachsenen siebzehnjährigen Kai Sen verbirgt Skybright lieber vor ihrer Herrin.

Mir haben an „Serpentine“ wirklich sehr viele Aspekte gefallen, angefangen von der Darstellung dieses fantastischen historischen Chinas über die fantastischen (und stellenweise sehr beängstigenden) Wesen und die Charaktere, die sich beim Lesen realistisch und stimmig anfühlten, bis hin zu den Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren. Ich mochte Skybright als Erzählerin sehr, gerade weil sie so pragmatisch mit ihrer Situation umgeht. Ihr ist bewusst, dass es recht wenig zählt, wenn ihre Herrin sie als Schwester bezeichnet, da doch ihr ganzes Leben auf dem Wohlwollen von Zhen Nis Familie aufgebaut wurde und sich jederzeit ihre Situation ändern könnte, wenn Zhen Nis Eltern das so entscheiden sollten. Trotz dieser ungleichen Ausgangssituation hegt Skybright für Zhen Ni ehrliche freundschaftlich-schwesterliche Gefühle (und reagiert eifersüchtig, als ein anderes Mädchen im Leben ihrer Herrin eine wichtige Position einnimmt). Auch mit ihrer nächtlichen Verwandlung versucht das Mädchen pragmatisch umzugehen und testet nach der ersten Panik systematisch die Möglichkeiten, die ihre neue Gestalt ihr bietet, während sie gleichzeitig versucht, in den Legenden mehr über „Schlangenwesen“ herauszufinden.

Natürlich ist Sykbrights Verwandlung nicht das einzige fantastische Element in der Geschichte, sie ist nur für den Leser ein erstes Anzeichen dafür, dass das Tor zur Unterwelt sich geöffnet hat und Geister und Dämonen die Welt der Menschen betreten haben. Im Laufe der Geschichte wird Skybright durch ihre neuen Fähigkeiten, ihre Freundschaft zu Kai Sen und ihr Bedürfnis, den jungen Mann vor den Ungeheuern zu beschützen, die er als Teil der Klostergemeinschaft bekämpfen muss, in einen uralten Kampf zwischen Menschen und Dämonen hineingezogen. Viele dieser Elemente wurden von Cindy Pon nur relativ kurz angerissen, denn es geht in der Geschichte weniger um diese Auseinandersetzung mit den Dämonen als um Skybrights Suche nach ihrer eigenen Identität und um ihre Beziehungen zu Zhen Ni und Kai Sen. Da am Ende von „Serpentine“ noch einige Fragen offen sind und ich Skybrights Welt nur ungern verlassen habe, werde ich auf jeden Fall auch noch zu „Sacrifice“, dem zweiten Serpentine-Band, greifen.

Februar-SuB 2019

Nachdem ich gleich zu Beginn des Jahres meine „Lesebrille“ auf den Badezimmerboden fallen ließ und somit einige Zeit meine Sehfähigkeit ziemlich eingeschränkt war, konnte ich leider die letzten Urlaubstage nicht so gut zum Lesen nutzen wie geplant. Dafür habe ich dann nach ein paar Tagen entdeckt, dass meine Sehleistung zumindest fürs Mangalesen ausreichte, weshalb ich mich dann erst einmal darauf konzentriert habe. Das hat dazu geführt, dass ich im vergangenen Monat ohne es so recht zu merken 38 Comics und Manga gelesen habe – was doch eine überraschend hohe Zahl ist, wenn man bedenkt, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte den Großteil meiner Freizeit mit der Switch verbracht. *g*

Nachdem ich wieder mit einer angemessenen Sehhilfe ausgestattet war, habe ich meine Zeit zwischen den Bibliotheksausleihen und meinem SuB aufgeteilt. Letzterer hatte zwischendurch die 100 geknackt und das ist mir dann doch ein bisschen viel an ungelesenem Lesematerial im Haus. Also habe ich mir vorgenommen, dass ich mich in den kommenden Monaten mit den Bibliotheksausleihen etwas zurückhalte – was mir durch den Hackerangriff auf den Bibliothekskatalog erleichtert wird, denn nach dem Wiederherstellen des Katalogs ist meine Merkliste mit noch auszuleihenden Büchern verschwunden – und mich mehr auf all die Schätze auf meinem SuB konzentriere.

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Sophie Anderson: The House with Chicken Legs
  4. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  5. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (The Jumbies 2)
  6. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  7. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  8. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  9. Aliette de Bodard: In the Vanishers‘ Palace
  10. Lila Bowen: Wake of Vultures (Shadow Series 1)
  11. Rhys Bowen: Royal Flush (Royal Spyness 3)
  12. Rhys Bowen: Royal Blood (Royal Spyness 4)
  13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  14. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  16. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  17. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  19. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  20. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  21. Patricia Briggs: River Marked (Mercy Thompson 6)
  22. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  23. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  24. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  25. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  26. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  27. Vivien Chien: Death by Dumpling
  28. Roshani Chokshi: Aru Shah and the End of Time
  29. Deborah Crombie: Beklage deine Sünden (Kincaid und James 17)
  30. Sayantani Dasgupta: The Serpent’s Secret (Kiranmala and the Kingdom Beyond 1)
  31. Louise Erdrich: The Birchbark House
  32. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  33. Jasmine Gower: Moonshine
  34. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  35. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  36. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  37. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  38. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  39. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  40. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  41. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  42. Rachel Hartman: Seraphina
  43. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  44. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  45. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  46. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  47. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  48. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  49. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  50. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  51. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  52. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  53. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  54. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  55. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  56. Diana Wynne Jones: Power of Three
  57. Diana Wynne Jones: The Game
  58. Diana Wynne Jones: Eight Days of Luke
  59. Celine Kiernan: Geisterpfade
  60. Celine Kiernan: Königspfade
  61. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  62. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  63. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  64. Kelly McCullough: Der Zorn der Klinge
  65. Kelly McCullough: Die erste Klinge
  66. Kelly McCullough: Der Schwur der Klinge
  67. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  68. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  69. Seanan McGuire: Deadlands – Boneyard
  70. Seanan McGuire: In an Absent Dream (Wayward Children 4)
  71. Kelly Meding: Stray Magic
  72. Kelly Meding: Stray Moon
  73. Kate Milford: The Boneshaker
  74. Jill Murphy: Dumplin‘ – Go big or go home
  75. Bishop O’Connell: The Stolen
  76. Ellen Oh und Elsie Chapman (Hrsg.): A Thousand Beginnings and Endings (Anthologie)
  77. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  78. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  79. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  80. S. A. Patrick: A Darkness of Dragons
  81. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  82. Sarah Prineas: The Lost Books – The Scroll of Kings
  83. Riley Redgate: Noteworthy
  84. Philip Reeve: Larklight
  85. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  86. John Scalzi: Fuzzy Nation
  87. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  88. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  89. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  90. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  91. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  92. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  93. Charles den Tex: Die Zelle
  94. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  95. Sarah Tolcser: Song of the Current
  96. Tiffany Trent: Unnaturalist
  97. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  98. Catherynne M. Valente: The Refrigerator Monologues
  99. Catherynne M. Valente: Space Opera
  100. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  101. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  102. Xinran: Gerettete Wort
  103. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes
  104. Ovidia Yu: The Frangipani Tree Mystery

96 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

 

Victoria Jamieson: Roller Girl (Comic)

Wenn ich mich recht erinnere, dann bin ich bei Twitter über „Roller Girl“ von Victoria Jamieson gestolpert, und da ich inzwischen mit großem Vergnügen die Bouts der hiesigen Roller-Derby-Mannschaft verfolge und bislang viel Spaß mit Comics zu dem Thema hatte, musste ich den Titel natürlich auch haben. Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht der zwölfjährigen Astrid Vasquez, die zusammen mit ihrer besten Freundin Nicole von ihrer Mutter zu einem Roller-Derby-Spiel mitgenommen wurde. Mrs. Vasquez macht solche „kulturellen Bildungsausflüge“ regelmäßig mit den beiden Mädchen, doch während Astrid und Nicole die Gedichtvorträge, Museums- und Opernbesuche nicht ganz so zu würdigen wussten, ist Astrid bei ihrem ersten Roller-Derby-Spiel (Bout) gleich Feuer und Flamme.

Astrid ist sogar so begeistert von dem Sport, dass sie sich kurz darauf zu einem Roller-Derby-Sommer-Camp anmeldet – und dabei davon ausgeht, dass ihre beste Freundin Nicole ebenfalls mit dabeisein wird. Doch Nicole hat schon andere Pläne für den Sommer und diese beinhalten nicht Roller Derby, sondern ein Ballett-Camp, an dem auch Astrids Erzfeindin Rachel teilnehmen wird. So muss sich Astrid nicht nur ganz allein dem Abenteuer „Roller-Derby-Camp“ stellen, sondern auch feststellen, dass sich ihre langjährige Freundschaft zu Nicole auf einmal total verändert hat. Und weil sie sich nicht traut, ihrer Mutter von all den Dingen zu erzählen, baut sich über den Sommer eine Lüge nach der anderen auf, was Astrid immer wieder in Schwierigkeiten bringt.

Es gab viele Elemente, die ich an Astrid beim Lesen mochte. Das Mädchen ist begeisterungsfähig und beweist während des herausfordernden Roller-Derby-Camps Durchhaltevermögen. Auf der anderne Seite ist sie ihren Freundinnen gegenüber häufig ziemlich unsensibel und egoistisch, ohne zu merken, dass nicht jeder Mensch ihre Prioritäten teilt oder dass jemand anderer vielleicht auch mal Unterstützung und ein offenes Ohr benötigt. Umso schöner war es, im Laufe des Comics zu verfolgen, wie sehr Astrid sich im Laufe des Sommers entwickelte und mit welcher Hingabe sie sich dem Roller Derby zuwandte. Auch mochte ich die vielen lustigen Momente, die sich unter anderem aus Astrids kleinen Lügen ergaben. Dabei rechne ich es Victoria Jamieson hoch an, dass ich diese Szenen wirklich amüsant fand, statt Fremdscham zu empfinden, was bei mir sonst sehr schnell der Fall ist. So wurde Astrid gerade durch ihre Fehler und ihre Hilflosigkeit gegenüber dem veränderten Verhalten ihrer Freundin Nicole für mich zu einem realistischen und liebenswerten Charakter, deren Sommer im Roller-Derby-Camp ich gern verfolgt habe.

Sehr schön fand ich auch den Roller-Derby-Anteil in der Geschichte. Da hatte ich das Gefühl, dass dieser Teil sehr davon profitiert hat, dass die Autorin selbst auch spielt. So wurden die verschiedenen Regeln, die beim Roller Derby gelten, sehr schön in die Geschichte eingeflocheten, so dass jemand, der sich mit dem Thema nicht auskennt, nachvollziehen kann, was bei einem Bout so passiert, während Roller-Derby-vertraute Leser nicht das Gefühl bekommen, hier würde lehrbuchmäßig über Selbstverständlichkeiten doziert. Mir hat es auch gefallen, dass für Astrid dieser Sport nicht einfach zu lernen war und dass sie am Ende trotz aller Übungen immer noch keine besonders gute Spielerin war und sie trotzdem großen Spaß beim Roller Derby hat. Außerdem mochte ich das Zusammenspiel zwischen den Teilnehmerinnen des Camps sehr gern in dieser Geschichte. Es gibt Freundschaften und Rivalitäten, Neid und all die anderen Gefühle, die zwischen Menschen in einer Gruppe nun einmal so herrschen, aber am Ende ist es für Astrid und die anderen vor allem wichtig, dass sie als Team zusammenspielen, und dafür unterstützen sie sich trotz aller Unterschiede gegenseitig.

Nicht  nur die Handlung, sondern auch die Zeichnungen von Victoria Jamieson haben mir gut gefallen. Obwohl ich ihren Stil stellenweise etwas schlicht finde, mochte ich die Lebendigkeit der Darstellungen, wie abwechslungsreich die verschiedenen Charaktere gezeichnet waren und die in der Regel fröhliche Farbgebung, die die verschiedenen Szenen stimmig untermalt. Und während ich überzogene Mimik und Gestik häufig nicht so schön finde, fand ich diese Szenen in „Roller Girl“ angesichts Astrids teilweise extremer (pubertärer) Gefühlsausbrüche überraschend angemessen. Alles in allem hat mir dieser Comic so gut gefallen, dass ich mir gleich nach dem Lesen angeschaut habe, was Victoria Jamieson sonst noch so veröffentlich hat, und nun sitzt ihr Comic „All’s Faire in Middle School“ ganz oben auf der Merkliste.