Amanda Cross: Eine feine Gesellschaft (Kate Fransler 3)

Auch „Eine feine Gesellschaft“ von Amanda Cross (eigentlich Carolyn Heilbrun) gehört zu den Krimis, die ich gelesen habe, weil ich herausfinden wollte, ob mir diese Reihe noch gefällt. Da es keine Reihenangaben auf meinen dtv-Ausgaben gibt, habe ich einfach einen Band aus dem Regal gefischt, dessen Klappentext mich ansprach. Schließlich habe ich die Bücher früher mehrfach gelesen, so dass ich auch dann mit den Figuren und ihrer aktuellen Situation zurechtkomme, wenn ich nicht mit dem ersten Band anfange. Die Kriminalromane von Amanda Cross drehen sich alle um die Literaturprofessorin Kate Fransler, die gemeinsam mit ihrem Bekannten (bzw. späteren Ehemann) Reed Amhearst Fälle löst. All diese Fälle spielen im akademischen Milieu, und auf die Lösungen kommt Kate, während sie sich mit den verschiedenen Beteiligten unterhält (wobei in die Gespräche immer wieder literarische Anspielungen und Zitate eingeflochten werden).

Die Handlung von „Eine feine Gesellschaft“ spielt während der Studenten-Demonstrationen im Jahr 1968 (der Roman wurde 1970 erstveröffentlicht) und die Forderungen und Handlungen der Studenten haben die Universität, an der Kate Fransler lehrt, zutiefst erschüttert. Während die Verwaltung und der Lehrkörper noch versuchen, mit all den Veränderungen umzugehen, gibt es gleichzeitig eine Gruppierung unter den Professoren, die im Rahmen der Neuordnung auch das „University College“ abschaffen wollen. Dabei waren es gerade die Studenten des University College (wo ältere und in der Regel berufstätige Studenten Kurse belegen), die sich von den Unruhen ferngehalten und weiter ihre Lehrveranstaltungen besucht haben. Noch bevor dieser Konflikt geklärt werden kann, wird Professor Cudlipp – der Organisator dieser Abspaltungsbestrebungen – auf Kates Verlobungsparty ermordet.

Ich muss gestehen, dass ich eine Schwäche für „akademische“ Krimis habe, und die Zeit, in der die Autorin ihre Geschichte spielen lässt, sehr spannend finde. Auf der anderen Seite sind die Gespräche zwischen Kate und all den anderen Akademikern dank der vielen Anspielungen, Zitate und Abschweifungen häufig nicht gerade flüssig zu lesen. Vor allem ist Kate Fransler eine Anhängerin des Schriftstellers W. H. Auden, was zu einem sehr häufigen Zitieren und Verweisen auf seine Werke führt und stellenweise so gehäuft vorkommt, dass ich den Namen Auden irgendwann kaum noch sehen konnte. Da Carolyn Heilbrun selbst Professorin für englische Literaturwissenschaft war, habe ich mich zwischendurch gefragt, ob sie und ihre Kollegen sich Ende der 60er Jahre wirklich so unterhalten haben oder ob die Autorin die „unterhaltsame“ Überspitzung dieses intellektuellen Austauschs doch etwas übertrieben hat.

Auch gibt es stellenweise Bemerkungen, die ich heutzutage bei einem Autor deutlich kritisieren würde, weil ich sie als sexistisch oder abwertend empfinde, während sie hier amüsant sein sollen. Aber da ich hier das Gefühl habe, dass ich bei diesen Punkten auch die Zeit, in der der Roman geschrieben wurde, und den Stand der damaligen feministischen Debatte oder bei der Auseinandersetzungen mit anderen Kulturen in Betracht ziehen muss, kann ich diese Aussagen nicht so verdammen, wie ich es sonst tun würde. Vor allem, da im restlichen Text deutlich wird, dass Amanda Cross bei diesen Passagen eigentlich den traditionellen Universitätsbetrieb mit all seinem elitären Gehabe an den Pranger stellen und darauf aufmerksam machen will, dass auch solche Institutionen – bei aller Sentimentalität über den Reiz eines solchen geschützten Elfenbeinturms – dringend moderner, offener und gleichberechtiger werden müssen.

Trotz all dieser Kritik an den Dialogen, der Masse an Zitaten und einigen Ausdrücken muss ich zugeben, dass ich mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt habe. Ich mochte die verschiedenen Figuren – gerade weil so viele von ihnen so sehr von ihrem Spezialgebiet besessen sind, dass sie es in fast jedes Gespräch einfließen lassen. Mir gefiel die Selbstironie, mit der viele der Professoren über sich und ihr Fach redeten. Außerdem mochte ich das Verhältnis zwischen den verschiedene Personen inklusive der Offenheit, mit der auch schon mal zugegeben wurde, dass man sein Gegenüber nicht leiden kann. Dazu kommen noch unterhaltsame Elemente wie die subversiven Fahrstühle und ein ungewöhnlicher Fall, bei dem der Leser schon früh die verschiedenen Beteiligten und ihre Standpunkte kennenlernt. Dabei bleibt das Motiv lange Zeit ebenso undurchsichtig wie der Zeitpunkt, an dem die „Mordwaffe“ in den Besitz des Toten gekommen sein könnte, und man darf von diesem Roman am Ende keine klassische Auflösung des Falls erwarten. Nach diesem erneuten Lesen läuft mein Fazit darauf hinaus, dass Amanda Cross zwar nicht gerade zu meine Lieblings-Krimiautorinnen gehört, aber ihre Romane bleiben trotzdem noch eine Weile in meinem Regal, weil sie in meiner „Sammlung“ zu den einzigen ihrer Art gehören und ein interessantes Zeugnis ihrer Zeit darstellen.

Lese-Sonntag im Juni

Ich habe keine Ahnung, wo der vergangene Monat geblieben ist (abgesehen von den zehn Urlaubstagen meines Mannes inklusive Nippon-Connection, den diversen Projekten und dem weiteren Bücherräumen 😉 ), aber heute ist schon wieder der dritte Sonntag im Monat. In den letzten Wochen habe ich viel Manga gelesen, nicht nur, weil ich eh Lust darauf hatte, sondern weil die sw-Zeichnungen und Sprechblasen in unserer verdunkelten Wohnung weniger anstrengend für die Augen sind als Romane. Wenn es dann doch mal ein „richtiges“ Buch sein sollte, dann warteten einige ältere Krimis auf mich, die ich viel zu lange nicht mehr in der Hand hatte. Allerdings habe ich da einige der Bände nur angelesen und dann mit einem hübschen Lesezeichen versehen auf dem Tisch neben dem Sofa gestapelt. *hüstel*

Gestern Abend zog es mich aber doch mal wieder zu Fantasy, jdenn nachdem ich meinen Bestand in den letzten Tagen durchsortiert hatte, fielen mir meine „Circle of Magic“-Bände von Tamora Pierce in die Hände. Bei „Sandry’s Book“ fehlen mir jetzt nur noch ungefähr 50 Seiten bis zum Ende und es macht so viel Spaß die Charaktere und die Welt wiederzusehen – ich freu mich schon aufs Weiterlesen! Aber vorher sollte ich wach genug werden, damit ich auch lesen kann. 😉

Update 10:15 Uhr

Sommerliche Verdunklung am frühen Morgen – nicht schön, aber notwendig.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich dann heute morgen zum Buch gegriffen habe. Immerhin habe ich in der Zeit den Feedreader geleert und meinem Mann zugehört, der mir seinen sehr absurden Traum der vergangenen Nacht erzählte. Inzwischen habe ich aber „Sandry’s Book“ beendet und es so genossen diese Geschichte endlich wieder lesen zu können. Die Emelan-Romane von Tamora Pierce haben mich seit dem ersten Lesen noch etwas mehr berührt als ihre Tortall-Geschichten und ich finde es unglaublich schade, dass die Autorin aufgrund von Problemen mit dem Verlag keine weiteren Romane, die in dieser Welt spielen, schreiben kann.

Während ich „Sandry’s Book“ las, habe ich darüber nachgedacht, warum mich diese Geschichten so ansprechen und inzwischen glaube ich, dass es an zwei Aspekten liegt. Auf der einen Seite merkt man deutlich, dass Tamora Pierce seit dem Schreiben ihrer Alanna-Bücher sehr, sehr viel über das Thema Weltenbau gelernt hat, so dass schon der Einstieg in die Emelan-Romane mit einer deutlich umfangreicheren und stimmigeren Welt passiert als bei den Alanna-Geschichten. Zu Beginn von „Sandry’s Book“ lernt man die vier Protagonisten Sandrilene (Sandry) fa Toren, Trisana (Tris) Chandler, Daja Kisubo und Roach Briar Moss kennen und schon in diesen kurzen „Vorstellungsszenen“ lernt man so viel über die Welt, in der die vier unterschiedlichen Charaktere leben. Auch wenn man nicht genau erfassen kann, wie Dajas Leben als Teil eines reisenden Volkes von Kaufleuten genau aussieht, wird deutlich, dass ihre Wertvorstellungen, ihr Familienleben, ihr Alltag aus Sicht des Lesers relativ ungewöhnlich ist. Und Tamora Pierce gelingt es diese persönliche Perspektive durchgehend stimmig beizubehalten, so dass auch in den folgenden Kapiteln und Romanen immer wieder deutlich wird, dass Daja zum Beispiel aus einer anderen Kultur kommt oder dass Briar aufgrund seiner Kindheit in einer Diebesbande automatische den Wert und die Stehlbarkeit von Dingen einschätzt (auch wenn er sie nicht mehr stehlen würde). Bei den Tortall-Büchern kamen all diese Elemente erst nach und nach und wurden davon beeinflusst, dass Tamora Pierce die anfangs nur grob erdachte Welt – trotz aller großen Ereignisse – ja nicht so sehr verändern konnte, dass sie nicht mehr zu den ersten Geschichten passte.

So ein Schreck, als ich in der Buchhandlung sah, dass jemand in dem Buch rumgekritzelt hatte. Es hatte damals etwas gedauert, bis ich die Signatur der Autorin erkannte. *g*

Außerdem dreht sich die Magie in den Emelan-Romanen vor allem um handwerkliche Elemente. Sandry lernt Spinnen, Weben, Nähen und alles andere rund um Fasern, Wolle und Stoffe, Daja wird in allen Bereichen der Schmiedekunst ausgebildet und Briars Leben dreht sich vor allem ums Gärtnern und ihrer aller Magie wird davon beherrscht, wie gut sie in ihrem Handwerk sind und wie viel Basiswissen sie über ihr jeweiliges Element besitzen. Tris ist die einzige Ausnahme, da ihre Magie sich aufs Wetter bezieht, aber auch hier gibt es genügend Bemerkungen zum Thema Meterologie, Astronomie, Geografie und ähnliches, dass es sich stimmig in die sonst eher handwerklichen Ausbildungen der anderen fügt. Ich finde diese Variante von Magie nicht nur stimmiger als Alannas Gespräche mit der Göttin und einer Magie, die gefühlt ohne greifbare theoretische Struktur entsteht, sondern es kommt auch meiner Vorliebe für gut geschriebene Szenen mit Handwerksbeschreibungen entgegen.

Bevor ich mir nun überlege, was ich als nächstes lese, mache ich mir erst einmal Frühstück – so langsam bekomme ich Hunger. 😉

Update 12:45 Uhr

Seit dem letzten Update gab es für mich Frühstück, eine Kurzgeschichte und ein paar Seiten in dem zweiten „Circle of Magic“-Romanen. Eigentlich wollte ich nach Natiras dezentem Hinweis zum dritten Velveteen-Band greifen, aber da das Tablet, mit dem ich auf Skoobe zugreifen kann, mal wieder energielos war, musste ich mir eine Alternative suchen. Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum ich so selten mit dem Tablet und über Skoobe Romane lese. Ich finde die Akkuzeiten, das ständige Laden und die Tatsache, dass das Gerät sich auch bei Nichtbenutzung komplett entlädt, einfach lästig. Das bekomme ich nur auf die Reihe, wenn ich das Tablet aus irgendeinem Grund täglich nutze. Jetzt hängt es auf jeden Fall erst einmal am Strom und ich musste mir eine Alternative suchen.

Französisches Weißbrot mit „Erdbeer-Sahne-Schaum“, Sechs-Körner-Brot mit Gouda und das Beste von allem: Leerdammer mit Chili-Paprika-Fruchtaufstrich. Die Kombination habe ich in den letzten zwei Wochen für mich entdeckt und das ist sooooo lecker!

Zum Frühstück gab es also die erste Kurzgeschichte aus „Urban Enemies“, dem Gegenstück zu „Urban Allies“, das ich während des Herbstlesens 2016 gelesen habe. Während in „Urban Allies“ zwei Autoren eine Geschichte schrieben, in der ihre Protagonisten zusammenarbeiten mussten, gibt es in „Urban Enemies“ leider keiner gemeinsam geschriebenen Geschichten. Dafür drehen sich die Handlungen um die „Bösewichte“, die in den jeweiligen Roman(reih)en der Autoren eine wichtige Rolle spielen. Bei „Even Hand“ von Jim Butcher dreht sich die Handlung um „Gentleman John Marcone“ einem klassischen Chicagoer Gangster, der schon sehr früh in den Harry-Dresden-Romanen eine wichtige Rolle als Gegner des Zauberers spielte. Hier bittet eine junge Frau den Gangster um Hilfe und auch wenn er definitiv kein netter Mensch ist, gibt es Gründe, warum er ihr diese Hilfe gewährt.

Ich mochte die Geschichte, finde es aber bei Jim Butcher immer wieder bedauerlich, dass man seine Kurzgeschichten wirklich nur lesen kann, wenn man mit den Romanen auf dem aktuellen Stand ist. Ohne das Wissen um die Vorgänge in den Harry-Dresden-Bänden gibt es sowohl zu viele Spoiler, als auch eine Menge Elemente, die man nur versteht, wenn man weiß, in welcher Beziehung der jeweilige Charakter zu Harry Dresden und die Personen rund um ihn herum steht. Und da ich noch ein paar Möhrchen zu knabbern hatte, gab es noch die ersten zwei Kapitel aus „Tris’s Book“, dem zweiten „Circle of Magic“-Band. Nachdem ich gerade eine kleine Blogrunde gedreht und Kommentare beantwortet habe, wird jetzt erst einmal Christie versorgt und dann schaue ich, was ich weiterlese. Solange mein Mann das 24-Stunden-Rennen von Le Mans schaut, brauche ich neben dem Lärm eh einfache Lektüre – ach, grundsätzlich brauche ich gerade leichte Lektüre 😉 – und da wir heute aus Platzgründen kein „Gloomhaven“ spielen werden, kann ich gemütlich von Buch zu Buch springen, ohne mir Gedanken über eventuelle Unterbrechungen am Nachmittag zu machen.

Update 19:00 Uhr

Seit dem letzten Update habe ich meine Nase vor allem in „Tris’s Book“ gesteckt und den Roman – von der einen oder anderen kurzen Unterbrechung abgesehen – in einem Zug durchgelesen. Ich genieße es so sehr mitzuerleben, wie die vier Protagonisten langsam im Tempelgebiet (wo sie die Beherrschung ihrer Magie lernen sollen) ankommen, wie sich ihre Freundschaft aufbaut und wie sie verstehen lernen, was ihre Magie überhaupt ist und welche Gefahren und welche Verantwortung damit einhergeht. Trotz all dieser Veränderungen gelingt es Tamora Pierce den  Kinder weiterhin innerhalb der von ihnen gewohnten Rahmen denken zu lassen. Sehr schön fand ich dabei, wie Briar zuhörte, wie zwei Kaufleute sich über eine Erbschaft unterhielten, und während ihm schon bewusst ist, dass ein Magier theoretisch viel Geld verdienen kann, bringt er dieses Wissen nicht mit seiner Person in Verbindung. Stattdessen denkt er darüber nach, dass er mit seinem „Erbe“ etwas anderes anzufangen wüsste, als die Person, über die die beiden Kaufleute redeten, und macht sich dann über sich selber lustig, weil er genau weiß, dass ein (ehemaliges) Straßenkind und Dieb niemals genügend Vermögen zusammen bekäme, um etwas zu vererben. Ich mag diese Details und ich stelle mal wieder fest, dass ich bei guten Romanen immer wieder neue Dinge für mich entdecken kann – ganz unabhängig davon, wie oft ich sie schon gelesen habe. 🙂

Als ich mit dem Roman fertig war, hatte gerade mein Mann den Laptop beschlagnahmt, also habe ich erst einmal den Salat fürs Abendessen vorbereitet und dann zu „Velveteen vs. the Seasons“ gegriffen und die erste Geschichte („Velveteen vs. Hypothermia“) gelesen. Ich muss gestehen, dass ich diese Kurzgeschichte nicht ganz so genießen konnte, wie ich gern hätte, weil ich einfach zu lange raus bin aus dieser Welt. Es ist 3 1/2 Jahre her, seitdem ich „Velveteen vs. the Multiverse“ gehört habe und als ich Velveteen verließ, war ihr Leben nicht gerade unkompliziert inklusive Paralleluniversen und diverser Verbündeter und Erzfeinde. Ich denke, ich werde im Laufe der nächsten Geschichten wieder in die Handlung reinfinden, aber momentan ist es etwas schwierig.

Gleich gibt es erst einmal Abendessen und danach schaue ich mal, womit ich mich den Rest des Abends beschäftige. Mein Mann hat für sich einen Film (die Verfilmung einer Lovecraft-Geschichte) eingeplant, der mich nicht so interessiert, also kann ich mich wieder ganz aufs Buch stürzen – es sei denn die Geräuschkulisse wird zu aufdringlich fürs gemütliche Lesen. 😉 Auf jeden Fall gibt es heute Abend von mir noch ein Update!

Update 21:30 Uhr

Zum Abendessen gab es heute nur Gurkensalat und ein Käsebrot. Nachdem wir gestern gleich drei (wenn auch kleine) Brote gekauft haben, hatten wir beschlossen, dass wir das mit dem Kochen sein lassen, um die Brote auch so frisch wie möglich bewältigt zu bekommen. Außerdem hat das den Vorteil, dass ich mir trotz akuter Kochunlust kein Essen einfallen lassen musste, das ich schnell auf Reihe bekomme. 😉

Während Christie sich den gesamten Tag im Durchgangszimmer (langausgestreckt auf dem Tisch liegend) aufgehalten hat, kam sie nach dem Essen vorbei, um mir etwas Gesellschaft zu leisten, während ich meine „Blümchen goß“ …

… das sind die einzigen Tagen, an denen ich mich nach den alten Animal-Crossing-Spielen sehne, denn da musste man bei Regen keine Blumenpflege betreiben. 😉

Mit einem Bild von meinem selbstgemachten Himbeer-Joghurt-Eis (und einem winzigen Blick auf das Buchcover) beende ich den heutigen Lesetag-Post. Ich werde mich bis zum Schlafengehen nur noch mit „Daja’s Book“, dem dritten „Circle of Magic“-Band einrollen, und darüber wird es vermutlich nicht so viel zu erzählen geben.

Es war wieder nett, den Sonntag gemeinsam mit euch zu verbringen! Habt einen schönen Start in die Woche und vielleicht treffen wir uns ja im Juli wieder zum gemütlichen Lesen. 🙂

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Heutige Mitleser:

Natira
Helma
Neyasha

G. A. McKevett: Nicht ohne meine Schokolade (Savannah Reid 1)

Als ich vor ein paar Tagen mein Krimiregal nach lange nicht gelesenen Romanen durchsuchte, bin ich über „Nicht ohne meine Schokolade“ von G. A. McKevett gestolpert und musste mir eingestehen, dass ich mich so gut wie gar nicht mehr an den Inhalt des Buches erinnern konnte. Was ganz eventuell daran liegt, dass ich diesen Band vermutlich zuletzt vor fünfzehn Jahren in der Hand hatte und diese Sorte 90er-Jahre-Krimis sich doch etwas ähnelt. Weil ich eh Lust auf einen Krimi hatte, schien mir der Zeitpunkt perfekt, um den Roman zu lesen und so endgültig zu entscheiden, ob er (mitsamt dem Folgeband) im Regal stehen bleiben darf.

Die Geschichte spielt in Südkalifornien und wird aus der Perspektive von Savannah Reid – einer echten Südstaatenlady – erzählt. Savannah ist eine Polizistin mit langjähriger Erfahrung und einem Arbeitspartner namens Dirk, dessen Macken und Stärken sich gut mit ihren ergänzen. Umso überraschter ist Savannah, als ihr Vorgesetzter sie alleine auf einen Fall ansetzt, bei dem es sich um den Mord an dem Modedesigner Jonathan Winston handelt. Schon früh findet Savannah raus, dass die von ihr sehr bewunderte Ehefrau des Opfers, Stadträtin Beverly Winston, ein gutes Motiv gehabt hätte, um ihren Mann zu töten. Die Stellung der Verdächtigen führt dazu, dass der Polizeichef Norman Hillquist die Ermittlungen nicht ganz so professionell wie gewohnt leitet und stattdessen lieber übereilt Jonathan Winstons Hausmeister zum Verdächtigen Nr. 1 erklären möchte.

Aber natürlich ist die untreue Ehefrau nicht die einzige Person, die ein Motiv gehabt hätte, um Jonathan Winston umzubringen. Schnell entdeckt Savannah weitere Verdächtige, die nicht gut auf den Verstorbenen zu sprechen waren, und eine Frau, die hoffte, vor ihr läge eine gemeinsame Zukunft mit Jonathan. Ich mag es sehr, wie G. A. McKevett die Handlung in einer Mischung aus beruflichen und privaten Elementen rund um Savannah erzählt und wie die Autorin Verdächtige schafft, mit denen man auf der einen Seite Mitleid hat, obwohl man sich auf der anderen Seite genügend Gründe vorstellen könnte, warum sie den Mann umgebracht haben. Ein bisschen hat mich das Ganze an eine „Columbo“-Folge erinnert, wo häufig die sympathischsten Figuren (und die, mit denen Columbo sich überraschend gut versteht) zu den Hauptverdächtigen gehören und wo die Handlung eher ruhig und personenbezogen erzählt wird – nur dass man hier nicht von Anfang an weiß, wer der Täter ist.

Der Fall an sich ist solide konstruiert, auch wenn Savannah ohne Hilfe und Tipps wohl nicht so schnell auf die Lösung gekommen wäre. Aber man hat als Leser denselben Wissenstand wie die Ermittlerin, und G.A. McKevett hält meiner Meinung nach gut die Balance zwischen einigermaßen realistisch wirkender Ermittlungsarbeit und unterhaltsamen Szenen, die dafür sorgen, dass das Ganze nicht trocken wird. Ich mochte die Figuren sehr gern, weil ich sie als überraschend realistisch für so einen unterhaltsamen Kriminalroman empfinde und weil nicht alle Personen in dem Buch schön, sportlich, schlank und perfekt sind. Savannah ist eine Frau mit Rundungen, die sich regelmäßig Kuchen und Ähnliches gönnt, ohne dass sich die Autorin genötigt sah zu erwähnen, dass das ungesund ist oder dass die Figur aber sonst so diszipliniert ist – etwas, was mich ja regelmäßig bei aktuelleren Krimis die Wände hochtreibt.

Außerdem empfindet Savannah etwas für ihren Partner Dirk, doch das ist nicht die große Romanze, keine Liebe auf den ersten Blick, und er ist kein muskelbepackter Adonis. Sie kennen sich durch die jahrelange Zusammenarbeit sehr gut und mögen sich trotz ihrer jeweiligen Macken – was sie so vertraut miteinander umgehen lässt, als wären sie schon längst ein Paar. Aber die Tatsache, dass eine Romanze zwischen zwei Kollegen sehr schwierig wäre und ihnen beiden die Arbeit wichtiger ist als eine eventuelle Beziehung, sorgt dafür, dass diese Zuneigung eigentlich nur hier und da mitschwingt und in der Geschichte – im Gegensatz zu meiner Rezension – keinen großen Raum einnimmt. Es ist erschreckend, wie angenehm ich das nach all den „Liebesromanen mit Mini-Krimianteil“, die als Cozies vermarktet werden, finde. Da habe ich dann auch kein Problem, dass sich Savannah im letzten Drittel des Romans von einem Mann hinreißen lässt, weil er gut erzogen und sehr attraktiv ist.

Einzig die Tatsache, dass es an Savannahs Arbeitsplatz so erschreckend „politisch“ zugeht, hat mich gestört. Ihr direkter Vorgesetzter will seinen Aufstieg innerhalb der Polizei beschleunigen, der Polizeichef scheint in den Fall verwickelt zu sein und gemeinsam legen sie Savannah nicht nur Steine in den Weg. Es kommt so weit, dass ihr Beweismittel aus der Hand genommen werden, ihr wird mit Konsequenzen gedroht, wenn sie „ganz normal“ ihren Job macht, statt nach der Pfeife dieser Männer zu tanzen, und so etwas lese ich einfach nicht gern. Polizisten in Romanen müssen nicht alle nett und anständig sein, aber ich hätte in der Geschichte zu gern jemanden gesehen, der einen höheren Rang als Savannah bekleidet und ihr bei ihren Ermittlungen zur Seite steht, weil da ein Mord begangen wurde und es eben wichtig ist, den Täter zu finden. Aber insgesamt ist „Nicht ohne meine Schokolade“ ein wirklich netter Cozy, und auch wenn ich mir keine weiteren Teile davon besorgen muss, werde ich diesem Roman (und die Fortsetzung „Mit Schirm, Charme und Schokolade“) weiterhin einen Platz in meinem Regal einräumen.

Sommerwetter

Auch wenn es euch vielleicht nicht so vorkommt, so versuche ich mich doch beim Jammern über die Hitze zurückzuhalten. Immerhin ist es seit gestern ein bisschen kühler und heute sollte ich vielleicht sogar tagsüber auch mal die Vorhänge öffnen können, ohne dass die Sonne gleich alles durchheizt. Auch wenn es selbst bei anhaltender Temperaturreduzierung (die leider nicht vorhergesagt wurde) noch eine Weile dauert, bis die Hitze aus den Wänden der Wohnung verschwindet, bin ich über jede kleine Abkühlung des „Sommerwetters“ froh. Und um euch nicht immer nur erzählen, dass es hier verflixt warm ist, gibt es noch ein Bild, das ich Samstagabend von der Küchenfensterbank geschossen habe. 😉

Bücherregal (Krimis)

Als ich erzählte, dass so nach und nach bei uns endlich Bücherregale eingezogen sind, gab es den einen oder anderen Kommentar, in dem nach Bildern gefragt wurde. Natürlich dauerte das Auspacken der Buchkartons, das Sortieren (, das erneute Ausmisten *seufz*) und wieder Einräumen deutlich länger als erwartet, aber immerhin haben die Krimis endlich ihren Platz im Regal (im Durchgangszimmer) gefunden. Die Fotos sind in der gewohnt schlechten Qualität (was auch daran liegt, dass ich dieses Mal nicht weiter vom Regal abrücken konnte, weil ich schon fast auf dem davorstehenden Tisch saß beim Fotografieren), aber ihr gewinnt immerhin einen Eindruck von den Regalen. Oh, und weil man Mann das beim Anblick der Fotos nicht auf Anhieb verstanden hatte: Jedes Bild zeigt die drei Reihen pro Regal von hinten nach vorne. 😉

Im ersten Regalfach fanden Desmond Bagley, George Baxt, Katherine K. Beck, Lilian Jackson Braun, Rhys Bowen und Rita Mae Brown ihren Platz. Letztere ist gerade in der Probezeit, weil ich noch nicht dazu kam, mir mal wieder einen Roman aus der Sneaky-Pie-Reihe vorzunehmen. Die ersten Bände mochte ich sehr, die späteren nicht so – insgesamt hat mich die Serie nicht so sehr gepackt, dass ich es geschafft hätte, sie mir vollständig anzuschaffen.

Das zweite Fach beginnt noch mit B (Jan Burke – die Bücher müsste ich auch noch mal antesten, um eine endgültige Entscheidung zu treffen) und wechselt dann mit Maeve Carels, Dorothy Cannell, P. M. Carlson, John Dickson Carr, Heron Carvic, Mary Higgins Clark und Raymond Chandler zu C. Die abschließende Reihe besteht aus den Agatha-Christie-Einzelbänden, die nicht in das Agatha-Christie-Fach daneben passten.

Von hinten nach vorne gibt es hier die Hercule-Poirot-Romane, die Tommy-und-Tuppence-Beresford-Titel und die Miss-Marple-Geschichten (sortiert nach Erscheinungsdatum *hüstel*).

Die restlichen „C-Titel“ bestehen aus Colin Cotterill und Deborah Crombie – hier habe ich genügend Luft gelassen, um noch ein paar Fortsetzungen unterzubringen – und dann ging es weiter mit Sandra Dallas, Diane Mott Davidson, S.S. van Dine und Carole Nelson Douglas (letztere müsste ich auch mal wieder lesen, um meine Eindrücke aufzufischen).

Weiter geht es mit meinem Arthur-Conan-Doyle-Schuber, Lucie Flebbe und Earlene Fowler. Die darauf folgende Lücke bei Dick Francis liegt daran, dass ich erschreckend viele „F“-Krimis vermisse. Ich hoffe sehr, dass ich nur beim Auspacken und Sortieren durcheinander gekommen bin und sich in den ganzen anderen Stapeln noch die vermissten Romane befinden (oder ich habe eine Kiste mit Büchern übersehen, aber eigentlich gibt es davon nur noch die mit den sperrigeren Sachbüchern, die ich nicht auch noch auf den Fußboden stapeln wollte).

Um sicher zu gehen, bekam auch das nächste Regalfach etwas Puffer, bevor es mit Dorothy Gilman weiterging. Die nächste Schicht besteht aus Celia L. Grace und Anne Granger und den Abschluss bilden Gallagher Gray und Alex Grecian (von dem ich mir noch einige Bücher anschaffen werde). Von Alex Grecian abgesehen, habe ich eigentlich schon seit Jahren keine Lust mehr auf historische Krimis – da werde ich in den nächsten Monate auch noch schauen müssen, ob die alle bleiben dürfen.

Das siebte Regalfach beherbergt Martha Grimes, Lotte und Søren Hammer (Wo sind die beiden anderen Titel der Reihe geblieben?), Dashiel Hammett, Carolyn G. Hart, Henry Fitzgerald Heard, Carolyn Haines, Georgette Heyer und Michael Innes. Spätestens hier stand bei mir übrigens der Entschluss, dass ich viel zu wenig Krimiklassiker habe. Außerdem habe ich beim Sortieren herausgefunden, dass mir bei manchen Reihen erschreckend viele Titel fehlen, da die deutschen Ausgaben (mal wieder) nicht alle Bände des englischen Originals beinhalten. Jetzt muss ich in den kommenden Monaten Jahren nur schauen, welche davon mir so wichtig sind, dass ich die fehlenden Bände auch noch – wenn sie denn überhaupt erhältlich sind – beschaffe.

Und wieder eine Lücke, die darauf hinweist, dass ich ein paar Bände bislang nicht wiedergefunden habe … *seufz* Davon abgesehen finde ich es lustig, wie sich die Autorennamen so verteilen. Bei manchen Buchstaben bekomme ich gefühlt das halbe Alphabet in ein Fach, bei anderen benötigte ich drei Fächer für einen einzigen Buchstaben. Bei „J über K bis L“ hält es sich mit dem Platzbedarf wirklich in Grenzen – da tummeln sich nur P. D. James, M. M. Kaye, Jessica Kremser, Caroline Llewellyn und Janet Laurence. Bei M wird es da wieder lustiger mit Ross Macdonald, Charlotte MacLeod, Edward Marston, Lee Martin, Ava McCarthy und G. A. McKevett.

Auch bei Ngaio Marsh fehlen mir noch ein paar Titel, von denen ich mir sicher bin, dass ich sie habe, aber es sollten noch ein paar Bücher oben drauf passen. Danach folgen Margaret Millar, Patricia Moyes, Tamar Myers, Peter O’Donnell, Ellis Peters und Elizabeth Peters.

Im nächsten Krimifach tummeln sich Zelda Popkin, Claire Rayner, Mary Roberts Rinehard, Candace Robb (schon wieder historische Krimis), Mark Ross, Laura Joh Rowland, Dorothy Sayers, Robin Stevens (hoffentlich mit ausreichen Luft nach oben), Phoebe Atwood Taylor, Josephine Tey und Charles den Tex.

Zuletzt kommen noch Johan Theorin, P. J. Tracy (wieso habe ich eigentlich die ganzen Serien mit fehlenden Bänden in der hinteren Reihe stehen?), Kathy Hogan Trocheck, Daniel Twardowski, Uwe Voehl, Mary Willis Walker, Edgar Wallace, Ethel Lina White, Nancy Means Wright und zwei Anthologien mit Krimi-Kurzgeschichten.

Wenn ich jetzt noch in den nächsten Wochen die fehlenden Romane wiederfinde und ins Regal packen kann, bin ich erst einmal mit dem Bereich zufrieden. Ich habe weniger Regalfächer für die Krimis gebraucht, als ich ursprünglich dachte, und bei all den Autoren, die ich nochmal lesen will, um über ihr Schicksal zu entscheiden, dürfte ich da in Zukunft noch etwas Platz rausholen können, um die neu hinzukommenden Krimiklassiker oder die noch laufenden Reihen auch noch unterbringen zu können.

George Baxt: Mordfall für Tallulah Bankhead

Von George Baxt habe ich mehrere Kriminalromane in meinem Regal, die unterhaltsame (und natürlich fiktive) Geschichten rund um berühmte Persönlichkeiten erzählen. Ich weiß nicht, ob George Baxt wirklich alle diese Personen gekannt hat, aber die Tätigkeit des Autors als Agent für Schauspieler und später als Drehbuchverfasser haben ihn auf jeden Fall in denselben Kreisen verkehren lassen wie die von ihm als Protagonisten verwendeten Personen. Außerdem konnte George Baxt laut seinem Nachwort für diese Romane nicht nur auf seine eigenen Erinnerungen, sondern auch auf andere Quellen zurückgreifen – unter anderem die nichtveröffentlichte Biografie von Jean Muir.

Alles in allem spürt man meiner Meinung nach beim Lesen von „Mordfall für Tallulah Bankhead“, dass er die Personen, den Ton in ihren Kreisen und natürlich die Zeit der McCarthy-Ära direkt miterlebt hat. Wobei George Baxt sich in diesem Krimi auch ein kleines Denkmal gesetzt hat, indem er sich als Agent diverser vorkommender Figuren selbst in die Geschichte eingebaut hat. Oh, und vom Veröffentlichungsdatum her ist „Mordfall für Dorothy Parker“ der erste Band (und in dem später spielenden „Mordfall für Tallulah Bankhead“ wird auch der Täter aus dem ersten Roman verraten), weshalb es sich anbietet, mit „Dorothy Parker“ zu starten, wenn man die Krimis ausprobieren will. Ich habe nur zu „Tallulah Bankhead“ gegriffen, weil mir der Band als erstes in die Finger fiel, als ich meinen Krimibestand durchsah, und weil ich die Geschichte in ebenso guter Erinnerung hatte wie „Dorothy Parker“.

„Mordfall für Tallulah Bankhead“ beginnt mit dem Selbstmord der Tänzerin Nance Liston – einer von vielen Todesfällen unter Künstlern während der McCarthy-Ära, mit denen die verbleibenden Kollegen neben all ihren eigenen Sorgen rund um ihre Zukunft fertig werden müssen. Als weitere in New York lebende Künstler, die auf der „Schwarzen Liste“ stehen, sich das Leben nehmen, scheint es einem unbekannten Mörder zu reichen. Er rächt sich für das Unglück, das die Denunzianten mit ihren Aussagen vor den Ausschüssen des HUAC (House Committee on Un-American Activities) angerichtet haben, indem er ihnen nach dem Leben trachtet. Tallulah Bankhead wird dabei in die Ermittlungen verwickelt, weil sie auf der einen Seite versucht, so viele geächtete Künstler wie möglich in ihrer Radiosendung unterzubringen, um den Freunden und Kollegen zumindest ein kleines Auskommen zuschießen zu können, und auf der anderen Seite die Bekanntschaft von Detective Jacob Singer macht, der mit der Suche nach dem Mörder beauftragt ist. So ist Jacob Singer für die methodische Polizeiarbeit in der Geschichte wie Recherchen, Verhöre und Kriminaltechnik zuständig, während Tallulah scheinbar ziellos von einem Bekannten zum nächsten flattert, um möglichst viel über die Verstorbenen und mögliche Verdächtige in Erfahrung zu bringen.

Ein Grund, warum ich diese Romane so gern lese, sind die wundervollen Dialoge und Charaktere, die direkt aus einem der alten (Schwarzweiß-)Filme stammen könnten, die ich so sehr mag. Dazu kommen noch all die vielen Nebenfiguren, die trotz ihrer kurzen Auftritte einen bleibenen Eindruck hinterlassen und bei denen ich mir nie sicher bin, ob der Autor da reale Personen aus dem Film- oder Theatermileu aufgreift oder nicht. Das bringt mich dann immer wieder dazu, sehr viel Zeit mit Recherchen über schon längst verstorbene Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren, ihr Leben, ihre Filme/Stücke und Ähnliches zu verbringen. Ich mag es, wenn ein Roman mich dazu animiert, dass ich mich neben dem Lesen der Geschichte mit den Figuren und der Zeit beschäftige, in denen die Handlung spielt. Und nicht zuletzt spricht für diese Kriminalromane, dass George Baxt jedes Mal wieder unterhaltsame und solide Fälle konstruiert, die in ihre Zeit und zu den verwendeten Charakteren zu passen scheinen.

Wenn jemand von euch nun auch Lust auf diese Krimis hat, so gibt es viele der damals auf Deutsch veröffentlichten Titel noch sehr günstig gebraucht zu kaufen. Da mir (wie ich inzwischen feststellen konnte) auch noch ein paar der Original-Bände fehlen, werde ich mich in den nächsten Wochen auch auf die Jagd danach machen. Ich freue mich jetzt schon darauf, dass ich in Zukunft noch ein paar Geschichten von George Baxt vor mir habe, die ich noch nicht kenne. Oh, und wer vielleicht an der Zeit und dem Erzählstil, aber weniger an Geschichten mit „berühmten Personen“ interessiert ist, der könnte mal nach den Krimis rund um den Privatdetektiv Pharoah Love Ausschau halten. Angeblich war Pharoah Love der erste schwule (schwarze) Protagonist eines Kriminalromans, als George Baxt 1966 „A Queer Kind of Death“ – „Pharoah Love und die Badewanne des Todes“ – veröffentlichte. Ich muss allerdings gestehen, dass mich Pharoah Love in den 90ern nicht so sehr packte, dass ich mir nach dem Auftaktband die weiteren Teile angeschafft hätte.

Lydia Adamson: Eine Katze kommt selten allein (Alice Nestleton 1)

„Eine Katze kommt selten allein“ von Lydia Adamson ist der erste Band der Alice-Nestleton-Reihe, von der ich gerade mal sieben (von im englischsprachigen Original zweiundzwanzig) Bänden im Regal stehen habe. Meine Ausgabe dieses Romans ist 1995 bei Aufbau Verlag erschienen, eine (eBook-)Neuauflage der Bücher gab es im vergangenen Jahr. Lustigerweise finde ich das Cover meiner Ausgabe nirgendwo online, sondern nur eins, das nicht zu den weiteren Fortsetzungen passt, die damals erschienen sind – da wüsste ich schon gern mehr über die verschiedenen Veröffentlichungen. Auf jeden Fall hatte ich die Romane immer in guter Erinnerung behalten und wollte jetzt beim Regaleinräumen sicherstellen, dass ich die Krimis wirklich weiterhin behalten möchte.

Schon beim ersten Lesen fand ich es etwas seltsam, dass die Protagonistin Alice Nestleton ständig mit ihren Katzen von einem Ort zum nächsten wandert, um dort als Haus- und/oder Catsitterin zu wohnen. Wobei das immerhin erklärt, wie sie es sich als nicht gerade erfolgreiche Schauspielerin mit einer Schwäche für Avantgarde-Theater eine Wohnung in New York leisten kann. Ihre Katzen scheinen diesen ständigen Ortswechsel erstaunlich gut mitzumachen, obwohl der eine Kater superängstlich sein soll – alle meine Katzen (abgesehen von Baltimore in seinen jüngeren Jahren) hätten so viel Unruhe nicht besonders gut aufgenommen. Aber nun gut, irgendwie muss die Autorin ihre Figur ja von einer „Ermittlungssituation“ in den Romanen zur nächsten bringen. In „Eine Katze kommt selten allein“ soll Alice einen jedes Jahr wiederkehrenden Catsitterjob übernehmen und auf dem Hof des älteren Ehepaars Jo und Harry Starobin ihre acht Himalaya-Katzen für zwei Wochen versorgen. Doch als Alice am Bahnhof ankommt, gibt es von Harry keine Spur – stattdessen findet sie ihn wenig später ermordet in dem Cottage, in dem sie auf dem Hof wohnen sollte.

Während die Polizei davon ausgeht, dass die Mörder es eigentlich auf Wertsachen abgesehen haben mussten, da das gesamte Haus verwüstet wurde, beteuert Jo, dass weder sie noch ihr Mann jemals Wertsachen besessen hätten. Um dahinterzukommen, warum Harry so grausam ermordet wurde, bittet sie Alice, mit ihr zusammen Harrys Unterlagen durchzusehen. Alice hingegen findet das Verhalten des Stallmädchens verdächtig, ebenso wie fast alle anderen Personen, denen sie in den kommenden Wochen begegnet. Dabei schwankt das Verhalten der Protagonistin von spontaner Abneigung über ebenso spontanen Hass bis zu dem recht sachlichen Eingeständnis, dass sie mit einem der Beteiligten gern ins Bett gehen würde (vor allem, weil der letzte Sex schon so lange her ist). Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, wie ich früher die Eigenarten von Alice einfach so hinnehmen konnte. Eine gewisse Exzentrik und Konzentration auf ihr Aussehen und ihre Wirkung auf andere kann ich bei einer Schauspielerin hinnehmen, aber ihre Stimmungswechsel hat Lydia Adamson für mich nicht nachvollziehbar dargestellt und ihre schnellen Urteile über andere Menschen fand ich auch eher anstrengend zu lesen.

Ebenso ist der Fallaufbau – inklusive der absurden Auflösung bezüglich des Täters – nicht gerade überzeugend. Dick Francis hätte aus der Idee vielleicht einen spannenden Kriminalroman gemacht, aber hier war ich am Ende eher frustriert. Es ist schade, dass ich mit einer Reihe, die ich doch in guter Erinnerung hatte, heute anscheinend überhaupt nichts mehr anfangen kann. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich inzwischen kritischer geworden bin, bestimmte Eigenarten bei Personen, aus deren Perspektive ich die Handlung erzählt bekomme, nicht mehr leiden kann oder einfach inzwischen so viele bessere Cozies gelesen habe, aber von „Eine Katze kommt selten allein“ war ich beim erneuten Lesen wirklich enttäuscht. Bleibt mir nur ein tröstlicher Gedanke, um über dieses Leseerlebnis hinwegzukommen: Ich habe nach dem Aussortieren dieser sieben Romane wieder ein bisschen mehr Platz im Regal für Bücher, die ich auch nach all den Jahren (mindestens) ebenso genießen kann wie beim ersten Lesen.

Was schön war (3): Eine Urlaubswoche mit japanischem Filmfestival

Ich hatte ja schon erzählt, dass mein Mann die letzte Mai-/erste Juniwoche Urlaub hat und wir diese Zeit nutzen werden, um möglichst viele Filme bei der Nippon Connection zu sehen. Angefangen hat das Filmfest für uns am Dienstagabend mit dem Eröffnungsfilm „Mori – The Artist’s Habitat“. Ich muss gestehen, dass ich schon das Schlimmste befürchtete, weil sich im vergangenen Jahr die Eröffnungsreden direkt vor dem Film nicht nur endlos hingezogen haben, sondern sich auch extrem wiederholten, da wirklich jeder Redner jeden anwesenden Ehrengast begrüßen, jedem Helfer danken und jede Fördersumme inklusive Quelle aufführen musste. In diesem Jahr war es nicht ganz so schlimm, trotzdem hätte man gut ein Trinkspiel aus den sich wiederholenden Elementen der verschiedenen Reden machen können. 😉 Auch war es ein bisschen schade, dass die wirklich hervorragende Dolmetscherin, die die Redebeiträge der verschiedenen Sprecher im fließenden Wechsel zwischen Japanisch und Deutsch übersetzte, nach dem Film nicht mehr für die Q&A-Runde mit dem Regisseur zur Verfügung stand. Ihre Kollegin war jetzt nicht wirklich schlecht, aber eben nicht genauso gut – so dass man regelmäßig das Gefühl hatte, man würde Details der Antworten verpassen. (Allerdings finde ich es lustig, dass ich inzwischen genügend japanische Wörter erkenne, um festzustellen, dass mir beim Übersetzen etwas vorenthalten wurde.)

Der Film selbst war einfach nur wunderbar! „Mori – The Artist’s Habitat“ dreht sich um einen (fiktiven) Tag im Leben des zu dieser Zeit 94jährigen Malers Morikazu Kumagai (1880 – 1977). Der Maler war nicht nur für seine Kunstwerke berühmt, sondern auch für die Tatsache, dass er die letzten dreißig Jahre seines Lebens nicht mehr sein Grundstück verlassen hat. Seine Zeit verbrachte er wohl vor allem damit, in seinem kleinen Garten die Natur (in erster Linie Insekten und Amphibien, aber auch Vögel und Katzen) zu beobachten – was natürlich auch großen Einfluss auf seine Kunst hatte. Im Film selbst bekommt man von Morikazu Kumagai eigentlicher Kunst relativ wenig mit, wenn man von den regelmäßigen Besuchern absieht, die von dem Maler etwas wollen. Stattdessen wechselt der Film von wunderschönen Naturaufnahmen und sehr ruhigen Momenten, in denen der Maler (gespielt von Tsutomu Yamazaki) sich in seinem Garten aufhält, zu amüsanten – stellenweise schon fast slapstickartigen – Szenen, in denen es um die Familie, die vielen Besucher und das Unverständnis gegenüber der sehr reduzierten Kunst von Morikazu Kumagai geht. Von dem Regisseur (und Drehbuchautor) Shuichi Okita haben wir schon die DVD von „The Woodsman and the Rain“ in unserem Besitz und ich hoffe sehr, dass auch dieser Film demnächst auf DVD zu kaufen sein wird, denn ich bin mir sicher, dass wir auch daran langfristig Freude haben werden.

Der zweite Film, „Destiny – The Tale of Kamakura“, ist eine Manga-Realverfilmung und erzählt eine wirklich wunderschöne und witzige Geschichte voller fantastischer Elemente. Die Handlung dreht sich um den Schriftsteller Masakazu und seine junge Frau Akiko. Direkt nach der Hochzeit zieht Akiko zu Masakazu in den kleinen Ort Kamakura. Die Alterspanne zwischen den beiden ist recht groß, aber es wird von Anfang an deutlich, wie sehr die beiden einander zugetan sind. Erst nach ihrem Umzug findet Akiko heraus, dass Kamakura voller magischer Energie ist – was bedeutet, dass sich allerlei übernatürliche Kreaturen von diesem Ort angezogen fühlen. Während dieses Zusammenleben mit Naturgeistern, Göttern und ähnlichen Wesen für Masakazu eine relativ alltägliche Sache ist, ist Akiko anfangs eher erschrocken über die ungewöhnlichen Nachbarn.

Der Regisseur Takashi Yamazaki gilt als einer der führenden Special-Effects-Experten in Japan, und so ist es kein Wunder, dass dieser Film voller seltsamer Kreaturen und magischer Orte war. Aber für mich waren es vor allem die wunderbaren Charaktere und die vielen kleinen, amüsanten oder berührenden Momente, die den Film zu einem solchen Genuss gemacht haben. Der Großteil der Geschichte spielt in Kamakura und so gibt es viele kleine Szenen, in denen Akiko auf übernatürliche Wesen trifft, wodurch sich ihre anfängliche Angst über Neugier in begeisterte Faszination für all diese magischen Aspekte des Lebens in Kamakura wandelt. Obwohl sich viele dieser magischen Elemente rund um den Tod drehen, ist „Destiny“ kein trauriger Film. So ist es zum Beispiel sehr lustig, als Akiko am Anfang eine Nachbarin von Masakazu kennenlernt und er ihr (mehr oder weniger) behutsam beibringen muss, dass die Dame schon vor einem Jahr verstorben ist. Dieser wunderbare Humor, die ganzen fantastischen Elemente und die wirklich hervorragend ausgewählten Schauspieler haben den Film für mich zu einem Wohlfühlfilm gemacht, der mir – trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden – viel Spaß gemacht hat. Das Ende hätte man zwar etwas raffen und mit ein paar weniger Wiederholungen bei den Effekten erzählen können, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt, der mir dazu einfällt, – was erschreckenderweise bedeutet, dass es einen weiteren Film gibt, bei dem ich auf eine DVD-Veröffentlichung hoffen muss.

Beim dritten Film, den ich in dieser Woche gesehen habe, besteht immerhin nicht die Gefahr, dass ich ihn auch für unsere private Sammlung haben will. „Oh Lucy!“ hatte ich – obwohl die Hauptdarstellerin Shinobu Terajima in diesem Jahr mit dem Nippon Honor Award des Filmfests ausgezeichnet wird – eigentlich nicht auf meinem Plan, aber unsere ehemalige Nachbarin schlug den Film für einen gemeinsamen Kinobesuch vor. Laut Ankündigung sollte „Oh Lucy!“ eine mit „einem außerordentlichen Gespür für komisches Timing“ erzählte Geschichte mit „bezauberndem Gefühlswirrwarr“ sein. Aber ich fand den Film rund um eine einsame und unglückliche Frau, die sich innerhalb kürzester Zeit in ihren amerikanischen Englischlehrer John verliebt, am Ende eher deprimierend.

Weder die Hauptfigur Setsuko (von besagtem Amerikaner für den Unterricht kurzerhand in „Lucy“ umgetauft), noch ihre Nichte (die mit dem Amerikaner liiert ist und mit ihm in die USA verschwindet) oder Setsukos Schwester scheinen am Ende eine Aussicht auf ein einigermaßen gutes Leben zu haben. Alle sind voneinander enttäuscht, zutiefst verletzt und fast noch einsamer als zuvor – selbst wenn Setsuko am Ende einem Menschen begegnet, der ihre Einsamkeit zu verstehen scheint. Da hilft es mir als Zuschauer auch nicht, dass die Besetzung von Shinobu Terajima bis Josh Hartnett (der den John spielt) wirklich gut ausgewählt war und sehr, sehr gute Leistung zeigte oder dass es anfangs wirklich einige amüsante Szenen gab (bei denen allerdings auch oft genug eine deutliche Spur von Fremdscham mitschwang).
(Nachtrag: Sonntag wurde der Film dann – für mich nicht ganz nachvollziehbar, weil ich die anderen Filme deutlich besser fand – noch mit dem Publikumspreis Nippon Cinema Award ausgezeichnet. Aber Geschmäcker sind nun mal sehr unterschiedlich. *g*)

Film Nummer vier war für uns die Dokumentation „Ramen Heads“, die sich vor allem um die Arbeit von Osamu Tomita, eines der besten Ramen-Köche Japans, dreht, aber auch die Schwerpunkte anderer berühmter japanischer Ramen-Köche aufgreift und mehr über die verschiedenen Varianten von Ramen und die unterschiedlichen Herangehensweisen beim Kochen erzählt. Ich muss gestehen, dass ich durch die verschiedenen Filme, Manga und Romane Ramen mit „Wohlfühlessen“ assoziiere, obwohl ich selbst nie japanische Ramen – egal welcher Variante – essen könnte, weil dieses Gericht definitv nicht für Vegetarier geeignet ist. So gab es auch relativ zu Beginn des Films eine Szene, in der man das Geheimnis der berühmten Brühe von Osamu Tomita erfuhr, für die 27 Stunden lang sehr viele unterschiedliche Fleischsorten (inklusive einem vollständigen Schweinekopf, Schweine- und Hühnerfüßen) mit Gemüse gekocht werden, um später mit verschiedenen Sorten Trockenfisch weitergekocht zu werden. Von diesen für mich wenigen appetitlichen Szenen abgesehen war die Dokumentation wirklich spannend, weil es ja nicht nur verschiedene „Grundsorten“ von Ramen (abhängig von der Basis für die Brühe) gibt, sondern auch innerhalb dieser Ramen-Arten verschiedene Herangehensweisen und Philosophien bei den unterschiedlichen Köchen.

Es war nicht nur spannend, mehr über die verschiedenen Köche zu erfahren, sondern auch über die Entstehung von Ramen an sich (vor allem die Erfolgsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg) und die Gedanken, die sich die (moderneren) Köche über ihre Zutaten, den individuellen Touch ihres Restaurants und den Service gemacht haben. Ebenso fand ich es interessant, einen kleinen Einblick darin zu bekommen, wie es wohl für einen Auszubildenden in einem so berühmten Restaurant ist, oder wie das berühmte Schlangestehen von Osamu Tomita für sein Lokal (das gerade mal zehn Sitzplätze hat und bei mir für Beklemmungen sorgen würde) perfektioniert wurde. Da Osamu Tomita vier Jahre in Folge den Preis für den besten Ramen-Kochs Japans gewonnen hat, war diese Perfektionierung auch notwendig – wenn man nicht morgens um 6:30 Uhr seinen Sitzplatz reserviert, wird es schwierig mit dem Essen für diesen Tag. Am Ende des Films habe ich mir fast gewünscht, ich hätte nicht solche Probleme mit Fisch und Fleisch (und Soja) und könnte mir auch mal eine schöne Schale mit Ramen gönnen. 🙂
(Nachtrag: Der Film hat dann auch am Sonntag den Nippon Visions Audience Award gewonnen – beim Thema Essen waren sich die Zuschauer anscheinend schnell einig, dass sie das gut fanden. 😉 )

Am Sonntag haben wir dann noch „Recall“ gesehen, in dem sich die Handlung rund um eine kleine Transportfirma dreht, die in eines Tages in einen Unfall verwickelt wird. Anfangs wirkt es noch so, als ob die Mechaniker der kleinen Firma Akamatsu Schuld daran wären, dass sich ein Reifen von einem fahrenden LKW löste und eine Frau – vor den Augen ihres kleinen Sohnes – erschlug. Aber dann können die Mechaniker nachweisen, dass sie wesentlich gründlicher gearbeitet haben, als es der Gesetzgeber überhaupt von ihnen verlangt hat. Um herauszufinden, was diesen Unfall verursachen hat, und natürlich auch, um seine Transportfirma und somit die Arbeitsplätze seiner 80 Angestellten zu retten, wendet sich der Chef an die Herstellerfirma des LKWs – und obwohl er langjähriger treuer Kunde ist, bekommt er keinerlei Hilfe oder Antworten.

Es ist für den Zuschauer natürlich schnell klar, dass die Herstellerfirma Hope Motors was zu verbergen hat, aber die Frage, ob und wie Akamatsu herausfindet, was die Firma vertuschen will, und ob es ihm gelingt, gegen den mächtigen Konzern (und dessen diverse „Verbündete“) vorzugehen, sorgt für einen sehr fesselnden Film. Die Handlung wird in vielen kurzen und eindringlichen Szenen erzählt und beleuchtet die Motivation der verschiedensten Beteiligten. Dabei war es für mich sehr spannend, dass ich einige Elemente sehr „japanisch“ fand, wie die Ergebenheit gegenüber der Firma, das „Zusammenspiel“ zwischen den diversen Beteiligten oder die Bemühungen, sein Gesicht zu wahren. Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass die Reaktionen bei dem meisten Großkonzernen (auch außerhalb Japans) vergleichbar wären (gerade wenn ich an den einen oder anderen aktuelleren Skandal in der Autodindustrie denke). Ein sehr guter Film mit fantastischen Schauspielern und einer spannenden – wenn auch vielleicht wenig überraschenden – Handlung.

Für sechs Tage Filmfestival scheinen fünf Kinofilme nicht so viel zu sein, aber auf der einen Seite hat uns die Hitze (und der daraus resultierende Schlafmangel) wirklich fertiggemacht und auf der anderen Seite haben wir uns in dieser Urlaubswoche auch relativ viel Restaurantessen gegönnt und die eine oder andere Erledigung auf die Reihe bekommen, so dass wir für unsere Verhältnisse verflixt viel unterwegs waren. Außerdem bedeutet Großstadt nicht unbedingt, dass der Nahverkehr auch optimal läuft, und so konnte es schon mal passieren, dass wir für einen 1 1/2stündigen Film mit An- und Heimfahrt insgesamt fünf Stunden unterwegs waren. Das sorgte bei Christie in den letzten Tagen auch für unangenehm viel Alleinsein und so brauchte sie nach unserer Heimkehr abends immer extra viel Betreuung und Aufmerksamkeit. Da heute der letzte Urlaubstag meines Mannes ist, beginnt für uns morgen wieder der Alltag. Und für das kommende Jahr ist die Urlaubswoche zur Nippon Connection schon wieder fest eingeplant … 🙂

Vicki Grant: 36 Fragen an dich

Ich weiß nicht mehr, wo ich über „36 Fragen an dich“ von Vicki Grant gestolpert bin. Ich weiß aber noch, dass ich das Buch nach dem Lesen einer Rezension spontan in der Bibliothek vorgemerkt hatte, in der Hoffnung, dass mir da eine „nette“ Geschichte erzählt wird. Die Grundidee basiert auf einem Experiment mit dem Titel „The Experimental Generation of Interpersonal Closeness: A Procedure and Some Preliminary Findings“, das von Arthur Aron entwickelt wurde und davon ausgeht, dass es möglich ist, dass sich zwei Menschen sehr nahe zu kommen (bzw. sich verlieben), wenn diese zwei Menschen einander 36 vorgegebene Fragen so ehrlich wie möglich gegenseitig beantworten. Wer mehr dazu wissen will, kann gern einmal online nach dem Experiment suchen, da findet man in diversen Artikeln auch alle Fragen und Details zum Experimentaufbau aufgeführt.

In „36 Fragen an dich“ erzählt Vicki Grant nun die Geschichte zweier fiktiver Experimentteilnehmer, die von ihrer Art und Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnten. Hildy (eigentlicht Hilda, aber den Namen mag sie nicht) kommt aus einem Akademikerhaushalt, hat lauter musische Extrafächer belegt, wirft mit Fremdwörtern um sich und versucht, sich jederzeit korrekt zu verhalten. Paul hingegen hat die Schule vorzeitig abgebrochen, wirkt geldgierig (die Geldprämie ist der einzige Grund, warum er an der Studie teilnimmt) und abweisend und macht sich regelmäßig über Hildys Gedanken und Gefühle lustig. Aber natürlich hat jeder der beiden Probleme und deutlich mehr Tiefgang, als man auf den ersten Blick annehmen soll, und je besser sie sich kennenlernen, desto mehr mögen sie sich.

Ich hatte gar keine so großen Erwartungen an die Geschichte gesetzt, wollte nur eine nette und unterhaltsame Lektüre für einen viel zu heißen Nachmittag und dann habe ich mich beim Lesen ständig geärgert. Vicki Grant nimmt zwei klischeeüberfrachtete Achtzehnjährige, garniert Hildys Leben mit einem besten schwulen Freund und einer Freundin, deren einzige Charakterisierung darin besteht, dass sie 1. bei einem Cafébesuch nur ein halbes Croissant isst und 2. in einen Straßenmusiker verknallt ist, und mischt das Ganze noch mit zwei von Anfang an vorhersehbaren Dramen im Leben der Protagonisten. Für mich war die Geschichte zu absehbar, zu sehr künstlich gestreckt durch die 36 Fragen (das gegenseitige Kennenlernen habe ich in anderen Romanen schon deutlich glaubwürdiger und unterhaltsamer gelesen) und die Hälfte der Zeit hätte ich Hildy gern aus den unterschiedlichsten Gründen heraus geschüttelt.

Einer der Gründe ist, dass sie ständig Paul berichtigt, seine Rechtschreibung verbessert und darauf besteht, dass er nicht flucht, dass sie aber – trotz all ihrer „politisch korrekten“ Verhaltensweise – seine abweisende und verschlossene Art als „maskulin“ bezeichnet, während er auf einmal – laut ihrer Wortwahl – seine „feminine Seite“ zeigt, wenn er über Gefühle redet. Eine junge Frau, die sich mit allen möglichen Themen auseinandersetzt, die sich angeblich für diverse gute Zwecke einsetzt und die einen „schwulen besten Freund“ hat, sollte meiner Meinung nach schon mal darüber nachgedacht haben, dass dieses Schubladendenken von den „emotionalen Frauen“ und den „zurückhaltenden, introvertierten“ Männern gefährlicher und schädlicher ist als ein spontanes Schimpfwort. Aber Hildy wiederholt trotz ihres Beteuerns, wie wichtig ihr die Rolle der Frau und Feminismus sei, regelmäßig ihre ungute Wortwahl, und sie findet Pauls „maskuline Art“ total cool, obwohl sie doch sonst angeblich so ein aufmerksamer und nachdenklicher Mensch ist.

Paul selbst ist als Figur ganz in Ordnung (was auch daran liegt, dass man von ihm nur seine Dialoge mit Hildy mitbekommt) und ich mochte die kleinen Zeichnungen, die immer wieder im Buch zu finden waren, weil Paul bei Gesprächen nebenbei „kritzelt“, um seine Stimmung und seine Gedanken auszudrücken. Auch die letzten Kapitel waren eigentlich nett zu lesen inklusive des großen Missverständnisses und der daraus folgenden Bemühungen Hildys, alles wieder gutzumachen. Aber ich muss zugeben, dass ich an diesem Punkt schon so grummelig wegen der klischeeüberfrachteten Handlung und der Vorhersehbarkeit all der „überraschenden“ Wendungen und Enthüllungen war, dass ich mich darauf gar nicht mehr einlassen konnte. Mir ist bewusst, dass ich bei einem Jugendbuch nicht zur eigentlichen Zielgruppe gehöre, aber das ändert nichts daran, dass ich mir bei einer solchen Geschichte eine sympathische Erzählstimme, amüsante Dialoge oder zumindest die eine oder andere überraschende Wendung wünsche.

Juni-SuB 2018

Spätestens Mitte Mai wurde es bei mir schon wieder Zeit für mein übliches Sommerjammern. Es war zu heiß, ich habe nicht gut geschlafen, war dauermüde und hatte zusätzlich noch den Kopf voll mit allerlei Kram. Oh, und ich verbringen gerade eine tolle Urlaubswoche mit meinem Mann und den (bislang geschauten) japanischen Filmen und freue mich auf die kommenden Tage und Filme – lustigerweise schließt das eine das andere nicht aus. 😉 All das hat dazu geführt, dass ich im Mai überraschend viele Manga gelesen habe, was sich zwar nicht auf meinem SuB niederschlägt, aber definitiv auf meine Wunschliste. In den nächsten Tagen muss ich dringend mal wieder eine Mangabestellung aufgeben. *g*

Für den Juni habe ich (von den Filmvorstellungen an diesem Samstag und Sonntag abgesehen) bislang keine Pläne. Ich werde weiter mit meinen Altbeständen „spielen“ und schauen, wie ich all die Bücher in die Regale gepackt bekommen, ohne dass diese zusammenbrechen, und weiterhin ganze Buchstapel vor dem Bett stehen haben, um mich zu entscheiden, ob ich diese Titel nun aussortiere oder doch weiter behalte. Bis August (wenn wir Besuch bekommen) will ich das Chaos aber endlich bewältigt haben …

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Kelly Barnhill: The Witch’s Boy
  3. Kelly Barnhill: Dreadful Young Ladies and Other Stories (Anthologie)
  4. Janine Beacham: Rose Raventhorpe Investigations 1 – Black Cats and Butlers
  5. Elizabeth Bear: Karen Memory
  6. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  7. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  8. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  9. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  10. Marie Brennan: Within the Sancutary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  11. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  12. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  13. Jim Butcher u.a.: Urban Enemies (Anthologie)
  14. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  15. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  16. Mira Grant: Into the Drowning Deep
  17. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  18. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 3)
  19. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  20. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  21. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  22. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  23. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  24. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  25. Rachel Hartman: Seraphina
  26. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  27. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  28. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  29. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  30. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  31. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  32. Diana Wynne Jones: Cart and Cwidder (The Dalemark Quartet 1)
  33. Diana Wynne Jones: The Spellcoats (The Dalemark Quartet 3)
  34. Diana Wynne Jones: Drowned Ammet (The Dalemark Quartet 2)
  35. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  36. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  37. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  38. Jennifer Mathieu: Moxie – Moxie Girls Fight Back
  39. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  40. Kate Milford: The Boneshaker
  41. Bishop O’Connell: The Stolen
  42. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  43. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  44. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  45. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  46. Cindy Pon: Serpentine
  47. Cherie Priest: I am Princess X
  48. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  49. Philip Reeve: Larklight
  50. John Scalzi: Fuzzy Nation
  51. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  52. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  53. Robin Stevens: Arsenic for Tea (Murder Most Unladylike 2)
  54. Robin Stevens: First Class Murder (Murder Most Unladylike 3)
  55. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  56. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  57. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  58. Charles den Tex: Die Zelle
  59. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  60. Sarah Tolcser: Song of the Current
  61. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  62. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  63. Xinran: Gerettete Wort
  64. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

61 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)