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[Lese-Tag] „Wechselhaftes Lesen“ mit Lyne und Neyasha

Neyasha und Lyne veranstalten heute einen Lesetag (hier der Ankündigungspost) – und da es viel zu lange her ist, dass ich mir so einen Tag gegönnt habe, schließe ich mich den beiden gern an.

Erst einmal musste ich heute morgen die üblichen Samstagspflichten hinter mich bringen, bevor ich mit dem Lesen anfangen konnte. Nachdem das aber inzwischen erledigt ist, kann ich mich den Rest des Tages vollkommen dem Lesen (und der Entspannung) widmen. Ich habe mehrere Bücher zur Auswahl („Letzte Nacht in Twisted River“ und „The School of Good and Evil 2“ sind schon angefangen, „Blauer Hibiskus“ und „Einsame Herzen“ reizen mich auch und in „Verwüstung“ sollte ich auch mal einen Blick werfen, da das Buch für vier Wochen Ausleihzeit ganz schön umfangreich ist), und werde vermutlich im Laufe des Tages zwischen diesen springen, weil ich eigentlich alle Romane mag, aber keinen so brennend weiterlesen muss.

Zum Frühstück geht es erst einmal mit „The School of Good and Evil – A World Without Princes“ weiter, bei dem ich gestern gerade mal die ersten Seiten gelesen habe.

Update 13:30 Uhr

Neben dem Frühstück und dem Lesen gab es schon eine gründliche Blogrunde für mich. Außerdem hat sich inzwischen mein Mann verabschiedet, der den Tag wieder mit seinen Arbeitskollegen spielen wird, und ich habe die Katzen gefüttert. Letzteres läuft gerade so, dass ich einen Napf mit Futter hinstelle, schaue, welche Katze bereit ist das zu fressen, und dann öffne ich eine andere Sorte und stell diese für die zweite Katze hin. Sehr lästig, aber das Wichtigste ist nun mal, dass Baltimore etwas hat, das er fressen kann und mag. Lustig dabei ist allerdings, dass Christie die seltsamen Formfleischprodukte, die Baltimore gerade so mag, bestreikt und auf echtes Fleisch besteht. Als wir noch roh gefüttert haben, war sie immer diejenige, die am ehesten das Fleisch verweigert hat.

„The School for Good and Evil – A World Without Princes“ hat sich bislang gut lesen lassen. Die Geschichte dreht sich um die Folgen, die das Ende des ersten Bandes für die Welt der Märchen hat. Auf einmal endete das Märchen von einem guten Mädchen, einem bösen Mädchen und einem Prinz nicht damit, dass die Böse vernichtet wird, damit die Gute und ihr Prinz ein Happy End haben können. Und nun kommt unter den Prinzessinen und Hexen der Verdacht auf, dass sie ganz gut ohne Prinzen zurechtkommen würden. Doch wenn Prinzen nicht mehr als Helden benötigt werden, welche Rolle bleibt dann noch für sie übrig? Das macht mir wirklich Spaß, aber gerade habe ich ein kleines Mittagstief und befürchte, dass ich einschlafen werde, wenn ich weiter lese. Also greife ich erst einmal ein bisschen zum DS und entscheide mich danach, ob ich weiterlese oder zu einem anderen Buch greife. 🙂

Update 16:30 Uhr 

Irgendwie habe ich in den letzten Stunden ein ziemliches Kontrastprogramm gefahren. Auf der einen Seite habe ich die Demo zu „Yo-Kai Watch“ (ein Spiel für eher jüngere Spieler, aber von Level-5 und mit ganz viel Sammel- und Levelmöglichkeiten – was ich bei Spielen wirklich mag) gespielt, dann habe ich mir einen Kakao (Mila ist Schuld!) gekocht und John Irving geschnappt. Was dazu geführt hat, dass ich mal wieder zu dem Schluss gekommen bin, dass ich seine Erzählweise und seine Charaktere sehr mag, aber die Handlung selber berührt mich nicht so tief, dass ich wirklich an der Geschichte dranbleiben muss. Trotzdem werde ich nach einer kleinen Blogrunde noch etwas bei dem Roman bleiben. Es ist gerade so ruhig im Haus, dass ich das ausnutzen muss. 😉

Update 21:30 Uhr

Heute hat es sich wieder gezeigt, dass ich für einen John-Irving-Roman Ruhe benötige, denn sobald die Nachbarn wieder daheim waren, war es das mit dem Lesen für mich. Da ich aber bei Lärm erstaunlich gut schlafen kann, bin ich eingenickt, während ich noch überlegte, welches Buch ich als nächstes in Angriff nehme. *g* Nach dem Aufwachen habe ich ein paar Seiten in „Blauer Hibiskus“ gelesen und fand den Vater der Protagonistin in der Eingangsszene so schrecklich, dass ich den Roman nach relativ kurzer Zeit schon wieder beiseite gelegt habe.

Stattdessen gab es erst einmal was zum Essen und eine Reisereportage über Belgien, die ich vor ein paar Wochen aufgenommen habe. Den Rest des Tages werde ich wohl wieder mit „The School for Good and Evil – A World Without Princes“ und puschelige Gesellschaft verbringen. Die Geschichte passt zu einem entspannten Tagesausklang. Aber vorher schau ich noch, wie es den anderen den Abend über mit ihren Büchern ergangen ist.

Tanya Huff: The Silvered

„The Silvered“ von Tanya Huff ist der erste „Nicht-Urban-Fantasy-Roman“ der Autorin, den ich gelesen habe, und er hat mir sehr gut gefallen. So gut, dass ich mal eben bis mitten in die Nacht durchgelesen habe, um die letzten Kapitel vor dem Schlafengehen zu schaffen. Die Geschichte spielt in einer Welt, deren Entwicklungsstand in etwa mit der Mitte unseres 19. Jahrhunderts vergleichbar ist. Es gibt Gaslaternen, Postkutschen, Fotografien und Zeitungen und es werden erste Einsätze von Betäubungsmitteln bei chirurgischen Eingriffen erwähnt. Viele dieser Errungenschaften werden vor allem in Kaiser Leopalds Reich eingesetzt, aber auch die Nachbarländer setzen nach und nach immer mehr auf Technik – vor allem, da diese im Gegensatz zur Magie von allen Personen eingesetzt werden kann.

Eines dieser Nachbarländer ist Aydori. Bis vor Kurzem lagen noch zwei Herzogtümer zwischen dem Kaiserreich und Aydori, doch die imperiale Armee hat sich diese beiden Länder inzwischen einverleibt und steht nun vor Aydoris Grenzen. Es ist nicht der erste Versuch des Kaisers, dieses Land zu erobern, doch zum ersten Mal führen seine Soldaten Waffen mit sich, gegen die die Verteidiger Aydoris – die vor allem aus Werwölfen bestehen – keine Chance haben. Während an der Grenze die ersten Schlachten geschlagen werden, dringt ein kaiserlicher Stoßtrupp unter dem Befehl von Captain Reiter ins Landesinnere vor, um sechs (schwangere) Magierinnen zu entführen. Diese sechs Frauen – bzw. eines ihrer ungeborenen Kinder – sollen laut einer Prophezeiung in der Lage sein, das Kaiserreich zu stürzen oder in neue Höhen zu führen.

Captain Reiters Auftrag ist es dann auch, der die Ereignisse in Gang setzt, die man als Leser in „The Silvered“ verfolgen kann. So wird die junge Mirian Maylin Zeugin von Reiters Überfall auf die Kutschen der fünf führenden Magierinnen. Sie macht sich auf den Weg zur Grenze, um Aydoris Herrscher (dessen Frau ebenfalls zu den Entführten gehört) von dem Vorfall zu informieren. Doch auf ihrem Weg wird sie von Captain Reiter gefangen genommen und für die noch fehlende Magierin gehalten. Nur durch das Eingreifen von Tomas Hagen gelingt Mirian die Flucht – und gemeinsam machen sich die beiden daran, die entführten Frauen zu retten.

Das Ganze klingt nach einer der üblichen Fantasygeschichten und es kommen auch wirklich viele klassische Elemente vor: Es gibt eine Prophezeiung, eine junge Frau, die angeblich nichts Besonderes ist und in deren Händen die Rettung des Landes liegt, einen jungen Mann, der der Dame beisteht, und einen Soldaten, der nur seinen Befehle ausführt (und doch nicht aufhören kann, über den Sinn dieser Befehle nachzudenken). Aber Tanya Huff hat aus diesen Zutaten eine so packende und wirklich unterhaltsame Geschichte gebastelt, dass mir das Lesen unheimlich viel Spaß gemacht hat. Ich brauchte allerdings anfangs etwas Zeit, um in die Welt – vor allem in Aydoris Gesellschaft – hineinzufinden und mich nicht mehr von all den Namen, die gerade zu Beginn der Geschichte auftauchen, erschlagen zu fühlen.

Ich fand die Welt sehr spannend beschrieben. Auf der einen Seite ist da das Kaiserreich, das mit seinen technischen Errungenschaften, der Konzentration auf Wissenschaften und seinem Bestreben nach mehr Land, mehr Reichtum und mehr Wissen zwar für eine Menge Fortschritt verantwortlich ist, aber eben auch erbarmungslos gegen jeden vorgeht, der nicht mitspielt. Auf der anderen Seite ist der Umgang mit neuen Technologien in Aydori deutlich behutsamer. Dieses Land wird vom Rudel (sowohl Wolfs-Rudel, als auch Magier-Rudel) regiert, was bedeutet, dass der Rudelführer gleichzeitig das Regierungsoberhaupt ist. Seine Prioritäten scheinen mehr beim Wohl der Personen zu liegen, die ihm unterstehen, seine Entscheidungen werden nach langfristigen Kriterien gefällt. So gibt es zum Beispiel eine Szene, in der darüber geredet wird, dass das Kaiserreich Zugang zu den aydorianischen Wäldern haben wollte, um dort Holz zu ernten, während der Rudelführer einen solchen Raubbau an der Natur nicht zulassen kann und will.

Ebenfalls fand ich es sehr stimmig dargestellt, wie die verschiedenen Menschen auf den Krieg in ihren Ländern reagieren. Das anfängliche Ignorieren der Gefahr, dann die Panik und der Versuch, alle Besitztümer auf der Flucht mitzunehmen, und später die Resignation und die Akzeptanz eines Lebens unter der (militärischen) Herrschaft der Eroberer. Doch vor allem die Charaktere haben es mir in „The Silvered“ angetan. Mirian ist anfangs einfach nur ein nettes Mädchen, das von allem etwas kann, aber nichts gut genug, um sich in einem Bereich hervorzutun. Sie weiß genau, dass ihre Zukunft darin bestehen wird, einen Mann zu heiraten, der für die Geschäfte ihres Vaters Vorteile bringen wird. Als sie nun Zeugin der Entführung der Magierinnen durch Captain Reiter wird, scheint sie die einzige zu sein, die Hilfe holen oder zumindest jemanden mit Befehlsgewalt informieren kann, und so macht Mirian sich auf den Weg. Bei jedem Schritt ist sie sich bewusst, dass es schwierig wird. Sie macht sich keine Illusionen über ihre Fähigkeiten und über ihre Chancen, aber sie kann nicht einfach zuschauen, wie etwas Schlimmes passiert, sondern muss alles in ihrer Macht Stehende versuchen, um den entführten Frauen beizustehen.

Tomas hingegen überschätzt sich ständig. Obwohl er miterlebt hat, wie seine Truppe dahingemetzelt wurde, hält er immer noch an der Überzeugung fest, dass er als Werwolf quasi unverwundbar ist. Während Mirian immer versucht, eine vernünftige Entscheidung zu treffen, muss er lernen, sein impulsives Verhalten zu zügeln und weniger instinktiv auf die verschiedenen Herausforderungen zu reagieren. Es dauert eine Weile, bis die beiden wirklich zusammenarbeiten können, aber ich mochte das Geplänkel zwischen den beiden ebenso wie ihre eher rührenden Versuche, den anderen zu verstehen und ihm etwas Sicherheit in einer gefährlichen und unsicheren Welt zu geben. Auch bei den entführten Magierinnen gibt es die unterschiedlichsten Charaktere, wobei man vor allem die Perspektive von Danika miterlebt. Diese ist die Alpha des Magier-Rudels, und obwohl sie bislang ein relativ behütetes Leben geführt hat und dementsprechend schockiert von all den Dingen ist, die ihr und den anderen angetan werden, versucht sie alles, um für die anderen Frauen da zu sein und einen Weg aus der Gefangenschaft zu finden. Und dann ist da noch Captain Reiter, der perfekte Soldat, der eines Tages feststellen muss, dass es sich nicht richtig anfühlt, wenn man Krieg gegen schwangere Frauen führen soll …

Am Ende finde ich es wirklich schade, dass „The Silvered“ nur ein Einzelband ist – auch wenn ich sonst immer froh bin, wenn ich mal keine neue Reihe anfange. Ich denke, dass diese Welt, die Charaktere und die Entdeckungen, die zum Schluss von den Beteiligten gemacht werden, Stoff für weitere Geschichten geboten hätten. So aber muss ich mich wohl erst einmal mit den älteren Fantasytiteln der Autorin begnügen (die es leider nur noch als eBook gibt *seufz*).

P.S.: Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings doch: Ich finde es schade, dass Tanya Huff es bei den Werwölfen so eingerichtet hat, dass der „richtige“ Geruch darüber bestimmt, wen sie heiraten., während sie sonst in der Geschichte immer wieder betont, dass die Werwölfe keine Tiere, sondern Personen mit besonderen Fähigkeiten sind. Aber da dieser Punkt – gerade zu Beginn der Geschichte – zu einigen netten Szenen führt und die Auserwählten (theoretisch) die Möglichkeit haben, sich gegen die Entscheidung der Wölfe zu stellen, kann ich damit leben.

Oliver Bottini: Im Sommer der Mörder (Louise Bonì #2)

„Im Sommer der Mörder“ von Oliver Bottini ist der zweite Kriminalroman rund um die Polizistin Louise Bonì – und ich muss zugeben, dass ich ganz froh bin, dass ich den ersten Band nicht in der Bibliothek gefunden habe. Denn wenn ich all den Rückblenden glauben darf, dann gab es einige persönliche Probleme für die Protagonistin im ersten Band inklusive des Eingeständnisses, dass sie seit drei Jahren Alkoholikerin ist und etwas dagegen tun muss. Mir fällt es leichter, mich mit einem Charakter anzufreunden, der den Entzug schon hinter sich hat, auch wenn der tagtägliche Kampf gegen die Sucht bleibt.

Die Handlung beginnt in diesem Roman relativ harmlos mit dem Brand eines alten Holzschuppens, in dem ein Bauer nur noch ein paar Heureste lagert. Doch kaum scheint die Freiwillige Feuerwehr den Brand gelöscht zu haben, kommt es zu einer unerklärlichen Explosion und einem Todesfall. Wenig später finden die Ermittler heraus, dass in einem versteckten Keller unter dem Schuppen große Mengen Waffen gelagert wurden – was natürlich zu der Frage führt, wie die Waffen überhaupt an diesen Ort kommen konnten.

Für Louise Bonì ist die Arbeit bei der Soko, die sich um den Waffenfund kümmert, der erste Einsatz nach einer verletzungs- und entzugsbedingten Auszeit und so muss sie nicht nur einen neuen Platz in einem eigentlich vertrauten Umfeld finden, sondern sich auch von Anfang an mit dem Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Dezernaten und Behörden herumschlagen. Wobei sie eigentlich nur indirekt die Folgen dieser Auseinandersetzungen mitbekommt, wenn sie mal wieder gezügelt wird, weil angeblich eine andere Abteilung zuständig ist oder eine andere Dienststelle den ganzen Einsatz übernehmen soll.

Auch werden die Ermittler von dem überraschend großen Interesse von Politikern, BKA und anderen Institutionen überrascht. So kommen Louise Bonì und ihre Kollegen irritierend schnell an Informationen, die andeuten, dass der Waffenfund mit Neonazis in Verbindung steht, während andere Hinweise auf Terroristen und das ehemalige Jugoslawien verweisen. So groß Oliver Bottini seinen Fall rund um die versteckten Waffen in dem alten Holzschuppen aufgebaut hat, so ruhig erzählt er seine Geschichte auch. Der Autor konzentriert sich ebenso auf Louise Bonìs Privatleben wie auf die Darstellung einer (relativ) realistischen Polizeiarbeit. So bekommt man als Leser auch mit, wie lästig die täglichen Besprechungen während der Ermittlungen sind, wie viele Kleinigkeiten den Arbeitsalltag beherrschen (und erschweren) und wie schwierig es sein kann, wenn eine Gruppe unterschiedlicher Menschen unter Druck an einem Fall arbeitet.

Wenn man mal davon absieht, dass mir Louise ein bisschen zu sehr über ihr – vergangenes und zukünftiges – Liebesleben nachdenkt und verflixt oft erwähnt wird, dass diverse Männer ihr auf den Busen starren, fand ich diese fast schon gemächliche und detailverliebte Erzählweise sehr angenehm. Oliver Bottini mischt reale Ereignisse mit fiktiven Elementen und zeichnet so ein erschreckendes, aber (gerade angesichts der Ereignisse in den vergangenen Monaten) wohl auch realistisches Bild davon, wie nah Terror und Gewalt unserem Alltag inzwischen sind. Dabei beschreibt er die verschiedenen Charaktere so genau und – selbst in ihrem teils widersprüchlichem Handeln – so stimmig, dass man ihnen ihr Verhalten und ihre Motive abnimmt.

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass der Autor für mich eine umwerfende Neuentdeckung gewesen ist. Aber ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich mal einen so gut geschriebenen und großen Teils wirklich überzeugenden Kriminalroman in die Hände bekommen habe. Und wenn ich in der Bibliothek noch weitere Bände rund um Louise Bonì finde, werde ich sie mir vermutlich auch ausleihen.

Wochenend-Eindrücke

Unsere Nachbarin war in den letzten Wochen verreist und hat uns das Wohnungshüten überlassen. Zum Dank gab es am Freitag einen wunderschönen Blumenstrauß von ihr (und ich musste erst einmal überlegen, wann ich das letzte Mal Blumen geschenkt bekommen habe).

Leider musste der schöne Strauß direkt nach dem Foto wieder in die Küche wandern, weil Christie schon auf der Lauer lag. Bei ihr überleben Blumen gerade mal ein paar Minuten – und wenn ich Pech habe, dann zerstört sie beim „Spielen“ auch noch die Vase und verursacht einen Wasserschaden an den Möbeln.
Baltimore sieht das Ganze hingegen vollkommen gelassen. Er ist zur Zeit eh vor allem damit beschäftigt, zu schlafen. Unterbrochen wird das nur zum Schmusen und Fressen und wenn er ganz viel Glück hat, dann kann er sogar schlafen, während ich ihn schmuse.
Auch wir Menschen hatten das Bedürfnis, es ruhig angehen zu lassen. So hat mein Mann wieder eine kleine improvisierte 1-Personen-Runde mit seinem neuem Spiel verbracht.
Bis zur nächsten Lieferung noch mit „Carcassonne-Ersatzpersonal“

Für mich gab es währenddessen Buch und 3DS – genau genommen mehrere Bücher, denn ich habe gerade „Letzte Nacht in Twisted River“, „The Silvered“ und „Im Sommer der Mörder“ bei der Hand. Bei dem Letztgenannten fehlen mir nur noch wenige Seiten, während ich mich bei den anderen beiden nicht entscheiden kann, ob mir eher nach Steampunk-Fantasy-Liebesgeschichte oder nach John Irving ist …

Passende Restesocken zur Sofadecke

Fleur Beale: Am Ende des Alphabets

Den Roman „Am Ende des Alphabets“ von Fleur Beale hatte mir netterweise Tine geliehen, nachdem sie mir mit ihrer Rezension solche Lust auf das Buch gemacht hatte. Die Geschichte handelt von der vierzehnjährigen Ruby, die die „Dumme“ in ihrer Familie ist und deshalb ständig hinter ihrem intelligenten Bruder Max zurückstecken muss. Dabei ist die Situation in Rubys Familie eigentlich gar nicht so ungewöhnlich: Sie ist die Älteste von insgesamt vier Geschwistern, und da ihr Stiefvater den ganzen Tag als LKW-Fahrer unterwegs ist und ihre Mutter als Putzfrau im Krankenhaus des Nachbarortes arbeitet, muss sie viele Aufgaben im Haushalt übernehmen.

Schlimm wird es, wenn man sieht, dass ihr gerade mal elf Monate jüngerer Bruder Max sich jeglicher Verantwortung entzieht – und damit auch noch durchkommt. Denn während Ruby weder lesen noch schreiben kann, ist Max ein überaus guter Schüler, der regelmäßig Auszeichnungen bekommt. So nimmt die ganze Familie Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Max, damit sich der Junge ganz auf das Lernen konzentrieren und hoffentlich in einigen Jahren die Universität besuchen kann. Auf Ruby hingegen wartet gerade mal eine Zukunft als Putzfrau, dessen ist sich vor allem ihre Mutter sehr sicher.

Erst als Rubys beste Freundin Tia droht, dass sie nie wieder mit ihr reden würde, wenn sie weiterhin den Fußabtreter für die gesamte Familie spielt, fängt das Mädchen an, über seine Situation nachzudenken. Nach und nach entwickelt Ruby Rückgrat und findet heraus, was sie eigentlich will und was sie sich für ihre Zukunft vorstellen kann. Ich bin mal so frei und spoilere an dieser Stelle: Putzfrau möchte sie nicht werden. 😉 Und je mehr Ruby sich für die Sachen einsetzt, die ihr wichtig sind, desto mehr entdeckt sie auch, dass sie nicht dumm ist. Sie kann nicht lesen und schreiben und das macht ihr Leben häufig ganz schön schwer, aber sie ist nicht dumm. Doch während sie langsam zu dieser Erkenntnis kommt, scheint ihre Familie nicht zu begreifen, dass auch Ruby einen Wert hat, der über ihre Fähigkeiten als Haushaltshilfe und Babysitterin hinausgeht. Zum Glück hat Ruby gute Freunde, die sie unterstützen, und sie lernt im Laufe der Geschichte noch weitere Personen kennen, die für sie da sind.

Mit gut 200 Seite ist „Am Ende des Alphabets“ nicht gerade umfangreich und hat sich gut an einem Nachmittag lesen lassen. Ich habe Ruby sehr schnell ins Herz geschlossen und mich über ihr wachsendes Selbstbewusstsein und ihr neu entwickeltes Rückgrat sehr gefreut. Häufig steht sie vor der Wahl, den einfacheren Weg zu gehen, einfach wieder in ihre alte Rolle als Stütze ihrer Familie zu verfallen und sich mit einem kleinen Sieg zufriedenzugeben. Aber nachdem sie erst einmal angefangen hat, sich mit ihrer Situation auseinanderzusetzen und nachdem sie die Mechanismen in ihrer Familie durchschaut hat, findet sie immer wieder die Kraft, für sich einzustehen – und das nicht nur im privaten Umfeld. Dabei konnte ich auch Rubys Familie verstehen (wenn auch nicht immer ausstehen), und das rechne ich Fleur Beale wirklich an.

Ich fand es auch angenehm, dass Ruby zwar ein wirklich nettes (und häufig viel zu gutmütiges) Mädchen war, aber dabei nicht zu lieb dargestellt wurde. Ruby hat auch ihre boshaften Seiten (die bei mir gerade im Umgang mit dem Ladenbesitzer zum regelmäßigen Schmunzeln geführt haben), und wenn sie wütend ist, dann haut sie auch schon mal Sätze raus, von denen sie genau weiß, dass sie wehtun. Am Ende hat Ruby sehr viel für sich erreicht, und das fand ich wirklich schön und wohltuend, dabei macht es sich Fleur Beale aber nicht zu einfach und zeigt auch immer wieder, dass das Leben auch in Zukunft für Ruby eine Menge Herausforderungen bereithalten wird, die es für Menschen, die keine Lese-Rechtschreibschwäche haben, nicht gibt.

Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr

Über „Ein Leben mehr“ von Joycelyn Saucier bin ich durch einen Tweet von Papiergeflüster gestoßen, und da der Titel interessant klang, habe ich ihn letzte Woche in der Bibliothek ausgeliehen. Die Geschichte handelt von mehreren Personen, die an einem See in den nordkanadischen Wäldern aufeinandertreffen, und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Angestoßen werden die Ereignisse von „der Fotografin“, die einige Jahre zuvor – durch eine zufällige Begegnung mit einer alten vogelfütternden Frau im Park – auf die Großen Brände aufmerksam wurde. Diese Brände haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganze Landstriche in Kanada ausgelöscht, es gab viele Tote und natürlich haben die Erlebnisse während der Brände die überlebenden Personen geprägt.

Eine Legende aus dieser Zeit dreht sich um den geheimnisvollen Ted, Ed oder Edward Boychuck, der nach dem Brand von Matheson tagelang durch das zerstörte Land irrte. Und um diesen Boychuck zu finden, macht sich die Fotografin auf in die Wälder, wo er angeblich leben soll. Doch statt auf Boychuck trifft sie auf Tom und Charlie, die sich in den letzten Jahren das Seeufer mit dem legendären Mann geteilt haben. Jeder dieser alten Männer hatte seine ganz eigenen Gründe, sich in die Wälder zurückzuziehen, jeder von ihnen suchte nach Einsamkeit und Ruhe, und doch lebten sie nah genug beieinander, um sich gegenseitig helfen zu können. Durch das Auftauchen der Fotografin, durch ihre Fragen und durch weitere Ereignisse wird das Leben von Tom und Charlie durcheinandergewirbelt.

Da nicht wirklich viel in diesem Roman passiert, will ich nicht zu viel über den Inhalt verraten – der Klappentext hat meiner Meinung nach schon ein Detail zu viel preisgegeben, was ich beim Lesen etwas schade fand. „Ein Leben mehr“ ist eine ruhige Geschichte über eine Handvoll Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen aufeinandertreffen und die man als Leser für gut ein Jahr auf ihrem Weg begleitet. Während die einen ein bescheidenes und anspruchsloses Leben führen und sich sicher sind, dass es genauso bis zu ihrem Tod weitergehen wird, machen sich andere Figuren überhaupt keine Gedanken um die Zukunft, sondern leben im Hier und Jetzt ohne jeglichen Ehrgeiz. Die Fotografin hingegen ist eindeutig auf der Suche – vordergründig nur nach den Überlebenden der Großen Brände, die sie ablichten will, bevor auch noch die letzten von ihnen versterben, doch es steckt mehr hinter ihrer Reise.

Viele Dinge werden in diesem Buch nicht ausgesprochen und es bleibt dem Leser überlassen, sich seine Gedanken zu machen. Es ist auf jeden Fall eine leise Geschichte über das Leben, die Liebe und den Tod und die Suche nach der richtigen Art, sein Leben zu verbringen. „Ein Leben mehr“ erzählt von den Neuanfängen, die sich in manchen vermeintlichen Sackgassen verbergen, davon, dass es nie zu spät ist, einen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen, aber auch davon, dass es manchmal an der Zeit ist, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Ich mochte die Geschichte, auch wenn ich nicht mit allen Wendungen glücklich war. Allerdings fand ich die kursiven Abschnitte, die vor jedem Kapitel etwas über die verschiedenen Personen erzählen, sehr gewöhnungsbedürftig. Anfangs war ich sogar teilweise verärgert, weil ich diese Passagen als überflüssig empfand. Die gleichen Informationen hätte man auch in den restlichen Text packen können, ohne das eine oder andere Ereignis schon einmal vorwegzunehmen oder Beschreibungen zu verwenden, die ich als irritierend ungenau empfand. Doch am Ende bleibt vor allem die Erinnerung an interessante Charaktere, die man ein paar Monate begleiten durfte, und an die wunderschöne, heilsame und erbarmungslose Natur Kanadas.

März-SuB 2016

Irgendwie hat der Februar nicht besonders viel erzählenswertes gebracht. Ich habe 9 Bücher gelesen, die zum Teil sehr dünn und insgesamt sehr unterschiedlich waren. Zum Hörbuch habe ich es immer noch nicht wieder gebracht, obwohl einige Leihgaben bei mir eingetroffen sind und endlich mal angegangen werden sollten, dafür habe ich immerhin 2 Comics und 2 Manga gelesen. Was den März angeht, so sieht es aktuell so aus, als würde es wie im Februar (nur etwas hektischer) laufen. Ich hoffe, ich finde genügend Lesezeit, denn Lesen macht mich eindeutig zu einem zufriedeneren Menschen. 😉

Deutscher SuB:

  1. Ben Aaronovitch: Schwarzer Mond über Soho
  2. Tim Akers: Das Herz von Veridon
  3. Alfred Bekker: Drachenring (Die Drachenerde-Saga 2)
  4. Alfred Bekker: Drachenthron (Die Drachen-Erde-Sage 3)
  5. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  6. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  7. Brom: Krampus
  8. Jim Butcher: Die Verschwörer von Kalare (Codex Alera 3)
  9. Jim Butcher: Der Protektor von Calderon (Codex Alera 4)
  10. Jim Butcher: Windjäger (Cinder Spires 1)
  11. Melissa Fairchild: Weltenwanderer
  12. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  13. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  14. John Irving: Letzte Nacht in Twisted River
  15. Tove Jansson: Winter im Mumintal
  16. Tove Jansson: Geschichten aus dem Mumintal
  17. Celine Kiernan: Schattenpfade
  18. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  19. Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
  20. Bernd Perplies: Magierdämmerung – In den Abgrund
  21. Bea Rauenthal: Karfreitagsmord
  22. Silvia Roth: Querschläger
  23. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  24. Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand
  25. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  26. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  27. Charles den Tex: Die Zelle
  28. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  29. Uwe Voehl: Tod und Schinken
  30. Xinran: Gerettete Wort
  31. Xinran: Wolkentöchter
  32. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

31 Titel auf dem SuB

Englischer SuB:

  1. Holly Black: The Darkest Part of the Forest
  2. Marie Brennan: The Tropic of Serpents – A Memoir by Lady Trent
  3. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  4. Patricia Briggs: Bone Crossed (Mercy Thompson #4)
  5. Patricia Briggs: Silver Borne (Mercy Thompson #5)
  6. Soman Chainani: The School for Good and Evil 2
  7. Diana Pharaoh Francis: The Black Ship (Crosspointe Novel #2)
  8. Mira Grant: Deadline (Newsflesh #2)
  9. Mira Grant: Blackout (Newsflesh #3)
  10. Tanya Huff: The Silvered
  11. D. B. Jackson: Thieve’s Quarry (Thieftaker #2)
  12. Morgan Keyes: Darkbeast Rebellion
  13. Lynn Kurland: Star of the Morning
  14. Seanan McGuire: Chaos Choreography (InCrypted #5)
  15. Moira J. Moore: Resenting the Hero
  16. Shawn Thomas Odyssey: The Wizard of Dark Street
  17. Cindy Pon: Serpentine
  18. Philip Reeve: Larklight
  19. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  20. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  21. Holly Webb: Emily Feather and the Chest of Charms (Emily Feather #3)
  22. Patricia C. Wrede: The Thirteenth Child

21 Titel auf dem englischen SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

(Gesammelte) Leseeindrücke

„Die raunende Maske“ von Jonathan Stroud ist der dritte „Lockwood & Co.“-Band und obwohl ich die Reihe eigentlich sehr gern mag und unterhaltsam finde, war ich mit diesem Teil nicht ganz so zufrieden wie mit den anderen beiden Romanen. Beim ersten Band mochte ich, dass man die Welt (geplagt von Geistern, die nur von Kindern mit der richtigen Gabe bekämpft werden können) und die Figuren kennenlernen konnte und bei der Fortsetzung fand ich es interessant, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Lucy, Lockwood und George entwickelt und wie sich die Agentur so nach und nach doch einen Ruf erwirbt. Aber in dem aktuellen Teil fand ich den Einstieg überraschend zäh und Lucys Auseinandersetzungen mit dem neuem Teammitglied nahmen zu viel Raum in der Geschichte ein. So richtig gepackt hat mich die Handlung erst, als Lockwood & Co. endlich in die Aktionen rund um die großen Geistererscheinungen in Chelsea involviert waren, die die gesamte Stadt seit Monaten beschäftigen. Wobei ich es da auch nicht hilfreich fand, dass die Inhaltsbeschreibung schon sämtliche relevante Daten vorweg nimmt und es so kaum noch Überraschungsmomente für den Leser gibt. Insgesamt hätte es dem Roman gut getan, wenn es weniger um Lucys Gefühlsleben und mehr um die Erscheinungen in Chelsea oder gar um die konkurrierenden Agenturen mitsamt ihren Besonderheiten gegangen wäre.

(gelesen im November 2015)

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„Emily Feather and the Enchanted Door“ von Holly Webb ist der erste Band um die zehnjährige Emily Feather, die herausfindet, dass es in ihrem Zuhause eine magische Tür gibt. Wobei diese Entdeckung für Emily relativ spät in der Geschichte kommt und von einer noch größeren Überraschung eingeleitet wird. Die vierteilige Reihe rund um Emily Feather ist für Kinder ab acht Jahren und das macht sich in der Erzählweise (, dem Seitenumfang und der Schriftgröße) natürlich bemerkbar. Aber ich habe mich mit Emily und ihrer Familie sehr wohlgefühlt und hatte viel Spaß die Eigenheiten der verschiedenen Familienmitglieder kennenzulernen, die Beschreibungen von Emilys Zuhause zu verfolgen und mit ihr einen kleinen Blick in eine für sie neue Welt zu werfen. Sehr niedlich, sehr erholsam und voller schöner kleiner Details! Ich freu mich jetzt schon auf die Fortsetzungen.

(gelesen im Januar 2016)

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„Charles Bewitched“ von Marissa Doyle ist ein 90 Seiten langes eBook, in der der Bruder der Leland-Schwestern noch einen Auftritt (und in gewisser Weise auch seine Liebesgeschichte) bekommt. Ich mochte die Grundidee (der 16jährige Charles kommt von Eton im Sommer nach Hause und ärgert sich, weil er in seinen Ferien Geschichte lernen muss – am Ende ist aber genau dieses Geschichtswissen überlebenswichtig für ihn und seine Schwester Persy) und ich mochte es, dass die Autorin ihr viktorianisches England um die Feenwelt erweitert hat. Allerdings hat die Geschichte deutlich darunter gelitten, dass sie so kurz war. So gab es weder glaubwürdige Charakterentwicklungen, noch konnten die diversen Wendungen in der Handlung wirklich befriedigend erklärt werden. Ich habe mich beim Lesen zwar wohlgefühlt, aber im Nachhinein gibt es ein paar Punkte, die mich ärgern. So ist Persy hier viel zu passiv (irgendwie scheint Marissa Doyle nicht in der Lage zu sein zwei aktive Protagonisten zu beschreiben), was mir auch nicht ausreichend mit „Magie“ erklärt werden konnte, es gibt definitiv ein Happy End zu viel, während ich bei Persys Dienstmädchen das Gefühl hatte, sie würde am Ende „entsorgt“, weil ja irgendeine Lösung für das Feenproblem gefunden werden musste. Außerdem stört mich der „das wurde aus allen Beteiligten“-Anhang, in dem aufgezählt wird, wie viele Kinder welches Paar im Laufe der Zeit noch bekommt. Bei so vielen Kritikpunkten habe ich das Gefühl, ich müsste noch einmal betonen, dass mir das Lesen wirklich Spaß gemacht hat – nur im Nachhinein hätte ich mir bei einigen Punkten eine andere Lösung oder eine Weglassung gewünscht!

(gelesen im Februar 2016)

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„Cobra“ von Deon Meyer ist ein weiterer Roman rund um den südafrikanischen Polizisten Bennie Griessel. Ich finde es lustig, dass ich die Kriminalromane von Deon Meyer zwar unheimlich toll finde, mir die Bücher aber nicht kaufe und immer nur Leseeindrücke dazu schreibe. Beim Lesen habe ich dieses Mal sehr darüber nachgedacht, warum mir Bennie Griessel trotz der Tatsache, dass er (trockener) Alkoholiker ist, so viel sympathischer ist als die diversen skandinavischen Ermittler mit Alkoholproblemen – und ich glaube, es liegt daran, dass Bennie deutlich aktiver ist. Er ist nur selten melancholisch und viel häufiger erlebt man bei ihm einfach eine zähe Grundhaltung, die dafür sorgt, dass er seinen Alltag durchhält und sein Bestes gibt. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Momente und viele Dinge in seinem Leben, die er genießt, die ihm wichtig sind und die ihn immer wieder widerstehen lassen, wenn das Bedürfnis nach Alkohol zu groß wird. Dazu gibt es noch all die spannenden Details zum Leben in Südafrika, zu den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und den Veränderungen, die immer wieder durch die jeweils aktuelle politische Situation entstehen. Auch für die Kriminalfälle beweist der Autor ein gutes Händchen, wobei die dargestellte Brutalität (die meinem Gefühl nach für einen Kriminalroman nicht übertrieben verwendet wird) zum Land und zur gesellschaftlichen Situation gut zu passen scheint. In „Cobra“ geht es auf den ersten Blick „nur“ um die Entführung eines wohlhabenden Engländers und die Ermordung seiner beiden Leibwächter, was für Bennie schon herausfordernd genug wäre, denn Fälle, in die Ausländer verwickelt sind, haben immer ihre eigene Brisanz. Dieses Mal kommen aber noch einige weitere erschwerende Faktoren hinzu, was die Sache doch deutlich komplizierter macht. Umso schöner fand ich es, dass Bennie Griessel sich eigentlich nur auf seinen Fall konzentriert und versucht alles andere so weit wie möglich zu ignorieren – und so letztendlich seinen eigenen Weg findet, um die Morde aufzuklären und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

(gelesen im Februar 2016)

Autoren auf der Wartebank

Als ich gestern anfing, meinen FeedReader durchzusehen, stolperte ich über Beiträge von Neyasha und Ariana, die mich darüber nachdenken ließen, warum ich so oft in Kommentaren schreibe, dass ich einen Autor doch eigentlich auch noch antesten oder mehr von einem Autor lesen wollte oder vielleicht mal meine Erinnerung auffrischen sollte.

Bei manchen Autoren ist der Grund dafür, dass ich sie bislang nicht noch einmal gelesen habe, ganz einfach. Das sind die, deren Bücher ich vor vielen Jahren (häufig als Teenager) gelesen habe, und die mich nicht so nachhaltig beeindruckt haben, dass ich ihre Werke weiter erforscht habe. Aber da sich darunter eine Menge „Klassiker“ befinden, denke ich heute häufiger, dass ich diesen Romanen noch eine Chance geben sollte, dass ich sie als erwachsener Mensch vielleicht anders beurteilen würde und dass doch irgendetwas an diesen Büchern sein müsste, das mir damals entgangen ist und das es wert wäre, entdeckt zu werden.

Schwieriger wird es, wenn mich ein Blogpost oder irgendein anderer Anlass an einen Autor erinnert, von dem mich mindestens ein Buch sehr beeindruckt hat und von dem ich deshalb mehr lesen wollte. Die bei Ariana erwähnte Ethel Lina White ist so ein Beispiel, denn von der Autorin habe ich vor vielen Jahren „Eine Dame verschwindet“ gelesen und wollte danach noch mehr Bücher ausprobieren. Doch in der Bibliothek gab es keine weiteren Titel, auf Englisch habe ich damals noch nicht gelesen und so habe ich die Autorin aus den Augen verloren. Bei Margaret Millar war es so, dass ich „Banshee“ sehr gut fand, aber dummerweise hatte ich das Buch auf einem Wühltisch ergattert und weitere Titel gab es zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu bestellen.

Während ich von Dashiell Hammett und Raymond Chandler so gut wie alles gelesen habe, kenne ich von Ross Macdonald nur wenige Titel. (Lustigerweise stelle ich gerade beim Schreiben dieses Beitrags fest, dass Margaret Millar und Ross Macdonald verheiratet waren – wie passend!) Bei ihm liegt es nicht an der Verfügbarkeit der Romane, denn jedes Mal, wenn ich nachschaue, sehe ich genügend Titel, die noch zu erwerben sind und die ich noch nicht kenne. Aber anscheinend ist auch das ein Problem. Denn diese durchgehende Verfügbarkeit (oder zumindest der Anschein von durchgehender Verfügbarkeit) sorgt auch dafür, dass ich das Gefühl habe, ich könnte mir Zeit lassen mit dem Lesen. Also greife ich lieber zu einem Autor, bei dem ich befürchten muss, dass seine Werke irgendwann nicht mehr von einem Verlag angeboten werden, oder der aktuell veröffentlicht und bei dem ich durch einen zeitnahen Kauf dafür sorgen kann, dass vielleicht noch mehr Titel von ihm herausgegeben werden.

Natürlich gehören nicht nur Krimiautoren zu denjenigen, von denen ich eigentlich schon seit langer Zeit mehr lesen will, aber das waren die ersten Namen, die mir eingefallen sind. Wenn ich weiter darüber nachdenke, dann sind es vor allem Autoren, die zu den „Klassikern“ ihres Genres gezählt werden, während die Genres von Krimi über SF und Fantasy bis hin zu allgemeiner Belletristik gehen.

Ich bin mir nur noch nicht sicher, wie ich es nun in Zukunft auf die Reihe bekomme, dass ich diese Autoren mal von der „Wartebank“ befreie und wirklich ihre Bücher lese. Die Stadtbibliothek ist da erschreckend selten eine Hilfe, weil gerade diese Titel inzwischen kaum noch Platz im Bestand bekommen (was kein Wunder ist, da die Ausleihzahlen natürlich nicht so groß sind wie bei aktuellen Romanen). Aber ganz aus den Augen möchte ich diese Autoren auch nicht verlieren, also muss ich mir irgendeinen Weg überlegen. Bis mir eine Lösung einfällt, werde ich wohl weiterhin durch die Gegend gehen und regelmäßig an Autoren erinnert werden, die ich noch lesen wollte, und mich ein bisschen ärgern, weil ich es nicht hinkriege.

Lotte und Søren Hammer: Das weiße Grab (Konrad Simonsen 2)

Als vor ein paar Jahren „Schweinehunde“, der Debütroman von Lotte und Søren Hammer erschien, war ich ziemlich beeindruckt von der ungewöhnlichen Thematik, die sich die Geschwister für ihre Kriminalgeschichte ausgesucht haben. Dabei lag weniger das Verbrechen (Kindesmissbrauch bzw. Rache an denjenige, die Kinder missbraucht haben) als die Reaktion der Medien, die durch diejenigen manipuliert wurden, die die Täter bestraften, im Fokus der Geschichte. Die Handlung in „Das weiße Grab“ ist weniger aufsehenerregend, aber man bekommt als Leser immer noch einen soliden,gut zu lesenden und spannenden Krimi, der einen wieder mit einer moralischen Frage konfrontiert, die nicht so einfach zu beantworten ist.

Dieses Mal beginnt der Fall für Konrad Simonsen an einem Ort in Grönland, an dem es vor vielen Jahren mal eine amerikanische Militärbasis gab. An diesem Punkt wurde von (in gewisser Weise von der deutschen Kanzlerin) die Leiche einer jungen Dänin (im aufgrund der Klimaerwärmung aufgetauten „ewigen“ Eis) gefunden, die damals für die Amerikaner gearbeitet hatte und eines Tages spurlos verschwand. Für Konrad Simonsen steht auf den ersten Blick fest, dass dieser Mord die Tat eines Mehrfachtäters war, denn er selbst hatte vor einigen Jahren ein Verbrechen an einer jungen Frau untersucht, die damals in der gleichen Position mit den selben Merkmalen ermordet aufgefunden wurde. Für diese Tat war der Vater des damaligen Opfers verurteilt worden – doch die Tote im Eis kann nicht auf das Konto des verurteilten Mannes gehen – was mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass Konrad und seine Kollegen vor all den Jahren einen schwerwiegenden Fehler gemacht haben.

Im Laufe der Geschichte finden die Ermittler heraus, dass der Mörder mehr als diese beiden jungen Frauen auf dem Gewissen hat und immer wieder nach der selben Methode vorgeht. Sogar die Identität des Täters steht relativ früh fest, aber es gibt keine Möglichkeit ihm seine Verbrechen auch nachzuweisen. Ich fand es faszinierend zu verfolgen wie das Auffinden der Leiche in Grönland und die Spurenlage des – eigentlich als abgeschlossen geltenden – Mordes recht schnell zum Täter führen und wie die Polizisten sich dann immer wieder im Kreis drehen, bei dem Versuch dem Mann irgendwie seine Morde auch nachweisen zu können. Dass diese Beweise aber einfach nicht aufzutreiben sind und der Täter ihnen immer wieder einen Schritt voraus zu sein scheint, ist natürlich für alle Beteiligten frustrierend, so dass nach und nach Methoden in Betracht gezogen werden, die mit einem Rechtsstaat nicht mehr zu vereinbaren sind.

Normalerweise mag ich es nicht, wenn in einem doch recht realistischen Kriminalroman solche wichtigen moralischen (oder vom Gesetz vorgegebenen) Grenzen gesprengt werden. Aber ich fand es spannend zu verfolgen, wie die unterschiedlichen Menschen nach Mitteln suchen, um diesen Mörder aus dem Verkehr zu ziehen, und wie dabei erst nur sehr zögerlich, später mit immer größerer Verzweiflung auch Möglichkeiten angesprochen werden, die diese eigentlich rechtschaffenden Personen zu Beginn des Romans als absolut unmoralisch bezeichnen und als Untergrabung ihres gesamten Rechtssystems betrachtet hätten.

Auch mit den verschiedenen Charakteren in diesem Roman kam ich wieder gut zurecht. Ich finde nicht jede Person sympathisch, manche handeln auf eine Art und Weise, die ich zwar verstehen, aber nicht gutheißen kann, aber immer habe ich das Gefühl, dass sie innerhalb ihres Charakters stimmig handeln. Es gibt keinen zutiefst depressiven Ermittler, der die Geschichte beherrscht, sondern ein funktionierendes Team mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Manchmal gibt es Reibungen, manchmal gibt es mehr als Sympathie zwischen den verschiedenen Polizisten und natürlich hat jeder so seine Probleme. Aber diese Dinge sind von recht alltäglicher und „normaler“ Natur wie die gesundheitlichen Probleme von Konrad Simonsen, die natürlich neben der Arbeit zurückstecken müssen, oder der Seitensprung am Arbeitsplatz, der eben auch Folgen für die Zusammenarbeit hat, ohne dass es dabei zu einem großen Drama kommt.

So bekommt man in „Das weiße Grab“ auch immer wieder etwas vom – beruflichen und privaten – Alltag der verschiedenen Beteiligten erzählt, ohne dass ich diesen Teil langweilig fand. Diese Passagen sorgen eher dafür, dass man die Figuren besser einschätzen kann und dementsprechend auch die Tragweite ihrer Entscheidungen begreift. Und wenn dann doch einmal ein Schritt gemacht wird, der eigentlich undenkbar zu sein scheint, dann bleibt das nicht ohne Konsequenzen für die Person, die von nun an mit dem Wissen darum, was sie getan hat, leben muss.