Alle Artikel von Konstanze

Kristin Hahn/Sigrid Jacobeit: Brennender Stoff – Jüdische Konfektionäre vom Hausvogteiplatz

Ende letzten Jahres habe ich einiges über die Ausstellung „Brennender Stoff“ mitbekommen, und da ich nicht nach Berlin fahren konnte, um sie mir anzuschauen, habe ich mir das Begleitbuch zur Ausstellung besorgt. Leider habe ich mich dann beim ersten Anlesen etwas über die Einleitung geärgert, so dass es einige Zeit dauerte, bis ich das Buch wieder in die Hand nahm, obwohl ich das Thema grundsätzlich wirklich interessant finde (und mir in diesem Jahr auch von Brundhilde Dähn den Titel „Hausvogteiplatz“ besorgt habe, auf den hier oft verwiesen wird). In „Brennender Stoff“ wird die Entwicklung des Hausvogteiplatzes (bzw. der dort vor dem Zweiten Weltkrieg angesiedelten jüdischen Bekleidungsfirmen) beschrieben.

In dem Kapitel „Mode schaffen – Mode zerstören“ wird zum Beispiel von Marian Vatter erläutert, wie es überhaupt dazu kam, dass sich dank des Emanzipationsedikts von 1812, das Juden in den vier Provinzen Brandenburg, Schlesien, Pommern und Ostpreußen Gewerbefreiheit gewährte, so viele jüdische Schneider in Berlin sammelten, und wie diese im Laufe der folgenden Jahrzehnte durch das Zwischenmeistersystem (bei dem Aufträge an kleine Firmen vergeben werden, die wiederum Heimarbeiterinnen beschäftigen) kostengünstig in größeren Mengen Mode produzieren konnten. Diese effizente Herstellungsweise sorgte – ebenso wie die „Anlehnung“ der Designs an Pariser Modelle – für eine Ausweitung des Berliner Modemarktes ins Ausland, so dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Berlin hergestellte Kleidung in Amerika, England, Holland, Russland, Skandinavien und der Schweiz getragen wurde.

Mit „Heimnäherinnen“ geht Paula Hausmann näher auf die Rolle all der Frauen ein, die die (schlecht bezahlte) Grundlage für das Zwischenmeistersystem bildeten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Heimarbeiterinnen im Vergleich zu ihren Kolleginnen in den Konfektionswerkstätten deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen hatten. Sie wurden durch keinerlei Gesetz geschützt, wurden nach Stückzahl und nicht nach Arbeitszeit bezahlt, und wenn ihr Zwischenmeister keine Aufträge hatte, gab es auch kein Einkommen für sie. Außerdem mussten sie sich selbst eine teure Nähmaschine anschaffen, um überhaupt Aufträge als Heimnäherin zu bekommen, denn das Nähen mit der Hand war nach ca. 1850 im Vergleich zur Arbeit mit der Maschine weder schnell genug noch präzise genug.

Die folgenden beiden Kapitel („Vergessene Pioniere vom Hausvogteiplatz“ von Lisa Schellig und „Das Warenhaus N. Israel“ von Siggi Meyhöfer) konzentrieren sich auf die jüdischen Modehäuser Hermann Gerson, Valentin Manheimer und Nathan Israel und ihre Entwicklung von der Gründung Anfang des 18. Jahrhunderts an bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten bzw. den weiteren Verlauf der Geschäfte in den Händen nazitreuer neuer Besitzer/Geschäftsführer. Ein bisschen habe ich hier die Verweise auf das Zwischenmeistersystem und die Heimnäherinnen vermisst, während der Schwerpunkt der Autorinnen sehr auf den Erfolgen und Errungenschaften der Familienunternehmen lag (inklusive der für ihre Zeit sehr fortschrittlichen Versorgung der direkten Angestellten mit Versicherungen und Weiterbildungen).

„Berlin wird Modestadt – Förderung der Mode“ (von Melanie Mengay) dreht sich um die Gründung des „Verein Mode-Museum e. V. Berlin“ und weiterer Organisationen, die sich für eine Zusammenarbeit der verschiedenen Modeindustrien, den Austausch untereinander und Veranstaltungen rund um das Thema bemühten. „Mode und Medien – Eine Symbiose“ (erneut von Marian Vatter) hingegen geht auf das Zusammenspiel zwischen den Konfektionshäusern und dem Theater- bzw. Filmmilieu ein, das sich nicht nur darin äußerte, dass ganze Filme von einzelnen Konfektionären ausgestattet wurden, sondern auch darin, dass berühmte Schauspieler.innen für bestimmte Modehäuser warben. Ich muss gestehen, dass mir die Entdeckung, dass es das Theatergenre „Konfektionsposse“ gab, beim Lesen dieses Kapitels große Freude bereitet hat.

In „Mode und Emanzipation“ geht Sarah Gubitz auf den kurzen Aufschwung der Frauenrechte in den 1920er Jahren ein, als ein gestiegenes Angebot an Arbeitsplätzen für Frauen (gerade im städtischen Umfeld) dem weiblichen Teil der Bevölkerung größere Unabhängigkeit ermöglichte. Die in dieser Zeit erkämpften Rechte und Möglichkeiten für Frauen fielen aber wenig später der Politik der Nationalsozialisten zum Opfer – was sich auch bei einem Vergleich der Modeströmungen in diesen Jahrzehnten zeigt. Das Kapitel „Arisierung“ (von Sandra Zangerl) zeigt die Mechanismen auf, die dazu führten, dass innerhalb von gerade mal sechs Jahren die einfluss- und erfolgreichen jüdischen Konfektionäre vom Hausvogteiplatz vertrieben wurden. Dabei geht die Autorin nicht nur auf die geänderte Gesetzgebung, sondern auch auf die Propaganda der Nationalsozialisten und die Rolle, die zum Beispiel das Archiv der IHK dabei spielte, ein. Abschließend wirft das Kapitel „Die Familie Wolff – Enteignung und Rückführung eines jüdischen Besitzes“ (von Vera Braun und Katharina Giertz) noch einen Blick auf den Versuch von Dina Gold, einer Nachfahrin der Familie Wolff, mehr über das Schicksal ihrer Familie während des Zweiten Weltkriegs herauszufinden, während der Text „Der Hausvogteiplatz nach dem Zweiten Weltkrieg“ (von Jonathan Irrgang) die Entwicklung des Hausvogteiplatzes in der DDR und nach der Wiedervereinigung schildert.

Ich finde das Thema (Berliner) Modegeschichte grundsätzlich interessant, muss aber zugeben, dass ich mit dieser Veröffentlichung nicht immer so ganz glücklich war. Dadurch, dass die Texte von unterschiedlichen Autor.innen verfasst wurden, gibt es deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Kapiteln. Diese zeigen sich nicht nur in der inhaltlichen Aufbereitung der unterschiedlichen Themen, sondern auch in der Sprache und Strukturierung der verschiedenen Beiträge. Besonders bedauerlich fand ich es, dass ich stellenweise über Aussagen gestolpert bin, die mehr von Vorurteilen als von einem aktuellen Wissensstand zum Thema historische Mode zeugten. Was mich aber vor allem geärgert hat, war eine Anmerkung der Herausgeberinnen im Vorwort, in dem darauf verwiesen wurde, dass die Texte „nur“ von Studierenden verfasst wurden (und man deshalb keine zu hohen Ansprüche an die Qualität stellen sollte), während ich mich frage, warum die beiden als Leiterinnen dieses Projekts dann nicht mit den Autor.innen daran gearbeitet haben, dass alle Texte vor ihrer Veröffentlichung inhaltlich und stilistisch ein angemessenes Niveau erreichen.

Sachbuch-Challenge 2020

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Sachbuch-Challenge ins Leben gerufen, um mal all die Sachbücher in Angriff zu nehmen, die ich seit längerer Zeit auf dem SuB liegen hatte. Wenn ich ehrlich bin, dann hat die Challenge vor allem dazu geführt, dass ich auf neue Sachbücher aufmerksam wurde, die ich mir dann gekauft oder in der Bibliothek ausgeliehen hatte. Auf der anderen Seite stieg so wirklich die Zahl meiner gelesenen Sachbücher und die Challenge-Auswirkungen hielten auch nach den Jahren 2014 und 2015, in denen die Challenge stattfand, an.

Inzwischen ist es aber wieder so, dass ich einen Haufen interessanter Sachbücher angesammelt habe, für die ich mir in den letzten Monaten nicht genügend Zeit genommen habe. Da es immer netter ist, wenn es Leute gibt, mit denen ich mich über meine Lektüre austauschen kann, dachte ich mir, dass ich auch im kommenden Jahr wieder eine Sachbuch-Challenge anbieten kann. Vielleicht gibt es ja unter euch welche, die mitmachen mögen. So wenig Sachbuchleser.innen gibt es unter den Buchblogger.innen ja nicht.

Die Regeln für die Challenge lauten wie folgt:

  • Die Challenge beginnt am 01.01.2020 und endet am 31.12.2020.
  • Das oben eingefügte Logo kann selbstverständlich mitgenommen und für eigene Beiträge zur Sachbuch-Challenge verwendet werden.
  • In diesem Zeitraum sollen mindestens acht Sachbücher gelesen werde.
  • Jedes gelesene Sachbuch soll auf dem Blog rezensiert oder zumindest mit einem einigermaßen aussagekräftigen Leseeindruck bedacht werden.
  • Als Sachbuch gilt jedes Buch mit einem nicht-fiktiven Inhalt (Biografien, Reiseberichte, Fachbücher, Kochbücher, Ratgeber usw.) unabhängig von der angestrebten Zielgruppe (also auch Kinder-Sachbücher).
  • Wer ebenfalls Lust auf die Sachbuch-Challenge hat, der sollte sich bitte mittels eines Kommentars unter diesem Beitrag anmelden und mir einen Link zu einer Challenge-Übersichtsseite hinterlassen, auf der die Fortschritte im Laufe des Jahres vermerkt werden.

Es geht mir nicht darum, dass wir uns gegenseitig mit den Mengen an gelesenen Sachbüchern erschlagen, sondern um den (hoffentlich regelmäßigen) Austausch, um das Lesen der gehorteten Schätze und natürlich auch irgendwie um das Neuentdecken von interessanten Titeln. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn wir uns wieder gegenseitig zum Sachbuch-Lesen inspirieren könnten!

***

Teilnehmer.innen:

Anette
Ariana
Caroline
Daniela
Helma
Kerstin
Kiya
Konstanze
Lisa (Verrückt nach Büchern)
Lisa (Lieschen liest)
Martin
monerl
Natira
Neyasha
Peanut
Rike
Rosa
Sayuri

Dezember-SuB 2019

Der November brachte überraschend viel Lesezeit mit sich, obwohl ich noch so einiges um die Ohren hatte. Allerdings brachte der November auch sehr viele Neuzugänge, so dass all die Lesezeit (die ich nicht selten sowieso mit Bibliotheksbüchern verbracht habe *g*) relativ wenig Auswirkungen auf dem SuB hatte. Glücklicherweise habe ich momentan weiterhin sehr große Lust mich auf dem Sofa mit einem Buch einzurollen und für ein paar Stunden die Nase ins Buch zu stecken, so dass ich bis Weihnachten hoffentlich den einen oder anderen von meinen Neuzugängen gelesen bekomme.

  1. Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone
  2. Becky Albertalli: Leah on the Offbeat
  3. Hanna Alkaf: The Weight of our Sky
  4. Kelly Armstrong: Bitten (Otherworld 1)
  5. Kelley Armstrong: A Royal Guide to Monster Slaying
  6. Kelly Barnhill: Iron Hearted Violet
  7. Tracy Baptiste: Rise of the Jumbies (Jumbies 2)
  8. Tracy Baptiste: The Jumbie God’s Revenge (Jumbies 3)
  9. T. J. Berry: Space Unicorn Blues
  10. Holly Black: The Coldest Girl in Coldtown
  11. Juliet Blackwell: Bewitched and Betrothed (Witchcraft Mystery 10)
  12. Lawrence Block (Hrsg.): In Sunlight or in Shadow – Stories Inspired by the Paintings of Edward Hopper
  13. Lila Bowen: Conspiracy of Ravens (The Shadow 2)
  14. Rhys Bowen: Naughty in Niece (Royal Spyness 5)
  15. Rhys Bowen: The Twelve Clues of Christmas (Royal Speyness 6)
  16. Alan Bradley: Flavia de Luce 5 – Schlussakkord für einen Mord
  17. Alan Bradley: Flavia de Luce 6 – Tote Vögel singen nicht
  18. Marie Brennan: The Voyage of the Basilisk – A Memoir by Lady Trent
  19. Marie Brennan: In the Labyrinth of Drakes – A Memoir by Lady Trent
  20. Marie Brennan: Within the Sanctuary of Wings – A Memoir by Lady Trent
  21. Sarah Rees Brennan: Tell the Wind and Fire
  22. Sarah Rees Brennan: In Other Lands
  23. Stephanie Burgis: The Princess Who Flew with Dragons
  24. Rachel Caine: Ink and Bone (The Great Library 1)
  25. Julie Campbell: The Mysterious Visitor (Trixie Belden 4)
  26. Beth Cato: Breath of Earth (Blood of Earth #1)
  27. Soman Chainani: Quests for Glory (The School for Good and Evil 4)
  28. David Chandler: A Thief in the Night (Ancient Blades 2)
  29. David Chandler: Honor Among Thieves (Ancient Blades 3)
  30. Sarah Beth Durst: Fire and Heist
  31. Louise Erdrich: The Birchbark House
  32. Laura Ann Gilman: Silver on the Road
  33. Christopher Golden/Rachel Autumn Deering (Hrsg.): Hex Life – Wicked New Tales of Witchery (Anthologie)
  34. Jasmine Gower: Moonshine
  35. Mira Grant: Feedback (Newsflash #4)
  36. Mira Grant: Parasite (Parasitology 1)
  37. Mira Grant: Symbiont (Parasitology 2)
  38. Mira Grant: Chimera (Parasitology 3)
  39. Alex Grecian: The Black Country (Scotland Yard’s Murder Squat 2)
  40. Kate Griffin: The Midnight Mayor (Matthew Swift #2)
  41. Kate Griffin: The Neon Court (Matthew Swift #3)
  42. Kate Griffin: The Minority Council (Matthew Swift #4)
  43. Kate Griffin: Stray Souls (Magicals Anonymous #1)
  44. Kate Griffin: The Glass God (Magicals Anonymous #2)
  45. Ben Guterson: Winterhouse
  46. Christian Handel (Hrsg.): Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Anthologie)
  47. Rachel Hartman: Seraphina
  48. Jim C. Hines: Die Buchmagier – Angriff der Verschlinger
  49. Jim C. Hines: Terminal Alliance
  50. Mark Hodder: Auf der Suche nach dem Auge von Naga
  51. Sarah Jean Horwitz: The Dark Lord Clementine
  52. Tanya Huff: Wizard of the Grove
  53. Tanya Huff: Valor’s Choice (Confederation Novel 1)
  54. D. B. Jackson: Thieves‘ Quarry (Thieftaker #2)
  55. D. B. Jackson: A Plunder of Souls (Thieftaker #3)
  56. Diana Wynne Jones: The Dark Lord of Derkholm
  57. Diana Wynne Jones: Year of the Griffin
  58. Diana Wynne Jones: Crown of Dalemark (The Dalemark Quartet 4)
  59. Diana Wynne Jones: Dogsbody
  60. Diana Wynne Jones: Power of Three
  61. Diana Wynne Jones: Black Maria
  62. Diana Wynne Jones: Fire and Hemlock
  63. Diana Wynne Jones: Archer’s Goon
  64. Diana Wynne Jones: Wilkins‘ Tooth
  65. Celine Kiernan: Geisterpfade
  66. Celine Kiernan: Königspfade
  67. Celine Kiernan: Begone the Raggedy Witches (The Wild Magic Trilogy 1)
  68. Mary Robinette Kowall: The Calculating Stars
  69. R. F. Kuang: The Poppy War
  70. Sarah Kuhn: Heroine’s Journey (Heroine Complex 3)
  71. Cixin Liu: The Three-Body Problem
  72. Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora
  73. Kari Maaren: Weave a Circle Round
  74. Seanan McGuire: Tricks for Free (InCryptid 7)
  75. Seanan McGuire: This Ain’t Witchcraft (InCryptid 8)
  76. Seanan McGuire: The Brightest Fell (October Daye 11)
  77. Seanan McGuire: Night and Silence (October Daye 12)
  78. Robin McKinley: Sunshine
  79. Anna-Marie McLemore: Blanca and Roja
  80. Kelly Meding: Stray Magic
  81. Kelly Meding: Stray Moon
  82. Kate Milford: The Boneshaker
  83. Maya Montayne: Nocturna
  84. Marieke Nijkamp (Hrsg.): Unbroken – 13 Stories Starring Disabled Teens (Anthologie)
  85. Bishop O’Connell: The Stolen
  86. Nnedi Okorafor: Akata Warrior (Akata Witch 2)
  87. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): The Starlit Wood – New Fairy Tales (Anthologie)
  88. Dominik Parisien und Navah Wolfe (Hrsg.): Robots vs. Fairies (Anthologie)
  89. Tamora Pierce: Tempests and Slaughter
  90. C.E. Polk: Witchmark (Kingston Cycle 1)
  91. Cindy Pon: Sacrifice (Serpentine 2)
  92. Philip Reeve: Larklight
  93. Kat Richardson: Greywalker
  94. Rebecca Roanhorse: Trail of Lightning (The Sixth World 1)
  95. John Scalzi: Fuzzy Nation
  96. Helen Simonson: Mrs. Alis unpassende Leidenschaft
  97. A.C.H. Smith: Jim Henson’s The Dark Crystal
  98. Robin Stevens: A Spoonful of Murder (A Murder Unladylike Mystery 6)
  99. Robin Stevens: Death in the Spotlight (Murder Most Unladylike 7)
  100. Robin Stevens: Top Marks for Murder (Murder Most Unladylike 8)
  101. Jordan Stratford: The Woolstonecraft Detective Agency 1 – The Case of the Missing Moonstone
  102. Jordan Stratford: The Woolstonecraft Detective Agency 2 – The Case of the Girl in Grey
  103. Rosemary Sutcliff: Troja oder die Rückkehr des Odysseus
  104. Rosemary Sutcliff: König Artus und die Ritter der Tafelrunde
  105. Charles den Tex: Die Zelle
  106. Rob Thomas: Veronica Mars – The Thousand Dollar Tan Line
  107. Sarah Tolcser: Song of the Current
  108. Jessica Townsend: Nevermoor -The Trials of Morrigan Crow
  109. Tiffany Trent: Unnaturalist
  110. Gail Tsukiyama: Die Straße der tausend Blüten
  111. Renee Watson: Piecing Me Together
  112. Jaye Wells: Dirty Magic (Prospero’s War 1)
  113. Martha Wells: All Systems Red (Murderbot Diaries 1)
  114. Darcie Wilde: A Useful Woman (Rosalind Thorne Mystery 1)
  115. Darcie Wilde: A Purely Private Matter (Rosalind Thorne Mystery 2)
  116. Amy Wilson: Shadows of Winterspell
  117. Katherine Woodfine: The Clockwork Sparrow
  118. Xinran: Gerettete Worte
  119. Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes

109 Titel auf dem SuB

(durchgestrichene Titel habe ich in diesem Monat gelesen)
(kursive Titel sind in diesem Monat neu hinzugekommen)

Jane Harper: Ins Dunkel (Aaron Falk 2)

Nachdem mir „Hitze“ von Jane Harper so gut gefallen hatte, habe ich mir noch vor Beenden des ersten Bandes den zweiten Kriminalroman rund um Aaron Falk in der Bibliothek ausgeliehen. Während im Debütroman der Autorin die alles vernichtende Dürre, die das kleine Städtchen Kiewarra um seine Existenz zu bringen droht, für einen Großteil der Atmosphäre verantwortlich war, liegt in „Im Dunkeln“ der Fokus auf der Unwegsamkeit des Giralang-Massivs. Wie schon im ersten Kriminalroman der Autorin gibt es auch in diesem Roman wieder zwei Fälle – einen aktuellen und einen deutlich älteren – die eine Rolle in der Geschichte spielen. Die aktuellen Ermittlungen drehen sich um eine Frau, die bei einer mehrtägigen Teambuilding-Wanderung, die eine Gruppe von Angestellten und Führungskräften der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BaileyTennants unternahm, verloren ging. Besonders brisant ist dabei für Aaron, dass die vermisste Alice Russell die Kontaktperson für ihn und seine Kollegin Carmen Cooper bei einem umfassenden Geldwäsche-Fall war und kurz davorstand, ihnen brisante Unterlagen zu überreichen.

Der ältere Fall, der immer wieder im Laufe der Handlung erwähnt wird, hat dafür gesorgt, dass der Nationalpark, in dem Alice verschwunden ist, berüchtigt ist für mehrere Morde, die dort vor Jahren stattfanden. Vor zwanzig Jahren wurden die Leichen von drei Frauen in dem dichten Waldgebiet aufgefunden und der für diese Taten verurteilte Wanderarbeiter Martin Kovac leugnete bis zu seinem Tod, dass er für die Morde an diesen Frauen oder das Verschwinden der achtzehnjährigen Sarah Sondenberg, deren Leiche bis heute nicht entdeckt werden konnte, verantwortlich gewesen sei. Die Angst, die die Erinnerungen an die damaligen Taten auch heute noch in der Wandergruppe hervorruft, und die Tatsache, dass die Polizei nichts über den aktuellen Aufenthaltsort des Sohns von Martin Kovac weiß, sorgt dafür, dass man als Leser diesen Teil der Erzählung nie ganz aus den Augen verliert. Außerdem bietet die regelmäßige Erinnerung an Martin und Sam Kovac einen hervorragenden Grund, dass man grundsätzlich jeden männlichen Charakter im passenden Alter erst einmal misstraut.

Wie schon bei „Hitze“ arbeitet Jane Harper auch hier mit Rückblicken, um die Handlung zu erzählen. Doch bekommt man bei „Im Dunkeln“ nicht Ereignisse präsentiert, die vor mehreren Jahren stattfanden, sondern die Erlebnisse der vier Wanderinnen, die in den Tagen vor ihrem Verschwinden mit Alice unterwegs waren. Da man die Erinnerungen jeder einzelnen dieser Frauen teilt, lernt man ihren jeweiligen Charakter sowohl aus der eigenen als auch aus fremder Perspektive ziemlich gut kennen. Auf der anderen Seite verfolgt man, wie Aaron und Carmen versuchen, mehr über die verschiedenen Personen herauszufinden (und trotz des Verschwindens von Alice ihren Geldwäsche-Fall weiter voranzutreiben). Ich mochte es sehr, wie die Autorin all die kleinen Zwistigkeiten in ihre Geschichte einbaute, die sich schnell aufhäufen, wenn sehr unterschiedliche Menschen zwangsweise in einer unangenehmen Situation aufeinander angewiesen sind. Außerdem war es stimmig und sehr atmosphärisch zu lesen, wie diese kleinen Reibereien sich immer weiter steigerten, während es den Frauen nach und nach klar wird, dass sie in großer Gefahr schweben.

So spannend die Handlung war und so sehr mich das Schicksal von Alice beschäftigt hat, so muss ich zugeben, dass ich doch bei diesem Roman etwas mehr Abstand zu den Ereignissen empfand als bei „Hitze“. Das liegt vermutlich daran, dass auch Aaron – trotz aller Sorge, die er sich um Alice macht, – nicht persönlich betroffen ist. Er empfindet Sympathie für einige der beteiligten Frauen, er sorgt sich um seinen Fall und er macht sich Gedanken darüber, was für Folgen all die Ereignisse für einige Personen haben werden, aber insgesamt ist das Ganze auch nur Teil einer Ermittlung für ihn. Das lässt diesen Teil der Reihe rund um Aaron Falk ein kleines bisschen weniger intensiv wirken als den Auftaktband. Trotzdem ist dies ein wirklich sehr gut erzählter Kriminalroman mit realistisch wirkenden Figuren, einer sehr spannenden Handlung und einer wunderbar atmosphärischen Kulisse. Ich habe mich auch von diesem Teil der Aaron-Falk-Bücher wieder sehr gut unterhalten gefühlt und würde gern noch mehr von der Autorin lesen, allerdings scheint Jane Harper nach diesem Roman noch kein weiteres Buch veröffentlicht zu haben.

Caroline Stevermer: A College of Magics

Seit ich die „Cecelia and Kate“-Romane von Patricia C. Wrede und Caroline Stevermer gelesen habe, halte ich die Augen nach weiteren Büchern von Caroline Stevermer auf (Patricia C. Wrede gehört sowieso zu den wenigen Autoren, deren Neuerscheinungen automatisch von mir gekauft werden). „Magic Below Stairs“ von der Autorin hatte mir ebenfalls gut gefallen, aber so richtig wusste ich danach nicht, was ich als nächstes ausprobieren sollte, bis ich vor einigen Tagen über einen Artikel gestolpert bin, in dem die Fortsetzung von „A College of Magic“ empfohlen wurde. Da es mir aber widerstrebt, mit dem zweiten (und angeblich besseren) Teil eine Serie anzufangen, habe ich mir daraufhin „A College of Magic“ als eBook besorgt und gelesen. Der Roman erzählt die Geschichte von Faris Nallaneen, die als Achtzehnjährige in Greenlaw aufgenommen wird. Greenlaw ist mehr als eine normale „Finishing School“, denn dort wird bekannterweise Magie gelehrt, auch wenn in der Welt, in der Faris lebt, eigentlich so gut wie keine Magie vorzukommen scheint.

Caroline Stevermer erzählt in „A College of Magic“ sehr ruhig und unaufgeregt von Faris‘ Entwicklung und den Dingen, die sie in den drei Jahren nach ihrer Ankunft in Greenlaw erlebt. Dabei teilt sich die Handlung in drei Abschnitte, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte (und Handlungsorte) aufweisen. Der erste Teil konzentriert sich darauf, Faris und ihren Hintergrund vorzustellen und eine Basis für die folgenden Ereignisse zu schaffen. Faris ist die Herzogin von Galazon, einem kleinen Herzogtum im Osten eines alternativen Europas, und bis zu ihrem 21. Geburtstag wird das Land von Faris‘ Onkel Brinker regiert. Da Faris ihrem Onkel nicht vertraut und sich sicher ist, dass er Galazon in den Ruin treiben wird, ist sie nicht gerade begeistert von der Aussicht, einige Jahre in Frankreich zur Schule zu gehen und keinerlei Kontakt zu ihrem Herzogtum zu haben. Doch im Laufe der Zeit findet Faris nicht nur einige Freundinnen, sondern lernt auch, das Lernen zu lieben. Spannenderweise wird in Greenlaw aber nicht – wie man bei einem College für Magie eigentlich erwarten sollte – Magie gelehrt, sondern die „Magiestunden“ konzentrieren sich auf Theorien und Philosophien, die es jemanden mit angeborener Magie ermöglichen sollten, die eigenen verborgenen Kräfte zu nutzen.

Der anschließende mittlere Teil der Geschichte erzählt von Faris‘ Reise nach Hause, von all den Entdeckungen und Erlebnissen während des Heimwegs, und zeigt, wie Galazon sich unter der Herrschaft ihres Onkels entwickelt hat. Dieser Abschnitt der Handlung zeigt ein größeres Bild als der vorhergehende Teil, so dass man nicht nur ein Gefühl dafür bekommt, in welcher politischen (und persönlichen) Situation sich Faris befindet, sondern auch dafür, wie weit die Ereignisse in Galazon auch Einfluss auf die Nachbarländer haben, und dafür, dass Faris‘ Stellung in der Welt mehr sein könnte als die eine bloßen Herzogin eines recht unbedeutenden kleinen Landes. Im dritten Abschnitt wiederum muss Faris ihre Ausbildung, die Erfahrungen der letzten Monate und die Fähigkeiten, über die sie potenziell verfügt, nutzen, um sich den Aufgaben zu stellen, die sie (nicht nur in ihrer Rolle als Herzogin) von ihren Vorfahren geerbt hat.

Es gibt vieles, was ich – neben dem wunderschönen Schreibstil von Caroline Stevermer – an „A College of Magic“ mochte. Mir gefiel die Low-Magic-Welt, in der die Geschichte spielt und die an unser Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert, und mir gefiel die Darstellung des Collegelebens in Greenlaw. Ich mochte Faris, ihre Freundinnen (allen voran die großartige Jane) und ihre Vertrauten und (von einer ganz speziellen Gegnerin abgesehen) las ich gern von Faris‘ Gegenspielern, die schön vielschichtig angelegt waren. Außerdem zog sich durch den gesamten Roman ein feiner Humor, der immer wieder zu Sätzen oder Szenen führte, die ich gern jemandem vorgelesen hätte, weil ich dabei schmunzeln musste. Besonders geschätzt habe ich auch all die kleinen Details, die stimmig das Leben in einem kleinen und von Landwirtschaft geprägten Land darstellten, wie zum Beispiel die Erwähnung, dass die Steuern immer nach der letzten Ernte des Jahres erhoben wurden. Überhaupt lag Faris‘ Augenmerk – egal, ob es um Nachrichten von Zuhause oder um die vorbeiziehende Landschaft während einer Reise ging – auf der Landwirtschaft, und der Frage, wie die Ernte ausgefallen ist, lag ihr ebenso nah wie die Beobachtung, welche Produkte in welchem Gebiet angebaut werden, oder die selbstverständliche Rücksicht auf die Felder während einer herbstlichen Fuchsjagd.

Ich muss aber auch zugeben, dass dies keines der Bücher war, bei denen mir die Personen besonders am Herzen gelegen hätten. Ich habe gern von Faris und all den anderen gelesen und ich war neugierig darauf, wie ihre Geschichte weiterging, aber ich hatte trotzdem keinerlei Probleme, das Buch aus der Hand zu legen und mich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Zum Teil lag das vermutlich auch daran, dass gerade im ersten Drittel des Romans relativ große Zeitsprünge in der Handlung vorkommen, um die verschiedenen Entwicklungs- und Lernstufen von Faris besser darstellen zu können. „A College of Magic“ war für mich eindeutig ein Buch, das mehr meinen Kopf als meine Emotionen beschäftigt hat (obwohl ich lustigerweise den einen oder anderen Aspekt der Geschichte nachts mit in meine Träume genommen habe, wenn ich vor dem Schlafengehen darin gelesen habe). Insgesamt mochte ich den Roman aber sehr und bin jetzt schon gespannt darauf, was in „A Scholar of Magic“ – das in dem englischen College Greencastle spielt und in dem Faris‘ Freundin Jane wieder vorkommt – für eine Geschichte erzählt wird.

Deborah-Crombie-Lesetag (7) – Von fremder Hand

Nachdem Sayuri und ich inzwischen beide „Böses Erwachen“ beendet haben, beginnen wir heute mit „Von fremder Hand“. Ich muss zugeben, dass ich mich auch hier an relativ wenig erinnere, was dieses Mal daran liegt, dass ich den Roman (ebenso wie den neunten Teil) beim ersten Lesen nicht mochte und deshalb auch deutlich seltener gelesen habe als die anderen Deborah-Crombie-Titel. Alles, woran ich mich noch erinnere, ist, dass sich diese Geschichte um eine Person dreht, die Texte, die von einem mittelalterlichen(?) Mönch niederschreibt, und sich darum eine Art Kult bildet (bei dem Teil bin ich mir nicht so sicher). Für mich bildet dieses Buch den Tiefpunkt der Reihe – ich bin gespannt, ob das nach dem erneuten Lesen so bleibt, oder ob ich überraschenderweise Elemente finde, die ich doch mögen werde. 😉

Wie immer kommt hier die Warnung, dass dieser Beitrag nur für Leute geeignet ist, die den Roman schon kennen oder keinerlei Probleme mit Spoilern haben, denn Sayuri und ich werden uns hemmungslos über die Geschichte austauschen. Ansonsten bin ich gespannt, wie viel Konzentration ich in den nächsten Stunden aufbringe, da ich auf Paketboten warte und mich das immer sehr unruhig macht, weil die örtlichen Boten recht unzuverlässig sind.

Update 12:00 Uhr

Es ist schwierig für mich unbefangen an ein Buch heranzugehen, das ich seit so vielen Jahren als „Tiefpunkt“ der Reihe in Erinnerung habe – obwohl ich kaum noch Erinnerungen an den Inhalt habe. *g* Ich bemühe mich wirklich unbefangen an die Geschichte heranzugehen, finde aber Jacks Reaktion auf die lateinischen Texte, die er unbewusst produziert, etwas extrem, auch wenn Deborah Crombie versucht das mit einem „Gefühl“ zu hinterlegen, das dafür sorgt, dass Jack die Vorgänge nicht einfach verdrängen/ignorieren kann. Ebenfalls finde ich es etwas seltsam, dass Nick bei seinem ersten Gespräch mit Jack so schnell auf den Gedanken kommt, dass dieser genau wie Frederick Bligh Bond paranormale Botschaften erhält. Frederich Bligh Bond hat mich dann erst einmal vom Lesen abgelenkt hat, weil ich durch eine Online-Recherche meine Erinnungen an ihn auffrischen musste und nun bin ich irritiert, weil in dem englischen Wiki-Artikel behauptet wird, dass er Botschaften durch ein Medium bekam, während in „Von fremder Hand“ gesagt wird, dass er selber – mit Hilfe eines Freundes – das „automatisches Schreiben“ beherrschte.

Ansonsten finde ich es gerade überraschend anstrengend, dass die Autorin einem erst einmal eine ganze Reihe von Personen vorstellt. Jede Figur hat zwar auch ihren ganz eigenen Ton, aber da ich etwas unruhig bin, würde ich gerade gern lieber länger bei einem Charakter bleiben. Immerhin freue ich mich über das Wiedersehen mit Winnie und mochte es, wie Jack an sie denkt und wie er in Gedanken ihr erstes Treffen noch einmal durchspielte. Außerdem hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung, dass es für Gemma so schwierig war den Entschluss zu fassen, dass es Zeit für den nächsten Karriereschritt sei. Aber zu Beginn dieses Buches zögert sie, weil das bedeuten würde, dass sie nicht länger mit Duncan zusammenarbeiten würde und weil sie nicht weiß, wie Duncan darauf reagieren wird. Insgesamt bleibt es momentan dabei, dass ich kaum Erinnerungen an die Geschichte habe – stattdessen habe ich bislang einen Haufen Leute kennengelernt, den ich erst einmal zuordnen muss, wobei Winnie sich als roter Faden erweist, denn sie scheint diejenige zu sein, zu der fast alle eine Beziehung haben.

Update 14:00 Uhr

Sehr weit bin ich heute mit dem Roman nicht gekommen, aber ich denke, ich habe jetzt so gut wie alle relevanten Personen kennengelernt und ein Gefühl für ihren jeweiligen Charakter und ihre Ansichten bekommen. Und ich muss mich berichtigen, Deborah Crombie klärt dann relativ schnell noch auf, dass nicht Bligh Bond, sondern sein „helfender“ Freund derjenige war, der das automatische Schreiben praktizierte. Außerdem bin ich etwas grummelig, weil wir als Leser das Gespräch zwischen Gemma und Kincaid, in dem es um ihre Bemühungen um eine Beförderung geht, nicht mitbekommen hat. Wieso hat die Autorin dann das Thema überhaupt aus Gemmas Sicht aufgebracht, wieso ist sie nicht gleich an dem Punkt eingestiegen, an dem sich Duncan und Kit darüber unterhalten? Alles in allem packt mich die Geschichte noch nicht, aber da es inzwischen in dem Kreis, der sich rund um Jack gebildet hat, knirscht, bin ich neugierig darauf, wann endlich etwas passiert, das dafür sorgt, dass Duncan hinzugezogen wird.

Jetzt höre ich für heute aber erst einmal auf mit dem Lesen, denn sonst ist das letzte bisschen Tageslicht weg, bevor die Wohnung einigermaßen sauber ist. 😉

Mittwoch, der 27. November
Update10:45 Uhr

Heute steige ich etwas verspätet in die gemeinsame Leserunde mit Sayuri ein, da mein Wuseln in der Küche etwas länger gedauert hatte als geplant. Dafür habe ich das Abendessen für heute schon vorgekocht und mein Frühstück fertig gemacht und kann mich jetzt ungestört mit meinem Buch einrollen. 😉 Ich muss gestehen, dass ich seit Freitag nicht einmal an „Von fremder Hand“ gedacht habe. Die Geschichte hinterlässt bei mir nicht genügend Spuren, um mich auch zwischen den Lesestunden zu beschäftigen (während mich mein „Zweitkrimi“ sogar bis in den Schlaf begleitet). So ganz ohne Grund habe ich diesen Band der Kincaid-und-James-Reihe also doch nicht als den schlechtesten Roman von Deborah Crombie in Erinnerung. Wie Sayuri auch, finde ich den esoterische Anteil nicht stimmig. Mir kommt Jack zwar glaubwürdig vor, aber ich glaube der Autorin nicht, dass mit ihm die Dinge passieren, die sie schildert. Ansonsten muss ich schon etwas genauer darüber nachdenken, um mich an Details aus den ersten vier Kapiteln zu erinnern und abgesehen davon, dass ich Winnie wirklich mag, bleibt nur eine vage Furcht um Faith, weil ich ihr Verhältnis zu Garnet wirklich ungesund finde.

Update 12:00 Uhr

Dank Gemmas Beförderung taucht nun Doug Cullen in der Geschichte auf bzw. er wurde einmal kurz erwähnt – darüber freu ich mich, ich weiß gar nicht mehr, wie seine erste Zeit als Duncans Sergant war, aber ich mag die Figur und hoffe, dass es bald mehr von ihm (und Gemma und Duncan) zu lesen gibt. (Dass Gemma schon so früh in ihrer Beziehung befürchtet schwanger zu sein, hatte ich auch komplett vergessen.) Ansonsten bin ich jetzt gerade erst mit dem siebten Kapitel fertig geworden, weil ich mich kurz von einer Recherche zum Thema Straußenfeder-Staubwedel habe ablenken lassen, und hoffe, dass die Geschichte nun mit Winnies Unfall endlich etwas Fahrt aufnimmt. Diese ganzen Vorahnungen bei den diversen Beteiligten und die unausgesprochenen Verbindungen und Erwartungen, die die Charakter miteinander verknüpft, finde ich in diesem Roman wirklich etwas zu viel. Wobei es immerhin nett zu lesen ist, dass sich so viele Leute Gedanken um Faith machen und sie beschützen wollen, auch wenn kaum eine dieser Personen uneigennützig handelt. Für heute beende ich erst einmal das Deborah-Crombie-Lesen, aber vielleicht schaffe ich morgen noch ein Kapitel oder so, damit ich am Freitag wieder ungefähr auf dem gleichen Stand wie Sayuri bin.

Freitag, der 29. November
Update 13:30 Uhr

Ich fürchte, es bleibt dabei, dass mich die Geschichte von „Von fremder Hand“ nach dem Weglegen des Buches nicht länger beschäftigt. Ich habe sogar regelmäßig beim Weiterlesen einen leichten Moment der Orientierungslosigkeit, weil ich mich nicht daran erinnern kann, was als letztes passiert ist. Ganz so schlimm wird es heute nicht sein, denn 1. habe ich erst gestern Abend das achte und neunte Kapitel gelesen, damit ich heute auf dem selben Stand bin wie Sayuri, und 2. zieht die Handlung endlich etwas an, nachdem Winnie angefahren wurde und Faith in verwirrtem Zustand bei Jack aufgeschlagen ist. Außerdem Duncan und Gemma auf dem Weg nach Glastonbury, so dass das Ganze jetzt hoffentlich in den kommenden Kapiteln mehr an einen Krimi erinnern wird. 😉

Update 14:30 Uhr

Heute komme ich wirklich deutlich besser voran, als an den letzten Tagen, was damit zusammenhängt, dass endlich mehr in der Geschichte passiert. Nicht nur, dass Winnie angefahren wurde und es mehrere Verdächtige gibt, sondern inzwischen ist auch Garnet ermordet aufgefunden worden. Und auch wenn ich mich nicht mehr an die Handlung erinneren kann, verhält sich Andrew (Winnies Bruder) momentan so verdächtig, dass ich mir sicher bin, dass er nichts mit den Morden zu tun hat.

Update 16:10 Uhr

Und das war es dann auch schon für mich mit „Von fremder Hand“. Es bleibt dabei, dass ich Winnie und Jack sehr mag, und nachdem die Geschichte mit dem Eintreffen von Gemma und Duncan in Glastonbury an Fahrt aufnahm, habe ich den Roman auch gern gelesen. Die Auflösung der verschiedenen Geheimnisse fand ich allerdings etwas unbefriedigend. Dass Andrew der Vater von Faith Kind ist, war von langer Hand abzusehen, dass er sich am Ende so unreif und dumm benimmt, finde ich weiterhin nervig. Ansonsten fand ich das Motiv für den Mord an Garnet etwas schwach. Die Verheimlichung einer Tat, die vor mehreren Jahren stattfand, ist zwar ein klassisches Mordmotiv, aber so viel hätte der Täter durch das Eingeständnis der damaligen Fahrerflucht meiner Meinung nach nicht zu verlieren gehabt. Ein bisschen frage ich mich, wie es langfristig mit Fiona weitergehen wird – auf der anderen Seite gehe ich davon aus, dass Winnie sich schon um ihre Freundin kümmern wird. Alles in allem bleibe ich dabei, dass dieser Band für mich der schwächste der Reihe ist, weil die esoterischen Elemente der Krimihandlung ebenso wenig wie dem Erzähltempo gut getan haben.

UFO-Liste

Seit Wochen nehme ich mir vor, dass ich mir endlich mal meine UFOs (UnFinished Objects) vornehme. Genau genommen will ich seit Ende September all die Dinge in Angriff nehmen, die ich entweder schon vor längerer Zeit angefangen haben oder für die ich die notwendigen Materialien schon seit einigen Monaten im Haus habe. Um das mal endlich auf die Reihe zu bekommen, gibt es hier eine UFO-Liste. Das hilft mir nicht nur, den Überblick zu halten, sondern sorgt hoffentlich auch dafür, dass ich etwas disziplinierter bei meinem Vorhaben dabeibleibe. 😉

1. In der geschlossenen Box ist ein Projekt, an dem ich schon länger arbeite. Da das Ganze ein Geschenk für eine Freundin ist und ich nicht weiß, ob sie nicht doch mal einen Blick auf meinen Blog wirft, muss die geschlossene Box hier als Anstupser für mich herhalten. 😉

2. Eine Box voller Socken, die zum Großteil noch darauf warten, dass ich Fäden vernähe. Da das alles Socken sind, die ich aus Resten zusammengestrickt habe, ist das Vernähen etwas lästig. Immerhin habe ich eben beim Fotografieren in der Box schon mal drei Paare gefunden, die fertig sind und nun in die Sockenschublade umziehen dürfen.

3. Das grün-weiße Häkelzeug ist mein Versuch, „Schwamm-Ersatz“ anzufertigen. Ich hatte online einige Anleitungen gefunden, in denen es hieß, dass man mit rauer Baumwolle und dem richtigen Muster etwas hinbekommen kann, das kratzig genug ist, um die Funktion einer Scheuerseite eines Haushaltsschwamms zu übernehmen. Mit dem gestrickten Versuch – bei dem ich mir noch überlegen muss, ob ich da wirklich ein Stoffstück einarbeiten will, bevor ich die vierte Seite vernähe – bin ich nicht ganz so glücklich, werde das Ding aber mal in der Praxis testen. Ein erster gehäkelter Anlauf gefiel mir besser, war aber (bei genauem Einhalten der gefundenen Anleitung) am Ende eher kegelförmig geworden, weshalb ich mal in Ruhe rumprobieren wollte, wie viele Maschen ich zunehmen muss, damit das Ganze flacher wird.

4. Im September gestrickte „Marktfrauen-Handschuhe“, die ich noch vernähen und spannen muss.

5. Aus dem kleinen Wollknäuel und den beiden Strängen soll ein Halstuch werden. Die Wollstränge muss ich noch aufwickeln, und nachdem ich mit den ersten ausprobierten Mustern nicht glücklich war, wollte ich etwas eigenes ausprobieren. Für den Anfang muss ich mir aber mal etwas Zeit und Ruhe gönnen, um zu schauen, ob das Muster dann auch gleichmäßig genug „mitwächst“, damit ich stricken kann, bis mir die Wolle ausgeht.

6. Zuletzt noch ein großes Stück Flanellstoff, aus dem mal Taschentücher werden sollen. Ich bin mit meinen schon genähten Flanelltaschentüchern total zufrieden, aber die Menge reicht nicht für eine richtige Schnupfenphase. Den Stoff müsste ich mal anfeuchten und bügeln, dann zuschneiden und die Stücke säumen. Bügeln und Zuschneiden sind nicht gerade meine Lieblingstätigkeiten, wenn es ums Nähen geht, weshalb der Stoff nun schon seit dem Sommer darauf wartet, dass ich mal aktiv werde.

Wenn ich mir das so anschaue, dann sind das gar nicht so viele UFOs, wie ich die ganze Zeit befürchtet hatte. Allerdings sind da schon ein paar Sachen dabei, die ich nicht mal eben fertigstellen kann. Mal schauen, wie viel ich davon bis zum Jahresende auf die Reihe bekomme. Die Socken sollten schnell erledigt sein, und die Handschuhe und das Halstuch will ich eigentlich in den nächsten Wochen tragen können, wenn es denn mal richtig kalt werden sollte.

Lese-Sonntag November 2019

Bislang bestand der November aus einer guten Mischung aus „viel gearbeitet“ und „viel gelesen“, was dazu geführt hat, dass ich in den letzten Wochen so langsam all die Stapel mit angefangenen Bücher etwas mehr in den Griff bekommen und mich dafür auf den einen oder anderen Bibliotheks-Titel gestürzt habe. Neben drei weiteren Büchern, die ich in den nächsten Tagen lesen muss, wenn ich sie nicht ungelesen in die Bibliothek zurückbringen will, habe ich hier noch ein paar Romane, die ich in den letzten Wochen aus dem SuB und dem Bücherregal gezogen habe, weil ich sie gern lesen wollte. So richtig weiß ich noch nicht, wonach mir heute ist, aber Auswahl habe ich ja genug. Vorher gibt es aber erst einmal eine Kurzgeschichte aus der „A Thousand Beginnings and Endings“-Anthologie, die in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen ist. Außerdem wäre es vermutlich nicht schlecht, wenn ich gleich einmal kurz in die Küche husche, um das Geschirr von gestern Abend in Angriff zu nehmen (und eine Portion noch nicht verarbeiteter Plätzchenteig ruht auch noch im Kühlschrank). Ich wünsche euch erst einmal einen schönen und entspannten Start in den heutigen Lesetag und erinnere euch jetzt schon einmal daran, dass der Lese-Sonntag im Dezember auf den 15. fällt. 😉

Update 12:00 Uhr

Orangen-Mäuse

Ich bin mir nicht sicher, ob mir „Still Star-Crossed“ von Sona Charaipotra gefallen hat, denn auf der einen Seite wirkt die Geschichte zwar romantisch (vor allem, wenn man die „Basisgeschichte“ von Mirza und Sahiba im Hinterkopf behält und sich vorstellt, dass die beiden Liebenden über die Jahrhunderte immer wieder eine Chance auf ein Happy Ende bekommen – und es immer wieder von neuem verbocken), auf der anderen Seite hat der Protagonist der Geschichte etwas von einem Stalker, weil er in der Protagonistin Taara seine verlorene Liebe wiedererkennt und nun natürlich alles tun will, um endlich mit ihr zusammen sein zu können. Schwierig, aber immerhin eine Geschichte, die ich nicht so schnell vergessen werde.

Zimt-Schildkröten

Ansonsten war die Küche zwischendurch sauber und danach habe ich mich mit (eigentlich bewährtem) Plätzchenteig rumgeärgert, der heute seltsam brüchig und so gar nicht gut zu verarbeiten war. Aber jetzt ist er weggebacken und ich hoffe sehr, dass die Ergebnisse heute Nachmittag schmecken. Außerdem habe ich mir zum Frühstück ein paar Seiten in „Howl’s Mowing Castle“ von Diana Wynne Jones gegönnt. Ich liebe den Anfang dieser Geschichte so sehr und ich hatte heute solche Lust darauf, obwohl es so viel vernünftiger wäre, wenn ich ein paar Bücher vom SuB anfangen würde. Aber Vernunft spielt beim Bücherhorten und -lesen bei mir ja eh keine so große Rolle. 😉 Kommentiert habe ich auch eine Runde und jetzt rolle ich mich wieder auf dem Sofa zusammen und entspanne mich mit Sophie, die demnächst in ein magischen Schloss eindringt (und dann behaupten wird, dass sie die neue Putzfrau sei). 😉

Apfel-Milchreis mit Zimt

Update 16:00 Uhr

Nach dem letzten Update haben mein Mann und ich – dank eines Anstupers durch Ariana – erst einmal einige Zeit damit verbracht herauszufinden, ob wir unsere Stereoanlage und unseren Laptop per Bluetooth verbinden können. Da hat geklappt und nachdem die Verbindung nun steht, sollte es in Zukunft relativ einfach möglich sein, dass ich nun meine (Audible-)Hörbücher über die Lautsprecher der Anlage höre und nicht mehr darauf angewiesen bin, dass ich mit Kopfhörern in den Ohren rumlaufe. Vielen Dank für die Anregung, Ariana! 🙂

Nicht die schönste Ausgabe von „Howl’s Moving Castle“, aber ich hänge wirklich an diesem Buch. 🙂

Als ich mich dann wieder auf dem Sofa einrollen wollte, hielt eine hupende Kolonne vor der Tür, Instrumente wurden ausgepackt und die Brautentführung der Nachbarstochter aus dem Hinterhaus nahm ihren Lauf. Auch wenn keine dieser Traditionen rund um Hochzeiten noch besonders zeitgemäß ist, muss ich doch zugeben, dass die ganze Aktion hübsch anzuschauen war, weshalb wir auch aus dem Fenster schauten bis die Braut davonfuhr. Wobei ich überrascht war, wie laut die Musik ist, wenn man sie nicht nur von der Straße aus hört (was hier im Viertel jetzt nicht so selten der Fall ist), sondern gleichzeitig noch aus dem eigenen Treppenhaus. *g* Dann ging es aber wirklich mit Buch und Tee aufs Sofa. Jedes Mal, wenn ich zu „Howl’s Moving Castle“ greife, finde ich es großartig zu lesen, wie befreiend es für Sophie ist eine alte Frau zu sein. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie nicht das Gefühl, sie müssen den Erwartungen ihrer Familie/Umgebung gerecht werden, sondern sie macht einfach wonach ihr ist – und wenn man sie deswegen für verrückt halten sollten, dann ist es auch egal, denn alte Frauen werden oft als sonderlich, verrückt oder verwirrt abgetan.

Orangen-Maus, Zimt-Schildkröte und Schokoladen-Katze. 😉

Neben „Howl’s Moving Castle“ habe ich ansonsten noch die Geschichte „A Recipe for Magic“ von Kate Howard und Fran Wilde gelesen, die (schon vor zwei Jahren) auf dem B&N-Blog veröffentlicht wurde. Die Handlung wird erzählt aus der Sicht von Esmé, der Besitzerin der Night & Day Bakery – wo Backen und Magie Hand in Hand gehen, und aus der Sicht von Lux, Esmés neuer Auszubildenden, die anfangs so glücklich war diesen Ausbildungsplatz zu finden. Doch nachdem ihr ein Missgeschick nach dem anderen passiert, fürchtet sie, dass sie ihren Ausbildungsplatz verliert, ihre letzte Chance mehr über Magie zu lernen und den einzige Ort, an dem sie sich noch Zuhause fühlt. Ich mochte die Geschichte sehr, vor allem war es schön zu lesen, wie viel Mühe sich Esmé gibt, damit Lux sich wohlfühlt, etwas von dem Kummer aus ihrer Vergangenheit loslässt und bereit ist all die Dinge über Magie und Backen zu lernen, die Esmé ihr beibringen will. Vor allem mochte ich aber die Verbindung, die Esmé mit ihrer Bäckerei, mit ihrem Ofen und all den anderen Utensilien hatte, die sie tagtäglich für ihre Arbeit verwendet. Das war eine wirklich hübsche Geschichte! 🙂

Update 19:15 Uhr

Von den vergangenen gut drei Stunden habe ich ungefähr zwei mit Sofaschlaf verbracht. Das war anscheinend nötig, nachdem die letzten Nächte etwas kurz waren. 😉 Jetzt flitze ich in die Küche und während das Essen im Ofen ist, drehe ich eine Blogrunde und schaue, wie es euch heute Nachmittag erging.

Update 22:00 Uhr

Kartoffeln und Rote Beete aus dem Ofen mit Feta und Thymian

Die letzten Stunden sind mit Kochen, Essen, Kommentare schreiben und beantworten und natürlich Animal-Crossing-Spielen schnell vergangen. Ich mag, wie mein Animal-Crossing-Charakter gerade aussieht, obwohl ich die Frisur normalerweise scheußlich finde. Aber mit dem Outfit passt alles erstaunlich gut zusammen. *g* Den Rest meines Abends werde ich wohl weiterhin mit „Howl’s Moving Castle“ verbringen und da die anderen schon ihr letztes Update geschrieben haben, war es das hier auch für mich.

Ich habe mich darüber gefreut, dass wir heute wieder in so netter Runde gemeinsam gelesen und den Tag verbracht haben! Habt einen schönen Start in die Woche, passt gut auf euch auf und gönnt euch ab und an eine Auszeit. 🙂

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Heutige Mitleserinnen:

Natira
JED
Ariana
Sunny

Jane Harper: Hitze (Aaron Falk 1)

In den letzten Monaten bin ich mehrmals bei Neyasha über Bücher gestolpert, die ich interessant fand, so auch „Hitze“ von Jane Harper, das ich in der Onleihe ausleihen konnte. Der Kriminalroman beginnt mit der Beerdigung von Luke Hadler, der erst seine Frau und seinen Sohn und dann sich selbst umgebracht haben soll. Der Polizist Aaron Falk, Lukes Freund aus Kindertagen, kommt zu diesem Anlass zurück in seinen Geburtsort Kiewarra, obwohl er mit dem Ort keine guten Erinnerungen verknüpft. So ist es kein Wunder, dass Aaron eigentlich so schnell wie möglich wieder verschwinden will, doch Lukes Mutter ist sich sicher, dass ihr Sohn niemals seine Familie umgebracht hätte, und auch den örtlichen Polizisten Sergeant Raco beschäftigen rund um Lukes Tod noch einige unbeantwortete Fragen.

Von Anfang an bekommt man als Leser mit, dass für Aaron die Rückkehr nach Kiewarra nicht so einfach ist, da er vor vielen Jahren verdächtigt wurde, seine Freundin Ellie ermordet zu haben. Luke hatte ihm zwar damals für den Nachmittag, an dem Ellie verschwand, ein Alibi gegeben, aber so richtig wollte niemand in der kleinen Stadt glauben, dass der (oder gar beide) Teenager unschuldig an dem Tod der Sechzehnjährigen waren. Je mehr Aaron sich mit dem Tod von Luke beschäftigt, desto mehr Erinnerungen kommen auch an ihre gemeinsame Jugendzeit und natürlich Ellie hoch. Jane Harper lässt sich Zeit beim Erzählen der beiden Handlungsstränge rund um den Mord an Luke und seiner Familie sowie um den Tod von Ellie, der zwar offiziell als Selbstmord zu den Akten gelegt wurde, aber in den Augen der Bewohner von Kiewarra bis heute ungeklärt blieb. Ich mochte diese eher gemächliche Erzählweise der Autorin, weil sie einem so nicht nur die Gelegenheit gab, die verschiedenen Charaktere gut kennenzulernen, sondern damit auch eine ungemein atmosphärische Stimmung für ihre Geschichte kreiert hat.

Das Leben in Kiewarra war noch nie einfach, die Menschen dort leben von der Landwirtschaft und der australische Boden ist weder gnädig zu den Pflanzen noch zu den Nutztieren. Doch in den vergangenen Jahren wurde die Situation in dem kleinen Ort noch angespannter. Zwei Jahre Dürre haben die Felder verdorren und die letzten Wasserreserven verschwinden lassen. Viele Farmen in Kiewarra ringen um ihr Überleben oder mussten sich den extremen Wetterbedingungen geschlagen geben, was natürlich auch Auswirkungen auf alle anderen Geschäfte im Ort hat. Durch Aarons Augen erlebt man als Leser diese Veränderungen hautnah. Er hat schon als Kind gesehen, wie schwierig das Leben von der Landwirtschaft ist und welche Abhängigkeiten sich innerhalb der Nachbarschaft unter solchen Bedinungen entwickeln (und wie unmöglich das Leben an einem solchen Ort wird, wenn die Nachbarn beschließen, dass man in ihren Reihen keinen Platz mehr hat). Doch die Stimmung im heutigen Kiewarra ist noch angespannter, die Verzweiflung und Armut der Menschen an allen Ecken zu spüren, ebenso wie die Gewissheit, dass (im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinne) ein Funke genügt, um eine Katastrophe auszulösen.

Obwohl die Stimmung in der Stadt schrecklich ist, fand ich die Geschichte nicht deprimierend. Ich mochte Aaron Falk, der mit all seinen Stärken und Schwächen einen sympathischen und glaubwürdigen Protagonisten abgab, und ich mochte es vor allem, dass er so gut mit dem örtlichen Polizisten Sergeant Raco zusammenarbeitete. Es gab kein Kompetenzgerangel zwischen den beiden – was auch daran lag, dass beide inoffiziell in einem eigentlich schon abgeschlossenen Fall ermittelten -, stattdessen entwickelt sich aus dem gemeinsamen Bedürfnis, die Wahrheit über die entsetzlichen Morde zu erfahren, eine relativ entspannte Freundschaft und ein überraschend belastbares Vertrauensverhältnis. Am Ende werden beide Fälle gelöst, wobei die Hintergründe rund um Ellies Tod schon relativ lange auf der Hand lagen, während mich die Autorin rund um den Tod von Luke und seiner Familie erfolgreich von meinem anfänglichen (richtigen) Verdacht ablenken konnte. Insgesamt bin ich wirklich beeindruckt davon, dass Jane Harper mit ihrem Debütroman eine so überzeugende und faszinierend Kriminalgeschichte geschaffen hat. Mir hat „Hitze“ sogar so gut gefallen, dass ich schon während des Lesens „Ins Dunkel“, den zweiten Band rund um Aaron Falk, in der Onleihe vorgemerkt habe, um ihn dann hoffentlich bald lesen zu können.

Seanan McGuire: Deadlands 3 – Boneyard

Ich muss zugeben, dass ich das Weird-West-RPG „Deadlands“ nicht kannte, bevor ich diesen Roman in die Finger bekam, aber nach dem Lesen kann ich behaupten, dass man die Hintergründe des Games oder der ersten beiden Bände („Ghostwalkers“ von Jonathan Maberry und „Thunder Moon Rising“ von Jeffrey Mariotte) auch nicht benötigt, um diese Geschichte genießen zu können. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Annie Pearl, die beim Blackstone Familiy Circus – dem sie gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Tochter Adeline angehört – für die Pflege der Kuriositäten zuständig ist. Schon früh lernt man, dass Annie in deutlich wohlhabenderen Umständen aufgewachsen ist und dass sie vor Jahren auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit beim Zirkus landete, als verzweifelte Frau mit einem Kleinkind auf der Hüfte und einem noch nicht ausgewachsenem Luchsweibchen auf den Schultern.

Die Geschichte beginnt im Herbst: Der Zirkus benötigt dringend noch einen guten Halt vor dem Winter, um genügend Geld für die kommenden Monate zu verdienen. Die Situation ist so angespannt, dass Jonathan Blackwood beschließt, mit seinem Zirkus nach „The Clearing“ zu reisen – eine kleine Stadt tief in der Wildnis von Oregon, wo die Menschen freundlich und der Profit groß sein sollen. Ihm ist, ebenso wie allen anderen Mitgliedern seines Zirkus, durchaus bewusst, dass eine Gelegenheit, die sich so gut anhört, einen Haken haben muss. Doch um all seine Angestellten (inklusive der diversen Waisenkinder, die ihren Weg zum Zirkus gefunden haben) über den Winter bringen zu können, muss er dieses Riskio eingehen.

Seanan McGuire lässt in „Boneyard“ die Handlung sehr langsam anlaufen, man lernt als Leser den Zirkus und die diversen Personen, die mit ihm verbunden sind, kennen, man erfährt ein wenig über Annies Alltag mit ihren Kuriositäten und welche Gefahren der Umgang mit diesen Wesen mit sich bringt. Mir hat es gut gefallen, wie die Autorin die diversen Charaktere vorstellt und wie sie die aktuelle Situation (und Vergangenheit) der verschiedenen Figuren durch kleine Beschreibungen und Szenen andeutet. Allerdings muss ich zugeben, dass dieses langsame Herantasten an die Geschichte auch dazu geführt hat, dass ich den Roman anfangs auch gut aus der Hand legen und mich mit etwas Anderem beschäftigen konnte. Dabei mochte ich grundsätzlich das Setting mit seinen Western-Steampunk-Horror-Elementen und fühlte mich von der Erzählweise stellenweise an die Jonathan-Healey-und-Frances-Brown-Kurzgeschichten aus Seanan McGuires InCryptid-Serie erinnert.

Als der Zirkus dann in „The Clearing“ ankommt, zieht die Handlung endlich an. Schnell wird klar, dass mit dem Ort wirklich etwas nicht in Ordung ist, und so findet sich Annie bald in einem Kampf um das Überleben ihrer Tochter und all der anderen Personen, die dem Zirkus angehören, wieder. Auch hier zieht das Tempo nicht besonders stark an, aber diese eher gemächliche Erzählweise passt zu dem Grauen, das in den Wäldern rund um „The Clearing“ heimisch ist. Das Warten darauf, dass man endlich die bedrohlichen Kreaturen zu Gesicht bekommt, die zwischen den Bäumen lauern, die Stunden, die sich Annie im Dunkeln durch den Wald bewegt, ohne zu wissen, ob sie Adeline jemals wieder zu Gesicht bekommen wird, die grauenhafte Geschichte, die der allein in einer Hütte in den Wäldern hausende Hal zu erzählen hat – all das sorgt für wunderbar atmosphärische Lesestunden, bei denen man die ganze Zeit darauf wartet, dass die Protagonisten endlich aktiv gegen die Bedrohung angehen können.

Allerdings gab es in „Boneyard“ auch Elemente, die ich nicht ganz so überzeugend fand und bei denen ich vermute, dass es zum Teil daran lag, dass ich mit „Deadlands“ nicht vertraut bin. So fand ich zwar die Beschreibungen von Annies Ehemann und seinem gottlosen Tun angemessen abstoßend, hatte aber das Gefühl, ich könnte seine Rolle in der Welt und die Position, die sein Mentor Dr. Hellstromme einnimmt, nicht richtig einschätzen. Auch hätte ich normalerwiese bei Seanan McGuire eine besser ausgebaute Hintergrundgeschichte zu „The Clearing“ erwartet, denn auch wenn sie durch die Einführung von Hal und seinen Erfahrungsbericht mit dem Ort und seinem Bürgermeister da noch einige Details nachgeliefert hat, so konnte mich das doch nicht ganz überzeugen. Alles in Allem hat mir das Lesen von „Boneyard“ aber sehr viel Spaß gemacht, und wenn ich wieder auf der Suche nach einer relativ ruhig erzählten Horrorgeschichte für einen dunklen und unheimlichen Herbsttag bin, dann werde ich „Boneyard“ gewiss noch einmal aus dem Regal ziehen.