November-SuB 2019

Im Oktober hatte ich das Gefühl, ich würde trotz einer (für mich) riesigen Anzahl an Terminen richtig viel zum Lesen kommen, auch wenn ich die Herbstlesen-Wochenenden auch noch mit einigen anderen Sachen gefüllt habe und insgesamt nicht auf meine „Wohlfühlgesamtseitenzahl“ gekommen bin. Aber Zahlen sind ja schließlich auch egal, wenn ich am Ende zufrieden mit meinem Lesemonat war und das war ich definitiv.

Der November bringt mehr Arbeit, aber dafür weniger Termine (in der Woche) mit sich als der Oktober, da muss ich mal schauen, wie sich das auf meine Lesezeit auswirkt. Aktuell habe ich gerade sehr, sehr große Lust auf Lesestunden auf dem Sofa, schön eingemuckelt mit heißem Tee, Decke und einem der Bücher, die ich seit Wochen unbedingt „sofort“ lesen will. Grundsätzlich wäre es nicht schlecht, wenn ich in den kommenden drei Wochen meinen SuB noch etwas reduzieren würde, bevor der große Schwung an Neuzugängen reinkommt, der mich zu jedem Jahresende erreicht. Außerdem will ich mir endlich mal all die alten Beiträge vornehmen, die ich seit dem Blogumzug im vergangenen Jahr nicht wieder mit Fotos und angepasster Formatierung ausgestattet hatte. Das ist nur Fleißarbeit, aber schrecklich lästig. 😉

 

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Kelly Armstrong: Bitten (Otherworld 1)
  4. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  5. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (Jumbies 2)
  6. Tracy Baptiste: The Jumbie God’s Revenge (Jumbies 3)
  7. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  8. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  9. Juliet Blackwell: Bewitched and Betrothed (Witchcraft Mystery 10)
  10. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  11. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  12. Rhys Bowen: Royal Blood (Royal Spyness 4)
  13. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  14. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Speyness 6)
  15. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  16. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  17. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  18. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  19. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  20. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  21. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  22. Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons
  23. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  24. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  25. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  26. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  27. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  28. Sarah Beth Durst: Fire and Heist
  29. Louise Erdrich: The Birchbark House
  30. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  31. Christopher Golden/Rachel Autumn Deering (Hrsg.): Hex Life – Wicked New Tales of Witchery (Anthologie)
  32. Jasmine Gower: Moonshine
  33. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  34. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  35. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  36. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  37. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  38. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  39. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  40. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  41. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  42. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  43. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  44. Rachel Hartman: Seraphina
  45. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  46. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  47. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  48. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  49. Tanya Huff: Valor’s Choice (Confederation Novel 1)
  50. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  51. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  52. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  53. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  54. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  55. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  56. Diana Wynne Jones: Power of Three
  57. Diana Wynne Jones: Black Maria
  58. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  59. Celine Kiernan: Geisterpfade
  60. Celine Kiernan: Königspfade
  61. Celine Kiernan: Begone the Raggedy Witches (The Wild Magic Trilogy 1)
  62. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  63. R. F. Kuang: The Poppy War
  64. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  65. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  66. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  67. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  68. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  69. Seanan McGuire: This Ain’t Witchcraft (InCryptid 8)
  70. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  71. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  72. Robin McKinley: Sunshine
  73. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  74. Kelly Meding: Stray Magic
  75. Kelly Meding: Stray Moon
  76. Kate Milford: The Boneshaker
  77. Maya Montayne: Nocturna
  78. Marieke Nijkamp (Hrsg.): Unbroken – 13 Stories Starring Disabled Teens (Anthologie)
  79. Bishop O’Connell: The Stolen
  80. Ellen Oh und Elsie Chapman (Hrsg.): A Thousand Beginnings and Endings (Anthologie)
  81. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  82. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  83. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  84. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  85. C.E. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)
  86. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  87. Philip Reeve: Larklight
  88. Kat Richardson: Greywalker
  89. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  90. John Scalzi: Fuzzy Nation
  91. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  92. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  93. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  94. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  95. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  96. Jordan Stratford: The Woolstonecraft Detective Agency 1 – The Case of the Missing Moonstone
  97. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  98. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  99. Charles den Tex: Die Zelle
  100. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  101. Sarah Tolcser: Song of the Current
  102. Jessica Townsend: Nevermoor -The Trials of Morrigan Crow
  103. Tiffany Trent: Unnaturalist
  104. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  105. Renee Watson: Piecing Me Together
  106. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  107. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  108. Darcie Wilde: A Useful Woman (Rosalind Thorne Mystery 1)
  109. Katherine Woodfine: The Clockwork Sparrow
  110. Xinran: Gerettete Worte
  111. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

93 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo: Poor Economics – Plädoyer für ein neues Verständnis von Armut

Ich muss gestehen, dass ich auf „Poor Economics“ aufmerksam wurde, als bekannt wurde, dass der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis an Abhijit V. Banerjee „und seine Frau“ verliehen wird, wie ein englischsprachiges Wirtschaftsmagazin so schön formulierte. Weil es mich wütend gemacht hat, dass Esther Duflo in dieser Schlagzeile nur als Anhängsel erwähnt wurde, habe ich versucht, etwas mehr über die beiden Wissenschaftler und ihre Arbeit herauszufinden. Dabei bin ich über „Poor Economics“ gestolpert, fand, dass das Buch sehr interessant klingt, und habe es deshalb spontan in der Bibliothek ausgeliehen. Dabei muss ich betonen, dass der Titel im Original schon 2011 veröffentlicht wurde, was ich mir beim Lesen immer wieder ins Bewusstsein rufen musste, weil die meisten zitierten Studien vor 2010 stattfanden. Ein bisschen frage ich mich daher schon, welche der dort dargestellten Informationen sich schon wieder als veraltet herausgestellt haben und welche nicht.

Außerdem muss ich zugeben, dass Wirtschaftswissenschaften so gar kein Thema sind, das mich bislang interessiert hat. Ich habe keinerlei Vorbildung in dem Gebiet, was bedeutet, dass das, was die beiden Autoren in ihrem Buch geschrieben haben, für mich vollkommen neue Wissensfelder betrifft. Umso spannender fand ich, dass ich den verschiedenen Kapiteln in „Poor Economics“ problemlos folgen konnte und die verschiedenen Schlüsse, die Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo aus den diversen Studien zogen, nachvollziehbar und stimmig fand. Wobei mich der rein „wirtschaftliche Blick“ der Autoren auf ein Thema beim Lesen regelmäßig irritierte, weil es mir nun einmal fernliegt, eine Gesundheitsmaßnahme, ein Bildungsangebot oder Ähnliches ausschließlich aufgrund von wirtschaftlichen Erfolgen oder bezüglich der effektivsten Nutzung von Ressourcen zu betrachten. Oder weil ich es unstimmig finde auszurechnen, dass ein Mensch pro Jahr, das er mehr in der Schule verbringt, theoretisch x Prozent mehr Lohn in seinem Leben verdienen wird und sich deshalb dieses „Investment“ in Bildung rentiert. Aber ich gebe zu, dass meine Ansicht, dass Bildung sich immer rentiert, auch wenn am Ende kein „finanzieller Mehrwert“ dabei rausspringt, einer sehr priviligierten Sicht auf die Welt entspringt.

In zehn Kapiteln beschäftigen sich Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo mit der Ursache für Armut, mit den Themen Ernährung und Hunger, Gesundheit und Bildung, Familienplanung und Absicherungen/Versicherungen, sowie mit den Möglichkeiten zu sparen und Unternehmensgründung. All diese Kapitel fand ich so gut und verständlich geschrieben, dass auch jemand wie ich, die sich noch nie mit Wirtschaftsthemen beschäftigt hat, die verschiedenen Probeme, ihre Ursachen und ihre (möglichen) Lösungen gut verstand. Viele Punkte werden mit Beispielen belegt, denen die beiden Autoren im Laufe ihrer Forschung begegnet sind, was sie für mich greifbarer machten.

Was mich besonders fasziniert hat, waren die Dinge, die ich so nicht erwartet hätte. Zum Beispiel wird ganz zu Beginn von „Poor Economics“ erwähnt, dass zwar seit Jahrzehnten sehr viel Geld in die Entwicklungshilfe gesteckt wird, es aber keine gut belegte Forschung dazu gab, welche Maßnahmen wirklich spürbaren Einfluss auf das Leben der Menschen hatten. So ist es unumstritten, dass zum Beispiel Menschen in Krisengebieten kurzfristig mit Nahrung und Wasser beliefert werden müssen, aber lange Zeit hat sich niemand die Mühe gemacht herauszufinden, ob die langfristige Ausgabe von Lebensmittelspenden die sinnvollste Art der Unterstützung wäre. (Ich spoilere mal und verrate, dass es spätestens dann unsinnig ist, wenn ein Teil der Lebensmittelspenden in korrupten Regierungskanälen versickert oder aufgrund schlechter Lagerungsmöglichkeiten von Schädlingen vernichtet wird.)

„Die mangelnde Rentabilität der Unternehmungen von Armen erklärt auch, weshalb Mikrokredite offenbar keine radikalen Veränderungen im Leben der Kunden herbeiführen. (…) Wenn die von Armen betriebenen Geschäfte generell unrentabel sind, wird plausibel, warum Kredite, die ihnen die Geschäftsgründung ermöglichen sollen, keine deutliche Verbesserung ihrer Gesamtsituation nach sich ziehen.“ (S. 227)

Erst Mitte der 1990er Jahre wurden (unter anderem von Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo) überhaupt Vergleichsstudien entwickelt, mit denen die Wirksamkeit der verschiedenen Maßnahmen überprüft werden konnten und nicht alle Organisationen und Regierungen waren glücklich mit den Ergebnissen, die bei diesen Studien herauskamen. So ergaben diese Vergleichstudien, dass die beliebten und weit verbreiteten Mikrokredite zwar das Leben derjenigen häufig verbesserten, die sie aufnahmen, dass diese Verbesserung aber relativ gering war, dass nur wenige weitere Menschen davon profitierten und dass selbst bei großzügigen Kreditangeboten in der Regel große Hemmungen bestanden, so einen Mikrokredit aufzunehmen. Zum Teil zeigten diese Vergleichstudien auch auf, dass man gar nicht die Maßnahmen zur Entwicklungshilfe ändern musste, um erfolgreicher zu sein, sondern bestimmte Bedingungen vor Ort. So ist zum Beispiel vielen Landwirten in afrikanischen oder asiatischen Ländern durchaus bewusst, dass sie mit Dünger und besserem Saatgut bessere Ernten einfahren können, aber sie haben kurz vor der Aussaat kein Geld für Dünger und Saatgut.

Dieses Problem könnte theoretisch umschifft werden, wenn sie direkt nach dem Verkauf ihrer Ernte Saatgut und Dünger kaufen würden, aber da zu diesem Zeitpunkt die örtlichen Geschäfte in der Regel diese beiden Produkte nicht anbieten, bleibt den Landwirten nur der Vorsatz, Geld dafür zur Seite zu legen. Doch dieses gesparte Geld wird am Ende nur selten bis zur Saatzeit unangerührt bleiben, weil in armen Haushalten nun einmal regelmäßig (mehr oder weniger ernsthafte) Notfälle auftreten, die Extrakosten verursachen. Wenn aber direkt nach der Ernte diesen Landwirten von Hilfsorganisationen Gutscheine über die gewünschten Produkte (in erster Linie Dünger) angeboten wurden, um ihr Kapital zielbezogen festzulegen, fanden sie in der Regel alternative Möglichkeiten, um mit den Notfällen zwischen Ernte und Saatzeit umzugehen, und so stand ihnen dann zur passenden Zeit der notwendige Dünger zur Verfügung.

Ich muss zugeben, dass dieser „menschliche“ Faktor für mich der faszinierendste Aspekt an den in „Poor Economics“ geschilderten Studienergebnissen war. Am Ende bleibt trotz all der in dem Buch beschriebenen Vergleichsstudien und gewonnenen Erkenntnisse eigentlich auf der einen Seite das Fazit, dass man mit kleinen Maßnahmen schon überraschend viel erreichen kann. Aber auf der anderen Seite steht eben auch die Einsicht, dass man noch immer viel zu wenig über die vielen Faktoren weiß, die Entwicklungshilfe und das Leben der Menschen, die davon eigentlich profitieren sollten, betreffen. Und für mich persönlich steht ein bisschen die Frage im Raum, was sich wohl in den zehn Jahren, die seit der Erstveröffentlichung von „Poor Economics“ verstrichen sind, in diesem Bereich der Forschung noch so getan hat.

Herbstlesen im Oktober (So., 27. Oktober)

Da für den 31. kaum einer Zeit und Interesse angemeldet hat (was bei einem Wochentag mehr als verständlich ist), ist heute also schon der letzte Tag des Herbstlesens 2019. Ich freu mich sehr darüber, dass wir noch einen gemeinsam Sonntag miteinander verbringen können (und verweise vorsichtshalber schon mal auf den Lese-Sonntag am 17. November). Bevor ich noch mehr Sätze mit eingeschobenen Klammerbemerkungen produziere, schiebe ich die gestern angesetzten Brötchen in den Ofen und greife ich dann erst einmal zu meiner Anthologie und schaue, was die nächste Kurzgeschichte mir zu bieten hat. 😉

Update 10:00 Uhr

Die Brötchen sind fertig (wenn sie schmecken, mache ich das nächste Mal nur die Hälfte des Teigs und nehme deutlich weniger Hitze als im Rezept steht), der Abwasch erledigt, die Wäsche von gestern Abend weggeräumt und meine erste Kurzgeschichte des Tages habe ich auch gelesen. Lori M. Lee greift in „Steel Skin“ eine Geschichte der Hmong („The Woman and the Tiger“) auf und erzählt eine SF-Handlung, in der die fünfzehnjährige Protagonistin Yer vor einem Jahr bei einem Aufstand der Androiden ihre Mutter verloren hat. Ihr Vater ist seitdem nicht mehr der Selbe, er ist verschlossen, antriebslos und abweisend, obwohl Yer ihn nun mehr den je benötigt. Richtig unheimlich wird es, als er nach einer Reise zurückkommt und sich noch weniger als zuvor um Yer kümmert, bis in ihr der Verdacht aufkommt, dass die Person, mit der sie zusammenlebt, nicht mehr ihr Vater ist … Ich mochte die Geschichte sehr, sie ist voller Wut und Trauer, Freundschaft und Vertrauen und präsentiert ein wirklich überraschendes und cooles Ende. 🙂

Nach dem Lesen der Geschichte habe ich die Tatsache genutzt, dass mein Mann heute länger geschlafen hat und mir Musik angemacht und zu meinem Strickzeug gegriffen. Das Tuch habe ich schon vor einer Weile angefangen, hatte aber in letzter Zeit keine Gelegenheit für „Stricken mit ein bisschen mehr Denken als sonst“ und stattdessen in der Regel eher zu den Socken gegriffen, die ich aktuell für meinen Mann stricke. Wenn mein Mann mit seinem Frühstück fertig ist, werden wir wohl erst einmal eine Runde zusammen puzzeln. Den Hellboy hatten wir in der vergangenen Woche beendet und nun haben wir uns als nächstes unser letztes (noch eingeschweißtes) Elzupp! vorgenommen. Da es heute draußen sehr dunkel ist und bestimmt bald wie aus Eimern schütten wird (mein Mittleid gilt den armen Läufern, die heute beim Frankfurt Marathon starten), wird es heute etwas anstrengend für die Augen. Aber wir denken, dass das schon klappt wenn wir einfach vormittags und nachmittags eine Puzzle-Runde einlegen – das bietet mir dann auch die Gelegenheit zu einer relativ normalen Zeit (also für mich) zu frühstücken. 😉

Update 13:00 Uhr

Ich bin wirklich froh, dass ich heute Vormittag gar nicht versucht habe zu Lesen, denn wie immer an Marathon- (oder Triathlon-)Tagen ist es sehr, sehr laut im Viertel inklusive Trillerpfeifen und Kuhglocken, Hubschraubern und Vorausfahrzeugen mit Megafon-Durchsagen. Immerhin ist heute die Spitze der Läufer schon um 11 Uhr an unserer Kreuzung vorbeigezogen und gerade meldete die Polizei über Twitter, dass sie einen Teil der Innenstadt schon wieder für den Verkehr freigibt, also sollte sich die Veranstaltung heute wohl nicht so lang hinziehen.

Was das Puzzle angeht, so wird es dieses Mal besonders spannend, denn wir puzzeln nicht einen Teil der Szene, der auf dem Bild nicht abgebildet ist, wie das sonst bei den Elzzups! der Fall war, sondern wir puzzeln die gleiche Veranstaltung – allerdings 2000 Jahre in der Zukunft. Bislang haben wir gerade mal den Rand gelegt und überall auf dem Tisch Häufchen verteilt, um einen groben Überblick über das Puzzle zu bekommen. Momentan habe ich das Gefühl, wir hätten die Puzzlematte gar nicht rausholen müssen, weil wir mit all den Haufen das Ganze eh nicht mal eben einrollen können, wenn wir den Tisch anderweitig nutzen wollen. *g*

Da mein Magen dann doch noch anfing zu knurren, gab es erst einmal Frühstück. Die Brötchen schmecken überraschend gut, allerdings finde ich die Konsistenz recht schwierig, da nach dem Abkühlen selbst die anfangs knusprige Kruste weich geworden ist. Mal schauen, wie sie sich in den nächsten Tagen machen – ich habe ja genug gebacken, um mich davon bis zur Wochenmitte zu ernähren … Jetzt dreh ich erst einmal eine Kommentarrunde und wärme dabei meine Fuße unter der Sofadecke.

Update 17:00 Uhr

Uff, rund um das letzte Update fing unsere Internetverbindung an zu mucken und so etwas treibt mich ja in den Wahnsinn. Für Technik – egal welcher Art – die nicht reibungslos funktioniert, habe ich so gar keine Geduld. Besonders lästig war es, dass sich dadurch die Kommentarrunde so lange hingezogen hat und ich bei den Blogspot-Blogs mehrfach meinen Namen eingeben und die „ich bin kein Roboter“-Haken setzen musste, bevor mein Kommentar überhaupt gesendet wurde. Jetzt scheint aber alles wieder okay zu sein und ich hoffe, dass es den Rest des Tages dann auch so bleibt.

Da ich mich etwas frostig fühlte und meine (seit Wochen ein winziges Bisschen am Morgen vorhandenen) Halsschmerzen heute einfach nicht verschwinden wollen, bin ich nach der Kommentarrunde auf dem Sofa geblieben und habe mit meinem Mann „Gefangen bei den Pharaonen“ von H.P. Lovecraft (gelesen von David Nathan) gehört. Dazu habe ich weiter an meinem Tuch gestrickt, bis ich genügend Fläche hatte, um mir das Muster richtig anzuschauen. Dann habe ich beschlossen, dass meine Wolle viel zu fein für dieses Muster ist und alles wieder aufgeribbelt. Etwas ärgerlich, aber ich ribbel lieber jetzt auf, als dass ich später mit einem Tuch rumlaufe, das mir nicht gefällt. Dummerweise muss ich mich jetzt auf die Suche nach einem weiteren klarem, nicht zu verspielten Muster machen, mit dem ich den nächsten Versuch für ein Halstuch wagen kann.

Oder ich mache das Muster noch einmal, das ich schon für mein grünes Tuch verwendet habe. Das gefiel mir gut und passt auch zu der Jacke, zu der ich das schwarze Tuch machen möchte, aber auf der anderen Seite finde ich es etwas langweilig zwei gleiche Tücher zu machen. Nebenbei habe ich in der letzten Stunde weiter Kommentare beantwortet und etwas getwittert (wenn mein Mann CivVI kommen regelmäßig blöde Sprüche von ihm, die ich einfach irgendwo festhalten mag :D) und Bilder von flauschigen Katzenbäuchen zugeschickt bekommen. Drückt mir die Daumen, dass ich nicht in den nächsten Tagen krank werde, ich habe keine Lust meinen Grippe-Impftermin am Mittwoch abzusagen.

Update 20:00 Uhr

Nach dem letzten Update habe ich spontan einen ersten Entwurf für einen „Sachbuch-Challenge“-Ankündungsbeitrag (für Anfang Dezember) geschrieben. Seitdem das Thema vor kurzem aufkam, ging es mir nicht mehr aus dem Kopf und ich hoffe, dass ich für das kommende Jahr wieder Leute finde, die mit mir gemeinsam Sachbücher lesen mögen. Vor der Veröffentlichung müsste ich aber noch ein Logo basteln. *g*

Außerdem habe ich ein bisschen an meinem aktuellen Socken gestrickt, während mein Mann (seltsame) Musik gehört hat. Neben habe ich noch ein paar Seiten in „Poor Economics“ (darüber, warum Versicherungsangebote von wirklich armen Menschen so gut wie nie angenommen werden) gelesen und gekocht (und immer wieder ein paar Puzzleteile gelegt :D) und gegessen.

Spitzkohl-Eintopf

Jetzt gibt es erst einmal wieder eine gründliche Blog- und Kommentarrunde und dann geht es mit dem Blücmchen gießen weiter.

Update 23:00 Uhr

Eigentlich wollte ich ja nach dem letzten Update „Animal Crossing“ spielen, aber bislang hat es nur zum Laden meines Speicherstands gereicht und den Rest der Zeit habe ich mit dem Lesen von Updates und dem Schreiben von Kommentaren verbracht. Irre, wie viel ihr heute (mit mir) kommuniziert habt! 😀 Damit meine Blümchen nicht über Nacht welken, werde ich für heute offline gehen, Blümchen gießen und dann ins Bett fallen.

Es war auch in diesem Jahr wieder wunderbar, mit euch gemeinsam das Herbstlesen zu verbringen. Ich mag es nicht nur, dass dieses bewusste Verbringen des Tages dafür sorgt, dass ich mir wirklich ausgiebige Erholungszeit gönne, sondern ich liebe auch den Austausch mit euch! Es ist immer spannend zu sehen, was euch beschäftigt, was ihr lest und womit ihr eure Stunden verbringt, wenn ihr es euch gutgehen lasst. Also vielen Dank fürs Mitmachen, und vielleicht treffen wir uns im kommenden Jahr ja wieder zum Herbstlesen im Oktober! 🙂

 

***

Heutige Mitleserin:

Neyasha
Ina
Sunny
Anette
Natira
Kiya
JED
Sayuri

Herbstlesen im Oktober (Sa., 26. Oktober)

Ich habe gerade mal wieder einen Anfall von „wie schnell die Zeit vergeht“, denn heute bricht schon das letzte Herbstlesen-Wochenende an und ich habe das Gefühl, der Oktober ist einfach so vorbeigeflogen. Immerhin habe ich mir in der vergangenen Woche sehr viele Lesestunden gönnen können (auch in den Bewusstsein, dass die kommende Woche mit all den vielen Terminen mir nicht viel Freizeit bringen wird). Es ging also nicht nur am Freitag weiter mit dem Deborah-Crombie-Lesen mit Sayuri, sondern ich habe auch den erste Band der Beaumont-and-Beasley-Reihe, „The Spellcoats“, ungefähr die Hälfte von „Poor Economics“ und ein paar Kapitel in „The Boneyard“ gelesen, sowie „Brief Cases“ beendet und „A Thousand Beginnings and Endings“ (erneut) angefangen. Mit der Anthologie mache ich auch gleich weiter, bevor es für uns wieder losgeht, weil wir für heute Vormittag eine Frühstücksverabredung mit der ehemaligen Nachbarin haben.

Update 8:45 Uhr

Nicht gerade das beste Cover, um es im Halbdunkeln zu fotografieren …

Die Kurzgeschichte „Olivia’s Table“ von Alyssa Wong hat mir sehr gut gefallen (ich muss mal schauen, was die Autorin noch so geschrieben hat). In der Geschichte wird das chinesische Yu Lan (Hungry Ghost Festival – keine Ahnung, wie das auf Deutsch genannt wird) aufgegriffen, wobei Olivia eine chinesische Amerikanerin ist, die nach dem Tod ihrer Mutter deren Rolle als „Exorzistin“ übernimmt und in einer alten Minenstadt für die Geister ein Festmahl ausrichtet. Während das örtliche Hotel Olivia als Exorzistin engagiert hat, geht es ihr darum die Vorfahren zu ehren, sie auch nach dem Tod noch mit gutem Essen glücklich zu machen und wenn das dazu führt, dass sie Ruhe und Frieden finden, dann ist es gut so. Ich mochte die Geschichte sehr, weil es nicht nur schön diese chinesische Tradition beschreibt, sondern auch Olivias eigenen Weg, um mit dem Tod ihrer Mutter fertig zu werden, und ihre Suche nach einen Platz im Leben.

Jetzt muss ich mich aber so langsam umziehen, damit wir uns pünktlich auf den Weg machen können. Ich melde mich nach der Frühstücksverabredung wieder hier und wünsche euch bis dahin einen schönen Start ins Wochenende! 🙂

Update 14:45 Uhr

Uff, das war heute eine gründliche Frühstücksverabredung mit sehr lästigen Straßenbahnfahrten (dank Sperrung des Hauptbahnhofes hat sich sehr viel Verkehr auf die Straßenbahn verlagert, die wir quer durch die Stadt nehmen müssen) und sehr intensiven und lustigen Gesprächen. Unter anderem haben wir uns über Filme unterhalten, die anscheinend nur ich kenne … Ich gebe zu, dass weder „Die Indianer von Cleveland“, noch „Flammender Sommer“ besondere Kunstwerke oder besonders erinnerungswürdig sind, aber dass weder unsere ehemalige Nachbarin, noch mein Mann diese Filme je gesehen haben, irritiert mich. Das ist ein bisschen wie mit „Bolle“ am vergangenen Wochenende, bei den „Indianern von Cleveland“ war ich mir ebenso sicher, dass die allgemein bekannt sind wie der „Bolle“. 😉

Bevor ich mich jetzt auf dem Sofa einrolle und zum Buch greife, drehe ich erst einmal eine Blog- und Kommentarrunde und kümmere mich um den heute Morgen nicht beendeten Abwasch.

Update 19:00 Uhr

Statt mich direkt nach der Kommentarrunde auf meinen restlichen Abwasch zu stürzen, habe ich mich natürlich vom Internet ablenken lassen und mich intensiv mit einem Artikel über Giulia Tofana beschäftigt – eine Frau, die in der Renaissance über 600 Frauen dabei half, ihre Männer zu vergiften. Ich muss gestehen, ich würde sehr gern mal eine gut geschriebene Biografie über diese Frau lesen, aber da es die nicht zu geben scheint, muss ich mich wohl mit einem englischen Sachbuch über Giftmorde („The Royal Art of Poison“ von Eleanor Herman) begnügen, über das ich bei meiner Suche gestolpert bin und das ich auf meinen Merkzettel gesetzt habe. 😀 Und da ich schon bei meinem Merkzettel war und seit Wochen im Hinterkopf habe, dass ich noch ausprobieren wollte, ob ich meinen Vater in diesem Jahr von „doppelten Geschenken“ abhalten kann, in dem ich für ihn einen Extra-Wunschzettel, habe ich das auch gleich erledigt. Irgendwie erschüttert es mich immer wieder, dass der Mensch, der mir in den 90ern bei jedem PC-Problem zur Seite stand, heutzutage mit den alltäglichsten Dingen im Internet vollkommen überfordert ist (obwohl er das natürlich nicht so sieht und ich deshalb sehr vorsichtig sein muss, wenn ich mich mit ihm darüber unterhalte, warum etwas wohl noch hinhaute).

Irgendwann habe ich mich dann aber doch vom Laptop gelöst (nachdem ich noch eben spontan zwei Hörbücher gekauft und den Download gestartet hatte, obwohl ich gerade so gut wie keine Hörbücher höre,) und mich auf den Abwasch und danach in die Dusche gestürzt. Kochwäsche habe ich auch noch angeworfen und das Abendessen soweit vorbereitet, dass ich nur noch Nudeln kochen und die Sauce aufwärmen muss. Dann wollte ich eigentlich gemütlich mit Tee, Apfel (wir testen gerade jede Woche eine andere aktuelle Apfelsorte, was erstaunlich spannend ist, weil die so unterschiedlich schmecken) und Buch auf dem Sofa versumpfen, aber irgendwie gab es schon wieder Kommentare zu beantworten. *g* Jetzt werde ich aber die Zeit bis zum Kochen nutzen und wirklich meine Nase in meinen Roman stecken. Da ich wieder einen spontanen Anfall von Cozy-Lust habe, aber euch nicht schon wieder einen Agatha Christie zumuten will, habe ich mich für den vierten (?) Her-Royal-Spyness-Band „Royal Blood“ entschieden. Ich habe von der Reihe noch mehrere Bände auf dem SuB und es gibt noch diverse Fortsetzungen, die ich noch nicht besorgt habe, so dass ich da nicht befürchten muss, dass mir der Nachschub in den nächsten Jahren ausgeht. 😉

Update 22 Uhr

Brötchenteig … der wegen der darin befindlichen Haferlocken so klumpig aussieht. *g*

Wenn man bis 20 Uhr Kommentare schreibt, schiebt sich das Abendessen irgendwie ein bisschen nach hinten. Und wenn man dann noch während des Kochens feststellt, dass die einkaufende Person heute vergessen hat Knäcke für mein Frühstück zu besorgen, dann wird es notwendig noch eben einen Teig für „Übernachtbrötchen“ anzusetzen. Das Rezept habe ich vor einigen Wochen irgendwo gefunden und für den „Notfall“ notiert, hätte aber nicht gedacht, dass ich es so schnell einmal ausprobieren würde. Aber Mehl, Haferflocken, Wasser und Trockenhefe habe ich nun mal immer im Haus und wenn die Brötchen morgen was werden, dann wäre das ziemlich cool.

Linsen-Bolognese ist auch nicht gerade das fotogenste Essen. 😉

Nach dem Abendessen habe ich dann noch meine tägliche Runde „Animal Crossing“ absolviert – so langsam geht es auch in dem Spiel in Richtung Halloween, was bedeutet, dass meine Nachbarin mich mal wieder darüber aufgeklärt hat, was ich am 31. zu tun habe. 😉

Uuuund dann habe ich es doch noch geschafft endlich meinen Roman aufzuschlagen! Georgie hat nach den Ereignissen im vergangenen Band kein neues Engagement gehabt (nachdem ihre Idee eines Begleitservices für Theaterbesuche diverse Herren auf vollkommen absurde Ideen gebracht hatte – sehr seltsam! :D). Es ist nebelig und kalt in London und Georgie fühlt sich ziemlich einsam im Stadthaus ihrer Familie. Trotzdem ist die Aussicht darauf, dass ihr Bruder mit seiner Frau (die zu erwarten scheint, dass Georgie das Haus vorbereitet) sich in den nächsten Wochen dort einquartieren, noch unangenehmer für Georgie als die Einsamkeit. Außerdem fürchtet sie sich ein bisschen davor, dass Queen Mary wieder einen Auftrag für sie geplant hat, der ihr Leben aufregender machen wird, als ihr lieb ist (und als sie sich finanziell leisten kann). Stellenweise wird Georgie schon sehr naiv dargestellt, aber grundsätzlich mag ich die Krimis sehr gern, finde sie amüsant und bin neugierig auf den Fall. Es gibt eindeutig schlechtere Cozies. 🙂

Update 23:50 Uhr

Auch wenn ich mich wiederhole: Wo ist der Tag hin? Seit dem letzten Update habe ich noch ein bisschen gelesen und ein bisschen kommentiert und nun hüpfe ich am Besten ins Bett, bevor ich wieder etwas finde, dass die nächsten Stunden frisst. 😉 Ich hoffe, ihr habt eine gute Nacht! Bis morgen! 🙂

***

Heutige Mitleserinnen:

Neyasha
Sunny
Natira
Ina
Anette
JED

Deborah-Crombie-Lesetag (6) – Böses Erwachen

Inzwischen sind Sayuri und ich schon beim sechsten Kincaid-und-James-Roman angekommen und als ich in der vergangenen Woche online den Klappentext der aktuellen Ausgabe las, konnte ich so gar nichts mit der Inhaltsangabe anfangen. Meine ältere Ausgabe hingegen beinhaltet nicht nur die Erwähnung eines „Straßenmusiker“ (bei dem ich mich frage, ob ich die richtige Figur im Kopf habe), sondern auch den Namen des Opfers und der sorgt dafür, dass ich mich zumindest erinnern kann, dass ich die Geschichte früher mochte. Ich bin gespannt, welche Erinnerungen im Laufe der ersten Kapitel noch hochkommen oder ob es dieses Mal so sein wird, als ob ich den Roman zum ersten Mal lesen würde. 😉

Update 11:45 Uhr

Es ist für mich jedes Mal wieder von neuem faszinierend, wie Deborah Crombie mit wenigen Worten einen Charakter kreiert, der für mich lebendig wird. Auf den ersten Seiten von „Böses Erwachen“ schafft sie das für mich mit George Brent, der nur seine Hündin ausführen will, bevor der Tag noch heißer wird, und dabei eine Leiche findet. Die wenigen Absätze aus seiner Sicht führen dazu, dass es mir schrecklich leid tut, dass gerade er diese Leiche finden muss. Auf der anderen Seite bin ich mir sicher, dass seine Hündin Sheba und seine verwitwete Nachbarin sich gut um ihn kümmern werden. 🙂 Außerdem mochte ich sehr die ersten beiden Szenen mit Gemma (die all ihren Mut zusammengenommen hat, um eine Klavierlehrerin aufzusuchen,) und Duncan (der auf dem Weg ist, um einen Tag mit Kit zu verbringen, der immer noch nicht weiß, dass er Duncans Sohn ist). Während Gemma Angst vor ihrer eigenen Courage hat, ist Duncan richtig glücklich darüber, dass er Zeit mit Kit verbringen kann und dass sie sich in den letzten Monaten so gut verstanden haben. Das ist ebenso schön zu lesen wie die Pläne, die er sich beim Anblick eines bunten Marktes für einen gemeinsamen Ausflug mit Kit und Gemma überlegt.

Schon auf den ersten Seiten stellt Deborah Crombie mit wenigen Sätzen die Entwicklung der Docklands da. Die Arbeiter und Farmer, die früher dort lebten, und die Baufirmen, die in den 90er Jahren der Gegend einen ganz neuen Schwerpunkt verliehen haben. Sehr schön die Beschreibung des Supermarktes, der für eine gehobenere Schichte geplant zu sein scheint, aber (noch?) vor allem von Arbeitern genutzt wird. Dass es sich bei der Toten um Annabelle Hammond handelt, wird schon lange vor der Identifizierung der Leiche deutlich, und obwohl die Autorin wie immer schöne „Vorstellungsszenen“ geschrieben hat, wurde es mir am Anfang fast ein wenig viel mit all den neuen Charakteren, die sich Gedanken über Annabelle machten. Es fühlte sich an, als ob ich die selbe Stunde des selben Samstags immer wieder erlebte, ohne dass es weiterging. Wobei Letzteres vermutlich an mir liegt und weniger an dem Buch, da ich den Vormittag über auf eine Lieferung gewartet habe und mich das immer unruhig macht. Aber da meine Gemüsekiste gerade geliefert wurde, kann ich mich jetzt in Ruhe mit Frühstück und Buch auf dem Sofa einrollen und mich in den nächsten Stunden etwas intensiver mit der Geschichte befassen.

Update 13:30 Uhr

So richtig klappte es heute nicht mit dem konzentrierten Lesen, aber trotzdem habe ich das Gefühl, ich bin wieder in der Handlung drin. Ich erinnere mich an die Atmosphäre des Romans und bestimmte Szenen kommen mir auch vertraut vor (wie der Moment, in dem Reg und der Vater der Toten zusammen Tee trinken und sich Reg Gedanken über die richtige Art des Teeaufbrühens macht), aber ich habe keine Erinnerungen an noch kommende Szenen. Ich bin mir nur sicher, dass der Straßenmusikant (der bislang vor allem in den Gedanken anderer vorkam) nichts mit dem Mord zu tun hat und in gewisser Weise selber ein Opfer ist. Ansonsten frage ich mich, was Deborah Crombie mit der Figur von Janice Coopin beabsichtigt hat. Es fühlt sich an, als ob die Autorin sich nicht entscheiden konnte, ob diese Polizistin nun sympathisch sein sollte oder nicht, und wie so oft denke ich, dass Duncan ihr gegenüber etwas aufmerksamer sein könnte. Er bemerkt zwar, dass es für sie nicht schön ist, dass er ihr bei dieser Ermittlung vor die Nase gesetzt wird, hat aber kein Gefühl dafür, dass es für sie als Frau noch einmal ein Stück schwieriger ist, obwohl er inzwischen durch Gemma doch genügend Einblicke in das Leben als Polizistin bekommen haben müsste.

Ein wenig schmunzeln musste ich bei der Beschreibung der Wohnung von Annabelle, da Gemma feststellt, dass alles ein bisschen zu ordentlich ist und nichts darauf hinweist, dass das Opfer irgendeiner Tätigkeit nachgegangen sei, bevor sie das Haus verließ. Wenn ich so über den Rand meines Buches blicke, dann sehe ich bei mir genau das Gegenteil davon (und bekomme spontan Lust ein paar der angefangenen Sachen jetzt sofort weiter zu machen). *g*

Update 15:00 Uhr

Heute ist einer dieser Tage, an denen sich mein Gehirn mit allem möglichen beschäftigt und viel zu wenig mit dem Buch vor meiner Nase. (Ein Teil meines Gehirns hat sich zum Beispiel mit der Frage beschäftigt, ob es sich lohnen würde, wenn man After-Eight-Stückchen dünn mit Mürbeteig ummantelt, um Kekse darauf zu backen, oder ob sich die Schokolade mit der Minzfüllung einfach bei der Wärme im Ofen verabschieden würden. Und nein, ich weiß nicht, wieso mir das gerade heute in den Sinn gekommen ist …) Aber zurück zu „Boses Erwachen“: Inzwischen hat der Straßenmusiker (Gordon Finch) nicht nur einen Namen, sondern ist auch zum ersten Mal von der Polizei verhört worden. Was zu der Frage führt, was wohl zwischen ihm und Gemma vor einiger Zeit vorgefallen ist, was uns als Leser bislang vorenthalten wird.

Ansonsten schwanke ich zwischen Faszination und Erschütterung, wenn es um das Verhältnis der verschiedenen Personen zu Annabell geht. Auf der einen Seite hat sie ihre Angestellten anscheinend sehr unterstützt und sie ermutigt das Beste aus sich herauszuholen und sich mehr zuzutrauen, auf der anderen Seite scheint sie die Leute in ihrer Nähe regelmäßig verletzt zu haben (ohne dass sie es wollte oder es sie kümmerte?). Was mich erschüttert, ist die Verherrlichung ihrer Person, die anscheinend schon vor ihrem Tod stattfand. Für ihren Vater war sie die perfekte Tochter und ihre Schwester Jo konnte da nicht mithalten, für ihren Verlobten schien es klar zu sein, dass Annabell diejenige war, die die Regeln aufstellte, die die Entscheidungen traf und deren Launen jederzeit nachgegangen werden müsste. Es kann für Annabell nicht einfach gewesen sein, diesem Ideal ihres Vaters/ihrer Umgebung zu entsprechend, und damit zu leben, dass dies natürlich auch (negative) Reaktionen in ihrem Umfeld hervorgerufen hat.

Außerdem hatte ich ganz vergessen, dass es eine Verbindung zwischen William Hammond und Lewis Finch gibt – zum Großteil ist es wirklich, als ob ich den Roman noch gar nicht kennen würde. Ansonsten bin ich ziemlich verärgert mit Duncan, weil er Kit gegenüber so rücksichtslos ist und ihn (und seine Versprechen Kit gegenüber) vollkommen über die Arbeit vergessen hat. Das ist mehr als nur „er ist nicht ans Vatersein gewöhnt“, das ist rücksicht- und herzlos. Auch wenn ich vermute, dass das von Deborah Crombie so aufgebaut wurde, damit Duncan Kit endlich sagt, dass er sein leiblicher Vater ist.

Für heute war es das auf jeden Fall mit dem Deborah-Crombie-Lesetag für mich. Der Staubsauger und das Badezimmer rufen nach mir und auch sonst stehen noch ein paar weitere Punkte auf der To-do-Liste, die ich erledigen möchte, damit ich den Samstag entspannt genießen kann. 🙂

Mittwoch, der 6. November
Update 10:30 Uhr

Irgendwie bin ich heute nicht in den Tritt gekommen und renne ein bisschen hinter meiner Terminplanung hinterher, aber jetzt ist es soweit, dass die dringensten Vormittagssachen erledigt sind, mein Tee fertig gezogen ist und ich mich für eine Weile mit dem Buch aufs Sofa zurückziehen kann. Ich muss zugeben, dass ich mich seit Ende Oktober gar nicht mehr mit dem Roman beschäftigt habe und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass mich dieses Mal die Figuren (noch) nicht so gepackt haben, oder einfach daran, dass gerade in jeder freien Minute Bücher verschlinge und deshalb so viele Charaktere und Geschichten zwischen mich und „Böses Erwachen“ kamen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Handlung weitergeht, denn es bleibt dabei, dass ich mich an erstaunlich wenig Dinge erinnern kann. 🙂

Update 12:00 Uhr

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich wieder in der Geschichte drin war. Vor allem sind mir zwei Dinge durch den Kopf gegangen: Wie einsam all diese Figuren sind, selbst wenn sie Familien und Freunde haben, zu denen sie regelmäßig Kontakt haben. Jeder von ihnen gibt mir das Gefühl, er müsse einen Teil seiner Selbst verbergen, um den Erwartungen und Ansprüchen seiner Umgebung zu genügen. Auf der anderen Seite ist da Annabell, die den Menschen, mit denen sie zusammen war, das Gefühl gab, dass sie ihnen nur einen kleinen Teil ihrer selbst zeigen würde, dass sie sich und ihr Verhalten nie an die Erwartungen und Ansprüche ihrer Umgebung anpassen würde. Immer wieder fällt dabei das Wort „Egoismus“, aber fast nie schwingt dabei ein bitterer Unterton bei, sondern eher Bewunderung dafür, dass sie so konsequent in ihrem Verhalten war.

Ansonsten hänge ich mit meinem Kopf ein bisschen bei der Frage, was Gemma mit Gordon Finch verbindet und wieso sie mit Duncan nicht darüber reden mag. Gemma und Gordon haben keine Beziehung miteinander und doch ist da etwas Persönliches, das über die gemeinsame (und auf Gemmas Seite unausgesprochene) Liebe zur Musik hinaus zu gehen scheint. Duncan hingegen darf sich nun damit herumschlagen, dass Ian McClellan wieder eine Rolle in Kits Leben spielen will. All diese Erwachsenen, die für den Jungen wichtig sein wollen, aber nicht wirklich bereit sind ihren Alltag so weit umzukrempeln, dass Kit auch darin Platz findet, machen mich gerade ziemlich wütend. Ebenso wenig bin ich darüber glücklich, dass Duncan Gemma so von seinem Leben ausschließt, weil es bei ihm gerade nicht so gut läuft. Dieses Zurückziehen und Schweigen in einer Beziehung macht es für beide doch nur schwieriger …

Freitag, der 8. November
Update 10:30 Uhr

In den kommenden ein oder zwei Stunden wird es bei mir noch nicht so viel mit dem ungestörten Lesen, da ich unter anderem die Lieferung der Gemüsekiste erwarte und noch einen Kuchenteig im Ofen hatte. Außerdem muckt mein Körper ein bisschen, nachdem ich gestern die Treppe vor unserer Wohnungstür auf eher unkonventionellere Weise hinter mich gebracht habe. Zum Glück ist mir kaum etwas passiert, aber längere Zeit in der selben Position sitzen mag meine rechte Schulter seitdem so gar nicht, was das gemütliche Einrollen auf dem Sofa etwas erschwert. Was „Böses Erwachen“ angeht, so hinterlässt dieser Roman selbst beim Lesen bei mir relativ wenig Eindrücke. Vielleicht liegt das daran, dass ich schon weiß, wie es mit Kit und Duncan ausgehen wird, oder daran, dass ich Gordon Finch zwar mag, aber nicht das Gefühl habe, als ob er jemals wieder eine Rolle spielen wird, weil er einfach ein Mensch ist, dessen Prioritäten keine tieferen Bindungen zu anderen Menschen zulassen. Ich mag die Geschichte, aber sie klingt nicht so in mir nach wie die anderen Deborah-Crombie-Romane. Trotzdem bin ich neugierig darauf, wie es nun weitergeht und welche Spuren Gemma und Duncan letztendlich zum Täter (an den ich mich weiterhin nicht erinnern kann) führen. Ich glaube, am Ende bleiben zu Annabell bei mir vor allem die Sätze der Nachbarin Rachel hängen, die bedauert, dass Annabell durch ihren frühen Tod nicht die Gelegenheit hatte ihrer Schönheit zu entwachsen.

Update 12:30 Uhr

Sehr viel habe ich bislang nicht gelesen, dafür ist der Kuchen aus dem Ofen und ich habe mir noch einen Apfel-Milchreis zum Frühstück angesetzt … Bei „Böses Erwachsen“ ist bislang auch nicht so viel Neues passiert, allerdings habe ich gerade Brandy, die neue „Freundin“ von Martin Lowell, kennengelernt. Sie ist sehr jung, hat blondgefärbte Haare und trägt während einer sommerlichen Hitzewelle einen Minirock, ein bauchfreies Top und ein Nabelpiercing. Das wäre ja nicht bemerkenswert, wenn nicht sowohl Duncan, als auch Gemma abfällige Bemerkungen über Brandy machen würden, bei denen klar gesagt wird, dass Brandy selber Schuld ist, wenn Männer sie anglotzen, weil sie das mit ihrer Kleidung provoziert. Solche Bemerkungen machen mich wütend und ich hatte von Deborah Crombie eigentlich mehr erwartet, vor allem nachdem die Autorin im dritten Band der Reihe genau diese „Falle“ umgangen hatte, in dem sie Connors Freundin Sharon zwar auf den ersten Blick „billig“ wirken ließ, aber dann durch die weiteren Gespräche zwischen Duncan und ihr zeigte, was für ein Unrecht Sharon mit solch einer schnellen Verurteilung angetan wurde. Brandy hingegen wird wohl keinen weiteren Raum im Roman mehr einnehmen … Überhaupt muss ich bei diesem Band einen beklagenswerten Mangel an liebenswerten Nebenfiguren feststellen, wenn man von George Brent und Jos Nachbarin Rachel absieht, aber beide gehen etwas unter zwischen all den Personen, die direkter mit Annabell zu tun hatten.

Update 15:00 Uhr

Beim Fotografieren ist mir eben mal wieder aufgefallen, wie nichtssagend die Cover der Deborah-Crombie-Romane doch gestaltet wurden. Dabei hätte man bei diesem Band so schön einen alten Speicher, einen Teil der Themse oder ähnliches verwenden können, um die Stimmung der Geschichte aufzugreifen. Selbst ein altes Herrenhaus, wie das in dem William und Lewis die Kriegsjahre verbracht haben, wäre passender gewesen als dieses nichtssagende Gebäude. Aber nun gut, nur weil ich die Cover wenig ansprechend finde, wird der Verlag wohl nicht anfangen eine 25-Jahre-alte Verkaufsstrategie zu ändern. 😉

Es hat eben ein bisschen gedauert, bis ich mich wirklich in Ruhe aufs Sofa setzen und lesen konnte, aber da ich wusste, dass ich Sayuri mal wieder davon geeilt war, fand ich es heute auch nicht so schlimm, dass ich von Paketboten, Gemüselieferanten und all den anderen Kleinigkeiten, die ich „nur kurz“ eben erledigt habe, abgelenkt wurde. Was „Böses Erwachen“ angeht, so finde ich es schwierig über Gemmas „Beziehung“ mit Gordon zu lesen. Ich kann verstehen, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt, ich kann aber nicht verstehen, dass sie damit nicht umgehen kann. Letztendlich sind es einfach nur ein gut aussehender Mann und seine Musik und ich vermute, dass Letzteres der Hauptgrund für die Anziehung ist, die sie reizen. Aber bislang war Gemma zu professionell, um private Elemente so sehr in ihre Arbeit einfließen zu lassen, und diese Professionalität vermisse ich hier. Ebenso passt es für mich nicht, dass sie sich wie Duncan in den vergangenen Romanen benimmt, statt wie die Gemma, die ich bislang kennengelernt habe.

Ansonsten fand ich es schön Irene kennenzulernen, auch wenn sie nur sehr wenig Raum einnahm, und dass Madelaine Wade (aus „Kein Grund zur Trauer“) noch einmal auftauchen durfte. Außerdem fand ich die Szenen berührend, in der Gordon und Lewis endlich einmal miteinander reden und endlich das ausgesprochen wird, was die ganze Zeit bei jedem Gespräch der beiden mit der Polizei mitschwang (nämlich, dass sie befürchteten, dass der jeweils andere der Mörder sein könnte). Was die Auflösung des Falls angeht, so habe ich inzwischen das Gefühl, dass ich die nach dem Lesen einfach jedes Mal wieder verdränge. So eine unschöne Geschichte, so viel verschwendetes Leben, so große unrealistische Erwartungen und so viele Jahre Kummer, obwohl das eine oder andere leicht hätte geklärt werden können. Oh, und irgendwie hatte ich gedacht, dass der Tee eine größere Rolle spielen würde – vielleicht weil das der Teil ist, der am unberührtesten von der ganzen Geschichte bleibt …

Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)

Der dritte Band der Dalemark-Reihe von Diana Wynne Jones führt den Leser in eine Vergangenheit von Dalemark zurück, in der es noch Könige gab. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Tanaqui, die die vierte von fünf Geschwistern und eine hervorragende Weberin ist. So ist es auch kein Wunder, dass sie ihre Geschichte in zwei Mäntel (Spellcoats) einwebt, so dass nur diejenigen, die die Webmuster zu lesen wissen, davon erfahren. Dabei erzählt der erste Mantel, wie alles in dem kleinen Dorf am Fluss begann, in dem Tanaqui gemeinsam mit ihren Geschwistern und ihrem Vater aufgewachsen ist, und wo die übliche Ruhe von einem Tag auf den anderen durch eine Gruppe Flüchtlinge gestört wurde. Diese Flüchtlinge berichteten von Krieg, und kurz nachdem diese Menschen über den Fluss gesetzt hatten und weitergezogen waren, kamen auch schon die ersten Soldaten, um Männer (und Jungen) anzuwerben, die für den König in den Kampf ziehen sollten.

Nachdem Tanaquis Vater im Krieg getötet wird und ihr ältester Bruder fast seelenlos zurückkommt, werden die Geschwister aus dem Dorf vertrieben und reisen den Fluss entlang bis zum Meer. Für Tanaqui und die anderen ist das eine beschwerliche Reise voller Gefahren in einem Gebiet, das von Hochwasser und Krieg zerstört wurde. Im Laufe ihrer Reise lernen sie, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügen und dass die Unsterblichen (the Undying), die schon in „Drowned Ammet“ eine große Rolle spielten, sie vor der Magie der „Heiden“ aus dem Norden schützen können – wenn Tanaqui und ihre Geschwister denn auf die Zeichen und Hinweise der (beinahe) göttlichen Wesen hören. Doch es ist nicht so einfach, mit den Unsterblichen zu kommunizieren und herauszufinden, welcher Weg für Tanaqui und die anderen der richtige ist.

Ich mochte sehr, dass man dadurch, dass Tanaquis Spellcoats die wahre Geschichte erzählen müssen, um ihre Magie zu wirken, das Gefühl bekommt, man könne der Erzählerin vertrauen – auch wenn es ihr oft genug nicht leicht gefallen ist, von all ihren Irrtümern und kleinlichen Gedanken zu erzählen. „The Spellcoats“ erzählt von der Entstehung Dalemarks, von den alten Mächten, die in dem Land aktiv sind/waren, und von der Herkunft der einen oder anderen Figur, die man bislang nur als Sagengestalt kennengelernt hat. Mir gefiel an Tanaquis Erzählstimme nicht nur, dass ich ihr als Erzählerin vertrauen konnte, sondern ich mochte auch, dass sie – trotz all der besonderen Fähigkeiten, über die sie verfügt, – eine ganz normale und sympathische Figur war. Sie liebt ihre Geschwister und ist doch oft ungeduldig mit ihnen oder ärgert sich über ihr Verhalten, sie vermisst ihre Eltern und wünscht sich regelmäßig, es gäbe jemanden, der sich um sie kümmern würde. Doch da es niemanden gibt, der ihr die Arbeit aus der Hand nimmt, und ihre Geschwister immer wieder jemanden brauchen, der sich um sie kümmert, nimmt sie die Angelegenheiten regelmäßig selber in die Hand. Nicht immer sind ihre Entschlüsse die klügsten, aber gerade das sorgt ja auch dafür, dass man ihrer Geschichte so gerne folgt und sich voller Spannung fragt, ob sie wohl am Ende ihre Aufgabe erledigt bekommt oder nicht.

Ich finde es immer schwierig, eine Reihe so zu lesen, dass die Ereignisse nicht chronologisch stattfinden, weil das oft genug dazu führt, dass man als Leser Dinge erzählt bekommt, die man schon kennt. Hier hingegen muss ich zugeben, dass es sich für mich richtig anfühlt, die Romane in der Veröffentlichungsreihenfolge zu lesen. Die Handlung von „Cart und Cwidder“ lässt sich ohne weitere Hintergründe (meinem Gefühl nach sogar besser) genießen, während ich vermutlich mit dem Wissen um die Vergangenheit Dalemarks, um die Unsterblichen und vielleicht sogar um die Herkunft des Barden Osfameron eine ganz andere Sicht auf die Geschichte gehabt hätte. So hingegen habe ich das Gefühl, dass ich als Leser gemeinsam mit der Welt von Dalemark wachse und im Laufe der Romane immer mehr Details und Hintergründe entdecken kann. All das macht mich auf jeden Fall sehr neugierig auf den Band „The Crown of Dalemark“, mit dem die Serie ihren Abschluss findet.

Kyle Robert Shultz: The Beast of Talesend – After Beauty and the Beast (Beaumont and Beasley 1)

Auf die Reihe „Beaumont and Beasley“ bin ich durch Kiya aufmerksam geworden und hab mir dann recht spontan in der vergangenen Woche ein Bundle mit den ersten drei eBooks gekauft. Im ersten Teil, „After Beauty and the Beast“, bekommt man als Leser die Geschichte aus der Sicht des fünfundzwanzigjährigen Nick Beasley erzählt, der als Privatdetektiv in den Afterlands arbeitet und sich darauf spezialisiert hat, zu beweisen, dass Magie nicht existiert. Nick ist wirklich erfolgreich in seinem Beruf und hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur als Detektiv, sondern auch als Sprachkenner eine gewisse Berühmtheit erarbeitet, was dazu führt, dass er von Lord Whitlock und dessen Tochter Cordelia engagiert wird. Dummerweise führt dieser Auftrag dazu, dass Nick durch uralte Magie in ein Monster verwandelt wird, was nicht nur grundsätzlich eine unangenehme Situation ist, sondern auch das Todesurteil für seine Karriere bedeuten kann.

Gemeinsam mit Lady Cordelia macht sich Nick daran, mehr über den Fluch herauszufinden, der ihn in ein Monster verwandelt hat, um ihn zu brechen. Dabei lernt der Detektiv nicht nur mehr über Magie, als er jemals wissen wollte, sondern er muss auch eine Intrige vereiteln, die zum Ende der bestehenden Gesellschaft führen könnte. Ich mochte an der Geschichte sehr den ungewöhnlichen Blick auf vertraute Märchen und all die Hintergründe und „wahren“ Vorfälle, die sich Kyle Robert Shultz für seinen kurzen Roman ausgedacht hat. Der Autor beschränkt sich nicht nur darauf, die eh schon düsteren Seiten von Märchen zu betonen, sondern entwickelt seine eigene – häufig zynisch wirkende – „wahre Geschichte“ hinter den verschiedenen Märchen. Trotz dieser düsteren Märchenelemente ist „The Beast of Talesend“ eine amüsante und fluffige Geschichte, bei der man nicht nur über die diversen absurden Vorfälle schmunzeln kann, sondern auch über das Verhältnis der Charaktere zueinander und die daraus resultierenden Dialoge.

Ich mochte nicht nur Nick, der bei aller Pedanterie und Selbstgefälligkeit überaschend sympathisch war, sondern auch Lady Cordelia mit all ihren impulsiven Einfällen und Nicks kleinen Bruder Crispin, der so liebenswert unvernünftig dargestellt wurde, dass es schon fast zu klischeehaft war. Nicks Gegenspieler blieb im Vergleich dazu ziemlich blass, und dass die Beherrschung der Welt sein einziges Motiv zu sein schien, fand ich auch etwas schwach. Aber grundsätzlich hat mich diese Darstellung nicht so sehr gestört, dass ich mich dadurch weniger amüsiert hätte. Ein bisschen hat mich „The Beast of Talesend“ an die „Castle Charming“-Geschichten von Tansy Rayner Roberts erinnert, wobei Kyle Robert Shultz neben dem Märchenhaften eine deutliche 20er-Jahre-Atmosphäre in seinen Roman eingebaut hat, die der Handlung wirklich gut getan hat. Die Figuren von Tansy Rayner Roberts berühren mich mehr als Nick, Crispin und Cordelia, aber ansonsten mag ich bei beiden Autoren den ungewöhnlichen Blick auf Märchen und die amüsante Erzählweise, bei der man die Geschichte einfach nicht aus der Hand legen mag, weil jederzeit wieder etwas überaus Absurdes und Unterhaltsames passieren wird.

Herbstlesen im Oktober (So., 20. Oktober)

Mir ist gerade erst aufgefallen, dass heute ja nicht nur das Herbstlesen, sondern auch der monatliche Lese-Sonntag ist – wie kann es sein, dass wir schon das dritte Oktoberwochenende erreicht haben? Nachdem ich gestern das Lesen von „White Hot“ so sehr genossen habe, werde ich heute damit auch weitermachen, außerdem haben mein Mann und ich geplant, dass wir heute zusammen puzzeln wollen. Aber vorher gönne ich mir noch eine Harry-Dresden-Kurzgeschichte und erledige den Abwasch, den ich seit Freitagabend dezent ignoriere und nun wirklich mal in Angriff nehmen sollte. 😉

Update 11:00 Uhr

Die heutige (ziemlich lange) Kurzgeschichte drehte sich vor allem um Molly (Harrys Lehrling), die ohne Harry auf der Straße überleben muss und dabei versucht ihre Magie so einzusetzen, wie er es (ihrer Meinung nach) tun würde. Ich mag es, wie Molly beschrieben wird – sie ist skrupellos, sie nimmt magische Abkürzungen und das alles passt zu ihrer weiteren Entwicklung. Außerdem finde ich Jim Butchers Versuch jemanden „nach Harrys Vorbild“ handeln zu lassen unterhaltsam zu lesen, weil man so einen idealisierten Harry präsentiert bekommt, ohne all seine Gedanken mitzubekommen, die zeigen, dass ihm durchaus bewusst ist, dass er gerade Mist gebaut hat oder dass seine Motive bei einer Handlung nicht ganz so edel sind, wie er selber gern glauben würde. Ich mochte die Geschichte („Bombshells“), aber ich muss trotzdem zugeben, dass Jim Butcher besser darin ist aus der Sicht von Männern zu schreiben als aus der Perspektive einer Frau.

Einen Teil der Zeit seit dem letzten Update habe ich nicht nur „normal“ online verbracht, sondern ich musste auch unbedingt den Text von „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ nachschauen, weil mein Mann das nicht kannte, obwohl das Lied meinem Gefühl nach zum Allgemeinwissen (in „Westdeutschland“?) gehört. Ansonsten ist die Küche inzwischen ordentlich (also so ordentlich wie sie sein kann, wenn man lauter Sachen auf der Arbeitsplatte lagert), die Kartoffeln fürs Abendessen sind vorgekocht und mein Frühstück ist fertig, was bedeutet, dass ich mich damit auf dem Sofa einrollen und noch ein bisschen in „White Hot“ lesen werde, bis mein Mann mit mir anfangen mag zu puzzeln.

Update 17:00 Uhr

Bis ich dann mit meinem Frühstück und der Blog- und Kommentarrunde fertig war (sagt mal, seid ihr heute alle gleichzeitig online gegangen? *g*), war es dann doch schon wieder 13:00 Uhr und mein Mann wartete auf mich, damit wir endlich mit puzzeln anfangen konnten.

Wir haben uns heute ein Hellboy-Puzzle vorgenommen, dass sich mein Mann beim „Hellboy Day“ im März gegönnt hatte. Dazu gab es – nachdem wir die Stereoanlage im Wohnzimmer ab- und im Durchgangszimmer aufgebaut hatten – von David Nathan gelesene Geschichten von Lovecraft. Genau genommen haben wir die Geschichten „Das Fest“, „Stadt ohne Namen“, „Die Katzen von Ulthar“, „Der Alchemist“, „Geschichte des Necronomicons“ und „Das gemiedene Haus“ gehört, bis ich gerade keine Lust hatte länger am Tisch zu sitzen und mich nach Sofa und Buch sehnte. 😉

Aber wir sind mit dem Puzzle ganz schön weit gekommen und wenn das Licht im Durchgangszimmer besser wäre, wäre es sogar ein bisschen einfacher all die sehr ähnlichen Blauschattierungen auch besser auseinander zu halten. *g*

Update 20:45 Uhr

Heute rennt die Zeit wieder sehr schnell. *g* Seit dem letzten Update habe ich vor allem in „White Hot“ gelesen (und ich winde mich immer noch bei dem Titel). Ich mag die Figuren, ich mag die Geschichte und ich finde das Ganze trotz der diversen Dramen wunderbar erholsam. Gegen halb acht bin ich dann in die Küche gewandert und habe angefangen Spinat zu putzen (wieso vergesse ich eigentlich immer, wie lange das dauert?), um eine „Würzige Spinat-Kartoffel-Pfanne“ nach einem Gericht von Hugh Fearnley-Whittingstall zu kochen. Das war mein erster Versuch damit und die leicht angebratenen Kartoffen, mit Spinat, Zwiebeln, Knoblauch und den scharfen Gewürzen waren verflixt lecker! Wenn ich mich häufiger dazu aufraffen kann frischen Spinat zu verarbeiten, wird es das Gericht in Zukunft definitiv öfter geben. Bevor ich zum DS greife, um Animal Crossing zu spielen, drehe ich erst einmal eine Blog- und Kommentarrunde und schaue, wie es euch den Abend über ergangen ist.

Update 0:15 Uhr

Ups, etwas später als geplant, aber dafür habe ich nicht nur „Blümchen gegossen“, sondern auch meinen Roman ausgelesen. Natürlich bin ich nach dem Ende nun neugierig auf die Fortsetzung, aber die muss noch eine Weile warten, ich habe nicht nur genügend angefangene Bücher und Bibliotheksausleihen im Haus, ich will auch nicht das Risiko eingehen, dass ich von der Reihe übersättigt werde. 😉 Es war heute wieder sehr nett, dass ich mit euch gemeinsam den Herbstlese-Sonntag verbringen durfte! Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen und erholsamen Tag! Gute Besserung an all diejenigen von euch, die mit Halsschmerzen und Erkältungen kämpfen! Kommt gut durch die Woche und gönnt euch genügend Erholungszeiten. 🙂

***

Heutige Mitleserinnen:

Kiya
Helma
Natira
Ina
Anette
JED
Sunny

Herbstlesen im Oktober (Sa., 19. Oktober)

Seit ich mir am Dienstag vorgenommen hatte, dass ich doch mal etwas konzentrierter bei meinen angefangenen Büchern bleibe und nicht ständig etwas Neues anfange, habe ich auch wirklich einige Romane ausgelesen. Besonders leicht fiel es mir bei den Krimis dranzubleiben und nicht ständig zu einem anderen Buch zu greifen, weshalb ich inzwischen „Ordeal by Innocence“ von Agatha Christie und „Das verlorene Gedicht“ von Deborah Crombie beendet habe. Danach hat die Zeit dann auch noch für „Drowned Ammet“ von Diana Wynne Jones gereicht, bevor mich die Arbeit am Ende der Woche wieder einholte. 😉 Dummerweise habe ich jetzt keine Krimis mehr auf meinen Stapeln mit angefangenen Bücher, auf der anderen Seite sollte ich an diesem Wochenende vielleicht eh mal mit den Bibliotheksbüchern beginnen, die ich vor zehn Tagen ausgeliehen und seitdem nicht weiter beachtet habe. *g* Da ich heute Vormittag zum Frühstücken im (alten) Lieblingscafé verabredet bin, schiebe ich die Entscheidung noch ein bisschen vor mir her und greife jetzt erst einmal zu der Anthologie mit Harry-Dresden-Kurzgeschichten.

Update 8:45 Uhr

Da mein Mann und ich noch ein paar Dinge zu schwatzen hatten, hat die Zeit nicht einmal zum Beenden der ersten Kurzgeschichte gereicht. Immerhin kann ich sagen, dass ich auch die dritte Bigfoot-Geschichte in dieser Anthologie bislang mag. Irwin studiert inzwischen und ist eindeutig erwachsen geworden – was es für Harry nicht einfach macht, sich in sein Leben einzumischen. Dazu kommt, dass Irwins Freundin (ohne es selbst zu wissen) eine weiße Vampirin ist und ihr Vater auch nicht so begeistert davon, dass ein berüchtigter Zauberer sich in das Leben seiner Tochter einmischt. Ich finde es nett zu sehen, wie sich Irwin entwickelt hat, und ich mag die Erzählweise (Harry erzählt die Geschichte dem Campus-Polizisten). Jetzt muss ich mich aber beeilen, damit ich pünktlich zu meiner Verabredung komme. Ich melde mich, wenn ich wieder Zuhause bin, bis dahin wünsche ich euch einen wunderschönen und entspannten Samstagvormittag! 🙂

Update 14:45 Uhr

Wie immer bin ich total überrascht, wenn ich sehe wie schnell die Zeit vergeht, während ich doch nur den „Vormittag“ über frühstücken war. 😉 Auf jeden Fall habe ich sehr schöne Stunden mit Neyasha im Café verbracht und wir haben uns über alle möglichen Themen unterhalten. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sie ihren „freien“ Vormittag vor ihrer Rückreise mit mir verbringen mochte und hoffe, sie kommt heute wieder gut nach Hause. 🙂 Gelesen habe ich heute auch noch ein bisschen, da ich während der Straßenbahnfahrt sowohl auf dem Hin-, als auch auf dem Rückweg einen Sitzplatz ergattern und meinen eReader zücken konnte. (Theoretisch könnte ich auch im Stehen damit lesen, aber das finde ich doch etwas lästig – vor allem, weil man in den älteren Bahnen vor allem im Türbereich steht und da an den Haltestellen immer von einer Seite zur anderen wandern darf.) Spontan hat mich dann heute morgen „White Hot“ von Ilona Andrews angesprochen, die Fortsetzung von „Burn for Me“ (die Titel und Cover sind so schrecklich, dass ich ausnahmsweise froh bin, dass man die beim eReader kaum zu Gesicht bekommt). Jetzt schaue ich erst einmal, wie es euch heute bislang so ergangen ist, und greife dann wieder zum Buch.

Update 18:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich viel Zeit online verbracht, um Blogs zu lesen, zu kommentieren und auf Twitter über „Doreamon – Story of Seasons“ zu reden (das habe ich in den letzten zwei Wochen wirklich vermisst, da die Person, mit der ich mich sonst über solche Spiele austausche, erst heute wieder online war). *g* Zwischendurch habe ich noch „Bigfoot on Campus“ ausgelesen und mich darüber gefreut, dass Harry als „Bezahlung“ für den aktuellen Job ausgehandelt hatte, das Irwin endlich seinen Vater kennenlernen würde. Ansonsten hätte ich die (wenn auch nicht zum Glück nicht sooo detailiert beschriebene) Orgie in der Geschichte nicht gebraucht, auch wenn es insofern stimmig war, dass Irwins Freundin als weiße Vampirin sich nun mal von Sex „ernährt“.

Ich sollte zum Fotografieren wirklich mal das Licht anmachen … *g*

Zum Kuchen (den ich heute auf dem Heimweg vom Frühstück besorgt hatte – schließlich muss man seine Mahlzeiten gut planen!) habe ich dann „White Hot“ weitergelesen. Ich mag auch in diesem zweiten Band die Protagonistin sehr gern, gerade weil sie nicht perfekt ist und regelmäßig auf ihr Herz statt auf ihre Vernunft hört. Außerdem bin ich wirklich fasziniert davon, dass mich der „Beziehungsteil“ in der Geschichte so gar nicht stört, obwohl die Tatsache, dass Nevada und Connor „Mad“ Rogan sich nach den Ereignissen in „Burn for Me“ nicht wiedergesehen haben, schon Raum in Nevadas Gedanken einnimmt. Aber sie lässt sich davon nicht von ihrem aktuellen Fall (ein Mord an einer Anwältin, der anscheinend vom Arbeitgeber der Frau vertuscht wird,) ablenken. Und obwohl sie es schade findet, dass Rogan anscheinend nicht an ihr interessiert ist, weil sie ihn gern besser kennengelernt hätte, jammert sie dem Ganzen nicht nach, sondern lebt damit. Natürlich ist für den Leser von anfang an klar, dass es nicht so lange dauern wird, bis Rogan wieder auftaucht und eine Rolle in der Geschichte spielen wird, aber solange die Handlung sich trotzdem weiterhin vor allem um die Ermittlungen dreht, ist das nicht nur vollkommen okay, sondern bietet auch Stoff für amüsante Szenen mit Nevadas Familie (zumindest ihre Großmutter und ihre jüngeren Schwestern wollen sie nämlich unbedingt mit Rogan verkuppeln, auch wenn sie keine Ahnung haben, wie sie das anstellen sollen). Ähm, sorry, wie ihr seht, beschäftigt mich die Einbindung von Liebesgeschichten in Urban-Fantasy-Romane immer noch sehr.

Update 10:15 Uhr

Meine Käse-Neuentdeckung: Möhrengouda von unseren Bio-Gemüsekisten-Anbieter! So lecker! 🙂

Ich fühle mich wirklich gut von „White Hot“ unterhalten, ich mag die Charaktere und trotz diverser dramatischer (und trauriger) Szenen, kichere ich immer wieder vor mich hin, weil ich einige Dialoge so lustig finde. Mir tut diese Art von „leichte Unterhaltung“ gerade erstaunlich gut, ohne dass mir vorher bewusst war, dass ich genau das gerade benötige. Es war also doch ganz gut, dass ich heute nicht zu meinen Bibliotheksbüchern gegriffen habe. 🙂 Da ich gerade so viel Spaß mit dem Roman habe, gab es bei uns heute recht spät Abendessen, und seitdem haben wir nur noch „Animal Crossing“ gespielt, was auch etwas länger dauerte, da wir zu zweit Unkraut in meinem Dorf zupfen mussten. (Verratet Gerd bloß nicht, dass ich das in den vergangenen Wochen extra stehengelassen habe, damit es von ihm fürs Zupfen eine Belohnung gibt! 😉 )

Da ich bis zum Schlafengehen nur noch eine Blog- und Kommentarrunde drehen und dann weiter in „White Hot“ lesen werde, war das für heute mein letztes Update. Ich hoffe, euer heutiger Herbstlesentag war genauso schön und entspannt wie meiner! Gute Nacht! 🙂

***

Heutige Mitleserinnen:

Natira
Anette
Kiya
JED
Helma

Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)

Der zweite Band des Dalemark-Quartets von Diana Wynne Jones – den ich bis zu diesem Lesen noch nicht kannte – bringt den Leser wieder in den Süden von Dalemark, genau genommen in das Reich des Herzogs Hadd. Dabei wird die Geschichte in „Drowned Ammet“ zu Beginn aus der Sicht von Mitt erzählt, den der Leser von seinen ersten (überraschend sorgenfreien) Lebensjahren an begleitet, nur um mitzuerleben, wie aus dem zufriedenen kleinen Jungen ein Mensch voller Rachefantasien und Hass wird. Denn Herzog Hadd ist ein grausamer und streitsüchtiger Mann, der keine Hemmungen hat, sein Volk mit seinen Steuern um seine Lebensgrundlage zu bringen. Auch Mitts Eltern gehören zu denen, die wenige Jahre nach Mitts Geburt ihr weniges Hab und Gut verlieren und Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen müssen. Die Menschen in seinem Land fürchten den Herzog, seine Soldaten und seine Spitzel, und so ist es kein Wunder, dass neben Armut und Angst auch die Wut und der Wille zur Rebellion in seinem Volk wachsen.

Auch Mitts Vater Al (beide heißen mit vollem Namen Alhammit) schließt sich nach dem Verlust seines Hofes in der Hafenstadt Holand einer Gruppe von Freiheitskämpfern an, doch er und seine Gefährten werden vor der Durchführung eines geplanten Anschlags verraten. Nachdem Mitt mit seiner Mutter zurückbleibt, schließt auch er sich den Freiheitskämpfern an, und ich muss zugeben, dass das ein Punkt war, wo mich Diana Wynne Jones ausnahmsweise nicht überzeugen konnte. Ich musste mir beim Lesen dieser Kapitel rund um Mitts Aufwachsen und sein Engagement für die Freiheitskämpfer immer wieder vorrechnen, dass Mitt noch sehr jung ist. Seine Familie kann es sich nicht leisten, ihn zur Schule zu schicken und er hat keine gleichaltrigen Freunde, mit denen er auf den Straßen spielen könnte. Stattdessen fängt er als Achtjähriger an, auf einem Fischerboot zu arbeiten, und alles, was er Tag für Tag hört, sind Klagen über die Ungerechtigkeit des Herzogs. Und wenn meine Rechnung stimmt (die auf so groben Angaben basiert wie „beim nächsten „Holand Sea Festival“, „im folgenden Sommer“ oder „wenige Wochen später“, dann ist er gerade mal elf oder zwölf Jahre alt, als er einen Anschlag auf den Herzog verübt.

Ein Kind, das unter diesen Umständen aufwächst, ist deutlich „erwachsener“ als ein Kind, das eine sorgenfreie Kindheit verbringen kann und sich keine Gedanken darüber machen muss, wo die nächste Mahlzeit herkommt. Auf der anderen Seite ist Mitt nicht erwachsen genug, um wirklich die Konsequenzen seines Tuns überblicken zu können, oder um die Motive und Aussagen anderer Menschen zu hinterfragen und sich seine eigene Meinung bilden zu können. Gerade seine emotionale Abhängigkeit von seiner Mutter erklärt sich für mich sehr dadurch, dass er eigentlich noch ein Kind ist. Dass ich mir aber all diese Dinge immer wieder vor Augen halten musste, hat für mich diese Kapitel etwas schwierig zu lesen gemacht, obwohl ich die Grundsituation spannend fand. Ich weiß nicht, ob ich als Kind/Jugendliche diese Passagen anders wahrgenommen hätte. Aber ich glaube, ich hätte damals auch schon Kleinkind-Mitt, der nicht verstehen kann, wieso seine Nachbarn Angst vor dem Soldaten haben, mit dem er sich gerade angefreundet hat, lieber gemocht, als den achtjährigen Mitt, der anscheinend nur zu seiner Mutter so etwas wie Zuneigung empfinden kann und für den alle anderen Menschen nur Mittel zum Zweck zu sein scheinen.

Auf der anderen Seite bekommt man die Geschichte aus Sicht von Hildy (Hildrida), der Enkeltochter von Herzog Hadd, erzählt. Hildys Temperament ähnelt von klein auf einer Naturgewalt, und nicht einmal ihr Vater traut sich, sich gegen sie zu stellen, wenn sie schlechte Laune hat. Dabei ist Hildy kein verwöhntes Kind oder eine Nervensäge, sie ist nur schrecklich frustriert von ihrer Rolle als Schachfigur bei den politischen Spielen ihres Großvaters, davon, dass ihr Vater seit dem Tod ihrer Mutter so gleichgültig geworden ist, und von all den anderen kleinen und großen Ungerechtigkeiten, die sie so erlebt. Hildy ist nicht gerade ein netter Charakter, aber ich fand sie auf Anhieb sympathisch. So ist es auch kein Wunder, dass die Geschichte für mich deutlich anzog, als Hildy, ihr Bruder Ynen und Mitt nach der Hälfte des Romans aufeinandertrafen und sich von diesem Zeitpunkt an mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihren Illusionen bezüglich der eigenen Person und ihren Vorurteilen gegenüber anderer Gesellschaftsschichten auseinandersetzen mussten. Dazu kamen noch wunderbar atmosphärische Segelszenen und ein Hauch Magie, und schon fühlte ich mich mit „Drowned Ammet“ wieder wohl und war neugierig auf die weitere Entwicklung der Geschichte.

Am Ende kann ich verstehen, wieso Diana Wynne Jones die erste Hälfte des Romans so erzählt hat, aber ich muss zugeben, dass mich dieser Teil trotzdem nicht ganz so überzeugt hat, wie es ihre Bücher normalerweise tun. Erst beim Lesen der zweiten Hälfte kam für mich das Gefühl auf, ich würde eine „richtige“ Diana-Wynne-Jones-Geschichte lesen, mit all ihren Untertönen und ihren bitteren und amüsanten Momenten. Doch während ich bei „Cart and Cwidder“ am Ende zufrieden mit dem Ausgang der Handlung und den Andeutungen über Morils Zukunft war, fühlen sich hier die letzten Seiten an, als ob mir die Autorin bislang nur einen langen Prolog erzählt hätte – und nun muss ich auf den vierten Teil der Reihe („The Crown of Dalemark“) warten, um zu erfahren, wie das Ganze ausgeht. Doch bevor ich zum vierten Band greife, werde ich erst einmal „The Spellcoats“ aus dem SuB fischen und mich mit der Geschichte in die Vergangenheit von Dalemark begeben.